"Mehr lernen" im Religionsunterricht
Mar 18, 2008
Den flächendeckenden konfessionellen Religionsunterricht bezeichnete der Wiener Erzbischof in der ORF-Pressestunde als "kulturell wichtig". Dabei forderte Kardinal Schönborn "stärkere Inhaltlichkeit" und nicht nur Lebensorientierung ein.
(stephanscom.at, 17.03.08) In der ORF-Pressestunde am Sonntag, 16. März 2008, ließ Kardinal Christoph Schönborn mit der Forderung nach "mehr lernen" im Religionsunterricht aufhorchen. Es gehe um eine "stärkere Inhaltlichkeit" des Unterrichts. "Es muss wieder mehr gelernt werden", so der Kardinal, damit Schülerinnen und Schüler "religiös auskunftsfähig werden. Das heißt, die Absolventen sollen die Kernpunkte der Religion kennen". 90 Prozent der Schüler besuchen den konfessionellen Religionsunterricht. Dieser habe so große Bedeutung, weil er "zur Ausbildung der eigenen Identität" maßgeblich beitrage. Lebensorientierung schließe nicht aus, dass man "über die religiösen Inhalte Bescheid weiß", um dann auch eine verantwortliche Entscheidung treffen zu können, betonte Kardinal Schönborn.
Respekt der Religionsfreiheit
Der Dialog der Religionen sei im Zusammenleben der Menschen besonders wichtig, betonte der Wiener Erzbischof. Die Frage dränge um so mehr, da sich Christentum und Islam beide als "missionarische Religionen" verstehen, so der Kardinal: "Wir müssen uns fragen, wie können zwei Religionen miteinander leben, von denen jede einen universalen Auftrag hat, wie können sie mit Menschen leben, die jeder Religion fernstehen". Der Missionsauftrag müsse an deutliche Kriterien wie den "Respekt vor der Religionsfreiheit und der Gewissensentscheidung des Einzelnen" sowie den "absoluten Gewaltverzicht" gebunden sein.
Dialog der Religionen
Bei der Frage, ob es den Muslimen in Österreich gestattet werden sollte, Moscheen mit Minaretten zu bauen, sagte der Kardinal, dass er sich in dieser Frage "ganz auf dem Boden der österreichischen Verfassung" sehe. Religionsfreiheit bedeute nicht nur Freiheit zur Religionsausübung im Privaten, sondern ebenso auch Freiheit zur öffentlichen Religionsausübung. ""Es ist daher nicht einzusehen, warum Muslime bei uns nicht im Rahmen der bestehenden und selbstverständlich auch für sie geltenden Bauordnungen Moscheen mit Minaretten bauen dürfen".
In Wien gebe es an der neuen Donau eine große Moschee mit Minaretten, so Kardinal Schönborn, der auch vor religiösen Traditionen wie das Kopftuch Respekt zeigte. "Auch Vollverschleierung ist im privaten und öffentlichen Bereich zu respektieren, allerdings nicht im amtlichen", betonte Kardinal Schönborn. Für die Entscheidung des Gerichts im Terror-Prozess, die Angeklagte wegen ihres Vollschleiers von der Verhandlung auszuschließen, zeigte der Kardinal Verständnis. "Dies ist eine legitime Forderung unserer zivilen Ordnung" und müsse auch von Muslimen geachtet werden, betonte der Kardinal. Dabei kritisierte der Kardinal jedoch die Ausdrucksweise des Richters, der von einem "Fetzen" gesprochen hatte.