Christoph Cardinal Schönborn, O.P. Christoph Cardinal Schönborn, O.P.
Function:
Archbishop of Wien, Austria
Title:
Cardinal Priest of Gesù Divin Lavoratore
Birthdate:
Jan 22, 1945
Country:
Austria
Elevated:
Feb 21, 1998
More information:
www.catholic-hierarchy.org, Stephanscom.at, The Schonborn Site
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German Das Alte Testament: der zornige oder der barmherzige Gott?
Nov 12, 2007
Am Sonntagabend hielt Kardinal Christoph Schönborn im Stephansdom die zweite seiner Katechesen zum Thema "Das Alte Testament: der zornige oder der barmherzige Gott?". Der Mensch selbst solle sich zum Instrument der göttlichen Barmherzigkeit machen, so Kardinal Schönborn.

(stephanscom.at, 12.11.07) "Es war ein langer Weg von den Befehlen Gottes, die feindlichen Völker zu vernichten, bis zu diesem Höhepunkt der Fürbitte eines Abraham und eines Mose", so Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, 11. November 2007, bei seiner zweiten Katechese des Jahres 2007/08. Das Thema dieser Katechese zur göttlichen Barmherzigkeit war "Das Alte Testament: der zornige oder der barmherzige Gott?".

Der barmherzige Gott im Alten Testament
© Rupprecht@kathbild.at
"Der Gott im Alten und im Neuen Bund ist derselbe", so Kardinal Schönborn.

Bei seiner zweiten Katechese durchforschte Kardinal Christoph Schönborn das Alte Testament nach dem barmherzigen Gott. Dabei trat er dem verbreiteten Verständnis entgegen, der Gott des Alten Testamentes sei ein zorniger, der des Neuen Testamentes ein gütiger Gott. "Jesus hat doch zu keinem anderen Gott gesprochen, als zu dem Moses und die Propheten gesprochen haben. Der Gott, den Jesus uns und allen Menschen verkündet hat, den er uns als seinen und unseren Vater verkündet hat, der ist kein anderer als der Gott des Alten Testaments. Es gibt keinen anderen Gott im Alten und im Neuen Bund", so Kardinal Schönborn.

"Eine Liebesgeschichte zwischen Gott und seinem Volk"

Schwer zu verstehen seien manche Texte des Alten Testamentes wohl, räumt der Wiener Erzbischof ein. Etwa jene, da Gott Josua und den Israeliten befiehlt, die gesamte Bevölkerung von Jericho umzubringen, oder alle Menschen Ais zu töten, oder sämtliche Bewohner des gelobten Landes zu vertreiben. Doch schon im Alten Testament gebe es Texte, die die Barmherzigkeit Gottes klar zum Ausdruck brächten. In diesem Zusammenhang zitiert Kardinal Schönborn aus dem Buch Ezechiel, Kapitel 16, "Gegen Jerusalem, die treulose Frau". Diese leidenschaftliche Liebesgeschichte zwischen einem treuen Mann und einer untreuen Frau sei die Geschichte Gottes und seines Volkes, erklärt Wiens Erzbischof. Am Ende des Textes heißt es: "Denn so spricht Gott, der Herr: Ich habe mit dir gemacht, was du gemacht hast; du hast den Eid missachtet und den Bund gebrochen. Aber ich will meines Bundes gedenken, den ich mit dir in deiner Jugend geschlossen habe, und will einen ewigen Bund mit dir eingehen."

"Zu den Wurzeln der Schöpfung"

Um die Wurzel der göttlichen Barmherzigkeit zu verstehen, müsse man zum Anfang zurückkehren, zur Schöpfung, und fragen, was Gott bewogen hat, die Welt zu erschaffen. "Die biblische Lehre von der Erschaffung der Welt, von allem was existiert, von allem was ist, hat eine ganz entscheidende Voraussetzung, nämlich die Überzeugung, dass Gott durch nichts genötigt war zu schaffen. Er hat uns nicht gebraucht, er braucht die Welt nicht. Er hat sie nicht aus einem Mangel heraus geschaffen, so wie wir einen Großteil unserer Tätigkeiten aus einem Mangel heraus tun. Wenn wir kochen, etwas schreiben, immer ist es eine Notwendigkeit etwas zu tun. Gott aber braucht die Welt nicht. Doch die Welt ist ihm nicht egal", so Kardinal Schönborn. Gott habe die Welt aus völliger Freiheit geschaffen. Sie sei ein reines Geschenk seiner Güte: "Gott hat nur einen Grund zu schaffen, weil er gut ist". Er wolle sich selbst verschenken. "Wir Menschen existieren nur, weil Gott sich uns schenken will. Das hat eine große Bedeutung für unser Selbstverständnis", so der Wiener Erzbischof.

"Ein Instrument der Barmherzigkeit Gottes"

Wie könne Gott aber nun den Befehl zur Vernichtung von Geschöpfen geben? Gott wolle die Vernichtung nicht, er wolle, dass die Menschen sein Erbarmen selbst leben und von ihm erbitten. Sehr deutlich zeige sich das im Alten Testament, wenn die Israeliten das goldene Kalb anbeten und Moses sich vor sein Volk stellt und Gott, der es vernichten will, zurückhält. "Gott will, dass die Menschen für die Menschen eintreten, sich vor seine strafende Hand stellen. Moses tut, was Gott will, er macht sich zum Instrument der Barmherzigkeit Gottes", so Kardinal Schönborn.
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