Joachim Cardinal Meisner Joachim Cardinal Meisner
Function:
Archbishop of Köln, Germany
Title:
Cardinal Priest of S Pudenziana
Birthdate:
Dec 25, 1933
Country:
Germany
Elevated:
Feb 02, 1983
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Verabschiedung von Weihbischof Trelle nach Hildesheim
Jan 30, 2006
"Sich nicht selbst zu gürten, das heißt sich nicht selbst zu organisieren, sondern verfügbar, versetzbar und transferierbar zu sein und zu bleiben, gehört zum Lebensstil eines Jüngers Jesu", erklärte Joachim Kardinal Meisner, als er am 8. Januar 2006 seinen Weihbischof Norbert Trelle (63), den künftigen Bischof von Hildesheim, im Rahmen eines Festgottesdienstes im Kölner Dom verabschiedete.

Der Kardinal, den heute, Mittwoch, Papst Benedikt XVI. zu einer privaten Audienz im Vatikan empfangen hat, betonte in seiner Predigt, dass diese Verfügbarkeit nicht nur für Bischöfe, sondern für jeden Christen gelte. Denn schließlich sei es "eine Binsenweisheit, dass wir hier keine bleibende Stätte haben"

Die Amtseinführung des neuen Bischofs von Hildesheim ist für den 11. Februar geplant. Zur Diözese Hildesheim zählen knapp 658.000 Katholiken in Ostniedersachsen und im Norden Bremens. Die Sedisvakanz war eine der längsten in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Erzbistum Köln war Weihbischof Trelle seit 1992 für den Pastoralbezirk Süd und die Ausländerseelsorge zuständig.

* * *

Lieber Bischof Norbert!
Liebe Schwestern und Brüder!

Am Tauffest unseres Erlösers Jesus Christus verabschieden wir unseren lieben Weihbischof Norbert Trelle nach Hildesheim. Nach dem Evangelisten Markus stellt die Taufe Jesu den Beginn seiner öffentlichen Tätigkeit dar. 30 Jahre hat er im Verborgenen gelebt, um nun drei Jahre das Reich Gottes zu verkünden und seine Verkündigung dann durch seinen Tod und seine Auferstehung zu besiegeln. Die Taufe eines Christen stellt den Anfang seines Lebens mit Gott dar, das mitunter abenteuerliche Dimensionen erreichen kann. Im Leben des heiligen Erzbischofs Norbert von Magdeburg kann unser Bischof Norbert Trelle ein wenig sein Leben vorgeprägt finden. Der heilige Norbert war auch im Rheinland ganz zu Hause und wurde nun gerufen, seine Heimat am Rhein zu verlassen, um an die Elbe zu gehen und das Erzbistum Magdeburg in einer turbulenten Zeit zu übernehmen.

"Die Welt ist meine Pfarrei", sagte der selige Papst Johannes XXIII. Darum ist die Versetzung eines Priesters oder eines Bischofs kein Ausnahmezustand, sondern eigentlich pure Normalität. In früheren Zeiten war es gang und gäbe, dass die Oberhirten einer Diözese meistens von auswärts kamen. Darum spielen Provinzen, Regionen und Landschaften eine untergeordnete Rolle. Da Seelsorge aber nicht ein Geschäft ist, sondern herzliche Begegnung von Mensch zu Mensch, bei der auch Bindungen zwischen Menschen entstehen, ist es immer schmerzlich, wenn solche Bindungen durch eine räumliche Veränderung aufgelöst werden. Und das tut auch immer ein wenig weh. Wir sind und bleiben auch als Priester und Bischöfe Menschen. Ein schmerzlicher Abschied zeugt davon, dass wir eigentlich im Sinne des Herrn gut gearbeitet haben. Der Herr hat um solche Schwierigkeiten gewusst, und darum sagt er uns ein so ernstes Wort: "Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes" (Lk 9,62).

