Benedictus XVI. P.P. Benedictus XVI. P.P.
Function:
Pope of the Holy Roman Church
Title:
Servus Servorum Dei
Birthdate:
Apr 16, 1927
Country:
Germany
Elevated:
Jun 27, 1977
More information:
www.catholic-hierarchy.org, www.ratzingerfanclub.com/, www.benedictxvi.tv
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German Die Magie der schlichten Worte
Apr 09, 2005
Ergriffen und ergreifend hat Kardinal Joseph Ratzinger über den Menschen und Priester Karol Wojtyla gepredigt. Von eigenen Ambitionen keine Spur.

(Süddeutsche Zeitung, 9.4.2005) Kardinal Joseph Ratzinger ist ein kontrollierter Mensch, doch als er an diesem Freitag um 20 vor elf in Rom ans Mikrofon trat, da konnte man sehen, wie der derzeit mächtigste Mann der katholischen Kirche mit der Rührung kämpfte.

Er hielt sich an den Blättern seiner Trauerpredigt fest, an denen der Wind zerrte, und manchmal schien er froh über den Applaus zu sein, der insgesamt dreizehnmal aufbrandete – Zeit zum Sammeln, zum Luftholen, die brüchige Stimme zu glätten.

Papst war bis ins letzte ein Priester

Der Kardinaldekan und bisherige Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation hätte Gelegenheit gehabt, der Stadt und dem Erdkreis Gewaltiges mitzuteilen: Was das Vermächtnis des toten Papstes sei, wohin es die katholische Kirche führe und führen müsse, was dies für die Mächtigen der Erde bedeute, von denen eine beeindruckende Zahl gerade mit gesenkten Häuptern auf Ratzingers Worte wartete.

Doch Kardinal Ratzinger, oft als „Chefideologe des Papstes“ verschrien, hat dieser Versuchung widerstanden und überraschend schlicht über den toten Johannes Paul II. geredet: über seine Kindheit, den Verlust der Mutter, der ihn zur Marienliebe gebracht habe, die Zeit der Zwangsarbeit unter den Deutschen, in der er sich entschlossen habe, Priester zu werden.
Der Papst habe „uns aus einem müden Glauben geweckt, aus dem Schlaf der Jünger von gestern und heute“.

Er sei „bis ins Letzte Priester gewesen“, habe „sein Leben Gott geopfert für seine Schafe und die ganze Menschheitsfamilie“; die Begegnung mit allen Menschen gesucht. Das österliche Geheimnis habe er „ausgelegt als Geheimnis der göttlichen Barmherzigkeit“, die dem Bösen eine Grenze setze.

Unerwartete Bescheidenheit

Schließlich bleibe „unvergesslich, wie der Heilige Vater, vom Leiden gezeichnet, am letzten Ostersonntag seines Lebens sich noch einmal am Fenster des Apostolischen Palastes gezeigt und ein letztes Mal den Segen ,Urbi et orbi‘ gegeben hat“. Er sei sicher, „dass unser geliebter Papst jetzt am Fenster des Hauses des Vaters steht, uns sieht und uns segnet“.

Johannes Paul II., der rastlose Jünger Jesu, Gottsucher, Priester – das ist die Botschaft Ratzingers, der in 20 Minuten nichts vom politischen Wirken des Papstes sagte, nichts von den 14 Enzykliken, viel aber vom Menschen Karol Wojtyla. Der Applaus zeigte, dass er richtig lag.

Die Spekulationen, ob der Mann aus Deutschland nun mehr denn je ein aussichtsreicher Papstkandidat ist, dürften nach dieser Predigt zunehmen. Sehr geschickt, werden die einen sagen, wie Ratzinger beeindruckt hat, ohne seine Ambitionen offen zu zeigen. Die anderen werden entgegenhalten, dass der Ehrgeiz des bisherigen Glaubenswächters, selber Papst zu werden, tatsächlich gering sei. Solange die Kardinäle nicht den aus seiner Sicht Falschen zu wählen drohen.
URL: http://www.cardinalrating.com/cardinal_84__article_1019.htm
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