Joachim Cardinal Meisner Joachim Cardinal Meisner
Function:
Archbishop of Köln, Germany
Title:
Cardinal Priest of S Pudenziana
Birthdate:
Dec 25, 1933
Country:
Germany
Elevated:
Feb 02, 1983
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Knie-OP: Für Kardinal Meisner fällt Karneval aus
Jan 18, 2010

Köln (dpa/lnw) - Für den Kölner Kardinal Joachim Meisner muss Karneval in diesem Jahr weitgehend ausfallen. Der 76-Jährige werde Ende Januar am Knie operiert, sagte eine Sprecherin des Erzbistums am Freitag und bestätigte einen Bericht der «Bild»-Zeitung. Meisner leide unter Arthrose, einem schmerzhaftem Gelenkverschleiß. Wegen der OP könne der Kardinal vier Wochen lang keine Termine wahrnehmen. In diese Zeit fällt auch der Karneval mit mehreren Veranstaltungen. Zumindest den Beginn der närrischen Phase konnte der Kardinal in den vergangenen Tagen noch einläuten: Mit einem Karnevalsgottesdienst im Dom und einem Empfang für das Kölner Dreigestirn.
German „Kleiner Kardinal mit dem großen Herzen“
Jan 08, 2010
Einziger Kardinal Japans stirbt - Kardinal Meisner kondoliert

Zum Tod von Kardinal Peter Seiichi Shirayanagi, Alt-Erzbischof des Kölner Partnerbistums Tokyo, hat Erzbischof Joachim Kardinal Meisner kondoliert. In seinem Schreiben an den Erzbischof von Tokyo Peter Takeo Okada erinnert Meisner an die feste Brücke der Freundschaft, an welcher der Verstorbene mit vielen Besuchen in Köln weiter gebaut hat. Shirayanagi war am Mittwoch im Alter von 81 Jahren gestorben

An der Beisetzungsfeier am 5. Januar in der Marienkathedrale Tokyo nehmen für das Erzbistum Köln Weihbischof Manfred Melzer und Dr. Rudolf Solzbacher, Leiter der Diözesanstelle Weltkirche-Weltmission, teil.
Der „kleine Kardinal mit dem großen Herzen“ hatte noch im vergangenen Jahr bei seinem letzten Besuch in Köln hervorgehoben, er könne sich sein priesterliches Leben ohne die freundschaftliche Verbundenheit mit dem Erzbistum Köln gar nicht vorstellen. Peter Seiichi Shirayanagi wurde am 17. Juni 1928 geboren und 1954 zum Priester geweiht, im selben Jahr, in dem der Kölner Kardinal Frings mit dem Tokyoter Erzbischof Peter Tatsuo Doi die „Gebets- und Hilfsgemeinschaft Köln-Tokyo“ begründete. 1966 wurde Shirayanagi Weihbischof in Tokyo und folgte im Februar 1970 dem verstorbenen Kardinal Doi auf dem Bischofsstuhl. 1994 wurde er selbst zur Kardinalswürde erhoben. Noch vor wenigen Tagen hatte ihm Kardinal Meisner schriftlich zum 55. Priesterjubiläum am 21. Dezember gratuliert.
Aus gesundheitlichen Gründen hatte Shirayanagi den Papst 1999 um Entpflichtung von seinen Ämtern gebeten, die im Februar 2000 angenommen wurde. Am Konklave 2005 konnte er teilnehmen und im vergangenen Jahr noch die Feierlichkeiten zur Seligsprechung von Petrus Kibe und den 187 Martyrern von Nagasaki im Süden Japans leiten. Im vergangenen August musste er nach einem leichten Schlaganfall das Krankenhaus aufsuchen, war aber nach einer dreimonatigen Rehabilitation soweit wiederhergestellt, dass er vor einer Woche in das Loyola House, Altenpflegeheim der Jesuiten, umziehen konnte. Dort war er heute morgen einem Herzinfarkt erlegen.
In Shirayanagis 30-jährige Amtszeit fiel der Japan-Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1981. Von 1983 bis 1992 stand er der Japanischen Bischofskonferenz vor. Unter anderem rief er die bischöfliche Kommission für Gerechtigkeit und Frieden ins Leben.
Seit einem Besuch des Kölner Kardinals Joseph Frings (1887-1978) in Tokio im Jahr 1957 bestanden partnerschaftliche Beziehungen zwischen den beiden Erzbistümern; nach dem gleichen Vorbild setzte sich Shirayanagi für Kontakte zu Katholiken in China und für eine Aussöhnung zwischen den beiden Völkern ein. 1994 erhob Johannes Paul II. ihn zum Kardinal.

http://www.domradio.de/aktuell/artikel_59981.html
German Kardinal Meisner kritisiert ungleiche Religionsfreiheit
Dec 28, 2009
Köln - Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, hat ein Ungleichgewicht bei der Religionsausübung in christlichen und islamischen Ländern beklagt. "Wir haben in muslimischen Ländern als Christen keine Möglichkeiten, uns zu entfalten", sagte Meisner dem Deutschlandfunk. Es sei eine "Asymmetrie", wenn in Europa Religionsfreiheit für Muslime herrsche, aber gleichzeitig Gerichte verfügten, "dass wir Kreuze abnehmen" oder dass "in einer deutschen Schule ein Zimmer für muslimische Schüler zum Gebet frei gemacht werden muss".

Köln - Der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, hat ein Ungleichgewicht bei der Religionsausübung in christlichen und islamischen Ländern beklagt. "Wir haben in muslimischen Ländern als Christen keine Möglichkeiten, uns zu entfalten", sagte Meisner dem Deutschlandfunk. Es sei eine "Asymmetrie", wenn in Europa Religionsfreiheit für Muslime herrsche, aber gleichzeitig Gerichte verfügten, "dass wir Kreuze abnehmen" oder dass "in einer deutschen Schule ein Zimmer für muslimische Schüler zum Gebet frei gemacht werden muss". Er kämpfe seit Jahren vergeblich darum, dass Christen im türkischen Tharsus die dortige Pauluskirche dauerhaft zur Verfügung gestellt bekommen.

Angesichts solcher Ungleichbehandlung frage man sich gefühlsmäßig, "da stimmt was nicht", sagte Meisner. "Und daher kommt auch die ganze Aversion gegen unsere muslimischen Mitbürger." Er glaube nicht, dass eine Volksabstimmung über Minarette wie in der Schweiz in Deutschland viel anders ausfallen würde. Die Bundesregierung müsse auf solche Unstimmigkeiten bei der Religionsfreiheit achten. In den Parteien und in der Kirche gebe es aber zu wenig Vorbilder, die nach den Maximen des Evangeliums leben. "Ich habe keine Angst vor der Stärke des Islam, sondern vor der Schwäche der Christen." Das Schweizer Bauverbot für Minarette hatte international Empörung ausgelöst. AFP/dpa

http://www.welt.de/die-welt/politik/article5597182/Kardinal-Meisner-kritisiert-ungleiche-Religionsfreiheit.html
German Kardinal Meisner begrüßt neuen Katholikenarbeitskreis der Union
Nov 29, 2009

Kölns Kardinal Joachim Meisner begrüßt ausdrücklich den neuen „Arbeitskreis Engagierter Katholiken in der CDU/CSU“ (AEK), der vor Kurzem gegründet wurde. Es sei zu hoffen, dass es zu einer deutlicheren Profilierung der christlichen Werte in den C-Parteien komme und zur Bündelung ihrer Kräfte, etwa in der Familienpolitik, beim Lebensschutz und in der Bioethik. Es dürfe zweifellos nicht darauf hinauslaufen, die katholischen Positionen lediglich in einem begrenzten Reservoir innerhalb der C-Parteien zu erhalten, sagte der Kardinal. Es müsse vielmehr das Ziel sein, die Grundsätze verstärkt in die aktive Politik einzubringen. Die Gründer des Arbeitskreises nähmen so eine ganz zentrale Aufgabe wahr als Christen in der Welt.

http://www.domradio.de/news/artikel_58807.html
German Kardinal Meisner: Der Zölibat ist missionarisch notwendig
Nov 22, 2009

Kölns Kardinal Joachim Meisner hat in einem Hirtenbrief zum Priesterjahr den Zölibat verteidigt und die Gemeinden zur Begleitung der Geistlichen aufgerufen. Meisner nennt es in dem im Kölner Dom verlesenen Schreiben „dankens- und bewundernswert“, dass sich auch heute junge Menschen entschieden, Priester zu werden. Gerade in seiner gesellschaftlichen „Widerspenstigkeit“ könne der Zölibat ein Schatz sein, den es neu zu heben gelte. Der Zölibat der Priester sei ebenso wie die Unauflöslichkeit der Ehe „Zeichen für das nahe gekommene Reich Gottes“. Die Ehelosigkeit der Priester nannte der Kardinal „nicht nur höchst angemessen, sondern geradezu missionarisch notwendig“.

http://www.domradio.de/news/artikel_58555.html
German „Ich bleibe dabei: Die DDR war ein Unrechtsstaat!
Nov 16, 2009

Anlässlich des Mauerfalls vor 20 Jahren erinnert sich der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner an jene die deutsche Geschichte prägenden Tage. In Schlesien geboren, wuchs Joachim Meisner in Thüringen auf und erlebte als Priester - später Weihbischof - im bischöflichen Amt Erfurt-Meiningen das System der DDR. Als Bischof des auf beide deutschen Staaten aufgeteilten Bistums Berlin wurde ihm die Trennung zweier in völlig verschiedenen Systemen lebenden Gesellschaften allzu deutlich. Für Kardinal Meisner ist daher klar: Die DDR ist und bleibt ein Unrechtsstaat. Das Gespräch führte domradio-Chefredakteur Ingo Brüggenjürgen im Mai 2009.

http://www.domradio.de/kopfhoerer/artikel_58194.html
English Cardinal who's a post-Soviet legend looks back
Sept 30, 2009
This year marks the twentieth anniversary of the fall of the Berlin Wall. In Catholic terms, this anniversary is also, in its own way, a moment of regime change.

Cardinal who's a post-Soviet legend looks back
National Catholic Reporter, Created Sep 30, 2009

By JOHN L. ALLEN JR.
Rome

This year marks the twentieth anniversary of the fall of the Berlin Wall. In Catholic terms, this anniversary is also, in its own way, a moment of regime change.

One by one, the bishops who led the churches of the former Soviet sphere out of the catacombs, and into the “shock therapy” of absorbing several decades of post-Vatican II development in the West all at once, are beginning to fade from the scene. For example, Pope Benedict’s trip to the Czech Republic last weekend was also a swan song for Cardinal Miloslav Vlk of Prague, who’s announced that he expects to be replaced by year’s end.

Another legend of the post-Soviet period is Cardinal Joachim Meisner of Cologne, Germany, now almost 76 and thus beyond the normal retirement age. While there’s no indication yet of when the pope might accept his resignation, Meisner nonetheless realizes that he's nearer the end than the beginning, and finds himself in an introspective mood.

Meisner, who spent his youth and most of his ecclesiastical career in the former East Germany before moving to Cologne in late 1988, recently gave a long interview to his archdiocesan newspaper looking back over his career.

There are actually several nuggets in the interview, including Meisner recounting how he and his friends in school burned their textbooks in protest over being forced to learn Russian.

Those who know Meisner only after 1989, by which time he'd acquired a reputation as one of the most blunt and outspoken prelates in the world, will be amused by his explanation: He spent so many years carefully modulating his speech under the Communists, he said, that he’s not inclined to be diplomatic now.

For church historians, however, perhaps most interesting is Meisner’s analysis of the obvious contrast between the Vatican’s Ostpolitik under Pope Paul VI, premised on reaching an accommodation with the Soviets, and the more pugnacious challenge to Communism under John Paul II.

Typically, that difference is framed in ideological terms: Paul VI, the career diplomat, pursuing a softer line, while John Paul II, the resistance leader in Poland, was more of a hawk. Meisner, however, suggests an alternative explanation.

He said that Paul VI, in company with Meisner himself and virtually everyone else at the time, assumed that the Communist regimes of Central and Eastern Europe would last another “two or three hundred years,” and therefore the church had to make some sort of arrangement with them, or risk being snuffed out. John Paul II, on the other hand, believed that the end was near, and that the system simply needed a shove to collapse under its own weight.

In fact, Meisner reads his own appointment to Cologne in late 1988 in terms of John Paul’s intuition.

“Neither I nor anyone else, including all the German politicians, could have imagined the imminent collapse of the Communist system,” Meisner said. But by sending an East German to Cologne, Meisner said, “the pope sent a clear signal: ‘Gentlemen, pay attention, because something is about to happen.’”

Meisner was installed in Cologne in February 1989, and by November the Berlin Wall had collapsed.

By Meisner’s reading, the difference between Paul VI and John Paul II therefore wasn’t so much about which one was a dove and which a hawk. The difference lay instead in their assumptions about the durability of the Soviet regime, undoubtedly shaped, at least in part, by the fact that John Paul II came from the weakest link in the Soviet chain: Poland, where the vulnerability of Communist rule to aroused civic resistance was always most clear.

Whatever one makes of it, Meisner’s perspective is worth pondering – among other things, because his generation of prelates won’t be around much longer to offer their insights.
German Wider den Götzendienst
Sept 29, 2009
Kardinal Meisner warnt bei Kölner Domwallfahrt vor Verehrung „vorletzter Werte“

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat die Katholiken zu einem engagierten Glaubenszeugnis aufgerufen. Das „Haus des Herrn“ sei kein Schneckenhaus, sagte der Erzbischof am Donnerstagabend bei einem Gottesdienst im Rahmen der diesjährigen Kölner Domwallfahrt.

Der Kardinal warnte vor einer von Götzen besetzten Welt, die vorletzte Werte zu den letzten hochstilisiere. Als Beispiele nannte er Arbeit, öffentliche Ämter, Geld, materiellen Nutzen, soziales Prestige oder ideologische Zielsetzungen. Demgegenüber forderte der Erzbischof, Gott den ersten Platz einzuräumen. Dies befreie vom Klassenkampf in Familie, Kirche und Gesellschaft. Weiter warnte der Kardinal vor einem mangelnden persönlichen Sündenbewusstsein. Jeder müsse ehrlich mit sich ins Gewissen gehen. Die Beichte schenke die Vergebung der Sünden und die Freiheit von allen Götzendiensten.

Die Domwallfahrt war am Donnerstag mit einem Pilgertag für Gläubige aus den Partnerdekanaten Leverkusen und Altenkirchen fortgesetzt worden. Am Morgen hatten Tausende von Kindern aus katholischen Grundschulen im Erzbistum den Dom besucht. Mit ihnen feierte der Seelsorge-Hauptabteilungsleiter Robert Kleine einen Gottesdienst.

Die Domwallfahrt war am Mittwoch eröffnet worden und dauert bis Sonntag. Ihr Motto lautet „Ich habe euch Freunde genannt“. Im Mittelpunkt steht der an allen Tagen geöffnete Pilgerweg in der Kathedrale zur Mailänder Madonna, dem Dreikönigenschrein und dem Gerokreuz. Die Wallfahrt findet seit 2006 jährlich statt. Sie war von Meisner unter dem Eindruck des Weltjugendtages 2005 in Köln initiiert worden. Täglich gibt es Pilgerandachten, Gebete und geistliche Impulse.

Der Freitag steht mit einer Katechese und einer Nachtwache im Dom im Zeichen der Jugend. Der Samstag ist als Tag geistlicher Berufe vorgesehen. Am Abend um 19.00 Uhr sollen die Glocken von neun Innenstadtkirchen zu einer 90-minütigen „Glockenvigil“ erklingen. Das Pilgeramt um 18.30 Uhr mit Weihbischof Heiner Koch überträgt domradio.de live in Bild und Ton.

Den Abschlussgottesdienst der Domwallfahrt hält am Sonntag um 10.00 Uhr Weihbischof Manfred Melzer. Dabei wird es auch einen besonderen Segen für Ehejubilare geben.

http://www.domradio.de/domwallfahrt/artikel_57100.html
German Limburger müssen Fachleute des Kreuzes Christi sein“
Sept 23, 2009
Erzbischof von Köln zum Kreuzfest: Das positivste Zeichen für die Menschheit

Das Kreuz ist nach den Worten von Joachim Kardinal Meisner „das positivste Zeichen, das der Menschheit geschenkt wurde“. In einer Predigt zur Eröffnung des Kreuzfestes sagte der Erzbischof von Köln am Freitagabend im Hohen Dom zu Limburg: „Die Limburger müssen Fachleute des Kreuzes Christi sein, weil sie seit 50 Jahren das Kreuzfest in besonderer Weise feiern.“ Das Kreuzfest steht unter dem Leitwort: „Christi Kreuz, der Christen Kraft“ und nimmt das Kreuz als zentrales Symbol des Christentums in den Blick.
Kardinal Meisner, der zum Jubiläum „50 Jahre Kreuzfest“ nach Limburg gekommen ist, ging bei einer Pontifikalvesper in seiner Predigt auf die geometrische Gestalt des Kreuzes ein. Der vertikale Kreuzbalken symbolisiere das, was Gott und die Welt verbinde. „Christus ist in die Extreme hineingedehnt, hineingezerrt und hineingenagelt von der absoluten Heiligkeit Gottes in die absolute Bosheit der Menschen“, sagte der Kardinal. Alle Lebensringe der Menschheit seien von der vertikalen Gotteslinie geöffnet und berührt worden - bis hin zum Herzen des ersten Menschen selbst. „Christus geht in die Extreme. Ja, er ist die Ekstase Gottes in Person“, betonte der Erzbischof von Köln. Nichts, aber auch gar nichts, bleibe von der Liebe Gottes unberührt. In der Liebeshingabe des Sohnes durchkreuze Gott die Sünde der Welt und mache das Minus der Menschen zum Plus Gottes. Kardinal Meisner wörtlich: „Die Liebe ist stärker als der Tod“.

Mit Blick auf das Kreuz sagte der Kardinal: „Gott umgreift mit den ausgestreckten Armen seines Sohnes am Kreuz die ganze Menschheitsfamilie von den Anfängen der Menschheit bis zum Jüngsten Tag.“ Daher gibt es nach Auffassung von Erzbischof Joachim Meisner keinen „christus-leeren“ Raum. Gott sei inmitten aller menschlichen Unausweichlichkeit. Im Kreuzpunkt - dort wo sich Horizontale und Vertikale treffen - sieht der Kardinal das größte Geschenk Gottes an die Welt. Dort werde aus dem Minus gleichsam ein Plus. Nach seiner Überzeugung ist das Kreuz keine Sache und kein Gegenstand: „Das Kreuz ist der Gekreuzigte. Darum ist es das kostbarste Zeichen der Christen.“ Das Kreuz ist nach den Worten des Kardinals „das Plusgewordene Minus dieser Welt durch den Einsatz Gottes.“
                                                                                                   
„Christi Kreuz - der Christen Kraft“: Unter diesem Leitwort feiert das Bistum Limburg am Sonntag das Kreuzfest 2009. Dazu lädt Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst alle Katholiken der Diözese herzlich in die Bischofsstadt an der Lahn ein. „Gemeinsam dürfen wir in diesem Jahr das 50-jährige Jubiläum des Kreuzfestes begehen“, schreibt der Bischof in der Einladung zum Bistumsfest. Bis zum 15. November ist die Ausstellung „Im Zeichen des Kreuzes - die Limburger Staurothek“ im Diözesanmuseum zu sehen. „In diesem byzantinischen Goldkasten besitzt das Bistum Limburg seinen größten Schatz, ein Stück vom Kreuz Christi“, sagt Pfarrer Matthias Kloft zur Bedeutung der Staurothek.

http://www.domradio.de/aktuell/artikel_56886.html
German „Wie Gott mir, so ich dir“
Aug 07, 2009
Kölner Kardinal Meisner feiert Abschluss der Apollinariswallfahrt

Remagen – „Seht, ich mache alles neu“: dieses Motto der diesjährigen Apollinariswallfahrt in Remagen sei notwendig, um wieder Optimismus in „eine müde gewordene Welt“ zu bringen. Das hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner am 2. August in der Apollinariskirche zum Abschluss der Wallfahrt gesagt.

Meisner rief dazu auf, den „stumpfsinnigen Kreislauf von Aktion und Reaktion“ zu durchbrechen. Die Abkehr des Menschen von Gott trenne ihn von der schöpferischen Kraft des Heiligen Geistes: „Dann bleibt alles beim Alten.“ „Raffen wir uns auf, schaffen wir etwas neues“, ermutigte er die Pilgerinnen und Pilger in der vollbesetzten Kirche auf dem Apollinarisberg. Das Motto dürfe nicht „Wie du mir, so ich dir“ heißen, sondern „Wie Gott mir, so ich dir“. Gott gehe immer wieder den ersten Schritt, der Heilige Geist sei in die Welt gekommen um Hoffnung zu bringen und zu erneuern und lasse sich nicht „von der Sünde einsperren“ oder ziehe sich „in einen Schmollwinkel“ zurück, erklärte der Kardinal. „Bleiben wir also nicht stehen, sondern lassen uns in die Gegenwart und die Zukunft Gottes einladen“, rief Kardinal Meisner den Pilgerinnen und Pilgern zu.

Pater Bartholomé von der Gemeinschaft der gekreuzigten und auferstandenen Liebe, die zu der Wallfahrt eingeladen hatte, betonte, es sei eine große Freude, dass Kardinal Meisner gekommen sei, um den Abschlussgottesdienst der Wallfahrt zu feiern. Seit dem Beginn der Wallfahrt am 18. Juli seien rund 8.000 Pilgerinnen und Pilger auf den Apollinarisberg gekommen. Die Verehrung des Heiligen Apollinaris sei eng mit Köln verbunden, schließlich seien die Reliquien der Heiligen Drei Könige, die heute im Kölner Dom ruhen, zusammen mit der Apollinarisreliquie auf einem Schiff den Rhein hergekommen. „Apollinaris wollte aber hier bleiben“, betonte Pater Bartholomé in Anspielung auf die Legende, nach der das Schiff bei Remagen liegen blieb und erst weiterfahren konnte, nachdem die Gebeine des Apolliaris an Land gebracht worden waren.

http://cms.bistum-trier.de/bistum-trier/Integrale?SID=CRAWLER&MODULE=Frontend&ACTION=ViewPageView&PageView.PK=7&Document.PK=63781
German Grußwort von Kardinal Meisner zum Abschluss des Paulusjahres in Tarsus
Jul 03, 2009
Die Türkei, Treffpunkt der Kulturen und Religionen

KÖLN, 1. Juli 2009 (ZENIT.org/PEK).- Erzbischof Joachim Kardinal Meisner sieht gute Chancen, dass die historische Kirche im türkischen Tarsus, dem Geburtsort des Apostels Paulus, auch in Zukunft für Gottesdienste genutzt werden kann.

„Die Nachrichten, die ich aus Tarsus höre, lassen mich hoffen“, sagte Meisner. „Dem Vernehmen nach hat sich die türkische Re­gierung dafür ausgesprochen, dass die historische Kirche in Tarsus auch zukünftig als christliches Gotteshaus genutzt werden kann. Darüber freue ich mich sehr. Nun muss das weitere Vorgehen noch mit der örtlichen Verwaltung abgestimmt werden. Wir werden dies weiterhin aufmerksam begleiten.

Ich bin sehr dankbar dafür, dass wir schon im gerade zu Ende gegangenen Paulusjahr die Kirche für Gottesdienste nutzen konnten. Das Erlebnis dieser Gastfreundschaft hat auch die zahlreichen Pilger berührt. Gemeinsam mit dem Nuntius und dem deutschen Botschafter in der Türkei, die sich in diesem Anliegen sehr engagiert haben, und meinem bischöflichen Mitbruder Luigi Padovese hoffe ich, dass diese gute Erfahrung des Paulusjahres nun dauerhafte Früchte tragen darf."

Wir veröffentlichen das Grußwort, das Kardinal Meisner zum feierlichen Abschluss des Paulusjahres in Tarsus verfasst hat.

* * *
Eminenz, Exzellenzen, verehrter Herr Minister, sehr geehrter Herr Gouverneur, sehr geehrter Herr Bürgermeister, verehrte religiöse und zivile Autoritäten, liebe Gäste!

Die Feier der Beschließung des Paulusjahres gibt mir die Möglichkeit, Ihnen allen meine herzlichen Grüße und Segenswünsche zu übersenden.

Bei meinen beiden Besuchen in Tarsus und Antiochia konnte ich den Reichtum der frühen christlichen Zeugnisse erleben, die die Türkei auf ihrem Grund bewahrt. So ist es richtig, dass man von diesem Land sagt, dass es eine universale Berufung als Treffpunkt zwischen den verschiedenen Kulturen und Religionen hat.

Deshalb habe ich mich zum Sprecher aller deutschen Katholiken gemacht und die Möglichkeit unterstützt, dass in der Heimat des heiligen Paulus, des Apostels des Dialogs, den Christen eine Kirche zur Verfügung steht, in der sie beten können.

Bei meinem letzten Besuch in Tarsus, bei dem ich mit lokalen Autoritäten zusammengetroffen bin, konnte ich einen Konsens hinsichtlich dieser Anfrage feststellen, der auch von den Autoritäten in Ankara positiv bewertet wurde.

Auf diesem Hintergrund gebe ich meinem Wunsch Ausdruck, dass die Feiern des Paulusjahres, ebenso wie sie vielen Pilgern dazu gedient haben, im Land des Apostels zu beten und die Gastfreundschaft des türkischen Volkes zu erfahren, so auch dazu dienen, das ehrliche Bemühen der lokalen und nationalen Autoritäten zur Förderung eines wahren religiösen Dialoges immer besser zu erkennen.

Gott segne die Türkei!
Ihr
+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Meisner rügt die Kanzlerin
Apr 29, 2009
Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende lehnt die vom Kölner Erzbischof geforderte Entschuldigung gegenüber dem gescholtenen und tief verletzten Papst Benedikt XVI. ab. Der Kardinal: Alte Ratzinger-Gegner sehen eine Chance, wieder gegen Benedikt XVI. loszuschlagen.

Köln/Berlin. Ob die ostdeutsche Pfarrerstochter Angela Merkel als Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende ein Gespür für Katholisches entwickelt hat, ist kaum zu ermitteln. Was aber feststeht, ist, dass zwischen Merkel und dem Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, eine spannungsreiche Beziehung besteht. Meisner, der aus Schlesien stammt und als Junge, Priester und Bischof in Thüringen und Berlin (Ost) jahrzehntelang ein innerer Widerständler gegenüber dem DDR-Staatsatheismus war, hat sich erneut in massiv kritischem Ton an Merkel gewandt. Früher hatte Meisner einmal kritisiert, dass Merkels Partei das "C" zu Unrecht im Namen führe; und sogar Merkels persönliche Lebensumstände (geschieden, eine Zeitlang unverheiratet wieder liiert) als einer "C"-Parteichefin nicht gemäß getadelt.

Anlass für Meisners aktuelle Intervention ist die wenige Woche zurückliegende Papst-Schelte, bei der Merkel anlässlich einer Pressekonferenz in Berlin Benedikt XVI. aufgefordert hatte, seine Haltung zum berüchtigten Holocaust-Leugner Williamson klarzustellen. Dies geschah, obwohl Benedikt XVI., was Merkel später einräumte, nie einen Zweifel daran gelassen hatte, dass er jeglichen Antisemitismus verurteilt. Zuletzt hatte der Papst das knapp eine Woche vor Merkels Intervention im Vatikan klargestellt.

Meisner bezeichnete Merkels Verhalten gegenüber der "Bild"-Zeitung als "eine der größten Fehlleistungen". Sowohl inhaltlich als auch im Ton sei die öffentliche Papstschelte völlig unangemessen gewesen. Spitz setzte der Kardinal hinzu, was man bei der CDU seit Wochen registriert: dass nämlich viele ihrer Kirche treu verbundene Parteimitglieder derart irritiert bis erbost sind, dass sie über einen Parteiaustritt nachdenken oder ihn bereits realisiert haben.

Die Irritationen dürften sich noch dadurch verstärken, dass Merkel gestern durch ihren Sprecher verlauten ließ, sie lehne eine Entschuldigung gegenüber dem erklärtenmaßen sich verletzt fühlenden Papst ab. Eine solche Entschuldigung hatte der Kölner Erzbischof Merkel nahegelegt und gesagt: Zeigen Sie Größe und entschuldigen Sie sich, Frau Bundeskanzlerin." Die katholische Deutsche Bischofskonferenz wollte gestern kein neues Öl ins Feuer gießen. Der Vorsitzende, Erzbischof Robert Zollitsch, der nach der Merkel-Schelte gegenüber Benedikt XVI. mit der Kanzlerin gesprochen hatte, sieht weder ungeklärte Fragen noch weiterhin dunkle Wolken in den Beziehungen zwischen Kirche und Kanzleramt. Merkel selbst, offenkundig aufgeschreckt durch die zahlreich in der CDU-Zentrale "Konrad-Adenauer-Haus" eingetroffenen Protestschreiben, hatte mit dem Papst telefoniert und vor wenigen Tagen zusätzlich in der Katholischen Akademie Berlin auffallend deutlich die Bedeutung des christlichen Menschenbildes hervorgehoben, von dem sie sich leiten lasse.

Meisner kritisiert ohne Namensnennung "alte Ratzinger-Gegner", die vier Jahre lang hätten schweigen müssen, weil sie sich davon überzeugen konnten, wie absurd die Karikaturen vom angeblichen "Panzerkardinal" gewesen seien. Nach der Falschinformation, dass es sich bei der Aufhebung der Exkommunikation Williamsons um dessen Rehabilitierung gehandelt habe, habe man die Chance gesehen, wieder gegen den Papst loszuschlagen. "Jetzt", so Meisner, "warf man ihm mal nicht zu große Härte, sondern zu große Barmherzigkeit vor."
Quelle: Rheinische Post
German „Wir bleiben Papst“
Apr 19, 2009
Joachim Kardinal Meisner kritisiert den Umgang mit Benedikt XVI. in Deutschland - Pontifikalamt anlässlich Kölner Klostergründung

Joachim Kardinal Meisner hat den Umgang mit Papst Benedikt XVI. in Deutschland in den vergangenen Monaten kritisiert. Kein anderes Land habe den Papst so sehr herabgesetzt. „Was haben wir erleben müssen?“, fragte der Kölner Erzbischof beim Pontifikalamt am zweiten Ostersonntag im Kölner Dom in seiner Predigt und verwies auf die Debatten nach der Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius X. und den Afrika-Besuch des Heiligen Vaters. Meisner zelebrierte anlässlich der Einführung des neuen Klosters der Monastischen Gemeinschaften von Jerusalem in Köln.

Man habe den Einruck haben müssen, innerhalb und außerhalb der Kirche sei „nur darauf gewartet worden, auf den Papst einschlagen zu dürfen.“ Dies habe ihn selber traurig gemacht und verletzt, so der Kölner Oberhirte. Es habe bei der Kritik vor allem an Respekt, Geduld und langem Atem gefehlt.

„Ich weiß, dass die Kirche zu manchen Entwicklungen in ihr distanzieren muss. Aber in einem Punkt muss sie lieber zu viel als zu wenig tun: in dem Versuch ständiger Versöhnung.“

Kardinal Meisner hatte schon Ende März Papst Benedikt XVI. in einem langen Interview mit der BILD-Zeitung gegen Kritiker verteidigt.

www.domradio.de
German „Er ist mein älterer Bruder“
Apr 07, 2009
Am Donnerstag Morgen trafen der Kölner Kardinal Joachim Meisner und der neue Kölner Rabbiner Jaron Engelmayer im Erzbischöflichen Haus zusammen, um erste gemeinsame Gespräche über den interreligiösen Dialog auf lokaler Ebene zu führen.

Er ist mein älterer Bruder„, so Meisner scherzhaft. Der Erzbischof  spielte dabei auf das Zitat von Papst Johannes Paul II. an, der die Juden als ältere Brüder der Christen bezeichnet hatte. Ein Gegenbesuch des Kardinals in der jüdischen Gemeinde ist ebenfalls angedacht, das sagte der Erzbischof dem Rabbiner zum Abschluss eines Fototermins. Nähere Angaben über das private Gespräch wollten sowohl Meisner als auch Engelmayer noch nicht machen.

Die Beziehungen zwischen katholischer Kirche und der jüdischen Gemeinde in Köln sind ins Rollen geraten, nachdem Papst Benedikt XVI. beim Weltjugendtag 2005 die Kölner Synagogengemeinde besucht hatte. Dabei hatte auch Kardinal Meisner teilgenommen, der bereits regelmäßige Gespräche mit dem ehemaligen Rabbiner Netanel Teitelbaum geführt hatte.

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German Kardinal Meisner geht auf Kanzlerin los
Apr 01, 2009

BILD: Herr Kardinal, fast zwei Monate ist es jetzt her, dass die Kanzlerin im Fall des Holocaust-Leugners Williamson öffentlich eine Klarstellung des Papstes forderte. Noch immer wird Angela Merkel dafür von Parteifreunden und Katholiken kritisiert. Warum?

Joachim Kardinal Meisner: Ich finde, dass eine der größten Fehlleistungen die öffentliche Papstschelte der Bundeskanzlerin war.

BILD: War es nicht die Amtspflicht von Angela Merkel, als deutsche Kanzlerin darauf zu dringen, dass an der Haltung eines deutschen Papstes zum Holocaust nicht der geringste Zweifel aufkommen durfte?

Meisner: Sie war offensichtlich von ihren Mitarbeitern nicht darüber informiert worden, dass die von ihr geforderte „Klarstellung“ durch den Papst bekanntlich bereits eine Woche zuvor geschehen war. Auch der Ton war völlig unangemessen. Ich weiß von vielen Katholiken – und Protestanten –, die deswegen aus der CDU ausgetreten sind.

BILD: Wie konnte es überhaupt dazu kommen, dass der Heilige Vater einen notorischen Holocaust-Leugner wie den britischen Bischof Williamson rehabilitierte?

Meisner: Der Papst hat keinen Holocaust-Leugner rehabilitiert. Der Papst wusste nichts von den unsäglichen Äußerungen Bischof Williamsons. Und die Aufhebung einer Exkommunikation ist auch keine Rehabilitierung. Sicher kann man mal Fehler machen. Es gab Pannen im Vatikan. Auch die Kanzlerin hat einen Fehler gemacht.

BILD: Vergessen und vergeben?

Meisner: Ich kann da nur sagen: Zeigen Sie Größe und entschuldigen Sie sich, Frau Bundeskanzlerin!

BILD: Warum greifen ausgerechnet Deutsche den deutschen Papst so heftig an?

Meisner: Viele Deutsche merken gar nicht, wie lächerlich wir uns in aller Welt mit dieser Papstmäkelei machen.

BILD: Können Sie verstehen, dass viele Menschen nicht mehr mitkommen, wenn der Papst – wie vor seiner Afrika-Reise – sagt: Kondome lösten das Aids-Problem nicht...

Meisner: Dem Papst wurde unterstellt, er habe alle Welt aufgefordert, keine Kondome zu benutzen. Das hat er aber gar nicht getan. Der Papst hat keinen Mann, der wahllos mit Frauen schläft, aufgefordert, jetzt auch noch auf Kondome zu verzichten. Vielmehr hat er darauf hingewiesen, dass man dafür sorgen muss, dass solche Männer auf ihren unverantwortlichen Umgang mit Sexualität verzichten.

BILD: Unbestritten ist, dass Kondome vor einer Infektion schützen.

Meisner: Wir dürfen Afrika nicht auf AIDS reduzieren und den Kampf gegen AIDS nicht auf die Kondome. Daher wird es von vielen Afrikanern als Hohn empfunden, wenn jetzt die Spanier bloß mal eben eine Million Kondome nach Afrika rüberschicken, Europa aber gegen die skandalöse Armut des Kontinents viel zu wenig tut.

BILD: Sie meinen also ernsthaft, Kondome helfen nicht, die Ausbreitung von AIDS einzudämmen?

Meisner: Wenn man bloß Kondome verteilt und dann meint, das AIDS-Problem gelöst zu haben, dann ist das unglaublich naiv und kann das Problem tatsächlich dadurch verschlimmern, dass der frauenverachtende Lebensstil mancher Machos bloß noch hemmungsloser um sich greift. Meinen Sie übrigens, dass ein solcher Macho sich ernsthaft vom Papst zur Benutzung von Kondomen überreden lassen würde? Das ist doch völlig realitätsfern! In Uganda hat man eine Kampagne für Kondomgebrauch gemacht. Die hat die Infektionsrate nicht verringert. Dann hat man eine Kampagne für Treue in der Ehe und die Stärkung von Familien gestartet, und damit wurden messbare Erfolge erzielt. Das wissen alle Experten.

BILD: Der Hamburger Weihbischof Jaschke hat dem Papst öffentlich widersprochen.