Mitgegangen, mitgehangen! Wer einmal Ja gesagt hat zum Rufe Gottes als Christ in der Taufe und dann Ja gesagt hat zum Ruf des Herrn in Priester- und Bischofsweihe, der muss auch immer in der Bereitschaft zu neuen Aufbrüchen leben. Der Jünger Jesu lebt darum immer in der Hörweite Gottes. Das bedeutet letztlich Gehorsam: offen und erreichbar zu sein für das Wort des Herrn und fähig zu sein zum neuen Aufbruch. Gerade für den, der älter geworden ist, schließt Jesus einen Ortswechsel nicht aus, sondern geradezu ein, indem er dem Petrus sagt: "Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst" (Joh 21,28). Das trifft wirklich ganz auf unseren bisherigen Weihbischof Norbert zu. Sich nicht selbst zu gürten, d.h. sich nicht selbst zu organisieren, sondern verfügbar, versetzbar und transferierbar zu sein und zu bleiben, gehört zum Lebensstil eines Jüngers Jesu. Und es ist eine Binsenweisheit, dass wir hier keine bleibende Stätte haben. Darum muss ein Christ, namentlich ein Bischof, immer mobil bleiben.

Wir können unseren Lebensentwurf nicht in der Weise verändern, dass wir ihn verbreitern oder verlängern, wohl aber in der Weise, dass wir ihn vertiefen. Und das wird bei einem Bischof immer nötig sein! Je höher unser Lebensbaum wächst, umso tiefer muss er sich im Mutterboden verwurzeln, damit ihn der Sturm nicht umweht. Daher wird das Gebet, das heißt die Aktion in die Tiefe im Leben eines Bischofs immer die Priorität haben müssen, damit er ein guter Vertreter des Guten Hirten sein kann.

"Vater, ich falle in deine Hände", darf unser Mitbruder Norbert Trelle beten: "Sie sind weit wie das Meer, weit wie das All. Deine Hände sind mein Zuhause, ein Daheim, das die Mauern nicht kennt. Niemand kann mich verstoßen aus der Heimat deiner Hände." Darum geschieht der Ortswechsel eigentlich immer nur an der Oberfläche unseres Daseins. Der eigentliche Lebensraum bleibt derselbe: Es sind die guten und die tragenden Hände Gottes. Sie bleiben unser gemeinsamer Raum, in dem wir leben, uns bewegen und sind und uns auch immer wieder begegnen können.

An dieser Stelle danken wir unserem bisherigen Weihbischof Norbert Trelle für seinen treuen und zuverlässigen Dienst in unserer Mitte. Er wird uns wirklich fehlen! Sein guter Rat war mir immer sehr wertvoll. Sein Urteil traf die jeweilige Sache. Und sein Glaubensmut wies auch auf eine gangbare Lösung in schwierigen Situationen hin. Weihbischof Norbert erleichterte mir oft die Last der Verantwortung, die der Erzbischof letztlich nicht mehr wegdelegieren kann. Er war mir und ist mir ein wirklicher Bruder im Herrn geworden. Wir wünschen ihm von Herzen, dass ihn nun das Volk Gottes und das Presbyterium in der Diözese Hildesheim annehmen und in ihrer Mitte aufnehmen werden. Letzteres ist für einen Bischof sehr wichtig. Aber selbst, wenn es nicht gegeben wäre, hätte er Grund zur Zuversicht, da er sich nicht selbst geschickt oder gesandt hat, sondern weil Gott ihn auf den neuen Weg stellt. Und das ist das Entscheidende! "Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt" (Joh 15,16).

Die Diözese Hildesheim gehört zu den großen Diasporabistümern unseres Vaterlandes. Es ist eine Diözese der weiten Wege und der kleinen Gemeinden. Und selbst, wenn es nur eine kleine Herde ist, sind ihr die großen Verheißungen Gottes anvertraut. Und umso wichtiger ist ihr Zeugnis für ihre Mitwelt. Dem Bischof ist es – wie dem Petrus – aufgegeben: "Stärke deine Brüder (und Schwestern)!" Aber zuvor sagt der Herr: "Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt" (Lk 22,32). Auf das Gebet des Herrn für uns dürfen wir uns immer und überall verlassen. Diese Zusage des Herrn steht über allem Wandel der Zeit unerschütterlich für uns fest. Daraus findet der Bischof immer wieder die Kraft, die kleinen Gemeinden zu besuchen.

