Joachim Cardinal Meisner Joachim Cardinal Meisner
Function:
Archbishop of Köln, Germany
Title:
Cardinal Priest of S Pudenziana
Birthdate:
Dec 25, 1933
Country:
Germany
Elevated:
Feb 02, 1983
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German „Ich bleibe, solange ich Kraft habe“
Dec 22, 2008
Köln - EXPRESS sprach mit dem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, der am 1. Weihnachtstag 75 Jahre alt wird.
Er redete über seine Zukunft als Kardinal, die Finanzkrise und den akuten Mangel an Christen.

Wie haben Sie reagiert, als der Heilige Vater Ihnen mitteilte, dass Sie im Amt bleiben? Haben Sie persönlich mit ihm telefoniert?

Ich habe nicht telefoniert, sondern Post vom Nuntius bekommen, dem päpstlichen Botschafter in Berlin. In dem Brief stand, dass der Papst mich bittet, bis auf Weiteres Erzbischof zu bleiben. Ich hatte ihm ja geschrieben, dass ich seine Entscheidung akzeptiere, egal, wie sie ausfällt. So sagte ich mir: Dann machst du es, solange die Kraft dazu reicht.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre – für sich persönlich und für Ihr Erzbistum?
Dass die Freude am Glauben immer mehr Freunde findet! Gerade jetzt zu Weihnachten erinnern wir uns ja daran, dass Gott ein schwaches Kind wird, weil er eine Schwäche für uns hat, weil er uns liebt. Das muss uns aufhorchen lassen und Mut zu einem entsprechenden Leben machen. Für mich selbst habe ich etwas vom Apostel Paulus gelernt, an dessen Geburtstag vor 2000 Jahren wir in diesem Jahr ja besonders denken: Er beginnt jeden seiner Briefe mit einer Danksagung. Auch ich wünsche mir, dass ich schneller danke als klage oder kritisiere. Ich möchte auch mehr dafür danken, dass ich als Christ und Bischof leben darf.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, appelliert an die Kirchenführer, sich auch und gerade mit Blick auf die Finanzkrise engagierter in gesellschaftspolitische Debatten einzumischen – vor allem zugunsten Schwächerer. Sehen Sie dies auch so?

Wir können gar nicht anders, wenn wir unserem Auftrag nicht untreu werden wollen. Jesus hat die Armen selig gepriesen und sich besonders der Schwachen angenommen. Wenn wir nicht handeln wie er, bleibt unsere Verkündigung hohl. Unseren guten Worten müssen unsere guten Taten folgen. Deshalb stand traditionell immer neben der Kirche auch das Krankenhaus. Weil Christus sich ganz arm gemacht hat, ist er besonders den Armen, Schwachen und Ausgegrenzten zum Bruder geworden. Als Christen sind wir deshalb Anwälte dieser Menschen, die sonst keine Stimme haben.“

Die Gier nach Geld ist eine der Hauptursachen der Finanzkrise – Richtet sich die Menschheit zugrunde, wenn sie weiter um das goldene Kalb tanzt und Werte mit Füßen tritt? Was setzen Sie dagegen?

Die Finanzkrise zeigt, dass wir von Geld und Zahlen allein nicht leben können. Wenn das Vertrauen auf Gott fehlt, ist alles andere wertlos. Wir müssen deshalb auch die Mächtigen in der Wirtschaft an ihre Verantwortung erinnern, damit sie vor lauter Zahlen die Menschen nicht vergessen, die dahinter stehen, und hinter dem Menschen steht der lebendige Gott. Wenn man nicht weiß, wer der Mensch ist, gehen Politik und Wirtschaft in die Irre. Der Mensch ist Abbild Gottes und muss daher an erster Stelle stehen, nicht Geld und Gut. Letztlich ist der größte Reichtum eines Menschen doch der Glaube an den lebendigen Gott.

Immer mehr Kirchen müssen schließen, während andere Religionsgemeinschaften große Neubauprojekte verwirklichen können – fehlt es an Engagement bei den Gläubigen oder Geld? Wie ist dieser Trend zu stoppen – könnte die Kirche z. B. Sponsoren brauchen?

Es fehlt ja nicht in erster Linie das Geld. Wir haben vielmehr einen akuten Christenmangel. Und zwar an Christen, die so wie der Apostel Paulus unerschrocken auftreten und Zeugnis ablegen für ihren Glauben. Wir müssen wieder missionarischer werden.

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