Joachim Cardinal Meisner Joachim Cardinal Meisner
Function:
Archbishop of Köln, Germany
Title:
Cardinal Priest of S Pudenziana
Birthdate:
Dec 25, 1933
Country:
Germany
Elevated:
Feb 02, 1983
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Dialog mit dem Islam muss sein
Dec 01, 2006
Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner besuchte unsere Redaktion. Themenschwerpunkte waren: Das Verhältnis von Religion und Gewalt, die Unmöglichkeit eines gerechten Krieges und das „C“ der Unionsparteien.

Düsseldorf (RP-Online, 01.12.2006). Herr Kardinal, fällt es Ihnen nach dem Dresdner Parteitag etwas leichter, der CDU das „C” zuzubilligen?


Meisner Wenn ich in der Vergangenheit die CDU kritisiert habe, dann doch nur, um ihr zu helfen. Sie muss sich als Volkspartei um große Mehrheiten bemühen. Wenn ihr das mit dem „C” nicht mehr gelingt, dann sollte sie daraus die Konsequenzen ziehen. Für uns als Kirche ist das „C” im Namen nun mal ein Richtmaß, nach dem sich politisches Handeln bewerten lassen muss. Ich hoffe, dass die Union sich auf ihre wesentlichen Grundlagen besinnt, die im christlichen Menschenbild und einer solidarischen Gesellschaft bestehen. Und ich hoffe, dass sie damit auch mehrheitsfähig wird in unserem Land.


In Dresden gab es ein heftiges Flügelschlagen zwischen der eher wirtschaftlich und der stärker sozialpolitisch orientierten Gruppe um Jürgen Rüttgers.


Meisner Die soziale Komponente ist ganz wichtig. Arbeitnehmern ist nicht gedient, wenn der Betrieb zugrunde geht. Zugleich hat ein Unternehmer die große Verantwortung zu tragen, dass er in seinem wirtschaftlichen Handeln der sozialen Dimension des Eigentums gerecht wird.


Rüttgers hat in Dresden ein schlechtes Ergebnis bekommen. Hat die Partei nicht begriffen, worum es geht?


Meisner Darüber kann ich nur spekulieren. Ich kann mir darauf keinen Reim machen.


Das „C” auf Krieg und Frieden übertragen: Hätte die Union beim Kriegseinsatz im Irak nicht an der Seite des Papstes sein müssen statt an der des US-Präsidenten, wie der CSU-Politiker Gauweiler kritisch angemerkt hat?


Meisner Der Protestant Peter Gauweiler hat meines Erachtens hier nicht zum ersten Mal richtiges Gespür bewiesen, und der damalige Papst Johannes Paul II. hat mit seinen Bedenken ebenfalls Recht behalten. Eine C-Partei hätte da also in der Tat auch etwas zurückhaltender sein können. Nun ist die Verteidigung des Friedens ohne Zweifel eine christliche Pflicht. Angesichts der zerstörerischen Waffengewalt, die wir inzwischen zur Verfügung haben, ist die alte Lehre vom gerechten Krieg allerdings heute kaum noch haltbar. Das können Sie in jüngeren Kirchendokumenten wie etwa im Weltkatechismus oder im neuen Kompendium der Soziallehre bestätigt finden.


Präsident Bush ist von dem Gedanken beseelt, dass er in göttlicher Mission handelt.


Meisner Da ist er nicht der einzige in der Weltpolitik, der das von sich annimmt. Als Mensch muss ich mich aber immer wieder korrigieren lassen; das heißt: Ich muss meine Berufung, sei es als US-Präsident oder als Manager oder als Bischof, vor einer höheren Instanz objektiv befragen lassen nach dem Motto: Habe ich das, was ich da vorhabe, vom Heiligen Geist, oder ist das bloß meine eigene Idee?


Was hat Benedikt XVI. den deutschen Bischöfen bei ihrem Rom-Besuch Mitte des Monats ans Herz gelegt?


Meisner Der Papst erkundigte sich eingehend nach der Lage der Jugend und der Familien. Er ist bestens über die Situation in Deutschland informiert und hat ein enormes Gedächtnis für all diese Dinge. Ein großes Anliegen ist ihm, dass die Kirche in Deutschland mit ihren nach wie vor reichhaltigen Mitteln den Mut hat, missionarischer zu sein. Ich glaube, dazu wird er uns sicher noch einiges ins Stammbuch schreiben. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf sein Jesus-Buch, das im kommenden Frühjahr erscheinen soll.


Von der Regensburger Vorlesung des Papstes fühlte sich der Islam brüskiert. Wie konnte das passieren?


Meisner Der Papst hat als Professor gesprochen und hat gewiss gemäß unseren akademischen Gepflogenheiten nicht damit gerechnet, dass ein historisches Zitat mit seiner Meinung gleichgesetzt werden könnte. In der Sache aber stellt sich der Papst der Problematik des 21.Jahrhunderts schlechthin, nämlich der Frage nach Religion und Gewalt, was letztlich ein zentraler Aspekt seines überragenden Themas „Glaube und Vernunft“ ist. Wenn wir da nicht zu einem Konsens kommen, weiß ich nicht, wie das 21. Jahrhundert zu Ende gehen soll.


Das bedeutet...


Meisner Es ist zu hoffen, dass der Islam den Weg zu einer höheren Rationalität des Glaubens mitgehen wird und seine geschichtliche Dimension entdeckt. Dann könnte eine dringend notwendige Textkritik des Koran erfolgen, wie wir Christen sie im Umgang mit unserer Heiligen Schrift lange schon betreiben. Im Islam kann das, was im Koran steht, ja nicht hinterfragt werden. Doch der Koran ist eben auch ein geschichtliches Buch. Darüber muss geredet werden.


