George Cardinal Pell George Cardinal Pell
Function:
Archbishop of Sydney, Australia
Title:
Cardinal Priest of St. Mary Dominic Mazzarello
Birthdate:
Jun 08, 1941
Country:
Australia
Elevated:
Oct 21, 2003
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Predigt von Kardinal Pell zum Auftakt des 23. Weltjugendtages
Jul 17, 2008
„Wir werden gute Frucht bringen, wenn wir die Sprache des Kreuzes lernen“.

SYDNEY, 17. Juli 2008 (ZENIT.org).- „Viele haben ihre Berufung auf einem Weltjugendtag gefunden“, erklärte Kardinal George Pell am Dienstag in seiner Predigt während des großen Eröffnungsgottesdienstes zum 23. Weltjugendtag.

„In dieser Woche haben wir alles Recht, über die Befreiung unserer Reue und die Erneuerung unseres Glaubens zu jubeln und dies zu feiern. Wir sind aufgerufen, unser Herz der Macht des Geistes zu öffnen.“

Wir veröffentlichen die Predigt des Erzbischofs von Sydney.

***
Wir alle wissen, dass unser Herr Jesus Christus oft als der gute Hirte beschrieben wird, wie heute im Antwortpsalm. Es heißt, er führe uns auf grüne Auen, erfrische unseren Geist und schenke uns inneren Frieden. In der Entfaltung dieses Bildes erklärte Jesus, ein solcher Hirte sei bereit seine neunundneunzig Schafe zu verlassen, um dem einen nachzugehen, das er verloren hat.

Es gibt heute nur wenige Länder, in denen ein Hirte nur für zwanzig oder dreißig Schafe sorgt. In Australien mit seinen großen Farmen und riesigen Herden ist der Rat unseres Herrn nicht besonders praktisch. Wenn das verlorene Schaf wertvoll und gesund ist, dann könnte es sinnvoll sein Zeit zu investieren, um es zu suchen. Aber in der Regel lässt man es zurück, bemerkt vielleicht gar nicht, dass es fehlt.

Jesus sagt, dass Er und sein Vater nicht so sind, weil Er jedes seiner Schafe kennt und wie ein guter Vater ein verlorenes Schaf, das er liebt, sucht, besonders dann, wenn es krank ist oder in Not oder unfähig, sich selbst zu helfen.

Am Beginn dieser Messe habe ich euch alle zum WJT willkommen geheißen und ich wiederhole meinen Willkommensgruß jetzt. Aber ich beginne nicht mit den neunundneunzig gesunden Schafen, jenen von euch, die schon offen sind für den Geist und vielleicht schon zuverlässige Zeugen für den Glauben und die Liebe sind. Ich beginne damit, jede und jeden zu begrüßen und zu ermutigen, der sich verloren fühlt, der unglücklich ist, dessen Hoffnung gering ist oder vielleicht sogar ganz am Ende. Jung oder alt, Frau oder Mann, Christus ruft immer noch jene, die leiden, zu sich, um sie zu heilen, so wie er das vor zweitausend Jahren getan hat. Die 2 Ursachen der Wunden sind zweitrangig, seien es Drogen, Alkohol, Zerrüttung der Familie, die Begierden des Fleisches, Einsamkeit, Tod – vielleicht sogar die Leere des Erfolges.

Der Ruf Christi gilt allen, die leiden, nicht nur Katholiken oder Christen, sondern besonders jenen, die keine Religion haben. Christus ruft euch nach Hause: zur Liebe, zur Heilung, zur Gemeinschaft.

Unsere erste Lesung war aus Ezechiel, der mit Jesaja und Jeremia zu den drei größten jüdischen Propheten gehört. Viele Teile Australiens leiden immer noch unter der Dürre, deswegen wissen alle Australier, was eine Ebene, übersät mit ausgetrockneten Gebeinen und Skeletten, bedeutet. Aber dieses düstere Bild ist für jeden gemeint, der auch nur in Versuchung ist zu sagen, „unsere Hoffnung ist fort, wir sind so gut wie gestorben“.

Das ist niemals wahr, solange wir noch die Möglichkeit haben zu wählen. Wo es Leben gibt, gibt es auch immer die Möglichkeit der Hoffnung, und mit christlicher Hoffnung kommen auch Glaube und Liebe. Bis zum Ende sind wir immer fähig, zu wählen und zu handeln.

