Joachim Cardinal Meisner Joachim Cardinal Meisner
Function:
Archbishop of Köln, Germany
Title:
Cardinal Priest of S Pudenziana
Birthdate:
Dec 25, 1933
Country:
Germany
Elevated:
Feb 02, 1983
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Predigt beim Dankgottesdienst mit den Helfern des Weltjugendtages
Sept 28, 2005
Wir veröffentlichen die Predigt, die Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, am Montag anlässlich eines Dankgottesdienstes für die Tausenden Weltjugendtags-Helfer am Tanzbrunnen in Köln-Deutz gehalten hat.

KÖLN, 24. August 2005 (ZENIT.org).- Darin verglich er sie mit den unscheinbaren Säulen, die das Gewölbe des Kölner Doms tragen und sagte: "Ihr wart mit das tragende organisatorische und geistliche Fundament unseres Weltjugendtages. Wenn es stimmt, was ein altes Sprichwort sagt – und es stimmt! –: 'Der hat sein Leben am besten verbracht, der die meisten Menschen hat froh gemacht', dann geht ihr beim WJT nicht leer aus."

Auch in diesen Tagen habe man sehen können, dass Gott sich abhängig mache "von kleinen Menschen. Das wiederholte sich durch die ganze Geschichte der Christenheit. Wir brauchen dabei nur an die großen und die kleinen Heiligen der Welt zu denken, aber auch an viele schlichte Christen in unserer Umwelt, die ohne Ansehen ihrer Person in aller Stille ihren Dienst tun. Das haben wir so überwältigend gerade in den zurückliegenden Tagen erlebt. 28.000 Helferinnen und Helfer, das sind 56.000 Hände, die für andere, im Letzten aber für den Herrn, da waren."

Allen freiwilligen Mitarbeitern überbrachte Kardinal Meisner den ausdrücklichen Dank Benedikts XVI. Abschließend rief er dazu auf, von den gemachten Erfahrungen zu erzählen: "Wenn man von einem großen Fest kommt, muss man den Daheimgebliebenen etwas mitbringen. Bringt ihnen eure Dienst-Erfahrungen, bringt ihnen die ganze Freude an Gott und der Welt mit nach Hause, die ihr gerade als Dienende beim Weltjugendtag empfangen durftet."

* * *

Liebe Schwestern, liebe Brüder im Herrn!

1. "Wir haben seine Herrlichkeit gesehen" (Joh 1,14), so schließt der Prolog des Johannesevangeliums. Vielleicht werden wir das im Rückblick auf die letzte Woche auch sagen dürfen: "Wir haben seine Herrlichkeit gesehen", nämlich die Herrlichkeit des Herrn. Und es ist ein großes Geschenk, dass wir dabei sein durften. Ihr werdet noch euren Kindern und Kindeskindern erzählen können, dass ihr in den Kölner Augusttagen im Jahr 2005 dabei wart, und zwar nicht als Zuschauer, sondern als Mitwirkende, als Mithandelnde, als Mitverantwortliche. Auf den großen Gemälden, die die Reise der Heiligen Drei Könige nach Bethlehem darstellen, sind immer im Gefolge der drei Würdenträger die vielen Helferinnen und Helfer in allen möglichen Konstellationen zu sehen. Sie helfen den drei Sehern auf ihrem Weg nach Bethlehem, indem sie ihre Lasten tragen und ihnen ihre Begleitung nicht versagen.

Unser Weltjugendtag hatte auch seine Helferinnen und Helfer, die gleichsam die Handlanger des lieben Gottes waren und dort bei diesem Großereignis nicht fehlten, wo sie nötig waren. Und das seid ihr! Ohne euch wäre auf dem Weltjugendtag nichts gegangen! Darum habt ihr auf euer unmittelbares Dabeisein als Teilnehmer verzichtet, um euren Schwestern und Brüdern im Glauben aus aller Welt zu dienen, dass ihnen die Wege gewiesen wurden, dass ihnen die Speisen gereicht werden konnten, dass sie ein Dach über dem Kopf hatten und vieles, vieles mehr. Ihr wart gleichsam die dienenden Engel dieser letzten unvergesslichen Tage.

Im Namen des Heiligen Vaters soll ich euch allen seinen persönlichen und großen Dank für euren vorbildlichen Dienst überbringen. Er hat mich speziell für diesen Gottesdienst als seinen Vertreter zu euch geschickt, um mit euch die große Danksagung, die heilige Eucharistie, zu feiern. Als äußeres Zeichen seines Dankes werdet ihr dann nach der heiligen Messe ein kleines Andenken von ihm erhalten.

2. Wer den Kölner Dom besucht, bewundert die das Gewölbe tragenden Säulen, die dem Dom seine Höhe ermöglichen. Aber die Fundamente, welche die Säulen und die Gewölbe tragen, sieht man nicht. Über sie spricht auch kaum jemand. Aber ohne sie gäbe es keinen Dom. Ihr als Helfer hattet solche das Ganze tragende Aufgaben und Funktionen. Wir haben zwar die meisten von euch bei euren vielfältigen Diensten gesehen, aber ihr standet nie in der Mitte, sondern immer am Rand. Doch ohne euch hätte das Ganze gar nicht stattfinden können. Ihr wart mit das tragende organisatorische und geistliche Fundament unseres Weltjugendtages. Wenn es stimmt, was ein altes Sprichwort sagt – und es stimmt! –: "Der hat sein Leben am besten verbracht, der die meisten Menschen hat froh gemacht", dann geht ihr beim WJT nicht leer aus.

