Kardinal Ratzinger würdigt Karl Rahner
Sept 10, 2004
"Man muss Rahner in der Ganzheit seiens Wollens und Denkens begreifen und schlichtweg erkennen, dass es sein Wille war, nicht gegen den Glauben der Kirche zu verstoßen", erklärte Kurienkardinal Joseph Ratzinger im Gespräch mit Stephanscom.at im Karl-Rahner-Jubiläumsmonat.
(stephanscom.at, 31.3.2004) Im Interview mit Stephanscom.at und Radio Stephansdom gestand der Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, ein, "kein direkter ´Rahnerianer´" zu sein. Dennoch würdigte der Kurienkardinal den vor 20 Jahren verstorbenen Dogmatikprofessor als "eine große Gestalt der katholischen Theologie."
"Ich habe Karl Rahner 1956 kennen gelernt."
"Ich habe Karl Rahner 1956 kennen gelernt. Irgendwie sind wir uns immer wieder begegnet, wissend um die Unterschiedlichkeit der Ansätze, aber auch um die Gemeinsamkeit des tieferen Wollens", erinnert sich Kardinal Ratzinger. Er habe von Rahner "den Willen gelernt, Theologie in der Verankerung des Glaubens zu leben und gerade so aus der Dynamik des Glaubens weiter zu öffnen."
"Rahner war kein Häretiker"
Den Vorwurf der Häresie an Karl Rahner wies Kardinal Joseph Ratzinger entschieden zurück. "Natürlich kann man über vieles diskutieren. Aber sein Wille, im Dogma der Kirche zu bleiben - also den Glauben der Kirche auszulegen und nicht umzulegen oder umzubiegen - ist unbestritten", so Kardinal Joseph Ratzinger, der Präfekt der Glaubenskongregation.
Natürlich könne man Elemente isolieren, Falsches von Rahner ableiten und die kritischen Momente seines Lebens einseitig in den Vordergrund stellen und Affekte nähren, die nicht positiv seien. "Aber der ganze Rahner ist eben komplex und wie Sie schon mit Recht gesagt haben, war am Ende die Liebe zur Kirche, der Wille Jesuit zu sein und im ursprünglichen Sinn des Wortes in der Gesellschaft Jesu zu stehen, zu leben und zu denken und so der Kirche zu dienen, das eigentlich Bestimmende", erklärte der Kurienkardinal im Gespräch mit Stephanscom.at und Radio Stephansdom.