Christoph Cardinal Schönborn, O.P. Christoph Cardinal Schönborn, O.P.
Function:
Archbishop of Wien, Austria
Title:
Cardinal Priest of Gesù Divin Lavoratore
Birthdate:
Jan 22, 1945
Country:
Austria
Elevated:
Feb 21, 1998
More information:
www.catholic-hierarchy.org, Stephanscom.at, The Schonborn Site
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German "Eine neue Epoche des Christseins"
Mar 22, 2010
Zu Beginn der ersten Diözesanversammlung spricht Christoph Kardinal Schönborn über seine Erwartungen an den Prozess Apostelgeschichte 2010.

Liebe Schwestern, liebe Brüder in Jesus Christus!

Ich beginne mit einem Erlebnis, das mein Bischofsamt geprägt hat. 1992/93 habe ich das Dekanat Wien 4/5 visitiert. Es war meine erste Visitationserfahrung. In der Pfarre „Auferstehung Christi“ kam ich mit Pfarrer Johann Pointner zum Vorgespräch zusammen. Er sagte mir in etwa: Sie werden also in die Pfarre kommen, es wird eine schöne Messe geben, Begegnung mit Pfarrmitgliedern, mit dem Pfarrgemeinderat. Und dann zeigte er mit der Hand auf die riesigen Gemeindebauten rundum und fragte: Und was werden die vielen Menschen, die da wohnen, von dieser Visitation merken? Die Frage geht mir seither nicht aus dem Sinn. Ich habe sie für meine Bischofszeit als prägend erlebt. Denn ich glaube, die Zeit, in die meine Amtszeit als Bischof fällt, erlebt wahrscheinlich die größten Veränderungen und Umbrüche der Kirche (und auch unserer Gesellschaft) seit langem. Ich will aber diese tiefen Umbrüche bewusst mit Ihnen gemeinsam leben und gestalten. Seit langem schwebt mir dabei als Modell das Apostelkonzil vor, wie es in Apg 15 beschrieben wird. auch damals ein gewaltiger Umbruch: Soll die junge Kirche in den Grenzen des Judentums bleiben oder sich auch den Heiden öffnen? Und sollen die Heiden, um Christen zu werden, das Gesetz übernehmen? Statt in dieser dramatischen Frage sich von den Problemen, die riesig waren, lähmen zu lassen, haben die Apostel einen anderen Weg gewählt: Sie haben einander erzählt, was Gott in ihrer Mitte gewirkt hat: „Als ein heftiger Streit entstand (ob nämlich die Heidenchristen beschnitten werden müssen und ob sie am Gesetz des Mose festhalten müssen), erhob sich Petrus und sagte zu ihnen: „Brüder, wie ihr wisst, hat Gott schon längst hier bei Euch die Entscheidung getroffen…“ Und dann erzählt er, was Gott gewirkt hat, wo er den Heiligen Geist am Werk erlebt hat, und was er daraus als den Weg und Willen Gottes erkannt hat. Nach Petrus hörte die Versammlung „Paulus und Barnabas zu, wie sie erzählten, welch große Zeichen und Wunder Gott durch sie unter den Heiden getan hatte“. Schließlich ergreift Jakobus das Wort und zieht aus den Erfahrungsberichten die Schlussfolgerungen. Gott selber hat so den Weg gezeigt, auf den sich schließlich das „Apostelkonzil“ geeinigt hat. Ähnliches wollen wir in unserer ersten Delegierten-versammlung tun: aufeinander hören: was habt ihr als Wirken des Herrn erlebt? Die Unterschiede in der Sichtweise zwischen den Jakobusleuten und Paulus konnten kaum größer sein. Auch zwischen uns gibt es große Unterschiede im Kirchenbild, in der Glaubensgeschichte, in den gesellschaftlichen Akzenten. Aber wenn wir wie im Apostelkonzil wirklich auf die Glaubenserfahrung des anderen hören, kann es zu einer so starken Gemeinsamkeit kommen wie damals in Jerusalem. So darf ich, ehe wir sieben Zeugnisse hören, selber sagen, was ich „gesehen und gehört habe und worüber ich unmöglich schweigen kann“. Es ist vor allem eines, das mich immer mehr bewegt, anzieht, ergreift: das Erbarmen Jesu! Für mich ist Markus 6 eine Schlüsselstelle. Jesus lädt seine Jünger nach ihrer ersten Missionserfahrung ein, mit ihm an einen einsamen Ort zu kommen, um ein wenig auszuruhen. Als sie mit dem Boot dort ankommen, erwartet sie statt der Ruhe eine riesige Menschenmenge, weit über 5.000 Menschen. Von Jesus sagt nun Markus: „Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, war er von Mitleid über sie ergriffen, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange“ (Mk 6,34). Meine Frage, meine Bitte an den Herrn: „Herr, wie siehst du die Menschen? Wie ist dein Blick? Dein Herz ihnen gegenüber?“ Es geht, so sehe ich das, vor allem darum, dass Jesus uns mit seinen Augen sehen, mit seinen Herzen lieben lehrt. Das ist für mich der Kern der Mission! Diese Frage bewegt mich seit Jahren. Sie wurde mir zur Kernfrage meines Lebens: ich möchte die Menschen (und mich selber) so sehen können wie Jesus sie (und mich) sieht! In meiner Erfahrung ist daraus ein fünffaches Ja geworden, das ich als das Ja Jesu sehe, das Ja Gottes zu uns, zu unserer Zeit, und das möchte ich Ihnen kurz in Stichworten sagen.

1. Ja sagen zu unserer Zeit

Ja sagen zu unserer Zeit, zum Heute, in der wir leben. Gott liebt diese Zeit, die Menschen heute. Mein täglicher Lieblingspsalm ist der Ps 95 (am Tagesbeginn): „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht…“ Und dieses Lieblingswort meiner Lieblingsheiligen, Thérèse v. Lisieux: „Pour t’aimer je n’ai que aujourd’hui“ (um dich zu lieben habe ich nur heute). Lassen wir die Nostalgie: wir leben nicht in den kirchenboomenden 50er Jahren, in den konzilsbegeisterten 60ern, in den stürmischen 68er Jahren. Wir leben heute. Sehen wir mit Jesu Augen diese Zeit. Lieben wir sie im Heute Jesu!

2. Ja sagen zu unserer Situation

Ja sagen zu unserer Situation. Wir sind, besonders in Wien, gewaltig geschrumpft. Wir werden weiter schrumpfen (schon rein aus demographischen Gründen). Wir müssen Abschied nehmen von vielem, das uns lieb, wichtig, heilig war. Es wird vieles sterben. Wir müssen manches loslassen, was uns unersetzlich scheint. Gott liebt uns in dieser unserer Situation. Ja sagen auch zu dem, was wächst, was Förderung braucht, und was uns Gottes Weg in dieser Zeit zeigt. Trauen wir uns, gemeinsam hinzuschauen auf das, was wir loslassen müssen und das, was der Geist des Herrn uns für heute als neue Chancen zeigt.

3. Ja sagen zu unserer gemeinsamen Berufung als Getaufte und Gefirmte

Ja sagen zu unserer gemeinsamen Berufung als Getaufte und Gefirmte. Das wollte das II. Vatikanische Konzil allen bewusst machen: das tragende gemeinsame Fundament der Taufe, das uns verbindet und das unser gemeinsamer Auftrag ist. Der erste Satz der Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“ des Konzils ist mir dazu besonders wichtig: „Christus ist das Licht der Völker. Darum ist es der dringende Wunsch dieser im Heiligen Geist versammelten Heiligen Synode, alle Menschen durch seine Herrlichkeit zu erleuchten, die auf dem Antlitz der Kirche widerscheint. Deshalb verkündet sie allen Geschöpfen das Evangelium“ (LG 1). Hier ist der ganze Missionsauftrag der Kirche angesprochen. Mich berührt dabei immer dieses „auf dem Antlitz der Kirche“: Die Kirche hat ein Antlitz. Sie hat mein Antlitz. Ich bin immer auch ein Gesicht der Kirche. Jede und Jeder von uns ist so Gesicht der Kirche, auf dem Christus, das Licht der Menschen, leuchtet. Und es leuchtet wirklich. Nicht immer ganz hell, aber doch. Wir alle sind Antlitz der Kirche für das Licht Christi. Daher ist der „Sendungsauftrag“ aller Getauften zuerst ein persönlicher. „Face to face“, von Angesicht zu Angesicht, so geht Mission. So ging es immer. So, und nur so geht es heute: persönlich, „von Mensch zu Mensch“; „face to face“. So soll auch unsere Diözesanversammlung verstanden werden: nicht zuerst Papiere produzieren, sondern einander „face to face“ begegnen. Auch ein „Face book“ kann das nicht ersetzen. Alle die Strukturfragen, die uns zu Recht bewegen, die institutionellen Entwicklungen, gehen von da aus und bekommen von daher ihren Sinn: Wie können wir „nahe bei den Menschen“ bleiben bzw. näherkommen. Wie bleibt die Kirche „auf Rufweite“? Wie können wir „face to face“ die erreichen, die der Herr mit seinem Evangelium erreichen will? Das 4. und 5. „Ja“ dienen dieser Nähe zu den Menschen aus der Nähe zu Jesus.

4. Ja zur Stellvertretung

Ja zur Stellvertretung: Dass wir wenige sind, soll uns nicht schrecken. Jeder, der glaubt, steht für viele. Niemand glaubt für sich alleine, wie auch niemand für sich alleine lebt. Als aktive Minderheit in unserer Gesellschaft (und selbst unter den treu ihren Kirchenbeitrag leistenden Getauften), wird es immer wichtiger, dass wir das Prinzip „Stellvertretung“ leben und annehmen: Wir tragen im Glauben, in unserem Beten und Feiern viele andere mit: Sagen wir es ihnen auch gelegentlich! Wenn Du am Sonntag in die Kirche gehst und der Nachbar gerade Rasen mäht, sag‘ ihm: „Ich bete auch für dich!“ „Ich nehme deine Sorgen und anliegen mit in die Messe!“ „Ich gehe für dich!“ Mission heißt immer auch Stellvertretung: Einer für den anderen!

5. Ja zum gesellschaftlichen Auftrag

Ja zum gesellschaftlichen Auftrag: Unsere Pfarren, Gemeinden, Gemeinschaften und kirchlichen Einrichtungen bilden ein großes Netzwerk der Nächstenliebe! Wir sind in einer spannungsreichen Situation: einerseits werden unsere Mittel und Möglichkeiten weniger, andererseits werden die Nöte und Herausforderungen größer. Je dünner die sozialen Netze werden, desto mehr ist unsere Phantasie der Nächstenliebe gefordert. Es ist beeindruckend, was hier in unseren kirchlichen Einrichtungen geleistet wird, von Ihnen allen! Die vielen kleinen Dinge, unscheinbare, gelebte Nächstenliebe. Und die großen Einsätze für Menschen in den verschiedenen Nöten. Das Ja zu unserem gesellschaftlichen Auftrag ist ein wesentlicher Teil unserer Mission.

Ich komme zurück auf den Anfang: Die Pfarre „Auferstehung Christi“ – zehn Jahre später. Inzwischen ist Franz Scharl dort Pfarrer. Ich feiere Gottesdienst mit der schwarzafrikanischen Gemeinde. Die Kirche ist randvoll. Es wird gesungen, getanzt. Ein Gottesdienst voll afrikanischer Temperamente, mitten in Wien. Wien hat sich enorm verändert. Die Kirche Wiens spiegelt die Weltkirche wider. In der Stadt natürlich deutlich mehr als in den beiden „Landesvikariaten“. Sie wird sich weiter stark wandeln. Fast 30 Prozent der Priester im Diözesandienst haben eine nicht-österreichische Herkunft. Die andersprachigen Gemeinden in Wien bilden bereits einen erheblichen Teil der Kirche Wiens. Sie sind Kirche! Sie sind Kirche Wiens. Im Industrieviertel geht es zum Teil in ähnlichen Bahnen. Das ist nur ein Aspekt unter anderen betreffend die großen Umbrüche, die wir erleben. Sie sind Chancen, sie sind mit Schmerzen und Abschieden, aber auch mit Geburtswehen verbunden. Ich bin gespannt, ob es uns gelingt, gemeinsam auf das zu hören, was der Geist heute der Kirche sagt, unserer Kirche, uns persönlich, uns allen. Ja, komm, Heiliger Geist, komm und zeigen uns Deine Wege!

+ Christoph Kardinal Schönborn
Erzbischof von Wien

http://www.apg2010.at/apg2010/20/articles/2009/10/22/a3437/
English Celibacy to blame for sex abuse cases, says cardinal tipped for papacy
Mar 22, 2010

A leading cardinal today claimed that the sex abuse cases rocking the Roman Catholic Church were due to 'priestly celibacy'.

Calling for a 'change of vision', Cardinal Christoph Schoenborn, leader of the Catholic Church in Austria, said the causes of sex abuse by priests could be found in 'priest celibacy' and 'priest training'.

In recent weeks the church has been rocked by a series of abuse scandals in Ireland, Holland and Germany - where Pope Benedict's retired priest brother Georg Ratzinger has admitted to hitting choir boys.

The 65-year-old cardinal, who is tipped to be a future pope, made the shock claims in a religious magazine.

Cardinal Schoenborn said: 'The causes of sex abuse by priests? These need to be found in priest training, as well as the question of what happened in the so-called sexual revolution of 1968.

'It also includes the issue of priest celibacy and the issue of personality development.

'It requires a great deal of honesty, both on the part of the Church and of society as a whole, a change of vision.'

He added: 'Enough is enough. That's what many people are saying and thinking. Enough of the scandals! How is it that members of the Church are constantly made responsible for crimes that we didn't commit?'

Pope Benedict has described abuse of children by priests as a 'heinous crime' and has vowed to tackle the problem urgently and decisively.


More...

   * Catholic sex abuse scandals are 'evidence the Devil is in the Vatican', says Pope's chief exorcist

But despite calls by a number of theologians and lay Catholic organisations to abolish priest celibacy, the Vatican sees the issue as strictly 'non negotiable'.

Cardinal Schoenborn has been leader of the Austrian church for 15 years - since his predecessor, Cardinal Hans Hermann Groer, was forced to quit after it emerged that he had abused boys.

He has held views seen as radical in the church including advocating the use of condoms and accepting the possibility of evolution.

In 1996, he told an Austrian TV that someone suffering from Aids might use a condom as a 'lesser evil'. But he quickly cautioned: 'No one could affirm that the use of a condom is the ideal in sexual relations.'

During the last few days other alleged cases of sexual and physical abuse by Catholic priests have surfaced in Austria in the boarding school of Mehrerau Abbey.

The issue of celibacy is due to be discussed at a two-day conference hosted by the Vatican's Pontifical Lateran University which is under the control of Pope Benedict XVI.

It is thought that many Catholic priests privately believe a married clergy is the obvious solution to a number of problems confronting the church, from the shortage of priests to the recent sex scandals.

The celibacy rule for priests was not part of the early Christian Church but was introduced in the Middle Ages. A number of early Christian fathers were married, including St Peter himself, according to St Mark's Gospel.

Today there was no official comment from the Vatican on Cardinal Schoenborn's comments.

Hondurian Cardinal Óscar Andrés Rodríguez Maradiaga, who was attending the conference at the Lateran University, was asked about Cardinal Schoenborn's comments but dismissed them.

He said:'I don't understand how there can be a relation between priestly celibacy and paedophile cases within the Church because abuse also takes place where there is no celibacy.

'The problem is that cases of abuse carried out by people who are not clergy are not publicised but to avoid these cases we must insist on eduaction and this is very important.

'We cannot blame the whole of the clergy for a few who have fallen and who have sinned.'

http://www.dailymail.co.uk/news/worldnews/article-1257175/Cardinal-Schonborn-claims-celibacy-blame-Catholic-sex-abuse-cases.html#
German „Das brennende Herz…“
Mar 22, 2010
Die Abschlussrede von Christoph Kardinal Schönborn:

Schwestern und Brüder, ich gestehe schon, dass ich mich manchmal ein bisschen von euch überfordert fühle. Aber das ist wohl richtig so. Ich sage immer,

Schwestern und Brüder, ich gestehe schon, dass ich mich manchmal ein bisschen von euch überfordert fühle. Aber das ist wohl richtig so. Ich sage immer, wenn ich Lob bekomme und man zum Beispiel sagt: „Oh, Herr Kardinal, die Predigt war so toll“: „Die Flasche freut sich, wenn sie guten Wein enthalten darf.“ Denn mit euch bin ich Christ, für euch bin ich Hirte. Dieses „mit euch“, das hat schon Augustinus gesagt, das „für euch“ erschreckt mich.

Wir sind am Anfang der Diözesanversammlung ausgegangen von der Emmaus-Perikope: „Sie blieben stehen, traurig.“ Aber sie sind nicht stehen geblieben, sie sind nicht bei ihrer Trauer stehen geblieben. Sie sind nicht mehr alleine. Es hat sich einer ihnen zugesellt. Sie kennen ihn noch nicht, es ist ein Fremder, aber er spricht zu ihnen in einer ganz bewegenden Weise von der Schrift. Und er zeigt ihnen aus der Schrift, dass der Messias das alles leiden musste, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen.

Vor einigen Wochen hatte ich ein Gespräch mit einem „Ausgetretenen“. Ich biete Ausgetretenen an, sie können auch, wenn sie wollen, mit mir sprechen. Manche machen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Es war ein Mann mittleren Alters und ich habe mir erwartet, jetzt werden die üblichen Litaneien von Vorwürfen kommen gegen die Kirche, die wir alle kennen und zum Teil auch sehr gut kennen. Dann ist etwas ganz anderes passiert. Er hat vom Vater gesprochen, Gott-Vater. Und in kürzester Zeit waren wir in einem Glaubensgespräch, wie ich es schon jahrelang nicht erlebt habe. Es war ein mir fremder Mensch eben aus der Kirche ausgetreten, der in einer Weise mich hineingenommen hat in eine Begegnung mit Gott in diesem Moment, die ich nicht vergessen kann. Und das ist eigentlich für mich der Leitstern der Mission, der Evangelisierung. Dieses wunderbare Phänomen, das Regina Polak angesprochen hat, mit dem Beispiel der syro-phönizischen Frau, die Jesus etwas beigebracht hat, wo Jesus zunächst abgeblockt hatte: „Nein, nein, ich bin nur für die Juden da, ich bin nicht für euch da“, und dann fast brutal: „Die Hunde kriegen das Essen nicht, das ist für die Kinder.“ Aber die Frau lässt nicht locker und sagt: „Du hast recht, Herr, aber die Hunde dürfen auch die Brösel essen, die vom Tisch der Kinder fallen.“ Und dann dieses Wort Jesu: „Frau, dein Glaube ist groß.“ Eine Heidin!

Dieser „Ausgetretene“ war ein Getaufter, er war von der Kirche enttäuscht, aber sicher nicht von Gott. Und ich glaube, die Herausforderung für uns ist, diese Momente wahrzunehmen. „Vom Glück der ersten Stunde oder Wie ich anfing, missionarisch zu sein“ haben wir diesen Vormittag betitelt.  Mein erstes Missionserlebnis hatte ich bewusst mit 15 in Salzburg bei Verwandten. Da war ein Mann, vielleicht 35 Jahre alt, mit dem ich am Abend in der Wohnung der Verwandten ins Gespräch kam und es stellte sich heraus, er war ein rabiater Atheist. Ich war ganz erschüttert, dass es das gibt, einen kämpferischen Atheisten, dem war ich noch nicht begegnet. Ich habe lange, lange in dieser Nacht als 15-jähriger mit ihm gerungen, diskutiert. Ich weiß nicht, was daraus geworden ist, aber es hat mich bewegt, einem Menschen zu begegnen, der einfach ganz entschieden sagt: „Nein, das stimmt alles nicht.“

Die dritte Missionserfahrung – ich entschuldige mich bei denen, die in Salzburg dabei waren, wo ich das schon einmal erzählt habe – war eine Eisenbahnfahrt von Innsbruck nach Wien. In Innsbruck steigt eine Horde von schon leicht angetrunkenen Maturanten in den Großraumwagen, wo ich meinen reservierten Platz hatte. Sie haben sich ziemlich lautstark niedergelassen. Ich hatte mein Brevier in der Hand als frommer Geistlicher und wollte beten. Diese jungen Leute haben mich schnell erkannt, sie begannen, “Hölzer zu werfen“, machten spöttische Bemerkungen untereinander. Ich habe es nicht weiter gebracht, als gelegentlich zu grinsen, also freundlich ihnen zuzulächeln. In Salzburg sind sie dann ebenso lautstark ausgestiegen. Und als der Zug weiterfuhr, habe ich weinen müssen über mich. Da ist eine Gruppe, eine ganze Schulklasse von Maturanten und da sitzt der Kardinal in dem Waggon und macht den Mund nicht auf. Ich hätte ja nur fragen müssen: „Na, wie war die Matura? Ist es gut gegangen? Wie ist es euch gegangen?“ Nichts. Die waren unterwegs in die Türkei zum „Mega splash“. Eltern wissen, was das ist. Und ich habe mir nachher gesagt: „Herr, was hast du dir da für einen Missionar ausgesucht?“ Missionserfahrung in der Negativfolie.

„Brannte nicht unser Herz, als er uns unterwegs die Schrift erschloss“: Müssen wir nicht einfach ganz konkret und direkt und eigentlich jeden Tag den Heiligen Geist bitten: Gib mir einen „Stoß“, wenn der Moment da ist, dass ich das „Maul“ aufmache, dass ich auf jemanden zugehe, zuhöre, merke, sehe, wahrnehme, Empathie habe, Interesse. Ich glaube, die Mission ist etwas ganz, ganz einfaches. Es ist nur das wache Herz, das Herz, das bereit ist zu sehen, wo der Herr schon am Werk ist. Und das ist eine unvergleichliche Freude. Jeder und jede von Ihnen, die diese Erfahrung gemacht haben - und ich bin sicher, Sie haben sie alle gemacht – weiß, dass man da süchtig werden kann. Das möchte man wieder erleben. Dieses Miteinander, das dann plötzlich aufblitzt, auch wenn man nicht weiß, was daraus wird, ob da jetzt jemand ein Schäfchen mehr in der katholischen Kirche wird oder nicht…. Es ist etwas geschehen, es hat sich etwas ereignet: Der Herr ist da. Ich glaube, so funktioniert die Mission. Da ist nichts übergestülpt, nichts aufgesetzt, da wird niemand manipuliert und nicht zwangsbeglückt. Da findet Begegnung statt und wie Jesus es verheißen hat: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Zwei Bemerkungen, eine zur Priesterausbildung und eine zu uns allen. Ich sage oft im Priesterseminar im Gespräch mit den Seminaristen: „Damit jemand Priester werden kann, erwarte ich nur zwei Dinge: Er muss eine Leidenschaft für Gott haben und eine Leidenschaft für die Menschen. Und wenn ihr die eine oder die andere oder beide nicht habt, dann lasst es bitte sein.“ Ob jemand dann große Organisationstalente hat, Leadership usw., das ist alles sekundär, das kann man dazulernen. Aber wenn eine echte Leidenschaft für Gott da ist und eine echte Leidenschaft für die Menschen, dann wird der ein guter Hirte, auch wenn er die Sprache vielleicht noch nicht so gut kann. Ich kenne Priester aus anderen Ländern, die bei uns tätig sind, die auch noch nach Jahren nicht sehr gut deutsch können, die aber ein solches Herz für die Menschen haben, eine solche spürbare Liebe zu Gott, dass sie von ihren Gemeinden geliebt werden. Und ich bitte Sie alle, uns alle: Helfen wir unseren Priestern, dass sie ihr Herz nicht verhärten: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht.“ (Psalm 95, jeden Tag in der Früh im Brevier) Und es ist etwas wunderbares, wenn Menschen, Priester, wir alle,vielleicht nach Jahren der Verhärtung aufbrechen. Wenn sich etwas tut und man spürt, die Liebe Christi hat hier Raum gefunden, da hat sich etwas bewegt. Das verändert die Welt. Das verändert unsere Gemeinden und das verändert die Welt.

Und ein zweites, dann bin ich schon am Schluss: Mich hat sehr beeindruckt, was Regina Polak uns ins Stammbuch geschrieben hat aus der ersten Diözesanversammlung: Bekenntnisse ohne Begründungen bleiben Behauptungen. Ich glaube, wir brauchen alle mehr Vernunft in unserem Glauben, mehr Auskunftsfähigkeit. Wir müssen über unseren Glauben auch Rechenschaft geben können. Warum glaubst du das? Was bedeutet dir das? Wie begründest du das? Ich glaube, das Zeugnis braucht, wie Regina Polak gesagt hat, gute und vernünftige Gründe. Jetzt sage ich ein großes Danke: Ihnen allen, für dieses wirklich außergewöhnliche Abenteuer, auf dem wir unterwegs sind. Es ist für uns alle ein spannender Weg. Und ich danke, dass es möglich ist, diesen Weg in dieser Offenheit zu gehen. Und wir müssen uns, koste es, was es koste, diese Offenheit erhalten. Das ist nicht ein Alibi, dass man alles zudeckt, sondern das brauchen wir, weil wir Hörende sein sollen, Jünger Jesu, das heißt Lernende. Wir müssen voneinander lernen und wir müssen füreinander lernen. Behalten wir uns diese Offenheit und trauen wir uns, den Weg weiterzugehen.

http://www.apg2010.at/apg2010/0/articles/2010/03/15/a3582/
German Vom Wendepunkt der Hoffnung
Mar 22, 2010
Zu Beginn der 2. Diözeanversammlung spricht Christoph Kardinal Schönborn über die momentan schwierige Situation der Kirche, aber gerade auch über die Hoffnung und den Weg den wir Christen gemeinsam gehen.

Liebe Delegierte, liebe Schwestern und Brüder!

In diesen Tagen geht es wohl vielen von uns wie den beiden Emmausjüngern, die traurig und niedergeschlagen auf dem Weg waren, als sich ihnen Jesus zugesellte, sie ihn aber nicht erkannten. Als er sie nach dem Grund ihrer Traurigkeit fragten, heißt es: „Da blieben sie traurig stehen“ (Lk 24,18). Ja, traurig, sehr traurig bleiben wir stehen und fragen uns: Was ist da geschehen? Warum dieser Tsunami an Enthüllungen, an Missbrauchsfällen? Warum schon wieder einmal „die Kirche“ am Pranger?

In den letzen Tagen wogt in mir ein heftiger Kampf, und ich kann mir denken, dass es vielen von Ihnen auch so gegangen ist. Da ist die starke Versuchung zu resignieren, zur Depression, zum Selbstmitleid: warum sind wir, „die Kirche“, schon wieder einmal „dran“? Da ist die Versuchung, alles auf die „bösen Medien“ zu schieben, die wieder einmal die Fehler der Kirche ganz besonders beleuchten.

Aber dann spüre ich im Herzen: das ist es nicht! Diese Trauer ist nicht die richtige Trauer. Dann erinnere ich mich an die so klaren Worte, die wir als Bischöfe in der vergangenen Woche gesagt haben: es geht nicht um unseren Schmerz. Ja, es tut uns weh, wie wir wieder einmal dastehen. Aber was ist dieser Schmerz im Vergleich zu Schmerz der Opfer? Und dann denke ich an Missbrauchsopfer, die ich persönlich kenne, deren Leben bis heute noch nach Jahrzehnten schwer belastet ist, denen der Missbrauch dauerhaft Lebenssubstanz geraubt hat. Und dann spüre ich eine echte Trauer: „Was ist euch angetan worden!“ Diese Trauer mussl uns bewegen. Nicht die Frage: wie geht es schon wieder einmal uns, der Kirche, schlecht! Sondern das schmerzliche Gedenken an die Leiden der Opfer. Diese echte Trauer wird allein die Kirche läutern und reinigen. Dann ist das, was wir zurzeit erleben, nicht vergeblich. Dann kann es zu einer echten Umkehr in der Kirche, in unserem Leben führen. Ist Jesus nicht zuerst für die Opfer gekommen? Für die Kleinen, die Wehrlosen? Und hat er die Täter nicht dadurch zur Umkehr bewogen, dass er selbst freiwillig zum Opfer unserer Sünde geworden ist? Zum Lamm, das die Sünde der Welt hinwegnimmt?

„Die Wahrheit wird euch frei machen“ (Joh 8,32): Wir Bischöfe haben an dieses Wort Jesu erinnert. Es gilt auch in dieser schwierigen Stunde. Sie mag schmerzen, aber sie befreit. Und deshalb bitte ich euch: Fürchtet euch  nicht vor der Wahrheit. Sie befreit. Sie sieht vor allem das Leid der Opfer. Dazu lädt uns Jesus ein. Die Kirche wird an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn wir durch diesen Prozess der Läuterung gehen. Und sie wird deutlicher sichtbar machen, wo von Jesus her ihr Platz ist: dort, wo der Mensch, das Ebenbild Gottes, verletzt, geschändet, missbraucht wird. So bitte ich euch – und sage es auch mir selber: nehmen wir diese Phase der Läuterung an. Sie kann uns nur näher zu Jesus und näher zu den Menschen bringen – auch wenn wir jetzt von vielen beschimpft und verachtet werden.

Ja, die Wahrheit wird uns frei machen. Nach der 1. Delegiertenversammlung schrieben mir zwei Pfarrgemeinderäte: „Das Schlimmste, was diesem Prozess geschehen kann, ist, wenn alles wieder in der Schublade verschwindet“. Ich bin mir bewusst, dass die Erwartungen sehr hoch sind. Wie wird es weitergehen? Wird es bei schönen Worten und einem schönen Event bleiben? Ich erinnere mich sehr gut an die Punkte, bei denen in der 1. Versammlung am stärksten applaudiert wurde. Werden sie wieder nur „auf die lange Bank geschoben“? Worum wird es diesmal gehen? Um Mission. Wird dieses Hauptthema alles andere zudecken? Vor allem die Sorgen um die Zukunft der Gemeinden, die so stark zum Ausdruck kamen?

Regina Polak hat die vielen Ergebnisse der Gesprächsgruppen analysiert, systematisiert und wirklich sehr kompetent ausgewertet. Sie beschreibt ihren Gesamteindruck der Ergebnisse der Gesprächsgruppen : „Groß ist die Trauer, dass es nicht mehr so ist, wie es einmal war. Wo ist Raum für diese Trauer? Wo denken wir nach, was wir aus der Vergangenheit in die Zukunft mitnehmen müssen – und was wir lassen können?“

Eines ist sicher: wir müssen von manchem Abschied nehmen. Es verändert sich rasant unsere Gesellschaft und mit ihr die Kirche. Die heute unter 20-Jährigen werden, wenn sie unser Durchschnittsalter erreicht haben werden, in einer sehr anderen Welt und Kirche leben. Wie wird diese neue Gestalt einer Gesellschaft aussehen, die nicht mehr nur auf Wachstum basiert? Wie wird Gestalt einer Kirche aussehen, die wohl deutlich kleiner, multikultureller geworden ist?

Werden wir diesen Übergang einfach erleiden oder auch mitgestalten? Das ist die Herausforderung. Werden wir uns öffnen, über die Grenzen unserer Gemeinden hinaus? Manche orten einen „Reformstau“ in der Kirche. Ich orte mit Sorge, dass wir uns zu sehr mit uns selber beschäftigen, dass das unsere Energien zu sehr an die „binnenkirchlichen Themen“ bindet. Regina Polak stellt fest, dass unsere Gemeinden und Gemeinschaften „ein Riesenpotenzial“ an Kreativität haben. Ich kann das nur dankbar bestätigen. Es entspricht meiner Wahrnehmung und das ist auch meine große Hoffnung. Aber sie schreibt auch über die Arbeitsgruppen der 1. Versammlung: „Warum werden die Entwicklungen in Europa, in der Welt, in Gesellschaft kaum explizit benannt? Wo sind die ‚Anderen‘ außerhalb der Kirche (Andersgläubige, Migrant/innen, Notleidende, Lehrlinge, Arbeiterinnen, Unternehmer, Politiker,…)? Sie werden selten konkret beim Namen genannt“.

Sie erinnern sich an meine fünf „Ja“ vom ersten Tag der ersten Diözesanversammlung: das erste Ja war das zum Heute, zur Zeit, den Menschen von heute. Dieses Heute und mehr noch das Morgen unserer Welt, unserer Gesellschaft sieht ernst aus. 400 000 Arbeitslose in Österreich. Belastende Budgetaussichten, kommende Sparpakete, die Sorgen um die Zukunft des Sozialstaates, um das Brüchigwerden des Generationenvertrages. Dazu kommen die globalen Sorgen in einer globalisierten Welt: die wachsende Armut bei gleichzeitigem wachsenden Reichtum weniger; die Sorgen um den Klimawandel, die Brüchigkeit des Finanzsystems, die steigende Fremdenfeindlichkeit angesichts der Migrationsbewegungen; und, besonders schwerwiegend, die Verschiebungen in den Wertesystemen: die weltweite Förderung von Abtreibung und Euthanasie, alles Grund zu großer Sorge.

Doch es gibt auch so viele Hoffnungszeichen, von denen wir als Christen lernen können, die wir wahrnehmen und wertschätzen sollen. Mich hat sehr beeindruckt, wie der Hl. Vater Papst Benedikt, über seine Reise nach Tschechien gesprochen hat. Er sei immer wieder darauf hingewiesen worden, das sei doch ein Land, in dem die Mehrheit Agnostiker und Atheisten seien und die Christen nur eine Minderheit. Er sei umso überraschter gewesen, mit welcher Herzlichkeit und Freundschaft er aufgenommen worden sei. Ihm sei es vor allem wichtig, „dass auch die Menschen, die sich als Agnostiker oder als Atheisten ansehen, uns als Gläubige angehen. Wenn wir von einer neuen Evangelisierung sprechen, erschrecken diese Menschen vielleicht. Sie wollen sich nicht als Objekt von Mission sehen und ihre Freiheit des Denkens und des Wollens nicht preisgeben. Aber die Frage nach Gott bleibt doch auch für sie gegenwärtig, auch wenn sie an die konkrete Weise seiner Zuwendung zu uns nicht glauben können … Als ersten Schritt von Evangelisierung müssen wir versuchen, die Gottsuche wachzuhalten“.

Und Papst Benedikt gebraucht dafür das Bild des „Vorhofs der Völker“ im Tempel zu Jerusalem. „Ich denke, so einen ‚Vorhof der Völker‘ müsse die Kirche auch heute auftun, wo Menschen sich irgendwie an Gott anhängen können, ohne ihn zu kennen und ehe sie den Zugang zum Geheimnis gefunden haben, dem das innere Leben der Kirche dient“ (Ansprache an die Kurie, 21.12.2009).

Die Emmaus-Jünger bleiben nicht stehen. Sie gingen weiter. Auf dem Weg zeigte ihnen Jesus aus der Schrift, dass der Messias das alles leiden musste, „um so in seine Herrlichkeit zu gelangen“ (Lk 24,26). Auch wir wollen nicht traurig stehenbleiben. Wir haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass unser Herz brannte, als er mit uns auf dem Weg war und uns die Schrift erschloss. Die erste  Delegiertenversammlung hat vielen von uns das brennende Herz erfahrbar gemacht. Wir wissen alle, dass es keine fertigen Rezepte, keine schnellen, simplen Lösungen gibt. Aber eines weiß ich sicher: Christus liebt diese Seine Kirche. Er will sie, er braucht sie. Ihr hat er „das Reich vermacht, wie es mein Vater mir vermacht hat“ (Lk 22,29). Diese Kirche, die so oft angepatzt dasteht, die vor „der Welt“ nicht gerade brilliert, ihr hat er die Hoffnung anvertraut. Ich kann euch, liebe Schwestern und Brüder, keine „billigen Hoffnungen“ machen. Aber von dieser uns anvertrauten Hoffnung dürfen wir  nicht schweigen. Sie ist ja nicht für uns alleine. Sie ist für alle da. Wir dürfen sie nicht für uns alleine behalten, sonst verlieren wir sie. wie wir Zeugen der uns geschenkten und anvertrauten Hoffnung sein können, das ist Thema dieser Tage. Danke, dass Sie sich Zeit genommen haben. „Die Hoffnung wird nicht enttäuscht“ sagt Paulus. Ich vertraue fest darauf, dass das auch für uns stimmt.

http://www.apg2010.at/apg2010/0/articles/2010/03/11/a3577/
German Evolutionsdebatte: Kardinal Schönborn sieht "neue Ernsthaftigkeit
Mar 02, 2010

Wien, 23.02.2010 (KAP) Eine "neue Ernsthaftigkeit" in der Debatte um
das Verhältnis von Evolutionstheorie und Schöpfungstheologie ortet
Kardinal Christoph Schönborn. Die Debatte habe in den vergangenen 20
Jahren universitär zwar wieder an Fahrt gewonnen, gerade in jüngster
Zeit hätten jedoch "schlimme Verkürzungen und unredliche
Vereinfachungen und Fundamentalismen auf beiden Seiten" um sich
gegriffen, die es zu überwinden gelte, sagte Schönborn im Gespräch
mit "Kathpress" am Dienstag in Wien.

Bei Theologen wie bei Naturwissenschaftlern sei nach einigen Jahren
der Grabenkämpfe ein "Bemühen feststellbar, wieder zur Sache zu
kommen und Verbindendes wie Trennendes klar und deutlich zu
artikulieren", wies der Wiener Erzbischof hin.

Kardinal Schönborn äußerte sich am Rande der Internationalen
interdisziplinären Konferenz "Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube
- neue Perspektiven nach dem Darwin-Jahr", die bis 26. Februar an
der Universität Wien stattfindet.

Volltext der Meldung unter www.kathpress.at

O-Töne von Kardinal Schönborn können unter www.katholisch.at/o-toene
abgerufen werden

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100223_OTS0195/evolutionsdebatte-kardinal-schoenborn-sieht-neue-ernsthaftigkeit
German Christentum ist in Europa Fremdkörper und Wurzel zugleich
Feb 24, 2010
"Die Stellung des Christentums im modernen Europa ist widersprüchlich. Es ist Fremdkörper und Wurzel für Europa zugleich. Obwohl es als fremdes Gebilde gesehen wird, ruft es noch immer ein Gefühl von Heimat und Nostalgie für viele in Europa hervor", so Kardinal Schönborn bei einem Vortrag in Washington.

Das Christentum nimmt heute in Europa eine durchaus widersprüchliche Rolle ein: es ist "zugleich Wurzel und Fremdkörper", bewahre aber dennoch auch in modernen säkularen Gesellschaften seine Bedeutung als Motor der bürgerlichen Freiheit. Dies betonte der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, bei einem Vortrag an der "Catholic University of America" (CUA) in Washington am Mittwoch, 3. Februar 2010.

"Ein Weg nachhause"

"Obwohl es als fremdes Gebilde gesehen wird, ruft es noch immer ein Gefühl von Heimat und Nostalgie für viele in Europa hervor", stellte der Wiener Erzbischof fest. "In Europa gibt es eine zunehmende Zahl an Menschen, die, nachdem sie einen völlig säkularen Lebensstil geführt haben, einen Weg zu einem bewussten christlichen Glauben finden. Sie beschreiben die Entdeckung des Christentums als einen 'Weg nachhause'", so der Kardinal.

"Doppelte Staatsbürgerschaft des Christen"

Zweifel seien laut Kardinal  Schönborn an der weit verbreiteten These angebracht, dass Freiheit und Humanität dem Kampf gegen die Kirche und gegen das Christentum zu verdanken seien. Vielmehr könne man im Gegenteil heute davon ausgehen, dass das Christentum auch heute noch eine wesentliche Triebfeder für Freiheit und Humanität darstelle. So sei es die "doppelte Staatsbürgerschaft" des Christen, die das Christentum immer schon zum "verhassten Gegner aller totalitärer Regime gemacht hat" - denn der Christ sei frei von aller allein weltlichen Macht, da er immer auch "eine Heimat im Himmel" habe. Die Übernahme von innerweltlicher Verantwortung und der Einsatz für Humanität resultiere aus dieser "doppelten Staatsbürgerschaft".

"Niemals zuvor kam die christliche Freiheit klarer zum Ausdruck als in den Zeiten des Faschismus, Kommunismus und Nazismus des vergangenen Jahrhunderts, als authentische Christen Zeugnis ablegten in Millionen von Martyrien", so der Kardinal. Die Idee, dass der Mensch Gott folgen müsse, bevor er dem Menschen folge, habe einen "enormen Moment der Freiheit" bewirkt.

Christentum - eine faszinierende Alternative

Von den Klöstern gingen enorme wirtschaftliche, soziale, künstlerische und spirituelle Impulse aus.

Heute biete das Christentum eine "faszinierende Alternative" zu einer säkular entleerten Gesellschaft: "Es bietet Freiheit von den Anforderungen des Mainstreams, von jeder Form bloßer political correctness und vom Druck kurzfristig aufflackernder Moden", betonte Kardinal Schönborn.

Eine Aufbruchsbewegung sei auch heute noch vom Christentum zu erwarten, so der Kardinal weiter. Markierte die Klosterreform von Cluny vor 1.100 Jahren einen Wendepunkt für Europa, dass in der Folge von einem Netz von über 4.000 Klöstern überspannt wurde, von denen "enorme wirtschaftliche, soziale, künstlerische und spirituelle Impulse" ausgingen, so könne man heute etwa hoffnungsvoll auf die geistlichen Erneuerungsbewegungen blicken. Diese sendeten heute "sehr vitale Zeichen" des Aufbruchs.

Kritische Stimme des säkularen Europas als Herausforderung

Dennoch genüge dieser spirituelle Aufbruch allein nicht. Vielmehr benötige das Christentum laut Kardinal Schönborn immer auch die "kritische Stimme des säkularen Europas" als Herausforderung. Es tue dem Christentum gut, so der Erzbischof von Wien, "die Fragen der säkularen Gesellschaft ernst zu nehmen und als Herausforderung zu betrachten". So könne die Säkularität gleichsam als Weckruf für ein neues, "authentisch gelebtes Christentum" verstanden werden.

http://stephanscom.at/news/0/articles/2010/02/05/a18060/
German Schönborn: Maßnahmen der Kirche gegen Missbrauch heute wirksamer
Feb 24, 2010
Kardinal äußert im ORF-Interview "berechtigte Hoffnung, dass neue Schutzmaßnahmen wirksamer sind, als das, was man vor Jahrzehnten leider versäumt hat"

Wien (KAP) Kardinal Christoph Schönborn ist zuversichtlich, dass die in den vergangenen Jahren von der Kirche beschlossenen Maßnahmen gegen sexuellen Missbrauch ihre Wirkung zeigen werden. "Wenn jetzt wie in Berlin Fälle bekannt werden, die vor 30 oder 40 Jahren geschehen sind, muss man ihnen natürlich nachgehen", sagte der Wiener Erzbischof in einem am Sonntag ausgestrahlten TV-Interview für das ORF-Religionsmagazin "Orientierung". Es bestehe aber "die berechtigte Hoffnung, dass jene Schutzmaßnahmen, die in den vergangenen Jahren in der Kirche und auch der Gesellschaft getroffen worden sind, wirksamer sind, als das, was man vor Jahrzehnten leider versäumt hat".

Zuletzt seien "sehr deutliche" Maßnahmen gegen Missbrauch in der Kirche ergriffen worden, sagte der Kardinal. "Wir haben auch in der Erzdiözese Wien sehr strikte Regeln", verwies Schönborn auf die 2006 in der Erzdiözese Wien in Kraft getretenen "Maßnahmen, Regelungen und Orientierungshilfen zur Verhinderung sexuellen Missbrauchs" in der Kirche.

In dem Interview, das der ORF mit dem Wiener Erzbischof während dessen USA-Reise in der vergangenen Woche führte, zeigte sich Schönborn auch beeindruckt von der "Frische und Selbstverständlichkeit" mit der die US-Amerikaner zu ihrem eigenen Glauben stünden und ihn auch öffentlich lebten. "Jeder Getaufte vertritt hier öffentlich seinen Glauben - und notfalls verteidigt er ihn", sagte der Kardinal. Er vermisse in Europa, was in den Vereingten Staaten selbstverständlich sei, so Schönborn. Nämlich "dass die Laien in der Öffentlichkeit für ihren Glauben einstehen und nicht warten, bis die Bischöfe reden".
English Cardinal Schönborn praises Christians' freedom from political correctness
Feb 24, 2010

Washington D.C., Feb 5, 2010 / 06:04 am (CNA).- In a Wednesday speech at Catholic University of America (CUA), Cardinal Christoph Schönborn lauded Christians’ freedom from “political correctness” and “the latest fashions.” Seeing hope for renewal in past monastic movements and in the contemporary United States, he discussed the relationship between Christianity and the modern West.

His speech, titled “Christianity: Alien Presence or Foundation of the West?” discussed Christianity’s “paradoxical” place in contemporary Europe. According to a press release from the university, he said Christianity is both alien and foundational to modernity in different ways.

“On the one hand, Christianity is Europe’s roots. On the other hand, these roots are more and more forgotten, ignored, and in an alarming way. Christianity is for many a foreign element in a world determined by reason, enlightenment and democratic principles.”

The cardinal said he does not believe that Europe and the Western world will survive without Christianity, whose decline on the continent he described as shocking.

Although Christianity has taken a secondary role in public life, he said, it is not obsolete and there is a “new desire” that sometimes turns people towards the religion.

While some ideologies see Christianity as an enemy of freedom, the cardinal said Christians have “dual citizenship” in earthly and heavenly cities because he or she is “never only a citizen of the state.”

Christian witness to this fact led to the deaths of millions of martyrs under 20th century totalitarianism.

According to Zenit, Cardinal Schönborn said Christianity offers “freedom from the demands of the mainstream, from political correctness, or simply from the pressure of the latest fashions.”

The monastic movements that renewed and reformed the Church were an example of this freedom, he added.

The cardinal also said the United States is “a country of great hope” for the Church, according to CUA. “There is a true renewal of Catholic commitment in this country, and this gives us great hope. I hope you do not forget in your prayers good old mother Europe.”

The cardinal’s visit to CUA was part of a six-day visit to the U.S. He also made stops in Kansas City and New York City.
German Europa und Amerika sollen nicht auseinander driften
Feb 10, 2010

Kardinal Christoph Schönborn betonte zum Auftakt seiner USA-Reise, dass europäische und amerikanische Katholiken viel voneinander lernen können. "Wir brauchen einander, wir brauchen das Glaubenszeugnis des einen für den anderen", sagte der Kardinal in der Kirche der Benediktinerabtei St. Benedict's.

Europa und Amerika sollen nicht erlauben, dass sich die Kluft zwischen ihnen vertieft, sagte Kardinal Christoph Schönborn zum Auftakt seiner USA-Reise bei einer festlichen Messfeier in der Abteikirche des Benediktinerklosters St. Benedict's in der Erzdiözese Kansas City.

Im Gegenteil sollten Europäer und Amerikaner - auch europäische und amerikanische Katholiken - voneinander lernen.  "Wir brauchen einander, wir brauchen das Glaubenszeugnis  des einen für den anderen. Jedes Mal wenn ich in diesem Land bin, komme ich im Glauben bestärkt nach Europa zurück", betonte der Wiener Erzbischof.

Erschreckende Vision
In seiner Predigt am Sonntag, 31. Jänner 2010, in St. Benedict's nahm Kardinal Schönborn auf die Stelle des Tagesevangeliums (Lk 4, 21-30) Bezug, in der geschildert wird, wie Jesus "hinweg geht", als die Bewohner von Nazareth ihn vom Abhang ihres Stadthügels hinabstürzen wollen. Angesichts der geistigen Situation in Europa - mit der Zuwendung zum Säkularismus und "seltsamen Ideen" - gebe es die erschreckende Vision, dass Jesus gleichsam auch aus Europa "hinweg gehen" könnte.

Zeichen der Hoffnung

Oft entstehe der Eindruck, als seien die Europäer des Evangeliums "müde" geworden. Die Kraft des großen missionarischen Aufbruchs, mit dem das Evangelium in alle Welt gebracht wurde, scheine erschöpft. Und doch gebe es in Europa heute eindrucksvolle "Zeichen von Glaube, Hoffnung und Liebe": "Jesus scheint hinweg zu gehen, aber er kehrt zurück", so Kardinal Schönborn. "Wenn die Kirche unterzugehen, ihre Stärke und Vitalität zu verlieren scheint, dann blüht sie wieder auf. Ist das nicht ein Zeichen, dass der Herr seine Kirche nicht aufgeben hat?, fragte der Erzbischof von Wien die versammelten Gläubigen.

Verhältnis von Glaube und Vernunft

Der Glaube könne nicht eine bloße "Gefühlssache" sein, betonte der Erzbischof von Wien.

Der Besuch des Kardinals wurde in der Öffentlichkeit in Kansas City stark registriert. Besonders sein Vortrag am Benedictine College in Atchison - einer hochangesehenen akademischen Einrichtung, zu deren Absolventinnen auch die kenianische Wissenschaftlerin Wangari Maathai zählt, die 2004 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde - fand große Beachtung.

Bei der Begegnung mit hunderten Studenten nahm der Wiener Erzbischof zum Verhältnis von Glaube und Vernunft Stellung. Dabei betonte Kardinal Schönborn, dass gläubige Christen "weder Evolutionisten noch Kreationisten" sein können. Sowohl dem religiösen als auch dem naturwissenschaftlichen "Fundamentalismus" sei Widerstand zu leisten.

Keine Einengung des Vernunftbegriffs

Der Wiener Erzbischof machte deutlich, dass das Verhältnis von Glaube und Vernunft "das" Thema von Papst Benedikt XVI. ist. Der Papst erinnere die Menschen daran, dass der Glaube nicht eine bloße "Gefühlssache" sein könne, dass der totale Subjektivismus eine Sackgasse darstellt. Für Benedikt XVI. sei die Anerkennung der universalen Geltung der Vernunft auch die Grundlage für jeden "echten Dialog der Kulturen". Vernunft sei dabei in einem weiteren Sinn zu verstehen als der auf das "Mess-, Zähl- und Wägbare" eingeschränkte Vernunftbegriff der modernen Naturwissenschaften.

http://stephanscom.at/news/0/articles/2010/02/02/a18046/
German Beeindruckt von der Vitalität des amerikanischen Katholizismus
Feb 10, 2010

Ein Höhepunkt des Besuchs von Kardinal Schönborn in Kansas City war die Begegnung mit den Kleinen Schwestern vom Lamm, die in der Stadt ihre erste Niederlassung in den USA haben. Der Wiener Erzbischof betonte, er sei nach den vielen Gesprächen mit Menschen in Kansas stark beeindruckt von der Vitalität des amerikanischen Katholizismus.

Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, entsprach mit seiner Reise nach Kansas Ende Jänner 2010 einer Einladung des Erzbischofs von Kansas City, Joseph F. Naumann. Ein Höhepunkt des Besuchs in Kansas City war die Begegnung mit den Kleinen Schwestern vom Lamm, die in der Stadt ihre erste Niederlassung in den USA haben. In Kansas City waren auch die Gründerin der Kleinen Schwestern, Soeur Marie, und mehrere Kleine Brüder vom Lamm anwesend. Die Gemeinschaft vom Lamm ist ein neuer Zweig der dominikanischen Ordensfamilie; Kardinal Schönborn ist mit der Gemeinschaft seit vielen Jahren verbunden und als Bischof für sie zuständig.

Das Leben der Armen teilen
Die Kleinen Schwestern leben in Kansas City in einem alten Pfarrhaus in einem Viertel, das stark durch mexikanische Einwanderer geprägt ist. Charakteristisch für die Kleinen Schwestern ist, dass sie ganz bewusst das Leben der Armen teilen; wie sehr sie mit ihrer Umgebung verbunden sind, wurde schon bei der Ankunft des Kardinals sichtbar, als Bewohnerinnen und Bewohner des Viertels mit ihren Kindern dem Wiener Erzbischof einen enthusiastischen Empfang bereiteten und dabei auch die typischen Tänze zu Ehren der Gottesmutter von Guadalupe aufführten. Am nächsten Abend zeigte sich bei einer spontanen Begegnung im alten Pfarrhaus, dass die Kleinen Schwestern nicht nur mit den mexikanischen Immigranten, sondern genauso auch mit Menschen des benachbarten afro-amerikanischen Viertels und mit Angehörigen der freien Berufe verbunden sind.

Positiver Einfluss der Kleinen Schwestern vom Lamm

"Die Schwestern schaffen Gemeinschaft, wenn sie bei den Menschen anklopfen", so Erzbischof Naumann.

"Die Schwestern üben durch ihr Dasein einen überaus positiven Einfluss aus", sagte Erzbischof Naumann im Gespräch mit dem Pressedienst der Erzdiözese Wien: "Sie schaffen Gemeinschaft, wenn sie bei den Menschen anklopfen, um Brot bitten und den Menschen die Chance geben, zu Hause etwas vom Evangelium zu hören". Die Schwestern in der schlichten blauen Ordenstracht wurden in Kansas City überaus freundlich aufgenommen - vom Erzbischof und Priestern unterschiedlicher Ausrichtung, aber auch von den anderen Frauenorden, von den Behörden und von der Öffentlichkeit.

Kardinal Schönborn betonte, er sei in Kansas City nach den Begegnungen mit Erzbischof Naumann, dem Präsidenten des Benedictine College, Stephen D. Minnis, und anderen Verantwortlichen, vor allem auch mit vielen Pfarrern, Ordensleuten und Laienchristen stark beeindruckt von der Vitalität des amerikanischen Katholizismus.

http://stephanscom.at/news/0/articles/2010/02/02/a18047/
German Ist das Christentum ein Fremdkörper in Europa oder die Wurzel von Europa?
Feb 10, 2010
Vortrag von Kardinal Christoph Schönborn vor dem Überseeclub in Hamburg am 8. Februar 2010.

Sehr geehrter Herr Präsident!

Meine Damen und Herren!



Zu allererst bedanke ich mich bei Ihnen, dem Überseeclub, herzlich dafür, dass Sie mich eingeladen haben, bei Ihnen über das Thema Christentum und Europa zu sprechen. Ich bin der Einladung gerne gefolgt, weil der Überseeclub ja schon in seinem Namen die Botschaft enthält, sich nicht mit dem Blick auf die Hamburger Verhältnisse, oder auf den deutschen Raum alleine zufrieden zu geben. Ich habe vielmehr verstanden, dass Sie die Tradition pflegen wollen, die der Historiker Percy Ernst Schramm in "Hamburg, Deutschland und die Welt" wunderbar beschrieben hat. Aus dieser Perspektive bin ich als Dominikanermönch und Erzbischof zweifellos der weiteren Welt zuzuordnen. Ich werde die Weltoffenheit, die in Ihrer Tradition liegt, in Anspruch nehmen müssen, wenn Sie meinen Gedanken über Christentum und Europa folgen, genauer der Fragestellung: "Ist das Christentum ein Fremdkörper in Europa oder die Wurzel von Europa?" Meine Antwort wird sein: Es ist beides.

Das Christentum ist einerseits eine Wurzel Europas, und Europas Zukunft in der Welt hängt in erheblichem Maße davon ab, dass das den europäischen Gesellschaften bewusst bleibt. Das Wissen davon schwindet aber bedrohlich.

Und das Christentum ist anderseits für viele ein Fremdkörper in einer durch Vernunft, Aufklärung und Demokratie bestimmten Welt. Meine These ist, dass dieses Europa, ja in gewisser Weise diese Welt keinen Bestand haben wird ohne die Fremdheit, die das Christentum bringt. Oder anders gesagt: Europa wird seine geschichtliche Rolle im Konzert der Weltkulturen nur spielen können, wenn es sich den Fremdkörper Christentum als Teil seiner Identität erhält.

Aber ist Europa nicht bereits am besten Weg, sich aus dem Konzert der Weltkulturen zu verabschieden? Zum Beispiel demographisch. Und hängt dies nicht auch damit zusammen, dass Europa inzwischen der areligiöseste Kontinent geworden ist? Ich darf dazu zwei jüdische Stimmen zitieren:

Der britische Oberrabbiner Jonathan Sacks macht eine Kultur des "Konsumismus und der sofortigen Befriedigung" materieller Wünsche für den Geburtenrückgang in Europa verantwortlich. "Europa stirbt", sagte Sacks laut britischen Medienberichten bei einem Vortrag Anfang November in London; denn seine Bevölkerung sei zu selbstsüchtig, um genügend Kinder großzuziehen: "Wir erleben das moralische Gegenstück zum Klimawandel, und keiner spricht darüber."

Der höchste Vertreter des Judentums in Großbritannien beschrieb Europa als die am stärksten säkularisierte Region der Welt. Zugleich sei es der einzige Kontinent mit sinkenden Bevölkerungszahlen. Und der Oberrabbiner sieht einen deutlichen Zusammenhang zwischen Religiosität und Wertschätzung der Familie: "Wo immer Sie heute hinschauen, bei Juden, Christen oder Muslimen: Je religiöser die Gemeinschaft, desto größer ist im Durchschnitt die Familie."

Eltern zu sein bedeute "massive Opfer" an Geld, Aufmerksamkeit, Zeit und emotionaler Energie, sagte Sacks und fragte: "Wo im modernen Europa finden Sie heute noch Platz für ein Konzept des Verzichts zugunsten der künftigen Generationen?" Der Oberrabbiner verglich die Entwicklung in Europa mit dem niedergehenden antiken Griechenland mit seinen "Skeptikern und Zynikern".

Religiöser Glaube sei wesentlich für den Zusammenhalt einer Gesellschaft, so Sacks weiter. "Gott ist zurück", stellte er fest, aber Europa als Ganzes bekomme das nicht mit, und das sei sein "größter kultureller und intellektueller blinder Fleck".12.11.09 (KAP-ID)

Ein zweiter jüdischer Zeuge ist Prof. Joseph Weiler, Professor für Europarecht an der New York University, selber orthodoxer Jude. Er hat in einem aufsehenerregenden Buch die Frage gestellt, warum die Europäer eine solche Angst hätten, die Evidenz anzuerkennen und zu benennen, dass Europa christliche Wurzeln habe. Er sprach von einer europäischen "Christophobie". Auch er sieht einen Zusammenhang zwischen dieser Vergessenheit und der demographischen Entwicklung Europas.

Ein drittes Blitzlicht: Im Oktober 2007 trafen sich die Vorsitzenden der europäischen römisch-katholischen Bischofskonferenzen zur jährlichen Vollversammlung, diesmal im portugiesischen Marienwallfahrtsort Fatima. Thema war die Familie in Europa. Einer von uns brachte die von ihm und von anderen als dramatisch eingeschätzte Lage folgendermaßen auf den Punkt: Könnte nicht schon bald der Zeitpunkt kommen, da die europäische Gesellschaft in ihrer Mehrheit den Christen sagt: Ihr seid ein Fremdkörper unter uns! Eure Werte sind nicht unsere. Die "europäischen Werte" sind anders als die christlichen. Ihr gehört nicht zu uns!

Und wenn es so wäre? Und wenn es so käme? Wäre das denn so überraschend? Hat nicht das Judentum in seiner langen Geschichte diese Fremdheit oft zu spüren bekommen, von Seiten der alten Großreiche des Orients und später von Seiten der Christenheit? Ist Fremdheit nicht auch im Kern des Christentums grundgelegt? "Gleicht euch nicht dieser Welt an" mahnt der Apostel Paulus die Gemeinde von Rom (Röm 12,2). "Wenn die Welt euch hasst, dann wisst, dass sie mich schon vor euch gehasst hat", sagt Jesus im Abendmahlsaal (Joh 15,18). "Liebe Brüder, da ihr Fremde und Gäste seid in dieser Welt, ermahne ich euch: Gebt den irdischen Begierden nicht nach, die gegen die Seele kämpfen", sagt der Apostel Petrus (1 Petr 2,11).

Sie fühlen sich als Fremdlinge in dieser Welt, von dieser ausgestoßen und verachtet. Aber sie akzeptieren diese Fremdheit: "Unsere Heimat ist im Himmel" sagt Paulus (Phil 3,20). Gleichzeitig schauen sie sehnsüchtig nach der kommenden Stadt aus (vgl. Hebr 13,14), dem himmlischen Jerusalem (vgl. Offb 21,10).

Diese "Fremdlinge" sind aber alles eher als eine Sekte, die sich von der Welt abschließt. Sie wollen diese Welt gestalten, die Verhältnisse ändern, indem sie Menschen ändern. Sie nennen das Bekehrung, "Metanoia", und sind für "Fremdlinge" erstaunlich engagiert, eine humanere Gesellschaft aufzubauen.

Wie sieht das nun aus? Hat diese seltsame Mischung von Jenseitshoffnung und Diesseitsengagement Europa geprägt? Oder ist Europa erst auf dem Weg zu seiner Identität, seit es sich von den Paradoxien des Christentums gelöst und von kirchlicher Abhängigkeit emanzipiert hat?

Wie steht es mit den christlichen Wurzeln Europas? Der Versuch, an den Anfang der europäischen Verfassung ein Bekenntnis zur christlichen Tradition als wichtigstes Element europäischer Identität zu stellen, ist gescheitert. Die Argumente, die in der Diskussion um die berühmte  Präambel dafür genannt wurden, waren: Europa ist multireligiös geworden und muss dies in seiner Verfassung reflektieren. Und: die auf Vernunft und Aufklärung basierende demokratische Kultur musste gegen das Christentum erkämpft werden. Beide Argumente sind gut begründet, die Folgerungen, die daraus gezogen werden, halte ich aber für falsch, weil die Rolle des Christentums in der Geschichte Europas hier sehr einseitig gesehen wird, durch die Brille gewisser Vorurteile, und weil in dieser Argumentation die Entwicklung innerhalb des Christentums nicht mitbedacht wird.

Der Rahmen ist in etwa abgesteckt, innerhalb dessen unser Thema zu verhandeln ist. Wie soll das Bild im engen Zeitrahmen von 45 Minuten gemalt werden? Es scheint mir unmöglich, dem Thema auch nur annähernd gerecht zu werden, ohne wenigstens in groben Zügen die wichtigsten geschichtlichen Etappen des Weges von Christentum und Europa nachzuzeichnen. Es ist mir bewusst, dass dies ein nahezu unmögliches Unterfangen darstellt. Jeder ernsthafte Historiker wird davon abraten. Dennoch will ich es versuchen, denn ohne Bedenken der Geschichte sind unsere Überlegungen zur Gegenwart bodenlos, ohne Wurzeln.

Es sei also gewagt, wenigstens exemplarisch etwas zu sagen zu den großen geschichtlichen Etappen der Wege des Christentums und Europas. Ich beschränke mich auf die drei großen Perioden der Antike, des Mittelalters und der Moderne. Immer kann es nur um Skizzen, Exemplarisches, besonders Prägendes gehen.


                  I. Das Christentum – Fremdkörper in der Antike?



"Das Christentum tritt hervor in einer Welt, die durch die römische Friedensordnung (pax Romana) zugleich befriedet und gefesselt wird. Und es trifft in den ersten Jahrhunderten seiner Ausbreitung auf eine universelle politische Religion: den Kaiserkult" [1]. Die römische Kultur hatte keine Probleme mit der Integration fremder Religionen. Und diese hatten keine Mühe, sich in den Kaiserkult zu integrieren.

Mit einer Ausnahme: dem Judentum, und in seiner Folge dem Christentum. Alle die Kulte, die die Soldaten von ihren Kriegszügen mitbrachten und denen Sklaven und Freigelassene anhingen, fanden ihren Platz im römischen Pantheon. Nur die Juden und die Christen weigerten sich, als eine Religion unter anderen sich in das heidnische Pantheon einzufügen.

Man warf ihnen dementsprechend scharf vor, sie seien gesellschaftsfeindlich. Ihr Anspruch die vera religio zu sein, wurde als anmaßend empfunden. Beiden Religionen warf man vor, sie hegten ein "odium humani generis", den Hass auf die übrige Menschheit.

Paradox ist die Verknüpfung des Anspruchs, die vera religio zu sein, mit der Überzeugung, hiermit die universale, allen vernünftig denkenden Menschen einsehbare vera philosophia zu vertreten. Exemplarisch der römische Philosoph Justin (der griechisch sprach und schrieb). In seinem faszinierenden Dialog mit dem Rabbiner Tryphon (um 150) schildert er seinen Weg zum Christlichen Glauben. Nachdem er von so ziemlich allen damals modischen und konkurrierenden Philosophenschulen gekostet hatte, ohne mit einer von ihnen wirklich zufrieden zu sein, begegnet er, am Meeresstrand wandelend, einem alten Mann, der ihm eine andere Philosophie kundtut, deren Mitte Christus ist. Diese Philosophie erfasst ihn, in ihr erkennt er die wahre Philosophie, die er immer gesucht hatte. Das Christentum – die wahre Philosophie! Von Anfang an der Anspruch, dass in der partikulären Offenbarung durch die Propheten und durch Jesus Christus die universal gültige und auch der Vernunft zugängliche (oder zumindest ihr nicht widersprechende) Wahrheit zur Sprache kommt.

Der Widerspruch ist heftig. Er wird sich politisch in massiven Verfolgungen äußern. Das Martyrium wird aber nochmals als Bestätigung gesehen, dass das Christentum die vera religio, die vera philosophia ist, für die zu sterben sich lohnt. "Sanguis martyrum semen christianorum" sagt Tertullian (das Blut der Märtyrer ist ein Samen für – neue – Christen). Angesichts der massiven Verfolgungen und der literarischen Anfeindungen ist die rasche Verbreitung des Christentums über die ganze, damals bekannte Welt und die Entwicklung zur Staatsreligion des Römischen Reiches, ein Wunder. Wenn dieses Wort zu emphatisch ist, dann müsste man zumindest von einer schwer zu erklärenden Entwicklung sprechen.

Und so stehen wir vor der Frage: wie wurde der Fremdkörper Christentum zur Wurzel Europas? Gerne wird dabei auf eine Szene im Leben des Apostels Paulus verwiesen, die diesen Wandel symbolisieren kann. Sie steht im 16. Kapitel der Apostelgeschichte. Paulus befindet sich in Troas, in Kleinasien, auf seiner zweiten Missionsreise. Da erschien ihm im Traum ein Makedonier, ein Grieche, und bittet ihn: "Komm und hilf uns!" "Auf diese Vision hin, so schreibt Lukas, der Paulus begleitet, wollten wir sofort nach Mazedonien abfahren; denn wir waren überzeugt, dass uns Gott dazu berufen hatte, dort das Evangelium zu verkünden" (Apg 16, 9-10).

Und so kam das Evangelium erstmals nach Europa, nach Philippi, Thessaloniki, Athen, Korinth und schließlich bis nach Rom, wo Paulus, ebenso wie Petrus, für seinen Glauben starb.

Was kam da nach Europa? Ein Fremdimport? Eine Hilfe? Etwas, das Europa erst Europa werden ließ? Oder etwas, wovon sich Europa erst in einem langen Prozess der Aufklärung emanzipierten musste und immer noch muss, um von Fremdbestimmungen frei zu werden?

Jetzt, da diese "Emanzipation" Wirklichkeit zu werden sich anschickte, erheben sich besorgte Stimmen, die vor den Folgen einer Entchristlichung Europas warnen. Viel wäre zu nennen, was sich bei genauerem Hinsehen als Frucht der christlichen Wurzeln erweist.

Drei Elemente nenne ich ausdrücklich:

1. Die Gottebenbildlichkeit des Menschen, von der die Bibel  auf der ersten Seite spricht. Sie ist von nie zu überschätzender Bedeutung für das, was – hoffentlich – heute und auch in Zukunft als "europäische" Werte bezeichnet zu werden verdient. Die Gottebenbildlichkeit des Menschlichen ist die Basis der Menschenwürde, die Garantie ihrer Unbedingtheit und Universalität. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass diese Würde durch nichts genommen werden kann, weder durch Verbrechen noch durch Behinderungen, werden durch Religionsverschiedenheit noch durch kulturelle, ethnische, geschlechtliche Differenzen. Der Mensch ist immer "nach Gottes Bild, ihm ähnlich", unveräußerlich.

Ich brauche Ihnen nicht zu erklären, wie sehr diese dem jüdisch-christlichen, biblischen Erbe zu verdankende Sicht heute wieder bedroht ist, wie sie schon im Anfang fremd war, als das Christentum auf den Plan trat. Verbunden mit Jesu Lehre und Praxis, die gerade die Armen, die Kranken und Leidenden, aber auch die Sünder als die besonderen Lieblinge der göttlichen Güte sieht, war diese Sicht der universal geltenden Würde aller Menschen ein schockierender Fremdkörper im kulturellen Umfeld des römischen Reiches. In seiner "Griechischen Kulturgeschichte" beschreibt Jakob Burckhardt diesen Kontrast: "Eine Missgeburt ist nicht nur, wie heute, ein Unglück für die Familie, sondern ein Schrecken, der Versöhnung der Götter heischt, für die ganze Stadt, ja für das Volk. Man sollte also nichts Verstümmeltes aufziehen … Nach Plato sollten auch kränkliche Leute nicht leben und jedenfalls keine Nachkommenschaft hinterlassen" [2] . Ganz zu schweigen "von der sonstigen Beschränkung der Volksmenge durch Abtreibung, von der Nullität der Sklavenehe, die jedenfalls massenhafte Kindertötung mit sich brachte, von der Kindertötung der Armen …" [3] – Genug der antiken Schrecken, die erschütternd heutiger Eugenik, Euthanasie und Abtreibungspraxis entsprechen.

Damals konnte das Christentum nur eines dem übermächtigen Mainstream der heidnischen Welt entgegensetzten: eine alternative Praxis. In einem frühchristlichen Dokument, dem sogenannten "Brief an Diognet", kommt diese christliche "Kontrastgesellschaft" schön zum Ausdruck:

"Die Christen nämlich sind weder durch Heimat noch durch Sprache noch durch Sitten von den übrigen Menschen unterschieden. Denn sie bewohnen weder irgendwo eigene Städte noch verwenden sie eine abweichende Sprache noch führen sie ein absonderliches Leben.

Und sie bewohnen griechische und nichtgriechische Städte, wie es ein jeder zugeteilt erhalten hat; dabei folgen sie den einheimischen Bräuchen in Kleidung, Nahrung und der übrigen Lebensweise, befolgen aber dabei die außerordentlichen und paradoxen Gesetze ihres eigenen Staatswesens.

Sie bewohnen ihr jeweiliges Vaterland, aber nur wie fremde Ansässige; sie erfüllen alle Aufgaben eines Bürgers und erdulden alle Lasten wie Fremde; jede Fremde ist für sie Vaterland und jede Heimat ist für sie Fremde.

Sie heiraten wie alle und zeugen Kinder, jedoch setzen sie die Neugeborenen nicht aus. Sie haben gemeinsamen Tisch, kein gemeinsames Lager." [4]

Kurz, die Christen sind keine Sekte, die sich abschließt, sondern eine Alternative, die sich durch ihre Glaubwürdigkeit anbietet. Kardinal Walter Kasper sagte auf der Europa-Bischofssynode im Jahre 2000: "Die Christen wird man in Zukunft an dem erkennen, was sie nicht tun". Überall in Europa, selbst im säkularisierten Westeuropa, finden wir heute gerade junge Menschen, die nach dem "Rezept" des Diognet-Briefes leben und damit zeigen, dass die Kraft der christlichen Botschaft stärker ist als aller Mainstream.

2. Ein zweites Erbe gilt es zu nennen: Dem einen Schöpfer und der gleichen Gottebenbildlichkeit der Menschen entspricht die Überzeugung von der Einheit des Menschengeschlechts. Die Menschheit ist wirklich eine Familie, alle Menschen sind, ausnahmslos, Mitglieder der einen Menschheitsfamilie. Wie fremd diese Vorstellung der Antike war zeigt die Reaktion des römischen Philosophen Kelsos (der ebenfalls griechisch schrieb) in seiner Streitschrift gegen das Christentum: Zu behaupten, dass die Menschheit eine sei, ist "die Sprache des Aufruhrs". Griechen und Barbaren auf einer Ebene? Die bloße Idee empörte ihn. Für ihn ist es undenkbar, der Aussage des Paulus zuzustimmen: "Ihr seid zu einem neuen Menschen geworden, der nach dem Bild seines Schöpfers erneuert wird, um ihn zu erkennen. Wo das geschieht, gibt es nicht mehr Griechen oder Juden, Beschnittene oder Unbeschnittene, Fremde oder Skythen, Sklaven oder Freie, sondern Christus ist alles in allen" (Kol 3,10f). Max Horkheimer hielt diese Überzeugung von der Einheit des Menschengeschlechts für einen der wichtigsten Beiträge der jüdisch-christlichen Tradition.

Wird er in Europa wieder zum Fremdkörper? Die schreckliche Geschichte der Rassenideologien des 19. und 20. Jahrhunderts spricht dafür. Ist sie ganz überwunden? Die neuen xenophoben Bewegungen geben Anlass zur Sorge, so sehr die Angst vor zu viel Zuwanderung auch verständlich ist.

Papst Pius XII, oft gescholten wegen seiner umstrittenen Haltung im 2. Weltkrieg, hat in seiner viel zu wenig bekannten ersten Enzyklika vom Oktober 1939 in aller Klarheit gegen die Rassenideologie Stellung bezogen und berief sich dazu vor allem auf das Argument, dass die Menschheit eine ist.

"Wunderbare Schau, die uns das Menschengeschlecht sehen lässt in der Einheit eines gemeinsamen Ursprungs in Gott ... in der Einheit der Natur, bei allen gleich gefügt aus stofflichem Leib und geistiger, unsterblicher Seele; in der Einheit des unmittelbaren Ziels und seiner Aufgabe in der Welt; in der Einheit der Siedlung auf dem Erdboden, dessen Güter zu nutzen alle Menschen naturrechtlich befugt sind, um so ihr Leben zu erhalten und zu entwickeln; in der Einheit des übernatürlichen Endziels, Gottes selbst, nach dem zu streben alle verpflichtet sind; in der Einheit der Mittel, um dieses Ziel zu erreichen; ... in der Einheit des Loskaufs, den Christus für alle gewirkt hat" [5].

"Dieses 'Gesetz der Solidarität und Liebe' (Pius XII) versichert uns, dass bei aller reichen Vielfalt der Personen, Kulturen und Völker alle Menschen wahrhaft Brüder und Schwestern sind" (KKK 361). Sollte dieses "Gesetz der Solidarität und Liebe", das das Christentum als Ideal und als Aufgabe in Europa eingewurzelt hat, erneut zum Fremdkörper werden, der es am Anfang war?

3. Weil der Mensch nach Gottes Bild geschaffen ist, besitzt er jene Gabe, die ihn Gott am ähnlichsten macht: die Freiheit. Im Unterschied zu den heidnischen Göttern, die zusammen mit den Menschen unter der Herrschaft des fatum stehen, hat das biblische Menschenbild die Freiheit gebracht. Ein Gott, der vom Menschen will, dass er Ihn "von ganzem Herzen" liebt, kann dieses Herz nicht zwingen wollen, soll es in Liebe antworten. Hier ist die tiefste Wurzel aller Religionsfreiheit.

Die gewaltigste "Erfindung" der biblischen Religion ist die Freiheit: die Fähigkeit zur Selbstbestimmung, die Gott dem Menschen gegeben hat, weil nur ein freiwillig antwortender Mensch ein Gott wirklich liebender sein kann. Liebe verbannt den Zwang. "Glauben kann der Mensch nur freiwillig" (Credere non potest nisi volens), sagt Augustinus [6]. Trotz aller Verstöße gegen die eigene Freiheitslehre, die es im Lauf der christlichen Geschichte gegeben hat, bleibt diese Lehre die Grundlage für die Freiheitsrechte, die Europa großgemacht haben. Paradoxerweise ist diese Sicht der Freiheit gerade in der Neuzeit immer wieder in Frage gestellt worden. Deterministische Denkmodelle, die Bestreitung der Freiheit durch gewisse Richtungen der Gehirnforschung, aber auch philosophische und psychologische Infragestellungen der effektiven Freiheit des Menschen erinnern erstaunlich an manche fatalistische Ansichten die vorherrschten, als das Christentum im 1. Jahrhundert seinen Weg nach Europa nahm. Werden wir diese Freiheit verlieren, wenn ihre christlichen Wurzeln verloren gehen?

Spätestens hier meldet sich, so vermute ich, massiver Protest: Hat die Neuzeit ihre Freiheit nicht mühsam gegen das Christentum erobern müssen? Ist das, was an christlichen Wurzeln in Europa einmal stark war, nicht eher die Behinderung der Freiheit durch dogmatische und moralische Barrieren?

Dieser Frage müssen wir uns jetzt im 2. und 3. Teil dieses Vortrages zuwenden: Mittelalter und Neuzeit.


                   II. Mittelalter – die "finstere" Zeit Europas?



Bisher versuchte ich, an drei Elementen das Neue zu benennen, das das Christentum Europas gebracht hat: Die Gottebenbildlichkeit aller Menschen; die Einheit der Menschheitsfamilie und die Gabe der Freiheit.  Vieles andere wäre zu nennen: das Verständnis von Zeit (nicht zyklisch, sondern linear, also die Geburt der Geschichte); das Verständnis von Arbeit (exemplarisch im ora et labora des Hl. Benedikt), nicht als sklavischer Zwang, sondern als Verwirklichung des Menschen und als Mitwirken am Werk des Schöpfers [7] .

Aber das Problem ist nicht das idealtypisch gesehene Ur- und Frühchristentum, sondern die "Christenheit", d.h. jene Gestalt des Christentums, die dieses mit der Konstantinischen Wende und vor allem seit der Erhebung zur Staatsreligion durch Kaiser Theodosius (im Jahre 380) angenommen hat. Eben die Christenheit mit ihrer alles beherrschenden Macht und Pracht, ihren Kathedralen und Klöstern, aber auch ihren Kreuzzügen und Ketzerverfolgungen. Kurz: Jenes "finstere" Mittelalter, aus dem die lichtvolle Aufklärung (und zuvor schon die Reformation) herausgeführt hat. Dieses im Kanon der "wohlerworbenen Vorurteile" fest verwurzelte Bild der finsteren Christenheit taucht immer wieder auf, wenn in den Auseinandersetzungen der Gegenwart der Verdacht geäußert wird, "die Kirche" wolle Europa "ins finstere Mittelalter" zurückschicken, wobei im "ranking" der Rückschrittlichkeit gerne dem Papst und der Katholischen Kirche die Spitzenposition zugesprochen wird.

Doch genug der Ironie, kommen wir zur Sache. Das frühe, vorkonstantinische Christentum hat immer wieder eine große Faszination ausgeübt. Alle, oder sagen wir vorsichtiger: viele der vielen Erneuerungsbewegungen, die die europäische Christenheit kannte, haben sich an dieser Anfangszeit orientiert, als der christliche Glaube ohne Waffen, ohne den Schutz und die Gesetze von Kaiser und Staat den Weg zu den Herzen der Menschen fand. Wir werden darauf noch zurückkommen, besonders in unseren Schlussfolgerungen (auf die Sie noch mit etwas Geduld warten müssen).

Jetzt geht es aber darum, einen Blick auf die Epoche der "Christenheit", die über 1.000 Jahre zwischen der Konstantinischen Wende und dem Beginn der Neuzeit, zu werfen. Vorweg: Wer nach dem wohl finstersten Jahrhundert der Menschheitsgeschichte, dem "Jahrhundert der Wölfe", wie Ossip Mandelstam das 20. Jahrhundert nannte (der jüdisch-russische Dichter war eines der Millionen von Opfern des sowjetischen Terrors), wer nach diesem Jahrhundert das Mittelalter noch "finster" nennt, muss sich sagen lassen: Lernen Sie Geschichte!

Die neue Epoche, das "Mittelalter", beginnt in gewisser Weise mit dem Christwerden des Kaisers. War das nicht ein berechtigter Traum der verfolgten Christen? Was, wenn einmal der Kaiser Christ würde? Die Freiheit der Kirche wäre gesichert. Sie wäre geschützt vor Verfolgung, könnte sich frei entfalten. Der Traum war schnell vorbei. Welchen Platz hat der Kaiser, der Christ geworden ist? Herrscht er über die Kirche? Aber auch unter einem christlichen Kaiser gilt das Wort der Apostel vor dem Hohen Rat in Jerusalem: "Man muss Gott mehr gehorchen als dem Menschen" (Apg 5,29). Ambrosius von Mailand widersteht dem christlich gewordenen Kaiser ins Angesicht mit Worten, die so etwas wie die Charta der "abendländischen Kirchenfreiheit" (so der Titel des Buches von Hugo Rahner, 1943, in der Schreckenszeit des Nationalsozialismus geschrieben) darstellt: "Der Kaiser ist in der Kirche, er ist nicht über der Kirche. Ein guter Kaiser sucht die Kirche zu fördern, nicht sie zu bekämpfen. So untertänig wir dies sagen, so unerschütterlich halten wir daran fest, auch wenn man uns droht mit Scheiterhaufen und Schwert und Verbannung. Wir Knechte Christi haben das Fürchten verlernt" [8] .

Damit ist die Debatte eröffnet, die über 1.000 Jahre das Leben des Abendlandes prägen sollte – anders als die östliche Hälfte Europas (doch davon gleich mehr): das Miteinander und Gegeneinander von imperium und sacerdotium, zugespitzt im Kampf um die jeweilige Rolle von Papst und Kaiser.

Zwei Päpste stehen symbolisch und real für die Entwicklung, die das christliche Abendland ermöglichten, es aber auch in seine tiefste Krise führten: Papst Gregor der Große (590–604) litt unter dem Verfall Roms, zu dessen hohem Adel er gehörte. Er sah, dass vom Kaiser in Ostrom zwar der Herrschaftsanspruch über, aber keine Hilfe für das Weströmische Reich zu erwarten war. Deshalb begann die Kirche selbst die Rolle einer Hüterin und Stadthalterin des weströmischen Imperiums zu übernehmen. Bis in die Gestaltung der Symbolsprache versuchte Papst Gregor dem Bischof der Römischen Kirche als Pontifex Maximus den Herrschaftsanspruch zu sichern und Rom als caput mundi eines christlichen, weströmischen Reiches zu behaupten. Das gelang ihm zwar nur symbolisch, aber es gab den Römern ein neues Selbstbewusstsein und der Kirche ein Ziel.

Zweihundert Jahre später hat sein Nachfolger Leo III. eine weitreichende Entscheidung getroffen: Er bat die Franken um Hilfe und krönte im Jahre 800 den fränkischen König Karl den Großen zum Römischen Kaiser. Für den byzantinischen Kaiser war dies ein tiefer Verrat an der Einheit des Reiches und der Christenheit. Bis heute leiden die beiden "Lungenflügel" der Christenheit, die östliche und die westliche, an der immer tieferen gegenseitigen Entfremdung, die schließlich zur Trennung des Jahres 1054 führte. Für den Westen Europas war diese Kaiserkrönung ein entscheidender Schritt zu einer eigenen Entwicklung der "abendländischen Christenheit".

Die Folgen dieser Entscheidung sind bekannt: mit der Entwicklung des "Heiligen Römischen Reiches" (Sacrum Romanorum Imperium) entstand auf der einen Seite im Lauf der Jahrhunderte eine eigene, hohe, christlich geprägte Kultur, das lateinische Mittelalter. Auf der anderen Seite entwickelte sich ein ebenso langer Konflikt, wer eigentlich an der Spitze des Reiches stehe: der Kaiser, der das Reich im göttlichen Auftrag regieren sollte, oder der Papst als Pontifex Maximus, der Stellvertreter Christi, der den Kaiser erst zum Kaiser machte?

Wir wissen, wie der Konflikt ausging: mit dem Sieg des Sacerdotium über das Imperium. Aber es war ein Pyrrhus-Sieg. Die Vorstellung, der Papst könne allein eine übernationale Herrschaft in Europa verwirklichen, erwies sich als Illusion. Die Dynamik der Kämpfer der europäischen Könige und Fürsten um die Bildung unabhängiger Nationen und um Landeshoheit erwies sich als stärker. Und am Ende von vielen Kriegen wurde aus dem Sacerdotium ein mittelalterlicher Staat, der Kirchenstaat, ohne Bedeutung im europäischen Konzert der Mächte. Bedeutung behält der Papst nur durch seinen geistlichen, ideellen Anspruch als Vertreter eines universalen Glaubensangebotes. Der Kampf um die Herrschaft im Reich und dann um einen "Kirchenstaat" in Konkurrenz zu weltlichen Mächten schwächte diese geistliche Bedeutung des Papstes eher als dass sie sie stärkte.

Die Konsequenz war eine tiefe Krise, die sich seit dem Mittelalter entwickelte und in die Reformation, die westliche Kirchenspaltung, die Konfessionskriege und schließlich in Aufklärung und Säkularisation mündete.

Aus dieser Geschichte gilt es eine Lehre zu ziehen: Es ist ein Irrtum zu glauben, dass eine Religion, eine Glaubensgemeinschaft vor allem dadurch gestärkt wird, dass sie sich mit staatlicher und politischer Macht verbindet. Religion bedarf gewiss des Schutzes des Staates (wie auch der Staat der Kraft der Religion bedarf), aber es tut der Religion nicht gut, wenn sie sozusagen identisch wird mit staatlichen Gebilden und politischen Institutionen. Die Unterscheidung tut not, und sie tut beiden gut. Das ist die Lehre der langen Geschichte der Christenheit. Sie gedeihen immer dann am besten, wenn sie nicht die Deckungsgleichheit mit dem Staat anstrebte, sondern sich als inspirierende, gestaltende Kraft authentischen Glaubens erwies.

In diesem rapiden Durchmarsch durch das Mittelalter darf es deshalb nicht nur um den Konflikt sacerdotium – imperium gehen, sondern vor allem um die Kraftquellen des christlichen Lebens, die erst das Abendland gemacht haben. Allen voran sind hier die Orden und Klöster zu nennen. Man kann deren Wirkung überhaupt nicht überschätzen: ohne die irischen Mönche hätte es keine Christenmission gegeben. Und auch das Erbe der Antike, der vorchristlichen wie der christlichen, wäre untergegangen. Klöster waren Zentren der Bildung und der Wissenschaft. Sie kämpften um die Reinheit des Glaubens. Sie machten Länder urbar, entwickelten Landwirtschaft und Handwerk. Sie notierten und bewahrten die Geschichte. Und sie bildeten Netzwerke der Kommunikation über ganz Europa.

Gewiss, es gab zyklisch Phasen der Schwäche und des Niedergangs. Aber Welle um Welle kamen Erneuerungen von unglaublicher Vitalität. Ich kann sie hier nur kurz nennen. Zuerst die Cluniazensische Reform. Vor genau 1.100 Jahren, im Jahre 910, wurde in Cluny das Reformkloster gegründet. 200 Jahre später gab es in Europa 1.200 Klöster, die nach dieser Reform lebten. Unvorstellbare Vitalität, im sozialen, wirtschaftlichen, künstlerischen und natürlich im geistlichen Bereich. Durch Cluny, sagt Papst Benedikt XVI., "begann sich in den verschiedensten Regionen Frankreichs, in Italien, in Spanien, Deutschland und Ungarn ein Europa des Geistes abzuzeichnen".

Als Cluny Zeichen des Niedergangs zeigte, folgte die nächste gewaltige Erneuerungswelle: mit Bernhard von Clairvaux im 12. Jahrhundert die Zisterzienser, die in kürzester Zeit Europa mit einem eng kommunizierenden Netz von Klöstern überzogen. Und als im 13. Jahrhundert die Städte aufzublühen begannen, war es wieder eine Bewegung von intensivster Lebendigkeit: Franziskus und die Armutsbewegung.

Ist genügend bedacht worden, welches Potenzial an Freiheit in diesen Erneuerungsbewegungen lag und wie sehr das Freiheitsbewusstsein Europas von daher geprägt wurde? Von seinen Anfängen an ermöglichte das Christentum "das Heraustreten aus der weltlichen sozio-politischen Ordnung". Das "man muss Gott mehr gehorchen als dem Menschen" brachte ein Element der persönlichen Freiheit gegenüber den gesellschaftlichen Zwängen. Eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür ist die Szene aus Assisi, im Jahre 1207, als der junge Francesco Bernadone seinem Vater und der weltlichen Obrigkeit den Gehorsam aufkündigte, um allein Gott zu gehorchen. Er gab dem Vater sein Gewand zurück, um nackt dem nackten Christus zu folgen. Diese Freiheit radikal christlichen Lebens hat in allen Jahrhunderten große schöpferische Kräfte freigesetzt. Die innere Dynamik Europas hat hier eine ihrer Ursachen. Und selbst im säkularen Europa wirkt die Strahlkraft dieser radikalen Nachfolge Christi weiter. Um meine Schlussfolgerungen vorweg zu nehmen: ich bin überzeugt, dass hier eines der großen Hoffnungspotenziale Europas liegt. Wie im Mittelalter die großen Erneuerungsbewegungen die Christenheit aufgeweckt und dynamisiert haben, so war es auch in der Neuzeit. Und so ist es bis heute. Die Kirche (ich spreche hier von der katholischen, es gilt aber auch von den anderen christlichen Kirchen) hat oft ungeahnte Ressourcen der Erneuerung. Warum sollen uns nicht manche Überraschungen bevorstehen, wie jene, die der Poverello von Assisi vor 800 Jahren ausgelöst hat?


                   III. Die Neuzeit: die andere Sicht Europas



Wer nicht, wie ich, die Wurzel Europas im Erbe des antiken Christentums und dessen Verarbeitung im Mittelalter sieht, muss diese Wurzeln zweifellos bei den Reformatoren und in der Aufklärung sehen, also eher im Widerspruch zur katholischen Kirche. Das moderne Europa ist vor allem ein "Kind" der Aufklärung, die ihre Werte und Sichtweisen oft gegen die Kirche, ja gegen das Christentum artikuliert und erkämpft hat. Immer wieder wird der Einwand formuliert, nicht das Christentum sei die Wurzel der europäischen Sicht der Menschenrechte, sondern diese sei gegen den zähen Widerstand besonders der katholischen Kirche erkämpft worden.

Eines ist sicher: die Glaubensspaltung im 16. Jahrhundert hat die abendländische Gesellschaft zutiefst erschüttert. Wir können uns kaum vorstellen, welche Traumata die Spaltung in "neuen" und "alten" Glauben für die Menschen bedeutet hat. Man hat die daraus folgenden Religionskriege "hermeneutische Bürgerkriege" genannt, weil sich die streitenden Parteien durch verschiedene Auslegungen der für alle gleichen Bibel legitimierten.

Eine der schlimmsten Folgen der Religionskriege war die "Territorialisierung" des religiösen Bekenntnisses: Cuius regio eius religio. Der Wohnort bestimmt das Religionsbekenntnis Bis heute leidet die europäische Politik an den Folgen dieses Prinzips: Funktionalisierung der Konfession für die nationale Identität, sei es in mehrheitlich orthodoxen Ländern oder im tragischen nordirischen Bürgerkrieg. Ist das katastrophale Konzept des "ethnical cleansing" etwa am Balkan eine tragische Weiterführung dieses Europa zerreißenden Prinzips? Die Vertreibung der Deutsch- oder Ungarischsprachigen aus der Tschechoslowakei war ein krasses Beispiel dafür. Die Balkankriege der 90er-Jahre ebenfalls. Das Vielvölker-Habsburgerreich war ein Gegenmodell. Kein Wunder, dass es zerstört wurde, obwohl es wie kaum eine andere europäische Realität die heute angestrebte Integration vorwegnahm.

Eine zweite Folge hatten die Konfessionskriege: die Menschen hatten genug von den theologischen Konflikten. Es musste eine Basis gefunden werden, auf der unabhängig von Theologie und Konfession ein Staat gebaut werden konnte, und die, so meinten Denker wie Hobbes oder Spinoza, findet man im mathematisch-naturwissenschaftlichen Denken. In der Physik und in der Mathematik gibt es keine Ketzer. Hier also muss die Basis sein, um sich auch über Recht, Ethik und Metaphysik zu verständigen, unabhängig von Gesichtspunkten des Glaubens. Die unglaubliche Erfolgsgeschichte des mathematisch-naturwissen­schaftlichen Denkens scheint voll zu bestätigen, dass die Religion rückschrittlich, die wissenschaftliche Weltsicht fortschrittlich ist. Schlimmer noch: die Religionskriege scheinen zu bestätigen, dass die Religionen die Menschen gegeneinander aufbringen, die Aufklärung aber sie frei macht.

Wenn wir noch tiefer zu gehen versuchen, müssen wir über die Frage der Religionen zur Gottesfrage vorstoßen. Sie ist letztlich angesprochen, wenn wir die Krise Europas seit der Glaubensspaltung betrachten. Der Philosoph Odo Marquard spricht von einer "Tribunalisierung Gottes": Gott selbst wird angeklagt. Die alte Frage nach der Vereinbarkeit von Gottes Güte und dem Übel wird neu und akut gestellt: Unde malum? Woher kommt das Böse? Auf diese Frage kann das naturwissenschaftliche Weltbild keine Antwort geben. Genauer: der Versuch, darauf Antwort zu geben, war der Fortschrittglaube: Einmal wird der Fortschritt alle Übel beseitigen: Die Krankheiten werden durch die Fortschritte der Medizin überwunden, die Ungerechtigkeiten durch wirtschaftlichen Fortschritt. Der Fortschrittsglaube hat die Religion ersetzt.

Aber er hat zwei Haken: erstens hilft mir heute ein künftiger Fortschritt nicht mehr. Dann bin ich schon tot. Und das schon geschehene Unrecht  und Leid wird dadurch nicht weggenommen. Und zweitens besteht berechtigter Zweifel am unbegrenzten Fortschritt. Den gibt es nicht. Die Heilserwartungen, die der Marxismus und andere Formen des Fortschrittsglaubens hegten, haben sich nicht erfüllt. Sie können sich nicht erfüllen. Denn wir sind nur Gast auf Erden. Die Zeit unserer Pilgerschaft ist begrenzt, die Ressourcen unserer Erde, auf der wir pilgern, ebenso. Die Frage ist nüchtern zu stellen: und das war schon alles?


                  Zum Schluss: Christentum – Wurzel und Fremdkörper



Die Situation des Christentums in Europa ist paradox. Es scheint weitgehend marginalisiert. Die Kirchen sind "unter ferner liefen" auch noch da. Aber sie haben kaum ein gewichtiges, prägendes Wort. Und doch sehe ich sie nicht als "Auslaufmodell" in einem Europa, das ausreichend Sinnressourcen hat.

In mancher Hinsicht sind wir wieder am Anfang des Christentums: in einer religiös und kulturell pluralen Welt, in einer weitgehend "heidnischen" Welt, in der die in Jahrhunderten eingeübten christlichen Grundhaltungen verlernt wurden, in der Astrologie und Abtreibung, Aberglaube und Ängste vorherrschen. Die Christen sind zwar nominell in Europa die sehr große Mehrheit. Die "praktizierenden" Christen aber sind eine Minderheit.

Ich sehe die Situation des Christentums in Europa als etwas sehr Spannendes und Chancenreiches. Es ist in vieler Hinsicht ein Fremdkörper – und weckt doch bei vielen, das Gefühl von Heimat. Es gibt in Europa zunehmend "Heimkehrer", Menschen, die aus einer völlig säkularen Lebensweise heraus den Weg zu einem bewussten Glauben finden. Sie beschreiben ihren Weg oft als ein Nach-Hause-kommen.

Hier liegt die unverwechselbare Kraft des Christentums: es verleiht eine doppelte Bürgerschaft, eine irdische und eine himmlische. Es lädt ein zu loyalem Mitwirken in der Gesellschaft, zum Annehmen der Verantwortung für die civitas terrena, ohne diese utopisch umstülpen oder umstürzen zu wollen. Dieses gelassene Engagement im Zeitlichen hat seinen Grund in der gleichzeitigen Zugehörigkeit zur civitas Dei. Dieser Anspruch, nicht nur Bürger der irdischen civitas zu sein, hat alle totalitären Denker und Diktatoren zum Hass auf die Kirche bewogen. Denn der Christ ist frei dem Staat gegenüber, weil er nie nur Staatsbürger ist. Nie kam diese "Freiheit eines Christenmenschen" schöner zum Ausdruck als bei den "Bekennenden Christen", die sich in der Freiheit des Glaubens dem totalitären Zugriff des Staates entzogen. Dietrich Bonhoeffer ist ein leuchtendes Beispiel dieser Freiheit, und ebenso der einfache oberösterreichische Bauer Franz Jägerstätter, um nur zwei zu nennen.

Dieses Ferment der Freiheit hat das Christentum im heutigen Europa einzubringen, als Freiheit gegenüber den Ansprüchen des mainstream, der political correctness oder einfach dem Zwang der Mode.

Diese Freiheit hat eine tiefere Quelle, eine unerschöpfliche Ressource. Wir haben zu Beginn auf das so erstaunliche Phänomen der raschen Ausbreitung des Christentums in seinen Anfängen gesprochen. Ich sehe dafür neben anderen Gründen vor allem einen: Diese Ausbreitung hat mit dem zu tun, der dazu ausdrücklich den Auftrag gegeben hat und dabei versprochen hat: "Seht, ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Zeit" (Mt 28,20). Diese Zusage Jesu Christi ist die stärkste Ressource des Christentums, und sie verifiziert sich immer neu auf höchst überraschende Weise. Aus ihr erklärt sich die unerschöpfliche Regenerationskraft des Christentums. So oft schon als sterbend erklärt, erlebt es aus der Kraft des Auferstandenen immer wieder seine Auferstehung.

Fremdkörper in Europa und doch auch Wurzel: das ist die spannende Situation des Christentums im säkularen Europa. Dieses sieht das Christentum oft kritisch. Und das ist gut so. Europa braucht beides: den prophetischen Einspruch des Evangeliums als heilsame Unruhestiftung. Aber das Christentum braucht auch die kritische Rückfrage des säkularen Europa. Sie tut ihm gut. Sie weckt es auf, fordert es heraus. Sie stellt ihm unerbittlich die Frage nach seiner Glaubwürdigkeit. Im Tiefsten, so glaube ich, sehnt sich Europa nach einem authentischen Christentum. Denn wir alle, säkulare oder gläubige Europäer wissen insgeheim: die Wurzel, die Europa auch in Zukunft tragen kann, ist eben dies: ein glaubwürdiges, seinem Ursprung treues Christentum, so fremd es uns auch bisweilen scheinen mag.

Danke für Ihre Geduld!

http://stephanscom.at/edw/reden/0/articles/2010/02/09/a18075/
German Österreich: Bundespräsident würdigt Schönborn
Jan 31, 2010

Bundespräsident Heinz Fischer hat Kardinal Christoph Schönborn anlässlich dessen 65. Geburtstag gewürdigt. Bei einem Abendessen in der Wiener Hofburg hob Fischer die Rolle Schönborns bei der Gestaltung der guten Beziehungen zwischen Staat und Kirche hervor. Besonders die Standpunkte, die der Kardinal zu gesellschaftlichen, sozialen und ethischen Fragen vertrete, seien hilfreich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, so der Bundespräsident. Schönborn wies in seinem Dankeswort auf das rege Interesse Fischers an diesen Fragestellungen hin. Auch wenn man nicht immer einer Meinung sei, so der Kardinal, spüre er doch den großen Respekt des Staatspräsidenten.

http://www.oecumene.radiovaticana.org/ted/Articolo.asp?c=352698
German Kardinal Schönborn setzt sich in Washington für Christen im Irak ein
Jan 31, 2010
USA-Reise des Kardinals vom 31. Jänner bis 5. Februar hat auch State Department in Washington zum Ziel - Vorträge und Begegnungen mit Vertretern aus Kirche, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Kansas City, New York und Washington

Wien-Washington (KAP) Kardinal Christoph Schönborn besucht von 30. Jänner bis 5. Februar die Vereinigten Staaten. Der Wiener Erzbischof wird in Kansas City, New York und Washington Vorträge halten und mit Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zusammentreffen, wie der Pressedienst der Erzdiözese Wien am Donnerstag mitteilte. Für 4. Februar ist eine Begegnung mit Verantwortlichen des Iraq Office im State Department vorgesehen. Kardinal Schönborn möchte dabei auf die dramatische Situation der irakischen Christen hinweisen - sowohl jener, die im Land geblieben sind als auch der vielen, die in die Nachbarländer flüchten mussten und praktisch keine Chance auf Rückkehr haben.

Die erste Station der USA-Reise ist Kansas City. Dort gibt es eine Niederlassung der "Kleinen Schwestern vom Lamm". Kardinal Schönborn ist für die in den 1980er-Jahren in der südfranzösischen Diözese Carcassone entstandene Gemeinschaft (mittlerweile gibt es auch einen männlichen Ordenszweig) kirchenrechtlich zuständig. Die Mitglieder der Gemeinschaft leben in freiwilliger Armut aus Solidarität mit den Armen. Die Gemeinschaft ist sowohl von der dominikanischen wie auch von der franziskanischen Spiritualität geprägt, was sich in der Verbindung von Armut und Glaubensverkündigung zeigt.

