Joachim Cardinal Meisner Joachim Cardinal Meisner
Function:
Archbishop of Köln, Germany
Title:
Cardinal Priest of S Pudenziana
Birthdate:
Dec 25, 1933
Country:
Germany
Elevated:
Feb 02, 1983
More information:
www.catholic-hierarchy.org
Send a text about this cardinal »
View all articles about this cardinal »
German Meisner weist Schavan zu Recht in die Schranken
Dec 08, 2007
Kardinal Joachim Meisner hat der Bundesforschungsministerin Annette Schavan vorgeworfen, sie habe ihre christlichen Prinzipien aufgegeben. In der Tat zeigt die Christdemokratin einen unglaubwürdigen Spagat zwischen christlicher Moral und politschem Zweckdenken.

(Die Welt, 7. Dezember 2007) Die Politik darf es nicht akzeptieren, dass der Tod von Embryonen mit der möglichen Heilung von Menschen verrechnet wird.

Kölns Kardinal Joachim Meisner ist für seine entschiedenen, oft provozierend formulierten Positionsmeldungen bekannt, ja berüchtigt. Regelmäßig lösen sie im linksliberalen Milieu einen medial verstärkten Sturm der Entrüstung aus, besonders bei antiklerikalen Grünen wie Claudia Roth oder Volker Beck. Dieses Mal gehen die beiden mit Meisner aber überraschend konform: „Wo er recht hat, hat er recht“, kommentierte Beck, parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen, die Philippika des Kölner Erzbischofs gegen Annette Schavan. Die Bundesforschungsministerin (CDU) hatte beim CDU-Bundesparteitag mit einer raffiniert eingefädelten Blitzabstimmung einen Antrag auf Lockerung des Stammzellengesetzes durchgesetzt.
Nun steht sie als Umfallerin da, als eine Ministerin, die, wie Meisner es formulierte, „christliche Prinzipien aufgibt“ und sich damit gegen die katholische Kirche stellt, der sie selbst angehört.

Zweifellos hat der Kardinal Recht, wenngleich sich so mancher Katholik fragen dürfte, ob das Katholische bzw. Christliche in den christdemokratischen Parteien überhaupt noch Priorität beanspruchen darf. Auf zu vielen Feldern haben sich CDU und CSU in den letzten Jahren den allgemeinen Trends angepasst, ja anpassen müssen, um als Volkspartei wählbar zu bleiben. Für konservative Kritiker lautet so das Alleinstellungsmerkmal der Unionsparteien heute: Beliebigkeit.

Man gab sich, wie bei der Abtreibungsfrage, mit Formelkompromissen zufrieden oder laviert wie derzeit in der Familienpolitik. Das verbindliche „Wertefundament“ (Meisner), das es rechtfertigt, das „C“ im Parteinamen zu führen, ging dabei verloren.
Eine Politik, die es akzeptiert, dass die Forschung den Tod von Embryonen mit der möglichen Heilung von Menschen verrechnet, verlässt ihre selbst gesetzten ethischen Grundlagen. Und dies ausgerechnet in einem Augenblick, da der Wissenschaft der Durchbruch bei der Forschung mit Hautzellen gelungen scheint. Dass Annette Schavan nach der aufbrandenden Kritik an ihrer Entscheidung nach¿schob, sie habe als Ministerin immer die adulte Stammzellforschung gefördert, aber diese sei ohne vergleichende Embryonennutzung nicht Erfolg versprechend genug, zeigt einen höchst unglaubwürdigen Spagat zwischen Moral und Zweckmäßigkeit. Man kann eben nicht nur ein bisschen an Gott und seine Schöpfungsordnung glauben, sondern ganz – oder gar nicht.
Schlagworte
Stammzellen Meisner Schavan Christlich CDU
Der eigentliche Adressat von Meisners harscher Kritik ist deshalb Angela Merkel, die bei der Abstimmung ihr ganzes Gewicht in die Waagschale warf, um die Mehrheit des Parteitags gegen die Lockerung der Stammzellenforschung umzudrehen. Denn die Kanzlerin weiß, dass die SPD im Bundestag mehrheitlich für den verstärkten Import von Stammzellen votieren wird – und da soll die Koalition geschlossen auftreten. Macht in der Politik und Allmacht in der Forschung spielen sich so in die Hände.
37 READERS ONLINE
INDEX
RSS Feed
back to the first page
printer-friendly
CARDINALS
in alphabetical order
by country
Roman Curia
under 80
over 80
deceased
ARTICLES
last postings
most read articles
all articles
CONTACT
send us relevant texts
SEARCH