Kardinal Schönborn: "Sehnsucht nach Wahrheit lebendig halten"
Jul 10, 2008
10. Ökumenische Sommerakademie in Kremsmünster eröffnet - Experten diskutieren bis 11. Juli Frage nach der Wahrheit im Spannungsfeld von Theologie, Philosophie, Naturwissenschaften.
Linz, 9.7.08 (KAP) Im oberösterreichischen Benediktinerstift Kremsmünster wurde am Mittwochnachmittag die 10. Ökumenische Sommerakademie eröffnet. Im Mittelpunkt steht heuer die Frage nach der Wahrheit als eines der wichtigsten Themen der Theologie und der Philosophie. In einem Grußwort wies Kardinal Christoph Schönborn auf das Wort von Papst Benedikt XVI. hin, "dass niemand zur Wahrheit eines Anderen in autoritärer Weise" genötigt werden dürfe. Es entspreche dem Charakter der Wahrheit, dass sie immer geschenkt werde, so Schönborn. Es sei Aufgabe der Kirche, die Sehnsucht nach der Wahrheit lebendig zu halten.
Zur Eröffnung der Sommerakademie im Kaisersaal des Stiftes fanden sich am Mittwoch rund 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein, unter ihnen auch der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer. Von kirchlicher Seite nahmen u.a. der griechisch-orthodoxe Metropolit Michael Staikos, der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz, der oberösterreichische evangelische Superintendent Gerold Lehner und Msgr. Gottfried Auer - der Ordinariatskanzler der katholischen Diözese St. Pölten ist stellvertretender Vorsitzender des Ökumenischen Rates der Kirchen - teil. Auch Caritas-Präsident Franz Küberl und die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung, Margit Hauft, waren anwesend (beide sind ORF-Stiftungsräte).
Mit Alexander Wrabetz besuchte erstmals ein ORF-Generaldirektor die Ökumenische Sommerakademie. In seinen Eröffnungsworten unterstrich Wrabetz, dass die Suche nach der Wahrheit für Medienkonsumenten wegen der Vielfalt an Programmangeboten noch intransparenter geworden sei. Umso wichtiger sei daher die Bedeutung von öffentlich-rechtlichen Rundfunkunternehmen, die in der digitalen Überflussgesellschaft "Leuchttürme seien, sagte Wrabetz. Religion sei ein wichtiger Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Auftrags im ORF in allen seinen Medien Fernsehen, Radio, Internet und den vielfältigen Aktivitäten der ORF-Landesstudios. Damit werde "öffentlich-rechtlicher Mehrwert" hergestellt.
Der Tübinger Philosoph Otfried Höffe behandelte in seinem Eröffnungsreferat zentrale Gesichtspunkte des Wahrheitsbegriffs. Unter dem Titel "Wahrheiten im Überfluss?" betonte Höffe, dass um die Wahrheit gestritten und gefeilscht werde, weil sie existenziell wichtig sein könne und außerdem "nicht auf der Hand liege", sondern verborgen sei.
Noch bis Freitag werden in Kremsmünster prominente Referenten aus Deutschland und Österreich zum Thema sprechen. U.a. referiert die Leiterin des Wiener Instituts für Praktische Theologie, Regina Polak, über die "Wahrheit als Machtfrage". Mit dem Suchen und Finden von Wahrheiten im Internet beschäftigt sich der Münsteraner Theologe Klaus Müller.
Den Abschluss der 10. Sommerakademie bildet am Freitag, 11. Juli, um 10.15 Uhr eine Podiumsdiskussion mit dem griechisch-orthodoxen Metropolit Michael Staikos, dem Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz und dem Grazer evangelisch-lutherischen Superintendenten Hermann Miklas. Anschließend findet ein ökumenischer Gottesdienst in der Stiftskirche Kremsmünster statt.
Die Ökumenische Sommerakademie wird vom Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich, von ORF-Oberösterreich, der Katholisch-Theologischen Privatuniversität Linz, der "Kirchenzeitung der Diözese Linz", dem Evangelischen Bildungswerk Oberösterreich, dem Stift Kremsmünster und dem Land Oberösterreich veranstaltet. (ende)