Auf Einladung von Erzbischof Joseph F. Naumann besucht Kardinal Schönborn verschiedene kirchliche Institutionen in der Erzdiözese Kansas City, so etwa das Benedictine College in Atchison. Das 1858 begründete College zählt zu den besten akademischen Institutionen der USA. Am Sonntag, 31. Jänner, zelebriert der Wiener Erzbischof in der Abteikirche auf dem Campus des College einen Gottesdienst.

Am Nachmittag hält er vor der akademischen Gemeinschaft einen Vortrag über die großen öffentlichen Themen der Kirche in den letzten Jahren. Dabei wird sich der Wiener Erzbischof u.a. mit der viel diskutierten "Regensburger Vorlesung" Papst Benedikts XVI. aus dem Jahre 2006 auseinandersetzen sowie mit der Evolutionsdebatte. Anschließend ist eine Diskussion mit Professoren und Studenten geplant. Am Abend trifft der Kardinal mit Priestern aus den Bundesstaaten Kansas, Missouri und Nebraska zusammen. Das Benedictine College zeichnet Schönborn am Sonntag auch mit dem "Cross of the Order of St. Benedict Award" aus.

Wie Erzbischof Naumann im Pressedienst der Erzdiözese Kansas City schreibt, seien die Predigt und die Vesper des Wiener Erzbischofs "eine Gnade und ein Segen für unsere Erzdiözese und für unsere Priester im aktuellen 'Jahr des Priesters'".

Am Dienstag, 2. Februar, feiert Kardinal Schönborn einen festlichen Gottesdienst in der New Yorker St. Patrick's Cathedral, am Donnerstag, 4. Februar in der St. Matthew's Cathedral in Washington. Am Mittwoch, 3. Februar, hält der Kardinal in Washington einen Vortrag für die Dekane der "Catholic University of America". Das Thema lautet "Christianity - Alien Presence or Foundation of the West?".

O-Töne zur Reise des Kardinals von Schönborn-Pressesprecher Erich Leitenberger sind in Kürze unter www.katholisch.at/o-toene abrufbar.
German Wider Willen Manager der Krisen geworden
Jan 27, 2010
WIEN. Kardinal Christoph Schönborn wird heute 65. Der zurückhaltende Intellektuelle war von Beginn an mit Krisenmanagement in der katholischen Kirche Österreichs beschäftigt.

Schönborn, der 1995 aufgrund eines Missbrauchs-Vorwurfs gegen Hans Hermann Groër dessen Amt als Wiener Erzbischof übernahm, konnte nicht ahnen, dass Kirchenkonflikte seine Amtszeit prägen würden. Bis zur jüngsten Krise, ausgelöst durch die letztendlich missglückte Ernennung des erzkonservativen Gerhard Maria Wagner zum Linzer Weihbischof, meisterte der gebürtige Böhme aber so ziemlich alles – wenn auch meist nach längerer Bedenkzeit.

Selbst mit Rom legte sich der Wiener Erzbischof, der heute Geburtstag feiert, an. Im Fall Wagner verfasste er als Vorsitzender der Bischofskonferenz einen geharnischten Hirtenbrief, der einen Rapport beim Papst zur Folge hatte. Ein entscheidender Schritt war wohl die (Selbst-)Demontage des streitbaren St. Pöltner Bischofs Kurt Krenn nach einer Sexaffäre in dessen Priesterseminar.

In Kirchenkreisen wird Schönborn als weltoffen, leutselig und sprachgewandt gelobt, zum kritischen Kirchenvolk und zu Medien hält der Dominikaner aus adeligem Haus (mit einem Dutzend höchsten kirchlichen Würdenträgern in der Ahnentafel) Distanz. Zu Papst Benedikt XVI. hat Schönborn seit dessen Zeit als Theologieprofessor eine freundschaftliche Beziehung.

Nach dem Tod von Johannes Paul II. firmierte Schönborn in den Nachfolge-Spekulationen ganz oben. Der immer elegant auftretende Kardinal ist nicht nur einer der profiliertesten Fürsprecher des interreligiösen Dialogs, er hat sich auch die innere Erneuerung des Katholizismus auf die Fahnen geschrieben. Erneuerungsbewegungen wie das „Neokatechumenat“ haben seine Sympathie.

In gesellschaftspolitischen Bereichen marschiert der Wiener Erzbischof die Vatikan-Linie treu mit, etwa bei der Ablehnung von Abtreibungen oder bei homosexuellen Partnerschaften. Kirchenkritikern, die etwa die Abschaffung des Zölibats und die Priesterweihe für Frauen fordern, begegnet Schönborn freundlich im Ton, aber hart in der Sache.

http://www.nachrichten.at/nachrichten/politik/landespolitik/art383,324923
German Kardinal Schönborn ist 65: Krisenmanager der Kirche
Jan 27, 2010
22.01.2010   (DiePresse.com)

Seit Kardinal Christoph Schönborn vor 15 Jahren das Amt des Wiener Erzbischofs übernommen hat, muss er sich mit Krisen auseinandersetzen. Am Freitag feiert er seinen 65. Geburtstag.

Gottes Krisenmanager in Österreich wird 65. Als Kardinal Christoph Schönborn 1995 aufgrund eines Missbrauchs-Vorwurfs gegen Hans-Hermann Groer dessen Amt als Wiener Erzbischof übernahm, konnte er nicht ahnen, dass Kirchenkonflikte seine Amtszeit prägen würden. Bis zur jüngsten Krise, ausgelöst durch die letztendlich missglückte Ernennung des erzkonservativen Gerhard Maria Wagner zum Linzer Weihbischof, meisterte der gebürtige Böhme aber so ziemlich alles - wenn auch meist nach längerer Bedenkzeit. Selbst mit Rom legte sich der Wiener Erzbischof, der am Freitag Geburtstag feiert, an.

Schönborn gilt in Kirchenkreisen als weltoffen, leutselig und sprachgewandt. Seine fast verschämte Art, Glaubenswahrheiten zu verkünden, beeindruckt selbst liberale Kritiker des aus adeligem Hause stammenden Dominikaners, dessen Stammbaum mit mehr als einem Dutzend Bischöfen und Kardinälen aufwarten kann. Beim kritischen Kirchenvolk hat es Schönborn hingegen schwerer. Er greift "heiße Eisen" oft zögerlich an und reagiert dann im vertrackten Kirchensprech. Letztlich fallen ihm aber doch noch - zumindest für hohe Kleriker - deutliche Worte ein. In der Causa Wagner war es etwa ein geharnischter Hirtenbrief der Österreichischen Bischofskonferenz, deren Vorsitzender Schönborn ist - was letztendlich einen "Rapport" bei Papst Benedikt XVI. zur Folge hatte.

Nach dem Tod von Johannes Paul II. firmierte Schönborn im "Papst-Toto" ganz oben. Der immer elegant auftretende Kardinal ist nicht nur einer der profiliertesten Fürsprecher des interreligiösen Dialogs, er hat sich auch die innere Erneuerung des Katholizismus auf seine Fahnen geschrieben. Diesbezüglich prägend für den mit 18 Jahren in ein westfälisches Kloster eingetretenen Dominikaner erwies sich der französische Theologe Yves Congar. Dieser machte Schönborn während seines - mit Auszeichnung abgeschlossenen - Doktoratsstudiums in Paris mit französischen Erneuerungsbewegungen bekannt, die nach einem neuen Platz für die Kirche in einer säkularen Welt suchten.
"Gesunder harter Kern"

Der Sohn einer allein erziehenden Mutter hat seine Begeisterung für Erneuerungsbewegungen wie das Neokatechumenat bis heute nicht verloren. Beobachter sehen darin die Strategie, die katholische Kirche auf einen "gesunden harten Kern" tief Gläubiger zu konzentrieren statt die große Masse von "Taufscheinchristen" mit Konzessionen an den "Zeitgeist" bei der Stange zu halten. In diesem Licht ist auch die Sympathie Schönborns für das orthodoxe Judentum zu sehen. So bezeichnete er es als "lebenswichtig" für die Zukunft der Kirche, die Bibel "im Lichte ihrer jüdischen Auslegung" zu studieren. Bei einer Jerusalem-Reise der österreichischen Bischöfe, aber auch bei anderen Anlässen fand Schönborn immer wieder deutliche Worte zum Holocaust, was ihm Lob vonseiten der jüdischen Gemeinde einbrachte.

Sehr am Herzen liegt Schönborn auch die Annäherung an die Orthodoxie, zu der er seit seiner Professur für Ostkirchenkunde im Schweizer Fribourg (1975-91) sehr enge Verbindungen hat. 1997 stattete er dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., einen vielbeachteten Besuch ab. Aber auch gegenüber dem Islam betätigte sich Schönborn als "Eisbrecher". Als erster Kardinal traf er 2001 im Iran mit der religiösen und weltlichen Führung des islamischen "Gottesstaates" zusammen.

In gesellschaftspolitischen Bereichen marschiert der Wiener Erzbischof die Vatikan-Linie treu mit, etwa bei der Ablehnung von Abtreibungen oder bei homosexuellen Partnerschaften. Kirchenkritikern, die etwa die Abschaffung des Zölibats und die Priesterweihe für Frauen fordern, begegnet Schönborn zwar freundlich im Ton aber hart in der Sache. In Sachen Kirchenbeitrag zeigte er sich jüngst kompromissbereit. Für Verwirrung sorgte Schönborn im Juli 2005 mit einem evolutionskritischen Text in der "New York Times", in dem er sich auch für die Theorie des "Intelligent Design" starkmachte. Im "Darwin-Jahr" distanzierte er sich wieder von diesen Aussagen.
Studium bei Josef Ratzinger

Gute Verbindungen hat der am 22. Jänner 1945 im böhmischen Skalsko geborene Schönborn in den Vatikan. Beobachter sagen ihm ein Naheverhältnis zu Benedikt XVI. seit dessen Jahren als Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation nach. Anfang der 1970er Jahre absolvierte Schönborn ein Studienjahr bei ihm an der Universität Regensburg. 1981 berief Ratzinger den begabten Dominikaner, der Französisch, Spanisch, Englisch und Italienisch spricht, in die internationale Theologenkommission des Vatikan und machte ihn zum Redakteur des Weltkatechismus (1992), der die Glaubenslehre der katholischen Kirche festschreibt. Ein Höhepunkt in Schönborns bisheriger Amtszeit war auch der Besuch des Heiligen Vaters 2007 in Österreich.

Den österreichischen Katholiken ist der nach der Vertreibung seiner Familie in Vorarlberg aufgewachsene Schönborn vor allem als Krisenmanager bekannt. Seit 1991 Wiener Weihbischof, verdankte er seinen größten Karrieresprung der schwersten Kirchenkrise Österreichs. Nachdem sein Vorgänger Groer wegen des Vorwurfs sexuellen Missbrauchs von Zöglingen abtreten musste, wurde Schönborn im September 1995 Wiener Erzbischof. Als solcher betrieb er auch die Demontage des streitbaren St. Pöltner Bischofs Kurt Krenn, der im Herbst 2004 über eine Sexaffäre an seinem Priesterseminar stolperte. Dabei gilt Schönborn als äußerst konfliktscheu. So entließ er im Jahr 1999 seinen Generalvikar Helmut Schüller, indem er ihm kurzerhand den "Blauen Brief" unter der Tür durchschob.

Sein Privatleben hält Schönborn streng unter Verschluss. Der Kardinal, der seine Kindheit in Schruns in Vorarlberg verbrachte, ist leidenschaftlicher Jasser, ein Kartenspiel zu dem er des öfteren ehemalige Landsleute in Wien trifft. Schönborns Bruder ist der Schauspieler Michael Schönborn.
Italian Intervista del Cardinal Dott. Christoph Schönborn al quotidiano “Vercernji List”
Jan 27, 2010
Interview Cardinal Schonborn

Dal “Vercernji List”, quotidiano della Croazia e della Bosnia Erzegovina:
“Medjugorje è di nuovo al centro dell’attenzione della Chiesa, come dell’opinione pubblica. Anche se la visita del Card. Schonborn era privata, non ha lasciato nessuno indifferente perché egli è membro della Congregazione per la Dottrina della Fede. Abbiamo parlato col Cardinale durante la sua visita a Medjugorje.

“Noi siamo venuti qui per essere vicini alla Madre di Dio”, Lei ha detto durante la Messa di mezzanotte. Vostra Eminenza, queste parole hanno avuto una grande eco. Vorremmo che le spiegasse.

Cardinale: “Non possiamo negare che i pellegrini sono venuti qui nei 20 anni passati, così come non possiamo negare ciò che sperimentano a Medjugorje e quanta vicinanza alla Madre di Dio sentano. Questa è la mia prima visita, ma da quando sono Vescovo, dal 1991, ho semplicemente notato i frutti di Medjugorje”.
Intervistatore: “Di che tipo di frutti sta parlando?”.

Cardinale: “Le fornirò alcuni esempi. Le vocazioni al sacerdozio. Molti dei nostri giovani sacerdoti hanno ricevuto la loro vocazione qui, non strettamente a Medjugorje, ma a causa di Medjugorje. La seconda cosa sono le conversioni. Sono impressionato dal fatto che questo accade in ogni livello della società, dalle famiglie nobili, agli industriali, fino alle persone comuni. Volando da Vienna a Spalato via Zagabria, un addetto della sicurezza mi ha chiesto dove stessi andando e io gli ho detto che stavo andando a Medjugorje. All’improvviso il suo volto ha cominciato ad essere raggiante e mi ha detto che anche lui aveva avuto la sua conversione a Medjugorje. Un paio di settimane fa, in una piccola stazione ferroviaria, un lavoratore mi ha raccontato la sua storia. Sua moglie è morta di cancro e lui era disperato e i suoi amici lo hanno portato a Medjugorje. Lui ha ricevuto una fede forte e viva qui. La terza prova sono le guarigioni. Un giovane dedito alle droghe mi ha detto di essere stato quasi forzato dai suoi amici a venire qui. Mi ha detto che mentre l’autobus stava entrando a Medjugorje gli è accaduto qualcosa. E’ particolare il fatto che è stato guarito immediatamente, anche se tutti sappiamo che la disintossicazione dura a lungo. La quarta cosa significativa sono i gruppi di preghiera. Io conosco il gruppo di preghiera di Medjugorje di Vienna, fin dal tempo in cui non ero Vescovo. Li ho conosciuti già negli anni ottanta. In particolare per noi Domenicani è stato molto significativo che quelle persone pregavano per ore e che la Chiesa era sempre piena. La Chiesa dei Domenicani a Vienna raramente è piena, ma il Giovedì sera era sempre gremita. Essi sono rimasti fedeli nella preghiera fino ad oggi. Gesù ha detto che un albero cattivo non porta frutti buoni. Ciò significa che, se i frutti sono buoni, allora anche l’albero è buono”.
Intervistatore: “Per i pellegrini Medjugorje è un miracolo ed essi attendono un messaggio della Santa Sede finché la Chiesa non riconosca la soprannaturalità degli eventi di Medjugorje. Recentemente anche l’Arcivescovo di Vrhbosna, il Cardinale Vinko Puljić, ha annunciato la fondazione di una commissione internazionale che dovrebbe esaminare il fenomeno di Medjugorje. Cosa sa di questo e come vede le richieste di un riconoscimento degli eventi di Medjugorje?”.

Cardinale: “Non ho informazioni dettagliate su tale commissione, né questo è il mio compito. Ma mi attengo alla Dichiarazione dell’allora Conferenza Episcopale Jugoslava e della Congregazione per la Dottrina della Fede della Santa Sede. Questa posizione per me è sempre stata sensata e ragionevole. Ricorderò tre dichiarazioni su Medjugorje. Una prima sono i fenomeni. Io sono un dogmatico e sono stato professore di Teologia Dogmatica. «Non constat de supernaturalitate», ciò significa che la Chiesa non ha ancora dato il suo giudizio definitivo sulla soprannaturalità del fenomeno, né lo ha dichiarato. Non ha negato la soprannaturalità, ma non l’ha neppure confermata”.
Intervistatore: “Suona come una risposta diplomatica, ma cosa significa nella prassi?”

Cardinale: Ciò significa semplicemente che la Chiesa non ha dato il suo giudizio e la sua decisione definitiva. Personalmente sono convinto che sia corretto che la Chiesa non l’abbia fatto. Finché questi fenomeni accadono ancora, difficilmente la Chiesa darà un giudizio e una decisione definitiva. Questi fenomeni sono il punto di partenza di Medjugorje. E’ iniziato con questo, con le dichiarazioni dei bambini che hanno detto di aver visto la Madonna e con i messaggi che i bambini hanno ricevuto. Quello che poi si è sviluppato è un altro fenomeno di cui la Chiesa si occuperà in secondo grado. Un enorme numero di pellegrini viene dall’inizio a Medjugorje. Qui si è sviluppata una intensa vita di preghiera, sono nati molti enti umanitari.
Intervistatore: "La chiesa ha separato la questione di Medjugorje dal lavoro pastorale. Ma ancora tantissimi pellegrini vengono qui. Che posizione dovremmo prendere su questa questione?"

Cardinale: "Si sono creati modi concreti di pellegrinaggio ed è una sfida molto pratica per la chiesa. Ecco perché i Vescovi dell'ex Iugoslavia hanno detto nel 1991 che non si possono organizzare pellegrinaggi ufficiali. Non desidero e non posso organizzare pellegrinaggi ufficiali a Medjugorje a livello diocesano come abbiamo fatto per Roma o la Terra Santa. Ma né la Conferenza Episcopale né Roma hanno mai proibito ai pellegrini di venire a Medjugorje, che è poi la parte principale della terza dichiarazione. Per me questo è molto importante, per noi vescovi. I fedeli devono ottenere una cura pastorale. Come Arcivescovo di Vienna vedo in questo il mio compito. Se io, come vescovo, vedo che nella mia diocesi centinaia, migliaia di persone si convertono, pregano e vengono guariti allora io, come vescovo, devo preoccuparmi che tutti loro ricevano una buona cura pastorale. Per questo in tutti questi anni ho sostenuto tutte queste realtà come ad esempio la Comunità "Oasi della Pace", nata grazie a Medjugorje. Penso che tutto questo riguardi tutti noi vescovi, particolarmente in quelle diocesi i cui pellegrini vengono a Medjugorje e devono ottenere una buona cura pastorale. Così in tutte le conversazioni che ho avuto con altri vescovi a riguardo di Medjugorje ho consigliato loro di sostenere i propri pellegrini."
Intervistatore: "Ha incontrato i veggenti, è salito sulla collina dell'apparizione. Di cosa ha parlato con loro?"

Cardinale: "Direi un po’ ironicamente che Nostra Signora non ha scelto proprio le colline più semplici. Sono affascinato per la coerenza di Medjugorje con altri santuari Mariani, luoghi di apparizione. Dico sempre che c'è una grammatica nelle apparizioni di Maria. Quello stile speciale di Nostra Signora."
Intervistatore: "In che modo è collegato?"

Cardinale: "Ci sono 3 elementi collegati a questo fenomeno. Nostra Signora appare quasi sempre ai bambini. Non bambini particolarmente intelligenti o santi, ma normali. Bernadette non sapeva neppure scrivere. Era 14enne quasi come ragazzi di qui. Secondariamente Maria dà i messaggi attraverso i bambini. Ciò è offensivo per un vescovo. Perché Nostra Signora non viene a casa di un vescovo? Perché viene su una collina piena di pietre o in una grotta presso un fiume? Ciò non è pratico. A Fatima è apparsa tra i cespugli. Dà i messaggi attraverso i bambini perché i bambini non sono complicati. Il terzo elemento: sembra che Nostra Signora abbia un proprio programma. A Fatima è apparsa prima della rivoluzione russa ed ha dato un messaggio. Quando il razionalismo era al livello più elevato è apparsa a Lourdes. È apparsa a Medjugorje quando nessuno immaginava che la Iugoslavia sarebbe caduta a pezzi nel periodo comunista in cui i cattolici, i musulmani e gli ortodossi vivevano ancora insieme. Appare col nome di Regina della Pace. Esattamente 10 anni dopo scoppia la prima delle 4 guerre nella penisola dei Balcani. Ed il suo messaggio riguardava la pace attraverso la conversione, la preghiera e questo primo messaggio ha peso, consistenza, e credibilità. Forse potremmo andare avanti con Guadalupe, in Messico. Quando l'Europa ha iniziato l'invasione dell'America, Nostra Signora è apparsa ad un indio che ha dovuto andare dal suo vescovo a dirgli che cosa fare. Penso che i teologi debbano studiare meglio la sintassi delle apparizioni di Maria ed in quel contesto studiare i fenomeni di Medjugorje."
Intervistatore: "Si prega sempre per la pace a Medjugorje ma la pace politica non è così giusta, lo stato ha dei problemi ed i cattolici croati sono in una posizione ancora peggiore. Che cosa suggerirebbe alla Comunità Internazionale ora che è governata dal suo connazionale Valentin Inzko?"

Cardinale: "Il problema è che molte nazioni sono coinvolte in questo paese così piccolo che in questo modo non può risolvere i suoi i problemi. La pace duratura ci può essere soltanto se c'è giustizia per ognuno. Ciò è una sfida per la politica europea. Sono felice che Valentin Inzko sia l'incaricato della Bosnia-Herzegovina ed io mi aspetto che ottenga grande supporto dalla Comunità Europea. Sono sicuro che ciò che sta accadendo a Medjugorje contribuisce la pace. E gente da ogni dove viene in questo piccolo villaggio dell'Herzegovina sconosciuto al mondo, parlando ironicamente. Osservate quanti Coreani vengono a Medjugorje! Ciò è una speranza, che queste persone saranno apostoli di pace nei loro paesi, pace che viene da Medjugorje. Se si prega per la pace nel mondo in un luogo, questa è una benedizione speciale per un paese. E Nostra Signora viene venerata in tutte e tre le religioni. I credenti ortodossi onorano da sempre Nostra Signora, l'Islam non rispetta così tanto altre persone, come Maria. Per i cattolici croati, che sono in minoranza in questo paese, le apparizioni in mezzo a loro sono una grande consolazione. Maria è una realtà impareggiabile"


http://pda.medjugorje.ws/it/articles/interview-cardinal-schonborn/
French Le cardinal Schönborn cherche à apaiser la polémique sur Medjugorje
Jan 27, 2010

Après avoir été reçu en audience privée par Benoît XVI vendredi 15 janvier, le cardinal Christoph Schönborn, archevêque de Vienne, a adressé une lettre d'excuses à l'évêque de Mostar, Mgr Ratko Peric, à propos de sa visite controversée au sanctuaire de Medjugorje.

Dans sa lettre, le cardinal Schönborn s’excuse notamment si son pèlerinage a pu « donner l’impression de nuire à la paix ».

Le cardinal Schönborn s'était rendu le 3 janvier à Medjugorje, justifiant sa visite en rappelant qu’elle était « privée » et qu’il souhaitait « voir le lieu à l’origine de beaucoup de fruits positifs » où il désirait « avant tout prier ». L’archevêque de Vienne, insistait aussi sur la « nécessité de dédramatiser le phénomène de Medjugorje », se disant alors « fasciné » par ce qu’il avait vu lors de son voyage.

Aussitôt après cette visite, Mgr Peric avait déclaré « regretter » cette visite, craignant que ce pèlerinage n’ajoute « de nouveaux tourments » à propos de ces apparitions mariales controversées.

Le cardinal Schönborn, qui précise dans sa lettre que ce n’était « pas [son] intention », termine sa lettre en rappelant que la « Mère de Dieu conduira certainement les choses vers le bien ».

En 1998, le cardinal Joseph Ratzinger, alors préfet de la Congrégation pour la doctrine de la foi, avait autorisé les pèlerinages «privés (…) à condition qu’ils ne soient pas considérés comme une authentification d’évènements en cours et qui demandent encore à être examinés par l’Église».

En mars dernier, Benoît XVI avait signé le décret de réduction à l’état laïc du franciscain Tomislav Vlasic, directeur spirituel des voyants de Medjugorje. Celui-ci avait demandé d’être libéré de ses obligations sacerdotales après que la Congrégation pour la doctrine de la foi eut engagé en 2008 une enquête à son encontre «pour diffusion de doctrine douteuse, manipulation des consciences, mysticisme suspect, désobéissance aux ordres légitimes» mais aussi pour adultère.

http://www.la-croix.com/Le-cardinal-Schonborn-cherche-a-apaiser-la-polemique-sur-Med/article/2411355/4078
German Kardinal Schönborn wird 65
Jan 27, 2010
Feier im Stephansdom am 24. Jänner - Der Kardinal ist in der
katholischen Weltkirche "zu Hause", vor allem aber ist er "mit
Leidenschaft" Erzbischof von Wien

Wien, 19.01.2010 (KAP) Die Erzdiözese Wien und das Wiener Domkapitel
laden am kommenden Sonntag, 24. Jänner, um 16 Uhr zu einer
Pontifikalvesper aus Anlass des 65. Geburtstags von Kardinal
Christoph Schönborn ein. Beim anschließenden Festakt im Dom werden
dem Wiener Erzbischof zwei Festschriften überreicht. Für die
Erzdiözese Wien wird Generalvikar Msgr. Franz Schuster gratulieren,
für das Domkapitel Domdekan Prälat Karl Rühringer. Auch Vertreter
des Klerus, der Ordensleute und der Laienchristen werden das Wort
ergreifen.

Christoph Schönborn wurde am 22. Jänner 1945 im böhmischen Skalken
(Skalka) geboren. Noch im selben Jahr musste die Familie nach
Österreich flüchten, obwohl Schönborns Vater sich von der deutschen
Wehrmacht getrennt hatte und der britischen Armee als Dolmetscher
angehörte. Seine Kindheit verbrachte Christoph Schönborn in Schruns
in Vorarlberg. Nach der Matura 1963 trat er im westfälischen Warburg
in den Dominikanerorden ein. Er studierte Theologie und Philosophie
in Walberberg bei Bonn, in Wien und Paris. Am 27. Dezember 1970
wurde er von Kardinal Franz König in Wien zum Priester geweiht.

1971/72 absolvierte Schönborn ein Doktoratsstudium am Institut
Catholique in Paris, 1972/73 ein Studienjahr in Regensburg, wo der
heutige Papst Benedikt XVI. sein Lehrer war. Seit damals gehört
Schönborn dem "Schülerkreis" von Joseph Ratzinger an; dieser
Schülerkreis trifft einmal im Jahr zusammen, seit der Wahl
Ratzingers zum Papst jeweils in Castel Gandolfo.

Von Kirchenvätern inspiriert

1974 erwarb Schönborn am Institut Catholique in Paris den Doktorgrad
mit einer Dissertation über das Thema "L'Icone du Christ", einer
ersten Frucht seiner profunden ostkirchlichen Studien. Die
Inspiration seines theologischen Denkens durch die Theologie der
Kirchenväter des ersten Jahrtausends hat dem Wiener Erzbischof hohe
Achtung im Bereich der orthodoxen Kirchen eingebracht. Der Kardinal
konnte - auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Kuratoriums
der Stiftung "Pro Oriente" - die Rolle Wiens für den ökumenischen
Dialog mit Konstantinopel, Bukarest und Moskau stärken. Seine
Besuche bei den orthodoxen Patriarchen dieser Städte fanden ein sehr
positives Echo.

Ab 1975 lehrte Christoph Schönborn - zunächst als Gastprofessor und
später als Ordinarius - Dogmatik an der Katholischen Universität
Fribourg (Schweiz) und betreute auch einen Lehrauftrag für die
Theologie des christlichen Ostens. Der Wiener Erzbischof ist Autor
zahlreicher wissenschaftlich-theologischer, aber auch populärer
Werke. Charakteristisch für den Kardinal ist bis heute, dass er gern
schreibt, nicht am PC, sondern mit der Füllfeder in gestochen
schöner Handschrift - u.a. auch Kolumnen für zwei populäre Wiener
Tageszeitungen (einen Evangelienkommentar am Sonn- und Feiertag,
eine aktuelle Kolumne am Freitag).

1980 wurde er Mitglied der Internationalen Theologenkommission des
Heiligen Stuhls, 1987 Redaktionssekretär des "Weltkatechismus". In
dieser Funktion lernte Christoph Schönborn viele Repräsentanten der
Weltkirche aus unterschiedlichen Sprachgebieten kennen; es
entstanden Verbindungen, die bis heute andauern. Sein Sprachentalent
- von der perfekten Zweisprachigkeit deutsch/französisch bis zu
slawischen Sprachkenntnissen - ist für den Wiener Erzbischof eine
wichtige Hilfe bei der Erfüllung weltkirchlicher Aufgaben, auch im
Sinn der von seinem Vorvorgänger, Kardinal Franz König, betonten
Berufung der Erzdiözese Wien als "Ort der Begegnung" im Herzen des
europäischen Kontinents.

Bischofsweihe 1991

1991 wurde Christoph Schönborn zum Weihbischof für die Erzdiözese
Wien ernannt. Seine Bischofsweihe am 29. September 1991 im Wiener
Stephansdom gestaltete sich nach den Jahren der innerkirchlichen
"Turbulenzen" wieder zu einem "Fest der Diözese".

1993 wählte die Österreichische Bischofskonferenz den neuen
Weihbischof zu ihrem Europa-Referenten. Das Thema Europa ist für den
Wiener Erzbischof bis heute von zentraler Bedeutung; auch der
Mitteleuropäische Katholikentag, der im Mai 2004 mit einer großen
"Wallfahrt der Völker" in Mariazell seinen Höhepunkt fand, war
wesentlich seiner Initiative zu verdanken. Seine Vorstellung von
Europa ist differenziert. Europa müsse sich seiner christlichen
Wurzeln bewusst bleiben, aber es sei auch klar, dass das Christentum
für viele ein Fremdkörper in einer durch Vernunft, Aufklärung und
Demokratie bestimmten Welt ist. "Europa wird seine geschichtliche
Rolle nur erfüllen können, wenn es sich den 'Fremdkörper
Christentum' als Teil seiner Identität erhält", so der Kardinal.

Am 13. April 1995 wurde Schönborn von Johannes Paul II. unter
dramatischen Umständen (es war das Jahr der "Causa Groer") zum
Erzbischof-Koadjutor von Wien ernannt, am 14. September 1995 zum
Erzbischof von Wien. Der Festgottesdienst zu seinem Amtsantritt fand
am 1. Oktober 1995 statt, dem Fest der "kleinen" Heiligen Theresia
von Lisieux. Die französische Karmelitin ist für den Wiener
Erzbischof mit ihrer Nähe zur Not der Nichtglaubenden und ihrer
Option des "kleinen Weges" ein Vorbild für die suchenden Menschen
von heute.

Am 29. Juni 1996 wurde ihm das Zeichen des Erzbischofs, das Pallium,
übergeben. Am 21. Februar 1998 wurde der neue Wiener Erzbischof zum
Kardinal erhoben. Seine Titelkirche ist "Gesu Divin Lavoratore" in
den südlichen Vorstädten Roms, eine Pfarre mit einer besonders
intensiven Seelsorge. Im selben Jahr 1998 übernahm Schönborn auch
den Vorsitz der Österreichischen Bischofskonferenz.

Konzept der "Stadtmission"

Das Pastoralkonzept des Wiener Erzbischofs ist stark davon geprägt,
dass die Kirche wieder missionarisch sein muss, dass sie in der
Öffentlichkeit für das Evangelium Zeugnis abzulegen hat. Dies
bedeutet für ihn keinen Rückgriff auf die Vergangenheit, sondern
eine Umsetzung des Schreibens von Johannes Paul II. "Duc in altum"
zum Jahrtausendbeginn auf die Situation der lokalen Kirche.
Gemeinsam mit den Erzbischöfen von Paris, Brüssel, Lissabon und
Budapest hat Kardinal Schönborn das Konzept der "Stadtmission"
entwickelt. Auch die neue Initiative "Apostelgeschichte 2010" hat
diese missionarische Ausrichtung; vor allem sollen die engagierten
Katholiken befähigt werden, mit den suchenden Menschen von heute in
ein Gespräch über den Glauben, über "Gott und die Welt", einzutreten.

Der Wiener Erzbischof unterstreicht die Bedeutung der
Pfarrgemeinden, nahezu an jedem Wochenende ist der Kardinal in einer
Pfarrgemeinde seiner Diözese zu Gast. Zugleich sieht er in den neuen
geistlichen Bewegungen ("movimenti") einen wichtigen Impuls für das
Leben der Kirche. Die Pfarrgemeinden bilden für Kardinal Schönborn
gerade in "Zeiten der dreifachen Krise" (in Wirtschaft, Umwelt und
Moral) das wichtigste Solidarnetz.

Dabei verschließt der Wiener Erzbischof die Augen nicht vor den
dramatischen Herausforderungen für die Seelsorge wie dem
Priestermangel und der Situation der wiederverheirateten
Geschiedenen. Aber er ist kein Freund der vorschnellen "einfachen
Lösungen" in die eine oder die andere Richtung. In seiner Haltung
wird auch deutlich, dass er aus der Erfahrung seiner eigenen
Herkunftsfamilie weiß, was Scheidung bedeutet. Die Worte des
Kardinals bei der Trauermesse für Bundespräsident Thomas Klestil am
10. Juli 2004 im Stephansdom fanden große Beachtung: "Es fällt auch
der Kirche nicht leicht, den Weg zwischen dem unbedingt notwendigen
Schutz für Ehe und Familie einerseits und der ebenso notwendigen
Barmherzigkeit mit dem menschlichen Scheitern und Neubeginnen
anderseits zu finden".

"Kein Christ kann Antisemit sein"

Kardinal Schönborn erinnert die Katholiken aber auch immer wieder an
ihre jüdischen Wurzeln. "Wir können Jesus nicht am Judentum vorbei
oder gar gegen das Judentum finden", sagte der Wiener Erzbischof bei
seiner Katechese im Stephansdom am 10. Jänner und unterstrich
zugleich die Bedeutung des Konzilsdokuments "Nostra Aetate", das
endgültig Schluss mit der Judenfeindschaft gemacht habe.

Die "Reinigung des Gedächtnisses" im Hinblick auf die
österreichische Geschichte brachte Kardinal Schönborn u.a. auf der
von ihm veranlassten neuen Gedenktafel auf dem Wiener Judenplatz zum
Ausdruck, aber auch bei der öffentlichen Lesung der Neuauflage des
Buches "Antwort an Hitler" von Irene Harand am 12. März 2005 auf dem
Wiener Stephansplatz. Im Vorwort der Neuauflage hielt Kardinal
Schönborn fest, dass kein Christ Antisemit sein kann.

Dialog mit dem Islam

Charakteristisch für den Wiener Erzbischof ist auch sein
unbefangenes Verhältnis zum Islam, das sich etwa bei seiner Reise in
den Iran 2002 zeigte. Hintergrund dafür ist ein konsequentes
Bekenntnis zur Religionsfreiheit für Muslime in Europa und für
Christen in islamisch dominierten Ländern, aber auch die
Überzeugung, dass die Bekenner unterschiedlicher Religionen in der
globalisierten Welt zum Miteinander verpflichtet sind. Wie in
anderen Bereichen lässt sich der Kardinal auch im Hinblick auf das
Gespräch mit dem Islam von einem großen Vordenker aus seinem Orden
inspirieren, dem ägyptischen Dominikaner P. Georges Anawati
(1905-1994), einer Schlüsselgestalt des christlich-islamischen
Dialogs.

Ein weiterer Akzent ist die starke Betonung der Dimension
"Weltkirche". So besuchte der Wiener Erzbischof 1998 das Wiener
Partner-Vikariat Daule in Ecuador, wo eine Gruppe von Priestern und
kirchlichen Mitarbeitern aus der Erzdiözese Wien tätig ist. Im
Februar 2000 ließ er sich weder durch die politischen Troubles in
Österreich noch durch die örtlichen Unruhen davon abhalten, in das
krisengeschüttelte Nigeria zu reisen. Auch im Sommer des Jahres 2002
war Kardinal Schönborn wieder in Afrika, um mehrere Diözesen in
Zambia zu besuchen. Auf Einladung des Apostolischen Nuntius in
Jakarta war der Wiener Erzbischof Ende Dezember 2004 in Indonesien -
gerade in jenem Augenblick, als der Raum des Indischen Ozeans von
der Tsunami-Katastrophe heimgesucht wurde.

Die Österreich-Besuche der Päpste Johannes Paul II. (1998) und
Benedikt XVI. (2007) bedeuteten Höhepunkte der bisherigen Amtszeit
Kardinal Schönborns. Im Juni 1998 war die Seligsprechung der
Märtyrerin Sr. Restituta Kafka, von P. Anton Maria Schwarz und Jakob
Kern bei der großen Messe auf dem Heldenplatz der zentrale
Augenblick, im September 2007 stand Mariazell als heimliche
"spirituelle Hauptstadt Österreichs" im Mittelpunkt.

Kardinal Schönborn ist in der katholischen Weltkirche "zu Hause"; in
erster Linie aber ist er - und das "mit Leidenschaft" - Erzbischof
von Wien, betont dazu sein Pressesprecher, Prof. Erich Leitenberger.

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100119_OTS0098/kardinal-schoenborn-wird-65
German Das „Gewissen Österreichs“: Kardinal Schönborn wird 65
Jan 27, 2010

Mit seinem 65. Geburtstag an diesem Freitag ist die Karriere des Wiener Erzbischofs und Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, sicher nicht vorbei. Erst vergangene Woche hatte ihn Papst Benedikt XVI. zu einer Privataudienz empfangen. In den Medien wird er immer wieder für den Präfektenposten der Glaubenskongregation gehandelt oder gar als „papabile“ - als möglicher Nachfolger von Benedikt.
Im Alpenland gilt der charismatische Geistliche als dialogfähig und beliebt, aber theologisch konservativ. Die „Kronenzeitung“ verlieh ihm jüngst den Titel „Das Gewissen Österreichs“ und illustrierte mit einer Reiseanekdote seinen „Schmäh“: Schönborn hastet als letzter Passagier in eine Austrian-Airlines-Maschine. „Eminenz ist an Bord“, strahlt die Flugbegleiterin. „Jetzt kann uns nichts mehr passieren.“ Schönborn reagiert mit sorgenvollem Blick: „Aber die Fluglotsen, die sind schon noch im Dienst?“
Der aus Böhmen stammende Österreicher war nach dem Abitur 1963 in den Dominikaner-Orden eingetreten und arbeitete fortan an seiner steilen Kirchen-Karriere. Er studiert in Bonn, Paris sowie Wien Theologie und lehrt lange an der katholischen Universität Fribourg. Durch seine Reiselust und die Herkunft aus einem alten Adelsgeschlecht, das in den vergangenen Jahrhunderten sieben Bischöfe und Kardinäle hervorbrachte, umweht ihn stets der Hauch des Kosmopolitischen.
Nach seiner Priesterweihe legt er 1970 ein Studienjahr beim späteren Papst, Joseph Ratzinger, in Regensburg ein, wo beide nicht nur wissenschaftlich, sondern auch menschlich eine Ebene gefunden haben sollen. 2005 gehört Schönborn dann auch dem Konklave an, das Ratzinger zum neuen Oberhirten der Katholiken macht.
Trotz seiner Nähe zum Vatikan scheut der als „Krisenmanager“ ins Amt des Erzbischofs gekommene Schönborn keine klaren Worte. Nach einem Kindesmissbrauchs-Skandal um seinen Amtsvorgänger Kardinal Groer entzieht er ihm 1998 öffentlich das Vertrauen und sagt, er sei zu der „moralischen Gewissheit“ gelangt, dass die Vorwürfe im Wesentlichen stimmen.
Sein konservatives Gesicht zeigt Schönborn wieder kurz nach der Papstwahl Ratzingers in einem Artikel in der „New York Times“, in dem er die vermeintliche Unterdrückung von Schöpfungsszenarien durch Mainstream-Naturwissenschaftler anprangert. Später stellt er aber klar, dass dies keine Ablehnung der Evolutionstheorie bedeute. 2008 kritisiert er, dass die europäischen Bischöfe das päpstliche Verbot der Empfängnisverhütung nicht strikt genug vertreten.
Im vergangenen Jahr erschüttert ein Konflikt um die Ernennung des ultrakonservativen Pfarrers Gerhard Wagner zum Linzer Weihbischof die österreichische Kirche. Der umstrittene Priester verzichtet, Schönborn gesteht Fehler der Kirche ein. Unter anderem deshalb machen die Gläubigen ihm nun zum 65. Geburtstag kein schönes Geschenk: Die Zahl der Kirchenaustritte in Österreich ist auf Rekordhoch, mit rund 53 000 Menschen kehrten 2009 fast ein Drittel mehr Gläubige der Kirche den Rücken als 2008. - dpa

http://www.pnp.de/nachrichten/artikel.php?cid=29-26794104&Ressort=pol&BNR=0
German Wien: Buch als "Festgabe" zu Kardinal Schönborns "65er" präsentiert
Jan 18, 2010
Neben dem Band "Entdeckung der Freundschaft" erscheint im "Herder"-Verlag auch eine große akademische Festschrift - Überreichung bei Vesper zum 65. Geburtstag des Wiener Erzbischofs im Stephansdom

Wien, 15.01.2010 (KAP) Der Freiburger Verleger Hermann Herder hat Kardinal Christoph Schönborn für die langjährige Verbundenheit und Zusammenarbeit mit dem Verlagshaus "Herder" gedankt. Schönborn sei - nach Theodor Innitzer und Franz König - bereits der dritte Wiener Erzbischof und Kardinal, mit dem er zusammenarbeite, sagte Herder am Donnerstagabend in Wien bei der Pressepräsentation des neuen "Herder"-Bandes "Entdeckung der Freundschaft". Das Buch ist eine Festgabe des "Internationalen Theologischen Instituts" (ITI) in Trumau/Niederösterreich an Kardinal Schönborn zu dessen 65. Geburtstag am 22. Jänner.

Der deutsche Verleger erinnerte an die Professorenzeit Schönborns in Fribourg. Damals habe er, Herder, den damaligen Dogmatikprofessor und jetzigen Wiener Erzbischof in der Schweizer Universitätsstadt besucht, um mit ihm über ein philosophisches Buchprojekt zu sprechen. Schönborn habe ihm damals die Schiene zu Hans Urs von Balthasar in Basel gelegt, von dem er dann ein großartiges Vorwort zu dem philosophischem Buch erhalten habe, so Herder.

Die am Donnerstag präsentierte "Festgabe" des ITI, für die 28 Freunde Kardinal Schönborns aus acht Ländern geschrieben haben, ist nicht das einzige Buch, das dem Wiener Erzbischof bei der großen Geburtstags-Vesper am 24. Jänner im Wiener Stephansdom überreicht wird: Ebenfalls im "Herder"-Verlag erscheint auch eine große akademische Festschrift, für die eine Reihe renommierter Theologen gewonnen werden konnten.

"Echte" und "falsche" Freundschaft

Der Wiener Arbeits- und Sozialrechtsprofessor Wolfgang Mazal sagte bei der Buchpräsentation, der Begriff "Freundschaft" im Thema des Buches verweise auf Bindung und auf den Menschen als Gemeinschaftswesen. In Österreich gebe es allerdings das Phänomen, dass "Freundschaft" auch negativ besetzt sei könne; Mazal erwähnte in dem Zusammenhang die Begriffe "Freunderlwirtschaft" und "Freundeskreise", die aktuell etwa in den Berichten über den "Hypo-Alpe-Adria"-Affäre zu finden seien.

Dazu komme die "Freunde"-Inflation im Facebook. Freilich - so Mazal - sollten Jugendliche wegen ihrer Facebook-Freunde nicht belächelt werden: "Auch dort ist wirkliche Freundschaft vorhanden, in dem Sinne, dass sich die Jugendlichen zu ihren Facebook-Freunden bekennen." Dieses "Einstehen für" zeichne echte Freundschaft aus. "Einstehen für" sei ein Wert, der fundamental für das Funktionieren der Gesellschaft sei. Dies werde am Problem des Rückgangs der Ehrenamtlichen - etwa in Rettung und Feuerwehren - sichtbar: "Der Trend geht dahin, dass nur mehr projektbezogene Zusammenarbeit, aber nicht mehr dauerhafte Bindung gefragt ist." Und auch die Ehe und der Priesterberuf litten unter dem Phänomen der Bindungsscheu, erinnerte der Wiener Sozialrechtler.

Unterschiedliche Traditionen zusammenführen

Der Dekan des ITI und Initiator des "Festgabe"-Buches, Bernhard Dolna, würdigte die Begabung Kardinal Schönborns, "Menschen, die ganz verschieden sind, zusammenzubringen". Der Wiener Erzbischof verkörpere damit auch eine alte Tradition des ehemaligen Vielvölkerstaates der Habsburger, der die unterschiedlichsten Völker vereint hatte.

Dolna betonte, dass das ITI auch auf diese Tradition aufbauen wolle. Als Beispiel nannte er die Gemeinschaft von Studenten und Priestern der ostkirchlichen und der westkirchlichen Tradition am neuen Campus in Trumau. Aufgegriffen werde vom ITI auch die Überlieferung der jüdischen Tradition - u.a. rabbinische Schriften -, weil es in den vergangenen 2.000 Jahren "nicht nur eine Geschichte der jüdisch-christlichen Divergenz, sondern auch des Austausches gab". Dolan verwies in diesem Zusammenhang auf den Beitrag des israelischen Rabbiners Alon Goshen-Gottstein für den "Festgabe"-Band.

Die einzelnen Beiträge des Buches fasste die Herausgeberin, die Juristin und Theologin Gudrun Kugler, zusammen. Die 28 Autoren kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen - von Journalistik über Wirtschaft, Informatik, Physik, Rechtswissenschaften, Theologie, Theater und Kunst bis zur Politik.
German "Die Pilger sollen geistlich begleitet werden"
Jan 08, 2010
Wortlaut des Interviews von "Vecernji list" (Zagreb) mit Kardinal Christoph Schönborn in Medjugorje.

Sie wären nach Medjugorje gekommen, um der Mutter des Herrn nahe zu sein, haben Sie, Eminenz, bei der Mitternachtsmesse gesagt. Diese Worte haben ein sehr großes Echo ausgelöst. Wie haben Sie das gemeint, Herr Kardinal?

Ich kann nicht übersehen, dass die vielen Menschen, die seit bereits 28 Jahren nach Medjugorje kommen, hier in besonderer Weise eine Nähe der Muttergottes erfahren.

Ich war selber vorher noch nie in Medjugorje. Aber ich habe durch viele Jahre, vor allem seit ich Bischof geworden bin im Jahr 1991, in Österreich, und speziell in unserer Diözese in Wien, ganz evidente Früchte gesehen. Ich nenne ein paar Beispiele, die für mich sozusagen handgreiflich sind.

Das sind etwa Priesterberufungen. Eine ganze Reihe unserer jungen Priester sind zu ihrer Priesterberufung vielleicht nicht ausschließlich, aber doch im Zusammenhang und zum Großteil durch Medjugorje gekommen.

Das Zweite sind die Bekehrungen. Mich fasziniert, wie das durch alle Bevölkerungsschichten geht: von hohen Adelsfamilien, über Industrielle, bis hin zu ganz einfachen Leuten. Bei meinem Flug über Zagreb nach Split hat mich der Sicherheitsbeamte in Wien gefragt, wohin ich fliege. Ich sagte ihm: "Ich fliege nach Split, und fahre dann weiter nach Medjugorje." Da hat er gestrahlt und sofort von seiner Bekehrung in Medjugorje angefangen zu erzählen. Vor einigen Wochen, auf einem kleinen österreichischen Bahnhof, hat der Bahnhofsvorstand mich erkannt und er begann mir sofort von seiner Geschichte zu erzählen: Seine Frau ist an Krebs gestorben. Er war verzweifelt. Freunde nahmen ihn mit nach Medjugorje, und seither hat er zu einem ganz lebendigen und freudigen Glauben gefunden.

Ein drittes Beispiel sind die Heilungen. Ich erinnere mich an einen schwer drogensüchtigen jungen Mann, der mir erzählte, wie ihn Freunde fast gezwungen haben, mitzukommen nach Medjugorje. Und er berichtete mir, wie der Bus nach  Medjugorje hereingefahren ist, hat er gespürt, wie etwas mit ihm geschehen ist. Er erfuhr, was sehr außergewöhnlich ist, fast momentan eine Heilung von der Drogenabhängigkeit, obwohl wir wissen, wie schwer es ist, von der Droge loszukommen.

Ein viertes Element: Das sind die Gebetsgruppen. Ich kenne die Medjugorje-Gebetsgruppe von Wien schon aus der Zeit, bevor ich Bischof wurde. Das muss schon Mitte der  achtziger Jahre gewesen sein. Uns Dominikanern ist auf jeden Fall aufgefallen, dass diese Menschen stundenlang beten und die Kirche immer voll ist. Die Dominikanerkirche in Wien ist selten voll. An diesen Donnerstagabenden war sie immer ganz voll. Und diese Treue der Menschen zum Gebet hat bis heute angehalten.

Also wenn ich das alles zusammen nehme, dann muss ich sagen: Jesus hat gesagt, ein schlechter Baum bringt keine guten Früchte. Wenn also die Früchte gut sind, dann muss wohl auch der Baum gut sein.

Die Pilger erwarten eine Botschaft vom Heiligen Stuhl, und Sie selbst haben gesagt, dass Medjugorje für Sie ein Wunder ist. Vor kurzem kündigte der Erzbischof von Sarajevo, Kardinal Vinko Puljic, die Gründung einer internationalen Kommission an, die das Phänomen überprüfen soll. Was wissen Sie darüber und wie blicken Sie auf diesen Wunsch nach Anerkennung der Ereignisse von Medjugorje?

Ich habe keine Detailkenntnis über diese Kommission, das ist auch nicht meine Aufgabe. Aber ich habe mich immer an die offizielle Position der ehemaligen Jugoslawischen Bischofskonferenz und der vatikanischen Glaubenskongregation gehalten. Diese Position habe ich immer für vernünftig, klug und mütterlich gehalten, also für eine weise Haltung der Kirche. Sie kennen diese Position, und ich erinnere noch einmal an die drei Aussagen über Medjugorje:

Die erste betrifft die Phänomene. Da ist die Position der Jugoslawischen Bischofskonferenz von 1991 und der römischen Glaubenskongregation eindeutig: "Non constat de supernaturalitate."

Ich bin selber Dogmatiker und war Professor für Dogmatische Theologie. "Non constat de supernaturalitate" heißt, die Kirche hat noch kein endgültiges Urteil über die Übernatürlichkeit der Phänomene ausgesprochen. Sie hat weder gesagt: "Constat de non supernaturalitate" noch hat sie gesagt: "Constat de supernaturalitate". Das heißt, sie hat weder die Übernatürlichkeit verneint, aber sie hat sie auch nicht bejaht. Das heißt im Klartext: Diese Phänomene sind noch nicht von der Kirche beurteilt worden, und ich denke persönlich, dass das auch richtig so ist. Aus einem ganz einfachen Grund: Solange die Phänomene andauern, wird die Kirche wohl schwerlich ein endgültiges Urteil abgeben.

Nun sind aber die Phänomene sicher der Ausgangspunkt von Medjugorje. Damit hat es begonnen, mit den Aussagen der Kinder, dass sie die Muttergottes gesehen haben, und mit den Botschaften, die die Kinder bekommen haben. Aber was sich dann entwickelt hat, ist ein zweites Phänomen, und damit befasst sich die zweite Aussage der jugoslawischen Bischöfe und der Glaubenskongregation. Da ist die Tatsache, dass von Anfang an unglaubliche Pilgerströme nach Medjugorje gekommen sind; dass sich ein intensives Gebetsleben entwickelt hat, dass viele soziale Werke hier entstanden sind, dass sich konkrete Formen der Wallfahrt herausgebildet haben. Und das stellt für die Kirche eine ganz praktische Herausforderung dar.

Deshalb haben schon die Bischöfe des ehemaligen Jugoslawiens im Jahr 1991 gesagt, dass es keine offiziellen Wallfahrten geben darf. Also kann ich nicht und habe es auch nicht vor, mit einer Diözesanwallfahrt nach Medjugorje zu gehen, wie wir das für Rom und das Heilige Land gemacht haben. Aber es ist nie verboten worden von der Bischofskonferenz oder von Rom, dass Pilger nach Medjugorje gehen.

Und hier bin ich bei der dritten Aussage. Und die scheint mir besonders wichtig zu sein für uns Bischöfe: Die Pilger sollen geistlich betreut, geistlich begleitet werden. Ich sehe meine Aufgabe als Erzbischof von Wien genau darin: Wenn ich als Bischof sehe, dass aus meiner Diözese Hunderte, Tausende Menschen nach Medjugorje pilgern, dass Gebetsgruppen entstehen, dass Priesterberufe kommen, dass Bekehrungen geschehen, dann muss ich als Bischof schauen, dass diese Pilger auch eine gute Begleitung haben. Deshalb habe ich in all den Jahren etwa die "Oase des Friedens" unterstützt, eine Gebetsgemeinschaft in Wien, die aus Medjugorje entstanden ist, oder die Arbeiten von Seminaristen, die sie über Medjugorje geschrieben haben.

Ich denke, das betrifft uns Bischöfe aus der ganzen Welt, wo Pilger nach Medjugorje pilgern: dass sie eine gute pastorale Begleitung haben. Und dazu habe ich auch immer Bischöfe ermutigt in den Diskussionen über Medjugorje: Bitte begleitet gut die Pilger!

Sie sind persönlich den Sehern begegnet. Sie waren auf dem Erscheinungsberg und auf dem Kreuzberg. Wie waren Ihre Eindrücke?

Ich würde mit ein wenig Humor sagen: die Muttergottes hat sich nicht die einfachsten Berge ausgesucht. Wie ich aber immer wieder betont habe, fasziniert mich an Medjugorje die Kohärenz mit anderen großen Marienorten. Ich habe immer wieder gesagt, dass es so etwas wie eine "Grammatik der Marienerscheinungen" gibt, einen gewissen Stil, der offensichtlich mit der Muttergottes selber etwas zu tun hat. Ich nenne nur drei Elemente:

Fast immer richten sich Marienerscheinungen an Kinder. Das sind keine superbegabten oder besonders fromme, sondern ganz gewöhnliche Kinder. Bernadette konnte nicht lesen und schreiben. Sie war 14 Jahre alt. Das ist ähnlich hier.

Das Zweite: Maria gibt Botschaften durch Kinder. Das ist für manchen Bischof vielleicht ein bisschen kränkend. Warum kommt die Muttergottes nicht ins Haus des Bischofs? Warum kommt sie auf einen steinigen Berg oder in eine Grotte neben einem Fluss oder ins Gestrüpp, wie in Fatima? Das ist doch ganz unpraktisch. Und sie gibt Botschaften durch Kinder, weil die Kinder offenbar unkompliziert sind.

Und als drittes Element: Wenn Maria erscheint, hat sie offenbar ein Programm damit. In Fatima erscheint sie vor der russischen Revolution und hat eine Botschaft für Russland. In Lourdes erscheint sie in einem Moment, wo der Rationalismus an einem Höhepunkt ist. In Medjugorje erscheint sie in der kommunistischen Zeit, in einem Moment, als man noch nicht ahnen konnte, dass Jugoslawien zerbrechen wird, an einem Ort, wo Katholiken, Orthodoxe und Muslime noch zusammenlebten. Und sie zeigt sich uns unter dem Namen "Königin des Friedens". Fast genau zehn Jahre später bricht der erste der vier Balkankriege aus. Ihre Botschaft ist Frieden durch Versöhnung und Gebet. Das hat doch eine starke Glaubwürdigkeit. Wir könnten jetzt noch weiter zurückgehen nach Guadalupe in Mexiko, als die spanische Eroberung in Amerika begann. Die Muttergottes erschien dort einem Indio, und dieser Mann musste zum Bischof gehen und ihm sagen, was er tun soll. Dasselbe ist an anderen großen Marienwallfahrtsorten zu beobachten: Die Menschen kommen in großer Zahl und es wird ein Zentrum des Friedens und der Inkulturation. Ich denke, die Theologen müssten genauer die Grammatik, die Syntax der Marienerscheinungen studieren und in diesem Kontext auch das ganze Phänomen Medjugorje betrachten.

In Medjugorje wird unermüdlich um den Frieden gebetet. Aber in Bosnien und Hercegovina, wo die Kroaten und Katholiken die kleinste Gruppierung darstellen, gibt es viele Probleme. Was würden Sie den Politikern und der internationalen Gemeinschaft raten, deren Vertreter jetzt Valentin Inzko ist?

Das Problem ist, dass sehr viele Kräfte hier herein spielen, und dass es einem kleinen Land wie Bosnien und Hercegovina schwer fällt, die internen Probleme ungestört zu lösen.

Eines ist sicher: Dauernden Frieden gibt es nur bei einer gerechten Ordnung. Und das ist eine Herausforderung jetzt speziell für die europäische Politik. Ich habe vor kurzem mit Valentin Inzko gesprochen und bin sehr froh, dass er diese Aufgabe hat, und hoffe auch, dass er die Unterstützung der Europäischen Union bei seiner Aufgabe bekommt. Ich bin mir sicher, dass das, was hier in Medjugorje geschieht, zum Frieden beiträgt, schon ganz praktisch deswegen, weil Menschen aus der ganzen Welt hierher ins Herz der Hercegovina kommen.

Wenn ich es humorvoll sagen darf: So bekannt war die Hercegovina noch nie in der ganzen Welt. Wer hat in Korea von der Hercegovina gewusst? Aber schauen Sie, wie viele Koreaner nach Medjugorje kommen. Das ist eine Hoffnung, dass diese Menschen auch Botschafter in ihren Ländern sind für die Friedenssehnsucht von Bosnien und Hercegovina.

Und ein Zweites: Ich glaube, wenn an einem Ort so viel für den Frieden gebetet wird, dann ist das sicher auch ein großer Segen für das ganze Land.

Und ein Drittes: Die "Kraljica mira", die Königin des Friedens, wird hier in allen drei Religionen verehrt. Die Orthodoxen haben eine lange Tradition der Marienverehrung. Und der Islam kennt kaum eine andere Gestalt der christlichen Tradition, die so verehrt wird wie Maria. Und für die Katholiken, gerade für die kroatische Minderheit in diesem Land, ist es ein großer Trost, dass Maria ihnen in besonderer Weise nahe ist. Maria ist wohl wie keine religiöse Gestalt völkerverbindend. Ich denke, da gibt es niemand Vergleichbaren.

http://stephanscom.at/edw/reden/0/articles/2010/01/07/a17923/
English Medjugorje bishop regrets visit by Austrian cardinal
Jan 08, 2010

The bishop of the local Mostar-Duvno diocese has issued a statement expressing concern about statements issued by Cardinal Christoph Schönborn during a visit to Medjugorje last week and emphasizing that the cardinal’s visit “does not imply any recognition of the authenticity of the ‘apparitions’ related to Medjugorje.”

Bishop Ratko Peric has released an English-language translation of his statement, noting that he has expressed his concerns directly to Cardinal Schönborn in a private letter. In response to the cardinal's observation that Medjugorje has a flourishing sacramental life, the local bishop notes that the same active sacramental life is visible throughout the diocese. Bishop Peric rejects the idea that the large number of confessions heard by priests at Medjugorje suggests that the apparitions are authentic. "According to this conclusion on the number of confessions, Our Lady would then be appearing in all our parishes," he says.

Bishop Peric-- who has repeatedly warned against the dangers of “the Medjugorje phenomenon” and strongly discouraged confidence in the alleged apparitions—complained that the visit by Cardinal Schönborn had caused new pastoral problems for his diocese. Citing a list of conflicts and irregularities arising from the activities of the alleged seers and their supporters, Bishop Peric voiced “regret” that the Austrian cardinal’s appearance had lent new credibility to their claims.

In an interview released by the press office of his Vienna archdiocese, Cardinal Schönborn pointed out that he had never directly addressed the authenticity of the reported apparitions, leaving that question open during his “private” visit to Medjugorje. He said that he would await the judgment of the universal Church, and meanwhile respected the prudence of the demands for caution released by the bishops of the region.

Cardinal Schönborn said that in his public remarks he had stressed the need to weave the “Medjugorje phenomenon” into the normal life of the local Church. He said that the spiritual vigor he saw in the town was not due to any single event, but rather to the regular use of the sacraments and intense prayer.

However, the Austrian cardinal did repeat his observation that “good fruits” have been produced by the Medjugorje phenomenon; he cited in particular a home for recovering drug addicts. Cardinal Schönborn also noted that the reported apparitions of the Virgin Mary at Medjugorje conform to the pattern of other apparitions approved by the Church, such as those of Lourdes and Fatima, where the Blessed Virgin made her appearance in an impoverished country, to simple young people, and delivered a straightforward message encouraging prayer and devotion to the Gospel.

http://www.catholicculture.org/news/headlines/index.cfm?storyid=5068
French Un évêque critique la visite à Medjugorje de l'archevêque de Vienne
Jan 08, 2010

L'évêque de Mostar a critiqué dimanche la visite fin décembre du cardinal-archevêque de Vienne au lieu de pèlerinage de Medjugorje, dans le sud de la Bosnie-Herzégovine, théâtre pour de nombreux catholiques d'apparitions miraculeuses que le Vatican ne reconnaît pas.

Dans un communiqué, l'évêque Ratko Peric estime que la visite "privée" du cardinal Christoph Schönborn à Medjugorje et les déclarations qu'il a faites à cette occasion ont nui à la "paix" et à "l'unité" des catholiques locaux.

"Je regrette que le cardinal ait ainsi ajouté (...) aux tourments déjà existants de l'Eglise locale de nouveaux tourments qui ne contribuent pas à sa paix indispensable et à son unité", déclare l'évêque de Mostar, dans le diocèse duquel se trouve Medjugorje.

"Je souhaite dire aux fidèles que la venue et les activités publiques du cardinal Christoph Schönborn ne signifient pas une reconnaissance de l'authenticité des 'apparitions' de Medjugorje", ajoute Mgr Peric.

Le cardinal Schönborn, réputé proche du pape Benoît XVI, est arrivé le 28 décembre à Medjugorje pour une visite "privée". Il y a passé plusieurs jours et a notamment prononcé un discours devant des pèlerins dans une église.

Un grand nombre de catholiques croient que la Vierge est apparue à six enfants sur une colline qui surplombe Medjugorje le 21 juin 1981 pour la première fois et que les apparitions se poursuivent depuis.

Bien que le Vatican ne reconnaisse pas de miracle à Medjugorje, le petit village est devenu un site important de pèlerinage, et des fidèles de tous les parties du monde continuent à s'y rendre.

Dans son communiqué, l'évêque de Mostar se déclare préoccupé par les "abus" de certains prêtres franciscains de Medjugorje qui échappent à la hiérarchie de l'Eglise et exercent toujours leur sacerdoce bien qu'ils aient été révoqués par le Vatican.

Pour Mgr Peric, la visite du cardinal Schönborn "pourrait s'expliquer comme un soutien (...) à un grand nombre de nouvelles communautés et associations religieuses désobéissantes de Medjugorje, qui peuvent 'lire' dans la visite du cardinal un encouragement à leur désobéissance".

http://www.la-croix.com/afp.static/pages/100103190429.iek2tpv2.htm
German Schönborn: "Religionsfreiheit ist das grundlegende Menschenrecht"
Dec 19, 2009
Wiener Erzbischof verwies bei traditionellem Medienempfang auf Problem der weltweiten Christenverfolgung - Einladung an die Medien zu "Allianzen in wechselseitigem Respekt"
12.12.2009

Wien, 12.12.2009 (KAP) "Die Religionsfreiheit ist das grundlegende Menschenrechte". Dies betonte der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, anlässlich des internationalen "Tages der Menschenrechte" bei der traditionellen Adventbegegnung mit Medienschaffenden und Journalisten am Donnerstagabend im Wiener Franziskanerkloster. Dabei seien es "gerade Christen, denen in nicht wenigen Weltgegenden dieses Grundrecht vorenthalten wird", hieß es in den Grußworten, die der Superior von Mariazell, P. Karl Schauer, in Vertretung des erkrankten Kardinals verlas. Zugleich verband Kardinal Schönborn den Hinweis auf die anhaltende Christenverfolgung mit der Bitte, diesem Thema in den Medien einen breiten Raum zu geben.

Kardinal Schönborn wörtlich: "Ich habe immer wieder Delegationen aus Ländern zu Gast, wo die Religionsfreiheit nicht gewährleistet ist. Die Berichte dieser Delegation erfüllen jeden mit Rauer und Wehmut, weil es nach den grausamen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts immer noch möglich ist, dass Menschen wegen ihrer Glaubensüberzeugung verfolgt werden".

Weiters erinnerte Kardinal Schönborn an den Wiener Diözesanprozess "Apostelgeschichte 2010", der im Oktober mit einer Diözesanversammlung einen ersten Höhepunkt erlebt hat. Der Prozess stelle einen Versuch dar, "gerade mit den suchenden Menschen von heute ins Gespräch über Gott und die Welt, über die Grundfragen nach woher, wohin und wozu des Lebens zu kommen". Dabei gehe es der Kirche vor allem um das Gelingen von Kommunikation.

Schließlich rief der Wiener Erzbischof die versammelten Medienschaffenden auf, als "Fachleute der Kommunikation" neue "Allianzen in großem wechselseitigen Respekt" mit der Kirche zu suchen, um so "miteinander etwas zu tun, was dem Wohl der Menschen dient".

Religion im ORF: "wichtiger Stellenwert"

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz betonte den hohen Stellenwert, den die Religionsberichterstattung im ORF-Programm genieße. Trotz Sparmaßnahmen und anstehender Strukturveränderungen werde die Religion "in den Programmen des Österreichischen Rundfunks auch zukünftig einen wichtigen Stellenwert" haben, so Wrabetz wörtlich.

In einem kurzen Rückblick auf das vergangenen Jahr ließ Wrabetz außerdem religiöse Programmhöhepunkte Revue passieren, darunter etwa den Besuch Papst Benedikts XVI. im Heiligen Land sowie in Tschechien. Beiden Ereignissen hatte der ORF eine ausführliche Berichterstattung gewidmet. Für das kommende Jahr kündigte der Generaldirektor u.a. Schwerpunkte zu Mutter Teresa, Hildegard Burjan und den Wiener Piaristenpater Hartmann Thaler an.

Von den Fortschritten bei der Renovierung der Whöckerl-Orgel, der ältesten Orgel Wiens, berichtete der Guardian des Franziskanerklosters, P. Gottfried Wegleitner. Die Orgel aus dem Jahr 1642 wird derzeit mit großem Aufwand restauriert. Die Kosten für die Restaurierung betragen über eine Million Euro. Sie werden u.a. durch Förderzuschüsse von Bund, Gemeinde Wien, den Franziskanerorden sowie durch private Spenden finanziert.

Den Auftakt zur heurigen Adventbegegnung bildete eine Gottesdienst in der Franziskanerkirche mit Bischofsvikar P. Amadeus Hörschläger und P. Gottfried Wegleitner.
German Kardinal Schönborn über Erbsünde und Freiheit
Dec 11, 2009

Wie kann etwas, das ich nicht getan habe, für mich zur Schuld werden, wie kann es eine erbliche Schuld geben? Mit dieser Frage beschäftigte sich Kardinal Christoph Schönborn im dritten Teil seiner Katechesenreihe "Bescheid wissen über den Glauben".

In seiner Katechese am Sonntag, 6. Dezember 2009, setzte sich Kardinal Christoph Schönborn, anhand des Katechismus mit dem Thema Erbsünde auseinander. "Dass es das Böse gibt, wird man kaum leugnen können. Wie ist das aber vereinbar mit dem guten Gott? Gott ist unendlich gut, seine Werke sind gut, und doch entgeht niemand der Erfahrung des Leides?", so der Wiener Erzbischof zu Beginn. Das Böse teile sich in zwei Kategorien. Einerseits gebe es die elementare Form des natürlichen Übels und andererseits das Problem des sittlich Schlechten.

Das Böse ist die Ablehnung Gottes

"Wir müssen, wenn wir die Frage nach dem Bösen stellen, die Frage nach dem stellen, der es überwunden hat", so Kardinal Schönborn. In der Geschichte des Menschen sei die Sünde gegenwärtig. Doch Erklärungsversuche wie die des Naturalismus oder des Bösen als Illusion, wie in den östlichen Religionen, würden zu kurz greifen. "Um zu verstehen, was die Sünde ist, muss man zunächst den tiefen Zusammenhang des Menschen mit Gott betrachten. Sonst wird das Böse nicht entlarvt, nicht als Ablehnung Gottes, als Widerstand gegen ihn erkannt. Das Böse ist wirksam, auch wenn es geleugnet wird. Es zieht seine Spuren im Leben und in der Geschichte des Menschen." Deshalb gelte es auf die Antworten der Bibel zu schauen.

Sünde ist Erbsünde

Die Versuchung sei groß die Schuld für die Sünde bei der Gesellschaft zu suchen, doch Sünde habe immer auch mit Freiheit zu tun, die Gott seinen vernunftbegabten Geschöpfen gibt, damit sie einander lieben können, so Kardinal Schönborn. "Die Offenbarung des sittlich Bösen ist ein langer Weg und erst mit Christus wird offenbar, was es wirklich mit dem Bösen auf sich hat. Man muss Christus als Quell der Gnade kennen, um Adam als Quell der Sünde zu kennen. Der Heilige Geist offenbart, wer von der Sünde erlöst." Die Lehre von der Erbsünde sei die Kehrseite der frohen Botschaft, dass Jesus der Retter aller Menschen ist, dass alle Menschen des Heils bedürfen, das Dank Christus angeboten wird.

Wissenschaft und Erbsünde

"Wie soll man als vernünftiger Mensch des 21. Jahrhunderts glauben, dass Adam und Eva gesündigt haben? Eine Sünde von Generation zu Generation?", fragt Kardinal Schönborn. Eines könne man mit Gewissheit sagen, wo der Mensch beginne, beginne die Freiheit vom Geist. "Vom Menschen können wir also erst sprechen, wo es Freiheit gibt, und wo es Freiheit gibt, gibt es Entscheidung. Und irgendwann in der Geschichte muss es den Zeitpunkt gegeben haben, den wir wohl nie werden datieren können, wo wir sagen müssen, hier ist menschliche Geschichte, hier ist Freiheit." Der Mensch müsse sich in seiner Freiheit bewähren, die Freundschaft Gottes könne nur in der freien Unterordnung zu Gott leben und hier stelle der Baum der Erkenntnis eine sinnbildliche Grenze da, die der Mensch anerkennen müsse.

Ablehnung der Gebrauchsanweisung

Die Ursünde, die erste Sünde, das sei ein "Vertrauensbruch", so Kardinal Schönborn: "Der Mensch missbrauchte seine Freiheit und gehorchte Gottes Plan nicht." Das Misstrauen gegenüber Gott sei möglich, weil der Mensch sich selbst Gott vorgezogen habe und das bleibe das Grundmuster der Sünde. "Wer sich selbst an erste Stelle stellt, vergisst, dass er Geschöpf ist und nicht an erster Stelle steht." Die beste Definition von Erbsünde habe er von einem Ingenieur gehört: Die Erbsünde ist die Ablehnung der Gebrauchsanweisung, erzählt der Wiener Erzbischof. "Gott hat uns eine Gebrauchsanweisung gegeben, wir haben sie abgewiesen und wundern uns, dass es nicht funktioniert und beschuldigen den Produzenten, dass er es schlecht gemacht hat."

Die Menschheit ist eine Familie

"Doch wie kann die Sünde Adams zur Sünde aller geworden sein? Die jüdisch-christliche Überzeugung ist, dass die Menschheit eine Familie ist. Das ist das Argument gegen den Rassismus. Wegen dieser Einheit sind alle in die Erbsünde verstrickt, wie wir auch alle in die Gerechtigkeit Christi eingebunden sind. Natürlich können wir alle dieses Geheimnis der Erbsünde nicht ganz verstehen, aber wir wissen durch die Offenbarung, dass unserer Stammeltern ihre Heiligkeit, ihre Gnaden nicht für sich alleine, sondern für die ganze Menschheit bekommen haben", betont Kardinal Schönborn.

Erbsünde ist ein Zustand

"Die Erbsünde ist ein Zustand, keine persönliche Tat", so der Kardinal. Der Mensch sei ein Mangelwesen, die Taufe aber tilge die Erbsünde und richte den Menschen wieder auf Gott hin aus. "Die Menschen aber bleiben verpflichtet zum Kampf gegen das Böse, die Neigung zum Bösen bleibt ein Leben lang. Die gesamte Geschichte der Menschen durchzieht ein hartes Ringen gegen die Mächte der Finsternis. Der Mensch kann nicht ohne große Anstrengung mit sich in Gottes Gnadenhilfe die Einheit erlangen. Warum aber hat Gott den ersten Menschen nicht daran gehindert zu sündigen?", fragt Kardinal Schönborn. Gott lasse das Böse nur zu, um etwas Besseres daraus entspringen zu lassen. "Wo die Sünde mächtig wurde, ist die Gnade übergroß geworden."

Die nächste Katechese findet am Sonntag, 10. Jänner 2010, statt und wird sich mit dem Thema "Jesus und das Judentum" beschäftigen.

http://stephanscom.at/news/0/articles/2009/12/07/a17797/
German Kardinal Schönborn: Jeder zehnte Christ weltweit verfolgt
Nov 29, 2009
27.11.2009 | 09:18 |   (DiePresse.com)

In rund 50 Ländern müssten mehr als 250 Millionen Christen täglich mit Verfolgungen leben. Glaubensverfolgung sei vor allem Christenverfolgung.

"Fragen Sie, wie es einem Christen bei uns ergeht, der Muslim wird. Und stellen Sie die Gegenfrage: Wie geht es in islamischen Ländern einem Muslim, der Christ wird?": Diesen "einfachen Test" stellte Kardinal Christoph Schönborn. Er hat seine tiefe Sorge über die schlechte Lage von Christen ausgedrückt. Jeder zehnte Christ weltweit werde wegen seines religiösen Bekenntnisses diskriminiert und verfolgt. so Schönborn. "Warum wird darüber so wenig berichtet?", fragte der Wiener Erzbischof am Freitag in seiner Kolumne in der Wiener Gratiszeitung "Heute".

In rund 50 Ländern müssten mehr als 250 Millionen Christen täglich mit Verfolgungen leben, schreibt Schönborn unter Berufung auf die neuesten Zahlen, die von der ökumenischen Organisation "Christian Solidarity International" (CSI) präsentiert worden sind. Die Christen seien "die weltweit größte Gruppe der aus religiösen Gründen Verfolgten", so der Menschenrechtsbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Günter Nooke, wie der Kardinal unterstreicht. Besonders betroffen seien die Christen in den islamisch beherrschten Ländern.

Laut dem Generalsekretär der österreichischen CSI-Sektion, Werner Frühwirth, sind 80 Prozent aller wegen ihrer Religionszugehörigkeit verfolgten Menschen Christen. Die Zahlen belegten, "dass Glaubensverfolgung vor allem Christenverfolgung ist". Das Hilfswerk "Kirche in Not" hat insbesondere auf die dramatische Situation der christlichen Minderheiten im Irak, in Saudi-Arabien, in Pakistan und dem Iran hingewiesen. Auch abseits von Gewaltakten gebe es eine große Fülle von Diskriminierungen. Im Irak wurden seit der US-Invasion 2003 zahlreiche Geistliche ermordet, wie der entführte chaldäisch-katholische Erzbischof von Mossul, Paulos Faraj Rahho, dessen Leiche auf einer Müllhalde gefunden wurde.
German Kardinal Schönborn: Jugend soll "lästige Fragen stellen"
Nov 22, 2009

Kardinal Schönborn wünscht sich eine Jugend, die der Gesellschaft und der Kirche "lästige Fragen" stellt. Junge Menschen sollten "nicht vor jedem Schlagwort in die Knie gehen und sich nicht mit schnellen Antworten zufrieden geben."

Grundsätzlich sei es gut, dass es in der Gesellschaft noch "Reibebäume" wie die Kirche gebe, betonte der Wiener Erzbischof und Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz in einem Interview mit den "Salzburger Nachrichten" am Donnerstag, 12. November 2009. "Wir leben in einer 'Soft Society', in der alles 'soft' sein muss, die Politik, die Wirtschaft. Und da gibt es eine Einrichtung, die sagt: Du sollst oder du sollst nicht". Für nicht wenige sei das ein "Skandal". Doch das Maß der Aufregung darüber sei an und für sich ein gutes Zeichen, so Kardinal Schönborn: "Ich würde mich viel mehr vor einer Gesellschaft fürchten, in der man sich über nichts mehr aufregt."

Junge Menschen fragen nach dem Sinn

Der Kardinal zeigte sich überzeugt, dass bei vielen jungen Menschen im Hintergrund religiöse Fragen eine große Rolle spielen. Dabei gehe es aber um die persönlichen Fragen nach dem Sinn des Lebens und nicht um den Glauben, den man in vorgefassten Kirchenformen erlebt. Entscheidend sei daher nicht so sehr, ob die "Institution" Kirche Antworten auf die Lebensfragen der Menschen heute hat, sondern ob die einzelnen Christen solche Antworten haben.

Ausdrücklich empfahl Kardinal Schönborn den Jugendlichen, die Bibel zu lesen: "Die Bibel ist das spannendste Psychologiebuch der Welt. Weil die Bibel ein Lebensbuch ist. Es sind alle Dramen des Lebens vorhanden - von Mut bis Niederlagen." Kritisch stellte er fest, "dass unser Religionsunterricht scheinbar die Fähigkeit verloren hat, junge Menschen für diese Aspekte zu begeistern.

"Religionsfreiheit ist positives Recht"

In einem Interview für die aktuelle Ausgabe des Nachrichtenmagazins "News" nahm Kardinal Schönborn zum Kreuz-Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte Stellung: Die Befürworter des Kreuz-Verbots könnten sich nicht auf die Menschenrechte berufen, betonte der Kardinal: "Das grundlegende Menschenrecht der Religionsfreiheit ist ein positives Recht; es umfasst insbesondere das Recht, allein und in Gemeinschaft, auch im öffentlichen Raum, seinen religiösen Glauben zu bezeugen." Die Formulierung des Europäischen Gerichtshofs erinnere hingegen an sowjetische Vorstellungen, wonach Religionsfreiheit als "Freiheit von Religion" zu interpretieren sei. Das Kreuz belästige niemanden und stelle auch keinen Machtanspruch dar. Es sei vielmehr das Zeichen, "dass die Liebe stärker ist als der Tod, die Gewaltlosigkeit stärker als die brutale Machtausübung", hob der Kardinal hervor.

Urteil wird instrumentalisiert

Zugleich müsse man aber auch vorsichtig sein, dass das Kreuz nicht zum bloßen "Kultur-Logo" entkräftet wird, erinnerte Schönborn an die mahnenden Worte des evangelischen Bischofs Michael Bünker. Und der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld habe deutlich gemacht, dass es in der aktuellen Debatte letztlich nicht um Kreuze in Klassenzimmern gehe sondern um die Verdrängung der Religion aus dem öffentlichen Raum. "Da müssen alle Christen miteinander Nein sagen, weil sie ja in die Gesellschaft hineinzuwirken haben", so Kardinal Schönborn.

http://stephanscom.at/news/0/articles/2009/11/12/a17637/
German 'Keine Frage des Menschenrechts': Kardinal Schönborn spricht Klartext zum Kreuz-Streit
Nov 22, 2009
Österreichs Bischöfe sind unruhig. Weil, ausgelöst vom Urteil des Europäischen Gerichshofs für Menschenrechte in Straßburg, wonach Kreuze in Italiens Schulklassen gegen das Recht auf Religionsfreiheit verstoßen, die Debatte auch in der Republik vehement losgebrochen ist. Vor allem durch den „Bund der Freidenker“ und die Grünen. St. Pöltens Bischof Klaus Küng fragt: „Wo will man aufhören? Wann wird man beginnen, die Kirchen zu entfernen?“ Christoph Kardinal Schönborn, Chef der Bischofskonferenz, nimmt im NEWS-Interview in aller Schärfe Stellung: Das Urteil von Straßburg erinnere ihn an postsowjetische Zustände, würde politisch sicher instrumentalisiert und schade insgesamt Europa.

NEWS: Eminenz, haben Sie Sorge, dass die Kruzifix-Frage auch auf Österreich überschwappt, durch Klagen, wie sie da und dort schon angekündigt worden sind? Wenn ja, welche Chancen hätten diese? Schönborn: Der inakzeptable Spruch des Menschenrechtsgerichtshofs hat sowohl in der Politik als auch bei den Bürgern negative Reaktionen ausgelöst. Zudem, die Präsenz des Kreuzes ist in den österreichischen Schulen eindeutig geregelt: durch das Religionsunterrichtsgesetz und durch das Konkordat, ein internationaler Vertrag zwischen der Republik und dem Hl. Stuhl; niemand wird ernsthaft daran rütteln wollen.

NEWS: 77 Prozent der Österreicher stellen sich ausdrücklich gegen das Urteil des Menschenrechtsgerichtshofes. Aber immerhin 23 Prozent sind für das Kreuz-Verbot. Welchen Schluss ziehen Sie daraus?
Schönborn: Eine klare Mehrheits - feststellung, nur eine Minderheit will das Kreuz nicht im öffentlichen Raum sehen.

NEWS: Menschenrechte werden ins Treffen geführt … Schönborn: Die Befürworter des Kreuz-Verbots können sich nicht auf die Menschenrechte berufen. Das grundlegende Menschenrecht der Religionsfreiheit ist ein positives Recht; es umfasst insbesondere das Recht, allein und in Gemeinschaft, auch im öffentlichen Raum, seinen religiösen Glauben zu bezeugen. Die Formulierungen der Straßburger Richter erinnern an sowjetische Vorstellungen: Dort wurde Religionsfreiheit als „Freiheit von Religion“ interpretiert!

NEWS: Kann das Kruzifix im öffentlichen Raum überhaupt eine Person in ihren Grundrechten einschränken? Ist das konkret messbar, feststellbar? Und ist das Kruzifix nicht auch Symbol von Identität – eines Volkes, eines Staates?
Schönborn: Das Kreuz belästigt niemanden. Es stellt keinen Machtanspruch. Es ist vielmehr das Zeichen, dass die Liebe stärker ist als der Tod, die Gewaltlosigkeit stärker als die brutale Machtausübung. Es ist auch ein Hinweis darauf, dass es jenseits aller Regeln und Gesetze der Menschen noch eine höhere barmherzige Instanz gibt. Auf diesem Symbol beruht die europäische – und damit auch die österreichische – Identität. Aber man muss mit der Feststellung, dass das Kreuz auch ein kulturelles Zeichen ist, vorsichtig umgehen. Da bin ich ganz beim evangelischen Bischof Michael Bünker, wenn er meint, dass das Kreuz nicht zu einem „Kultur-Logo“ werden darf, weil es damit „entkräftet“ würde. Ich zitiere zugleich einen unverdächtigen Zeugen, den reformierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld. In der reformierten Kirche gibt es bekanntlich keine Kruzifixe. Er hat sehr deutlich erkannt, dass es in der aktuellen Debatte letztlich nicht um das Kreuz im Klassenzimmer geht, sondern um die Verdrängung der Religion aus dem öffentlichen Raum. Da müssen alle Christen miteinander Nein sagen, weil sie ja in die Gesellschaft hineinzuwirken haben.

NEWS: Der Vatikan ist „erzürnt“, der Papst, die Bischöfe, warnen schon länger vor der „Verdunstung des Glaubens“ in Europa. Befördert das Straßburger Urteil diese beklagte Verdunstung?
Schönborn: Man soll nichts übertreiben. Das Straßburger Urteil ist inakzeptabel, aber es erschüttert die Kirche nicht in ihren Grundfesten. Zweifellos gibt es in der Kirche in Europa krisenhafte Erscheinungen, aber es gibt auch vielversprechende neue Entwicklungen. Es ist ein Umbruch: Vertrautes verschwindet, das ist auch eine Frage des Loslassenkönnens, neue Initiativen entstehen, in denen die Kirche ein sehr junges Gesicht zeigt.

NEWS: Wird Europa und damit auch der EU durch dieses Urteil nicht ein Bärendienst erwiesen, durch Erkenntnisse, die offenbar gegen die Bevölkerungsmehrheit gehen?
Schönborn: Ja, man muss sagen, dass der Menschenrechtsgerichtshof durch sein Urteil der Sache Europas keinen Dienst getan hat. Auf der psychologischen Ebene sind viele Menschen verunsichert und fragen sich, wohin die Reise gehen soll. Und Politiker, die gegen das Projekt Europa agitieren, werden das Straßburger Urteil für ihre Zwecke instrumentalisieren.

http://www.news.at/articles/0946/6/255345/keine-frage-menschenrechts-kardinal-schoenborn-klartext-kreuz-streit
German Kardinal fürchtet um seine Pfarren
Nov 16, 2009
- Auflösungen nicht ausgeschlossen.
- Kirchen sollen von anderen Gemeinden genutzt  werden

Wien. Kardinal Christoph Schönborn ist verzweifelt. Angesichts schrumpfender Mitgliederzahlen in der katholischen Kirche – nicht einmal jeder zweite Wiener ist römisch-katholisch – schließt der Erzbischof die Auflösung von manchen Wiener Pfarren nicht mehr aus. "Ich habe bisher immer gesagt, wir geben keine Pfarre auf. Ich weiß aber nicht, ob das in Zukunft möglich sein wird", sagte Schönborn in einer Pressekonferenz anlässlich der ersten Wiener Diözesanversammlung.

Die Zahl der aktiven Katholiken "schrumpft", deshalb ist sich Schönborn nicht sicher, ob alle 660 Pfarren der Erzdiözese Wien auch in Zukunft zu halten sein werden. Sollte es zu Auflösungen kommen, könnten die dortigen Rektoratskirchen (Kirchen ohne eigene Pfarre) an andere christliche Gemeinden übergeben werden. So wurde zum Beispiel der mazedonisch-orthodoxen Gemeinde eine Kirche zur Verfügung gestellt. Ähnliches könnte sich der Kardinal auch für die Serbisch-Orthodoxen vorstellen. Für die rund 200.000 Serben in Wien stehen derzeit nur zwei Gotteshäuser zur Verfügung.: "So wächst die Weltkirche ganz konkret zusammen."

Treffen als Wendepunkt

Seit Donnerstag diskutieren rund 1200 Pfarrer, Ordensleute und Laien über die Zukunft der Diözese Wien. Dabei gehe es "primär um die Begegnung untereinander und die Begegnung mit dem Herrn", so Schönborn. Der Kardinal erhofft sich von dem Treffen Signalwirkung: "Wenn eine Gemeinschaft in eine Krise gerät, kann es zu einer Spirale der Resignation kommen. Es gibt dann den Wendepunkt der Hoffnung, an dem sich die Mentalität ändert."

http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=3941&Alias=wzo&cob=446306
German Predigt bei der Diözesanversammlung
Nov 02, 2009
Wortlaut der Predigt von Kardinal Schönborn beim Gottesdienst bei der ersten Diözseanversammlung am Freitag, 23. Oktober 2009 im Stephansdom.

Lesung: Röm 7,18-25a, Evangelium: Lk 12,54-59

Gelobt sei Jesus Christus!

Liebe Delegierte, liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste!

Fangen wir gleich mit dem Unangenehmen an - es ist die Lesung und das Evangelium des heutigen Freitags. Jesus bezeichnet die Leute, die Menge, als “Heuchler“. Wen meint er damit?  Die anderen oder uns? Die „Leute“ oder auch uns? Er nennt sie Heuchler! Vielleicht nennt er uns Heuchler? Uns bezeichnet man gerne – ich spreche jetzt von den Kerngemeinden - uns bezeichnet man gerne als Heuchler: „Kerzerlschlucker“, Wasser predigen und Wein saufen! Bigottisch, kurz um: katholisch.

Ja, wir gelten vielen als Heuchler. Weil wir in die Kirche gehen und auch nicht besser sind als die anderen! Bezeichnet Jesus uns als Heuchler? Kriegen wir es jetzt auch noch von Jesus ab, nachdem wir es schon in der Gesellschaft dauernd abbekommen? Könnte nicht der Herr mit uns ein bisschen barmherziger sein? Worum geht es? Genau um das, was wir in diesen Tagen versuchen, in unserer Delegiertenversammlung: die Zeichen der Zeit zu erkennen.

Ich muss leider Euch, Sie alle enttäuschen: Im Griechischen steht überhaupt nicht „die Zeichen der Zeit“, sondern einfach „ Kairos“, „diese Zeit“. „Erkennt den Kairos“, diesen Moment, das Heute! Den Kairos erfassen, darum geht es. Darum bemühen wir uns in diesen Tagen.

Die Wettervorhersagen waren offensichtlich damals genauer als heute, wo man keine Satelliten hatte, Denn Jesus sagte: „Ihr sagt, Nordwind: es regnet; ihr sagt Südwind: es wird heiß.“ Heinz Weinrad, der Wetterfrosch in unserer Versammlung, er ist immerhin bei der Flugwetterbehörde tätig, hat gesagt, es werde heute regnen - es scheint die Sonne: deo gratias!

Was tun, um diese Zeit besser zu erfassen, und vor allem sie zu deuten? Die Worte der Heiligen Schrift geben uns heute zwei wichtige Hinweise, wie wir besser lernen, zu erfassen, was die Zeit bedeutet. Paulus sagt uns in diesem dramatischen siebten Kapitel des Römerbriefes: „Erfasse zuerst dich selber, deinen Zustand.“ Und Jesus sagt uns: „Ergreife zuerst die Chance der Versöhnung, den rechten Moment, vielleicht den letzten Moment zur Versöhnung.

Erfasse zuerst einmal deinen eigenen Zustand!

-          Ich will das Gute: ich nehme es mir vor.  Und ich nehme an, dass ihr mir abnehmt, dass ich das Gute will. Wir bemühen uns darum, es auch von den anderen anzunehmen. Auch du willst das Gute.



-          Ich tue das Böse, das ich nicht will. ICH! Paulus spricht von sich, ich tue das Böse. Er spricht nicht von den anderen, sondern von sich selber. Wie schaut es bei mir aus? Ich nehme mir vor, ein gutes Wort zu sagen, aber über meine Lippen kommt ein bitteres Wort. Ich bin unglücklich – und jemand anderer wird unglücklich. Ich nehme mir vor, ich will mir Zeit für jemand anderen, den Partner, Mitarbeiter/in, Kinder nehmen - und ich vertue die Zeit mit Fernsehen oder  dem Computer oder vielleicht mit Facebook - pardon, wenn ich das erwähne.

Diese Litanei kann jede und jeder von uns ergänzen und verlängern, wenn wir ehrlich sind. Ich unglücklicher Mensch – wer wird mich aus dieser Zerrissenheit retten? Das sagt Paulus.

Erste Bedingung, um frei zu werden, um die Zeichen der Zeit zu erfassen, ist Selbsterkenntnis! Wie sehr ich selber der Hilfe und des Erbarmens bedürftig bin, wie viel mich gefangen hält, wie sehr „das Gesetz der Sünde in meinen Glieder herrscht“,  obwohl ich mich, „dem inneren Menschen nach“, sagt Paulus, nach etwas ganz anderem sehne.

Paulus, der große, heilige Apostel, spricht so ehrlich über sich selber. Also Brüder und Schwestern: keine Schande, dass wir ehrlich, über uns selber sprechen, ehrlich mit uns selber sind.

Und die zweite Bedingung, die Jesus uns nennt: Erfasse den Kairos, den Moment, wenn Du auf dem Weg bist - und wir sind alle auf dem Weg. Solange wir leben, sind wir auf dem Weg und noch nicht beim „Kadi“, beim Richter. Nütze die Zeit! „Die Sonne soll über deinem Zorn nicht untergehen“, sagt der Apostel. Den Kairos der Versöhnung erfassen.

Beides lässt uns vielleicht etwas mutlos zurück. Wie wenig habe ich mich selber erkannt, wie oft habe ich den Moment der Versöhnung versäumt. Und dennoch, sagt Paulus „Dank sei Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ Ja, Herr, auch wenn du mich Heuchler nennst, nichts war und ist Dir mehr zuwider als die Heuchelei. Es gibt nichts im Evangelium. worüber Jesus so  zornig ist, wie über die Heuchelei.

Wenn wir wirklich ehrlich sind, werden wir nicht zögern, uns auf dem Weg zu versöhnen und auf die anderen nicht hinunterschauen. Dann werden wir die anderen höher achten als uns selber, wie Paulus es uns rät -- und dann kann Mission gelingen. Niemals von oben herab, immer Face to Face, im ehrlichen Gegenüber. In großer Achtung vor dem Anderen, im Wissen, wie sehr ich selber ein von Jesus geheilter, geliebter, geretteter, armer Sünder bin.

Brüder und Schwestern, heute sind wir eingeladen, zu einem „Abend der Barmherzigkeit“, alle Delegierten, aber auch alle die kommen können. Wir lassen uns das schenken, was die Voraussetzung ist, dass wir Mission leben können: dass wir selber die Barmherzigkeit Jesu erfahren haben um sie weitergeben zu können. Amen.

http://stephanscom.at/edw/predigten/0/articles/2009/10/23/a17510/
German "Eine neue Epoche des Christentums" J.M.J.
Nov 02, 2009
Wortlaut der Eröffnungsansprache zur Diözesanversammlung von Christoph Kardinal Schönborn am 22. Oktober 2009 im Dom zu St. Stephan.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, liebe Gläubige im Herren!

Dieses Einleitungsstatement steht unter dem etwas bombastischen Titel "Neue Epoche des Christseins". Wir werden sehen, ob dieser Titel auch tatsächlich stimmt. Ich möchte beginnen mit einem Erlebnis, das ich als Weihbischof bei meiner ersten Vikariatsvisitation hatte, im vierten, fünften Bezirk. Es war in der Pfarre "Auferstehung Christi. Johann Pointner war damals Pfarrer. Ich kam zu einem Vorgespräch zu. Und er hat mir einen Satz gesagt, der mich seither nicht verlassen hat, den ich nicht vergessen habe. Er hat gesagt, sie werden also kommen und wir werden einen schönen Gottesdienst feiern mit der Gemeinde und es wird einen Begegnung mit den Mitgliedern der Pfarre geben. Und dann hat er, wir standen vor der Kirche, mit einer großen Geste herumgezeigt auf die riesigen Gemeindebauten und sagte: Und was werden die vielen Menschen, die da wohnen, von dieser Visitation merken?

Die Frage geht mir seither nicht aus dem Sinn. Ich glaube sie hat meine Bischofszeit geprägt. Denn ich glaube, dass in der Zeit meiner Amtszeit als Bischof wahrscheinlich die größten Veränderungen und Umbrüche in der Kirche (und auch unserer Gesellschaft) geschehen die seit Jahrzehnten-ich würde sogar sagen seit zwei Jahrhunderten geschehen sind. Und diese gewaltigen Umbrüche möchte ich bewusst mit Ihnen gemeinsam leben und hoffentlich auch gestalten.

Mir schwebt seit langem das Modell das Apostelkonzil vor, wie es in Apg 15 beschrieben wird. Auch damals ein gewaltiger Umbruch, ganz am Anfang der Kirche: Soll die junge Kirche in den Grenzen des Judentums bleiben oder soll sie sich öffnen den Heiden? Sollen die Heiden, die Christen werden auch das jüdische Gesetz übernehmen? Statt in dieser dramatischen Frage sich von den Problemen, die riesig waren und zu lähmen drohten, haben die Apostel einen anderen Weg beschritten: Sie haben einander erzählt, was sie als Wirken Gottes erlebt haben:
Ich zitiere Apg 15: "Als ein heftiger Streit entstand (ob nämlich die Heidenchristen beschnitten werden müssen und ob sie am Gesetz des Mose festhalten müssen), erhob sich Petrus und sagte zu ihnen: "Brüder, ihr wisst, hat Gott schon längst hier bei Euch die Entscheidung getroffen…" Und dann erzählt er, was Gott gewirkt hat, wo der Heilige Geist am Werk war, und was er daraus als den Weg und Willen Gottes erkannt hat.

Nach Petrus hörte die Versammlung "Paulus und Barnabas zu, wie sie erzählten, welch große Zeichen und Wunder Gott durch sie unter den Heiden getan hatte". Schließlich ergreift Jakobus das Wort und zieht aus den Erfahrungsberichten die Schlussfolgerungen. Gott selbst hat so den Weg gezeigt, und zwar durch das was er wirkt in unserer Mitte. Und so hat man sich schließlich in diesem "Apostelkonzil" geeinigt.

In aller Bescheidenheit schwebt mir Ähnliches für unsere Delegiertenversammlung vor: aufeinander hören: was habt ihr als Wirken des Herrn erlebt? Es soll uns nicht schrecken, dass die Sichtweisen so unterschiedlich sind. Zwischen Jakobus und Paulus waren die Sichtweisen extrem verschieden. Auch zwischen uns gibt es große Unterschiede im Kirchenbild, in den persönlichen und gemeinsamen Glaubensgeschichten und in den gesellschaftlichen Akzenten, die wir setzen. Aber wenn wir wie im Apostelkonzil wirklich auf die Glaubenserfahrung des anderen hören, kann es zu einer so starken Gemeinsamkeit kommen wie damals in Jerusalem.

Bevor wir sieben solcher Zeugnisse hören, Glaubenserfahrungen einzelner, möchte ich einfach versuchen ihnen, euch persönlich zu sagen, was ich gesehen und gehört habe und was mich nicht schweigen lässt. Es ist vor allem eines, immer deutlicher, was mich bewegt, anzieht, ergreift, erfasst: das ist das Erbarmen Jesu!

Für mich ist Markus 6 eine Schlüsselstelle. Ich darf sie in Erinnerung rufen: die Jünger waren auf einer ersten Missionstour und haben erste Erfahrungen gesammelt, ausgesandt von Jesus. Sie kommen zurück, berichten Jesus davon und er sagt: "Kommt gehen wir an einen einsamen Ort und ruht ein wenig aus." Der Evangelist fügt hinzu: denn es waren so viele Menschen, die kamen und gingen, dass sie nicht einmal Zeit zum Essen hatten. Sie fahren also los mit dem Boot. Menschen haben gesehen, dass Jesus wegfährt und ehe sie am Platz ankommen, wo sie sich Ausruhen wollten, hat sich dort eine riesige Menschenmenge versammelt, weit über 5.000 Menschen. Von Jesus sagt nun Markus: "Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, war er von Mitleid über sie ergriffen, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Und er lehrte sie lange" (Mk 6,34).

Dieses Wort Mitleid ist im Griechischen und im Hebräischen ein ganz starkes Wort. Das sind die Rachamin. Das sind die Eingeweide. Er war bis ins Innerste hinein ergriffen, bewegt von diesen Menschen, die waren wie Schafe ohne Hirten. Meine Frage, meine Bitte an den Herrn: "Herr, zeig uns wie du die Menschen siehst? Zeig uns wie du die Herzen der Menschen siehst? Wie du sie anblickst? Wie dein Herz ihnen gegenüber ist?" Es geht, so sehe ich das, vor allem darum, dass Jesus uns mit seinen Augen sehen, mit seinen Herzen lieben lehrt. Das ist für mich der Kern der Mission!

Diese Frage bewegt mich seit Jahren. Sie wurde mir zur Kernfrage meines Lebens: ich möchte die Menschen (und mich selber) so sehen können wie Jesus sie (und mich) sieht! In meiner Erfahrung ist daraus ein fünffaches Ja geworden, das ich als das Ja Jesu sehe, das Ja Gottes zu uns, zu unserer Zeit, und das möchte ich Ihnen kurz in Stichworten sagen.
1. Ja sagen zu unserer Zeit, zum Heute, in der wir leben. Gott liebt diese Zeit, die Menschen heute. Mein täglicher Lieblingspsalm ist der Ps 95 (am Tagesbeginn): "Heute, wenn ihr seine Stimme hört, verhärtet euer Herz nicht…" Und dieses Lieblingswort meiner Lieblingsheiligen, Thérèse v. Lisieux: "Pour t’aimer je n’ai que aujourd’hui" (um dich zu lieben habe ich nur heute). Lassen wir die Nostalgie: wir leben nicht in den kirchenboomenden 50er Jahren, in den konzilsbegeisterten 60ern, in den stürmischen 68er Jahren. Wir leben heute. Sehen wir mit Jesu Augen diese Zeit. Lieben wir sie im Heute Jesu!