In meiner Zeit als Bischof von Berlin nahm ich einen polnischen Bischof zu einer Firmfeier mit, bei der drei Kinder das Sakrament der Firmung empfingen. Auf dem Rückweg machte mir der polnische Mitbruder den Vorschlag, es wäre doch besser, eine einzige Firmfeier für das ganze Dekanat zu halten, als seine Kräfte zu verzehren, um für drei Kinder einen eigenen Firmgottesdienst zu feiern. Ich antwortete dem Bischof damals: "Sie kommen mir vor wie ein Bauer in einer reichen fruchtbaren Gegend, wo man den Weizen mit dem Mähdrescher erntet. Ich dagegen bin wie ein Bergbauer in den Alpen, der nach einem Weizenhalm Ausschau hält. Wenn er ihn gefunden hat, läuft er zu ihm hin, bückt sich zu ihm nieder und schneidet ihn mit der Sichel ab. Und wenn er dann am Abend ein kleines Bündelchen gesammelt hat, trägt er es glücklich nach Hause." Der polnische Bischof sagte mir: "Machen sie weiter mit dieser Seelsorge der kleinen Wege!"

Der neue Bischof von Hildesheim hat eigentlich bei uns schon ein ganz gutes Noviziat hinter sich, indem er lange Jahre Pfarrer und Stadtdechant in Wuppertal gewesen ist und dort schon eine gute Einübung in den bischöflichen Dienst in der Diasporadiözese Hildesheim machen konnte. Gott tut nichts als Fügen. Wir begleiten den Weg unseres bisherigen Weihbischofs Norbert Trelle in den bischöflichen Dienst in Hildesheim mit unserem Gebet und mit unserer ganzen Sympathie. Unsere Verbundenheit mit ihm, auch über Entfernungen hinweg, wird dadurch deutlich, dass der Erzbischof den von uns scheidenden Bischof zum Ehrendomkapitular an der Hohen Domkirche in Köln ernannt hat, worin die Verbundenheit mit dem Heimatbistum deutlich werden soll. Man behält letztlich immer den Staub an den Schuhen, von dessen Ackerfeld man kommt.

Den Niedersachsen wird es an der Sprache auffallen, dass ihr neuer Bischof ein Rheinländer ist, und – so glaube ich – an vielem anderen auch. Und ich meine, Bischof Norbert Trelle wird frühestens in der Karnevalszeit merken, dass er nun in Niedersachsen lebt. Wir wünschen ihm, dass er nach der apostolischen Regel des heiligen Paulus "allen alles wird" ( vgl. 1 Kor 9,22), den Niedersachsen ein Niedersachse, aber ganz besonders dem Volke Gottes ein zuverlässiger Bischof, der die Menschen auf das Wort Gottes hin orientiert, der ihnen die Sakramente spendet als Stärkung auf ihrem Weg durch die Welt, der die Diözese fest verbindet mit der Gemeinschaft der katholischen Weltkirche, mit dem Heiligen Vater an der Spitze, und dem es letztlich gelingt, die Gemeinden seines Bistums untereinander in eine feste Verbundenheit zu bringen, indem sie einander helfen, stützen und ergänzen.

"Einer trage des anderen Last" (Gal 6,2), gibt uns der Apostel Paulus als Lebensregel mit auf den Weg. So möge sich der neue Bischof getragen wissen vom Volke Gottes im Bistum Hildesheim, und das Volk Gottes möge sich getragen wissen von der Seelsorge ihres neuen Bischofs Norbert! Und schließlich möge er sich auch getragen wissen von unserer gläubigen Verbundenheit. "Alte Liebe rostet nicht!" Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
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