Kritik, aber auch Lob für den Kardinal
Dec 18, 2006
Kardinal Joachim Meisner und sein Generalvikar Dominik Schwaderlapp ernten viel Kritik für das Spar-Konzept „Zukunft heute“. Gleichzeitig gibt es Stimmen, die der Bistumsleitung vorwerfen, ein Klima der Angst zu verbreiten. Doch es gibt auch Verständnis für die notwendigen Maßnahmen.
(Kölnische Rundschau, 17.12.06) Rhein-Erft-Kreis: Kreisdechant Achim Brennecke findet offene Worte: „Ich ärgere mich hin und wieder auch schon einmal“, gibt er zu. Aber das komme ja in anderen Betrieben auch vor. Allerdings sei vor Ort zurzeit die Stimmung nicht die beste. Es gebe unterschiedliche Auffassungen darüber, wo gespart werden müsse.
„Das Konzept ,Zukunft heute löst natürlich sehr viel Unruhe aus“, sagt auch der Sprecher der Dekanatsräte im Rhein-Erft-Kreis, Karl-Heinz Lätzsch. „Nicht zuletzt kämpfen wir um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Es ist nicht schön, wenn Kirchen entweiht, Pfarrsäle geschlossen und Kindergartengruppen aufgelöst werden.“ Mit Kardinal Meisner und Generalvikar Schwaderlapp werde aber ein offener Austausch gepflegt.
Eine gewisse Resignation habe sich schon unter den Priestern breit gemacht, sagt Hoffsümmer. „Meisner nimmt Kritik nicht an und wird sich auch nicht mehr ändern.“
Rheinisch-Bergischer Kreis: Große Unruhe gab es im Seelsorgerbezirk Bergisch Gladbach-West. Dort wurde im November im Anschluss an die Gottesdienste eine Mitteilung von Kardinal Meisner und der erzbischöflichen Personalabteilung verlesen, dass Pfarrer Peter Felten (Pfarreien Paffrath und Hand), der Leiter des Pfarrverbandes, nach einem Gespräch mit Meisner das Pfarreramt „aus persönlichen Gründen“ niedergelegt habe. Der einzige verbliebene Pfarrer, Wolfgang Pollmeyer aus Schildgen, der jetzt die kommissarische Leitung der drei Pfarren übernimmt, steht zwei Jahre vor der Pensionierung. Und mit der Abordnung eines neuen Geistlichen ist nicht vor Sommer 2007 zu rechnen.
Gegenüber der Rundschau gab es vertrauliche Mitteilungen aus dem Klerus, dass Pastor Felten den Zwiespalt zwischen seinen persönlichen Vorstellungen hinsichtlich der Gestaltung des Pfarreramtes (Liturgie, Seelsorge) und den organisatorischen und administrativen Zwängen seines Amtes, verstärkt durch die massiven Sparerfordernisse, einfach nicht mehr überbrücken konnte.
Köln: Die Situation in der Stadt charakterisiert ein Geistlicher im Gespräch mit der Rundschau so: Der Klerus lasse sich in Personen, die „sich ihren Sandkasten erhalten“ wollten und nichts sagten und in Personen, die resigniert hätten und sich sagten: „Aufmucken hat keinen Zweck“. Außerdem gebe es Karrieristen, die dem Kardinal immer zustimmten. Viele in der Kirche seien misstrauisch geworden. Es herrsche ein Geist des Gehorsams. Mut und der Geist der Offenheit fehlten. Einen ordentlich installierten Pfarrer, so der Geistliche weiter, könne man nur versetzen, wenn er sich etwas zuschulden kommen lasse. „Nur: Wenn man den ständig unter Druck setzt, andauernd zum Personalchef einbestellt - wer kann da auf Dauer standhalten?“
Falls es anonyme Beschuldigungen gegen Priester gebe, wanderten diese in der Regel in den Papierkorb und würden vernichtet. Das habe der Priesterrat in seiner Beschwerdeordnung so beschlossen. Es sei denn, der Vorfall sei wirklich sehr gravierend: Dann müsse der betreffende Priester natürlich angehört werden.
Oberbergischer Kreis: Die ländliche Struktur der drei Dekanate sei vom Generalvikariat im Sparkonzept offenbar nicht hinreichend berücksichtigt worden, meinen viele Dekanatsratsmitglieder und Priester. So solle der Seelsorgebereich Gummersbach 350 Quadratmeter an Versammlungsfläche einsparen. Dies würde bedeuten, dass Teile bestehender Pfarrheime vermietet oder veräußert werden müssten, was allein aus architektonischen Gründen gar nicht gehe.
Zu befürchten stünde, dass die zumeist älteren unter den aktiven Gemeindemitgliedern künftig Wege von mehreren Kilometern in Kauf nehmen müssten.
Die Sparpläne hätten auch zu Spannungen zwischen Gemeindemitgliedern geführt. Oft würden die Personen, die Kölner Entscheidungen vor Ort auszuführen hätten, als Sündenböcke betrachtet. Von den insgesamt neun Kindergarten-Gruppen in katholischer Trägerschaft im Seelsorgebereich Gummersbach sollen fünf eingespart werden.
Rhein-Sieg-Kreis: Mit dem Meisner-Schwaderlapp-Kurs kommt man offenbar ganz gut klar. Das Sparprojekt „Zukunft heute“ mit den vielfach gravierenden Einschnittenwird vor Ort in den Kirchengemeinden ohne große Proteste umgesetzt.
Bonn: Bislang wurde das Sparkonzept weitgehend geräuschlos umgesetzt. Von der Kirche aufgegebene Kindergartenplätze haben die Kommunen übernommen. Es sind sogar neue Initiativen (Bürgerstiftung Rheinviertel) entstanden. Für Kritik hat jedoch die Neubesetzung an der Führungsspitze der Katholischen Hochschulgemeinde gesorgt.