Aquileja ist die "gemeinsame Wurzel"
May 10, 2011
Kardinal Christoph Schönborn betont die außerordentliche Bedeutung Aquilejas für Christianisierung Österreichs.
Die "gemeinsamen Wurzeln" der Kirche in Österreich und Nordostitalien hat Kardinal Christoph Schönborn angesichts des bevorstehenden Besuchs von Papst Benedikt XVI. in Aquileja und Venedig betont. Es genüge, an die außerordentliche Bedeutung Aquilejas für die Verbreitung des Evangeliums im Bereich des heutigen Österreich zu erinnern, erklärte der Kardinal im Interview mit den Kirchenzeitungen des Triveneto. In den vergangenen Jahrzehnten seien in Kärnten eindrucksvolle Zeugnisse des frühen Christentums entdeckt worden, wie etwa die Basiliken von Teurnia. "Die Wiederentdeckung der gemeinsamen Vergangenheit hilft uns auch, heute und morgen gemeinsam zu gehen", so Kardinal Schönborn.
Zweites Vatikanisches Konzil
Sowohl in Österreich als auch im nordöstlichen Italien sei die Kirche zutiefst vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägt, sie habe aber auch in beiden Ländern die Belastungen der nachkonziliaren Zeit erlebt, betonte der Wiener Erzbischof. Entscheidend sei aber, dass "da wie dort" die Katholiken dank des Konzilsereignisses die zentrale Bedeutung der Gestalt Jesu wiederentdeckt hätten.
Es sei das Verständnis gewachsen, dass die Kirche wirklich "mystischer Leib Christi" und "Volk Gottes auf dem Weg durch die Geschichte" sei. Vor diesem Hintergrund seien die Katholiken im Stande, Antworten auf die Grundfragen vieler Menschen zu geben: "Woher komme ich, wohin gehe ich, was ist der Sinn meines Lebens?"
Alle getauften und gefirmten Christen
Die Kirche bestehe aus allen getauften und gefirmten Christen, erinnerte Kardinal Schönborn. Die "Geweihten" hätten eine besondere Verantwortung in der Kirche, weil sie Christus repräsentieren, aber vor allem anderen seien auch sie getaufte und gefirmte Christen: "Wir sind alle gemeinsam 'Volk Gottes', das unter dem Antrieb des Heiligen Geistes vorangeht."
Auf die Frage, was Kirche im Hinblick auf wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Fragen tun kann, erinnerte der Kardinal an die "plurale" Stimme der Kirche. Christen könnten in gesellschaftlich-politischen Fragen zu unterschiedlichen Lösungen kommen, sie dürften diese aber nicht als die einzig möglichen ansehen. "Entscheidend ist, dass wir in den Fragen des Glaubens geeint bleiben."
Altbischof Aichern bei Papstbesuch
Aquileja war vom 4. bis ins 8. Jahrhundert das Zentrum für die Mission unter den Alpenslawen, unter anderem im heutigen Südkärnten. Görz wiederum war Bischofssitz des ersten slowenischen Kardinals, des aus Mota in der heute zu Slowenien gehörenden Untersteiermark ("Stajersko") stammenden Jakob Missia (1838-1902).
Die österreichischen Bischöfe werden bei den Feiern am 7. und 8. Mai in Aquileja und Venedig vom Linzer Altbischof Maximilian Aichern repräsentiert, der seit vielen Jahren die Verbindungen zur Italienischen Bischofskonferenz (CEI) hält. Höhepunkt der Papstreise ist eine große Messe am Sonntag um 10.00 Uhr im San-Giuliano-Park von Mestre. 30 Bischöfe aus Italien und den Nachbarländern und mehr als 200.000 Gläubige aus Venezien, Friaul, Südtirol, Trentino, Kärnten, Slowenien und Kroatien (Istrien) werden dazu erwartet.