Werbeträger für den Glauben
Jan 16, 2006
„Die Werbeindustrie beneidet uns wegen unserer Werbeträger und Werbespots“, so beginnt Erzbischof Joachim Kardinal Meisner seine Predigt zum Dreikönigsfest im Kölner Dom.
(Kölner Rundschau, 06.01.06) KÖLN - Das habe der Weltjugendtag gezeigt - und Meisner wäre nicht Meisner, wenn er eine so zugkräftige Botschaft wie die vom Besuch der Weisen aus dem Morgenland nicht weiter nutzen würde. Die Domwallfahrt soll - wieder - Tradition werden: Jedes Jahr um den 27. September herum. Das ist das Kirchweihfest des Doms, und das Datum liegt 100 Tage vor dem Dreikönigstag. Mit der Kölner Wallfahrt beginnt also symbolisch die Vorbereitung auf die Erscheinung des Herrn. Der 6. Januar selbst schied als Termin wegen des Winters aus.
Aber warum lädt der Kardinal eigens ein? Was jeder Dombesucher sieht, schildert Prälat Heiner Koch, der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Kölner Generalvikariat: „Der Dom ist ständig Ziel von Pilgern.“ Nun aber gehe es darum, die Wallfahrt zu „konzentrieren“. Fünf Tage lang wird es Gottesdienste, Andachten, Orgelkonzerte, „Evening Songs“ geben. Was Konzentration bewirkt, wurde beim Jugendtag spürbar. „Ein Zeugnis für die Nähe Gottes“, sagt Koch. Von Dankbarkeit für diese Nähe spricht das Motto der diesjährigen Wallfahrt: „Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt“ (Matthäus 2,10).
Problem und Lösung sind nicht neu. Während etwa die Aachener Heiligtümer nur alle sieben Jahre gezeigt wurden (und werden) und dann entsprechend große Pilgerzüge auslösten, konnte der Dreikönigenschrein von Anfang an täglich besucht werden. Dieser Besuch war populär, und doch schwand das Bewusstsein dafür, welches Heiligtum die Kölner besaßen. 1397 gestattete Papst Bonifaz IX. eine Domwallfahrt, die alle sieben Jahre gleichzeitig mit der von Aachen stattfand. Bis ins 18. Jahrhundert hinein durften Pilger dann die Schädel der Könige mit Andachtsgegenständen berühren. Darüber hat Werner Schäfke, der Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, ausführlich berichtet.
Solche Formen der Verehrung sind heute nicht mehr denkbar, und doch werden die Pilger bei der Wallfahrt den Drei Königen näher kommen als sonst: Sie dürfen unter dem Schrein hindurchziehen. Wie beim Weltjugendtag soll ihr Pilgerweg auch an anderen bedeutenden Schätzen des Doms vorbeiführen, am Dombild etwa und am Gerokreuz.