2. Ja sagen zu unserer Situation. Wir sind, besonders in Wien, gewaltig geschrumpft. Wir werden weiter schrumpfen (schon rein aus demographischen Gründen). Wir müssen Abschied nehmen von vielem, das uns lieb, wichtig, heilig war. Es wird vieles sterben. Wir müssen manches loslassen, was uns unersetzlich scheint. Gott liebt uns in dieser unserer Situation. Ja sagen auch zu dem, was wächst, was Förderung braucht, und was uns Gottes Weg in dieser Zeit zeigt. Trauen wir uns, gemeinsam hinzuschauen auf das, was wir loslassen müssen und das, was der Geist des Herrn uns für heute als neue Chancen zeigt.

3. Ja sagen zu unserer gemeinsamen Berufung als Getaufte und Gefirmte. Das wollte das II. Vatikanische Konzil allen bewusst machen: das tragende gemeinsame Fundament der Taufe, das uns verbindet und das unser gemeinsamer Auftrag ist. Der erste Satz der Kirchenkonstitution "Lumen Gentium" des Konzils ist mir dazu besonders wichtig: "Christus ist das Licht der Völker. Darum ist es der dringende Wunsch dieser im Heiligen Geist versammelten Heiligen Synode, alle Menschen durch seine Herrlichkeit zu erleuchten, die auf dem Antlitz der Kirche widerscheint. Deshalb verkündet sie allen Geschöpfen das Evangelium" (LG 1).
Hier ist der ganze Missionsauftrag der Kirche angesprochen. Mich berührt dabei immer dieses "auf dem Antlitz der Kirche": Die Kirche hat ein Antlitz. Sie hat mein Antlitz. Ich bin immer auch ein Gesicht der Kirche. Jede und Jeder von uns ist so Gesicht der Kirche, auf dem Christus, das Licht der Menschen, leuchtet. Und es leuchtet wirklich. Nicht immer ganz hell, aber doch. Wir alle sind Antlitz der Kirche für das Licht Christi. Daher ist der "Sendungsauftrag" aller Getauften zuerst ein persönlicher. "Face to face", von Angesicht zu Angesicht, so geht Mission. So ging es immer. So, und nur so geht es heute: persönlich, "von Mensch zu Mensch"; "face to face". So soll auch unsere Diözesanversammlung verstanden werden: nicht zuerst Papiere produzieren, sondern einander "face to face" begegnen. Auch ein "Face book" kann das nicht ersetzen.
Alle die Strukturfragen, die uns zu Recht bewegen, die institutionellen Entwicklungen, gehen von da aus und bekommen von daher ihren Sinn: Wie können wir "nahe bei den Menschen" bleiben bzw. näherkommen. Wie bleibt die Kirche "auf Rufweite"? Wie können wir "face to face" die erreichen, die der Herr mit seinem Evangelium erreichen will?

Das 4. und 5. "Ja" dienen dieser Nähe zu den Menschen aus der Nähe zu Jesus.

4. Ja zur Stellvertretung:
Dass wir wenige sind, soll uns nicht schrecken. Jeder, der glaubt, steht für viele. Niemand glaubt für sich alleine, wie auch niemand für sich alleine lebt. Als aktive Minderheit in unserer Gesellschaft (und selbst unter den treu ihren Kirchenbeitrag leistenden Getauften), wird es immer wichtiger, dass wir das Prinzip "Stellvertretung" leben und annehmen: Wir tragen im Glauben, in unserem Beten und Feiern viele andere mit: Sagen wir es ihnen auch gelegentlich! Wenn Du am Sonntag in die Kirche gehst und der Nachbar gerade Rasen mäht, sag‘ ihm: "Ich bete auch für dich!" "Ich nehme deine Sorgen und anliegen mit in die Messe!" "Ich gehe für dich!"
Mission heißt immer auch Stellvertretung: Einer für den anderen!

5. Ja zum gesellschaftlichen Auftrag:
Unsere Pfarren, Gemeinden, Gemeinschaften und kirchlichen Einrichtungen bilden ein großes Netzwerk der Nächstenliebe! Wir sind in einer spannungsreichen Situation: einerseits werden unsere Mittel und Möglichkeiten weniger, andererseits werden die Nöte und Herausforderungen größer. Je dünner die sozialen Netze werden, desto mehr ist unsere Phantasie der Nächstenliebe gefordert. Es ist beeindruckend, was hier in unseren kirchlichen Einrichtungen geleistet wird, von Ihnen allen! Die vielen kleinen Dinge, unscheinbare, gelebte Nächstenliebe. Und die großen Einsätze für Menschen in den verschiedenen Nöten. Das Ja zu unserem gesellschaftlichen Auftrag ist ein wesentlicher Teil unserer Mission.

Ich komme zurück auf den Anfang: Die Pfarre "Auferstehung Christi" - zehn Jahre später. Inzwischen ist Franz Scharl dort Pfarrer. Ich feiere Gottesdienst mit der schwarzafrikanischen Gemeinde. Die Kirche ist randvoll. Es wird gesungen, getanzt. Ein Gottesdienst voll afrikanischer Temperamente, mitten in Wien.

Wien hat sich enorm verändert. Die Kirche Wiens spiegelt die Weltkirche wider. In der Stadt natürlich deutlich mehr als in den beiden "Landesvikariaten". Sie wird sich weiter stark wandeln. Fast 30 Prozent der Priester im Diözesandienst haben eine nicht-österreichische Herkunft. Die andersprachigen Gemeinden in Wien bilden bereits einen erheblichen Teil der Kirche Wiens. Sie sind Kirche! Sie sind Kirche Wiens. Im Industrieviertel geht es zum Teil in ähnlichen Bahnen.
Das ist nur ein Aspekt unter anderen betreffend die großen Umbrüche, die wir erleben. Sie sind Chancen, sie sind mit Schmerzen und Abschieden, aber auch mit Geburtswehen verbunden.
Ich bin gespannt, ob es uns gelingt, gemeinsam auf das zu hören, was der Geist heute der Kirche sagt, unserer Kirche, uns persönlich, uns allen. Ja, komm, Heiliger Geist, komm und zeigen uns Deine Wege!

(© Christoph Kardinal Schönborn)
22.10.2009

http://stephanscom.at/edw/reden/0/articles/2009/10/22/a17489/
German Mit dem Katechismus in der Hand
Oct 14, 2009

Im ersten Teil seiner Katechesenreihe "Bescheid wissen über den Glauben" setzte sich Kardinal Christoph Schönborn, anhand des Katechismus der Katholischen Kirche, mit dem Begriff Glauben und seiner Definition auseinander.

"Was heißt es eigentlich zu glauben?", diese Frage stand am Beginn der Katechesenreihe 2009/10 von Kardinal Christoph Schönborn, am Sonntag, 11. Oktober 2009, im Wiener Stephansdom. Kardinal Schönborn lud die Teilnehmer ein, die Katechesenreihe mit dem Katechismus in der Hand zu verfolgen und damit zu arbeiten. "Der Katechismus sollte immer zur Hand sein, denn der christliche Glaube ist nicht eine Sache von Experten, man muss nicht Theologie studiert haben, um über den Glauben Rechenschaft ablegen zu können", so der Wiener Erzbischof.

Glaube ist Vertrauen

Im Rahmen der ersten Katechese ging es darum, was der Katechismus selbst über den Glauben sagt: "Der Glaube ist die Antwort des Menschen an Gott", so Kardinal Schönborn. Durch den Glauben ordne sich der Mensch Gott ganz unter. Damit sei jedoch nicht das Ende der Freiheit gemeint: "Gott gibt dem Menschen in seinem ganzen Wesen seine Zustimmung." Glauben gehe nur dort, wo auch Vertrauen sei: "Diese Zustimmung kann ich nur geben, wenn ich vertraue. Der Gott der Wahrheit bürgt mir dafür, dass ich ihm gehorchen kann", so Kardinal Schönborn, der Abraham und Maria als Beispiele dafür nennt.

Abraham und Maria

"Abraham verkörpert die Definition des Glaubens. Glauben ist Feststehen in dem, was man erhofft, überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht. Maria übt den vollkommensten Glaubensgehorsam aus. Sie ist für alle Glaubenden ein großes Vorbild. Maria gab ihren Glauben, dass Gottes Wort in Erfüllung gehen wird, nie auf", so Kardinal Schönborn. Der Glaube sei eine persönliche Bindung des Menschen an Gott und zugleich eine freie Zustimmung zu der ganzen, von Gott offenbarten, Wahrheit: "Der Glaube, durch den ich Gott vertraue und der Glaube, den ich inhaltlich glaube."

Merkmale des Glaubens

"Was zeichnet den Glauben aus? Zuerst einmal, dass er Gnade ist", so Kardinal Schönborn, denn ohne Gnade gäbe es keinen Glauben. Es widerspreche weder der Freiheit, noch dem Verstand des Menschen sich Gott anzuvertrauen und den von ihm offenbarten Wahrheiten zuzustimmen. "Verstand und Wille wirken mit der göttlichen Gnade zusammen. Dabei kommt mit keinem Wort das Gefühl vor. Der Glaube kann in großer Dunkelheit gelebt werden, in großer Trockenheit, ohne Erfahrung, ohne Gefühl, aber mit einer klaren Zustimmung des Willens. Ich weiß - sagt Paulus - wem ich glaube", so Kardinal Schönborn.

Glaube und Vernunft

Der Grund für den Glauben liege nicht darin, dass die offenbarten Wahrheiten im Licht der natürlichen Vernunft wahr und einleuchtend erscheinen. "Nicht, weil es mir einleuchtet glaube ich. Wir glauben wegen der Autorität des offenbarenden Gottes selbst, der weder sich täuschen, noch täuschen kann", so Kardinal Schönborn. Damit der Gehorsam unseres Glaubens mit der äußeren Vernunft übereinstimmen kann, wollte Gott, dass mit Hilfe des Heiligen Geistes auch äußere Beweise seiner Offenbarung verbunden werden. Das seien zum Beispiel die Wunder.

Der Glaube ist gewiss

"Der Glaube ist gewisser als alle wissenschaftliche Erkenntnis, weil Gott gewisser ist als alle menschliche Erkenntnis", so Kardinal Schönborn. Nur so sei es erklärbar, dass Menschen für den Glauben ihr Leben aufs Spiel setzen würden, denn warum sollten sie dies für etwas Ungewisses tun. "Der Glaube will auch wissen, weil die Liebe wissen will. Wir wollen besser verstehen, was wir glauben", sagte der Wiener Erzbischof weiter und betonte, dass der Glaube nie erzwungen werden kann. "Glaube muss freiwillig sein, er muss aus Überzeugung kommen, darum darf niemand gegen seinen Willen zur Annahme des Glaubens gezwungen werden."

Ausharren im Glauben

Schließlich sei auch das Ausharren im Glauben notwendig: "Wir können nicht genug darum bitten im Glauben treu zu bleiben. Weil wir eben oft im Dunkeln unseren Glauben leben, müssen wir uns den Glaubenszeugen, wie der Jungfrau Maria, zuwenden." Der Glaube sei immer ein persönlicher Akt, aber kein isolierter. "Wenn gesagt wird 'Glaube ist privat', sage ich immer 'Nein, Glaube ist persönlich aber nicht privat.' Keiner glaubt privat, denn der Glaube ist immer etwas Gemeinsames", so Kardinal Schönborn.

http://stephanscom.at/news/0/articles/2009/10/12/a17427/
German "Rom sieht Pius-Brüdern nicht alles nach"
Oct 07, 2009
Wortlaut des Interviews des Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn,in der "Passauer Neuen Presse" vom 13. September 2009.

Frage: Papst Benedikt XVI. besucht im September Tschechien, das Nachbarland Österreichs und Deutschlands. Der Anteil Konfessionsloser ist dort besonders hoch. Ist es Ihrer Meinung nach das Schicksal ganz Europas, dass die Christen in die Minderheit geraten?

Schönborn: Die Entchristlichung in Böhmen und Mähren hat im 19. Jahrhundert begonnen und stand damals im engen Zusammenhang mit dem Nationalitätenkampf. Die Wurzeln reichten aber noch tiefer in die Geschichte zurück, in die Auseinandersetzungen der Hussiten-Zeit und der Reformation. Der hohe Anteil Konfessionsloser in der Tschechischen Republik hat mit der Last der Geschichte zu tun.

Was das Schicksal Europas angeht, muss man sich zwei Dinge vor Augen halten: 1. Nicht die Quantität entscheidet, sondern die Qualität. Das gilt auch für die Präsenz der Christen auf dem europäischen Kontinent. 2. Kirche ist nur Kirche, wenn sie missionarisch ist, wenn sie den Menschen, die nach Antwort auf ihre Lebensfragen suchen, die Botschaft Jesu anbietet. Daher ist der jetzige Augenblick in Europa eine "Stunde der Mission".

Frage: In der katholischen Kirche in Österreich gab es heuer große Turbulenzen um die Berufung Gerhard Wagners zum Linzer Weihbischof. Auch wenn Wagner zum Schluss zurückzog, wurden durch die Affaire alte Vorbehalte über die vatikanische Besetzungspolitik genährt. Sollte die Ortskirche in Rom stärker Gehör finden?

Schönborn: Die Vorgänge um Gerhard Wagner waren schmerzlich für alle Beteiligten. Aber man muss klar sagen, dass die römische Vorgangsweise, wenn sie eingehalten wird, hervorragend funktioniert. Hinter dieser Vorgangsweise steht die Erfahrung von Jahrhunderten; sie sieht im übrigen eine angemessene Einbeziehung der Ortskirche vor. Ich denke, dass alle Beteiligten aus den Linzer Vorgängen gelernt haben. Es war ein "Unfall", aus dem man nicht den Schluss ziehen darf, dass die römische Vorgangsweise grundsätzlich in Frage zu stellen ist.

Frage: Nach Auffassung mancher Beobachter hat das Ansehen der katholischen Kirche unter dem Versuch des Papstes gelitten, die traditionalistische Pius-Bruderschaft wieder an Rom heranzuführen. Doch die Pius-Brüder wollen offenbar an ihren vorkonziliaren Positionen festhalten. Ist da eine Annäherung sinnvoll?

Schönborn: Papst Benedikt XVI. sieht es mit Recht als seine Pflicht an, für die Einheit der Kirche einzutreten. Nur das steht hinter seinen Bemühungen, eine Gruppe von Katholiken, die sich von der Kirche getrennt hat, wieder ins Boot zu holen.

Dass es im Zusammenhang mit der Causa Pius-Bruderschaft im Vatikan zu Fehlleistungen gekommen ist, darauf hat Benedikt XVI. in seinem Brief an alle Bischöfe der Weltkirche selbst aufmerksam gemacht. Es ist im übrigen nicht so, dass Rom den Lefebvrianern einfach alles nachsieht. In den nächsten Tagen beginnen erst die Verhandlungen zwischen der inzwischen neu besetzten zuständigen vatikanischen Kommission und der Pius-Bruderschaft. Dabei wird den Pius-Brüdern sehr klar dargelegt werden, was für den Heiligen Stuhl nicht "verhandelbar" ist. Dazu gehören wesentliche Ergebnisse des Zweiten Vatikanischen Konzils, wie die Haltung zum Judentum, die Haltung zu den anderen nichtchristlichen Religionen, die Haltung zu den anderen christlichen Kirchen, die Haltung zur Religionsfreiheit als dem grundlegenden Menschenrecht.

Frage: Atheisten in mehreren Ländern Europas werben immer offensiver für ihre Position - unter anderem mit Bus-Kampagnen, die dazu aufrufen, gottlos glücklich zu sein. Steht den Kirchen ein Kulturkampf bevor, und wenn ja, wie ist er am besten zu bestehen?

Schönborn: Man sollte mit den Füßen am Boden bleiben. Die Kampagnen der Atheisten waren eine kurzfristige Medien-Sensation, dann ist der Alltag wieder in sein Recht getreten. Ich meine nicht, dass man sich vor diesen Kampagnen fürchten muss. Sie haben etwas ergreifend Altmodisches an sich, es ist die Atmosphäre der "Belle Epoque" vor 1914, die aus diesen Kampagnen spricht.

Im übrigen freue ich mich immer, wenn der liebe Gott öffentlich ins Gespräch gebracht wird - auch wenn es durch jene geschieht, die ihn leugnen möchten.

Frage: Die EU lief einst unter dem Kürzel EWG. Ist die Union weiterhin nur eine "Europäische Wirtschafts-Gemeinschaft (wie der tschechische Präsident Vaclav Klaus es zu fordern scheint) oder sollte sie nicht doch auch eine "Europäische Werte-Gemeinschaft" sein?

Schönborn: In erster Linie ist die EU ein großes Friedensprojekt. Wer die Geschichte Europas betrachtet, kann sich nicht genügend wundern, dass wir seit fast 65 Jahren auf dem Kontinent Frieden haben. Man wird in der Geschichte kaum eine vergleichbar lange Friedensperiode finden. Das allein rechtfertigt alle Anstrengungen für die Vertiefung der Europäischen Union.

Wenn man die Jugend von heute ansieht, dann gibt es in ihr eine große Selbstverständlichkeit, überall in Europa zu studieren, zu arbeiten, zu leben. Das wird zuvor wohl im 18. Jahrhundert das letzte Mal so gewesen sein. Erst jetzt, in diesen Jahren, wird die Drachensaat des Nationalismus des 19. Jahrhunderts überwunden, der Europa in die großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts gestürzt hat.

Die Selbstverständlichkeit, mit der junge Deutsche oder Österreicher in Uppsala oder Bologna, Paris oder Lissabon studieren und vielleicht dort auch Wurzeln schlagen, halte ich für eines der großen positiven "Zeichen der Zeit".

Frage: Der Gottesbezug im EU-Reformvertrag ist nicht zustande gekommen. Was wäre - praktisch gesehen - anders gewesen, wenn er formuliert worden wäre? Und welche Formen der Präsenz sind nötig, um dem Anliegen der Kirchen unter den nun gültigen Bedingungen Gehör zu verschaffen?

Schönborn: Es kommt nicht auf das Wort an, sondern auf den Inhalt. Und inhaltlich ist im Lissabon-Vertrag vieles von dem enthalten, was den Kirchen am Herzen liegt. Insbesondere sieht der Lissabon-Vertrag auch einen kontinuierlichen Gesprächsvorgang zwischen den EU-Institutionen und den Kirchen und Religionsgemeinschaften vor. Das heißt, die Kirchen haben die Möglichkeit, ständig gleichsam als "Gewissen der Gesellschaft" zu Entwicklungen und Vorhaben auf europäischer Ebene Stellung zu beziehen und - "gelegen oder ungelegen" - die Sichtweise des Evangeliums über den Menschen und das menschliche Zusammenleben einzubringen.
Daher ist die Ratifizierung des Lissabon-Vertrages auch unter diesem Aspekt sehr wichtig. Freilich gibt es den ständigen Gesprächsvorgang zwischen den EU-Institutionen und den Kirchen auch bereits jetzt. Sowohl die "ComECE" (die Kommission der Bischofskonferenzen des EU-Raumes) als auch die "CEC" (die Konferenz Europäischer Kirchen), viele Bischofskonferenzen und nichtkatholische Landeskirchen sind durch eigene Büros in Brüssel vertreten. Sie betreiben ein - nach außen oft nicht dramatisch sichtbares, aber umso effizienteres Lobbying für die "Sache Gottes und des Menschen".
French Ars : Le prêtre, serviteur du bonheur des hommes (2)
Oct 01, 2009
Méditation du cardinal Schönborn

ROME, Mardi 29 septembre 2009 (ZENIT.org) - « Dieu a voulu le prêtre comme serviteur du bonheur », a fait observer le cardinal Schönborn, archevêque de Vienne, dans une première méditation, lundi matin, dans le cadre de la retraite internationale sacerdotale organisée à Ars, pour l'Année sacerdotale et à l'occasion des 150 ans de la naissance au ciel de Saint Jean-Marie Vianney.

Une retraite sous la houlette de la Congrégation romaine pour le clergé et qui rassemble quelque 1200 prêtres, grâce aux efforts du diocèse de Belley-Ars et notamment du séminaire international, mais aussi à la Communauté des Béatitudes qui assure le service logistique.

Après avoir averti que la tentation de notre époque c'est peut-être plus le cléricalisme que la négation de l'identité du sacerdoce ministériel - comme il y a quelque 40 ans -, le cardinal a renvoyé à l'enseignement du concile Vatican II qui justement « distingue sacerdoce ministériel ou hiérarchique », une « différence d'essence et pas simplement de degré ».

Cette « différence essentielle » a pourtant fait l'objet de « moquerie », « comme si le concile avait fait des prêtres des hommes d'une autre nature », « supérieurs », « au-dessus du commun des mortels ».

La boussole du concile

Or, a demandé le cardinal de Vienne, « que dit le texte, quelle interprétation en donne le magistère de l'Eglise » ?

L'archevêque a proposé de relire le paragraphe 10 de la constitution conciliaire sur l'Eglise dans le monde de ce temps, « Lumen Gentium ». Le concile dit que les deux sacerdoces sont « ordonnés l'un à l'autre » et qu'ils participent à « l'unique sacerdoce du Christ ».

Le prêtre « instruit » et « gouverne », célèbre « le sacrifice eucharistique » ; les fidèles, « en vertu de leur sacerdoce royal », exercent leur sacerdoce par la prière, l'abnégation, la charité...

Ce sacerdoce, a fait observer le cardinal Schönborn, est « sobrement décrit » : il s'agit de « former et conduire le peuple sacerdotal », en somme, « montrer le chemin du ciel ».

Sept clefs

Au cœur du sacerdoce ministériel, il y a, a-t-il insisté, « le sacrifice eucharistique, au nom du Peuple de Dieu, in persona Christ ; le sacerdoce ministériel est rendu possible, grâce à la sacra potestas, au pouvoir sacré, grâce au sacrement de l'ordre ».

Le concile indique « sept champs de participation du sacerdoce des baptisés au sacerdoce du Christ, et cela vaut aussi pour nous, prêtres, en tant que baptisés », a annoncé le cardinal Schönborn.

Ce sont : la participation à l'offrande de l'eucharistie, au sacrifice du Christ et de son Esprit, la réception des sacrements (LG 11) - de chacun des sacrements, reçu comme mise en œuvre du sacerdoce commun - ; la vie de prière et l'action de grâce, par lesquels le Christ fait entrer sa vie dans notre vie ; le témoignage d'une vie sainte, la participation au sacerdoce du Christ, le seul saint ; le renoncement, à la suite du Christ. Ce sont autant de « portes étroites pour le passage à la vie nouvelle des enfants de Dieu ». Et puis : la charité effective. Ce sont en fait « toutes les dimensions des activités humaines qui peuvent être transformées de façon à faire de nous de vrais foyers de charité ».

Le catéchisme de l'Eglise catholique

Et le « Caté » - magistère de l'Eglise qui donne l'interprétation du concile -, en quel sens dit-il que ces deux sacerdoces sont « ordonnés l'un à l'autre ? » : le sacerdoce commun des fidèles, « déploiement de la grâce baptismale, c'est la vie selon l'Esprit » ; le sacerdoce ministériel est lui, « au service du sacerdoce commun, relatif au déploiement de la grâce baptismale de tous les chrétiens, un moyen par lequel le Christ ne cesse de construire et de conduire son Eglise ».

Le sacerdoce commun, en somme, est de l'ordre de la « finalité », le « sacerdoce ministériel », de l'ordre des moyens qui servent la fin des œuvres de Dieu, qui est notre bonheur éternel, notre béatitude », a insisté le cardinal Schönborn.

« Le sacerdoce ministériel nous rapproche de cette fin, qui est la pleine participation à la vie divine », c'est « un des moyens pour cette fin ».

Le droit canon lui-même indique comme sa fin ultime, le « salut des âmes », car son dernier canon indique : « salus animarum suprema lex ».

Serviteur de la vocation universelle à la sainteté

Comme toutes les institutions humaines, le sacerdoce commun a pour mission de « servir la sainteté du Peuple de Dieu, le salut des âmes ».

Le sacerdoce commun et le sacerdoce ministériel ont une « différence d'essence, pas de degré, pourquoi ? », a demandé le cardinal Schönborn. A ce sujet, il y a « l'enseignement si important de Vatican II ».

« Le sacerdoce ministériel serait-il le degré supérieur du sacerdoce, une forme supérieure de perfection ? Le prêtre, un chrétien supérieur ? Un chrétien d'élite par rapport au sacerdoce commun des fidèles ? Il n'en est rien », a expliqué le cardinal Schönborn.

Car, soulignait-il, il n'y a « point de limite dans la sainteté : vous pouvez faire la plus grande carrière dans la sainteté, on peut atteindre des sommets de sainteté, mais hélas pas seulement par le sacerdoce ou l'épiscopat ! »

Et si Jean-Paul II était béatifié l'an prochain, à l'occasion du 5e anniversaire de sa mort (c'est ce qu'espère le cardinal Stanislas Dziwisz) ce serait non parce qu'il a été pape mais parce qu'il a été saint dans l'exercice du sacerdoce, de l'épiscopat ».

C'est aussi ce que disait la vieille concierge du Saint Office, les premières années du cardinal Joseph Ratzinger comme préfet de la Doctrine de la foi : « è un vero cristiano », c'est un vrai chrétien ! »

Ni discrimination ni immunité

L'archevêque autrichien a proposé une autre piste pour répondre à cette question : « on nous reprocherait de discriminer qui n'a pas accès au sacrement ordre ». Or si le sacerdoce ministériel était « un degré supérieur de la vie chrétienne », « une telle exclusion serait discriminatoire, empêcherait les femmes et les autres hommes d'accéder à un degré supérieur de vie chrétienne ; or, il n'y a pas d'autre degré supérieur que la sainteté, ainsi, aucun n'est exclu de la vie chrétienne ».

Troisième piste indiquée par le cardinal Schönborn, le sacerdoce ministériel « ne veut pas dire que tout ce que nous faisons est exempt de fautes, de péché, de misère : nous sommes des instruments, mais nous n'agissons in persona Christi que pour certains actes, pour d'autres choses hélas, pas toujours in persona Christi ».

Le Catéchisme de l'Eglise catholique dit au n. 1550 sur cette différenciation, que la présence du Christ dans son ministre n'est « pas comprise comme une prémunition contre les faiblesses humaines (domination, erreurs, péchés) et ne concerne pas tous les actes du ministre mais en revanche, la présence du Christ est garantie dans les sacrements (car le péché du ministre ne peut pas empêcher le fruit de grâce du sacrement conféré), et en même temps, le catéchisme reconnaît que l'empreinte du ministre qui ne serait pas un signe « fidèle à l'Evangile » pourrait « nuire à la fécondité apostolique Eglise ». Le prêtre est appelé à ce que « toute sa vie soit conformée au Christ ».

L'ordination épiscopale, elle, confère « la plénitude du sacerdoce, tout en représentant la « grâce inouïe » d'être « successeur des apôtres », mais, a ajouté le cardinal Schönborn, « je tiens ce trésor dans un vase d'argile, une poterie sans valeur » et plus on est « conscient » de cela, moins on est guetté par la « tentation du cléricalisme ».

Le sable frais du Sri Lanka

A ce propos, le cardinal Schönborn a cité un événement « inoubliable » : une visite dans un village du Sri Lanka, dans une plantation de thé, à l'invitation d'un évêque. Les villageois avaient disposé sur 500m du sable frais, fraîchement ratissé, jusqu'à l'accès au village, et avaient orné l'allée de drapeaux, et au fur et à mesure qu'il avançait, on jetait des tapis sous ses pieds, en signe d'accueil d'un « hôte de choix ».

Arrivé à la petite église, le cardinal s'entend dire par le vieux père Jésuite, Fernando, présent là depuis 40 ans parmi les très pauvres : « Eminence, ne pensez pas que les gens ont fait cela pour Christoph Schönborn, ils l'ont fait pour Jésus Christ ». Il conclut : « Voilà ce qui nous donne la vraie joie, l'humilité, la simplicité dans notre ministère : réjouissons-nous d'être des instruments de Jésus Christ, car si on se prend trop au sérieux, on oublie que les gens nous aiment et nous vénèrent à cause du Christ et pas à cause de nous, qui sommes des instruments ; pour entrer à Jérusalem, au milieu du peuple, pour la Semaine Sainte, Jésus s'est même servi d'un âne. Merci ».

A la sortie de l'église de Notre Dame de la miséricorde, sur la prairie, deux ânes s'approchaient de la clôture comme pour saluer les retraitants.

Anita S. Bourdin
French Ars : Le prêtre, serviteur du bonheur des hommes, selon le card. Schönborn
Oct 01, 2009

ROME, Lundi 28 septembre 2009 (ZENIT.org) - « Dieu a voulu le prêtre comme serviteur du bonheur », a fait observer le cardinal Schönborn en commentant deux réflexions du saint curé d'Ars.

Le cardinal archevêque de Vienne, Christoph Schönborn a offert une première méditation ce lundi matin, dans le cadre de la retraite internationale sacerdotale organisée à Ars, à l'occasion de l'Année sacerdotale et pour les 150 ans de la naissance au ciel de Saint Jean-Marie Vianney. Une retraite sous la houlette de la Congrégation romaine pour le clergé et qui rassemble quelque 1200 prêtres, grâce aux efforts du diocèse de Belley-Ars et notamment du séminaire international, mais aussi à la Communauté des Béatitudes qui assure un service logistique plein de tact et d'efficacité, comme a pu le constaté ZENIT sur place.

« Jésus j'ai confiance en toi », « Jesus Ufam Tobie » : en citant cette fameuse invocation que sainte Faustine a fait connaître au monde, le cardinal viennois a invité avant tout à la confiance en ce début de retraite. Il a aussi cité cette parole de sainte Thérèse de Lisieux : « Ma voie est toute de confiance et d'amour, je ne comprends pas les âmes qui ont peur d'un si tendre ami ».

Parlant paisiblement, en français, le cardinal s'est interrompu pour remercier les traducteurs qui assurent es traductions simultanées, même en chinois, pour quelque dizaines de Chinois qui participent à cette rencontre mondiale.

« Le sacerdoce, c'est l'amour du Cœur de Jésus », disait le curé d'Ars, a rappelé le cardinal Schönborn qui a aussi cité cette fameuse anecdote : « Lorsque le saint curé arrive dans la région, il ne trouve pas le chemin d'Ars, à cause de la brume. Il s'adresse à un garçon qui garde les moutons, et le saint curé lui dit : mon petit ami, tu m'as montré le chemin d'Ars, je te montrerai le chemin du Ciel ! »

Le prédicateur a ensuite commenté ces deux paroles « toutes simples » en disant : « Le prêtre au service de l'amour du Coeur de Jésus, au service du Ciel, du bonheur, Dieu veut notre bonheur, il a voulu le prêtre comme serviteur du bonheur ».

Puis le cardinal Schönborn a fait référence au « Catéchisme de l'Eglise catholique » - pas seulement, a-t-il précisé en souriant, parce j'y ai collaboré comme secrétaire de rédaction - pour rappeler que « la vérité est symphonique » (comme le disait Urs von Balthasar).

Au premier paragraphe du Catéchisme, il est écrit, a précisé le cardinal : « Dieu infiniment parfait et bienheureux en lui-même a librement créé l'homme pour le faire participer à sa vie bienheureuse ». Et de commenter : « Le but de la vie humaine et de tout ministère de prêtre, c'est de conduire au bonheur, à la vie bienheureuse de la Très sainte Trinité, de rassembler les hommes, que le péché a dispersés, dans la famille des enfants de Dieu ».

« C'est tellement important, s'est exclamé l'archevêque de Vienne, que nous soyons saisis par cette réalité fondatrice de toute réalité ! Dieu est infiniment parfait et bienheureux en lui-même, tel est l'abîme de la réalité du Dieu vivant, Dieu est, Dieu est infiniment parfait et bienheureux en lui-même ».

Pourquoi une telle insistance ? Parce que, dit-il, « dans cette vie où rien n'est stable, où tout change... où sont angoisses et misère, c'est un réconfort que de penser que Dieu est, et qu'en lui il n'y a aucun changement, ni l'ombre d'une variation, comme le dit saint Jacques ».

Le cardinal a souligné l'importance de cette réflexion qui n'est pas « marginale », car « il existe depuis quelques décennies une façon de parler de la mutabilité de Dieu et de ses desseins, on parle de la souffrance de Dieu ».

Il répond : « Je vous invite à considérer cette vérité que Dieu est celui qui est non figé, fixé, immobile, mais le Vivant, toujours actuel, fidèle et juste, amour et vérité, infiniment parfait et bienheureux en lui-même, parce que rien ne lui manque. Son dessein de nous créer est un dessein de pure bonté, totalement libre, pure expression d'une volonté d'amour qui veut faire participer à son bonheur ».

« Dieu n'a pas besoin de nous - Dieu n'a pas besoin de se réaliser dans ses oeuvres -, cela ne veut pas dire que nous n'avons aucune valeur », au contraire, notre valeur vient de « sa volonté de nous créer et de se communiquer à nous, par pure liberté, gratuité, amour » et c'est ce que manifeste le fait qu'il ait envoyé pour nous son Fils Rédempteur et Sauveur.

Autrement dit, ce premier paragraphe du Catéchisme est un « condensé du projet de Dieu », il dit aussi que « l'Eglise est une convocation de l'humanité à devenir famille de Dieu ».

Le cardinal Schönborn a fait le lien avec la constitution conciliaire sur l'Eglise « Lumen Gentium » qui, au chapitre 2, donne cette « grande vision de l'Eglise comme famille de Dieu », de « façon admirable et dense ».

« Le Père éternel, par une disposition libre a créé univers, a décidé d'élever les hommes à communion vie divine » : ce dessein de Dieu se réalise en cinq étapes : « l'Eglise a été préfigurée dès origine du monde, dès avant création » ; elle a été « merveilleusement préparée dans histoire Israël et Ancienne Alliance », elle a été « instituée en ces temps qui sont les derniers » ; et, « au terme des siècles elle sera consommée dans la gloire. Cette 5e étape a déjà commencé mais est encore en même temps devant nous ».

En résumé avant de faire une pause, le cardinal Schönborn a dit : « Notre identité de prêtre peut se résumer ainsi : le prêtre est l'amour du Cœur de Jésus. Pourquoi ? Pace qu'il a vocation de servir l'amour du Coeur de Jésus, le prêtre est serviteur de l'amour de Dieu ».

Le « Caté » - a ajouté le cardinal de Vienne - dit encore au paragraphe 2 : « Pour que cet appel retentisse par toute la Terre, Dieu envoie des apôtres ». C'est une réponse à la parole du Christ : « Faites des disciples, les baptisant, leur apprenant à observer ce que je vous ai prescrit (...). Comme le Père m'a envoyé, je vous ai envoyés. Tel est le fondement de la mission de l'Eglise, du ministère ordonné ».

Et au paragraphe 3 le même « Caté » souligne que c'est, certes, « la vocation de tout baptisé ». « Alors qu'en est-il du ministère du prêtre ? Cela bouleverse ! Les « vieux soixante-huitards se souviennent ». On contestait tout : Jésus n'a pas voulu le sacerdoce, etc. On incriminait une « hellénisation » du message évangélique, sa « sacerdotalisation », une « décadence helléniste », ou bien une « rechute dans la conception vétérotestamentaire du sacerdoce ».

On préférait une « conception purement fonctionnelle du sacerdoce, confié à un ancien de la communauté, délégué par la communauté pour la guider, « à temps partiel », une conception « assaisonnée par la mise en question du célibat du prêtre », a diagnostiqué le cardinal qui confie : « J'ai été ordonné en 1970 ! »

Il a au contraire tenu à rendre hommage au P. Marie Joseph Le Guillou, op, son « patron de thèse, théologien du concile, défenseur inaliénable de la spécificité sacerdotale », notamment pendant le synode de 1971, ce qu'il a « payé cher par une grave maladie de parkinson ».

Or, aujourd'hui, fait observer l'archevêque, le contexte est différent, « les discussions du passé semblent dépassées », la spécificité du sacerdoce ministériel est « reconnue », mais il existe « un autre danger » dont il n'hésite pas à parler : une « certaine résurgence de cléricalisme », dont il faut être conscients, « fraternellement ».

Dans ce domaine, il souligne le « bon équilibre doctrinal de Vatican II », et sa « parfaite justesse ». Il a confié que le pape Benoît XVI en a dit un mot à ses anciens élèves à Castel Gandolfo, fin août, ces anciens doctorands qu'il réunit depuis 25 ans » : il faut « promouvoir l'enseignement de Vatican II, susciter une nouvelle initiative pour Vatican II ».

Anita S. Bourdin

(à suivre)
Spanish El cardenal Schönborn prohibe al obispo auxiliar de Salzsburgo participar en una marcha a favor de la vida
Sept 29, 2009
Cuando los grupos pro-vida se manifestaron ante el ayuntamiento de Viena a principios de este mes para protestar la decisión del alcalde de la ciudad de celebrar el aniversario de una clínica abortiva, se echó de menos a uno de los más prominentes miembros del movimiento pro-vida. Se trataba de monseñor Andreas Laun, obispo auxiliar de Salzsburgo. La razón de su ausencia ha causado gran escándalo. En una misa previa a la marcha, monseñor Laun confesó que el cardenal arzobispo de Viena, S.E.R Christoph Schönborn, le prohibió participar en la misma.

(LifeSiteNews/InfoCatólica) Monseñor Laun recibió recientemente el Von Galen Award, concedido por la organización humanitaria y pro-vida Human Life International, por ser "una voz en la conciencia de su sociedad".

Durante la homilía de la misa que precedió a la marcha sobre el ayuntamiento de Viena, monseñor Laun dijo: "El cardenal Schönborn me ha dicho por teléfono que no quiere que participe en la manifestación. Le respondí que este es un asunto que difícilmente puede ser discutido por teléfono, pero pensé que difícilmente podría convencerle. Dado que él es el arzobispo de Viena, tengo que respetar su decisión de acuerdo a la ley canónica". El obispo añadió que "hay una bendición en cada una de las formas legítimas de obediencia en la Iglesia".

La marcha había sido organizada por una coalición de grupos pro-vida de toda Europa, incluídos Human Life International, Tradition Family and Property, Doctors for Life, el partido político cristiano y austriaco Die Christen, Youth for Life, y el Centre for Bioethical Reform. Los organizadores, que habían dispuesto que monseñor Laun tomara la palabra al final de la misma y dirigiera una oración junto al ayuntamiento vienés, se mostraron sorprendidos ante la prohibición recibida por monseñor Laun. Durante la marcha, los asistentes tuvieron que oir blasfemias, sufrir todo tipo de insultos y recibir el impacto de huevos y condones llenos de agua.

La prohibición del cardenal Schönborn se produce después de que él mismo enviara una carta al alcalde de Viena para protestar por su participación en la celebración de una fiesta con motivo del 30º aniversario de la apertura de un centro abortivo.

Dr. Tom Ward, presidente de la Asociación Nacional de Familias Católicas, ha declarado que siente un gran respeto por el obispo Laun, que siempre ha sido consistente en su apoyo a los grupos pro-vida. "Monseñor Laun lleva mucho tiempo sufriendo terriblemente por su falta de apoyo entre la jerarquía católica austriaca debido a su constante testimonio a favor de la verdad sobre la vida y el matrimonio".
German Kardinal Schönborn ruft zu Mission in Wien auf
Sept 23, 2009
In manchen Stadtteilen seien Katholiken eine Minderheit. Es sei "Christenpflicht", das Evangelium zu verbreiten, so Schönborn in einem Interview. Dies will man mit dem Projekt "Apostelgeschichte 2010" erreichen.

18.09.2009 | 10:29 |   (DiePresse.com)

Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, hat in einem Interview mit "Radio Stephansdom" am Donnerstagabend das große Missionsprojekt "Apostelgeschichte 2010" vorgestellt. Es sei "Christenpflicht", das Evangelium als Lebensweg und Lebensprogramm anzubieten und anderen bekannt zu machen, so Schönborn laut Kathpress. In manchen Teilen der Stadt Wien seien die Katholiken eine Minderheit: "Da stellt sich die Frage, ob wir resignieren und uns damit zufrieden geben oder uns daran erinnern, dass uns Jesus einen Auftrag gegeben hat, Menschen für ihn zu gewinnen."

Man befinde sich in einer "neuen Periode" der Kirchengeschichte, mit einer kleiner gewordenen Kirche, die sich mit ihrer demografischen und gesellschaftlichen Situation schwer tue, so Schönborn. In dieser Situation gehe es um die Frage: "Was heißt es heute, den Glauben so zu verkünden und weiterzugeben, wie das die Apostel getan haben."
Schönborn gegen "Gewissenszwang"

Die Kirche "trägt einen unglaublichen Schatz für unsere Zeit in der Mitte - das Evangelium". "Apostelgeschichte 2010" solle die Katholiken auch in ihrer Gewissheit stärken, "dass der Glaube kostbar für uns und für die Gesellschaft ist". Dabei müsse die Freiheit und das Gewissen des Anderen respektiert werden, so Schönborn. "Mission darf im christlichen Sinn nie heißen Gewissenszwang oder gar Gewaltanwendung - auch wenn das in der Geschichte des Christentums immer wieder geschehen ist. Vom Evangelium her ist das völlig klar: Das ist entschieden abzulehnen."

Die stärkste Form der Mission geschehe ohne Worte, erklärte der Wiener Erzbischof: "Die Grundform der Mission ist nicht das Wort, sondern das eigene Leben."
Diözesanversammlung im Oktober

Die nächste Etappe von "Apostelgeschichte 2010" ist die erste Diözesanversammlung von 22. bis 24. Oktober. Bei der Diözesanversammlung wolle man "gemeinsam darauf schauen, was uns hilft und was uns hindert", betonte der Kardinal. Zur ersten Diözesanversammlung werden rund 1200 Delegierte aus Pfarren, Orden, Gemeinschaften und Einrichtungen der Erzdiözese Wien im Stephansdom erwartet. Zwei weitere Diözesanversammlungen sowie eine große "Missionswoche" sind für das Jahr 2010 geplant.

Bei der Diözesanversammlung sei "natürlich auch Raum für alle Klagen und Sorgen", betonte der Kardinal. Es solle nicht zum Fenster hinaus, aber "in aller Offenheit und Freiheit" gesprochen werden. Er erhoffe sich von der Diözesanversammlung einen "Moment großer Ermutigung" für alle, die in der Kirche mitarbeiten.
German "Ehrfurcht vor den Opfern"
Sept 13, 2009
Kardinal Schönborns Vater war auf der richtigen Seite

Wien/Schruns - Die eigene Familiengeschichte war für Kardinal Schönborn mit ein Grund, den Ehrenschutz über die Ausstellung "Was damals Recht war" zu übernehmen. "Im Oktober 1944 ist mein Mann, Hugo Graf Schönborn, in Belgien zusammen mit einem Flamen zu den Engländern übergelaufen" , erinnert sich Eleonore Schönborn, die in Schruns lebende Mutter des Kardinals.

Der Schritt ihres Mannes habe sie nicht überrascht, schreibt sie in einer Stellungnahme zur Ausstellung. Denn "vom Tag unserer Heirat - 1942 in Prag - an hat mein Man mir gesagt, dass er dies tun werde, wenn die Chance sich ergäbe, eine englische Truppe zu finden." Die Gründe für diese Haltung habe sie mit ihm geteilt: "Wir waren schon damals überzeugt, dass Hitler ein Verbrecher war und dass es richtig sei und dass es das Gewissen gebiete, möglichst wenig für diesen Krieg zu tun." Hugo Schönborn wollte deshalb nie deutscher Offizier werden. In der sudetendeutschen, deutschnational gestimmten Gesellschaft hätten ihn seine Ansichten, so Eleonore Schönborn, zum Außenseiter gemacht.

Es gehe nicht darum, die Täter von damals noch einmal zu verurteilen, schreibt Christoph Schönborn zur Ausstellung, sondern "den Opfern von damals Ehrfurcht zu erweisen" . Wie dem Bauern und Mesner Franz Jägerstätter, der sein Leben für seine Überzeugung hingegeben habe. (jub, pm/DER STANDARD-Printausgabe, 29./30. August 2009)
German Kardinal appelliert an Häupl Verstimmung im Rathaus
Sept 13, 2009
Schönborn will runden Tisch zur Abtreibung.

Es kommt nicht alle Tage vor, dass Kardinal Christoph Schönborn einen Protestbrief an Bürgermeister Michael Häupl schreibt. Einmalig ist, dass der Inhalt dieses Schreibens wenige Tage später über den sonst eher diskreten Pressedienst der Erzdiözese auch veröffentlicht wurde.

Gestern, Donnerstag, war es so weit: Schönborn kritisiert in dem Brief, der mit 18.August datiert ist, eine Veranstaltung zum 30-jährigen Bestehen der „Abtreibungsklinik“ am Fleischmarkt, die im Wiener Rathaus stattfinden soll. Er plädiert für eine Absage der Veranstaltung, die für Donnerstagabend nächster Woche angesetzt ist. Und der Wiener Erzbischof spricht sich für einen runden Tisch aus. Inhalt sollten jene flankierenden Maßnahmen zur Fristenregelung sein, die Bundeskanzler Bruno Kreisky zugesagt hatte – vor 36Jahren.

Bürgermeister Häupl, der zu verschiedenen Fragen immer wieder persönlich den Kontakt zum Kardinal sucht, ist dem Vernehmen nach über den Schritt des Wiener Erzbischofs not amused. Er feilt derzeit noch an einem Antwortschreiben, das dieser Tage abgeschickt werden soll.

Schönborn betont sein Vertrauen auf die Sensibilität des Bürgermeisters für ein zentrales Problem der Gesellschaft wie das Recht auf Leben. Niemand rufe nach Strafe für verzweifelte Frauen. Aber Abtreibung sei keine Lösung. Das geltende österreichische Gesetz sage deutlich, dass diese Unrecht sei. Schönborn wörtlich: „Es geht um die Tötung menschlichen Lebens. Das ist keine Bagatelle.“ Durch eine Veranstaltung wie in der nächsten Woche werde aber deutlich, dass es „offenbar keinen Konsens im Hinblick auf den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis an gibt“.


Wiener Kompromiss?

Häupl selbst ist freilich weder Organisator noch Einladender noch Teilnehmer der Veranstaltung. Das Büro des Bürgermeisters verweist auf die Zuständigkeit von Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely. Dort erklärt man, es handle sich nicht um eine „Festfeier“, sondern einen „Cocktailempfang“.

„Eine Absage ist keine Option“, sagte Wehsely der APA. Das Recht der Frau auf Selbstbestimmung sei für sie und für die SPÖ unantastbar: „Alle Versuche, dieses Recht anzutasten, sind indiskutabel.“

Ein kolportierter möglicher Kompromiss könnte so aussehen: Die Veranstaltung findet statt, auch in den Räumlichkeiten des Rathauses – aber nicht wie geplant im Stadtsenatssitzungssaal. Sondern im Rathauskeller.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.08.2009)
German "Wir sind Kinder der Sterne"
Aug 13, 2009

Der inhaltliche Teil des Weinviertler Glaubensweg ist am Montag mit einem Festvortrag von Kardinal Christoph Schönborn zum Thema "Evolution und Schöpfung" eröffnet worden. Der Wiener Erzbischof wies auf die vielen Fragen hin, auf die die Theologie Antworten bieten könne.

Mit dem Festvortrag zum Thema "Evolution und Schöpfung" hat Kardinal Christoph Schönborn am Montag, 10. August 2009, den inhaltlichen Teil des Weinviertler Glaubensweges 2009 eröffnet. "In drei großen Teilen erklärte der Kardinal, warum es für Christinnen und Christen so wichtig und auch ganz leicht möglich ist, an Gott als den Schöpfer der Welt zu glauben", berichtet Franz Knittelfelder vom Bildungshaus Schloss Großrußbach.

"Fragen muss erlaubt sein"

"Das Staunen über die vielfältige Natur führt uns letztlich zum Ausruf: die Welt ist voller Wunder. Vom 60 Millionen Jahre alte Ammonit, über die Milliarden an Galaxien bis hin zur blühenden Sonnenblume gibt alles täglich neu Zeugnis von diesem Schöpfergott", so Kardinal Christoph Schönborn.

Die Erfolgsgeschichte der Evolutionstheorie nach Darwin gründe ja nur auf theoretischen Annahmen und Beobachtungen, die der Sehnsucht nach schlüssigen Erklärungen entspringen würden. "Die großen Fragen nach dem Ziel alles Seins, die Frage 'Warum gibt es überhaupt ETWAS?' und die Frage nach der besonderen Stellung des Menschen in der Schöpfung wird hier überhaupt nicht bedacht", betont der Wiener Erzbischof. Es müsse erlaubt sein auch von anderer Seite an wissenschaftliche Theorien konkrete Fragen zu stellen. Viele dieser Fragen fänden Antworten in der Theologie.

Teil der Welt

Die Menschen seien natürlich im materiellen Sinne Teil der Natur und würden ihren Gesetzten unterliegen. "Trotzdem übersteigen wir diese Natur immer wieder in der Zielgerichtetheit unseres Tuns und auch in der Reflexion. Wir haben das Genom des Schimpansen entziffert und wissen heute, dass uns nur ein Prozent vom Schimpansen unterscheidet. Ich bin froh über dieses eine Prozent. Den Schimpansen interessiert sein Genom nicht. Auch wird er kaum das Genom des Menschen erforschen," brachte Kardinal Schönborn als Beispiel.

Verantwortung für die Welt wahrnehmen

"Wir sind im wörtlichen Sinne 'Kinder der Sterne' und als solche dürfen und müssen wir unsere Verantwortung für die Welt auch wahrnehmen. Als Christinnen und Christen glauben wir, dass alles, was ist, auch gewollt ist und diese Zielgerichtetheit in sich trägt - als Menschen sind wir der sprachliche Ausdruck des liebenden Gottes", so der Wiener Erzbischof, der in einer ausführlichen Diskussionsrunde den Fragen der gut 100 Besucher seines Vortrags Rede und Antwort stand.
German Kardinal Christoph Schönborn beim "Fest des Lebens" in Saluzzo
Jul 25, 2009

Beim "Fest des Lebens" in der italienischen Stadt Saluzzo wurde der Gründung der drogentherapeutischen Gemeinschaft "Cenacolo" gedacht. Kardinal Christoph Schönborn unterstrich bei dieser Aktion die von Gerechtigkeit geprägte Barmherzigkeit Gottes.

Kardinal Christoph Schönborn besuchte das "Fest des Lebens" der Gemeinschaft Cenacolo in Saluzzo in Italien, das vom 16. bis 19. Juli 2009 stattfand. Der Kardinal hob bei diesem Anlass besonders die Bedeutung der von Gerechtigkeit geprägten Barmherzigkeit Gottes hervor.

16 Jahre "Fest des Lebens"

Die Gemeinschaft "Cenacolo", von Schwester Elvira Petrozzi in Saluzzo gegründet, hilft drogenabhängigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne Einsatz von Medikamenten. Stattdessen wird versucht, durch regelmäßiges Gebet, begleitende Gespräche und einen streng geregelten Tagesablauf die jungen Menschen von ihrer Drogensucht zu befreien. Laut eigenen Angaben liegt die Erfolgsquote der Gemeinschaft bei 85 Prozent.

Am 16. Juli 1983, dem Festtag der "Madonna del Carmine", erhielt Schwester Elvira die "Schlüssel" des Mutterhauses in Saluzzo. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Gemeinschaft fand im Sommer 1993 zum ersten Mal das "Fest des Lebens" statt, das im Lauf der Jahre zu einem Glaubenstreffen für junge Menschen, Familien und Freunde der Gemeinschaft geworden ist. Seitdem kommen jedes Jahr im Juli tausende von Menschen aus vielen Ländern auf die Anhöhe von San Lorenzo in Saluzzo in der Provinz Cuneo, um gemeinsam vier Tage des Gebetes, der Katechesen und der Zeugnisberichte zu erleben. Die Gemeinschaft ist mittlerweile in 30 Ländern präsent, unter anderem auch in Österreich, wo sie ein Haus in Kleinfrauenhaid im Burgenland besitzt.

http://stephanscom.at/news/0/articles/2009/07/21/a16994/
German „Was hindert uns eigentlich, unseren Glauben weiterzugeben?“
Jun 25, 2009
Kardinal Schönborn stellt missionarischen Erneuerungsprozess vor

WIEN, 24. Juni 2009 (ZENIT.org).- Christen können nicht schweigen über das, „was sie gesehen und gehört haben, was sie im Glauben erleben“. Mit diesen Worten stellte der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn am Abend des 24. Juni zum Auftakt des traditionellen Medienempfangs im Erzbischöflichen Palais die missionarische Initiative Apostelgeschichte 2010 vor.

„Das Wort ‚Mission‘ ist ja in der Wirtschaft nicht verpönt – warum sollte es in der Kirche verpönt sein? We all have a mission“, so Kardinal Schönborn, der mit dem Hinweis darauf, dass die Apostelgeschichte aus der Bibel nicht als ein „abgeschlossenes Buch“ zu verstehen sei, die Leitidee zum Missionsprojekt erläuterte. Die Apostelgeschichte sei nicht vorbei, sondern sie werde hier und heute weitergeschrieben.

„Viele Menschen sind heute auf der Suche in den großen Grundfragen des Lebens: Woher? Wohin? Wozu?... Die Antwort des Glaubens soll ausdrücklicher angeboten werden; die Fragen des Glaubens sollen deutlicher gestellt werden.“

Vom 22. bis zum 24. Oktober werden rund 1.000 Delegierte in Wien zusammenkommen, um auf einer der größten Diözesanversammlungen zu beraten, wie diese Anliegen umgesetzt werden können.

Man werde sich versammeln, so Kardinal Schönborn, um darüber zu sprechen, „was uns persönlich im Glauben bewegt; worüber wir nicht schweigen wollen und können“, und andererseits wolle man auch der Frage nachgehen: „Was hindert uns eigentlich, unseren Glauben weiterzugeben…, Christus zur Sprache zu bringen?“

Die vielen Mitarbeiter des großen missionarischen Erneuerungsprozesses der Erzdiözese Wien verbindet auch ein gemeinsames Gebet. Sie bitten darin Gott um die Gnade eines weiten Herzens, um „Licht der Welt“ und ein „Segen“ für die Mitmenschen zu sein.

Herr Jesus Christus,
du bietest uns deine Freundschaft an.
Durch deine Gegenwart schenkst du uns Freude
in Fülle und gibst uns Hoffnung.
Du hast uns durch die Taufe in deine Gemeinschaft gerufen.
Wir sind bereit deine Zeugen in unserer Welt zu sein.
Im Vertrauen auf deine Liebe und Barmherzigkeit
lassen wir uns senden.
Stärke uns mit deinem Heiligen Geist!
Lass dein Licht durch uns leuchten,
damit wir als wahrhaft Liebende Licht der Welt sein können
und so zum Segen für unsere Mitmenschen werden.
Amen.
German Schönborn für klare Integrationspolitik
Jun 25, 2009
Fremdsprachige Gemeinde ist für den Kardinal "Frischzelle".

"Keine Kopfwäsche" für Bischöfe in Rom.

Wien. (ski) "Wir brauchen dringend eine klarere Politik zu Integration und Immigration", sagte der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, am Mittwochabend beim jährlichen Empfang für die Medien in Wien.

Dabei wies er auf die vielen aktiven Katholiken mit Immigrationshintergrund und die fremdsprachigen Gemeinden in Wien hin. Vor dem Empfang waren die Medienleute in der italienischen Gemeinde in der Minoritenkirche mit der Idee der Wiener Kirche konfrontiert worden, mit Hilfe von Sponsoren eine Art Patenschaft für den Wiederaufbau einer Kirche im Erdbebengebiet um L‘Aquila zu übernehmen.

"Fremdsprachige können eine Brücke sein", betonte der Kardinal, sie könnten auch "Frischzellen" in der Kirche sein, wie die katholischen Schulen im Bildungsbereich, wo die jüngsten Debatten "ermüdend" seien.

Zur jüngsten Romreise, auf der er und weitere Bischöfe mit Papst Benedikt XVI. und Kurienvertretern sprachen, wies Schönborn Berichte in den Medien zurück: "Es war keine Kopfwäsche. Wir mussten auch nicht rapportieren." Man habe sehr offen die Situation der Kirche in Österreich und insbesondere in der Diözese Linz besprochen.

Mit dem Projekt "Apostelgeschichte 2010" will die Wiener Kirche öffentlich zeigen, dass sie eine "Mission" habe, dieses Wort sei ja, so Schönborn auch in der Wirtschaft nicht verpönt.

In Salzburg hat indessen der emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl vor einem Reformstau in der Kirche gewarnt.

Printausgabe vom Freitag, 26. Juni 2009
www.wienerzeitung.at
German Benedikt XVI. liebt die Kirche in Österreich
Jun 22, 2009
Kardinal Schönborn: „Stunde der Laien" in der Gesellschaft

WIEN, 18. Juni 2009 (ZENIT.org ).- Im Zentrum der Gespräche mit Papst Benedikt XVI. und Spitzenrepräsentanten der römischen Kurie sei die „gemeinsame Sorge um die Kirche in Österreich" gestanden, betonte Kardinal Christoph Schönborn am Dienstagabend in einem Interview mit dem ORF und „Radio Vatikan". Man habe die „tiefe Liebe" Benedikts XVI. für die Kirche in Österreich gespürt: „Es war für uns Bischöfe ein sehr berührendes Erlebnis, zu sehen, dass der Papst, der viel zu tun hat mit einer weltweiten Kirche, sich für die kleine Ortskirche Österreich so viel Zeit nimmt, um unsere Sorgen zu hören und um die Sorgen Roms uns gegenüber zu artikulieren".

Die Verantwortlichen der Kirche im Vatikan wie in Österreich seien froh über die vielen engagierten Laien in den Pfarrgemeinden, betonte Kardinal Schönborn einen Detailaspekt der Gespräche. „Aber so gut es ist, dass es so viele engagierte Laien in den Gemeinden gibt, so dringend ist es auch, dass es engagierte, gläubige Laien in der Gesellschaft gibt", sagte der Wiener Erzbischof.

Man spüre „an allen Ecken und Enden", dass "die Stunde der gläubigen Laien" in der Gesellschaft angebrochen sei.

Christen müssten in ihren Berufen, in der Wirtschaft, im politischen Leben, in der Öffentlichkeit präsent sein. Auf Nachfrage bestätigte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, dass er am Rande der Begegnungen auch das Memorandum der österreichischen „Laien-Initiative" an den Präfekten der Kleruskongregation, Kardinal Claudio Hummes, übergeben habe.

„Auch wenn ich mit manchen Schlussfolgerungen dieser Initiative nicht einverstanden bin, so glaube ich doch, dass es wichtig ist, dass man in Rom weiß, was ein Teil unserer Laien zu den Sorgen der Kirche denkt". Die große Zahl der Menschen in Österreich, „die keinen Zugang zur Kirche haben, für die das Evangelium schon etwas Fremdes geworden ist", sei eine Herausforderung für die Kirche, unterstrich Kardinal Schönborn. Ein zentrales Thema in den kommenden Jahren sei daher die Verkündigung des Evangeliums.
German Kardinal Schönborn empfing Vertreter der "Laien-Initiative"
Jun 10, 2009
Wiener Erzbischof wird "Memorandum" und Berichte aus den Pfarrgemeinden nach Rom weiterleiten - Appell des Kardinals an die "Laien-Initiative", sich für Priesterberufungen unter den heutigen Bedingungen einzusetzen
08.06.2009

Wien (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat dieser Tage Vertreter der "Laien-Initiative" empfangen, die ihm ihr im Jänner veröffentlichtes "Memorandum" überreichten. Der Wiener Erzbischof sicherte den Vertretern der "Laien-Initiative" zu, dass er ihr "Memorandum" und die angeschlossenen 46 Erlebnisberichte aus Pfarrgemeinden an Rom weitergeben werde.

Er habe Verständnis für die Sorgen der "Laien-Initiative", betonte Kardinal Schönborn. Die Aufrechterhaltung der Pfarrseelsorge sei auch ihm ein Herzensanliegen, nicht zuletzt deshalb, weil die Pfarrgemeinden neben den Familien gerade in Krisenzeiten als soziale Basisnetzwerke immer wichtiger werden. Aber die Ursachen für den Priestermangel müssten noch viel gründlicher analysiert werden. Zweifellos hänge der Priestermangel auch damit zusammen, dass die Zahl der Menschen zunimmt, die der Kirche und dem Glauben sehr fern stehen.

Der Zölibat habe in der katholischen Kirche des lateinischen Ritus eine große Tradition, erinnerte Kardinal Schönborn bei der Begegnung mit den Vertretern der "Laien-Initiative". Großartige Gestalten vom Heiligen Pfarrer von Ars über Papst Johannes XXIII. bis zu Kardinal Franz König repräsentierten den Typus des zölibatären Priesters. Als Ordinarius für die Katholiken des byzantinischen Ritus in Österreich, deren Klerus zumeist verheiratet ist, habe er aber auch keinerlei Ängstlichkeit im Hinblick auf verheiratete Priester, betonte der Wiener Erzbischof.

Zugleich lud er die "Laien-Initiative" ein, "nicht nur langfristig unter Umständen Wünschbares, sondern auch konkret Mögliches" anzustreben. Die "Laien-Initiative" sollte daher ihr "Memorandum" durch einen Aufruf ergänzen, der junge Männer ermutigt, sich unter den geltenden Bedingungen für den Priesterberuf zu entscheiden. Seitens der Vertreter der "Laien-Initiative", die ihre Loyalität gegenüber den Bischöfen unterstrichen, wurde dies zugesagt.
German Schönborn und Fischer: „Miteinander im Namen Gottes“
Jun 09, 2009

Für ein Miteinander aller Menschen haben sich Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer und Kardinal Christoph Schönborn am Freitagnachmittag ausgesprochen. Bei dem Festakt zum 150-jährigen Bestehen der Privatvolksschule der Erzdiözese Wien am Wiener Judenplatz wurden der Kardinal und der Bundespräsidenten von einigen der rund 250 Volksschüler verschiedenster Nationalitäten in deren jeweiligen Muttersprachen begrüßt. Die Feier musste wegen Schlechtwetters vom Judenplatz in die Kirche „Am Hof“ verlegt werden.

www.oecumene.radiovaticana.org
Kardinal Schönborn erinnerte bei der Feier an das Judenpogrom des Jahres 1421. Die Verbrennung von jüdischen Kindern, Frauen und Männern sei „eines der schrecklichsten Verbrechen in der Stadt Wien“ gewesen. Schönborn:

„Damals hat man vergessen, dass wir doch alle einen Gott haben, dass wir alle zusammengehören. Immer, wenn ich an den Judenplatz denke, denke ich an unsere Aufgabe, dass wir nicht im Namen Gottes gegeneinander sein dürfen. Und ich bete dafür, dass das, was in dieser Schule Wirklichkeit ist, auch in unserem Land in Zukunft Wirklichkeit bleibt.“

Ein Zeichen sei heute für Wien, dass an diesem Platz Kinder aus verschiedenen Ländern und mit verschiedenen Sprachen und Religionen zusammen lernen, unterstrich Schönborn. Der Bundespräsident erinnerte in seiner Rede an seine eigene Volksschulzeit während des Zweiten Weltkrieges. Es sei auch der Rehabilitierung der Bildung zu verdanken, dass Österreich nach dem Krieg trotz allem eine erfolgreiche Entwicklung genommen habe. Fischer:

„Einer der wichtigen Beiträge war: Viele Pädagogen und politisch Verantwortliche haben erkannt, wie wichtig die Schule, die Bildung und wie wichtig das Lernen des Zusammenlebens in einer Schule ist."

Menschen seien gleichwertig, egal welche Sprache sie sprechen, gab Fischer den zuhörenden Kindern mit auf den Weg:

„Wenn ihr in der Schule lernt, dass die Menschen, egal welche Sprache sie sprechen oder wo ihre Eltern geboren sind, gleichwertig sind und sich nicht unterscheiden nach der Sprache, nach dem Geburtsort oder nach der Religion oder nach der Hautfarbe, dann habt ihr schon etwas ganz Wichtiges gelernt.“
German Glaube und Vernunft in Zeiten der Krise
May 23, 2009
Vortrag von Kardinal Christoph Schönborn beim IBM Management Cercle im Liechtenstein Museum, am 29. April 2009.

Sie alle wissen - wahrscheinlich viel besser als ich -, dass Wirtschaft sehr viel mit Vertrauen zu tun hat. Wenn das Vertrauen schwindet, wächst die Krise. Hat die Welt bis vor kurzem zu viel vertraut? Was waren "Triple A"-Aktien noch vor einem Jahr? Wer traut heute noch einer "Triple A"-Aktie? So vertraut man jetzt wohl zu wenig. Von der Notwendigkeit des Glaubens will ich heute sprechen und vor allem von der Vernünftigkeit des Glaubens. Denn ein Leben ohne Glauben ist unvernünftig, aber nicht nur das, es ist sogar unmöglich. Die Frage ist nur: ist der Glaube, ohne den wir nicht leben können, auch wirklich vernünftig? Ist das, worauf wir vertrauen, vernünftig?

Lassen Sie mich beginnen mit einem Zitat aus einem Artikel, der vor kurzem im "Economist" erschienen ist:

"Much in modern economics is taken on trust. Even the most basic goods depend on complex links between suppliers strewn across the globe. The glue that binds the whole system together is trust – trust that suppliers will deliver the right goods on time; trust that payments will duly pass down the supply chain. That raises a question: What makes people who might not even lend to their neighbours happy to lend their life savings to unknown borrowers whom they will never meet?"

Wie ist es zu beurteilen, wenn das Geld in einem Fonds, etwa einem Pensionsfonds, von irgendwelchen Managern verwaltet wird, die wir sicher nie sehen werden und die keine Ahnung von uns haben? Ist es vernünftig, so zu vertrauen, wie es in der Finanzwelt in den letzten Jahren geschehen ist?

Wirtschaft hat eindeutig mit Glauben zu tun. Die Banker sind "gläubiger" als viele andere, denn sie glauben, dass ihre Kunden das geborgte Geld (mit Zinsen) wieder zurückzahlen werden. Deshalb nennt man sie auch "Gläubiger". Wenn sie aber unvernünftig Glauben schenken und leichtfertig Credite vergeben (das Wort Kredit kommt auch von  "credere", glauben), dann machen sie sich strafbar, oder wenigstens sollten sie haftbar sein. Wer einen Kredit will, sucht glaubwürdig zu sein. Er will zeigen, dass man ihm glauben kann und dass man ihm deshalb vertrauen kann, ihm Geld anvertrauen kann, dass sein Kreditwunsch vernünftig ist, weil sachlich und menschlich verantwortbar. Und so ist es nicht nur im Bankwesen. Alle Wirtschaftsbeziehungen basieren auf Vertrauen.

Gegenseitiges Vertrauen: Sie werden sicher kein Geschäft mit jemandem Unglaubwürdigen beginnen, wenn Sie selber nicht leichtgläubig sind. Das wäre auch unvernünftig. Wie bitter ist es, wenn alles so vernünftig aussah, wenn man daraufhin vertraut hat und schließlich spektakulär betrogen wird, wie zum Beispiel von Herrn Bernard Madoff.

Mein Vortrag wird drei Teile haben:

  1. Glaube ist eine urmenschliche Haltung.
  2. Braucht der zwischenmenschliche Glaube ein transzendentes Fundament? Kann man glauben an Menschen, ohne an Gott zu glauben? Oder anders gefragt: Wie steht der natürliche Glaube zum religiösen Glauben?
  3. Gibt der christliche Glaube eine Antwort, die vielleicht doch für die heutige Wirtschaftskrise etwas zu sagen hat, die ja wohl, wie ich einleitend gesagt habe, als Vertrauenskrise eine Glaubenskrise ist.

1. Glaube als menschliche Grundwirklichkeit

Je komplexer eine Gesellschaft ist, desto mehr müssen wir vertrauen, weil wir das allermeiste, das sich in unserem Leben abspielt, gar nicht beherrschen können. Wir sind zum Glauben "verurteilt". Aber wir leben in einer Zeit, in der das Glauben schwieriger wird, zum Beispiel weil das Vertrauen in Beziehungen schwächer wird, Beziehungen weniger halten und auch, weil die Wirtschaft unsicherer geworden ist. Ich lade Sie zu einem Gedankenexperiment ein: Versuchen Sie einmal sich vorzustellen, was für eine Vielzahl an Glaubensakten sich implizit jetzt in diesem Moment vollziehen, ohne die Sie gar nicht in Ruhe hier sitzen könnten. Ich nenne nur fünf Punkte, wo wir einfach glauben müssen, um leben zu können:

1. Die Naturgesetze: Was würde geschehen, wenn wir uns Sorgen machen müssten, ob unser Planet jetzt wirklich in Ruhe seine Bahn um die Sonne zieht; dass die Gezeiten plötzlich nicht mehr funktionieren, dass die Schwerkraft auslässt, dass die vielen Vorgänge, die Naturgesetzen folgen, plötzlich einfach nicht mehr funktionieren? Wir setzen ständig voraus, dass das so ist. Wir gehen davon aus, dass die Sonne morgen aufgehen wird (auch wenn sie nicht wirklich aufgeht, wie wir alle wissen).

2. In jedem von uns laufen in diesem Moment Milliarden von biochemischen Vorgängen ab, in den Zellen, zwischen den Zellen. Wir denken überhaupt nicht daran, aber wir können – Gott sei Dank – aus dem Vertrauen leben, dass alles funktioniert, dass das Herz in aller Ruhe arbeitet und dass die Lunge funktioniert etc.

3. Sie gehen vermutlich davon aus, dass hier niemand mit einem Revolver sitzt und anfängt, wild um sich zu schießen, obwohl das in unserer heutigen Gesellschaft immer wieder vorkommt. Wir gehen davon aus, dass wir heute Abend normal nach Hause gehen können und dass normalerweise überhaupt das Leben so funktioniert, dass die Menschen sich normal benehmen. Wir könnten gar nicht anders leben, als mit dieser Annahme. Das Leben wäre sonst nicht lebbar.

4. Wir gehen davon aus, dass die Institutionen im Allgemeinen funktionieren, dass das Wasser aus dem Hahn kommt, dass der Strom da ist, wenn ich das Licht anschalte, dass der Straßenverkehr funktioniert. Wir setzen voraus, dass das funktioniert und Sie setzen mit mir ganz selbstverständlich voraus, dass dieses Haus heute hält.

5. Wir setzen auch laufend voraus, vom Generaldirektor angefangen, über alle MitarbeiterInnen, dass unsere Beziehungen im Allgemeinen funktionieren. Das Eltern ihre Kinder nicht vergiften, sondern aufziehen, sich um sie kümmern, dass Geschäftsleute einander im Allgemeinen nicht betrügen, denn sie wollen ja weiter Geschäfte machen und wenn sie ein Geschäft betrügerisch machen, dann machen sie es einmal und nie wieder, wenn man rechtzeitig draufkommt. Wir gehen alle miteinander davon aus, dass unsere Geschäftsbeziehungen auf Vertrauen basieren.

Ich habe Ihnen fünf Beispiele genannt, dass ein Leben ohne Grundvertrauen nicht möglich ist. Wir glauben unglaublich viel. Ein Leben ohne Glauben ist nicht lebbar.

2. Der transzendente Grund des Glaubens

Ich komme zu meinem zweiten Punkt: Braucht dieses Vertrauen oder wie Erik H. Erikson, der große Psychologe, es genannt hat, das Ur-Vertrauen, einen transzendenten Grund? Was sagt uns eigentlich, dass es sinnvoll ist und vernünftig ist, so mit Vertrauen in der Welt zu leben? Ist dieses Grundvertrauen begründet? Haben wir guten Grund im Leben grundsätzlich zu vertrauen? Diese Frage stellt sich meistens erst, wenn das Grundvertrauen erschüttert wird. Das geschieht etwa in einer Beziehungskrise, durch einen plötzlichen Todesfall oder kann auch durch eine Katastrophe kommen. Warum erschüttert uns eine Beziehungskrise? Weil sie nicht der Normalfall ist. Wäre sie der Normalfall, dann müssten wir sagen: Das ist eben so! Wir gehen aber davon aus, dass in unseren Beziehungen, in unseren Wünschen etwas Tragfähiges ist. Wir gehen nicht davon aus, dass Unfälle das Normale sind, dass Katastrophen jeden Tag passieren. Bei solchen Situationen kommt sehr oft die Gottesfrage auf: Warum hat Gott das zugelassen? Ich war selber in Banda Aceh in Westindonesien, drei Tage nach dem verheerenden Tsunami, dort, wo das Epizentrum der Katastrophe war. Drei Tage nach der Katastrophe habe ich gemeinsam mit dem dortigen Erzbischof und Nuntius das unvorstellbare Ausmaß dieser Katastrophe gesehen, die Toten, die lastwagenweise weggebracht wurden. Als ich dann aus Indonesien zurückkam, war ständig die Frage im Raum: Warum kann ein guter Gott so etwas zulassen?

Mir ist in dieser tragischen Situation etwas bewusst geworden: Ich habe dann die Frage zurückgestellt: Wer von Ihnen hat sich schon die Frage gestellt: Warum lässt Gott es zu, dass es Traumstrände und Touristenparadiese gibt wie in Phuket? Hat sich jemand die Frage gestellt, ob das einmal ein Grund wäre, Gott zu danken? Ist es vielleicht problematisch, die Gottesfrage erst dann zu stellen, wenn eine Katastrophe passiert ist? Wer sein Vertrauen auf Gott gründet, der weiß zwei Dinge:

Erstens: Nichts ist selbstverständlich. Ich werde das Wort des sprichwörtlichen "reichen Onkels aus Amerika" nie vergessen, der in der Nachkriegszeit uns Kindern gesagt hat: "Never take anything for granted." Nichts ist selbstverständlich. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir da sein können, dass es uns gibt, dass es uns gut geht, und es ist nicht selbstverständlich, dass es die Traumstrände von Phuket gibt.

Ein zweites ist für den, der sein Vertrauen auf Gott gründet, selbstverständlich: die Grundhaltung der Dankbarkeit. Wer in diesen beiden Grundverfassungen versucht, sein Leben zu leben, wird mit dem biblischen Dulder Hiob im Glück und im Unglück sagen: "der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen" (Ijob 1,21). Das ist aber eine Haltung, die eingeübt werden muss. Sie ist nicht selbstverständlich, und sie ist vor allem nicht auf Knopfdruck da, wenn die Katastrophe kommt. Es ist die Haltung der Frommen im biblischen Sinne. Vor allem muss man das dankbare Bewusstsein Gott gegenüber einüben. Darum verhalten sich glaubende Menschen im Ernstfall vertrauensvoll. So habe ich die Menschen in Banda Aceh erlebt, bei einer unvergesslichen Messe, in einem Militärzelt, unter dem der Boden noch bebte. Wir haben mit Überlebenden der Katastrophe dort Gottesdienst gefeiert, mit vielen Tränen und mit einem Gottvertrauen, das uns Europäer im Innersten bewegt hat.

Was ist dieser letzte Grund, warum Vertrauen und Glauben sinnvoll und vernünftig sind? Das erste Wort der Bibel sagt: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde" (Gen 1,1). Wenn das so ist, dann ist es gut zu vertrauen. Die große Debatte um Schöpfung und Evolution, bei der ich ein wenig mitmischen durfte – zu meinem großen Vergnügen, ich gestehe es, auch wenn ich international viele "Ohrfeigen" bekommen habe –, diese Debatte geht weiter. Ich freue mich darüber, und werde nicht locker lassen. Denn die entscheidende Frage "Schöpfung und Evolution" ist nicht nur eine wissenschaftliche. Die naturwissenschaftliche Theorie der Deszendenz heißt, dass alle Lebewesen miteinander verwandt sind und dass das Leben sich aus einfachsten Anfängen bis zu hochkomplexen Formen höherer Lebewesen entwickelt hat. Diese Theorie hat beste Argumente und große Wahrscheinlichkeit, im Wesentlichen zutreffend zu sein. Vieles weist in diese Richtung. Es ist ja ein großartiger Gedanke, annehmen zu können, dass zwischen dem Regenwurm und uns eine echte Verwandtschaft besteht. Auch dass der Schimpanse und der Mensch sich im Genom nur um ein Prozent unterscheiden, stört mich nicht. Dieses eine Prozent ist stark genug, dass der Schimpanse sich nur für Bananen und Fortpflanzung interessiert, wir aber dafür, was der Schimpanse für ein Genom hat. That’s the little difference! Aber eine andere Frage ist: Darf ich, muss ich sinnvoller Weise annehmen, dass das Wunderwerk des Lebens Ausdruck einer höheren Vernunft, eines Sinnes, eines guten Willens ist, oder muss ich annehmen, dass alles ein blindes Spiel von Zufall und Notwendigkeit ist? Ich unterscheide klar die wissenschaftliche Theorie der Deszendenz von der weltanschaulichen Frage, ob das alles das Produkt des Zufalls ist oder ob es einen Sinn hat und aus einer Vernunft stammt. Es gehört, das erlaube ich mir jetzt schon etwas polemisch zu sagen, eine große Portion Glauben dazu, anzunehmen, dass sich das alles zufällig selbst organisiert hat. Versuchen sie einmal bei Ihrem Schreibtisch das Zufallsprinzip der Selbstorganisation anzuwenden. Ich halte einen solchen Glauben für unvernünftig, er entspricht nicht meiner täglichen Erfahrung.

3. Ist Glauben vernünftig?

Für den nächsten Schritt muss ich die Perspektive noch etwas weiten. Wenn wir die Bibel befragen, was sie unter "Glauben" versteht, stoßen wir auf einen eigenartigen Befund. Da ist es nicht zuerst der Mensch, der an Gott glaubt, sondern paradoxerweise Gott, der an den Menschen glaubt. Gott glaubt dem Menschen, Gott vertraut dem Menschen. Deshalb vertraut er ihm vieles an und traut ihm Großes zu. Im Alten Testament schließt Gott mit dem Menschen einen Bund. Das heißt, er geht ein wechselseitiges Vertrauensverhältnis ein, er macht den Menschen zum Bundespartner, er traut uns zu, mit uns ein "Joint-venture" zu machen. Dieses Risiko geht er ein im Wissen, dass wir nicht die vertrauenswürdigsten und zuverlässigsten Partner sind. Ist Gott unvernünftig, wenn er an uns glaubt? Macht er ein eigentlich unvernünftiges Risikogeschäft? Woher nimmt Gott das Vertrauen zu uns? Wir wissen aus der menschlichen Erfahrung, wie fundamental es für die menschliche Entwicklung ist, Vertrauen zu erleben. Jüdische Genies gibt es vielleicht deshalb so viele, weil so viele jüdische Mütter glauben, dass ihre Kinder Genies sind. Es hat eine unglaubliche Wirkung, wenn am Grund einer Existenz ein großes Zutrauen steht. Menschliche Entwicklung gedeiht in dem Maß, wie wir Menschen schon von Kind erleben, dass uns vertraut wird: "Ich traue dir das zu, du kannst das." Vor allem aber ist es das implizite Wissen, dass ich gewollt, geliebt bin. Das schenkt Vertrauen und Sicherheit. Nun ist der christliche Glaube der Überzeugung, dass ich immer schon von Gott gewollt, gemocht, bejaht bin. Die berühmte Stelle aus dem Prophet Jesaja sagt: "Selbst wenn eine Mutter ihr Kind vergessen könnte, ich vergesse dich nicht!" (vgl. Jes 49,15).

Noch einmal die Frage: Verdienen wir dieses Vertrauen? Viele Menschen leiden heute an einem akuten Mangel an Selbstwertgefühl. Es ist ihnen zu oft gesagt worden, dass sie zu nichts taugen. Gott ist hier in seinem Joint-venture weit gegangen. Er hat gewissermaßen selbst die Vertrauensgarantie für uns gegeben. Wir glauben als Christen, dass Gott Mensch geworden ist. Zu Weihnachten geht es nicht um "Jingle Bells" und Elche, sondern wie feiern die Geburt Christi. Ich habe deshalb vor kurzem eine Glosse in der U-Bahnzeitung über "Weihnachtshasen und Ostermänner" geschrieben. Man könnte auch zu Weihnachten Osterhasen verkaufen und zu Ostern Weihnachtsmänner spazieren lassen, weil viele nicht mehr wissen, worum es eigentlich geht. Doch das ist nicht alles völlig gleich. Gott hat selbst die Risikogarantie auf sich genommen. Er hat sozusagen für uns im Voraus das Risiko bezahlt, das ist der Sinn des Kreuzes: He payed the bill!

Der christliche Glaube basiert auf diesem großen Vertrauen, das Gott dem Menschen schenkt. Es ist damit verbunden, dass Gott uns viel zutraut und deshalb glaubt er auch, dass wir viel können. Das vielleicht wichtigste Gleichnis im Neuen Testament für die "Business World" ist das Gleichnis von den Talenten (Mt 25,14-30). Ein reicher Mann ging auf Reisen und vertraute sein Vermögen drei seiner Verwalter an. Dem einen gab er fünf Talente, dem anderen zwei, dem dritten eines. Ein Talent ist eine riesige Geldmenge, etwa eine Million Euro. Sie wissen, wie die Parabel Jesu weitergeht. Der reiche Mann kommt nach Jahren zurück und fordert Rechenschaft von seinen Verwaltern. Der eine hat hundert Prozent Gewinn gemacht, er hat fünf weitere Millionen dazuverdient, der zweite hat ebenfalls hundert Prozent Gewinn gemacht, er hat zwei Millionen dazuverdient und der dritte hat die Million in den "Sparstrumpf" getan und das Geld vergraben. Der reiche Mann tadelt ihn aufs schärfste und sagt zu ihm: "Du hättest mein Geld wenigstens auf die Bank tun können, dann hätte ich jetzt Zinsen" (Mt 25,27).

Mit diesem Gleichnis bringt Jesus zum Ausdruck, dass Gott dem Menschen viel zutraut. Den beiden ersten hat er viel Geld anvertraut, und das war gut investiert. Der dritte war ein Versager. Was ist die Botschaft dieser Erzählung? Wir sind sozusagen für Gott "creditwürdig". Er glaubt an uns! Wir wissen alle, wie schmerzlich es ist, wenn Vertrauen missbraucht und enttäuscht wird. Was ist dann zu tun? Was ist zu tun, wenn Vertrauen enttäuscht wird? Das ist die Situation, in der wir heute stehen, in der Wirtschaftskrise, der Finanzkrise. Die Botschaft Jesu ist klar: Es gilt "umzukehren". Jesu erste Botschaft lautet: "Das Reich Gottes ist nahe, kehrt um und glaubt das Evangelium!" (Mk 1,15). Das griechische Wort für umkehren heißt wörtlich "umdenken", ändert euer Denken, dort fängt alles an. Es bedeutet auch "ändert eure Richtung!" Ihr seid in die falsche Richtung gegangen. Fragen wir uns also: Was bedeutet glauben in Zeiten der Krise? Dazu noch vier Stichworte:

1. Zuerst innehalten. Wenn man sich im Weg geirrt hat, ist es das Beste, zuerst innezuhalten, nachzudenken, genau zu überlegen, woher bin ich gekommen, wo finde ich den richtigen Weg? Man rast nicht wild weiter, man bleibt stehen und denkt nach. Haben wir unvernünftig gehandelt, unvernünftig geglaubt? Die Finanzblasen waren unvernünftig. Wir brauchen eine neue Orientierung.

2. Eine amerikanische Studie über die Finanzkrise sagt, diese habe mit der Immobilienkrise begonnen und die Immobilienkrise sei primär – auch für mich überraschend – eine demographische Krise. The origin of the crisis can only be demographic and its solution can only be demographic. Zu Beginn dieses Jahres hatte ich ein schockierendes Erlebnis. Ich war in Schruns, im Montafon in Vorarlberg, wo ich aufgewachsen bin. Ich habe dieses Dorf gekannt, als es noch ein wirkliches Dorf war mit nur einer asphaltierten Straße, kaum einem Auto, vielen Kühen und Wiesen. Heute donnert eine Umfahrungsstraße durchs Tal, pausenlos Autoverkehr. Man hat inzwischen darauf verzichtet, den Ort einen Luftkurort zu nennen, wie es lange stolz getan wurde. Und vor allem ist das ganze Tal verbaut mit Einfamilienhäusern. Nun kenne ich viele Menschen, die in diesen Häusern leben. Ich weiß, die meisten Häuser werden von Singles und älteren Menschen bewohnt. Ich hatte plötzlich die erschreckende Vision: Was wird eigentlich aus diesem Tal, aus diesen vielen, vielen Häusern, die heute schon weitgehend leer stehen. Der Pfarrer, der seit über 40 Jahren dort Pfarrer ist, hat mir gesagt: "Früher habe ich im Jahr hundert Kinder getauft, heute taufe ich zwanzig". Und er hat mir ganz naiv die Frage gestellt: Wie sollen diese zwanzig die hundert erhalten? Die Finanzkrise ist auch eine demographische Krise. Ich darf hier ein Wort von Carl Djerassi zitieren, der als Erfinder der Antibabypille wohl unverdächtig ist. Er schrieb vor einigen Monaten im "Standard" einen Artikel, wo meint: Die Österreicher haben zu 30 Prozent xenophobe, ausländerfeindliche Parteien gewählt, haben aber gleichzeitig keine Kinder. Er meint, wir müssten uns entscheiden: entweder Kinder oder Immigration. Ich bin überzeugt, dass er Recht hat.

3. Das entscheidende Netzwerk für die Zukunft wird die Familie sein. Das sage ich jetzt nicht als "professioneller Katholik", sondern empfehle den Herausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher, und seinen Bestseller "Minimum", ein erschütterndes Plädoyer für die Notwendigkeit der Familie in einer Zeit, in der der Sozialstaat schwächer wird. Ich bin überzeugt, dass die Familienwerte nicht umsonst bei Jugendwertestudien an oberster Stelle stehen. Es ist die Sehnsucht nach Familie. Dort, wo Familienwerte nicht gelebt werden können, weil es sie nicht gibt, da brauchen wir Familiensubsistute, Gemeinschaften, Netzwerke, Freundschaftsnetz­werke. Ich überzeugt, dass in unserem Land die 3.000 Pfarrgemeinden für die Zukunft eine große Bedeutung haben werden, auch wenn sie kleiner und schwächer geworden sind. Sie sind existierende Netzwerke der Solidarität, wir werden solche dringend brauchen.

4. Familienwerte schließlich sind Generationenwerte. Sie hängen ab von Geburt und Tod und vom Bewusstsein, dass wir hier auf Erden nur Pilger sind. Die Haltung "everything now" führt zur Katastrophe. Wir haben eine Ewigkeit vor uns, wir müssen nicht jetzt schon alles haben. Dieses Vertrauen hat Generationen vor uns getragen und ihnen geholfen, viel Schwereres, als auf uns heute lastet, zu ertragen. Mit diesem Glauben sind sie durch manche schwere Krisen gekommen. Warum nicht auch wir? Yes, we can!

stephanscom.at
German Für ein "Abendland", das aus christlichen Werten lebt
May 23, 2009
Wortlaut der Predigt von Kardinal Christoph Schönborn beim Hochamt zum Fest Christi Himmelfahrt, 21. Mai 2009, im Wiener Stephansdom.

"Abendland in Christenhand": so wirbt zur Zeit eine politische Gruppierung in Österreich für die Europawahl. Es ist nicht üblich, dass wir Bischöfe zu Wahldebatten Stellung nehmen, zu Recht, denn die Zeit, da Priester und Bischöfe Wahlempfehlungen für bestimmte Parteien und gegen andere abgegeben haben, ist vorbei, und das ist gut so. Das Konzil lehrt uns, dass in politischen Angelegenheiten die Gläubigen nach eigenem Wissen und Gewissen in Freiheit ihre Wahl treffen sollen. Tatsächlich gibt es heute in allen wahlwerbenden Parteien aktive Christen. Das ist auch recht so, solange die Parteien im Rahmen der Verfassung und der Menschenwürde sind.

Wie Kardinal König immer wieder betont hat, geht es in der Haltung der Kirchenleitung gegenüber den politischen Parteien nicht um eine "neutrale" Äquidistanz, also sozusagen allen gegenüber gleich offen und gleich distanziert zu sein. Vielmehr sagte Kardinal König immer wieder: Die politischen Parteien selber bestimmen ihre Nähe oder Distanz zum christlichen Glauben und zur Kirche. Aufgabe der Bischöfe, der Priester und der Kirchenleitung ist es, vor allem die leitenden Prinzipien in Erinnerung zu rufen, die christlichen Grundwerte einzumahnen und notfalls auch einzufordern. Das sehe ich auch heute als meine Aufgabe. Ausgangspunkt dafür kann nur das Evangelium, die Lehre, die Botschaft und die Person Jesu Christi sein. Auf Ihn zu blicken, lade ich Sie heute ein, um in der gegenwärtigen Debatte den politischen Gebrauch von Worten wie "Abendland in Christenhand" oder von christlichen Kernsymbolen wie dem Kreuz vom Glauben her zu beleuchten. Ich lade Sie ein, mit mir einfach auf das Evangelium zu hören.

Da steht eines fest: Jesus Christus hat seinen Gläubigen einen weltweiten Missionsauftrag gegeben. Er hat sie "in die ganze Welt" geschickt und ihnen den Auftrag gegeben, allen Geschöpfen das Evangelium zu verkünden. Hätten die Christen diese Aufgabe nicht ernst genommen, dann gäbe es heute im "Abendland" kein Christentum, aber auch nicht in den vier anderen Kontinenten. Von seinem Gründer her ist das Christentum missionarisch. Daran erinnert uns das Evangelium von heute.

"Missionarisch" - das hat bei vielen heute eine schlechte Presse. Das klingt nach "Zwangsbeglückung" und weckt alte Vorurteile gegen das Christentum. Sollten wir nicht besser auf Mission verzichten und stattdessen auf Dialog setzen? Mission oder Dialog - ist das wirklich die Wahl?

Eines ist sicher: auch andere Religionen sind "missionarisch". Der Islam breitet sich weltweit aktiv aus. Alle Menschen sollen sich Allah unterwerfen, nach der Lehre und den Gesetzen des Korans. Aber auch andere Religionen "missionieren", auch wenn sie es nicht so nennen. So wächst etwa der Buddhismus in Europa. "Missionarisch" sind auch manche Atheisten. Sie werben etwa in England oder in Spanien auf Autobussen öffentlich für den Atheismus und gegen jede Form von Religion.

"Mission" kann intolerant sein, wenn sie mit Zwang und Gewalt vorgeht. Jesu Methode war das sicher nicht, auch wenn wir Christen uns nicht immer an Jesu Weg orientiert haben. Jesus will keinen Zwang. Vielmehr spricht Er die Herzen und die Vernunft an. Er lädt zum Glauben, zum Dienen, zur Selbstlosigkeit ein. Sein Kreuz ist alles andere als ein Machtsymbol. Es ist das Zeichen einer Liebe, die bis zum Letzten geht.

Wir Christen haben das Kreuz sicher auch als Machtsymbol gebraucht und missbraucht. Wenn wir es auch heute in der Öffentlichkeit sehen und behalten wollen, dann geht es uns vor allem darum, im Kreuz ein Zeichen der Liebe zu sehen, einer Liebe, die Gewalt nicht mit Gewalt und Hass nicht mit Hass beantwortet, sondern Hass und Feindschaft durch Hingabe und Verzeihen überwindet. Deshalb schmerzt es uns, wenn das große Zeichen der Versöhnung von anderen abgelehnt wird, wenn in manchen Ländern das Zeichen des Kreuzes nicht toleriert wird.

Gilt es nicht, gerade in unserer Zeit, in der menschenverachtendes Gedankengut, genauer müsste man sagen "Gedankenungut", sich wieder ausbreitet, das Zeichen des Kreuzes als das Zeichen der Versöhnung, der Sühne, der Feindesliebe anzusehen? Die ausgespannten Arme Jesu am Kreuz sind das Zeichen einer alle Menschen annehmenden und an sich ziehenden Liebe. Dieses Zeichen darf daher auch nicht politisch missbraucht werden, quasi als Kampfsymbol gegen andere Religionen, gegen andere Menschen.

Ja, ich wünsche mir ein Europa, das vom Christentum geprägt ist, aber von einem Christentum, das an Jesus Christus Maß nimmt. Ich wünsche mir, dass die Seligpreisungen Jesu (selig die Armen, die Barmherzigen, die Friedensstifter, selig, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten) wirklich tiefer das Leben Europas prägen. Ich wünsche mir das, weil ich überzeugt bin, dass der Weg Jesu ein Weg ist, auf dem eine Gesellschaft menschenfreundlicher und menschenwürdiger wird und es auch bleibt.

Aber der Weg Jesu, "das Christentum", wird in Europa nur lebendig bleiben und wieder lebendig werden, wenn es in den Herzen lebt. Papst Johannes XXIII. hat das Zweite Vatikanische Konzil vor 50 Jahren einberufen und sich von ihm "ein neues Pfingsten" erhofft. Ich lade zur Zeit die ganze Erzdiözese Wien zu einem Weg ein, der unseren Glauben von innen her, aus der Freundschaft mit Jesus, aus der Kraft des Heiligen Geistes, erneuern soll. Wir nennen diesen Vorgang "Apostelgeschichte 2010", weil wir überzeugt sind, dass die Geschichte von den Anfängen der Kirche auch heute weitergeschrieben wird.

Die Kirche geht freilich diesen Weg Jesu Christi nicht alleine. Es ist gut und wichtig, dass es gesellschaftliche Kräfte, auch politische Parteien gibt, die sich für humane und christliche Werte einsetzen. Hier gibt es immer wieder zwischen Kirche und gesellschaftlichen Gruppen gemeinsame Wegstücke, denn nur im Miteinander werden wir die schwierigen Zeiten, die vor uns liegen, meistern können. Dazu gehört vor allem ein intensives Bemühen um die Familie, die das sicherste und grundlegende soziale Netz darstellt. Dazu gehört ein aktiver, kreativer Schutz des Lebens, des ungeborenen, des behinderten, des kranken, des alten und auch des sterbenden Lebens.

Dazu gehört für uns unabdingbar ein vom Christentum inspirierter Umgang mit den Fremden: den Verfolgten, denen wir, wenn sie wirklich bedroht sind, Aufnahme gewähren müssen; den Immigranten, die wir bei unserer niedrigen Geburtenzahl brauchen, um auch unser Sozialsystem erhalten zu können. Zwei Hinweise in diesem Zusammenhang: Solange so viele ungeborene Kinder bei uns nicht zum Leben kommen können, wird diese "Wunde" unser Land belasten. Helfen wir zusammen, dass Kinder leben dürfen, Platz haben in unserer Gesellschaft. Und: Ich habe seit Wochen die Regierung gebeten: Nehmen wir doch wenigstens einige irakische Christen auf, die in ihrem Leben wirklich bedroht sind. Ich finde es erschütternd, dass Österreich nicht dazu bereit ist, während Deutschland 2.500 solche irakische Christen aufgenommen hat. Ja, ich wünsche mir ein Abendland, das wirklich aus den christlichen Werten lebt. Das erfordert aber vor allem einen tiefen christlichen Glauben. Jesus lädt dazu ein. Der Glauben rettet, sagt er. Denn ohne das Vertrauen auf Gott, ohne den Glauben an Ihn, sind wir orientierungslos, sind wir "rettungslos".

Meine Frage ist nicht, ob das Abendland in Christenhand bleibt, sondern ob es Christus im Herzen hat. Ein glaubensloses Abendland, das ist zu fürchten. "Wer nicht glaubt, wird verdammt werden" - ein sehr hartes, ein ernstes Wort Jesu. Wir können das Kapital des christlichen Glaubens in Europa verspielen. Wir können das Ziel und den Sinn unseres Lebens verfehlen. Jesu Ruf an uns ist deshalb: "Glaubt an Gott und glaubt an mich". Glauben wir an seine Liebe - und vertrauen wir auf seine Liebe. Amen.

stephanscom.at
German Kardinal Schönborn: Orden sind Zeichen eines alternativen Lebensstils
May 05, 2009
50 Jahre Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs

WIEN, 30. April 2009 (ZENIT.org).- „Orden sind Zeichen eines alternativen Lebensstils", erklärte Kardinal Christoph Schönborn am Dienstag bei einem Festgottesdienst zur 50-Jahr-Feier der Superiorenkonferenz der männlichen Ordensgemeinschaften Österreichs.

Ordensleute zeigten in einer orientierungslosen Gesellschaft neue Wege und neue Hoffnung auf, die über diese Welt hinausreichten, erklärte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz während der heiligen Messe im Stift Klosterneuburg. Anschließend würdigte er die unverzichtbaren Leistungen der Orden für Kirche und Gesellschaft.

Auch der Vorsitzende der Superiorenkonferenz, Propst Maximilian Fürnsinn, betonte in seiner Festansprache den vielfältigen Dienst, den die Ordensgemeinschaften für Österreich und die Menschen im Land leisten. Er bezeichnete die Orden als „Biotope des Glaubens", „Orte des Gebets und des Gottesdienstes" sowie als „Orte der Gastfreundschaft und der Sinnsuche".

Der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, wies beim Festgottesdienst ebenfalls auf den Beitrag der Orden für die Gesellschaft hin.

Über die Zukunft des Ordenslebens sprachen beim anschließenden Festakt im Stift Klosterneuburg die Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, Schwester Kunigunde Fürst, und der Abt von Stift Altenburg, Christian Haidinger.

Schwester Fürst hob in ihren Ausführungen die große soziale Kraft der Frauen hervor. Frauen hätten in besonderer Weise ein Gespür für das, was schützenswert sei. Und gerade Ordensfrauen hätten diese Wahrnehmung immer wieder genützt, um in ihrer jeweiligen Zeit ihre diakonischen Aufgaben wahrzunehmen.

Die Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden sprach von zwei Polen des Ordenslebens, die auch in Spannung zueinander stünden: von der spirituellen Beziehung zu Gott und dem Blick auf die Nöte der Menschen und den daraus folgenden diakonischen Dienst.
German Kardinal Schönborn begrüßte Nuntius Zurbriggen im Stephansdom
Apr 19, 2009

Wien, 19.04.2009 (KAP) In herzlichen Worten begrüßte Kardinal
Christoph Schönborn am Sonntagnachmittag den neuen Apostolischen
Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, im
Wiener Stephansdom beim festlichen "Te Deum" zum Jahrestag der Wahl
von Papst Benedikt XVI. Die meisten Mitglieder der Österreichischen
Bischofskonferenz waren beim "Te Deum" anwesend.

Der Stephansdom sei gleichsam das "Herz" der katholischen Kirche in
Österreich, sagte Kardinal Schönborn. Mit seinem ersten offiziellen
Auftritt im Stephansdom sei der Nuntius damit auch in alle
österreichischen Diözesen gekommen. Alle Diözesen und Bundesländer
hätten am Wiederaufbau des Doms nach der Katastrophe des Zweiten
Weltkriegs mitgewirkt.

"Manche Leute" seien der Meinung, dass "das Grundwasser des
Glaubens" in Österreich absinke, betonte der Wiener Erzbischof.
Zweifellos gebe es auch in Österreich die Schwierigkeiten, die für
ganz Europa kennzeichnend sind. Aber zugleich gebe es auch
Anzeichen, dass "das Grundwasser des Glaubens" wieder steigt.

Der Name des neuen Nuntius - Zurbriggen - sei der Name eines
"Brückenbauers", stellte Kardinal Schönborn fest. Auch die Vornamen
des Nuntius enthielten diese Botschaft: Peter erinnere an die
"weltweite Erfahrung", an die "Weite der Weltkirche" und die
Tatsache, dass es keinen "österreichischen Sonderweg" geben kann;
Stephan enthalte die Bitte, die "Anliegen der Ortskirche" im Herzen
zu erwägen und eine Brücke zu schlagen zwischen dem Zentrum der
Weltkirche und der Ortskirche.

Nuntius Zurbriggen sagte, er sei "bewegt" durch die herzliche
Aufnahme in Österreich, er zähle auf das Wohlwollen und das Gebet
der österreichischen Katholiken. Es sei für ihn eine besondere
Freude, dass er seinen Dienst in Österreich am 4. Jahrestag der Wahl
von Papst Benedikt XVI. antreten dürfe, sagte Zurbriggen. Benedikt
XVI. leite seit vier Jahren mit "sicherer und behutsamer Hand" die
Weltkirche. Er verkünde das "Wissen der Kirche" und die
"unvergängliche Schönheit des Evangeliums" mit neuer Frische. Seine
"Demut und Menschlichkeit" seien immer wieder beeindruckend. Mit
Österreich sei der Papst in "tiefer Wertschätzung und liebevoller
Zuneigung" verbunden. "Gehen wir zusammen den Pilgerweg 'cum Petro
et sub Petro' (mit Petrus und unter Petrus)", sagte der Nuntius.