Meisner: Weihbischof Jaschke hat vor allem darauf hingewiesen, dass man die Kirche nicht immer in diese Kondom-Ecke stellen sollte. Der Papst plädiert als Oberhaupt der katholischen Kirche für eheliche Treue. Das ist ohne jeden Zweifel die sicherste Methode gegen AIDS.
English German cardinal urges Merkel to apologize to Pope
Apr 01, 2009

BERLIN: A prominent German cardinal has urged Chancellor Angela Merkel to apologize to Pope Benedict XVI for her unusual public criticism over
the Vatican's handling of the case of a Holocaust-denying bishop.

Merkel's spokesman, however, made clear that the German leader has no intention of revisiting the issue.

Cardinal Joachim Meisner, a prominent conservative cleric and archbishop of Cologne, told the Bild daily Friday that ``there were glitches at the Vatican (but) the chancellor also made a mistake.''

On February 3, Merkel called on the German-born pontiff to issue a ``very clear'' rejection of Holocaust denials after the Vatican lifted the excommunication of a bishop who had said he did not believe any Jews were gassed during the Nazi Holocaust.
German Merkel soll sich entschuldigen
Mar 30, 2009
Kölns Kardinal sagt: „Benedikt XVI. ist ein moderner Papst“, aber „die Deutschen haben ein Problem mit ihrem Selbstbewusstsein“

Köln/Berlin (DT/dpa/KNA) Der Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, fordert Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich für ihre Kritik an Papst Benedikt XVI. zu entschuldigen. Wörtlich sagte Kardinal Meisner in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der BILD-Zeitung: „Ich kann nur sagen: Zeigen Sie Größe und entschuldigen Sie sich, Frau Bundeskanzlerin!“ Merkels „Papstschelte“ sei „eine der größten Fehlleistungen“ gewesen. Er selbst wisse von vielen Katholiken und Protestanten, die deswegen aus der CDU ausgetreten seien.

Offenbar sei Merkel durch ihre Mitarbeiter nicht darüber informiert gewesen, dass Papst Benedikt XVI. die von ihr geforderte Klarstellung „bereits eine Woche zuvor“ abgegeben habe, so Meisner. „Auch der Ton war völlig unangemessen.“ Die Kanzlerin habe „einen Fehler gemacht“, sagte Meisner in dem Interview, das von der BILD-Zeitung gekürzt wiedergegeben wurde, der „Tagespost“ aber im ursprünglichen Wortlaut vorliegt.

In dem von BILD nicht veröffentlichten Teil des Interviews kritisiert Kardinal Meisner auch den Umgang der Medien mit der Aufhebung der Exkommunikation der vier von Lefebvre 1988 geweihten Bischöfe: „Das war eigentlich ein Medienskandal. Medien haben den Auftrag, schwer Verständliches erst mal verständlich zu machen. Darum heißen sie so. Das aber ist in diesem Fall in Deutschland völlig misslungen.“ Auf die Frage des BILD-Redakteurs Andreas Englisch, warum ausgerechnet Deutsche den Papst so heftig angreifen, antwortete der Kölner Kardinal: „Wahrscheinlich haben die Deutschen ein Problem mit ihrem Selbstbewusstsein. Sie brauchen immer Sündenböcke.“ Viele Deutsche würden gar nicht merken, „wie lächerlich wir uns in aller Welt mit dieser Papstmäkelei machen“. Benedikt XVI. sei ein „moderner Papst, der über eine hohe Sensibilität für die Sorgen und Nöte unserer Zeit verfügt“, betonte Kardinal Meisner.

Die Bundesregierung sieht trotz der Forderung des Kölner Kardinals keine Notwendigkeit für eine Entschuldigung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei Papst Benedikt XVI. Die Kanzlerin habe sich in den vergangenen Wochen mehrfach in Interviews zu dem Thema geäußert, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitag in Berlin vor Journalisten. „Und es ist mit diesen Äußerungen der Bundeskanzlerin alles das gesagt, was dazu zu sagen war.“ Unterdessen bezeichnete auch die CDU-Bundestagsabgeordnete Marie-Luise Dött die Papst-Kritik Merkels als unangemessen. Im Interview von „Cicero Online“ sprach sie von einer Verunsicherung in der CDU-Stammwählerschaft.

Auch zur Kontroverse um die Äußerungen des Papstes zum Gebrauch von Kondomen fand Kardinal Meisner in dem BILD-Interview deutliche Worte. Laut dem von der Pressestelle der Erzdiözese Köln zur Verfügung gestellten Originalwortlaut sagte Meisner: „Wenn man bloß Kondome verteilt und dann meint, das AIDS-Problem gelöst zu haben, dann ist das unglaublich naiv und kann das Problem tatsächlich dadurch verschlimmern, dass der frauenverachtende Lebensstil mancher Machos bloß noch hemmungsloser um sich greift. Meinen Sie übrigens, dass ein solcher Macho sich ernsthaft vom Papst zur Benutzung von Kondomen überreden lassen würde? Das ist doch völlig realitätsfern.“ Der Papst plädiere für die eheliche Treue. „Das ist ohne jeden Zweifel die sicherste Methode gegen AIDS. Soll er denn den Menschen zusätzlich noch gute Tipps geben, wie man fremdgeht, ohne sich anzustecken?“, so Kardinal Meisner.
German Priesterberufungen erbitten
Mar 30, 2009
Fastenhirtenbrief von Kardinal Meisner

KÖLN, 30. März 2009 (ZENIT.org).- „Meine größte Sorge ist die Sorge um Priesterberufungen“, bekennt der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner in seinem aktuellen Fastenhirtenbrief.  Er lädt alle Gläubigen ein, seine Sorge zu teilen und um gute Priester zu beten. „Denn der Priester macht kraft seiner Weihe den eucharistischen Leib Christi gegenwärtig und bringt damit die Lebensquelle der Kirche zum Fließen.“

Informationen rund um das Priestertum und andere kirchliche Berufe bietet das Erzbistum Köln auf einer eigenen Internetseite.

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Die Sorge um Priesterberufungen

Liebe Schwestern und Brüder!

1. Bei einem Besuch an einer Wallfahrtsstätte wollte ich einmal eine Geldspende für den Erhalt des Gebäudes hinterlassen, worauf ich die Antwort erhielt: „Nein, behalten Sie Ihr Geld, aber lassen Sie uns Ihre Sorgen da!“ Heute möchte ich Ihnen, liebe Schwestern und Brüder in den Gemeinden unseres Erzbistums Köln, die Sorgen Ihres Erzbischofs überlassen. Meine größte Sorge ist die Sorge um Priesterberufungen. Sorge ist eigentlich nur der Alltagsname für Liebe. Weil ich unsere Kirche mit ihren vielen Gemeinden und Gemeinschaften leidenschaftlich liebe, wird diese Liebe zur Sorge im Hinblick auf fehlende Priesterberufungen. Sehr dankbar bin ich, dass die priesterlichen Mitbrüder bei unserer letzten Priesterratssitzung im November 2008 diese Sorge mit mir geteilt haben. Sie waren wirkliche Seelsorger auch für den Erzbischof. Mit ihnen zusammen bitte ich Sie alle: Teilen Sie diese große Sorge mit uns! Denn der Priester macht kraft seiner Weihe den eucharistischen Leib Christi gegenwärtig und bringt damit die Lebensquelle der Kirche zum Fließen.

Die Feier der heiligen Messe, die in der Wandlung der Gaben ihre Wesensmitte und ihren Höhepunkt findet, ist ohne einen Priester nicht möglich. Daher kann ein Priester nur durch einen anderen Priester ersetzt werden. Jesus nimmt den von ihm berufenen und geweihten Priester in Dienst, um im Sakrament des Altares leiblich gegenwärtig zu werden. Ohne diesen kann keine hl. Eucharistie gefeiert werden, und ohne Eucharistie verliert die Welt die leibliche Gegenwart Christi.

2. Hat sich der Herr etwa geirrt, wenn er sich derart an die Mitwirkung von Menschen in seiner Kirche bindet? Findet sein Ruf keine Antwort mehr? Oder lässt das verbreitete Erfolgsdenken die jungen Menschen im Priestertum Jesu Christi kein erstrebenswertes Ziel mehr sehen? Bei manchen Katholiken ist durchaus der Wunsch nach Priesterberufungen lebendig, aber ohne, dass man dabei auf die eigene Familie schauen würde. Ein Mitglied in einem Pfarrgemeinderat sagte mir einmal: „In der Gemeinde lebt eigentlich die Sorge um Priesterberufungen kaum noch. Dafür ist doch Köln zuständig, meint man“. Wo aber soll denn ein Bischof die Priester hernehmen, wenn sie ihm nicht aus den Gemeinden zuwachsen? Er kann sie sich nicht aus dem Ärmel schütteln und auch nicht aus dem Boden stampfen.

Hier bin ich auf die Mithilfe von Ihnen allen angewiesen. Nur gemeinsam können wir die nötigen Berufungen von Gott erbitten. Darum lasse ich Sie an meiner Sorge um Priesterberufungen teilhaben und bitte Sie: Nehmen Sie auch lebendig in Wort und Tat an meiner Sorge um Priesterberufungen teil und damit am Fortbestand unserer Kirche im Erzbistum Köln. Ich frage mich und die priesterlichen Mitbrüder weiter: Können unsere Gläubigen etwas von der Schönheit, von der Größe, vom Glanz und vom Reichtum des Priestertums an unserem Lebens- und Arbeitsstil erkennen? Wenn Priester von ihrer Berufung erzählen, dann merkt man, dass der Ruf des Herrn auf unterschiedliche Weise erfahren wird. Bei wenigen ist da sofort eine grundlegende Überzeugung: „Ja, ich will Priester werden!“ Die meisten sind zuerst beunruhigt, weil beabsichtigte Lebensplanungen und –wege plötzlich in Frage stehen oder weil sie sich diese Aufgabe nur schwerlich zutrauen. Wie ein solcher Berufungsweg auch immer aussieht: Antworten auf den erfahrenen Ruf Christi muss jeder einzelne selbst – mit seiner Liebe! Christus braucht Menschen, die ihn so sehr lieben, dass sie trotz aller Unzulänglichkeiten, Schwächen und Bedenken von Herzen ihr „Ja“ sprechen.

3. Bei seinem Besuch in seiner bayerischen Heimat traf sich der Heilige Vater am letzten Tag im Freisinger Dom, seiner früheren Kathedrale als Erzbischof von München und Freising, mit den Priestern und Diakonen. Als er die alt gewordenen Priester, mit denen er zusammen geweiht worden war, und die
anderen sah, legte er sein Predigtmanuskript zur Seite und sagte ihnen Folgendes: „Die Zahl der Priester ist geringer geworden, … Aber die Lasten sind schwerer geworden. … Immer wieder wird die Frage an mich herangetragen …: Wie sollen wir denn das machen? (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 174, S. 100f). Und der Papst sagte weiter: „’Bittet den Herrn der Ernte!’ Das will auch sagen: Wir können Berufungen nicht einfach ‚machen’, sie müssen von Gott kommen. … Den Herrn der Ernte darum bitten, das bedeutet gewiss zuallererst, dass wir darum beten, dass wir an seinem Herzen rütteln und sagen: Tu es doch! Wecke die Menschen auf! Entzünde in ihnen die Begeisterung, die Freude für das Evangelium und die Freude daran!“ (ebenda, S. 99f).

Aus dieser Sorge heraus habe ich vor zehn Jahren die Gebetsgemeinschaft Rogamus ins Leben gerufen, zu der heute über 2000 Frauen und Männer in unserer Erzdiözese und weit darüber hinaus gehören. Sie beten jeden Tag um Priester- und Ordensberufungen. Für diesen wichtigen Dienst bin ich ihnen sehr dankbar! Dreimal im Jahr bestärke ich sie in ihrem Gebet durch einen längeren Brief. Hier übernehmen Christen eine wertvolle und fruchtbringende Aufgabe für die ganze Kirche.

Aber darüber hinaus bitte ich Sie alle mitzuhelfen, dass die öffentliche Meinung in unseren Gemeinden von der Liebe zu unseren Priestern und von unserer Sorge um Priesterberufungen geprägt wird. So lade ich Sie ein, die Tradition der monatlichen Feier des Priester-Donnerstages oder Priester-Samstages wieder zu beleben. An diesen Tagen sollte in jedem Gottesdienst um Priesterberufungen gebetet werden. Die Liturgie sollte man dann nach Möglichkeit besonders festlich gestalten. Vielleicht könnte sie donnerstags zeitlich so gelegt werden, dass immer auch Schulkinder und Jugendliche dabei sein können.

4. Ich kenne junge Menschen, die eine Priesterberufung in sich tragen, aber dabei keine Ermutigung in Familie, Schule, Gemeinde und Nachbarschaft erfahren, sodass der Ruf des Herrn ungehört verhallt. Ich bin zutiefst überzeugt, dass der Herr für seine Kirche genügend Priester beruft; aber wir müssen Räume schaffen, in denen dieser Ruf des Herrn gehört werden kann.

Hinzu kommt noch, dass wir in den letzten Jahren sehr intensiv mit Strukturveränderungen in den Pfarreien und Seelsorgebereichen beschäftigt waren. Ziel war und ist, durch eine Vereinfachung von Verwaltung und Organisation mehr Raum für die Seelsorge zu gewinnen. Die Tatsache, dass es zukünftig nur einen leitenden Pfarrer sowie einen Pfarrgemeinderat im Seelsorgebereich gibt, wird zu einer Verstärkung der Zusammenarbeit und Bündelung der Kraft im Seelsorgebereich führen. Aber – das möchte ich betonen – Strukturen sind nicht das Erste und Letzte in unserer Kirche, sondern sie sind nur Mittel zum Zweck. Sie wollen uns helfen, dass Christus wirksam verkündet und gefeiert wird. Darum geht es in der Kirche – um nichts anderes. Die Frage nach den Priesterberufungen hängt von daher zusammen mit der Frage nach einer tieferen Wirksamkeit der Kirche nach innen und einer größeren nach außen.

Seit Jahrzehnten gibt es in unserer Erzdiözese das Päpstliche Werk für Geistliche Berufungen. Es hat seinen Sitz in Köln und wird vom Subregens unseres Priesterseminars in enger Zusammenarbeit mit unserem Diözesanjugendseelsorger geleitet. Sie sind gern bereit, vor Ort in Ihrer Gemeinde und in Ihrem Seelsorgebereich, gemeinsam mit den Seelsorgern und den Ehrenamtlichen, mit Jugendlichen Kontakt aufzunehmen. In diesen Begegnungen wird über den Wert und die Größe der Berufung zum Priestersein nachgedacht und gesprochen.

5. Wo Priester als würdige Diener der Altäre mit ihren Gemeinden die Eucharistie feiern und in der Seelsorge etwas von der Schönheit des priesterlichen Dienstes aufleuchten lassen, dort werden junge Menschen von der Christusfreundschaft ihrer Seelsorger angezogen. Und wo in unseren Familien mit Wohlwollen, Dankbarkeit und Anerkennung über den Priester gedacht und gesprochen wird, dort können priesterliche Berufungen wachsen und gedeihen. Ein Seismograph dieser Wertschätzung ist z. B. nicht zuletzt der Zustand der Priestergrabstätten auf unseren Friedhöfen. Wo der Priesterberuf geachtet wird, dort werden auch die Priestergräber gepflegt.

Wenn in den Ministranten- und anderen Jugendgruppen der Gemeinde der Priester als Mann in der Nähe Christi erlebt wird, dann können dort priesterliche Berufungen geweckt und zur Reife geführt werden. Denken wir nochmals daran: Hier geht es nicht um die Sorge und den Erhalt einer klerikalen Sonderschicht in der Kirche, sondern hier geht es um die Sorge um den Fortbestand unserer Kirche in ihrem Innersten. Wir bewegen uns nicht in einem Randgebiet der Kirche, sondern in ihrem Zentrum. Darum bitte ich Sie alle ganz herzlich um Ihre Mithilfe, um Ihre Mitsorge und um Ihre Mitverantwortung.

Gott wirkt in Christus das Heil für die Menschen, aber nicht ohne den Menschen. Er setzt ein solch großes Vertrauen in uns, dass er seine eucharistische Anwesenheit in der Kirche an unsere menschliche Großzügigkeit binden kann. Denn Jesus Christus wusste, dass er immer wieder genügend Priester haben wird, die sein Wort der Berufung hören. Deswegen konnte er der Kirche ihre Fortdauer bis zum Ende der Welt garantieren. Sollte er sich dabei im Hinblick auf Deutschland oder das Erzbistum Köln getäuscht haben? – Das glaube ich nicht! Ich glaube nicht, liebe Schwestern und Brüder, dass die Hochherzigkeit junger Menschen, ihrer Familien und Gemeinden kleiner ist als die Verheißung Jesu.

Nehmen wir dieses Jahr zu einem Neuaufbruch, indem wir die Sorge um geistliche Berufungen zu unserer persönlichen Sorge machen. Sorge ist nur der Alltagsname für Liebe. Weil wir die Kirche mit ihrem Sendungsauftrag für die Menschen lieben, darum sorgen wir uns um priesterliche Berufungen.

Dazu segne euch der allmächtige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

Köln, am 25. Januar 2009,
dem Fest der Bekehrung des heiligen Apostels Paulus

Ihr

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Merkel soll sich beim Papst entschuldigen
Mar 27, 2009

Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner hat den Konflikt um die Papst-Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) neu angeheizt. Das als konservativ geltende Kirchenoberhaupt forderte die Kanzlerin auf, sich bei Papst Benedikt XVI. zu entschuldigen. Merkel, die zuletzt um Verständnis für ihre Kritik am Umgang des Vatikans mit dem Holocaust-Leugner Richard Richard Williamson geworben hatte, ging auf die Forderung nicht ein.

„Ich kann da nur sagen: Zeigen Sie Größe und entschuldigen Sie sich, Frau Bundeskanzlerin“, sagte Meisner der „Bild“-Zeitung (Freitag). Zu der von Merkel Anfang Februar geforderten Klarstellung bemerkte der Erzbischof: „Ich finde, dass eine der größten Fehlleistungen die öffentliche Papstschelte war.“ Der Ton sei „völlig unangemessen“ gewesen.

Merkel hatte damals auf die umstrittene Entscheidung Benedikts mit den Worten reagiert: „Es geht darum, dass von Seiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann.“ Dies sei aus ihrer Sicht „noch nicht ausreichend erfolgt“. Die Kanzlerin sprach von einer „Grundsatzfrage“. Die Rücknahme der Exkommunikation von vier erzkonservativen Piusbrüdern – darunter Williamson – hatte weltweite Proteste ausgelöst. Der Vatikan räumte daraufhin Fehler ein und bemühte sich um eine Entschärfung der Krise.

Merkel sah trotz der Forderung Meisners keine Notwendigkeit für eine Entschuldigung. Die Kanzlerin habe sich in den vergangenen Wochen mehrfach in Interviews zu dem Thema geäußert, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. „Und es ist mit diesen Äußerungen der Bundeskanzlerin alles das gesagt, was dazu zu sagen war.“

Unterstützung erhielt Merkel von den Grünen und der FDP. „Gründe, um die Politik von Bundeskanzlerin Merkel zu kritisieren, gibt es weiß Gott genug“, erklärte die Grünen-Chefin Claudia Roth. „Sie nun ausgerechnet dort anzugreifen, wo sie einmal Recht hatte, nämlich bei ihrer Kritik an einem Papst, der Holocaust-Leugner in der katholischen Kirche wieder salonfähig machen will, zeugt von politischer Blindheit.“ Der Kirchenbeauftragte der FDP-Fraktion, Hans-Michael Goldmann, wertete die Aussagen Meisners als Versuch, wieder neuen Unfrieden zu stiften. „Kardinal Meisner übersieht geflissentlich, dass zwischen beiden längst ein Gespräch stattgefunden hat, das auch vom Vatikan als “gut und konstruktiv“ bezeichnet worden ist.“
German Kardinal Meisner: Kritiker sollten sich bei Papst Benedikt entschuldigen
Mar 14, 2009
Kommentar zum neuen Brief des Heiligen Vaters an die Bischöfe

KÖLN, 12. März 2009 (ZENIT.org).- Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hofft, dass alle, die in den vergangenen Wochen „auf den Papst „eingeschlagen" haben, sich nun „aufrichtigen Herzens besinnen und den Dienst unseres Heiligen Vaters mit jenem Wohlwollen begleiten, ohne das es kein Verstehen gibt".

In einer heute veröffentlichten Erklärung kommentiert der Kardinal den Brief, den Papst Benedikt XVI. den Bischöfen der Weltkirche geschrieben hat. Der Heilige Vater habe mit der Aufhebung der Exkommunikation eine „Geste der Versöhnung" setzen wollen, so Kardinal Meisner. „Das betont er in seinem Brief, wenn er schreibt: ‚Dass die leise Gebärde einer hingehaltenen Hand zu einem großen Lärm und gerade so zum Gegenteil von Versöhnung geworden ist, mussten wir zur Kenntnis nehmen.' Es stimmt bitter, dass diese ausgestreckte Hand des Heiligen Vaters in der öffentlichen Meinung derart abgewertet und umgedeutet wurde.'"

Benedikt XVI. geht in seinem neuen Schreiben auch auf die großen Ziele seines Pontifikats ein. Darüber hinaus gibt er offen zu, dass ihn die Turbulenzen der letzten Wochen sehr geschmerzt haben: „Betrübt hat mich, dass auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten."

Kardinal Meisner fordert nun alle Kritiker innerhalb und außerhalb der Kirche auf, sich beim Papst zu entschuldigen: „Wer nach ehrlicher Gewissenserforschung erkennen muss, dass auch er Anlass zu dieser Aussage gegeben habe, sollte den Heiligen Vater um Verzeihung bitten. Gerade in unserem Land besteht offensichtlich besonderer Grund zu solcher Gewissenserforschung."
German Meisner: Kompass auf Gott ausrichten
Mar 09, 2009

„Der Weg der Kirche durch das neue Jahrtausend ist die Heiligkeit.“ Mit diesem Gedanken von Johannes Paul II. eröffnete der Kölner Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner, seine Predigt beim Frühgottesdienst der Deutschen Bischofskonferenz in Hamburg. Die Kirche sei das einzige Zeichen, das den Menschen heute die Anwesenheit Christi in der Welt vergegenwärtige, so Meisner. Ihre Heiligkeit resultiere aus der Heiligkeit jedes einzelnen Christen. Um diese Heiligkeit zu leben, müsse jeder Gläubige an „Eigengewicht verlieren“ und die „Nadel seines Lebenskompasses“ stärker auf Gott ausrichten.
German Kardinal Meisner: Der „Weg der Kirche" ist die Heiligkeit
Mar 09, 2009
Predigt bei der Frühjahrs-Vollversammlung der deutschen Bischöfe

HAMBURG/BONN, 4. März 2009 (ZENIT.org).- Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner beschrieb heute Morgen während der Eucharistiefeier im Rahmen der Frühjahrs-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Hamburg den Weg der Kirche durch die heutige Zeit mit einem einzigen Wort: Heiligkeit.

Der Mensch müsse Eigengewicht verlieren, um wirklich abheben zu können und sich Gott zu nähern, so Kardinal Meisner. „Wo Christus in unserem Denken und Wollen nicht mehr die absolute Priorität hat, dort wird er nur noch sekundär sein. Und das ist für christliche Heiligkeit unerträglich... Der Christ ist berufen, sich nicht dem Trend zum Relativismus zu beugen, sondern der Wahrheit die Ehre zu geben."

Die Fastenzeit diene dazu, „Eigengewicht zu verlieren, Übergewicht abzuwerfen, und zwar nicht nur vom körperlichen, sondern auch vom geistigen Ballast, also eine Entrümpelung des körperlichen und geistigen Daseins vorzunehmen. Es geht um ein Abspecken dessen, was den Menschen zu schwerfällig macht, um dem Schöpfer in seiner Schöpfung auf die Spur zu kommen, um das Gewissen wieder für die Einsprechungen des Heiligen Geistes hellhörig zu machen."

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Liebe Brüder, liebe Schwestern!

In seinem ersten Apostolischen Schreiben nach der Jahrtausendwende Novo millenio ineunte sagt Papst Johannes Paul II.: Der Weg der Kirche durch das neue Jahrtausend ist die Heiligkeit.

„Ohne Umschweife sage ich vor allen anderen Dingen: Die Perspektive, in die der pastorale Weg eingebettet ist, heißt Heiligkeit“, so wörtlich der Papst. Und er fährt weiter fort: „Dieser Auftrag betrifft nicht nur einige Christen: ‚Alle Christgläubigen jeglichen Standes oder Ranges sind zur Fülle des christlichen Lebens und zur vollkommenen Liebe berufen’“ (Novo millenio ineunte Nr. 30).

Seine Zeitgenossen fordern von Jesus Zeichen zur Legitimation seiner Sendung. Und er antwortet: Aber es wird euch kein anderes Zeichen gegeben als das des Jona (vgl. Lk 11,29), das ist seine Auferstehung. Das Zeichen des Jona ist heute für unsere Mitmenschen die Kirche und in ihr die Heiligkeit, die ihre Glieder prägt. Sie ist das einzige Zeichen, das den Menschen heute gegeben wird für die Anwesenheit Christi, des Erlösers, in der Welt. Dazu ruft uns Gott.

1. Der Mensch erlangt im Laufe seines Lebens zu viel Eigengewicht, das heißt er wird so schwergewichtig, dass sich die Nadel seines Lebenskompasses nur noch an sich selbst orientiert. Damit gerät er in die Desorientierung und damit sein ganzes Leben in eine verkehrte Richtung. Wir wollen uns erinnern lassen, dass uns die österliche Bußzeit zur Askese ruft, die ihren Sinn darin hat, Eigengewicht zu verlieren, Übergewicht abzuwerfen, und zwar nicht nur vom körperlichen, sondern auch vom geistigen Ballast, also eine Entrümpelung des körperlichen und geistigen Daseins vorzunehmen. Es geht um ein Abspecken dessen, was den Menschen zu schwerfällig macht, um dem Schöpfer in seiner Schöpfung auf die Spur zu kommen, um das Gewissen wieder für die Einsprechungen des Heiligen Geistes hellhörig zu machen.

Der Apostel Paulus sagt: „Ich hatte mich entschlossen, bei euch nichts zu wissen außer Jesus Christus, und zwar als den Gekreuzigten“ (1 Kor 2,2). Von vielen Menschen sagt man: Sie seien voll von Wissen, aber ohne Weisheit.

Wissen bläht auf, Weisheit baut auf. Hier gilt es, eine Reinigung des Gedächtnisses vorzunehmen. Wo Christus in unserem Denken und Wollen nicht mehr die absolute Priorität hat, dort wird er nur noch sekundär sein. Und das ist für christliche Heiligkeit unerträglich. Der Druck zur Anpassung zwingt manche in die Knie. Der Christ ist berufen, sich nicht dem Trend zum Relativismus zu beugen, sondern der Wahrheit die Ehre zu geben. Es ist eines Christen unwürdig, im Hinblick auf den herrschenden Libertinismus zu denken und zu sagen: „Wir aber auch!“ Dagegen sagt Christus: „Ich aber sage euch“, etwa: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen“ (Mt 5,27-28).

Christliche Heiligkeit besteht darin, dass das „Ich aber sage euch“ an die Stelle des „Wir aber auch!“ tritt, dass wir dabei einander helfen und uns gegenseitig dazu ermutigen und nicht alle möglichen Löcher suchen, wie wir uns doch noch durch das „Ich aber sage euch“ zum „Wir aber auch!“ durchmogeln können.

2. Der Mensch muss Eigengewicht verlieren, um wirklich abheben zu können und um in die Nähe Gottes zu gelangen. Der Sportler kommt beim Hochsprung nur über die Messlatte, wenn er auf Höheres ansetzt als auf sich selbst. Hat er es dann geschafft, dann hört er am liebsten das Lob: „Da hast du dich aber selbst übertroffen!“. Der Mensch soll sich mit der Gnade Gottes selbst übertreffen. Wenn eine Frau Mutter wird, dann wiederholt sich der Mensch. Als Maria aber Mutter wird, da überholt sich der Mensch, denn ihr Kind war Gott und Mensch zugleich. Der Mensch ist fähig, sich durch die Gnade Gottes zu überholen. Solche Christen werden dann wirklich Vorbild für andere. Und gerade das ist heute der große Mangel, der mit Recht beklagt wird. Wir haben keine Vorbilder! Und wo welche aufleuchten, werden sie oft gnadenlos niedergemacht. Ein Vorbild kann auch den anderen ein schlechtes Gewissen verursachen. Ich frage mich oft: „Was werden denn die nachfolgenden Generationen von uns denken?“

Eine Verkündigung, die ihre Sendung nur noch darin sieht, die gesellschaftlichen Trends fromm zu kommentieren, ist leer und bedeutungslos geworden. Auf sie kann man getrost verzichten. Viele Menschen erwarten in all dem Drunter und Drüber nicht eine fromme Bestätigung, sondern prophetisches Feuer, das brennt, erleuchtet und erwärmt. Wir sollten daran denken: Wie es auf dem ökonomischen Feld eine schleichende Entwertung der Währung gibt, wenn hinter dem im Umlauf befindlichen Geld nicht mehr ein entsprechendes Gewicht sachlicher Leistung und Werte steht, so ist auch die Währung des Geistes, das Wort der Verkündigung, von innerer Entleerung bedroht, wenn die Kraft des Glaubens in Gesinnung und Haltung dem Überhang an leichtfertig ausgegebener Wortmünze nicht mehr die Waage zu halten vermag. Viele der größten Worte des menschlichen Geistes – Treue, Liebe, Verlässlichkeit – sind auf diese Weise der Abwertung verfallen.

3. Wir sind in diesen Tagen berufen, unser geistiges und körperliches Eigengewicht zu vermindern, damit wir fähig werden, die Lasten der anderen mitzutragen. „Einer trage des anderen Last. So werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen“ (Gal 6,2), sagt der Apostel Paulus. Deine Lasten sollen meine Lasten werden, und deine Sorgen sollen meine Sorgen werden! Dafür muss aber in mir Raum vorhanden sein, sodass hier nicht nur geredet wird, sondern auch Konsequenzen möglich werden.

Der Herr möchte durch seine Jünger die Lasten der Menschen mittragen. Wir sind berufen, wie Simon von Cyrene unter das Kreuz der anderen zu treten und damit unter das Kreuz Christi. Paul Claudel sagte in seinem Kreuzweg: „Erst müssen wir das Kreuz selbst tragen, ehe es uns trägt“. Bei Todesfällen sprechen wir den Trauernden unsere Anteilnahme aus. Aber wir dürfen schon zu Lebzeiten an den Sorgen und Lasten der anderen teilnehmen, indem wir – wie das Wort Teilnahme sagt – ihnen die Erfahrung schenken: „Geteiltes Leid ist halbes Leid“, aber auch „Geteilte Freude ist doppelte Freude“.

„Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11), heißt es von der Ankunftsgeschichte des Herrn in unserer Welt. Das gibt es auch weithin heute noch. Wir nehmen ihn nicht auf, weil wir so voll von uns selbst sind, dass es keinen Raum für die Mühseligen und Beladenen gibt und damit für ihn selbst, mit denen er sich identifiziert. Das ist geradezu ein Kriterium christlicher Heiligkeit, dass sie den Hauslosen ein Dach über dem Kopf gibt, den Hoffnungslosen Hoffnung, den Lieblosen Liebe, den Freudlosen Freude. Hier steht die ansehnliche Ahnenreihe unserer Heiligen, vom hl. Martin über Hedwig, Elisabeth und Vinzenz bis zur seligen Mutter Teresa von Kalkutta. Sie waren die großen Helfer der Menschheit durch ihren Dienst an der Liebe und Wahrheit.

Die österliche Bußzeit möchte uns durch die Askese Eigengewicht nehmen zugunsten der Lasten anderer. „Eine größere Liebe hat niemand“ – so wird man sagen können – „als wer Eigengewicht verliert, um die Lasten des anderen zu übernehmen“. Es wird den Menschen kein anderes Zeichen des Heils gegeben als Jesus Christus, der den Menschen nahe sein will durch unsere Heiligkeit. Sie ist der Weg der Kirche durch das neue Jahrtausend. Amen.

[Von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichtes Original-Manuskript]
German Meisner suspendiert Pfarrer Jung
Mar 09, 2009
Kardinal Meisner hat Michael Jung in den einstweiligen Ruhestand versetzt und von seinen Aufgaben entbunden. Der Meckenheimer Ex-Pfarrer erhebt aber weiter schwere Vorwürfe gegen das Erzbistum.

Köln - Knapp beschreibt der Meckenheimer Ex-Pfarrer Michael Jung (43) seine aktuelle Situation: „Äußerst kompliziert.“ Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat den aufmüpfigen Seelsorger in den einstweiligen Ruhestand versetzt und von seinen Aufgaben entpflichtet, aber Jung erhebt weiterhin schwere Vorwürfe gegen den Erzbischof und den Kölner Generalvikar Dominik Schwaderlapp. Sogar von gefälschten Beweisen spricht Jung. Gegen ihn werde ein Schauprozess geführt, sagte er gestern der Rundschau.

Ad acta gelegt ist damit auch Jungs geplante Arbeit als Krankenhausseelsorger in Bergisch Gladbach. „Ich sollte eine Tätigkeit ausüben, für die ich nicht ausgebildet bin“, argumentiert Jung. Er habe seit seiner Versetzung dorthin zum 1. Februar keine Dienstanweisungen erhalten, weshalb er die Stelle in Bergisch Gladbachauch nicht antrat. Schon Ende Oktober habe er aber dem Erzbistum vorgeschlagen, eine vakante Seelsorgerstelle bei Kommern zu übernehmen, so Jung.

Aus seiner Sicht soll er ruhig gestellt werden - ist er aber nicht. So habe er gegen die Entscheidung der römischen Kleruskongregation, seinen Widerspruch gegen die Amtsenthebung abzulehnen, die Frage gestellt, ob Erzbischof Meisner als Mitglied der Kongregation mit darüber abgestimmt habe - aus Jungs Sicht wäre Meisner dann also „Richter in eigener Sache“ gewesen. Wie im Fall Bischof Williamson, so zieht Jung Parallelen zum britischen Holocaust-Leugner, fehlten „innerkirchlich die Notbremsen, die vor Willkür schützen“. Erst wenn auch sein Verfahren vor dem päpstlichen Gericht der Apostolischen Signatur in Rom gegen die Entscheidung der Kleruskongregation abgeschlossen ist, stehen dem Kirchenmann wohl die weltlichen Gerichte offen.

Nur kurze Kommentare kommen vom Kölner Erzbistum. Den einstweiligen Ruhestand könne der Kardinal anordnen, wenn Jung in der Zeit des noch schwebenden Verfahrens „seinen Einsatz nicht so leistet, wie es mit dem Erzbischof besprochen war“. Dies sei der Fall. Bis auf weiteres ist Jung von seinen Aufgaben entpflichtet, sein Einkommen schrumpft auf Ruhestandsbezüge. Eines ist Erzbistums-Pressesprecher Christoph Heckeley dann doch zu entlocken: „In dieser Art und Weise ist der Fall die absolute Ausnahme im Erzbistum Köln.“
German Kardinal Meisner: Fasching macht lebenstüchtig und lebensfroh
Feb 26, 2009
Karneval hat seine Wurzeln in der Kirche

KÖLN, 12. Februar 2009 (ZENIT.org).- Es gibt Regionen in Deutschland, wo gesagt wird, dass es fünf Jahreszeiten gibt: Frühling, Sommer, Herbst, Winter und Karneval. „Die fünfte Jahreszeit heißt Fasching, Karneval oder Fastnacht. Sie beginnt bei uns in jedem Jahr am 11.11. um 11.11 Uhr“, sagen die Rheinländer.

So ist es auch der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, der jährlich den Startschuss zur Karnevalssaison in der Domstadt gibt. Einen Tag vor der offiziellen Proklamation des neuen karnevalistischen Dreigestirns hält der Erzbischof nun seit drei Jahren ein feierliches Pontifikalamt im Kölner Dom, und dies vor Tausenden von Karnevalisten.

Die Predigt endete in jedem Jahr mit einem beherztem „Kölle Alaaf“. Die Fürbitten lesen Prinz, Bauer und Jungfrau vom designierten Dreigestirn.

Das Wort „Karneval“ entstammt dem Lateinischen „carne vale“, zu Deutsch: „sich vom Fleisch verabschieden“. Damit ist die Nacht vor Beginn der 40-tägigen Fastenzeit gemeint, also der Karnevals- oder Faschingsdienstag. In manchen Regionen heißt sie auch Fastnacht. In Bayern hingegen spricht man vom „unsinnigen Dienstag“.

