"Religionen sollen Frieden stiften"
Dec 14, 2006
Zu einem "Abend des Kennenlernens" hat Kardinal Christoph Schönborn am Mittwoch Vertreter türkisch-islamischer Organisationen ins Erzbischöfliche Palais geladen. Denn die Grundwerte "Frieden stiften" und "Gleichberechtigung schaffen" müssten die Religionen zuerst untereinander leben.
(Stephanscom.at, 13.12.20056) Im Zeichen der Begegnung zwischen Christen und Muslimen stand am Mittwoch, 13. Dezember 2006, ein "Abend des Kennenlernens" im Wiener Erzbischöflichen Palais. Auf Initiative des Fünfhauser Dechanten Martin Rupprecht hatte Kardinal Christoph Schönborn Repräsentanten türkisch-islamischer Organisationen zu sich gebeten. "Ob die Religionen als Friedensstifterinnen ernst genommen werden, hängt davon ab, ob sie untereinander jene Werte leben, zu denen sie sich eigentlich verpflichtet fühlen: Frieden stiften, Barmherzigkeit pflegen, Gleichberechtigung schaffen", betonte der Kardinal. Auch der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, sprach sich für ein "Zusammenleben in Frieden und Freundschaft" aus.
"Dialog bedeutet, das Herz der anderen zu verstehen versuchen", griff Kardinal Schönborn ein Wort Papst Johannes Pauls II. auf. Das Zweite Vatikanische Konzil habe den Christen aufgetragen, auch die echten Werte der anderen Religionen "anzuerkennen, zu wahren und zu fördern". Das könne aber nur gelingen, wenn man um diese Werte wisse und sie erlebt habe. Der türkische Botschafter Selim Yenel dankte Kardinal Schönborn, dass er eine "Tür des Dialogs zwischen den Religionen" geöffnet habe. Auch der Besuch Papst Benedikts XVI. in der Türkei habe einen "Funken des Friedens" entzündet.
Verständnis und Wertschätzung leben
Dechat Martin Rupprecht, Pfarrer von Neufünfhaus, hat sich zum Ziel gesetzt, Katholiken und Muslime auf Ortsebene miteinander bekannt zu machen, und bereits viele "Brücken des Verstehens" zwischen katholischen Pfarrern und muslimischen Imamen in Wien gebaut. Rupprecht sei kein Islamexperte im akademischen Sinn, so der Wiener Erzbischof, aber seine Initiative komme aus einem pastoralen Anliegen, aus der Sorge als Pfarrer, "dass in keiner Pfarrgemeinde Verständnis und Wertschätzung gelebt werden kann, wenn es kein Kennenlernen des Nachbarn gibt". Die von Pfarrer Rupprecht geschaffene neue "Kontaktstelle für christlich-islamische Begegnung" sei als Ergänzung zu vorhandenen Institutionen des Dialogs zu verstehen.