Giovanni Battista Cardinal Re Giovanni Battista Cardinal Re
Function:
Prefect of Bishops, Roman Curia
Title:
Cardinal Priest of St Patrick
Birthdate:
Jan 30, 1934
Country:
Italy
Elevated:
Feb 21, 2001
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Kardinal Giovanni Battista Re
Nov 30, 2004
Er gilt als eine der starken Persönlichkeiten innerhalb der vatikanischen Kurie. Seit vielen Jahren gehört er zum Kreis der engeren Vertrauten des Papstes und begleitete ihn oft auf seinen privaten Reisen in das Südtirol. Es schaffte sogar das schier Unmögliche: den Papst zu einem offiziellen Pastoralbesuch seines Heimatdorfs zu bewegen.

(Vatican Facts) Giovanni Battista Re wurde am 30. Januar 1934 im verschlafenen Bergort Borno (Provinz Brescia/Oberitalien) geboren. Sein Vater Giuseppe arbeitete bis ins hohe Alter als Schreinermeister. Nach dem Besuch der Schulen und seiner Berufung ins Priesteramt, studierte er nach seiner Weihe (3. März 1957) an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom u.a. Kirchenrecht und promovierte in diesem Fach.

Giovanni Battista Re lehrte zunächst am Theologischen Seminar seines Heimat-Bistums Brescia, war aber gleichzeitig als Kaplan in der Seelsorge tätig. Später besuchte er die vatikanische Diplomatenschule. Er wirkte an den Päpstlichen Nuntiaturen in Panama und im Iran.

1971 kehrte er nach Rom zurück und arbeitete im Staatssekretariat in der Abteilung für "Allgemeine Angelegenheiten" der Kirche unter Führung des Substituten Giovanni Benelli. Re wurde zum Vertrauten dieses Kirchenmannes, der u. a. für sein Organisationstalent gelobt wurde und dessen Fähigkeiten sich auch Re offenbar in den folgenden Jahren aneignen konnte.

Re erwarb sich auch den Ruf eines Mannes, der ohne Unterlass zu arbeiten versteht und weder sich noch seine Mitarbeiter schont. Als er zum 1.12.1979 zum Assessor des Staatssekretariats ernannt wurde, hatte er die erste Stufe zur Schaltzentrale der katholischen Weltkirche erreicht. Ab diesem Zeitpunkt war seine steile Karriere vorgezeichnet.

Im Oktober 1987 wurde Giovanni Battista Re zum Sekretär der Kongregation für die Bischöfe berufen, zudem zum Titularerzbischof von Vescovio ernannt und am 9.10. geweiht. Er arbeitete aber auch in weiteren Institutionen der Kurie mit, so als Berater der Glaubenskongregation, als Mitglied der Päpstlichen Kommission für Lateinamerika und in den Räten für die Laien, für die Familie und für die Seelsorge.

Schon zwei Jahre später holte ihn Papst Johannes Paul II. in das Staatssekretariat zurück, wo er den australischen Erzbischof Cassidy als Substituten ablöste, während Cassidy an die Spitze des Päpstlichen Rats für die Förderung der Einheit der Christen versetzt wurde. Nach dem Staatssekretär Angelo Sodano nahm Re nunmehr die zweitwichtigste Position in der Kurie ein, obwohl der Substitut nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit stand. Seine Wahl wurde damals von Vatikaninsidern so gedeutet, dass er die Aufgabe habe, dafür zu sorgen, dass die Richtlinien des Papstes für die Leitung der Kirche adäquat in die Praxis umgesetzt werden, wofür ihm die nötige Umsicht und Energie zugebilligt wurde. In dieser Position hatte Re die Chance, den Papst wesentlich häufiger zu sehen, als höhergestellte Prälaten (z.B. Kard. Ratzinger).

Giovanni Battista Re nutzte diese Gelegenheit weidlich, um seine Machtposition auszubauen. Als geschulter Diplomat vermied er es geschickt, seine Macht allzu deutlich zu betonen. Mit sehr viel Feingefühl verstand es, heikle Aufgaben an sich zu ziehen, die andere eher gemieden hätten. Er war es auch, der sofort einschritt, als der Kommandant der Schweizergarde, Alois Estermann, einem Mord im Vatikan zum Opfer fiel.  

Der immer lächelnde Prälat Re ist ein Mensch, der es versteht, Kontakte in alle Richtungen zu knüpfen und sie auch diplomatisch unverbindlich zu pflegen. Er war es, der die ersten Kontakte zu Ministerpräsident Massimo D'Alema knüpfte, der als erster Postkommunist Regierungschef eines westlichen Staates wurde. Wenige Jahre zuvor (1992) hatte er sich noch um Schadensbegrenzung innerhalb der an korrupten Praktiken gescheiterten, christlichdemokratischen Partei (DC) bemüht.

Es mag überraschen, dass ein Kurienadministrator, der über keinerlei pastorale Erfahrung verfügt (ausser als Kaplan einer kleinen Kirche) und nie als Ortsbischof tätig war, vom Papst in das verantwortungsvolle Amt eines Präfekten der Kongregation für die Bischöfe eingesetzt wurde. Er ist in dieser Funktion Ansprechpartner für fast alle Ortsbischöfe der Welt (Ausnahme Orientalische Kirchen und Bistümer, die der Kongregation "Propaganda Fide" unterstellt sind). Im weiteren hat er sehr grossen Einfluss auf die Ernennung neuer Bischöfe.

Zudem ist er mitentscheidend für die Besetzung von wichtigen Bischofssitzen (Paris, Mailand, New York, etc.), deren Amtsinhaber (fast) automatisch in den Kardinalsrang erhoben werden und somit ein neues Pontifikat mitentscheiden. Kardinal Re gehört zum "harten Kern" der vatikanischen Kurie und wird somit beim nächsten Konklave die Position der Kurie mit Gewicht zu vertreten wissen.

Nachdem er die Leitung der Kongregation für die Bischöfe übernommen hat ist sein Einfluss innerhalb der vatikanischen Kurie geringer geworden. Insider aus dem Vatikan wollen wissen, das diese Versetzung auf Drängen von Kardinal Angelo Sodano geschah. Der direkte Draht von Re zum Papst war vielen Prälaten nicht geheuer.

Als Präfekt der Kongregation für die Bischöfe bleibt Kardinal Giovanni Battista Re aber nach wie vor einer der einflussreichsten Prälaten der Weltkirche.

Kardinal Re galt früher als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge des Papstes. Seine mangelnde Erfahrung im Pastoral wie auch seine enge Bindung an den kurialen Block haben seine Chancen nach dem letzten Konsistorium (Ernennung neuer Kardinäle) eher sinken lassen, wo der Block der Amtsinhaber aus der Dritten Welt deutlich stärker geworden ist.



Quellen: Munzinger Archiv, Zenit, Vatikan, eigene Recherchen
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