Kardinal Meisner betonte in seiner Predigt, der Karneval habe seine Wurzeln in der Kirche. Er habe sich dem Ziel verschrieben, die Menschen einmal aus der Alltäglichkeit ihres Lebens herauszuheben und es mit anderen Augen sehen zu lassen. Der Glaube verleihe ihnen dabei „Flügel, die den Menschen über sich selbst hinaustragen, so dass er lebenstüchtig und lebensfroh ist“. Um Distanz zu sich selbst zu gewinnen, sei es sinnvoll, sich im Karneval zu kostümieren und in eine andere Rolle zu schlüpfen, so der Kardinal.

Die „jecke Messe“ mit dem Erzbischof fand zum dritten Mal statt und gehört damit laut Festkomitee zum „Brauchtum“ der Stadt. Es sieht den Gottesdienst als Chance, den Kölner Karneval für noch mehr Menschen zugänglich zu machen und die Wurzeln des Karneval zu erklären.

Von der Fastenzeit sind nach altem christlichem Glauben die Sonntage ausgeschlossen. Und so errechnet sich jährlich der Aschermittwoch, der die Fastenzeit einläutet.

Vor Aschermittwoch wird vielerorts in deutschen Landen noch mal kräftig gefeiert und vor allem reichlich gegessen. So brauchten in früheren Zeiten die Menschen ihre restlichen Wintervorräte auf, die nach manch langem Winter zur Neige gingen beziehungsweise gehen sollten.

So richtig Karneval feiert man seit dem Mittelalter. Im 13. und 14. Jahrhundert gehörten Gastmähler, Trinkgelage, Reiterspiele und Tanz zu den Bräuchen dieser fünften Jahreszeit. Die Art der Festlichkeiten hat sich seitdem kaum verändert: Mit Tanz, Spiel, Umzügen und Verkleidungen wird in den Tagen vor der Fastenzeit die bestehende Ordnung weitgehend außer Kraft gesetzt.

Gelassen darf der Christ sich in der Faschingszeit entspannen, denn er weiß: „Der liebe Gott ist allmächtig, weiß alles, sorgt sich um alles, und erhält es.“ Aber noch wichtiger ist es für einen echten Karnevalisten, zu beherzigen: „Vergiss nie, dass nicht du der Allmächtige in Person bist.“
German Christen sollen bis Ostern ihr Dasein entrümpeln
Feb 25, 2009

Zum Beginn der Fastenzeit hat der Kölner Kardinal Meisner die Christen dazu aufgerufen, ihr geistiges und körperliches Dasein zu entrümpeln. In den Wochen bis zum Osterfest könne jeder Mensch „loswerden, was ihn zu schwerfällig macht, um dem Schöpfer auf die Spur zu kommen“. Das sagte Meisner in Köln in einem Gottesdienst zum Aschermittwoch der Künstler. Sensible Menschen wie Künstler seien „Impressionisten und Expressionisten zugleich“. „Wirkliche Kunst“ werde von jedem Menschen verstanden, sagte der Kardinal. Viele deutsche Diözesen laden am Aschermittwoch die Künstler ein. Die Tradition geht zurück auf den französischen Schriftsteller Paul Claudel (1868 - 1955).
German Meisner kritisiert Karnevalswagen
Feb 25, 2009
Darstellung des Papstes beim Düsseldorfer Rosenmontagszug sei verletzend.

Köln (kathnews) – Kardinal Joachim Meisner hat den Wagen mit einer Darstellung des Papstes beim Düsseldorfer Rosenmontagszug als verletzend bezeichnend. In einem Beitrag für die kommende Ausgabe der Kirchenzeitung für das Erzbistum Köln schreibt der Kardinal: „Die Darstellung ist nicht nur falsch, sie ist auch verletzend.“ Einer der zahlreichen traditionellen Motivwagen des Düsseldorfer Karnevalszuges hatte die Aufhebung der Exkommunikation gegen Weihbischof Richard Williamson zum Anlass genommen, Papst Benedikt XVI. dem Teufel in Gestalt des Engländers die Hand reichen zu lassen. Auf den Flügeln des Teufels stand groß „Antisemitismus“ geschrieben.

Der Kölner Erzbischof weist in seinem Artikel auf die positiven Seiten des Karnevals hin. So gebe er gute Gelegenheit, Politik und Gesellschaft in fröhlicher Weise aufs Korn zu nehmen. Wenn jedoch andererseits aus Humor Häme wird, „aus Verulkung Verletzung und aus Überzeichnung Verfälschung, dann verliert der Karneval“, erklärte Meisner. Dies sei bei dem Motivwagen in Düsseldorf der Fall gewesen. So wie die Rheinländer beim Weltjugendtag, der im Jahr 2005 in Köln stattfand, dem Heiligen Vater ihre Herzen weit geöffnet hätten, seien Herzlichkeit und Fröhlichkeit auch Kennzeichen des Karnevals. Wenn es nach ihm ginge, solle das auch so bleiben.
German Die Einheit ist das Wichtigste
Feb 08, 2009
In einem Gespräch mit der Kölner Kirchenzeitung verteidigt Kardinal Joachim Meisner die Rehabilitierung der vier Lefebvre-Bischöfe durch den Vatikan. Vorwürfe gegenüber Papst Benedikt nennt der Kölner Erzbischof „unhaltbar“

Herr Kardinal, in der ganzen Welt ist die Aufregung über den Heiligen Vater groß. Ihm wird mangelnde Sensibilität im Zusammenhang mit der Rücknahme der Exkommunikation von vier Bischöfen der Priesterbruderschaft Pius X. vorgeworfen. Wie konnte der Eindruck entstehen, der Papst setze sich für einen erklärten Leugner des Holocaust ein?

KARDINAL JOACHIM MEISNER: Die entstandene Verwirrung über diesen Vorgang hat Ausmaße angenommen, die ein klares und ruhiges Wort nötig machen, damit der wahre Sachverhalt sichtbar wird. Deshalb kann ich als Kardinal auch nicht schweigend zusehen, wenn eine solche Verwirrung um sich greift. Eine Exkommunikation ist wie auch ihre Aufhebung ein zunächst rein kirchenrechtlicher Akt ohne jede politische Absicht. Er betrifft allein theologische Aspekte. Hier ist es jetzt durch die unglaublich dummen und völlig indiskutablen Äußerungen von Bischof Williamson zu einer Verquickung gekommen, die viele nachvollziehbar irritiert und empört. Gerade deshalb aber muss man sehr genau hinsehen: Die aufgehobene Exkommunikation ermöglicht es den vier Bischöfen, nun wie katholische Laienchristen, nicht aber als Bischöfe am Glaubensleben der Kirche teilzunehmen. Damit haben sie wieder die Möglichkeit, die Sakramente zu empfangen. Dieses Anliegen bewegte das Herz des Papstes. Die weiter bestehende Suspendierung, die nur Kleriker trifft, verbietet ihnen jede Wirksamkeit als Bischöfe in der Kirche. Sie dürfen weder als Zelebranten der Messfeier vorstehen noch dürfen sie die Sakramente spenden. Das Aufsehen um das Williamson-Interview hat leider das eigentliche Anliegen des Papstes, der Einheit der Kirche zu dienen, überlagert.

Schadet diese unglückselige Verquickung dem Ansehen von Papst und Kirche?

MEISNER: Auch hier muss man genau hinsehen. Wichtigste Aufgabe des Papstes ist, für die Einheit der Kirche zu sorgen, bzw. sie wieder herzustellen, wo sie zerbrochen ist. Diese Aufgabe wurde dem Petrus und damit den Päpsten vom Herrn selbst übergeben, als er zu Petrus sprach: „Weide meine Lämmer“ (Joh 21,15). Das hat der Papst jetzt getan, nicht mehr und nicht weniger, wie auch der Vorsitzende unserer Deutschen Bischofskonferenz in seiner Erklärung vom 24. Januar herausgestellt hat. Die Rücknahme einer Exkommunikation ist nicht abhängig von der Sündhaftigkeit der Betroffenen oder ihrer Äußerungen. Der Papst geht dem Auftrag des Herrn entsprechend wie der Hirt dem verlorenen Schaf nach. Der Hirt - lateinisch pastor - denkt in erster Linie pastoral. Um es noch einmal zu sagen: Die Aufhebung der Exkommunikation soll gleichsam als Vorschuss an Barmherzigkeit die vier Exkommunizierten dazu bewegen, wieder in die volle Gemeinschaft der Kirche zurückzukehren.

Warum hat der Papst diesen vier Anhängern des exkommunizierten Erzbischofs Lefebvre gerade jetzt die Hand zur Versöhnung ausgestreckt?

MEISNER: Der Papst wollte durch einen großen Barmherzigkeitsschritt den vier Bischöfen entgegengehen, weil es auch der Priesterbruderschaft ein dringendes Anliegen war, die bestehende Spaltung zu überwinden. Laut „L Osservatore Romano“ hatten die vier Bischöfe zuletzt mit einem Brief vom vergangenen Dezember um Aufhebung der Exkommunikation gebeten; darin schreiben sie: „Wir haben den Willen und sind fest entschlossen, katholisch zu bleiben und alle unsere Kräfte in den Dienst der Kirche Unseres Herrn Jesus Christus zu stellen, die die römisch-katholische Kirche ist. Wir nehmen ihre Lehren in kindlicher Gesinnung an. Wir glauben fest an den Primat Petri und an seine besondere Stellung. Und darum leiden wir so sehr unter der gegenwärtigen Situation.“ An diesen Aussagen müssen sie sich jetzt messen lassen. Der Heilige Vater hatte sich schon als damaliger Präfekt der Glaubenskongregation und im Auftrag von Papst Johannes Paul II. darum bemüht, Erzbischof Lefebvre vor dem Bruch mit der Gesamtkirche zu bewahren, wie wir wissen ohne Erfolg. Die Bischofsweihen wurden dann durch Bischof Lefebvre ohne päpstlichen Auftrag erteilt und zogen als Konsequenz die Exkommunikation als Tatstrafe nach sich. Dabei handelt es sich um eine so genannte Beugestrafe, die den Exkommunizierten bewegen und gewinnen möchte, seinen Schritt wieder rückgängig zu machen und in die Gemeinschaft der Kirche heimzukehren. Nicht der Vatikan ist für die entstandene Spaltung verantwortlich, und schon gar nicht ist er verantwortlich für die schamlose Leugnung des Holocaust durch Bischof Williamson.

Ein Vorwurf lautet, der Papst gehe mit seinem Entgegenkommen gegenüber der Priesterbruderschaft zugleich hinter das II. Vaticanum zurück.

MEISNER: Dieser Vorwurf entbehrt jeder Grundlage. Der Papst ist, wie der barmherzige Vater der Bibel, dem verlorenen Sohn entgegen gegangen, indem er die Exkommunikation aufhob, nicht aber die Suspendierung. Nun ist es zu allererst Sache der Priesterbruderschaft, ihre Einheit mit der Kirche, die sie nach eigenem Bekunden ersehnt, unter Beweis zu stellen. Im Dekret zur Aufhebung der Exkommunikation heißt es: „Es ist zu hoffen, dass diesem Schritt die baldmögliche Verwirklichung der vollen Gemeinschaft von Seiten der gesamten Bruderschaft St. Pius X. mit der Kirche folgt, um so die echte Treue und wahre Anerkennung des Lehramts und der Autorität des Papstes durch ein Zeichen der sichtbaren Einheit zu bezeugen.“ Mit der Aufhebung der Exkommunikation wird keine Aussage des Zweiten Vatikanischen Konzils zurückgenommen. Zur Einheit der katholischen Kirche gehört die Anerkennung ihres Lehramtes. Sie schließt die Akzeptanz aller Konzilien einschließlich des Zweiten Vatikanums ein. Dazu gehört auch das Dekret „Nostra aetate“ mit seinem positiven Ansatz zum Gespräch mit den Juden. Ebenso muss die Priesterbruderschaft ihre Vorwürfe gegen den Heiligen Vater zurücknehmen, er sei nicht rechtgläubig. Wer lehramtliche Aussagen ganz oder teilweise ablehnt, kann nicht in der vollen Gemeinschaft der Kirche stehen. Die Piusbruderschaft bleibt somit eine schismatische Gruppe und ihre Bischöfe weiterhin suspendiert, bis sie das Zweite Vatikanische Konzil in vollem Umfang anerkennen, einschließlich seiner Dekrete über die Religionsfreiheit und das Verhältnis zu den Juden sowie die heute gültige Form der Liturgie der katholischen Kirche. Dem Papst in seinem Einheitsdienst jetzt theologisch unredliche Motive vorzuwerfen oder dass er die Ergebnisse und Intentionen des II. Vatikanums relativieren möchte, ist also unhaltbar. Solche Kritiker haben im Gleichnis vom barmherzigen Vater im daheimgebliebenen Bruder des verlorenen Sohnes ihr Pendant: Er nahm Ärgernis am Verhalten des Vaters, weil er dem Bruder zuviel Barmherzigkeit erwiesen hat. Mit Benedikt XVI. wird es hier keinen Schritt hinter das Konzil zurück geben.

Befindet sich Ihrer Ansicht nach der christlich-jüdische Dialog jetzt in einer Krise?

MEISNER: Das hoffe ich nicht. Ich kann meinen Mitbrüdern im Bischofsamt nur beipflichten, die gesagt haben: Wir dürfen uns jetzt nicht von solchen Menschen wie Bischof Williamson durcheinander bringen lassen. Eben weil die Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe ein sachlich eigenständiger Vorgang ist. Nun ist ein neues Faktum entstanden, indem einer der vier exkommunizierten Bischöfe die Tatsache des Holocaust in Abrede stellt. Mit diesem Faktum muss sich der Vatikan deshalb eigens befassen. Dass sich augenscheinlich auch die Priesterbruderschaft inzwischen von den Aussagen Williamsons distanziert, ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Aufhebung der Exkommunikation und das unsägliche Interview nichts miteinander zu tun haben. Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Besuch in der Kölner Synagoge anlässlich des Weltjugendtags 2005 seinen Vorgänger mit dem Satz zitiert: „Wer Jesus Christus begegnet, begegnet dem Judentum“, und weiter sagte Benedikt: „Deshalb möchte ich ausdrücklich ermutigen zu einem aufrichtigen und vertrauensvollen Dialog zwischen Juden und Christen. Unser reiches gemeinsames Erbe und unsere an wachsendem Vertrauen orientierten geschwisterlichen Beziehungen verpflichten uns, gemeinsam ein noch einhelligeres Zeugnis zu geben und praktisch zusammenzuarbeiten in der Verteidigung und Förderung der Menschenrechte und der Heiligkeit des menschlichen Lebens, für die Werte der Familie, für soziale Gerechtigkeit und für Frieden in der Welt.“ An der Bedeutung dieses Dialogs hat der Papst nie einen Zweifel gelassen.

Die vier Bischöfe sind jetzt nicht mehr exkommuniziert, aber weiterhin suspendiert. Was bedeutet das konkret? Können Katholiken z.B. gültig Gottesdienste bei Priestern der Piusbruderschaft mitfeiern?

MEISNER: Nein, das ist nicht möglich, denn das Schisma - die Abspaltung der Bruderschaft von der Kirche - dauert noch an. Die aufgehobene Exkommunikation bezieht sich ausschließlich auf die vier Bischöfe. Um das Schisma zu beenden, müsste jetzt die Verwirklichung der vollen Kirchengemeinschaft seitens der gesamten Priesterbruderschaft Pius X. folgen.
German Kardinal Meisner nennt Gewalt zur Eindämmung von Gewalt legitim
Jan 10, 2009

Köln (epd). Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat es als legitim bezeichnet, wenn "ungerechte Gewalt durch Gegengewalt eingedämmt wird". Es sei legitim, wenn neu aufflammende Gewalt "im Keim erstickt wird", sagte der Kardinal am Donnerstag im Kölner Dom, ohne einen aktuellen Konflikt zu benennen. In seiner Predigt im internationalen Soldatengottesdienst am Weltfriedenstag würdigte er Militär und Soldaten in demokratischen Strukturen. "Auch wenn Kritiker es nicht wahrhaben wollen: Ziel demokratischer Armeen ist es gerade, Frieden zu schaffen und zu erhalten", sagte der Kardinal vor rund 1.500 Soldaten verschiedener Nationen und Angehörigen der Polizei. Die Männer und Frauen, die sich etwa für die Sicherheit von Schiffsbesatzungen vor der Küste Somalias einsetzten, gäben ein Beispiel des Heiligen Martin. Der als Sankt Martin verehrte und bis heute populäre Heilige war Soldat, später Mönch und Bischof von Tours im vierten Jahrhundert nach Christus.

Soldatinnen und Soldaten leisteten durch Hilfs- und Aufbaudienste erste Schritte zu einem "wirklich stabilen Frieden", sagte Meisner. Der Kölner Kardinal verwies auch auf Äußerungen des verstorbenen Papst Johannes Paul II. Er habe darauf hingewiesen, dass ein solcher militärischer Einsatz "zur Verteidigung des Guten" auch eine religiöse Dimension aufweisen könne, sagte Meisner. Ein Soldat, der sein Leben für Frieden und Sicherheit für Arme einsetze, stehe unter einem hohen moralischen Anspruch.

Der jährliche Soldatengottesdienst im Kölner Dom wurde außen auf der sogenannten Domplatte von traditionellen Protesten begleitet. Etwa 50 Teilnehmer von verschiedenen Friedens- und Aktionsgruppen protestierten mit Transparenten und Sambatrommeln gegen die Verbindung "von Kirche und Staat in Sachen Militär", wie ein Vertreter einer Basisgruppe der katholischen Friedensinitiative Pax Christi sagte. Mit Blick auf die diesjährige Predigt sei auch zu kritisieren, dass Soldatentum und Kampf gegen Armut miteinander verbunden wurden. Soldaten seien nicht für Armutsbekämpfung zuständig.
German Der Tag eines Erzbischofs
Dec 26, 2008

Joachim Kardinal Meisner wird eine eiserne Disziplin nachgesagt. Er stehe gegen 4.30 Uhr auf, erzählt er. "Ab 5 Uhr gehe ich mit den Stöcken eine Stunde durch den Garten."

Es folgen kalte Dusche, 90 Minuten Morgengebet und heilige Messe sowie um 7.45 Uhr ein kurzes Frühstück. Bis zum Mittagessen Termine und Schreibtischarbeit. Danach das Rosenkranzgebet, ein halbstündiger Mittagsschlaf und das Stundengebet.

Nach dem Kaffee wieder Büroarbeit, Stundengebet, Abendessen, um 23 Uhr Bettruhe. Einmal im Monat reist er zu Sitzungen nach Rom. Zudem ist er viel im Erzbistum unterwegs.
German Zum 75. Geburtstag von Joachim Kardinal Meisner: "Ich will nur Gott nach dem Mund reden
Dec 26, 2008
Mit dem Kölner Erzbischof bei Obdachlosen, in einem Festgottesdienst für Kardinal Frings und bei einer Talkshow

Köln. Es ist kalt an diesem Mittwoch im Severinsviertel. Die Autos donnern über die sechsspurige Ulrichgasse und lassen das Wasser bis auf den Bürgersteig spritzen. Die Menschen, die von der Straße kommen und in den kleinen Klostergang schlüpfen, kennen jedes Wetter. Fast alle haben jahrelang auf der Straße gelebt, inzwischen haben die meisten von ihnen ein Dach über dem Kopf - auch dank der Ordensleute, die hier im alten Franziskanerkloster eine Obdachlosenseelsorge eingerichtet haben.

n der warmen Stube servieren Bruder Othmar und Schwester Franziska Tee und Kaffee. Dazu haben sie Kuchen und Plätzchen auf den Tisch gestellt, wie jeden Mittwoch. 15 Menschen sind heute gekommen - und auch Joachim Kardinal Meisner.

Der Erzbischof setzt sich in die Runde und hört erstmal zu, zum Beispiel der älteren Frau, die erzählt, dass sie in ihrer Wohnung keinen Besuch empfangen darf. "Auch im betreuten Wohnen muss man doch Besuch bekommen dürfen", sagt Meisner und fordert sie auf, das Problem aufzuschreiben, "damit wir uns drum kümmern können."

Die Frau gegenüber fragt er, wo sie herkomme. "Aus Kolumbien, aber ich lebe schon 49 Jahre hier." Der Kardinal erzählt von einem Aids-Projekt dort, das er sehr schätze. Ein junger Mann wirft ein, in Kirchenkreisen sehe man Aids doch problematisch. "Nein", sagt Meisner, "jede Krankheit ist schlimm, damit kann man die Leute doch nicht allein lassen." Das ist die soziale Begründung.

Ein paar Minuten später, unten in der Krypta der Kirche, gibt er die theologische. "Gott geht den bescheidenen Weg." Die Geburt im Stall zeige: "Er kommt nicht mit Macht, sondern will uns seine Schwäche zeigen." So müssten sich die Christen immer wieder darauf besinnen, die Schwachen in der Gesellschaft zu stützen. Meisner tut dies hier ganz persönlich.

Bei dem gemeinsamen Lesen der Bibel erzählt jeder, was ihm durch den Kopf geht, wenn er von Jesu Geburt hört. Von Kindheitserinnerungen ist die Rede, von bösen Schicksalsschlägen oder auch von dem Gefühl, Wärme und Geborgenheit in dieser Gemeinde gefunden zu haben. Meisner sagt: "Das Bibelteilen ist nirgends so schön wie bei Ihnen."

Der Bischof scheint diese knappe Stunde in der Krypta zu genießen. "Nein, genießen, das ist es nicht", sagt er später im persönlichen Gespräch, aber ihm tue es gut, mal nicht dauernd reden zu müssen. 75 Jahre alt wird der Kölner Erzbischof am Ersten Weihnachtstag - und die Last von Amt und Alter spürt er zunehmend.

Wie es jeder Oberhirte mit 75 tun muss, hat er dem Papst seinen Rücktritt angeboten. Doch Benedikt XVI. lehnte ab. Meisner weiß warum. Vor dem Konklave habe er seinen Freund Joseph Ratzinger bestürmt: "Lauf uns nicht davon. Du musst Papst werden", berichtet Meisner am Abend bei einer Talkshow des Domradios, "jetzt nimmt er mich in die Pflicht."

Der Papst weiß, was er an seinem Kölner Kollegen hat. Er scheue sich nicht "zu widersprechen, wenn widersprochen werden muss, ohne auf Parteien oder auf taktische Vorteile Rücksicht zu nehmen", hat Benedikt in einem Grußwort für eine Festschrift zu Meisners Geburtstag geschrieben.

Was der Papst als große Stärke des Erzbischofs betrachtet, sehen Kirchenkritiker, aber auch viele Gläubige oft als Ärgernis. Als es etwa um Methoden der Empfängnisverhütung ging oder einen Vergleich von Abtreibungen mit den Verbrechen der Nazis. Als es um religionsferne Kunst ging, die er als entartet bezeichnete.

Als er CDU und CSU das C absprach, weil sie sich nach seiner Ansicht für alles andere, aber nicht für eine christliche Politik einsetzten. Als er Pfarrer abberief, weil er den Glauben in den Gemeinden in Gefahr sah. Als er Pfarreien verbot, auch nur ausnahmsweise einen ökumenischen Gottesdienst am Sonntagmorgen abzuhalten. Meisner ist unbequem, und er polarisiert wie kein zweiter Kirchenmann in Deutschland.

"Ich will nur Gott nach dem Mund reden", hat er oft gesagt. Nur das wolle er predigen, was nach seiner Überzeugung Gottes Wille ist. Positionen, die in einer weltlichen Gesellschaft für viele Menschen nicht zeitgemäß sind. Für Meisner ist das aber kein Argument. Er schaut, ob er sich selbst treu geblieben ist. "Jeder Advent ist für mich eine Zeit der Prüfung", sagt er. Da nehme er sein Tagebuch aus dem Advent 1962, das er vor seiner Priesterweihe geschrieben habe, und frage sich: "Hast Du Deine erste Liebe bewahrt?"

Was er 2008 antwortet, verrät er nicht. Eines aber betrübt ihn: "Ich bin auf keinem Gebiet so erfolglos geblieben wie beim Werben um geistliche Berufe." Aber er hoffe weiter, dass sich eines Tages wieder mehr junge Männer und Frauen für das Leben als Priester oder Ordensleute entscheiden. Gleichwohl mutet er den Priestern heute eine ganze Menge zu. Sie sollen viel größere Gemeinden führen, zugleich aber verständnisvolle Seelsorger vor Ort bleiben. Aufgaben, die immer mehr Priester an die Grenzen ihrer Schaffenskraft bringen.

In Zeiten des Priestermangels sieht Meisner aber keine Alternative - und sagt das deutlich. Zum Beispiel an diesem Abend im Dom beim Pontifikalamt zum 30. Todestag von Joseph Kardinal Frings: "Oft höre ich den Vorwurf, ihr habt die Priester nicht auf die schwierigen Zeiten vorbereitet." Kardinal Frings habe aber auch keine Sonderkurse "Kirchenführung in Kriegs- und Nachkriegszeit" besucht.

"Er hat sich Schritt für Schritt von der Gnade Gottes und seinem gesunden Menschenverstand leiten lassen", sagt Meisner und ermahnt sein Personal: "Wir sollten nicht so auf Sonderkurse dringen, sondern mit Hoffnung und Vertrauen die Herausforderungen der Zukunft angehen."

Meisner selbst wird weiter wider den Zeitgeist reden, zugleich aber auch der glaubensstarke Mann bleiben, als den ihn Nikolaus Schneider würdigt. Er teile zwar nicht jede Überzeugung Meisners, schreibt der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, aber er schätze dessen Stärke im Glauben, "auch wenn seine damit verbundene Bestimmtheit ihn mitunter kühler erscheinen lässt, als ich ihn als seelsorgenden Mitbruder ganz persönlich erlebt habe."

In die alte Franziskanerkirche wird er im nächsten Advent wiederkommen, hat der Kardinal versprochen.

"Ich freue mich darauf, denn ich brauche nur Herz und Ohren aufzumachen." Hier, wo der Chef einer der wichtigsten Erzdiözesen der Welt Seelsorger ist und mit den Schwachen in der Gesellschaft die Bibel teilt.
German „Ich bleibe, solange ich Kraft habe“
Dec 22, 2008
Köln - EXPRESS sprach mit dem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner, der am 1. Weihnachtstag 75 Jahre alt wird.
Er redete über seine Zukunft als Kardinal, die Finanzkrise und den akuten Mangel an Christen.

Wie haben Sie reagiert, als der Heilige Vater Ihnen mitteilte, dass Sie im Amt bleiben? Haben Sie persönlich mit ihm telefoniert?

Ich habe nicht telefoniert, sondern Post vom Nuntius bekommen, dem päpstlichen Botschafter in Berlin. In dem Brief stand, dass der Papst mich bittet, bis auf Weiteres Erzbischof zu bleiben. Ich hatte ihm ja geschrieben, dass ich seine Entscheidung akzeptiere, egal, wie sie ausfällt. So sagte ich mir: Dann machst du es, solange die Kraft dazu reicht.

Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre – für sich persönlich und für Ihr Erzbistum?
Dass die Freude am Glauben immer mehr Freunde findet! Gerade jetzt zu Weihnachten erinnern wir uns ja daran, dass Gott ein schwaches Kind wird, weil er eine Schwäche für uns hat, weil er uns liebt. Das muss uns aufhorchen lassen und Mut zu einem entsprechenden Leben machen. Für mich selbst habe ich etwas vom Apostel Paulus gelernt, an dessen Geburtstag vor 2000 Jahren wir in diesem Jahr ja besonders denken: Er beginnt jeden seiner Briefe mit einer Danksagung. Auch ich wünsche mir, dass ich schneller danke als klage oder kritisiere. Ich möchte auch mehr dafür danken, dass ich als Christ und Bischof leben darf.

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, appelliert an die Kirchenführer, sich auch und gerade mit Blick auf die Finanzkrise engagierter in gesellschaftspolitische Debatten einzumischen – vor allem zugunsten Schwächerer. Sehen Sie dies auch so?

Wir können gar nicht anders, wenn wir unserem Auftrag nicht untreu werden wollen. Jesus hat die Armen selig gepriesen und sich besonders der Schwachen angenommen. Wenn wir nicht handeln wie er, bleibt unsere Verkündigung hohl. Unseren guten Worten müssen unsere guten Taten folgen. Deshalb stand traditionell immer neben der Kirche auch das Krankenhaus. Weil Christus sich ganz arm gemacht hat, ist er besonders den Armen, Schwachen und Ausgegrenzten zum Bruder geworden. Als Christen sind wir deshalb Anwälte dieser Menschen, die sonst keine Stimme haben.“

Die Gier nach Geld ist eine der Hauptursachen der Finanzkrise – Richtet sich die Menschheit zugrunde, wenn sie weiter um das goldene Kalb tanzt und Werte mit Füßen tritt? Was setzen Sie dagegen?

Die Finanzkrise zeigt, dass wir von Geld und Zahlen allein nicht leben können. Wenn das Vertrauen auf Gott fehlt, ist alles andere wertlos. Wir müssen deshalb auch die Mächtigen in der Wirtschaft an ihre Verantwortung erinnern, damit sie vor lauter Zahlen die Menschen nicht vergessen, die dahinter stehen, und hinter dem Menschen steht der lebendige Gott. Wenn man nicht weiß, wer der Mensch ist, gehen Politik und Wirtschaft in die Irre. Der Mensch ist Abbild Gottes und muss daher an erster Stelle stehen, nicht Geld und Gut. Letztlich ist der größte Reichtum eines Menschen doch der Glaube an den lebendigen Gott.

Immer mehr Kirchen müssen schließen, während andere Religionsgemeinschaften große Neubauprojekte verwirklichen können – fehlt es an Engagement bei den Gläubigen oder Geld? Wie ist dieser Trend zu stoppen – könnte die Kirche z. B. Sponsoren brauchen?

Es fehlt ja nicht in erster Linie das Geld. Wir haben vielmehr einen akuten Christenmangel. Und zwar an Christen, die so wie der Apostel Paulus unerschrocken auftreten und Zeugnis ablegen für ihren Glauben. Wir müssen wieder missionarischer werden.

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German „Ich stehe in der Pflicht“
Dec 21, 2008
Der Erzbischof von Köln wird zum Weihnachtsfest 75 Jahre alt. Im RM-Gespräch sagt er, was ihn geprägt hat und heute bewegt.

Rheinischer Merkur: Herr Kardinal, Sie haben mit Vollendung des 75. Lebensjahres die Altersgrenze als Bischof erreicht. Papst Benedikt hat Ihr Rücktrittsgesuch angenommen, Sie aber gebeten, im Amt zu bleiben. Haben Sie damit gerechnet?

Joachim Kardinal Meisner: Als ich die Nachricht bekam, dachte ich: Gut, dann machst du es. Es hätte mich auch nicht beunruhigt, wenn der Papst meinen Rücktritt angenommen hätte. Ich bin ja schon 34 Jahre Bischof und hatte nie eine Schonstelle. Es wäre also nicht unbillig, wenn er gesagt hätte, tritt doch etwas kürzer. Ich habe den damaligen Kardinal Ratzinger vor dem Konklave zweimal besucht und ihn bestürmt, die Papstwahl anzunehmen, wenn sie auf ihn zukomme. Nun nimmt er auch mich in die Pflicht. Und ich bin immerhin sieben Jahre jünger als der Papst.

RM: Am 25. Dezember 1933 sind Sie in Breslau zur Welt gekommen. Wie haben Sie den langen Weg zur Versöhnung zwischen den beiden Völkern erlebt?

Meisner: Dass diese Versöhnung möglich wurde, ist ein Verdienst der unzähligen persönlichen Kontakte, namentlich der ehemaligen Bewohner dieser Gebiete. Schon in den Sechzigerjahren hatte ich als Priester regelmäßige Kontakte nach Polen. Ressentiments habe ich dabei nie erfahren. Wenn ich Kardinal Kominek in Breslau besuchte, dann bellte sein großer Hund immer laut. Und Kominek sagte jedes Mal scherzhaft: „Hörst du, der weiß, dass der Erzfeind da ist.“ Dann lachten wir beide. So unkompliziert war unser Verhältnis. In meiner Heimatgemeinde Breslau-Lissa habe ich eine Statue von Papst Johannes Paul II. auf dem Marktplatz eingeweiht. Am nächsten Tag stand in der Zeitung: Breslau-Lissa hat einen eigenen Papst und einen eigenen Kardinal. Dort bin ich „unser Kardinal“. Manchmal macht mich diese Herzlichkeit richtig verlegen.

RM: Sind Sie noch oft zu Besuch dort?

Meisner: Vielleicht einmal im Jahr. Ich halte dann einen Vortrag und feiere Gottesdienste. Das Kölner Domkapitel schenkt mir jetzt zum Geburtstag eine gemeinsame Reise nach Breslau. Wir besuchen die Orte, die für mich wichtig waren. Ich war elf Jahre alt, als wir dort wegmussten. Ich kam mit meiner Familie nach Thüringen, in ein Diasporadorf ohne Kirche. Wären diese Kriegsereignisse und die Not in der DDR nicht gewesen, wäre ich wohl niemals Bischof geworden. Der liebe Gott aber holt seine Diener nicht vom Podest, sondern aus den Hinterhöfen der Geschichte.

RM: Hatten Sie je eine persönliche Glaubenskrise?

Meisner: Im Studium habe ich eine durchgemacht. In der Gotteslehre wurde uns ein unpersönlicher Gott vermittelt, den nichts berühren kann. Da habe ich den Professor gefragt: Warum kann ich Gott nicht eine Freude machen? Meine Mutter hat mir immer gesagt: Wenn du das machst, dann freut sich der liebe Gott. Jetzt soll das nicht mehr gelten? Was hat dann das Beten für einen Sinn? Das ist doch ein Dialog. Eines Tages habe ich die Lösung gefunden und sagte dem Professor: Durch Taufe und Firmung leben wir gar nicht mehr im Externum Gottes, sondern im Internum. Und darum ist Gott für uns auch kein ewig lächelnder Buddha. Ich kann Gott traurig machen, wenn ich sündige, und froh machen, wenn ich ihn liebe und ihm nachfolge. Das geht mir bis heute so: Ich möchte durch meinen Dienst unseren Herrn Jesus Christus froh machen. Um seinetwillen leide ich zum Beispiel schrecklich darunter, wenn ich einen Priester verliere oder wenn eine Frau von ihrem Mann verlassen wird. Untreue ist mit das Schlimmste, was es gibt. Auch zwischen uns und Gott.

RM: Erfurt, Berlin, Köln – waren das für Sie Wegmarken oder Einschnitte?

Meisner: Das waren echte Einschnitte. Ich bin am 22. Dezember 1962, also vor 47 Jahren, in Erfurt zum Priester geweiht worden. Damals sagten wir noch bei der Weihe dem Bischof „adsum“, ich stehe zur Verfügung. Ich habe dann Gott einen ganz persönlichen Blankoscheck ausgestellt und darunter geschrieben: Erfurt, den 21. Dezember 1962, Joachim Meisner, um ihm meine ehrliche und umfassende Verfügbarkeit zu bekunden. Wenn ich gewusst hätte, dass eines Tages auf diesem Blankoscheck Berlin und Köln stehen würden,hätte ich vielleicht nicht den Mut gehabt, ihn auszustellen. 1980 musste ich den todkranken Bischof Aufderbeck verlassen, der mir in Erfurt eigentlich schon alles übergeben hatte. Berlin ist mir als Bischof dann wirklich ans Herz gewachsen. Nach dem Gottesdienst zum 80. Geburtstag des Papstes 2007 in der Hedwigskathedrale kam so ein richtiger Berliner auf mich zu und sagte: „Kardinal Meisner, ick kann dir nie verjessen.“ Das hat mich sehr berührt.

RM: Inzwischen sind Sie fast 20 Jahre Erzbischof von Köln. Wie sehen Siedie Stadt und ihre Menschen heute? Sind Sie einer von ihnen geworden?

Meisner: Heimat kann es nur eine geben, aber Köln ist mein Zuhause. Und wenn umgekehrt selbst der Karneval an mir interessiert ist, dann kann ich ja ganz so „verkehrt“ nicht sein. Wir feiern jedes Jahr an den ersten Januartagen einen Karnevalsgottesdienst im Dom. Das ist keine Kölsch-Messe, wie man so sagt, sondern ein richtiges Pontifikalamt, zu dem alle Karnevalsvereine eingeladen sind. Sie kommen in ihren Uniformen. Am Schluss der Predigt sage ich dann nicht Amen, sondern Kölle alaaf. Bei einigen Karnevalssitzungen bin ich sogar Schirmherr. Eine Büttenrede zu schreiben ist für mich schwerer, als drei Predigten vorzubereiten. Beim Abschluss des Domjubiläums 1998 sagte ein waschechter Kölner vor dem Dom zu mir: „Jung, dat häste joot jemaat.“ Na bitte!