Er wolle seinen Dienst "in der Kirche in Österreich und für sie"
leisten, betonte Erzbischof Zurbriggen: "Mit Ihnen allen gemeinsam".
Die Nächstenliebe sei das Band, "das alles zusammenhält".

Abschließend formulierte der Nuntius seine herzlichen Wünsche zum
orthodoxen Osterfest und sagte auf russisch: "Christos woskrese, wo
istina woskrese" (Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig
auferstanden).
German "Zeugnis der Christen notwendig"
Apr 17, 2009
Wien/Salzburg (APA) - Die Verbreitung der christlichen Botschaft ist nur durch das persönliche Zeugnis von Christen möglich, betonte Kardinal Christoph Schönborn beim Osterhochamt am Sonntagvormittag im Wiener Stephansdom. Aber niemand könne "Zeugnis für Christus" geben, wenn er nicht eine Glaubenserfahrung gemacht habe. Das Christentum könne heute nicht mehr "soziologisch" weitergegeben werden, sagte Schönborn.

Die "Christenheit" habe in Europa Großartiges geleistet. Aber heute sei es anders: Die persönliche Glaubenserfahrung müsse eine "neue Kultur" generieren.

Im überfüllten Stephansdom hatte Kardinal Schönborn bei der Osternachtfeier einen Katechumenen (Taufbewerber) getauft und gefirmt: Es handelte sich um den 27-jährigen Studenten Denis Akimow, der aus Moskau stammt. Akimow war bereits als Schüler nach Wien gekommen. Hier entdeckte er den christlichen Glauben. Insgesamt wurden in der Osternacht in Wiener Kirchen heuer mehr als 50 Kandidaten durch die Taufe in die katholische Kirche aufgenommen.

"Ostern ist eine wunderbare Gelegenheit, sich zu erheben und aufzustehen, eine Wende, einen Neuanfang im eigenen Leben zu vollziehen", sagt Erzbischof Kothgasser in seiner Osterpredigt im Salzburger Dom. Kothgasser erinnerte an den Völkerapostel Paulus, der als Kontrapunkt zur Negativseite menschlichen und oft auch christlichen Lebens auf die positiven Merkmale von Auferstehung und Leben verweise: "Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung".
German Kardinal Schönborn gratuliert Wiens Juden zum Pessach-Fest
Apr 13, 2009

Wien, 8.4.09 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat dem Wiener Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg "und der ganzen Kultusgemeinde" zum bevorstehenden jüdischen Pessach-Fest seine herzlichen Segenswünsche übermittelt.

Wörtlich heißt es in dem Glückwunschschreiben: "In der großen Nacht des Vorübergangs hat Er die Israeliten aus Ägypten gerufen und als Sein Volk in die Freiheit geführt. Er, der mit Seinem Volk einen unwiderruflichen Bund geschlossen hat, möge Sie im sicheren Vertrauen auf Seine rettende Nähe auch heute als Sein auserwähltes Volk führen und stärken. Mein besonderer Segenswunsch gilt dem Land Israel. Der Herr gewähre ihm und allen Menschen, die dort Heimat haben, Frieden und Wohlergehen".

Pessach, das jüdische Osterfest, beginnt am Mittwochabend und dauert bis 16. April. Erinnert wird im Pessach-Fest an den Auszug aus Ägypten. Die Wünsche des Kardinals für ein "gesegnetes und freudiges Pessach-Fest" haben in Wien eine lange Tradition, in der die Verbundenheit zwischen der Kirche und der jüdischen Gemeinschaft zum Ausdruck kommt.
German Kardinal Schönborn: "Es keimt eine neue Zuversicht in der Kirche"
Apr 13, 2009
Wiener Erzbischof ermutigte bei Chrisam-Messe im Wiener Stephansdom
zum Zeugnis für den Glauben

Wien, 7.4.09 (KAP) "Es waren sehr belastende Wochen, manchmal auch
Momente großer Mut- und Ratlosigkeit. Doch nun sehe ich eine neue
Zuversicht in der Kirche aufkeimen": Mit diesen Worten lud Kardinal
Christoph Schönborn bei der traditionellen Chrisam-Messe am
Montagabend im Wiener Stephansdom die Gläubigen dazu ein, die
"Heilige Woche" zu begehen. Die für die Kirche oft schmerzhaften
Erfahrungen der vergangenen Wochen müssten auch als "ein Weg der
Läuterung" begriffen werden. Zugleich rief der Wiener Erzbischof die
Gläubigen dazu auf, das Vertrauen in Jesus und die Kirche nicht zu
verlieren und gemeinsam in die Zukunft zu blicken.

Es gebe genügend Positives auch in der Kirche in Österreich zu
entdecken und lebendig zu halten. So dürfe man nicht vergessen, wie
sehr Österreich "bis heute von christlichen Wurzeln und einem
christlichen Erbe geprägt" sei. Weiter hob Kardinal Schönborn das
Netz der Pfarren, Orden und Gemeinschaften hervor, die zusammen ein
"feinmaschiges Netz der Nächstenliebe und Gottesliebe" bilden. Allein
in der Erzdiözese Wien gebe es 660 Pfarren. Dieses Netz umfasse

Doch der Christ dürfe auch vor negativen Tendenzen nicht die Augen
verschließen, so etwa vor der demografischen Entwicklung, die Anlass
zur Sorge gebe. Weiters unterstrich der Wiener Erzbischof, dass auch
in Österreich "das christliche Lebensverständnis mehr und mehr und
zum Teil sehr aggressiv an den Rand gedrängt" wird; es gebe Versuche,
die Christen zu "marginalisieren".

Gerade angesichts dieser Tendenzen ermunterte Schönborn dazu, für den
Glauben öffentlich einzustehen. "Was ist es", so fragte der Kardinal
in Anlehnung an ein Zitat aus der Apostelgeschichte, "wovon wir nicht
schweigen können?" Man müsse als Christ immer wieder an die Quellen
des Evangeliums zurückkehren, um die "Initialzündung" des Glaubens zu
begreifen. Diese könne man etwa im "Mission Statement" Jesu in der
Synagoge von Nazareth sehen, wo Jesus den Propheten Jesaja zitierte:
"Gott hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft
bringe und alle heile, deren Herz zerbrochen ist, damit ich den
Gefangenen die Entlassung verkünde und den Gefesselten die Befreiung,
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe".

In diesem Zusammenhang verwies Kardinal Schönborn auf den großen
diözesanen Vorgang "Apostelgeschichte 2010", der in den kommenden 24
Monaten das Leben der Erzdiözese Wien prägen soll. Ziel des Vorgangs
ist es, die Apostelgeschichte "hier und heute" weiterzuschreiben und
einen missionarischen Aufbruch auszulösen.

Bei der Chrisam-Messe, die der Wiener Erzbischof mit zahlreichen
Priestern, Diakonen, Priesteramtskandidaten sowie Firmlingen aus der
ganzen Diözese feierte, weihte er die heiligen Öle, die während des
Jahres für die Sakramentenspendung in den Kirchen der Erzdiözese
verwendet werden. Chrisam wird aus reinem Olivenöl hergestellt,
Balsam und Aromastoffe werden beigefügt. Das Chrisamöl findet
Verwendung bei Taufe und Firmung, bei der Priesterweihe, aber auch
bei der Weihe von Altären und Kirchen. Außer dem Chrisamöl werden bei
der Chrisam-Messe auch das Krankenöl für die Krankensalbung und das
Katechumenenöl für die Taufe geweiht. Öl ist Zeichen für Lebendigkeit
und Stärke. Die Ölweihe steht allein dem Bischof zu. (forts.mgl.)
K200903367
nnnn

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German Zölibat - Ja oder Nein?
Apr 07, 2009
Wortlaut der "Antworten" in der Gratis-Zeitschrift "Heute" von Kardinal Christoph Schönborn am Freitag, 27. März 2009.

90 Prozent der Österreicher sollen für die Abschaffung des Zölibats sein, so das Ergebnis einer Umfrage, von der alle Medien berichten. 72 Prozent sind "voll und ganz dafür", dass Priestern das Heiraten erlaubt sein soll. Der Großteil der Befragten kann damit leben, dass der Pfarrer "eine Frau bzw. Freundin" haben darf. Wer aber stellt die Frage: Ist das auch im Sinn Jesu? Oder ist das nur Anpassung an den Zeitgeist?

Dazu einige Bemerkungen. Niemand wird zum Zölibat gezwungen. Denn niemand wird gezwungen, Priester zu werden, oder Ordensmann, oder Ordensfrau. Wer diesen Weg der Nachfolge Jesu wählt, weiß, worauf er oder sie verzichtet. Die Zeit der Prüfung vor der endgültigen Bindung an diese Lebensform ist ausreichend lange. Ihr ein Leben lang treu zu bleiben, ist nicht leicht. Auch die lebenslange eheliche Treue ist mit manchen Opfern verbunden. Aber Treue ist ein hoher Wert. Wie viel Leid wird heute durch Untreue gegenüber einmal gegebenen Versprechen verursacht! Soll die Ehe abgeschafft werden, weil die eheliche Treue oft nicht durchgehalten wird? Gilt es nicht, Untreue zu bereuen und zum gegebenen Versprechen zurückzukehren?

Der Generalverdacht gegen Priester und Ordensleute, sie hielten ihre Versprechen nicht, ist ungerecht. Gibt es in unserer Gesellschaft nicht viele Menschen, die durch ihre Lebensumstände genötigt sind, ohne Partnerschaft, ohne sexuelle Beziehung zu leben? Sind sie deswegen krank, unglaubwürdig, nicht normal? Wie viele von ihnen leben ihren "Zölibat" in guter Weise, hilfsbereit, offen für die Nöte anderer? Ich bin überzeugt: Es ist auch für Priester möglich. Und sinnvoll.

(© Kardinal Christoph Schönborn)

www.stephanscom.at
German Kardinal Schönborn: "Bund Gottes" mit afrikanischen Völkern sehen
Apr 07, 2009
Wiener Erzbischof zelebrierte Gedenkmesse zum 20. Todestag des nigerianischen Priesters Aaron Ekwu, der in Wien als der "lächelnde Kaplan" bekannt wa

Wien (KAP) Die Bedeutung des "Bundes Gottes mit den afrikanischen Völkern" hat Kardinal Christoph Schönborn bei einer Gedenkmesse zum 20. Todestag des lange in Wien tätig gewesenen nigerianischen Priesters Aaron Ekwu (1936-1989) betont. Der Kardinal erinnerte bei der Gedenkmesse in der Kirche des Wiener Priesterseminars an die "tiefe Verwurzelung" des katholischen Glaubens in Nigeria und anderen afrikanischen Ländern. Dabei verwies er auf die Überlegungen des Theologen und Ratzinger-Schülers Barthelemy Adoukonou, der heute Generalsekretär der regionalen Bischofskonferenz des französischsprachigen Westafrika ist. Für Aaron Ekwu läuft in seiner Heimatdiözese Awka und in Wien (wo er 1965 von Kardinal Franz König zum Priester geweiht worden war) ein Seligsprechungsverfahren.

Schönborn, der ebenso wie Adoukonou dem "Schülerkreis" des heutigen Papstes angehört, betonte in Bezugnahme auf den afrikanischen Theologen, dass der Erfolg der Missionsbewegung im heutigen Ostnigeria (der Heimat Aaron Ekwus), als "Heimkehr Christi in sein Eigentum" gesehen werden könne: "Wenn Christus zu einem Volk kommt, dann kommt er in sein Eigentum". Aus dieser Sicht lasse sich erklären, warum der neue Glaube in wenigen Generationen tiefe Wurzeln fassen und lokale Heilige hervorbringen konnte.

Der Kardinal konzelebrierte die Gedenkmesse mit Priestern aus Österreich und Nigeria. Zahlreiche nigerianische Priester und Ordensfrauen sind in den Diözesen Wien, Eisenstadt und Linz tätig.

Aaron Ekwu, 1936 in Nigeria geboren, konnte dank eines Stipendiums in Wien Theologie studieren. Bis 1970 war er Kaplan in der Pfarre St. Johann Evangelist am Keplerplatz in Wien-Favoriten, wo er mit seinem liebenswürdigen und offenen Wesen einen großen Freundeskreis gewann. Ekwu galt als "der lächelnde Kaplan".

Erst nach dem Ende des Biafra-Krieges 1970 konnte Aaron Ekwu in seine Heimat zurückkehren. Bald nach seiner Ankunft in Nigeria wurde er zum Pfarrer ernannt. Neben seiner Seelsorge-Tätigkeit lehrte der Priester auch als Professor für dogmatische Theologie am Bigard Memorial Seminary in Enugu, bis er 1977 nach Los Angeles ging, dort einen akademischen Titel in Erziehungswissenschaften erwarb und zugleich Kaplan im kalifornischen El Segundo war. Nachdem er in seine Heimatdiözese Awka in Nigeria zurückkehrt war, wurde "Father Aaron" Pfarrer in Amawbia und Schulinspektor für den Religionsunterricht an den staatlichen Schulen. Zu Ostern 1989 verunglückte Ekwu tödlich.

Kardinal Schönborn besuchte im Jahre 2000 im Zuge seiner ersten Afrikareise sämtliche "Schauplätze" der Biografie Ekwus. Der Persönlichkeit Aaron Ekwus ist auch ein verstärktes Nigeria-Engagement der österreichischen Katholiken zu verdanken. Aus Österreich wurden bereits einige soziale, karitative und pastorale Initiativen in der Diözese Awka unterstützt. Eines der Projekte ist die neue "Aaron Ekwu Memorial Clinic" in Akpugoeze.

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German Afrika - der vergessene Kontinent
Mar 30, 2009
Wortlaut der "Antworten" in der Gratis-Zeitschrift "Heute" von Kardinal Christoph Schönborn am Freitag, 20. März 2009.

"Vive le Pape! - Es lebe der Papst!" Unzählige bejubeln diese Woche Papst BenediktXVI. Nicht in Europa, sondern in Afrika, dem längst ver­gessenen und abgeschriebenen Kontinent, wo Armut, Elend - und AIDS herrschen. Wer denkt noch an die Begeisterung des " Wir sind Papst!", die ganz Deutschland nach seiner Wahl 2005 erfasste! Heute erntet er nur Kritik. Egal, was er sagt. Und jetzt noch der "Sager" ge­gen Kondome! Die Kommentatoren reagierten reflexartig. Und man­che bei uns sagen darauf: Aus dieser Kirche trete ich aus!

Mich ärgert die Heuchelei an dieser Papstkritik. Was hat er wirklich ge­sagt? Dass mit Kondomen allein der tragischen AIDS-Epidemie nicht bei­zukommen ist. Das Übel liegt anderswo: dass der Westen, die reichen Länder, Afrika einfach abgeschrieben haben. Wer regt sich bei uns darüber auf, dass die Entwicklungshilfe aus dem wohlhabenden Europa nicht einmal die Hälfte dessen ausmacht, was feierlich als Ziel verkündet wurde? Und dass die Pharmakonzerne weiterhin die Medi­kamente für HIV-Positive für Afrika unerschwinglich teuer verkaufen? Wer spricht davon, dass die Kirche in der AIDS-Hilfe in Afrika führend ist?

Unzählige Menschen auf dem schwarzen Kontinent sehnen sich nach etwas besseren Lebensbedingungen, nach Frieden, nach mehr Gerechtigkeit. Aber sie geben uns auch ein bewegendes Zeugnis des Glaubens. Ich habe das selbst erlebt, in Nigeria, in Zambia. Und bei uns in Wien in der afrikanischen Gemeinde. Statt den Papst zu kritisieren, sollten wir uns fragen, wie unsere Einstellung zu Afrika und seinen Menschen ist. Auch zu den Afrikanern, die bei uns leben. Wir dürfen Afrika und seine Menschen nicht vergessen. Der Papst vergisst sie nicht. Das spüren sie. Und freuen sich über seinen Besuch.
German "Kirche ist eine weltweite Quelle der Hoffnung"
Mar 30, 2009
Mehr als 1.000 Jugendliche nahmen am diözesanen "Weltjugendtag" in Wien teil. Trotz Gegenwind gibt es für Christen keine Hoffnungslosigkeit.

Wien (KAP) "Die Kirche ist trotz aller Turbulenzen eine weltweite Quelle der Hoffnung": Daran erinnerte Kardinal Christoph Schönborn beim diözesanen "Weltjugendtag" in Wien. Vor mehr als 1.000 Jugendlichen im Stephansdom sagte der Wiener Erzbischof, dass schwierige Zeiten für die Christen angebrochen seien: "Der Gegenwind ist heftig. Wir werden viel Kritik erleben. Aber die Kirche ist weltweit eine Kraft, die Hoffnung in die Hoffnungslosigkeit pumpt".

"Wie alle Christen seid ihr Zeugen der Hoffnung", rief der Wiener Erzbischof den Jugendlichen bei seiner Predigt im Dom zu. Für Christen gebe es keine Hoffnungslosigkeit, unterstrich der Kardinal: "Es gibt keine Situation, aus der Gott nicht etwas Gutes machen kann - das ist unser Glaube".

Der Wiener Erzbischof verwies auf Persönlichkeiten wie P. Georg Sporschill SJ, "für den Straßenkinder Hoffnungskinder sind", und Sr. Elvira Petrozzi, die Gründerin der Gemeinschaft "Cenacolo", die erfolgreiche Drogen-Rehabilitationszentren eingerichtet hat. Beide hätten "die unglaubliche Energie, nicht aufzugeben". Kein Mensch sei für sie "ein hoffnungsloser Fall".

Keine Sünde sei so groß, dass Gott sie nicht verzeiht, machte Kardinal Schönborn den Jugendlichen Mut. Daraus folge aber, so der Kardinal, dass niemand von der Gesellschaft zu einem hoffnungslosen Fall abgestempelt werden dürfe. Schönborn: "Wenn ich für Gott kein hoffnungsloser Fall bin, dann darf kein anderer es für mich sein".

Die jugendlichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren "bunt gemischt": Jugendliche aus Firmgruppen, Mitglieder der Katholischen Jugend und katholischer Studentenverbindungen, junge Leute aus neuen geistlichen Bewegungen und den anderssprachigen Gemeinden der Erzdiözese Wien. Kardinal Schönborn lud sie alle zur Beteiligung am diözesanen Prozess "Apostelgeschichte 2010" ein, der einen neuen missionarischen Aufbruch bedeutet: "Wir wollen gemeinsam die Apostelgeschichte, die Geschichte Gottes mit uns Menschen und die Geschichte der Kirche, weiter schreiben".

Nach dem Gottesdienst zogen die Jugendlichen in einer - vom starken Wind behinderten - Lichterprozession um den Dom und dann in den Hof des Erzbischöflichen Palais, wo bei einer "Open-Air-Agape" bis in die Nacht hinein gefeiert wurde.

Der 24. katholische Weltjugendtag (Motto "Wir haben unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt") wird heuer weltweit auf diözesaner Ebene ausgerichtet. In vielen Ortskirchen auf allen Kontinenten gibt es rund um den Palmsonntag Veranstaltungen, bei denen die Jugendlichen einer Diözese zusammenkommen. Die nächste internationale Zentralveranstaltung des Weltjugendtags wird 2011 in Madrid stattfinden.
German Ständige verheiratete Diakone sind große Gabe für die Kirche
Mar 30, 2009
Festmesse im Stephansdom zum Abschluss der internationalen Konferenz der Ständigen Diakone in Wien - Kardinal Schönborn betont dreifache Berufung der Diakone

Wien (KAP) Mit einem festlichen Gottesdienst im Wiener Stephansdom ist am Sonntag die internationale Konferenz der Ständigen Diakone zu Ende gegangen. Kardinal Christoph Schönborn sprach in seiner Predigt davon, dass die Ständigen Diakone eine "große Gabe für die Kirche" sind. Der Wiener Erzbischof führte die dreifache Berufung der Diakone zu Ehe und Familie, im Beruf sowie in der Mission und im Dienst in der Kirche an.

Im Stephansdom erinnerte Kardinal Schönborn auch an seinen Vorvorgänger, Kardinal Franz König, der sich beim Zweiten Vatikanischen Konzil maßgeblich für die Wiederbelebung des Ständigen Diakonats in der katholischen Kirche eingesetzt hatte. Die ersten Ständigen Diakone in Österreich wurden dann 1970 im Stephansdom geweiht.

Mit Kardinal Schönborn konzelebrierten u.a. der Erzbischof von Durban, Kardinal Wilfrid Fox Napier, und der - aus Österreich stammende - Bischof von Keetmanshoop in Namibia, Philipp Pöllitzer.

Rund 200 Teilnehmer aus 30 Ländern hatten sich bei der internationalen Konferenz im Kardinal-König-Haus die Situation der Ständigen Diakone auf den verschiedenen Kontinenten analysiert und über Spiritualität und Aufgabenfelder für Diakone beraten. Die Konferenz stand unter dem Motto "Diakonische Spiritualität. Gestern - heute - morgen".

"Einsatz für Arme und Ausgegrenzte"

Diakone sind besonders dazu berufen, "dort die Stimme zu erheben, wo Menschen in ungerechten Strukturen leben müssen und unter Armut und Ausgrenzung leiden", betonte der neugewählte Vorsitzende des "Internationalen Diakonatszentrums" (IDZ), Prof. Klaus Kießling, zum Abschluss der Tagung. "Wir sind aufgerufen, eine Spiritualität christlicher Solidarität zu kultivieren", sagte der Theologe und Psychologe. Ständige Diakone seine aber keine "Stellvertreter" der Priester. Ihre Aufgabe sei es, Menschen als Gesandte der Kirche zu begleiten.

Für den Dienst als Ständiger Diakon kommt nur in Frage, wer sich bereits in Ehe und Familie, in Kirche und Berufswelt bewährt hat. Bei verheirateten Männern, die bei der Weihe mindestens 35 Jahre alt sein müssen, muss auch die Ehefrau ihr Einverständnis zur Ausbildung und Weihe geben.

Im Bewusstsein der kirchlichen Öffentlichkeit werden die ständigen Diakone - gegen die eigentliche Intention des Zweiten Vatikanischen Konzils - sehr stark im Hinblick auf ihre liturgischen Funktionen gesehen: Sie können u.a. bei Trauungsfeiern assistieren, taufen, Begräbnisse leiten und bei Gottesdiensten predigen. Die Hauptaufgabe eines ständigen Diakons ist es aber, "Auge und Ohr" des Bischofs im Hinblick auf die vielfältigen Notsituationen der Menschen zu sein.

Die meisten ständigen Diakone sind heute ehrenamtlich in der Pfarrseelsorge tätig. Einige haben aber auch Aufgabenbereiche in der kategorialen Seelsorge übernommen, z.B. in der Krankenseelsorge, in der Altenpastoral oder in Bildungshäusern.
German Diskussion: „Herr Kardinal, waren Sie verliebt?
Mar 27, 2009
Wenn Christoph Schönborn und Gerti Senger über Sexualität diskutieren.

Wien. Es ist eine Publikumsfrage, die Christoph Schönborn schließlich überrascht: „Herr Kardinal, waren sie schon einmal verliebt?“ Und Schönborn überrascht selbst – mit einem „Ja“. Mehr will Österreichs oberster Hirte aber nicht preisgeben.

Überhaupt hat sich der Kardinal an diesem Abend ein wenig angespannt gezeigt: Das Diskussionsthema „Nirgends wird so viel gelogen wie in der Sexualität“, zu dem ihn Studenten der (katholischen) Akademie für Evangelisation am Mittwochabend in die Sky Bar geladen haben, ist nicht unbedingt das seine. Zurückgelehnt und sehr zurückgezogen sitzt Schönborn in einem Ledersessel, lächelt unverbindlich und hört zu, als Sexualtherapeutin Gerti Senger über Beziehungs- und Orgasmuslügen, über Täuschung und falsche Umfragen zum Thema Sexualität spricht. Man sieht ihm schon an, was er wenig später ausspricht: „Am liebsten würde ich dort hinten im Schatten sitzen statt hier im Rampenlicht.“


„Sexualität grundsätzlich positiv“

Mit Schönborn auf dem Podium sitzen neben Senger ein ehemaliger Starmania-Kandidat, der aus religiösen Gründen den Geschlechtsverkehr vor der Ehe ablehnt, und eine Studentin des Lehrgangs, die die Diskussion organisiert hat. Als der Kardinal zu Wort kommt, begibt er sich – angesprochen auf die Probleme der Kirche mit der Sexualität – auf vertrautes Terrain: „In der Bibel steht ,Gott schuf sie als Mann und Frau‘ – damit ist auch für uns als Kirche Sexualität grundsätzlich etwas Positives.“ Erst nach dem Sündenfall sei die Sexualität zu etwas Problematischem gemacht worden. Rund 150 Zuschauer, viele jung, hören interessiert zu, wie sich der Kardinal und die Sexualtherapeutin über den Stellenwert von Freundschaft, Liebe und Beziehungsarbeit austauschen, warten, dass Schönborn aneckt.

Das Gespräch bleibt aber auf einer sehr abstrakten Ebene, konkrete Fragen wie zu der Aufregung nach jüngsten Aussagen des Papstes über Aids und Kondome oder der Fall von Pfarrer Friedl, der seit Jahren mit einer Frau zusammengelebt hat, kommen nicht zur Sprache. Am Ende stellt Schönborn die Rolle der Kirche in der Sexualität wie die einer alleinerziehenden Mutter dar, die manchmal unangenehme Regeln aufstellt, damit es dem Kind gut geht. Senger ergänzt: „Und wie bei der Mutter halten sich die Kinder manchmal nicht an die Regeln.“ Der Kardinal lächelt, deutet ein vorsichtiges Nicken an. Und zeigt sich zum Abschluss selbstkritisch: „Wir – die Kirche – sollten weniger über die Themen unterhalb der Gürtellinie reden.“
German Schönborn kritisiert Berichterstattung
Mar 25, 2009
Wiens Erzbischof rüg westliche Medien.

Wien (kathnews). Kardinal Christoph von Schönborn, Erzbischof von Wien, bezeichnete die Berichterstattung der westlichen Medien über die Afrikareise des Papstes als einen „Skandal“. “Es grenzt an einen Skandal, wie extrem selektiv die Wahrnehmung dieser Reise war”, sagte Kardinal von Schönborn am Montag. Er unterstrich, dass das Verhalten der Medien nichts mit „seriöser Informationsvermittlung“ zu tun habe. Er betonte dabei, dass die Aussagen des Heiligen Vaters bezüglich der Verhütung „essenziell“ gewesen seien. Der Kardinal verstehe die Aussagen des Papstes als “eine große Ermahnung an die wohlhabenden Länder“.

Hintergrund: Zu Beginn seiner Afrikareise äußerte sich Papst Benedikt XVI. bereits über die Aids-Problematik. Im Rahmen eines Journalistengespräches während des Fluges nach Kamerun unterstrich der Papst, dass die Aids-Epidemie in Afrika nicht mit der Verteilung von Kondomen gelöst werden könne. Im Gegenteil, die Verteilung von Kondomen vertiefe die Probleme nur, so der Papst. Gleichzeitig wehrte sich der Pontifex gegen die Unterstellung, die Kirche würde sich nicht aktiv genug im Kampf gegen Aids engagieren.

Kardinal Christoph von Schönborn wurde am 22. Januar 1945 in Skalken bei Leitmeritz im Sudetenland geboren. Er stammt aus der deutsch-österreichischen Adelsfamilie der Grafen von Schönborn. Die Geschichte der Familie geht zurück bis auf das Jahr 1180. 1963 trat Schönborn in den Orden der Dominikaner ein, für den er am 27. Dezember 1970 zum Priester geweiht wurde. Seit 1991 war Schönborn Weihbischof in Wien, später wurde er zum Koadjutorbischof ernannt. Seit 1995 ist er Erzbischof von Wien, empfing 1996 das Pallium von Papst Johannes Paul II. und wurde 1998 zum Kardinal kreiert.
German Kardinal kritisiert "selektive Berichte" über die Kirche
Mar 25, 2009
Kardinal Christoph Schönborn präsentiert die österliche PR-Offensive der katholischen Kirche. Dabei beklagt er sich über die Negativ-Berichte zum Papst-Besuch in Afrika.

Wien (red.). Eigentlich hatte Kardinal Christoph Schönborn auf positive Schlagzeilen spekuliert, als er am Montag zur Pressekonferenz über eine Kommunikationsoffensive der katholischen Kirche lud. Mit einer Plakatserie wolle man auf den wahren Sinn des Osterfestes hinweisen, sagte Schönborn. Die bewusst schlichte Botschaft auf den 1600 Großplakaten und 600 Citylights: „Zu Ostern ist Jesus Christus von den Toten auferstanden. Ein Fest der Freude für die Menschen.“

Das Interesse der Anwesenden war dann doch anders gelagert. Schönborn solle zu den Aussagen von Papst Benedikt XVI., der sich auf einer Afrika-Reise gegen Kondome zur Aids-Bekämpfung ausgesprochen hat, Stellung beziehen. Was der Kardinal widerwillig, aber umso deutlicher tat: „Es grenzt an einen Skandal, wie selektiv die Berichterstattung über die Reise war.“ Die Aussage des Papstes sei „verfälscht herausgefiltert“ worden, um die Kirche lächerlich zu machen.

Mehr Negatives sollte es dann nicht sein. Zum Fall des Ungenacher Pfarrers Josef Friedl, der unlängst eine Beziehung zu einer Frau gestanden hat, wollte Schönborn nichts mehr sagen. Sondern lieber eine österliche Kernbotschaft verbreiten: Hoffnung. Die „braucht man in dieser Zeit besonders“. Was wohl auch für die katholische Kirche selbst gilt.
German Schönborn fordert: Linz soll handeln
Mar 14, 2009
WIEN. In der vorherrschenden Kirchenkrise sieht Kardinal Christoph Schönborn die Diözese Linz gefordert. Auch sind sich die Bischöfe nach der Vollversammlung einig, dass am Zölibat nicht gerüttelt wird.

Ein massiver Anstieg an Kirchenaustritten im Februar, Priester, die sich öffentlich zu ihrer Lebensgefährtin bekennen und ein umstrittener Gerhard Maria Wagner, der Linzer Weihbischof hätte werden sollen. Die katholische Kirche befindet sich in einer Krise. Das bestätigte am Freitag – einen Tag nach Ende der Bischofskonferenz in Innsbruck – auch Kardinal Christoph Schönborn. Er kommentierte die aktuellen Geschehnisse als „nicht unerhebliche innerkirchliche Turbulenzen“.
Linzer „Versöhnungsschritte“

„Wir haben bei der Frühjahrsvollversammlung dazu einen intensiven Meinungsaustausch geführt“, sagte Schönborn. Nach der Aufregung um den Windischgarstener Pfarrer Gerhard Maria Wagner, der schließlich von der Bischofsweihe zurückgetreten ist, seien jetzt vor allem in Linz Versöhnungsschritte angebracht. Wie berichtet, führte die angekündigte Ernennung Wagners zu Protestaktionen gefolgt von zahlreichen Kirchenaustritten. Zahlen konnte Schönborn keine nennen, „weil noch Details aus den Diözesen fehlen“.

„Es wird in der Diözese Linz konkrete Schritte geben“, kündigte Schönborn an. Welche das sein könnten, ließ er offen. Auch in Linz ist noch unklar, wie diese Schritte zur Versöhnung aussehen sollten. „Wir werden diese erst noch genauer erarbeiten“, verwies Diözesan-Sprecher Ferdinand Kain-eder auf weitere Termine wie die Dechantenkonferenz und den Priesterrat.

Zum Fall des Ungenacher Pfarrers Josef Friedl, der sich zu seiner Lebensgefährtin bekannt hatte, gab sich Schönborn wortkarg. Er verwies auf das für Montag angekündigte Gespräch von Bischof Ludwig Schwarz mit Friedl. Zur allgemeinen Frage des Zölibats fand Schönborn klare Worte: „Für Priester ebenso wie für alle anderen Menschen sind Treue und das Versprechen zur Treue tragende Werte in der Gesellschaft. Ein Nichteinhalten bringt auf Dauer keinen Segen.“
German Steuerreform "wichtiger Schritt in die richtige Richtung"
Mar 14, 2009
Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz dankt Bundeskanzler und Vizekanzler für die spürbare steuerliche Entlastung der Gläubigen, die Steuern zahlen und Kirchenbeiträge leisten

nnsbruck (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat sich am Rande der Frühjahrsvollversammlung der Österreichischen Bischofskonferenz in Innsbruck positiv zur am Mittwoch beschlossenen Steuerreform geäußert. "Angesichts der großen Herausforderungen ist die Steuerreform ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz im Gespräch mit "Kathpress". Besonders die steuerliche Unterstützung für Familien mit Kindern seien mit Blick auf die Zukunft der Gesellschaft, insbesondere deren demografischen Entwicklung "höchst notwendig und gerecht".

Im "Kathpress"-Gespräch erinnerte Kardinal Schönborn daran, dass sich die Bischofskonferenz schon seit Jahren für die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden eingesetzt hat. "Durch das neue Gesetz unterstützt der Staat die Solidarität seiner Bürgerinnen und Bürger mit den Schwächsten in der Gesellschaft. Aus christlicher Sicht ist diese Solidarität Ausdruck der praktizierten Nächstenliebe", sagte der Vorsitzende der Bischofskonferenz.

Besonders erfreut zeigte sich Kardinal Schönborn über die Verdoppelung der steuerlichen Absetzbarkeit des Kirchenbeitrags: In Zukunft sind 200 Euro Kirchenbeitrag absetzbar. Ausdrücklich dankte der Kardinal sowohl Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Josef Pröll für die spürbare steuerliche Entlastung jener rund 3,7 Millionen österreichischen Katholiken, die regelmäßig den Kirchenbeitrag entrichten. Kardinal Schönborn betonte, dass "durch den Kirchenbeitrag, den Katholiken, Evangelische und Altkatholiken zahlen, viele kirchliche Leistungen in den Bereichen Seelsorge, Bildung, Soziales, Denkmalpflege, Kultur getragen werden, die für die Gesellschaft sehr wichtig sind und allen Menschen in diesem Land zu Gute kommen".

Die Österreichische Bischofskonferenz hatte sich in ihrer Stellungnahme zum Entwurf des Steuerreformgesetzes für die steuerliche Absetzbarkeit sowohl von Spenden als auch des Kirchenbeitrags ausgesprochen.
German Kardinal weist Kreationismus als Erklärungsmuster zurück
Mar 11, 2009
Schöpfung der Welt in sechs Tagen "unhaltbar"

Der Wiener Kardinal Christoph Schönborn hat den "Kreationismus" als weltgeschichtliches Erklärungsmuster zurückgewiesen. Der kreationistische Glaube an eine Erschaffung fertiger Lebewesen und Arten sei "absurd".
Das sagte Schönborn bei einem Vortrag vor der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. Auch die These von der Schöpfung der Welt in sechs Tagen sei "unhaltbar".

Zugleich warnte Schönborn davor, fundamentalistische Vorstellungen und biblisch-theologisches Schöpfungsverständnis gleichzusetzen. Letzteres berühre vielmehr jene Fragen, die Naturwissenschaft nicht beantworten könne, wie etwa die nach dem Sinn menschlichen Lebens.

Wenn Naturwissenschaft den Zweck menschlichen Daseins erklären wolle, "verlässt sie den Boden ihrer Wissenschaftlichkeit und wird zur Weltanschauung", so Schönborn weiter. Als verfehlt bezeichnete er ein rein materialistisches Verständnis der Evolutionsgeschichte.
Geist, Wille und Freiheit des Menschen seien Hinweise darauf, dass dieser Ansatz zu kurz greife. Auch die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, weise darauf hin, dass es jenseits der naturwissenschaftlichen Leere "jemanden gibt, dem wir Antwort schulden".

Zugleich kritisierte Schönborn das Konzept des "Intelligent Design". Die Thesen der vor allem in den USA vertretenen Denkrichtung seien entgegen ihrem Anspruch naturwissenschaftlich nicht nachvollziehbar. Er erwarte von der Naturwissenschaft auch gar nicht, "dass sie mir Gott beweist". Schönborn sprach aus Anlass des laufenden Darwin-Jahres über "Schöpfung und Evolution".
German Schöpfung und Evolution - zwei Paradigmen und ihr gegenseitiges Verhältnis
Mar 09, 2009
Wortlaut des Vortrages von Kardinal Christoph Schönborn an der Österreichischen Akademie der Wissenschaft beim Symposium über Evolution am 4. März 2009.

Sehr geehrter Herr Präsident!
Hochgeschätzte Mitglieder der Österreichischen Akademie der Wissenschaft!
Sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Symposiums!
Meine Damen und Herren!



Es ist mir eine Ehre, aber auch eine Freude, im Rahmen dieses Symposiums von Ihnen, verehrter Herr Präsident, zu diesem Abendvortrag eingeladen worden zu sein. Ich bin mir bewusst, dass das nicht selbstverständlich ist, hat doch die ÖAW keine eigene "theologische" Klasse. Sie sind im Vorfeld der Tagung wegen dieser Einladung auch kritisiert worden. Umso mehr danke ich Ihnen für dieses Zeichen akademischer Offenheit und Freiheit. Ich denke, es ist aber auch im Blick auf Charles Darwin historisch wie inhaltlich gerechtfertigt, Theologie einzubinden. Ich hoffe, es wird mir gelingen zu zeigen, wie entscheidend für Darwins Weg als Forscher und Denker die Auseinandersetzung mit dem Thema Schöpfer und Schöpfung war. Aber ich glaube, es ist zudem von der Sache selber her naheliegend und sinnvoll, in der Debatte über Wege und Sinn der Evolution auch die Theologie zu befragen.

"Was alle betrifft, soll auch von allen behandelt werden", sagt ein altes Adagium. Die Frage nach Ursprung, Weg und Ziel des Lebens betrifft alle, und nur im gemeinsamen Bemühen um ein immer besseres, genaueres und tieferes Verständnis kann der Weg liegen.

Mein Versuch heute Abend wird es sein, im (laienhaften, aber höchst interessierten) Hinhören auf die Arbeiten der Naturwissenschaften den Beitrag der Theologie zu artikulieren. Dabei geht es mir vor allem um drei Fragen:

  1. Eine mehr philosophische Vorfrage: Warum gibt uns "die Natur" Antworten? Warum ist sie "lesbar"? Warum kann sie entziffert, entschlüsselt werden?
  2. Was versteht die klassische Theologie unter "Schöpfung"? Und welches sind die gängigsten Missverständnisse über den Begriff der Schöpfung?
  3. Lassen sich eine Glaubenssicht über die Schöpfung und der naturwissenschaftliche Zugang zur Entwicklung des Lebens vereinbaren?

Die Zeit ist knapp, das Programm umfassend. Ich werde versuchen, umfassend, aber doch knapp zu sein, ohne zum "terrible simplificateur" zu werden.

Das große Weltenjahr

Sie kennen alle den Versuch, die Dauer des Universums als ein Kalenderjahr darzustellen und so eindrucksvoll festzustellen, dass wir, der Homo sapiens, erst in den letzten Sekunden vor dem Ende des kosmischen Jahres auftauchen. Ich zitiere hierzu die Darstellung des Physikers und Theologen Prof. Dieter Hattrup. Er schreibt:

"Vergleichen wir dieses Alter mit einem Jahr von 365 Tagen! Dann entspricht einem Monat [etwa] eine Milliarde von Jahren. Mit dem Glockenschlag Null Uhr soll der Urknall am 1. Januar beginnen. Nach ein paar Wochen bilden sich die ersten Galaxien und Sonnen. Einige Zeit existieren sie, dann lösen sie sich auf, die großen Sonnen verbrennen sehr schnell, die mittleren langsamer, die kleinen ganz langsam. Sie verteilen ihr Gas wieder in den Raum, wo es sich erneut verdichten kann. In dritter, vierter oder fünfter Generation entsteht Mitte August unser eigenes Sonnensystem aus einer Wolke von Gas und Staub. Die meiste Materie landet als Wasserstoff in der Sonne und wird immer mehr verdichtet, nach einem einzigen Tag in diesem Zeitraffer ist sie schon fertig. Wenig später bilden sich die äußeren Gasplaneten und die inneren Festplaneten, unter ihnen die Erde. Am 16. Dezember gibt es die ersten Wirbeltiere im Wasser, am 19. Dezember betreten die Pflanzen das feste Land. Zu Weihnachten beginnen die Säugetiere ihren Ausfstieg. Fünf Minuten vor Zwölf am 31. Dezember leben die Neandertaler, fünfzehn Sekunden vor Zwölf wird Jesus Christus geboren, und vier Sekunden vor Zwölf haben wir das Jahr 1500 und den Beginn der Neuzeit. Wenn es hoch kommt, dauert das Leben eines Menschen in diesem Weltalljahr eine Sekunde, meistens aber nur die Hälfte davon."(1)

Was ist der Mensch in diesem kosmischen Jahr? Kaum ein Wimpernschlag! Was soll die Existenz des Menschen in diesem 99,9 (periodisch) Prozent menschenleeren Universum, von dessen "Geschichte" er nur ein zigtausendstel ausmacht? Und in der für unsere Lebensdauer vergleichsweise langen Geschichte des Homo sapiens sind es wieder nur die allerjüngsten Generationen, die zu einem bewussten, wenn auch immer noch sehr bruchstückhaften Wissen um die gewaltigen Dimensionen des Universums gelangt sind wie auch zum schnell anwachsenden Wissen um die Evolution des Lebens. Was bedeuten diese wenigen Sekunden im Weltenjahr, in denen es zum Bewusstsein gekommen ist, zum Wissen-können um das, was das Universum ausmacht, und uns in ihm? Was bedeutet dieses flüchtige Wissen, dieses vergängliche Bewusstsein? Ist es nicht ein sinnloses Spiel, eine Fata Morgana in den endlosen Wüsten des Weltalls?

Friedrich Nietzsche hat diesen Gedanken erschütternd weitergedacht, und ich denke, jeder redlich Denkende sollte sich diesem Gedanken aussetzen. In seiner Schrift "Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn" steht Folgendes:

"In irgend einem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Thiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmüthigste und verlogendste Minute der "Weltgeschichte": aber doch eine Minute. Nach wenigen Athemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Thiere mussten sterben. — So könnte Jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustrirt haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt; es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn es wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts begeben haben. Denn es giebt für jenen Intellekt keine weitere Mission, die über das Menschenleben hinausführte. Sondern menschlich ist er, und nur sein Besitzer und Erzeuger nimmt ihn so pathetisch, als ob die Angeln der Welt sich in ihm drehten".(2)

Nietzsche ist hier nicht zynisch. Er ist schrecklich nüchtern und realistisch. Das kurze Gastspiel des Lebens auf unserem privilegierten Planeten, das noch viel kürzere Aufflackern des Bewusstseins, des Geistes auf diesem unseren Raumschiff Erde, kaum mehr als einige Minuten im kosmischen Jahr dauernd, zwischen dem Aufkeimen, Aufblühen und Vergehen, dem Verglühen im kosmischen Weltenbrand — war es "die hochmüthigste und verlogenste Minute der Weltgeschichte", wie Nietzsche meint? Was bedeutet dieses Spiel, dieses so schnell vergehende kurzfristige Auftauchen und Untergehen des Menschen und seiner Vernunft?

Es ist ein erschütternder Gedanke, den Nietzsche hier unerbittlich formuliert. Was ist die Existenz unserer Erde und das Leben auf ihr? "Nach wenigen Athemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Thiere mußten sterben". Es ist ein bekannter Topos geworden, von den drei Kränkungen des Menschen in der Neuzeit zu sprechen: von der kopernikanischen, die die Erde aus dem Zentrum rückt und sie zu einem bloßen Trabanten der Sonne macht; von der Darwin’schen Kränkung, die den Menschen in die tierische Deszendenz eingliedert und ihm den Titel der "Krone der Schöpfung" raubt; und von der Freud’schen Kränkung, die den Geist des Menschen in die dunkle Welt des Unbewussten und der Triebe hinabzieht. Müssten wir nicht auch von einer vierten Kränkung sprechen, einer im Grunde noch viel radikaleren: der unerbittlichen Vergänglichkeit von allem? Wie dieser unser Lebensraum einmal nicht war, so wird er einmal nicht mehr sein, und alles hehre Denken und Forschen, alle Erkenntnisse und Entdeckungen werden einfach nicht mehr sein. Ist alles der völligen Vergeblichkeit unterworfen, und damit letztlich der Sinnlosigkeit? Es gehört der Mut eines Nietzsche dazu, diesen Gedanken konsequent gedacht zu haben.

Und doch ist er nur die eine Seite der Medaille. Es gilt, auch die andere zu sehen. Und diese zeigt: wie kurz das Gastspiel "Mensch" auf dieser Erde, im "Weltenjahr" auch sein mag, jetzt sind wir da! Jetzt gibt es den Homo sapiens. Und er ist als einziges Wesen auf diesem Planeten in der Lage, über sich selber nachzudenken, auch über seine Vergänglichkeit. Als einziger ist der Mensch in der Lage, sich die Fragen zu stellen, die wir zu Recht als die Urfragen des Menschen betrachten, und die Kardinal König immer wieder in dieser Dreiheit formuliert hat: "Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und welchen Sinn hat mein Leben?"(3)

Diese Fragen bewegen uns jetzt, unbeschadet der Frage, was einmal in Jahrmillionen mit der Erde, dem Sonnensystem, dem Universum sein wird. So kurz unser Leben ist, so schnell es vergeht, wir leben, und wir versuchen, in der Spanne unseres Lebens Antworten zu finden, die unserem Suchen entsprechen.

Die Urfragen des Menschen

Traditionellerweise suchten die Menschen Antworten auf die Urfragen des Lebens in den Religionen. Und viele, wohl die Mehrheit der Menschheit, sucht sie auch heute noch in den verschiedenen Religionen. Die jüdisch-christliche Antwort ist der Glaube an den Schöpfer des Himmels und der Erde. Er gibt auch eine klare Antwort auf die von Nietzsche aufgeworfene Frage der radikalen Endlichkeit und Vergänglichkeit: sie wird nicht geleugnet. Im Gegenteil. Die Welt ist endlich. "Himmel und Erde werden vergehen", sagt Jesus. Aber es wird "einen neuen Himmel und eine neue Erde" geben, so verheißt das letzte Buch der Bibel, die Offenbarung des Johannes (Offb 21,1). Der biblische Glaube weiß, dass wir hier auf Erden "keine bleibende Stätte haben" (Hebr 13,14), aber diese irdische Wohnstaat ist auch nicht einfach der zugige, unfreundliche Wartesaal zur Abreise in eine bessere Welt. Sie ist "Schöpfung", also von einem Schöpfer gewollt. Und wir sind nicht "Zigeuner am Rande des Weltalls", wie der Nobelpreisträger Jacques Monod den Menschen bezeichnete, sondern Geschöpfe, "nach Bild und Gleichnis" (Gen 1,26) des Schöpfers geschaffen.

Sind wir gewollt oder sind wir von einem blinden Schicksal ins Dasein geworfen? Mein NYT-Artikel hat heftige Debatten ausgelöst. Ich gebe zu, er war etwas holzschnittartig und hätte noch einiger Differenzierungen bedurft. Dennoch halte ich es für einen Gewinn, wenn die Diskussion über die vitalen Fragen offen und öffentlich geführt wird. Und das geschah offensichtlich nach meinem Artikel. So hat zum Beispiel eine Bekannte das Gespräch zweier Jugendlicher in der Wiener U-Bahn mitbekommen, die darüber diskutierten, ob "der Schönborn" Recht habe oder nicht, nämlich ob wir Produkt des Zufalls seien oder ob wir gewollt und geplant seien. Das Gespräch soll unentschieden ausgegangen sein, der eine Jugendliche sah sich als Zufallsprodukt, der andere wollte das lieber nicht sein.

Sollen wir einfach beide Sichten nebeneinander stehen lassen? Sollen wir vielleicht dem Vorschlag von Stephen Gould folgen, das von ihm so genannte NOMA-Prinzip einhalten, das heißt den Schöpfungsglauben und die Evolutionstheorie als Non-Overlapping-Magisteria nebeneinander stehen lassen, als zwei einander nicht berührende Denkwelten?

Ginge das, dann gäbe es nicht die heftigen, leidenschaftlichen, oft bitteren Debatten, die seit nun gut 200 Jahren immer noch die Geister und Gemüter bewegen. Darwin selber ist sozusagen der Paradezeuge dafür, dass das NOMA-Prinzip nicht funktioniert. Sein geistiger Weg war ganz entscheidend davon geprägt, dass seine wissenschaftlichen Forschungen ihn in immer schärferen Konflikt mit seinem traditionellen Glauben an Schöpfer und Schöpfung gebracht haben. In den vergangenen Wochen war oft der berühmte Satz zu lesen, den er am 11. Jänner 1844, also 15 Jahre vor der Veröffentlichung der "Origin of Species", in einen Brief an seinen Freund Joseph Hooker geschrieben hat: "Inzwischen bin ich überzeugt davon, dass die Arten nicht (es ist, als gestehe man einen Mord) unveränderlich sind."(4) "Als gestehe man einen Mord"! An wem? Am Schöpfer? Eines ist sicher: der schwerste Schritt in der Ausarbeitung seiner Theorie über "die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl" war die Überwindung der Vorstellung, dass die Arten unveränderlich sind. Hat nicht, nach biblischem Bericht, Gott jegliches "nach seiner Art" geschaffen? Wenn für die Entstehung der Arten eine natürliche Erklärung gefunden werden kann - wird dann der Schöpfer nicht überflüssig? Zwei Jahre vor der Veröffentlichung der "Origin of Species", 1857, schreibt Darwin an den amerikanischen Botaniker Asa Gray: "Als ehrlicher Mensch muss ich Ihnen sagen, dass ich zu dem ketzerischen Schluss gekommen bin, dass es so etwas wie unabhängig voneinander erschaffene Spezies nicht gibt - dass die Spezies nur ausgeprägte Spielarten sind."(5)

Jürgen Neffe hat in seinem faszinierenden Darwin-Buch minutiös den Weg nachgezeichnet, auf dem der englische Privatgelehrte zu seiner Theorie fand. Stück für Stück konnte er natürliche Erklärungen für das finden, was im überlieferten Schöpfungsglauben als Werk des Schöpfers angesehen wurde. Ein Mord am Schöpfer? Eine Ketzerei?

Am Ende der "Origin of Species", im 15. zusammenfassenden Kapitel, sagt er einleitend: "Da dieses ganze Werk nichts weiter ist als eine lange Kette von Beweisen, so wird es dem Leser willkommen sein, wenn ich die hauptsächlichsten Tatsachen und Folgerungen kurz wiederhole".(6) Von "Beweisen" und "Tatsachen" ist die Rede, und auch wenn Darwin ehrlich zugibt, dass sich gegen seine Theorie "viele gewichtige Einwände vorbringen lassen"(7), so ist er doch überzeugt davon, dass diese sich durch die weitere Forschung auflösen werden. Und er hat diesbezüglich Recht behalten.

Von der Schöpfung spricht er hingegen als von einer "Theorie", ja von der "Schöpfungshypothese"(8). Es erinnert diese Formulierung an das berühmte Wort von Laplace an Napoleon, als er die Newton’schen Planetenberechnungen genauer fassen konnte und nicht mehr wie Newton ein korrigierendes Eingreifen des Schöpfers in die Planetenbahnen annehmen musste. Wo dann der Platz Gottes bleibe, fragte ihn Napoleon besorgt. "Diese Hypothese brauche ich nicht, Sir", war seine berühmte Antwort. Laplace soll sie nicht zynisch oder atheistisch gemeint haben. Er korrigierte nur zu Recht die Newton’sche Idee, dass es "Lücken" in der Natur gäbe, in denen Gott eingreifen müsste, um das Werk der Natur zu ergänzen, zu korrigieren.

Darwin ging es darum, die "Theorie der unabhängigen Schöpfungsakte"(9) zu überwinden. In seiner eigenen Theorie brauchte er diese Hypothese nicht mehr. Und er war sich sicher, dass er dafür nicht nur Mutmaßungen beibringen kann, sondern Beweise. Die "herkömmliche Schöpfungsansicht"(10), dessen war er sich sicher, konnte inskünftig als überwunden gelten.

Darwin schreibt aber auch: "Ich sehe keinen vernünftigen Grund, warum die in diesem Werk entwickelten Ansichten irgendwie religiöse Gefühle verletzen sollten"(11)? Heute teile ich seine Sicht voll und ganz. Ich kann persönlich sagen: Ich bin keiner wissenschaftlichen Erkenntnis begegnet, die meinen Glauben verletzt hätte. Doch damals taten sie es bei vielen und zuerst bei Darwin selber. Denn über seine Forschungen, seine daraus entwickelte Theorie wurde er selber zum Agnostiker. War das notwendig? Musste das so kommen? Muss bis heute der Konflikt lauten: "Wissenschaft gegen Mythologie, Naturgesetz gegen Wundertat … ein blind wirkendes Gesetz gegen die Erschaffung der Welt. Zufall statt Vorsehung"?(12)

Nietzsche hat sich heroisch der radikalen Endlichkeit der Welt gestellt. Alles "Täuschung", so ist seine Schlussfolgerung. Was uns als stolze Erkenntnis erscheint, legt nur "verblendende Nebel über die Augen und Sinne der Menschen".(13) Was bleibt nach Darwins Entthronung der "Schöpfungshypothese"? Ist Entwicklung ("evolved" ist das letzte Wort der "Origin of Species") der Ersatz für Schöpfung? Aber Entwicklung wohin? Und woher? Und wozu? Gibt es ein Warum, wenn es kein Ziel gibt? Ist dann nicht die vierte Kränkung, die Nietzsche’sche, die ehrlichste Antwort? Kein Wozu, kein Warum! Ertragen der Sinnlosigkeit!

Wie Darwin im Letzten über die Sinnfrage gedacht hat, wird wohl sein persönliches Geheimnis bleiben, wie es das Geheimnis jedes Menschen ist. Aber sicher ist, dass er in seinem intensiven Forscherleben mit unglaublicher Leidenschaft allen Spuren des Lebens nachgeforscht hat. "Evolution" ist zum magischen Wort geworden, zum Paradigma, das die Forschung nach den Wegen des Lebens beflügelt hat. Gewaltige Fortschritte des Wissens wurden gemacht. Täglich wächst das Wissen über die Zusammenhänge des Lebens. Für den Laien nur mit Staunen erahnbar, für den Fachmann längst unüberschaubar. Aber eines ist wohl zur unumstößlichen Gewissheit geworden: Alles Lebendige ist miteinander verwandt.

Der gemeinsame Ursprung, die gemeinsamen Bauelemente alles Lebenden können wohl nicht ernsthaft in Frage gestellt werden. Und hier ist Darwin Recht zu geben, wenn er im berühmten Schlusssatz der zweiten Auflage der "Origin" sagt, es sei "wahrlich etwas Erhabenes um die Auffassung, dass der Schöpfer den Keim allen Lebens, das uns umgibt, nur wenigen oder gar nur einer einzigen Form eingehaucht hat und dass, während sich unsere Erde nach den Gesetzen der Schwerkraft im Kreise bewegt, aus einem schlichten Anfang eine unendliche Zahl der schönsten und wunderbarsten Formen entstand und weiter entsteht".(14)

War dieser Schlusssatz ein Kniefall vor denen, die über Darwins Theorie schockiert waren, sie als blasphemisch ablehnten? Wollte er ihnen doch noch ein Plätzchen für den Schöpfer übriglassen, aber nur am Anfang, ohne dann des Weiteren in die Schöpfung "einzugreifen"? Diese Auffassung nennt man "Deismus". Sie ist bis heute zu finden: Gott als Uhrmacher, der sein Werk ein für allemal in Gang setzt und es sich und seinen Gesetzen überlässt.

Stichworte zur Schöpfungstheologie

Hier spätestens müsste eine genauere Darlegung dessen beginnen, was die große christliche Lehrtradition unter "Schöpfung" versteht. Dazu reicht die Zeit sicher nicht. Einige Stichworte sind aber unerlässlich.

Wie wir sahen, hat Darwin mit "seiner" Schöpfungstheologie lange gerungen, um sich schließlich von ihr zu lösen, da sie ihm mit seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht vereinbar schien. In großer intellektueller und menschlicher Redlichkeit hat er keine "doppelte" Wahrheit angenommen, eine wissenschaftlich-vernünftige und eine religiös-gefühlsmäßige. Er hat gewählt, und seine Wahl folgte seinen sich ihm als Gewissheit aufdrängenden Einsichten.

Darwin hatte 1828 in Cambridge das Theologiestudium begonnen. Ich konnte der Frage nicht nachgehen, was er gehört, gelesen, welche Art von Theologie er kennengelernt hat. Ein fleißiger Theologiestudent dürfte er nicht gewesen sein. Sein wirkliches Interesse lag sicher nicht hier sondern anderswo. Mein Eindruck ist, dass sein theologisches Verständnis von Schöpfung nicht gerade von höchstem Reflexionsniveau war. Dass ein wörtliches Verständnis des Sechstagewerkes der Schöpfung nicht mit den elementarsten Kenntnissen der Erdgeschichte vereinbar war, stellte für ihn keine Frage dar. Oder doch? Sicher hatte er, wie wir schon sahen, große Not mit der Auffassung, Gott habe die Arten einzeln erschaffen. Genau das konnte, wollte er mit seiner Theorie widerlegen.

Aber wie dachte Darwin die Schöpfung? Wie verstand er das Schöpferwirken Gottes? Wie es nicht zu denken sei, zeigt er in einem recht sarkastischen Ton in der "Origin of Species":

"Glauben sie [d.h. die Vertreter einzelner Schöpfungsakte] wirklich, dass in unzähligen Perioden der Geschichte unserer Erde gewisse elementare Atome gleichsam kommandiert worden seien, sich plötzlich zu lebenden Geweben zusammenzuschließen? Glauben sie, dass bei jedem vermeintlichen Schöpfungsakt ein einziges Individuum oder gleichzeitig viele erschaffen wurden? Wurden alle die zahllosen Tier- und Pflanzenarten als Eier oder als Samen oder wurden sie gar gleich erwachsen erschaffen?"(15)

Nein, die Idee der Erschaffung fertiger einzelner Wesen oder Arten ist absurd. Sie ist so unhaltbar wie die kreationistischen Thesen von einer Erschaffung der Welt in sechs 24-Stunden-Tagen, wie die pseudowissenschaftlichen Spekulationen über eine "junge" Erde, über eine historische Deutung der Sintflut, etc.

Es ist aber eine ebenso unstatthafte Simplifizierung, den bibel-fundamentalistischen Kreationismus mit einem fundierten Schöpfungsglauben "in einen Topf zu werfen", was häufig geschieht. Das Bibelverständnis des Kreationismus ist sicher nicht das der Katholischen Kirche und das der großen christlichen Denktradition.

Das Schöpfungsverständnis, gegen das Darwin das "lange Argument" seiner Theorie entfaltet, ist aber dem des fundamentalistischen Kreationismus viel näher als dem der großen christlichen philosophischen und theologischen Auseinandersetzung mit dem Thema Schöpfung. Meine Vermutung geht dahin, dass er in seinem recht summarischen Theologiestudium sich kaum mit den christlichen Meistern auseinandergesetzt hat. Er hat William Paley gelesen, sein "The Evidence of Christianity", aber in diesem sehr apologetischen Zugang zum Christentum hat er kaum die große christliche Denktradition gefunden, viel mehr einen stark pragmatischen Zugang, wie ihn die angelsächsische Kultur bevorzugt, vor allem aber den "Deismus", der einen Schöpfer nur als Uhrmacher am Anfang zulässt.

Hier wäre ein geisteswissenschaftlicher Rückblick notwendig. Seit dem Spätmittelalter, der Strömung des Nominalismus, vollzieht sich eine immer deutlichere Mechanisierung des Weltbildes. Immer mehr wird alle Kausalität auf materielle Kausalität reduziert. Die klassische Lehre von den vier Ursachen geht verloren, vor allem die Finalursächlichkeit und die Formalursächlichkeit. Wie Werner Heisenberg feststellte, verkürzt sich in der Neuzeit der Begriff der vier Ursachen auf die Materie- und Bewegungsursache, auf "die Regel von Ursache und Wirkung" mit der Folge einer zunehmend auf das Materielle reduzierten Auffassung von Wirklichkeit.(16)

In diesem reduktionistischen Wirklichkeitsverständnis gibt es nur extrinsezistisch, "von außen" wirkende Ursachen. Es ist auffallend, dass  in Darwins Kritik an den einzelnen Schöpfungsakten diese ganz wie materielle Ursachen verstanden (und daher zu Recht abgelehnt) werden. Gott erscheint als eine Ursache neben anderen, "innerweltlichen", materiellen Ursachen. Das kann aber nicht der Sinn von "Schöpfung" sein. Wenn der Begriff der Schöpfung einen Sinn haben soll, dann nicht als eine Ursache unter anderen in der Kette der Wirkursachen.

Genau hier liegt m.E. der Fehler der "Intelligent Design"-Schule (mit der ich zu Unrecht immer noch in Verbindung gebracht werde). Der Versuch dieser Schule, hohe Komplexität in der Natur als Aufweis oder Beweis für ein "intelligent design" zu bewerten, krankt an dem fundamentalen Denkfehler, dass "design", Plan, Zielgerichtetheit nicht auf der Ebene der Kausalität gefunden werden kann, mit der sich die naturwissenschaftliche Methode befasst.

Ich bin überzeugt davon, dass sich in der Schöpfung ein Ursprung und ein Ziel, und somit etwas, das man ein "intelligent design" nennen könnte, erkennen lässt. Es ist für mich eine sinnvolle, vernünftige Sichtweise, auf einen Schöpfer zu schließen. Aber es ist nicht die naturwissenschaftliche Sichtweise. Ich erwarte mir nicht von der naturwissenschaftlichen Forschung, dass sie mir Gott beweist. Das kann sie so wenig, wie sie das Gegenteil beweisen kann. Beides ist nicht im Horizont ihrer Methode. Aber der Naturwissenschaftler als Mensch, der über die Natur nachdenkt, sich die Fragen nach Woher, Wohin und Wozu der Welt und seines Lebens stellt, kann sehr wohl zum Schluss kommen, dass die Annahme eines Schöpfers die sinnvollere und vernünftigere Sichtweise ist, als die des radikalen Nihilismus eines Friedrich Nietzsche.

Wenn nun der Naturwissenschaftler oder der naturwissenschaftlich interessierte Laie sich die Frage nach dem Schöpfer stellt, hat er vor allem die Schwierigkeit, dass wir uns nur Veränderung, nicht aber Schöpfung vorstellen können. Die Evolution des Lebens können wir zwar auch nicht in allen Einzelheiten vorstellen, weil wir sie nicht zur Gänze rekonstruieren können. Aber wir haben alle eine Anschauung von Entwicklung, ja können sie zum Teil aktiv nachbilden (denken wir nur an die technischen Entwicklungen). Aber immer wird dabei Vorhandenes entwickelt. Schöpfung im theologischen Sinn heißt jedoch jenes göttliche Geschehen, durch das überhaupt etwas ist, die Welt ins Sein kommt.

Der Schöpfung kommen wir nahe, wenn wir uns staunend fragen: Warum gibt es die Welt? Warum gibt es uns, mich? Hat es einen Sinn gehabt, dass wir zum Dasein kamen? Die Evolutionsforschung kann nur fragen, wie die Formen des Lebens sich entwickelt haben. Aber warum wir da sind, was das Ziel unseres Daseins ist, das kann keine Naturwissenschaft beantworten. Wenn sie es zu tun beansprucht, verlässt sie den Boden ihrer Wissenschaftlichkeit und wird zur Weltanschauung. Hier sauber zu unterscheiden, scheint mir eine für die Zukunft entscheidend wichtige Sache zu sein. Man konnte Darwins Deszendenztheorie ideologisch für Rassismus und Eugenik, für Kommunismus und für Turbokapitalismus missbrauchen. Deshalb ist eine Ideologiekritik des Darwinismus so wichtig, vor allem durch eine deutliche Unterscheidung zwischen der wissenschaftlichen Theorie und ihrer missbräuchlichen Ausweitung. Hier wäre manches zu den Themen Soziobiologie, evolutionäre Erkenntnistheorie und Ethik zu sagen, um nur einige Beispiele zu nennen. Vor allem geht es darum, eine Reduktion der Bereiche des Geistigen, Ethischen, Kulturellen und Religiösen auf die Ebene der rein materiellen Kausalität zu vermeiden. Wir werden weder den Schöpfer noch die Vernunft, weder das Erkennen noch das Ethos rein naturwissenschaftlich erklären können. Aber wir haben enorm viel über die evolutiven Rahmenbedingungen, von Vernunft und Willen, Ethos und Religion gelernt. Die Evolution des Lebens hat dies alles möglich gemacht, aber sie ist nicht der letzte Grund dafür. Geist, Wille, Freiheit können nicht ausschließlich das Produkt der materiellen Evolution sein, sonst könnten sie sich auch nicht von ihr bis zu einem gewissen Grad emanzipieren, und sie z.T. selber als kulturelle Entwicklung in die Hand nehmen, mit der ganzen Verantwortung, die damit verbunden ist. Verantwortung - wem gegenüber? Den künftigen Generationen! Aber auch uns selbst gegenüber, dem Gelingen des eigenen Lebens gegenüber. Und gegenüber dem Schöpfer! Verantwortung gibt es nur, wo es jemanden gibt, dem wir Antwort schulden. Und das kann es nur jemandem gegenüber geben, den wir vernehmen, verstehen können, der unsere Vernunft anspricht. Wo der Instinkt alles bestimmt, gibt es keine Verantwortung.

Schöpfung und Evolution

Spricht der Schöpfer auch durch eine evolutive Welt? Durch eine Evolution, die doch vor allem als zufallsbestimmt verstanden wird? Ist der Schöpfer auch durch die Evolution hindurch vernehmbar?

Verehrter Herr Präsident Prof. Schuster! Sie haben im Jahr 2006 im "Schülerkreis" von Prof. Ratzinger - Papst Benedikt XVI. ein Referat über "Evolution und Design" gehalten. In der anschließenden Diskussion hat Papst Benedikt Ihre Ausführungen ausgegriffen und auf die Frage der Vernünftigkeit der Evolution hin weitergeführt. Mit seinen Gedanken möchte ich meinen Vortrag schließen, auch als "Hommage" an meinen Universitätslehrer, mit dem ich seit über 35 Jahren zusammenarbeiten durfte und der mich gelehrt hat, nicht nur die Schönheit, sondern auch die Vernünftigkeit des Schöpfungsglaubens zu bedenken und zu bewundern. Er sagte damals, in Antwort auf Ihren Vortrag:

"Die Naturwissenschaft hat große Dimensionen der Vernunft erschlossen, die bisher nicht eröffnet waren, und uns dadurch neue Erkenntnisse vermittelt. Aber in der Freude über die Größe ihrer Entwicklung tendiert sie dazu, uns Dimensionen der Vernunft wegzunehmen, die wir weiterhin brauchen. Ihre Ergebnisse führen zu Fragen, die über ihren methodischen Kanon hinausreichen, sich darin nicht beantworten lassen. Dennoch sind es Fragen, die die Vernunft stellen muss und die nicht einfach dem religiösen Gefühl überlassen werden dürfen, Man muss sie als vernünftige Fragen sehen und dafür auch vernünftige Weisen des Behandelns finden.

Es sind die großen Urfragen der Philosophie, die auf neue Weise vor uns stehen: die Frage nach dem Woher und Wohin des Menschen und der Welt. Dabei ist mir zweierlei neuerlich bewusst geworden …: Es gibt zum einen eine Rationalität der Materie selbst. Man kann sie lesen. Sie hat eine Mathematik in sich, sie ist selbst vernünftig, selbst wenn es auf dem langen Weg der Evolution Irrationales, Chaotisches und Zerstörerisches gibt. Aber als solche ist Materie lesbar. Zum anderen scheint mir, dass auch der Prozess als Ganzer eine Rationalität hat. Trotz seiner Irrungen und Wirrungen durch den schmalen Korridor hindurch, in der Auswahl der wenigen positiven Mutationen und in der Ausnützung der geringen Wahrscheinlichkeit, ist der Prozess als solcher etwas Rationales. Diese doppelte Rationalität, die sich wiederum unserer menschlichen Vernunft korrespondierend erschließt, fuhrt zwangsläufig zu einer Frage, die über die Wissenschaft hinausgeht, aber doch eine Vernunftfrage ist: Woher stammt diese Rationalität? Gibt es eine ursprunggebende Rationalität, die sich in diesen beiden Zonen und Dimensionen von Rationalität spiegelt? Die Naturwissenschaft kann und darf darauf nicht direkt antworten, aber wir müssen die Frage als eine vernünftige anerkennen und es wagen, der schöpferischen Vernunft zu glauben und uns ihr anzuvertrauen."(17)

Ich denke, diese zwei Hinweise auf die Spuren der Vernunft in der Natur geben uns Einiges zu denken. Und das Denken-Können ist wohl das besondere Kennzeichen unserer Species, des Homo sapiens.
German Kardinal Schönborn plädiert für Darwin
Mar 09, 2009

Der österreichische Kardinal Schönborn hat sich von kreationistischen Ideen distanziert. Bei einer Veranstaltung zum Darwin-Jahr betonte er, der Glaube an die Schöpfung der Welt in sechs Tagen entspreche nicht der Ansicht der Katholischen Kirche.

Die Österreichische Akademie für Wissenschaft beging das Darwin-Jahr in dieser Woche mit einem Symposium über Evolution. Neben Wissenschaftlern kam am vergangenen Mittwoch in Wien auch Kardinal Christoph Schönborn zu Wort. Das hatte zwar Proteste ausgelöst, die Rede zeigte aber, dass der Vertreter der Katholischen Kirche sich keineswegs kritisch zur Naturwissenschaft äußern wollte. Vielmehr distanzierte er sich und die Kirche von jeglichen kreativistischen Ansichten.

Darwins Theorie: "Unumstößliche Gewissheit"

Heute sei es zur "unumstößlichen Gewissheit geworden", dass alles Lebendige miteinander verwandt sei. "Der gemeinsame Ursprung, die gemeinsamen Bauelemente alles Lebenden können wohl nicht ernsthaft in Frage gestellt werden", stellte er fest. Explizit sprach er sich gegen die schriftgetreue Deutung der biblischen Schöpfungsgeschichte aus: "Nein, die Idee der Erschaffung fertiger einzelner Wesen oder Arten ist absurd. Sie ist so unhaltbar wie die kreationistischen Thesen von einer Erschaffung der Welt in sechs 24-Stunden-Tagen, wie die pseudowissenschaftlichen Spekulationen über eine 'junge' Erde, über eine historische Deutung der Sintflut", sagte der Kardinal in seiner Ansprache. Der "bibel-fundamentalistische Kreationismus" sei nicht mit einem fundierten Schöpfungsglauben "in einen Topf zu werfen". Das Bibelverständnis des Kreationismus sei sicher nicht das der Katholischen Kirche und das der großen christlichen Denktradition, so Schönborn.

Zu Unrecht werde er immer wieder in Verbindung mit der "Intelligent-Design"-Schule gebracht, deren Fehler es sei, hohe Komplexität in der Natur als Aufweis oder Beweis für einen Schöpfer zu deuten und die Frage nicht mit naturwissenschaftlichen Methoden anginge. "Ich bin überzeugt davon, dass sich in der Schöpfung ein Ursprung und ein Ziel, und somit etwas, das man ein 'Intelligent Design' nennen könnte, erkennen lässt", erklärte er weiter. Dies aber sei nicht die naturwissenschaftliche Sichtweise. "Ich erwarte mir nicht von der naturwissenschaftlichen Forschung, dass sie mir Gott beweist. Das kann sie so wenig, wie sie das Gegenteil beweisen kann."

Schönborn galt bisher als Vertreter des "Intelligent Design". Im Juli 2005 veröffentlichte er in der amerikanischen Zeitung "New York Times" den Artikel "Finding Design in Nature" (Design in der Natur finden), in dem er die Auffassung vertrat, Theorien, die Phänomene der Natur als ein Ergebnis von Zufall und Notwendigkeit sehen, seien "eine Abdankung der menschlichen Vernunft". Damals soll er außerdem gefordert haben, die Theorie vom "Intelligent Design" im Biologieunterricht zuzulassen. (PRO)
English As the Protege Turns
Mar 04, 2009
Long thought to be a member of B16's "kitchen cabinet," spates of buzz floating the prospect of Cardinal Christoph Schönborn's departure from Vienna for one or another Curial post have been commonplace even into recent months.

Whispers in the Loggia, Monday, March 02, 2009
As the Protege Turns

Long thought to be a member of B16's "kitchen cabinet," spates of buzz floating the prospect of Cardinal Christoph Schönborn's departure from Vienna for one or another Curial post have been commonplace even into recent months.

A faithful fixture of Team Ratzinger with star-cred among church conservatives, the talk was never surprising -- as prefect of the CDF, the now-Pope plucked the Dominican theologian from near-obscurity in 1987, entrusting him with overseeing the years-long process that would birth the Catechism of the Catholic Church, the first such universal text since the Council of Trent's doctrinal index was issued over four centuries before.

Now 64, the Austrian's meteoric rise on the wider stage was just beginning.

An auxiliary bishop of Vienna by his mid-forties, the nobleman cleric was thrust into the global spotlight in 1995 when the capital's archbishop, Cardinal Hans Hermann Groer, was accused of sexually abusing young men and minors decades before. Named coadjutor to Groer weeks after his 50th birthday as the scandal's first waves bore down, Schönborn ascended the archbishop's throne within six months as his predecessor retreated to a monastery, never to be heard from again.

Given the red hat in the first intake following his succession -- and, along the way, the coveted invite to lead one of John Paul II's Lenten retreats -- Schönborn was said to be one of the "great electors" who smoothed Joseph Ratzinger's path to Peter's chair in the 2005 conclave. Though never actually one of Benedict's doctoral students, the cardinal's long taken part in the pontiff's annual summer Schuelerkreis, where Ratzinger convokes his alums for a days-long seminar on a host of topics. And when the first part of the Pope's beloved "personal" work, Jesus of Nazareth, was rolled out at a Vatican press conference in 2007, he tapped the Viennese cardinal to lead the event in his stead.

Amid recent events, however, the duo's decades-long history appears to have taken something of a shift: with Benedict getting a global drubbing after January's twin debacles of the Lefevbrist de-excommunication and the ill-fated appointment of Gerhard Wagner as an auxiliary bishop in Schönborn's backyard, the prelate long heralded as this pontificate's "crown prince" has quietly been striking notes that've sounded conspicuously more like the charges of an outside observer.

Most prominently displayed in the letter on the controversies he led the Austrian bishops in releasing -- which text, even before offering tepid support for Benedict, cast blame for both firestorms on "errors [by] the church" and, fresh from the Wagner fiasco, pledged the body's vigilance "that bishops are appointed who are not 'against' but 'for' a local church" -- recent leaks in the European press have added to the buzz over a new tone from Vienna with reports that, among other things, the cardinal has "privately expressed his concern at the manner in which the church is being governed.

"In particular, [Schönborn] and others are concerned that [Benedict] is acting ever more in isolation, with appointments being made without either sufficient consultation or proper vetting," the Irish Times said in Tuesday's editions, days after the Times of London pointedly noted that the Pope "failed to reassure" the cardinal over his concerns during a private audience last month, at which point the prince-prelate called an emergency meeting of his bishops, saying publicly that "damage control" had become necessary for the good of the church in Austria.

At the crossroads of his decades-long bond with the pontiff and the inflammation of a home-turf fold known for being rebellious even in sanguine times, a recent piece in The Tablet highlighted Schönborn's evolution into "one of the most outspoken cardinals in the church" -- a role which, not all that long ago, few observers, if any, would've foreseen:

   For a man with a reputation for keeping a steady hand on the tiller, Cardinal Christoph Schönborn has been so active during the recent storm over the lifting of the excommunications of four Lefebvrist bishops that his actions could be seen by some as just as likely to rock the boat as keep it on course....

   Cardinal Schönborn was one of the first to criticise the Vatican on the way it had handled the Williamson case, saying: "A mistake has obviously occurred here. Someone who denies the Holocaust cannot be rehabilitated to an ecclesial office. One cannot but voice a certain criticism of the Vatican for not looking into the matter more closely."

   Confronted shortly afterwards with the announcement of the appointment as auxiliary bishop in Linz of Gerhard Maria Wagner, who claims that Hurricane Katrina was divine retribution for the sins of New Orleans' homosexuals and abortionists, Cardinal Schönborn, who is Archbishop of Vienna, published a moving and unambiguous "Word of Comfort and Encouragement" to the priests and church employees in his diocese in his monthly newsletter, Thema Kirche.

   "I can imagine that many of you don't feel too good at the moment. Neither do I," he wrote. "Once again we are confronted with occurrences that cause grief and indignation. They make us shake our heads and seem incomprehensible. And once again the Church has been made to look stupid and so have we. And again we ask, ‘Is this really necessary? Have we deserved this? Are we to be spared nothing?' At a time when the Church should really be dealing with the crucial worries that face people today such as the financial crisis and unemployment, it is confronted with debates about a small group of people who refuse to recognise the Second Vatican Council, or at least crucial parts of it, who think the Pope and the Church are on the wrong path and who consider themselves as the true Catholic Church. And on top of that we are now faced with the uproar concerning the new auxiliary in Linz. This is all a bit much and can give rise to a feeling of hopelessness."...

   The cardinal's own pastoral course has been accommodating. Recent episcopal appointments of auxiliary bishops have taken the normal course and the bishops appointed have gone quietly about their jobs and caused no conflict. Growing concern about the drastic shortage of priests and the clustering of parishes prompted Cardinal Schönborn's former vicar-general and head of Caritas Austria, Monsignore Helmut Schüller, to form the "Austrian Priests' Initiative", which is in favour of making priestly celibacy voluntary, ordaining proven married men and recalling priests who have left to get married, so that each parish can still have its own pastor.

   While Cardinal Schönborn is always quick to emphasise that the Austrian Church cannot go ahead with such reforms on its own as they concern the whole Church, he has remained open to dialogue with the group. Leading members of the Priests' Initiative went to Rome recently in an attempt to discuss their concerns with the various Vatican dicasteries. When they received a last-minute cancellation of an appointment with the Congregation for the Doctrine of the Faith, they telephoned Cardinal Schönborn who in his turn picked up the telephone and made an interview possible after all.

   Cardinal Schönborn has so far been vindicated in his handling of the current crisis, but it is by no means over. The deep rift between ultra-Right Catholics and Wagner supporters on the one hand, and ultra-progressives calling for radical reforms including the ordination of women priests on the other, will be difficult to heal. Deep down the old wounds left by the scandals mentioned are still festering. While a recent parish survey showed that parishes with charismatic priests who involved the laity were flourishing, one of the priests interviewed was quick to point out that the slightest church scandal would reopen these old wounds and lead to a new exodus from the Church.
German Kardinal Schönborn: In die „Schule des Herzens“ gehen
Mar 02, 2009
Die Fastenzeit dient dazu, die Verhärtung des Herzens aufzubrechen

WIEN, 27. Februar 2009 (ZENIT.org).- In der Fastenzeit gehe es darum, „barmherzig zu werden wie Gott barmherzig ist", betonte der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn gestern am Aschermittwoch.

Wie die Pressestelle der Erzdiözese Wien heute berichtete, bezeichnete der Kardinal während der heiligen Messe im Stephansdom die Fastenzeit als eine „Schule des Herzens". Die 40-tägige Vorbereitung auf Ostern diene dazu, die Verhärtung des Herzens aufzubrechen.

Es sei tragisch, wenn Menschen hartherzig würden, und nicht von ungefähr heiße es in der Alltagssprache, dass ein hartherziger Mensch eine Katastrophe sei. Aber auch die Weichherzigkeit, der es an Festigkeit fehlt, sei ein Mangel, stellte der Wiener Kardinal fest. Jesu Herzlichkeit sei alles andere als „harmlos, naiv oder unbedarft". In diesem Sinn ermutigte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz die Gläubigen, „um ein festes Herz" zu beten, „um ein gerades und mutiges Herz".

Kardinal Schönborn rief alle zum Fasten, Almosengeben und Beten auf. Nur durch das Gebet blieben die Herzen der Menschen erreichbar für die Not anderer und die leisen Töne Gottes. „Was in der Kirche lebt, das lebt aus dem Gebet. Durch die Beter bleibt die Kirche offen und lebendig."

Beim Almosengeben gehe es darum, ohne „Seitenblicke" das Gute im Verborgenen zu tun. Tagtäglich geschehe ohne viel Fragen, ohne auf Anerkennung zu schauen, ungeheuer viel Gutes. Es beginne damit, Zeit, Zuwendung, ein Lächeln zu schenken.

In der Fastenzeit gehe es aber auch um einen spürbaren Verzicht - nicht nur beim Essen. Der Verzicht könne sich auch auf die Nutzung von TV und Internet genauso wie „auf manches unnütze Wort" beziehen.
German Gedanken zum Evangelium am 7. Sonntag im Jahreskreis
Feb 25, 2009
"Jesus heilt den Gelähmten nicht wegen seines Glaubens, sondern er schaut auf den festen, zuversichtlichen Glauben dieser vier Männer. Weil sie so ein starkes Vertrauen zu Jesus haben, bringen sie den Gelähmten zu ihm, damit er ihn heile", schreibt Kardinal Schönborn über das Sonntagsevangelium.

Ein Glaube, der andere trägt

Drei Dinge bewegen mich besonders an diesem so anschaulichen Evangelium. Da ist zuerst die Hilfsbereitschaft der vier Männer, die den Gelähmten unbedingt zu Jesus bringen wollen. Sie scheuen keine Mühe, sie lassen sich von keinem Hindernis abhalten. Es sieht aussichtslos aus. Es herrscht ein derart großes Gedränge um Jesus, dass sie mit ihrem Patienten einfach nicht zu Jesus vordringen können. Statt sich entmutigen zu lassen, suchen sie einen "unmöglichen" Ausweg: Sie räumen das Dach über Jesus ab, sie machen ein Loch in der Decke. Jetzt können sie den Gelähmten direkt vor Jesus herunterseilen.

Wie viele solche unermüdliche Helfer gibt es auch heute! Ehrenamtliche Rot-Kreuz-Helfer, Feuerwehrleute, spontane Hilfsbereitschaft im Alltag, die sich von Schwierigkeiten nicht entmutigen lässt. Unsere Gesellschaft wäre hart und kalt ohne solche Menschen, die nicht fragen, was es ihnen "bringt", sondern die zupacken, wo Not ist. Ihnen gilt es immer wieder Dank zu sagen.

Ein Zweites beeindruckt mich am heutigen Evangelium: "Als Jesus ihren Glauben sah ..." Jesus heilt den Gelähmten nicht wegen seines Glaubens, sondern er schaut auf den festen, zuversichtlichen Glauben dieser vier Männer. Weil sie so ein starkes Vertrauen zu Jesus haben, bringen sie den Gelähmten zu ihm, damit er ihn heile.

Der Glauben der anderen! Manche Mutter betet um den Glauben ihrer Kinder. Und manche Kinder um den Glauben ihrer Eltern! Wir können einander auch im Glauben helfen. Wir können uns gegenseitig im Glauben tragen. Ich sage oft in unseren Pfarrgemeinden zu den Gläubigen: Sagt euren Nachbarn, euren Freunden, die nicht in die Kirche gehen: Ich gehe für dich! Ich bete für dich! Ich nehm dich im Herzen mit und bringe deine Sorgen zu Jesus! Ja, so können wir auch andere im Glauben mittragen. Und vergessen wir nicht: Auch wir werden von anderen durch ihr Gebet getragen. Ich erlebe das oft selber, wenn ich erfahre, wie viele Menschen mich durch ihr Gebet unterstützen.

Die dritte Besonderheit des heutigen Evangeliums ist wohl auch die schwierigste. Jesus sagt zu dem Gelähmten, eher er ihn heilt: "Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben." Heißt das, dass er wegen seiner Sünden gelähmt ist? Sieht Jesus seine Lähmung als Strafe Gottes für seine Sünden? Von da ist es dann nicht weit zu sagen, dass auch Naturkatastrophen Strafen Gottes für unsere Sünden wären.

Nein, Jesus hat das ausdrücklich abgelehnt. Er hat aber deutlich gemacht: Wir alle, ausnahmslos, brauchen als erste und wichtigste Heilung die Vergebung der Sünden. Man kann gelähmt sein und trotzdem ein großartiges Leben führen, ein wunderbarer Mensch sein. Mann kann kerngesunden Leibes sein, in seinem Herzen aber voller Hass und Neid. Die erste Heilung, die Jesus schenken will, ist die Befreiung von der Sünde und dem Bösen. Eine gesunde Seele in einem kranken Leib ist besser als eine kranke, vom Bösen befallene Seele in einem gesunden Leib. Hier hat Jesus beides gemacht: Dank der selbstlosen Helfer, dank ihres starken Glaubens hat er den Gelähmten an Seele und Leib geheilt.
Italian CONVIVENZA VESCOVI EUROPA – Domus Galilaeae, 24-29 marzo 2008
Feb 21, 2009
CONVIVENZA DEI VESCOVI D’EUROPA
Interventi del Card. Schönborn

Gerusalemme, 27 marzo 2008, Notre Dame:
Carissimi fratelli Vescovi, Successori degli Apostoli.
Cari fratelli e sorelle.
Ci sono tante cose nel nostro cuore in questo luogo, in questi giorni della Pasqua, in questi
giorni della resurrezione di Cristo. C’è questa lettura straordinaria degli Atti degli Apostoli, su cui
potremmo meditare per ore perché è uno dei testi più forti sul mistero di Israele che stiamo vivendo
in questi giorni, proprio in questo pomeriggio. Forse, se nel frattempo non vi sarete addormentati,
alla fine tornerò su questo.
Ma c’è un’altra cosa: ciò che viviamo in questi giorni e di cui dobbiamo essere testimoni,
proprio mandati da questo luogo dove Gesù disse ai suoi Apostoli: “Di questo voi siete testimoni”.
Di che cosa siamo testimoni, di cosa siamo chiamati ad essere testimoni nell’Europa di oggi? Di ciò
che i discepoli hanno vissuto lungo la via, quando sono tornati – il termine greco è anastrophé, la
conversione; si sono convertiti a Emmaus e sono tornati a Gerusalemme, hanno riconosciuto Gesù
allo spezzare del pane. Cosa è accaduto lungo la via? Io direi, con una esegesi non allegorica: cosa è
accaduto nel cammino?
Vorrei dirvi una cosa che mi è venuta nel cuore. Penso che sia una parola dello Spirito
Santo, che devo dire: qual è la colpa dell’Europa? La colpa dell’Europa, la colpa principale è il no
alla vita. Ho detto l’altro giorno alla TV austriaca, alla domanda di un giornalista, ho detto:
“L’Europa ha detto tre volte no al suo proprio futuro”, la prima volta nel ’68 - celebriamo adesso i
40 anni –, nel rifiuto dell’Humanae Vitae. La seconda volta nel ’75 quando le leggi dell’aborto
hanno inondato l’Europa. E la terza volta…, proprio ieri ho ricevuto la notizia dall’Austria che il
governo si è messo d’accordo per il matrimonio degli omosessuali, anche in Austria: il terzo no al
futuro, alla vita. E questo – l’ho detto alla TV – non è una cosa in primo luogo morale; è una
questione di fatti, di fatti: l’Europa sta morendo per aver detto no alla vita.
Ho nel cuore di dire questo in questo è il luogo dove Gesù ci ha detto che riceviamo il
perdono dei nostri peccati, perché penso che è un peccato anche di noi Vescovi, anche se nessuno di
noi era Vescovo nel ’68. In Germania oggi 100 genitori hanno 64 figli e 44 nipoti: questo vuol dire
che in una generazione la popolazione tedesca – senza l’immigrazione – diminuisce di metà.
Abbiamo detto “no” all’Humanae Vitae. Non eravamo Vescovi, ma lo erano i nostri confratelli.
Non abbiamo avuto il coraggio di dire un “sì” chiaro all’Humanae Vitae. Ci sono delle eccezioni:
l’allora Cardinale di Berlino (rivolto al Card. Meisner: “non tu, ma il tuo predecessore: tu l’hai poi
detto nel ’68”), il Card. Bengsch. Aveva preparato un testo per la conferenza episcopale tedesca,
che è stato un testo profetico. Questo testo è sparito e ne è uscito: “Die Königsteiner Erklärung”,
che ha indebolito la Chiesa Cattolica in Germania, a dire “sì” alla vita.
C’è stata un’altra eccezione, a Cracovia: un gruppo di teologi nel 1966, sotto la guida
dell’Arcivescovo Cardinale di Cracovia, il tanto amato Papa Giovanni Paolo II, ha scritto un
“memorandum” – ho il testo di questo “memorandum” in francese e tedesco a casa – e ha mandato
questo testo a Paolo VI. Io penso che questa testimonianza di un Vescovo della Chiesa martire,
CONVIVENZA VESCOVI EUROPA – Domus Galilaeae, 24-29 marzo 2008
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della Chiesa del silenzio, ha pesato più di tutte le “expertise” (perizie) che il Papa Paolo VI aveva
fatto fare sulla questione, e che gli ha fatto prendere questa decisione coraggiosa per la quale è poi
rimasto in una terribile solitudine. Questo testo di Cracovia – ne sono convinto spiritualmente, non
ho prova storica, ma ne sono convinto spiritualmente – ha dato il coraggio, ha aiutato a dar coraggio
a Paolo VI per scrivere l’Humanae Vitae.
Poi c’è stato un “pazzo” in Spagna, nelle baracche, con una “pazza”, che hanno avuto il coraggio di
dire “sì” alla vita, “sì” all’Humanae Vitae, contro corrente e quanto potente era questa corrente! Mi
ricordo la pubblicazione dello Spiegel in Germania: in copertina il papa Paolo VI con la pillola in
mano e con il no, ridicolizzato! Ma da questi pazzi, pazzi in Cristo, da questi pazzi in Cristo è uscita
una realtà che è così innegabile come la realtà del crollo demografico europeo: sono le famiglie del
Cammino, sono le famiglie del Cammino che ci danno in questa Europa la testimonianza che Paolo
VI aveva ragione, che la vita è il grande dono di Dio e il “sì” alla vita è una condizione per una vita
felice, è una condizione di un’Europa vivente. Ma noi Vescovi, chiusi dietro le porte per l’angoscia,
per l’angoscia non degli ebrei, ma della stampa, della stampa, e anche dell’incomprensione dei
nostri fedeli, non abbiamo avuto il coraggio! In Austria abbiamo avuto il “Die Mariatroster
Erklärung” – come in Germania il “Die Königsteiner Erklärung”. E questo ha indebolito il senso
della vita nel popolo di Dio, questo ha scoraggiato di aprirsi alla vita. Quando è venuta l’onda
dell’aborto la Chiesa era indebolita perché non aveva imparato questo coraggio di resistenza che
abbiamo visto a Cracovia, che Papa Giovanni Paolo II ci ha mostrato durante tutto il suo
pontificato, questo coraggio di dire “sì” a Dio, a Gesù, anche al prezzo di essere disprezzato. Noi
eravamo dietro alle porte chiuse, per la paura. Penso che anche se noi non eravamo Vescovi a
quell’epoca, dobbiamo pentirci di questo peccato dell’Episcopato europeo che non ha avuto il
coraggio di sostenere con forza Paolo VI, perché oggi portiamo tutti nelle nostre chiese, nelle nostre
diocesi, il peso delle conseguenze di questo peccato. (Applausi).
“Fratelli, io so che voi avete agito per ignoranza”, dice Pietro agli ebrei, ai suoi fratelli,
“avete agito per ignoranza”. Se avessimo saputo le conseguenze di questo “no” alla vita, mai
avremmo detto un “no” all’Humanae Vitae, avremmo avuto il coraggio di dire ai nostri fedeli:
“Abbiate fiducia, credete alla vita”, ma non abbiamo avuto il coraggio. “Io so che voi avete agito
per ignoranza, come i vostri capi”. Noi Vescovi. “Dio però ha adempiuto così ciò che aveva
annunziato per bocca di tutti i profeti”: questa sofferenza della quale noi siamo corresponsabili, le
sofferenze del “no” alla vita. Sappiamo tutti dalla confessione quanto dolore c’è quando si confessa
il peccato dell’aborto, e poi la tristezza di una vita fatta di “no” alla vita. Siamo corresponsabili di
questa tristezza dell’Europa.
“Pentitevi dunque e cambiate vita”, dice Pietro agli ebrei, non a noi Vescovi. Dice agli ebrei:
“Convertitevi e cambiate vita perché siano cancellati i vostri peccati e così possano giungere i tempi
della consolazione da parte del Signore”.
Quale consolazione abbiamo per l’Europa? Io vi dico la mia esperienza di vescovo, povero
peccatore. Io vedo le famiglie del Cammino, delle comunità: persone che attraverso una catechesi,
attraverso una conversione hanno avuto il coraggio di dire “sì” alla vita e oggi, grazie a un carisma
che due pazzi hanno ricevuto dal Signore e che hanno accolto, come sono, come sono, con i loro
doni e la loro debolezza, ma hanno accolto questo carisma, hanno avuto il coraggio di sopportare le
sofferenze di un tale carisma. Quanta sofferenza! E oggi abbiamo nella Chiesa il privilegio, il dono
di avere delle comunità con delle famiglie, ma delle vere famiglie, grandi famiglie, come molti di
voi, molti di noi abbiamo conosciuto nella loro gioventù, nella loro propria famiglia: 6, 10, 12 figli!
Era normale. Oggi siamo nel deserto europeo, e qui vediamo delle comunità, con delle famiglie!
Ciò che mi ha convinto non è “l’orologio dei neocatecumenali”, perchè quando mi invitano a una
catechesi o ad altro, ti dicono sempre: “un’ora”. E io chiedo: “Un’ora reale o un’ora
neocatecumenale?”, perché io so che un’ora neocatecumenale sono 3 ore. Ma vedo i frutti. Vedo il
nostro “Redemptoris Mater”: se non avessimo questo seminario, quale povertà nella nostra diocesi
per la mancanza di vocazioni – potete certo mandarcene altre di vocazioni! Qui abbiamo queste
CONVIVENZA VESCOVI EUROPA – Domus Galilaeae, 24-29 marzo 2008
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vocazioni e vedo come sono seguite queste vocazioni. Devo dire con umiltà, con sincerità, che
nonostante tutti gli sforzi nel seminario diocesano non riusciamo a formare umanamente i nostri
seminaristi come sono formati nelle comunità del Cammino. Perché? Perché hanno le famiglie,
hanno l’esperienza di ciò che è la paternità. Chi di noi oggi… io sono di una famiglia divorziata, i
miei genitori erano divorziati, mio nonno era divorziato, i miei tre fratelli sono divorziati. Io
conosco la realtà del divorzio. Ma dove imparare la paternità sacerdotale se non ci sono esempi di
paternità nelle famiglie? Qui lo imparano questi seminaristi... Adesso ho avuto un caso di un
giovane prete uscito dal “Redemptoris Mater” che è caduto nel peccato con una donna. Conosciamo
tutti noi Vescovi la situazione quando succede: uno se ne va perché ha avuto una relazione, lascia il
sacerdozio. Le famiglie di questa parrocchia, le famiglie del Cammino lo hanno accolto con verità e
bontà, e la sua vocazione è salvata. E’ venuto da me prima di Pasqua gioioso: “Sì, ho peccato, ma
ho avuto il coraggio di abbandonare questa relazione, di tornare”. Sono le famiglie che hanno
salvato questa vocazione, questo presbitero!
Io sono convinto che il Signore ci ha dato nella Chiesa questo carisma, non è l’unico, non è
l’unico, ce ne sono tanti carismi; ma è un carisma che ci mostra che senza la famiglia, senza il “sì”
alla vita non c’è futuro nella Chiesa. Per questo io vorrei ringraziare le nostre famiglie del
Cammino, la loro testimonianza, questo coraggio di lasciarsi mandare dappertutto. Una famiglia di
Vienna, con 9 figli, è andata in missione a Istanbul, in Turchia! Queste famiglie ci danno il segno di
ciò che è la resurrezione.
Allora, fratelli, non voglio trattenervi troppo. Ma in questo luogo vorrei ringraziare Papa
Paolo VI, Papa Giovanni Paolo II, Papa Benedetto, per aver fatto ciò che è il lavoro del Vescovo,
come dice S. Paolo nel capitolo 14 della Prima Epistola ai Corinzi, di discernere i carismi, di
discernere, di dire: “Questo è di Dio”. Questo non vuol dire che i fondatori sono santi, forse lo
diventeranno, perché S. Tommaso d’Aquino ci ha spiegato che i carismi sono grazie gratis date,
sono date per la Chiesa, per l’edificazione della Chiesa. Non significano automaticamente una
santificazione del portatore del carisma, è un invito anche al portatore del carisma di santificarsi, ma
è anzitutto un dono alla Chiesa. E io vedo che qui c’è un dono alla Chiesa.
E finisco, con una realtà che conosciamo in tutte le nostre diocesi, dove c’è il Cammino: non
è sempre bene accolto, ci sono tensioni, si dice che divide le parrocchie. Io non sono tanto
coraggioso per sostenere sempre i deboli, i perseguitati, ma una cosa posso dire: un corpo ha delle
tensioni, solo un corpo morto non ha tensioni. E queste tensioni fanno anche parte della conversione
necessaria. Questo non scusa gli sbagli umani che accadono, certo, ma queste tensioni, quando il
Vangelo è proclamato per la conversione, crea tensioni, inevitabilmente! E noi, vescovi, dobbiamo
chiederci che se ci sono tensioni sono forse salutari! Perché svegliano, Perché ci permettono di
domandarci: Cosa vuole Dio da noi?
In questo santo luogo vorrei chiedere che il Signore entri, anche a porte chiuse, e ci dia il
coraggio, anche se negli ultimi 40 anni abbiano mancato di coraggio per dire “sì” alla vita.
L’abbiamo detto, ma dobbiamo dirlo con questa forza. Che ci perdoni le mancanze di coraggio e ci
dia la forza che ha dato agli Apostoli quando li ha inviati da questo luogo.
Grazie per la vostra pazienza fratelli.
German Schönborn: Verkürztes Verfahren in Linz war Fehler
Feb 19, 2009

Kardinal Christoph Schönborn von Wien stand nach dem Krisentreffen der Bischöfe den Medien Rede und Antwort. Der Erzbischof der Hauptstadt ist auch Vorsitzender der österreichischen Bischofskonferenz. Er drängte auf der Pressekonferenz auf Sorgfalt bei künftigen Bischofsernennungen. Ein verkürztes Verfahren bei der Bestellung des Linzer Weihbischofs habe sich nicht bewährt:

„Ich denke, das Verfahren der Auswahl der Kandidaten ist ein sehr gründliches und sehr bewährtes. Man sollte meiner Meinung nach immer vermeiden, dieses Verfahren nicht in seinem vollen Umfang durchzuziehen; dass das nicht stattgefunden hat, muss hier (d.h. im Fall von Linz) als ein Fehler bezeichnet werden.“

Im Bistum Linz gebe es – entgegen der Wahrnehmung in der Öffentlichkeit – auch sehr viel Erfreuliches, so Kardinal Schönborn: ein dichtes Netz aktiver Pfarrgemeinden und Seelsorgezentren, ein „ausgeprägtes Gespür für die soziale Dimension des Christseins“, sehr aktive katholische Laienorganisationen. Und doch:

„Die Sorge, die wir gemeinsam als österreichische Diözesanbischöfe formuliert haben, ist, dass das Gleichgewicht zwischen dem allgemeinen Priestertum aller getauften Katholiken und dem besonderen Dienst des geweihten Priesters in manchen Fällen noch besser austariert werden muss.“

Nun gelte es, so Kardinal Schönborn, dass alle Gruppen in der Diözese Linz das ehrliche Gespräch miteinander suchen und gemeinsam anstehende Fragen zu lösen suchen. Das müsse auf der Grundlage des Zweiten Vatikanischen Konzils erfolgen. Ansonsten aber warb Schönborn eindringlich darum, jetzt den Blick von den Kirchenkrisen abzwenden und wieder nach vorn zu schauen. Gerade in der Zeit der Wirtschaftskrise seien die Tausenden Pfarrgemeinden in ganz Österreich ein enormes „Netzwerk der Solidarität“. Unzählige haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter der Kirche setzten sich tagtäglich für Menschen in Not ein.