Diese Vision einer mit ausgetrockneten Knochen übersäten Ebene, eines der eindringlichsten Bilder der ganzen Bibel, wurde gegeben, als sich Gottes Hand auf Ezechiel legte zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft, wahrscheinlich eher zum Beginn als gegen Ende des sechsten Jahrhunderts vor Christus. Seit ungefähr 150 Jahren ging es mit dem politischen Schicksal des jüdischen Volkes bergab, erst durch die Assyrer bis zur katastrophalen Niederlage 587 v. Chr., die das Exil brachte. Das jüdische Volk war verzweifelt und ohnmächtig, seine Situation zu verändern. Das ist der historische Hintergrund der dramatischen Vision Ezechiels, in der die Toten wirklich tot sind und die Raubvögel mit ihrem scheußlichen Geschäft längst fertig waren das Fleisch von den Knochen zu reißen. Es war ein riesiges Schlachtfeld, voll mit Gefallenen, die nicht begraben waren. Der zögerliche und widerstrebende Ezechiel wurde von Gott gedrängt, diesen Knochen zu prophezeien, und als er das tat, rückten die Knochen geräuschvoll zusammen, begleitet von einem Erdbeben. Sie wurden mit Sehnen überspannt und mit Fleisch umgeben, und die Leichen mit Haut überzogen. Eine weitere Stufe war nötig. Der Atem oder der Geist kam von den vier Enden der Erde, und „sie wurden lebendig und standen auf – ein großes, gewaltiges Heer.“

Während wir in dieser Vision heute ein Vorausbild der Auferstehung der Toten sehen, glaubten die Juden zur Zeit Ezechiels nicht an diese Vorstellung des Lebens nach dem Tod. Für sie stellte die gewaltige Armee, die wieder zum Leben erweckt worden war, das ganze jüdische Volk dar, jene vom nördlichen Königreich, die nach Assyrien verschleppt worden waren, jene zu Hause und jene in Babylon. Sie sollten als Volk wiederhergestellt werden, in ihrem eigenen Land. Sie sollten erkennen, dass dies allein der eine wahre Gott getan hatte. Und all dies ist tatsächlich geschehen. Über die Jahrhunderte haben wir diese Textstelle liturgisch an Ostern verwendet, besonders bei der Taufe der Katechumenen in der Nacht des Karsamstags, und sie ist natürlich ein machtvolles Bild für die Leben spendende Kraft des einen wahren Gottes für dieses Leben und für die Ewigkeit.

Die weltliche Weisheit behauptet, Leoparden würden ihre Flecken nicht ändern, aber wir Christen glauben an die Macht des Geistes, Menschen zu bekehren und zu verändern vom Bösen zum Guten, von Angst und Ungewissheit zu Glaube und Hoffnung. Gläubige werden durch die Vision Ezechiels gestärkt, weil wir die Macht der göttlichen Vergebung kennen, die Kraft Christi und der katholischen Tradition, neues Leben zum Blühen zu bringen, selbst wenn die Umstände dies sehr unwahrscheinlich machen. Diese Kraft, die wir in der Vision Ezechiels erahnen, wird uns heute angeboten, jedem von uns ohne Ausnahme. Ihr jungen Pilger könnt nach vorne in die Zukunft schauen, die so reich an Verheißungen ist. Das Gleichnis vom Sämann und der Saat erinnert euch an die großartige Möglichkeit, eure Berufung zu ergreifen und hundertfältig Frucht zu bringen.

Matthäus, Markus und Lukas stellen alle das Gleichnis vom Sämann an den Anfang der Gleichnisse Jesu. Es vermittelt eine grundlegende Wahrheit über die Herausforderungen christlicher Jüngerschaft und zeigt die Alternativen zu einem fruchtbaren christlichen Leben auf. Ein Detail macht das Gleichnis plausibler: es scheint, dass die Juden zur Zeit Unseres Herrn die Saat einfach auf das Erdreich warfen, ohne vorher zu pflügen. Das erklärt ein bisschen besser, warum die Samen an so unwirtliche Stellen fielen und nicht einfach in die Furchen.