RM: Wenn Sie eine vorläufige Bilanz Ihrer Amtszeit ziehen, worauf sindSie besonders stolz?

Meisner: In der Kirche soll man den Herrn loben, nicht die Bischöfe. Deshalb bin ich nicht stolz, sondern dankbar für das, was mit Gottes Hilfe gelungen ist. Zum Beispiel für den Weltjugendtag. Er wirkt bis heute nach. Die daraus entstandene Nightfever-Bewegung breitet sich inzwischen über Deutschland aus. Kapläne erzählen mir immer wieder, dass sie eine neue Freiheit und Begeisterung für den Glauben unter den Jugendlichen erleben. Wenn 6000 von ihnen so viel Geld sparen oder erarbeiten, dass sie zum Weltjugendtag nach Sydney fahren können, dann ist das ein starkes Zeichen. Ich bin auch sehr dankbar für das 750-jährige Domjubiläum 1998, es war ein großer Erfolg. Und es hat dazu geführt, dass wir jetzt die zentrale Domwallfahrt jedes Jahr im September machen. Auf dem schulischen Sektor hat das Erzbistum in den vergangenen 25 Jahren 17 Ordensschulen übernommen, die sonst geschlossen hätten. Rund 30 000 Jugendliche besuchen unsere Gymnasien.

RM: Wie sieht es mit der Initiative für Ehe und Familie aus?

Meisner: Wir haben eben das 50-jährige Jubiläum der Ehe- und Familienarbeit im Erzbistum gefeiert. Mit Blick auf die Zahlen der Anfangszeit kann man heute eigentlich nur traurig sein. Doch die Sehnsucht der jungen Leute nach einer authentischen Partnerschaft auf Dauer ist sehr groß. Deshalb legen wir auch einen Schwerpunkt auf diese Arbeit, von der die Zukunft von Staat und Kirche wesentlich abhängt.

RM: Das weltkirchliche Engagement des Erzbistums Köln geht auf Ihre Vorgänger, die Kardinäle Frings und Höffner, zurück. Hat sich das unter Ihnen noch ausgeweitet?

Meisner: Ich bin meinen Vorgängern sehr dankbar für ihre Arbeit. Finanziell und personell geht es wohl trotz allem kaum einem Bistum in der Weltkirche so gut wie Köln. Wir geben möglichst viel davon weiter. Das diözesane Programm „Zukunft heute“ reduzierte die Mittel für die Bistumsverwaltung um 30 Prozent, doch der Etat für die Weltkirche ist nicht gekürzt worden. Wir wollen nicht an den Ärmsten der Armen sparen. Als Vorsitzender des Hilfswerks Renovabis bin ich auch die Vertrauensperson für viele Bischöfe in den Ländern Mittel- und Osteuropas. Sie wollen von mir wissen, wie sie mit Entwicklungen umgehen sollen, mit denen sie neu konfrontiert sind, etwa beim Lebensschutz und bei der Bioethik. Am stärksten eingesetzt habe ich mich immer für Polen und Tschechen. Für diese noch mehr, weil sie das nötiger hatten. Als die Tschechen nach 1981 wegen der Ausrufung des Kriegsrechts in Polen nicht mehr dorthin fahren durften, war ich Anlaufpunkt für viele Menschen aus der damaligen Tschechoslowakei. Heute gibt es so viele gute Ansätze dort; ich bin sicher, Tschechien wird rechristianisiert werden. Es bilden sich neue klösterliche Gemeinschaften, so zum Beispiel die Trappisten bei Pilsen, die Trappistinnen bei Prag und andere mehr.

RM: Als Kardinal haben Sie auch viele überdiözesane Aufgaben. Wie teilen Sie sich die Arbeit ein?

Meisner: Überdiözesane Aufgaben machen etwa ein Drittel meines Dienstes aus. Schon Johannes Paul II. hat mich in fünf vatikanische Kongregationen berufen. Mehrmals wurde ich zum päpstlichen Sondergesandten für bestimmte Anlässe ernannt. Die Hauptaufgabe eines Bischofs aber ist, dass er Ortsbischof ist.

RM: Was bereitet Ihnen da die meisten Sorgen?

Meisner: Wo ich zahlenmäßig wenig Erfolg habe, aber die meiste Kraft und Zeit investiere, sind die Priester- und Ordensberufungen. Es gibt nach wie vor genug Berufungen. Doch wenn ein Jugendlicher in der Familie und in der Schule damit allein ist, wenn ihn niemand ermutigt, dann stirbt sozusagen diese Berufung. Auch die Ministrantenarbeit bringt inzwischen selten neue Berufungen hervor.

RM: Wie wollen Sie der alarmierenden Entwicklung bei den Priesterzahlen gegensteuern?

Meisner: Wir haben in Köln immer noch eine hohe Zahl an Priesteramtskandidaten, aber es sind viel zu wenig. Hier kommen verschiedene Krisen zum Tragen: Eine davon ist die Veränderung der Familie. Vor 30 Jahren hatte eine katholische Kölner Familie noch drei bis vier Kinder, heute eines.

RM: Könnte die Weihe von verheirateten „viri probati“ die Lösung für den Priestermangel sein?

Meisner: Das ist keine Lösung, denn dann müsste man zum Beispiel als eine Konsequenz sofort die Unauflöslichkeit der Ehe aufheben, weil ein geschiedener Priester ja nicht im Amt bleiben könnte. In der evangelischen Kirche ist, so höre ich, inzwischen ein Viertel derAmtsträger geschieden. Früher verlor ein solcher Pfarrer sein Amt, später dann musste er in eine andere Gemeinde umziehen, und heute bleibt er da, wo er ist. Beim Weiheamt wäre das unmöglich und nicht denkbar.

RM: Es gibt aber doch verheiratete Priester mit Familie, die aus anderen Kirchen übergetreten sind …

Meisner: Das sind jeweils individuelle Fälle, die anders gelagert sind und die Grundfrage nicht beantworten.

RM: Durch die Strukturreform im Bistum werden Gemeinden fusioniert oder in Pfarrgemeinschaften zusammengefasst. Viele Menschen haben den Eindruck, dass damit Kirche am Ort abgebaut wird. Ist das so?

Meisner: Zunächst müssen wir erkennen: Was wir gewohnt waren, ist erst 50 Jahre alt. Zu Zeiten von Kardinal Frings war genug Geld und Personal vorhanden. So hat man die bestehenden großen Pfarreien etwa in jeweils drei bis vier aufgeteilt, die Mutterkirche wurde restauriert und drei neue Kirchen wurden dazugebaut. Das Ideal war die Pfarrfamilie. Jetzt geht die Entwicklung umgekehrt. Kardinal Frings hat zirka 400 Kirchen konsekriert, ich acht in 20 Jahren, und 20 wurden abgegeben an andere christliche Gemeinden. Die Geschichte zeigt, dass es immer mal hoch und mal runter ging. Trotzdem ist es schwer, Gewohntes aufgeben zu müssen.

RM: Müssen Gläubige künftig 40 Kilometer fahren, um am Sonntag einen Gottesdienst zu besuchen?

Meisner: Im Erzbistum Köln nirgends. Wir bleiben auch in der Fläche präsent, selbst wenn hier und da Wege weiter werden. Die Sache ist immer relativ. Ich will meine Erfahrungen nicht idealisieren, aber als wir aus Schlesien vertrieben worden waren, kamen wir in ein Dorf, in dem es keine Kirche, keine Kapelle, kein Pfarrhaus gab. Der Gemeindeverband umfasste 30 Dörfer, für die ein Pfarrer zuständig war. Wir waren die Kirche der weiten Wege und langen Straßen. Wir hatten nur alle 14 Tage eine heilige Messe. Am anderen Sonntag mussten wir bei Wind und Wetter acht Kilometer zu Fuß zum Gottesdienst gehen. Wenn ich als Seminarist in den Ferien zu Hause war, musste ich zur täglichen Messe 22 Kilometer zurücklegen, elf hin und elf zurück. Dabei habe ich unterwegs Rosenkranz und Kreuzweg beten gelernt. Heute meint man wohl, solche weiten Wege nicht mehr zurücklegen zu müssen, obwohl die Menschen viel mobiler geworden sind.

RM: Bedarf Deutschland der Mission? Es gibt Papiere der Bischofskonferenz dazu und in Frankfurt bald ein neues Institut zu diesem Zweck. Sind das die richtigen Ansätze?

Meisner: Die Kirche ist nie durch Strukturen, Organisationen und Pläne reformiert worden, sondern durch Heilige. Das waren immer Leute, die in die Welt gingen. Ein Christ ist Missionar oder er ist kein richtiger Christ. Viele solcher Christen haben eine Gemeinschaft um sich geschart und mit ihr die Kirche erneuert. Ein gutes Beispiel dafür sind die Reformorden. Ich setze eher auf die neuen geistlichen Gemeinschaften als auf Institute und Einrichtungen. Das Missionarische kommt in Deutschland zu kurz. Hier gibt es eine verbreitete Skepsis gegenüber solchen Gemeinschaften, weil sie mitunter nicht in unsere Vorstellungen passen. Ich versuche, so viele geistliche Impulse in die Diözese hereinzuholen wie möglich. Eine geistliche Gemeinschaft muss sich aber vom Bischof dorthin schicken lassen, wo sie gebraucht wird und wirksam werden kann.
German Kölner Stadt-Anzeiger: Kölner Erzbischof Meisner kritisiert türkische Regierung
Dec 16, 2008

Köln (ots) - Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner sieht die Chancen für den Bau eines christlichen Pilgerzentrums im türkischen Tarsus deutlich gesunken und kritisiert in diesem Zusammenhang die türkische Regierung scharf. "Wie wir behandelt werden, finde ich skandalös", sagte Meisner, der sich seit langem für das Pilgerzentrum in der Geburtsstadt des Apostels Paulus einsetzt, im Internet-Fernsehen ksta.tv des "Kölner Stadt-Anzeiger". Noch Ende November habe er vom Sekretär des türkischen Ministers für Kultur und Tourismus die mündliche Zusage erhalten, dass die Regierung die Kirche in Tarsus zwar nicht verkaufen werde, die katholische Kirche sie aber für 30 Jahre pachten könne. Er sei nicht "überschäumend glücklich", sagte Meisner, aber damit könne er leben. Als eine schriftliche Bestätigung der Zusage ausblieb, habe er Anfang dieser Woche im Ministerium nachgefragt und erfahren, dass das Ganze "ein Missverständnis" gewesen sein müsse. Man wolle der Kirche lediglich ein Grundstück auf dem Gelände einer benachbarten ehemaligen Fabrik zur Verfügung stellen, auf dem sie ein Gotteshaus bauen könne, das aber nach 30 Jahren wieder an den Staat zurückfalle. Meisner kündigte an, er werde trotzdem in seinen Bemühungen "nicht locker" lassen, auch "um den Euro päern die Augen zu öffnen, dass hinter den türkischen Worten keine Taten stehen". Meisner zeigte sich zudem enttäuscht über die mangelnde Unterstützung der Türkisch-Islamischen Union Ditib, der Bauherrin der Kölner Zentralmoschee.
German „Skandalös“
Dec 12, 2008
Kardinal Meisner enttäuscht über türkischen Staat

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner sieht die Chancen für den Bau eines christlichen Pilgerzentrums im türkischen Tarsus deutlich gesunken. Die vom türkischen Staat 1943 beschlagnahmte Kirche des Apostels Paulus in Tarsus werde weder zurückgegeben noch für 30 Jahre verpachtet, sagte der Erzbischof am Donnerstagabend dem Internet-Fernsehen des „Kölner Stadt-Anzeiger“, „ksta.tv“, in Köln.
Anfang der Woche habe er aus dem türkischen Tourismusministerium erfahren, dass die mündliche Zusage von Ende November „ein Missverständnis“ gewesen sei, sagte der Kardinal. Man wolle der katholischen Kirche lediglich ein Grundstück auf dem Gelände der benachbarten ehemaligen Baumwollfabrik zur Verfügung stellen, auf dem sie ein Gotteshaus bauen könne, das aber nach 30 Jahren wieder an den Staat zurückfalle. „Wie wir behandelt werden, finde ich skandalös“, sagte der Erzbischof.

Er wolle aber in seinen Bemühungen „nicht locker“ lassen, auch „um den Europäern die Augen zu öffnen, dass hinter den türkischen Worten keine Taten stehen“, sagte der Kardinal. Meisner zeigte sich enttäuscht über die mangelnde Unterstützung der Türkisch-Islamischen Union Ditib, der Bauherrin der Kölner Zentralmoschee.

Die Kirche des Apostels Paulus in Tarsus war nach der Beschlagnahmung zunächst als Militärlager genutzt worden und dient jetzt als Museum. Hintergrund der Initiative der katholischen Kirche, in Tarsus eine Pauluskirche und ein Pilgerzentrum zu errichten, ist das am 28. Juni eröffnete internationale Paulusjahr.
German Kardinal Meisner wirft Bankern "Habsucht" vor
Dec 12, 2008
Er ist bekannt für scharfe Worte: der Kölner Kardinal Meisner. Jetzt kritisierte er die Habsucht von Bankmanagern, die die Bürger in eine Finanzkrise gebracht habe. Meisner warnte vor einer neuen Weimarer Republik: "Aus einer solchen Situation haben wir einen Kerl wie Hitler bekommen."

Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat mit Blick auf die globale Finanzkrise die „Habsucht“ von Bankmanagern kritisiert. Es erfülle ihn mit „heiligem Zorn“, wie Banker mit dem Geld anderer umgegangen seien und „uns weithin in diese Situation gebracht haben“, sagte der Erzbischof dem Internet-Fernsehen ksta.tv des „Kölner Stadt-Anzeigers“.
Meisner sagte wörtlich: „Ich dachte immer, sie sind Treuhänder des Kapitals anderer Leute, und dass es bei ihnen in guten Händen ist“. Es dürfe nun keine Situation wie in der Weimarer Republik entstehen. „Aus einer solchen Situation haben wir einen Kerl wie Hitler bekommen, da müssen wir wirklich wachsam sein“, unterstrich der Kardinal.

Streitpunkt Türkei
Der Kölner Kardinal übte auch scharfe Kritik an der Türkei. Dabei geht es um die Zusage zur Nutzung einer christlichen Kirche in Tarsus. „Wie wir behandelt werden, finde ich skandalös“, sagte Meisner. Das türkische Kultusministerium habe mündliche Versprechen nicht gehalten und im Nachhinein als „Missverständnis“ bezeichnet. Er wolle aber an dem Thema „dran bleiben“, betonte Meisner. „Auch um den Europäern die Augen zu öffnen, dass hinter den türkischen Worten keine Taten stehen.“

Der Kardinal sagte, das türkische Kultusministerium habe ihm im November mündlich zugesagt, die Pauluskirche in Tarsus für 30 Jahre pachtweise für eine kirchliche Nutzung freizugeben; ein Verkauf sei nicht in Frage gekommen, weil denkmalgeschützte Gebäude dem Staat gehörten. Damit wäre er einverstanden gewesen, so der Kardinal.

Doch inzwischen sei diese Zusage als „Missverständnis“ bezeichnet worden. Die katholische Kirche könne nun allenfalls einen Teil einer benachbarten Baumwollfabrik bekommen und dort eine Kirche bauen, müsse das Gelände aber nach 30 Jahren zurückgeben. „Wir würden den Muslimen hier auch nicht sagen: Ihr könnt eine Moschee bauen, aber nach 30 Jahren nehmen wir sie euch wieder ab“, kritisierte Meisner.
Der Kardinal und andere Bischöfe appellieren seit längerem an die Türkei, dauerhaft eine Kirche in Tarsus zu genehmigen. Anlass ist das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene Paulusjahr, das Mitte 2009 endet. Bei einem Besuch in Tarsus im Oktober verwies Meisner auf das Recht auf Religionsfreiheit, das auch für Minderheiten gelte.
German Meisner zieht Parallele zwischen Bankenkrise und Aufstieg Hitlers
Dec 12, 2008

Köln - Der Kölner Kardinal Joachim Meisner warnt unter dem Eindruck der derzeitigen Wirtschaftskrise vor Verhältnissen wie am Ende der Weimarer Republik. «Da haben wir dann so einen Kerl wie Hitler bekommen», sagte der 74-jährige Erzbischof im Internetfernsehen ksta.tv des «Kölner Stadt-Anzeiger». «Da müssen wir wirklich wachsam sein.» Es erfülle ihn mit «heiligem Zorn», wie die Banker mit dem Geld anderer Leute umgegangen seien, zitierte ihn der «Stadt-Anzeiger» am Freitag. «Ich dachte immer, sie wären Treuhänder des Kapitals anderer Leute, dass es bei ihnen in guten Händen ist.»
German Im Gebet verbunden
Dec 10, 2008
Kardinal Meisner kondoliert zum Tod von Alexij II.

Zum Tod von Patriarch Alexij II. hat Erzbischof Joachim Kardinal Meisner dem in Düsseldorf residierenden russischorthodoxen Erzbischof Longin kondoliert. Der gemeinsame christliche Glaube lehre, dass der Tod kein Verschwinden, sondern ein Wechsel „von der Vorläufigkeit in die Endgültigkeit, von der Fremde in die Heimat“ sei, schreibt Meisner.

Dennoch bedeute der Tod Trennung und Abschiednehmen. Dem verstorbenen Patriarchen sei er gelegentlich persönlich begegnet und ihm und den ihm anvertrauten Gläubigen stets im Gebet verbunden gewesen, so der Kardinal. „So bete ich auch weiterhin für Patriarch Alexij II., dass der Herr alles Gute seines priesterlichen und bischöflichen Dienstes annehme und alles, was bruchstückhaft und unvollendet geblieben ist, in seiner Liebe vollenden möge.„
German Finanzkrise darf nicht zu Lasten der Ärmsten gehen
Dec 10, 2008
Kölner Erzbischof gegen Kürzungen bei Entwicklungshilfe

Köln, 10.12.08 (KAP) Der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner warnt angesichts der Wirtschaftskrise davor, die Entwicklungshilfe zu kürzen. "Es ist zu befürchten, dass es ausgerechnet die Ärmsten in der Welt besonders hart trifft, wenn jetzt die Entwicklungshilfe finanziell zurückstehen muss", sagte er am Mittwoch in einem Interview mit der deutschen katholischen Nachrichtenagentur KNA in Köln. Die Verantwortlichen in der Wirtschaft sollten sich bewusst machen, dass hinter ihren "unvorstellbaren Milliardensummen" konkrete Menschen stünden.

"Wir sind herausgefordert, uns für arme Menschen tatkräftig einzusetzen", betonte der Erzbischof. Durch die Krise würden Familien in ihrer Existenz bedroht. Zahllose Arbeitsplätze seien in Gefahr. "Die Wirtschaft muss den Menschen dienen, und die Verantwortlichen müssen ihrer Verantwortung auch wirklich gerecht werden", sagte Meisner.

Zugleich sprach er Betroffenen der Finanzkrise Mut zu: "Nicht jede irdische Katastrophe wird zur Lebenskatastrophe." Letztlich sei der größte Reichtum, den ein Mensch haben könne, der Glaube an Gott. Meisner: "Mit meinem Gott springe ich über Mauern, sagt der Psalmist. So lässt sich über viele Tiefs hinwegkommen."

Im Blick auf seinen 75. Geburtstag am 25. Dezember sagte Meisner, er hoffe, die Feiern und Festreden gut zu überstehen: "Da wird einiges über mich hinwegrollen." 800 Gäste seien geladen. Er wünsche sich, von den Gratulanten nur Dinge zu hören, "an die die Redner auch glauben", sagte der Erzbischof augenzwinkernd.

Aus Anlass des Geburtstags sind für 11. Jänner ein Dankgottesdienst im Kölner Dom und eine Festakademie im Kölner Maternushaus geplant. Zelebrieren wird Kardinal Peter Erdö aus Budapest, der Vorsitzende des Rats der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE), mit dem Meisner befreundet ist.
German Gotteslinie schneidet Weltlinie
Dec 06, 2008
Die meisten der Heiligen, die im Kölner Dom und in den weiteren Kirchen der Domstadt verehrt werden, stammen von außerhalb. Nicht so der hl. Bruno. Gastautor Joachim Kardinal Meisner erklärt den Sinn des Kreuzes im Kartäuserorden.

Kardinal Josef Frings pflegte die Bezeichnung „Heiliges Köln“ damit zu erklären, dass die vielen Heiligen, die im Dom und in den Kölner Kirchen verehrt werden, von außerhalb kämen. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel: Der hl. Bruno, gestorben am 6. Oktober 1101 in Kalabrien (Unteritalien), war ein Kölner. Er entstammte einer Patrizierfamilie aus dem Kunibertsviertel. Der von ihm gegründete Kartäuserorden ist in der katholischen Kirche der einzige, der noch nie reformiert zu werden brauchte, weil er in großer Treue an seinem Ordensideal festgehalten hat. Und sein Ideal ist das Kreuz. „Stat crux, dum volvitur orbis“ schrieb der hl. Bruno über jede Pforte seiner vielen Klöster: „Das Kreuz steht fest, während die Welt sich dreht.“ Das Kreuz ist, um es formelhaft zu sagen, das Plus gewordene Minus der Welt durch den Einsatz Gottes. Die horizontale Weltlinie wurde von der vertikalen Gotteslinie durchkreuzt, so dass daraus dann das Pluszeichen entstand.

Die Kartäuser beginnen immer am 14. September die große Fastenzeit, die bis zum Osterfest andauert. An dem Datum feiert die Kirche den Tag, an dem die hl. Helena, Mutter Kaiser Konstantins des Großen, der Überlieferung nach im Jahre 320 in Jerusalem das Kreuz Christi auffand. Die lange Fastenzeit hat den Sinn, die Mönche der Gestalt des Kreuzes anzugleichen. Sie haben „horizontal“ die Lasten, Sorgen und Leiden der Welt zu den ihrigen zu machen, um ganz besonders durch ihr Gebet und ihren radikalen Einsatz vor dem Angesichte Gottes die weltliche Minuslinie von oben her „vertikal“ durch die Gotteslinie zu durchkreuzen. Darum sind die schweigenden Mönche, die nie predigen und in der Öffentlichkeit auftreten, so wichtig für das Heil der Welt geworden. Und in Verfolgungszeiten waren sie immer die ersten, die als Christen zu Opfern wurden. Der unheilige Geist wittert wohl die Zentren Gottes in der Welt, die zugunsten der Welt präsent sind.

In Köln gab es immer eine große Kartause. Die Kirche und das Areal des Klosters sind heute noch in der Südstadt erhalten und dienen der Evangelischen Kirche in Köln als Verwaltungszentrum. Das alte Kar-täuserkloster ist im Zuge der Säkularisation untergegangen. Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts befand sich im Erzbistum Köln noch eine Kartause in Düsseldorf. Sie wich dem Bau des Flughafens. Heute besteht sie in der Marienau in der Nähe von Bad Wurzach (Allgäu) fort - als einziges Kartäuserkloster im deutschsprachigen Raum.

Vor einiger Zeit wurde in unseren Kinos der Film „Die große Stille“ von Philip Gröning gezeigt, der mehr als zweieinhalb Stunden dauert. In ihm wird kaum ein einziges Wort gesprochen, es wird nur das Leben der schweigenden Kartäusermönche dargestellt. Der Film hat eine sehr starke Ausstrahlung. Je-der spürt, dass hier Christentum konsequent gelebt wird. Der Kreuzesmann aus Köln, der hl. Bruno, hat der Welt ein Vermächtnis hinterlassen, das seinesgleichen sucht.
German Gottesglaube gut für die Gesellschaft
Dec 05, 2008
Kardinal Meisner: Religionen wirken sich positiv auf den Sozialstaat aus

Ein Rechts- und Sozialstaat muss nach Ansicht des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner Interesse an der Existenz von Religionsgemeinschaften haben. Der Gottesglaube habe nachweislich positive Auswirkungen auf das soziale Leben, sagte er am Mittwochabend in Düsseldorf.
Der Erzbischof sprach beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen des Katholischen Büros in Düsseldorf. US-Studien hätten bewiesen, so der Kardinal dass religiöse Menschen weniger anfällig für Drogen, Kriminalität und psychische Probleme seien. Jede Gemeinschaft brauche eine tragfähige Ethik. „Wenn Gott nicht existierte, wäre alles erlaubt“, zitierte Meisner den Schriftsteller Fjodor M. Dostojewski.

Die Kirchen hätten viel Konkurrenz in der Sinnstiftung bekommen, erklärte Meisner. Wenn ihre Werte verloren gingen, entstehe eine Lücke, die sich „mit alternativen Sehnsuchtsbewegungen und fundamentalistischen Sekten“ fülle. Der zu Recht weltanschaulich neutrale Staat könne diese Lücke nicht selbst füllen. Er müsse auch daher am Bestehen der Kirchen interessiert sein, so der Kardinal.

Meisner hob hervor, dass die Kirchen keine Gesellschafts- oder Wirtschaftsmodelle normativ vorschreiben wollten. Vielmehr gehe es ihnen darum, die eigenen Werte in die gesellschaftliche Gestaltung und Debatte einzubringen. Der Kardinal bezeichnete dies vor allem als Aufgabe der Laien in der Kirche, die darin oft bessere Fachleute seien.

Das Katholische Büro in Düsseldorf vertritt als Kontaktstelle die fünf Diözesen in Nordrhein-Westfalen gegenüber Landtag und Regierung. Sie war 1958 als erstes Länderbüro der Kirche in Deutschland gegründet worden. An dem Empfang am Gründungsort Maxhaus nahmen rund 200 Vertreter aus Politik, Kirchen und Medien teil, darunter Landtagspräsidentin Regina van Dinther und NRW-Familienminister Armin Laschet (CDU).
German Meisner „macht noch ein bißchen weiter“
Nov 28, 2008

Kardinal Joachim Meisner bleibt bis auf weiteres Erzbischof von Köln. Papst Benedikt hat den Rücktritt, den Meisner nach den Regeln des Kirchenrechts eingereicht hat, nicht angenommen, sondern bittet den Metropoliten um einen Verbleib im Amt. Ein entsprechendes Schreiben wurde Kardinal Meisner über die Nuntiatur in Berlin zugestellt. Meisner wird am Ersten Weihnachtsfeiertag 75 Jahre alt.
„Ich habe dem Papst schon am 14. September geschrieben: Heiliger Vater, laut Kanon 401 § 1 muß ein Bischof mit vollendetem 75. Lebensjahr seine Emeritierung einreichen – das tue ich hiermit. Mach, was Du willst! Ich bereit, zu tun, was der Papst verfügt. – Und ich habe den Eindruck, der Papst gibt mir in gewisser Weise eine Retourkutsche, denn ich habe ihn zweimal vor dem Konklave besucht, eine Woche bzw. einen Tag zuvor, und ihm gesagt: Joseph, wenn das auf Dich zukommt – dass Du ja nicht nein sagst! Du mußt Papst werden! – Er: Du bist verrückt. – Ja, sag ich, um der Kirche willen nehme ich das auf mich... Und er ist immerhin, als er Papst wurde, drei Jahre älter gewesen als ich. Jetzt gibt er mir also den guten Rat zurück: Mach noch ein bißchen weiter. Wie lange, das hat er nicht gesagt.“
German Meisner bietet Rücktritt an
Nov 25, 2008
Kölns Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat dem Papst jetzt - kurz vor seinem 75. Geburtstag am 1. Weihnachtsfeiertag - seinen Rücktritt angeboten - wie dies alle Bischöfe obligatorisch tun. Thomas Franke sprach dazu mit dem stellvertretenden Bistumssprecher Christoph Heckeley.

Wie haben wir uns das Schreiben von Joachim Kardinal Meisner an den Papst vorzustellen? In welcher Sprache wurde es verfasst und mit welchen Formulierungen wurde denn Benedikt XVI. der Rücktritt angeboten?

Das weiß ich gar nicht. Bekannt ist nur, dass das Schreiben des Kardinals ganz normal mit der Post versandt wurde. Im Codex Iuris Canonici - dem Gesetzbuch der Katholischen Kirche von 1983 - heißt es zu einem Rücktrittsgesuch eines Bischofs im Kanon 401, Paragraph 1, lediglich: Mit Vollendung des 75. Lebensjahres bietet ein Bischof dem Papst seinen Rücktritt an.

Und was passiert jetzt? Steht denn zu erwarten, dass Papst Benedikt XVI. das Angebot aus Köln annimmt?

Das müssen wir zunächst abwarten. Und der Kardinal sagt selbst, er tut das, was der Papst wünscht.

Muss Erzbischof Meisner nun sein Rücktrittsangebot zu einem festgelegten Zeitpunkt - vielleicht jedes Jahr - wiederholen?

Nein, das ist nicht notwendig. Annehmen jedenfalls muss der Papst ein Rücktrittsangebot nicht.

Es heißt sogar, es könne eventuell zunächst gar keine offizielle Reaktion aus dem Vatikan auf das Schreiben geben. Wie geht es in einem solchen Fall im Erzbistum weiter?

Dann bleibt der Kardinal weiter im Amt. Ein Rücktrittsangebot wird erst mit der Annahme wirksam. Seine beiden unmittelbaren Vorgänger, Erzbischof Kardinal Frings und Erzbischof Kardinal Höffner waren beide noch mit über 80 Jahren im Amt.
German „C“ als Verpflichtung und Maßstab
Nov 17, 2008

Der Kölner Erzbischof erinnert Politiker aus „C“-Parteien an ihre Verpflichtungen. In Europa sei es „längst nicht mehr die Regel, dass Parteien die Erinnerung an ihre christliche Herkunft in ihrem Namen wachhalten“, schreibt Kardinal Joachim Meisner in einem Artikel der „Frankfurter Allgemeinen“ vom Montag. Umso mehr müßten sich „C“-Politiker „an dieser Verpflichtung messen lassen - und sich gefallen lassen, dass der dazugehörige Maßstab nicht von den Parteien selbst festgelegt wird, sondern aus den Wahrheiten und Normen des Christentums heraus, die vorgegeben sind“. Aus der Bibel lasse sich zwar kein Parteiprogramm „eins zu eins ableiten“, so Meisner: „Parteien, die dies immer wieder versuchten, sind bisher in unserem Land ohne Erfolg geblieben, und das hat sicher seinen guten Grund.“ Aber Bibel und christlicher Glaube enthielten „sehr wohl einige zentrale Vorgaben für die Politik“, vor allem in Sachen Menschenwürde und Lebensschutz. Das christliche Menschenbild, von dem Politiker gerne sprächen, komme „in der politischen Praxis leider oft zu kurz“, urteilt der Kardinal. Und wörtlich: „Wie kann es sein, dass vor einigen Monaten in der Entscheidung des Bundestages über das Stammzellgesetz sowohl Gegner als auch Befürworter der embryonalen Stammzellforschung meinten, sich auf dasselbe christliche Menschenbild berufen zu können, bedauerlicherweise sogar bis in die evangelische Kirche hinein? Hier zeigt sich, dass die Berufung auf dieses Menschenbild für viele offenbar zur bloßen Formel verkommen ist.“
German Segen für Wesselinger Rettung
Nov 16, 2008
Bei der Einsegnung der neuen Rettungswagen in Wesseling lässt sich der hohe Hirte von Kindern helfen und verleiht dabei für kurze Zeit seinen Stab.

Wesseling / Brühl - Kardinal Joachim Meisner ist in Fahrt. Eindringlich beschwört er in seiner Predigt die Gemeinde - „liebe Freunde“, wie er sie nennt - die Kirche zu ehren, denn sie sei die Leiter in den Himmel. Die Kirche St. Marien ist 50 Jahre alt geworden, und es kommt dem Kardinal zu, die Ehrenpredigt zu halten. Deswegen geht es um die Bedeutung der Kirche, sowohl symbolisch als auch im Leben der Menschen. Diese Kirche sei die direkte Verbindung zwischen der Stadt Wesseling und dem himmlischen Jerusalem. Aber er wäre nicht der streitbare Kölner Erzbischof, wenn er nicht Seitenhiebe auf die modernen Zeiten und Eitelkeiten austeilte. Er redet gegen Selbstverwirklichung und die Idee, die Erde ohne Perspektive auf den Himmel retten zu können.

Doch dann beendet er seine philosophischen Ausführungen und kehrt zurück in die Realität: Schließlich geht es bei seinem Besuch in Wesseling neben dem Kirchenjubiläum auch um die Einsegnung eines Rettungswagens und eines Personenwagens, die für die Malteser Brühl-Wesseling bestimmt sind. Er lässt sich dabei, ganz Hirte, von Kindern aus der Gemeinde helfen, die aussuchen dürfen, welcher Wagen zuerst drankommt. Anschließend dürfen sie sogar selbst segnen. Den Hirtenstab hält ein weiterer Junge während der Zeremonie. Als dieser den Stab zurückgeben muss, schaut er ein wenig traurig. Er müsse erst Bischof werden, um wieder einen zu bekommen, sagte Meisner gut gelaunt.
German Kardinal Meisner: Union soll christliches Menschenbild ernstnehmen
Nov 16, 2008

Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner hat die Unionsparteien ermahnt, die Berufung auf das christliche Menschenbild nicht zur bloßen Formel verkommen zu lassen. Niemand könne ernsthaft behaupten, dass sich aus der Bibel ein Parteiprogramm oder parteipolitische Handlungsanweisungen eins zu eins ableiten ließen, schrieb der Kölner Kardinal in einem Beitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Montagsausgabe). Bibel und christlicher Glaube enthielten aber einige zentrale Vorgaben für die Politik. „Sie betreffen vor allem die Würde und das Lebensrecht des Menschen.“ Dieses sei „unverhandelbar, für jede Partei und für jeden Staat, der beansprucht, ein Rechtsstaat zu sein“.
German Kardinal Meisner kommentiert neues Fachbuch von Hänsel-Hohenhausen
Nov 14, 2008
Kardinal Meisner: Eine verantwortlich durchgeführte Forschung gerät niemals in Konflikt mit dem Glauben.
Kommentar des Kardinals zum Essay „Ich denke, also glaube ich“ von Markus v. Hänsel-Hohenhausen

(firmenpresse) - Die These von Hänsel-Hohenhausen: Glauben und Vernunft sind keine Gegensätze, wie heute ganz allgemein geglaubt wird, sie stehen auch nicht zusammenhanglos nebeneinander, sondern sie bedingen sich wechselseitig. Die Spaltung der Wirklichkeit in Materie, die das Leben der modernen Gesellschaft prägt, und in Geist, der angeblich nicht existiert, soll die behauptete Eigenmacht des Subjekts sichern. Diese angebliche Herrschaft des Individuums über eine geistfreie, materielle Welt macht es jedoch in Wahrheit nicht frei, sondern, da es nur noch Materie gibt, verfügbar. Es gibt keinen anderen Ort mehr, wenn es nur noch Materie gibt. Seine Freiheit von der Diktatur des Materialismus kann das Individuum nur durch Kenntnis zurückgewinnen, die darin mündet, daß Glauben und Vernunft in Wahrheit zwei Perspektiven auf dieselbe eine Wirklichkeit sind.
Um diese These zu prüfen, argumentiert die Schrift nicht theologisch, sondern betrachtet die Naturwissenschaften (Mathematik (Mengenlehre, Logische Antinomien, Endlichkeit des Invariantensystems, Goldbachscher Satz, Zahlensymmetrien, Goldener Schnitt, Fraktale, Iteration, Gödel, Hilbert, Raumkrümmung und Geometrie etc.), Biologie (Zikadenzyklen, Einnistung des Fötus, Evolutionstheorie etc.), Physik (Quantentheorie, Unschärfe, Teilchenphysik als Supersymmetrie, Anthropisches Prinzip etc.), Wissenschaftstheorie (Reduktivität, Binarität, Analogie als Beweistechnik, Entpersonalisierung, Hypothetisierung, Intuition, Eidetik)).

Kardinal Meisner verweist hierzu in seinem Vorwort zum Buch Hänsel-Hohenhausens auf das Zweite Vatikanische Konzil: Eine saubere und verantwortlich durchgeführte Forschung werde „niemals in einen echten Konflikt mit dem Glauben kommen, weil die Wirklichkeiten des profanen Bereichs und die des Glaubens in demselben Gott ihren Ursprung haben“.
Der Kardinal mahnt allerdings auch an: „Immer wieder ist zu beobachten, wie Naturwissenschaftler signifikante Ergebnisse ihrer Forschungen präsentieren, bei deren Interpretation aber doch deutliche Grenzen demonstrieren. Zugleich hinkt ebenso mancher Geisteswissenschaftler dem hinterher, was man heute wissen kann. Ob es zu Beginn des 3. Jahrtausends einen doctor universalis wie einst den großen heiligen Albertus überhaupt noch geben kann, wage ich nicht zu sagen – aber ganz gewiß fehlt er uns.“
German Roggendorf: Kardinal Meisner erinnert an Samtene Revolution
Nov 14, 2008

Wien, 14.11.08 (KAP) An die kirchliche Vorgeschichte der tschechoslowakischen Samtenen Revolution des "Wende"-Jahres 1989 hat der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, bei der Monatswallfahrt des Benediktinerpriorats Maria Roggendorf bei Hollabrunn erinnert. Er habe in seiner Zeit als Bischof von Berlin - mit Sitz in Ostberlin - zahlreiche tschechische Priester geheim geweiht. Als am 12. November 1989 die Premysliden-Prinzessin Agnes von Böhmen (1211-82) von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen wurde, seien viele dieser Priester nach Rom gekommen, berichtete Meisner.