Liebe Freunde, die vielen frohen Gesichter der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Weltjugendtages sind sicher für euch der schönste Lohn für euren selbstlosen Einsatz. Gerade diese Verborgenheit eures Einsatzes spielt im Reiche Gottes eine große Rolle. Jesus spricht selbst von dem verborgenen Schatz im Acker. Ihr wart ein solcher verborgener Schatz bei unserem Weltjugendtag. Und der Apostel Paulus spricht von unserem verborgenen Leben mit Christus in Gott (vgl. Kol 3,3). Euer Dienst im Hintergrund legte Zeugnis ab von der verborgenen Gegenwart des Herrn auf den Straßen und Plätzen, in den Kirchen und Sälen des Weltjugendtages. Und der Prophet Jesaja spricht: "Wahrhaftig, du bist ein verborgener Gott. Israels Gott ist der Retter" (Jes 45,15). Vielleicht war diese Gegenwart Gottes in eurem Dienst eines der größten Geschenke, die unsere jugendlichen Besucher aus aller Welt als kostbare Mitgift von Köln wieder nach Hause mitnehmen.

3. Der Herr selbst hat sich eurer in diesen Tagen bedient, so wie damals in der Wüste der kleine Junge bei der wunderbaren Brotvermehrung dem Herrn seine fünf Brote bereitgestellt hat, aus denen der Herr dann die 5.000 hungernden Erwachsenen sättigen konnte. Oder so wie der Apostel Petrus dem Herrn sein Boot zur Verfügung stellte, damit er dann vom Wasser aus zu den vielen Menschen am See Genezareth sprechen konnte. Oder so wie Maria ihm ihre Arme schenkte, auf denen er sich dann von ihr ins Leben und in die Welt hineintragen ließ: Das waren alles "Handlanger Gottes", wichtig für ihn und seine Pläne.

Der große Gott hat sich abhängig gemacht von kleinen Menschen. Das wiederholte sich durch die ganze Geschichte der Christenheit. Wir brauchen dabei nur an die großen und die kleinen Heiligen der Welt zu denken, aber auch an viele schlichte Christen in unserer Umwelt, die ohne Ansehen ihrer Person in aller Stille ihren Dienst tun. Das haben wir so überwältigend gerade in den zurückliegenden Tagen erlebt. 28.000 Helferinnen und Helfer, das sind 56.000 Hände, die für andere, im Letzten aber für den Herrn, da waren. Wie bei den biblischen Gestalten werden wir auch bei euch sagen dürfen: Der Herr hat sich von euch, von eurem Einsatz, von euren Diensten abhängig gemacht. Er meinte, er könne euch vertrauen, so dass seine Brüder und Schwestern aus aller Welt bei euch in guten Händen waren. Und ich bin überzeugt, dass ihr sein Vertrauen nicht enttäuscht habt. Und das – glaube ich – ist die große Auszeichnung eures Dienstes, die euch euer ganzes Leben lang begleiten darf: Ihr wart die großen Vertrauensträger Gottes in diesen gesegneten zurückliegenden Tagen. Ist das nicht wie ein Wunder und eine kostbare Frucht des Weltjugendtages?

Manche Leute sagen: Die Jugend lässt sich nur noch von drei Fragen bestimmen und bewegen, nämlich von der Frage: "Was verdiene ich dabei?", "Was habe ich davon?" und "Was nützt mir das?". Ihr habt in großartiger und selbstverständlicher Weise diese Vorurteile widerlegt, und zwar als das, was sie wirklich sind: nur Vorurteile! Von den Heiligen Drei Königen heißt es: "Da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar" (Mt 2,11). Ihr, liebe Freunde, wart gute Artgenossen dieser ersten Christuspilger. Ihr habt dem Herrn eure Zeit, eure Interessen, euren Verzicht, überall mit dabei sein zu können wie die anderen, geschenkt. Ihr werdet gerade deshalb – wie die Heiligen Drei Könige – auch nicht mit leeren Händen vom Weltjugendtag in euren Alltag wieder zurückkehren.

Gott lässt sich an Großmut von uns nicht übertreffen. Ich kann selbst bestätigen, wie wahr die alte menschliche Erfahrung ist, die sich in der Redensart äußert: "Was wir durch die Tür verschenken, das tragen uns die Engel Gottes wieder durch das Fenster mit Zuschlag zurück."

4. Der Weltjugendtag ist zwar zu Ende, aber den tiefen und kräftigen Impuls, der von ihm ausgeht, haben wir nun in unsere Gemeinden, in unsere Familien, in unsere Gemeinschaften, in unsere Gruppen und Lebensräume hinein zu tragen. Und vielleicht seid ihr gerade die qualifiziertesten Vermittler dieser gnadenreichen Erfahrungen in die Alltagswelt hinein zu unseren Kindern, Eltern und alten Leuten. Wenn man von einem großen Fest kommt, muss man den Daheimgebliebenen etwas mitbringen. Bringt ihnen eure Dienst-Erfahrungen, bringt ihnen die ganze Freude an Gott und der Welt mit nach Hause, die ihr gerade als Dienende beim Weltjugendtag empfangen durftet.

Ich als Erzbischof von Köln bin stolz auf euch und danke euch. Und darum ist diese heilige Messe, die wir nun gemeinsam feiern, der schönste Dank, den die Kirche euch schenken kann. Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
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