Kardinal Schönborn: Hrdlicka hatte tiefen Bezug zum Kreuz
Mar 25, 2012
Wiener Erzbischof eröffnet letzte Ausstellung im Wiener Dommuseum
vor Umbau durch Boris Podrecca
Wien, 03.03.12 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat am
Samstagabend die letzte Ausstellung im Wiener Dommuseum vor dem
Umbau durch Boris Podrecca, der mehrere Jahre dauern wird, eröffnet.
Gezeigt wird bis 25. Mai "Das Kreuz in der Bildhauerei" mit Werken
von 16 Künstlern der Zeit von ca. 1918 bis heute, darunter Alfred
Hrdlicka (1928-2009), den der Wiener Erzbischof besonders erwähnte
und auf dessen tiefen Bezug zum Kreuz er einging.
Schönborn dankte bei der Eröffnung, an der u.a. EU-Kommissar
Johannes Hahn teilnahm, außerdem dem scheidenden Dommuseums-Direktor
Bernhard Böhler, der das Haus seit 2007 leitete.
Der Kardinal erwähnte den Kontext des Kreuzes, das Alfred Hrdlicka
geschaffen habe. Bei einer Begegnung mit dem Künstler habe er von
diesem erfahren, dass er als Sechsjähriger getauft wurde. Hrdlickas
Eltern, die selbst Kommunisten waren, hätten diese Taufe in die Wege
geleitet, weil unter der damaligen Dollfuß-Regierung Nichtgetaufte
benachteiligt waren. Kurz nach dem Krieg seien die Eltern gestorben.
"Er hat mir erzählt, wie schnell sie hintereinander gestorben sind.
Und er hat das damit gedeutet, dass sie einander so geliebt haben",
so der Erzbischof wörtlich.
Hrdlicka habe dann für das Grab seiner Eltern ein Kreuz gemacht.
Schönborn: "Und es ist ein von Hrdlicka gemachter Abguss dieses
Kreuzes, den wir jetzt im Dommuseum sehen. Das sagt, glaube ich,
sehr viel über diese Ausstellung."
In diesem Zusammenhang erinnerte der Kardinal auch an Hrdlickas in
Kreuzform geschaffene Schwester-Restituta-Büste im Stephansdom. In
dem Werk des Bildhauers, der sich selbst immer als Kommunist
bezeichnete, komme zum Ausdruck, dass die Ordensfrau von den
Nationalsozialisten "mitten zwischen kommunistischen Straßenbahnern
aus der Brigittenau" hingerichtet wurde.
Das "Verbrechen" der Straßenbahner habe darin bestanden, dass sie
auf dem Grab eines von der NS-Justiz hingerichteten Kollegen einen
Kranz niedergelegt hatten. "Im christlichen Verständnis war dieses
Tun ein Werk der Barmherzigkeit", so Schönborn.
Die 1998 als Märtyrerin seliggesprochene Restituta Kafka sei im
Gefängnis mit ihren kommunistischen Mitgefangenen sehr verbunden
gewesen. Hrdlicka habe das dadurch ausgedrückt, dass die Namen
dieser Straßenbahner, die zugleich mit ihr hingerichtet wurden, in die Brust der Restituta-Büste eingraviert seien.