Kardinal Schönborn unterzeichnete "Petition für den 8. Dezember"
Dec 03, 2008
Foto: Henning Klingen / katholisch.at
Petition ruft Entscheidungsträger auf, dem Marienfeiertag seinen eigentlichen Charakter wiederzugeben - Wiens Erzbischof: "Der Mensch braucht ein menschliches Maß"
Wien (KAP) Eine "Petition für den Schutz des 8. Dezember" wurde am Mittwochnachmittag in Wien von Kardinal Christoph Schönborn, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Privatangestellten, Wolfgang Katzian, und "Billa"-Vorstandssprecher Volker Hornsteiner unterzeichnet. Die Supermarktkette "Billa" wird ihre Filialen am Marienfeiertag 8. Dezember geschlossen halten.
Die Petition spricht sich dafür aus, "dem Marienfeiertag am 8. Dezember seinen eigentlichen Charakter wiederzugeben und ein deutliches Zeichen für die neue Bedeutung gemeinsamer Ruhezonen und für die Wertschätzung von freier Zeit in unserer Gesellschaft zu setzen". Die langjährigen Diskussionen rund um die Ladenöffnung am 8. Dezember stünden für eine Gesellschaft, "die glaubt, immer schneller leben zu müssen".
In der Petition, die sich ausdrücklich auch an "alle Meinungs- und Entscheidungsträger" in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft wendet, wird ein deutliches Bekenntnis zu einem arbeitsfreien 8. Dezember verlangt, um "großen Teilen der Bevölkerung wieder ein Stück mehr Freiheit und Lebensqualität" zu sichern. In den vergangenen Jahren sei der 8. Dezember statt dessen zu einem "Symbol für vorweihnachtlichen Einkaufsstress und Hektik" geworden.
Gesetzliche Feiertage seien ein "fester Bestandteil der kulturellen, sozialen und religiösen Tradition in Österreich", wird in der Petition betont. Feiertage erinnerten daran, "dass es mehr gibt als den Alltag": "Sie geben den Menschen Zeit für sich selbst und Zeit für gemeinsame Aktivitäten - sei es im Familien- und Freundeskreis, der Nachbarschaft, in der Wissenschaft, der Kunst oder der Religion". Ausdrücklich sprechen sich die Unterzeichner für den Erhalt "zeitlicher Schutz- und Ruhezonen" und gegen eine weitere Umfunktionierung von Feiertagen zu normalen Werktagen aus.
Kardinal warnt vor Fehlentwicklungen
Im Gespräch mit "Kathpress" warnte Kardinal Schönborn vor gesellschaftlichen Fehlentwicklungen. In den letzten Jahren habe sich ein sämtliche Lebensbereiche umfassendes wirtschaftlich-rationales Denken ausgebreitet, dass selbst vor dem Ruhebedürfnis des Menschen keinen Halt mehr mache. "Alles muss immer schneller, immer größer sein. Damit übersehen wir aber, dass der Mensch ein menschliches Maß benötigt", so der Kardinal wörtlich. Von der Petition erhoffe er sich daher eine "Vorbildwirkung", damit sich möglichst viele der Idee des Schutzes des 8. Dezembers anschließen.
Zugleich erinnerte Kardinal Schönborn an die Wiedereinführung des 8. Dezembers als Feiertag im Jahr 1955 durch eine Volksabstimmung. Es sei "sehr traurig", so der Kardinal, dass es seitdem eine Entwicklung hin zur Relativierung des Charakters des Feiertages gegeben habe.