Religion und Wissenschaft haben einander etwas zu sagen
Dec 06, 2008
Wiener Erzbischof betonte bei Verleihung der diesjährigen Kardinal-Innitzer-Preise das schöpferische Potenzial von Glaube und Vernunft
Wien (KAP) Religion und Wissenschaft "haben einander etwas zu sagen" und können einander gegenseitig voranbringen. Das betonte Kardinal Christoph Schönborn am Samstag im Wiener Erzbischöflichen Palais bei der Überreichung der diesjährigen Kardinal-Innitzer-Preise. Der Wiener Erzbischof wies Einschätzungen zurück, wonach das Verhältnis von Glaube und Wissenschaft notwendigerweise nur schwierig und konfliktreich sein muss.
Kardinal Schönborn erinnerte daran, dass etwa das große Thema der wissenschaftlichen Tätigkeit von Papst Benedikt XVI. das Verhältnis von Glaube und Vernunft sei. Diese Beziehung sei spannungsreich, zugleich aber auch sehr fruchtbar. In seiner vieldiskutierten "Regensburger Vorlesung" habe der Papst darauf hingewiesen, dass Vernunft und Glaube zwar auch missbraucht werden können, beide aber grundsätzlich einen Auftrag der Aufklärung hätten. Gegenseitige kritische Anfragen seien erlaubt und erwünscht, ja hilfreich und notwendig, so Kardinal Schönborn.
Der langjährige Ordinarius für Dermatologie an der Universität Wien, em. Prof. Klaus Wolff, wurde von Kardinal Schönborn für sein Lebenswerk mit dem Kardinal-Innitzer-Preis 2008 ausgezeichnet. Unter der Leitung Wolffs erreichte die Dermatologische Universitätsklinik Wien ein Ranking unter den fünf weltweit besten Kliniken. Seine viel beachteten Forschungen legte der 1935 geborene Wolff in rund 430 wissenschaftlichen Publikationen dar.
Der Kardinal-Innitzer-Preis ist ein von der Erzdiözese Wien seit 1962 verliehener Wissenschaftspreis und eine der angesehensten Auszeichnungen dieser Art in Österreich. Benannt ist der Preis nach Kardinal Theodor Innitzer (1875-1955).
Erinnerung an Prof. Brusatti
Der Würdigungspreis im Bereich Naturwissenschaft ging an den 56-jährigen, in Innsbruck lehrenden Experimentalphysiker Prof. Rainer Blatt. Im Bereich Geisteswissenschaft wurde Manfred Bietak ausgezeichnet; der 1940 in Wien geborene Archäologe ist Professor der Ägyptologie an der Universität Wien und seit 1973 Leiter des Österreichischen Archäologischen Institutes in Kairo. Mit dem Würdigungspreis für wissenschaftlich fundierte Publizistik wurde der Wissenschaftsredakteur der Tageszeitung "Der Standard", Klaus Taschwer, ausgezeichnet. Acht junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden mit Förderpreisen ausgezeichnet.
Kardinal Schönborn erinnerte bei der Preisverleihungen auch an em. Prof. Alois Brusatti, der von wenigen Wochen verstorben ist. Brusatti hatte sich als langjähriger Geschäftsführer des "Kardinal Innitzer-Fonds" große Verdienste erworben.