Die meisten dieser Priester seien vor der Heiligsprechungsfeier 1989 "nieöffentlich in Erscheinung getreten", in Rom aber hätten sie erstmals konzelebriert. Meisner wörtlich: "Ich habe einem gesagt: 'Seid ihr verrückt? Wenn ihr wieder nach Hause kommt, werde ihr alle eingesperrt!' Sie antworteten: 'Wir gehen nicht mehr in die Katakomben. Wir bekennen unser Priestertum ab heute in aller Öffentlichkeit - komme, was da kommen mag!' Und was kam: die sogenannte Samtente Revolution".

Zu den prominenten Bischöfen, die im geheimen für Böhmen, Mähren und die Slowakei Priester und Diakone geweiht hatten, gehörte auch der Krakauer Erzbischof Karol Wojtyla, später Papst Johannes Paul II. Vor allem aber waren Bischöfe im ehemaligen Ostdeutschland Konsekranten: Neben Meisner waren das in erster Linie die inzwischen verstorbenen Bischöfe Gerhard Schaffran von Dresden (1912-96) und der Erfurter Bischof Hugo Aufderbeck (1909-81).
German Predigt beim Gottesdienst mit dem Zentral-Dombau-Verein im Dom zu Köln am 9. November 2008
Nov 09, 2008

Liebe Schwestern, liebe Brüder!
1. Die Heilsgeschichte ist von Anfang an eine Suche des Menschen nach der letzten Heimstatt. Die Erde
ist bewohnbar, weil Gott sie für den von ihm geliebten Menschen als eine solche Heimstatt bereitet hat. Aber
sobald sich sein Herz umdreht und er seinen Ursprung vergisst, wird die Heimstatt zum Versteck für seinen
Egoismus. Sie öffnet sich dann nicht mehr zum Empfang und zur Begegnung, sondern sie verschließt sich in
Selbstgenügsamkeit und Selbstgerechtigkeit. Und nun macht sich Gott auf den Weg, um den Menschen zu
suchen: „Adam, wo bist du?“ (Gen 3,9), so heißt es am Anfang der Zeiten in der Schöpfungsgeschichte des
Alten Testamentes. Und als die Fülle der Zeiten gekommen war, spricht Jesus: „Der Menschensohn ist gekommen,
um zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lk 19,10).
Darum ist die Geschichte Gottes mit dem Menschen von Anfang an immer auch die Geschichte der Suche
Gottes nach dem Menschen. Gott findet den Menschen dann unverlierbar im Gottmenschen Jesus Christus,
der vom Vater ausgeht, in die Welt kommt, ein menschliches Antlitz annimmt, um uns dann in das Haus Gottes
zurückzuführen. Haben das die beiden ersten Jünger geahnt, als sie auf die Frage Jesu: „Was wollt ihr?“
antworteten: „Meister, wo wohnst du?“ (Joh 1,38). Es war um die zehnte Stunde, fast wie jetzt. Sobald das
Herz Mariens ganz vom Glauben durchwohnt war – „Ich bin die Magd des Herrn“ (Lk 1,38) – wohnt oder
haust der Sohn Gottes in Treue auf dieser Erde inmitten seiner Kirche bis zur Vollendung der Zeiten.
2. Seitdem ist die Kirche der theologische Ort, wo Gott gesucht und gefunden werden möchte. Damit
steigert die Kirche die Bewohnbarkeit dieser Welt. Wie die Ansehnlichkeit unserer Städte und Dörfer durch
die Kirchen gesteigert wird – Was wäre Köln ohne seinen Dom? –, so wird durch die Anwesenheit Gottes in
unserer Welt die Bewohnbarkeit der Erde gesteigert. Denn nur dort gibt es noch Raum für den Menschen, wo
die Welt auch immer noch für die Gegenwart des lebendigen Gottes eingeräumt ist. Das aus Steinen erbaute
Haus Gottes, die Kirche, ist ein Raum unserer Welt. Und doch ist sie durch die Konsekration, durch die Weihe,
zu einem durch die Auferstehung Christi aufgesprengten Raum geworden. In ihm feiern wir das Geheimnis
seines Leibes, die heilige Eucharistie. Diese Stätte wird dabei zu einem Ort, wo die Verheißung „Letzte Heimstatt“
sich erfüllt. Denn der Tod ist letztlich dann nur noch der Umzug von einem Raum dieses Hauses in den
anderen.
3. Das Haus des Vaters wird uns in diesem Raum, in unserem Dom, sakramental, d.h. real zeichenhaft,
erfahrbar. Seine Wände öffnen sich jenseits ihrer selbst auf das kommende Reich Gottes zu. Die Steine, gesalbt
vom heiligen Chrisam, werden die lebendigen Steine des neuen Jerusalem. Der Altar in unserer Mitte
zeigt, dass dieser Raum ein dem kommenden Christus geöffneter Raum, ein wartender Raum und ein erfüllter
Raum ist. Der Raum eines Hauses erwartet die Ankunft seiner Bewohner. Der sakramentale Raum dieser
Kathedrale ist Träger einer ganz neuen Erwartung. Über die feiernde Gemeinde hinweg steht er offen, hin zu
denen, die nicht anwesend sind oder die nicht wissen, dass ihre wahre Heimstatt der Leib Christi, das ist die
Kirche, ist. Für die Nichtanwesenden und für die Nichtwissenden, die aber mit uns berufen sind, wird täglich
seit Jahrhunderten an dieser heiligen Stätte die heilige Eucharistie gefeiert. Als Zeichen für den wartenden
Vater ist dieser Raum Zeichen einer Gegenwart, die reines Geschenk, reine Gnade, Teilhabe, Friede und Freude
im Heiligen Geist ist. Deshalb ist dieser Ort Erwartung und Erfüllung zugleich. Und darum singen wir bei jeder
Eucharistiefeier: „Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst
in Herrlichkeit“. Die sakramentale Gegenwart von Tod und Auferstehung in unserem Dom ist die Garantie für
die zukünftige Herrlichkeit im Himmel.
4. Deshalb müssen unsere Kirchen offene Häuser sein! Der versperrte Kirchbau ist Ausdruck einer Kirche,
die nicht mehr von innen her offen sein kann, weil sie dem Ungeist der Zeit von außen nicht mehr gewachsen
ist. Solche Kirchen werden dann zu Museen, wenn sie geschlossen sind, und sie werden ausgeraubt,
wenn sie offen stehen bleiben. Dass unser Dom immer geöffnet ist, vom frühen Morgen bis zum späten
Abend, lassen wir uns etwas kosten. Und damit wird deutlich, dass wir eine „offene Kirche“ sind: für alle
Menschen guten Willens offen.
Der Dom ist nicht nur der Raum, in dem am frühen Morgen etwas geschieht und dann noch vielleicht am
Abend, und dann steht er den ganzen lieben langen Tag leer. – Nein, hier im Dom ist immer Kirche, weil in
ihr das Geheimnis der Eucharistie gegenwärtig bleibt, wie uns der Tabernakel in der Sakramentskapelle anzeigt,
und weil wir im Zugehen darauf immerfort im Gottesdienst der liebenden, der glaubenden und der
betenden Kirche eingeschlossen sind. Das Maß der inneren Offenheit der Kirche wird sich darin zeigen, ob sie
ihre Türen offen halten kann, weil sie auch eine durchbetete Kirche ist. In jedem menschlichen Haus ist der
Raum Vermittler von Gegenwart. In diesem Hause Gottes können wir – Dank seiner grundsätzlichen Offenheit
auf Gott hin – seinem Worte lauschen, können es betrachten, können von ihm gleichsam aufgesogen
werden. Und das Schweigen, das uns dabei umfängt, ist ein integraler Bestandteil des sakramentalen Raumes
dieser Kirche selbst. Das Schweigen des Herzens ist unsere Antwort auf das uns geschenkte göttliche Wort.
Das Schweigen der Augen ist unsere Hingabe an das uns erleuchtende Licht.
5. Alles in unserer Welt unterliegt der Abnutzung, dem Verbrauch, des Alterns. Darum sind hier immer
wieder Gerüste an unserem Dom sichtbar, um den Alterungsprozess der Steine, des Holzes oder des Glases
aufzuhalten. Nur Christus selbst ist diesem Prozess entzogen, denn er ist derselbe, gestern, heute und in
Ewigkeit. Alle Reiche dieser Welt sind begrenzt durch die beiden Geschichtszahlen: von – bis. Nur das Reich
Gottes dauert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Indem Christus hier auf dem Domberg seit fast 2000 Jahren gegenwärtig
ist, bekommt der Domfelsen mit dem Gotteshaus Anteil an der Dauer Christi, der derselbe gestern,
heute und in Ewigkeit ist. Christus ist das Fundament, das diesen Dom trägt.
Die christliche Kunst gibt Christus, dem Kind, schon den schweren Erdball in seine Kinderhände. – Der Herr
trägt. Die Menschen laden ihm später das Kreuz auf seine Schultern. – Der Herr trägt. Und schließlich wälzen
sie dann den Stein, die Last der Sünde auf sein Ostergrab. – Der Herr trägt. Christus gibt in der Person des
Petrus, der der Patron unseres Domes ist, seiner Kirche teil an seiner tragenden Kraft. Von sich aus ist Petrus
nur der Stolperstein. Von Christus aus ist er der tragende Fels. Der Grundstein, der den ganzen Bau trägt, ist
den Blicken der Menschen entzogen. Das scheint mir ebenfalls ein Gesetz im Reiche Gottes zu sein, dass die
eigentlich tragenden Kräfte der Kirche immer verborgen sind. Man sieht sie nicht, aber sie tragen das Ganze.
Das ist nicht nur im Leben der Kirche so, dass ist auch im Leben der einzelnen Christen so. Wir stehen auf den Schultern derer, die vor uns geglaubt, gehofft und geliebt haben. Ich kenne viele bedeutende Menschen in
Kirche und Welt, die nur deshalb eine Rolle gespielt haben, weil sie von irgendeinem anderen entdeckt, gefördert
und getragen wurden. Ohne sie gäbe es diese bedeutenden Persönlichkeiten nicht.
Weil Christus das Fundament dieses Hauses ist, darum haben unsere Vorfahren nicht auf Sand gebaut, und
darum sind die enormen finanziellen Anstrengungen des Zentral-Dombau-Vereins, nicht Geld, das in den
Sand gesetzt ist, sondern das auf dem Felsen aufbaut, der Christus selbst ist und von dem es heißt: „Die
Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18). Amen.
+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Eine Behörde schiebt die Entscheidung auf die andere ab
Nov 06, 2008
Kardinal Meisner bei Priesterrat zum geplanten Gotteshaus in Tarsus: "Seitens der türkischen Regierung „hören wir immer nur große Worte, aber wir sehen keine Taten

Köln (kath.net/PEK)
„Die Geistliche Berufung zum Priester- und Ordensstand im Erzbistum Köln“ war das Schwerpunktthema des Priesterrats, der vom 4. bis 6. November zu seiner diesjährigen Herbsttagung in Bensberg zusammengekommen war. In seinem Impulsreferat hob Erz­bischof Joachim Kardinal Meisner hervor, die Sorge um Priesterberufungen müsse „das lebendige Anliegen der ganzen Diözese auf Dauer hin“ sein. Religiös lebendige Pfarrgemeinden, christliche Familien, ein überzeugender Religionsunterricht und geistliche Angebote für suchende junge Menschen seien wesentliche Voraussetzungen für das Entstehen geistlicher Berufungen, auch wenn diese sich weder soziologisch noch psychologisch vollständig erfassen ließen.

Im allgemeinen Teil berichtete Kardinal Meisner über die fortgesetzten Bemühungen, im türkischen Tarsus eine bestehende Kirche übernehmen oder ein neues Gotteshaus bauen zu dürfen.
Seitens der türkischen Regierung „hören wir immer nur große Worte, aber wir sehen keine Taten“, bedauerte der Erzbischof. Nach den wohlwollenden Äußerungen von Ministerpräsident Erdogan im vergangenen Februar in Köln habe zuletzt auch der Präsident der obersten Religionsbehörde der Türkei, Ali Bardakoglu, in einem Interview mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ das Kirchbauprojekt in Tarsus ausdrücklich befürwortet.

Doch das Paulusjahr sei schon weit fortgeschritten, aber im Geburtsort des Völkerapostels gebe es keine Fortschritte, kritisierte Meisner. „Eine Behörde schiebt die Entscheidung auf die andere ab.“ Er habe deshalb in einem neuerlichen Schreiben an die türkische Regierung auf eine klare Antwort gedrängt.

Der Priesterrat informierte sich schließlich über den Stand des Strukturreform-Projekts „Wandel gestalten – Glauben entfalten“. Demnach haben bisher 174 Seelsorgebereiche ein Votum über ihre künftige Struktur abgegeben. Davon werden 100 Seelsorgebereiche Pfarreiengemeinschaften bilden, in 39 Seelsorgebereiche werden die Pfarreien fusioniert. In 13 Seelsorgebereichen laufen noch abschließende Beratungen, und 22 Seelsorgebereiche sind bereits fusioniert. - Zukünftig wird es im Erzbistum Köln 182 Seelsorgebereiche geben.
German Liebe der Menschen geht über Tod hinaus
Nov 02, 2008
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat in seiner Predigt zu Allerseelen auf die über den Tod hinaus währende Liebe der Menschen hingewiesen. „Die Liebe unserer Mitmenschen geht weiter“. Das sagte Kardinal Meisner im Kölner Dom. Auch die Solidarität und Dankbarkeit dauerten über den Tod hinaus an. Allerseelen ist im Festjahr der römisch-katholischen Kirche der Tag, an dem durch Gebet, Almosen und Fürbitte die Leiden der sogenannten armen Seelen oder der Verstorbenen im Fegefeuer erleichtert werden sollen.

Predigt zum Allerseelentag am 2. November 2008 im Hohen Dom zu Köln

Liebe Schwestern, liebe Brüder!
Im Schatten des Allerheiligentages steht der Allerseelentag. Alle Nebel und Dunkelheiten von Allerseelen weichen
vor der Sonne, die uns an Allerheiligen aufgegangen ist. Die Friedhofspforte wird uns dann zum Tor des Lebens.
Das Ego sum unserer Begräbnisliturgie, d.h. „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ ist stärker als das Lied vom
Schnitter Tod. Inmitten der Gräber steht normalerweise das Kreuz. Es reicht weit über den Friedhof hinaus mit
seinen Armen und seiner Liebe. Schützend und bergend hält der Gekreuzigte seine Arme auch über die Gräber
derer, die keine geweihte Unterkunft für ihre müden Leiber gefunden haben. Die Liebe des Kreuzes, in dessen
Zeichen sie starben, hat alle Schuld bezahlt und alle Sünde in Gnade verwandelt. Diese Gnade des Kreuzes wird für
unsere Verstorbenen wirksam durch unsere Gebete und Opfer. Wir feierten an Allerheiligen nicht bloß das Fest
derer, die in den Listen der kanonisierten Heiligen stehen. Wir feierten auch das Fest derer, die der Liebe Gottes ihr
Vertrauen nicht versagten.
Und damit sind wir schon beim Allerseelentag. Wir feiern heute das Gedächtnis derer, die geirrt haben, die
schwach waren, die aber zuletzt doch in die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes hineingestorben sind. Wir
feiern das Gedächtnis derer, die in ihrem Leben ganz schlichte und unbekannte Menschen waren, denen aber der
Herr vielleicht nach der Zeit der Läuterung, die wir Fegefeuer nennen, die Krone des Ewigen Lebens bereitet hat.
Es geht eine große Kraft von diesen beiden Tagen aus, die uns viel von der Ohnmacht des Menschen und der Allmacht
der Liebe Gottes erzählen können.
Wer aus der Dunkelheit in das helle Sonnenlicht gerät, dem wird zunächst schwarz vor den Augen, dessen Augenlicht
muss sich erst langsam an die strahlende Sonne gewöhnen. Das ist im Ewigen Leben nicht anders. Wer
aus dem Dunkel dieser Welt, in der er vielleicht dem Lichte Gottes gegenüber sehr verschlossen war, nach seinem
Tode in das strahlende Licht Gottes kommt, dem wird schwarz vor den Augen, der muss sich erst langsam und
mühsam an das überwältigende Licht der Liebe Gottes gewöhnen. Das nennen wir „Fegefeuer“. Und hier können
wir durch unser Fürbittgebet unseren Verstorbenen helfen, dass ihnen die Augen für die Herrlichkeit der Liebe
Gottes aufgehen, ohne von ihr geblendet zu werden.
Ich habe als Kind noch den Friedhof um unsere Heimatkirche erlebt. Die Sprache eines solchen Friedhofs habe
ich bis heute nicht vergessen. Das Gotteshaus, gebaut um den Tabernakel, in dem das Herz Gottes schlägt, strömt
eine Kraft aus, in deren Geborgenheit die Gräber so ruhig liegen wie Kinder in den Armen der Mutter. Nirgendwo
habe ich die Botschaft vom Ewigen Leben so intensiv empfunden wie auf unserem Friedhof, dessen Gräber sich dicht an die schützende Wand der Kirche heranschmiegten, die das ewige Licht im doppelten Sinne birgt. Die Welt
mag, so lange sie will, außerhalb der Friedhofsmauern ihre Tragödien und Komödien spielen. Auf den Friedhöfen
gelten diese Kulissen nichts. Hier ist in Wirklichkeit der Vorhof des Reiches Gottes. „Die Seelen der Gerechten sind
in Gottes Hand … In den Augen der Toren sind sie gestorben …; sie aber sind in Frieden“ (Weish 3,1-3), sagt die
Heiligen Schrift.
Wer im Schatten eines solchen Friedhofes, der gleichzeitig auch Kirchhof ist, aufgewachsen ist, der weiß um die
Wucht der Predigt, die stumme Gräber halten können. So ein sonntäglicher Gang zum Gotteshaus mitten durch
die Gräber der Verwandten und Freunde ist die beste Vorbereitung für die Mitfeier der heiligen Messe, in der alle
Rätsel des Lebens und Sterbens ihre Lösung finden, wenn das Kreuzesgeschehen Christi auf dem Altare gegenwärtig
wird. Wie ruhig kann das Auge der aus dem Gottesdienst Heimkehrenden dann auf die schlichten Grabkreuze
mit den bekannten Namen blicken, wenn sein Auge vorher gläubig auf den Kelch mit dem heiligen Blute Christi
geschaut hat. Was hat das Schwere und die Härte des Lebens, was hat die Not des Sterbens dann zu bedeuten,
wenn dahinter die Liebe wartet, von der der Kelch mit dem Blute Christi bei der heiligen Messe gesprochen hat?
Wir trauern um unsere Toten, weil wir auch ihre Liebe und ihre Sorge um uns entbehren. Manche meinen, da
stecke eine große Portion Egoismus darin. Vielleicht stimmt das! Aber der Mensch braucht Liebe und Sorge seiner
Mitmenschen, sonst verkümmert er wie eine Topfpflanze ohne Wasser. Darum bewegt uns in diesen Tagen des so
genannten Allerseelenmonats November die Dankbarkeit im Gedenken und im Gebet gegenüber unseren Verstorbenen.
Dankbarkeit für alles Gute, das wir von ihnen empfangen haben, das wir oft als so selbstverständlich angenommen
hatten und das uns erst in seiner ganzen Bedeutung für uns aufgeht, wenn sich der Sargdeckel über
einem lieben Menschen schließt. Darum bewegt uns oft auch Schuldbewusstsein, das manchmal am Grab zu spät
lebendig wird, weil wir dem Verstorbenen zu wenig für seine Treue und Liebe im Leben gedankt haben.
Freilich lässt uns der Glaube in dieser Situation nicht ohne Trost, weil er für die Dankbarkeit noch Wege über
das Grab hinaus weiß, indem wir für unsere Verstorbenen beten können, und die von Gott Heimgerufenen können
auch für uns vor Gott einstehen. Aber wir brauchen eigentlich gar nicht die Sorge und Liebe unserer Verstorbenen,
um uns nicht auf der Verlustseite unseres Daseins zu sehen, sondern der Allerheiligentag hat uns gezeigt, dass
ihre Sorge um uns wirksamer und kraftvoller wird, indem sie teilhaben an der Liebe Gottes, die nun in Fülle in ihre
Herzen ausgegossen worden ist. Wir leben alle mit dem lieben Gott. „Wer zum Herrn heimkehrt, der bleibt in der
Familie“, sagt der hl. Hieronymus ausdrücklich. Allerheiligen und Allerseelen sind Feste der Völker. Wir feiern und
beten für die, die aus allen Nationen kommen. Diese Tage sind Feste der Schwarzen und der Weißen, der Gelben
und der Roten. Sie sind wirklich Feste der internationalen oder besser der übernationalen Völkerfamilie.
Das Fest des Lebens feiern wir, und zwar des Leben mitten zwischen zwei Jahreszeiten: Der Herbst und der Winter
sind die Zeiten derer, die den Tod noch vor sich haben; der Frühling und der Sommer gehören zu denen, die im
Glauben den Tod überwunden haben. Im Schatten des Allerheiligentages steht darum der Allerseelentag. Wir singen
unsere Todeserfahrung in dem bekannten Kirchenlied: „Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“. Aber
seit der Auferstehung Christi muss das Lied andersherum heißen: „Mitten im Tod sind wir vom Leben umfangen“.
Unsere Heiligenfeste und unser fürbittendes Gedenken an die Verstorbenen wollen uns begleiten, und sie möchten
uns wie liebe Freunde und Mahner sein, damit wir nicht von der Spur abkommen. Die Heiligen und unsere
Verstorbenen sind ein Geschenk Gottes. Wir sollten diese Geschenke in großer Dankbarkeit annehmen. Sie können
uns zu jener ruhigen Gelassenheit verhelfen, die einem gläubigen Christen zu Eigen sein soll. Die Zeit wird uns alle
wieder vor ihren Karren spannen. Wir werden alle Kärrner sein müssen bis zu jenem Tag, da Christus, der König,
kommt, um uns heimzuholen. Aber wir brauchen den Karren nicht allein zu schieben. Die Liebe unserer Mitmenschen,
die uns einmal im Leben beiseite standen, geht weiter. Aber auch unsere Solidarität und Dankbarkeit mit
ihnen gehen weiter, über das Grab hinaus. „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns
an ihm freuen!“ (Ps 118,24). Amen
+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Kardinal bei Nightfever
Oct 22, 2008
Junge Christen sprachen am Samstag dem 18. Oktober 2008 im Rahmen der Veranstaltung „Nightfever“ Passanten an und luden sie zum Beten in dem Dom. Die meisten nahmen das Angebot an und ließen sich von der ganz besonders feierlichen Atmosphäre beeindrucken. Erstmals nahm auch Joachim Kardinal Meisner teil.

Innenstadt - Während auf der Hohe Straße die Wagen der Abfallwirtschaftsbetriebe die letzten Samstagseinkäufer zur Seite drängen und Männer in Orange den Müll einsammeln, den die Fußballfans hinterlassen haben, ist es im Dom ganz ruhig, nur eine Chorsängerin ist zu hören. Kerzen weisen den Weg vom Eingang des Nordportals bis zum Hochalter, wo vor dem Dreikönigen-Schrein das Allerheiligste, die Monstranz, steht. Auf Holzbänken sitzen die Menschen dicht beieinander und beten oder schreiben ihr Gebetsanliegen auf Zettel, die sie in einen Korb legen. Es sind gläubige und ungläubige Menschen, die zu „Nightfever“ in der Kathedrale zusammenkommen.

Junge Christen schenken auf der Domplatte Passanten ein Teelicht und laden sie ein, in den Dom zu kommen, um einen Moment innezuhalten. Die meisten nehmen das Angebot an, schleppen sämtliche Einkaufstaschen mit und lassen sich von der ganz besonders feierlichen Atmosphäre beeindrucken.

Zum 22. Mal findet die Veranstaltung statt, die auf die Initiative zweier Bonner Studenten zurückgeht, die unter dem Eindruck des Weltjugendtags 2005 zum ersten Mal fremde Menschen ansprachen und zum Beten bewegten. Danach gab es auch in anderen Städten „Nightfever“-Abende, in Köln wurden schon 1500 Menschen pro Veranstaltung auf den kleinen Pilgerweg in den Chorumgang gelockt. Wer reden oder beichten möchte, kann zu einem der Priester gehen, die sich entlang des Weges aufhalten. Erstmals nimmt dieses Mal auch Joachim Kardinal Meisner teil. In der Heiligen Messe überbringt er die besten Wünsche von ganz oben. „Der Papst zählt auf euch!“, sagt Meisner, der extra einen Tag früher von der Bischofssynode in Rom zurückgekehrt ist. „Ich habe dem Papst von »Nightfever« erzählt und Urlaub bei ihm beantragt.“ Das motiviert Caroline (16). „Wenn die Menschen merken, wie hilfreich es sein kann, mit anderen zu beten, kommen sie vielleicht wieder.“
German Entscheidend war, was Pius XII. tat, nicht was er sagte
Oct 22, 2008
Kölner Erzbischof würdigt bei Vortrag in Wien Eugenio Pacelli als "überragenden theologischen Lehrer" - Scharfe Kritik an Dramatiker Hochhuth: "Das ist emotional aufgeladene Geschichtsklitterung"

Wien, 16.10.08 (KAP) Als "überragenden theologischen Lehrer" hat Kardinal Joachim Meisner Papst Pius XII. gewürdigt. Bei einem Vortrag am Mittwochabend vor der "Österreich-deutschen Kulturgesellschaft" in Wien betonte der Kölner Erzbischof das theologische Erbe des Pacelli-Papstes und dessen große Auswirkungen auf das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965). Abgesehen von Zitaten aus der Heiligen Schrift sei beim Konzil keine Persönlichkeit so häufig zitiert worden wie Pius XII., so Meisner. Eine erneute Rezeption des reichhaltigen Werkes des Pacelli-Papstes sei "an der Zeit". Der Kölner Kardinal ging aber auch auf die Debatte um das Verhältnis von Pius XII. zum Nationalsozialismus ein. In diesem Zusammenhang wies der Kölner Erzbischof die Kritik vom "Papst, der geschwiegen hat" zurück: Entscheidend sei gewesen, was Pius XII. getan, und nicht was er gesagt oder worüber er geschwiegen habe.

Scharfe Kritik übte Meisner am Dramatiker Rolf Hochhuth, dessen 1963 uraufgeführtes Theaterstück "Der Stellvertreter" die These vom "Schweigen" des Pacelli-Papstes verbreitet hatte. Hochhuths Polemik sei inzwischen "in die Jahre gekommen", sagte der Kölner Erzbischof: "Sie hat auch durch die sich steigernde Aggressivität des Schriftstellers keine neue Überzeugungskraft gewonnen". Zuletzt habe Hochhuth seine Thesen nur dadurch retten können, dass er sich dem Dialog mit den neuen wissenschaftlichen Ergebnissen über Pius XII. verweigerte, meinte Kardinal Meisner. Hochhuths Darstellung, Pius XII. habe selbst dann noch geschwiegen, als die Juden Roms unter seinen Fenstern abtransportiert wurden, bezeichnete er wörtlich als "emotional aufgeladene Geschichtsklitterung".

Pius XII. habe zwar nicht verhindern können, dass die am 16. Oktober 1943 verschleppten 1.000 jüdischen Männer, Frauen und Kinder aus Rom ermordet wurden, so Meisner: "Die sofortige Reaktion von Pius XII. Reaktion führte aber dazu, dass nach dem 17. Oktober keine Massendeportationen aus Rom mehr stattfinden konnten". Zudem sei bereits zuvor rund die Hälfte der 8.000 Juden, die damals in Rom lebten, in Einrichtungen der Kirche untergebracht worden.

These vom "schuldhaften Schweigen" verfehlt

Kardinal Meisner kritisierte, dass die These vom "Papst, der geschwiegen hat" heute häufig als "eine selbstverständliche Tatsache" präsentiert werde, die keiner Überprüfung mehr bedürfe. Dabei sei längst keine Forschung mehr notwendig, um die These vom schuldhaften Schweigen des Papstes zurückzuweisen. Es lägen dazu vielfältige Ergebnisse der Zeitgeschichteforschung vor: "Das bezieht sich sowohl auf tatsächliche Stellungnahmen als auch auf die vielfältigen Formen humanitärer Unterstützung und diplomatischer Hilfe, für deren Erfolg es unabdingbar war, dass sie gerade nicht in der Öffentlichkeit passierte".

In seiner Weihnachtsansprache 1942 prangerte Pius XII. öffentlich die Verfolgung der vielen Hunderttausenden an, "die persönlich schuldlos, manchmal nur um ihrer Volkszugehörigkeit oder ihrer Abstammung willen dem Tod geweiht oder einer fortschreitenden Verelendung preisgegeben sind". Zur Kritik, dass der Papst damals nicht deutlich genug geworden sei, meinte Kardinal Meisner: "Pius XII. war überzeugt, dass alle verstanden, was sie da hörten". Und die empörte Reaktion der Nationalsozialisten auf die Ansprache habe gezeigt, dass die Botschaft auch in dieser Form des "uneigentlichen Sprechens" angekommen sei: "Die Rede ist eine einzige Attacke gegen alles, für das wir einstehen ... Er (Pius XII.) beschuldigt das deutsche Volk, Ungerechtigkeit gegenüber den Juden zu begehen und macht sich zum Sprecher der jüdischen Kriegsverbrecher", zitierte der Kölner Erzbischof zum Beleg aus Akten des NS-Reichssicherheitshauptamtes.

Gegen ein "offenes Wort" habe gesprochen, dass davon kein praktischer Erfolg zu erwarten gewesen wäre, erklärte Kardinal Meisner. Das Beispiel der Niederlande sei für Pius XII. "abschreckend" gewesen. Am 26. Juli 1942 hatten die niederländischen Bischöfe in einem Hirtenbrief die Maßnahmen der deutschen Besatzer gegen die Juden mit deutlichen Worten angeprangert. Als Antwort wurde die Verfolgung auch auf alle Christen jüdischer Herkunft ausgedehnt.

War nicht "Hitlers Papst"

Der Kölner Erzbischof wandte sich auch gegen die Position, wonach der "autoritäre antibolschewistische Eugenio Pacelli" mit dem antibolschewistischen Deutschen Reich sympathisiert habe und so zu "Hitlers Papst" geworden sei. "Pacelli sah das Dritte Reich zu keinem Zeitpunkt als Bollwerk des christlichen Abendlandes gegen die Ausbreitung des Bolschewismus durch die Sowjetunion und riet auch Papst Pius XI. dringend davon ab, solche Pläne in Erwägung zu ziehen", sagte Kardinal Meisner. Aus der eindeutigen Ablehnung des Bolschewismus durch Pacelli in Theorie und Praxis habe sich keine Unterstützung des Nationalsozialismus ergeben.

Vielmehr habe die Glaubenskongregation unter aktiver Beteiligung des damaligen Kardinal-Staatssekretärs Eugenio Pacelli in den Jahren 1935/36 Gutachten ausarbeiten lassen, die Nationalsozialismus, Rassismus, Kommunismus und Totalitarismus in gleicher Weise als Häresien verurteilten, so Meisner.

Die Beziehung Pius XII. zu Hitler sei eine Beziehung gegenseitiger Abneigung, ohne jeden persönlichen Kontakt gewesen. "Für Pacelli gab es weder weltanschaulich noch persönlich irgendeine Verbindung zu Adolf Hitler", unterstrich der Kölner Erzbischof. Allein seine Erfahrungen mit den kommunistischen und nationalsozialistischen Bewegungen während seiner Zeit als Nuntius in Deutschland hätten dafür ausgereicht, keinerlei Sympathien für die eine oder die andere Ideologie zu empfinden.

Zu dem Vortrag Kardinal Meisners konnte der Vorsitzende der "Österreichisch-deutschen Kulturgesellschaft", der frühere Bundesratspräsident Prof. Herbert Schambeck, u.a. den Apostolischen Nuntius, Erzbischof Edmond Farhat, sowie die Diözesanbischöfe Egon Kapellari, Klaus Küng und Elmar Fischer begrüßen.
German "Gott ist Fixpunkt unseres Lebens"
Sept 30, 2008
Der letzte Sitzungstag der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz wurde heute Morgen mit einer Pontifikal-Messe im Fuldaer Dom vor rund 200 Gläubigen eröffnet. Hauptzelebrant Joachim Kardinal Meisner (Köln) gedachte zunächst in einer Schweigeminute den im vergangenen Jahr verstorbenen Bischöfen Elmar Maria Kredel (Erzbischof, Bamberg) und Wolfgang Rolly (Weihbischof , Mainz).

(Osthessen News) 25.09.08 - FULDA - In seiner Predigt zeichnete der 74-Jährige das Leben des theologisch umstrittenen Heiligen Niklaus von Flüe nach, dessen Gedenktag am heutigen Donnerstag gefeiert wird. "Der heilige Klaus von der Flüe kann uns in seiner Berufung den Blick auf Gott hin freimachen. Denn ohne Gott, ohne diesen Fixpunkt außerhalb unserer selbst verrutscht das ganze Koordinatensystem unseres Lebens", so der Kölner Kardinal.

Hier die heutige Predigt von Joachim Kardinal Meisner IM WORTLAUT:

"Es gibt kaum einen Heiligen, der so viel Unverständnis und Ablehnung hervorruft, wie Bruder Klaus, der Landesvater und der Friedensstifter der Eidgenossenschaft in der Schweiz. Als Fünfzigjähriger – seine 10 Kinder waren schon erwachsen –, verließ er am 16. Oktober 1467 Haus, Hof und Familie, um irgendwo als Einsiedler eine Klause zu suchen und sich ausschließlich Gott hinzuwenden. Übrigens, etwas Ähnliches spielte sich im Leben der hl. Johanna Franziska von Chantal ab. Als junge Mutter von 29 Jahren mit 4 Kindern wird sie im Jahre 1601 Witwe. Mit 38 Jahren verlässt sie die gut versorgte Familie, um Gott in der Gründung des Heimsuchungsordens zu dienen. Und als sich dabei ihr Sohn Celse-Benigne in die Tür legte, um die Mutter in der Familie festzuhalten, schritt sie über ihn hinweg.

Auch das provoziert und rückt die Heilige in die Nähe des Pathologischen. Nur als Mutter Teresa von Kalkutta die Geborgenheit der Gemeinschaft bei den Loretoschwestern verlassen hatte, um Gott in den Armen zu dienen, nimmt niemand Ärgernis. Das passt wohl eher in unsere Vorstellungen von Gott und seinen Erwählten. " Nur wer Gott kennt, kennt den Menschen“, sagt Romano Guardini. Wir können aber auch umgekehrt sagen: Nur wer den Menschen kennt, der kennt auch Gott“. Der Lebensweg dieser ersten beiden großen Heiligen ist ein Hinweis darauf, wer Gott ist. Er ist nicht der gutmütige Großvater, der zu allem, was der Mensch sagt, denkt oder tut, „Ja“ und „Amen“ zu sagen hat, sondern diesen Gott erkennt man an seinen Forderungen. Sicher ist aus der Lebensberufung des hl. Niklaus von der Flüe keine Regel abzuleiten, aber das gibt es: Gott ist absoluter Herr des Himmels und der Erde und natürlich auch Herr des Menschen, sodass er im Einzelfall einen solchen Menschen aus den engsten Familienbanden herauslöst, um mit ihm seine speziellen Ratschlüsse in der Welt zu verwirklichen.

Er ist wirklich, wie der hl. Ignatius von Loyola definiert, der „Deus semper maior“, d. h. der je größere Gott, den wir mit unseren Denkkategorien nicht einfangen können. Ich persönlich habe am Schicksal des hl. Klaus von der Flüe mehr von der Gotteslehre begriffen als später in den theologischen Vorlesungen: Gott ist Herr, der Mensch ist sein Geschöpf, und der Christ ist Kind Gottes und Bruder Jesu Christi. Und wie der Vater im Himmel seinem Sohn vieles zum Heile der Menschen zugemutet hat, so tut der Sohn das mitunter an einem Menschen: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt“ (Joh 15,9). Und die Liebe Gottes wird oft in seinen Zumutungen an uns Menschen deutlich. Was ist das für ein Gott?

