Benedictus XVI. P.P. Benedictus XVI. P.P.
Function:
Pope of the Holy Roman Church
Title:
Servus Servorum Dei
Birthdate:
Apr 16, 1927
Country:
Germany
Elevated:
Jun 27, 1977
More information:
www.catholic-hierarchy.org, www.ratzingerfanclub.com/, www.benedictxvi.tv
Send a text about this cardinal »
View all articles about this cardinal »
German Hasenhüttl über Kardinal Ratzinger: "Menschlich angenehmer Kontakt"
Apr 19, 2005
Ausgerechnet der in Ungnade gefallene Theologieprofessor Hasenhüttl hat für den deutschen Papst-Favoriten Ratzinger freundliche Worte gefunden. Als junger Wissenschaftler habe er Ratzinger ab und zu chauffiert. Die alte Verbundenheit half ihm wenig: Vor zwei Jahren verfügte der Kardinal Hasenhüttls Entfernung aus dem Priesteramt.

(AP, 18-4-05) Saarbrücken - Die Frage, ob der deutsche Kurienkardinal Joseph Ratzinger tatsächlich zum Papst gewählt wird, bewegt viele Katholiken in der Bundesrepublik. Für den kritischen Theologen Gotthold Hasenhüttl in Saarbrücken aber ist sie von ganz besonderer Bedeutung: Er hat Ratzinger Ende der sechziger Jahre an der Tübinger Universität kennen und schätzen gelernt und sogar öfter als Fahrer mit dem Auto chauffiert. Andererseits war es aber auch der deutsche Kardinal, der Ende letzten Jahres Hasenhüttls Suspendierung vom Priesteramt endgültig bestätigte.

Der Grund war, dass der Saarbrücker Theologieprofessor am Rande des Ökumenischen Kirchentags im Mai 2003 bei einer Eucharistiefeier nach katholischem Ritus auch evangelischen Christen die Kommunion erteilt hatte. In dem von Ratzinger und weiteren Kardinälen und Erzbischöfen unterzeichneten und schließlich auch vom Papst abgesegneten Schreiben werden dafür klare Worte gefunden: Von einer "Straftat" ist ebenso die Rede wie von einem "schwerwiegenden Missbrauch" des Amts. Wer Hasenhüttl heute nach seiner Meinung über Ratzinger befragt, bekommt aber dennoch keineswegs hasserfüllte Sätze über den möglichen Papstkandidaten zu hören.

Im Gegenteil: Der Saarbrücker Theologe spricht zunächst positiv über Ratzinger: "Er hat mir früher sehr geholfen und mich auch bei kirchenkritischen Publikationen durchaus unterstützt", erzählt Hasenhüttl. Der mittlerweile suspendierte Priester war Assistent des ebenfalls später vom Vatikan mit Bann belegten katholischen Theologieprofessors Hans Küng in Tübingen, als Ratzinger 1967 an dieselbe Universität berufen wurde.

Hasenhüttl fuhr den Newcomer "sehr gerne" zu Terminen und chauffierte ihn auch nach Stuttgart, wo Ratzinger seine Berufungsverhandlungen zu führen hatte. Es ergab sich ein guter, menschlich angenehmer Kontakt. Mehrfach war Hasenhüttl auch zum Abendessen bei Ratzinger und dessen Schwester eingeladen, die ihm bis zu ihrem Tod in den 90er Jahren auch noch im Vatikan den Haushalt führte.

Aber es sind durchaus nicht nur persönliche Kontakte, über die Hasenhüttl heute Positives zu berichten weiß. Auch die Laufbahn des Theologen wäre ohne Ratzinger wahrscheinlich anders verlaufen. "Er hat meine Habilitation sehr gefördert und als Dekan dafür gesorgt, dass ich trotz kirchenkritischer Äußerungen sofort eine Dozentenstelle bekam", lobt Hasenhüttl.

Selbst als er 1979 ein Buch über kritische Dogmatik veröffentlichte, half ihm Ratzinger noch. Der damals schon mit Kardinalsrang ausgestattete Erzbischof von München schrieb Hasenhüttl, er sei zwar nicht mit allem einverstanden, was dieser geschrieben habe, beurteilte das Buch aber insgesamt positiv. "Und das hat mir sehr geholfen, weil ich damals Schwierigkeiten mit dem Verlag und einigen Bischöfen hatte", erinnert sich der heute 71-jährige Theologe. Und auch bei einem Besuch in Rom im Heiligen Jahr 2000 wurde Hasenhüttl mit seinen Studenten von Ratzinger noch zu einem "sehr guten, angenehmen Gespräch" empfangen.

Hinweis auf Kommunion für Frère Roger

Umso schmerzhafter traf den inzwischen emeritierten Saarbrücker Professor dann das Bannschreiben Ende letzten Jahres mit seinen harschen Formulierungen. "Wenn es darauf ankommt, ist er knochenhart", schränkt Hasenhüttl denn auch sein bis dato so positives Urteil über Ratzinger ein. Wie könne er denn sein Handeln auf dem Kirchentag als "Straftat" bewerten, wenn Ratzinger beim Totenamt für den verstorbenen Papst Anfang April selbst dem Protestanten Frère Roger Schütz die Kommunion ausgeteilt habe. "Muss der Kardinal jetzt auch selbst suspendiert werden?", fragt Hasenhüttl lakonisch.

Zwiespältig wie seine persönlichen Erfahrungen mit ihm sind, fällt denn auch das Gesamturteil des Saarbrücker Theologen über Ratzinger aus. "Er ist ein sehr intelligenter Mensch und sehr guter Prediger; manches, was er schrieb, ist ganz vorzüglich und eine Relativierung der kirchlichen Hierarchie", lobt Hasenhüttl ausdrücklich. Doch ganz anders sei das Handeln des Kardinals, wenn es um kritische Theologen wie Küng, Eugen Drewermann oder eben ihn selbst gehe.

Da sei Ratzinger nicht mehr bloß erzkonservativ, sondern vertrete eine geradezu reaktionäre Haltung. Insofern wäre seine Wahl zum Papst eine "Katastrophe", denn Ratzinger nehme mit seiner harten Linie eher eine kleine sektiererische Kirche in Kauf als eine Volkskirche anzusteuern, in der die Menschen an den Glauben geführt würden.

Kritisch äußerte sich Hasenhüttl aber noch über zwei andere mögliche Papstkandidaten: So habe der als aufgeschlossen geltende andere deutsche Kurienkardinal Walter Kasper ebenfalls das gegen ihn gerichtete Suspendierungsschreiben unterzeichnet. Und der schwarzafrikanische Kardinal Francis Arinze habe sogar zur Denunziation von Priestern aufgerufen, die von der Liturgie abwichen. Vom Denunzieren habe Ratzinger dagegen nie gesprochen.
24 READERS ONLINE
INDEX
back to the first page
printer-friendly
CARDINALS
in alphabetical order
by country
Roman Curia
under 80
over 80
deceased
ARTICLES
last postings
most read articles
all articles
CONTACT
send us relevant texts
SEARCH