Schönborn sieht Neoliberalismus am Ende
Dec 22, 2008
Man müsse nachdenken, was in der Wirtschaft falsch gelaufen ist, sagt der Wiener Erzbischof. Der Mensch müsse wieder im Mittelpunkt stehen.
Wien (maf). Kardinal Christoph Schönborn sieht in der aktuellen Wirtschaftskrise auch eine Chance. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus habe die Weltwirtschaft den Weg des Neoliberalismus gewählt – und der stehe jetzt am Ende, sagte Schönborn in der ORF-Pressestunde. Aber dies sei auch eine Chance, weil man jetzt überlegen müsse, was falsch gelaufen sei. „Dieses System, wo die Freisetzung von Arbeitskräften die Börsenkurse in die Höhe schnellen lässt, ist pervers“, sagte Schönborn. Der Mensch müsse wieder im Mittelpunkt stehen.
Die Erzdiözese Wien, die Rücklagen für die Pensionen ihrer Priester veranlagt hat, ist laut Schönborn von der Krise kaum betroffen. Man habe eine streng konservative Anlagenpolitik verfolgt und nur zu einem sehr geringen Teil auf Aktien gesetzt.
Kirche will Irak-Flüchtlinge
An die Bundesregierung appellierte Schönborn, sich an der Hilfsaktion der EU für 10.000 Irak-Flüchtlinge zu beteiligen. Bei diesen handelt es sich vorwiegend um christliche Iraker, die nicht mehr in ihre Heimat zurück können. Die Erzdiözese Wien bietet an, selbst 100 Flüchtlingsfamilien aufzunehmen – eine davon will der Kardinal bei sich beherbergen.
Die „Maria Troster Erklärung“ der österreichischen Bischöfe zur Empfängnisverhütung bezeichnete Schönborn abermals als Fehler. Wenn die Bischöfe vor 40 Jahren gewusst hätten, wie die demografische Entwicklung verlaufen wird, hätten sie die Erklärung anders verfasst, ist Schönborn überzeugt. An der Erklärung selbst, die die Empfängnisverhütung dem Gewissen jedes einzelnen überlässt, will er aber nicht rütteln.