„Das Erste und Wichtigste ist für uns, dass wir nicht das Wesentliche vergessen – nämlich den Blick auf Christus zu richten, der die Mitte unseres christlichen Glaubens ist. Es gilt, besser aufeinander zu hören, aufeinander zuzugehen, die Zeichen der Zeit im Glauben zu deuten – denn die Kirche will ja den Menschen dienen, dazu ist sie da!“
German Kardinal Schönborn beruft Sonderberatung der Bischöfe ein
Feb 17, 2009

Wien, 13.2.09 (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat als Vorsitzender
der Österreichischen Bischofskonferenz die österreichischen
Diözesanbischöfe für Montag, 16. Februar, zu einer außerordentlichen
Konsultation nach Wien gerufen. Thema der eintägigen Sitzung ist die
derzeitige Situation der Kirche in Österreich. Kardinal Schönborn:
"Die Katholiken haben ein Recht darauf, dass wir unser Bestes geben,
um die Krise zu überwinden". Die derzeitigen Spannungen hätten
Irritation und Resignation gebracht, es gehe um Schadensbegrenzung,
vor allem aber um die Zukunft der Kirche in Österreich. Wörtlich
stellte Kardinal Schönborn fest: "Der gute Weg, den die Kirche in den
letzten Jahren gegangen ist, stand unter dem Motto: 'Auf Christus
schauen'. Diesen Weg wollen wir gemeinsam weiter gehen"
Spanish Cardenal de Viena critica al Vaticano por su perdón a negacionistas
Feb 08, 2009

El cardenal arzobispo de Viena, Christoph Schönborn, criticó al Vaticano tras la decisión del papa Benedicto XVI de levantar la excomunión de cuatro obispos ultraconservadores, uno de ellos, el británico Richard Williamson, que ha hecho declaraciones negacionistas acerca del Holocausto antijudío durante el periodo nazi.

En una declaración a la televisión pública austriaca ORF, el cardenal Schönborn subrayó que "quien negaba la Shoah no podía ser rehabilitado en el seno de la Iglesia". "Colaboradores del Vaticano no lo examinaron muy de cerca" y no se informaron bastante sobre la personalidad de Richard Williamson, estimó.

El más alto prelado católico austriaco se congratuló por la declaración hecha el 28 de enero por Benedicto XVI, que condenó con firmeza el negacionismo y expresó su "solidaridad" con los judíos. El objetivo del Papa era "tener un gesto de reconciliación" con los integristas, pero esto no significa que sean rehabilitados "en sus funciones y dignidades". "Mientras no hayan reconocido el concilio Vaticano II, no existirá verdadera reconciliación", declaró.



El Vatican II (1962-1965) rompió con la teología del pueblo judío "deicida" (culpable de la muerte de Cristo), que alimentó dos milenios de antisemitismo.

La Fraternidad Sacerdotal San Pío X (FSSPX) provocó un cisma en 1988 después de rechazar las enseñanzas del concilio (libertad religiosa, pluralismo), en particular la declaración "Nostra Aetate" que declara a los judíos "hermanos mayores" de los cristianos.

El papa Benedicto XVI levantó el pasado 24 de enero la excomunión de cuatro obispos integristas de la FSSPX. Uno de ellos, el obispo británico Richard Williamson, que está ejerciendo en Argentina, negó el Holocausto y la existencia de cámaras de gas en los campos de exterminio nazis.

Esta decisión del papa Benedicto XVI suscitó virulentas críticas de la comunidad judía y un gran malestar en el seno de la Iglesia Católica.
German Brief von Kardinal Christoph Schönborn an Oberrabbiner Eisenberg
Feb 08, 2009
"Es ist beschämend und beängstigend, dass es immer noch Stimmen gibt, die öffentlich die Shoah leugnen und das Existenzrecht des jüdischen Volkes in Frage stellen" - "Katholisch.at" dokumentiert den Brief von Kardinal Schönborn an Oberrabbiner Eisenberg im Wortlaut:

Sehr geehrter Herr Oberrabbiner,



zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Jänner darf ich Ihnen im eigenen Namen wie im Namen der Österreichischen Bischofskonferenz tief empfundene Anteilnahme im Hinblick auf die Opfer und die Überlebenden übermitteln. Der von den Nationalsozialisten in Gang gesetzte industrielle Massenmord an den jüdischen Menschen bleibt eine schmerzliche Wunde und eine Schande Europas. Auch Christen waren an diesem Großverbrechen beteiligt oder haben weg gesehen; es gab "Gerechte unter den Völkern", die unter Einsatz ihres Lebens jüdische Menschen gerettet haben, aber es waren zu wenige. Es ist beschämend und beängstigend, dass es immer noch Stimmen gibt, die öffentlich die Shoah leugnen und das Existenzrecht des jüdischen Volkes in Frage stellen.



Jeder Christ, der seinen Glauben ernstnimmt, kann sich nur in Dankbarkeit und Ehrfurcht vor den jüdischen Wurzeln des Christentums verbeugen - und vor den Menschen, die diese Wurzeln repräsentieren. Aus diesem Grund begehen die christlichen Kirchen in Österreich seit einigen Jahren jeweils am 17. Jänner einen "Tag des Judentums" als Einbegleitung der "Weltgebetswoche für die Einheit der Christen". Dieser Termin will das Bewusstsein wach rufen und wach halten, dass die ersehnte Einheit der Christen nur im Festhalten an den gemeinsamen Wurzeln im Judentum angestrebt und erbetet werden kann.



Viele Jahrhunderte waren sich die Christen dieser Tatsachen nicht bewusst. Nach der furchtbaren Katastrophe der Shoah haben die Christen erkannt, dass auch sie Schuld auf sich geladen haben. Die Erklärungen des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Päpste haben inzwischen allen Katholiken deutlich gemacht, dass die Besinnung auf die jüdischen Wurzeln des Christentums auch die Zuneigung zum zeitgenössischen Judentum beinhaltet.



Dies ist umso wichtiger in einer Zeit, in der die dramatischen Auseinander-setzungen im Nahen Osten immer wieder die Gefahr mit sich bringen, dass die alten antisemitischen Vorurteile in neuem Gewand ihre verderbliche Wirkung entfalten.



Ich versichere Sie, sehr geehrter Herr Oberrabbiner, am Internationalen Holocaust-Gedenktag meines Gebets für die jüdischen Opfer und Überlebenden.



Mein Gebet gilt auch dem Frieden im Heiligen Land. Mögen wir alle, Juden, Christen und Muslime lernen, wie wir im Sinn von Gerechtigkeit für alle mit den Menschen in diesem Land solidarisch sein können.



Mein Gruß "Shalom" gilt Ihnen, sehr geehrter Herr Oberrabbiner, und allen Mitgliedern der Israelitischen Kultusgemeinde in Österreich



Kardinal Christoph Schönborn
German Predigt zur Heiligen Messe mit Vorarlberger Chorakademie
Feb 08, 2009
Wortlaut der Predigt von Kardinal Christoph Schönborn bei der "Vorarlbergermesse" im Dom zu St. Stephan am Sonntag, 1. Februar 2009.

Gelobt sei Jesus Christus!

"Konservativ liegt voll im Trend". Das könnte eine Schlagzeile in den Zeitungen dieser Tage sein. Die verständlichen und zum Teil auch leider voll berechtigten Aufregungen über die Geschichte mit den vier unrechtmäßig, aber gültig geweihten Bischöfen, die Erzbischof Lefebvre in schismatischer Entscheidung geweiht hat und denen der Papst die Hand gereicht hat, aber in einer Weise, die wohl nicht sehr glücklich zumindest von den vatikanischen Stellen vermittelt wurde.

"Konservativ liegt voll im Trend". Das könnte eine Schlagzeile sein zu Bischofsernennungen in Österreich oder zu den Widerständen der Bischöfe gegenüber manchen Initiativen. Es ist aber eine Schlagzeile einer österreichischen Bank. Deshalb zitiere ich sie. Eine österreichische Bank wirbt im Moment dafür, dass man Geld bei ihr deponieren soll, weil sie "konservativ" veranlagt. Was ist also konservativ, was ist fortschrittlich? Wenn man die Werbung dieser Bank bedenkt, dann muss man sagen: Ja, konservativ wäre klüger gewesen als spekulativ! Dies hätte uns manche persönliche und kollektive Dramen erspart, wenn man konservativer gewesen wäre in der Anlagepolitik. Soll die Kirche konservativ sein? Was heißt überhaupt konservativ? Verwenden wir diese Schlagworte nicht viel zu schnell und oberflächlich? Ist Paulus konservativ, weil er den Zölibat empfiehlt? Paulus hat diesen Ruf, aber er war ausgesprochen fortschrittlich gegenüber manchen Engen des jüdischen Zeremonialgesetzes.

Aber die entscheidende Frage, die wir uns heute stellen ist doch, ob Jesus selber 'konservativ' ist? Wie soll man ihn einordnen? Da ist die Rede von einem Exorzismus. Wagen Sie heute einmal über Exorzismus zu reden, dann klebt die Etikette 'konservativ' sehr schnell. War Jesus konservativ oder war es einfach die Unwissenheit der damaligen Zeit? Haben die Leute einfach nicht gewusst, was Nervenkrankheiten sind, da es noch keine Psychiatrie und keine Psychiatrischen Spitäler gab?

Schauen wir uns das genauer an: Jesus will eine Heilsbotschaft bringen. Das erste, was am Beginn seines öffentlichen Wirkens in Kafarnaum geschieht, - es ist in der Darstellung des Evangelisten Markus der erste Tag seines öffentlichen Auftretens -, war Staunen über seine Rede, über die Art, wie er spricht. Aber dann auch Manifestationen, die uns befremden. Ein Mann mit einem unreinen Geist beginnt zu schreien: "Wir wissen, wer du bist: der Heilige Gottes" (Mk 1,24). Jesus herrscht diesen unreinen Geist an und vertreibt ihn.

Ist Jesus ein Exorzist? Was bedeutet das, dass dies am Anfang des Evangeliums steht? Was bedeutet es, dass die Zwölf, die er kurz danach auswählt, als Auftrag bekommen: verkünden der Frohen Botschaft und Dämonen austreiben? Ist vielleicht das Evangelium oder Jesus selber hoffnungslos konservativ? Oder stimmen unsere Etiketten nicht? Was heißt denn konservativ? Wenn man an die Wurzel geht: bewahren. Jesus hat im Abendmahlsaal gebetet: "Bewahre sie vor dem Bösen" (Joh, 17,15). Welche Eltern haben diese Bitte nicht im Herzen für ihre Kinder! Wir wissen alle, es gibt das Böse. Manche zweifeln, ob es den Bösen gibt. Ich wundere mich immer nach der Geschichte des 20. Jahrhunderts, dass man noch an der Existenz des Bösen zweifeln kann. Jesus wollte uns vor dem Bösen bewahren, von dem Bösen befreien. Wenn das konservativ ist, dann sind alle Eltern konservativ. Das werfen ihnen ja meistens die Kinder vor. Hoffnungslos konservativ, das haben auch wir unseren Eltern gegenüber gesagt.

Was soll die Kirche in dieser Zeit? Ja, sie hat denselben Auftrag, den Jesus zu verwirklichen gekommen ist: Bewahre sie vor dem Bösen. Wir sind hier im Stephansdom. Was wird nicht getan, um diesen Dom zu bewahren! Die Vorarlberger haben fleißig mitgeholfen. Hier vorne sind die beiden Wappen von Bischof Wechner und das Landeswappen von Vorarlberg. Sie haben dazu beigetragen, den Dom zu bewahren und wiederherzustellen, zu konservieren, wenn Sie so wollen. Aber das war nicht etwas Rückwärtsgewandtes, das war ein Blick in die Zukunft. Wir wollen, dass auch in Zukunft Menschen ein Dach über der Seele haben, dass die Menschen in unserem Land dieses Symbol des Glaubens benützen können, darin geborgen sein können.

Brüder und Schwestern, 'Konservativ liegt voll im Trend'. Nein, es geht nicht um konservativ und fortschrittlich. Sondern um das, was uns wirklich not- und guttut. Es geht um das, was wir alle brauchen. Jedes Leben braucht Bewahrung, Beschützen. Und wenn die Kirche dafür steht, das Leben zu beschützen, dann ist sie in diesem Sinne konservativ. Das heißt aber nicht, dass wir engstirnig sein sollen. Entscheidend ist das Herz. Was Jesus bewegt hat, war nicht die Frage progressiv oder konservativ, sondern der Mensch. Dass dieser von einer bösen Macht besessene, gefangene und gefesselte Mensch von Jesus befreit wird, ist doch ein Zeichen dafür, was Jesus wirklich wollte. Dass wir frei werden von dem Bösen, von dem, was dem Menschen schadet, was ihn kaputt macht. Konservativ liegt voll im Trend, weder fortschrittlich noch konservativ, sondern menschengerecht, gottesgerecht, so wie Jesus es wollte.

Letztlich zählt nur eines: ob wir dem Herzen Jesu ähnlich sind oder nicht, ob wir mit seinem Augen sehen, mit seinen Gedanken denken, mit seiner Leidenschaft für den Menschen leben und anderen begegnen. Darauf kommt es an. Dass es daran oft und oft in der Kirche fehlt, das ist tragisch. Das ist nicht die Frage von konservativ oder fortschrittlich, es die Frage, ob wir im Herzen, mit den Gedanken, den Gefühlen, den Absichten Jesu übereinstimmen oder nicht. Glaubwürdig ist die Kirche dann, wenn sie das tut. Da mag man Etiketten ankleben, konservativ oder fortschrittlich, das ist ganz egal. Das allein wird glaubwürdig sein. Darum wollen wir Jesus heute bitten: Hilf uns, zu verstehen, was Du willst, was Dein Herz bewegt, dann werden wir viele Menschen bewegen, mit uns und mit Dir zu gehen. Amen.
German "Leugnung der Shoah ist beschämend und beängstigend"
Jan 26, 2009
Wiener Erzbischof richtet aus Anlass des Internationalen
Holocaust-Gedenktags Brief an Oberrabbiner Eisenberg - Der Holocaust
bleibt eine "schmerzliche Wunde und eine Schande Europas"

Wien, 26.1.09 (KAP) "Es ist beschämend und beängstigend, dass es
immer noch Stimmen gibt, die öffentlich die Shoah leugnen und das
Existenzrecht des jüdischen Volkes in Frage stellen": Dies betont
Kardinal Christoph Schönborn in einem Brief an Oberrabbiner Paul
Chaim Eisenberg aus Anlass des Internationalen Holocaust-Gedenktags,
der am 27. Jänner begangen wird. Der Wiener Erzbischof versichert "im
eigenen Namen wie im Namen der Österreichischen Bischofskonferenz"
den Oberrabbiner der tief empfundenen Anteilnahme im Hinblick auf das
Schicksal der Opfer und der Überlebenden. Der von den
Nationalsozialisten in Gang gesetzte industrielle Massenmord an den
jüdischen Menschen bleibe "eine schmerzliche Wunde und eine Schande
Europas", so der Wiener Erzbischof. Auch Christen seien an diesem
Großverbrechen beteiligt gewesen oder hätten "weg gesehen"; es habe
"Gerechte unter den Völkern" gegeben, die unter Einsatz ihres Lebens
jüdische Menschen retteten, "aber es waren zu wenige".

"Jeder Christ, der seinen Glauben ernstnimmt, kann sich nur in
Dankbarkeit und Ehrfurcht vor den jüdischen Wurzeln des Christentums
verbeugen - und vor den Menschen, die diese Wurzeln repräsentieren",
stellt der Wiener Erzbischof weiter fest. Aus diesem Grund würden die
christlichen Kirchen in Österreich seit einigen Jahren jeweils am 17.
Jänner einen "Tag des Judentums" als Einbegleitung der
"Weltgebetswoche für die Einheit der Christen" begehen. Dieser Termin
wolle das Bewusstsein "wach rufen und wach halten", dass die ersehnte
Einheit der Christen nur im Festhalten an den gemeinsamen Wurzeln im
Judentum angestrebt und erbetet werden kann.

Viele Jahrhunderte hindurch seien sich die Christen dieser Tatsachen
nicht bewusst gewesen, stellt Kardinal Schönborn fest. Nach der
furchtbaren Katastrophe der Shoah hätten die Christen erkannt, dass
auch sie Schuld auf sich geladen haben. Schönborn: "Die Erklärungen
des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Päpste haben inzwischen
allen Katholiken deutlich gemacht, dass die Besinnung auf die
jüdischen Wurzeln des Christentums auch die Zuneigung zum
zeitgenössischen Judentum beinhaltet". Dies sei umso wichtiger in
einer Zeit, in der die dramatischen Auseinandersetzungen im Nahen
Osten "immer wieder die Gefahr mit sich bringen, dass die alten
antisemitischen Vorurteile in neuem Gewand ihre verderbliche Wirkung
entfalten".

Abschließend stellt Kardinal Schönborn fest: "Ich versichere Sie,
sehr geehrter Herr Oberrabbiner, am Internationalen
Holocaust-Gedenktag meines Gebets für die jüdischen Opfer und
Überlebenden. Mein Gebet gilt auch dem Frieden im Heiligen Land.
Mögen wir alle, Juden, Christen und Muslime, lernen, wie wir im Sinn
von Gerechtigkeit für alle mit den Menschen in diesem Land
solidarisch sein können".
German "Es bleibt eine schmerzliche Wunde"
Jan 12, 2009
*  Über die Affäre Groer, Sex und Geburtenrate
   * Ob Charles Darwin nun Recht hatte oder nicht

profil: Herr Kardinal, Sie sind seit dreizehn Jahren im Amt, und das ist – trotz vieler Anfragen – das erste profil-Interview. Warum haben Sie uns immer abgesagt?
Schönborn: Sie haben damals diese Geschichte über meinen Vorgänger Kardinal Groer gebracht. Das war für mich der Grund, Ihnen kein Interview zu geben, weil ich das aus Loyalität meinem Vorgänger gegenüber – bei aller Kritik, die man haben kann – für richtig gehalten habe.

profil: Unsere Darstellung war ja korrekt. Es ist in der Causa Groer nie zu einer ­Entgegnung oder einem medienrechtlichen Verfahren gekommen.
Schönborn: Das ist auch nie angestrebt worden.

profil: Damit ist diese Geschichte ausgeräumt?
Schönborn: Es bleibt eine schmerzliche Wunde. Mir wäre lieber gewesen, es wäre auch von kirchlicher Seite besser gelungen, die Sache offen und klar zu behandeln. Aber Verstorbene haben das Recht, dass man auch das Gute, das sie getan haben, hervorhebt. Und mein Vorgänger hat sehr viel Gutes getan.

profil: Glauben Sie, dass die Medien die Kirche oft missverstehen?
Schönborn: Viele unserer Kernanliegen sind provokant, weil man Dinge aus der Glaubensperspektive anders sieht als aus einer glaubensfernen Perspektive. Ich bin immer wieder verwundert zu sehen, dass viele Menschen sehr negative Eindrücke und Vorurteile gegenüber der Kirche haben. Ich selbst habe das Glück, das Gute und Schöne und Starke an der Kirche im Vordergrund zu sehen. Ohne mir allerdings Illusionen zu machen, dass sie auch sehr menschliche Seiten hat. Ich habe Barbara Stöckl in unserem Interview-Buch am Schluss gesagt, dass ich froh bin, dass die Kirche nicht eine Kirche der Vollkommenen ist, denn auf diese Weise habe auch ich einen Platz in ihr.

profil: Das ist sehr demütig.
Schönborn: Das ist sehr realistisch.

profil: Sie haben im März in einer Rede Kritik an den österreichischen Bischöfen des Jahres 1968 geübt, weil die der Anti­babypillen-Enzyklika des Papstes eher dis­tanziert gegenübergestanden sind. Das sei einer der Gründe für die niedrige Geburtenrate, argumentierten Sie. Wäre die höher, hätten die Bischöfe das damals anders gesehen?
Schönborn: Ich erinnere an den Kernsatz meiner Rede: Hätten wir Bischöfe damals gewusst, was wir heute wissen, hätten wir wohl anders formuliert.

profil: Sie selbst waren ja nicht dabei.
Schönborn: Ich meine das im Sinne der ­Solidarität der Bischöfe. Wir sehen heute viele Dinge anders, kritischer als vor 40 Jahren. Wir wissen heute, dass Paul VI. prophetisch gesehen hat, dass mit der Entkopplung von Sexualität und Lebensweitergabe Gefahren auf uns zukommen. Eine dieser Gefahren ist die dramatische demografische Entwicklung in Europa. Dass heute eine immer schmäler werdende junge Generation eine immer größer werdende ältere Generation erhalten wird müssen.

profil: Gäbe es weniger Empfängnisverhütung, gäbe es sicher mehr Kinder. Aber wären das glückliche Kinder in glücklichen Familien?
Schönborn: Natürlich gibt es in der Familie auch alle Dramen des menschlichen Lebens – Missbrauch, Unterdrückung, Gewalt, Eifersucht, Neid. Trotzdem ist sie das Basisnetzwerk der Solidarität, ohne das eine Gesellschaft nicht leben kann.

profil: Die Leute haben auch Sex, ohne dabei Kinder zeugen zu wollen. Das wird ihnen die Kirche nicht ausreden können.
Schönborn: Die Kirche will überzeugen zum „Ja zum Leben“. Jeder von uns stellt sich die Frage: Was macht mein Leben wertvoll? Dazu sind zweifellos Kinder ein ganz wesentliches Element. Und Österreich gehört zu den Ländern, in denen die Kinderfreundlichkeit entwicklungsbedürftig ist.

profil: Sie haben in der schon zitierten Rede auch gemeint, eine Art „Homo-Ehe“ würde dazu beitragen, dass die Geburtenraten weiter sinken. Aber homosexuelle Paare kriegen keine Kinder, ob sie jetzt in einer Ehe leben oder nicht.
Schönborn: Das stimmt. Deshalb sagen wir auch von kirchlicher Seite: Bitte reden wir nicht von Ehe, wo es nicht um eine Ehe geht. Dass auch solche Partnerschaften zivilrechtlich ihre Absicherung verdienen, verstehe ich, aber dazu brauchen wir nicht die Symbolik einer so genannten Homo-Ehe.

profil: Soll dieser Pakt am Standesamt geschlossen werden?
Schönborn: Wir haben sehr dafür plädiert, dass solche Abmachungen zivilrechtlich abgesichert werden sollen, also beim Notar und nicht beim Standesamt.

profil: Laut einer profil-Umfrage von dieser Woche sagen nur zwölf Prozent, die Kirche soll bei Fragen der Sexualmoral mehr mitreden, 81 Prozent sind dagegen. Zeigt das nicht, dass die Menschen selbst entscheiden wollen?
Schönborn: Jeder muss selbst entscheiden. Die Frage ist: Woran orientiere ich meine Gewissensentscheidung? Wie gehe ich mit meiner Verantwortung um, auch für die nächste Generation? Professor Zulehner hat eine interessante Statistik veröffentlicht: Daraus ersehen wir, dass unsere Sonntagskirchgänger eine durchschnittliche Kinderzahl von 2,66 haben. Das ist weit über dem, was notwendig ist, um den Bevölkerungsstand zu halten. Ich habe mich sehr über diese Zahl gefreut. Sie ist ein gutes Zeichen.

profil: Praktizierende Katholiken folgen Ihren Appellen, aber die werden immer weniger.
Schönborn: Aber sie haben eine erfreulich hohe Kinderzahl.

profil: Das gibt Ihnen Hoffnung, dass auch die Zahl der Gläubigen wieder steigt?
Schönborn: Das hoffe ich natürlich.

profil: Sie betonen immer wieder – etwa bei der Frage des Zölibats –, die Kirche müsse zeigen, dass Grenzen zu ziehen sind. Aber Grenzen werden immer wieder neu gezogen. Ist die Kirche nicht zu furchtsam im Ziehen neuer Grenzen?
Schönborn: Grenzen ermöglichen erst Kontur. Ein menschlicher Körper, der nicht begrenzt ist, ist kein menschlicher Körper. Die katholische Kirche hat eine sehr ausdrückliche Gestalt, und in einer Zeit, in der so vieles diffus und dem Diktat des Relativismus unterworfen ist, ist die katholische Kirche auch etwas Widerständiges. Brauchen wir nicht Instanzen in unserer Gesellschaft, die gegen den Mainstream widerständig sind und Überzeugungen vertreten, die minoritär sind? Ich halte es für sehr viel gefährlicher, wenn man sich konturlos jeder Modeströmung hingibt.

profil: Diese Gefahr besteht bei der katholischen Kirche ja wirklich nicht.
Schönborn: Das ist ja auch gut so. Wie oft wird zum Beispiel von gewissen Kreisen die Caritas kritisiert. Aber sie ist ein wesentlicher Teil der Kirche, weil sie beharrlich und lästig auf Fragen der Gerechtigkeit und der Solidarität hinweist. Sie ist widerständig.

profil: 2005 ist in der „New York Times“ ein viel beachteter und viel kritisierter Artikel von Ihnen zum Thema Darwin und die Evolution erschienen. Wie kam es dazu?
Schönborn: Ich habe mich sehr über diese Möglichkeit gefreut. Wer freut sich nicht, wenn er in einem Blatt wie der „New York Times“ einen Artikel unterbringt? Dieser Artikel hat eine enorme Debatte ausgelöst und mir viel Kritik eingebracht, aber diese Debatte war gut.

profil: Sie haben darin sinngemäß argumentiert, die Arten hätten sich durchaus so wie von Darwin dargestellt entwickelt, aber Gott habe dabei die Regie geführt.
Schönborn: Ich habe gesagt, die von Darwin begründete wissenschaftliche Evolutionstheorie könne sehr viele gute Gründe für sich anführen. Auf naturwissenschaftlicher Ebene gibt es keine wirkliche alternative Theorie dazu. Aber ich lehne die ideologische Ausweitung des Modells Evolution ab. Man hat ja versucht, damit alles zu erklären, das Entstehen der Ethik und der Religion zum Beispiel. Natürlich gibt es biologische Entstehungsbedingungen für die Vernunft, für das Ethos, selbst für die Religion. Aber zu behaupten, man habe das Phänomen Religion damit erklärt, ist ein Fehlschluss.

profil: Sie argumentierten auch, es sei kein Zufall, dass sich die Kette vom Einzeller bis zum Menschen so entwickelt hat. Es gebe eine lenkende Hand Gottes. Naturwissenschafter sehen das anders.
Schönborn: Sicher nicht alle! Kann das alles Zufall sein? Der Präsident der Akademie der Wissenschaften und Professor für theoretische Chemie Peter Schuster hat in seinem Vortrag vor dem Papst gesagt: Das Leben auf unserem Planeten und seine Höherentwicklung bis zur Entstehung des Geistes ist auf einem unwahrscheinlich schmalen Grat entstanden: „Durch eine nicht kleine Zahl von Nadelöhren.“ Wäre etwa nur eine kleine thermische Gegebenheit anders gewesen, gäbe es bis heute kein Leben. Das ist für Professor Schuster ein Faktum, das den Gedanken an einen Schöpfer sehr nahelegt.

profil: Sie gehen damit von einer gottgewollten Privilegiertheit unseres Planeten und des Menschen aus. Wenn einmal irgendwo im All intelligentes Leben gefunden wird – bricht dann Ihr Gedankengebäude zusammen?
Schönborn: Nein, dann sind wir immer noch die wunderbar privilegierten Menschen, die über all das nachdenken können. Es ist doch wohl angebracht, auch die Intelligenz dessen anzuerkennen, der unsere Intelligenz geschaffen hat und der es uns ermöglicht, die Werke seiner Intelligenz in der Natur zu entziffern und immer tiefer in sie vorzudringen und immer mehr zu staunen und dafür dankbar zu sein, dass es diese Schöpfung gibt.

profil: Es gibt jetzt in Genf diesen Teilchenbeschleuniger, der versucht, den Urknall zu simulieren und vielleicht sogar einen Schritt vor den Urknall zu gehen. Begrüßen Sie solche Versuche?
Schönborn: Bei so großen Experimenten fragt sich, ob die Kosten verantwortbar sind angesichts der Probleme, die wir auf der Welt haben. Aber diese Frage könnte man bei den Rüstungsausgaben noch viel berechtigter stellen. Dass die menschliche Intelligenz das Bedürfnis hat herauszufinden, was die Welt im Innersten zusammenhält, das finde ich großartig!

profil: Lässt das nicht immer weniger Raum für den Glauben?
Schönborn: Im Gegenteil. Ich habe noch nie eine wissenschaftliche Entdeckung kennen gelernt, die meinen Glauben vermindert hätte. Mein Staunen über die Natur hat mit jeder Entdeckung zugenommen. Gott ist mir größer geworden durch alles, was ich durch die Wissenschaft erfahren habe.

profil: Die Religion ist doch gegenüber der Wissenschaft auf dem Rückzug. Noch vor hundert Jahren haben die Menschen geglaubt, die Schöpfung habe bloß sechs Tage gedauert und dann seien Adam und Eva dagestanden.
Schönborn: Stört uns das, dass wir wissen, dass dieses grandiose Werk in Millionen, Milliarden Jahren entstanden ist? Das hat uns doch den Schöpfer nicht kleiner gemacht. Das hat ihn uns größer gemacht. Was wussten die Menschen zur Zeit, als die Bibel aufgeschrieben wurde, über das, was wir heute das Genom nennen? Das ist doch faszinierend.

profil: Halten Sie es für vorstellbar, dass die Naturwissenschaft bei einem ihrer Versuche plötzlich zur Entdeckung kommt: Hoppla, da steht ja der liebe Gott!
Schönborn: Mit den Mitteln der Naturwissenschaft werden wir immer nur noch genauer die Konstitution der Materie erforschen können. Die Frage, woher das alles kommt, warum das alles da ist und wohin das Ganze führt – die wird mir die Naturwissenschaft nicht beantworten können. Das ist auch nicht ihre Aufgabe.

profil: Gott wird sich der Wissenschaft immer verborgen halten?
Schönborn: Gott wird sich dem Naturwissenschafter nur dort zeigen, wo dieser selbst staunt und sich die Frage stellt: Was sagt mir das, was ist der Sinn meines Lebens? Das ist der Ort, wo dann die Gottesfrage auch zu einer Antwort werden kann.

Interview: Herbert Lackner

Christoph Schönborn, 64
Der Kardinal entstammt einem deutschen Adelsgeschlecht, wuchs in Schruns (Vorarlberg) auf und trat 1963 in den Dominikanerorden ein. Theologie studierte Schönborn in Paris, Wien und Regensburg (dort bei Professor Joseph Ratzinger). Ab 1975 lehrte er in Freiburg (Schweiz). 1991 ernannte Papst Johannes Paul II. Schönborn zum Weihbischof, 1995 folgte er Hans Hermann Groer als Erzbischof von Wien und ein Jahr später auch als Kardinal nach.
German Päpstlicher Orden für langjährigen Kultusamt-Leiter Jisa
Jan 10, 2009

Wien, 9.1.09 (KAP) Der langjährige Leiter des Kultusamtes, Werner Jisa, wurde mit dem "Komturkreuz mit dem Stern" des päpstlichen Gregoriusordens ausgezeichnet. Kardinal Christoph Schönborn überreichte Jisa den Orden im Rahmen einer Feierstunde am Freitag im Wiener Erzbischöflichen Palais. Der Kardinal dankte dem Juristen dafür, dass er sich über viele Jahre um alle Kirchen und Religionsgemeinschaften in Österreich große Verdienste erworben hatte.

Jisa leitete bis 2006 das im Unterrichts- und Kulturministerium angesiedelte Kultusamt. In seiner Amtszeit wurde u.a. 2003 das Altorientalengesetz verabschiedet, das die altorientalischen Kirchen (armenische, koptische, syrische Kirche usw.) den anderen Kirchen im Land rechtlich gleichstellt. Unter den zahlreichen Festgästen waren deshalb auch auch der Wiener armenisch-apostolische Erzbischof Mesrob Krikorian und der syrisch-orthodoxe Chorbischof Emanuel Aydin.

Der Rechtsreferent der Österreichischen Bischofskonferenz, Walter Hagel, hob in seiner Laudatio das stete Bemühen Jisas um Gerechtigkeit und Religionsfrieden in Österreich hervor. Weiters habe sich Jisa auch im Bereich der kirchlichen Hochschulen und Lehrerausbildung große Verdienste erworben. Den Religionsunterricht habe Jisa stets als wichtigen Beitrag zur Glaubens-, Lebens- und Schulkultur betrachtet. Die Legitimation des Religionsunterrichts im Fächerkanon der österreichischen Schule stand für ihn immer außer Zweifel.
German "Europa ist heute Missionsland"
Jan 07, 2009
utl: Kardinal Schönborn kündigt "große Diözesanmission" für die Erzdiözese
Wien an

Wien, 6.1.09 (KAP) "Europa ist heute Missionsland": Dies betonte
Kardinal Christoph Schönborn im Wiener Stephansdom beim Hochamt zum
Dreikönigsfest. Als Beispiel nannte er die Erfahrungen eines in
Chemnitz tätigen Wiener Priesters: Dort seien 90 Prozent der
Bevölkerung nicht getauft, nur insgesamt zehn Prozent seien
evangelische oder katholische Christen. Auch in Wien gebe es unter
dem Titel "Apostelgeschichte 2010" das Projekt einer "großen
Diözesanmission", betonte Kardinal Schönborn. Wie in anderen
Metropolen gebe es auch in der österreichischen Bundeshauptstadt
viele Menschen, die "nicht mehr" oder "noch nicht" wissen, wer
Christus ist und was "der christliche Glaube für das Leben bedeutet".

Für die suchenden Menschen von heute gebe es drei Wege zu Gott, sagte
der Wiener Erzbischof: Die Natur, die Bibel, die Freude. Auch die
Geschichte der Heiligen Drei Könige - wahrscheinlich "Sterndeuter"
aus dem mesopotamischen Raum - zeige, dass die Beobachtung der Natur
für sie der erste Hinweis gewesen sei. Kardinal Schönborn berichtete
in seiner Predigt, dass er vor zwei Monaten mit Francis Collins,
einem der führenden Genetiker der Gegenwart, zusammengetroffen sei,
der ihm seinen Weg zum Glauben an Christus geschildert habe. Collins
sei nicht durch ein "mystisches Erlebnis", sondern durch die
Vernunft, die Beobachtung der Natur, die "unfassbare Komplexität des
Genoms" zum Glauben gekommen: "Das Wunder des Lebens, die Schöpfung,
spricht vom Schöpfer". Collins ist der Leiter des erfolgreichen
"Human Genome Project", dem es gelang, eine komplette menschliche
DNA-Sequenz zu entschlüsseln.

Ohne die Deutung der Heiligen Schrift hätten aber auch die Astronomen
aus Mesopotamien nicht den Weg zu Christus gefunden, erinnerte
Kardinal Schönborn. Deshalb sage der Heilige Hieronymus, der große
Kirchenvater und Bibelübersetzer, der in Jerusalem lebte, die Heilige
Schrift nicht zu kennen, bedeute, Christus nicht zu kennen. Auch das
Zweite Vatikanische Konzil sage ganz klar, dass in der Heiligen
Schrift Gott "wie ein Vater" zu seinen Kindern spricht.

Im biblischen Bericht über den Weg der "Weisen" zu Jesus sei von
ihrer "unaussprechlichen Freude" die Rede, dass sie "Gott entdeckt
hatten" oder dass "sie von Gott gefunden wurden". Die Freude sei
offensichtlich ein "Lockruf der Gnade Gottes", so der Wiener
Erzbischof.
German "Machen, was möglich ist"
Jan 05, 2009
Schwarzach - Kardinal Christoph Schönborn im "VN"-Interview zu Zölibat, Frauen im Priesteramt und die Evolutionstheorie.

VN: Zölibat, Zulassung von wiederverheirateten Geschiedenen zur Kommunion, Zulassung von Frauen zum Priesteramt: Herr Kardinal, sind Sie es nicht schon leid, ständig die gleichen Fragen beantworten zu müssen?

Schönborn: Ich bin es leid, aber ich weiß, dass die Fragen immer wieder kommen werden. Ich werde auch immer wieder versuchen, darauf zu antworten. Ich möchte jedoch auch sagen, es sind wichtige Fragen, aber es gibt dringendere.

VN: Trotzdem: Ist es nicht frustrierend, wenn man den Menschen, die diese Fragen stellen, keine wirklich befriedigenden Antworten geben kann?

Schönborn: Es gibt auf gewisse Fragen nicht die Antwort, die die Fragenden sich wünschen. Wenn das frustrierend ist, dann muss man damit leben. Ich sehe es positiv. Dinge, die nicht möglich sind, über die kann man sich ärgern, man kann aber auch sagen, nützen wir die Chance dessen, was möglich ist. Ich werde vom lieben Gott am Ende meines Lebens nicht gefragt, hast du alles gemacht, was nicht möglich war, sondern hast du das gemacht, was möglich war. Und da gibt es sehr viel.

VN: Eines Ihrer Lieblingsthemen sind die Evolution und Schöpfung. Wäre es nicht auch in dieser Sache sinnvoller, sich praktischeren Dingen zuzuwenden als solchen, die sich letztlich ohnehin nicht stichhaltig nachweisen lassen?

Schönborn: Nehmen wir aktuell die Wirtschaftskrise. Die Frage Evolutionismus und Wirtschaftskrise hängen sehr eng zusammen. Das, sagen wir einmal ideologische darwinistische Konzept, der Stärkere überlebt, hat in der Wirtschaft zu dem geführt, wo wir heute sind. Wenn man in der Pädagogik nur mehr darauf schaut, junge Menschen fit zu machen für den Konkurrenzkampf und sie nicht in den großen menschlichen Werten erzieht, die die Gemeinschaft braucht, ist das auch wieder das Ergebnis eines Menschenbildes, das meiner Ansicht nach mit dem ideologischen Evolutionismus zusammenhängt. Es hat also sehr wohl ganz, ganz praktische Konsequenzen.

VN: Wohin führt die Diskussion und was kann am Ende stehen?

Schönborn: Das lässt sich nicht voraussagen, aber die Forschung geht weiter. Sehr erfolgreich, sehr spannend. Sie geht sicher einerseits stark in die Richtung, dass alles Lebendige wirklich einen nachweisbaren Zusammenhang hat, und in diesem Sinne ist die wissenschaftliche Theorie der Evolution natürlich mit ganz starken Argumenten gestützt und getragen. Auf der anderen Seite gilt es, das Unverwechselbare des Menschen, seiner Würde, seiner geistigen Fähigkeiten und Verantwortung deutlich herauszustellen gegenüber einer Reduktion, die ihn materialistisch sieht oder nur als Produkt der Evolution versteht, was sicher ungenügend ist.

VN: Inwieweit ist Gott für die Welt eigentlich noch relevant? Wenn ich an den Konflikt im Nahen Osten denke, der genau zu Weihnachten wieder aufgebrochen ist, birgt das nicht viel Tröstliches. Hat Gott noch Platz bei den Menschen?

Schönborn: Es wäre schön, wenn er mehr Platz hätte. Manchmal hat man den Eindruck, gerade auch jetzt in diesem so tragischen Konflikt im Nahen Osten, dass kein Platz in der Herberge ist. Es ist kein Platz in diesem aufgestauten Hass, in diesen verzweifelten gegenseitigen Kämpfen um Anerkennung und Lebensraum. Doch ich sage mir, wo anders soll eine Lösung sein, wenn nicht in dem, was Jesus dort in diesem Land und auf diesem Boden gelehrt hat, nämlich liebt eure Feinde, vergebt einander. Wie soll eine Lösung anders aussehen als mit dem was Jesus gerade dort gepredigt und gelebt hat.

VN: Hat ein Kardinal auch Wünsche ans Christkind?

Schönborn: Ich wünsche mir, dass das Evangelium stärker gelebt wird und es mehr Menschen gibt, die das vermitteln können.
German Kardinal Schönborn betont Bedeutung der Familie
Jan 02, 2009

Die Bedeutung der Familie für Staat und Gesellschaft, hat der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, zum Jahreswechsel unterstrichen. Im neuen Jahr, das vielen Menschen angesichts der möglichen Wirtschaftskrise und der Gefährdungen für den Weltfrieden „Sorge bereitet“, liege ein ganz besonderer Rückhalt in der Familie, die Solidarität und Geborgenheit biete, sagte Schönborn in seiner Silvesteransprache im österreichischen Fernsehen. Für die kommenden Jahre werde es „ganz entscheidend sein“, das Netzwerk der Familien zu stärken, betonte der Episkopats-Vorsitzende. Daher wünsche er, dass sich auch die mehr als 3.000 Pfarrgemeinden in Österreich „für viele Menschen öffnen - gerade in schwieriger werdenden Zeiten“. Ganz Österreich sei eine „Familie“, so Schönborn, die gerade auch auf alle Fremden zugehen müsse, die im Land Aufnahme und eine neue Heimat gefunden hätten. Darüber hinaus müsse nach der gemeinsamen Überzeugung von Christen, Juden und Muslimen die ganze Menschheit als „eine Familie“ verstanden werden, betonte Kardinal. „Wir hoffen und beten, dass im kommenden Jahr auch in den Ländern, in denen soviel Unfrieden herrscht, die Menschen wie in einer Familie aufeinander zugehen können, einander die Hand wieder reichen, dass Frieden wird“, sagte Schönborn.
German "Ohne Stephanus kein Paulus"
Dec 26, 2008
Kardinal Schönborn lädt beim Stephani-Hochamt dazu ein, wie Stephanus Zeugnis für Jesus abzulegen

Wien, 26.12.08 (KAP) Die Verbindung zwischen dem Martyrium des "Erstmärtyrers" Stephanus und der Bekehrung des späteren Völkerapostels Paulus betonte Kardinal Christoph Schönborn beim Stephani-Hochamt im Wiener Stephansdom. Gerade im laufenden Paulus-Jahr sei zu bedenken, dass es "ohne Stephanus keinen Paulus gibt".

Paulus, der bei der Schilderung der Steinigung des Stephanus zum ersten Mal in der Bibel erwähnt wird, sei offensichtlich in dreifacher Weise durch das Zeugnis des "Erstmärtyrers" beeindruckt gewesen, sagte der Wiener Erzbischof: Stephanus war nach dem Bericht der Heiligen Schrift ein "strahlender Mensch", Paulus müsse sich die Frage gestellt haben, welche Glaubensüberzeugung diesen Stephanus so strahlen ließ. In den Glaubensdiskussionen konnte niemand der Weisheit des Stephanus widerstehen, es müsse Paulus, der damals noch ein Saulus war, bewegt haben, dass ein so gescheiter Mensch für Jesus ist. Was Saulus vielleicht am tiefsten getroffen habe, "war die Verzeihung, die Stephanus den Tätern gewährte, die ihn steinigten".

All dies habe Bedeutung auch für die suchenden Menschen von heute, betonte Kardinal Schönborn. Er erinnerte zugleich an das Wort des Gamaliel, dessen Schüler Saulus war: Gamaliel hatte im Hohen Rat dafür plädiert, die Anhänger Jesu freizulassen. Sein Argument war: "Wenn dieses Werk von Menschen stammt, wird es zerstört werden; stammt es aber von Gott, so könnt ihr sie nicht vernichten". Die Frage des Gamaliel müssten sich auch heute viele Menschen stellen: Wenn die Gemeinschaft Jesu, die Kirche, eine Bewegung von Menschen ist, wieso existiert sie dann noch, wenn sie von Gott ist, warum nehmen wir sie dann nicht an.

Beim Stephani-Hochamt - bei dem auch der Apostolische Nuntius in Österreich, Erzbischof Edmond Farhat, anwesend war - wandte sich der Erzbischof von Wien in besonderer Weise an die ständigen Diakone. Er erinnerte daran, dass Kardinal Franz König vor genau 38 Jahren die ersten ständigen Diakone für die Erzdiözese Wien geweiht hatte (der Diakonat als eigenständige Weihestufe wurde erst beim Zweiten Vatikanischen Konzil wieder eingeführt). Zugleich verwies Kardinal Schönborn darauf, dass in diesem Paulus-Jahr in der Erzdiözese Wien der Vorgang "Apostelgeschichte 2010" beginnt, ein missionarischer Aufbruch. Er setze in diesem Zusammenhang auch auf die ständigen Diakone, sagte der Wiener Erzbischof. Es gehe darum, unter den Bedingungen von heute das "Werk des Stephanus" fortzusetzen: "Klug argumentierend, bereit, die Barmherzigkeit Gottes zu bezeugen und den Glanz Jesu widerstrahlend". Die Hoffnung sei, dass viele Menschen den "Weg des Saulus" gehen und sich zu Jesus bekehren.
German Schönborn: "Nicht mit patriarchalischem Modell"
Dec 26, 2008
Der Wiener Erzbischofbleibt auf Konfrontation: Die "Sünde" der Bischöfe lässt er unwidersprochen, die "Maria Troster Erklärung" brauche eine Weiterschreibung

Standard: Sie haben sich für die Aufnahme von irakischen Christen ausgesprochen. Nun gibt aber auch in anderen Ländern Christen, die verfolgt werden, etwa in Ägypten. Da müsste man eigentlich aus diesen Ländern auch Menschen aufnehmen, oder?

Schönborn: Es gibt natürlich unendlich viel Not und Leid in der ganzen Welt, und es gibt Flüchtlinge in einem erschreckend hohen Ausmaß. Es kann natürlich keine Global-Lösung für Flüchtlinge aus der ganzen Welt geben. Es geht hier um eine ganz präzise Aktion der EU, und meine Bitte an die Bundesregierung ist, dass sie sich an dieser Aktion beteiligt.

Standard:Die Zukunft im Ayslwesen heißt „mehr privat, weniger Staat". Angedacht sind "Patenschaften" für Asylwerber. Drückt sich da nicht der Staat vor seiner Verantwortung?

Schönborn: Ich fühle mich in dieser Frage nicht wirklich kompetent, da ist unsere Caritas viel näher am Thema dran. Ich habe aber solche Patenschaften bereits selbst praktiziert - ohne einen gesetzlichen Rahmen. Ich halte es grundsätzlich für etwas Positives, dass man wie der barmherzige Samariter an einem konkreten Leid Anteil nimmt und hilft. Aber es braucht auch einen staatlichen Ordnungsrahmen, der ist mindestens genau so wichtig wie das persönliche Engagement.

Standard:Auch in der jüngsten Asyl-Debatte hat sich die Kirche bislang vornehm zurückgehalten. Stehen Sozialthemen nicht mehr auf der Agenda des Kardinals?

Schönborn: Das ist ein eigenartiges österreichisches Syndrom. Irgendwie hat man in gewissen Kreisen das Zweite Vatikanische Konzil noch nicht nachvollzogen. Die Kompetenz der Kompetenten ist hier gefragt. Wenn Vertreter der Caritas zu solch einem Thema sprechen, dann sind das die Äußerungen der Kirche zu diesem Thema. Es ist ein Missverständnis zu glauben, wenn der Kardinal nichts gesagt hat, hat die Kirche nichts gesagt. Ich will auf jeden Fall nicht der Lehrmeister der Nation sein.

Standard: Wird es aber nicht von den Menschen erwartet, dass gerade der Kardinal als moralische Instanz zu bestimmten Themen klar Stellung bezieht?

Schönborn: Ich werde dieses Bild systematisch bekämpfen. Die Kirche ist nicht mit Hierarchie identisch. In Amerika ist diese Haltung selbstverständlich, da äußern sich Laien auch zu großen, gesellschaftsrelevanten Themen. In Österreich sind wir aber noch viel zu viel obrigkeitsfixiert, das ist ein Erbe aus der Kaiserzeit.

Standard: In Deutschland etwa ist es schon so, dass sich auch Kardinäle ganz bewusst in öffentliche Diskussionen einbringen.

Schönborn: Ich bin, glaube ich, ziemlich oft zu hören, zu sehen und zu lesen. Und ich darf diskret daran erinnern, dass die Stimme eines Bischofs zuerst einmal die Stimme des Evangeliums sein soll. Und ich glaube, ich tue einiges für die Verkündigung des Evangeliums. Ich werde daher auch in Zukunft nicht auf jeden Zuruf einer Provinzpolitikerin reagieren.
Standard: Es fällt aber auf: Wenn Sie Diskussionen auslösen, ist das sehr häufig im Ausland. Etwa Ihre Evolutions-Thesen in der "New York Times" oder jüngst eben die Jerusalem-Predigt. Zufall oder göttliche Fügung?
Schönborn: Das ist ein österreichisches Schicksal, habe ich den Eindruck. Ich mache das sicher nicht zu Fleiß, es liegt natürlich auch an Gelegenheiten. Meine Äußerungen in Jerusalem waren ursprünglich ja nicht für einen öffentlichen Kreis bestimmt. Aber ich nehme solche Diskussionen gerne auf, und es war gut, dass die demografische Frage auch bei uns ein wenig stimuliert wurde. Statt sich darüber aufzuregen, dass der Kardinal sich doch zu gesellschaftspolitischen Fragen pointiert äußert, muss man die Fragen diskutieren.

Standard: War die vieldiskutierte Jerusalem-Predigt mit der Bischofskonferenz abgesprochen?

Schönborn: Nein. Das war ein aus tiefstbesorgtem Herzen kommendes Wort. Man versteht es in seiner Gewichtigkeit, wenn man daran erinnert, dass ich vor 170 europä-ischen Bischofen gesprochen habe, nachdem wir drei Tage über die _Situation Europas gesprochen haben. Unsere Frage war, wie schaut der Generationenvertrag bei uns aus? Wie ist es mit der Entwicklung des Islam in Europa? Wie sieht die Zukunft der Familie aus? Es ist nicht verwunderlich, dass sich auch katholische Bischöfe diese Fragen stellen.

Standard: Um dem Vormarsch des Islam in Europa Einhalt zu gebieten und die Sozialversicherungssysteme zu erhalten, müssen Frauen also mehr Kinder kriegen?

Schönborn: Sie können es so formulieren. Ich habe es aber so nicht gesagt. Mein Thema war die Bedeutung der Familie für die Zukunft Europas.

Standard: In Ihrer Sichtweise werden die Frauen sehr auf die Rolle des Gebärens reduziert, und es fehlt die andere Seite der Medaille ...

Schönborn: Wo bitte habe ich das gesagt? Was wollen Sie hören: dass Männer auch Kinder kriegen können? Ich habe doch überhaupt nicht von der Rolle der Frau oder des Mannes gesprochen. Sie reagieren sofort, Pardon, mit einem Vorurteil. Ich habe von der Familie gesprochen - und da gehören zwei dazu. Wir wissen alle, dass es mit einem patriarchalischen Familienmodell nicht geht. Es kann eben nur in einem partnerschaftlichen Modell funktionieren. Und da brauchen wir in Österreich sicher einen Umdenkprozess. Es ist vielfach noch die Einstellung gegenüber Familien, die zwei oder mehr Kinder haben, so negativ, dass es schon sehr entmutigend ist.

Standard: Sie haben jüngst Ihre Kritik an der "Maria Troster Erklärung", in der österreichischen Bischöfe die Empfängnisverhütung zur Gewissensfrage erklärten, bekräftigt. Wo liegt Ihr Problem?

Schönborn: Die ganze Diskussion damals fand in einem völlig anderen gesellschaftlichen Kontext statt. Es war der Kontext der demografischen Explosion, es war der Kontext der generellen Liberalisierung, es war kurz nach Mai 1968. Die Enzyklika "Humanae Vitae" wirkte daher damals wie eine kalte Dusche. Zu kurz gekommen ist in der damaligen Diskussion aber der gesellschaftliche Kontext. Die Botschaft war nur: Ist die Pille erlaubt oder nicht? Wenn wir Bischöfe gewusst hätten, was wir heute wissen, hätten wir gewisse Dinge anders formuliert.

Standard: Wird es Änderungen bei der "Maria Troster Erklärung" geben?

Schönborn: Keine Änderung, sondern eine Weiterschreibung. Darüber haben wir in der Bischofskonferenz auch schon gesprochen.

Standard: Sie haben in Zusammenhang mit der Enzyklika "Humanae Vitae" in der Jerusalem-Predigt die Bischöfe der „Sünde" bezichtigt. Bleiben Sie dabei?

Schönborn: Ich bitte Sie, mich nicht auf dieses Wort zu fixieren. Es hat einen ganz bestimmten Platz in einer ganz bestimmten Situation gehabt. Noch einmal: Mit dem Wissen von heute hätten die Bischöfe damals anders entschieden.

Standard: Womit Sie aber das Wort „Sünde" nicht zurücknehmen.

Schönborn: Es geht nicht um ein Wort, sondern um den Blick auf die Realität - und die ist schmerzlich genug.

Standard: Hat es innerhalb der Bischofskonferenz Kritik an Ihrer Predigt gegeben?

Schönborn: Ja, hat es. Aber ich plädiere dafür, dass wir uns nicht über einen Text streiten, der vor 40 Jahren geschrieben wurde, sondern offen und ehrlich über die Herausforderungen von heute reden.

Standard: Sie haben in Jerusalem vor Vertretern des doch sehr konservativen Neokatechumenats gepredigt. Böse Zungen behaupten, Ihre Rede sei „publikumsorientiert" gewesen, um eine mögliche Karriere in Rom anzukurbeln.

Schönborn: Man kann wirklich schwer Unsinnigeres erfinden. Könnten wir jetzt bitte zu einem anderen Thema kommen?

Standard: Gerne. Sie sehen in der Wirtschaftskrise auch eine „Chance". Wie erklären Sie dies einem Familienvater, der gerade seinen Job verloren hat?

Schönborn: Es ist völlig klar, dass für viele Menschen die Wirtschaftskrise eine Katastrophe ist. Es gibt viele tragische Einzelsituationen. Es ist dennoch zu hoffen, dass es endlich strengere Regulierungen für die Finanzmärkte geben wird.

Standard: Sie haben jüngst sehr offen das Thema Scheidung angesprochen und erklärt, dass auch Sie aus einer geschiedenen Familie kommen. Ist eine Änderung in der katholischen Kirche für wiederverheiratete Geschiedene angedacht?

Schönborn: Ich kann Ihnen das in zwei Richtungen beantworten. Einerseits ist das Wort Jesu unumgänglich. Es ist für uns Wort des Lebens, aber es ist natürlich auch erschreckend, wenn er die Unauflöslichkeit der Ehe so klar anspricht: Was Gott verbunden hat, darf der Mensch nicht trennen. Jetzt ist die Frage, ob Jesus Unmögliches verlangt hat. Aber hat nicht der Mensch, der gescheitert ist, bei ihm einen ganz besonderen Stellenwert? Es gilt, beides einzuhalten, die Unauflöslichkeit und die Barmherzigkeit. Wir alle wissen, dass es für Kinder nichts Besseres gibt als eine gut funktionierende Partnerschaft. Und ich weiß es auch aus der Negativfolie. Es ist Aufgabe der Kirche, überall dort zu helfen, wo Lebensentwürfe misslingen. Die Diskussion um Kommunion oder nicht für wiederverheiratete Geschiedene ist für mich sekundär. Viel wichtiger ist die Frage, wie Betroffene mit ihren Kindern und ihren übriggebliebenen Partnern umgegangen sind. Wenn wir dort ein Mehr an Christlichkeit erleben, dann kann man auch die Frage stellen, dass jemand auch in einer wiederverheirateten Situation zu den Sakramenten zugelassen wird. In einer persönlichen, pastoralen Entscheidung.

Standard: Wie sieht es mit dem heiklen Thema Frauenpriesterweihe aus? Ist eine Änderung geplant?

Schönborn: Wir müssen endlich lernen, dass die Kirche nicht der Klerus ist. Und es lebt eine Kirche nicht deswegen, weil alle ins Amt drängen dürfen. Nur 0,5 Promille der österreichischen Bevölkerung sind Priester. Die Kirche sind aber Männer und Frauen. Dass die 0,5 Promille Männer sind, da ist die katholische Kirche eben davon überzeugt, dass uns das unser Herr und Meister so mitgegeben hat. Und Johannes Paul II. hat ganz klar gesagt, er habe nicht die Autorität, das Programm Jesu umzuändern. Aber wo gibt es sonst noch eine ähnliche Grenze, die Jesus gesetzt hat?

Standard: Beim Zölibat?

Schönborn: Stimmt. Grenzen sind auch dazu da, dass man sich daran reibt - aber sie verbinden auch. Ohne Grenzen geht es nicht, und es ist ganz heilsam, dass die katholische Kirche in einer Zeit, in der man ungern Grenzen hat, ebensolche zieht. Ohne Autoritäten, an denen man sich reiben kann, wächst auch nichts.
German "Schuhgeschenk" für Kardinal Schönborn
Dec 26, 2008

Knapp vor Weihnachten erhielt der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn neue maßgefertigte Schuhe. Gemacht als Überraschungsgeschenk von den Schülern der Wiener Schuhmacherlehrlinge. "Sie passen ausgezeichnet", bedankte sich der Kardinal.

Ein Weihnachtsgeschenk zum Wohlfühlen erhielt der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, bereits am 16. Dezember 2008, in der Andreaskapelle im Erzbischöflichen Palais. Ein Paar handgenähte Maßschuhe aus Ziegenleder im klassischen Stil wurden von den Wiener Schuhmacherlehrlingen unter der kundigen Aufsicht von Fachlehrer Raimund Neubauer angefertigt. Der Leisten für die Maßschuhe wurde heimlich vom Schuster des Kardinals ausgeborgt, damit die Überraschung perfekt gelingen konnte. "Die Schuhe passen ausgezeichnet und ich werde sie gerne tragen", bedankte sich der Kardinal für die neuen Schuhe bei den Lehrlingen.

Idee der Lehrlinge

Die Lehrlinge bereiten sich im zweiten und dritten Lehrgang der Berufsschule Längenfeldgasse im 12. Bezirk vor allem auf die Arbeit im orthopädischen Bereich vor. Die Idee für das Weihnachtsgeschenk kam beim "Tag des Lehrlings", bei dem die Lehrlinge den Kardinal persönlich kennen gelernt hatten und mit ihm über seine Schuhe ins Gespräch kamen. Mit fachkundigen Augen hatten die Lehrlinge bemerkt, dass es sich dabei auch schon um handgefertigte Schuhe handelte.

Schuhe für Obdachlose

Nicht allein für Kardinal Schönborn machen die Lehrlinge Schuhe, sondern seit mehr als 20 Jahren fertigen die Wiener Schuhmacherlehrlinge im Rahmen des Unterrichts an der Berufsschule Schuhe, die sie den Obdachlosen in der "Gruft" schenken.

Bei der Übergabe der Schuhe, die in einem Schuhsack mit dem Wappen des Kardinals gebracht wurden, beteten die Lehrlinge mit dem Erzbischof den Angelus. Für das Klassenzimmer segnete Kardinal Schönborn auch zwei Ikonen, die auf alten "Zuschneidbrettern" gemalt sind. Die Ikonen stellen die Schuhmacherpatrone Crispin und Crispinianus sowie den heiligen Josef von Copertino dar.

Abschließend erhielt der Erzbischof vom Innungsmeister-Stellvertreter der Landesinnung Wien der Schuhmacher und Orthopädieschuhmacher, Harald Strunz, noch eine Einladung ins Schustermuseum.
German Schönborn sieht Neoliberalismus am Ende
Dec 22, 2008
Man müsse nachdenken, was in der Wirtschaft falsch gelaufen ist, sagt der Wiener Erzbischof. Der Mensch müsse wieder im Mittelpunkt stehen.

Wien (maf). Kardinal Christoph Schönborn sieht in der aktuellen Wirtschaftskrise auch eine Chance. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus habe die Weltwirtschaft den Weg des Neoliberalismus gewählt – und der stehe jetzt am Ende, sagte Schönborn in der ORF-Pressestunde. Aber dies sei auch eine Chance, weil man jetzt überlegen müsse, was falsch gelaufen sei. „Dieses System, wo die Freisetzung von Arbeitskräften die Börsenkurse in die Höhe schnellen lässt, ist pervers“, sagte Schönborn. Der Mensch müsse wieder im Mittelpunkt stehen.
Die Erzdiözese Wien, die Rücklagen für die Pensionen ihrer Priester veranlagt hat, ist laut Schönborn von der Krise kaum betroffen. Man habe eine streng konservative Anlagenpolitik verfolgt und nur zu einem sehr geringen Teil auf Aktien gesetzt.


Kirche will Irak-Flüchtlinge

An die Bundesregierung appellierte Schönborn, sich an der Hilfsaktion der EU für 10.000 Irak-Flüchtlinge zu beteiligen. Bei diesen handelt es sich vorwiegend um christliche Iraker, die nicht mehr in ihre Heimat zurück können. Die Erzdiözese Wien bietet an, selbst 100 Flüchtlingsfamilien aufzunehmen – eine davon will der Kardinal bei sich beherbergen.

Die „Maria Troster Erklärung“ der österreichischen Bischöfe zur Empfängnisverhütung bezeichnete Schönborn abermals als Fehler. Wenn die Bischöfe vor 40 Jahren gewusst hätten, wie die demografische Entwicklung verlaufen wird, hätten sie die Erklärung anders verfasst, ist Schönborn überzeugt. An der Erklärung selbst, die die Empfängnisverhütung dem Gewissen jedes einzelnen überlässt, will er aber nicht rütteln.
German "Gute Gründe für den Zölibat"
Dec 22, 2008

Angesprochen auf die vom Wiener Studentenseelsorger Msgr. Helmut
Schüller initiierte "Pfarrerinitiative" sagte Kardinal Schönborn, es
sei ihm wichtig, das auch deren Stimme in Rom gehört werde. Daher
habe er sich selbst dafür eingesetzt, dass eine Delegation der
"Pfarrerinitiative" unlängst im Vatikan vorsprechen konnte.

Im Hinblick auf den Wunsch der "Pfarrerinitiative" nach einer
Freigabe des Zölibats sagte der Wiener Erzbischof, die katholische
Kirche des lateinischen Ritus habe gute Gründe, von ihren Priestern
den Zölibat zu verlangen, vor allem das Beispiel Jesu. Als Ordinarius
für die unierten Katholiken des byzantinischen Ritus in Österreich
sei er auch für 15 Priester verantwortlich, von denen elf verheiratet
sind und Familien haben, erinnerte Kardinal Schönborn. Er stehe aber
zur Tradition der lateinischen Kirche: "Um des Himmelreiches willen"
sei der Verzicht auf die Ehe akzeptabel.

Der Mangel an Priesteramtskandidaten stehe nicht zwingend im
Zusammenhang mit dem Zölibat, unterstrich Kardinal Schönborn. Es gebe
zahlreiche junge Männer, die darüber nachdenken, Priester zu werden,
die jedoch von ihren Gemeinden und Familien darin wenig unterstützt
werden oder gar Skepsis ernten. Hier müsse ein Umdenken stattfinden:
"Man müsste wieder deutlicher in den Mittelpunkt rücken, was die
Priester auch für die Gesellschaft eigentlich für einen wertvollen
Dienst leisten, wenn sie etwa rund um die Uhr für die Menschen da
sind".

Im Hinblick auf den oft beklagten "Reformstau" in der Kirche
erinnerte der Wiener Erzbischof daran, dass die katholische Kirche
sowohl "Veränderung" als auch "Stabilität" brauche. Jede Reform müsse
bei einem selber anfangen. Außerdem gehe es darum, das, "was heute
möglich ist", wirklich zu leben.

Auf die Frage nach dem Verhältnis von "Volkskirche" und "Movimenti"
(Bewegungen) in der katholischen Kirche sagte Kardinal Schönborn,
dass gerade in Österreich die "volkskirchliche Verwurzelung" sehr
stark sei. Indikatoren seien etwa die Wallfahrtsbewegung und der
Zustrom zu den Kirchen an den Hochfesten. Zugleich brauche die Kirche
aber auch "Intensivzellen" wie sie die "Movimenti" darstellen. Er
vertraue aber in gleicher Weise auf die Pfarrgemeinden, betonte der
Wiener Erzbischof. Die Pfarrgemeinden seien ein unverzichtbares
"Netzwerk der Solidarität und der Beheimatung". Daher sei er auch
"ganz entschieden" gegen die Auflösung von Pfarrgemeinden.
German Kardinal Schönborn betont Sympathie der Kirche für den ORF
Dec 21, 2008
Traditionelle Adventbegegnung - Wiener Erzbischof unterstreicht Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für Österreichs Identität und den Schutz einer pluralen Gesellschaft

Wien (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat davor gewarnt, den ORF in der derzeitigen Situation "krank zu jammern". "Ich bin überzeugt, dass der ORF die menschlichen, intellektuellen und kreativen Ressourcen und auch den nötigen politischen Willen hat, um die Krise als Chance zu sehen und einen guten Weg für die notwendige Neuorientierung zu finden", sagte der Kardinal am Mittwochabend bei der traditionellen Adventbegegnung mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ORF, die heuer im Wiener Schottenstift stattfand. Gerade in einer Zeit der Krise wolle er die Sympathie der Kirche für den ORF bekunden.

Der ORF sei eine Art "Agora", ein Marktplatz der Ideen, er biete viel im Bereich von Information, Bildung, Kultur, Religion, Unterhaltung, betonte der Erzbischof von Wien. Der Kardinal zitierte ein Wort des anwesenden Kirchenvertreters im ORF-Stiftungsrat Franz Küberl ("Das Programm des ORF ist im Kern gesund") und meinte wörtlich: "Dieser Ansicht möchte ich mich anschließen". Deswegen müsse einem nicht jede einzelne Sendung im Gesamtprogramm gefallen.

Kardinal Schönborn brachte seine Wertschätzung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des ORF zum Ausdruck, die tagtäglich mit vollem Einsatz arbeiten und ein Programm erstellen, "das sich im europäischen Vergleich durchaus sehen und hören lassen kann". Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei für die Identität Österreichs und den Schutz der Pluralität der Gesellschaft grundlegend. Zudem sei dieser Rundfunk auch eine gewisse Bremse gegenüber einer Totalkommerzialisierung der Medienwelt. Darüber herrsche auch in Österreich weitgehend Konsens. "Viele Österreicher hängen trotz allem an ihrem ORF", meinte der Kardinal.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz betonte, dass sich der ORF in einer Diskussion befinde, die "sehr ernsthaft" geführt werden sollte. "Es wäre unredlich zu sagen, dass wir keine Probleme haben, die wir lösen müssen", so Wrabetz, der gleichzeitig die Stärke des ORF betonte. Das Unternehmen verfüge über die Kraft, "diesen Reformprozess so zu führen, dass wir die Zukunft bewältigen werden". Der Generaldirektor erinnerte daran, dass der ORF die Hälfte seines Budgets "am Markt" verdienen müsse. Es sei klar gewesen, dass die derzeitige Krise auch den ORF treffen werde.

Trotz der finanziellen Probleme werde der ORF die Gottesdienstübertragungen auch 2009 im gewohnten Umfang weiterführen, sagte Wrabetz. Diese Übertragungen seien ein wichtiger Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Auftrags (2008 hat der ORF 17 katholische Fernsehgottesdienste und 63 Radiogottesdienste übertragen). Der ORF-Chef lobte die Arbeit der beiden ORF-Hauptabteilungen für Religion in TV und Radio. Zudem hätten die Landesstudios eine wesentliche Rolle für die regionale Identität auch im religiösen Bereich. Auch im Internet sei der ORF mit dem Thema "Religion" stark präsent: Die Website "religion.orf.at" erreiche 200.000 regelmäßige Nutzer. Ein Privatsender könnte Religionsberichterstattung "nie in einem solchen Umfang leisten" wie der ORF.

Vor dem Empfang im Prälatensaal des Schottenstifts lud Kardinal Schönborn zu einer stimmungsvollen Advent-Lichtfeier in die Stiftskirche. Die Feier wurde musikalisch von Dommusikus Thomas Dolezal betreut. Auf dem Programm standen Gregorianische Choräle und Orgelmusik sowie geistliche Kammermusik von Michael Haydn, für die als Solistin Cornelia Horak eingeladen worden war. Horak - sie war auch Solistin beim Konzert für Papst Benedikt XVI. im Wiener Konzerthaus im Vorjahr - sang unter anderem Haydns "Ave Regina coelorum" in A-Dur, das in einer Handschrift im Archiv der Basilika Mariazell überliefert ist. Ein Facsimile dieser Handschrift hatte der Papst anlässlich seines Besuches von den Bischöfen Österreichs als Geschenk erhalten.
German "Vieles klopft an unsere Tür in diesem Advent"
Dec 18, 2008
Kardinal Christoph Schönborn erinnerte beim Adventgottesdienst für die Mitarbeiter des ORF in der Wiener Schottenkirche an den Sinn des Advents: "Dass wir unter diesen vielen Klopfzeichen hinhorchen, die Stimme dessen wahrnehmen, der wirklich zu mir kommen will, der auf mein Herz, auf meine Not, meine Freude eingeht."

Kardinal Christoph Schönborn lud am Mittwoch, 17. Dezember 2008, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ORF in Programmgestaltung, Technik und Verwaltung zur traditionellen Adventbegegnung ein. Diese Adventbegegnung des Erzbischofs von Wien mit dem ORF-Team findet seit 1975 alljährlich statt; nur im Dezember 1985 fiel sie aus.

"Vieles klopft an unsere Tür in diesem Advent und in unserem ganzen Leben: Viele Kanäle, die gesehen und gehört werden wollen, klopfen an die Tür unseres Bewusstseins und viel mehr noch an unser Unterbewusstsein - mit Tönen, Bildern, Texten, Ideen, mit Unterhaltung und mit Werbung", sagte Kardinal Christoph Schönborn bei der Advent-Lichtfeier in der Stiftskirche des Schottenklosters. "Vieles klopft an unsere Tür, an unser Herz und an unsere Seele. Soviel, dass es verständlich ist, wenn wir die Tür zumachen. Da gibt es aber einen, der anklopft, inmitten dieser vieler Klopfzeichen, in diesen vielen Geräuschen. Wie sollen wir erkennen, dass ER das ist, dass der Herr an unsere Tür klopft, dass es sich lohnt aufzumachen?", fragte der Wiener Erzbischof. "Wie sollen wir in den vielen Geräuschen erkennen, dass das kein Lärm ist, sondern ein Ruf, ein Willkommen, ein Wort für mich. Wie erkennen wir diese Stimme?"  Dies sei nur möglich in Momenten der Stille, des Innehaltens und Aufmerksamseins, erklärte der Kardinal.

"Jesus meint mich persönlich"

"Wir müssen unterscheiden, was uns gut tut und was uns schadet, was uns Heil und was Unheil bringt. Keine noch so gute Sendung, noch so gut gemachte Produktion meint wirklich mich, sie adressiert sich an viele. Das ist verständlich und richtig. Der aber, der an meine Tür klopft, Jesus, der meint mich ganz persönlich", sagte Kardinal Schönborn zu den ORF-Mitarbeitern.
"Das ist der Sinn des Advents, dass wir unter diesen vielen Klopfzeichen hinhorchen, hinhören, die Stimme dessen wahrnehmen, der wirklich zu mir kommen will, der auf mein Herz, auf meine Not, meine Freude eingeht, der weiß, was ich brauche und wer ich bin."

"Wichtig für Identität des Landes"
Beim anschließenden Empfang im Prälatensaal des Schottenstifts betonte Kardinal Schönborn: "Ich möchte sagen, wie grundlegend wichtig für unser Land der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist, für die Identität dieses Landes, auch für den Schutz der Pluralität der Gesellschaft und - so hoffe ich doch - auch eine gewisse Bremse gegenüber einer totalen Kommerzialisierung der Medienwelt ist. Darüber herrscht in Österreich weitgehend Konsens." Und weiters sagte der Kardinal: "Der ORF ist wie eine Agora, ein Marktplatz der Ideen, der viel Information, Bildung, Kultur, Religion und natürlich auch sehr viel Unterhaltung bietet. Bezugnehmend auf die weltweite Krise zitierte Kardinal Schönborn den Dichter Friedrich Hölderlin: "'Wo Gefahr wächst, wächst das Rettende auch.' Ich bin überzeugt, dass Sie die intellektuellen und kreativen Ressourcen haben und auch den gemeinsamen politischen Willen haben, dass der ORF die notwendige Neuorientierung und einen guten Weg findet, um die Krise als Chance zu sehen."

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz unterstrich die gute Zusammenarbeit seines Medienunternehmens mit der katholischen Kirche in Österreich und erinnerte an das große Angebot an religiösen Beiträgen in Fernsehen, Radio und Internet. Bezüglich der momentanen Krise des ORF zeigte sich Wrabetz zuversichtlich: "Das Unternehmen hat bei aller interner Diskussion, die Kraft diese Diskussion zu führen und diesen Reformprozess so zu führen, dass wir die Zukunft bewältigen werden."

Hinführung zu den Höhepunkten des Kirchenjahres

Als Präsent für Weihnachten erhielten die anwesenden Mitarbeiter des ORF das neue Buch von Kardinal Schönborn "Alle Heiligen Zeiten", das im Wiener Dom-Verlag erschienen ist.  "Die heiligen Zeiten sind Höhepunkte des Kirchenjahres, an denen sich heute noch die Kirchen füllen", sagte der Geschäftsführer des Dom-Verlages, Anton Gatnar. "Kardinal Schönborn führt zu den Evangelientexten durch die Höhepunkte des Kirchenjahres und erschließt ein tiefes Verständnis für diese Feste. Mit ausgewählten Bildern von großen Künstlern der Moderne eröffnet dieses Buch neue Perspektiven auf wohlbekannte Geschichten." Anton Gatnar abschließend: "Das Präsent soll ein Hinweis darauf sein, dass es den Wiener Dom-Verlag wieder gibt und dass man von diesem kirchlichen Verlag hoffentlich noch viel erwarten kann."
German Schönborn glaubt an den ORF
Dec 18, 2008
Kardinal betont Sympathie der Kirche - Wrabetz will Gottesdienstübertragungen trotz Finanzproblemen nicht kürzen

Während dem ORF derzeit seitens der Politik ein rauer Wind entgegen weht, gibt die katholische Kirche dem Unternehmen ihren Segen. Kardinal Christoph Schönborn glaubt an den ORF und ist davon überzeugt, dass er "die menschlichen, intellektuellen und kreativen Ressourcen und auch den nötigen politischen Willen hat, um die Krise als Chance zu sehen und einen guten Weg für die notwendige Neuorientierung zu finden", sagte er am Mittwochabend bei der traditionellen Adventbegegnung mit den ORF-Mitarbeitern in Wien.
Schönborn sieht im ORF laut einer Aussendung der Erzdiözese Wien vom Donnerstag "eine gewisse Bremse gegenüber einer Totalkommerzialisierung der Medienwelt". Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei für die Identität Österreichs und den Schutz der Pluralität der Gesellschaft grundlegend. Gerade in einer Zeit der Krise wolle der Kardinal die Sympathie der Kirche für den ORF bekunden, sagte er.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz versprach, dass der ORF trotz der finanziellen Probleme die Gottesdienstübertragungen auch 2009 im gewohnten Umfang weiterführen werde. Sie seien ein wichtiger Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Auftrags. Ein Privatsender könnte Religionsberichterstattung "nie in einem solchen Umfang leisten" wie der ORF, so der Generaldirektor. 2008 hat der ORF 17 katholische  Fernsehgottesdienste und 63 Radiogottesdienste übertragen. (APA)
German „Europa hat dreimal Nein zu seiner eigenen Zukunft gesagt
Dec 12, 2008
Predigt von Kardinal Schönborn in Jerusalem

ROM, 6. Dezember 2008 (ZENIT.org).- Aufgrund der großen Nachfrage veröffentlichen wir die Predigt, die der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn am 27. März 2008 im Abendmahlssaal in Jerusalem bei der Gemeinschaftstagung "Domus Galilaeae" gehalten hat (ZENIT berichtete). Die deutschsprachige Übersetzung der auf Italienisch gehaltenen Predigt (vgl. Original) wurde vor rund zwei Wochen von der Erzdiözese Wien veröffentlicht.

***
Liebe Brüder im Bischofsamt, Nachfolger der Apostel!
Liebe Brüder und Schwestern!

Viele Dinge gibt es in unserem Herzen an diesem Ort, in diesen Tagen von Ostern, in diesen Tagen der Auferstehung Christi. Es gibt diese außergewöhnliche Lesung aus der Apostelgeschichte, die wir stundenlang meditieren könnten, da sie eine der stärksten Texte über das Mysterium Israels ist, das wir in diesen Tagen erleben, gerade an diesem Nachmittag. Vielleicht komme ich am Ende noch darauf zu sprechen, sofern ihr in der Zwischenzeit nicht eingeschlafen seid.

Aber es gibt eine andere Sache: Das, was wir in diesen Tagen erleben und wovon wir Zeugen sein müssen, gerade an diesem Ort, wo Jesus zu seinen Aposteln sagte: "Dafür seid ihr Zeugen." Wovon sind wir Zeugen? Was sind wir gerufen zu bezeugen im Europa von heute? Darüber, was die Jünger auf ihrem Weg erlebt haben als sie zurückgekehrt sind - der griechische Ausdruck ist anastrophe, die Umkehr; sie haben sich in Emmaus bekehrt und sind zurückgekehrt nach Jerusalem, sie haben Jesus beim Brechen des Brotes wieder erkannt. Was ist auf diesem Weg geschehen?

Ich möchte euch eine Sache sagen, die ich im Herzen trage. Ich denke, es ist ein Wort des Heiligen Geistes, das ich sagen muss. Welche ist die Schuld Europas? Die Schuld Europas, die Hauptschuld, ist das Nein zum Leben. Vor einigen Tagen habe ich im österreichischen Fernsehen auf die Frage eines Journalisten geantwortet: "Europa hat dreimal Nein zu seiner eigenen Zukunft gesagt". Das erste Mal im Jahre 1968, wir feiern jetzt 40 Jahre, durch das Ablehnen von Humanae Vitae. Das zweite Mal im Jahre 1975, als die Abtreibungsgesetze Europa überschwemmt haben. Das dritte Mal zur Zukunft und zum Leben. Gerade gestern habe ich aus Österreich die Nachricht bekommen, dass die Regierung der homosexuellen Ehe zugestimmt hat, auch in Österreich: das ist das dritte Nein. Und dies ist nicht zuerst eine moralische Sache, sondern eine Frage der Gegebenheiten, der Fakten: Europa ist im Begriff zu sterben, da es Nein zum Leben gesagt hat.

Es gibt in meinem Herzen folgendes zu sagen: gerade dies ist der Ort, wo Jesus uns gesagt hat, dass wir die Vergebung unserer Sünden empfangen, denn ich denke, dass dies auch eine Sünde von uns Bischöfen ist, auch wenn niemand von uns im Jahre 1968 Bischof war. Heute haben in Deutschland bei Hundert Eltern 64 Kinder und 44 Enkelkinder: das bedeutet, dass in einer Generation die deutsche Bevölkerung - ohne Einwanderung - sich halbiert. Wir haben "Nein" gesagt zu Humanae Vitae. Wir waren nicht Bischöfe, aber es waren unsere Mitbrüder. Wir haben nicht den Mut gehabt, ein klares "Ja" zu Humanae Vitae zu sagen. Es gibt Ausnahmen: der damalige Kardinal von Berlin, Kardinal Bengsch (an Kardinal Meissner gerichtet: "Nicht du, aber Dein Vorgänger; Du hast es dann im Jahre 1968 gesagt"). Er hatte einen Text für die deutsche Bischofskonferenz vorbereitet, einen Text, der ein prophetischer Text war. Dieser Text ist verschwunden, und erschienen ist: "Die Königsteiner Erklärung", die die katholische Kirche in Deutschland geschwächt hat, das Ja zum Leben zu sagen.

Es gab noch eine andere Ausnahme in Krakau: eine Gruppe von Theologen unter der Leitung des Erzbischofs und Kardinals von Krakau, des vielgeliebten Papstes Johannes Paul II., hat ein "Memorandum" geschrieben und diesen Text Papst Paul VI. geschickt. Ich denke, dass dieses Zeugnis eines Bischofs der Märtyrerkirche, der schweigenden Kirche, mehr Gewicht hatte, als all die Expertisen (Gutachten), die Papst Paul VI. erstellen hat lassen über dieses Thema, und das ihn diese mutige Entscheidung hat treffen lassen, wegen der er dann in einer schlimmen Einsamkeit geblieben ist. Dieser Text aus Krakau - auch wenn ich keinen historischen Beweis habe, bin ich mir innerlich sicher - hat geholfen, Paul VI. den Mut zu geben, Humanae Vitae zu schreiben.

Dann hat es einen "Verrückten" in Spanien gegeben, in den Baracken mit einer "Verrückten", die den Mut hatten, "Ja" zum Leben zu sagen, "Ja" zu Humanae Vitae, gegen den Strom, und wie stark war dieser Strom! Ich erinnere mich an die Veröffentlichung des Spiegel in Deutschland: auf der Titelseite Papst Paul VI. mit der Pille in der Hand und mit dem "Nein", lächerlich gemacht! Aber von diesen Verrückten in Christus her entstand eine Wirklichkeit, die genau so wenig zu negieren ist wie die Wirklichkeit des demographischen Zusammenbruchs Europas: Es sind die Familien des Weges, die uns in diesem Europa das Zeugnis geben, dass Paul VI. recht hatte, dass das Leben das große Geschenk Gottes ist und das "Ja" zum Leben eine Bedingung für ein wirkliches Leben ist, eine Bedingung für ein lebendiges Europa ist.

Aber wir Bischöfe, verschlossen hinter den Türen wegen der Angst, nicht wegen der Angst vor den Hebräern, sondern wegen der Presse, und auch wegen des Unverständnisses unserer Gläubigen. Wir hatten nicht den Mut! In Österreich hatten wir "Die Mariatroster Erklärung" - wie in Deutschland "Die Königsteiner Erklärung". Das hat den Sinn des Lebens im Volke Gottes geschwächt, dies hat entmutigt, sich für das Leben zu öffnen. Wie dann die Welle der Abtreibung gekommen ist, war die Kirche geschwächt, da sie nicht gelernt hatte, diesen Mut des Widerstands, den wir in Krakau gesehen haben, den Papst Johannes Paul II. während seines ganzen Pontifikates gezeigt hat, diesen Mut, JA zu sagen zu Gott, zu Jesus, auch um den Preis der Verachtung. Wir waren hinter den verschlossenen Türen, aus Angst. Ich denke, auch wenn wir damals nicht Bischöfe waren, so müssen wir diese Sünde des europäischen Episkopats bereuen, des Episkopats, der nicht den Mut hatte, Paul VI. mit Kraft zu unterstützen, denn heute tragen wir alle in unseren Kirchen und in unseren Diözesen die Last der Konsequenzen dieser Sünde.

"Brüder, ich weiß, dass ihr aus Unwissenheit gehandelt habt", sagt Petrus zu den Hebräern, seinen Brüdern. "Ihr habt aus Unwissenheit gehandelt". Wenn wir die Konsequenzen dieses "Nein" zum Leben gekannt hätten, hätten wir niemals "Nein" zu Humanae Vitae gesagt, hätten wir den Mut gehabt unseren Brüdern zu sagen: "Habt Vertrauen, glaubt an das Leben", aber wir haben nicht den Mut gehabt. "Ich weiß, dass ihr aus Unwissenheit gehandelt habt, wie eure Anführer". "Gott aber hat so erfüllt, was er durch den Mund aller Propheten verkündet hat": dieses Leiden, für das wir mitverantwortlich sind, die Leiden des "Nein" zum Leben. Wir wissen alle aus der Beichte, welch großen Schmerz es gibt, wenn die Sünde der Abtreibung gebeichtet wird, und dann die Traurigkeit eines Lebens, gemacht aus dem "Nein" zum Leben. Wir sind mitverantwortlich für diese Traurigkeit Europas.

"Bereut also und ändert euer Leben", sagt Paulus zu den Hebräern, nicht zu uns Bischöfen. Er sagt zu den Hebräern: "Kehrt um und ändert das Leben, damit eure Sünden vergeben werden und so der Herr Zeiten des Aufatmens kommen lässt".

Welchen Trost haben wir für Europa? Ich sage Euch meine Erfahrung als Bischof, als armer Sünder. Ich sehe die Familien des Weges, der Gemeinschaften: Personen, die durch eine Katechese, eine Umkehr, den Mut hatten, "Ja" zum Leben zu sagen und heute, dank eines Charismas, das zwei "Verrückte" vom Herrn bekommen und angenommen haben, so wie sie sind, mit ihren Gaben und ihren Schwächen. Aber sie haben dieses Charisma angenommen, sie haben den Mut gehabt, die Leiden eines solchen Charismas zu tragen. Wie vieler Leiden! Heute haben wir in der Kirche das Privileg, das Geschenk, Gemeinschaften zu haben mit Familien, aber mit wahren Familien, großen Familien, wie viele von euch und von uns in ihrer Jugend kennen gelernt haben, in ihrer eigenen Familie, sechs, zehn, zwölf Kinder. Es war normal.

Heute befinden wir uns in der europäischen Wüste, und hier sehen wir Gemeinschaften mit Familien! Aber ich sehe die Früchte. Ich sehe unser "Redemptoris Mater": wenn wir nicht dieses Seminar hätten, welche Armut in unseren Diözesen wegen des Fehlens an Berufungen - sicherlich könnt ihr uns noch weitere Berufungen schicken! Hier haben wir diese Berufungen, und ich sehe, wie diese Berufungen begleitet werden. Mit Demut, mit Ehrlichkeit muss ich sagen, dass trotz all der Anstrengungen im diözesanen Seminar wir es nicht schaffen, menschlich gesehen unsere Seminaristen zu formen, zu bilden, wie sie in den Gemeinschaften des Weges geformt werden. Warum? Weil sie hier die Familien haben, weil sie die Erfahrung darüber haben, was Vaterschaft ist. Ich komme aus einer geschiedenen Familie, meine Eltern waren geschieden, mein Großvater war geschieden, meine zwei Brüder sind geschieden. Ich kenne die Wirklichkeit der Scheidung. Aber wo soll man die priesterliche Vaterschaft lernen, wenn es keine Beispiele der Vaterschaft in den Familien gibt? Hier lernen es diese Seminaristen. Jetzt hatte ich den Fall eines jungen Priesters, der aus dem Seminar Redemptoris Mater gekommen ist, der mit einer Frau gesündigt hat. Wir Bischöfe kennen alle die Situation, wenn dies geschieht: einer geht weg, weil er ein Verhältnis hatte, er verlässt das Priesteramt. Die Familien dieser Pfarre und des Weges haben ihn mit Wahrheit und Güte aufgenommen und so seine Berufung gerettet. Er ist vor Ostern zu mir gekommen voller Freude: "Ja, ich habe gesündigt, aber ich habe den Mut gehabt, diese Beziehung zu verlassen, und zurückzukehren." Es sind die Familien, die diese Berufung und diesen Priester gerettet haben!

Ich bin überzeugt, dass der Herr uns in der Kirche dieses Charisma gegeben hat, es ist nicht das einzige, es gibt viele Charismen; aber es ist ein Charisma, das uns zeigt, dass es ohne die Familien, ohne das "Ja" zum Leben keine Zukunft in der Kirche gibt. Deshalb möchte ich unseren Familien des Weges danken, ihrem Zeugnis, diesem Mut, sich überall hin senden zu lassen. Eine Familie aus Wien mit 9 Kindern ist in Mission nach Istanbul gegangen, in die Türkei! Diese Familien zeigen uns, was Auferstehung ist.

Brüder, ich will Euch nicht zu sehr aufhalten. Aber an diesem Ort möchte ich Papst Paul VI., Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt dafür danken, dass sie das getan haben, was die Arbeit des Bischofs ist, wie der Heilige Paulus im 14. Kapitel des 1. Briefes an die Korinther sagt, nämlich die Charismen zu unterscheiden und zu sagen: "Das ist von Gott." Das heißt nicht, dass die Begründer heilig sind, vielleicht werden sie es, denn der Heilige Thomas von Aquin hat uns erklärt, dass die Charismen Gnaden sind, kostenlos gegeben, für die Kirche und zum Aufbau der Kirche. Sie bedeuten nicht automatisch eine Heiligung des Trägers des Charismas, es ist eine Einladung auch an die Träger des Charismas sich zu heiligen, aber es ist vor allem ein Geschenk an die Kirche. Und ich sehe, hier gibt es ein Geschenk an die Kirche.

Abschließend möchte ich von einer Wirklichkeit sprechen, die wir in all unseren Diözesen kennen, wo es den Weg gibt: Er ist nicht immer gut angenommen, es gibt Spannungen, man sagt, er spalte die Pfarren. Ich bin nicht sehr mutig, um immer die Schwachen, die Verfolgten zu stützen, aber eine Sache kann ich sagen: in einem Körper gibt es Spannungen, nur in einem toten Körper gibt es keine Spannungen. Und diese Spannungen sind auch ein Teil der notwendigen Umkehr. Das entschuldigt nicht die menschlichen Fehler, die immer wieder geschehen, aber wenn das Evangelium für die Umkehr verkündet wird, werden Spannungen geschaffen, die unvermeidbar sind! Wir Bischöfe müssen uns fragen, ob nicht diese Spannungen auch heilsam sein können! Weil sie uns wachrütteln, weil sie uns erlauben, uns zu fragen: Was will Gott von uns?

An diesem heiligen Ort möchte ich bitten, dass der Herr eintrete, auch durch verschlossene Türen, und dass er uns den Mut gebe, auch wenn uns in den letzten 40 Jahren der Mut zum "Ja zu Leben" gefehlt hat. Wir haben es gesagt, aber wir müssen es mit dieser Kraft sagen. Dass er uns das Fehlen des Mutes verzeihen möge und uns die Kraft gebe, die er den Aposteln gegeben hat, als er sie von diesem Ort ausgesandt hat.

Danke für Eure Geduld. Brüder.

[Von der Erzdiözese Wien veröffentlichtes Original]
German Kardinal Schönborn zum neuen Bioethik-Dokument
Dec 12, 2008
Kardinal Christoph Schönborn hat das Bioethik-Dokument der Glaubenskongregration "Dignitas Personae" als wichtigen Beitrag zum "Schutz des Lebens" begrüßt

Wien (KAP) Kardinal Christoph Schönborn hat das neue Bioethik-Dokument der vatikanischen Glaubenskongregration "Dignitas Personae" als wichtigen Beitrag zum "Schutz des Lebens" begrüßt. In seiner Stellungnahme betont der Wiener Erzbischof die Notwendigkeit eines "konstruktiven Dialogs mit der Wissenschaft". Die Kirche schaue "mit Hoffnung" auf die wissenschaftliche Forschung. Sie betone aber auch die Bedeutung der Menschenwürde und wende sich gegen jede "Instrumentalisierung" des Menschen: "Das Leben des Menschen ist von seinem Beginn bis zu seinem natürlichen Ende zu achten und zu schützen".

Die Stellungnahme Kardinal Schönborns zum neuen vatikanischen Bioethik-Dokument hat folgenden Wortlaut:



"Angesichts der immer weiter fortschreitenden Möglichkeiten der Manipulation menschlichen Lebens im Kontext embryonaler Stammzellenforschung, des Klonens, der Herstellung von Mensch-Tier-Hybriden, der genetischen 'Verbesserung' des Menschen ('enhancement') sowie des Umgangs mit vorgeburtlichem Leben und neuer Fortpflanzungstechniken sieht sich die Glaubenskongregation veranlasst, eine neue Stellungnahme zu diesen aktuellen Fragen zu veröffentlichen. Sie schließt dabei an das Dokument 'Donum vitae' aus dem Jahre 1987 an. Die neue Instruktion trägt den Titel 'Dignitas Personae' und stellt die Würde der menschlichen Person in den Mittelpunkt.

Das Dokument umfasst drei Teile: Im ersten Teil werden einige 'anthropologische, theologische und ethische Aspekte von grundlegenden Bedeutung in Erinnerung gerufen', im zweiten Teil geht es um neue Probleme im Kontext der Fortpflanzung des Menschen und in Teil drei werden neue Therapien mit Hilfe embryonaler Stammzellen und die Manipulation des menschlichen Erbgutes behandelt. Das Dokument legt Wert auf einen konstruktiven Dialog mit der Welt der Wissenschaft und hebt hervor, dass das Lehramt 'ein Wort der Ermutigung und des Vertrauens gegenüber einer kulturellen Perspektive bringen' möchte, 'die in der Wissenschaft einen wertvollen Dienst am umfassenden Gut des Lebens und der Würde jedes Menschen sieht'. Die Kirche 'schaut deshalb mit Hoffnung auf die wissenschaftliche Forschung und wünscht, dass sich viele Christen dem Fortschritt in der Biomedizin widmen'. Vor allem sollen die Erkenntnisse der Wissenschaft auch den armen und durch Krankheiten stark betroffenen Ländern dieser Erde zur Verfügung gestellt werden.

Gerade wegen dieser positiven Einstellung gegenüber der Wissenschaft betont das Dokument, dass die Freiheit der Wissenschaft und des einzelnen Forschers nicht an den fundamentalen Gütern des Menschen, die auf seiner Menschenwürde basieren, vorüber gehen kann. Diese Menschenwürde kommt jedem Menschen zu, unabhängig von Alter, Rasse, Geschlecht, genetischer Ausstattung, Krankheit oder Gesundheit. Aus der Würde des Menschen folgt sein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit sowie das Verbot der vollständigen Instrumentalisierung. Daher hebt das Dokument hervor, dass das Leben des Menschen von seinem Beginn an bis zu seinem natürlichen Ende zu achten und zu schützen ist.

Konkret bezieht sich dies auf den Umgang mit menschlichen Embryonen bzw. 'embryonalen Menschen' im Kontext der embryonalen Stammzellenforschung, des Klonens sowie der Herstellung von Mensch-Tier-Mischwesen oder anderen alternativen Quellen pluripotenter Stammzellen. Neben diesen grundsätzlichen Erwägungen wird auf die weiterhin bestehende Erfolglosigkeit einer Therapie mit embryonalen Stammzellen hingewiesen.

Die Kirche nimmt bei diesen Fragen des Lebensschutzes keine Sonderposition ein, sondern konkretisiert Stellungnahmen, die schon der Europarat und die Europäische Union vorgelegt haben. In der Europäischen Menschenrechtskonvention zur Biomedizin (Oviedo-Konvention) des Europarates von 1997, die 'die Würde und die Identität aller menschlichen Lebewesen' schützen will (Artikel 1), heißt es (in Artikel 18,2), dass 'die Erzeugung menschlicher Embryonen zu Forschungszwecken' verboten ist und die Rechtsordnung 'einen angemessenen Schutz des Embryos zu gewährleisten' hat, 'sofern sie Forschung an Embryonen in vitro zulässt' (Artikel 18,1). Ferner ist in der Biopatent-Richtlinie der Europäischen Union aus dem Jahr 1998 in Art. 6,2c festgehalten, das 'die Verwendung von menschlichen Embryonen zu industriellen und kommerziellen Zwecken' von der Patentierbarkeit ausgeschlossen ist und auch 'Verfahren zum Klonen von menschlichen Lebewesen' nicht patentierbar sind (Art 6,2a). Schließlich ist in diesem Dokument in den erläuternden Bemerkungen im Artikel 38 festgehalten, dass die Herstellung von 'hybriden Lebewesen, die aus . Zellen von Mensch und Tier entstehen' gegen die Menschenwürde verstoßen und ebenfalls von der Patentierbarkeit ausgeschlossen sind.

Das Dokument 'Dignitas Personae' hebt am Schluss hervor, dass sich die Kirche bewusst ist, dass ihre Sittenlehre oft kritisiert wird, weil sie zu viele Verbote enthält. Das Umgekehrte aber ist der Fall. Die Kirche muss sich auch deshalb für den Schutz des Lebens einsetzen, da die Geschichte gezeigt hat, dass die Fähigkeiten, die dem Menschen von Gott anvertraut sind, nicht immer im Dienst am Menschen genutzt wurden. Die Schwächsten und Wehrlosesten sind dabei oft die Leidtragenden gewesen.

So erhoffe ich mir anlässlich der Veröffentlichung dieses Dokumentes einen konstruktiven Dialog mit der Wissenschaft und der Gesellschaft sowie eine vorurteilsfreie Diskussion des vorgelegten Dokumentes. Ich tue dies in der Hoffnung, dass auch der rein naturwissenschaftlich denkende Mensch das eine oder andere Argument reflektiert und die positive Intention des Lehramtes zum Schutz des Lebens annehmen kann".



Imabe: "Kompromissloses Ja zum Leben"



Im Mittelpunkt des ethischen Nachdenkens über neue biotechnische Möglichkeiten stehe "ein großes Ja zum menschlichen Leben", erinnerte das Wiener "Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik" (Imabe) in seiner Stellungnahme zum neuen Dokument der vatikanischen Glaubenskongregation. Die Würde als Person müsse jedem Menschen von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod zuerkannt werden. Dies gelte auch für den "embryonalen Menschen", der "ganz Mensch und ganz als solcher zu achten" sei. Daher gebe es im neuen Dokument auch ein klares Nein zur Gewinnung von Stammzellen aus Embryonen. Denn dies bedeute zugleich die Vernichtung der Embryonen und damit "die Vernichtung menschlicher Lebewesen, die dieselbe Würde besitzen wie andere Menschen und die Forscher selbst".



Das aktuelle Vatikan-Schreiben stelle einen "wichtigen Beitrag zur Kultur des Lebens" dar und biete "klare Richtlinien für aktuelle Probleme der biotechnischen Forschung", betonte der Direktor des "Imabe", Primarius Johannes Bonelli. Es begründe die Position der katholischen Kirche aus einer vorwiegend philosophisch-anthropologischen Perspektive, ausgehend von der unantastbaren Menschenwürde, die jedem Individuum der Spezies Mensch von der Befruchtung bis zum Tod zukommt. "Nicht selten wird versucht, diese Argumentation als religiös motiviert zu etikettieren und sie dadurch für den zivilen Diskurs zu disqualifizieren. Diese Kritik ist aber alles anderes als sachlich und redlich", sagte Bonelli.



Das vatikanische Dokument zeige in aller Schlichtheit, dass durch die Technik der künstlichen Befruchtung der Mensch zum "Objekt technischer Rationalität" gemacht wird, zum Instrument und Mittel eines technisches Prozesses, was dem Konzept der Menschenwürde diametral widerspreche. Das Dokument ermuntere zugleich die Wissenschaft, Wege zu beschreiten, die der Menschenwürde entsprechen. Naturgemäß zitiere das Schreiben jene Methoden, die aus ethischer Sicht nicht vertretbar sind. Diese Perspektive habe jedoch eine klare Intention: "Hinter jedem 'Nein' steht ein großes 'Ja', das die unveräußerliche Würde und den Wert jedes einzelnen unwiederholbaren Menschen anerkennt". Das sei eine Botschaft, die viele Menschen positiv interessiere.



"Dignitas Personae" betone erneut die Ablehnung der künstlichen Befruchtung, u.a. deshalb, weil kein Interesse am Lebensrecht jedes einzelnen Embryos besteht. Im Gegenteil: Auf eine Lebensgeburt komme eine große Zahl von bewusst geopferten Embryonen (Selektion, PID, Mehrlingsbefruchtungen usw.). In keinem anderen Bereich der Medizin würde "eine Gesundheitsbehörde eine Technik mit einer so hohen Rate an negativen, tödlichen Ausgängen" zulassen, kritisiert das Vatikandokument.



Die Glaubenskongregation greife die Frage des Schicksals der Abertausenden tief gefrorenen ("kryokonservierten") Embryonen auf. Vorschläge, diese für die Forschung zu verwenden oder für therapeutische Zwecke einzusetzen, seien ethisch unannehmbar. Die Variante einer "pränatalen Adoption" sei zwar der Absicht nach "lobenswert", stelle aber keine Lösung dar. "Das neue Dokument erinnert daran, dass durch die In-vitro-Fertilisierung Embryonen zu Tausenden 'verlassen worden sind', was eine 'faktisch irreparable Situation der Ungerechtigkeit' schaffe", stellte das "Imabe" in seiner Stellungnahme fest.



Das Dokument verurteile auch die Präimplantationsdiagnose (PID), deren Ziel die Selektion und Vernichtung "verdächtig" gewordener Menschen sei. Kranke und behinderte Personen seien keine "Sonderkategorie", Diskriminierungen dieser Art seien "unsittlich und rechtlich unannehmbar".
German Glaube und Vernunft keine Gegensätze
Dec 10, 2008
Kardinal Christoph von Schönborn würdigt das Zusammenspiel von Glaube und Vernunft.