Gehören wir zu jenen, deren Glaube bereits vom Teufel weggenommen wurde – denn so erklärt Unser Herr dieses Bild von den Vögeln des Himmels, die die Samen fressen Niemand hier bei dieser Messe gehört in diese Kategorie. Manche sind vielleicht wie der Same auf felsigem Boden, der keine Wurzeln schlagen konnte. Wer hier zu dieser zweiten Kategorie gehört, strebt wahrscheinlich danach, im spirituellen Leben einen neuen Anfang zu machen oder doch wenigstens die Möglichkeit in Betracht zu ziehen. Aber die meisten von uns gehören in die dritte oder vierte Kategorie, wo der Same auf guten Boden fiel und wächst und blüht; oder wir sind in Gefahr, an den Sorgen dieser Welt zu ersticken. Wir alle, auch jene, die nicht mehr jung sind, müssen um Weisheit und Beharrlichkeit beten.

Bestimmt hat Unser Herr seinen nächsten Jüngern den Sinn dieses Gleichnisses erklärt, worum sie ihn sicher immer wieder gebeten haben. Aber diese Bitte der Jünger hat eine bestürzende Antwort hervorgerufen. Unser Herr teilt seine Hörer in zwei Gruppen ein, jene, denen die Geheimnisse des Himmelreichs offenbart wurden, und der Rest, für den die Gleichnisse nur Geschichten sind. Die zweite Gruppe wird in den Worten des Propheten Jesaja beschrieben als jene, „die sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht hören und nichts verstehen“. Wahrscheinlich ist der Hintergrund davon das Erstaunen der Jünger Unseres Herrn, dass so viele seine Lehre nicht angenommen haben.

Warum ist das immer noch so? Was müssen wir tun, um zu jenen zu gehören, denen die Geheimnisse des Himmelreichs offenbart werden?

Der Ruf des einen wahren Gottes bleibt geheimnisvoll, besonders heute, wo es viele gute Menschen schwer finden zu glauben. Selbst zur Zeit der Propheten blieben viele ihrer Hörer taub und stumm, und über die Jahrhunderte haben viele die Schönheit der Lehre Jesu bewundert, sich aber nie dazu bewegen lassen, auf seinen Ruf zu antworten. Unsere Aufgabe ist es, für die Kraft des Geistes offen zu sein und zuzulassen, dass der Gott der Überraschungen durch uns handelt.

Die menschliche Motivation ist vielschichtig und geheimnisvoll. Es gibt starke Katholiken und andere starke Christen, die beten und ein gutes Leben führen, die aber fest entschlossen sind, keinen Schritt weiter zu gehen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen in der Nachfolge Christi, die viel weniger eifrig und glaubensstark sind, die aber für Entwicklung offen sind, für einen Wandel zum Besseren, weil sie ihre Unwürdigkeit und ihre Unwissenheit erkennen. Wo stehst du?

In welcher Situation wir uns auch befinden mögen, wir müssen für die Offenheit unseres Herzens beten, für die Bereitschaft den nächsten Schritt zu tun, selbst wenn wir Angst haben uns weiter hinaus zu wagen. Wenn wir die Hand Gottes ergreifen, wird Er den Rest tun. Vertrauen ist der Schlüssel. Gott wird uns nicht im Stich lassen.

Wie können wir vermeiden, von der letzten und besten Kategorie derer, die Frucht bringen, zu denen abzurutschen, die von „den Sorgen dieser Welt und dem trügerischen Reichtum erstickt“ werden und keine Frucht bringen?

Die zweite Lesung aus dem Brief des Paulus an die Galater weist uns in die richtige Richtung, dass sich jeder Mensch zwischen Gut und Böse entscheiden muss, zwischen dem, was Paulus das „Fleisch“ und den „Geist“ nennt. Es genügt nicht, nur ein Mitfahrer zu sein und zu versuchen, im „Niemandsland“ zwischen den kämpfenden Parteien sein Zelt aufzuschlagen. Das Leben zwingt uns zur Entscheidung und macht allmählich jede Möglichkeit der Neutralität zunichte. Wir werden gute Frucht bringen, wenn wir die Sprache des Kreuzes lernen und sie in unser Herz schreiben. Die Sprache des Kreuzes bringt uns die Früchte des Geistes, die Paulus aufzählt, sie schenkt uns die Erfahrung des Friedens und der Freude und macht uns fähig, zu anderen freundlich und großzügig zu sein. Jesus nachzufolgen ist nicht kostenlos, ist nicht immer leicht, denn es erfordert, dass wir gegen „das Fleisch“ kämpfen, wie Paulus es nennt, gegen unser aufgeblasenes, unbarmherziges Ego, unseren altmodischen Egoismus. Es ist immer ein Kampf, selbst für alte Leute wie mich!