Ist er der Wirkliche oder müssen wir ihn uns erst als solchen erdenken? Ist er der Wahre oder müssen wir die Wahrheit selbst erfinden? Gott ist, das bedeutet: Es gibt die Hoheit der Wahrheit; es gibt die Würde des Rechts über allen Zwecken und über alle Interessen hinaus; es gibt den unantastbaren Wert des irdisch Wertlosen, z. B. den Wert des unheilbar Kranken, die Würde des ungeborenen Kindes; es gibt die Anbetung Gottes selbst, sein Lob, dass den Menschen vor der Diktatur der Zwecke und Zwänge schützt und allein imstande ist, ihn vor der Diktatur der vielen Götzen zu verteidigen. Was entsteht hier für eine Welt? Wahrlich, hier trifft das Herrenwort zu: „Wie im Himmel, so auf Erden“.

Das wird im Leben von Bruder Klaus von der Flüe deutlich. Seine Christusnachfolge wirkt wirklich befreiend. Denn der Grund dazu liegt nicht in den Dingen, die man ihm wegreißen und aus den Händen schlagen kann, sondern er liegt in der innersten Tiefe seines Daseins gegründet, die keine Macht der Welt zu entreißen vermag, nämlich im Dasein Gottes selbst. Jeder äußere Verlust sollte ihm zu einer Hinführung auf dieses Innerste werden und ihn reifer machen für seine missionarische Berufung an seinem Volk. Gottes Dasein ruft den Menschen in seiner Christusnachfolge über sich selbst hinaus. Es befreit ihn aus allen Bindungen an Menschen und Welt und erhebt ihn zu Gottes Größe. Wie wir wissen, geschieht das zugunsten der Menschen.

Der hl. Niklaus von der Flüe wurde auf einen Weg geführt, auf dem er nicht in die Versuchung kam, sich selbst oder die Dinge, die ihm am Herzen lagen, zu vergöttern. Auf einem solchen Weg klinkt der Mensch sich aus all dem aus, was für ihn eigentlich gang und gäbe ist, sich selbst zu bestimmen und zu verwirklichen. Wer heute – wie der hl. Niklaus von der Flüe damals – sagt, es gebe nur den einen und einzigen Gott, der wendet sich gegen die Anbetung der Macht und dagegen, Politik oder Reichtum oder Vergnügen oder Menschen absolut zu setzen. Dort, wo der Mensch sich Gott entzieht, da greifen all diese Dinge wie Götter nach dem Menschen. Aber wer wie Bruder Klaus von der Flüe sich ganz Gott verschreibt, der muss sich nicht mehr auf sich selbst stellen, der muss den Sinn seines Lebens nicht mehr in den Menschen oder Dingen um sich herum suchen, der braucht sich nicht mehr selbst von irgendetwas zu befreien, sondern der kann sich immer nur wieder befreien lassen.

Im hl. Bruder Klaus ist uns Gott so nahe und zugänglich geworden, dass wir ihn erreichen können. Gott ist so ohne Grenzen, dass er sich auf das Maß von Niklaus von der Flüe eingelassen hat. Seine kleine schlichte Klause hatte zwei Fenster. Das eine führte in die angrenzende Kapelle auf das Kreuzesbild über dem Altar, und das andere Fenster führte zu dem kleinen Vorplatz, zu dem permanent Menschen kamen, um in ihrer Not und Ausweglosigkeit seinen Rat zu erbitten. Gott reicht in das Geringste der Menschen hinein, weil nichts zu gering für ihn ist. Das macht er an Niklaus von der Flüe deutlich. Das höchste Wesen verliert sich nicht im Abstrakten. Es ist keine reine Mathematik des Alls, sondern lebendige persönliche Zuwendung. Gott ist nicht nur der „Deus semper maior“, der je größere Gott; er ist auch der „Deus semper minor“, d. h. der je kleinere Gott. Er passt in unsere Maße hinein. Und Niklaus von der Flüe ist in seinen kleinen und eng begrenzten Lebensverhältnissen ein authentischer Dolmetscher der großen Ratschlüsse Gottes für die Menschen und darum gerade für unsere Situation eine lichtvolle Gestalt.

Wem werden denn die Menschen in unserer von Zweifeln und Abfall geprägten Gesellschaft glauben? – Die Antwort kann doch eigentlich für vernünftige Menschen nur lauten: „Gott glauben“, denn er ist der Einzige, der den Glauben des Menschen rechtfertigt und nicht enttäuscht. Und wir glauben Gott nicht, um gut durchs Leben zu kommen, um einen festen Halt zu haben, um moralisch aufgebessert zu werden oder um die Welt zu erklären oder die Gesellschaft zu verbessern.

Nein, unser Gott ist keine Art von Zulieferungsbetrieb von Ersatzteilen für beschädigte menschliche Existenzen. Gott ist nicht Ersatzteil, „Gott ist mein Anteil auf ewig“, wie der Psalmist sagt (Ps 73,26). Dabei erinnert er sich an seinen Ackeranteil, den er bei der Landverteilung durch Auslosung erhalten hat. Von diesem ausgelosten Ackerteil muss er leben. Gott ist mein Lebensunterhalt, mein Lebenselixier. Er fungiert dabei nicht nur für uns als Geber aller guten Gaben, nein, er ist die gute Gabe selbst. Wir glauben Gott – wie Niklaus von der Flüe –, weil wir etwas von ihm erfahren haben, was für uns wahr ist, was uns Freude macht, was uns fasziniert und was wir den anderen einfach weitersagen möchten. Er erhält uns, und er trägt uns. Nicht wir fassen Gott an und halten ihn, sondern Gott fasst uns an und hält uns, und zwar jeden einzelnen Menschen.

„Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat“ (1 Joh 4,10), sagt der Apostel Johannes. Diese Verhältnisbestimmung ist die Mitte allen Glaubens und allen Vertrauens. Vertrauen ist nur ein anderer Name für Glaube. Vertrauen ist nicht zuerst Leistung des Menschen, sondern immer Geschenk Gottes. Der Grund unseres Glaubens liegt außerhalb von uns selbst. Nicht gläubige Gefühle in uns und die mehr oder weniger glaubensfeindliche Welt um uns sind entscheidend für unseren Glauben! Unser Glaube hat seinen Grund außerhalb von uns und unserer Umwelt, nämlich in Gott allein. Aber dieser außer uns liegende Grund steht zu uns in einer festen Beziehung.

Im Kreuz Christi greift Gott in unsere Welt ein und fasst uns buchstäblich unter die Arme. Darum werden wir manchmal gegen unsere eigenen Erfahrungen Gott darin Recht geben müssen, dass wir von ihm geliebt sind. Dafür steht der hl. Niklaus von der Flüe in der Kirche und in der Welt: Als Geschöpft Gottes trägt Niklaus von der Flüe die Spuren Gottes tief verborgen in sich selbst. In seinen Sehnsüchten nach Gott bewegten sie sein Herz, das nun für sein Volk offen stand. „Nur wer Gott kennt, der kennt den Menschen“, und nur wer den Menschen kennt, der kennt Gott. Wir lernen diesen Gott in der Klause im Ranft kennen, in der Niklaus von der Flüe betet und den Menschen beisteht.

Alles Machen-können nützt nichts, wenn wir nicht wissen, wozu es dient, wenn wir nicht mehr fragen, wer wir sind und was die Wahrheit der Dinge ist. Wenn nur jenes Wissen zählt, das sich am Ende durch ein Machen-können ausweisen lässt, dann sind wir kurzsichtige Toren, die ihr Leben auf Sand gebaut haben. Nur der inneren Wachsamkeit und der Fühlsamkeit für das Ganze der Welt, nur einer Demut des Denkens, die bereit ist, sich der Majestät der Wahrheit zu beugen, vor der wir nicht Richter, sondern Bettler sind, zeigt sich Gott als Urgrund der Welt. Das erleben wir in der Klause von Sachseln mehr als vielleicht in einem Hörsaal. Wenn schon gilt, dass die großen Ergebnisse der Wissenschaft sich nur langer, wachsamer und geduldiger Arbeit öffnen, die bereit ist, sich immer neu korrigieren und belehren zu lassen, dann versteht sich von selbst, dass die höchsten Wahrheiten eine große Beständigkeit und Demut des Hörens verlangen.

Es geht hier um die Urhaltungen des Menschen überhaupt. Sie sind bei Bruder Klaus von der Flüe zu lernen: Nur dem demütigen Vernehmen, das sich durch keine Verweigerung entmutigen und sich weder durch Beifall noch durch Widerspruch verführen lässt, öffnet sich die Hoheit der Wahrheit und damit der Zugang zur wahren Größe Gottes und des Menschen. Wo wirklich Glaube gelebt wird – wie in der Klause im Ranft –, da geschieht etwas, was die Welt im Innersten berührt und verändert: Sie wird Anwesenheitsort Gottes und Berührungspunkt des Menschen mit Gott selbst. Amen."
German Keine Ängste schüren
Sept 21, 2008
Kardinal Meisner kritisiert „Anti-Islamisierungskongress“.

(domradio.de, 19.9.2008) Auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat den für das Wochenende in der Domstadt geplanten „Anti-Islamisierungskongress“ der rechtsgerichteten Organisation „Pro Köln“ kritisiert. „Die Lösung kann nicht darin bestehen, Ängste bewusst auszunutzen oder gezielt zu schüren,“ sagte er der aktuellen Ausgabe der „Kölner Kirchenzeitung“ und dem domradio. Mit Blick auf den Moscheebau betonte er, Religionsfreiheit sei ein hohes Gut. Zugleich erneuerte Meisner seine Forderung nach Religionsfreiheit für Christen in der Türkei, er wolle aber keine „Gegenrechnungen aufmachen“.

Frage: Herr Kardinal, die Stadt Köln hat den großen Moscheebau in Ehrenfeld genehmigt. Was sagen Sie dazu?
Meisner: Ich sage das, was ich die ganze Zeit betont habe: Die Kirche setzt sich in unserem Land ebenso wie überall für Religionsfreiheit ein. Wir haben hier ein hohes Gut in der Hand. Es bedeutet, dass gläubige Menschen Gotteshäuser errichten und sich in diesen zum Beten und Feiern des Gottesdienstes versammeln können. Die muslimischen Mitmenschen in unserem Land dürfen, wenn sie dies wünschen und dazu die nötigen finanziellen und baulichen Voraussetzungen erfüllen, selbstverständlich in Köln oder anderswo Moscheen errichten. Wie und wo diese im Einzelnen entstehen sollen, ist nicht von der Kirche oder vom Kölner Erzbischof zu entscheiden. Dafür - das habe ich immer wieder gesagt - sind die Planer und politischen Entscheider zuständig.

Frage: Sie haben sich auf der anderen Seite mehrfach dafür stark gemacht, dass die Christen in der türkischen Stadt Tarsus, dem Geburtsort des Apostels Paulus, eine eigene Kirche und ein Pilgerzentrum brauchen. Welchen Zusammenhang zwischen Moscheen und Kirchen sehen Sie?
Meisner: Es geht in der Tarsus-Debatte um dasselbe Grundrecht, über das ich eben im Hinblick auf die Moschee gesprochen habe. Die Religionsfreiheit gilt in der Türkei ebenso wie in Deutschland. Es handelt sich um ein Menschenrecht, und jeder Staat, zumal wenn er auf eine Aufnahme in der Europäischen Union setzt, muss dieses Recht international garantieren. Mehr möchten wir Christen von den türkischen Behörden nicht - aber weniger eben auch nicht.

Frage: Die Kölner Moschee ist nun mal beschlossen. Wie weit dagegen sind wir vom Zugang zur Pauluskirche in Tarsus entfernt?
Meisner:Die türkischen Behörden haben den Christen in Tarsus zugestanden, dass sie während des Paulusjahrs, das noch bis zum nächsten Sommer dauert, die alte Kirche am Ort für Gottesdienste nutzen können und dass sie dafür keinen Eintritt bezahlen müssen. Eigentlich betrachtet der Staat das Gebäude aber nicht als Kirche, sondern als Museum, und das ist unter dem Aspekt der rechtlich garantierten Religionsfreiheit einfach zu wenig. Die Christen in der Türkei und insbesondere Tarsus brauchen dauerhaft und über das Paulusjahr hinaus ein festes Gotteshaus und ein Pilgerzentrum. Das ist unser Ziel. Deswegen bleibe ich in dieser Sache zusammen mit meinem katholischen Mitbruder in der Türkei, Bischof Luigi Padovese, hart am Ball, damit wir nicht erst am Ende des vom Papst ausgerufenen Paulusjahres eine Entscheidung seitens der türkischen Behörden bekommen, sondern schnellstens.

Frage: Das Paulusjahr ist inzwischen schon fast drei Monate im Gang, und Sie werden mit einigen deutschen Bischöfen Ende September auf Pilgerfahrt in die Türkei fahren. Werden Sie bis dahin mehr wissen?
Meisner: Das hängt nicht von uns ab, sondern von den türkischen Politikern und Behörden, denn sie sind am Zug. Ich habe schon zweimal dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan geschrieben, nachdem er sich laut Pressemitteilungen bei seinem Deutschlandbesuch Anfang das Jahres positiv zu unserem Anliegen geäußert hatte. Eine Antwort habe ich von ihm bisher nicht bekommen. Wir wollen definitiv wissen, mit was die Christen in der Türkei und alle Pilger auf den Spuren des Apostels Paulus rechnen dürfen. Im Moment ist die Rede davon, dass die Christen möglicherweise eine ehemalige Baumwollfabrik im Zentrum von Tarsus für ihre Zwecke nutzen können. Dies hat mir der türkische Kultur- und Tourismusminister Ertugrul Günay vor Wochen geschrieben. Aber auch hier warten wir auf klare Ergebnisse. Es muss endlich vorangehen.

Frage: Und wenn keine Entscheidung kommt oder wenn die Lage der Christen, die ja schon jetzt sehr angespannt ist, noch prekärer wird - was ist dann mit der Moschee in Köln?
Meisner: Mit der Moschee in Köln hat das unmittelbar nichts zu tun. Ich habe vor Monaten schon gesagt: Es gibt da kein Junktim. Sehr wohl erbitte ich jedoch von den hiesigen Muslimen, dass sie Verständnis und Unterstützung zeigen für unsere Wünsche in der Türkei. Die Christen brauchen nicht so viele Kirchen in der Türkei, wie die Muslime hier zu Lande Moscheen wollen. Deswegen ist es auch unsinnig, irgendwelche Gegenrechnungen aufzumachen. Ich weiß nur: Dort, wo Christen wohnen und wo das Christentum schon seit den Anfängen existiert hat wie in Tarsus, müssen sie frei und sicher ihren Glauben leben dürfen. Das ist unser Menschenrecht.

Frage: Gegner des Moschee-Projekts und insbesondere die Organisatoren des so genannten Anti-Islamisierungskongresses in Köln wollen aber stärkeren Druck machen. Wie stehen Sie dazu?
Meisner: Vom Apostel Paulus, den wir in diesem Jahr besonders intensiv betrachten, haben wir das Wort, dass wir allen um der Menschen willen alles sein sollen (vgl. 1 Kor 9,19-23). Zweifellos ein schwieriger Auftrag, aber Paulus hat sich damit als ein durch und durch weltoffener Mensch bekannt und ein bleibendes Beispiel gegeben. Ich weiß, dass Frauen und Männer, die sich als Christinnen und Christen bekennen, es mit diesem Vorbild bisweilen schwer haben. Dabei will ich mich selbst keineswegs ausschließen. Gerade bei der derzeit zu beobachtenden Zunahme großer Moschee-Bauten hier zu Lande zeigt sich aber, dass sich Grundsätze, wie wir sie bei Paulus finden, immer wieder aufs Neue bewähren müssen. Die politischen und kulturellen Herausforderungen sind enorm. Das steht fest. Aber die Lösung kann nicht darin bestehen, Ängste bewusst auszunutzen oder gezielt zu schüren, sondern wir müssen unseren eigenen Glauben zur Geltung bringen und unsere Solidarität deutlich machen, und wir müssen auf Austausch und Dialog setzen, wie es bei Paulus nachzulesen ist.

Frage: Und was würden Sie Menschen sagen, die den heiligen Paulus nicht kennen?
Meisner: Ich würde mir wünschen, wenn wir alle als Christen, Muslime oder Nichtgläubige von dem berühmten Mann aus Tarsus etwas lernten. In dem gegenwärtigen Paulusjahr wird ja neben seiner Theologie auch einiges von seinem globalen Leben, Denken und Schreiben neu ins Bewusstsein gerückt: die vielen Kulturen, in denen er zu Hause war, die Sprachen und Philosophien, die er kannte, seine literarische Vielfalt. Hiervon haben wir alle viel zu gewinnen, glaube ich, und wenn wir auf diesem Weg gerade hier bei uns in Köln auch mit den Gläubigen anderer Religionen ins Gespräch kommen könnten, würden wir daraus sicherlich sehr viel Positives erfahren. Also nicht Konflikt, sondern Dialog ist angesagt.
(Kirchenzeitung EB Köln,kna,dr)
German Ein Werk der Barmherzigkeit
Sept 05, 2008
Ein Pontifikalamt zum 155. Todestag von Friedrich Joseph Haass, dem „Heiligen Doktor von Moskau“.

(Kölner Stadt-Anzeiger, 31.08.08) Bad Münstereifel - Hoher Besuch in der Stiftskirche in Bad Münstereifel: Erzbischof Joachim Kardinal Meisner selbst war am Freitagabend gekommen, um ein Pontifikalamt zu feiern. Anlass war der 155. Todestag von Friedrich Joseph Haass, dem „Heiligen Doktor von Moskau“, der in Bad Münstereifel geboren und in der Stiftskirche getauft worden war.

Haass war in Moskau schnell bekannt geworden und arbeitete dort als Kaiserlicher Hofrat. Seine Position nutzte er, um das Los der Gefangenen zu erleichtern und sie medizinisch zu betreuen. So ließ er schwache Gefangene von ihren Ketten befreien, erreichte die Einrichtung eines Spitals für Gefangene und die Befreiung vom „Prut“, einem schweren Eisenstab. Mit eigenen Mitteln sorgte er für die Schulbildung der Kinder von Gefangenen und für die Befreiung von Leibeigenen. Noch heute wird Haass in Moskau wie auch in Bad Münstereifel für sein soziales Engagement verehrt. In der katholischen Kirche läuft derzeit für ihn ein Seligsprechungsverfahren.

Zuversichtlich

In einer fast kämpferisch anmutenden Rede vor einer gut gefüllten Stiftskirche erinnerte Kardinal Meisner an die segensreichen Werke von Haass. Er habe sein Leben lang all seine Möglichkeiten genutzt, für die Armen und Schwachen zu arbeiten. Eine Gegenleistung habe er dafür nicht erwartet. Seine Arbeit sei ein Werk der Barmherzigkeit gewesen. Darin könne er bis heute als Beispiel gelten. „Gerade in der heutigen Zeit ist Barmherzigkeit aktuell und wichtig“, so Meisner, auch wenn sie heute oft belächelt werde. Er äußerte sich zuversichtlich, dass das Seligsprechungsverfahren für Haass bald Fortschritte machen könnte. Anschließend trug er sich in das Goldene Buch der Stadt Bad Münstereifel ein.

Kardinal Meisner präsentierte sich beim anschließenden Empfang im Josefsheim als umgänglicher Mensch. Er sprach mit Kindern und Bürgern der Stadt ebenso wie mit den angereisten Würdenträgern. Das Büfett eröffnete er mit einem Segensspruch auf den Papst.
German Die Fürstin und der Kardinal
Sept 02, 2008
Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat mit Gloria Fürstin von Thurn und Taxis ein Buch geschrieben. Ihr Werk "Gespräch über Glauben und Tradition" stellten sie zuammen in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ vor.

(Kölnische Rundschau, 01.09.08) KÖLN - Joachim Kardinal Meisner schmiedet schon Pläne für den Fall, dass der Papst ihn Ende des Jahres vom Erzbischofsposten abberuft: „Ich werde kranke und alte Priester besuchen, ich werde Exerzitien und Einkehrtage halten, und ich werde zwei Bücher schreiben“, sagte er gestern bei der Aufzeichnung der Talkshow „Menschen bei Maischberger“ in Köln. Seine Bücher seien allerdings nicht so wichtig wie jene, die der Heilige Vater schreibe.

Der Kölner Erzbischof vollendet am 25. Dezember sein 75. Lebensjahr - das ist der Zeitpunkt, an dem der Papst über seine Zukunft entscheidet. Meisner rechnet noch vor Weihnachten mit einer Antwort aus dem Vatikan.

Er werde den Papst nach den üblichen Gepflogenheiten über seinen Geburtstag informieren. Allerdings werde er ledigliche eine Note verschicken und nicht das persönliche Gespräch suchen. „Der Papst soll sich nicht durch unsere Freundschaft beeinflussen lassen.“ Kommende Woche erscheint erst mal das Buch „Die Fürstin und der Kardinal - Gespräch über Glauben und Tradition“, das er gemeinsam mit Gloria Fürstin von Thurn und Taxis (48) geschrieben hat.

Auch die Fürstin stellte sich Maischbergers Fragen. Eigentlich halte sie sich für liberal, sagte Gloria. Später äußerte sie: „Die Pille ist eine Form der Abtreibung.“ Sie rate ihren beiden Töchtern, die Pille nicht zu nehmen. Sie selbst habe auch nicht immer schwanger sein wollen und habe auf natürlich Weise verhütet - mit Hilfe des Fieberthermometers. Zudem sprach sie sich deutlich gegen den Einsatz von Kondomen als Schutz vor der Übertragung des HI-Virus aus. „Kondome gegen Aids finde ich falsch.“ Ein treuer Ehemann sei der beste Schutz. Dazu Meisner: „Der Mensch ist ein freies Wesen mit Willen. Der Mensch ist doch kein Triebbündel.“

Die 75-minütige Sendung mit dem Kardinal und der Fürstin strahlt die ARD heute in einer Woche aus.
German Kardinal Meisner «ernüchtert» über Katholizismus in Bayern
Jun 19, 2008
Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner hat sich enttäuscht über die Bedeutung der katholischen Kirche in Bayern geäußert. Der Kardinal sagte dem Magazin «Capital»: «Seit ich ein bisschen die Szenerie in Bayern kenne, bin ich ernüchtert. Das barocke Gehäuse täuscht über manche Hohlheit hinweg.»

Köln (ddp-bay, 18. Juni 2008). Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner hat sich enttäuscht über die Bedeutung der katholischen Kirche in Bayern geäußert. Der Kardinal sagte dem Magazin «Capital»: «Seit ich ein bisschen die Szenerie in Bayern kenne, bin ich ernüchtert.

Das barocke Gehäuse täuscht über manche Hohlheit hinweg.»

Meisner fügte hinzu, dies gelte «nicht nur für die CSU». Vielmehr habe er sich den Katholizismus im Freistaat «allgemein stärker vorgestellt». Es gebe hier aber beispielsweise «im Durchschnitt nicht mehr Priesteramtskandidaten als bei uns».

Meisner kritisierte den Angaben vom Mittwoch zufolge ferner, die CDU entwurzele sich «bei christlich denkenden Menschen zunehmend selbst». Er fügte hinzu: «Beim derzeitigen Zustand der Parteien gibt es keine, die uns besonders nahe steht.» Meisner sagte mit Blick auf die Stammzellen-Debatte, er nehme das «C» im Firmenschild der Union sehr ernst. Die Wahlentscheidung müsse natürlich jeder Bürger "mit seinem Gewissen vereinbaren».
German Kardinal Meisner erneuert Forderung nach Errichtung einer Pilgerstätte in Tarsus (Türkei)
Jun 10, 2008
Ohne Paulus keine Weltkirche, kein christliches Europa, keine Menschenrechte und keine Vereinten Nationen.

KÖLN/ANKARA, 10. Juni 2008 (ZENIT.org).- Um den Apostel Paulus, „den großen Verkünder des Glaubens“, angemessen zu würdigen, sollte aus Anlass des Jubiläumsjahres zur Feier seines 2.000 Geburtstages, dem so genannten Paulus-Jahr (28. Juni 2008 – 29. Juni 2009), an seinem Geburtsort Tarsus in der heutigen Türkei eine entsprechende Pilgerstätte entstehen, fordert Joachim Kardinal Meisner im „Kölner Stadt-Anzeiger“.
In einem heute veröffentlichten Gastkommentar weist der Kölner Erzbischof auf die kaum zu überschätzende Bedeutung des Völkerapostels hin und bekräftigt: „Nach menschlichem Ermessen gäbe es ohne Paulus keine Weltkirche, kein christliches Europa, keine Menschenrechte und damit keine Vereinten Nationen. Aus seiner geschichtlichen Wirksamkeit her versteht es sich von selbst, dass in seinem Geburtsort Tarsus der Christenheit und der Menschheit überhaupt eine Pauluskirche und ein Pilgerzentrum zur Verfügung stehen müssen.“

Paulus habe gewusst, dass die Menschen auf allen Längen- und Breitengraden dieser Welt die natürlichen Verbündeten Gottes seien. „Es gibt in jedem Menschen einen Anknüpfungspunkt für die Verkündigung Gottes. Dabei war Paulus ein überragender Theologe, der einerseits vieles von Gott wusste und andererseits die Menschen und die Welt sehr genau kannte. Es war ihm bewusst, in welchen Verstehenshorizont er das Wort des Evangeliums hinein zu übersetzen hatte.“

Als „Neubekehrter“ habe Paulus zudem „eine innere Ergriffenheit über das Geschenk des Glaubens und seiner Berufung“ mitgebracht. „Das verlieh der gedanklichen Tiefe seiner Verkündigung die überzeugende Kraft. Er war ein von Christus Ergriffener. Und darum konnten über ihn viele Menschen von Christus ergriffen werden.“

Kardinal Meisner, der Tarsus im Herbst mit einer Delegation der Deutschen Bischofskonferenz besuchen wird, richtete sich bereits Mitte Februar schriftlich an den türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan, um ihn zur Unterstützung des Kirchenbau-Projekts zu bewegen.

Erdogan hatte Anfang Februar bei einem Besuch in Köln seine Unterstützung für die Baupläne in Tarsus zugesagt. „Sobald die Kirche mit diesem Wunsch auf mich zukommt, werde ich mich dafür aussprechen – auch gegen meine Opposition“, erklärte er nach Angaben der Pressestelle der Stadt Köln.

Bereits im Juli 2007 hatte Kardinal Meisner im gleichen Sinn den Dialogbeauftragten der Türkisch-Islamischen Union (DITIB), Bekir Alboga, brieflich gebeten, sich als Zeichen des guten Miteinanders gemeinsam für den Bau einer Kirche in Tarsus einzusetzen.
German In Rom vermisst er den Dom
Jun 06, 2008
Zum Beten geht Kardinal Meiser nicht immer in den Dom. Lieber ist ihm die Kirche Maria in der Kupfergasse. Nach Köln wollte er eigentlich gar nicht, Berlin hätte er dem Rheinland vorgezogen.

(Kölner Stadt-Anzeiger, 05.06.08) Kardinal Joachim Meisner redet Klartext. Höflichkeit ist seine Sache nicht. Man weiß bei ihm immer, woran man ist. Das war schon 1988 so, als ihn der Papst gegen den massiven Widerstand des Domkapitels zum Erzbischof ernannte. Meisner stellte sich den Kölnern mit den Worten vor, er habe durchaus Gemeinsamkeiten mit ihnen: "Ihr habt mich nicht gewollt, und ich wollte auch nicht zu Euch." Lieber wäre er nämlich in Berlin geblieben. Mit dieser Äußerung schaffte er es bis in die "New York Times".

  Lang ist das her, und mittlerweile will Meisner nicht mehr weg aus Köln. Selbst wenn Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch annehmen sollte, das er zu seinem 75. Geburtstag am ersten Weihnachtstag dieses Jahres stellen muss, würde er in der Stadt bleiben. Ja, manchmal denkt er darüber nach, sich in einem leerstehenden Pfarrhaus im Bergischen Land zur Ruhe zu setzen, einen Hund anzuschaffen und nur noch spazieren zu gehen und zu lesen - er liest viel und querbeet, sogar Bücher von Dieter Bohlen und Hape Kerkeling. "Aber ich würde ja doch in so vielen Gremien weiterarbeiten, dass das nicht realistisch wäre", meint er. Also Köln bis zum Schluss.

  Der Kardinal und die Kölner - kein einfaches Kapitel. Von Anfang an hat es geheißen, ein so konservativer Gottesmann passe nicht in die rheinische Metropole mit ihrer betont lebensfroh-liberalen Ausprägung des Katholizismus. Der Psychiater und Bestseller-Autor Manfred Lütz diagnostiziert ein "kulturell-mentalitätsmäßiges Missverständnis" zwischen Meisner und den Kölnern: Als Schlesier habe Meisner "einen viel herberen Humor, als wir Rheinländer das gewöhnt sind".

  Immerhin: Meisner hat Humor. Als sich ein Fotograf vor ihm hinkniet, um ihn zusammen mit dem gewaltigen Westportal des Doms aufs Bild zu bannen, witzelt er: "Ach ja, früher haben sie alle vor uns gekniet - jetzt nur noch die Fotografen, und auch die nicht länger als fünf Minuten."

  Meisner ist nicht nur Schlesier, er ist auch ein Mann aus dem Volk. Der Vater fiel im Krieg, die Mutter und ihre Kinder verschlug es aus Breslau nach Thüringen, ebenso wie einige ausgebombte Kölner, an deren Küchenschrank Meisner zum ersten Mal ein Bild des Doms sah -auf einer mit Heftzwecken befestigten Postkarte. An katholischen Feiertagen verbot die tiefgläubige Mutter den vier Söhnen den Schulbesuch. "Wir hingen dann auf der Straße herum", erinnert sich Meisner.

  Es muss am Dreikönigstag 1946 gewesen sein, als ihnen der Schuster Vogel zurief, sie sollten mal herkommen, da spreche der Erzbischof von Köln im Radio. "Noch heute hab ich das helle Stimmchen vom Kardinal Frings im Ohr", erinnert sich Meisner. "Damals hab' ich mir gedacht: Ich muss auch mal in den Dom."

  Nun ist er schon seit 19 Jahren nicht nur regelmäßig im Dom, sondern sitzt dort sogar auf dem erzbischöflichen Stuhl unter seinem eigenen Wappen. Im nördlichen Querschiff hängt für jedes Jahr seiner Amtszeit eine Stange an der Wand. "Da ist schon einiges zusammengekommen, aber andererseits ist auch noch Platz."

Mehr zu sich selbst sagt er im Weitergehen: "Der Herr holt sich seine Leute nicht vom Podest, er holt sie von den Melkkübeln." So also sieht er seinen Aufstieg vom schlesischen Flüchtlingsjungen zu einem der mächtigsten Männer der katholischen Kirche in Deutschland: Es ist nicht sein Verdienst, es ist das Werk Gottes. Meisner betrachtet sich als Werkzeug des Herrn. Und das ist wohl einer der Gründe, warum er so viele irritiert.

  Auch Katholiken verfügen heute meist nicht mehr über die unumstößliche Gewissheit im Leben und im Sterben, die für frühere Generationen selbstverständlich war. Anders Meisner. So wie Don Camillo in den alten Schwarz-Weiß-Filmen Zwiesprache mit dem gekreuzigten Jesus an der Wand seiner italienischen Dorfkirche hält, so bittet auch Meisner in schwierigen Situationen ganz selbstverständlich um den Rat des Herrn.

  Einmal zum Beispiel, in der Festmesse zum Domjubiläum 1998, schoss ihm beim Anblick der vielen jungen Familien durch den Kopf, dass er die falsche Predigt vorbereitet hatte - zu verkopft, zu theologisch. "Da habe ich mir einfach gedacht, ach, ich vertraue auf den Heiligen Geist." Er fragte einen Jungen, ob er ihm helfen wolle, stellte ihn auf der Kanzel neben sich auf einen Schemel und unterhielt sich mit ihm über Gott und die Welt.

  "Der Leitgedanke war, dass man das Wichtigste im Leben nicht sehen kann. Das Fundament der Säulen im Dom zum Beispiel bleibt unsichtbar, und wenn man draußen an den Fenstern des Doms vorbeigeht, erscheinen sie schwarz, die Schönheit der Kirche sieht man erst von innen." Der Junge gab so muntere und kluge Kommentare, dass es eine Sternstunde gewesen sein soll. "Nachher ist dann die Presse zu ihm hingegangen und hat nach seinem Namen gefragt, und da stellte sich heraus, dass es Konstantin Adenauer war, ein Urenkel des Bundeskanzlers. Da hieß es natürlich sofort: "Das war doch ein abgekartetes Spiel, das haben die vorbereitet." War aber nicht so."

  Meisners Lieblingsort im Dom ist die Marienkapelle mit dem "Altar der Stadtpatrone" von Stephan Lochner - ein so berühmtes Gemälde, dass Albrecht Dürer einst Eintritt zahlte, um es sehen zu dürfen. Auch die Glocken des Doms haben es Meisner angetan; er ist davon überzeugt, dass kein Geläut schöner ist. "Wenn ich für einen Tag Papst wäre, würde ich als erstes alle Glocken von hier nach Rom holen, denn da scheppert's ja nur."

  Wenn er nur beten will, geht Meisner nicht in den Dom. "Ich liebe ihn sehr, aber meine Kirche ist Maria in der Kupfergasse, da setz ich mich einfach in die Bank." Im Umkreis des Doms wird er überall erkannt. Kaum ist er auf der Domplatte, stürmt schon eine Gruppe von italienischen Priestern auf ihn zu und will sich mit ihm fotografieren lassen. Er verständigt sich in gebrochenem Italienisch. "Das hab ich mir selbst beigebracht, autodidaktisch." Als Verständigungshilfe für seine vielen Vatikan-Aufenthalte.

  Etwa 15 Mal im Jahr muss er nach Rom. Er mag die Stadt nicht. Der Verkehr, der Lärm, die Hektik. "Wir haben hier wenigstens den Rhein, die Römer haben nichts als den Tiber. Und dann der ganze Marmor, diese Palazzi, das ist nicht meine Welt." Wenn er auch ähnlich konservativ denkt wie der von ihm bewunderte Heilige Vater, so ist er doch ein völlig anderer Mensch als der "Professor Doktor Papst". "Du mit Deinen antirömischen Affekten", sagt der manchmal scherzhaft zu Meisner, der froh ist, wenn er vom Flugzeug aus wieder den Dom erkennen kann: "Ein Pilot hat mich mal mit ins Cockpit gelassen und mir erzählt, dass er sich immer am Dom orientiert. Da hab ich gesagt: "Ach, da haben wir ja was gemeinsam.""          

Wenn Meisner durch den Dom geht, wirkt er nicht wie die "Faust des Papstes", als die ihn die Bild-Zeitung einmal bezeichnet hat. Er sucht Kontakt, vor allem zu jungen Familien. "Ich hatte immer schon einen Draht zu Kindern, über Kinder erreicht man die Eltern", sagt er. Wenn er auf Geschwister trifft, werden sofort Erinnerungen an seine eigene Kindheit mit den drei Brüdern in Schlesien wach. "Wer ist bei Euch der Mittlere?", fragt er drei Jungen aus Bayern, die mit ihrer Mutter den Dom besuchen. "Ich war der Zweite, da muss man sich durchboxen." Ein Mann hält ihm seinen dreijährigen Sohn hin: "Bitte, Herr Kardinal, segnen Sie ihn!" Als Meisner kurz vor dem Dreikönigsschrein stehen bleibt, ergreift eine alte Frau mit echter Ehrfurcht seine Hand und küsst den Bischofsring. Manche Szene im Dom wirkt wie aus einer versunkenen Zeit.

  Etwas grübelnd steht der Kardinal anschließend vor dem schimmernden Schrein und stellt sich vor, wie schon im Mittelalter die Pilger darunter hergezogen sind. Die ganze Kathedrale ist nur für den Inhalt dieses Sarges errichtet worden. Einer der größten Bauten der Christenheit - für ein paar Knochen. Die Namen derer, zu denen sie einmal gehört haben sollen, werden von der Bibel nicht überliefert. Heiliggesprochen worden sind sie nie. Dass es drei waren, ist reine Spekulation. Könige waren es gewiss nicht. Und doch werden sie von allen nur die Heiligen Drei Könige genannt.

  "Ob die Gebeine echt sind, ist für mich zweitrangig", sagt Meisner lakonisch. "Der mittelalterliche Mensch wollte den Himmel schon auf Erden berühren, daher die große Bedeutung der Reliquien." Was heute verehrt werde, sei die Idee, sich auf eine Reise zu Gott einzulassen - so wie es die Heiligen Drei Könige getan haben. Auch Meisner, der aus einer Tradition tiefer Volksfrömmigkeit kommt, ist nicht so streng in der Lehre, dass er alles aus der Bibel wörtlich nimmt. Aber wie sein ehemaliger Kardinalskollege Ratzinger wehrt er sich dagegen, einen immer größeren Teil des Glaubens nur noch als Metapher, als schönes Bild, zu sehen und je nach herrschender Strömung umzuinterpretieren.

