Wien: Buch als "Festgabe" zu Kardinal Schönborns "65er" präsentiert
Jan 18, 2010
Neben dem Band "Entdeckung der Freundschaft" erscheint im "Herder"-Verlag auch eine große akademische Festschrift - Überreichung bei Vesper zum 65. Geburtstag des Wiener Erzbischofs im Stephansdom
Wien, 15.01.2010 (KAP) Der Freiburger Verleger Hermann Herder hat Kardinal Christoph Schönborn für die langjährige Verbundenheit und Zusammenarbeit mit dem Verlagshaus "Herder" gedankt. Schönborn sei - nach Theodor Innitzer und Franz König - bereits der dritte Wiener Erzbischof und Kardinal, mit dem er zusammenarbeite, sagte Herder am Donnerstagabend in Wien bei der Pressepräsentation des neuen "Herder"-Bandes "Entdeckung der Freundschaft". Das Buch ist eine Festgabe des "Internationalen Theologischen Instituts" (ITI) in Trumau/Niederösterreich an Kardinal Schönborn zu dessen 65. Geburtstag am 22. Jänner.
Der deutsche Verleger erinnerte an die Professorenzeit Schönborns in Fribourg. Damals habe er, Herder, den damaligen Dogmatikprofessor und jetzigen Wiener Erzbischof in der Schweizer Universitätsstadt besucht, um mit ihm über ein philosophisches Buchprojekt zu sprechen. Schönborn habe ihm damals die Schiene zu Hans Urs von Balthasar in Basel gelegt, von dem er dann ein großartiges Vorwort zu dem philosophischem Buch erhalten habe, so Herder.
Die am Donnerstag präsentierte "Festgabe" des ITI, für die 28 Freunde Kardinal Schönborns aus acht Ländern geschrieben haben, ist nicht das einzige Buch, das dem Wiener Erzbischof bei der großen Geburtstags-Vesper am 24. Jänner im Wiener Stephansdom überreicht wird: Ebenfalls im "Herder"-Verlag erscheint auch eine große akademische Festschrift, für die eine Reihe renommierter Theologen gewonnen werden konnten.
"Echte" und "falsche" Freundschaft
Der Wiener Arbeits- und Sozialrechtsprofessor Wolfgang Mazal sagte bei der Buchpräsentation, der Begriff "Freundschaft" im Thema des Buches verweise auf Bindung und auf den Menschen als Gemeinschaftswesen. In Österreich gebe es allerdings das Phänomen, dass "Freundschaft" auch negativ besetzt sei könne; Mazal erwähnte in dem Zusammenhang die Begriffe "Freunderlwirtschaft" und "Freundeskreise", die aktuell etwa in den Berichten über den "Hypo-Alpe-Adria"-Affäre zu finden seien.
Dazu komme die "Freunde"-Inflation im Facebook. Freilich - so Mazal - sollten Jugendliche wegen ihrer Facebook-Freunde nicht belächelt werden: "Auch dort ist wirkliche Freundschaft vorhanden, in dem Sinne, dass sich die Jugendlichen zu ihren Facebook-Freunden bekennen." Dieses "Einstehen für" zeichne echte Freundschaft aus. "Einstehen für" sei ein Wert, der fundamental für das Funktionieren der Gesellschaft sei. Dies werde am Problem des Rückgangs der Ehrenamtlichen - etwa in Rettung und Feuerwehren - sichtbar: "Der Trend geht dahin, dass nur mehr projektbezogene Zusammenarbeit, aber nicht mehr dauerhafte Bindung gefragt ist." Und auch die Ehe und der Priesterberuf litten unter dem Phänomen der Bindungsscheu, erinnerte der Wiener Sozialrechtler.
Unterschiedliche Traditionen zusammenführen
Der Dekan des ITI und Initiator des "Festgabe"-Buches, Bernhard Dolna, würdigte die Begabung Kardinal Schönborns, "Menschen, die ganz verschieden sind, zusammenzubringen". Der Wiener Erzbischof verkörpere damit auch eine alte Tradition des ehemaligen Vielvölkerstaates der Habsburger, der die unterschiedlichsten Völker vereint hatte.
Dolna betonte, dass das ITI auch auf diese Tradition aufbauen wolle. Als Beispiel nannte er die Gemeinschaft von Studenten und Priestern der ostkirchlichen und der westkirchlichen Tradition am neuen Campus in Trumau. Aufgegriffen werde vom ITI auch die Überlieferung der jüdischen Tradition - u.a. rabbinische Schriften -, weil es in den vergangenen 2.000 Jahren "nicht nur eine Geschichte der jüdisch-christlichen Divergenz, sondern auch des Austausches gab". Dolan verwies in diesem Zusammenhang auf den Beitrag des israelischen Rabbiners Alon Goshen-Gottstein für den "Festgabe"-Band.
Die einzelnen Beiträge des Buches fasste die Herausgeberin, die Juristin und Theologin Gudrun Kugler, zusammen. Die 28 Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen - von Journalistik über Wirtschaft, Informatik, Physik, Rechtswissenschaften, Theologie, Theater und Kunst bis zur Politik.