Verbring nicht dein Leben damit, auf dem Zaun sitzen zu bleiben, dir alle Möglichkeiten offen zu halten, denn nur Engagement und Bindung bringt Erfüllung. Glück entsteht, indem wir unseren Verpflichtungen nachkommen, unsere Pflicht erfüllen, besonders in kleinen Dingen zuverlässig sind, so dass wir größeren Herausforderungen gewachsen sind. Viele haben ihre Berufung auf einem Weltjugendtag gefunden.

Ein Jünger Jesu zu sein, erfordert Disziplin, besonders Selbstdisziplin, was Paulus Selbstbeherrschung nennt. Die Übung der Selbstbeherrschung wird dich nicht vollkommen machen (mich jedenfalls nicht), aber Selbstbeherrschung ist notwendig, um die Liebe in unseren Herzen zu entfalten und zu schützen und andere davor zu bewahren, besonders unsere Familie und unsere Freunde, durch unsere Verfehlungen verletzt zu werden, sei es aus Bosheit oder Faulheit.

Ich bete darum, dass ihr alle durch die Kraft des Geistes zu dieser gewaltigen Armee der Heiligen gehören werdet, die geheilt und neugeboren wurden, so wie es Ezechiel offenbart wurde, welche die menschliche Geschichte über zahllose Generationen bereichert und mit dem ewigen Leben im Himmel belohnt hat.

Lasst mich schließen mit einer Anleihe bei einer der stärksten Predigten des heiligen Augustinus, dem größten Theologen des ersten Jahrtausends, der vor rund 1600 Jahren Bischof der kleinen nordafrikanischen Stadt Hippo war. Bestimmt werdet ihr in den nächsten fünf Tagen des Gebets und des gemeinsamen Feierns auf diesem Weltjugendtag – so wie ich – in Hochstimmung kommen. Bitte Gott, wir freuen uns, dass wir teilnehmen dürfen trotz der Kosten, der Mühsal und der weiten Entfernung, die wir zurückgelegt haben. In dieser Woche haben wir alles Recht, über die Befreiung unserer Reue und die Erneuerung unseres Glaubens zu jubeln und dies zu feiern. Wir sind aufgerufen, unser Herz der Macht des Geistes zu öffnen.

Die jungen Teilnehmer möchte ich sanft daran erinnern, in eurem Enthusiasmus und der ganzen Aufregung nicht zu vergessen, zuzuhören und zu beten!

Viele von euch sind so weit gereist, dass ihr den Eindruck haben mögt, ihr seid am Ende der Erde angekommen! Gut so, denn Unser Herr hat seinen ersten Aposteln gesagt, dass sie seine Zeugen in Jerusalem sein würden und bis an die Enden der Erde. Diese Prophezeiung wurde erfüllt durch das Zeugnis vieler Missionare auf diesem riesigen südlichen Kontinent, und sie wird jetzt wieder durch eure Gegenwart hier erfüllt.

Aber diese Tage gehen schnell vorbei, und nächste Woche landen wir wieder auf der Erde. Eine Zeitlang werden einige von euch das normale Leben zu Hause, in der Gemeinde, bei der Arbeit oder im Studium flach und enttäuschend finden. Bald, zu bald, werdet ihr wieder abreisen. Kurz sind wir jetzt hier in Sidney im Zentrum der katholischen Welt, aber nächste Woche wird der Heilige Vater nach Rom zurückkehren, wir, die wir in Sidney leben, in unsere Gemeinden und ihr Pilger nach Hause, zu euren Wohnorten nah und fern.

Nächste Woche werden wir also wieder auseinander gehen. Aber wenn wir diese glücklichen Tage hinter uns lassen, so wollen wir doch nie unseren liebenden Gott und seinen Sohn Jesus Christus verlassen. Möge Maria, die Mutter Gottes, die wir bei diesem Weltjugendtag als Unsere Liebe Frau des Südlichen Kreuzes anrufen, uns in diesem Entschluss festigen.

Und so bete ich: Komm, komm o Atem Gottes, von den vier Winden, von allen Nationen und Völkern der Erde und segne unser großes Südland des Heiligen Geistes.  Gib auch uns die Kraft, ein großes, gewaltiges Heer demütiger Diener und gläubiger Zeugen zu sein. Darum bitten wir Gott, unseren Vater, im Namen Christi, seines Sohnes. Amen.
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