Wien (kathnews). Anlässlich der diesjährigen Verleihung des Kardinal-Innitzer-Preise am Samstag, 6. Dezember 2008, im Wiener Erzbischöflichen Palais betonte Kardinal Christoph von Schönborn, dass Glaube und Vernunft sich nicht ausschließen, sondern „einander etwas zu sagen“ hätten. Außerdem könnten sich beide gegenseitig voranbringen. Religion und Wissenschaft müssten nicht unbedingt in einer konfliktreichen Beziehung stehen, so der Wiener Erzbischof. Er bezog sich dabei auch auf Papst Benedikt XVI., dessen großes Thema seiner wissenschaftlichen Arbeit ebenfalls das Verhältnis von Glaube und Vernunft sei. Kardinal von Schönborn erwähnte in diesem Zusammenhang die sogenannte „Regensburger Rede“ des Papstes, die zwar die Möglichkeit des Missbrauchs von Glaube und Vernunft einräumt, beiden aber einen Auftrag der Aufklärung zugesteht. Gegenseitige kritische Anfragen seien nicht nur erlaubt und erwünscht, sondern auch hilfreich und notwendig, erklärte Kardinal von Schönborn.

Mit dem Kardinal-Innitzer-Preis 2008 wurde unter anderem Klaus Wolff, der langjährige Ordinarius für Dermatologie an der Universität Wien, für sein Lebenswerk geehrt. Wolff studierte Medizin und spezialisierte sich auf Dermatologie. Im Jahr 1976 wurde er als Vorstand der Dermatologischen Klinik an die Universität Innsbruck ernannt. Nur sechs Jahre später ging Wolff nach Wien, wo er als ordentlicher Professor und Vorstand der Dermatologischen Universitätsklinik bis zu seiner
Emeritierung vor vier Jahren wirkte. Der Preis in der Kategorie Naturwissenschaft ging an den in Innsbruck lehrenden Experimentalphysiker Rainer Blatt. Im Bereich Geisteswissenschaft wurde Manfred Bietak ausgezeichnet, der auf dem Gebiet der Archäologie tätig ist. Den publizistischen Preis erhielt der Wissenschaftsredakteur der Tageszeitung „Der Standard“, Klaus Taschwer.

Der Kardinal-Innitzer-Preis ist ein vom Erzbistum Wien verliehener Wissenschaftspreis, welcher in den Kategorien Lebenswerk, Geisteswissenschaft, Naturwissenschaft und Publizistik verliehen wird. Zusätzlich werden Förderpreise an junge Wissenschaftler vergeben. Kardinal Theodor Innitzer, der Namensgeber der Auszeichnung, ist nach dem 1955 verstorbenen Erzbischof von Wien benannt. Nach Meinung von Historikern begründete Innitzer mit der sogenannten Rosenkranzdemonstration den österreichischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus.
German "Es gibt Anzeichen der Besinnung"
Dec 10, 2008
Die Antwort auf die Krisenerscheinungen könne nicht "Panik" sein, sondern nur "Umkehr" und "Vertrauen auf Gott", sagte Kardinal Christoph Schönborn in der Predigt zum Marienfeiertag am 8. Dezember. Aber es gebe "Anzeichen der Besinnung" konstatierte der Wiener Erzbischof.

Viele Menschen würden erkennen, dass in den letzten Jahrzehnten manches falschgelaufen sei, was sich jetzt in der Finanzkrise, in den Umweltfragen, in der demografischen Frage zeige. Dies betonte Kardinal Christoph Schönborn am Montag, 8. Dezember 2008, in der Predigt zum Hochfest "Maria Empfängnis" im Stephansdom. Es gebe "Anzeichen der Besinnung". Die Antwort auf die durch "übersteigerte und maßlose" Erwartungen ausgelösten Krisenerscheinungen könne nicht "Panik" sein, sondern nur "Umkehr", "Vertrauen auf Gott". "Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch", zitierte der Wiener Erzbischof den Dichter Friedrich Hölderlin.

"Immaculata conceptio" - der geglückte Entwurf
Der 8. Dezember sei das Fest "der unbefleckt empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria", erinnerte Kardinal Christoph Schönborn. Die lateinische Bezeichnung "immaculata conceptio" verweise auf das Wort "Konzept", "Entwurf". Maria sei der "geglückte Entwurf des Menschseins", interpretierte der Kardinal das Marienfest. Dem "Karussell der Anschuldigungen", das am Beginn des biblischen Berichts über die Erbsünde steht, stelle Gott in Maria das "gelungene Konzept des Menschen" gegenüber. Maria sei vom ersten Augenblick ihrer Existenz frei von der Sündenverflochtenheit und damit "ganz offen und frei für Gott und für die Menschen". Freilich sei sie nicht frei von Leid gewesen, aber gerade deshalb hätten so viele Menschen Zutrauen zu Maria, "weil sie spüren, dass sie die Lasten mitträgt, dass bei ihr Verständnis und nicht Verurteilung ist", sagte Kardinal Schönborn.

1647 wurde Österreich der unbefleckt empfangenen Gottesmutter geweiht

Österreich sei mit dem Fest am 8. Dezember in besonderer Weise verbunden, erinnerte Kardinal Christoph Schönborn: 1647 - in der Katastrophe des Dreißigjährigen Krieges - sei Österreich erstmals der "unbefleckt empfangenen Gottesmutter" geweiht worden. "Das Fest am 8. Dezember wurde geliebt und von vielen gefeiert", betonte Kardinal Schönborn. Die Nationalsozialisten hätten das Fest abgeschafft, 1955 sei es durch die größte Unterschriftenaktion in der Zweiten Republik wieder eingeführt worden. "Vor einigen Jahren wurde das Fest dann auf dem Altar des Vorweihnachtsgeschäfts geopfert", bedauerte der Wiener Erzbischof. Jetzt stehe man vor dem "Scherbenhaufen" jener Einstellung, die "schnell viel Geld, Reichtum und Erfolg versprochen hat". Aber diese Versprechungen hätten sich als "Kartenhäuser" erwiesen.
German Religion und Wissenschaft haben einander etwas zu sagen
Dec 06, 2008
Wiener Erzbischof betonte bei Verleihung der diesjährigen Kardinal-Innitzer-Preise das schöpferische Potenzial von Glaube und Vernunft

Wien (KAP) Religion und Wissenschaft "haben einander etwas zu sagen" und können einander gegenseitig voranbringen. Das betonte Kardinal Christoph Schönborn am Samstag im Wiener Erzbischöflichen Palais bei der Überreichung der diesjährigen Kardinal-Innitzer-Preise. Der Wiener Erzbischof wies Einschätzungen zurück, wonach das Verhältnis von Glaube und Wissenschaft notwendigerweise nur schwierig und konfliktreich sein muss.

Kardinal Schönborn erinnerte daran, dass etwa das große Thema der wissenschaftlichen Tätigkeit von Papst Benedikt XVI. das Verhältnis von Glaube und Vernunft sei. Diese Beziehung sei spannungsreich, zugleich aber auch sehr fruchtbar. In seiner vieldiskutierten "Regensburger Vorlesung" habe der Papst darauf hingewiesen, dass Vernunft und Glaube zwar auch missbraucht werden können, beide aber grundsätzlich einen Auftrag der Aufklärung hätten. Gegenseitige kritische Anfragen seien erlaubt und erwünscht, ja hilfreich und notwendig, so Kardinal Schönborn.

Der langjährige Ordinarius für Dermatologie an der Universität Wien, em. Prof. Klaus Wolff, wurde von Kardinal Schönborn für sein Lebenswerk mit dem Kardinal-Innitzer-Preis 2008 ausgezeichnet. Unter der Leitung Wolffs erreichte die Dermatologische Universitätsklinik Wien ein Ranking unter den fünf weltweit besten Kliniken. Seine viel beachteten Forschungen legte der 1935 geborene Wolff in rund 430 wissenschaftlichen Publikationen dar.

Der Kardinal-Innitzer-Preis ist ein von der Erzdiözese Wien seit 1962 verliehener Wissenschaftspreis und eine der angesehensten Auszeichnungen dieser Art in Österreich. Benannt ist der Preis nach Kardinal Theodor Innitzer (1875-1955).

Erinnerung an Prof. Brusatti

Der Würdigungspreis im Bereich Naturwissenschaft ging an den 56-jährigen, in Innsbruck lehrenden Experimentalphysiker Prof. Rainer Blatt. Im Bereich Geisteswissenschaft wurde Manfred Bietak ausgezeichnet; der 1940 in Wien geborene Archäologe ist Professor der Ägyptologie an der Universität Wien und seit 1973 Leiter des Österreichischen Archäologischen Institutes in Kairo. Mit dem Würdigungspreis für wissenschaftlich fundierte Publizistik wurde der Wissenschaftsredakteur der Tageszeitung "Der Standard", Klaus Taschwer, ausgezeichnet. Acht junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wurden mit Förderpreisen ausgezeichnet.

Kardinal Schönborn erinnerte bei der Preisverleihungen auch an em. Prof. Alois Brusatti, der von wenigen Wochen verstorben ist. Brusatti hatte sich als langjähriger Geschäftsführer des "Kardinal Innitzer-Fonds" große Verdienste erworben.
German "Wunschliste" an die Regierung
Dec 05, 2008
Wortlaut der Ansprache von Kardinal Christoph Schönborn bei der 30-Jahr-Feier der Katholischen Medien Akademie (KMA) am 3. Dezember

Advent. Dank der wunderbaren Musik sind wir schon mit adventlichen Liedern eingeführt worden. In den Adventliedern kommt eine große Sehnsucht und Hoffnung zum Ausdruck - die Hoffnung der Völker, von der wir glauben, dass sie im Geheimnis der Weihnacht eine alles überragende, alle überraschende, gar nicht zu erwartende Antwort gefunden hat. Worum geht es im Advent und bei Weihnachten? Die APA hat vor einigen Monaten gemeldet, dass nur acht Prozent der Österreicher wüssten, worum es bei Weihnachten geht. Man kann schon Erstaunliches erleben, wenn man nach dem religiösen Wissen der Österreicherinnen und Österreicher fragt.
Es werden in den nächsten Tagen großflächige Plakate im ganzen Land zu sehen sein, die eine Antwort auf die Frage geben sollen, warum wir Weihnachten feiern. Auf diesen Plakatflächen wird schlicht und einfach stehen: "Zu Weihnachten wurde Jesus Christus geboren. Ein Fest der Freude für die Menschen". In 600 Citylights und auf 2.000 Plakatflächen wird in ganz Österreich dieses Plakat zu sehen sein. Mitten in den Weihnachtsmärkten und den endlosen "jingle bells", inmitten der Geschäfte, der Weihnachtsmänner, der Elche und des sonstigen Weihnachts-Schnickschnacks wird plötzlich in Erinnerung gerufen, worum es eigentlich zu Weihnachten geht.

Die Initiative geht nicht von der Kirche aus, wenn man unter Kirche die Hierarchie versteht, sondern schlicht und einfach von engagierten Laien. Seit dem Zweiten Vaticanum wissen wir, dass sie auch wesentlich die Kirche sind. Der katholische Kommunikationsexperte Armin Fehle, ein Landsmann aus Vorarlberg, hat diese Idee geboren, weil er sich darüber große Sorgen machte, dass die Menschen in unserem Land nicht mehr wissen, warum wir Weihnachten feiern. So hat er gratis und uneigennützig zusammen mit der Firma "Epamedia", die gratis ihre Plakatflächen zur Verfügung stellt, diese Aktion gestartet. Ich konnte nur dankbar Ja dazu sagen und ich denke, wir alle können uns über solche Initiativen freuen. Auf den Plakaten wird also eine ganz einfache und klare Antwort gegeben, warum feiern wir Weihnachten: "Weil Jesus Christus geboren wurde: ein Fest der Freude für die Menschen".

In schlichten Worten wird die Kernbotschaft des christlichen Glaubens gesagt. Mir erscheint an dieser Kampagne besonders signifikant: Sie ist ein Zeichen, dass wache Christen in diesem Land sich bewusst sind, wir müssen etwas tun, wir müssen initiativ werden, in die Öffentlichkeit gehen. Wir müssen sagen, worum es geht, worum es uns geht. Ich glaube, in dieser Form hat es in Österreich eine solche Kommunikationskampagne noch nicht gegeben. Ich hoffe, sie wird Nachfolgetäter finden. Diese Initiative ist auf jeden Fall sehr zu begrüßen.

Ein zweites Beispiel: Heute Nachmittag haben "zufällig" einige Personen, darunter auch ich, eine Petition unterschrieben, nicht in einer Kirche, nicht in einer katholischen Veranstaltung, sondern im Billa-Markt der Ringstraßengalerie. Prominente Vertreter der Gewerkschaften, des öffentlichen Lebens und der Kirche haben diese Petition unterschrieben: "Lasst den 8. Dezember nicht verkommen zu einem Einkaufstag". Sie erinnern sich daran, dass der 8. Dezember von den Nationalsozialisten als Feiertag abgeschafft wurde. In der größten Unterschriftenaktion, die es in Österreich je gegeben hat, wurde 1955 die Wiedereinführung des 8. Dezember gefordert. Das Parlament hat daraufhin den 8. Dezember als Feiertag wiederhergestellt. Vor einigen Jahren wurde er dem Ökonomismus und dem Wirtschaftsliberalismus geopfert, dessen dramatische Krise wir in diesen Wochen erleben. Es ist das Anliegen dieser Petition, darüber nachzudenken, ob die Freigabe des 8. Dezember für das Weihnachtsgeschäft nicht doch ein Zeichen in die falsche Richtung war, oder ob es sich nicht lohnt, sich zu besinnen und darauf zurückzukommen, dass dieser Feiertag wichtig ist.

Lassen Sie mich ein paar Worte aus der Petition zitieren, die ich heute mitunterschrieben habe: Dort heißt es: "Gesetzliche Feiertage sind fester Bestandteil der kulturellen, sozialen und religiösen Tradition in Österreich. Feiertage erinnern uns daran, dass es mehr gibt als den Alltag. Sie geben den Menschen Zeit für sich selbst und Zeit für gemeinsame Aktivitäten, sei es im Familien- und Freundeskreis, der Nachbarschaft, der Wissenschaft, der Kunst oder der Religion. Die langjährigen Diskussionen rund um die Ladenöffnung am 8. Dezember stehen heute für eine Gesellschaft, die glaubt, immer schneller leben zu müssen. Zeitliche Schutz- und Ruhezonen für die Gesellschaft werden dabei immer mehr in Frage gestellt. Feiertage werden zu normalen Werktagen umfunktioniert. Die Unterzeichnenden sind der festen Überzeugung, dass dem gesellschaftlichen Wert gemeinsamer Ruhezonen in Österreich wieder mehr Beachtung geschenkt werden muss.

Und bitte achten Sie auf den folgenden Satz, ich denke, er spricht vielen Menschen aus dem Herzen und vielleicht uns allen ins Gewissen: "Die Zeit ist gekommen, um innezuhalten und nachzudenken, ob die in der Vergangenheit eingeschlagenen Wege tatsächlich die richtigen waren. Der 8. Dezember hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Symbol für vorweihnachtlichen Einkaufsstress und für Hektik entwickelt. Es geht darum, dem Marienfeiertag am 8. Dezember seinen eigentlichen Charakter wiederzugeben und ein deutliches Zeichen für die neue Bedeutung gemeinsamer Ruhezonen und die Wertschätzung von freier Zeit in unserer Gesellschaft zu setzen". Ich denke, diesen Worten ist nichts hinzuzufügen. Ich habe auch mit einer Verkäuferin über diese Initiative gesprochen, die vier Mal in der Woche aus der Steiermark mit einem Bus nach Wien gebracht wird wie viele andere, um in unseren Geschäften zu arbeiten. Sie hat gesagt, dass sie dankbar ist, eine Arbeit zu haben, aber auch dankbar, am 8. Dezember mit ihrer Familie feiern zu können.

Vielleicht ist eine solche Initiative - und das ist der Zusammenhang mit der vorher genannten Plakat-Initiative - auch deshalb bedeutend, weil Laien hier federführend sind und damit auch Erfolg haben. Ich glaube, die Vorbildwirkung einer solchen Aktion wird Nachfolgetäter haben. Das darf man zumindest hoffen.

Beide Initiativen kommen nicht aus dem, was man den innerkirchlichen Bereich nennt. Für beide Initiativen stehen Katholiken, die in eigener Verantwortung ihre gesellschaftspolitische Aufgabe ernst nehmen, die sich in der Öffentlichkeit als Christen zu Wort melden. Freilich sollte das eine nicht gegen das andere ausgespielt werden. Wir brauchen in Österreich beides, die katholischen Organisationen, das Engagement dieser Organisationen. Wir brauchen aber auch solche Initiativen. Ich halte sie für besonders zukunftsträchtig.

Der Zufall geht noch weiter. Der heutige 3. Dezember ist auch der Welttag der Menschen mit Behinderungen. In anderen Sprachräumen werden diese Menschen als "Menschen mit anderen Begabungen" bezeichnet. Es würde mich freuen, wenn auch im deutschsprachigen Raum eine solche nichtdiskriminierende Sprache Einzug hielte. Ich möchte in diesem Zusammenhang für die klaren und deutlichen Worte danken, mit denen im neuen Regierungsprogramm zur Frage "Kind als Schadensfall" Stellung genommen wird. Ich muss gestehen, dass ich die 256 Seiten des Regierungsprogramms noch nicht zur Gänze gelesen habe. Ich freue mich, dieses positive Element herausgreifen zu können: Kind als Schadensfall. Aufgrund des Regierungsübereinkommens steht jetzt völlig außer Streit, dass die Geburt und die Existenz eines Kindes mit Behinderung kein Schaden ist. Wie groß die Betroffenheit und Trauer der Eltern über die Tatsache der anderen Begabung ihres Kindes auch sein mag - das Kind mit all seinen Eigenschaften ist der Gesellschaft und der Rechtsordnung, so heißt es im Regierungsabkommen, im höchsten Maße willkommen und verdient gerade im Falle der Behinderung die größtmögliche Zuwendung und Förderung. Ich glaube, das ist ein positiver Schritt, der ein Signal in die richtige Richtung gibt. Das bedeutet auch, das darf ich nun als Wunsch formulieren, dass es im Umgang mit pränataler und auch mit Präimplantationsdiagnostik Grenzen geben muss -- es ist ein großes gesellschaftliches Thema, das ich hier nur anreißen kann.

Auch wenn ich - wie gesagt - mir noch nicht erlaube, einen detaillierten Kommentar zum Regierungsprogramm abzugeben, so möchte ich doch grundsätzlich die vom Regierungsprogramm vorgesehenen Maßnahmen zur finanziellen Förderung von Familien dankbar begrüßen, etwa die Anhebung der Kinderabsetzbeträge, die Absetzbarkeit von Kinderbetreuungskosten. Es ist dies sicher ein Schritt in die richtige Richtung, dem, so hoffen wir, andere Schritte folgen werden. Wir brauchen mehr materielle und ideelle Maßnahmen, damit es wieder mehr Freude an Kindern gibt, damit junge Menschen wieder den Mut haben, Ja zu sagen zum Leben.

Es ist in den letzten Wochen viel diskutiert worden über meine Predigt im Abendmahlssaal in Jerusalem. Ich stehe zu meiner Überzeugung, dass Europa in den letzten 40 Jahren mehrfach "Nein" zum Leben gesagt hat und damit auch Nein zur Zukunft und ich erinnere noch einmal daran, was ich vor mehr als einem Jahr in einer "Pressestunde" gesagt habe. Ich sage das nicht als moralisches Urteil, sondern als eine Faktenfeststellung: die demografische Entwicklung Europas sagt, diese Kinder fehlen. Sie sind nicht da. Es täte mir leid, wenn die eine oder andere Formulierung in dieser Predigt so verstanden worden wäre, dass ich hier Mitbrüder und Vorgänger im bischöflichen Amt kritisieren wollte.

Ich darf noch einmal daran erinnern, was der Anlass dieser Predigt war: es war ein Treffen von rund 170 europäischen Bischöfen in der Osterwoche im Heiligen Land mit dem ausdrücklichen Thema "Die Evangelisierung Europas". Es genügt, ein wenig in die demografische Entwicklung der meisten europäischen Länder zu blicken, um zu verstehen, dass es hier ganz begründete Anlässe zur Sorge gibt. In diesem Kontext habe ich auch darüber gesprochen, dass die Ermutigung zum "Ja zum Leben" die große Herausforderung für heute ist. Und wenn ich einen Rückblick auf die Situation von vor 40 Jahren gemacht habe, dann geschah das nicht in der Absicht, das, was damals verständlich war, heute "umzuschreiben", sondern um zu sagen, wir müssen uns besinnen, dringend besinnen. Aber: Hätten die Bischöfe von damals vorausgesehen, wie ihre Erklärung einseitig rezipiert wird und wohin sich die Gesellschaft entwickelt, hätten sie dann vielleicht nicht andere Worte gefunden?

Ich habe einige Zahlen genannt, ich kann sie hier noch einmal nennen, die einfach Fakten sind, an denen wir nicht vorbeigehen können. In Deutschland kommen auf 100 Eltern 66 Kinder und 44 Enkel. Wir wissen, dass demografische Prozesse unumkehrbar sind. Zumindest mittelfristig. Und wir müssen uns diesen Fakten stellen. Die Kirche ist vor allem eine Freundin des Lebens, des menschlichen Lebens in all seinen Phasen. Auch wenn sehr oft das Nein herausgehört wird, so ist es doch vor allem das "Ja zum Leben", von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod.

Daher erneuere ich an dieser Stelle auch drei kirchliche Grundforderungen, die sich an die Verantwortungsträger dieser neuen Gesetzgebungsperiode richten. Es geht um das, was Kardinal König wenige Wochen vor seinem Tod in einem bewegenden Brief an den Verfassungskonvent als Forderung gestellt hat, mit der unvergesslichen Formulierung: "Der Mensch soll nicht durch die Hand eines anderen Menschen sterben, sondern an der Hand eines anderen Menschen". Er hat gefordert, dass der in Österreich bestehende Konsens für die Hospizbewegung als humaner Weg der Sterbebegleitung auch in der österreichischen Verfassung verankert sein möge. Das ist die erste Forderung oder vielmehr Bitte an die neue Gesetzgebungsperiode.

Die zweite, damals in den siebziger Jahren Kardinal König und den anderen Bischöfen versprochene Bitte sind die noch immer nicht realisierten flankierenden Maßnahmen zur Fristenregelung. Diese Maßnahmen sind möglich. Sie sind keine unmöglichen Forderungen. Sie sind begleitende Maßnahmen zum Schutz des Lebens und zur Ermutigung zum "Ja zum Leben". Ich darf hier ein Beispiel nennen: Die Erzdiözese Wien hat den von Kardinal König gegründeten Hilfsfonds für Schwangere in Not. Dank dieses Hilfsfonds sind in den letzten 30 Jahren sicher über 10.000 Kinder zur Welt gekommen, die unter anderen Bedingungen wohl nicht geboren worden wären. Seit Jahren bitte ich die Regierung, und ich denke, es gibt ähnliche Einrichtungen in fast allen Diözesen: Verdoppeln Sie doch das Spendenaufkommen, das der Hilfsfonds für Schwangere in Not Jahr für Jahr durch großherzige Spenden von Katholikinnen und Katholiken in unserem Land aufbringt. Verdoppeln Sie diese Hilfe, damit doppelt so vielen schwangeren Frauen in Not geholfen werden kann.

Und schließlich ein drittes, es betrifft die Bio-Ethik. Österreich sollte dabeibleiben, ein klares Verbot der verbrauchenden Embryonenforschung auszusprechen. Bisher war Österreich im europäischen Konzert der bioethischen Debatte immer auf der Seite des Embryonen-Schutzes. Ich glaube, das darf nicht preisgegeben werden. Umso mehr, als die Forschungsergebnisse in diesem Bereich, so sagen uns die Experten, deutlich zeigen, dass adulte Stammzellen für therapeutische Verwendung offensichtlich viel erfolgreicher sind als die embryonalen. Ich gebe hier nur weiter, was ich von Experten höre und was in den einschlägigen Publikationen nachzulesen ist.

Das sind meine drei Wünsche. Es ließen sich natürlich noch viele andere Wünsche formulieren, wenn wir in der Weihnachtszeit sind. In der Vorweihnachtszeit darf man an das Christkind manche Wünsche richten. Und sie sollen doch auch realisierbare Wünsche sein. Zum Beispiel ein Wunsch, den die Caritas seit langem formuliert in der ganzen Pflegedebatte: Die Einstufung der Pflege als eines der Grundrisiken wie Krankheit und Arbeitslosigkeit. Und natürlich ein anderes Thema, das uns seit Jahren beschäftigt: Die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit im Hinblick auf die Millenniumsziele auf 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens anzuheben.

Aber eine Bitte möchte ich ganz konkret formulieren, die ich vor kurzem schon einmal in der Öffentlichkeit ausgesprochen habe: Die Europäische Union hat sich nach langen Diskussionen dafür entschieden, irakische Flüchtlinge aufzunehmen. Wir wissen um das Drama, es sind vor allem Christen und andere religiöse Minoritäten, die aus dem Irak flüchten und die in sehr prekären Situationen sind. Auch wenn man wünscht, dass sie in ihr Land zurückkehren, so muss man doch auch wissen, dass es für viele nicht denkbar ist, in dieser Situation zurückzukehren. Ich finde es beschämend, dass die bisherige österreichische Bundesregierung, im Unterschied zu den meisten anderen Ländern der Europäischen Union, sich nicht an der Aufnahme von vor allem christlichen Flüchtlingen aus dem Irak beteiligt hat.

Ich komme zum Schluss. Wir sind derzeit in einer dramatischen Finanzkrise, die sich wirtschaftlich auswirken und auch viele Menschen bei uns treffen wird. Diese Krise ist ein Anlass, schlicht und einfach wieder über das Thema Tugend nachzudenken. Wir brauchen die elementaren Tugenden des menschlichen Zusammenlebens. Thomas von Aquin sagt: "Tugend ist das, was den Menschen, der sie hat, gut macht". Es ist unvergleichlich angenehmer, mit Menschen zusammenzuleben, die Tugenden haben. Ein guter Mensch, das ist nicht jemand, der da und dort einmal eine gute Tat tut, sich da und dort anständig benimmt, sondern der einfach gut ist. Es geht darum, dass uns durch die Tugenden gewisse Haltungen in Fleisch und Blut übergehen wie zum Beispiel das Maß halten. Die Krise ist eine Einladung, diese Tugenden wieder zu entdecken. Nur so wird es möglich sein, das Gemeinwohl zu sichern. Für alle, für die Starken, aber auch für die Schwachen, für die Jungen und für die Alten, für die Kranken und für die Gesunden. Und auch für die Journalisten. Danke für Ihr Zuhören!
German Kardinal Christoph Schönborn würdigt "bedeutende kirchliche Persönlichkeit" Aleksijs
Dec 05, 2008

Tief betroffen zeigte sich Kardinal Christoph Schönborn über den Tod von Patriarch Aleksij II. Im Gespräch mit "Kathpress" würdigte Schönborn den verstorbenen Patriarchen als "bedeutende kirchliche Persönlichkeit". Aleksij II. habe die russisch-orthodoxe Kirche in der Zeit des Umbruchs geleitet. Dieser Umbruch habe für die Kirche einerseits die Befreiung aus der Unterdrückung durch den Kommunismus bedeutet, zugleich aber auch große Herausforderungen durch die neue Säkularisierung mit sich gebracht. Schönborn wörtlich: "Die russisch-orthodoxe Kirche ist nach dem Ende des Kommunismus aufgeblüht, zugleich aber ist sie auch den Herausforderungen und Krisen der modernen Gesellschaft ausgesetzt".
Er hoffe auf einen guten und begnadeten Nachfolger für Patriarch Aleksij II., der dessen großes Erbe weiterführen kann, so der Kardinal. Schönborn war im Jahr 1997 zwei Mal persönlich mit dem Moskauer Patriarchen zusammengetroffen - einmal in Wien und danach in Moskau und St. Petersburg.

Die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche in Österreich und der russisch-orthodoxen Kirche bezeichnete Schönborn als sehr gut. In diesem Zusammenhang verwies der Kardinal insbesondere auf die "segensreiche Tätigkeit" der Stiftung "Pro Oriente". Es sei geplant gewesen, den Patriarchen künftig als Protektor der Stiftung zu gewinnen. Auch das Wiener Schottenstift pflege - über die Patres Bonifaz Tittel und Sebastian Hacker - gute Beziehungen zur russisch-orthodoxen Kirche.

Der geplante Pastoralbesuch von Aleksij II. in Österreich hätte sicher wesentlich zur Vertiefung der Beziehungen auf menschlicher, kirchlicher und theologischer Ebene beigetragen, so der Wiener Erzbischof. Er werde sich dafür einsetzten, dass diese Beziehungen auch weiterhin intensiviert werden, betonte Kardinal Schönborn.



Staikos: "Alle Orthodoxen trauern"



Die Trauer aller orthodoxen Christen über den plötzlichen Tod des Moskauer Patriarchen hat der Wiener orthodoxe Metropolit Michael Staikos in einem Telefoninterview mit "Kathpress" betont; der Metropolit hält sich derzeit in Griechenland auf. Die orthodoxen Christen trauerten um das verstorbene Oberhaupt der zahlenmäßig größten orthodoxen Kirche, sagte der Metropolit und meinte wörtlich: "Patriarch Aleksij II. war eine große Persönlichkeit; er hat die russisch-orthodoxe Kirche nach Jahrzehnten des Martyriums vom Kommunismus in die Demokratie geführt". Trotz aller Widersprüche sei Aleksij II. als "große moralische Instanz" in Russland und darüberhinaus "unbestritten" gewesen.



Metropolit Staikos erinnerte daran, dass Aleksij II. im Oktober durch seine Teilnahme und Mitarbeit bei der vom Ökumenischen Patriarchen einberufenen "Synaxis" (panorthodoxen Versammlung) in Istanbul ein eindrucksvolles orthodoxes Zeugnis gegeben habe. Durch seine Haltungsänderung in manchen panorthodoxen Fragen und durch seinen Einsatz für die Vorbereitung des Panorthodoxen Konzils habe Aleksij II. den orthodoxen Christen in aller Welt Hoffnung gegeben.



Als Wiener Metropolit bedaure er es besonders, dass nun der geplante Pastoralbesuch des Moskauer Patriarchen in der österreichischen Bundeshauptstadt nicht mehr stattfinden könne, sagte Staikos. "Wir haben uns alle auf das Zeugnis des Oberhaupts der russisch-orthodoxen Kirche in der Welt von heute gefreut", so der Metropolit: "Jetzt können wir nichts anderes tun, als im Gebet des Patriarchen zu gedenken".
German Kardinal Schönborn unterzeichnete "Petition für den 8. Dezember"
Dec 03, 2008
Foto: Henning Klingen / katholisch.at

Petition ruft Entscheidungsträger auf, dem Marienfeiertag seinen eigentlichen Charakter wiederzugeben - Wiens Erzbischof: "Der Mensch braucht ein menschliches Maß"

Wien (KAP) Eine "Petition für den Schutz des 8. Dezember" wurde am Mittwochnachmittag in Wien von Kardinal Christoph Schönborn, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Privatangestellten, Wolfgang Katzian, und "Billa"-Vorstandssprecher Volker Hornsteiner unterzeichnet. Die Supermarktkette "Billa" wird ihre Filialen am Marienfeiertag 8. Dezember geschlossen halten.

Die Petition spricht sich dafür aus, "dem Marienfeiertag am 8. Dezember seinen eigentlichen Charakter wiederzugeben und ein deutliches Zeichen für die neue Bedeutung gemeinsamer Ruhezonen und für die Wertschätzung von freier Zeit in unserer Gesellschaft zu setzen". Die langjährigen Diskussionen rund um die Ladenöffnung am 8. Dezember stünden für eine Gesellschaft, "die glaubt, immer schneller leben zu müssen".

In der Petition, die sich ausdrücklich auch an "alle Meinungs- und Entscheidungsträger" in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft wendet, wird ein deutliches Bekenntnis zu einem arbeitsfreien 8. Dezember verlangt, um "großen Teilen der Bevölkerung wieder ein Stück mehr Freiheit und Lebensqualität" zu sichern. In den vergangenen Jahren sei der 8. Dezember statt dessen zu einem "Symbol für vorweihnachtlichen Einkaufsstress und Hektik" geworden.

Gesetzliche Feiertage seien ein "fester Bestandteil der kulturellen, sozialen und religiösen Tradition in Österreich", wird in der Petition betont. Feiertage erinnerten daran, "dass es mehr gibt als den Alltag": "Sie geben den Menschen Zeit für sich selbst und Zeit für gemeinsame Aktivitäten - sei es im Familien- und Freundeskreis, der Nachbarschaft, in der Wissenschaft, der Kunst oder der Religion". Ausdrücklich sprechen sich die Unterzeichner für den Erhalt "zeitlicher Schutz- und Ruhezonen" und gegen eine weitere Umfunktionierung von Feiertagen zu normalen Werktagen aus.

Kardinal warnt vor Fehlentwicklungen

Im Gespräch mit "Kathpress" warnte Kardinal Schönborn vor gesellschaftlichen Fehlentwicklungen. In den letzten Jahren habe sich ein sämtliche Lebensbereiche umfassendes wirtschaftlich-rationales Denken ausgebreitet, dass selbst vor dem Ruhebedürfnis des Menschen keinen Halt mehr mache. "Alles muss immer schneller, immer größer sein. Damit übersehen wir aber, dass der Mensch ein menschliches Maß benötigt", so der Kardinal wörtlich. Von der Petition erhoffe er sich daher eine "Vorbildwirkung", damit sich möglichst viele der Idee des Schutzes des 8. Dezembers anschließen.

Zugleich erinnerte Kardinal Schönborn an die Wiedereinführung des 8. Dezembers als Feiertag im Jahr 1955 durch eine Volksabstimmung. Es sei "sehr traurig", so der Kardinal, dass es seitdem eine Entwicklung hin zur Relativierung des Charakters des Feiertages gegeben habe.
German Kirche wirbt für das Christkind
Dec 03, 2008
German Katholisches "Imabe"-Institut...
Nov 22, 2008
Kardinal Schönborn: Drei ethische Herausforderungen Lebensanfang und Lebensende, Stammzellenforschung, Umgang mit dem Leid

In seinem Vorwort zum Tagungsband "Medizin, Ideologie und Markt" betont der Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn die herausragende Rolle des "Imabe" für die kirchliche Meinungsbildung auf dem Gebiet der medizinischen Anthropologie und Bioethik. Die "anerkannte moralische Kompetenz" der Kirche auf diesem Gebiet, die sich nicht im "Nein-Sagen" erschöpfe, gehe letztlich auch auf die Arbeit des "Imabe" zurück, dessen Gründung vor 20 Jahren "zukunftweisend" gewesen sei.

Zugleich verweist Kardinal Schönborn in seinem Vorwort auf drei zentrale ethische Herausforderungen der Gegenwart, die zugleich Arbeitsgebiete des "Imabe" darstellen: Die Fragen des Umgangs mit den Phasen des Lebensanfangs und des Lebensendes, die Frage der moralischen Bewertung der Manipulation von menschlichem Leben zu Forschungszwecken sowie den Umgang der Gesellschaft mit dem Leiden. Bioethik sei heute "zur Chefsache der Politik" geworden - umso wichtiger sei es da, ethische Grundsätze zu diskutieren und zu bestärken, die "wie Leuchttürme blinken" und so Entscheidungsprozesse in Politik und Medizin orientieren.

Konkret weist Kardinal Schönborn auf den wachsenden "Druck auf Mütter und Ärzte, zur Sicherheit alle Qualitätskontrollen durchzuführen" und damit ungeborenem behinderten Leben letztlich "kaum noch eine (Lebens-)Chance" zu bieten. Das Leben werde durch diese Mentalität "verfügbar" gemacht, zugleich führe diese Mentalität "zu einem Anspruch, es in Ausübung eines vermeintlichen Selbstbestimmungsrechtes beenden zu können oder beenden zulassen". Sterbehilfe sei jedoch "Hilfe beim Sterben, nicht Hilfe zum Sterben", so der Kardinal.

Im Blick auf die Stammzellenforschung betont Kardinal Schönborn die Fortschritte im Bereich der adulten Stammzellenforschung. Nur in einer Förderung dieser Technik könne man die zahlreichen ethischen Probleme umgehen, die sich durch die embryonale Stammzellenforschung ergeben. Kardinal Schönborn wörtlich: "Die ethische Problematik liegt darin, dass es beim Embryo um Jemanden geht und nicht um Etwas". "Es gibt keine Abstufungen in der Schutzwürdigkeit für ungeborene, kranke, behinderte und alte Menschen", so der Kardinal.

Darüber hinaus weist Kardinal Schönborn darauf hin, dass man "den Bogen überspannt", wenn man die Aufgabe der Medizin darauf richte, ein "leidfreies, gesundes Leben bis zuletzt zu ermöglichen". Zu einem "guten Leben" gehöre vielmehr auch "die Annahme des Leidens und damit auch die Sorge um den Leidenden", so der Kardinal. Ethische Brisanz gewinne diese Feststellung vor allem dort, wo wegen schwindender Gesundheitsbudgets der Ruf nach einem Ausschluss von Personengruppen von teuren medizinischen Verfahren immer lauter werde. In dieser Situation sei die Kirche aufgefordert, "sozialethische, christliche Aspekte der Verteilung der Mittel im Gesundheitswesen und die Diskussion über den 'Lebenswert' chronisch kranker und pflegebedürftiger Menschen in die Diskussion einzubringen".
German Das Kreuz der Kirche mit Pille und Kondom
Nov 22, 2008
Kardinal Schönborn bricht mit der Linie Kardinal Königs. Und bezichtigt ihn indirekt, sündhaft gehandelt zu haben. Bischöfe hätten Nein zu Humane vitae („Pillen-Enzyklika“) gesagt.

Der brisante Text blieb für Monate Geheimwissen eines elitären Zirkels. Kardinäle, Erzbischöfe, Bischöfe, Theologen halb Europas sandten ihn einander weiter. Und diskutierten ihn bei Treffen, in Telefonaten und Mails. Was selbst einem Papst mit einer Predigt selten gelingt, war Kardinal Christoph Schönborn gelungen. Bemerkenswert.
Er erregte und erregt Aufmerksamkeit mit seinen Ausführungen bei einer Messe vor Bischofskollegen in Jerusalem, gehalten am 29.März. Nicht in irgendeiner Kirche, sondern im Abendmahlsaal. Nicht vor irgendwelchen Bischöfen, sondern vor Vertretern des innerkirchlich nicht immer unumstrittenen Neokatechumenats. Bemerkenswert.

Deutlich wie nie bricht Schönborn mit der Linie seines Vor-Vorgängers Franz König – immerhin bis zum Tod während Jahrzehnte einer der weltweit geachtetsten Kardinäle der katholischen Kirche und auch heute von vielen gerade in Österreich hoch geschätzt. Noch mehr erstaunt die Wortwahl Schönborns. Immerhin wirft er Bischofskonferenzen Europas (jedenfalls jener Österreichs) nichts weniger vor, als gesündigt zu haben. Gesündigt, weil das strikte Nein von Papst Paul VI. zur künstlichen Empfängnisverhütung im Jahr 1968 nicht ausreichend unterstützt wurde. Bischöfe hätten Nein zu Humane vitae („Pillen-Enzyklika“) gesagt. Bemerkenswert. Und er ging noch weiter, vielleicht übermannt von der Atmosphäre des geschichtsträchtigen Ortes. Der Wiener Erzbischof rief dazu auf, diese Sünde der Vorgänger zu bereuen. Ähnliches ist nur von Johannes Paul II. bekannt, der öffentlich viel beachtet am 12.März 2000 um Vergebung für Verfehlungen von Amtsträgern der Kirche gebeten hatte.


Warum?

Warum handelte der Erzbischof so? Drei Antwortversuche:

1. Schönborn will den Kampf gegen Pille & Co. neu aufnehmen. Und die Mariatroster Erklärung der österreichischen Bischöfe korrigieren. Nach der Enzyklika von Papst Paul VI. versuchten sie unter Führung Kardinal Königs das Verbot „lebbar“ zu machen: Ausnahmen wurden unter besonderen Bedingungen gestattet (siehe neben stehenden Wortlaut). Diese Variante ist die unwahrscheinlichste. Zu sehr ist der Kardinal auf Harmonie in der Bischofskonferenz und um Vermeiden von Konflikten in der Öffentlichkeit bedacht.

2. Schönborn wollte sich (gerade vor den sich als besonders Rom-treu definierenden Neokatechumenat-Bischöfen) im Vatikan beliebt machen. Dem Kardinal werden seit Jahren Ambitionen nachgesagt, einmal in die Glaubens-, dann in die Bildungs-, dann wieder – aber ganz sicher – in die Glaubenskongregation wechseln zu wollen.

3. Schönborn sind die Aussagen „passiert“. Das heißt: Er war sich weder deren Tragweite bewusst noch der Möglichkeit, dass sie außerhalb Jerusalems gelesen, veröffentlicht oder gar kritisch kommentiert werden könnten.

Wahrscheinlich ist Schönborns Predigt am besten vor dem Hintergrund einer Kombination der Varianten zwei und drei zu lesen. Andernfalls hätte er sich auch jetzt selbst in die Debatte offensiv einschalten müssen. Nicht nur das ist nicht geschehen. Anfragen blieben ungehört. Wenn Derartiges einem Landpfarrer im Weinviertel widerfährt, wird das kaum registriert werden. Bei einem Bischof, einem Erzbischof, gar einem Kardinal ist das anders. Bemerkenswert.
German Sexualethik: Konservativer Kardinal fordert mehr Strenge von deutschen Bischöfen
Nov 20, 2008
Der Wiener Kardinal Schönborn, dogmatisch auf einer Linie mit dem Papst, hält es für "Sünde", dass in Deutschland und Österreich das Verbot der Pille nicht entschieden verteidigt wird

Wien/Bonn - Christoph Schönborn ist Erzbischof von Wien und zählt zu den einflussreichsten Kardinälen der Kirche. Der polyglotte Dominikaner aus einem böhmischen Adelsgeschlecht ist in dogmatischen Fragen das Alter Ego von Papst Benedikt XVI. Sein Name fällt, sobald über eine Neubesetzung der Spitze der Glaubenskongregation spekuliert wird. Schönborn sagt, was Ratzinger denkt, der Pontifex aber nicht oder noch nicht offen auszusprechen wagt. Besonderes Gewicht hat daher die Abrechnung des Kardinals mit einer ganzen Bischofsgeneration.

Im Abendmahlssaal in Jerusalem, in einer furiosen Predigt über das wilde Jahr 1968, von der man annehmen darf, dass sie mit Rom abgestimmt war, warf Schönborn bereits im März dem europäischen Episkopat vor, vor 40 Jahren in der Auseinandersetzung um die Sexual-Enzyklika "Humanae vitae" von Papst Paul VI. versagt zu haben; die Oberhirten seien deshalb mitverantwortlich für die Mentalität des "Nein zum Leben", die sich in ganz Europa ausgebreitet habe.

Der vollständige Text der Predigt ist erst jetzt an die Öffentlichkeit gelangt; Schönborns Sekretariat hielt ihn offenbar lange zurück. Möglicherweise aus gutem Grund. Denn die Predigt des Kardinals vor Oberhirten aus Diözesen, in denen die auch innerkirchlich umstrittene Gruppierung des Neokatechumenalen Wegs Fuß gefasst hat, gleicht einer massiven Attacke gegen seinen hoch angesehenen Vorvorgänger Franz König - in Österreich spricht man schon von einer Desavouierung Königs - und die damalige Kirchenführung in Deutschland unter Kardinal Julius Döpfner.

O-Ton Schönborn: "Ich denke, auch wenn wir damals nicht Bischöfe waren, so müssen wir diese Sünde des europäischen Episkopats bereuen, der nicht den Mut hatte, Paul VI. mit aller Kraft zu unterstützen, denn heute tragen wir alle die Last der Konsequenzen dieser Sünde." Unter "Sünde" versteht Schönborn die "Maria Troster Erklärung" in Österreich und die "Königsteiner Erklärung" der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Darin hatten seinerzeit beide Episkopate bei grundsätzlicher Zustimmung zu den Aussagen von "Humanae vitae" über Liebe, Partnerschaft und Treue beim Thema Geburtenregelung die Gewissensentscheidung katholischer Paare, die "verantwortete Elternschaft" betont. Damit waren sie nach Meinung ihrer Kritiker von dem in der Enzyklika bekräftigten Verbot empfängnisverhütender Mittel abgewichen.

Schönborn griff diese Kritik auf und ergänzte sie um den Hinweis, dass nur der damalige Berliner Bischof, Kardinal Alfred Bengsch, eine andere Position eingenommen habe: "Er hatte einen Text für die Bischofskonferenz vorbereitet, der ein prophetischer Text war. Der Text ist verschwunden, und erschienen ist: die 'Königsteiner Erklärung', die die katholische Kirche in Deutschland geschwächt hat, das Ja zum Leben zu sagen." Kardinal Döpfner hingegen war auf "Königstein" stolz. Er blieb bei seiner Ansicht, damit der Kirche einen großen Dienst erwiesen zu haben.

An der Jerusalemer Konferenz nahm auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner teil, der wie Schönborn das Ohr von Benedikt XVI. hat. Meisner hat seit 2001 oft daran erinnert, dass vom verstorbenen Papst Johannes Paul II. mehrmals die Rücknahme von "Königstein" gefordert worden war. Auch Meisner verlangte eine "Korrektur". Denn die Erklärung von 1968 habe den Gebrauch empfängnisverhütender Mittel "gewissermaßen legitimiert". Das Dokument stehe am Anfang einer Kausalkette, die dem Leben nicht förderlich sei.

Dem Kölner Erzbischof ist es offenbar gelungen, eine Reihe von DBK-Mitgliedern zu überzeugen, dass darüber neuerlich diskutiert werden müsse. Dafür spricht die spontane Ankündigung des DBK-Vorsitzenden, Erzbischof Robert Zollitsch, man wolle über den gesamten Komplex von "Humanae vitae" nachdenken und einer einseitigen Interpretation als "Pillen-Enzyklika" entgegenwirken.

Bis zum Frühjahr 2009 muss Kardinal Karl Lehmann als Vorsitzender der Glaubenskommission der deutschen Bischöfe einen Text erarbeiten. Dies ist pikant. Denn Lehmann, der ehemalige Episkopatsvorsitzende, war in den vergangenen Jahren derjenige, der sich gegen die päpstlichen Wünsche zur Wehr setzte - und der von prononciert konservativer Seite am härtesten kritisierte Bischof. Johannes Paul II. hatte er schon 1987 klarzumachen versucht, dass es um eine pastorale Frage gehe: "Im Kern unserer Gemeinden sind beste Leute, Frauen und Männer, die halten sich nicht an das strikte Verbot, sondern leben anders. Und sie sind fest davon überzeugt, dass sie nicht schwere Sünder sind. Und vor diesem Problem standen die Leute 1968. Vor diesem Problem stehen wir noch heute. Man kann es nicht beiseiteschieben, indem man die 'Königsteiner Erklärung' einfach zurücknimmt." Der Papst antwortete: "Wenn nur die Lehre klar wäre!" Darauf wieder Lehmann: "Es hat auf die Dauer keinen Sinn, wenn die Kirche meint, die Lehre stimmt, aber die Leute handeln völlig anders. Mit solchen Unwahrhaftigkeiten kann man bei uns nicht leben."

Doch sagte Lehmann zu, bis zum 25. Jahrestag der Enzyklika deren Wirkungsgeschichte auszuloten. Das Versprechen löste er 1993 ein, der Text wurde dem Papst persönlich überbracht. Nur noch einmal, so Lehmann, habe ihn Johannes Paul II. auf den Komplex angesprochen. Doch die Wunde blieb offen, wie die Einlassungen des Wiener Kardinals zeigen. Via Schönborn kommt eine neue Druckwelle auf die deutschen Bischöfe zu.
German Kardinal Schönborn feiert mit 800 Jugendlichen Rockmesse
Nov 18, 2008
Startschuss zur diesjährigen Jugendgottesdienstreihe "find-fight-follow" am 16. November in Wolfsthal

Wien, 14.11.08 (KAP) In der Pfarrkirche Wolfsthal im Dekanat Hainburgöstlich von Wien findet am kommenden Sonntag, 16. November, der Startschuss zur Jugendgottesdienstreihe "find-fight-follow" im Schuljahr 2008/09 statt. Kardinal Christoph Schönborn wird mit rund 800 Jugendlichen zu rockigen Rhythmen die Messe feiern. Das Motto des Gottesdienstes, der um 18.30 Uhrbeginnt, lautet "icebreaker" ("Eisbrecher").

Thematisiert werde das "eisige" Verhältnis zwischen Kirche und Jugend, das aufgebrochen werden soll, heißt es in einer Ankündigung der Katholischen Jugend (KJ) der Erzdiözese Wien. Kardinal Schönborn und die Jugendlichen werden den Fragen nachgehen: "Was bewegt junge Leute, sich auf den Glauben einzulassen?" und "Was nehmen sie für ihr Leben von der Botschaft Jesu mit?".

Im Rahmen seiner Visitationen in der Region Hainburg wollte der Wiener Erzbischof auch einen Schwerpunkt im Bereich Jugend setzen. "Wir freuen uns sehr, dass es die Initiative zu diesem 'find-fight-follow'-Gottesdienst gegeben hat und die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Region Hainburg die Idee aufgegriffen haben", so Stephan Bazalka vom Koordinationsteam der Gottesdienstreihe.

Die Initiative "find-fight-follow" der Wiener KJ gibt es seit 2003. Bazalka: "Mit cooler Musik, einer verständlichen Sprache, kreativen Elementen und einer klaren, positiven Message wird für Jugendliche spürbar, dass es da einen Gott gibt, der ihre Lebenswelt kennt und ihnen etwas zu sagen hat. Die knallvollen Kirchen zeigen, dass das Konzept aufgeht."

Im kommenden Schuljahr steht erstmals auch ein Gottesdienst unter dem Namen "find-fight-follow" außerhalb der Erzdiözese Wien auf dem Plan: Anfang Dezember sollen Rock- und Pop-Klänge den Eisenstädter Dom zum Beben bringen. Gottesdienste nach dem gleichen Konzept gab es aber auch schon in Tirol und der Steiermark.
German Erschließen, verbreiten, bewahren
Nov 18, 2008
Die Stiftung „Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.“ stellt sich und ihre Ziele in München vor – „Keine Konkurrenz zum Regensburger Institut“

München (DT) Stiftungsrat, Vorstand und Kuratorium der „Joseph Ratzinger Papst Benedikt XVI.- Stiftung haben sich am vergangenen Mittwoch in der Katholischen Akademie München vorgestellt. Nach der gesungenen Vesper in der überfüllten Hauskapelle begrüßte der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung, Kardinal Christoph Schönborn aus Wien, die zahlreichen Gäste, unter denen sich auch der Erzbischof von Salzburg Alois Kothgasser, und der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke befanden. Kardinal Schönborn versteht sich nur als filius adoptivus des Schülerkreises von Joseph Ratzinger, da er in den Jahren 1972/73 als Gast am Doktorandenkolloquium in Regensburg teilgenommen hatte.

Die Vorstellung der Stiftung übernahm dann der Salvatorianerpater Stephan Horn, von 1972 bis 1977 Assistent bei Ratzinger in Regensburg. Der emeritierte Dogmatikprofessor ist der Vorsitzende der Stiftung. Horn und die anderen ehemaligen Ratzinger-Schüler „verspüren ihre Verantwortung, die Theologie von Joseph Ratzinger, die sie geprägt hat, für andere fruchtbar zu machen“. Zu den Themenbereichen aus dem umfangreichen theologischen Werk Joseph Ratzingers mit besonderer Bedeutung für die Gegenwart zählte Horn die Einheit von Theologie und Spiritualität, die Schöpfungstheologie, die eucharistische Ekklesiologie, das Verhältnis des Glaubens zur Vernunft und seine ökumenischen Ansätze. Als Stiftungsziele nannte Horn: „Theologie im Geiste von Joseph Ratzinger-Papst Benedikt fördern, ferner sein wissenschaftliches Werk und sein spirituelles Erbe erschließen und verbreiten und schließlich die Erinnerung an ihn bewahren.“

Neben der Unterstützung der wissenschaftlichen Erforschung des Werkes sieht Horn eine weitere Aufgabe darin, die Schriften Ratzingers „weiten Kreisen zugänglich“ zu machen. Daneben will die Stiftung sich bemühen: „Der Öffentlichkeit ein von gängigen Vorurteilen gereinigtes und echtes Bild ihres Lehrers zu vermitteln, darin sehen seine Schüler und die Stiftung eine besondere Berechtigung und Verpflichtung.“ Wie viel hätte daran gelegen, wäre dem Präfekten der Glaubenskongregation solche Unterstützung zuteil geworden, da er als „Mitarbeiter der Wahrheit“ einsam ging und kämpfte.

Während hier allgemein von der Förderung der Rezeption der Theologie des Papstes gesprochen wurde, ist soeben die erstmalige Publikation aller liturgischen Schriften Ratzingers unter dem Titel „Theologie der Liturgie“ mit dem ersten von sechzehn Bänden der Werkausgabe „Joseph Ratzinger Gesammelte Schriften“ durch das Regensburger „Institut Papst Benedikt XVI.“ erfolgt. Nicht ohne Brisanz ist die Ankündigung von Pater Horn, in Regensburg „zusammen mit der Katholisch-Theologischen Fakultät eine Gastprofessur zu errichten. Dabei ist jeweils an das Sommersemester gedacht. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, führten aber schon zu einem grundlegenden Konsens.“

In Salzburg soll der Sitz des Kuratoriums angesiedelt werden, wobei eine Zusammenarbeit mit dem „Internationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung, insbesondere mit der Initiative ,Scientia et Caritas‘“ vereinbart wurde. In Rom möchte die Stiftung in der „Casa Balthasar“, vage umschrieben als Haus für Studenten „die eine Art von Freijahr erleben, in welchem sie ihre spirituelle und kirchliche Berufung klären wollen, andererseits aber tiefer in die Theologie von Hans Urs von Balthasar und Henri de Lubac und auch von Joseph Ratzinger eindringen können“, ebenfalls ein Zentrum für das Werk des Papstes errichten. Als bereits weit fortgeschritten bezeichnete Horn die Aufzeichnung der Erinnerungen der Ratzinger-Schüler in Ton und Bild.

Dem emeritierten Dogmatikprofessor Siegfried Wiedenhofer, wissenschaftlicher Assistent bei Ratzinger von 1967 bis 1977 an den Universitäten Tübingen und Regensburg, war der Part zugedacht, in einem Kurzreferat „Schwerpunkte der Theologie“ seines Doktorvaters vorzustellen. Charakteristisch für Ratzinger sei das dialogische Denken, seine Theologie entwickle sich „nicht nur im Hören auf das, was die Quellen zu sagen haben, sondern auch im kritischen, zum Teil polemischen Gespräch mit anderen Auffassungen“. Zugleich gehöre zu Ratzingers Theologie eine „entschiedene Diagnose der Gegenwart als einer grundlegenden Übergangszeit und Krisensituation.“ Darum sei es Ratzinger immer auch um die Ganzheit des Glaubens und seine Wesensschau gegangen. Zum Wesen des Glaubens gehörten für Ratzinger der Wahrheitsanspruch des Christentums, die Geschichtlichkeit des Glaubens mit dem Höhepunkt in der Menschwerdung des ewigen Logos in der Person und Geschichte Jesu Christi, sowie die Personalität des Glaubens. Niemals sei es das Ziel ihres Lehrers gewesen, eine eigene theologische Schulrichtung zu begründen.

Die anschließenden fünf Statements betrachteten Lehre und Person des Papstes unter verschiedenen Perspektiven. Den Anfang machte Kardinal Schönborn, der sich seiner Aufgabe, den Lehrer Joseph Ratzinger zu beschreiben, durch die Schilderung der Bedeutung des Beitrages des Präfekten der Glaubenskongregation zur Entstehung des „Weltkatechismus“ entledigte. Vielfach habe Schönborn als Redaktionssekretär die Gabe Ratzingers bewundert, „eine Diskussion zusammenzufassen, sodass die Teilnehmer oft erst in seiner Synthese ihren eigenen Gesprächsbeitrag besser verstanden“.

Weihbischof Jaschke, er studierte bei Ratzinger in Münster und war sein Assistent in Tübingen und Regensburg von 1967 bis 1977, unterstrich, dass es Professor Ratzinger darum gegangen sei, die Einzelstimmen in der Geschichte der Theologie zusammenzuführen: Er habe bei seinen Schülern „Freude an den vielen Stimmen der Kirche geweckt und ihnen den Blick für die schöne Gestalt des Glaubens eröffnet.“ Daneben habe Professor Ratzinger auch seine Schüler als „vielstimmigen Chor erlebt – die Misstöne waren eher die Ausnahme –, und er hatte seine Freude daran. Seine lockere, fast spielerische Hand der Begleitung hat uns allen gut getan“.

Das Gewissen als einen zentralen Begriff für Theologie und Leben Joseph Ratzingers stellte der irische Steylerpater Vincent Twomey, er promovierte bei Ratzinger in Regensburg 1974, heraus: „Ratzinger hat das Gewissen primär als subjektive Fähigkeit verstanden, die sachliche oder objektive Wahrheit zu erkennen, eine Wahrheit, die oft nur mühsam erkennbar und immer persönlich herausfordernd ist.“ Als Vertreterin der jungen Theologengeneration sprach die promovierte Pastoraltheologin Michaela Hastetter. Mittels der Begriffe Klarheit, Schönheit und Einheit charakterisierte sie die Anziehungskraft des Denkens von Benedikt XVI.

Abschließend kam noch Prälat Michael Hofmann, der Vorsitzende des Stiftungsrates, zu Wort. Er unterstrich, dass kein Konkurrenzverhältnis zum Regensburger Institut Papst Benedikt XVI., dessen Direktor Professor Voderholzer unter den geladenen Gästen anwesend war, bestehe, da die Stiftung „eine eigene Prägung und Zielsetzung habe“. Es sei der Wunsch des Papstes gewesen, dass diese Stiftung, gegründet von Theologen, die bei ihm promoviert und (oder) habilitiert haben, Forschungsarbeiten junger Nachwuchswissenschaftler nicht nur auf dem Gebiet der systematischen Theologie, sondern auch in den Fächern Bibelwissenschaft, Patristik und Fundamentaltheologie unterstützen möge. Ein Anfang sei bereits in diesem August mit der Einladung von Promovenden nach Castel Gandolfo zum Treffen des Schülerkreises mit dem Papst gemacht worden. Dort hatten junge Theologen Gelegenheit, ihre Arbeiten auch dem Heiligen Vater kurz vorzustellen. An der Präsentation haben einige von ihnen ebenfalls teilgenommen.

Hofmann stellte das Erscheinen der bereits seit längerem angekündigten vollständigen Ratzinger-Bibliographie in Aussicht. Es bleibt zu hoffen, dass die verschiedenen Unternehmungen mit päpstlichem Segen zu einem fruchtbaren Miteinander finden mögen. Beim anschließenden Empfang vereinten sich Weggefährten des Papstes, Schüler ersten und zweiten Grades, junge und ältere Theologen, Gründer der verschiedenen Stiftungen in der sicheren Gewissheit, dass der Papst doch allen gehört. Gegenüber dem Barockdunkel vom Fass aus dem Regensburger Bischofshof bestanden sichtbar keinerlei Vorbehalte.
German Ist die Kirche noch bei Mariatrost?
Nov 18, 2008
Wirbel um Predigt Kardinal Schönborns zu "Humanae vitae".
Wiener Erzbischof spricht von "Sünde von uns Bischöfen".

Wien. Als "Sünde des europäischen Episkopats, der nicht den Mut hatte, Paul VI. mit Kraft zu unterstützen", hat Kardinal Christoph Schönborn das Verhalten europäischer Bischöfe im Jahr 1968 qualifiziert. In diversen Erklärungen zur gegen künstliche Empfängnisverhütung gerichteten Enzyklika "Humanae vitae" – in Österreich der "Mariatroster Erklärung" – hätten sie "den Sinn des Lebens im Volke geschwächt". Heute trügen "wir alle in unseren Kirchen und in unseren Diözesen die Last der Konsequenzen dieser Sünde".

Solche Aussagen des Wiener Erzbischofs in einer bereits im März in Jerusalem vor europäischen Bischöfen gehaltenen, aber erst kürzlich im vollen Wortlaut bekannt gewordenen Predigt erregen derzeit in der katholischen Kirche die Gemüter. "Das sind Sätze, die einen sprachlos machen", sagt der katholische Publizist Hubert Feichtlbauer, es sei "unglaublich, dass eine solche Rede so lange unbeachtet bleiben konnte, dass keiner der anwesenden Bischöfe, keine Presseagentur den Inhalt an die Öffentlichkeit brachte".

Im seinerzeitigen Bericht der Katholischen Presseagentur ("Kathpress") wurde aus Schönborns Predigt zitiert, Europa habe "dreimal Nein zu seiner eigenen Zukunft gesagt" – durch die Ablehnung von "Humanae vitae", durch die Freigabe der Abtreibung und durch das Zulassen von Homosexuellen-Ehen. Der Sündenvorwurf an jene Bischöfe und Bischofskonferenzen, die 1968 in eigenen Erklärungen zu "Humanae vitae" auch dem Gewissen der Eheleute Platz eingeräumt hatten, fiel dabei unter den Tisch. Viele wurden erst hellhörig, als die Predigt im Herbst auf der Homepage der Erzdiözese Wien (http://stephanscom.at) veröffentlicht wurde.

Erich Leitenberger, "Kathpress"-Chefredakteur und zugleich Pressesprecher Schönborns, meinte zur "Wiener Zeitung", man müsse die Übersetzung der auf Italienisch gehaltenen Predigt ins Deutsche mit Vorsicht genießen, womit er aber ziemlich allein steht. Die Mariatroster Erklärung der Österreichischen Bischofskonferenz sei jedenfalls, so Leitenberger, oft nicht im Sinne ihrer Autoren verstanden worden, die keineswegs "die Türen für eine bequeme Lösung aufmachen wollten".

Kritik an Kardinal König

Doch Schönborns Vorwurf gilt nicht einer leichtfertigen Rezeption dieser Erklärung, sondern den Verfassern, an deren Spitze immerhin Kardinal Franz König stand. Der Paudorfer Pfarrer Pater Udo Fischer ist "erschüttert, dass Schönborn Kardinal König ein Nein zum Leben unterstellt", König habe sicher nicht zu einem Dammbruch in Europa beigetragen. Fischer ist sicher, dass "Humanae vitae" heute niemanden mehr aufrege und weist darauf hin, dass die Geburtenrate gerade in besonders katholischen Ländern wie Italien oder Polen heute sehr niedrig sei.

Hubert Feichtlbauer findet es "ungeheuer, dass zu den drei großen Sünden gegen das Leben im vorigen Jahrhundert nicht der Weltkrieg und der Holocaust, sondern die Einstellung zu ,Humanae vitae‘ gezählt wird". Es zeuge von "Naivität", wenn man annehme, alles wäre in Ordnung, wenn damals alle Bischöfe auf einer Linie mit dem Papst gestanden wären. Feichtlbauers Fazit: "Man muss vom Kardinal verlangen, dass er klarstellt, ob er zu dieser Predigt steht, dass er auch öffentlich seine Anliegen thematisiert und nicht nur auf Italienisch im Kreis von Bischöfen."

Könnte Schönborn eine offizielle Revision der Mariatroster Erklärung in der Bischofskonferenz durchsetzen? Dazu Udo Fischer: "Alles ist möglich. Weil Bischöfe oft nicht auf die Bibel und die Leute schauen, sondern an ihre Karriere denken und daran, wie sie in Rom gut dastehen." Er vermutet, Schönborn wollte mit seiner Predigt Rom eine Freude machen.
German Mit find-fight-follow das Eis durchbrechen
Nov 17, 2008

Kardinal Schönborn feierte einen find-fight-follow-Gottesdienst mit 800 Jugendlichen in der Pfarrkirche Wolfsthal, in der eine blaue Eisschicht auf die Decke projiziert wurde. Der Rockgottesdienst sollte das Eis zwischen Kirche und Jugendlichen zum Schmelzen bringen.

"Kirche und Jugendliche, das ist oft ein eisiges Verhältnis", eröffnete Sabine Hackl, die 22-jährige Laienassistentin aus Scharndorf, am Sonntag, 16. November 2008, den ungewöhnlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche von Wolfsthal. In einer kurzen Videosequenz wurde mit den rockigen Klängen von "Ice, Ice, Baby" die Kluft zwischen Jugend und Kirche dargestellt.

In seiner berührenden Predigt erzählte Kardinal Christoph Schönborn, der dieses Jahr das Dekanat Hainburg visitierte und von dem die Initiative zu dem Rockgottesdienst ausgegangen war, von einer Eiszeit, die er persönlich erlebt hatte: der Scheidung seiner Eltern.

Zum "icebreaker" werden
Den Jugendlichen empfahl Kardinal Schönborn ein 3-Punkte-Programm, um selbst zum "icebreaker" zu werden: sich für andere zu interessieren, sich für etwas einzusetzen und Jesus kennen zu lernen. Die 800 überwiegend jugendlichen Besucher konnten mit dem dritten Punkt gleich beginnen: Ihre Bitten und Anliegen schrieben sie auf Kärtchen, banden sie an Luftballons und ließen sie in die Höhe steigen - die Eisschicht war durchbrochen.
German Fasziniert von der Theologie Joseph Ratzingers
Nov 14, 2008
Festakt zur Gründung der „Joseph-Ratzinger/ Papst-Benedikt XVI.-Stiftung“ in München

MÜNCHEN, 13. November 2008 (ZENIT.org).- Ein weit gefächertes Netzwerk hat sich mittlerweile zur Pflege und Förderung des Lebenswerkes von Joseph Ratzinger gebildet. Das bewies der gestrige abendliche Festakt in der Katholischen Akademie Bayerns.

In der Kapelle des Münchener Tagungshauses, die bis auf den letzten Platz besetzt war, leitete der Wiener Kardinal Christoph Schönborn den feierlichen Vespergottesdienst, der den Auftakt der anschließenden Vorstellung der Stiftung bildete, die der Ratzinger-Schülerkreis im Herbst letzten Jahres rechtswirksam begründet hatte.

Zur Gründung der Joseph-Ratzinger/ Papst-Benedikt-XVI.-Stiftung waren nicht nur Mitglieder des Schülerkreises, sondern auch Vertreter aller bayrischen Bistümer nach München gereist.

Kardinal Christoph Schönborn betonte in seinen Eröffnungsworten, wie sehr die Theologie Joseph Ratzingers „anzieht und aufrüttelt: Nach wie vor sind wir fasziniert“, so der Wiener Oberhirte. Er hoffe, das „sein theologisches Erbe und sein päpstliches Reformprogramm wurzeln schlägt" und innerlich angenommen werde.

„Joseph Ratzinger gehört zu den produktivsten Theologen der Gegenwart, wohl auch der Theologiegeschichte überhaupt“, erklärte Prof. Dr. Siegfried Wiedenhöfer in seinem Eröffnungsreferat. „Diese Theologie bedarf, wie jeder große geistige Impuls, damit er lebendig und wirksam bleibt, der Pflege, der Fortsetzung, der Auslegung, der Anwendung, der Konkretisierung, der Verteidigung, aber auch der Weiterführung, Auseinandersetzung und Kritik.“

Deshalb gibt es mittlerweile in Deutschland schon vier Einrichtungen, die einem solchen Vermächtnis gerecht werden wollen. Frau Alexa Künsberg als Vertreterin der von P. Eberhard Gemmingen, dem Leiter der deutschsprachigen Abteilung von Radio Vatikan gegründeten Benedictus-Stiftung, war ebenso zugegen wie die Mitarbeiter des Institutes Benedikt XVI. aus Regensburg unter der Führung von Prof. Dr. Vorderholzer und Vertretern der Stiftung, die sich um das Projekt des Geburtshauses von Joseph Ratzinger in Marktl am Inn kümmert.

Während die „Benedictus-Stiftung“ eine Organisation ist, die das Gedankengut von Papst Benedikt in Deutschland und letztlich in ganz Europa besser zur Geltung bringen will, dient die Einrichtung in Regensburg, die an diesem Abend mit ihrem ersten Band der jährlichen Mitteilungen des Instituts Papst Benedikt XVI. aufwartete, der Publikation des Gesamtwerkes von Papst Benedikt XVI. (Zenit berichtete).

Der Hamburger Weihbischof Dr. Hans Jochen Jaschke, der ebenfalls zu den rund 50 ehemaligen Doktoranden und Habilitanden Joseph Ratzingers gehört, lieferte in seinem Statement am gestrigen Abend den Schlüssel zu diesem Phänomen.

„Joseph Ratzinger/ Benedikt XVI. liebt die vielen Stimmen der Kirche. Jede von ihnen hat ihre eigene Note und soll sich so in das Ganze des Katholischen einfügen“, so Bischof Jaschke. „Die Kirche nimmt die vielen Stimmen auf, setzt sie nicht gegeneinander, sondern bringt sie so zusammen, dass eine Melodie - mit einem anderen Bild gesprochen, ein Mosaik - entstehen kann.“

Die neue Stiftung des Schülerkreises, die sich zum „Jungen Schülerkreis Papst Benedikt XVI.“ weitet, die sein Andenken wahren soll (ZENIT berichtete), atmet eindeutig den Geist ihres Lehrers: „Joseph Ratzinger hat bei seinen Schülerinnen und Schülern Freude an den vielen Stimmen der Kirche geweckt und ihnen den Blick für die schöne Gestalt des Glaubens geöffnet. Er hat auch die Schüler als vielstimmigen Chor erlebt“, so Bischof Jaschke.

„Die Misstöne waren wohl eher die Ausnahme, und er hatte seine Freude an der Vielstimmigkeit. Seine lockere, fast spielerische Hand in der Begleitung hat uns allen gut getan, und wir staunen immer wieder, dass er uns so gerne hat; dass er aus unserem Reden stets eine gute Zusammenfassung macht.“
German Kardinal Schönborn: Christen in die Politik!
Nov 12, 2008
Ergebnisse der Herbst-Vollversammlung der österreichischen Bischofskonferenz

WIEN, 7. November 2008 (ZENIT.org).- In schwierigen Zeiten könne der „Blick auf Christus“ helfen, Resignation und Orientierungslosigkeit abzuschütteln, bekräftigen die österreichischen Bischöfe. Mit Blick auf die weltweite Finanzkrise und die „resignative Grundstimmung“, die in weiten Teilen der Bevölkerung zu spüren sei, danken sie allen, die sich in der Politik für den Dienst am Gemeinwesen engagieren, und appellieren an die Christen, selbst Hand anzulegen.

„Es braucht mehr als bisher Frauen und Männer, die aus christlicher Überzeugung politische Verantwortung übernehmen und auf diese Weise eine unverzichtbare Mission erfüllen“, heißt es in einem neuen „Wort der Bischöfe zur aktuellen Situation in Kirche und Gesellschaft“. Das Dokument ist ein Ergebnis der Herbst-Vollversammlung der österreichischen Hirten, die gestern, Donnerstag, zu Ende gegangen ist. Ihr Vorsitzender, Christoph Kardinal Schönborn, betonte heute bei einer Pressekonferenz in Wien, dass die kommenden Generation nicht länger durch das Nicht-Lösen von Problemen belastet werden dürften.

Anstatt sich die Frage zu stellen: „Was tut die Republik für mich?“, sollte man sich fragen: „Was tue ich für die Republik?“, hob Kardinal Schönborn hervor.

Angesichts der gegenwärtigen Verhandlungen über die Bildung einer neuen Regierung erinnerte der Kardinal an mehrere Anliegen der Kirche, die wesentlich seien. Er kritisierte, dass die kirchlichen Forderungen im Bereich des Lebensschutzes (vgl. flankierende Maßnahmen) und im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit (Millenniums-Entwicklungsziele) von verschiedenen Regierungen zwar oft versprochen, aber nie verwirklicht worden seien. „Gerade in diesen Bereichen leistet die Kirche viel Hilfreiches für Staat und Gesellschaft, und sie bleibt ein verlässlicher Allianzpartner im Dienst für die Menschen und das Gemeinwohl.“

Andere wichtige Themen sind in den Augen von Kardinal Schönborn und den anderen österreichischen Bischöfen die Einführung der bedarfsorientierten Existenzsicherung, die Lösung des Pflegeproblems, die verstärkte Befassung mit Fragen der Integration und die Vorbereitung einer Steuerreform, die keine neue Schuldenlast nach sich zieht.

Besondere Dringlichkeit  sei angesichts der höchst bedrängenden demografischen Situation im Bereich des Lebensschutzes geboten. Es bedürfe „auch neuer Initiativen für ein unbedingtes ‚Ja zum Leben’ in allen Phasen. Dazu zählt die verstärkte materielle und immaterielle Unterstützung von Ehe und Familie als dauerhafte Gemeinschaft von Mann und Frau, die für Kinder offen ist.“

Große Aufgaben seien darüber hinaus die Förderung ganzheitlicher Bildungskonzepte unter Einbeziehung der religiös-ethischen Dimension, der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit und die immer größer werdende Armut, der Einsatz für die europäische Integration, die internationale Solidarität und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Schöpfung sowie der Einsatz für die weltweite Durchsetzung der Menschenrechte.

Bezug nehmend auf eine andere bischöfliche Erklärung, die ebenfalls heute veröffentlicht wurde, verwies Kardinal Schönborn auf die grundlegende Bedeutung des arbeitsfreien Sonntags, der „ein Geschenk des Christentums an die europäische Kultur und Sozialordnung“ sei. Würde der Sonntag, wie es jetzt den Anschein habe, auf europäischer Ebene ausgehöhlt werden, ginge sehr viel an Menschlichkeit verloren, warnte Schönborn. Der arbeitsfreie Sonntag sorge dafür, „dass das Miteinander möglich ist“. Er forderte die Pressevertreter dazu auf, sich für den Schutz der Sonntagsruhe einzusetzen.

Bei ihrer Herbst-Vollversammlung setzten sich die österreichischen Hirten auch mit der Situation der bedrängten Christen im Irak auseinander. Bischof Scharl hatte ihnen von seiner Reise in den Nordirak berichtet (ZENIT berichtete). Da das Martyrium dieser Menschen bis heute andauere, dürfe man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. „Die internationale Gemeinschaft muss dafür sorgen, dass die Christen wie alle anderen Bürger in Mossul und im ganzen Irak wieder sicher leben können“, fordern die Bischöfe in einer dritten Erklärung.

Kardinal Schönborn erwähnte in diesem Zusammenhang auch die dramatischen Vorgänge im indischen Bundesstaat Orissa, wo bisher mehr als 500 Christen getötet worden sind (ZENIT berichtete).

Rund 50.000 Christen sind auf der Flucht, und viele von ihnen leben in einem der 15 Flüchtlingslager, in denen es an Nahrungsmitteln und medizinischer Versorgung mangelt. Unter den Christen herrscht nach Angaben der Päpstlichen Missionswerke in Österreich (Missio) eine „Atmosphäre des Schreckens“: Niemand wage die Rückkehr in die Heimatorte, tausende Häuser seien zerstört worden.

Kardinal Schönborn bat deshalb um Unterstützung der neuen Missio-Spendenaktion, die ein Projekt des Bischofs von Berhampur, Sarat Chandra Nayak, unterstützt. Seine bettelarme Diözese liegt in dem am schlimmsten von den Verfolgungen betroffenen Bundesstaat Orissa.

„Ziel unseres Projektes ist, die Gewalt zu verhindern und ein friedliches und harmonisches Zusammenleben zwischen den in der Diözese lebenden Menschen mit unterschiedlichen Religionsbekenntnissen zu erreichen“, erklärte der Bischof. Zu diesem Zweck werden so genannte „Peace Committees“ in den Dörfern und Pfarreien gegründet, die von Experten in Bezug auf Dialog und Gewaltvermeidung geschult werden. Von der Arbeit dieser „Friedenskomitee“ werden nach Worten von Bischof Nayak alle Menschen profitieren.

„Wir müssen handeln, sonst wird unser sonst so harmonisches Zusammenleben zwischen den religiösen Gruppen von einzelnen Radikalen zerstört. Das darf nicht passieren“, bekräftigte er. Die meisten Nicht-Christen hegten keine Vorurteile gegen Christen. Deshalb müsse man unter diesen Wohlwollenden ein Bewusstsein für die Situation von Minderheiten in ihrer Umgebung schaffen.
German Kardinal Schönborn will Informationspflicht für Schwangere
Nov 12, 2008
Von "Familie" will Schönborn nur bei "dauerhafter Gemeinschaft von Mann und Frau" sprechen - Forderung nach Informationspflicht für Schwangere

Wien - Der Wiener Kardinal und Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz, Christoph Schönborn, wünscht sich von der nächsten Regierung die Lösung "brennender Fragen". "Wir können nicht die nächsten Generationen belasten mit der Nicht-Lösung der Probleme, die jetzt anstehen", sagte Schönborn bei einer Pressekonferenz am Freitag. Unter anderem drängt Schönborn auf die Einführung einer bedarfsorientierten Mindestsicherung, die Lösung der Pflegeproblematik und mehr Familienförderung.
Schönborn fordert Informationspflicht

Von der neuen Regierung fordert Schönborn unter anderem eine Informationspflicht über Hilfsmöglichkeiten für "Schwangere in Notsituationen" vor Abtreibungen. Eine verpflichtende Schwangeren-Beratung wie in Deutschland, wo sich die katholische Kirche 2002 nach einer Weisung aus Rom aus der Beratung zurückgezogen hat, lehnt Schönborn ab. Mit Blick auf die EU-Arbeitszeitrichtlinie drängte der Kardinal außerdem auf die Verteidigung des arbeitsfreien Sonntags.

Als Familie gelten nur Gemeinschaften von Mann und Frau

Für Familien verlangte Schönborn mehr "materielle und immaterielle" Förderung. Allerdings lässt der Kardinal nur die "dauerhafte Gemeinschaft von Mann und Frau, die für Kinder offen ist" als Familie gelten. Alleinerzieherinnen fallen damit offenbar nicht unter den katholischen Familienbegriff. Schönborn bekräftigte auf Nachfrage jedenfalls, dass beim Fehlen der Gemeinschaft von Mann und Frau nicht von Familie gesprochen werden könne. (APA)
German Schönborn zum Gedenken des Novemberpogroms: "Wie war das möglich?"
Nov 11, 2008
Ökumenischer Gedenkgottesdienst in der Wiener Ruprechtskirche zum 70. Jahrestag der Pogrome am 9. November 1938 - "Gedenken heißt, auf das Gewissen hinzuhören"

Wien, 10.11.08 (KAP) "Wie war das möglich?" Diese Frage stellte Kardinal Christoph Schönborn am Sonntagabend in der Wiener Ruprechtskirche in den Mittelpunkt seiner Meditation beim ökumenischen Gedenkgottesdienst zum 70. Jahrestag der NS-Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung vom 9. November 1938. Jeder müsse sich fragen, "wassind das für Abgründe im Menschen, dass so etwas geschehen kann", sagte Kardinal Schönborn. "Viel zu lange" sei in Österreich über die Schuld von damals geschwiegen worden, betonte der Wiener Erzbischof. Aber es gehe nicht an, "wegzuschauen", andere zu beschuldigen und sich selbst unschuldig zumachen.

Gedenken heiße, auf das Wort Gottes zu lauschen, auf das Gewissen hinzuhören und "auf das ewige Gesetz der Würde des Menschen", sagte Kardinal Schönborn. Dies bedeute zugleich die Verpflichtung, heute zu reden, "wo die Würde des Menschen und die Gerechtigkeit" missachtet werden.

Je deutlicher auf die Vorgänge von damals geschaut werde, umso tiefer müsse freilich auch das Schweigen werden, betonte der Wiener Erzbischof unter Hinweis auf die Äußerungen des jüdischen Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel. Dem aus Rumänien stammenden Literaten ist die Feststellung zu verdanken: "Ich glaube, allesüber die letzten Stunden der Opfer zu wissen, ich werde nichts darüber sagen".

Gedenken müsse freilich auch heißen, sich vor jenen zu verbeugen, "die anders gehandelt haben, die den Opfern in die Augen schauten, die sich getraut haben, eine Hand des Mitgefühls auszustrecken", so Kardinal Schönborn.
German Gedanken zum Evangelium am 32. Sonntag im Jahreskreis
Nov 09, 2008
Kardinal Christoph Schönborn schreibt über das Evangelium von der Vertreibung der Händler aus dem Tempel: "Für Jesus war der Tempel einfach 'das Haus meines Vaters'. Alles, was dieses Haus entwürdigte, hat Seinen 'heiligen Zorn' geweckt. Von Kind an war der Tempel in Jerusalem die Mitte seines religiösen Lebens."

Das Haus meines Vaters

Die Kirche meiner Kindheit ist mir unvergesslich in Erinnerung. Die vielen Bilder und Statuen. Der unverwechselbare Geruch. Und das Ahnen einer Gegenwart, verbunden mit dem kleinen roten Licht neben dem Tabernakel. Die Kirche war immer offen, so konnten wir als Kinder auch gelegentlich einfach so in die Kirche hineinschauen, und zu schauen gab es viel. Die Kirche meiner Kindheit ist mir unvergesslich!

In den siebziger Jahren wollte man sie "modernisieren". All den "alten Plunder" aus dem 19. Jahrhundert wollten einige besonders "Fortschrittliche" hinausschmeißen.

Ich habe damals einen leidenschaftlichen Kampf begonnen, mit anderen gemeinsam: Rührt nicht an unsere Kirche! Wir lieben sie so, wie die Vorfahren sie liebevoll ausgestattet hatten. Sie blieb erhalten, und heute kommen die Menschen von weither, um dieses Gotteshaus zu bewundern.

Das heutige Evangelium hat in mir die Erinnerung an diese leidenschaftliche Liebe zu unserer Kirche wachgerufen. Die Liebe Jesu zum Tempel in Jerusalem kann ich so ein wenig besser verstehen. Für Ihn war der Tempel einfach "das Haus meines Vaters". Alles, was dieses Haus entwürdigte, hat Seinen "heiligen Zorn" geweckt.
Von Kind an war der Tempel in Jerusalem die Mitte seines religiösen Lebens. Dorthin haben Maria und Joseph ihn 40 Tage nach seiner Geburt zum ersten Mal gebracht. Dort blieb er als Zwölfjähriger zurück, bis seine besorgten Eltern ihn nach drei Tagen fanden. Dorthin zog er Jahr für Jahr mit den Eltern und Verwandten, um als Pilger die großen Feste mitzufeiern. Im Tempel hat er gelehrt, geheilt, diskutiert, als er seine öffentliche Tätigkeit begann. Der Tempel war die Mitte seines Lebens und Betens.

Deshalb unternahm er die heftige Aktion, die heute im Evangelium berichtet wird. Tempelreinigung! Hinaus mit dem ganzen Rummel an Händlern, Geldwechslern, Verkäufern, die den Tempel in einen Basar verwandeln! Kein Wunder, dass diese Aktion ihm nicht das Wohlwollen der Tempelautoritäten einbrachte! Wer gibt dir das Recht, so zu handeln?

Jesu Antwort ist rätselhaft: "Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten." Der prächtige Tempel in Jerusalem wurde tatsächlich niedergerissen, nach der Eroberung Jerusalems im Jahre 70 durch die Römer. Bis heute ist es ein großer Schmerz für das jüdische Volk, dass nur einige Grundmauern übrigblieben (die" Klagemauer"!).

Jesus aber meinte einen anderen Tempel. Auch der wurde zerstört. Er selber ist dieser Tempel, Sein Leib. Aber diese "Zerstörung" hielt nicht an. Nach drei Tagen wurde er "wiedererrichtet": Jesu Auferstehung! Dieser Tempel ist überall, weil Jesus bei uns ist, alle Tage.

Das macht unsere Kirchen so kostbar. Sicher: Viele sind kunsthistorisch interessant. Aber nicht deshalb ist mir die Kirche meiner Kindheit so lieb. Warum ich so unvergessliche Erinnerungen habe? Ich glaube vor allem, weil ich sie als "das Haus meines Vaters" erleben durfte, den Ort erster kindlicher Gottbegegnung. Hier habe ich zu ahnen, zu glauben gelernt, dass Jesus wirklich bei uns ist. Das ist unvergesslich.
German Gedanken zum Evangelium am 32. Sonntag im Jahreskreis
Nov 09, 2008
Kardinal Christoph Schönborn schreibt über das Evangelium von der Vertreibung der Händler aus dem Tempel: "Für Jesus war der Tempel einfach 'das Haus meines Vaters'. Alles, was dieses Haus entwürdigte, hat Seinen 'heiligen Zorn' geweckt. Von Kind an war der Tempel in Jerusalem die Mitte seines religiösen Lebens."

Das Haus meines Vaters

Die Kirche meiner Kindheit ist mir unvergesslich in Erinnerung. Die vielen Bilder und Statuen. Der unverwechselbare Geruch. Und das Ahnen einer Gegenwart, verbunden mit dem kleinen roten Licht neben dem Tabernakel. Die Kirche war immer offen, so konnten wir als Kinder auch gelegentlich einfach so in die Kirche hineinschauen, und zu schauen gab es viel. Die Kirche meiner Kindheit ist mir unvergesslich!

In den siebziger Jahren wollte man sie "modernisieren". All den "alten Plunder" aus dem 19. Jahrhundert wollten einige besonders "Fortschrittliche" hinausschmeißen.

Ich habe damals einen leidenschaftlichen Kampf begonnen, mit anderen gemeinsam: Rührt nicht an unsere Kirche! Wir lieben sie so, wie die Vorfahren sie liebevoll ausgestattet hatten. Sie blieb erhalten, und heute kommen die Menschen von weither, um dieses Gotteshaus zu bewundern.

Das heutige Evangelium hat in mir die Erinnerung an diese leidenschaftliche Liebe zu unserer Kirche wachgerufen. Die Liebe Jesu zum Tempel in Jerusalem kann ich so ein wenig besser verstehen. Für Ihn war der Tempel einfach "das Haus meines Vaters". Alles, was dieses Haus entwürdigte, hat Seinen "heiligen Zorn" geweckt.
Von Kind an war der Tempel in Jerusalem die Mitte seines religiösen Lebens. Dorthin haben Maria und Joseph ihn 40 Tage nach seiner Geburt zum ersten Mal gebracht. Dort blieb er als Zwölfjähriger zurück, bis seine besorgten Eltern ihn nach drei Tagen fanden. Dorthin zog er Jahr für Jahr mit den Eltern und Verwandten, um als Pilger die großen Feste mitzufeiern. Im Tempel hat er gelehrt, geheilt, diskutiert, als er seine öffentliche Tätigkeit begann. Der Tempel war die Mitte seines Lebens und Betens.

Deshalb unternahm er die heftige Aktion, die heute im Evangelium berichtet wird. Tempelreinigung! Hinaus mit dem ganzen Rummel an Händlern, Geldwechslern, Verkäufern, die den Tempel in einen Basar verwandeln! Kein Wunder, dass diese Aktion ihm nicht das Wohlwollen der Tempelautoritäten einbrachte! Wer gibt dir das Recht, so zu handeln?

Jesu Antwort ist rätselhaft: "Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten." Der prächtige Tempel in Jerusalem wurde tatsächlich niedergerissen, nach der Eroberung Jerusalems im Jahre 70 durch die Römer. Bis heute ist es ein großer Schmerz für das jüdische Volk, dass nur einige Grundmauern übrigblieben (die" Klagemauer"!).

Jesus aber meinte einen anderen Tempel. Auch der wurde zerstört. Er selber ist dieser Tempel, Sein Leib. Aber diese "Zerstörung" hielt nicht an. Nach drei Tagen wurde er "wiedererrichtet": Jesu Auferstehung! Dieser Tempel ist überall, weil Jesus bei uns ist, alle Tage.

Das macht unsere Kirchen so kostbar. Sicher: Viele sind kunsthistorisch interessant. Aber nicht deshalb ist mir die Kirche meiner Kindheit so lieb. Warum ich so unvergessliche Erinnerungen habe? Ich glaube vor allem, weil ich sie als "das Haus meines Vaters" erleben durfte, den Ort erster kindlicher Gottbegegnung. Hier habe ich zu ahnen, zu glauben gelernt, dass Jesus wirklich bei uns ist. Das ist unvergesslich.
German "Die Liebe ist stärker als der Tod"
Nov 09, 2008
Wortlaut der Predigt von Kardinal Christoph Schönborn im Wiener Stephansdom beim Requiem für Altbürgermeister Helmut Zilk

Gelobt sei Jesus Christus!

Viele trauern um Helmut Zilk. Viele haben ihn geschätzt, gemocht, geliebt. Aber niemand trauert so um Helmut Zilk wie seine Frau Dagmar. Niemand hat ihn so geliebt wie sie. Ihr gilt mein herzliches Mitgefühl, mein Beileid. Wir beten in dieser Stunde für ihn, der jetzt "auf der anderen Seite des Weges" ist, wie Charles Péguy sagt, der auf dem Sterbebild zitiert wird. Wir beten für ihn, dass er gut hinüberkommt, heim zum lieben Gott! Und wir beten für sie, seine Frau, die nun den Weg ohne ihn gehen muss, den sie in einer selten starken Liebe gemeinsam fast 40 Jahre lang gegangen sind.

Werter Herr Bundespräsident, werte Mitglieder der Bundesregierung, werter Herr Bürgermeister, Vertreter von Land, Stadt und Bund, Freunde des Stephansdoms, für den Helmut Zilk eine Hilfsaktion gegründet hat - "Rettet den Stephansdom" (heute: "Unser Stephansdom") - , ohne deren Hilfe (gemeinsam unternommen mit Kardinal Hans Hermann Groer) der Dom heute nicht so gut dastünde, liebe Freunde von Helmut Zilk!

1991 heirateten die beiden kirchlich. Recht heimlich. Kardinal Groër traute sie in der Kapelle des erzbischöflichen Palais. Helmut Zilk sagte vor zwei Jahren dazu: "Für uns trifft ganz bestimmt zu, was die Kirche für den heiligen Bund der Ehe vorgesehen hat: Einander zu lieben, bis dass der Tod uns scheidet" (Helmut Zilk. Meine drei Leben, Amalthea 2007, S. 103).

Ja, sie haben sich bis zuletzt geliebt, bis zum Tod. Der Tod hat sie jetzt getrennt. Nie spürt man den Tod grausamer, als wenn er Liebende trennt. Daran sehen wir, dass die Liebe sich nicht mit dem Tod abfinden kann. "Die Liebe hört niemals auf", sagt der Apostel Paulus. Und das Hohelied, das große Liebesgedicht im Alten Testament, sagt: "Stark wieder Tod ist die Liebe. Ihre Gluten sind Feuersgluten. auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg".

Ich habe nie ganz verstanden, warum es bei der Ehe heißt: ". bis dass der Tod euch scheidet". Es stimmt: der Tod trennt schmerzlich. Aber hört die Liebe mit dem Tod auf? Dauert sie nur so lange bis der Tod die Liebenden scheidet? Nein, die Liebe ist stärker als der Tod. Das sieht man an großen Liebenden. Ich erinnere mich an eine Begegnung mit Franziska Jägerstätter, der Witwe von Franz Jägerstätter, den die Nazis 1943 umgebracht haben, weil er aus Gewissensgründen sich entschlossen hatte: "Ich kann nicht zugleich dem Dritten Reich und dem Reich Christi dienen". Ich war mit Jugendlichen bei ihr und die jungen Leute haben Franziska Jägerstätter gefragt, wie er denn war, der Franz. Sie ist leicht errötet und sagte: Er war sehr fesch! Bei dieser schon 60 Jahre als Witwe lebenden Frau spürten die Jugendlichen: diese Liebe ist nie gestorben! Sie lebt auch über den Tod hinaus!

Was hält die Liebe lebendig? Warum stirbt bei vielen die Liebe schon zu Lebzeiten? Warum ist die "Halbwertszeit" von vielen Beziehungen heute so erschreckend kurz geworden? Warum rennen Menschen, die einander geliebt haben, so schnell wieder auseinander, wenn Schwierigkeiten auftauchen? Was braucht es,dass die Liebe hält?

Die Worte der Heiligen Schrift von heute - es sind einfach die Tageslesungen der Kirche für den heutigen Samstag, wir haben sie nicht eigens ausgesucht - geben wertvolle Hinweise. Sie sagen Wichtiges über eine tragfähige, haltbare Liebe.

1. Jesus sagt etwas, das wir im Leben von Helmut Zilk bestätigt finden: "Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen. Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer wahres Eigentum geben?"

Zuverlässig im Kleinen. Davon lebt die Liebe! Von den vielen kleinen Gesten der Aufmerksamkeit. Sie sind das Lebenselixier einer Beziehung. Und sie sind das Geheimnis echter Beliebtheit. Helmut Zilk hat seine Beliebtheit bei den Wienern vor allem durch seine vielen wachen Gesten der Aufmerksamkeit gewonnen. Er sagt selber: "Große Überlegungen sind wichtig, Pläne sind wichtig, Netzwerke sind wichtig. Aber unersetzlich bleibt die persönliche Zuwendung. Das ist das beste Netzwerk, nämlich ein moralisches Netzwerk". Und er fügt hinzu, das gelte für den Lehrer genauso wie für den Politiker und für jede Führungspersönlichkeit: "Motivation, Aufmerksamkeit oder ein Dankeschön sind kleine Gesten mit riesengroßer Wirkung. Die Zuwendung, die man Menschen geschenkt hat, kommt im Lauf eines Lebens tausendfach zurück" (Helmut Zilk. Meine drei Leben, S. 112). Diese Tage des Abschieds in Wien zeigen beeindruckend, dass seine Zuwendung zu den Menschen wirklich tausendfach zurückkommt. Da können wir von Helmut Zilk wirklich lernen!

2. In der Lesung verrät uns der Apostel Paulus ein zweites "Rezept" gegen das Absterben der Liebe, wie sie frisch bleiben kann: "Ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden: Ich weiß Entbehrungen zu ertragen, ich kann im Überfluss leben. In jedes und alles bin ich eingeweiht: Im Sattsein und Hungern, Überfluss und Entbehrung. Alles vermag ich durch Ihn, der mir Kraft gibt".

Paulus - ein echter Lebenskünstler! Helmut Zilk hätte ihn sicher in seine Sendung gebeten! Ja, sich in jeder Lage zurechtzufinden, das ist eine große Kunst, die Helmut Zilk meisterhaft beherrschte. Viel davon verdankt er, wie er immer betonte, seinem Vater, den er "abgöttisch" liebte. Auch Kardinal Franz König habe seinLeben stark beeinflusst. Er "hat mich verstehen und verzeihen gelehrt" (a.a.O., S. 19). Wer große Vorbilder hat, tut sich im Leben leichter. Wer echte Freunde hat, echte, die nicht davonlaufen, wenn es eng wird, der findet sich auch in schwierigen Lagen zurecht.

Aber alles das ist noch zu wenig. Es braucht auch das Gottvertrauen. Den Glauben. Helmut Zilk war kein Musterkatholik. Aber er war ein Christ, der wusste, was Paulus eben sagte: "Alles vermag ich durch Ihn, der mir Kraft gibt". Das hat er nie verschwiegen. Er hat sich nicht geniert, bei der Fronleichnamsprozession mitzugehen. Er hat seinen Glauben nicht versteckt. Nie ist das bewegender zum Ausdruck gekommen, als in der Pressekonferenz nach dem Briefbombenattentat, das so ein tiefer Einschnitt in seinem Leben war. Alle erinnern sich an den Moment, als er das Kreuz hochhob, das Dagmar Koller ihm ins Spital gebracht hatte, und dazu sagte: ". unser Leben ist in Gottes Hand, nicht in der Hand vom Zilk, vom Mayr und nicht in der Hand vom Löschnak und auch nicht vom Bögl, der da hinten steht. Es ist in Gottes Hand. Und dazu kann jeder was beitragen, indem man vielleicht ein Quäntchen mehr an Vorsicht walten lässt.".

Ja, "alles vermag ich durch Ihn, der mir Kraft gibt". Dieses Gottvertrauen hat ihm und seiner Frau die Kraft gegeben, in den gesundheitlich schweren Jahren seit dem Attentat durchzuhalten, weiterzumachen, bis zu dem Moment, da es mit dem irdischen Weg zu Ende ging. Gott gibt die Kraft, am Leben festzuhalten, Er gibt auch die Kraft, loszulassen.

Loslassen! Nicht ins Leere hinein. Sondern ins Leben hinein. Ins ewige Leben. Wir können es uns nicht vorstellen. Wir können auch hier nur vertrauen. Jesus sagt heute im Evangelium den berühmten Satz: "Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es mit euch zu Ende geht". Geld ist kein Selbstzweck. Das sehen wir in diesen Tagen, in denen die giftigen Blasen der wilden, hemmungslosen Geldspekulationen platzen. Geld soll dienen. Zum Leben. Zum Helfen. Zum guten Nutzen. Helmut Zilk hat es verstanden, seine Möglichkeiten und Mittel als Fernsehmann, als Minister, als Bürgermeister, einzusetzen, um zu helfen (Stichwort: "Ombudsman"!), zu fördern, zu unterhalten (was ja auch etwas Gutes sein kann!) und vieles ins Licht der Wahrheit zu stellen. Das hat ihm nicht immer Freunde gebracht. Und doch gilt für ihn in besonderer Weise Jesu Wort: Macht euch Freunde mit den irdischen Möglichkeiten. Viele Freunde trauern um ihn. Freunde, die er gewonnen hat, weil er sich ihnen zugewendet hat und weil er ihnen treu geblieben ist. Solchen hat Jesus versprochen, dass sie aufgenommen werden in die ewigen Wohnungen, wenn es auf Erden zu Ende geht.

Lieber Gott, wir bitten Dich, mache wahr, was du versprochen hast. Mache es wahr für Helmut Zilk. Lass ihn gut ankommen am Ziel seiner Pilgerschaft: bei Dir, daheim! Und uns allen, die wir noch unterwegs sind, uns armen, sündigen Pilgern, gib gute Helfer, Freunde, hier auf Erden und dort im Himmel, die auch uns helfen, gut ans Ziel zu kommen. Amen.
German Schönborn besorgt um Demokratie
Nov 07, 2008
„Resignative Grundstimmung“ in Bevölkerung sei ernsthafte Gefahr.

Wien (APA). Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, wünscht sich von der nächsten Regierung die Lösung „brennender Fragen“. „Wir können nicht die nächsten Generationen belasten mit der Nichtlösung der Probleme, die jetzt anstehen“, sagte Schönborn am Freitag. Unter anderem drängt er auf mehr Geld für die Entwicklungshilfe, die Einführung einer bedarfsorientierten Mindestsicherung, die Lösung der Pflegeproblematik und mehr Familienförderung.
Nach dem Scheitern der bisherigen Koalition zieht Schönborn ernüchternd Bilanz. „In weiten Teilen der Bevölkerung ist eine resignative Grundstimmung zu spüren, die die Fundamente der Demokratie ernsthaft gefährden kann.“

Für Familien verlangte Schönborn „materielle und immaterielle“ Förderung. Gegenüber islamischen Zuwanderern warb er für Toleranz. „Wir haben in den 60er- Jahren die Vorfahren dieser Mitbürger als Gastarbeiter eingeladen.“ Außerdem hätten die Gastarbeiter nicht wenig zum „Aufschwung Österreichs“ beigetragen.
German Schöpfung, Evolution und Vernunft"
Nov 06, 2008
Wortlaut des Vortrags von Kardinal Schönborn bei der Vollversammlung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften am 31. Oktober 2008 über die Aussagen Joseph Ratzingers/Papst Benedikts XVI. zum Themenkreis "Schöpfung und Evolution"

Vatikanstadt (KAP) Die diesjährige Vollversammlung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften vom 30. Oktober bis 3. November 2008 war dem Thema "Wissenschaftliche Einsichten in die Evolution von Universum und Leben" gewidemt. Der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, gab dabei in einem Vortrag einen vielbeachteten Überblick über die Stellungnahmen Joseph Ratzingers/Benedikts XVI. zum Thema "Schöpfung und Evolution". "Kathpress" dokumentiert den Wortlaut des Vortrags:
Verehrter Herr Präsident!

Eminenzen! Exzellenzen! Meine Damen und Herren!

Ich danke für die ehrenvolle Aufgabe, Ihnen ein wenig das Denken von Papst Benedikt XVI., von Professor Joseph Ratzinger über das Thema "Evolution und Schöpfung" vorzustellen. Der große Theologe auf dem Stuhl Petri hat sich von früh an oft zu diesem Thema geäußert. In meiner Einführung in die Akten des Kolloquiums seines Schülerkreises, das im Herbst 2006 in Castel Gandolfo stattfand, habe ich bereits einige der wichtigsten Wortmeldungen des heutigen Papstes in chronologischer Folge zusammengestellt (Schöpfung und Evolution. Eine Tagung mit Papst Benedikt XVI. in Castel Gandolfo, Augsburg 2007, 7-22). Heute geht es darum, diese Aussagen ein wenig systematisch zu ordnen und thematisch zu gliedern. Dadurch soll ihre Tragweite deutlicher sichtbar werden, die weit über die Einzelfrage der Evolutionstheorie hinausgeht.

