Wider Willen Manager der Krisen geworden
Jan 27, 2010
WIEN. Kardinal Christoph Schönborn wird heute 65. Der zurückhaltende Intellektuelle war von Beginn an mit Krisenmanagement in der katholischen Kirche Österreichs beschäftigt.
Schönborn, der 1995 aufgrund eines Missbrauchs-Vorwurfs gegen Hans Hermann Groër dessen Amt als Wiener Erzbischof übernahm, konnte nicht ahnen, dass Kirchenkonflikte seine Amtszeit prägen würden. Bis zur jüngsten Krise, ausgelöst durch die letztendlich missglückte Ernennung des erzkonservativen Gerhard Maria Wagner zum Linzer Weihbischof, meisterte der gebürtige Böhme aber so ziemlich alles – wenn auch meist nach längerer Bedenkzeit.
Selbst mit Rom legte sich der Wiener Erzbischof, der heute Geburtstag feiert, an. Im Fall Wagner verfasste er als Vorsitzender der Bischofskonferenz einen geharnischten Hirtenbrief, der einen Rapport beim Papst zur Folge hatte. Ein entscheidender Schritt war wohl die (Selbst-)Demontage des streitbaren St. Pöltner Bischofs Kurt Krenn nach einer Sexaffäre in dessen Priesterseminar.
In Kirchenkreisen wird Schönborn als weltoffen, leutselig und sprachgewandt gelobt, zum kritischen Kirchenvolk und zu Medien hält der Dominikaner aus adeligem Haus (mit einem Dutzend höchsten kirchlichen Würdenträgern in der Ahnentafel) Distanz. Zu Papst Benedikt XVI. hat Schönborn seit dessen Zeit als Theologieprofessor eine freundschaftliche Beziehung.
Nach dem Tod von Johannes Paul II. firmierte Schönborn in den Nachfolge-Spekulationen ganz oben. Der immer elegant auftretende Kardinal ist nicht nur einer der profiliertesten Fürsprecher des interreligiösen Dialogs, er hat sich auch die innere Erneuerung des Katholizismus auf die Fahnen geschrieben. Erneuerungsbewegungen wie das „Neokatechumenat“ haben seine Sympathie.
In gesellschaftspolitischen Bereichen marschiert der Wiener Erzbischof die Vatikan-Linie treu mit, etwa bei der Ablehnung von Abtreibungen oder bei homosexuellen Partnerschaften. Kirchenkritikern, die etwa die Abschaffung des Zölibats und die Priesterweihe für Frauen fordern, begegnet Schönborn freundlich im Ton, aber hart in der Sache.