"Bischöfliche Erklärung" zu Kardinal Dr. Hans Hermann Groer
Oct 13, 2004 kommentar_wb_laun.doc
Wortlaut der am Freitag, 27.2.1998, veröffentlichten Erklärung der Diözesanbischöfe Eder, Kardinal Schönborn, Weber und Kapellari
"Wir, die unterfertigten Bischöfe, wenden uns im Einvernehmen auch mit anderen Bischöfen an die Katholiken Österreichs und bekunden unsere besondere Verbundenheit mit jenen, die an den jetzigen Problemen der Kirche schwer zu tragen haben. Es sind im Religionsunterricht oder in kirchlichen Erziehungseinrichtungen tätige Männer und Frauen. Es sind Laienchristen, denen Kritik und Spott an der Kirche am Arbeitsplatz, in der eigenen Familie und im Kreis von Freunden und Bekannten begegnen und es sind Priester und Ordenschristen, die generell verdächtigt werden, den Zölibat nicht zu leben. Solche Christen sind traurig oder auch zornig, weil es noch immer nicht gelungen ist, den Konflikt um Kardinal Groer auf jenem Niveau zu behandeln oder zu lösen, das von der Kirche erwartet werden darf.
Unsere Kirche verkündet eine anspruchsvolle Sexualmoral. Wenn ein Bischof schwerwiegender Verfehlungen gegen diese Moral zu Lasten von ihm anvertraut gewesenen jungen Menschen beschuldigt wird, dann genügt nicht eine Versöhnung in der Beichte. Vielmehr muß der Beschuldigte öffentlich und unzweideutig sagen, daß er unschuldig ist, oder öffentlich um Vergebung bitten, was meist auch mit einem Rückzug aus dem Amt verbunden sein wird. Kardinal Groer hat keine der beiden Möglichkeiten deutlich ergriffen. Die Einzigartigkeit dieser Situation hat sowohl die Österreichische Bischofskonferenz wie auch die Leitung der Weltkirche in Rom so unvorbereitet getroffen, ja gelähmt, daß es bisher zu keinem, die Öffentlichkeit überzeugenden Handeln gekommen ist.
Wir sind nun zur moralischen Gewißheit gelangt, daß die gegen Alterzbischof Kardinal Hans Hermann Groer erhobenen Vorwürfe im wesentlichen zutreffen. Sein Schweigen haben wir zu ertragen, können aber selbst nicht schweigen, wenn wir unserer Verantwortung für die Kirche gerecht werden sollen. Wir fühlen uns zu dieser Erklärung besonders verpflichtet, weil ein Schweigen die Seelsorge der Kirche weiterhin durch den lähmenden Generalverdacht belasten würde, der Ruf eines Kardinals sei der Kirche wichtiger als das Wohl junger Menschen. Wir möchten auch den Heiligen Vater vor der bereits öffentlich gemachten Behauptung schützen, er dulde ein solches zweideutiges Verhalten.
Diese Erklärung über unseren Mitbruder fällt uns im Wissen um seine Verdienste, sein Mühen und sein Alter sehr schwer. Zugleich aber müssen wir an jene Menschen denken, die in ihrer Jugend durch Verantwortliche der Kirche Schaden erlitten haben. Jene Katholiken, die der Meinung