1. Die Regensburger Vorlesung und ihre bleibende Herausforderung

Einen Tag nach "September Eleven" des Jahres 2006 hielt Papst Benedikt in seiner ehemaligen akademischen Wirkungsstätte, an der Universität Regensburg, eine Vorlesung, einen Vortrag, der weitreichende Folgen hatte. Zuerst die heftigen Aufregungen in großen Teilen der islamischen Welt, mit Ausschreitungen bis hin zu Morden an Christen. Dann aber eine bis heute anhaltende positive Welle der Dialogbereitschaft in bestimmten Kreisen des Islam, besonders artikuliert in dem Brief der 138 islamischen Gelehrten an den Papst und die Oberhäupter der christlichen Kirchen über die gemeinsame Verantwortung von Christen und Muslimen für Frieden und Gerechtigkeitin der Welt.

Inzwischen hat es sich aber herumgesprochen, dass die Regensburger Vorlesung nicht primär dem Thema Islam galt, sondern der Frage, wie Religion und Vernunft sich zueinander verhalten. Das berühmt gewordene Zitat des byzantinischen Kaisers Manuel II. besagt, es sei "vernunftwidrig", es sei nicht "syn logô", einen Andersgläubigen mit Gewalt zum eigenen Glauben zu nötigen. Durch Gewalt zu bekehren, sei gegen die Vernunft und daher dem Wesen Gottes zuwider.

Mit dieser Aussage des Kaisers sei die Frage nach dem Verhältnis von Vernunft und Religion angesprochen. Um diese Frage ging es dem Papst in seiner Regensburger Vorlesung. Und damit ist auch das Thema meiner Darlegung genannt. Für Papst Benedikt steht die Debatte um Evolutionstheorie und Evolutionismus ganz in diesem Horizont. Wie wir sehen werden ist für ihn die entscheidende Frage, ob am Anfang der Logos oder die Un-Vernunft steht. Mit Berufung auf den Prolog des Johannesevangeliums sagt der Papst:

"Im Anfang war der Logos. Dies ist genau das Wort, das der Kaiser gebraucht: Gott handelt syn logô, mit Logos. Logos ist Vernunft und Wort zugleich -- eine Vernunft, die schöpferisch ist und sich mitteilen kann, aber eben als Vernunft" (Glaube und Vernunft. Die Regensburger Rede, Freiburg 2006, 18).

Teilt sich eine schöpferische Vernunft mit, als Vernunft? Und ist sie als Vernunft von unserer Vernunft erkennbar? Und das nicht nur im engen Rahmen einer bestimmten Kultur, etwa der westlich-abendländischen, sondern so, dass über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg ein Dialog möglich ist. Einen Dialog der Kulturen kann es ernsthaft nur geben, wenn die Vernunft jene Weite hat, durch die sie über die Grenzen hinausreicht, in denen wir alle unweigerlich leben und denken. Ein wesentliches Anliegen der Regensburger Vorlesung war es, die Bedingungen der Möglichkeit eines echten interkulturellen und interreligiösen Dialogs auszuloten. Ich habe den Eindruck, dass manche islamische Gelehrte diese Herausforderung deutlicher verstanden haben als westliche Kommentatoren.

Doch was hat das mit unserem Thema "Evolution und Schöpfung" zu tun? Die Auseinandersetzung mit dem Vernunftbegriff führt Papst Benedikt auch zum Vernunftbegriff, wie er in den Naturwissenschaften gebraucht bzw. vorausgesetzt wird. In der Regensburger Rede geht es dem Papst um eine Art "Selbstkritik der modernen Vernunft", nicht um "wieder hinter die Aufklärung zurück(zu)gehen", sondern "um Ausweitung unseres Vernunftbegriffs und -gebrauchs geht es" (a.a.O., S. 29).

Diese Selbstkritik der modernen Vernunft enthält auch eine Kritik an einem positivistischen Vernunftverständnis, das weitgehend die westliche Welt beherrscht und auch oft als das spezifisch naturwissenschaftliche Vernunftverständnis gilt. Dem gegenüber versucht Papst Benedikt in den Voraussetzungen der naturwissenschaftlichen Rationalität gerade die Spuren des von ihm gesuchten weiteren Vernunftverständnisses zu orten.

Ich bin mir bewusst, dass diese Überlegungen nicht die des naturwissenschaftlichen Alltags sind, und dass es eine gewisse Abneigung gegen diese grundlegenden, gewissermaßen metaphysischen Fragen gibt, die hier zur Sprache kommen. Aber Papst Benedikt sagt, Sokrates zitierend, dass diese Fragen nicht zu stellen großen Schaden bringe. Wagen wir also, sie zu stellen. Es lohnt sich sicher!

2. Die Verengung des Vernunftbegriffes

Der Hauptteil der Regensburger Vorlesung ist dieser Frage gewidmet: Wie kam es zur Verengung des Vernunftbegriffs, die Papst Benedikt als Signatur der Neuzeit sieht?

Die erste Verengung sei durch den Nominalismus gekommen. Dieser rückt die Transzendenz Gottes in solch unnahbare Ferne, "dass auch unsere Vernunft, unser Sinn für das Wahre und Gute kein wirklicher Spiegel Gottes mehr sind, dessen abgründige Möglichkeiten hinter seinen tatsächlichen Entscheidungen für uns ewig unzugänglich und verborgen bleiben" (a.a.O., S. 21). Gottes schöpferische Vernunft spricht nicht mehr aus seinen Werken. Diese sind willkürliche Setzungen, die nicht Gottes Weisheit und Vernunft widerspiegeln, sie sind unergründbar willkürliche Setzungen der göttlichen Allmacht.

In der Reformation werden dann konsequenterweise Glauben und Vernunft entkoppelt. Der Glaube stützt sich alleine auf die Schrift (sola scriptura), die Vernunft wird "säkularisiert". Sie wird immer mehr auf das beschränkt, was als "streng wissenschaftlich" gilt, was dem Kanon moderner Wissenschaftlichkeit entspricht. "Die eigentlich menschlichen Fragen, die nach unserem Woher und Wohin, die Fragen der Religion und des Ethos" finden daher im Raum der "wissenschaftlichen" Vernunft keinen Platz mehr "und müssen ins Subjektive verlegt werden" (a.a.O., S. 27).

Papst Benedikt sieht in dieser Verengung eine echte Gefahr für beide Seiten; die Religion ist bedroht von irrationalen "Pathologien" (a.a.O., S. 27); die Wissenschaft leidet Schaden, wenn "ihr die Fragen der Religion und des Ethos nicht mehr zugehören" (a.a.O., S. 28).
Die Antwort auf diese "Pathologien der Religion und der Vernunft" (a.a.O., 27f) liegt nicht in der Rücknahme der Vernunft, sondern in der schon zitierten "Ausweitung unseres Vernunftbegriffs und -gebrauchs" (a.a.O., S. 29). Das erfordert die Überwindung der "selbstverfügte(n) Beschränkung der Vernunft auf das im Experiment Falsifizierbare" (a.a.O., S. 29f).

Den Weg zu dieser Öffnung der Vernunft auf "ihre ganze Weite" hin sieht Papst Benedikt als eine Möglichkeit, die die moderne naturwissenschaftliche Vernunft in sich selber trägt (vgl. a.a.O., S. 30). Es geht um die Rückfrage nach den Voraussetzungen naturwissen-schaftlichen Arbeitens. Dazu der Papst:

"Sie (i.e. die naturwissenschaftliche Vernunft) muss die rationale Struktur der Materie wie die Korrespondenz zwischen unserem Geist und den in der Natur waltenden rationalen Strukturen ganz einfach als Gegebenheit annehmen, auf der ihr methodischer Weg beruht. Aber die Frage, warum dies so ist, die besteht doch und muss von der Naturwissen-schaft weitergegeben werden an andere Ebenen und Weisen des Denkens -- an Philosophie und Theologie" (a.a.O. S. 30f). Besonders die Theologie schöpft aus einer Erkenntnisquelle, "der sich zu verweigern eine unzulässige Verengung unseres Hörens und Antwortens wäre" (a.a.O., S. 31).

3. Wege ins Weite der Vernunft

Zehn Tage vor der Regensburger Vorlesung traf sich in Castel Gandolfo der "Schülerkreis" mit seinem Meister und Lehrer zum jährlichen Austausch. Papst Benedikt hatte sich selber das Thema "Schöpfung und Evolution" gewünscht. Die Debatten, die mein "opinion editorial" in der New York Times ausgelöst hatte, sah er als providentiell, um das Thema wieder verstärkt öffentlich zu machen (vgl. Schöpfung und Evolution, S. 149). Vier Referate wurden in seiner Anwesenheit gehalten: die Referenten waren Prof. Peter Schuster, Prof. P. Paul Erbrich, Prof. Robert Spaemann und ich selber. Die persönlichen Stellungnahmen von Papst Benedikt sind im Symposiumsband dokumentiert und geben uns einen lebhaften Einblick in sein Denken über unser Thema. Einige wichtige Punkte dieser Stellungnahme muss ich hier referieren.

Da ist zuerst die klare Abgrenzung gegen den sogenannten "Kreationismus", "der sich der Wissenschaft grundsätzlich verschließt" (a.a.O., S. 150). Es muss klar sein, dass für die katholische Sicht keine wissenschaftlichen Erkenntnisse ein Hindernis für den Glauben darstellen.

Papst Benedikt erinnert aber auch daran, dass die Evolutionstheorie ihre Lücken hat, die sie nicht überspielen darf, und dass sie sich nicht Fragen verschließen darf, die über ihre methodischen Möglichkeiten hinausgehen. Denn die Evolutionstheorie impliziert Fragen, "die der Philosophie zugeordnet werden müssen und von sich aus über den Innenbereich der Naturwissenschaften hinausführen" (a.a.O., S. 150).

Ich erlaube mir, Ihnen hier ein längeres Zitat aus dem Diskussionsbeitrag von Papst Benedikt wiederzugeben. Wie wir es so oft mit ihm erlebt haben, sind seine frei gesprochenen Wortmeldungen immer wieder von faszinierender Klarheit, druckreif und sprachlichformvollendet. Ich zitiere:

"Die Naturwissenschaft hat große Dimensionen der Vernunft erschlossen, die bisher nicht geöffnet waren, und uns dadurch neue Erkenntnisse vermittelt. Aber in der Freude über die Größe ihrer Entdeckung tendiert sie dazu, uns Dimensionen der Vernunft wegzunehmen, die wir weiterhin brauchen. Ihre Ergebnisse führen zu Fragen, die über ihren methodischen Kanon hinausreichen, sich darin nicht beantworten lassen. Dennoch sind es Fragen, die die Vernunft stellen muss und die nicht einfach dem religiösen Gefühl überlassen werden dürfen. Man muss sie als vernünftige Fragen sehen und dafür auch vernünftige Weisen des Behandelns finden.

Es sind die großen Urfragen der Philosophie, die auf neue Weise vor uns stehen: die Frage nach dem Woher und Wohin des Menschen und der Welt. Dabei ist mir zweierlei neuerlich bewusst geworden, was auch die drei folgenden Referate verdeutlicht haben: Es gibt zum einen eine Rationalität der Materie selbst. Man kann sie lesen. Sie hat eine Mathematik in sich, sie ist selbst vernünftig, selbst wenn es auf dem langen Weg der Evolution Irrationales, Chaotisches und Zerstörerisches gibt. Aber als solche ist Materie lesbar. Zum anderen scheint mir, dass auch der Prozess als Ganzes eine Rationalität hat. Trotz seiner Irrungen und Wirrungen durch den schmalen Korridor hindurch, in der Auswahl der wenigen positiven Mutationen und in der Ausnutzung der geringen Wahrscheinlichkeit, ist der Prozess als solcher etwas Rationales. Diese doppelte Rationalität, die sich wiederum unserer menschlichen Vernunft korrespondierend erschließt, führt zwangsläufig zu einer Frage, die über die Wissenschaft hinausgeht, aber doch eine Vernunftfrage ist: Woher stammt diese Rationalität? Gibt es eine ursprunggebende Rationalität, die sich in diesen beiden Zonen und Dimensionen von Rationalität spiegelt. Die Naturwissenschaft kann und darf darauf nicht direkt antworten, aber wir müssen die Frage als eine vernünftige anerkennen und es wagen, der schöpferischen Vernunft zu glauben und uns ihr anzuvertrauen" (Schöpfung und Evolution, S. 151f).

Ich denke, hier hat Papst Benedikt in wenigen Sätzen das Wesentliche zusammengefasst, was es zur Debatte, die uns beschäftigt, zu sagen gibt.

Wieso ist die Materie "lesbar"? Wieso hat der ganze Prozess der Evolution etwas Rationales? Woher stammt diese Rationalität? Diesen Fragen darf die Vernunft nicht ausweichen, will sie sich nicht selber aufgeben, wie ich, Papst Johannes Paul II. zitierend, in meinem New York Times-Artikel sagte. Es wäre aber ein Fehler, zu erwarten, dass die Naturwissenschaften mit ihrer Methode auf diese Fragen selber Antworten geben wollten. Das ist wohl der methodische Fehler der "Intelligent-Design-Schule". Sie stellen die richtige Frage: Woher kommt das evidente design in der Natur? "Finding design in nature" war der Titel meines umstrittenen "op-eds". Nicht die naturwissenschaftlich arbeitende Forschung findet das design in der Natur. Wohl aber der über seine Forschung nachdenkende Mensch, der sich frägt, was es bedeutet, dass die Materie ihm "vernünftig" auf seine Fragen antwortet, und der darüber nachsinnt, warum seine Vernunft diese Antworten vernehmen kann.

4. Die Evolutionstheorie als "erste Philosophie"

Im Jahre 1999 hielt Kardinal Ratzinger eine vielbeachtete Vorlesung an der Sorbonne in Paris. Sie gehört zweifellos zu den großen Reden seiner langen Laufbahn. Ihr Thema hat auf den ersten Blick gar nichts mit unserem Thema zu tun. Der Kardinal wagte es, sozusagen im "Tempel der Aufklärung", der Sorbonne, die Frage nach der Wahrheit des Christentums zu stellen: "Das Christentum -- die wahre Religion?" (in: Glaube, Wahrheit, Toleranz. Das Christentum und die Weltreligionen, Freiburg 2003, S. 131 -- 147).

Als ein Beispiel für die Skepsis gegenüber dem Wahrheitsanspruch des Christentums nennt Kardinal Ratzinger die Evolutionstheorie, die, so scheint es, die Schöpfungslehre als überholt erscheinen lässt (S. 132). Der allgemeine Relativismus scheint für die christliche Glaubenslehre von einer geschaffenen, von Gott gedachten und gewollten Welt nur mehr symbolische Bedeutung übrigzulassen. Das Christentum hat sich nicht damit abgefunden, ein symbolischer Ausdruck neben anderen für den -- nie erreichbaren -- Sinn der Welt zu sein, sozusagen ein Mythos unter anderen, ohne besonderen Wahrheitsanspruch. Das Christentum verstand sich als vernünftig, und Kraft seiner Vernünftigkeit allen Menschen zugänglich.

"Rückschauend können wir sagen, dass die Kraft des Christentums, die es zur Weltreligion werden ließ, in seiner Synthese von Vernunft, Glaube und Leben bestand", so fasst der Kardinal den Rückblick auf die weltweite Ausbreitung des Christentums zusammen, um dann zur kritischen Frage zu kommen: "Warum überzeugt diese Synthese heute nicht mehr? Warum gelten heute im Gegenteil Aufklärung und Christentum als einander widersprechend, ja, ausschließend?" (a.a.O., S. 141).

Ich denke, dass die nun folgenden Ausführungen des Kardinals gerade im Blick auf das bevorstehende Darwin-Jubiläum (2009) von großer Bedeutung sind, da sie den großen geistesgeschichtlichen Rahmen abstecken, in dem die heutigen Debatten stattfinden. Kardinal Ratzinger sieht den jüdisch-christlichen Schöpfungsglauben als ein großes Potential der Aufklärung, als Emanzipation vom Mythos. Gott ist nicht die Natur, sondern der Schöpfer der Natur. Da sie geschaffen ist, spricht sie vom Schöpfer, spricht der Schöpfer durch sie. Durch die Schöpfung spricht er den Menschen, sein Geschöpf an, gibt er ihm Wegweisung, zeigt ihm, was er tun soll. In der Neuzeit verblasst der metaphysische Horizont der Welt. Joseph Ratzinger sieht die Evolutionstheorie als einen Teil jener geistesgeschichtlichen Bewegung, die "die durch das christliche Denken vollzogene Trennung von Physik und Metaphysik" immer mehr zurücknehmen will. "Alles soll wieder ,Physik' werden".

"Immer mehr hat sich die Evolutionstheorie als der Weg herauskristallisiert, um Metaphysik endlich verschwinden, die ,Hypothese Gott' (Laplace) überflüssig werden zu lassen und eine streng ,wissenschaftliche' Erklärung der Welt zu formulieren" (a.a.O., S. 143f).

Kardinal Ratzinger hatte bereits 1985, anlässlich des römischen Symposiums über "Evolutionismus und Christentum" (Weinheim 1986) darauf hingewiesen, dass "Evolution" heute, "über ihren naturwissenschaftlichen Gehalt hinaus zu einem Denkmodell erhoben worden ist, das mit dem Anspruch auf Erklärung des Ganzen der Wirklichkeit auftritt und so zu einer Art von ,ersten Philosophie' geworden ist" (a.a.O., S. VII). Alles, auch Erkenntnis, Ethos, Religion, sollen aus dem Generalschema Evolution abgeleitet werden. Im Grunde gehe es um "die Rückführung aller Realität auf Materie" (a.a.O., S. VIII).

Im Rahmen dieses Totalitätsanspruchs des Erklärungsmodells "Evolution" "muss der christliche Gottesgedanke als unwissenschaftlich gelten"(Sorbonne-Rede, a.a.O., S. 144).

Im Symposium von 1985 stellte Kardinal Ratzinger unmissverständlich fest: "Auf keinen Fall sollte der Anschein eines neuen Streits zwischen Naturwissenschaft und Glaube entstehen, um den es in der Tat in diesem Gespräch in keiner Weise geht" (a.a.O., S. VIII). Es macht dem Glauben keine Schwierigkeit, "die naturwissenschaftliche Hypothese Evolution sich gemäß ihren eigenen Methoden ruhig entfalten zu lassen" (ebd.).

Nicht die exakte wissenschaftliche Arbeit an der Evolutionstheorie ist das Problem, sondern deren "Umfunktionierung" in ein philosophisches Erklärungsmodell mit Totalanspruch. Und der Kardinal fügt hinzu: "Die eigentliche Gesprächsebene ist die des philosophischen Denkens: Wo Naturwissenschaft zur Philosophie wird, ist es die Philosophie, die sich mit ihr auseinandersetzen muss. Nur so stehen die Gesprächsfronten richtig; nur so bleibt deutlich, worum es sich handelt: um einen rationalen philosophischen Disput, der auf die Sachlichkeit rationaler Erkenntnis abzielt, nicht um einen Einspruch von Glaube gegen Vernunft" (a.a.O., S. VIII).

Ähnlich ist die Schlussfolgerung der Rede an der Sorbonne: "Jedenfalls führt an dem Disput über die Reichweite der Evolutionslehre als erster Philosophie und über die Ausschließlichkeit positiver Methode als einziger Weise von Wissenschaft und Rationalität kein Weg vorbei. Dieser Disput muss daher von beiden Seiten sachlich und hörbereit in Angriff genommen werden, was bisher nur in geringem Maß geschehen ist" (a.a.O., S. 144).

Papst Benedikt bringt hier zum Ausdruck, was wohl in der öffentlichen Debatte meist übersehen wird: Die Alternative lautet doch nicht: entweder Kreationismus oder Evolutionismus! Sie heißt auch nicht: Entweder Glaube oder Wissenschaft! Es geht vielmehr um die philosophische Frage, was denn Reichweite und Grenzen der streng quantitativen Methode der Naturwissenschaften sei: Zwischen Glauben und Naturwissenschaften bedarf es als vermittelnder Instanz der Philosophie. Die Philosophie ist gefragt, um Grenzen der naturwissenschaftlichen Methoden und ihrer Reichweite zu formulieren, um Grenzüberschreitungen aufzudecken, um Verengungen des Vernunftbegriffs zu öffnen. Eine gute Philosophie der Natur kann helfen, die heute auf beiden Seiten drohenden Fundamentalismen zu vermeiden, den religiösen und den wissenschaftlichen.

5. Im Anfang war das Wort

Aber auch Philosophien haben ihre Grenzen, gerade wenn es um die letzten Fragen geht. Papst Benedikt hat das oft angesprochen. In der Sorbonne-Rede sagt er: "Letzten Endes geht es um eine Alternative, die sich bloß naturwissenschaftlich und im Grunde auch philosophisch nicht mehr auflösen lässt. Es geht um die Frage, ob die Vernunft bzw. das Vernünftige am Anfang aller Dinge und auf ihrem Grunde steht oder nicht. Es geht um die Frage, ob das Wirkliche aufgrund von Zufall und Notwendigkeit (....), also aus dem Vernunftlosen entstanden ist, ob also die Vernunft ein zufälliges Nebenprodukt des Unvernünftigen und im Ozean des Unvernünftigen letztlich auch bedeutungslos ist, oder ob wahr bleibt, was die Grundüberzeugung des christlichen Glaubens und seiner Philosophie bildet: In principio erat Verbum - am Anfang aller Dinge steht die schöpferische Kraft der Vernunft. Der christliche Glaube ist heute wie damals die Option für die Priorität der Vernunft und des Vernünftigen. Diese Letztfrage kann nicht mehr, wie schon gesagt, durch naturwissenschaftliche Argumente entschieden werden, und auch das philosophische Denken stößt hier an seine Grenzen. In diesem Sinn gibt es eine letzte Beweisbarkeit der christlichen Grundoption nicht. Aber kann eigentlich die Vernunft auf die Priorität des Vernünftigen vor dem Unvernünftigen, auf die Uranfänglichkeit des Logos verzichten, ohne sich selber aufzugeben?" (a.a.O., S. 146).

Damit ist wohl die entscheidende Frage gestellt. Joseph Ratzinger hat sie bei vielen Anlässen immer neu formuliert. Seine Äußerungen zu unserem Thema sind zahlreich, und wir konnten hier nur eine kleine Auswahl bieten. Zu Joseph Ratzinger gehört neben der großen begrifflichen Klarheit immer auch ein sehr lebensnaher, existentieller Zugang zu den Fragen, die er behandelt. Diese enge Verbindung von hoher Intellektualität, tiefer Frömmigkeit und großer Lebensnähe macht wohl auch den anhaltenden Erfolg seiner Vorlesungen, Vorträge und Predigten aus.
So kann es nicht fehlen, dass ich abschließen auf das hinweise, was Joseph Ratzingers/Papst Benedikts Äußerungen zum Thema "Evolution und Schöpfung" im tiefsten bestimmt: der Logos, der im Anfang war und der alles trägt und vernünftig macht, ist untrennbar von der Liebe: "Der Logos erschien nicht nur als mathematische Vernunft auf dem Grund aller Dinge, sondern als schöpferische Liebe bis zu dem Punkt hin, dass er Mit-Leiden mit seinem Geschöpf wird". Dieser Logos ist Mensch geworden und hat in seiner Auferstehung von den Toten "die größte Mutation" in der langen Geschichte der Evolution des Lebens vollzogen, wie Papst Benedikt in seiner ersten Osterpredigt sagte (15.4.2006); dieser Logos ist selber Liebe, und wenn dieser Logos am Anfang von allem steht und auch am Ende aller Dinge, dann ist die Liebe der tiefste Grund von allem. Oder, mit den Worten von Papst Benedikt: "Die wahre Vernunft ist die Liebe, und die Liebe ist die wahre Vernunft. In ihrer Einheit sind sie der wahre Grund und das Ziel alles Wirklichen" (a.a.O., S 147).
Spanish Cardenal Schönborn: no hay incompatibilidad entre evolución y creación
Nov 04, 2008
Durante la Plenaria de la Academia Pontificia de las Ciencias

ROMA, lunes 3 de noviembre de 2008 (ZENIT.org).- No existe incompatibilidad entre la teoría científica de la evolución y la afirmación cristiana de la creación. Así lo afirmó el pasado viernes el cardenal Christoph Schönborn, arzobispo de Viena, durante la asamblea plenaria de la Academia Pontificia de las Ciencias, que concluirá mañana, 4 de noviembre en Roma.

El purpurado explicó que no existe contraposición entre evolucionismo y creencia en la Creación, sino más bien "un conflicto entre dos concepciones diversas del hombre y de su racionalidad, entre la visión cristiana y un racionalismo que pretende reducir al hombre a su dimensión biológica".

Citando diversas intervenciones del cardenal Joseph Ratzinger antes y después de su elección como Papa, el cardenal Schönborn explicó que "existen muchas pruebas a favor de una evolución".

Sin embargo, puntualizó el prelado dominico, "aun enriqueciendo nuestro conocimiento de la vida, esta teoría no responde a la gran pregunta filosófica: ¿De dónde viene todo y cómo ese todo toma un camino hasta llegar al hombre?".

Por tanto, se trata de descubrir "que existe una idea precedente, que el hombre no es fruto del caos, sino que 'ha sido pensado', 'querido' y amado" por el Creador.

En el mismo sentido, el Canciller de la Academia Pontificia para las Ciencias, monseñor Marcelo Sánchez Sorondo, explicó en unas declaraciones a Radio Vaticano que lejos de contradecirse, la teoría de la evolución está mas cercana al relato bíblico de la creación que otras hipótesis sobre el origen del mundo.

"Pensando en el hecho que la Biblia nos presenta a un Dios que creó el mundo en siete días, se introduce la idea de una creación progresiva. En este sentido, está más cercana que por ejemplo las teorías de los antiguos griegos, que pensaban en un mundo eterno y cíclico", explicó.

La cuestión no se plantea con la teoría de la evolución en sí, añadió, sino con "filosofías que se apoyan en el evolucionismo y que son materialistas, que dicen que sólo existe la materia. Pero esto no es ciencia, sino filosofía".

"Se utilizan teorías científicas para hacer interpretaciones filosóficas, o si se quiere, ateas, afirmando que todo es caos. Pero repito, esta es una opinión filosófica que, a decir verdad, no pertenece a los grandes científicos, de los que casi todos son creyentes", aseveró.

Según monseñor Sánchez Sorondo, la Iglesia "está abierta a lo que diga la ciencia. Es más, le interesa muchísimo, porque habla de la naturaleza. La Iglesia siempre ha creído que la naturaleza ha sido creada por Dios, y los hombres formamos parte de la naturaleza", concluyó.
German "Wache Präsenz der Kirche in der Gesellschaft"
Nov 03, 2008
Die Kirche im staaltlichen Gefüge zu vertreten, sei eine wichtige Aufgabe der Bischofskonferenz, betonte Kardinal Schönborn bei der Segnung der neuen Räume der Bischofskonferenz in der Wollzeile.

Am Montag, 3. November 2008, wurden die neuen Büroräume der Österreichischen Bischofskonferenz im Erzbischöflichen Palais in Wien gesegnet. Es war zugleich der Beginn der Herbstsitzung der Bischofskonferenz und alle österreichischen Bischöfe waren in den neu gestalteten Räumen versammelt.

"Das erste Mal in der Geschichte der Österreichischen Bischofskonferenz verfügen wir über geeignete Empfangs- und Repräsentationsräume. Unser Dank geht besonders an Kardinal Schönborn, der einen Teil seines Palais zur Verfügung gestellt hat", betonte der Generalsekretär der Bischofskonferenz beim Empfang.

Das Leben aus dem Glauben heraus gestalten
Es bestehe eine Spannung zwischen Ursprung und Gegenwart, die in der Kirche spürbar sein müsse. Dabei müsse der Ursprung lebendig gehalten und übersetzt werden, formulierte der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn in seiner Ansprache bei der Segnung. Das Bild von Pfingsten, die Leihgabe einer niederösterreichischen Pfarre, das im großen Konferenzraum der neuen Räume der Bischofskonferenz hängt, sei ein Bild für diese Spannung: "Die freudig beginnende Kirche ist zugleich der Anfang und der Aufbruch in vielfältige Bedrängnisse. Es ist auch eine Erinnerung an die Zeit, in der das Haus hier entstand. Die Zeit Kardinal Melchior Khlesls (1552-1630), mitten im 30-jährigen Krieg, als er das Haus hier erbaute. Es ist auch ein Auftrag, den wir haben, in bedrängter Zeit das Leben aus dem Glauben heraus zu gestalten", betonte Kardinal Schönborn in seiner Ansprache. Das Haus erinnere mit seiner langen Geschichte auch an das mutige Auftreten von Kardinal Theodor Innitzer. "Sein mutiges Auftreten am 7. Oktober 1938 war ein Zeichen in der dramatischen Zeit der Kirchen- und noch mehr der Judenverfolgung. Wir werden in diesen Tagen, auch mit der Enthüllung einer Gedenktafel an die 'Hilfsstelle für nichtarische Christen' erinnern, die Kardinal Innitzer eingerichtet hatte, um getauften und auch anderen Juden zu helfen. Auch dieses Mutes gilt es zu gedenken, aus der Kraft des Wirkens des heiligen Geistes", so der Kardinal.

Verhandlungen zwischen Kirche und Staat

Weiter wies der Kardinal auf die Spannung zwischen geistlichem und weltlichem Auftrag hin, in der die neuen Räume stehen: "Es geht hier in den Räumen um die Finanzen, um Budgets und die spannenden und schwierigen Verhandlungsthemen zwischen Kirche und Staat. Es geht um die wache Präsenz der Kirche in der Gesellschaft", sagte der Wiener Erzbischof.

Gäste aus den Nachbarbischofskonferenzen

Ägidius Zsifkovics bedankte sich bei allen, die zum Gelingen des Umbaus beitrugen.

In die Polarität der Einrichtungen, die zwischen Alt und Neu besteht, führte der Grazer Diözesanbischof und stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz, Egon Kapellari, ein.

Herzlich begrüßen konnte Ägidius Zsifkovics den apostolischen Nuntius, Erzbischof Edmond Farhat und die Vertreter der Nachbarbischofskonferenzen aus Tschechien, Polen, der Slowakei, aus Ungarn, Slowenien und Kroatien.

Im Anschluss an die Segnung der neuen Räume des Generalsekretariates der Österreichischen Bischofskonferenz begann für die Bischöfe die Herbsttagung, die erstmals im Bildungshaus Schloss Großrußbach stattfindet.
German Kardinal Schönborn: Wir können nicht schweigen
Nov 03, 2008
Hirtenbrief des Wiener Erzbischofs

WIEN, 3. November 2008 (ZENIT.org).- Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn ermutigt in seinem letzten Hirtenbrief die ihm anvertrauten Gläubigen, zu mutigen und frohen Zeugen Christi zu werden, zu wahrhaft Liebenden, die für ihre Mitmenschen ein Segen sind. Der erste Schritt dazu besteht nach seinen Worten darin, das Glück der Freundschaft Jesu kennen zu lernen.

***

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir können nicht schweigen

„Unmöglich können wir schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20). Als man den Aposteln verbieten wollte, noch weiter von Jesus zu sprechen, gaben sie diese Antwort. Das war damals, „in jener Zeit“, am Anfang der Kirche, nach Pfingsten. Sie ließen sich nicht hindern, und die Hindernisse, die sich ihnen entgegenstellten, wurden nochmals zu Gelegenheiten, von dem zu sprechen, was sie mit Jesus erlebt hatten. Und so geschah Mission. Keine staatliche Macht half dabei. Kein gesellschaftlicher Druck drängte dazu, Christ zu werden. Das Christentum verbreitete sich durch das persönliche Zeugnis und durch das Wirken des Heiligen Geistes, der Herzen und Türen für das Evangelium öffnete.

Das blieb nicht immer so. Spätestens seit der „Konstantinischen Wende“ wurde es zum gesellschaftlichen Vorteil, Christ zu werden. Ganze Reiche, Völker, Stämme, Länder nahmen das Christentum an.

Heute, da diese Epoche der „Christenheit“ zu Ende geht und das Christentum kaum mehr „die offizielle Religion“ ist, sind wir erneut in einer Phase, die den Anfängen der Kirche ähnlich ist. Damals trat das Christentum als etwas Neues in die Welt. Für viele ist es auch heute etwas Neues, auch wenn wir in unserem Land und in ganz Europa immer noch eine große, starke christliche Tradition haben. Sie prägt die Landschaft, die Kultur, das soziale Netz, die Wertvorstellungen. Bewusst oder unbewusst ist vieles vom Evangelium durchtränkt, was die Lebensvollzüge auch derer beeinflusst, die ausdrücklich wenig mit Kirche zu tun haben.

In den langen Jahrhunderten der „Christenheit“ hat es nie am persönlichen Zeugnis derer gefehlt, die nicht nur aus Tradition Christen waren, sondern den überlieferten Glauben als Freundschaft mit Christus lebten. Sie waren immer der „Sauerteig“, der die Christenheit belebte und glaubwürdig machte. Sie sind es auch heute!

Wir sollten die Kraft des Christlichen in unserer Gesellschaft nicht kleinreden oder kleinmachen lassen.

In den dreizehn Jahren, in denen ich als Bischof der Erzdiözese Wien mit Euch auf dem Weg sein darf, bin ich immer wieder davon berührt, wie sehr diese Stadt und dieses Land vom Christentum durchtränkt ist. Da sind die unzähligen aus Stein und Holz gebauten Kirchen, Klöster, Kapellen, Bildstöcke und Wegkreuze, die nie zu übersehen sind, wenn man quer durch das ganze Land fährt – Denkmäler, die uns auf eine andere Wirklichkeit verweisen und einladen innezuhalten. Wie viel Mühe und Engagement steckt in der Erhaltung dieser sichtbaren Symbole und Zeichen christlichen Glaubens! Wie viele Männer und Frauen haben sie gebaut und liebevoll erhalten!

Noch viel mehr beeindruckt mich – gerade, weil ich als Bischof auch durch die Visitationen immer wieder Einblick in das Leben unserer Pfarren und Dekanate bekomme -, mit wie viel Selbstverständlichkeit Frauen und Männer am Aufbau unserer Gemeinden beteiligt sind. Ein feinmaschiges Netz an Gottes- und Nächstenliebe ist quer über die ganze Erzdiözese gespannt! – Weil Christinnen und Christen aufmerksam sehen, was zu tun ist, wo Not ist, und tatkräftig zupacken. Sei es in der Organisation von Sozialaktionen und Besuchsdiensten oder im Dienst an der Gemeinde, in der Liturgie, in der Kinder- und Jugendarbeit, in der Altenarbeit, in der Sakramentenvorbereitung oder in der Vorbereitung und Durchführung der Feste des Kirchenjahres, der Pfarrfeste, Basare und Flohmärkte bis hin zu den Finanz- und Verwaltungsaufgaben. In hoher fachlicher Professionalität werden kirchliche Grundvollzüge in katholischen Schulen und Krankenhäusern oder durch die Caritas tagtäglich gelebt.

Wie arm wäre unser Land, wenn es all das nicht gäbe! Wie sehr durchdringt dieses Engagement unzähliger Frauen, Männer und Jugendlicher unsere Gesellschaft und macht sie menschlicher und wärmer!

Als Bischof bin ich sehr dankbar dafür und immer wieder aufs Neue berührt von all dem, was an gelebtem Zeugnis leise und ohne großes Aufsehen geschieht – leider oft auch unbedankt und unbemerkt. Häufig ist dieses Engagement so selbstverständlich geworden, dass es gesellschaftlich kaum wahrgenommen wird.

Schmerzlich erleben wir aber auch, wie vieles an christlichem Lebensverständnis heute in unserer Gesellschaft an den Rand gedrängt wird. Wie wir nicht mehr gefragt werden, wie unsere Stimme sehr leise geworden ist unter all den vielen Stimmen, die heute vielfach den Ton angeben, wenn es um Lebens- und Gesellschaftsentwürfe geht. Eine rücksichtslose Globalisierung höhlt soziale Maßstäbe des wirtschaftlichen Lebens aus. Die Heiligkeit des Lebens wird an dessen Anfang und an dessen Ende massiv in Frage gestellt. Abtreibung und Euthanasie werden zu „Menschenrechten“ erklärt. Behinderte als untauglich für ein als Wettbewerb verstandenes Leben zur Tötung freigegeben. Biotechnologie will keine Grenzen anerkennen und das menschliche Leben frei manipulieren dürfen. Und uns als Kirche wird vorgeworfen, dass wir immer nur Nein sagen. Dabei wird selten gesehen, und womöglich schaffen wir es selber zu wenig, verständlich zu machen, dass wir unser Nein zu so manchen Entwicklungen sagen, weil es uns um das „Ja“ zum Leben geht, zu jenem Leben, das Jesus Christus uns in Fülle versprochen hat und das wir selber als sinnvoll und beglückend erfahren.

Das Glück der Freundschaft kennen lernen

Was ist es also, worüber wir unmöglich schweigen können?

Wenn ich darauf im Blick auf meine eigene Lebenserfahrung antworten darf, dann so, wie ich es auch in meinem Bischofsmotto ausdrücke: „Euch aber habe ich Freunde genannt“ (Joh 15,15). Wenn es eine Erfahrung gibt, die ich als die „Grundmelodie“ in meinem Leben betrachten darf, so ist es diese Freundschaft. Sie ist der rote Faden durch alle Phasen meines Lebens. Jesus lädt uns ein zur Freundschaft. Er macht uns zu Seinen Freunden. Und wir dürfen in diese Freundschaft hineinwachsen. Darüber kann ich nicht schweigen. Ich habe diese Freundschaft als den großen Schatz in meinem Leben entdeckt. Sie ist mir Trost und Freude. Sie hilft mir, mich selber anzunehmen, sie lädt mich ein, andere mit dem Blick der Freundschaft Jesu zu sehen. Sie prägt, so hoffe ich, meine Art, die Menschen und die Situationen zu sehen. Und sie weckt in mir immer neu den Wunsch, anderen von dieser Freundschaft zu erzählen. „Mission“ ist für mich kein abstraktes Wort. Mission ist für mich die Einladung, das Glück dieser Freundschaft kennenzulernen: „Kommt und seht!“ (vgl. Joh 1,39)

Christsein ist für mich vor allem: Ihm glauben, Ihm vertrauen, Sein Wort hören und betrachten, und Seine Gemeinschaft suchen, Sein Freund werden.

Freundschaft mit Jesus, das heißt zum einen: Zeit für die Begegnung, das hinhörende Stillsein in Seiner Gegenwart, bevorzugt in Seiner eucharistischen Gegenwart im Tabernakel. Freundschaft mit Jesus, das heißt zum anderen: eine wache Aufmerksamkeit für die, mit denen Er sich besonders identifiziert - die Armen, die Kranken, die Fremden, die Gefangenen, die Ausgestoßenen, die Sünder,… Freundschaft mit Jesus, das heißt schließlich: Mit Seinen Augen sehen lernen, mit Seinen Gedanken vertraut werden, Seinen Willen suchen und zu tun versuchen. Und vor allem: mit Seinem Herzen verbunden sein.

Sünde ist darum: Seiner Freundschaft untreu sein, Ihn verraten, Ihn vor den anderen nicht kennen und bekennen. Sündenvergebung heißt nicht ein irgendwie gerichtlicher Freispruch, sondern Seinem Blick begegnen, wie Petrus Ihm begegnet ist, als Jesus ihn nach seinem Verrat ansah: dem einzigartigen Blick der Freundschaft, ohne Vorwurf, aber tief das Herz treffend, bis zu den Tränen der Reue (vgl. Lk 22,61f).

In den letzten Jahren ist mir eines immer mehr zur Gewissheit geworden: Mit Jesus verbunden sein, in Seiner Freundschaft leben, das heißt besonders - barmherzig werden, wie Er es ist. Darüber möchte ich nicht schweigen können. Auch wenn es mir oft nicht gelingt, es zu sagen, und vor allem: es zu leben. Aber eines weiß ich sicher: Ich habe die Barmherzigkeit Jesu erfahren, und ich wünsche mir, dass andere, alle, das auch erfahren.

Gerade bei Gesprächen mit Ausgetretenen, die ich immer wieder suche, sage ich meistens: „Wie gerne würde ich Ihnen meine Erfahrungen mit Jesus weitergeben! Und wie gerne würde ich Ihnen mitteilen, was für mich die Kirche bedeutet, wie sehr ich sie als Heimat erlebe und für sie dankbar bin!“

Die Freundschaft Jesu und Seine Barmherzigkeit: das ist für mich die Mitte meines Lebens und meines Hirtendienstes. Der Prozess „Apg 2010“, den ich Ihnen heute vorstelle und zu dem ich Sie einlade, kommt aus dieser Mitte.

Den Glauben kennen lernen

Wie können wir selber neu und stark die Freundschaft und die Barmherzigkeit Jesu kennen lernen, und das Erkannte anderen bezeugen?

„Die Schrift nicht kennen, heißt Christus nicht kennen“, zitiert das Zweite Vatikanische Konzil (Dei Verbum, 25) den Heiligen Hieronymus. Zur Erfahrung der Freundschaft mit Christus ist darum das Lesen der Heiligen Schrift notwendig, vor allem das sich Einlassen auf und sich Berühren lassen durch das Leben und die Worte Jesu in den Evangelien.

Wir brauchen dringend auch die Auseinandersetzung mit der Lehre der Kirche, die im Katechismus zusammengefasst ist. Als „Redaktionssekretär des Weltkatechismus“, des „Katechismus der Katholischen Kirche“, durfte ich fünf Jahre lang intensiv an diesem großen Glaubensbuch mitarbeiten. Daran zu arbeiten war eine riesige Herausforderung, vor allem war es für mich eine Einübung in die Dankbarkeit für die Tradition und den Glaubensschatz unserer Kirche, für die vielen Frauen und Männer, Mystiker und Kirchenlehrer, durch die Gott unablässig durch alle Jahrhunderte zu uns gesprochen und sich auf so vielfältige Weise gezeigt hat. Wie sehr wünsche ich mir, dass Sie alle diese Erfahrung des Eintauchens in den großen Schatz der Glaubenslehre der Kirche machen.

Die Lehre ist wichtig. Wir brauchen sie dringend. Wir brauchen mehr Kenntnis unseres Glaubens, mehr Wissen über das, was unser Glaube lehrt. Wir müssen dringend „auskunftsfähiger“ werden, in der Lage sein, anderen, die es wissen wollen, Rechenschaft über unsere Hoffnung geben zu können (vgl. 1 Petr 3,15).

So wichtig das Glaubenswissen ist: Das Zeugnis des Lebens überzeugt. Es spricht für sich. Oft ohne Worte. Einfach durch das „Sein“ des Zeugen. „Ihr werdet meine Zeugen sein!“ (Apg 1,8): Diese Verheißung Jesu am Anfang der Kirche gilt auch heute. Zeugen sind gefragt. Die Bereitschaft zum Zeugnis ist gefragt.

Eines ist gewiss: Heute überzeugen mehr die Zeugen als die Lehrer.

Aufmerksamkeit für Veränderungen

Liebe Schwestern und Brüder! Wie sehen Sie die Lage des Glaubens, die Situation der Kirche, unserer Gemeinden in dieser Zeit? Jede und jeder von uns macht sich diesbezüglich Gedanken, Hoffnungen und Sorgen. Darüber brauchen wir den Austausch, die gegenseitige Ermutigung, das gemeinsame Nachdenken.

Wie wird die Kirche in der Stadt Wien, in den Landvikariaten in ein, zwei Generationen aussehen? Ganz nüchtern von der Bevölkerungsentwicklung her gesehen wird in der Stadt der Katholikenanteil – auch ohne Kirchenaustritte – weiter stark sinken. Es fehlen die Kinder. Bei einer Geburtenrate von knapp über ein Prozent ist die Prognose bitter und klar. Schon jetzt spüren wir, dass unseren Gemeinden die Kinder und die Jugend schmerzlich fehlen, nicht nur, weil sie wenig Bezug zur Kirche haben, sondern auch, weil es einfach deutlich weniger Kinder gibt.

Wir werden weniger, weil wir nicht mehr Kinder wollten – und weil unsere Gesellschaft oft dem Wunsch nach Kindern, dem großherzigen Ja zum Leben, entgegengesetzt war und ist.

Unsere Gemeinden sind fast überall geschrumpft. In den letzten zwanzig Jahren ist der regelmäßige Gottesdienstbesuch um fünfzig Prozent zurückgegangen. Viele Pfarrer und ihre Gemeinden erleben das, wenn sie sich die Wahrheit eingestehen, als große Last. Sie fragen sich: Was haben wir falsch gemacht? Was haben wir versäumt?

Es macht mich betroffen, wenn heute viele Eltern und Großeltern an sich selber zu zweifeln beginnen, was sie falsch gemacht haben, weil sie den Samen des Glaubens, den sie ausgesät haben, in der nächsten Generation nicht oder scheinbar zu wenig aufgehen sehen. Mit wie viel Einsatz haben sie versucht, ihren Glauben und ihre Werthaltungen weiterzugeben! Das schmerzt.

Wie sehr leiden viele Ordensgemeinschaften darunter, dass sich so wenige junge Menschen entscheiden können, diesen Weg zu gehen. Und das, obwohl ihr Dienst unsere Gesellschaft zum Guten verändert.

Ich sehe, mit wie viel Energie sich in unserer Diözese angestellte Frauen und Männer, Priester, Diakone, Religionslehrerinnen und Religionslehrer bemühen, neue Lösungen zu finden, wie wir uns besser organisieren können, wie wir mit weniger Ressourcen effektiver und effizienter pastoral flächendeckend tätig sein können.

Der Druck und die Erwartungen, die auf unseren Priestern und allen pastoral tätigen Frauen und Männern liegen, sind enorm hoch.

Vielleicht sind wir mittlerweile so weit, dass wir uns für diese Schwierigkeiten nicht mehr gegenseitig die Schuld in die Schuhe schieben. Es sind viele Faktoren, die zur gegenwärtigen Kirchensituation geführt haben und führen. Müßig ist, dafür eine einzige Ursache, einen „Hauptschuldigen“ ausmachen zu wollen. Viel wichtiger ist es, ehrlich und in demütiger Wahrhaftigkeit unsere Lage zu betrachten. Wichtiger ist es, in allen diesen Entwicklungen die Fingerzeige Gottes, die Wegweisungen des Heiligen Geistes zu entdecken. Dazu brauchen wir einander. Dazu müssen wir uns gegenseitig hören und miteinander den Willen Gottes für unsere Zeit zu erkennen suchen.

Nehmen wir uns gemeinsam die Zeit für ein Innehalten. Bekehrung ist kein einmaliges Ereignis, vielmehr ist sie ein lebenslanger, alltäglicher Prozess. Und vielleicht ist sie nicht nur eine individuelle Sache. Wir haben sie auch als Kirche, als Erzdiözese Wien immer wieder nötig. Suchen wir gemeinsam nach diesen neuen Wegen!

Wir brauchen Zeugen der Freude und der Barmherzigkeit

Auch heute haben die Menschen das „Recht“, das konkrete Zeugnis der Hoffnung kennen zu lernen. Herzstück jeder Mission muss es sein, zuerst diese verwandelnde Freude des Glaubens, die Freude an Gott, mit anderen zu teilen und gleichzeitig an der Gebrochenheit unserer Zeit mitzuleiden, die wir alle in uns tragen. Wie könnten wir schweigen über die Freude, bedingungslos geliebt zu sein, immer wieder Vergebung zu erfahren, über die Freude des Lebens, und dass es für Jesus keinen hoffnungslosen Fall gibt? Diese Freude kann jeder von uns ausdrücken. So vieles kann durch ein einfaches Zeugnis geschehen. Aber zugleich können wir nicht dem gegenüber gleichgültig bleiben, was um uns herum passiert. Ich ermutige uns alle, wie Jesus genau hinzuschauen und uns wirklich berühren zu lassen von den zahlreichen Nöten und „Erschöpfungen“ unserer Gesellschaft. Uns betreffen zu lassen von den vielen zerbrochenen Familien und Beziehungen, von der Not des Versagens und von begangener Schuld. „Nicht um zu richten, bin ich gekommen, sondern zu retten“, ruft uns der Herr zu! (vgl. Joh 12,47)

Wie sehr wird das ersehnt! Jesus will Seine heilende Umarmung durch uns erfahrbar machen. Wir können uns also nicht zurückziehen wie ein elitärer Rest in eine abgesicherte und wohlige Schutzzone. Nein, wir sollen wie die Jünger Jesu mutig hinausgehen und den Vielen, dem „Volk“, unsere scheinbar wenigen „Brote der Freude und des Erbarmens“ austeilen. Ich bin überzeugt, so viele werden aufatmen, sich daran sättigen und neue Orientierung finden.

Kirche braucht prophetische Kraft

Der Blick auf das, was uns gemeinsam gelungen ist, wo so viele Kräfte zusammengewirkt haben, baut auf und macht Mut weiterzugehen: Wenn ich an die große Stadtmission 2003 denke, an den Weinviertler Pilger- und Glaubensweg, an die „Lange Nacht der Kirchen“, die Kontakt- und Pfarrmissionswochen, an die Pfarrgemeinderatswahlen und nicht zuletzt an den Besuch des Hl. Vaters im Vorjahr – mit all dem haben wir bemerkenswerte Kapitel in die „Apostelgeschichte von heute“ geschrieben.

Es bleiben große Herausforderungen. Nicht nur der gesellschaftliche Wandel drängt uns, innezuhalten und manches zu überdenken. Was uns wirklich herausfordert, ist das Wesen der Kirche selbst. Es sind nicht nur die Zahlen, die uns zum Nachdenken bringen. Unser Grundauftrag als Kirche fordert uns heraus. Es ist die Gewissheit über die Sendung, die Mission der Kirche: „Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ (Lk 4,18f)

Der Apostel Paulus schreibt an die Gemeinde von Korinth: „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!“ (1Kor 9,16) Und er fügt hinzu, dass dies der Auftrag ist, der ihm anvertraut wurde. Dieser Auftrag gilt uns heute! Sind wir (noch) erfüllt von der Freude in Fülle, die ansteckt? Von der Freude, Gott zu erkennen und von Ihm erkannt zu werden, Ihn zu schauen und Ihm anzugehören?

Heute sammeln und senden

Wenn wir auf die Anfänge der Kirche schauen, werden wir ermutigt. Die Apostelgeschichte ist eine dynamische Geschichte der „Sammlung“ und der „Sendung“. Lassen wir uns davon inspirieren!

Ganz am Anfang, noch vor dem Pfingstereignis, versammeln sich die Apostel gemeinsam mit Maria und den Frauen (Apg 1,14) und dann immer wieder bis zum Apostelkonzil in Jerusalem (Apg 15). Sie versammeln sich, um einmütig zu beten, um zu erzählen, was sie erlebt haben, um sich zu ermutigen, um miteinander das Brot zu brechen (vgl. Apg 2,46f). Sie gehen von ihren Versammlungen bestärkt auseinander, um ihren Auftrag, ihre Sendung zu leben – in ihren Alltag, um das Evangelium zu verwirklichen und zu verkünden.

Daran will ich mit Euch anknüpfen: An der Versammlung und der Sendung. Lernen wir vom Geist des Apostelkonzils in Jerusalem (Apg 15). Damals haben die Apostel und ihre Gemeinden gemeinsam hingehört, was der Herr will. Welche Zeichen und Wunder Er gewirkt hat. Daraufhin wurden die Weichen gestellt. So geschah Sendung.

Wenn wir heute als Erzdiözese Wien innehalten und über unseren Auftrag nachdenken, dann ist der Blick auf das Werden der Kirche, wie er uns in der Apostelgeschichte überliefert ist, unumgänglich. Daran müssen wir uns orientieren.

In Apg 20,10 heißt es: „Paulus lief hinab, warf sich über ihn, umfasste ihn und sagte: Beunruhigt euch nicht: Er lebt!“ Diese Feststellung des Heiligen Paulus mache ich auch für die Kirche in der Erzdiözese Wien. Im Prozess „APG 2010“ werden wir uns versammeln aus allen Pfarren, kategorialen Einheiten, Orden, Gemeinschaften und Bewegungen, aus allen Ständen,… der Erzdiözese, um uns zu erzählen, was wir erleben, was wir sehen und hören, was der Herr in unseren Gemeinden und Gemeinschaften wirkt, wo unsere Nöte sind, was uns freut und Angst macht. Dass wir darüber gemeinsam nachdenken, diskutieren – wahrscheinlich auch streiten und ringen -, und dass wir gemeinsam beten, damit wir erkennen, was der Herr uns heute sagen will, wohin er uns senden will. Aber beunruhigen wir uns nicht: Unsere Kirche lebt!

Einladung zu einer gemeinsamen Auseinandersetzung

Zu drei großen Diözesanversammlungen bis zum Jahr 2010 lade ich Euch heute schon ein. Vieles wird uns beschäftigen. Zu folgenden sieben Punkten erbitte ich eine besonders intensive Auseinandersetzung:

1.      „Vielmehr nenne ich euch Freunde“ (Joh 15,15)
oder: Wie leben wir die Freundschaft mit Christus?
Zum einen ist es eine ganz persönliche Beziehung, die jede und jeden betrifft. Sie ist aber immer eine Freundschaft in Gemeinschaft: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind…“ (Mt 18,20). Es ist die Frage an uns als Gemeinde, als Gemeinschaft.
Wie beten wir zusammen, wie feiern wir Liturgie, die Sakramente? In welcher Haltung? Sind es ausgehöhlte, leere Rituale? Tun wir es, weil es irgendwie dazugehört oder womöglich „mein Job“ ist?
Welche Stellung hat die Eucharistie? Was ist mir die Heilige Messe wert?
Wie geht es uns mit dem Bußsakrament?
Ist unser Beten und Feiern aufbauend, ermutigend?
Wie können wir uns neu auf diese Freundschaft einlassen?
Wie leben und pflegen wir diese Freundschaft?
Schöpfen wir aus der Pflege der Freundschaft mit Christus die Kraft des Lebens?

2.      „Ihr werdet meine Zeugen sein“ (Apg 4,20)
oder: Wie können wir heute Apostelgeschichte weiterschreiben?
Papst Benedikt XVI. hat unsere Pfarrgemeinderäte in Mariazell (8. Sept. 2007) gesandt mit den Worten: “Seid Sauerteig, Salz und Licht ... Schreibt die Apostelgeschichte weiter!“

Dieser Auftrag, diese Sendung gilt uns wohl allen!

Es ist wieder der Blick auf die Anfänge, die Ermutigung aus der Apostelgeschichte und den Briefen der Apostel: Kann ich jedem Rede und Antwort stehen, der mich nach der Hoffnung fragt, die mich beseelt...? (vgl. 1 Petr 3,15) Und ist mein Lebenszeugnis so, dass überhaupt jemand auf diese Frage kommt? Oder ist es mir vielleicht doch peinlich? Oder meine ich noch zu wenig „sattelfest“ zu sein, um Rede und Antwort zu stehen?

Wie können wir uns gegenseitig dazu ermutigen, Zeugen der Liebe Gottes in unserem Alltag zu sein? Übersetzen wir das Evangelium für unsere Mitmenschen in unsere Zeit hinein?

3.      „Was wir wissen, davon reden wir, und was wir gesehen haben, das bezeugen wir…“ (Joh 3,11) - Oder: Die Frage nach Glaube und Vernunft
Glaube braucht Bildung und vernünftige Formung, damit Zeugnis gelingt. Genauso muss in der Weitergabe von Glaubenswissen und Theologie die Frage nach der Zeugenschaft gestellt werden. Beides muss sich ergänzen. Und muss für Menschen jedes Alters und jedes Bildungsgrades zugänglich sein.
Nützen wir unsere Möglichkeiten der Fakultät, der Hochschule, der Einrichtungen der Erwachsenenbildung, des Religionsunterrichtes, der Katechese, der Predigt, der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit…, um Glauben zu erfahren, Glaubenswissen zu vermitteln und beide mit dem Anspruch der Vernunft zu verbinden? Ist unsere Vermittlung von Theologie dem Glauben dienlich oder stellt sie ihn nur mehr in Frage? Ist unsere Zeugenschaft nicht auch manchmal leeres Gerede ohne vernünftige Vertiefung und Reflexion?

4.      „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt…“ (Mt 25,40)
oder: Wie aufmerksam sind wir auf die Nöte unserer Mitmenschen?
Christus können wir im Nächsten erkennen, besonders im Leidenden.
Es liegt an uns, dem Evangelium ein konkretes Gesicht zu geben:
“Es ist schön, Menschen zu treffen, die versuchen, in unserer Gesellschaft der Botschaft des Evangeliums ein Gesicht zu geben ... Nächstenliebe ist nicht delegierbar ... Gott will Mitliebende ... ich muss ein Liebender werden, einer, dessen Herz der Erschütterung durch die Not des anderen offen steht. Dann finde ich meinen Nächsten, oder besser: dann werde ich von ihm gefunden.“ (Papst Benedikt XVI. am 9. Sept. 2007 im Wr. Konzerthaus)
Wie aufmerksam sind wir den Nöten unserer Mitmenschen gegenüber? Oder sind wir nicht vielfach in Versuchung, dieses Thema auf die Caritas und auf professionelle Organisationen abzuschieben, Nächstenliebe zu delegieren? Wie können wir uns gegenseitig ermutigen, Mitliebende zu sein?

5.      „Lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht.“ (Phil 1,27)
Oder: Wie werden unsere Gemeinden zu Orten gelebter Gastfreundschaft?
Wir nehmen schmerzlich wahr, wie unsere Kirchen leerer werden, wie Priester, haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unter dem Druck, allen Anforderungen gerecht zu werden, den Mut verlieren. Das gegebene Programm (die Feste im Jahreskreis, Sakramentenvorbereitung plus Sternsingeraktion, Haussammlungen, Pfarrbriefe – eventuell noch Pfarrfest, Flohmarkt,…) wird mit viel Liebe gestaltet, bindet aber oft auch fast alle Zeit und Energie der pfarrlichen Haupt- und Ehrenamtlichen, sodass schon ein bloßes Innehalten zur Herausforderung wird. Menschen, die sich bereits bis an ihre Grenzen engagieren, erschrecken bei dem Gedanken, es könnte noch etwas dazu kommen.
Gleichzeitig entstanden und entstehen Netzwerke und Bewegungen, die Pfarrgrenzen sprengen und als scheinbare Konkurrenz zum territorialen Pastoralkonzept stehen.
Sind unsere Pfarren Gemeinden im Sinn des Evangeliums?
Was macht unsere Gemeinde aus? Was prägt und trägt unsere Gemeinden? Wie flexibel sind wir als Gemeinde? Wie offen für Veränderung? Wie leben und erleben wir Gastfreundschaft?
Leben wir als Gemeinde so, dass es für andere anziehend sein kann? Wie tragen wir als Priester und Laien gemeinsam Verantwortung in der Kirche?

6.      „Kommt und seht…“ (Joh 1,39)
oder: Wie erheben wir unsere Stimme in der Gesellschaft?
Wenn ich an die demographische Entwicklung unseres Landes denke, dann wundert es mich nicht, dass die Zukunft trist scheint. Was tun wir dafür, dass es heute möglich ist, das JA zum Leben zu sagen? Wie fördern wir eine lebensbejahende und lebensfreundliche Gesellschaft, in der gerade auch das scheinbar schwache Leben als wertvoll und bereichernd anerkannt wird?
„Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?“ (Lk 9,25)
Nur der Liebende findet das Leben! Leben wir als Kirche in der Welt so, dass wir sagen können „Kommt und seht!“?
Oder haben wir Wünsche und Forderungen an die Gesellschaft, an die Politik, an die Wirtschaft…, die wir selber nicht einhalten?
Wie fördern und feiern wir die Kultur des Sonntags? Wie planen und gestalten wir Zeiten des Ausruhens und Auftankens – gerade auch für diejenigen, die sonst nicht mehr mitkommen, weil das Tempo zu schnell und die Anforderungen zu hoch sind? Brauchen wir nicht gemeinsame Zeiten des Feierns, für die Pflege von Beziehungen, Zeiten der Ruhe und der Ausgelassenheit?

7.      „… damit sie das Leben in Fülle haben!“ (vgl. Joh 10,10)
oder: Wie helfen wir uns gegenseitig, unsere Lebensberufung zu leben?
Das Leben in Fülle haben wir dann, wenn wir in Beziehung und Gemeinschaft leben. Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen, damit sie einander lieben und sich ergänzen. Das ist die Grundlage jeder Gesellschaft, nur so kann Leben weitergegeben werden. Daraus wächst die Hoffnung. Eine Gemeinde, eine Gesellschaft verliert an Lebenskraft, wenn es keine oder zu wenige Kinder gibt. Was tun wir dafür, dass sich heute junge Menschen für die Ehe entscheiden können? Und dass die Liebe, die sie füreinander empfinden, tragfähig wird für neues Leben? Wie stehen wir jungen Familien bei? Wo erheben wir unsere Stimme, dass Familien politisch und wirtschaftlich nicht an den Rand gedrängt werden, sondern gewichtigster Teil der Gesellschaft sind?
Wie stehen wir all denen bei, die darunter leiden, dass sie Ehe und Familie nicht leben können?
Wie leben wir Gemeinschaft mit Alleinstehenden?
In unserer Kirche verzichten Männer und Frauen bewusst auf Ehe und Familie, um sich ganz in die Verfügbarkeit Gottes zu stellen, als Priester oder im geweihten Lebensstand, sei es für den Dienst an der Gemeinde, im Dienst für die Mitmenschen oder im Dienst des Gebetes für die Anliegen der Welt. Sind wir als Gemeinden „Nährboden“, damit Menschen sich für diese Form des Lebens entscheiden können? Tragen wir diese speziellen Berufungen dankbar mit?
Sind wir unseren jeweiligen Versprechen, unseren spezifischen Aufträgen treu?
Dienen wir oder lassen wir uns bedienen?

Gegenseitig ermutigen im Heiligen Geist

Über diese sieben Punkte werden wir gemeinsam nachdenken, uns austauschen und uns in allen Gremien damit auseinandersetzen. Im Hinblick auf die Diözesanversammlungen werden wir gemeinsam hinhören, „was der Geist den Gemeinden sagen will“ (vgl. Offb 3,6), welche Zeichen und Wunder Er bereits unter uns gewirkt hat und wirkt.

Haben wir Mut mit Engagement daran teilzunehmen, uns herausfordern zu lassen und uns vor allem überraschen zu lassen von dem, was der Herr mit uns vorhat!

Probieren wir in verschiedensten Projekten aus, neue Wege in der Verkündigung zu gehen! Machen wir uns gegenseitig Mut, bringen wir uns gegenseitig auf neue Ideen! Lernen wir, über unseren Glauben, die Hoffnung, die uns beseelt, zu reden!

Das Team, das ich für diesen Prozess Apg 2010 eingerichtet habe, wird dazu in Absprache mit mir Impulse und Initiativen anbieten.

Im Mai werden wir eine gemeinsame Wallfahrt nach Rom machen, um in die Fußstapfen des Hl. Paulus zu treten, um von ihm zu lernen. Um uns ermutigen zu lassen, in allem Freimut das Evangelium zu verkünden.

Alle diese Schritte sollen uns dazu hinführen, im Mai 2010 eine gemeinsame Woche der Mission in der ganzen Erzdiözese zu machen - bis an die Grenzen unserer Diözese!

Ich erwarte mir viel von diesem gemeinsamen Weg, weil ich mich auf Sie alle, mit Ihren Fähigkeiten und Ihrem Engagement, mit Ihren Ideen und Ihrer Kreativität und mit Ihrer Liebe zu Christus und Ihrem Beheimatet-Sein in der Kirche, verlassen kann.

Selbst wenn es stimmt: „Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische.“ (Mt 14,13-21) - Die müssen wir geben! Ja, es schmerzt, wie viel lieber hätten wir mehr in der Hand. Aber diese fünf Brote und zwei Fische, wenn wir die zu geben bereit sind - dann kann Er, Christus, so viel mehr daraus machen. Deshalb bin ich voll Vertrauen und Zuversicht, dass wir eine neue Strahlkraft haben werden mitten in unserer Welt. Wir sind ja Gottes Volk, Sein einladendes Zelt steht mitten unter uns (vgl. Offb 21,3).

Lernen wir von Maria, der Mutter Jesu, die uns im Gnadenbild von Mariazell Christus zeigt und uns zu Ihm führt! Papst Benedikt XVI. nennt in seiner ersten Enzyklika das Programm ihres Lebens: „…nicht sich in den Mittelpunkt stellen, sondern Raum schaffen für Gott, dem sie sowohl im Gebet als auch im Dienst am Nächsten begegnet – nur dann wird die Welt gut.“ (Deus Caritas Est, 41)

Lassen wir uns also überraschen vom Wirken des Heiligen Geistes – heute – hier bei uns und auch bei denen, wo wir es vielleicht nicht vermuten...

Beten wir gemeinsam um den Heiligen Geist, dass er uns führt und uns die Kraft gibt, Seinen Weg zu gehen:

Herr Jesus Christus,
du bietest uns deine Freundschaft an.
Durch deine Gegenwart
schenkst du uns Freude in Fülle
und gibst uns Hoffnung.
Du hast uns durch die Taufe
in deine Gemeinschaft gerufen.
Wir sind bereit deine Zeugen in unserer Welt zu sein.
Im Vertrauen auf deine Liebe und Barmherzigkeit
lassen wir uns senden.
Stärke uns mit deinem Heiligen Geist!
Lass dein Licht durch uns leuchten,
damit wir als wahrhaft Liebende Licht der Welt sein können
und so zum Segen für unsere Mitmenschen werden.
Amen.

Euch in Christus verbunden

+ Christoph Kardinal Schönborn
Erzbischof von Wien
German Papst: Schöpfungslehre steht nicht...
Nov 02, 2008
"Finding design in nature"

Kardinal Schönborn ging vor der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften noch einmal auf seine eigenen Ausführungen über "Schöpfung und Evolution" ein. Ausgangspunkt war sein Gastkommentar "Finding design in nature" in der "New York Times" im Jahr 2005, der ihm den Vorwurf einbrachte, Anhänger der "Intelligent Design"-Schule zu sein. Diesen Vorwurf wies der Wiener Erzbischof nun mit dem Hinweis zurück, diese Schule stelle zwar "die richtige Frage", indem sie fragt, woher das "evidente design in der Natur" komme; sie begehe jedoch einen "methodischen Fehler", wenn sie versuche, mit naturwissenschaftlicher Methodik auf diese Frage eine Antwort zu finden. Kardinal Schönborn wörtlich: "Nicht die naturwissenschaftlich arbeitende Forschung findet das design in der Natur. Wohl aber der über seine Forschung nachdenkende Mensch, der sich fragt, was es bedeutet, dass die Materie ihm 'vernünftig' auf seine Fragen antwortet, und der darüber nachsinnt, warum seine Vernunft diese Antworten vernehmen kann".

Dass Benedikt XVI. intensiv über das Thema "Schöpfung und Evolution" nachdenke, hänge mit der Frage nach dem Wesen der Vernunft zusammen, betonte Kardinal Schönborn. Es sei für den Papst nämlich "die entscheidende Frage", "ob am Anfang der Logos oder die Un-Vernunft steht".

Einen Markstein stelle dabei die "Regensburger Vorlesung" des Papstes im Jahr 2006 dar. In dieser stand nicht etwa die Frage des Islam im Zentrum der Erörterungen, sondern vielmehr die Frage nach den Grenzen der modernen naturwissenschaftlichen Vernunft. Der Papst sei überzeugt, dass die Strömungen des Nominalismus (die Verabsolutierung der Transzendenz Gottes) sowie die Reformation Glaube und Vernunft entkoppelt und somit eine Engführung des Vernunftbegriffs auf die bloße naturwissenschaftliche Vernunft befördert hätten, erinnerte der Wiener Erzbischof. Der Papst habe auf diese Gefahr stets hingewiesen und auch in Regensburg eine "Selbstkritik der Vernunft" und eine "Ausweitung von Vernunftbegriff und -gebrauchs" eingemahnt.

Einen weiteren Markstein des päpstlichen Nachdenkens über "Schöpfung und Evolution" stelle das Treffen des "Schülerkreises" Benedikts XVI. im Jahr 2006 dar, das ebenfalls diesem Thema gewidmet war. Dabei habe der Papst eine klare Abgrenzung gegen jede Form des "Kreationismus" und die prinzipielle Offenheit des Glaubens für naturwissenschaftliche Erkenntnisse formuliert. Es liege allerdings an der Religion, darauf hinzuweisen, dass die bloße Naturwissenschaft dazu tendiere, "uns Dimensionen der Vernunft wegzunehmen, die wir weiterhin brauchen", zitierte Kardinal Schönborn aus einem Statement Benedikts XVI. beim Treffen des "Schülerkreises" in Castel Gandolfo 2006.

Wissenschaftlicher und religiöser Fundamentalismus

Wie Kardinal Schönborn abschließend betonte, erachte er die von Papst Benedikt XVI. unternommene Synthese von Glauben und Vernunft als wichtigen Impuls für das kommende Darwin-Jubiläumsjahr 2009 (200. Jahrestag der Geburt von Charles Darwins). Der Glaube besitze in der Lesart des Papstes "ein großes Potenzial der Aufklärung" und der "Emanzipation vom Mythos".

Zugleich könne diese Synthese von Glauben und Vernunft helfen, dem "Totalitätsanspruch des Erklärungsmodells 'Evolution'" entgegenzutreten. Als vermittelnde Instanz müsse dabei die Philosophie einspringen, so Kardinal Schönborn, da sie es vermag, "Grenzen der naturwissenschaftlichen Methoden und ihrer Reichweite zu formulieren, um Grenzüberschreitungen aufzudecken, um Verengungen des Vernunftbegriffs zu öffnen". Notwendig sei daher eine "gute Philosophie der Natur", um sowohl einen religiösen als auch einen wissenschaftlichen "Fundamentalismus zu vermeiden", so Kardinal Schönborn.
German Kardinal Schönborn erinnert an Christenverfolgungen in aller Welt
Nov 02, 2008

Wien, 2.11.08 (KAP) Auf die Christenverfolgungen in aller Welt hat Kardinal Christoph Schönborn beim Allerheiligen-Hochamt im Wiener Stephansdom aufmerksam gemacht. In den letzten Wochen habe es dramatische Berichte aus Indien und dem Irak gegeben. Aber auch in Ländern wie Ägypten oder der Türkei könnten Christen ihren Glauben nicht ungehindert leben; in Saudiarabien gebe es überhaupt keine Religionsfreiheit für Nichtmuslime. "Aber Politik und Medien schauen weg", bedauerte der Wiener Erzbischof.

In der Geschichte seien auch Christen Verfolger und nicht nur Verfolgte gewesen, erinnerte Kardinal Schönborn. Heute aber seien die Christen überall Verfolgte. Wörtlich sagte der Wiener Erzbischof: "Wir müssen viel mehr tun, um den verfolgten Christen zu helfen".

Kardinal Schönborn verwies darauf, dass zu Allerheiligen mit dem Tagesevangelium über die Seligpreisungen der Bergpredigt deutlich wird, was die "Charta und das Programm der Heiligen" ist. In den Seligpreisungen zeige sich die "verhüllte innere Biografie Jesu". Jesus selbst sei der Arme, der Sanftmütige, der Mensch mit reinem Herzen, der Friedensstifter, von dem in den Seligpreisungen die Rede ist. Zugleich werde in den acht Seligpreisungen deutlich, wie wahres Glück zu erfahren ist. Friedfertig, barmherzig, gerecht zu sein, sei ein Schlüssel zum Glück.
German "Evangelium der Seligpreisungen ist die Charta der Heiligen"
Nov 02, 2008
"Das Evangelium der Seligpreisungen ist das Programm, wie man heilig wird", sagte Kardinal Christoph Schönborn am Allerheiligenfest. "Es ist von einem großen Glück die Rede. Aber was ist das für ein Glück? Offensichtlich nicht von dieser Welt, sondern das der Nachfolge Jesu."

"Das Evangelium der Seligpreisungen ist die Charta der Heiligen, das Programm, wie man heilig wird. Das ist ja unser aller Berufung", betonte der Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn, am Hochfest Allerheiligen.

Es sei ein Programm, dessen zentrales Wort "selig" sei, so Kardinal Schönborn in seiner Preidgt. "Selig, glücklich sind" und dann kämen acht Aussagen. "Es ist ein Glück, das uns nicht erst für irgendwann, für das Jenseits, verheißen ist, sondern für jetzt. Diese Seligkeit schaut einigermaßen schwierig aus. Dieses Glück liegt irgendwie quer zu dem, was wir uns gemeinhin als Glück vorstellen", sagte der Kardinal zu den am Samstag, 1. November 2008, im Stephansdom versammelten Gläubigen.

Das Glück der Nachfolge Jesu
Es ist von einem großen Glück die Rede. Aber was ist das für ein Glück? Offensichtlich nicht von dieser Welt, sondern das der Nachfolge Jesu. Wer mit ihm den Weg geht, erfährt immer wieder mitten in den Bedrängnissen dieses Glück", erklärte Kardinal Christoph Schönborn. Auch der Apostel Paulus, der in diesem "Paulusjahr" besonders im Mittelpunkt stehe, hätte, so der Kardinal, die bedrängte und doch glückliche Situation dessen erlebt, der Jesus nachfolgt.

"Selig die Verfolgten"

Der Wiener Erzbischof nahm in seiner Predigt Bezug zu den vermehrten Nachrichten von Christenverfolgungen wie beispielsweise in Indien oder im Irak: "In so vielen Ländern der Welt werden die Christen ihres Glaubens willen verfolgt. Was mich wundert, ist, dass unsere Medien darüber meistens schweigen. Das sind keine Weltnachrichten. Die Politik schaut meistens weg, und auch wir schauen nicht genügend hin." Jesus aber schaue hin und sei bei denen, die verfolgt und bedrängt werden, unterstrich Kardinal Christoph Schönborn.

"'Selig seid ihr, wenn ihr um meinetwillen verfolgt werdet'. Es ist wohl besser, um Christi willen verfolgt zu sein als im Namen des Glaubens andere zu verfolgen. Das letztere hat es auch in der Geschichte der Christenheit genug gegeben", so Kardinal Schönborn. "Natürlich müssen wir alles tun, um unseren verfolgten Brüdern und Schwestern zu helfen, viel mehr müssten wir tun, unsere Politiker wach rufen."
German „Regensburger Rede, bleibende Herausforderung“
Nov 01, 2008

Die „Regensburger Rede“ des Papstes vom September 2006 ist eine „bleibende Herausforderung“. Das meinte Kardinal Christoph Schönborn am Freitag auf einer Tagung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften im Vatikan. Es habe sich inzwischen „herumgesprochen, dass die Regensburger Vorlesung nicht primär dem Thema Islam galt, sondern der Frage, wie Religion und Vernunft sich zueinander verhalten“, so der Wiener Erzbischof. Für Benedikt XVI. „steht die Debatte um Evolutionstheorie und Evolutionismus ganz in diesem Horizont“. Die entscheidende Frage sei, „ob am Anfang der Logos oder die Un-Vernunft steht“. Der Papst fordere eine „Selbstkritik der modernen Vernunft“; vor allem die Naturwissenschaften müßten ihren Vernunftbegriff überdenken, so Schönborn. Und wörtlich: „Einen Dialog der Kulturen kann es ernsthaft nur geben, wenn die Vernunft jene Weite hat, durch die sie über die Grenzen hinausreicht, in denen wir alle unweigerlich leben und denken. Ein wesentliches Anliegen der Regensburger Vorlesung war es, die Bedingungen der Möglichkeit eines echten interkulturellen und interreligiösen Dialogs auszuloten. Ich habe den Eindruck, dass manche islamische Gelehrte diese Herausforderung deutlicher verstanden haben als westliche Kommentatoren.“
(rv 01.11.2008 sk)
German Papst Benedikt XVI. über „Schöpfung und Evolution“
Nov 01, 2008
Vortrag vor der päpstlichen Akademie der Wissenschaften im Vatikan,
31. Oktober 2008
Von Kardinal Dr. Christoph Schönborn

Verehrter Herr Präsident!
Eminenzen! Exzellenzen! Meine Damen und Herren!

Ich danke für die ehrenvolle Aufgabe, Ihnen ein wenig das Denken von Papst Benedikt XVI., von Professor Joseph Ratzinger über das Thema „Evolution und Schöpfung“ vorzustellen. Der große Theologe auf dem Stuhl Petri hat sich von früh an oft zu diesem Thema geäußert. In meiner Einführung in die Akten des Kolloquiums seines Schülerkreises, das im Herbst 2006 in Castel Gandolfo stattfand, habe ich bereits einige der wichtigsten Wortmeldungen des heutigen Papstes in chronologischer Folge zusammengestellt (Schöpfung und Evolution. Eine Tagung mit Papst Benedikt XVI. in Castel Gandolfo, Augsburg 2007, 7-22). Heute geht es darum, diese Aussagen ein wenig systematisch zu ordnen und thematisch zu gliedern. Dadurch soll ihre Tragweite deutlicher sichtbar werden, die weit über die Einzelfrage der Evolutionstheorie hinausgeht.

     Die Regensburger Vorlesung und ihre bleibende Herausforderung

Einen Tag nach „September Eleven“ des Jahres 2006 hielt Papst Benedikt in seiner ehemaligen akademischen Wirkungsstätte, an der Universität Regensburg, eine Vorlesung, einen Vortrag, der weitreichende Folgen hatte. Zuerst die heftigen Aufregungen in großen Teilen der islamischen Welt, mit Ausschreitungen bis hin zu Morden an Christen. Dann aber eine bis heute anhaltende positive Welle der Dialogbereitschaft in bestimmten Kreisen des Islam, besonders artikuliert in dem Brief der 138 islamischen Gelehrten an den Papst und die Oberhäupter der christlichen Kirchen über die gemeinsame Verantwortung von Christen und Muslimen für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt.
Inzwischen hat es sich aber herumgesprochen, dass die Regensburger Vorlesung nicht primär dem Thema Islam galt, sondern der Frage, wie Religion und Vernunft sich zueinander verhalten. Das berühmt gewordene Zitat des byzantinischen Kaisers Manuel II. besagt, es sei „vernunftwidrig“, es sei nicht „syn logô“, einen Andersgläubigen mit Gewalt zum eigenen Glauben zu nötigen. Durch Gewalt zu bekehren, sei gegen die Vernunft und daher dem Wesen Gottes zuwider.
Mit dieser Aussage des Kaisers sei die Frage nach dem Verhältnis von Vernunft und Religion angesprochen. Um diese Frage ging es dem Papst in seiner Regensburger Vorlesung. Und damit ist auch das Thema meiner Darlegung genannt. Für Papst Benedikt steht die Debatte um Evolutionstheorie und Evolutionismus ganz in diesem Horizont. Wie wir sehen werden ist für ihn die entscheidende Frage, ob am Anfang der Logos oder die Un-Vernunft steht. Mit Berufung auf den Prolog des Johannesevangeliums sagt der Papst:
„Im Anfang war der Logos. Dies ist genau das Wort, das der Kaiser gebraucht: Gott handelt syn logô, mit Logos. Logos ist Vernunft und Wort zugleich – eine Vernunft, die schöpferisch ist und sich mitteilen kann, aber eben als Vernunft“ (Glaube und Vernunft. Die Regensburger Rede, Freiburg 2006, 18).
Teilt sich eine schöpferische Vernunft mit, als Vernunft? Und ist sie als Vernunft von unserer Vernunft erkennbar? Und das nicht nur im engen Rahmen einer bestimmten Kultur, etwa der westlich-abendländischen, sondern so, dass über kulturelle und religiöse Grenzen hinweg ein Dialog möglich ist. Einen Dialog der Kulturen kann es ernsthaft nur geben, wenn die Vernunft jene Weite hat, durch die sie über die Grenzen hinausreicht, in denen wir alle unweigerlich leben und denken. Ein wesentliches Anliegen der Regensburger Vorlesung war es, die Bedingungen der Möglichkeit eines echten interkulturellen und interreligiösen Dialogs auszuloten. Ich habe den Eindruck, dass manche islamische Gelehrte diese Herausforderung deutlicher verstanden haben als westliche Kommentatoren.
Doch was hat das mit unserem Thema „Evolution und Schöpfung“ zu tun? Die Auseinandersetzung mit dem Vernunftbegriff führt Papst Benedikt auch zum Vernunftbegriff, wie er in den Naturwissenschaften gebraucht bzw. vorausgesetzt wird. In der Regensburger Rede geht es dem Papst um eine Art „Selbstkritik der modernen Vernunft“, nicht um „wieder hinter die Aufklärung zurück(zu)gehen“, sondern „um Ausweitung unseres Vernunftbegriffs und –gebrauchs geht es“ (a.a.O., S. 29).
Diese Selbstkritik der modernen Vernunft enthält auch eine Kritik an einem positivistischen Vernunftverständnis, das weitgehend die westliche Welt beherrscht und auch oft als das spezifisch naturwissenschaftliche Vernunftverständnis gilt. Dem gegenüber versucht Papst Benedikt in den Voraussetzungen der naturwissenschaftlichen Rationalität gerade die Spuren des von ihm gesuchten weiteren Vernunftverständnisses zu orten.
Ich bin mir bewusst, dass diese Überlegungen nicht die des naturwissenschaftlichen Alltags sind, und dass es eine gewisse Abneigung gegen diese grundlegenden, gewissermaßen metaphysischen Fragen gibt, die hier zur Sprache kommen. Aber Papst Benedikt sagt, Sokrates zitierend, dass diese Fragen nicht zu stellen großen Schaden bringe. Wagen wir also, sie zu stellen. Es lohnt sich sicher!

2. Die Verengung des Vernunftbegriffes

Der Hauptteil der Regensburger Vorlesung ist dieser Frage gewidmet: Wie kam es zur Verengung des Vernunftbegriffs, die Papst Benedikt als Signatur der Neuzeit sieht?
Die erste Verengung sei durch den Nominalismus gekommen. Dieser rückt die Transzendenz Gottes in solch unnahbare Ferne, „dass auch unsere Vernunft, unser Sinn für das Wahre und Gute kein wirklicher Spiegel Gottes mehr sind, dessen abgründige Möglichkeiten hinter seinen tatsächlichen Entscheidungen für uns ewig unzugänglich und verborgen bleiben“ (a.a.O., S. 21). Gottes schöpferische Vernunft spricht nicht mehr aus seinen Werken. Diese sind willkürliche Setzungen, die nicht Gottes Weisheit und Vernunft widerspiegeln, sie sind unergründbar willkürliche Setzungen der göttlichen Allmacht.
In der Reformation werden dann konsequenterweise Glauben und Vernunft entkoppelt. Der Glaube stützt sich alleine auf die Schrift (sola scriptura), die Vernunft wird „säkularisiert“. Sie wird immer mehr auf das beschränkt, was als „streng wissenschaftlich“ gilt, was dem Kanon moderner Wissenschaftlichkeit entspricht. „Die eigentlich menschlichen Fragen, die nach unserem Woher und Wohin, die Fragen der Religion und des Ethos“ finden daher im Raum der „wissenschaftlichen“ Vernunft keinen Platz mehr „und müssen ins Subjektive verlegt werden“ (a.a.O., S. 27).
Papst Benedikt sieht in dieser Verengung eine echte Gefahr für beide Seiten; die Religion ist bedroht von irrationalen „Pathologien“ (a.a.O., S. 27); die Wissenschaft leidet Schaden, wenn „ihr die Fragen der Religion und des Ethos nicht mehr zugehören“ (a.a.O., S. 28).
Die Antwort auf diese „Pathologien der Religion und der Vernunft“ (a.a.O., 27f) liegt nicht in der Rücknahme der Vernunft, sondern in der schon zitierten „Ausweitung unseres Vernunftbegriffs und –gebrauchs“ (a.a.O., S. 29). Das erfordert die Überwindung der „selbstverfügte(n) Beschränkung der Vernunft auf das im Experiment Falsifizierbare“ (a.a.O., S. 29f).
Den Weg zu dieser Öffnung der Vernunft auf „ihre ganze Weite“ hin sieht Papst Benedikt als eine Möglichkeit, die die moderne naturwissenschaftliche Vernunft in sich selber trägt (vgl. a.a.O., S. 30). Es geht um die Rückfrage nach den Voraussetzungen naturwissenschaftlichen Arbeitens. Dazu der Papst:
„Sie (i.e. die naturwissenschaftliche Vernunft) muss die rationale Struktur der Materie wie die Korrespondenz zwischen unserem Geist und den in der Natur waltenden rationalen Strukturen ganz einfach als Gegebenheit annehmen, auf der ihr methodischer Weg beruht. Aber die Frage, warum dies so ist, die besteht doch und muss von der Naturwissenschaft weitergegeben werden an andere Ebenen und Weisen des Denkens – an Philosophie und Theologie“ (a.a.O. S. 30f). Besonders die Theologie schöpft aus einer Erkenntnisquelle, „der sich zu verweigern eine unzulässige Verengung unseres Hörens und Antwortens wäre“ (a.a.O., S. 31).

3. Wege ins Weite der Vernunft
Zehn Tage vor der Regensburger Vorlesung traf sich in Castel Gandolfo der „Schülerkreis“ mit seinem Meister und Lehrer zum jährlichen Austausch. Papst Benedikt hatte sich selber das Thema „Schöpfung und Evolution“ gewünscht. Die Debatten, die mein „opinion editorial“ in der New York Times ausgelöst hatte, sah er als providentiell, um das Thema wieder verstärkt öffentlich zu machen (vgl. Schöpfung und Evolution, S. 149). Vier Referate wurden in seiner Anwesenheit gehalten: die Referenten waren Prof. Peter Schuster, Prof. P. Paul Erbrich, Prof. Robert Spaemann und ich selber. Die persönlichen Stellungnahmen von Papst Benedikt sind im Symposiumsband dokumentiert und geben uns einen lebhaften Einblick in sein Denken über unser Thema. Einige wichtige Punkte dieser Stellungnahme muss ich hier referieren.
Da ist zuerst die klare Abgrenzung gegen den sogenannten „Kreationismus“, „der sich der Wissenschaft grundsätzlich verschließt“ (a.a.O., S. 150). Es muss klar sein, dass für die katholische Sicht keine wissenschaftlichen Erkenntnisse ein Hindernis für den Glauben darstellen.
Papst Benedikt erinnert aber auch daran, dass die Evolutionstheorie ihre Lücken hat, die sie nicht überspielen darf, und dass sie sich nicht Fragen verschließen darf, die über ihre methodischen Möglichkeiten hinausgehen. Denn die Evolutionstheorie impliziert Fragen, „die der Philosophie zugeordnet werden müssen und von sich aus über den Innenbereich der Naturwissenschaften hinausführen“ (a.a.O., S. 150).
Ich erlaube mir, Ihnen hier ein längeres Zitat aus dem Diskussionsbeitrag von Papst Benedikt wiederzugeben. Wie wir es so oft mit ihm erlebt haben, sind seine frei gesprochenen Wortmeldungen immer wieder von faszinierender Klarheit, druckreif und sprachlich formvollendet. Ich zitiere:
„Die Naturwissenschaft hat große Dimensionen der Vernunft erschlossen, die bisher nicht geöffnet waren, und uns dadurch neue Erkenntnisse vermittelt. Aber in der Freude über die Größe ihrer Entdeckung tendiert sie dazu, uns Dimensionen der Vernunft wegzunehmen, die wir weiterhin brauchen. Ihre Ergebnisse führen zu Fragen, die über ihren methodischen Kanon hinausreichen, sich darin nicht beantworten lassen. Dennoch sind es Fragen, die die Vernunft stellen muss und die nicht einfach dem religiösen Gefühl überlassen werden dürfen. Man muss sie als vernünftige Fragen sehen und dafür auch vernünftige Weisen des Behandelns finden.  Es sind die großen Urfragen der Philosophie, die auf neue Weise vor uns stehen: die Frage nach dem Woher und Wohin des Menschen und der Welt. Dabei ist mir zweierlei neuerlich bewusst geworden, was auch die drei folgenden Referate verdeutlicht haben: Es gibt zum einen eine Rationalität der Materie selbst. Man kann sie lesen. Sie hat eine Mathematik in sich, sie ist selbst vernünftig, selbst wenn es auf dem langen Weg der Evolution Irrationales, Chaotisches und Zerstörerisches gibt. Aber als solche ist Materie lesbar. Zum anderen scheint mir, dass auch der Prozess als Ganzes eine Rationalität hat. Trotz seiner Irrungen und Wirrungen durch den schmalen Korridor hindurch, in der Auswahl der wenigen positiven Mutationen und in der Ausnutzung der geringen Wahrscheinlichkeit, ist der Prozess als solcher etwas Rationales. Diese doppelte Rationalität, die sich wiederum unserer menschlichen Vernunft korrespondierend erschließt, führt zwangsläufig zu einer Frage, die über die Wissenschaft hinausgeht, aber doch eine Vernunftfrage ist: Woher stammt diese Rationalität? Gibt es eine ursprunggebende Rationalität, die sich in diesen beiden Zonen und Dimensionen von Rationalität spiegelt. Die Naturwissenschaft kann und darf darauf nicht direkt antworten, aber wir müssen die Frage als eine vernünftige anerkennen und es wagen, der schöpferischen Vernunft zu glauben und uns ihr anzuvertrauen“ (Schöpfung und Evolution, S. 151f).
Ich denke, hier hat Papst Benedikt in wenigen Sätzen das Wesentliche zusammengefasst, was es zur Debatte, die uns beschäftigt, zu sagen gibt.
Wieso ist die Materie „lesbar“? Wieso hat der ganze Prozess der Evolution etwas Rationales? Woher stammt diese Rationalität? Diesen Fragen darf die Vernunft nicht ausweichen, will sie sich nicht selber aufgeben, wie ich, Papst Johannes Paul II. zitierend, in meinem New York Times-Artikel sagte. Es wäre aber ein Fehler, zu erwarten, dass die Naturwissenschaften mit ihrer Methode auf diese Fragen selber Antworten geben wollten. Das ist wohl der methodische Fehler der „Intelligent-Design-Schule“. Sie stellen die richtige Frage: Woher kommt das evidente design in der Natur? „Finding design in nature“ war der Titel meines umstrittenen „op-eds“. Nicht die naturwissenschaftlich arbeitende Forschung findet das design in der Natur. Wohl aber der über seine Forschung nachdenkende Mensch, der sich frägt, was es bedeutet, dass die Materie ihm „vernünftig“ auf seine Fragen antwortet, und der darüber nachsinnt, warum seine Vernunft diese Antworten vernehmen kann.

4. Die Evolutionstheorie als „erste Philosophie“
Im Jahre 1999 hielt Kardinal Ratzinger eine vielbeachtete Vorlesung an der Sorbonne in Paris. Sie gehört zweifellos zu den großen Reden seiner langen Laufbahn. Ihr Thema hat auf den ersten Blick gar nichts mit unserem Thema zu tun. Der Kardinal wagte es, sozusagen im „Tempel der Aufklärung“, der Sorbonne, die Frage nach der Wahrheit des Christentums zu stellen: „Das Christentum – die wahre Religion?“ (in: Glaube, Wahrheit, Toleranz. Das Christentum und die Weltreligionen, Freiburg 2003, S. 131 – 147).
Als ein Beispiel für die Skepsis gegenüber dem Wahrheitsanspruch des Christentums nennt Kardinal Ratzinger die Evolutionstheorie, die, so scheint es, die Schöpfungslehre als überholt erscheinen läßt (S. 132). Der allgemeine Relativismus scheint für die christliche Glaubenslehre von einer geschaffenen, von Gott gedachten und gewollten Welt nur mehr symbolische Bedeutung übrigzulassen. Das Christentum hat sich nicht damit abgefunden, ein symbolischer Ausdruck neben anderen für den – nie erreichbaren – Sinn der Welt zu sein, sozusagen ein Mythos unter anderen, ohne besonderen Wahrheitsanspruch. Das Christentum verstand sich als vernünftig, und Kraft seiner Vernünftigkeit allen Menschen zugänglich.
„Rückschauend können wir sagen, dass die Kraft des Christentums, die es zur Weltreligion werden ließ, in seiner Synthese von Vernunft, Glaube und Leben bestand“, so fasst der Kardinal den Rückblick auf die weltweite Ausbreitung des Christentums zusammen, um dann zur kritischen Frage zu kommen: „Warum überzeugt diese Synthese heute nicht mehr? Warum gelten heute im Gegenteil Aufklärung und Christentum als einander widersprechend, ja, ausschließend?“ (a.a.O., S. 141).
Ich denke, dass die nun folgenden Ausführungen des Kardinals gerade im Blick auf das bevorstehende Darwin-Jubiläum (2009) von großer Bedeutung sind, da sie den großen geistesgeschichtlichen Rahmen abstecken, in dem die heutigen Debatten stattfinden. Kardinal Ratzinger sieht den jüdisch-christlichen Schöpfungsglauben als ein großes Potential der Aufklärung, als Emanzipation vom Mythos. Gott ist nicht die Natur, sondern der Schöpfer der Natur. Da sie geschaffen ist, spricht sie vom Schöpfer, spricht der Schöpfer durch sie. Durch die Schöpfung spricht er den Menschen, sein Geschöpf an, gibt er ihm Wegweisung, zeigt ihm, was er tun soll. In der Neuzeit verblasst der metaphysische Horizont der Welt. Joseph Ratzinger sieht die Evolutionstheorie als einen Teil jener geistesgeschichtlichen Bewegung, die „die durch das christliche Denken vollzogene Trennung von Physik und Metaphysik“ immer mehr zurücknehmen will. „Alles soll wieder ‚Physik‘ werden“.
„Immer mehr hat sich die Evolutionstheorie als der Weg herauskristallisiert, um Metaphysik endlich verschwinden, die ‚Hypothese Gott‘ (Laplace) überflüssig werden zu lassen und eine streng ‚wissenschaftliche‘ Erklärung der Welt zu formulieren“ (a.a.O., S. 143f).
Kardinal Ratzinger hatte bereits 1985, anlässlich des römischen Symposiums über „Evolutionismus und Christentum“ (Weinheim 1986) darauf hingewiesen, dass „Evolution“ heute, „über ihren naturwissenschaftlichen Gehalt hinaus zu einem Denkmodell erhoben worden ist, das mit dem Anspruch auf Erklärung des Ganzen der Wirklichkeit auftritt und so zu einer Art von ‚ersten Philosophie‘ geworden ist“ (a.a.O., S. VII). Alles, auch Erkenntnis, Ethos, Religion, sollen aus dem Generalschema Evolution abgeleitet werden. Im Grunde gehe es um „die Rückführung aller Realität auf Materie“ (a.a.O., S. VIII).
Im Rahmen dieses Totalitätsanspruchs des Erklärungsmodells „Evolution“ „muss der christliche Gottesgedanke als unwissenschaftlich gelten“(Sorbonne-Rede, a.a.O., S. 144).
Im Symposium von 1985 stellte Kardinal Ratzinger unmissverständlich fest: „Auf keinen Fall sollte der Anschein eines neuen Streits zwischen Naturwissenschaft und Glaube entstehen, um den es in der Tat in diesem Gespräch in keiner Weise geht“ (a.a.O., S. VIII). Es macht dem Glauben keine Schwierigkeit, „die naturwissenschaftliche Hypothese Evolution sich gemäß ihren eigenen Methoden ruhig entfalten zu lassen“ (ebd.).
Nicht die exakte wissenschaftliche Arbeit an der Evolutionstheorie ist das Problem, sondern deren „Umfunktionierung“ in ein philosophisches Erklärungsmodell mit Totalanspruch. Und der Kardinal fügt hinzu: „Die eigentliche Gesprächsebene ist die des philosophischen Denkens: Wo Naturwissenschaft zur Philosophie wird, ist es die Philosophie, die sich mit ihr auseinandersetzen muss. Nur so stehen die Gesprächsfronten richtig; nur so bleibt deutlich, worum es sich handelt: um einen rationalen philosophischen Disput, der auf die Sachlichkeit rationaler Erkenntnis abzielt, nicht um einen Einspruch von Glaube gegen Vernunft“ (a.a.O., S. VIII).
Ähnlich ist die Schlussfolgerung der Rede an der Sorbonne: „Jedenfalls führt an dem Disput über die Reichweite der Evolutionslehre als erster Philosophie und über die Ausschließlichkeit positiver Methode als einziger Weise von Wissenschaft und Rationalität kein Weg vorbei. Dieser Disput muss daher von beiden Seiten sachlich und hörbereit in Angriff genommen werden, was bisher nur in geringem Maß geschehen ist“ (a.a.O., S. 144).
Papst Benedikt bringt hier zum Ausdruck, was wohl in der öffentlichen Debatte meist übersehen wird: Die Alternative lautet doch nicht: entweder Kreationismus oder Evolutionismus! Sie heißt auch nicht: Entweder Glaube oder Wissenschaft! Es geht vielmehr um die philosophische Frage, was denn Reichweite und Grenzen der streng quantitativen Methode der Naturwissenschaften sei: Zwischen Glauben und Naturwissenschaften bedarf es als vermittelnder Instanz der Philosophie. Die Philosophie ist gefragt, um Grenzen der naturwissenschaftlichen Methoden und ihrer Reichweite zu formulieren, um Grenzüberschreitungen aufzudecken, um Verengungen des Vernunftbegriffs zu öffnen. Eine gute Philosophie der Natur kann helfen, die heute auf beiden Seiten drohenden Fundamentalismen zu vermeiden, den religiösen und den wissenschaftlichen.

5. Im Anfang war das Wort
Aber auch Philosophien haben ihre Grenzen, gerade wenn es um die letzten Fragen geht. Papst Benedikt hat das oft angesprochen. In der Sorbonne-Rede sagt er: „Letzten Endes geht es um eine Alternative, die sich bloß naturwissenschaftlich und im Grunde auch philosophisch nicht mehr auflösen lässt. Es geht um die Frage, ob die Vernunft bzw. das Vernünftige am Anfang aller Dinge und auf ihrem Grunde steht oder nicht. Es geht um die Frage, ob das Wirkliche aufgrund von Zufall und Notwendigkeit (….), also aus dem Vernunftlosen entstanden ist, ob also die Vernunft ein zufälliges Nebenprodukt des Unvernünftigen und im Ozean des Unvernünftigen letztlich auch bedeutungslos ist, oder ob wahr bleibt, was die Grundüberzeugung des christlichen Glaubens und seiner Philosophie bildet: In principio erat Verbum – am Anfang aller Dinge steht die schöpferische Kraft der Vernunft. Der christliche Glaube ist heute wie damals die Option für die Priorität der Vernunft und des Vernünftigen. Diese Letztfrage kann nicht mehr, wie schon gesagt, durch naturwissenschaftliche Argumente entschieden werden, und auch das philosophische Denken stößt hier an seine Grenzen. In diesem Sinn gibt es eine letzte Beweisbarkeit der christlichen Grundoption nicht. Aber kann eigentlich die Vernunft auf die Priorität des Vernünftigen vor dem Unvernünftigen, auf die Uranfänglichkeit des Logos verzichten, ohne sich selber aufzugeben?“ (a.a.O., S. 146).
Damit ist wohl die entscheidende Frage gestellt. Joseph Ratzinger hat sie bei vielen Anlässen immer neu formuliert. Seine Äußerungen zu unserem Thema sind zahlreich, und wir konnten hier nur eine kleine Auswahl bieten. Zu Joseph Ratzinger gehört neben der großen begrifflichen Klarheit immer auch ein sehr lebensnaher, existentieller Zugang zu den Fragen, die er behandelt. Diese enge Verbindung von hoher Intellektualität, tiefer Frömmigkeit und großer Lebensnähe macht wohl auch den anhaltenden Erfolg seiner Vorlesungen, Vorträge und Predigten aus.
So kann es nicht fehlen, dass ich abschließen auf das hinweise, was Joseph Ratzingers‘, Papst Benedikts‘ Äußerungen zum Thema „Evolution und Schöpfung“ im tiefsten bestimmt: der Logos, der im Anfang war und der alles trägt und vernünftig macht, ist untrennbar von der Liebe: „Der Logos erschien nicht nur als mathematische Vernunft auf dem Grund aller Dinge, sondern als schöpferische Liebe bis zu dem Punkt hin, dass er Mit-Leiden mit seinem Geschöpf wird“. Dieser Logos ist Mensch geworden und hat in seiner Auferstehung von den Toten „die größte Mutation“ in der langen Geschichte der Evolution des Lebens vollzogen, wie Papst Benedikt in seiner ersten Osterpredigt sagte (15.4.2006); dieser Logos ist selber Liebe, und wenn dieser Logos am Anfang von allem steht und auch am Ende aller Dinge, dann ist die Liebe der tiefste Grund von allem. Oder, mit den Worten von Papst Benedikt: „Die wahre Vernunft ist die Liebe, und die Liebe ist die wahre Vernunft. In ihrer Einheit sind sie der wahre Grund und das Ziel alles Wirklichen“ (a.a.O., S 147).
German "Bemüht euch durch die enge Tür zu gelangen"
Oct 31, 2008
Gemeinsam die christlichen Grundhaltungen zu lernen, auf Christus und sein Kreuz zu schauen, und anderen Menschen den oft schwer gangbaren christlichen Weg zu eröffnen, sei die Aufgabe des Seminars, erklärte Kardinal Christoph Schönborn in der Predigt des Festgottesdienstes "250 Jahre Wiener Priesterseminar".

