Der Kardinal ist informiert
Jun 24, 2006
Kürzlich erklärte das Erzbistum Köln seine Verwicklung in die städtische Straßenprostitution. Das Erzbistum will den Dirnen ein „streßfreies Arbeiten“ ermöglichen, damit sie über eine – hoffentlich noch streßfreiere – Alternative nachdenken.
(kreuz.net, 23. Juni 2006) Ende Mai erkundigte sich eine österreichische Theologiestudentin mit einem privaten Brief beim Erzbistum Köln, was es mit der Tätigkeit des ‘Sozialdienstes katholischer Frauen’ – kurz: SkF – am Kölner Straßenstrich auf sich habe.
Am 16. Juni beantwortete das Generalvikariat Köln die Anfrage im Auftrag des Erzbischofs von Köln, Joachim Kardinal Meisner.
Der Brief ist vom Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, Hw. Robert Kleine, verfaßt.
Hw. Kleine erklärt, daß Kardinal Meisner über die Mitwirkung des ‘Sozialdienstes katholischer Frauen’ am Projekt „Straßenstrich in Köln“ informiert sei.
Eine ‘Kommission für ethische Fragen im Diözesancaritasverband Köln’ habe sich sehr intensiv mit der Frage nach einer Beteiligung des ‘Sozialdienstes katholischer Frauen’ an dem Projekt Straßenstrich befaßt.
Zur Frage der ethischen Vertretbarkeit einer Betreuung des Straßenstrichs durch Mitarbeiterinnen des ‘Sozialdienstes katholischer Frauen Köln’ sei ein Votum erarbeitet worden.
Darin komme die Kommission zu dem Ergebnis, daß eine Betreuung der Frauen auf dem Straßenstrich aus christlicher Sicht nicht nur ethisch vertretbar, sondern auch geboten sei.
Damit solle keinesfalls Sünde legitimiert werden. Die Kirche sei in keiner Weise an der Prostitution beteiligt. Sollte durch Presseberichte dieser Eindruck entstanden sein, so sei er falsch.
Pfarrer Kleine nennt auch die Motive für die „Mitwirkung“ des Erzbistums:
Die, wie es im Brief heißt, „Begleitung des Straßenstrichs“
• sei eine geeignete Möglichkeit, um Prostituierte vor Gewaltübergriffen von Freiern zu schützen,
• diene dazu, eine Grundsicherung wider die Verelendung sicherzustellen,
• das Vertrauen in die Ordnungsbehörden zu fördern,
• streßfreies Arbeiten zu ermöglichen, das Raum lasse, um sich mit alternativen Lebensmustern zu beschäftigen und dies in Angriff zu nehmen.
Das Projekt stehe im Hilfeverbund mit der Initiative ‘Mäc-Up-Café’, das eine weitere Resozialisierung fördere.
Das Mädchencafe ‘Mäc-Up’ ist eine vor vier Jahren eröffnete Einrichtung des ‘Sozialdienstes katholischer Frauen’ in Köln. Es umfaßt Räumlichkeiten und einen Bus, in dem Huren einen Gesprächspartner finden, einen Kaffee trinken und Beratung erhalten können.
Die Polizei hat zugestimmt, in der Nähe der Einrichtungen und im Bus keine Kontrollen durchzuführen.
Pfarrer Kleine erklärt abschließend, daß „eindeutig klar ist, daß Prostitution Sünde“ sei.
Das Ziel des ‘Sozialdienstes katholischer Frauen’ sei nicht, Strukturen dieser Sünde zu verfestigen, sondern Frauen eine Möglichkeit zu öffnen, Vertrauen zur katholischen Beratungen zu erwerben und Wege zum Ausstieg zu finden.