Dazu passt, dass ihm das neue Domfenster von Gerhard Richter zu beliebig ist - er hätte sich an der Stelle eher eine explizit christliche Darstellung vorstellen können, beispielsweise Märtyrer des 20. Jahrhunderts oder den "Kampf zwischen den Mächten der Finsternis und des Lichts": "Das hätte ja gar nicht unbedingt gegenständlich sein müssen."      

  In der Krypta in den Kellergewölben des Doms wird Meisner selbst einmal seine letzte Ruhestätte finden. Munter zeigt er auf einen leeren Fleck an der Wand: "Da komme ich hin, ich mache da unten die Reihe weiter." Auch seinen Kritikern wird vielleicht etwas fehlen, wenn er einmal verstummt ist - wieder einer weniger, der noch zum Widerspruch reizt. In jedem Fall wird es ungewohnt sein. Der Dom und sein Kardinal gehören schon so lange zusammen, dass man sich einen ohne den anderen kaum noch vorstellen kann. (dpa)
French Le cardinal Meisner dénonce l'activisme stérile de certains prêtres
May 31, 2008
Le 31 mai 2008 - E.S.M. - A la messe qu'il a célébrée vendredi dernier à la cathédrale de Cologne (D) et au cours de laquelle cinq diacres ont été ordonnés prêtres, le Cardinal Meisner a déclaré, dans son homélie :

"Pas plus que les autres, nous les prêtres ne vivons sur une île déserte, mais en plein milieu du monde. La place du sel est dans la soupe! Mais il ne faudrait pas négliger pour autant le danger d'être contaminé par le mode de pensée du monde: il est ainsi nécessaire de concentrer toutes ses forces et toute son attention sur l'efficacité sociale de la foi. Sinon, notre activité pastorale finirait par n'avoir pour seul objectif que la communauté paroissiale et l'expérience qu'elle a d'elle-même, en repoussant à l'arrière-plan le coeur même de la foi, notre unique médiateur, Jésus-Christ, au lieu de conduire à Lui.

L'idée que la foi peut se construire, l'idée qu'une communauté peut être fabriquée de toutes pièces, l'assurance que la vie religieuse n'est qu'une question d'organisation, est entrée profondément dans nos paroisses: elle y a provoqué beaucoup d'activisme, mais souvent pas davantage. Nous en avons la preuve dans nos propres rangs et dans nos propres communautés : cette prétention à pouvoir susciter une ouverture du coeur à la présence divine au travers d'une accumulation de méthodes et d'analyses diverses, par des expériences de dynamique de groupe, a englouti bien des énergies. Et bien souvent en vain!

Et c'est justement là, après tant d'efforts, que le véritable défi que pose la foi chrétienne devient évident et crève les yeux en nous obligeant à nous recentrer sur l'essentiel. "Ils regarderont vers Celui qu'ils ont transpercé", "Ce n'est pas vous qui m'avez choisi, mais c'est moi qui vous ai choisi" (Jn, 15, 16) "En ceci consiste l'amour: ce n'est pas nous qui avons aimé Dieu, mais c'est lui qui nous a aimés et qui a envoyé son Fils en victime de propitiation pour nos péchés" (1 Jn 4,10).

L'axe principal de notre vocation, que nous ne devons jamais perdre de vue, n'est pas dans le "vous", mais dans le "Je" du Christ. C'est le Christ qui est le premier, c'est le Christ qui met tout en mouvement, c'est Lui qui appelle. Nous-mêmes ne pouvons que recevoir, nous ne pouvons que répondre.

Nul ne pourra réaliser quoi que soit dans le Royaume de Dieu, si au long de sa vie ici-bas il ne s'est pas soumis totalement à l'amour prévenant de Dieu."

Source : Pro liturgia- Eucharistie Sacrement de la Miséricorde
German Kardinal Meisner nennt Deutsche „geistvergessenes Volk“
May 12, 2008
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat einen besseren Schutz der Familie gefordert. In einem Hörfunk-Interview nannte er es „schlimm“, dass die Familie weitgehend unter dem Gesichtspunkt der Ökonomie gesehen werde.

(domradio.de, 11.5.2008) Nicht die Familie müsse sich dem ökonomischen Tun anpassen, sondern umgekehrt, forderte er. Die Familie sei nicht ein gesellschaftlich gewachsenes Gebilde, sondern habe eine theologische Grundlage, sagte Meisner. Sie sei das „Abbild des dreifaltigen Gottes“. Deshalb gebühre ihr „aller Schutz und alle Förderung, die nur denkbar ist, damit auch das gesellschaftliche Leben, das ökonomische Leben und das kulturelle Leben gedeihen kann.“ Wer sich an der Familie vergreife, vergreife sich an der Kultur des Menschen. Zugleich bemängelte Meisner die Haltung vieler Politiker in ethischen Fragen wie Abtreibung und Stammzellforschung. „Ein geistvergessenes Volk, das tötet seine Kinder“, sagte er. Die Bilanz, dass es in Deutschland zu wenig Kinder gebe, müsse „die Politiker nun endlich zum Aufwachen bringen“, forderte der Kardinal.
German Ich mache weiter, wenn der Papst mich darum bittet
Apr 18, 2008
Im September wolle er dem Oberhaupt der katholischen Kirche mitteilen: „Es ist so weit, entscheide du, und ich tue, was du willst.“

(express.de, 17.04.2008) Vor 20 Jahren wurde er – trotz Widerstands im Domkapitel – auf Druck von Papst Johannes Paul II. zum Kölner Erzbischof gewählt. Am 25. Dezember wird er 75 Jahre alt.

Und dann muss Joachim Kardinal Meisner dem Pontifex maximus, Papst Benedikt XVI., seinen Rücktritt anbieten. Es ist allerdings bisher äußerst selten vorgekommen, dass ein Papst den Rücktritt eines Kardinals bereits im Alter von 75 Jahren akzeptiert hat.

Und Meisner will weitermachen, wenn der Papst ihn lässt. „Wenn der Papst mich darum bittet, ist das gar keine Frage. Dann ist das für mich selbstverständlich“, erklärte er jetzt. Bereits im September will er Papst Benedikt XVI. den Rücktritt einreichen. Er wolle ihm mitteilen: „Es ist so weit, entscheide du, und ich tue, was du willst.“

Ob er sich wünsche, dass Papst Benedikt XVI. ihn zu bleiben bitte, darauf antwortet Meisner: „Ich bin ganz offen. Unabhängig davon, ob man 75 Jahre alt wird oder nicht: Man kann noch zehn Jahre leben oder zehn Tage oder zehn Stunden. Dadurch, dass man immer damit rechnet, von Gott abberufen zu werden, lebt man intensiver.“

In der Regel entlässt der Papst Kardinäle in den Ruhestand, wenn sie 80 Jahre alt geworden sind. Wann auch immer Meisner in Ruhestand geht – er weiß, was er dann tun will: „Ich will zwei Bücher schreiben und ich möchte mich um kranke und einsame Priester kümmern. Das liegt mir am Herzen.“
German Kardinal Meisner zum Tode Chiara Lubichs
Mar 14, 2008
Das Interview im Wortlaut.

(domradio.de, 14.3.2008) Chiara Lubich, die Gründerin der Fokolar-Bewegung, starb in der Nacht zum Freitag im Alter von 88 Jahren im Fokolar-Zentrum Mariapoli bei Rom, wie ihre Gemeinschaft mitteilte. Lubich war eine der international prägenden Gestalten des Laienkatholizismus und der Ökumene. Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner erinnert im domradio-Interview an Lubich.

domradio: Herr Kardinal, heute nacht ist Chiara Lubich gestorben, Sie kannten sie.

Kardinal Meisner: Ja, ich kannte Chiara Lubich aus den letzten Jahrzehnten sehr intensiv. Ich bin ihr meistens in Rom begegnet, sie war Mitglied bei einigen Bischofssynoden, so dass wir uns vier Wochen lang gesehen haben und bei den Kaffeepausen auch einander begegnet sind. Und das letzte Mal als ich sie gesehen habe, war sie hier bei uns in Köln, bei mir hier im Haus und machte einen Besuch bei ihrer Fokularfamilie und hat dabei auch den Erzbischof besucht.

domradio: Sie hat eine große Bewegung ins Leben gerufen, wie bewerten Sie die?

Kardinal Meisner: Das fing wie immer bei den großen Erneuerern der Kirche damit an, dass sie aus einer persönlichen Situation Ende des letzten Weltkrieges versucht hat, das Evangelium zu leben in den Bedrängnissen des Krieges. Daraus ist die Fokularbewegung erwachsen, die heute auf der ganzen Welt verbreitet ist. Und namentlich in der kommunistischen Zeit in Mittel- und Osteuropa hat sie vielen Menschen wirklich geholfen ihre schwierige Situation als Christen zu bewältigen.

Wir hatten in Erfurt, als ich noch Weihbischof und Caritasrektor war, am katholischen Krankenhaus eine Gruppe Fokolarini-Ärzte und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im medizinischen Dienst. Auch in Berlin gab es die, im Elisabeth-Krankenhaus, auch in Leipzig, und das waren so Schwerpunkte und von dort ist es ausgestrahlt in die Gemeinden. Dann auch über die Grenzen der DDR weg nach Tschechien, nach Polen. In Tschechien hat die Fokolarbewegung besonders fruchtbaren Boden gefunden, da die Christenverfolgung dort eigentlich am intensivsten war und die Fokularbewegung mit ihren Methoden auf diese Situation am besten reagieren konnte.

domradio: Der Erzbischof von Köln nimmt Chiara Lubich auch  mit ins Gebet?

Kardinal Meisner: Natürlich, sie gehört zu den großen Zeugen des Glaubens im ausgehenden 20. und im Beginn des 21. Jahrhunderts und ihr Werk lebt weiter. Ich kann nur wünschen dass jetzt die Mitglieder und Mitgliederinnen ihres Werkes, der Versuchung widerstehen - es nicht zur inneren Spaltung kommen zu lassen. Denn mit dem Tod eines Gründers einer geistlichen Bewegung ist die Gründerzeit vorbei und da zeigt es sich immer, dass dann der Teufel versucht Gegensätze aufbrechen zu lassen und Spaltungen hervorzurufen. Also ich bitte alle Mitglieder des Fokulars jetzt noch inniger zusammenzuhalten als vorher und Chiara Lubich ist ja nicht von uns weggegangen - sie ist uns nur vorausgegangen. Sie ist, wie ich das immer zu sagen pflege am Grab eines lieben Menschen, sie ist aus der linken Hand Gottes in die rechte Hand Gottes übergewechselt und über das Herz Gottes bleiben wir mit denen die uns vorausgegangen sind in echter Kommunikation.
German Kardinal Meisner: Lebensrecht für "embryonale Menschen"
Feb 16, 2008
Nach der Stammzelldebatte im Bundestag hat Kölns Kardinal Joachim Meisner die Abgeordneten aufgerufen, sich für den Lebensschutz einzusetzen.

(domradio.de, 16.2.2008) Kompromisse auf Kosten der Schwächsten - und das seien die embryonalen Menschen - könne und dürfe es nicht geben, schreibt der Erzbischof in einem Beitrag für die Kölnische Rundschau. Denn jeden Kompromiss bezahlten diese Menschen, die ihre Stimme dagegen nicht selbst erheben könnten, mit dem Leben. Meisner betont, dass neueste Forschungen "ethisch unproblematische Alternativen" zu embryonalen Stammzellen hervorgebracht hätten. Dazu gehörten adulte Stammzellen sowie die erst kürzlich entwickelte Reprogrammierung reifer Stammzellen .
Spanish Cardenal Meisner a alemanes: "Vivimos en la mentira de creernos inocentes"
Feb 14, 2008
El Arzobispo de Colonia, Cardenal Joachim Meisner, denunció ante los demás miembros de la Conferencia Episcopal Alemana, que se está perdiendo la conciencia del pecado y de la culpa y "vivimos en la mentira de creernos inocentes".

WURZBURGO, 13 Feb. 08 / 01:03 pm (ACI).- "Pecado y culpa hoy sólo aparecen en el diccionario como términos de otra época", explicó el Arzobispo al presidir una Eucaristía con ocasión de la asamblea episcopal y lamentó que "los confesionarios, los lugares del perdón están casi vacíos".

"Donde no hay pecado ni culpa, no hay necesidad de un Reconciliador. Por eso Jesucristo ya no es solicitado como Reconciliador del mundo Uno sólo se interesa por Jesús como reformador de la sociedad. Por eso la Iglesia solo tiene oportunidad de ser un instituto del progreso social", indicó.

Asimismo, llamó a los alemanes a acercarse al sacramento de la reconciliación y explicó que "confesarse significa acercarse un poco más al amor de Dios, es comenzar a creer que Dios nos ama, y descubrir asimismo que hasta ese momento no hemos creído con el ardor suficiente, y por eso hemos de pedir perdón, por no haber creído en una amor que sobre pasa cualquier pecado."

También hizo un paralelo del hombre actual con el hijo pródigo, y recalcó que "ya no queremos ser hijos o hijas en el Hijo".

El hijo pródigo "abandona la casa de Padre porque dejó de creer. Cuando decide volver, tiene el corazón muerte aún. Cree que ya no es amado, cree que ya no es hijo. Pero el Padre lo esperó desde hace mucho. Desde hace mucho no hace más que alegrarse al pensar que el hijo podría regresar. El experimenta un amor tan grande que se ve nuevamente como hijo, vuelve nuevamente a la vida", explicó.

Finalmente, afirmó que "el que perdona poco, ama poco", y recordó la necesidad de compartir la alegría del perdón de Dios con los hermanos, y aprender a acoger uno mismo el perdón de Dios y verse con los ojos del Padre.
German „Schlesier mit herbem Humor“
Feb 10, 2008
Interview über Kardinal Joachim Meisner von Köln.

(08.02.08) KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Lütz, Sie haben schon die ganze katholische Kirche analysiert. Erklären Sie uns doch einmal das Phänomen Kardinal Meisner!

MANFRED LÜTZ: Es gibt bei kaum einer Person des öffentlichen Lebens einen solchen Gegensatz zwischen einem geradezu monströsen öffentlich-medialen Klischee und der Wirklichkeit. Wenn der Kardinal wirklich so wäre, wie er dargestellt wird, wäre er schrecklich - ist er aber nicht.

Was bezeichnen Sie als „monströses Klischee“?

LÜTZ: Was zum Beispiel auf den Leserbriefseiten des „Kölner Stadt-Anzeiger“ über ihn steht. Das würde über keinen anderen Menschen in Deutschland so veröffentlicht: Blanke Verachtung bis hin zum Hass gegen einen angeblich illiberalen, konservativen Hardliner.

Also ist Kardinal Meisner in Wirklichkeit liberal.

LÜTZ: Nehmen Sie die Bioethik: Da steht der Kardinal in vielen Fragen - abgesehen von der Abtreibung - den Grünen am nächsten. Oder die Familienpolitik: Da hat er sich zu einem Familiensplitting bekannt - gegen die CSU. Aber das wird öffentlich kaum wahrgenommen.

Politik ist das eine, Theologie oder Kirchenpolitik das andere.

LÜTZ: Ja, aber auch da sind falsche Bilder im Umlauf. 15 Jahre lang hat dieser Kardinal aufs Engste mit einem Generalvikar - Norbert Feldhoff - zusammengearbeitet, von dem jeder wusste, dass er in vielen Dingen komplett anderer Meinung war. Das zeugt von einer Liberalität, die kein anderer deutscher Bischof aufgebracht hätte. Auch weiß kaum jemand, dass Kardinal Meisner der deutsche Bischof ist, der am meisten für die Aussöhnung mit Polen getan hat. Oder der im Streit um die Schwangerenkonfliktberatung in seinem Erzbistum jahrelang den Schein ausstellen ließ, obwohl jedermann wusste, dass er dagegen war.

Aber da hatte der Papst ja auch noch nicht entschieden.

LÜTZ: Und als er entschieden hatte, sind alle Bischöfe ihm gefolgt - von Kardinal Lehmann angefangen. Also: Was das betrifft, gab es gar keinen Unterschied zu Kardinal Meisner. Doch die öffentliche Wahrnehmung war anders.

Sie schieben jetzt alles auf Klischees. Aber die kölsch-katholische Ansicht, dass der Kardinal „nicht ins Rheinland passt“, die kann doch nur verfangen, wenn es einen Anknüpfungspunkt in der Wirklichkeit gibt. Ein Klischee von Dieter Bohlen als Ausbund verkopfter Intellektualität - das würde einem ja auch kein Mensch abnehmen.

LÜTZ: Das stimmt. Es gibt da sicher ein kulturell-mentalitätsmäßiges Missverständnis. Zum ersten hat Kardinal Meisner als Schlesier einen viel herberen Humor, als wir Rheinländer das gewöhnt sind.

Ein Beispiel?

LÜTZ: Ich habe einmal auf einem Empfang erlebt, wie jemand den Kardinal mit triefenden Lobhudeleien zu seiner Predigt förmlich überschüttete. Seine Reaktion: „Ach wissen Sie, dafür werde ich bezahlt.“ Da war die Luft raus. Sehr witzig gekontert, finde ich, aber ich habe auch eine westfälische Großmutter. Andere Rheinländer würden sagen, ein bisschen zu heftig. Und zweitens ist der Kardinal „completely politically incorrect“. Er passt sich nicht an, er sagt, was er denkt - und das finde ich gut.

Sie sind ein Fan!

LÜTZ: Kardinal Meisner ist mein Bischof, nicht mein Idol. Aber ich gebe Ihnen ein Beispiel für diese „politische Unkorrektheit“: Zu sagen, das Richter-Fenster im Kölner Dom passe besser in eine Moschee, das war absolut politisch unkorrekt. Korrekt wäre: (fällt in Singsang) „Wie schön ist es doch, dass die moderne Kunst in der Kirche ihren Ort hat“ und so weiter und so weiter. Aber wo kommen wir eigentlich hin, wenn es über moderne Kunst keine kritische Debatte mehr geben darf.

Für die hiesigen Erzbischöfe ist typisch, dass sie den Kölnern in der Erinnerung zunehmend strahlender erscheinen. Was, glauben Sie, werden die Kölner über Kardinal Meisner im Jahr 2033 zum 50. Jahrestag seiner Kardinalserhebung sagen?

LÜTZ: . . . wenn er dann mit seinen knapp 100 Jahren aus dem Bergischen Land herunter nach Köln gerollt kommt (lacht). Hmm, also: Seit der Schlacht von Worringen haben die Kölner mit ihren Erzbischöfen Probleme. Die brauchen das zur Stärkung ihrer gemeinschaftlichen Identität: „Wir da unten gegen die da oben.“ Deshalb glaube ich: Noch in 50 oder 100 Jahren wird es in Köln keinen Personenkult um Kardinal Meisner geben. Was ja auch gut ist - den Starrummel überlassen wir Katholiken anderen. Aber in der von Alexander Mitscherlich prognostizierten „vaterlosen Gesellschaft“ wird Kardinal Meisner als eine von wenigen verbliebenen Vaterfiguren in Erinnerung bleiben - an der man sich reibt, die aber auch Orientierung gibt.

Kardinal Meisner, der Vater der Kölner. Das halten wir fest!

LÜTZ: Ja, und vielleicht ist es zur 50-Jahr-Feier der Kardinalsernennung mit der Erinnerung wie mit der Phase nach der Pubertät: Man kann Dinge gut finden, die der Vater gesagt hat, obwohl sie der Vater gesagt hat.

Das Gespräch führten

Joachim Frank und Matthias Pesch
German Kardinalatsjubiläum
Feb 10, 2008
Interview mit dem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner.

(8.2.2008) domradio.de - Ihm sei "schwarz vor den Augen geworden", bekennt Kardinal Joachim Meisner, als ihn 1988 der Ruf des Papstes erreicht habe, von der Spree an den Rhein zu wechseln. Mehrfach habe er den Heiligen Vater gebeten, von seiner Berufung nach Köln abzusehen. Doch als der Papst bei seiner Entscheidung blieb, sei er ihr "ohne zu zögern" gefolgt, sagt Meisner, der am Sonntag sein Kardinalatsjubiläum feiert. Aus der "Muss-Ehe" zwischen Hirten und Herde wurde dann aus seiner Sicht überraschend schnell eine Liebesheirat. domradio-Redakteur und Diakon Dr. Marc Kerling traf den Erzbischof in der Jubiläumswoche.
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   * [Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner - 81 Bilder ]
     Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner - 81 Bilder (©KNA)

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   * [Ein Bild aus den ersten Jahren in Köln ] Ein Bild aus den ersten Jahren in Köln

Audio Beitrag

   * "Ich hätte das nicht durchgestanden, wenn ich nicht täglich an den Altar hätte treten können." Kardinal Meisner zum Kardinalatsjubiläum (9.2.2008)
   * "Wir standen vor São Paulo im Stau": Interview mit Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp zum Kardinalatsjubiläum (9.2.2008)

domradio: Herr Kardinal, als Bischof von Berlin sind Sie am 2. Februar 1983 von Papst Johannes Paul II. in den Kardinalsrang erhoben worden. Als Kardinal kamen Sie dann von der Spree an den Rhein, von der DDR in den Westen - waren das nicht zwei völlig unterschiedliche Welten damals?
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner: Ich hatte schon ein wenig Noviziatsunterreicht gehabt in Berlin, denn ich war ja Bischof für ganz Berlin, auch den West-Teil. Und im West-Teil wohnten zwei Drittel der Katholiken, ein Drittel im Osten, so dass ich schon ein Einübungsfeld hatte in die westliche Welt, indem ich zehn Tage im Monat nach West-Berlin hinüber fahren konnte. Dieses Quantum habe ich auch immer ausgeschöpft.

domradio: Papst Johannes Paul II. hat den heutigen Kardinal Cordes als jungen Mann von Paderborn nach Rom geholt, am Sonntag reist er zu Ihnen, um in Ihrem Festgottesdienst zu predigen. Sind Sie eng miteinander verbunden?
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner: Erstmal bietet sich es an, dass der amtsjüngste Kardinal im deutschsprachigen Raum dem amtsältesten Kardinal die Predigt hält. Und zweitens: Natürlich bin ich mit Kardinal Cordes sehr verbunden. Ich habe mit ihm den ersten Weltjugendtag ausgerichtet. Er war verantwortlich für das Gesamte. Aber ich hatte mit ihm und mit Pater Manfred Endrich die deutsche Abteilung des Weltjugendtages bewältig damals, 1985. Das ist mir bis heute unvergesslich. Und weil ich als Kardinal oft in Rom zu tun habe, haben wir uns oft getroffen und haben miteinander gesprochen. Er ist wirklich für mich immer ein Vorbild gewesen in der Treue zum Papst und auch im Durchtragen schwieriger Probleme, die manchmal auf einen Bischof zukommen.

domradio: Sie sind fast seit fast 20 Jahren Erzbischof von Köln. Sie sind außerdem Mitglied vieler Kongregationen. Welche Weichenstellungen sind Ihnen ganz aktuell wichtig?
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner: Von einer ungeheuren Wichtigkeit ist der missionarische Impuls. Wenn eine Kirche nicht mehr missioniert, dann demissioniert sie. Und die Kirche ist keine Institution, sondern eine Expedition. Das müssen wir deutlich machen! Ich bin immer der Meinung, ein Christ ist dann erst ein reifer Christ, wenn er seinen Glauben an einen anderen weitergegeben hat, wenn er gleichsam Glaubenerzeugt hat. Ein Mann und eine Frau sind reif, wenn sie fähig sind, auch biologisch Leben weiterzugeben. Und so ist es auch bei einem Christen: Ein Christ ist erst wirklich reif, wenn er Glaubensleben weitergegeben hat. Darauf ist weltweit ein großer Akzent zu legen. Ein weiterer ganz wichtiger Akzent ist auch, dass wir wieder die Quellen des Lebens stärken müssen: Ehe und Familie sind ein so wichtiges Thema, gerade für die westliche Hemisphäre, wenn die Völker sich nicht selber ausrotten wollen.

domradio: Kann man ein Bischofsamt überhaupt ausführen ohne Liebe zur Liturgie und Eucharistie?
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner: Das ist die Voraussetzung, dass man Priester oder Bischof wird. Hier kann man sagen, in der Liturgie, was Paulus sagte: In ihm leben wir, in ihr leben wir, bewegen wir uns und sind wir. Ich bin jetzt im 46. Priesterjahr, im 33. Bischofsjahr, 25 Jahre Kardinal - ich hätte das nicht durchgestanden, wenn ich nicht täglich an den Altar hätte treten können. Und darum ist und bleibt, was Benedikt sagt: Dem Gottesdienst darf nichts vorgezogen werden. Weil es nämlich die Berührung des Menschen mit dem lebendigen Gott ist.
German Ende des Streits um den „Hassprediger“
Feb 06, 2008

Zum Ende der Session noch eine letzte sprachliche Anleihe beim Karneval: Am Aschermittwoch ist alles vorbei!

(ksta.de, 05.02.08) Das Kriegsbeil ist begraben, die Gemüter beruhigt, Frieden kehrt ein. Volker Beck, streitbarer Grüner aus Köln, und der Kölner Kardinal Joachim Meisner, ebenfalls streitlustig, beendeten einen monatelangen Händel - außergerichtlich, Meisner zog eine einstweilige Verfügung gegen Beck zurück.

Hintergrund: Beck hatte den Kardinal als „Hassprediger“ tituliert, weil dieser homosexuelle Partnerschaften kritisierte: „Alle sogenannten alternativen Modelle des menschlichen sexuellen Zusammenlebens sind aber unwahr und darum für den Menschen im Kern verderblich. Die Menschheit richtet sich hier selbst zugrunde.“ Der bekennende Homosexuelle Beck benutzte dafür die umstrittene Vokabel. Meisner sprach seinerseits von „persönlichen und beleidigenden Angriffen“ und erwirkte vor dem Kölner Landgericht eine einstweilige Verfügung. Diese wiederum akzeptierte Beck nicht und klagte vor dem Berliner Landgericht. Zwar bekundete er - auch auf Druck von Parteifreunden -, er wolle Meisner nicht mehr als „Hassprediger“ bezeichnen. Es gehe ihm aber um die Meinungsfreiheit.

Generalvikar Dominik Schwaderlapp begründete die Rücknahme der einstweiligen Verfügung offiziell damit, dass Beck nach öffentlicher Kritik erklärt habe, den Erzbischof „nicht in die Nähe von Terroristen oder Selbstmordattentätern“ rücken zu wollen. Vielleicht hatte das Erzbistum aber auch die Eingebung, nach der eine Fortsetzung des juristischen Streits wenig sinnvoll gewesen wäre. Beobachter prognostizierten dem Kardinal eine Niederlage vor Gericht.

Volker Beck feierte gestern einen „1:0-Sieg“ über den Kardinal. Zumal dieser die Anwalts- und Gerichtskosten beider Parteien tragen muss. Mit einem Hauch von Verwunderung weist der Grüne auf dem Umstand hin, dass er sich doch den Maulkorb, den das Erzbistum nun als Anlass für den Vergleich nannte, schon selbst im November umgehängt hatte, als er ankündigte, das H-Wort nicht zu wiederholen. Den folgenden Ärger samt 10 000 Euro hätte sich Meisner also leicht sparen können.
German "Ein Wort der Wegweisung"
Feb 06, 2008
Fastenhirtenbrief von Joachim Kardinal Meisner

(6.2.2008) Liebe Schwestern, liebe Brüder! Die diesjährige Österliche Bußzeit beginnt so früh im Jahr wie selten sonst.

Vielleicht ist das auch ein Fingerzeig Gottes. Denn so finde ich sehr früh Gelegenheit, Ihnen mit meinem Hirtenbrief zur Fastenzeit ein Wort der Wegweisung zu geben zu den strukturellen Veränderungen, die in den kommenden Jahren in unserem Erzbistum anstehen. Mit diesen Veränderungen sind wir oft über die Maßen beansprucht - in unserer Zeit, in unseren Überlegungen und Kräften. Dabei werden wir uns schmerzlich bewusst, dass Wesentlicheres zu kurz kommt.
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   * [Seit 1982 Kardinal: Erzbischof Joachim Meisner ]
     Seit 1982 Kardinal: Erzbischof Joachim Meisner (©dr)

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   * Erzbistum Köln

Mit dem gewählten Leitwort „Wandel gestalten - Glauben entfalten" wollen wir versuchen, wirklich aus der Not eine Tugend zu machen: Es gibt Wichtigeres für jede Gemeinde als ihre Organisationsform! Das Wichtigere ist zugleich auch das Bleibende - unabhängig davon, wie die äußeren Bedingungen des Gemeindelebens aussehen. Wir müssen versuchen, die nötige Gestaltung des Wandels so vorzunehmen, dass diese wichtigeren Inhalte unseres Christseins nicht nur keinen Schaden leiden, sondern sogar deutlicher ins Bewusstsein kommen.  Danach zu leben und zu handeln, sollen wir uns bemühen.

Auf eine wesentliche Eigenart des christlichen Gemeindelebens möchte ich in diesem Hirtenbrief hinweisen: Es ist die missionarische Ausrichtung. Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, da sie selbst ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes herleitet. Sie ist von Gott zu allen Völkern gesandt.  Darum nennt das Konzil sie das „allumfassende Sakrament des Heiles" (Lumen gentium 48). An dieser universalen Heilssendung nimmt jede noch so kleine Gemeinde und Gemeinschaft teil. So soll auch jeder Seelsorgebereich gleichsam wie ein Baum seine Zweige ausstrecken, um vielen Menschen Schatten vor der glühenden Sonne zu schenken. Die Kirche und damit auch unsere Seelsorgebereiche leben nicht aus sich selbst und haben nichts für sich selbst. Was sie haben, haben sie vom Heiligen Geist, und was ihnen gegeben wurde, wurde ihnen gegeben zur Weitergabe.

Was uns zur Weitergabe gegeben ist, zeigt sich in fünf pastoralen Schwerpunkten, die das Leben einer Gemeinde zu jeder Zeit kennzeichnen und deshalb auch bei unserem Erneuerungsprozess in keinem Seelsorgebereich fehlen dürfen: eine lebendige Feier der Liturgie, eine solide Glaubensverkündigung, eine besondere Sorge für unsere Jugend und Familien und das caritative Handeln. Weil uns das alles gegeben ist, um es weiterzugeben, folgt als Konsequenz: die missionarische Ausstrahlung als fünfter Schwerpunkt.  Denn - um ein Wort von Jean Danielou SJ aufzugreifen -: „Der Geist der Mission ist der Geist des Christentums schlechthin". "Wandel gestalten - Glauben entfalten", dazu möchte ich Ihnen drei Gedanken ans Herz legen:

1. Die Priester
Die zwölf Apostel, die Jesus um sich gesammelt hat, sind die Eckpfeiler der Sendung der Kirche. Die Gemeinschaft der Priester eines Bistums, die in einer Stadt, einem Dekanat oder einem Seelsorgebereich ihren Dienst tun, sind heute auch solche Eckpfeiler.  Es besteht keine Hoffnung auf Verwirklichung einer missionarischen Kirche, wenn nicht zuerst die Seelsorger vom missionarischen Geist und von der Energie des Heiligen Geistes tief durchdrungen sind.  Entscheidend ist das Selbstverständnis des Priesters, ob er sich nur als Kultdiener, Stubengelehrter oder Bürokrat betrachtet oder aber als Gesandter, als Missionar, als Apostel, als Prophet. Die Frage, die wir Priester uns immer wieder stellen müssen, heißt:
„Lebt in uns die Weite und die heilige Unruhe des Missionars?". Wenn wir unsere universale Heilssendung ernst nehmen, werden wir eine Neuordnung der Rahmenbedingungen unserer Seelsorge bedenken müssen. Und das tun wir zurzeit.
Wenn derjenige, der dem Presbyterium eines
Seelsorgebereiches vorsteht, im herzlichen Einvernehmen jedem Mitbruder entsprechend seinen Fähigkeiten zu seinem Platz verhilft, hat er eine wichtige Dimension seines Dienstes verstanden. Denn es geht darum, dass alle pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemäß ihrem jeweiligen Charisma und entsprechend der Ordnung der Kirche das Evangelium durch Wort und Tat verkünden. So dienen die vielfältigen Begabungen und Dienste dazu, Christus für die Menschen unserer Zeit berührbar zu machen.

2. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Berater
Paulus hat um sich eine Gruppe von Mitarbeitern geschart: Die Schwester Phoebe, die ihm und vielen geholfen hat; Aquila und Priska, denen alle Heidengemeinden Dank schulden; Maria in der römischen Gemeinde, die sich viel Mühe für andere gegeben hat. Jene Mitarbeiter, also die Laienchristen, nehmen in ihrer Weise an der Sendung der Kirche wesentlich teil. Sie dürfen in der gegenwärtigen Situation der Kirche nie und nimmer fehlen. Wie spontan und fruchtbar dieses Wirken in der Frühzeit der Kirche war, zeigt klar die Heilige Schrift selbst, insbesondere in der Apostelgeschichte sowie in den Apostelbriefen.  Das Presbyterium eines Gebietes oder der Presbyter einer Gemeinde hatte um sich eine größere oder kleinere Zahl von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, denen besonders der Weltdienst anvertraut war. Das ist heute nicht anders. Dazu kommen heute noch Gremien, die eine wichtige Funktion im Leben eines Seelsorgebereiches haben, z.B. der Kirchenvorstand, der Pfarrgemeinderat und andere Gruppierungen und Verbände, die das Leben unserer Gemeinden mitprägen. Mit pastoralen Gremien alleine ist es aber nicht getan, wenn dort nicht der missionarische Geist lebendig ist. Um es sehr deutlich zu sagen: Wo dieser Geist fehlt, schaden sie mehr, als dass sie nützen, sie bremsen dann mehr, als sie voranbringen.  Auch von den Mitarbeiterinnen, den Mitarbeitern und Beratern erwarten wir Weitblick, durch persönliches Glaubenszeugnis, durch Initiative und Verantwortlichkeit. Wer etwa im Pfarrgemeinderat mit über Gottesdienstzeiten berät, aber selbst den Sonntagsgottesdienst nicht besucht, macht seine Mitarbeit unglaubwürdig und unwirksam. Wir brauchen heute in unseren Seelsorgebereichen mehr denn je die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von der Liebe Christi gedrängt werden, sich für die Schwestern und Brüder in der Gemeinde und darüber hinaus einzusetzen. Ich danke allen, die das schon jahrelang tun und ohne deren Mitwirken wir schon längst Schiffbruch erlitten hätten.  Ich bitte Sie inständig, sich durch ein tiefes Gebetsleben für Ihren weitflächigen apostolischen Einsatz die nötige Kraft zu erbitten. Als Anregung und Hilfe füge ich dem Hirtenbrief ein Gebetsbildchen bei, das sich für das persönliche Gebet und auch als Eröffnungsgebet vor Sitzungen der Gremien und Verbände eignet, ein Gebet, das von der Gemeinde nach den Gottesdiensten abwechselnd gesprochen werden kann. Wir haben viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Seelsorgebereichen, die sich das Leben der Gemeinden zu einem Herzensanliegen machen. Wie der Apostel Paulus habe auch ich als Bischof allen Grund, vielen zu danken und ein „Vergelt's Gott" für diesen selbstlosen Einsatz zu sagen.

3. Wir schauen schließlich auf unsere Seelsorgebereiche und Pfarrgemeinden
Wie stellt sich nun das missionarische Bemühen in unseren Gemeinden konkret dar? Dazu gehören zunächst einmal die Beter und die so genannten Stillen unter uns. Als die Jünger den Herrn fragten, warum sie den Dämon von dem kranken Knaben nicht austreiben konnten, antwortete er: „Diese Art kann nur durch Gebet ausgetrieben werden" (Mk 9,29). Das inständige und anhaltende Gebet hat eine große Kraft. „Allein den Betern kann es noch gelingen…", schreibt Reinhold Schneider in einer ausweglosen Situation. Die Seelsorger, aber auch die Gläubigen werden es oft ganz nebenbei erfahren, dass es in unseren Pfarreien Beter gibt, die viel für das Volk beten und sich ganz Gott hinopfern um der Brüder und Schwestern willen. Es gehört sicher zu den großen Erlebnissen in geistlichen Gesprächen, wenn Gott uns in das Herz solcher Menschen schauen lässt. Zu dieser Gruppe gehören die Stillen im Land, die in allen Ständen und Altersgruppen zu finden sind. Ohne Auftrag und Wissen irgendeiner kirchenamtlichen Stelle tun sie Gutes in dem Haus, in dem sie wohnen, an der Arbeitsstelle, wo sie arbeiten, von Mensch zu Mensch, ganz still und selbstverständlich, spontan, angeregt vom Heiligen Geist.  Von diesem verborgenen Kern geht eine große Kraft in die Gemeinde aus.

