70 Jahre "Anschluss": "Auch das ist Österreich"
Mar 07, 2008
Bischöfe gaben Broschüre zum Gedenkjahr heraus - "Auch das ist Österreich".
(Kleine Zeitung, 07.03.2008) Kardinal Christoph Schönborn hat den Jahrestag des "Anschlusses" Österreichs an Hitler-Deutschland zum Anlass genommen, die Rolle der katholischen Kirche zur Zeit des Nationalsozialismus zu reflektieren. So erwähnte er auch die Rolle der "Hirten", die der Diktatur nicht stärker entgegengetreten seien. Schönborn zu 1938: "Auch das ist Österreich." Bei einer Pressekonferenz am Freitag nach der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz wurde auch eine Broschüre zum Thema "Anschluss" präsentiert.
Erklärung. "Denk an die Tage der Vergangenheit, lerne aus den Jahren der Geschichte", nimmt die Bischofskonferenz eine alttestamentarische Stelle zum Anlass, um in einer gemeinsamen Erklärung ihre Rolle in der NS-Zeit sanft zu beleuchten. In der Erklärung der Bischöfe heißt es: "Im März 1938 wurde Österreich als Staat von der Landkarte gelöscht. Ein Teil des Volkes jubelte, viele begrüßten den "Anschluss" an Deutschland, weil sie Österreich für nicht lebensfähig hielten, ein Teil des Volkes weinte, viele waren orientierungslos. Die Jahre davor hatten nicht dazu beigetragen, den Sinn für das Gemeinsame zu stärken."
Spannungen. Der Versuch einer Antwort müsse die kirchliche und die geistig-gesellschaftliche Situation in den Blick nehmen, so die Bischöfe weiter in der Erklärung zum Gedenkjahr. Die Historiker hätten seither viel zum tieferen Verständnis dieser Situation und ihrer vielfältigen Ursachen beigetragen. Und weiter: "Alle, die damals als Bischöfe, Priester, Theologen in der Kirche Verantwortung trugen, standen - wie jeder einzelne Gläubige - in der Spannung zwischen zwei Weisungen aus dem Neuen Testament. Auf der einen Seite das Wort aus dem Römerbrief: 'Jeder leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam', auf der anderen Seite das klare Petrus-Wort aus der Apostelgeschichte: 'Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen'."
"Warnende Stimmen". Schönborn nannte Vertreter der katholischen Kirche, die sich gegen das Regime gewandt hätten: So etwa der erst vor kurzem seliggesprochene Franz Jägerstätter sowie Schwester Restituta Kafka. Auch viele "warnende Stimmen - gerade aus dem Lager der Katholiken" habe es gegeben. In der Broschüre ist die Ansprache Schönborns in der Gedenkstätte für die Opfer der Schoah in Jerusalem nachzulesen. In einem Text wird außerdem an die von Kardinal Theodor Innitzer eingerichtete Hilfsstelle für nichtarische Katholiken erinnert.