Christoph Cardinal Schönborn, O.P. Christoph Cardinal Schönborn, O.P.
Function:
Archbishop of Wien, Austria
Title:
Cardinal Priest of Gesù Divin Lavoratore
Birthdate:
Jan 22, 1945
Country:
Austria
Elevated:
Feb 21, 1998
More information:
www.catholic-hierarchy.org, Stephanscom.at, The Schonborn Site
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German Gedanken zum Evangelium am 7. Sonntag im Jahreskreis
Feb 25, 2009
"Jesus heilt den Gelähmten nicht wegen seines Glaubens, sondern er schaut auf den festen, zuversichtlichen Glauben dieser vier Männer. Weil sie so ein starkes Vertrauen zu Jesus haben, bringen sie den Gelähmten zu ihm, damit er ihn heile", schreibt Kardinal Schönborn über das Sonntagsevangelium.

Ein Glaube, der andere trägt

Drei Dinge bewegen mich besonders an diesem so anschaulichen Evangelium. Da ist zuerst die Hilfsbereitschaft der vier Männer, die den Gelähmten unbedingt zu Jesus bringen wollen. Sie scheuen keine Mühe, sie lassen sich von keinem Hindernis abhalten. Es sieht aussichtslos aus. Es herrscht ein derart großes Gedränge um Jesus, dass sie mit ihrem Patienten einfach nicht zu Jesus vordringen können. Statt sich entmutigen zu lassen, suchen sie einen "unmöglichen" Ausweg: Sie räumen das Dach über Jesus ab, sie machen ein Loch in der Decke. Jetzt können sie den Gelähmten direkt vor Jesus herunterseilen.

Wie viele solche unermüdliche Helfer gibt es auch heute! Ehrenamtliche Rot-Kreuz-Helfer, Feuerwehrleute, spontane Hilfsbereitschaft im Alltag, die sich von Schwierigkeiten nicht entmutigen lässt. Unsere Gesellschaft wäre hart und kalt ohne solche Menschen, die nicht fragen, was es ihnen "bringt", sondern die zupacken, wo Not ist. Ihnen gilt es immer wieder Dank zu sagen.

Ein Zweites beeindruckt mich am heutigen Evangelium: "Als Jesus ihren Glauben sah ..." Jesus heilt den Gelähmten nicht wegen seines Glaubens, sondern er schaut auf den festen, zuversichtlichen Glauben dieser vier Männer. Weil sie so ein starkes Vertrauen zu Jesus haben, bringen sie den Gelähmten zu ihm, damit er ihn heile.

Der Glauben der anderen! Manche Mutter betet um den Glauben ihrer Kinder. Und manche Kinder um den Glauben ihrer Eltern! Wir können einander auch im Glauben helfen. Wir können uns gegenseitig im Glauben tragen. Ich sage oft in unseren Pfarrgemeinden zu den Gläubigen: Sagt euren Nachbarn, euren Freunden, die nicht in die Kirche gehen: Ich gehe für dich! Ich bete für dich! Ich nehm dich im Herzen mit und bringe deine Sorgen zu Jesus! Ja, so können wir auch andere im Glauben mittragen. Und vergessen wir nicht: Auch wir werden von anderen durch ihr Gebet getragen. Ich erlebe das oft selber, wenn ich erfahre, wie viele Menschen mich durch ihr Gebet unterstützen.

Die dritte Besonderheit des heutigen Evangeliums ist wohl auch die schwierigste. Jesus sagt zu dem Gelähmten, eher er ihn heilt: "Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben." Heißt das, dass er wegen seiner Sünden gelähmt ist? Sieht Jesus seine Lähmung als Strafe Gottes für seine Sünden? Von da ist es dann nicht weit zu sagen, dass auch Naturkatastrophen Strafen Gottes für unsere Sünden wären.

Nein, Jesus hat das ausdrücklich abgelehnt. Er hat aber deutlich gemacht: Wir alle, ausnahmslos, brauchen als erste und wichtigste Heilung die Vergebung der Sünden. Man kann gelähmt sein und trotzdem ein großartiges Leben führen, ein wunderbarer Mensch sein. Mann kann kerngesunden Leibes sein, in seinem Herzen aber voller Hass und Neid. Die erste Heilung, die Jesus schenken will, ist die Befreiung von der Sünde und dem Bösen. Eine gesunde Seele in einem kranken Leib ist besser als eine kranke, vom Bösen befallene Seele in einem gesunden Leib. Hier hat Jesus beides gemacht: Dank der selbstlosen Helfer, dank ihres starken Glaubens hat er den Gelähmten an Seele und Leib geheilt.
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