Kardinal Schönborn würdigt verstorbenen Kardinal Groer
Oct 13, 2004
"Unbeschadet der Schatten gilt es in der Stunde des Abschieds, die Leistungen des Priesters und Bischofs zu würdigen"
(religion.orf.at, 24.03.2003) "Unbeschadet der Schatten gilt es in der Stunde des Abschieds, die Leistungen des Priesters und Bischofs zu würdigen", sagte Kardinal Christoph Schönborn am Montag im Hinblick auf den Tod seines Amtsvorgängers, Kardinal Hans Hermann Groer.
Kardinal Groer habe als Seelsorger und Mann der Kirche Großes geleistet. Der Wiener Erzbischof, der sich am Montag noch in Rom aufhielt, sagte wörtlich: "Angesichts des Todes dürfen die schmerzlichen Fragen der Vergangenheit vertrauensvoll in Gottes Hand gelegt werden. Das gilt für Kardinal Groer wie für jeden Christen. Was uns bleibt, sind Dankbarkeit für das Positive, das er geleistet hat, und fürbittende Erinnerung".
„Legion Mariens“
Kardinal Schönborn verwies auf den jahrzehntelangen Einsatz Groers für die Erneuerungsbewegung "Legion Mariens", die in Österreich durch diesen Einsatz immer ihre jugendliche Frische bewahrt habe. Besondere Bedeutung habe auch Groers Wirken in der Wallfahrtsbewegung: "Er wollte - ganz im Sinn des Gedankens der pilgernden Kirche - eine Wallfahrt für die Kirche, für ihre innere Erneuerung. Dieses Konzept verwirklichte er ab 1969 in Maria Roggendorf. Von dort breitete sich der Gedanke der Monatswallfahrt im ganzen mitteleuropäischen Raum aus".
Geistliche Berufungen
Das wahre Herzensanliegen Groers sei aber die Weckung, Förderung und Begleitung geistlicher Berufungen gewesen. In diesem Zusammenhang seien vor allem die Erneuerung bzw. Gründung der Zisterzienserinnenklöster Gwiggen und Marienfeld und des Benediktinerklosters in Maria Roggendorf zu nennen. Groer habe aber auch viele Menschen persönlich als Seelsorger begleitet, die ihm noch heute in Dankbarkeit verbunden seien; dafür gebe es bewegende Zeugnisse: "Er hatte Sensibilität und ein offenes Herz für persönliche und soziale Notsituationen".
Schwierige Zeiten
Das Wirken Groers als Erzbischof und Kardinal sei in einen schwierigen, ja turbulenten Zeitabschnitt gefallen, betonte Kardinal Schönborn. Trotz aller Schwierigkeiten sei es Groer gelungen - etwa durch das Wiener Diözesanforum - Vertrauen zu gewinnen und Impulse für die pastorale Erneuerung, wie er sie verstand, zu geben. Schon vor der "Wende" habe Groers Interesse auch der kirchlichen Situation in den kommunistisch beherrschten Ländern gegolten: "Nach 1989 hat er dann insbesondere den Wiener Nachbardiözesen im Osten und Norden tatkräftig beim Wiederaufbau geholfen". Auch mit einzelnen Repräsentanten der Orthodoxie - vor allem mit dem serbischen Patriarchen Pavle I. und dem rumänischen Patriarchen Teoctist I. - sei Groer freundschaftlich verbunden gewesen.
Harte Prüfung
Abschließend meinte Kardinal Schönborn: "Kardinal Groer hat mich als seinen Weihbischof vorgeschlagen; ich durfte ihm einige Jahre zur Seite stehen. Die Ereignisse von 1995 waren für uns alle eine harte Prüfung. Ich lade alle ein, sich der Fürbitte für Kardinal Groer anzuschliessen, so wie wir alle auch für uns selbst dereinst auf Fürbitte hoffen".