Rom: Schönborn erinnert an "tief christliche Prägung" Habsburgs
Jan 25, 2012
Gottesdienst und Symposion in Santa Maria dell'Anima für das im Vorjahr verstorbene Familienoberhaupt des einstigen österreichischen Kaiserhauses, Otto von Habsburg - Er war nach den Worten Altkanzler Schüssels "voller Überzeugung und Dankbarkeit als Europa-Abgeordneter ein Volksvertreter"
Rom-Wien, 25.01.2012 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat in Rom ein feierliches Requiem für Otto von Habsburg (1912-2011) und dessen Bruder Felix (1916-2011) zelebriert. An der Totenmesse in der Kirche der deutschsprachigen katholischen Gemeinde Santa Maria dell'Anima nahmen am Dienstagabend auch die beiden Söhne des Verstorbenen, Erzherzog Karl von Österreich und dessen Bruder Georg, sowie der frühere österreichische Bundeskanzler Wolfgang Schüssel teil.
In seiner Predigt würdigte Schönborn Otto von Habsburg vor mehreren hundert Gottesdienstbesuchern als "aufmerksamen Diener der Menschen" und demütigen Christen. "Groß" sei er gewesen, weil Gott ihn klein gemacht habe, sagte der Kardinal. Seine Frömmigkeit habe Otto von Habsburg "größer, gefälliger und schöner gemacht".
Zugleich hob der Kardinal die tiefe christliche Prägung des Hauses Habsburg hervor. Ein Grund dafür, dass dieses über so viele Jahrhunderte hinweg Bestand gehabt habe, sei "die immer wieder neue Ausrichtung am Willen Gottes" gewesen. Dies sei in einer Weise geschehen "wie sie wohl für wenige Familien in so kontinuierlicher und durchgehender Weise nachzuweisen ist". Über Generationen hätten sich die Habsburger stets bemüht, eine "echte Familie" zu sein. Eine zentrale Rolle habe für sie stets die tiefe Verehrung für die Eucharistie gespielt. Dies sei die Signatur der sogenannten "pietas austriaca" ("die Frömmigkeit des Hauses Österreich") gewesen, so Schönborn.
"Wurde nicht Kaiser, sondern ein Volksvertreter"
Vor dem Requiem würdigten Weggefährten Ottos von Habsburg das Wirken des Verstorbenen als christlicher Politiker während eines Symposions im Päpstlichen Institut Santa Maria dell'Anima. Altkanzler Schüssel sagte, Otto von Habsburgs Leben zeige exemplarisch, "wie einer sein Christsein von der Wiege bis zur Bahre durch Höhen und Tiefen durchlebt hat". Europa brauche solche Menschen wie Otto von Habsburg. Er, der hätte Kaiser werden können, sei schließlich mit voller Überzeugung und Dankbarkeit als Europa-Abgeordneter ein Volksvertreter geworden. Schüssel erinnerte insbesondere an Otto von Habsburgs Eintreten für die europäische Einigung und an dessen Hilfe für Verfolgte des NS-Regimes in Frankreich.
Der Vizepräsident der italienischen Abgeordnetenkammer, Rocco Buttiglione, bezeichnete Otto von Habsburg als einen Menschen "im Dienste des Friedens und der Verbrüderung der Völker". Ihn habe stets eine "große Leidenschaft für die Wahrheit und das Gute ausgezeichnet". Er sei ein Edelmann gewesen, nicht weil er ein Adelsprädikat besessen habe, sondern weil er vor den Mächtigen die Wahrheit gesagt habe. Buttiglione würdigte insbesondere Otto von Habsburgs Wirken als Präsident der Paneuropa-Union und seinen Widerstand gegen Hitler.
Das Eintreten Otto von Habsburg für die osteuropäischen Länder und deren Aufnahme in die EU hob der ungarische Außenminister Janos Martonyi in seinem Vortrag hervor. Er erinnerte an das von Otto von Habsburg mitveranstaltete "paneuropäische Picknick" an der österreichisch-ungarischen Grenze nahe der Stadt Sopron (Ödenburg) am 19. August 1989.
Weitere Vortragende waren u.a. der Rektor des Päpstlichen Instituts Nepomuceno in Rom, Jan Mraz, der eine Botschaft des Prager Erzbischofs Dominik Duka verlas, und der Politikwissenschaftler und Sozialphilosoph Norbert Leser.
Das Symposion leitete Erzherzog Karl von Österreich. Organisiert wurde es vom Päpstlichen Institut Santa Maria dell'Anima ( www.pisma.it ) in Zusammenarbeit mit der Botschaft der Republik Österreich beim Heiligen Stuhl.