Christoph Cardinal Schönborn, O.P. Christoph Cardinal Schönborn, O.P.
Function:
Archbishop of Wien, Austria
Title:
Cardinal Priest of Gesù Divin Lavoratore
Birthdate:
Jan 22, 1945
Country:
Austria
Elevated:
Feb 21, 1998
More information:
www.catholic-hierarchy.org, Stephanscom.at, The Schonborn Site
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German „Zeuge und Missionar der Barmherzigkeit Gottes“: Kardinal Schönborn über den heiligen Paulus
Feb 23, 2008
Fünfte Katechese im Wiener Stephansdom.

WIEN, 23. Februar 2008 (ZENIT.org).- Der Apostel Paulus stand im Zentrum der fünften Katechese des Wiener Erzbischofs Christoph Kardinal Schönborn über die Barmherzigkeit Gottes. Der Kardinal ging besonders auf die tiefen theologischen und mystischen Aussagen des Apostels zu diesem Thema ein. Diese Schriften gerade angesichts des am 29. Juni anbrechenden „Paulusjahres“ neu zu lesen, zeigte sich als ein Herzensanliegen des Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, der vor genau zehn Jahren, am 21. Februar 1998, in den Kardinalsrang erhoben worden war.

Barmherzigkeit als Begegnung mit Gott
Paulus trete uns in seinem Selbstzeugnis oft als einer entgegen, der „Barmherzigkeit erfahren hat“, an dem Gott „barmherzig gehandelt“ habe. Dieses Bewusstsein sei nicht nur ein überwältigend persönliches, sondern eines, das sich auch auf seine Glaubensgenossen im Volk Israel, aber darüber hinaus auf die ganze Menschheit erstrecke, führte der Kardinal aus. Paulus sei sich bewusst: Was an ihm geschehen ist, gilt im Grunde jedem Menschen. Es sei also ein „ganz persönliches“ und zugleich „ganz universales“ Zeugnis.

Was Paulus als barmherziges Handeln Gottes verstehe, sei zuerst das Ereignis seiner Bekehrung. Dieses lasse sich in einem Wort zusammenfassen: „Christus! Jesus, der Christus, Gottes Sohn!“, brachte es der Kardinal auf den Punkt. Seit dieser Begegnung sei sein Leben anders, neu geworden.

Was Paulus dabei so überwältige, sei die Ungeschuldetheit dieses Ereignisses. Kein Mensch könne es sich verdienen, dass Gott sich ihm offenbare – dass er sich „in seinem Sohn“ offenbare! Schönborn erinnerte sich an dieser Stelle an seinen Theologieprofessor in Freiburg, einen Dominikaner jüdischer Herkunft, der seinen Studenten immer wieder begreiflich zu machen versucht habe, wie unerhört dies für jüdische Ohren klingen müsse. Das sei für einen Christen schwer nachvollziehbar. Nachdem Paulus aber das Unglaubliche erkannt habe, sei klar gewesen, dass dieser Christus von nun an die Mitte seines Lebens sein würde.

In der Apostelgeschichte berichtet der Apostel von seinem Damaskus-Erlebnis als einem „Ergriffenwerden“. Diese Erfahrung sei existentiell, so Schönborn. „Mit einer nie mehr zu vergessenden Gewissheit erfasst Paulus, oder besser: erfasst es Paulus: Er (Christus) hat mich geliebt und sich für mich hingegeben. Nicht abstrakt, aus Liebe zur Menschheit, sondern ganz direkt für mich!“ Paulus erkenne außerdem, dass diese Liebe der ganzen Kirche und letztlich allen Menschen gelte. So erweise sich die Liebe Christi des Herrn in ihrer Ordnung als wahrhaft „kosmisch“: Die ganze Schöpfung solle in ihr nach dem Ratschluss Gottes, nach dem Plan seiner Barmherzigkeit neu werden.

Das Kreuz als universale Barmherzigkeit
In dieser Dynamik der Liebe werde auch der universale „Anspruch“ des Christentums neu begreiflich, erläuterte Kardinal Schönborn in Erinnerung an das Schreiben des damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Ratzinger, aus dem Jahr 2000, Dominus Iesus. Gerade dieser Anspruch habe damals viele Menschen verstört. Paulus aber verstehe, dass das erbarmende Handeln Gottes ein universales Maß habe.

Im Universalitätsanspruch des Christentums liege zu allen Zeiten etwas Bewegendes. Am Anfang seien es einige wenige kleine Christengemeinden gewesen, in denen das kosmische Lob Christi erklang. Heute bekennten sich mehr als eine Milliarde Menschen zu Christus, aber auch das sei nur ein Bruchteil der Menschheit.

„Was soll ein so universaler Anspruch des Christentums, besonders im Blick auf eine so massive Minoritätssituation?“, fragte der Kardinal. Seien alle anderen Wege bloße Irrwege?

Im Kolosserhymnus schreibt Paulus: „Alles im Himmel und auf Erden wollte er (Gott) zu Christus führen, der Frieden gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.“ Christus werde hier als das „Herz der Welt“ gesehen, in dem „alles Bestand hat“ – universaler gehe es nicht.

Diese kosmische Sicht sei untrennbar mit dem „Fadenkreuz dieser weiten Schau: dem Kreuz Christi“ verbunden. Der Sohn Gottes „war gehorsam bis zum Tod am Kreuz“. Darum habe er „von Gott den Namen über allen Namen erhalten, das heißt den Gottesnamen selbst. Jesus, der sich im Gehorsam gedemütigt hat bis zum Tod des Kreuzes, ist Gott. Sein Name ist Gottes heiligster Name.“

Barmherzigkeit, Sünde, Vergebung
Erst durch die Erfahrung des Handelns Gottes an sich sei dem Paulus seine Sünde bewusst geworden. Was aber, so fragte Kardinal Schönborn, ist Sünde?

Sie sei die „tiefste Not des Menschen“. Gott aber beginne in seiner Barmherzigkeit, den Menschen zu retten. „Es mag sein, dass Paulus im Laufe seines Lebens immer tiefer begriffen hat, wie sehr wir Menschen von Gottes Barmherzigkeit und Güte getragen sind“, meinte der Kardinal. Sein Wunsch an die Empfänger seiner Briefe habe jedenfalls häufig so gelautet: „Gnade, Barmherzigkeit und Frieden von Gott!“

Paulus werde nicht müde, seine Gemeinden zu gegenseitiger Barmherzigkeit aufzumuntern: „Genug ist für ihn dieser Tadel von euch; nun solltet ihr ihm eher verzeihen und ihn ermutigen, damit er nicht niedergedrückt wird.“ So ermahne er die Korinther im Hinblick auf ein Gemeindemitglied.

Barmherzigkeit beinhalte auch Vergebung, die ihrerseits wieder zur Quelle neuer Barmherzigkeit werde. So entstehe eine Dynamik der Gnade, der Barmherzigkeit und des Friedens: „Wem ihr etwas verzeiht, dem verzeihe auch ich“, so Paulus im zweiten Brief an die Korinther (vgl. 2,5-10).
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