Christoph Cardinal Schönborn, O.P. Christoph Cardinal Schönborn, O.P.
Function:
Archbishop of Wien, Austria
Title:
Cardinal Priest of Gesù Divin Lavoratore
Birthdate:
Jan 22, 1945
Country:
Austria
Elevated:
Feb 21, 1998
More information:
www.catholic-hierarchy.org, Stephanscom.at, The Schonborn Site
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German Ein Buch für schlamperte Christen
Aug 11, 2007
Kardinal Christoph Schönborn und Barbara Stöckl fragen in Buchform "Wer braucht Gott?". Das Buch, das eigentlich keines sei, weil es ein niedergeschriebenes Interview ist, sei eines für schlamperte Christen, so der Wiener Erzbischof.

(stephanscom.at, 10.8.07) Eigentlich wollte Kardinal Christoph Schönborn genau so ein Buch, wie es jetzt in gedruckter Form unter dem Titel "Wer braucht Gott?" beim Ecowin-Verlag erschienen ist, nie in Angriff nehmen. "Mein Kollege auf der Uni, Pater Bochénski, hat immer gesagt: 'So etwas ist ein Non-book'", erzählt der Wiener Erzbischof schmunzelnd hunderten Gästen, die am Donnerstagabend, 9. August 2007, zur Buchpräsentation in den Hof des Erzbischöflichen Palais gekommen waren. Die offene Atmosphäre, die er mit Barbara Stöckl aber bereits bei anderen Interviews erleben durfte, hätte ihn dann aber seine Meinung ändern lassen, so der Kardinal.

Die Gretchenfrage

Das Buch sei eines für schlamperte Christen, habe Kardinal Schönborn einmal festgestellt, erklärte dann Barbara Stöckl in der lediglich von strömenden Regen beeinträchtigten Small-Talk-Buchpräsentation mit dem Wiener Erzbischof. Der Titel "Wer braucht Gott?" sei schließlich absichtlich ein wenig provokativ gewählt worden. "Heute muss alles nützlich sein und einen wertvollen Effekt haben. Deshalb diese Frage." Von der Nützlichkeit des Glaubens war allerdings schon Apostel Paulus überzeugt, konterte Schönborn: "'Der Glaube ist zu allem nützlich', hat er einmal gesagt. Man stirbt und lebt besser. Aber Glaube ersetzt nichts." Auch gläubige Menschen müssten arbeiten und sich bemühen, aber der Glaube helfe dabei, betonte Kardinal Christoph Schönborn.

Wer braucht die Kirche?

In ihren Gesprächen mit vielen Menschen, die Gott im Leid fanden, höre die TV-Moderatorin oftmals auch die Frage "Gott ja, aber wer braucht die Kirche?", ging Barbara Stöckl noch einen Schritt weiter. "Niemand hat Gott zum Vater, der nicht die Kirche zur Mutter hat", zitierte daraufhin Kardinal Schönborn alte Kirchenväter. Niemand könne allein Christ sein, so der Wiener Erzbischof: "Papst Benedikt XVI. hat einmal gesagt: 'Wer glaubt, ist nie allein'. Ich glaube, das kann man auch umdrehen: Man kann nicht alleine glauben", betonte Kardinal Schönborn, für den echte Christen Heilige wie Edith Stein oder Franz Jägerstätter sind. "Die haben zumindest in einer Phase ihres Lebens Glauben und Leben in Deckungsgleichheit gebracht. Ich glaube, das wünscht man sich auch fürs eigene Leben", konstatierte Schönborn eine Sehnsucht nach einer "Entschlampung des eigenen Christseins".

Ein Buch, das keine Fragen auslässt

Ob das Buch "Wer braucht Gott?" dazu beitragen kann, sei dahingestellt. Sicher ist, dass es eine leicht und interessant lesbare Sommerlektüre von 188 Seiten ist. Im Frage-und-Antwort-Stil weichen die TV-Moderatorin und der Wiener Erzbischof keiner heiklen Frage und kaum einer Antwort aus. Es geht natürlich auch um das Zölibat, die wiederverheirateten Geschiedenen, die Radikalisierung von Religion, die Leidensfrage und viele andere so genannte "heiße Eisen".

Aber auch nach 62 Lebensjahren, kennt Kardinal Christoph Schönborn nichts Besseres als die Katholische Kirche, wie er auf der letzten Seite des Buches betont. "Dass sie (die Kirche) unvollkommen ist, ist für mich ein großes Glück, weil ich dadurch Platz in ihr habe", so der Wiener Erzbischof wörtlich.

Kardinal-Schönborn-Zitate aus dem Buch:

"Warum Gott nicht eine Welt geschaffen hat, in der es kein Leid gibt? Ich weiß es nicht. (...) Aber es ist sicher eine der ersten Fragen, die ich Ihm stellen werde, wenn ich sie Ihm Stellen kann - von Angesicht zu Angesicht."

"Der sogenannte Kreationismus ist absurd, nämlich zu behaupten, die Welt sei 6000 Jahre alt und die Schöpfung sei in sechs Tagen gescheieh, nur weil es wörtlich so in der Bibel steht. Diese Art von Bibelverständnis ist sicher nicht die katholische."

"Tod ist immer ein Skandal. Ich kann es mir einfach nicht vorstellen, dass ein Mensch tot ist. Als Kardinal König gestorben ist - der war ja weiß Gott betagt, 98 Jahre alt -, habe ich mir das nicht vorstellen können, dass er einfach weg ist. Da ist etwas Richtiges dran, weil die Toten ja nicht einfach weg sind. Man versinkt nicht ins Nichts."

Christoph Schönborn, Barbara Stöckl
Wer braucht Gott?
Ecowin Verlag, Salzburg 2007
ISBN: 978-3-902404-33-6
Preis: 19,95 Euro
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