"Bemüht euch durch die enge Tür zu gelangen"
Oct 31, 2008
Gemeinsam die christlichen Grundhaltungen zu lernen, auf Christus und sein Kreuz zu schauen, und anderen Menschen den oft schwer gangbaren christlichen Weg zu eröffnen, sei die Aufgabe des Seminars, erklärte Kardinal Christoph Schönborn in der Predigt des Festgottesdienstes "250 Jahre Wiener Priesterseminar".
Kardinal Christoph Schönborn feierte am Mittwoch, 29. Oktober 2008, den Festgottesdienst im Wiener Priesterseminars zum 250-jährigen Bestehen des Seminars. Mit der Gründung hatte Kardinal Christoph Migazzi etwa 200 Jahre nach dem Konzil von Trient, dessen Grundanliegen eine gemeinsame diözesane Priesterausbildung war, verwirklicht.
Frohbotschaft und Drohbotschaft
In der Predigt ging Kardinal Christoph Schönborn auf die Worte des Evangeliums ein, in dem Jesus die Frage gestellt wird: "Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?" (Lk 13,23). Die Frage nach der Rettung bewege die Menschen heute kaum noch, so Kardinal Schönborn. Man könne sich schwer eingestehen, dass Jesus auch mit der Angst vor dem Gericht motivieren wollte und dass die Frohbotschaft mit einer Drohbotschaft verbunden ist.
"Der Ernst der Nachfolge"
In seinen Ausführungen bezog sich der Wiener Erzbischof auf die Antwort Jesu im Evangelium: "Bemüht euch durch die enge Tür zu gelangen." Das sei ein Hinweis auf den Ernst der Nachfolge, den der Kardinal am Beispiel der seligen Schwester Restituta Kafka - der Seligen des Tages - verständlich zu machen. Die Schwester erkannte die Unvereinbarkeit des Nationalsozialismus mit dem Glauben an Jesus Christus, leistete Wiederstand und wurde zum Tod verurteilt: "Schwester Restituta hat sich mit allen Kräften bemüht, durch diese enge Tür zu kommen", betonte Kardinal Christoph Schönborn. Der Ernst der Nachfolge - mit der Bereitschaft bis zum Tod zu gehen - könne eine Antwort auf die Frage nach der Rettung sein, so der Kardinal.
"Anderen den Weg zum Heil weisen"
Doch die Hingabe der seligen Schwester Restituta, die im Gefängnis vielen Trost spendete, habe gleichzeitig anderen den Weg zum Heil gewiesen. Der Sinn der Heiligenverehrung bestehe auch darin, dass die Heiligen anderen Menschen den im Evangelium genannten "Weg durch enge Tür" eröffnen. "Wenn wir auf solche Vorbilder schauen, dann wird der Weg, den Jesus uns gewiesen hat, als ein möglicher sichtbar", so betonte der Kardinal. Dann sei es nicht mehr unmöglich gerettet zu werden.
"Der enge Weg" würde auch dann gangbar erscheinen, wenn sich die Christen daran erinnern, dass sie gemeinsam vor Gott stehen. "Die Priesterberufung soll dazu führen, dass dieser Weg für andere sichtbar, glaubwürdig und als gangbar erscheint." Dieser sei der christliche Weg, so der Kardinal. In der Ausbildung im Seminar sollten den christlichen Grundhaltungen und das Schauen auf Christus und sein Kreuz gemeinsam gelernt werden. Aber, so fragte der Kardinal zum Abschluss der Predigt: "Sind wir bereit zu schauen, dass viele gerettet werden?" Jesus wolle uns wachrütteln, damit wir uns für andere einsetzen, so der Kardinal, der mit dem Hinweis abschloss: "Es sind im Seminar noch Plätze frei!"