Kardinal Schönborn dankt Paul Michael Zulehner
Oct 20, 2008
Aus Anlass der Emeritierung von Paul Michael Zulehner, Pastoraltheologe und Dekan der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät, war der "Dies facultatis" heuer mit der offiziellen Laudatio für Paul Michael Zulehner verbunden.
(stephanscom.at, ) Für dessen "ungebrochene Loyalität zur Kirche" dankte Kardinal Christoph Schönborn dem scheidenden Pastoraltheologen Paul Michael Zulehner in einer Ansprache am 16. Oktober 2008, dem "Dies facultatis" der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Paul Zulehner sei auch in schwierigen Zeiten wie in den Jahren der innerkirchlichen Turbulenzen ein stets verlässlicher Partner gewesen.
Politische Wachsamkeit
Kardinal Schönborn betonte, er habe Zulehner immer für seine politische Wachsamkeit, seinen leidenschaftlichen Einsatz und seine rhetorische Kunst bewundert. Er wusste aber auch dessen ganz praktischen Fähigkeiten zu schätzen - "etwa den selbstverständlichen Umgang mit Computern und der neuesten Technik", so der Kardinal schmunzelnd.
Vermittlung zwischen Kirche und Welt
Die Vizerektorin der Universität Wien, Christa Schnabl, würdigte Zulehners Leistungen im Bereich der Vermittlung zwischen Kirche und Welt. Der 1939 in Wien geborene Professor habilitierte sich an der Universität Würzburg in Pastoraltheologie und -soziologie. Er habe sein Denken selbst einmal in der Frage auf den Punkt gebracht: "Woran liegt es eigentlich, dass die überkommenen Traditionen der Kirche von den Menschen heute nicht mehr verstanden werden. Und wie kann es gelingen, dass umgekehrt die Erfahrungen der Menschen heute, ihre Ängste und Hoffnungen, in der Kirche zum Thema gemacht werden?" erinnerte Vizerektorin Christa Schnabl.
"Doppelter Wohnsitz"
Es bedürfe eines "doppelten Wohnsitzes - ganz in der Kirche und ganz in der Welt", habe Zulehner aufmerksam gemacht, so Christa Schnabl. Zulehner sei es auf Grund dieser doppelten Beheimatung immer wieder gelungen, weltliche Veränderungen wahrzunehmen und sie innerkirchlich zu artikulieren. Dadurch habe er dafür gesorgt, dass Kirche und Welt nicht weiter auseinanderdriften, so die Vizerektorin.
Osteuropa-Forschung
Paul Michael Zulehner selbst betonte in seiner Rede, dass er sich stets um kritische Loyalität mit der Kirche bemüht habe. Dies sei auch die Haltung der gesamten Katholisch-Theologischen Fakultät, sagte er nachdrücklich. Zulehner, der das Studium der Philosophie, Theologie und Religionssoziologie in Innsbruck, Wien, Konstanz und München absolvierte und 1964 in Wien zum Priester geweiht wurde, erinnerte sich im Rückblick auf seine Tätigkeit an der Universität an den Antrittsbesuch bei Kardinal Franz König. Dieser habe ihm den Rat gegeben, sich in seiner Forschung auf Osteuropa zu konzentrieren. Die noch unter kommunistischer Herrschaft stehenden Länder seien damals für viele Pastoraltheologen Neuland gewesen.
Schließlich dankte Paul Michael Zulehner, der von 2000 bis 2007 Dekan der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät war, Kardinal Schönborn für dessen "wissenschaftsfreundliche und zurückhaltende Art" während der Zeit seiner Dekanstätigkeit. Das Verhältnis zwischen Kardinal Schönborn und der Fakultät sei von gegenseitigem Vertrauen geprägt gewesen.