"Es gibt Anzeichen der Besinnung"
Dec 10, 2008
Die Antwort auf die Krisenerscheinungen könne nicht "Panik" sein, sondern nur "Umkehr" und "Vertrauen auf Gott", sagte Kardinal Christoph Schönborn in der Predigt zum Marienfeiertag am 8. Dezember. Aber es gebe "Anzeichen der Besinnung" konstatierte der Wiener Erzbischof.
Viele Menschen würden erkennen, dass in den letzten Jahrzehnten manches falschgelaufen sei, was sich jetzt in der Finanzkrise, in den Umweltfragen, in der demografischen Frage zeige. Dies betonte Kardinal Christoph Schönborn am Montag, 8. Dezember 2008, in der Predigt zum Hochfest "Maria Empfängnis" im Stephansdom. Es gebe "Anzeichen der Besinnung". Die Antwort auf die durch "übersteigerte und maßlose" Erwartungen ausgelösten Krisenerscheinungen könne nicht "Panik" sein, sondern nur "Umkehr", "Vertrauen auf Gott". "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch", zitierte der Wiener Erzbischof den Dichter Friedrich Hölderlin.
"Immaculata conceptio" - der geglückte Entwurf
Der 8. Dezember sei das Fest "der unbefleckt empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria", erinnerte Kardinal Christoph Schönborn. Die lateinische Bezeichnung "immaculata conceptio" verweise auf das Wort "Konzept", "Entwurf". Maria sei der "geglückte Entwurf des Menschseins", interpretierte der Kardinal das Marienfest. Dem "Karussell der Anschuldigungen", das am Beginn des biblischen Berichts über die Erbsünde steht, stelle Gott in Maria das "gelungene Konzept des Menschen" gegenüber. Maria sei vom ersten Augenblick ihrer Existenz frei von der Sündenverflochtenheit und damit "ganz offen und frei für Gott und für die Menschen". Freilich sei sie nicht frei von Leid gewesen, aber gerade deshalb hätten so viele Menschen Zutrauen zu Maria, "weil sie spüren, dass sie die Lasten mitträgt, dass bei ihr Verständnis und nicht Verurteilung ist", sagte Kardinal Schönborn.
1647 wurde Österreich der unbefleckt empfangenen Gottesmutter geweiht
Österreich sei mit dem Fest am 8. Dezember in besonderer Weise verbunden, erinnerte Kardinal Christoph Schönborn: 1647 - in der Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges - sei Österreich erstmals der "unbefleckt empfangenen Gottesmutter" geweiht worden. "Das Fest am 8. Dezember wurde geliebt und von vielen gefeiert", betonte Kardinal Schönborn. Die Nationalsozialisten hätten das Fest abgeschafft, 1955 sei es durch die größte Unterschriftenaktion in der Zweiten Republik wieder eingeführt worden. "Vor einigen Jahren wurde das Fest dann auf dem Altar des Vorweihnachtsgeschäfts geopfert", bedauerte der Wiener Erzbischof. Jetzt stehe man vor dem "Scherbenhaufen" jener Einstellung, die "schnell viel Geld, Reichtum und Erfolg versprochen hat". Aber diese Versprechungen hätten sich als "Kartenhäuser" erwiesen.