Kardinal Christoph Schönborn feierte am Mittwoch, 29. Oktober 2008, den Festgottesdienst im Wiener Priesterseminars  zum 250-jährigen Bestehen des Seminars. Mit der Gründung hatte Kardinal Christoph Migazzi etwa 200 Jahre nach dem Konzil von Trient, dessen Grundanliegen eine gemeinsame diözesane Priesterausbildung war, verwirklicht.

Frohbotschaft und Drohbotschaft
In der Predigt ging Kardinal Christoph Schönborn auf die Worte des Evangeliums ein, in dem Jesus die Frage gestellt wird: "Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden?" (Lk 13,23). Die Frage nach der Rettung bewege die Menschen heute kaum noch, so Kardinal Schönborn. Man könne sich schwer eingestehen, dass Jesus auch mit der Angst vor dem Gericht motivieren wollte und dass die Frohbotschaft mit einer Drohbotschaft verbunden ist.

"Der Ernst der Nachfolge"
In seinen Ausführungen bezog sich der Wiener Erzbischof auf die Antwort Jesu im Evangelium: "Bemüht euch durch die enge Tür zu gelangen." Das sei ein Hinweis auf den Ernst der Nachfolge, den der Kardinal am Beispiel der seligen Schwester Restituta Kafka - der Seligen des Tages - verständlich zu machen. Die Schwester erkannte die Unvereinbarkeit des Nationalsozialismus mit dem Glauben an Jesus Christus, leistete Wiederstand und wurde zum Tod verurteilt: "Schwester Restituta hat sich mit allen Kräften bemüht, durch diese enge Tür zu kommen", betonte Kardinal Christoph Schönborn. Der Ernst der Nachfolge - mit der Bereitschaft bis zum Tod zu gehen - könne eine Antwort auf die Frage nach der Rettung sein, so der Kardinal.

"Anderen den Weg zum Heil weisen"

Doch die Hingabe der seligen Schwester Restituta, die im Gefängnis vielen Trost spendete, habe gleichzeitig anderen den Weg zum Heil gewiesen. Der Sinn der Heiligenverehrung bestehe auch darin, dass die Heiligen anderen Menschen den im Evangelium genannten "Weg durch enge Tür" eröffnen. "Wenn wir auf solche Vorbilder schauen, dann wird der Weg, den Jesus uns gewiesen hat, als ein möglicher sichtbar", so betonte der Kardinal. Dann sei es nicht mehr unmöglich gerettet zu werden.

"Der enge Weg" würde auch dann gangbar erscheinen, wenn sich die Christen daran erinnern, dass sie gemeinsam vor Gott stehen. "Die Priesterberufung soll dazu führen, dass dieser Weg für andere sichtbar, glaubwürdig und als gangbar erscheint." Dieser sei der christliche Weg, so der Kardinal. In der Ausbildung im Seminar sollten den christlichen Grundhaltungen und das Schauen auf Christus und sein Kreuz gemeinsam gelernt werden. Aber, so fragte der Kardinal zum Abschluss der Predigt: "Sind wir bereit zu schauen, dass viele gerettet werden?" Jesus wolle uns wachrütteln, damit wir uns für andere einsetzen, so der Kardinal, der mit dem Hinweis abschloss: "Es sind im Seminar noch Plätze frei!"
German "Weg zu Gott sichtbar machen"
Oct 31, 2008
Festgottesdienst zum 250-Jahr-Jubiläum des Wiener Priesterseminars

Wien, 30.10.08 (KAP) Die gemeinsame Einübung der christlichen Grundhaltungen im Blick auf Jesus Christus hat Kardinal Christoph Schönborn als die zentrale Aufgabe eines Priesterseminars bezeichnet. In seiner Predigt am Mittwochabend beim Festgottesdienst anlässlich des 250-jährigen Bestehens des Wiener Priesterseminars erinnerte Schönborn an das Lebens- und Glaubenszeugnis der seligen Sr. Restituta Kafka, die von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Im Gefängnis habe sie vielen Mithäftlingen Trost und Zuversicht gespendet. Sie sei ein leuchtendes Vorbild dafür gewesen, was es bedeuten kann, Christus mit ganzem Ernst bis zum äußersten nachzufolgen. Priester seien dazu berufen, in einer Welt voll Gewalt, Angst und Ungerechtigkeit anderen den christlichen Weg zu Gott sichtbar zu machen und diesen Weg glaubhaft und gangbar zu vermitteln, so Kardinal Schönborn. Das Priesterseminar der Erzdiözese Wien sei ein Ort, wo dies gelernt werden könne.

Der Wiener Erzbischof würdigte beim Gottesdienst in der Kirche des Priesterseminars in der Boltzmanngasse auch das Wirken von Kardinal Christoph Migazzi, der im 18. Jahrhundert das Wiener Priesterseminar begründet hatte. Der aus einer Trentiner Familie stammende Kardinal habe die Beschlüsse des Konzils von Trient (1545-1563) für die Reform der Priesterausbildung 1758 in Wien umgesetzt, wenn auch mit etwa 200 Jahren Verspätung.

Dem Konzil von Trient sei es darum gegangen, dass die angehenden Priester ihre Ausbildung nicht als "Lehrbuben eines Pfarrers", sondern gemeinsam in einem Seminar absolvieren, erinnerte Schönborn.
German Neokatechumenaler Weg ist "Geschenk Gottes"
Oct 28, 2008
Wiener Erzbischof feierte Gottesdienst mit neuen geistlichen Gemeinschaften aus Anlass der endgültigen Approbation des Statuts des "Neokatechumenalen Weges"

Wien, 27.10.08 (KAP) Als "Geschenk Gottes" hat Kardinal Christoph Schönborn den im Juni dieses Jahres endgültig vom Vatikan approbierten "Neokatechumenalen Weg" bezeichnet. Wie Kardinal Schönborn in einem Gottesdienst im Stephansdom betonte, zeichne sich der "Neokatechumenale Weg" insbesondere durch sein eindrucksvolles Lebens- und Glaubenszeugnis, durch sein unumstößliches "Ja" zum Leben und durch seinen unablässigen Einsatz für die Neuevangelisation Europas aus.

Europa sei längst wieder ein Missionsgebiet geworden, so Kardinal Schönborn. In den Gebieten der ehemaligen DDR sei dies besonders deutlich. Es sei "ein Teil der Sendung der Kirche in Europa", sich diesen Gebieten erneut zuzuwenden und auch in Form von christlichen Familien und Gemeinschaften an der Neuevangelisation zu arbeiten.

Der "Neokatechumenale Weg" stellte laut Kardinal Schönborn eine "große Hilfe" und "Ergänzung" für die bestehenden pfarrlichen und gemeindlichen Strukturen dar, da die neuen geistlichen Gemeinschaften durch die Intensität ihres Glaubenslebens den Pfarren Impulse geben könnten. Zugleich zeige sich in ihnen eine wesentliche Intention des Zweiten Vatikanischen Konzils umgesetzt, so Kardinal Schönborn, insofern sie "ein neues Miteinander von Priestern und Laien" vorlebten. So spreche der "Neokatechumenale Weg" ein "klares 'Nein' zum Klerikalismus und ein deutliches 'Ja' zu einem dienenden Verständnis des Amtes".

An dem Gottesdienst nahmen unter anderem Vertreter der Charismatischen Erneuerung, der Fokolarbewegung, der Bewegung Cursillo, der Legion Mariens, der Schönstattbewegung, der Loretto-Gemeinschaft sowie des Opus Dei teil.

Der "Neokatechumenale Weg" ist ein Weg innerhalb der katholischen Kirche zur Herausbildung einer speziellen christlichen Lebensweise. Er wurde 1964 von dem Künstler Kiko Argüello und Carmen Hernandez in Madrid mit dem Ziel der Neuevangelisation Europas initiiert. Das Statut des "Neokatechumenalen Weges" wurde am 12. Juni 2008 endgültig approbiert.
German "Menschen für Christus gewinnen"
Oct 27, 2008
Erzdiözese Wien: Auftakt des Prozesses "Apostelgeschichte 2010"

Wien, 26.10.08 (KAP) "Menschen für Christus gewinnen": So fasst Kardinal Christoph Schönborn das Ziel des Prozesses "APG 2010" zusammen, der am Sonntag mit der Verlesung eines Kanzelworts des Wiener Erzbischofs bei den Gottesdiensten in der Erzdiözese Wien begonnen hat. Wörtlich schreibt Kardinal Schönborn in "thema kirche", dem Mitarbeitermagazin der Erzdiözese Wien: "Kirche ist missionarisch, oder sie ist nicht Kirche". "APG 2010" steht für "Apostelgeschichte" (jenen Teil der Bibel, in dem die Anfänge der Mission der Kirche beschrieben wwerden) und das Jahr 2010. Mit "APG 2010" soll die Apostelgeschichte im "hier und heute" weitergeschrieben werden. Die nächsten 24 Monate werden in der Erzdiözese Wien im Zeichen der beiden Stichworte "Sammlung" und "Sendung" stehen: In drei großen Diözesanversammlungen mit Delegierten aus allen Pfarren und Gemeinschaften will man sich den Fragen der Zeit stellen, um miteinander in Meinungs- und Erfahrungsaustausch und im Gebet "die Zeichen der Zeit zu erkennen und Antworten für die Gegenwart und Zukunft zu finden". Untrennbar gehört dazu aber auch die "Sendung", so Kardinal Schönborn: "Jesu Auftrag, zu allen Menschen zu gehen mit seiner Frohbotschaft".

In seinem Kanzelwort erinnert der Wiener Erzbischof an Parallelen zwischen "damals" und "heute": "'Unmöglich können wir schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben', diese Antwort gaben die Apostel, als man ihnen verbieten wollte, noch weiter von Jesus zu sprechen...Sie ließen sich nicht hindern, von dem zu sprechen, was sie mit Jesus erlebt hatten. Und so geschah Mission. Keine staatliche Macht half dabei. Kein gesellschaftlicher Druck drängte dazu, Christ zu werden. Oft war das Gegenteil der Fall. Unverständnis, Widerspruch, ja Feindschaft und Verfolgung begegneten dem Christentum. Aber auch Neugierde, Sinnsuche und eine tiefe Sehnsucht nach dem 'unbekannten Gott'...Heute stehen wir wieder in einer ähnlichen Situation: Viel Gegenwind, Unverständnis, Ablehnung, aber auch viel Sehnsucht und Suche, oft nicht bei der Kirche, sondern bei zweifelhaften Quellen. Sicher ist: Wir sind neu gefordert, durch persönliches Zeugnis Menschen für Christus zu gewinnen".

Die Erfahrungen der letzten Jahre - von der "Großen Wiener Stadtmission" über den "Weinviertler Pilgerweg" bis zur "Langen Nacht der Kirchen" - hätten viele ermutigt, "den Weg der Mission bei uns neu zu entdecken", schreibt der Wiener Erzbischof: "Mit dem Prozess 'Apostelgeschichte 2010' lade ich Sie alle ein, diesen begonnenen Weg gemeinsam diözesanweit zu gehen". Die Leitfrage für "APG 2010" laute: "Was ist es also, worüber wir heute unmöglich schweigen können?" In seiner sehr persönlichen Antwort weist Kardinal Schönborn daraufhin, dass für ihn die "Freundschaft mit Jesus" die "Grundmelodie" seines Lebens geworden sei. Mission sei für ihn immer die Einladung an andere, "das Glück dieser Freundschaft mit Gott kennenzulernen".

Zugleich erinnert der Wiener Erzbischof daran, dass er immer wieder davon berührt sei, "wie sehr diese Stadt und dieses Land vom Christentum, vom persönlichen Engagement so vieler Menschen geprägt sind". Über die ganze Erzdiözese Wien sei ein "feinmaschiges Netz an Gottes- und Nächstenliebe" gespannt, weil Christinnen und Christen "aufmerksam sehen, was zu tun ist, wo Not ist, und tatkräftig zupacken". Schmerzlich sei aber auch zu erleben, "wie vieles an christlichem Lebensverständnis heute in unserer Gesellschaft an den Rand gedrängt wird".

Inmitten großer Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels und der wirtschaftlichen Krise müsse sich die Kirche neu dem Auftrag aus der Sendung Jesu stellen, den Menschen die "gute Nachricht" zu bringen, schreibt Kardinal Schönborn. An dieser Sendung hätten ja alle Christen durch Taufe und Firmung Anteil. Angesichts der Größe der Aufgabe werde die "Armseligkeit der Mittel und Kräfte" schmerzlich bewusst. Aber es sei wie der "Speisung der Fünftausend", als die Apostel nur fünf Brote und zwei Fische hatten: "Wie damals gilt auch heute: Geben wir das wenige, was wir haben, Christus in die Hände. Er kann daraus viel machen".
German Asyl ist für Wiens Erzbischof ein fundamentales Menschenrecht.
Oct 24, 2008

Entsetzt über den Umgang mit dem Thema Asyl in Österreich äußerte sich Wiens Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn bei einer Podiumsdiskussion in Wien: „Asyl ist ein Menschenrecht. Wenn jemand in seinem Heimatland bedroht ist, muss er aufgenommen werden. Egal, ob es sich um zehn, hundert oder tausend Personen handelt.“ Anders sieht er die Frage der Immigration. Diese sei „kein Menschenrecht, sondern ein Freiheitsrecht in einem politischen Rahmen.“
Im Zuge dieser Debatte vermisst Schönborn vor allem einen gewissen Anstand gegenüber den in den 60er-Jahren nach Österreich gekommenen Gastarbeitern. „Diese haben viel an Mühe übernommen und Arbeiten erledigt, die wir nicht mehr machen wollten.“ Daher dürfe ihr Bleiberecht nicht in Frage gestellt werden.

Den Einfluss des Christentums in Europa sieht der Kardinal schwinden. Es gebe starke Kräfte, „vor allem Freimaurer aus Italien und Frankreich“, die gegen eine stärkere politische Rolle des Christentums ankämpfen. Ein Beispiel sei der gescheiterte Kampf um einen Bezug auf die christliche Religion in der europäischen Verfassung.

Eine Aufnahme der Türkei in die Europäische Union sieht Schönborn dennoch wenig problematisch. Für ihn gibt es ein Europa nur mit der Türkei. Einzig die noch schwach ausgeprägte Religionsfreiheit könnte ein fundamentales Hindernis darstellen.

Die zukünftige Rolle der katholischen Kirche innerhalb Europas sieht er weniger im Politisch-Religiösen, als vielmehr in „der Verteidigung der Humanität gegen den Relativismus.“ Auf dieser Ebene ließen sich Bündnisse mit anderen Religionen schließen und etwa gemeinsame Positionen gegen liberalere Euthanasiegesetze formulieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2008)
German Kardinal Schönborn fordert mehr Zivilcourage
Oct 24, 2008
Mit jungen Christen und Muslimen diskutierte Kardinal Christoph Schönborn im Rahmen eines Podiumsgesprächs der Akademie für Evangelisation. Dabei forderte der Kardinal mehr gesellschaftspolitisches Engagement und mehr Zivilcourage von den katholischen Laien.

"Was fehlt, sind Stimmen von kompetenten Laien", sagte Kardinal Christoph Schönborn am Mittwoch, 22. Oktober 2008, in einer Podiumsdiskussion der Akademie für Evangelisation im Wiener Figl-Haus. In Österreich herrsche noch immer ein zu starkes Obrigkeitsdenken, es werde immer an die Bischöfe appelliert, so der Kardinal.

Im jüngsten Nationalratswahlkampf habe er viele Briefe und E-Mails erhalten, in denen eine Stellungnahme seinerseits eingefordert oder erbeten wurde, berichtete Kardinal Christoph Schönborn. In diesem Zusammenhang erinnerte er an den Grundsatz, dass sich die kirchliche Hierarchie in Österreich nicht in die Parteipolitik einmische. Kardinal Franz König habe hier beispielhaft den Rahmen vorgegeben: Es seien die Parteien selbst, die durch Programm, Praxis und Auswahl der handelnden Personen ihre Nähe oder Distanz zur Kirche definieren. In gesellschaftspolitisch relevanten Grundsatzfragen würden die Bischöfe aber sehr wohl ihre Stimme erheben und auf christliche Werte verweisen, unterstrich Kardinal Schönborn. Von den katholischen Laien hingegen forderte der Wiener Erzbischof mehr gesellschaftspolitisches Engagement und mehr Zivilcourage ein.

In der Akademie für Evangelisation diskutierte Kardinal Schönborn mit jungen Christen und Muslimen.

Übereinstimmung herrschte bei der Diskussion mit jungen Christen und Muslimen darüber, dass es für gläubige Menschen nicht leicht sei, ihre Überzeugung in der gegenwärtigen Gesellschaft zu leben. So berichtete die katholische Studentin Pamila Paulik, dass sie zwar persönlich kein Problem damit habe, sich zu ihrem Glauben zu bekennen. Wenn sie aber beispielsweise für eine christliche Veranstaltung Werbung mache, erfahre sie viel Ablehnung.

Die Studentin Elisabeth Hargassner, die sich selbst als suchenden Menschen bezeichnete, beklagte, dass sie keinen Christen begegnet sei, die sie über den Glauben informieren hätten können. Das erschwere ihr den Zugang zum christlichen Glauben.

Migrationsproblem

Der in einer türkischen Gastarbeiterfamilie aufgewachsene Sinan Ertugrul beklagte, dass man als Muslim derzeit ständig mit der Anschuldigung konfrontiert werde, ein Terrorist zu sein. Es würde ihn auch belasten, dass er sich zwar als Österreicher fühle, die Gesellschaft das aber nicht akzeptiere. Auf das Migrationsproblem angesprochen, verwies Kardinal Christoph Schönborn darauf, klar zwischen Asyl und Immigration zu unterscheiden. Asyl sei ein Menschenrecht, das außer Frage stehe. Migration hingegen sei in erster Linie eine politische Frage. Im Hinblick auf die türkischen Immigranten dürfe man nicht vergessen, so Schönborn, dass die Gastarbeiter in den sechziger und siebziger Jahren von Österreich geholt worden seien. Sie hätten jene Arbeiten übernommen, für die sich keine Österreicher mehr fanden. "Es ist eine Frage des Anstands, dass man solche Dinge nicht vergisst", sagte der Kardinal.

"Verstehen, wie jemand seine Heimat liebt"

Integration könne nicht einfach damit erfüllt sein, so Kardinal Schönborn, dass Türken feststellen, Österreich sei ihre Heimat. Bei seinem jüngsten Türkei-Besuch sei ihm verstärkt bewusst geworden, wie sehr der Begegnung von Völkern die Voraussetzung zugrunde liegt, "dass man versteht, wie jemand seine Heimat liebt", so Kardinal Christoph Schönborn.
German "Wir haben einen guten Freund verloren"
Oct 24, 2008
Mit Betroffenheit gedenkt Kardinal Christoph Schönborn des am Freitag verstorbenen Wiener Altbürgermeisters Helmut Zilk. "Wir haben einen guten Freund der Kirche, einen guten Altbürgermeister und engagierten Österreicher verloren", so der Wiener Erzbischof.

Am Freitag, 24. Oktober 2008, ist der Wiener Altbürgermeister Helmut Zilk im Wilhelminenspital an Herzversagen verstorben. Mit tiefer Betroffenheit gedenkt Kardinal Christoph Schönborn des Verstorbenen. "Ich habe Helmut Zilk während seiner Zeit als Unterrichtsminister in der Schweiz kennen gelernt, wo ich als Professor unterrichtete. In seiner späteren Funktion als Wiener Bürgermeister habe ich ihn als Weih- und später als Erzbischof von Wien sehr schätzen gelernt", so Kardinal Schönborn im Gespräch mir Radio Stephansdom.

"Helmut Zilk hat mich tief beeindruckt", so Kardinal Schönborn.

Kardinal Schönborn würdigt Helmut Zilks Engagement bei der Einbindung der katholischen Kirche in die Stadtplanung: "Dank der Initiative der Stadt Wien sind wir mitten in die städtebauliche Planung mit hinein genommen worden. Das war für uns etwas Neues, dass die Stadt Wien auf uns zugeht."

"Was mich besonders, wie viele andere auch, beeindruckt hat, war sein Zeugnis des Glaubens nach dem Briefbombenattentat, das er vor ganz Österreich abgelegt hat. Aus dem Spital sprach er von seiner Überzeugung als Christ und zeigte das Kreuz als Zeichen des Heils, als Zeichen der Hoffnung ", so Kardinal Schönborn. Der Erzbischof betont, dass mit Helmut Zilk ein Mann von dieser Welt gehe, der den Menschen sehr nahe war und für die Stadt Wien und Österreich viel bedeutet hat: "Ich nehme sehr Anteil am Schmerz seiner Frau, mit der ich noch vor kurzem über den Gesundheitszustand ihres Mannes gesprochen habe. Wir haben eine guten Freund, einen guten Altbürgermeister und einen engagierten Österreicher verloren. Aber wir glauben an das Leben nach dem Tod, an eine Auferstehung, und in diesem Sinn ist Helmut Zilk für uns nicht verloren, sondern nur in das endgültige Leben hinüber gegangen."

Engagement für den Stephansdom

"Vor allem auch für den Stephansdom hat Helmut Zilk viel getan. Der Verein 'Rettet den Stephansdom' ging auf seine Initiative zurück", so Kardinal Schönborn. Auch der Obmann des Vereins "Unser Stephansdom", Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad, zeigt sich vom Tod Helmut Zilks tief betroffen. "Er war der Gründer des Vereins und er hat die Arbeit des Vereins mit großem Interesse und Wohlwollen unterstützt und verfolgt. Wir haben zuletzt bei der Segnung des neu vergoldeten Turmkreuzes seiner gedacht", so Christian Konrad.
German Die Wiener Innenstadt im Zeichen des Weltmissionssonntags
Oct 21, 2008
„Mission heißt zuerst Gott geben; Menschen das geben, was das Wichtigste ist - Gott“, bekräftigte der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn gestern, am Weltmissionssonntag.

WIEN, 20. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Der Kardinal feierte im bis auf den letzten Platz gefüllten Wiener Stephansdom ein Pontifikalhochamt und nahm anschließend an einem großen Fest für Kinder und ihre Familien teil, das von den Päpstlichen Missionswerken in Österreich (Missio) organisiert worden war. Der Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke, Msgr. Leo-M. Maasburg, konzelbrierte mit Kardinal Schönborn, der in seiner Predigt nicht nur auf den Hirtenbrief der Bischöfe zum Weltmissionssonntag Bezug nahm, sondern zudem alle aufrief, sich großzügig an der größten Solidaritätsaktion der Welt zu beteiligen.

„Greifen Sie heute bitte tief in die Tasche. Es ist wirklich lebensnotwendig für die Weltkirche, dass die Päpstlichen Missionswerke weltweit sammeln, damit die armen Diözesen leben können.“

Das anschließende Kinderfest stand ganz im Zeichen des diesjährigen Missio-Beispielslands Kolumbien: Kolumbianische Tänze wurden aufgeführt und lateinamerikanische Köstlichkeiten serviert. Samira Sanmartin Arteaga, Missio-Gast aus Kolumbien, berichtete über ihre Arbeit mit Flüchtlingskindern und die Situation in ihrer Heimat (ZENITberichtete).

Kardinal Christoph Schönborn sprach mit den Kindern über Mission. Er fragte sie, was denn das bedeute, und die Kinder kamen schon bald darauf, dass es sich um eine Aufgabe handeln müsse. „Ja, ich habe eine Mission: Ich muss Aufgaben machen!“, meinte eines der Kinder. „Ich passe auf meine kleine Schwester auf!“, erklärte ein anderes.

Für Heiterkeit sorgte eines der Kinder, das auf die Frage von Kardinal Schönborn: „Und habe ich auch eine Mission?“, sofort laut und überzeugt „Nein!“ ausrief. Der Kardinal antwortete: „Doch, jeder hat eine Mission, einen Auftrag, eine Botschaft! Unsere Botschaft lautet ‚Jesus ist auferstanden! Gott liebt dich’“, und dankte den Kindern für ihren missionarischen Einsatz und ihre Hilfe für die Kinder in Kolumbien.

Msgr. Maasburg freute sich über das gelungene Fest und dankte insbesondere all jenen, „die durch ihr Gebet und ihre Spende den Weltmissionssonntag zu dem machen, was er ist: die größte Solidaritätsaktion der Welt“.

Über 1.100 der weltweit 2.500 Diözesen der katholischen Kirche befinden sich in den ärmsten Ländern der Welt. Sie sind bei der Verwirklichung ihrer großen pastoralen und sozialen Aufgaben auf materielle Unterstützungen angewiesen. Die Sammlung am Weltmissionssonntag dient dazu, diesen Ortskirchen ein „Existenzminimum“ zu sichern. Dabei geht es in erster Linie nicht um bestimmte Projekte, sondern um die täglichen Ausgaben, ums Überleben. Online-Spenden sind hier möglich: www.missio.at.
German Große Gesprächsbereitschaft in der Türkei
Oct 21, 2008
Kardinal Schönborn zog Bilanz seines dreitägigen Besuchs in Ankara und Istanbul

Wien, 15.10.08 (KAP) Große Gesprächsbereitschaft und intensives Interesse an der europäischen Entwicklung ortete Kardinal Christoph Schönborn bei den islamischen religiösen Autoritäten in der Türkei, wie er am Mittwoch unmittelbar nach seiner Rückkehr aus Istanbul bei einer Pressekonferenz in Wien feststellte. Der Wiener Erzbischof hatte sich auf Einladung des Präsidenten des "Diyanet" (der staatlichen türkischen Religionsbehörde), Prof. Ali Bardakoglu, mit einer kleinen Delegation drei Tage in der Türkei aufgehalten. In Ankara hielt Kardinal Schönborn an der islamisch-theologischen Fakultät einen Vortrag über "das Verhältnis von Religion und Staat in der Sicht der katholischen Kirche". Dabei machte der Kardinal deutlich, dass die katholische Kirche für die notwendige Unterscheidung von weltlichem und religiösem Bereich eintritt. Sie orientiere sich aber nicht an einem Modell der Trennung, sondern - unter Respektierung der Eigenständigkeit beider Bereiche - an einem Modell der Kooperation.

Bei den Gesprächen mit den Verantwortlichen des "Diyanet" und des "Zentrums für Islamforschung" (ISAM) in Istanbul, mit den Professoren der islamisch-theologischen Fakultät in Ankara und mit dem Großmufti von Istanbul, Prof. Mustafa Cagrici, sei ein großes Interesse an authentischer Information über das Christentum deutlich geworden. Die türkischen Gesprächspartner hätten sich insbesondere für Fragen des Religionsunterrichts und der Ausbildung der Religionslehrer, aber auch der universitären theologischen Forschung und Lehre interessiert. Auch die Situation der Muslime türkischer Herkunft in Österreich sei angesprochen worden.

Kardinal Schönborn betonte bei der Pressekonferenz, er habe seinerseits auch die Lage der christlichen Minoritäten in der Türkei thematisiert. Sein Eindruck sei, dass das Thema Religionsfreiheit in der islamischen Gemeinschaft in der Türkei deutlich gesehen werde. Der Wiener Erzbischof legte den muslimischen Gesprächspartnern dar, dass sich in Österreich die katholische Kirche als "Mehrheitsreligion" bemüht, die kleineren Religionsgemeinschaften "mitzunehmen" und etwa bei Verhandlungen mit dem Staat zu unterstützen. Er brachte seinen Wunsch zum Ausdruck, dass in der Türkei die islamische Religionsgemeinschaft diese Schutzfunktion für die religiösen Minderheiten übernehmen sollte.

Der Wiener Erzbischof verwies in der Türkei auf "dieSchönheit und den Reichtum eines gesunden religiösen Pluralismus". Er verband diese Feststellung mit dem geschichtlichen Hinweis darauf, dass sowohl das osmanische als auch das habsburgische Reich durch religiösen - und auch ethnischen - Pluralismus gekennzeichnet waren. Damals habe religiöser Pluralismus "keine Begrenzung, sondern eine Bereicherung" dargestellt.

Dankbarkeit an die "Gastarbeiter"

Die Türkeireise sei für ihn auch im Kontext des Phänomens der türkischen Immigration nach Österreich gestanden, sagte Kardinal Schönborn. Wörtlich betonte der Wiener Erzbischof: "Wir müssen uns daran erinnern, dass wir Österreicher die 'Gastarbeiter' aus der Türkei in den sechziger und siebziger Jahren ins Land gebeten haben. Wir schulden ihnen Dank, weil sie zum österreichischen Aufschwung beigetragen haben". Viele von ihnen seien mit ihren Kindern mittlerweile östereichische Staatsbürger geworden, hätten sich aber auch die Liebe zu ihrem Ursprungsland bewahrt. Als Flüchtlingskind könne er das schwierige Verhältnis von Beziehung zur alten und zur neuen Heimat gut nachvollziehen, sagte Schönborn.

Wie Kardinal Schönborn berichtete, habe es in der Türkei auch Kontakt mit den christlichen Kirchen gegeben. In Ankara traf der Wiener Erzbischof mit dem Apostolischen Nuntius, Erzbischof Antonio Lucibello, zusammen. In Istanbul feierte er in der Georgskirche, die zum Komplex des österreichischen St. Georgskollegs in Galata gehört, in Konzelebration mit Bischof Louis Pelatre die Heilige Messe. In Begleitung von Großmufti Cagrici traf der Kardinal mit dem armenisch-apostolischen Patriarchen von Istanbul, Mesrob II. (Mutafyan), in dessen Residenz in Kumkapi zusammen. Am Dienstagabend besuchte der Wiener Erzbischof dann den Phanar, um seine Verbundenheit mit dem Ökumenischen Patriarchat zum Ausdruck zu bringen.

Österreich-Kurse für Imame

Begleitet wurde Kardinal Schönborn bei der Türkei-Visite von der Wiener Sozialethikerin Prof. Ingeborg Gabriel, dem Leiter der "Kontaktstelle für christlich-islamische Begegnung in der Erzdiözese Wien", Dechant Martin Rupprecht, Sr. Beatrix Mayrhofer (Katholisches Schulzentrum Friesgasse) und dem Wiener Dechanten Darius Schutzki.

Dechant Rupprecht - der die Reise seit eineinhalb Jahren vorbereitet hat - bestätigte bei dem Pressegespräch, dass das Verhältnis von Muslimen und Christen in Österreich von Seiten der türkischen Religionsbehörde sehr genau beobachtet und als vorbildhaftes Modell gewertet werde. Die türkische Religionsbehörde schätze die von Dialogbereitschaft geprägte Atmosphäre in Österreich, so Rupprecht, sowie insbesondere die Linie Kardinal Schönborns, der als "zentrale Ansprechperson weltweit" für Fragen des interreligiösen Dialogs zwischen Christentum und Islam betrachtet werde. Rupprecht wies auf die enorme Bedeutung des "Diyanet" für das interreligiöse Gespräch hin. Die Behörde mit einem Jahresbudget von rund einer Milliarde Euro habe derzeit 100.000 Mitarbeiter, 80.000 davon sind Imame.

Der Wiener Dechant - der selbst türkisch spricht - berichtete von einem neuen Projekt, das vom österreichischen Außenministerium und der türkischen Religionsbehörde in Kooperation mit der katholischen Kirche getragen wird. Ab November sollen demnach türkische Imame, die in Österreich Seelsorgeaufgaben übernehmen, zunächst einen halbjährigen Deutschkurs absolvieren; anschließend werden sie bei einem Einführungsseminar über die österreichische Kultur und die religiöse Situation in Österreich informiert. Das erste derartige Seminar wird Anfang November stattfinden.

"Intellektuelle Aufgeschlossenheit"

Als "beeindruckend" bezeichnete Prof. Ingeborg Gabriel die "intellektuelle Aufgeschlossenheit" an den islamisch-theologischen Fakultäten in der Türkei (24 gibt es derzeit im ganzen Land). Es bestehe ein "genuines Interesse" am Christentum, die islamischen Theologen hätten das Bestreben, sich aus "authentischen Quellen" über die andere Religion zu informieren. Ebenso gebe es große Aufmerksamkeit für die Auseinandersetzung mit der westlichen Philosophie.

Prof. Gabriel verwies auf ein universitäres Projekt, an dem die türkische Religionsbehörde beteiligt ist. Dabei werden die "Hadithen" (Überlieferungen von religiösen Regeln, Geboten und Schilderungen aus dem Leben des Propheten Mohammed) nach nicht-korangemäßen frauenfeindlichen Äußerungen und Anweisungen durchforstet. Übrigens stehe derzeit auch eine Frau als Dekanin an der Spitze der islamisch-theologischen Fakultät in Ankara.

Interessant sei auch die Tatsache, dass rund 1.000 Studenten aus postsowjetischen zentralasiatischen Ländern in der Türkei islamische Theologie studieren.
German Kardinal Schönborn dankt Paul Michael Zulehner
Oct 20, 2008
Aus Anlass der Emeritierung von Paul Michael Zulehner, Pastoraltheologe und Dekan der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät, war der "Dies facultatis" heuer mit der offiziellen Laudatio für Paul Michael Zulehner verbunden.

(stephanscom.at, ) Für dessen "ungebrochene Loyalität zur Kirche" dankte Kardinal Christoph Schönborn dem scheidenden Pastoraltheologen Paul Michael Zulehner in einer Ansprache am 16. Oktober 2008, dem "Dies facultatis" der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Paul Zulehner sei auch in schwierigen Zeiten wie in den Jahren der innerkirchlichen Turbulenzen ein stets verlässlicher Partner gewesen.

Politische Wachsamkeit

Kardinal Schönborn betonte, er habe Zulehner immer für seine politische Wachsamkeit, seinen leidenschaftlichen Einsatz und seine rhetorische Kunst bewundert. Er wusste aber auch dessen ganz praktischen Fähigkeiten zu schätzen - "etwa den selbstverständlichen Umgang mit Computern und der neuesten Technik", so der Kardinal schmunzelnd.

Vermittlung zwischen Kirche und Welt

Die Vizerektorin der Universität Wien, Christa Schnabl, würdigte Zulehners Leistungen im Bereich der Vermittlung zwischen Kirche und Welt. Der 1939 in Wien geborene Professor habilitierte sich an der Universität Würzburg in Pastoraltheologie und -soziologie. Er habe sein Denken selbst einmal in der Frage auf den Punkt gebracht: "Woran liegt es eigentlich, dass die überkommenen Traditionen der Kirche von den Menschen heute nicht mehr verstanden werden. Und wie kann es gelingen, dass umgekehrt die Erfahrungen der Menschen heute, ihre Ängste und Hoffnungen, in der Kirche zum Thema gemacht werden?" erinnerte Vizerektorin Christa Schnabl.

"Doppelter Wohnsitz"

Es bedürfe eines "doppelten Wohnsitzes - ganz in der Kirche und ganz in der Welt", habe Zulehner aufmerksam gemacht, so Christa Schnabl. Zulehner sei es auf Grund dieser doppelten Beheimatung immer wieder gelungen, weltliche Veränderungen wahrzunehmen und sie innerkirchlich zu artikulieren. Dadurch habe er dafür gesorgt, dass Kirche und Welt nicht weiter auseinanderdriften, so die Vizerektorin.

Osteuropa-Forschung

Paul Michael Zulehner selbst betonte in seiner Rede, dass er sich stets um kritische Loyalität mit der Kirche bemüht habe. Dies sei auch die Haltung der gesamten Katholisch-Theologischen Fakultät, sagte er nachdrücklich. Zulehner, der das Studium der Philosophie, Theologie und Religionssoziologie in Innsbruck, Wien, Konstanz und München absolvierte und 1964 in Wien zum Priester geweiht wurde, erinnerte sich im Rückblick auf seine Tätigkeit an der Universität an den Antrittsbesuch bei Kardinal Franz König. Dieser habe ihm den Rat gegeben, sich in seiner Forschung auf Osteuropa zu konzentrieren. Die noch unter kommunistischer Herrschaft stehenden Länder seien damals für viele Pastoraltheologen Neuland gewesen.

Schließlich dankte Paul Michael Zulehner, der von 2000 bis 2007 Dekan der Wiener Katholisch-Theologischen Fakultät war, Kardinal Schönborn für dessen "wissenschaftsfreundliche und zurückhaltende Art" während der Zeit seiner Dekanstätigkeit. Das Verhältnis zwischen Kardinal Schönborn und der Fakultät sei von gegenseitigem Vertrauen geprägt gewesen.
German Das Verhältnis von Kirche und Staat in der Sicht der Katholischen Kirche
Oct 20, 2008
Vortrag von Kardinal Christoph Schönborn auf der Islamisch-Theologischen Fakultät von Ankara am 13. Oktober 2008, anlässlich der Türkeireise auf Einladung des "Diyanet" (Religionsamtes).

Sehr geehrte Damen und Herren!
Geschätztes Auditorium!

Es ehrt und freut mich, heute an Ihrer Fakultät zu einem Vortrag eingeladen zu sein. Als ehemaliger Universitätsprofessor ist es mir eine vertraute Umgebung, eine Gastvorlesung zu halten, auch wenn es erst das dritte Mal ist, dass ich an einer islamischen Fakultät spreche, nach Vorträgen in Teheran und in Djakarta.
Das Thema, das ich gewählt habe, greift mitten in eine der brennendsten Fragen der heutigen Weltpolitik hinein: Es geht um die Frage, wie Religion und Politik, Religionsgemeinschaften und staatliche Gemeinschaften sich zueinander verhalten. Ich werde darüber nicht in abstrakten Begriffen sprechen, sondern die Sicht der Katholischen Kirche darlegen, aber auch das nicht in einem ungeschichtlich - überzeitlichen Sinne, sondern in der Perspektive der neueren Lehrentwicklung der Katholischen Kirche, wie sie vor allem durch das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) repräsentiert wird, das für die Gegenwart die Lehrposition der Katholischen Kirche verbindlich dargelegt hat.
Denn die Frage des Verhältnisses von Religion und Politik, von Kirche und Staat, begleitet das Christentum von seinen Anfängen an. Die Frage stellt sich aber natürlich auch für alle andere Religionen, und sie hat heute eine besondere Aktualität, in einer Zeit, in der zwei Extrempositionen sich gegenseitig zu verstärken drohen: der radikale Fundamentalismus und der radikale Relativismus. In allen großen Religionen gibt es heute fundamentalistische Tendenzen: in gewissen christliche Gruppen, im Islam, im Hinduismus (denken wir an die jüngsten gewalttätigen Ausschreitungen gegen Christen und Muslime in manchen indischen Staaten) und selbst im sonst als besonders friedfertig geltenden Buddhismus (in Sri Lanka behindert die buddhistische Mönchspartei die Beendigung des Bürgerkrieges).

Die Gegenbewegung ist bekannt: der radikale Relativismus sieht in den Religionen vor allem Unruheherde, Störfaktoren; er wirft den Religionen ihr Gewaltpotential vor. Die Religionskriege zwischen Katholiken und Protestanten in Europa  waren sicher eine der Hauptursachen für den modernen europäischen Atheismus: da die Religionen keine Frieden bringen, soll die Vernunft die gemeinsame Basis sein, und nicht mehr die Absolutheitsansprüche der Religionen. Toleranz heißt dann Relativierung der Religionen. Keine besitzt die absolute Wahrheit, weil es keine absolute Wahrheit gibt. Der klassische Ausdruck der aufklärerischen, relativistischen Position in Europa bringt Lessings "Ringparabel" in seinem Stück "Nathan der Weise" zum Ausdruck: der Vater, Nathan, gibt seinen drei Söhnen drei Ringe, völlig gleich, aber nur einer ist das Original, die beiden anderen sind Kopien. Niemand kann wissen, welcher Ring der originale ist. Alle drei monotheistischen Religionen, Judentum, Christentum, Islam, sollen also darauf verzichten, zu behaupten, dass sie die wahre Religion seien. Jede sei damit zufrieden, eine Ahnung von der wahren Religion zu sein.

Die Aufklärung hoffte, so die Religionskonflikte aus der Welt zu schaffen. Die Geschichte zeigt, dass dieses Programm nicht funktioniert. Keine unserer drei Religionen kann einfach darauf verzichten, sich als die wahre Religion zu betrachten. Das Judentum betrachtet sich als Empfänger von Gottes Offenbarung und als von Gott erwählt, um das Licht der Thora allen Völkern scheinen zu lassen. Das Christentum sieht in Jesus Christus den endgültigen Boten Gottes, Gottes Sohn, der gesandt ist, alle Völker zum Glauben an ihn zu rufen und sie durch die Taufe in das endgültige Volk Gottes aufzunehmen. Der Islam betrachtet den Koran als die endgültige, wahre, weil ursprüngliche Gottesoffenbarung. Alle Menschen sollen zum Islam, zur Anerkennung Gottes und seines Propheten kommen. Die Frage stellt sich heute wieder, wie sie sich im Europa des 16. Jahrhunderts gestellt hat: Wie ist mit solchen Religionen ein Staat zu machen? Wie kann ein moderner, pluralistischer Staat mit solchen Religionen zusammenleben? Werden sie nicht versuchen, den Staat ganz der (wahren) Religion zu unterwerfen, um so das zu verwirklichen, was Ziel der Religion ist: dass alle Menschen sich den Geboten Gottes unterwerfen?
Können Religionen mit absolutem Gültigkeitsanspruch in einem modernen Staat Platz finden, ohne diesen heimlich oder offen zu einem "Gottesstaat" umwandeln zu wollen? Wie aber sollte ein solcher "Gottesstaat" mit anderen Staaten kooperieren? Ist überhaupt das Konzept eines "monoreligiösen" Staates möglich, oder gar wünschenswert? Wo bliebe in einem solchen Staat die Freiheit, deren kostbarstes Stück die Religionsfreiheit ist? Denn sie ist der Garant der Gewissensfreiheit, die höher steht als alle staatlichen Verpflichtungen.

Fragen stellen sich aber auch bezüglich des modernen säkularen Staates, der sich selber als "weltanschaulich neutral" versteht. Heißt das, dass Religion im modernen Staat überhaupt aus der Öffentlichkeit verbannt werden muss? Gehört Religion bloß in den Privatbereich? Muss der laikale Staat jegliche Verbindung zur Religion ablehnen? Die Frage stellt sich heute in Europa mit neuer Dringlichkeit. Was trägt heute eine Demokratie? Welche Werte braucht der Staat, um bestehen zu können? Und woher nimmt er diese Werte? Der deutsche Verfassungsrechtler Böckenförde hat diesbezüglich ein Axiom formuliert, das weithin bekannt und mit seinem Namen verbunden ist. Er meint, die Demokratie lebe von Werten, die sie sich nicht selber geben kann. Die Grundrechte des Menschen, seine Würde, seine ihm als Mensch zukommenden Rechte und Pflichten hat nicht der Staat seinen Bürgern gegeben, sondern sie besitzen sie einfach deshalb, weil sie Menschen sind. Die Menschenrechte werden durch Mehrheitsbeschluss eines Parlaments weder verliehen noch können sie genommen werden. Sie sind jeder staatlichen Ordnung vorgegeben. Sie sind die Voraussetzung jeder menschenwürdigen staatlichen Ordnung. Ist es nicht Aufgabe der Religion, im Staat darauf zu sehen, dass die Werte gesichert und gelebt werden? Aber wenn das Aufgabe der Religion ist, darf sie dann versuchen, mit den staatlichen Zwangsmitteln auch die Einhaltung dieser Werte einzufordern? Darf sie gar versuchen, ihre eigenen religiösen Gesetze zur Grundlage der staatlichen Gesetze zu machen? Sie soll ja die menschlichen Werte im Staat sichern. Kann sie das "nur" durch die Freitagspredigt in der Moschee oder die Sonntagspredigt in der Kirche? Ist sie ohne die staatliche Gesetzesmacht nicht selber ohnmächtig gegenüber dem liberalen, pluralistischen Staat westlicher Prägung? Ich brauche diese Spannungen nicht näher auszuführen. Sie sind uns allen bekannt. Was ich im Folgenden tun kann, ist Ihnen einen - viel zu summarischen - Einblick in die Sichtweise der Katholischen Kirche geben, die seit fast 2.000 Jahren mit dieser Spannung lebt und in vielen Variationen das Grundthema der christlichen Antwort durchgespielt hat.

I. Der Mensch, die Kirche und der Staat

Im Psalm 8 der Bibel heißt es: "Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? Oder des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Wenig geringer als Engel hast du ihn gemacht, mit Ehre und Herrlichkeit ihn gekrönt und ihn über die Werke deiner Hände gesetzt. Alles hast du ihm unter die Füße gelegt" (Ps 8,5-7).

Die Bibel sieht den Menschen in einer einzigartigen Position: "Es ist fast einmütige Auffassung der Gläubigen und der Nicht gläubigen, dass alles auf Erden auf den Menschen als seinen Mittel- und Höhepunkt hin zuordnen ist" (Gaudium et spes 12,1). Der Mensch - die Krone der Schöpfung Gottes! Diese einmalige Würde kommt dem Menschen zu, da er, nach dem Bericht der ersten Seite der Bibel (Gen 1,26), als einziges unter allen Lebewesen "nach dem Bild Gottes" geschaffen ist. Der Mensch ist deshalb, so sagt das Konzil, "fähig, seinen Schöpfer zu erkennen und zu lieben, von dem er zum Herrn über alle irdischen Geschöpfe gesetzt ist, um sie in Verherrlichung Gottes zu beherrschen und zu nutzen" (Gaudium et spes, 12).

Im biblischen Verständnis ist der Mensch der "Vezier" Gottes in der Welt, sein Beauftragter, sein Mandatar. Sein Auftrag ist ein doppelter: er hat diese Welt zu gestalten. Und er hat ein transzendentes Ziel zu erreichen, das ewige Leben, die Seligkeit in Gott. Schon durch seine Doppelnatur, aus Leib und Seele einer zu sein (vgl. GS 14), zeigt sich, dass der Mensch "Bürger zweier Welten" ist, dieser irdischen Welt, in der sich unser zeitliches Leben abspielt, und der jenseitigen Welt Gottes, in der nach dem biblischen Zeugnis die wahre und endgültige Heimat des Menschen liegt.

"Der Mensch überragt unendlich den Menschen" sagt ein berühmtes Wort von Blaise Pascal, dem französischen Philosophen und Mathematiker (1623 - 1662). Als freies Wesen, von Gott mit Geist, Seele, freiem Willen und Gewissen beschenkt, ist der Mensch immer mehr als nur ein Erdenbürger. Er hat sich ganz, mit allen Kräften, seinen irdischen Aufgaben zu widmen. Aber er geht nicht ganz in ihnen auf. Sie sind nicht der einzige Lebenssinn. Das ewige Ziel bleibt in allen irdischen Dingen der Horizont, die Dimension, die das Leben offenhält auf seine größere, ewige Bestimmung hin.

Jeder Versuch eines Staates, den Menschen ganz in Beschlag zu nehmen, ist daher abzulehnen. Wir sind Bürger unseres Landes, wir sind Bürger unseres Staates, aber der Staat hat kein Anrecht auf unsere Seelen. Er muss unser Gewissen achten. Unsere Seelen sind für Gott bestimmt, nicht für den Staat. Die Gemeinschaft des Staates darf vom Einzelnen die notwendigen Solidarleistungen fordern, aber nicht den Verzicht auf das eigene Gewissen.

Die Lehre vom Gewissen und seiner Würde ist ein wesentlicher Teil der Lehren des II. Vatikanischen Konzils. Sie ist auch die Grundlage für das so zentrale Thema der Religionsfreiheit. Was ist das Gewissen? "Es ist die verborgene Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist" (GS 16). Diese innere Stimme sagt mir: Tu dies, meide jenes! Diese Stimme gibt mir Zustimmung, wenn ich das Gute tue. Sie tadelt mich, wenn ich gegen das Gute handle.

Ist die Betonung des Gewissens nicht in Gefahr, Subjektivismus und Beliebigkeit zu fördern? Wenn jeder sich auf sein Gewissen beruft wie auf eine letzte Instanz, entsteht dann nicht ein willkürliches Chaos? Gerade bezüglich der Religionsfreiheit stellt sich diese Frage. Darf, muss ich das Gewissen des anderen respektieren, wenn er im Irrtum ist? Die Frage stellte sich in den Religionskonflikten Europas: Wenn ich überzeugt bin, dass die andere Religion im Irrtum ist, wie kann dann dieser Irrtum toleriert werden?

Der "Katechismus der Katholischen Kirche"; eine umfassende Darstellung der Katholischen Lehre, sagt dazu: Die Religionsfreiheit sei nicht "ein Recht auf Irrtum", sondern " sie ist ein natürliches Recht des Menschen auf die bürgerliche Freiheit, das heißt darauf, dass im religiösen Bereich - innerhalb der gebührenden Grenzen - von der politischen Gewalt kein äußerer Zwang ausgeübt wird" (KKK 2108). Dieses natürliche Recht müsse im staatlichen Recht verankert werden. Mit anderen Worten: niemand darf zu einer Religion gezwungen oder an der privaten und öffentlichen Ausübung seiner Religion gehindert werden. Nicht umsonst war deshalb die Religionsfreiheit das Herzstück in der Entwicklung der Menschenrechte.

Die Katholische Kirche ist aber auch zuversichtlich, dass die Gewissens- und Religionsfreiheit nicht zu einem willkürlichen Chaos führt. Im Gegenteil: die Treue zum Gewissen ist geradezu die Voraussetzung für ein gutes Zusammenleben der Menschen, auch der verschiedenen Religionen. Wer aufrichtig seinem Gewissen folgt, wird mit anderen Menschen guten Willens gute Lösungen für die Probleme unserer Zeit suchen und die in allen Menschen im Gewissen verankerten objektiven Normen befolgen, zum Wohl der Allgemeinheit. Ich nehme, als aktuelles Beispiel, die Zusammenbrüche ganzer Großbanken. Die hemmungslosen Spekulationen mit dem Geld anderer Menschen sind sicher Fehlentwicklungen, die nur dort möglich sind, wo Menschen nicht mehr auf die Stimme ihres Gewissens hören. Deshalb ist die Bildung und Sensibilisierung des Gewissens eine vorrangige Aufgabe für ein gutes Zusammenleben. Gewissenlose Machtmenschen haben immer wieder die Menschheit gefährdet. Ist Gewissensbildung nicht eine vorrangige gemeinsame Aufgabe der Religionen? Gerade deshalb muss der Staat ihnen die notwendige Freiheit sicherstellen. In Österreich hat die Kirche nach den schrecklichen Erfahrungen des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges als ihre Leitidee formuliert: "Die freie Kirche im freien Staat".

II. Die Autonomie des Weltlichen und ihr Verhältnis zur Religion

Oft wird die moderne europäische Entwicklung als eine zunehmende Emanzipation der Gesellschaft von der Kirche beschrieben. Tatsächlich hatte die Kirche in fast allen Bereichen einen großen Einfluss, oft eine entscheidende Macht. Das gesamte europäische Bildungswesen war lange kirchlich bestimmt. Die Universitäten waren meist Stiftungen der Kirche, die Schulen waren weitgehend konfessionell, kirchlich. Die Wissenschaft war kirchlich geprägt, aber auch kontrolliert. Und so war es mit den meisten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Da alles irgendwie auch einen Bezug zur Religion hat, muss nicht die Religion auch alles kontrollieren oder wenigstens inspirieren?

Die europäische Aufklärung verstand sich weitgehend als Befreiung aus der Abhängigkeit von der Religion. Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Kultur sollten vom "Gängelband" der Religion befreit werden. Die Religion wurde und wird von vielen als eine Fessel empfunden, die die Freiheit dieser Bereiche bedroht. Der militante Laizismus will daher jeglichen Einfluss der Religion aus dem öffentlichen Leben fernhalten. Der militante Fundamentalismus der Religionen fördert seinerseits diese Angst. Viele befürchten, religiöser Zwang könnte sich ausbreiten und die freie Ausübung von Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik behindern.

Beide Haltungen, der kämpferische Laizismus und der kämpferische Fundamentalismus, bedingen und bestärken sich gegenseitig. Beide irren sich, weil sie voreinander Angst haben, statt den Weg der Kooperation in gegenseitigem Respekt zu gehen. Ich glaube, dass zur Zeit in Österreich in dieser Hinsicht ein guter Weg des Miteinander von Religion(en) und Gesellschaft gegangen wird.

Wie sieht die katholische Kirche dieses Miteinander? Im II. Vatikanischen Konzil lehrt sie ausdrücklich "die Autonomie der irdischen Wirklichkeiten" (GS 36). Davon möchte ich kurz berichten.

"Wenn wir unter Autonomie der irdischen Wirklichkeiten verstehen, dass die geschaffenen Dinge und auch die Gesellschaften ihre eigenen Gesetze und Werte haben, die der Mensch schrittweise erkennen, gebrauchen und gestalten muss, dann ist es durchaus berechtigt, diese Autonomie zu fordern. Das ist nicht nur eine Forderung der Menschen unserer Zeit, sondern entspricht auch dem Willen des Schöpfers" (GS 36).

Alle Bereiche haben ihre eigenen Gesetze und Werte. Diese sind auch von der Religion zu achten und zu beachten. Es tut nie gut, wenn die Religionsverantwortlichen sich direkt in die Politik oder die Wirtschaft einmischen. Sie sollen inspirieren, Rat geben, die Gewissen bilden, aber sie sollen nicht versuchen, wirtschaftliche oder militärische Entscheidungen selber treffen zu können.

Das Konzil begründet diese "Autonomie der Sachbereiche mit dem Willen des Schöpfers selbst: "Durch ihr Geschaffensein selber haben alle Einzelwirklichkeiten ihren festen Eigenstand, ihre Eigengesetzlichkeit und ihre eigenen Ordnungen, die der Mensch unter Anerkennung der den einzelnen Wissenschaften und Techniken eigenen Methode achten muss" (GS 36).

Wird dadurch nicht doch die Religion letztlich aus allen Bereichen herausgedrängt? Hat sie eigentlich nirgend mehr etwas zu sagen? Lässt dieses Verständnis von Autonomie der Religion nur mehr eine Randexistenz übrig, ohne Einfluss, ohne Macht, im Grunde überflüssig für das, was im Leben heute wichtig ist? So wünschen sich manche laizistische Kreise die Religion: eine Privatsache für die, die diesen Schmuck in ihrem Leben brauchen, vielleicht weil sie noch zu wenig emanzipiert sind.

Das Konzil spielt diese Frage an einem Beispiel durch, das besonders heikel ist: das Verhältnis von Wissenschaft und Religion. Seit dem "Fall Galilei" bzw. dem, was eine kirchenfeindliche Propaganda daraus gemacht hat, gilt bei vielen "Aufgeklärten" die Katholische Kirche als Feind der Wissenschaft, als die ewige Nein-Sagerin zu allem wissenschaftlichen Fortschritt. Gerade angesichts der großen Bedrohungen etwa durch die Atomenergienutzung oder die Biotechnologie werden viele wieder vorsichtiger und suchen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Wissenschaft und Religion.

Dazu sagt schon das II. Vatikanum ganz Wesentliches:

"Vorausgesetzt, dass die methodische Forschung in allen Wissensbereichen in einer wirklich wissenschaftlichen Weise und gemäß den Normen der Sittlichkeit vorgeht, wird sie niemals in einen echten Konflikt mit dem Glauben kommen, weil die Wirklichkeiten des profanen Bereichs und die des Glaubens in demselben Gott ihren Ursprung haben. Ja wer bescheiden und ausdauernd die Geheimnisse der Wirklichkeit zu erforschen versucht, wird, auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist, von dem Gott an der Hand geführt, der alle Wirklichkeit trägt und sie in sein Eigensein einsetzt (GS 36).

Die Kirche hat mit der Anerkennung dieser Art von Autonomie der verschiedenen Bereiche vor allem gute Erfahrungen gemacht. Sie hat gelernt, dass sie viel von den eigenständigen Bereichen lernen kann, und dass sie als Orientierungshilfe sehr gefragt ist, wenn sie die Autonomie der anderen Bereiche achtet.

Es gibt freilich auch ein falsches Verständnis von Autonomie, das die Kirche nicht anerkennen kann, wenn nämlich unter der Autonomie eine Unabhängigkeit von Gott gemeint wird, und wenn wir Menschen meinen, wir könnten die Dinge ohne Bezug zu Gott gebrauchen, als wären sie unser Eigentum und nicht ein uns anvertrautes Gut.. "Denn das Geschöpf sinkt ohne den Schöpfer ins Nichts", sagt das Konzil, und ohne Bezug auf den Schöpfer werden die Geschöpfe unverständlich. Eine Emanzipation, die Gott als Ursprung vergisst, wendet sich letztlich gegen den Menschen und wird menschenzerstörend. Das haben die Ideologien des 20. Jahrhunderts gezeigt.

III. Das Modell der Kooperation

Religion und Staat: Kommt es zum Konflikt zwischen zwei Fundamentalismen, dem religiösen und dem laizistischen? Das kann nur zu einem Krieg führen, bei dem entweder eine Art "Gottesstaat" oder ein "gottloser" Laizismus siegt. Beides wäre eine Niederlage für beide Seiten. "Gottesstaaten" führten immer zu Diktaturen, besonders schlimmen, da im Namen der Religion errichteten. Sie diskreditieren die Religion und erzeugen nur Hass auf die Religionsvertreter. Sie führen meist zu religionsfeindlichen Gegenreaktionen, wenn nicht gar zum Atheismus. Der Laizismus gewinnt nichts mit der völligen Eliminierung der Religion. Er beraubt sich selber der stärksten Motivationsquelle. Und er sieht sich genötigt, selber Motivation zu produzieren, wozu er nicht in der Lage ist. Auch dieser Weg führt fast immer zur Diktatur, weil die Religion mit Gewalt aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen wird.

Es ist an der Zeit, dass nach den schrecklichen gottlosen und menschenmordenden Ideologien des 20. Jahrhunderts im 21. Jahrhundert Religion und Gesellschaft, die Religion und der Staat ein Miteinander in gegenseitigem Respekt, in Respekt vor den jeweiligen Zuständigkeitsbereichen entwickeln. Jesus Christus hat vor 2.000 Jahren dazu das wegweisende Wort gesprochen. Jemand wollte ihn testen, ob dem (römischen) Kaiser von den Juden Steuern zu zahlen seien oder nicht. Sagte er ja, galt er als Kollaborateur mit der römischen Besatzungsmacht. Sagt er nein, so galt er als Revolutionär gegen den Besetzer. Die Wahl also zwischen zwei Extremen. Jesus löst das Problem: Er lässt sich eine Steuermünze zeigen. Er fragt, wessen Bild sie trage. "Das des Kaisers", ist die Antwort. Darauf sagt Jesus: "So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört" (Mt 22, 15-22). Mit diesem Wort hat Jesus endgültig zwischen Gott und Kaiser unterschieden. Niemals ist der Kaiser Gott. Kein Staat, keine Macht, kein Führer steht an Gottes Platz. Der Staat und seine Führer sind weltliche, menschliche Autoritäten. Gott allein ist anzubeten. Ihm allein gehören wir ganz. Geben wir dem Staat unsere Steuern und Gott unser Herz. Dann, so zeigt es uns Jesus, geben wir beiden das Richtige. Und dann passen Staat und Religion zusammen, zu beider Nutzen und Segen!

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!
German Kanzelwort zum 26. Oktober 2008
Oct 20, 2008
Wortlaut des Kanzelwortes von Kardinal Christoph Schönborn zum Prozess "Apostelgeschichte 2010", das am Sonntag, 26. Oktober 2008, in allen Kirchen der Erzdiözese Wien verlesen wird.

Liebe Schwestern und Brüder!

"Unmöglich können wir schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben" (Apg 4,20).

Als man den Aposteln verbieten wollte, noch weiter von Jesus zu sprechen, gaben sie diese Antwort. Das war damals, "in jener Zeit", am Anfang der Kirche, nach Pfingsten. Sie ließen sich nicht hindern, von dem zu sprechen, was sie mit Jesus erlebt hatten. Und so geschah Mission. Keine staatliche Macht half dabei. Kein gesellschaftlicher Druck drängte dazu, Christ zu werden. Oft war das Gegenteil der Fall. Unverständnis, Widerspruch, ja Feindschaft und Verfolgung begegneten dem Christentum. Aber auch Neugierde, Sinnsuche und eine tiefe Sehnsucht nach dem unbekannten Gott. Und so verbreitete sich der Glaube an Jesus Christus durch das persönliche Zeugnis und durch das Wirken des Heiligen Geistes, der Herzen und Türen für das Evangelium öffnete.

Heute stehen wir wieder in einer ähnlichen Situation: viel Gegenwind, Unverständnis, Ablehnung, aber auch viel Sehnsucht und Suche, oft nicht bei der Kirche, sondern bei zweifelhaften Quellen. Sicher ist: Wir sind neu gefordert, durch persönliches Zeugnis Menschen für Christus zu gewinnen.

Manche persönliche und gemeinsame Erfahrungen der letzten Jahre haben viele von uns ermutigt, den Weg der Mission bei uns neu zu entdecken. Da war die große Wiener Stadtmission, da gab es Kontaktwochen in mehreren Dekanaten. Der Weinviertler Pilger- und Glaubensweg wächst und bringt Frucht. Initiativen wie die Lange Nacht der Kirchen oder die Valentinsaktion breiten sich sogar über unsere Diözesangrenzen hinweg aus.

Mit dem Prozess "Apostelgeschichte 2010" lade ich Sie alle ein, diesen begonnenen Weg gemeinsam diözesanweit zu gehen. Mein ausführlicher Hirtenbrief, der in den Pfarren aufliegt und auf www.stephanscom.at allen zugänglich ist, stellt das Anliegen, um das es mir geht, im Einzelnen dar. Ich darf ihn herzlich Ihrer Lektüre empfehlen. "Der Sonntag" wird in einer Serie umfassend darüber berichten.

Die Leitfrage für den Prozess "Apostelgeschichte 2010", die ich mir und uns allen stelle, lautet: Was ist es also, worüber wir heute unmöglich schweigen können? Wenn ich darauf im Blick auf meine eigene Lebenserfahrung antworten darf, dann so, wie ich es auch in meinem Bischofsmotto ausdrücke: "Euch aber habe ich Freunde genannt" (Joh 15,15). Wenn es eine Erfahrung gibt, die ich als die "Grundmelodie" in meinem Leben betrachten darf, so ist es diese Freundschaft. Sie ist der rote Faden durch alle Phasen meines Lebens. Jesus lädt uns ein zur Freundschaft. Und wir dürfen in diese Freundschaft hineinwachsen. Darüber kann ich nicht schweigen. Ich habe diese Freundschaft als den großen Schatz in meinem Leben entdeckt. Sie ist mir Trost und Freude. Sie hilft mir, mich selber anzunehmen, sie lädt mich ein, andere mit dem Blick der Freundschaft Jesu zu sehen. Sie prägt, so hoffe ich, meine Art, die Menschen und die Situationen zu sehen. Und sie weckt in mir immer neu den Wunsch, anderen von dieser Freundschaft zu erzählen. Mission ist für mich darum immer die Einladung, das Glück dieser Freundschaft kennen zu lernen.

Freundschaft mit Jesus, das heißt zum einen: Zeit für die Begegnung, das hinhörende Stillsein in Seiner Gegenwart, bevorzugt in Seiner eucharistischen Gegenwart im Tabernakel. Freundschaft mit Jesus, das heißt zum anderen: eine wache Aufmerksamkeit für die, mit denen Er sich besonders identifiziert - die Armen, die Kranken, die Fremden, die Gefangenen, die Ausgestoßenen, die Sünder,…

Freundschaft mit Jesus, das heißt schließlich: Mit Seinen Augen sehen lernen, mit Seinen Gedanken vertraut werden, Seinen Willen suchen und zu tun versuchen. Und vor allem: mit Seinem Herzen verbunden sein.

In den letzten Jahren ist mir eines immer mehr zur Gewissheit geworden: Mit Jesus verbunden sein, in Seiner Freundschaft leben, das heißt vor allem barmherzig werden, wie Er es ist. Auch wenn es mir oft nicht gelingt, es zu sagen, und vor allem: es zu leben. Aber eines weiß ich sicher: Ich habe die Barmherzigkeit Jesu erfahren, und ich wünsche mir, dass andere, alle, das auch erfahren.

Die Freundschaft Jesu und Seine Barmherzigkeit: Das ist für mich die Mitte meines Lebens und meines Hirtendienstes. Mit dem Prozess "Apostelgeschichte 2010" will ich mit Ihnen diesen Weg der Freundschaft neu entdecken.

Mit großer Dankbarkeit blicke ich auf die dreizehn Jahre, in denen ich als Bischof der Erzdiözese Wien mit Euch auf dem Weg sein darf. Ich bin immer wieder davon berührt, wie sehr diese Stadt und dieses Land vom Christentum, vom persönlichen Engagement so vieler Menschen geprägt sind. Ein feinmaschiges Netz an Gottes- und Nächstenliebe ist quer über die ganze Erzdiözese gespannt! – Weil Christinnen und Christen aufmerksam sehen, was zu tun ist, wo Not ist, und tatkräftig zupacken.

Die Sozialaktion "72 Stunden ohne Kompromiss" der Katholischen Jugend lässt uns das auch heuer im Oktober wieder eindrucksvoll erleben. Schmerzlich erleben wir aber auch, wie vieles an christlichem Lebensverständnis heute in unserer Gesellschaft an den Rand gedrängt wird. Wie wir nicht mehr gefragt werden, wie unsere Stimme leise geworden ist unter all den Stimmen, die heute vielfach den Ton angeben.

Wir stehen inmitten großer Herausforderungen. Nicht nur der gesellschaftliche Wandel und die bedrohliche finanzielle und wirtschaftliche Krise drängen uns, innezuhalten und manches zu überdenken. Was uns wirklich herausfordert, ist die Sendung Jesu selber, an der wir ja durch Taufe und Firmung Anteil haben, die Jesus durch uns leben und verwirklichen will: "Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe." (Lk 4,18f)

Jesu Sendung – unser Auftrag! Bei der Größe dieser Aufgabe und der Armseligkeit unserer Mittel und Kräfte kommt mir die Situation der Apostel bei der Speisung der Fünftausend in den Sinn: "Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische" (Mt 14,13-21).

"Was ist das für so viele?" (Joh 6,9). Wir hätten gerne mehr in der Hand. Wir erleben heute schmerzlich unsere Armut, unsere (fast) leeren Hände. Wie damals gilt auch heute: Geben wir das wenige, was wir haben, Christus in die Hände. Er kann daraus viel machen! Es ist ja Seine Kirche, und Er hat versprochen, bei uns zu sein alle Tage (vgl. Mt 28,20).

Drei Hinweise zum Schluss auf den Prozess "Apostelgeschichte 2010", drei Bitten an Sie alle:

  1. Eine herzliche Einladung zur Diözesanwallfahrt nach Rom vom 30. April bis 4. Mai 2009 "auf den Spuren des Apostel Paulus", um in die Fußstapfen des großen Missionars zu treten. [Beim Verlesen bitte hinweisen auf die pfarrlichen Anmeldemöglichkeiten oder auf  ww.stephanscom.at!]
  2. Es sind drei große Diözesanversammlungen geplant, die Einladungen dazu werden bald folgen. Die vorbereitenden Impulse und Fragen habe ich für alle im Hirtenbrief dargelegt, mit der Bitte um eine intensive Auseinandersetzung damit. Es wird uns sehr helfen, gemeinsam auf das zu hören, "was der Geist den Gemeinden sagen will" (vgl. Offb 3,6). Wir brauchen den Austausch an Erfahrungen und Ideen, wie wir heute altbewährte und neue Wege der Verkündigung gehen.
  3. Allem voran ist das Gebet gefragt, wie sich die Kirche des Anfangs "einmütig im Obergemach" traf, um den Heiligen Geist, die Kraft von oben zu empfangen, die Apostel, "zusammen mit den Frauen und mit Maria, der Mutter Jesu, und mit seinen Brüdern" (Apg 1,13f).

Schließlich lade ich Sie alle herzlich ein, sich das folgende Gebet zu Eigen zu machen, das es auch auf "Gebetskärtchen" gibt, und das uns mit der vorpfingstlichen, betenden Urkirche verbindet:

Herr Jesus Christus, du bietest uns deine Freundschaft an.
Durch deine Gegenwart schenkst du uns Freude in Fülle
und gibst uns Hoffnung.
Du hast uns durch die Taufe in deine Gemeinschaft gerufen.
Wir sind bereit deine Zeugen in unserer Welt zu sein.
Im Vertrauen auf deine Liebe und Barmherzigkeit
lassen wir uns senden.
Stärke uns mit deinem Heiligen Geist!
Lass dein Licht durch uns leuchten,
damit wir als wahrhaft Liebende Licht der Welt sein können
und so zum Segen für unsere Mitmenschen werden. Amen.
Mit Euch in Christus verbunden
erbitte ich den Segen Gottes,


+ Christoph Kardinal Schönborn
Erzbischof von Wien

Wien, am 1. Oktober 2008, dem Fest der Hl. Therese von Lisieux.
German „Minderheiten sind eine Bereicherung“: Kardinal Schönborn besuchte die Türkei
Oct 16, 2008
Gespräche voller Offenheit und Respekt.

WIEN, 15. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn hielt sich in den vergangenen drei Tagen auf Einladung des Präsidenten des Amtes für religiöse Angelegenheiten, dem „Diyanet“, zusammen mit einem kleinen Begleiterstab in der Türkei auf, wo er in Ankara und Istanbul unter anderem das Thema der religiösen Minderheiten ansprach.

Wie Kardinal Schönborn heute, Mittwoch, bei einer Pressekonferenz in der Wiener Innenstadt berichtete, habe er die Situation in Österreich geschildert, wo die Mehrheitsreligion die anderen religiösen Überzeugungen gewissermaßen mitnehme und fördere. In diesem Sinn habe er in der Türkei angeregt, dass ihrerseits die muslimische Mehrheit eine entsprechende „Schutz- und Unterstützungsfunktion“ übernehme.

Er habe sich bemüht, die „Schönheit des Pluralismus“ darzulegen, und hervorgehoben, „dass das nicht eine Begrenzung, sondern eine Bereicherung ist. Minderheiten sind eine Bereicherung“, bekräftige der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, der vom Diyanet, der höchsten islamische Autorität der Türkei mit rund 100.000 Mitarbeitern, darunter 80.000 Imamen, praktisch als der Gesprächspartner aus den Reihen der katholischen Kirche angesehen wird.

Die Begegnungen mit fast allen wichtigen Vertretern des Amtes für religiöse Angelegenheiten, dem Großmufti von Istanbul und den Mitarbeitern des dort ansässigen Islam-Forschungszentrums seien von Offenheit und Respekt geprägt gewesen.

Was den Kardinal besonders faszinierte, war die herzliche Gastfreundschaft der Türken. „Ich denke, dass ist etwas, was uns immer wieder positiv überrascht“, erklärte er. Gegenüber den in Österreich lebenden Türken müsse man dankbar sein, denn viele seien in einer Zeit hierher gekommen, als es an Arbeitskräften mangelte.

„Wie geht es einem, wenn man eine neue Heimat sucht und auch findet, und mit der alten Heimat verbunden bleiben will?“ Diese Frage bewege ihn sehr, so der Kardinal. Deshalb sei das Thema der Ein- und Auswanderung auch bei diesem Besuch von zentraler Bedeutung gewesen.

Der Kardinal bekräftigte, dass er keine politische Reise unternommen habe, und berichtete dann noch von den guten Gesprächen an der Universität von Ankara, wo das Thema der theologischen Forschung beleuchtet worden sei. Auch über den schulischen Religionsunterricht und die Ausbildung der Religionslehrer sei in der Türkei gesprochen worden.

Eine konkrete Frucht der intensiven dreitägigen Reise, die den Kardinal und seine Mitarbeiter außerdem zur deutschsprachigen Gemeinde in Istanbul, zum kranken armenischen Patriarchen und zum Sitz des Ökumenischen Patriarchen (der allerdings nicht anwesend war) geführt hatte, und generell Frucht der guten gegenseitigen Beziehungen ist die Teilnahme der katholischen Kirche beim Ausbildungskurses des österreichischen Staates für die aus der Türkei kommenden Prediger.
German Kardinal Schönborn warnt vor der „Tötung aus Mitleid“
Oct 11, 2008
„Der Mensch soll nicht durch die Hand, sondern an der Hand eines Menschen sterben“: Diese Devise von Kardinal Franz König sollte auch in Zukunft den Weg Österreichs bestimmen, bekräftigt der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn. „Wir brauchen keine Euthanasie. Wir wollen eine gute Sterbebegleitung!“

WIEN, 10. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz lobt in der heutigen Ausgabe einer Wiener U-Bahn-Zeitschrift den breiten Konsens innerhalb der österreichischen Parteienlandschaft darüber, „dass ein menschliches Sterben nicht ein Tod durch die Giftspritze sein kann“. Aber es wäre dennoch „ein starkes Zeichen, wenn alle Parlamentsparteien sich einigen könnten, diesen Weg auch in der Verfassung zu verankern“.

Anlass für den Artikel des Kardinals ist das für Dezember erwartete Urteil über einen Arzt, der einem Bekannten im Jahr 2006 „aus Mitleid“ eine tödliche Injektion verabreicht hatte.

Schönborn warnt diesbezüglich vor der Lobby, die europaweit zur Liberalisierung der Euthanasiegesetze kämpfe, und vor Entwicklungen wie etwa in Holland oder Belgien, wo die „Tötung auf Verlangen (oder auf Drängen der Angehörigen!), Euthanasie – ‚der schöne Tod’, wird das beschönigend genannt“ – schon seit Jahren gängige Praxis sei. Dort würden Kranke, die dies wünschten beziehungsweise manchmal nicht wünschten, „durch ärztliche ‚Kunst’ in den Tod befördert“ - eine „groteske Situation“, da doch der Arzt kraft seines Auftrags und Eids helfen und heilen sollte.
German „Kann ich wirklich Rechenschaft über das ablegen, was ich glaube?“
Sept 30, 2008
Der Wiener Erzbischof lädt ein, zentrale Glaubensinhalte zu vertiefen.

WIEN, 29. September 2008 (ZENIT.org).- Der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn wird im Arbeitsjahr 2008/2009 anstatt der üblichen Katechesen-Reihe im Wiener Stephansdom in den zwölf Regionen der Erzdiözese so genannte „Priestertage“ halten.

„Mein Anliegen ist es, mit diesen meinen engsten Mitarbeitern, mit dem Presbyterium unserer Diözese, die Gemeinschaft zu stärken, den gegenseitigen Austausch, die Stärkung im Glauben und die thematische Zusammenarbeit zu vertiefen“, erklärt der Kardinal in der aktuellen Ausgabe der Kirchenzeitung Der Sonntag. „Ich bitte herzlich um das Gebet für ein gutes Gelingen dieser zwölf Tage.“

Die Katechesen-Reihe von Kardinal Schönborn – zuletzt ging es um das Thema der Göttlichen Barmherzigkeit – wird 2009/2010 fortgeführt werden. Die Vertiefung der zentralen Glaubenswahrheiten soll im Vordergrund stehen.

Diesbezüglich bittet der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz die Gläubigen schon jetzt, bewusst zum „Katechismus der Katholischen Kirche“ zu greifen und „sich sozusagen selber testen, wie es um unsere Auskunftsfähigkeit im Glauben steht.

Kann ich wirklich Rechenschaft über das ablegen, was ich glaube, was die Kirche lehrt, woraus die Heiligen gelebt, woraus so viele Christen ihre Kraft geschöpft haben, um im Alltag zu bestehen? Und bin ich auch bereit, diesen Glauben aktiv zu vertreten, weiterzugeben und glaubwürdig zu bezeugen?“

Der „Dienst der Katechese“ sei eine „vorrangige Aufgabe des Bischofs“, bekräftigt Kardinal Schönborn. Schweren Herzens habe er sich angesichts der sich häufenden Aufgabe allerdings dazu entschlossen, „einen Wechselrhythmus zu versuchen: ein Jahr Katechesen, ein Jahr Priestertage“.
German "Auf 'lange Sicht' hat das Böse keinen Erfolg"
Sept 30, 2008
Kardinal Schönborn feierte im Stephansdom Messe mit den Religionslehrern - In den Worten Jesu können Menschen, die eine gebrochene Familiensituation erlebt haben, eine neue Familie entdecken.

Wien, 24.9.08 (KAP) Auf "lange Sicht" hat das Böse keinen Erfolg: An diese elementare Wahrheit müsse auch die Erziehung immer wieder erinnern, sagte Kardinal Christoph Schönborn am Dienstagabend beim Gottesdienst mit den Religionslehrern im Wiener Stephansdom. Bei dem Gottesdienst erteilte der Wiener Erzbischof 47 neuen Religionslehrerinnen und -lehrern die "missio canonica". Mit dieser "Sendung" sind sie mit der Erteilung des Religionsunterrichts betraut.

In seiner Predigt betonte Kardinal Schönborn unter Verweis auf die Lesung aus dem Evangelium, dass die Worte Jesu mitunter auch im Widerspruch zu dem stehen, was man normalerweise als katholisches Familienideal hinstellt. Die Worte Jesu "klingen mitunter eher familienkritisch", so der Wiener Erzbischof. Denn Familie könne auch sehr "egoistisch, autoritär und wenig befreiend" sein. Freilich bedeute die "Relativierung der Familienbindungen" durch Jesus keine "Verachtung der Familie", aber sie bringe zum Ausdruck, dass es "im Hören auf das Wort Gottes" eine "neue Familie" gibt. Über alle "Gebrochenheit" der eigenen Familienerfahrung könne damit jeder entdecken, dass die Kirche die "Familie Gottes" ist. Das sei eine wichtige Erfahrung gerade für Menschen, die eine gebrochene Familiensituation erlebt haben.

In den Worten Jesu über seine Familie werde spürbar, dass es auch notwendig sei, im Evangelium auf das zu hören, "was sperrig ist". Diese Sperrigkeit sei auch im Tagesheiligen des Dienstag, dem italienischen Volksheiligen Pater Pio, spürbar gewesen, erinnerte Kardinal Schönborn. Er habe selbst als 16-jähriger den Heiligen erlebt und sei damals "erschüttert und bewegt" gewesen, sagte der Wiener Erzbischof. Wörtlich meinte Kardinal Schönborn: "Pater Pio konnte rüde sein, wenn er spürte, dass bei den Menschen etwas erschüttert werden muss, um sie auf den rechten Weg zurück zu bringen".

Bereits am Nachmittag waren die neuen Religionslehrerinnen und Religionslehrer im Curhaus am Stephansplatz zusammen gekommen. Auf Einladung der Berufsgemeinschaft der Laienkatecheten und -katechetinnen führte Eva Schmetterer die Lehrer mit einem Impulsreferat zum Thema "Begib dich auf den Königsweg - Gedanken der Entwicklung zur eigenen Persönlichkeit an Hand des Psalms 18" durch den Nachmittag. Eva Schmetterer stellte dabei den Psalm als Weg zum "Erwachsenwerden" vor.
German Predigt in Castelgandolfo
Sept 14, 2008
Wortlaut der Predigt von Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, 31. August 2008, beim Schülerkreistreffen mit Papst Benedikt XVI. in Castelgandolfo.

Heiliger Vater! Liebe Brüder und Schwestern!

Cum timore et tremore nähere ich mich dem heutigen Evangelium. Es gibt kaum ein schärferes Wort Jesu in den Evangelien als das Satanswort, und es gilt keinem Geringeren als dem, den er eben erst den Fels genannt hat, auf dem er seine Kirche bauen werde, eben jenem Simon Barjona, den er gerade seliggepriesen hat, weil er Jesus als den Messias, den Sohn des lebendigen Gottes bekannt hat, nicht aufgrund eigener Überlegung, sondern weil es ihm Sein Vater im Himmel geoffenbart hat.

Hat Jesus die eben gegebene große Verheißung wieder zurückgenommen? Hat Jesus dem Petrus sogleich zeigen wollen oder müssen, dass er die Schlüsselgewalt auch missbrauchen kann, dass er sie nicht im Sinne dessen gebraucht, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Ist Petrus von vornherein gerade der, der immer neu Jesus von seinem Weg abhalten will und ihn auf den breiten Weg der Welt und ihrer "Vernunft" zu bringen versucht, wie ein orthodoxer Theologe diese Stelle interpretiert (vgl. André Srima, in "Infaillibilité", Colloque Castelli, Rom 1970, 575-76), im Sinne von Dostojewskis Großinquisitor?

Das ist sicher nicht die Deutung der Väter. Jesus selber stellt Petrus sofort hinein in die große Gemeinschaft der Jünger, deren Hirte zu sein er berufen ist: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach". Wie Petrus in seinem Bekenntnis zugleich der erste ist, dem Jesus "den Vorsitz in der Liebe" gibt, und der Jünger, der für alle Jünger das gemeinsame Bekenntnis zum Christus, zum Sohn des lebendigen Gottes spricht, so ist Petrus auch in der heutigen Szene zugleich der Prôtos, der von Jesus so scharf zurechtgewiesen wird, weil ihm so viel anvertraut ist, und der Jünger, in dem wir uns alle wiedererkennen können, in seiner Liebe zum Herrn: "Du weißt, dass ich dich liebe!" und in seinem überdeutlich offengelegten Versagen.

Das heutige Evangelium erlaubt uns nicht, nur Petrus zu sehen. Tua res agitur! Ich bin Petrus, wir sind Petrus, immer neu mit dem skandalon crucis konfrontiert. Wie sehr müssen, dürfen wir Petrus lieben als den Jünger! Und Jesus danken, dass er uns ihn als unseren Hirten gegeben hat!

"Das soll Gott verhüten!" Der Messias - leiden und getötet werden? "Das darf nicht mit dir geschehen!" Schlatter übersetzt: "Gott ist dir gnädig. Demgemäß wird dir dies nicht widerfahren". Petrus ist sich sicher, dass Gott solches nicht wollen kann. Deshalb wagt er es, Jesus "Vorwürfe zu machen", wörtlich "ihn anzuherrschen" (epitimân).

Wie sehr spricht hier Petrus für uns alle. Es ist nicht nur die so menschliche Leidensscheu, die aus Petrus spricht. Es ist auch nicht nur die liebevolle Sorge um den Meister, den er doch nicht leiden sehen will. Es ist, so sieht es Schlatter zu Recht, "die Gottesgewissheit", die Petrus Jesus solche Vorhaltungen machen lässt. Das kann doch nicht Sein Wille sein!

Das verbum crucis bleibt ein Ärgernis. Es bleibt die große Frage, warum es für Jesus dieses "Muss” (dei) ist. Warum es für die Jünger, für die Kirche der einzige Weg der Nachfolge ist. Wir bleiben immer die Anfänger auf diesem Weg, und Petrus ist uns darin tröstliches Vorbild.

Warum aber das scharfe "satana"? Ist er es, der hier aus Petrus spricht? Ist er hinter den Worten und dem Denken des Petrus? Chrysostomus sagt, Petrus zeige in den beiden Teilen der Szene (dem Messiasbekenntnis und der Leidensablehnung), was der Mensch von sich aus könne und was aus der Gnade. Ohne die Gnade wird das, was uns vernünftig scheint, zum Gegensatz zu Gott, ja zum Spielplatz des Satans.

 "Ta tou Theou" denken und nicht "ta ton anthrôpon": wie schwer ist es, dies zu lernen! Wo es nicht geschieht, da ist die Humanität nicht zu halten. Ein nur menschliches Denken wird nur allzu schnell ein vom Satan besetztes Denken.

Jesus weist Petrus den Weg: "hypage opisô mou". Wie die Einheitsübersetzung verantworten kann, zu sagen: "Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen" - ist schleierhaft! Das "opisô mou" ist ja das Berufungswort an die ersten Jünger. "Deute opisô mou" war der Ruf Jesu an Simon und Andreas am Seeufer (Mt 4, 29). Jetzt ist es der Ruf, eiligst zurückzukehren in die Nachfolge: "Hinter mich!" Stell dich mir nicht in den Weg, Satan, du bist mir ein "skandalon", ein Hindernis auf meinem Weg.

Jesu Ruf in die neue Nachfolge ist aber auch eine Erinnerung an das damit verbundene Glück. Die Szene von Cäsarea Philippi dürfte ja nach der Rede in der Synagoge von Kapharnaum gewesen sein, als er vom Brot vom Himmel, von seinem Fleisch und Blut sprach. Damals schon waren viele gegangen. Nicht nur das Kreuzeswort war ihnen Ärgernis, auch die Ankündigung der Eucharistie. "Wollt auch ihr gehen?" hatte er sie gefragt. "Zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens und wir haben geglaubt und erkannt: du bist der Heilige Gottes" (Joh 6, 68 f).

Und so ist es bis heute für uns: das Wort vom Kreuz bleibt Anstoß, Ärgernis, Skandal, bis wir wieder auf Ihn schauen, hinter Ihm gehen, und dann die immer neue Bestätigung erleben: das Leben glückt nur, wird erfüllt und glücklich, wenn wir uns mit Ihm selbst verleugnen und unser Leben zu verlieren bereit sind. Die Freude der Hingabe ist die Antwort, die Petrus brauchte und fand, in der neu gefundenen Nachfolge seines Herrn.

Das ist die "logikê latreia", der "vernünftige Gottesdienst", von dem Paulus heute spricht: die Hingabe unserer "sômata", unserer Leiber, unseres Lebens, unserer selbst als Opfer, das Gott gefällt. Die gelebte Hingabe als der Weg der Nachfolge Jesu hat sich immer neu als die wahre Erfüllung des Menschseins erwiesen. Die Geschichte so vieler Zeugen steht dafür. Und Sie, Heiliger Vater, sind uns Vorbild dieser Hingabe.

Aber trotz all dieser Erfahrungen bleibt das Wort vom Kreuz, die Wirklichkeit des Kreuzes, sperrig, schmerzlich, ein Ärgernis, eine Torheit, das enge Tor, durch das wir allein in Sein Reich kommen können. Wenn ER uns nicht durch dieses Enge Tor hindurchbringt, schaffen wir es sicher nicht. Aber Er nahm ja Petrus bei der Hand, als er unterging, und Er blickte ihn an, als er Ihn verraten hatte. Wie sollten wir da nicht vertrauen? Amen.
German Kardinal Schönborn würdigt Erfindung der Weltjugendtage
Jul 17, 2008
Interview zum Nachhören und weitere audivisiuelle Angebote rund um Sydney.

WIEN, 17. Juli 2008 (ZENIT.org).- „Starke Glaubenserfahrungen, starke Kirchenerfahrungen, starke Erfahrungen der Gemeinsamkeit des Glaubens“: Mit diesen Worten hat der Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn die besondere Bedeutung der Weltjugendtage im Leben zahlreicher Menschen auf den Punkt gebracht.

Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, der jetzt in Sydney mit dabei ist, wurde von Doris Frei, einer Mitarbeiterin von Radio Horeb, im Anschluss an eine Katechese über den Heiligen Geist interviewt. Kardinal Schönborn ging auf mehrere Fragen ein. Zum Thema Weltjugendtag verwies er auf die fruchtbaren Erfahrungen vieler junger Menschen und erklärte, dass diese Erfindung mit Sicherheit „eine ganze Generation geprägt“ habe.

„Und die, die dabei waren, haben wieder weitergewirkt, weitergeprägt. Ich bin überzeugt, dass war ein ganz wichtiger Impuls für die Kirche in dieser Wendezeit der beiden Jahrtausende.“

Das ganze Interview kann man sich auf kathTube anhören, das in Kooperation mit K-TV Direktübertragungen der Highlights vom Weltjugendtag anbietet. Wer nicht auch sehen, sondern nur hören will, der ist beim schon genannten „Radio Horeb“, bei Radio Maria Österreich und natürlich bei Radio Vatikan gut aufgehoben.

Tägliche Radioberichte aus Sydney bietet der Schweizer Sender Radio Gloria, tägliche Videobeiträge h2onews.
English Wallfahrt nach Levoca - Fest Maria Heimsuchung
Jul 13, 2008
Wortlaut der Predigt von Kardinal Christoph Schönborn zum Fest Maria Heimsuchung bei der Wallfahrt nach Levoća (Slowakei) am 6. Juli 2008.

In jedem Ave Maria ist auch die Heimsuchung gegenwärtig, die Begegnung Marias und Elisabeths. Wir beginnen das "Ave Maria" mit dem Gruß des Engels an Maria: "Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum". Doch gleich nach dem Gruß des Engels folgt der Gruß Elisabeths: "Du bist gebenedeit unter den Frauen und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes (Jesus)."

Täglich gedenken zahllose Menschen auf der ganzen Welt des heutigen Festgeheimnisses, ob sie daran denken oder nicht. Denn wie viele Ave Maria werden täglich gebetet! In jedem "Ave Maria" sprechen wir Maria mit dem Gruß an, mit dem Elisabeth sie begrüßt hat. Auch hier, in diesem berühmten Heiligtum der Mutter Gottes, grüßen wir Maria mit den Worten ihrer Verwandten Elisabeth: "Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes."

Betrachten wir diesen Gruß! Betrachten wir diese Szene, die das Evangelium uns heute vor Augen stellt. Beginnen wir mit der ganz natürlichen Ebene, ehe wir das übernatürliche Geheimnis dieser Begegnung meditieren.

Erstens: Zwei schwangere Frauen
Maria und Elisabeth begegnen einander. Zwei schwangere Frauen - zwei Frauen, die jede ein Kind unter dem Herzen tragen. Zwei Frauen, Trägerinnen neuen Lebens. So hat die Kunst sie dargestellt: Zwei schwangere Frauen begegnen einander, umarmen sich gegenseitig, küssen sich.

Es ist ein ganz schlichter, einfacher Vorgang, wie er oft vorkommt. Und doch ist es etwas Wunderbares! Das Geheimnis der Schwangerschaft! Das Wunder eines neuen Menschenlebens! Mich bewegt immer der Gedanken: wir alle, ohne Ausnahme, wir alle, die vielen Tausenden Pilger, die heute in Levoca zusammengekommen sind, waren im Schoß unserer Mütter, wurden von unseren Müttern unter dem Herzen getragen, wurden von ihnen, wie man auf Deutsch sagt, "ausgetragen", die volle Zeit der Schwangerschaft. Wir alle verdanken unser Leben dem "Ja" unserer Mütter. Manche haben lange gewartet und gehofft, bis sie ein Kind bekommen konnten, wie Elisabeth, die unfruchtbar war. Andere wurden unerwartet Mütter, waren erschrocken, als sie merkten, dass sie schwanger waren. Sie machten sich Sorgen: Wie wird das gehen? Wie werden wir das schaffen? Aber sie sagten dann doch "ja" zum Kind, das sie empfangen hatten. Sie vertrauten dann doch auf Gott: Er wird helfen! Seine Gnade wird nicht fehlen! Und so sagten sie "ja" zu ihrem Kind und zu ihrer Mutterschaft!

Heute, am Fest der Heimsuchung Mariens, dürfen wir allen unseren Müttern danken, dass sie zu uns "ja" gesagt haben, dass sie uns das Leben geschenkt haben. Elisabeth sagt zu Maria: "Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ." Ähnlich dürfen wir heute dankbar zu unseren Müttern sagen: Selig, die geglaubt, die vertraut hat, die "ja" gesagt hat zu dem Kind, das sie empfangen hatte.

Liebe Pilger! Ich lade sie heute auch ein, für die Mütter zu beten, die nicht "ja" gesagt haben zu dem Kind, das sie empfangen hatten und die es nicht zur Welt gebracht haben. Es sind in unserem heutigen Europa sehr viele, und es ist ein großes Drama, ein Tragödie. Es ist eine schmerzliche Wunde. Christus verurteilt keine Frau, die diese Sünde begangen hat. Christus hilft jedem, die Sünde zu bereuen und seine Barmherzigkeit und seine Vergebung zu erfahren. Wieviel Not, wieviel Leid, wieviel seelische Qualen, Selbstvorwürfe gibt es wegen der Sünde der Abtreibung! Ich lade Sie heute alle ein, für die Mütter zu beten, die nicht zu ihrem Kind "ja" gesagt haben, aus Sorge vor der Zukunft, aus Panik: "Wie soll das gehen?", aus welchen Gründen auch immer. Immer ist es eine tiefe Wunde, wenn eine Mutter ihr eigenes Kind nicht annehmen kann. Immer aber ist Jesus bereit, ihr zu verzeihen, wenn sie es bereut und Ihn, den Barmherzigen Heiland, um Verzeihung bittet.

Liebe Pilger! Maria und Elisabeth hatten tiefe Freude, einander zu begegnen mit ihren Kindern unter dem Herzen. Maria kam eilends zu Elisabeth ins Bergland von Judäa, um ihrer älteren Verwandten zu helfen. Elisabeth war ja schon im 6. Monat schwanger. Wie wichtig ist das, dass auch heute die Mütter einander helfen, und auch die Väter und die Familien. Viele Menschen haben heute nicht mehr die Hilfe einer großen Familie, wo es viele Kinder, die Eltern, die Großeltern, die Verwandten gab, wo die Familie ein Sicherheits-Netz war, das den Einzelnen auffangen konnte, wenn es Schwierigkeiten gab. Heute leben viele von Ihnen in Kleinstfamilien, in "Pannelaki", in großen anonymen Wohnblocks, wo wenig Platz für Kinder ist. Meist müssen Mann und Frau arbeiten. Da kann man verstehen, dass eine unerwartete Schwangerschaft Schrecken auslöst: "Wie werden wir das schaffen?" Dann ist die Versuchung groß, das Kind abtreiben zu lassen.

Maria kam, um Elisabeth zu helfen. Auch wir sind heute herausgefordert, zu helfen. Es ist leicht, gegen die Abtreibung zu sein. Es ist auch richtig, gegen die Abtreibung zu sein. Aber das genügt nicht. Die selige Mutter Teresa von Kalkutta hat immer gesagt: "Tötet die Kinder nicht, gebt sie mir!" Sie hat nicht verurteilt, sondern geholfen. Viele, viele Tausende Kinder hat Mutter Teresa so gerettet. Und vielen Eltern in der ganzen Welt, die keine Kinder haben konnten, hat sie es ermöglicht, Kinder adoptieren zu können.

Mein großer Vorgänger Kardinal König hat 1975 den "Hilfsfonds für Schwangere in Not" gegründet, als positive Maßnahme gegen die neue Abtreibungsgesetzgebung. In den über 30 Jahren seiner Existenz konnte vielen Tausenden Müttern in schwierigen Situationen geholfen werden, sodaß sie nicht abgetrieben haben und zu ihrem Kind ja sagen konnten.

Nicht richten und urteilen, sondern klug und praktisch helfen: das können wir alle tun, damit möglichst viele Mütter zu dem Kind, das sie empfangen haben, "ja" sagen können. Dazu gebe uns die Mutter Gottes Ermutigung und Hilfe, die ihrer Verwandten Elisabeth zu Hilfe geeilt ist.

Zweitens: Christus im Herzen tragen
Die Begegnung der beiden heiligen Frauen ist aber auch ein übernatürliches Geheimnis. Maria trägt Christus unter ihrem Herzen. Ihr Kind ist Jesus, der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes (vgl. Mt 16,18). Sie bringt das Kind, das der menschgewordene Gott ist, zu ihrer Verwandten Elisabeth. Das Kind, das Elisabeth erwartet, das schon im 6. Monat ist, bewegt sich kräftig im Schoß Elisabeths. Es "hüpft" vor Freude. Es spürt das Kommen "der Mutter meines Herrn".

Maria bringt Gott zu uns. Sie wird deshalb die "Bundeslade" genannt. Denn im Alten Testament war die Bundeslade der Ort der Gegenwart Gottes. Sie enthielt die Tafeln des Gesetzes, das Gott dem Mose gegeben hatte. "Wer bin ich, dass die Lade meines Herrn zu mir kommt?" fragt König David ganz ergriffen, als die Bundeslade zu ihm gebracht wird (vgl. 2 Sam 6,9). Elisabeth fragt ganz ähnlich: "Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?" (Lk 1,43).

Auch wir staunen, mit König David, mit Elisabeth: "Wer bin ich, dass die Lade, die Mutter meines Herrn, zu mir kommt?" Wie habe ich es verdient, dass Du, Mutter meines Herrn, zu mir armem Sünder kommst? Seit Maria Christus, den Erlöser, empfangen hat, hört sie nicht auf, zu uns Menschen zu kommen und ihren Sohn Jesus zu uns zu bringen.

Liebe Pilger! Ist es nicht etwas Wunderbares, dass Maria, die Mutter unseres Herrn, zu allen Völkern der Erde kommt? Gibt es ein Land auf Erden, wo sie nicht verehrt und geliebt wird? Jedem Volk ist sie nahe. Kein Volk ist für sie verachtet, wertlos. Heute darf ich als Erzbischof von Wien mit Ihnen Maria danken, für die vielen Zeichen ihrer Nähe und Hilfe! Ich erinnere an den Mitteleuropäischen Katholikentag in Mariazell im Jahre 2004, als viele Pilger aus acht Mitteleuropäischen Ländern zusammenkamen. Ich erinnere an das Heiligtum von Kleinmariazell bei Wien, wo wir vor einigen Monaten mit Ihrem Bischof Tondra die Erhebung zur Basilika feiern konnten. Überall erfahren die Menschen "die Heimsuchung Mariens", ihre Nähe, ihre mütterliche Liebe.

Liebe Pilger! Es bewegt mich, dass ich heute mit ihnen Maria danken kann. Ich bin gestern in die Slowakei gereist - ohne Grenze! Wie genau erinnere ich mich an den "Eisernen Vorhang"! An die schrecklichen Grenzkontrollen der kommunistischen Staaten. Heute gibt es nicht einmal mehr Grenzposten. Europa wächst zusammen. Ich bin darüber sehr froh und dankbar. Auch wenn es so manche Schwierigkeit gibt, manche Sorgen über die weitere Entwicklung der europäischen Integration. Aber eines ist sicher: Niemand verbindet die Menschen mehr als Maria. Denn sie bringt Jesus zu allen Völkern, zu allen Menschen. Deshalb ist das "Europa der Marienheiligtümer" eine solche Hoffnung: von Fatima bis Levoca - Maria versammelt ihre Kinder und lädt sie ein zur Versöhnung, zum Frieden, zur gegenseitigen Hilfe. Gehen wir unter Marias Schutz und Schirm den Weg der Völkerverständigung! Bitten wir Maria um ihre Hilfe, damit in Europa das Ja zum Leben wieder stark und kraftvoll wird!

Maria, Du Königin des Friedens, bitte für uns!
German 9. Katechese: Barmherzigkeit für alle?
Jul 13, 2008
Wortlaut der 9. Katechese 2007/08 von Kardinal Christoph Schönborn am Sonntag, 8. Juni 2008, im Dom zu Stephan.

Jesus,
könnte ich doch allen Menschen sagen,
wie unaussprechlich groß
deine barmherzige Liebe ist.
Würdest du eine schwächere,
eine kleinere Seele finden als mich
-  was mir zwar unmöglich scheint -,
so hättest du dein Wohlgefallen daran,
sie mit noch größeren Gnaden zu überhäufen,
wenn sie sich nur mit vollem Vertrauen
deiner unendlichen Barmherzigkeit überließe.
Aber warum soll ich danach verlangen,
die Geheimnisse deiner Liebe mitzuteilen,
Jesus, hast nicht du allein sie mich gelehrt?
Kannst du sie nicht
Auch den anderen offenbaren?
Ja, ich weiß, du kannst es,
und ich beschwöre dich, es zu tun.

(Gebet der Kl. Hl. Theresia, Ms B, Selbst