Der Dialog ist schwer zu führen.


Meisner Aber wir kommen daran nicht vorbei.


Vorbehalte gegen die Kirche betreffen vielfach die Betonung kirchlicher Gebote und Verbote. Wo bleibt das Positive?


Meisner Wir müssen in der Verkündigung zuallererst über die Schönheit des Glaubens, über die Schönheit Gottes und die Faszination des Evangeliums predigen. Da haben wir einen großen Nachholbedarf.


Wie lassen sich breite Bevölkerungsschichten wieder mehr für die Kirche gewinnen?


Meisner Kirche ist Volkskirche, das heißt: Sie ist für das Volk da. Alles, was die Kirche hat, stammt von einem anderen, nämlich von Jesus Christus, aber sie hat dies alles nicht für sich, sondern für andere. Eine kirchliche Gemeinde verdient darum nur diesen Namen, wenn sie auch missionarische Gemeinde ist.


Manche Priester bei uns erwecken den Eindruck, als seien sie lieber Manager als Menschenfischer. Wo bleiben Letztere?


Meisner Ich habe in der Hinsicht große Hoffnung. 90 Prozent unserer Geistlichen sind schon apostolische Männer. Das gilt für die Priester, aber auch für jene, die sich als Verheiratete als ständige Diakone in Dienst nehmen lassen. Am vergangenen Samstag habe ich wieder sechs Männer zu ständigen Diakonen geweiht: hochbegabte Familienväter, fünf Kinder, sechs Kinder, promovierte Leute, die missionarisch in der Kirche wirken wollen. Das ist nur ein Beispiel.


Wie testen Sie Tüchtigkeit?


Meisner Wenn jemand Priester werden will und zu mir kommt, frage ich immer: Können Sie auf jemanden verweisen, der durch ihr Zeugnis Christ geworden oder in seinem Glauben gestärkt worden ist? Das heißt, ich teste die geistige Reife und Bereitschaft des Kandidaten, seinen Glauben weiterzugeben.


Hat der Weltjugendtag 2005 in Köln wirklich etwas religiös bewegt?


Meisner Er hat, wie es mir jetzt wieder der Papst erzählte, eine Erneuerungsbewegung breiteren Ausmaßes nach sich gezogen, deren Auswirkungen zum Beispiel auch in Kanada oder in der Slowakei zu spüren sind. Aber auch bei uns im Erzbistum Köln gibt es Zeichen dafür, dass etwas positiv in Bewegung gerät. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, aber da wächst etwas heran.


Verraten Sie uns, wie Sie Weihnachten feiern?


Meisner Mit Glanz und Gloria. Bei mir kommt in der Zeit alles an persönlichen Feiertagen zusammen: Ich habe am 1. Weihnachtstag Geburtstag. Ich wurde am 20. Dezember 1988 zum Erzbischof von Köln ernannt. Am 22. Dezember 1962 bin ich zum Priester geweiht worden und habe am 23. Dezember 1962 Primiz gefeiert. Da man zu Weihnachten eigentlich keine Gäste einladen kann, bitte ich nach alter Tradition am 22. Dezember unser Domkapitel und andere zu einem schlesischen Weihnachts-Abendessen. Da sind wir fast zu 40 Leuten.


Was gibt’s zu essen?


Meisner Traditionell Karpfen, mit einer Soße von dunklem Bier, zum Schluss natürlich Mohnklöße; außerdem gibt’s niederschlesische Kalbfleischwürste und dazu Andechser Doppelbock-Klosterbräu.


Ihr Weihnachts-Pflichtprogramm?


Meisner Am Heiligabend findet die Mitternachtsmesse statt. Dann kommt morgens der Weihnachts-Gottesdienst, anschließend gratulieren mir die Mitglieder der Domchöre zum Geburtstag, dann lade ich noch sechs bis acht Leute, die alleinstehend sind, zum Weihnachtsessen ein, und um drei Uhr nachmittags heißt‘s dann erst mal: Füße hochlegen.


Haben Sie Hobbys?


Meisner Ja, ich sammele alte Gebetbuch-Bilder. Von Kevelaer und aus dem alten Köln habe ich schon jeweils eine ganze Mappe. Am 2. Weihnachtstag ordne ich die Bilder ein, die sich im Laufe des Jahres angesammelt haben. Damit habe ich ein paar Stunden zu tun. Dabei höre ich mir gerne Musik an und lasse einfach mal die Seele baumeln.


Schauen Sie fern?


Meisner Gerne geschichtliche Sendungen, aber ich sehe selten fern. Ich glaube, dass ich auch nicht allzu viel verpasse.


Gehen Sie schon mal ins Kino?


Meisner Den Film „Der Untergang” über Hitlers letzte Tage habe ich im Kino gesehen.


Welche Botschaft haben Sie zum Advent?


Meisner Diejenige meines Bischofs-Wahlspruches: „Spes nostra firma est pro vobis”, zu deutsch: „Unsere Hoffnung für euch steht fest”, aus dem 2. Korintherbrief. Ich erhoffe für unsere Landsleute, dass sie in den adventlichen Tagen - trotz allem - ein wenig in die Tiefe ihres Herzens gelangen, um somit die Oberfläche ihres Lebens ein gutes Stück zu relativieren.
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