Dann haben wir die so genannte „Sonntagsgemeinde".  Die versammelte Gemeinde am Sonntag darf kein Ofen sein, der sich selbst wärmt. Es kann dabei auch nicht nur um ein Mahl gehen, in dem man sich nur an der Gemeinschaft untereinander erfreut. Die Gläubigen sind Heilsträger für alle. Wie geschieht das? Wir sollen nicht nur Hörer des Wortes sein, sondern auch Handelnde und Vollbringer. Das Zeugnis im Alltag, das die Frucht der sonntäglichen Verkündigung ist, wird zu einer wirksamen Form der Evangelisierung unserer Umwelt. In den Fürbitten sprechen die Gläubigen ihre Sendung aus und vertreten beim gütigen Gott die Sache des ganzen Menschengeschlechtes.  In der Feier der Eucharistie wird das Werk der Erlösung für unser Heil und das der ganzen Welt vollzogen. Wir werden dann innerlich am Opfer Jesu teilnehmen, wenn wir uns mit ihm für die Schwestern und Brüder hingeben. Von hier aus könnte die sonntägliche Eucharistiefeier neue Impulse bekommen und die Pflicht zur Teilnahme an der Sonntagsmesse neu begründet werden.

Die Gemeinschaft der Gläubigen ist auch zu denjenigen gesandt, die kaum oder gar nicht in die Kirche gehen, die womöglich sogar den Kirchenaustritt erklärt haben, ja sogar zu solchen, die nie katholisch waren und mit der Kirche gar nichts zu tun haben. Es mag vielleicht überraschen, dass es unter diesen Gruppen Menschen gibt, die auf ihre Weise missionarisch tätig sind. Das ist eine Erkenntnis aus der Erfahrung. In irgendeinem Punkt vertreten sie manchmal in ihrer Umwelt die Sache Christi und treten für die Kirche ein. Die Gründe dafür sind vielfältig.  Manchen ist zu irgendeiner Zeit ein Glaubenszusammenhang aufgegangen, und sie haben sich das auch über einen Kirchenaustritt hinaus bewahrt.  Andere haben erfahren, dass der Pfarrer und die Gemeinde sie nicht abgeschrieben haben, sondern sie noch immer dazurechnen. Nichts wäre fataler, als wenn ein falscher Eifer in solchen Mitchristen den glimmenden Docht auslöschen würde. Mit einem glimmenden Docht kann auch ein großes Osterfeuer entzündet werden. Ein gutes Wort an der Tankstelle, im Kaufhaus, auf der Straße, kann einer glimmenden Lampe neues Öl zuführen.
Das Zweite Vatikanische Konzil betont, dass die ganze Kirche missionarisch ist, und dass die Evangelisierung eine Grundpflicht des Volkes Gottes ist. Ob unsere Gemeinden missionarisch sind, wird davon abhängen, ob es Personen und Gruppen in den Gemeinden gibt, in denen der missionarische Geist lebendig wird. „Wandel gestalten - Glauben entfalten", das ist eine ganz realistische Aufgabe, die vor uns steht. Es geht uns dabei nicht in erster Linie um den Umbau der Strukturen, sondern darum, das Evangelium, das wir allen Menschen schulden, in die Welt hineinzutragen. Dafür aber müssen wir unsere Strukturen so gestalten, dass sie uns dabei eine Hilfe sind und nicht ein Hindernis.

Ich bitte Sie alle um Ihr Verständnis und um Ihre Mithilfe! Als Erzbischof habe ich das Projekt nicht aus irgendeiner Laune heraus auf den Weg gebracht.  Ich habe mich mit den mir dafür gegebenen Gremien gründlich darüber beraten und es auch persönlich lange durchbetet. Helfen Sie mit! Ich bitte Sie - um Gottes und der Menschen willen - um Ihr Mitdenken, Ihr Mithandeln und Ihr Mitverantworten!  Dazu segne Sie alle der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.  Amen.

Köln, am Fest der Darstellung des Herrn 2008
+ Joachim Card. Meisner
Erzbischof von Köln
German Kardinal Meisner würdigt Gründer von „Kirche in Not“, an dem jeder Maß nehmen kann
Jan 25, 2008
Der Gläubige sollte für die anderen ein „Helfer zu Glaube, Hoffnung und Liebe“ sein.

KÖNIGSTEIN, 24. Januar 2008 (ZENIT.org).- Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat den Gründer des internationalen katholischen Hilfswerks Kirche in Not, Pater Werenfried van Straaten, als „Institution mit Passion“ bezeichnet.

Während der Heiligen Messe zur Feier des fünften Todestages des Prämonstratensers, der am 31. Januar 2003 im Alter von 90 Jahren gestorben war, erklärte Kardinal Meisner am Samstag, dass Pater Werenfried so intensiv von Gott gesprochen habe, dass er „von vielen gehört und erhört worden“ sei. Er habe „in göttlicher Vollmacht“ gesprochen, so dass ihn „auch die Kirche des Schweigens hinter Mauern und Stacheldraht vernehmen konnte“. An der Eucharistiefeier im gut gefüllten Kölner Dom nahmen unter anderem der Internationale Präsident des Hilfswerkes, Hans-Peter Röthlin, und der neue Generalsekretär aus Frankreich, Pierre-Marie Morel, teil. Erzbischof Luis Sako von Kirkuk (Nordirak) konzelebrierte.

„Unser Glaube kann und darf nicht unsichtbar bleiben“, bekräftigte Kardinal Meisner mit Blick auf Pater Werenfried. „Er nahm das Lob der Menschen über seine geniale Lebensleistung kaum zur Kenntnis und reichte alles im Lobpreis an den zurück, von dem alles Gute in die Welt hineinströmt. Wir wissen, ,Eigenlob stinkt', Gotteslob aber inspiriert und hebt den Menschen über sich selbst hinaus. Darum ging man wohl von Pater Werenfried immer etwas besser weg, als man zu ihm hinkam.“

Der Gründer von „Kirche in Not“ habe seinen Glauben „überlaut vor aller Welt verkündet“. Darum sei ihm „ein so unwahrscheinliches Werk der Nächstenliebe zugewachsen, so dass wir heute staunend und dankbar davor stehen“. Pater Werenfried habe sich seines Glaubens nie geschämt, sondern er hatte „einen unverschämten Glauben, so dass er viele durch seine Glaubenskraft überzeugte und sie mit elementarer Kraft in sein Werk hineinzog“. Er habe „ein großes Herz“ und „einen großen Mund“ gehabt, so der Kardinal.

Der heilige Paulus habe in seinem ersten Brief an die Thessalonicher den Glauben der Christen als „Werk ihrer Hände“ definiert (vgl. 1 Thess 1,3). Pater Werenfried sei „gleichsam unser Handwerksmeister gewesen“, fuhr Kardinal Meisner fort, der Priester und Laien gleichermaßen dazu aufforderte, „nicht Landräte und Verwaltungsorgane des lieben Gottes in seiner Weltregierung“ zu sein, sondern „Helfer zu Glaube, Hoffnung und Liebe“ - für alle Menschen. Pater Werenfried habe es darin „zu einer wirklichen Meisterschaft gebracht“. Es lohne sich, „als Priester und Bischof seine eigene Glaubenspraxis an Pater Werenfried zu orientieren“.

Der am 17. Januar 1913 in Mijdrecht bei Amsterdam (Niederlande) geborene „Speckpater“ habe seinen Mitmenschen gezeigt, „dass der Unglaube der Gläubigen darin besteht, dass sie zu wenig an die Kraft des Senfkorns glauben“. Die Welt wisse nicht, „was unsere wirkliche Kraft ist und wo sie liegt. Wir sind mit der Gnade Gottes einem solchen Giganten des Reiches Gottes in Pater Werenfried auf die Spur gekommen“.

„Kirche in Not“, ein Hilfswerk päpstlichen Rechtes, untersteht direkt dem Heiligen Stuhl und unterhält Niederlassungen in 17 Ländern in Europa, den USA, Kanada, Australien und Lateinamerika. Jährlich unterstützt die 1947 gegründete Hilfsorganisation mehr als 5.000 pastorale Projekte in fast 140 Ländern.
Spanish Cardenal Meisner: La alegría en el Señor es nuestra fortaleza
Jan 11, 2008
El Arzobispo de Colonia, Cardenal Joachim Meisner, destacó en una reciente homilía que los cristianos deben aprender de los Reyes Magos y tener, como ellos, los ojos abiertos y la disposición para ponerse en camino, de manera que el Señor irrumpa en sus vidas para entregarle sus dones y descubrir que "la alegría en el Señor es nuestra fortaleza".

COLONIA, 11 Ene. 08 / 01:03 am (ACI).- "Ser hombres nuevos: ese es el profundo mensaje que da el Niño Dios a nosotros los cristianos de ahora" agregó y que quien ve en Belén la Luz de su vida, regresa por otro camino, ya no se acercará al camino del mal, sino que seguirá a Cristo, explicó el Purpurado.

Tras comentar la importancia que todos los cristianos en el mundo anuncien el mensaje liberador que trae el Niño Dios, el Cardenal resaltó que ante el Niño en el pesebre "existen principalmente para los seres humanos dos posibilidades que muestra el evangelista (San Mateo): ponerse de lado de Herodes o de lado de los Magos" y exhortó a analizar la postura que cada uno tiene ante el Niño Dios.

Luego dijo que Herodes es el prototipo del hombre terco que "no quiere abrirse ante la nueva luz de Dios", que rechaza la Buena Nueva del Niño y que incluso se asusta ante la noticia del nacimiento del Mesías, ya que aquél busca proteger su poder e influencia, y recordó que hoy en día "sombras oscuras de Herodes se encuentran sobre nuestro pueblo." Asimismo señaló que "quien se queda ensimismado, encerrado en sus cuarto paredes, no va a poder ver la Luz".

Seguidamente aseveró que la postura contraria a Herodes, es la que sostienen los Reyes Magos ante el Niño en Belén, que al ver la estrella se llenaron de alegría y al llegar a la casa lo adoraron. "En Belén encuentran los Magos la luz de sus vidas, al adorar al Niño" Resaltó la importancia de la adoración a Jesucristo desde los inicios de la Iglesia católica hasta el día de hoy y recordó que quien reza está en el lugar correcto, dado que "es ahí donde el mundo regresa al orden en que Dios lo creó".

En la Catedral de Colonia se encuentran los restos de los Tres Reyes Magos, que son visitados todos los años por miles de fieles. El Cardenal Meisner recordó también el testimonio de un millón de jóvenes del mundo entero, que en la Jornada Mundial de la Juventud del 2005 en Colonia siguieron el camino de los Magos de Oriente.
German Der Erzbischof und der Ruhestand
Dec 21, 2007
Manchmal kokettiert sogar ein Kardinal. «Für die Diplomatie wäre ich ganz sicher nicht geeignet», bekannte der Kölner Erzbischof Joachim Meisner unlängst in einem Interview. Am ersten Weihnachtstag feiert das umstrittene Oberhaupt der Kölner Katholiken seinen 74. Geburtstag. Nächstes Jahr muss Meisner laut Kirchenrecht dem Papst seinen Rücktritt anbieten.

Köln (ddp-nrw, 20. Dezember 2007). Manchmal kokettiert sogar ein Kardinal. «Für die Diplomatie wäre ich ganz sicher nicht geeignet», bekannte der Kölner Erzbischof Joachim Meisner unlängst in einem Interview.

Am ersten Weihnachtstag feiert das umstrittene Oberhaupt der Kölner Katholiken seinen 74. Geburtstag. Nächstes Jahr muss Meisner laut Kirchenrecht dem Papst seinen Rücktritt anbieten. Ob Benedikt XVI. ihn dann mit dem 75. Lebensjahr in den Ruhestand schickt oder für weitere Jahre auf dem einflussreichen Bischofsstuhl der Domstadt belässt, ist zumindest offiziell noch offen.

»Wenn ich muss, dann bleibe ich«, sagte Meisner mit bemerkenswert wenig Enthusiasmus. Wenn der Papst sage, «Du kannst mich jetzt nicht allein lassen», dann gehorche er. Seine beiden Bischofsstationen Berlin und Köln seien jedoch »alles andere als Schonposten« gewesen.

Allerdings sorgte Meisner auch im vergangenen Jahr dafür, dass es im Schatten des Doms nicht allzu beschaulich wurde. So kommentierte er die Bewerbung von Horst Seehofer um den CSU-Vorsitz angesichts dessen außerehelicher Affäre mit der Bemerkung: »Wie will er denn Vorsitzender einer christlichen Partei werden? Wie weit sind wir eigentlich gekommen?»

Am meisten Aufsehen verursachte der Kölner Kirchenmann allerdings mit seinen Äußerungen zur Kultur. So hielt er das viel beachtete, vom weltberühmten Künstler Gerhard Richter entworfene neue Fenster des Kölner Doms eher für eine Moschee geeignet. «Wenn wir schon ein neues Fenster bekommen, dann soll es auch deutlich unseren Glauben widerspiegeln. Und nicht irgendeinen», kritisierte Meisner.

Dem Festgottesdienst zur Einweihung der mehr als 110 Quadratmeter großen Fensterfläche war der Kardinal demonstrativ fern geblieben. Er hätte sich figürliche Darstellungen wie Heilige oder Märtyrer des 20. Jahrhunderts für die Glasfenster gewünscht, konnte sich damit aber beim Domkapitel nicht durchsetzen, hieß es aus Meisners Umfeld. Inzwischen entschuldigten sich die geistlichen Hausherren des Doms beim Kardinal für ihren Alleingang.

Tagelang in den Schlagzeilen blieb Meisner wegen seiner Rede zur Einweihung des Kölner Diözesanmuseums Kolumba: «Dort, wo die Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte», sagte der Kardinal.

Seine Anlehnung an den von den Nationalsozialisten verwendeten Begriff «Entartete Kunst» löste eine Welle der Entrüstung aus. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, bezeichnete Meisner als einen «notorischen geistigen Brandstifter». Tatsächlich hatte dieser bereits zuvor die Abtreibungspille mit dem Giftgas in den NS-Vernichtungslagern und Abtreibungen mit den Massenmorden von Hitler und Stalin verglichen.

Gegen den Grünen-Politiker Volker Beck und den Kölner Kabarettisten Jürgen Becker, die Meisner vor diesem Hintergrund als «Hass-Prediger» bezeichnet hatten, war das Erzbistum erfolgreich juristisch vorgegangen.

Zu den Feiertagen werde es der Kardinal nun etwas ruhiger angehen lassen, hieß es. Im Ruhestand wolle er dann ins Bergische Land ziehen, wo er wandern und sich einen Hund Halten könne. Auch könne er dann seine Buchpläne weiter verfolgen.
German Erfreulicher Befund und Anruf: Kardinal Meisner zu den Ergebnissen des „Religionsmonitors“
Dec 21, 2007
„Ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung ist aufnahmebereit für die Antworten des Glaubens“.

KÖLN, 20. Dezember 2007 (ZENIT.org).- „Hochreligiöse“ Menschen in Deutschland sind nach den Ergebnissen des unlängst vorgestellten „Religionsmonitors“ der Bertelsmann-Stiftung „alles andere als eine kleine Minderheit“. Das bekräftigte jetzt der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. Die Studie passe „genau in diese Zeit“, weil sie „die überwiegende Mehrheit der Menschen“ als „religiös erwartungsvoll“ zeige.

„Der Advent ist die Zeit der Erwartung, und so zeigt die neue Studie, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen in diesem Land nach wie vor religiös erwartungsvolle Menschen sind. 70 Prozent der Bevölkerung stufen sich als religiös ein, und 20 Prozent sagen sogar, dass Religion und Glaube einen enorm hohen Stellenwert für ihre persönliche Identität und Lebensgestaltung besitzen. Diese von der Studie als ‚hochreligiös‘ bezeichneten Menschen sind also in unserem Land alles andere als eine kleine Minderheit“, so Kardinal Meisner nach einer gestern veröffentlichten Presseerklärung.

„Auch ist der Glaube an einen persönlichen Gott unter den religiösen Menschen offenbar stark verbreitet. Was zweieinhalb Jahre nach dem Weltjugendtag in Köln zudem an der Studie besonders freut, ist die Tatsache, dass sich immerhin 52 Prozent der jungen Erwachsenen als klar religiöse Menschen und weitere 14 Prozent sogar hochreligiös bekennen. Die Forscher der Bertelsmann-Stiftung können nach eigener Aussage ‚ein langfristiges Aussterben der Religion in Deutschland, wie es immer wieder behauptet wird, definitiv nicht bestätigen‘. Der Mensch als Ebenbild Gottes ist und bleibt auf allen Längen- und Breitengraden der Welt der natürliche Verbündete Gottes.“

Aus diesem „erfreulichen Befund“ lässt sich nach Worten des Kardinals für die katholische Kirche und die anderen Konfessionen und religiösen „eine große Verantwortung herauslesen. Die Orientierung und Hilfe, die sie nicht nur bei den entscheidenden Lebensereignissen wie Geburt, Heirat und Tod leistet, ist in unserer Gesellschaft gefragt. Ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung ist aufnahmebereit für die Antworten des Glaubens. Diese Erwartungen darf die Kirche nicht enttäuschen. Ihre Stimme will gehört werden.“
German „Kein gefühliger Seelenbalsam“
Dec 20, 2007
Weihnachten geht auch Atheisten an – davon ist Kardinal Joachim Meisner überzeugt. Das Fest habe auch für Ungläubige eine existenzielle Bedeutung. Denn kein Mensch wolle ungeliebt sein – und Gott lasse keinen Menschen los, sagt der Kölner Erzbischof im Interview.

(bunte.de, 19.12.07) Können Sie einem Atheisten erklären, warum Weihnachten auch für ihn Bedeutung hat?

Kardinal Meisner: Gott lässt keinen Menschen los. Deshalb gibt es – wenigstens von Gott her – keine Gottlosen. Diese Beziehung ist entscheidend. Das wird Weihnachten in der Geburt Jesu Christi deutlich. Er ist wirklich wahrer Gott vom wahren Gott und zeigt damit, dass er den Menschen nicht loslässt.

Kann man sich also nicht von Gott lossagen?

Kardinal Meisner: Auf die Frage, ob ein Mensch den Satz über seine Lippen bringt: „Ich möchte niemanden haben, der mich liebt“, habe ich meistens die Antwort erhalten – auch von Atheisten: „Das wäre ja die Hölle!“ Woher kennen diese Menschen denn diese theologische Definition der Hölle? Der Mensch ist eigentlich nicht Urbild, sondern Abbild, nämlich Abbild Gottes. Darum kann kein Mensch ungeliebt sein wollen.

Hat die christliche Weihnachtsbotschaft überhaupt noch eine Chance in einer Gesellschaft, in der uns Meldungen über vernachlässigte und getötete Kinder immer wieder erschüttern?

Kardinal Meisner: Mit welch angespannten Erwartungen an Harmonie, Liebe und Frieden wird gerade Weihnachten überfrachtet! Angesichts einer Welt voll Krieg und unfassbarer Grausamkeiten sammeln sich hier tiefste Sehnsüchte der Menschen wie in einem Brennglas. Die Antwort von Weihnachten ist aber gerade nicht ein gefühliger Seelenbalsam, sondern die Unbequemlichkeit der Krippe: In diesem Kind hat Gott am eigenen Leib erfahren, was Menschsein heißt. Er macht sich damit gerade mit den Notleidenden gleich, und er appelliert an die Betrachter der Krippe: Lasst euch im Herzen bewegen von diesem Anblick!
Glaube ist keine Vertröstung sondern Lebenshilfe

Und welche Pflichten haben wir an Weihnachten?

An den Heiligen Drei Königen lässt sich beispielhaft ablesen, wie diese entscheidende Bewegung aussieht: Sie gehen vor dem Kind in die Knie. Das heißt: Auch wir müssen uns auf Augenhöhe mit diesem Kind begeben, um weihnachtliche Menschen zu werden. Dann können wir auch Engel für unsere Mitmenschen werden, gerade für die Schwächsten.

Auch Jesus wurde in ärmlichen Verhältnissen geboren – welche soziale Verpflichtung ergibt sich daraus heute für die Kirche?

Kardinal Meisner: In unseren Städten stand schon zu allen Zeiten neben dem Gotteshaus immer das christliche Krankenhaus. Das bedeutet: Glaube will immer in der Liebe aktiv werden. Glaube erweist sich darin eben nicht als eine folgenlose Vertröstung, sondern als konkrete Lebenshilfe mit Hand und Fuß.

Setzen das die Menschen heute auch so um?

Kardinal Meisner: In unserer globalisierten Welt wächst gottlob auch das Bewusstsein der Verantwortung für die fernen Nächsten auf allen Kontinenten, und es muss noch weiter wachsen. Entscheidend bleibt, dass jede hilfreiche Zuwendung getragen ist von der Liebe Gottes, der uns zuerst liebt und uns dadurch zum Guten befähigt.
German Meisner weist Schavan zu Recht in die Schranken
Dec 08, 2007
Kardinal Joachim Meisner hat der Bundesforschungsministerin Annette Schavan vorgeworfen, sie habe ihre christlichen Prinzipien aufgegeben. In der Tat zeigt die Christdemokratin einen unglaubwürdigen Spagat zwischen christlicher Moral und politschem Zweckdenken.

(Die Welt, 7. Dezember 2007) Die Politik darf es nicht akzeptieren, dass der Tod von Embryonen mit der möglichen Heilung von Menschen verrechnet wird.

Kölns Kardinal Joachim Meisner ist für seine entschiedenen, oft provozierend formulierten Positionsmeldungen bekannt, ja berüchtigt. Regelmäßig lösen sie im linksliberalen Milieu einen medial verstärkten Sturm der Entrüstung aus, besonders bei antiklerikalen Grünen wie Claudia Roth oder Volker Beck. Dieses Mal gehen die beiden mit Meisner aber überraschend konform: „Wo er recht hat, hat er recht“, kommentierte Beck, parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen, die Philippika des Kölner Erzbischofs gegen Annette Schavan. Die Bundesforschungsministerin (CDU) hatte beim CDU-Bundesparteitag mit einer raffiniert eingefädelten Blitzabstimmung einen Antrag auf Lockerung des Stammzellengesetzes durchgesetzt.
Nun steht sie als Umfallerin da, als eine Ministerin, die, wie Meisner es formulierte, „christliche Prinzipien aufgibt“ und sich damit gegen die katholische Kirche stellt, der sie selbst angehört.

Zweifellos hat der Kardinal Recht, wenngleich sich so mancher Katholik fragen dürfte, ob das Katholische bzw. Christliche in den christdemokratischen Parteien überhaupt noch Priorität beanspruchen darf. Auf zu vielen Feldern haben sich CDU und CSU in den letzten Jahren den allgemeinen Trends angepasst, ja anpassen müssen, um als Volkspartei wählbar zu bleiben. Für konservative Kritiker lautet so das Alleinstellungsmerkmal der Unionsparteien heute: Beliebigkeit.

Man gab sich, wie bei der Abtreibungsfrage, mit Formelkompromissen zufrieden oder laviert wie derzeit in der Familienpolitik. Das verbindliche „Wertefundament“ (Meisner), das es rechtfertigt, das „C“ im Parteinamen zu führen, ging dabei verloren.
Eine Politik, die es akzeptiert, dass die Forschung den Tod von Embryonen mit der möglichen Heilung von Menschen verrechnet, verlässt ihre selbst gesetzten ethischen Grundlagen. Und dies ausgerechnet in einem Augenblick, da der Wissenschaft der Durchbruch bei der Forschung mit Hautzellen gelungen scheint. Dass Annette Schavan nach der aufbrandenden Kritik an ihrer Entscheidung nach¿schob, sie habe als Ministerin immer die adulte Stammzellforschung gefördert, aber diese sei ohne vergleichende Embryonennutzung nicht Erfolg versprechend genug, zeigt einen höchst unglaubwürdigen Spagat zwischen Moral und Zweckmäßigkeit. Man kann eben nicht nur ein bisschen an Gott und seine Schöpfungsordnung glauben, sondern ganz – oder gar nicht.
Schlagworte
Stammzellen Meisner Schavan Christlich CDU
Der eigentliche Adressat von Meisners harscher Kritik ist deshalb Angela Merkel, die bei der Abstimmung ihr ganzes Gewicht in die Waagschale warf, um die Mehrheit des Parteitags gegen die Lockerung der Stammzellenforschung umzudrehen. Denn die Kanzlerin weiß, dass die SPD im Bundestag mehrheitlich für den verstärkten Import von Stammzellen votieren wird – und da soll die Koalition geschlossen auftreten. Macht in der Politik und Allmacht in der Forschung spielen sich so in die Hände.
German Heilmittel gegen Einsamkeit ist Heiligenverehrung
Nov 03, 2007
Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat zu einer Verehrung der Heiligen aufgerufen. Dies sei das «Heilmittel» gegen die Einsamkeit, unter der viele Menschen heute litten, sagte Meisner laut Redemanuskript in seiner Predigt zum Allerheiligenfest am Donnerstag in Köln.

(epd, 01.11.2007) Köln. «Wenn wir die Heiligen verehren, kommen nicht die Toten zu uns auf Besuch, sondern die Lebenden.» Die Kirche lebe mit der Gemeinschaft der Heiligen, so Meisner weiter.

So würden in jeder Messe nicht nur die Gläubigen angesprochen, sondern auch die unsichtbaren Glieder des Leibes Christi, die Heiligen. Erst in der Gemeinschaft mit ihnen werde der große Hunger nach «wirklicher Gemeinschaft durch die Welt» gestillt, wie ihn schon Friedrich Schiller und Karl Marx beschrieben hätten.

Allerdings sei die Gemeinschaft im kirchlichen Raum nicht immer das, was sie sein solle, bemängelte der Kardinal. Es gebe Gemeinden, die nur verwaltet würden. Eine Unmenge von Organisationen sei noch kein Beweis dafür, «dass eine Pfarrgemeinschaft da ist, dass die Wirklichkeit des lebendigen Christus in ihr berührbar wird».

Als wichtigste Gemeinschaft bezeichnete Meisner die Familie, denn sie umfasse «die Fülle des Lebens». Von ihrer substanziellen Gesundheit hänge das Leben der Gesellschaft und der Kirche ab. Aber diese Zelle sei heute nicht mehr intakt. «Nur dort, wo der Geist des Dienens, der Geist des Füreinander-Daseins in einer Familie zu Hause ist, da ist die Familie gesund und vital», betonte der Erzbischof.
German Kardinal Meisner darf nicht mehr Hassprediger genannt werden
Oct 31, 2007
Nach dem "Hassprediger"-Vorwurf gegen den Kölner Kardinal Joachim Meisner ist dem Grünen-Politiker Volker Beck eine Wiederholung dieser Äußerung gerichtlich verboten worden.

Köln (AFP) — Mit einer entsprechenden Einstweiligen Verfügung sei das Landgericht Köln der Auffassung des Kölner Erzbistums gefolgt, wonach die Äußerung eine Beleidigung und einen "Angriff auf die Ehre des Kardinals" darstelle, erklärte das Bistum. Bei Zuwiderhandlung droht Beck demnach ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder ersatzweise Ordnungshaft bis zu sechs Monaten. Beck prüft rechtliche Schritte gegen die Anordnung.

Die Antragsschrift habe darauf hingewiesen, dass der Begriff "Hassprediger" Personen bezeichne, "die unter religiöser Verbrämung volksverhetzende Aktivitäten entfalten und zu Gewalt aufrufen", erklärte das Kölner Erzbistum. In diesem Sinne werde der Ausdruck insbesondere in den Medien verwendet. Er stelle daher in Bezug auf den Kardinal eine schwere Beleidigung dar, die auch strafrechtlich relevant sei. Erst im Juni setzte das Erzbistum Köln eine Einstweilige Verfügung gegen den Kölner Kabarettisten Jürgen Becker durch, nachdem dieser Meisner ebenfalls als "Hassprediger" bezeichnet hatte.

Vor der Einleitung der gerichtlichen Schritte wurde Beck nach Angaben des Erzbistums schriftlich aufgefordert, "diese diskriminierende Beschimpfung des Kardinals" zukünftig zu unterlassen. Darauf habe der Grünen-Politiker allerdings nicht reagiert.

Der Grünen-Politiker bestätigte, dass ihm die Einstweilige Verfügung zugegangen sei. "Herr Beck lässt sie jetzt prüfen und wird dann entscheiden, ob er gegen sie rechtliche Schritte unternimmt", erklärte ein Sprecher seines Bundestagsbüros.

Am Vortag hatte Beck bedauert, Meisner im Magazin "Spiegel" als "selbstgerechten Hassprediger" bezeichnet zu haben. Seine inhaltliche Kritik an den Äußerungen des Erzbischofs zu Themen wie Homosexualität hielt er aber aufrecht. Die Predigten des Kardinals "würdigen immer wieder Menschen herab" und seien so "oft auch geeignet, Hass gegen diese Gruppen zu schüren", erklärte Beck.

Anlass für Becks Kritik war eine Predigt Meisners im Schweizer Wallfahrtsort Einsiedeln, bei der er Anfang Oktober gesagt hatte: "Die so genannten alternativen Modelle menschlichen sexuellen Zusammenlebens sind aber unwahr, und darum für den Menschen im Kern verderblich."
German „Heute ist uns der Wahrheitsdienst Mariens unentbehrlich“
Oct 30, 2007
Aus aktuellem Anlass veröffentlichen wir die Predigt, die der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner am Gedenktag Maria, Königin des Rosenkranzes (7. Oktober) in der Basilika des Wallfahrtsortes Maria Einsiedeln gehalten hat.

Wie die Pressestelle des Erzbistums am Samstag bekräftigte, hatte Kardinal Meisner mit seiner Predigt „das getan, was seines Amtes als Bischof ist: die kirchliche Lehre zu verkündigen sowie den Wert und die Würde von Ehe und Familie zu verteidigen“. Niemandem habe er mit seinen Worten das Existenzrecht abgesprochen, wie ein Grünen-Politiker behauptet hatte; vielmehr sei es ihm darum gegangen, „die Bedeutung von Ehe und Familie für die menschliche Gesellschaft“ zu unterstrichen. „Dies ist die ureigenste Aufgabe eines katholischen Bischofs.“

In Einsiedeln hatte Kardinal Meisner zur Beachtung der Wahrheit über den Menschen aufgerufen und unter anderem festgestellt: „Die Schönheit Mariens hat etwas zu tun mit ihrer Sündenlosigkeit. Die Sünde macht immer alt und hässlich. Eine Abtreibung etwa, so sagt man, macht eine Frau älter als ein halbes Dutzend Geburten. Menschliche Schönheit bedeutet, die Schönheit Gottes durch unser Wesen durchscheinen zu lassen.“

* * *

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Ist nach 90 Jahren Fatima-Bewegung die Botschaft von Fatima erledigt? Oder sind 60 Jahre Fatima-Sühnekreuzzug zum Gegenstand der Vergangenheit geworden? Und sind wir heute zum 30. Mal zu einer Marienfeier letztmalig in Einsiedeln versammelt? Ist die Botschaft Mariens im größer und einiger werdenden Europa erledigt? – Wir werden sagen müssen: Ganz im Gegenteil! Europa droht sich von seinen Wurzeln abzuschneiden. Europa ist dabei, unbegreiflicherweise die Quelle zu verstopfen, aus der sich sein reiches kulturelles und zivilisatorisches Leben entfaltet hat. Europa will den Namen Gottes aus seiner Verfassung und darin die Berufung auf Jesus Christus vermeiden. Der große Beter und Schriftsteller Reinhold Schneider schrieb in den letzten Kriegsjahren: „Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unseren Häuptern aufzuhalten.“ Das Wort kann man auch heute noch wegen seiner Aktualität wiederholen: „Allein den Betern kann es noch gelingen, Europa vor seiner Selbstzerstümmelung zu bewahren!“ Es scheint aus den Katastrophen des 20. Jahrhunderts nichts gelernt zu haben! Und darum bleibt die Fatima-Botschaft von Gebet und Buße das einzige Rettungsmittel, das unser christliches Europa und damit die außereuropäische christliche Zivilisation erhalten kann. Darin ist uns Maria als Orientierungspunkt, Mithelferin und Beterin unverzichtbar.

1. Der Mensch ist von Gott als die Krone der Schöpfung gedacht und ins Dasein gerufen. Maria aber ist die Krone des Menschengeschlechtes, sodass wir sagen können: Sie ist die Krone der Krone der Schöpfung. Wir müssen mit ihr intensiver arbeiten und uns von ihr mehr denn je Orientierung geben lassen.

Weil die Welt als Schöpfung aus der liebenden Hand Gottes kommt, ist sie von Glanz, Würde und Ehre geprägt und gezeichnet. Weil der Mensch die Krone der Schöpfung ist, gilt das in ganz besonderer Weise vom Menschen. Und weil Maria die Krone der Menschheit ist, finden wir gleichsam den Schöpfungsplan Gottes in ihr und bei ihr in Reinkultur wieder: „Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir“ (Lk 1,28). Sie ist wirklich die Krone der Krone der Schöpfung.

2. Die Weisheit der Menschheit beschreibt diesen Glanz und diese Würde des Daseins mit vier Wirklichkeitsbegriffen: das Dasein aus Gottes Hand ist immer eine Einheit, es ist also eines, es ist gut, es ist wahr, und es ist schön. Das sind auch unsere ganz persönlichen Prägestempel, die uns vor Gott und der Welt auszeichnen. Da wir diese Prägestempel weithin aus dem Blick verloren haben, nehmen wir sie kaum noch zur Kenntnis und werden von Minderwertigkeitskomplexen bestimmt mit allen sich daraus ergebenden negativen Konsequenzen. „Erkenne dich selbst“, heißt es in diesem Zusammenhang: „Erkenne Maria, weil sie voll der Gnade ist, damit du dich selbst und deine Berufung erkennen kannst!“

3. Das Dasein ist eine Einheit. – Der Mensch ist eins, weil er eine Person ist. Aber durch die Sünde ist er gespalten und auseinander gefallen: Er erfährt sich oft nur noch als Triebbündel, als zerfahren, als atomisiert. Er ist in seiner Persönlichkeit gespalten. Das diagnostizieren die Psychologen mit dem Wort „Schizophrenie“. Der Apostel Paulus schildert dasselbe, indem er im Römerbrief sagt: „Ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will. Ich unglücklicher Mensch“ (Röm 7,19.24). Die so genannte Aufklärung im 19. Jahrhundert meinte, wenn der Mensch weiß, was gut ist, dann tut er auch das Gute. Darum definierte man: „Wissen ist Macht“. Aber das war und ist ein Grundirrtum, wie Paulus sagt: „Ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will.“ Der Mensch ist nicht heil oder durch die Aufklärung allein zu heilen. Stalin und Hitler waren keine Monstren, sondern sie waren Menschen. Sie haben aber durch ihre Taten den naiven Aufklärungsglauben ad absurdum geführt. Und die Buche, unter der Goethe auf dem Eltersberg in Weimar den deutschen Humanismus definiert hat: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“, stand dann auf dem Appellplatz des KZ Buchenwald bei Weimar, auf dem die Menschenwürde mit Füßen getreten wurde. Franz Grillparzer hatte schon recht, wenn er schreibt: „Humanität ohne Divinität ergibt Bestialität“, das heißt: „Menschlichkeit ohne Göttlichkeit pervertiert zur Unmenschlichkeit“.

Der Prophet mahnt das Volk Gottes, indem er sagt: „Wie lange noch schwankt ihr nach zwei Seiten?“ (1 Kön 18,21). Maria ist dazu das große Gegenbild Gottes. Sie ist ohne Sünde und darum ganz bei sich selbst. Sie steht nicht außer sich, sondern ganz und gar in sich. Und sie ist nicht getrieben von Leidenschaften, sondern ruht ganz in Gott und damit ganz in sich selbst. Darum steht sie zu ihrem Auftrag, sie steht so unter dem Kreuz, sodass sich Gott ganz auf sie verlassen kann. Sie steht zu ihrem „Ja“-Wort von Nazareth bis Golgotha. Sie zeichnet sich aus durch Standfestigkeit und übersteht alle Katastrophen des Lebens. Maria ist zuverlässig. Auf sie kann sich Gott ganz und gar verlassen, und darum können auch wir Menschen uns auf sie verlassen. Wir wissen, woran wir bei Maria sind: Sie steht zu uns und spricht für uns und hält zu uns, wie das etwa das Schutzmantelbild der Mutter Christi zeigt: „Dein Mantel ist sehr weit und breit, er deckt die ganze Christenheit“. Er ist nicht durchlöchert und nicht zerfasert. Maria will uns zu wahren Menschen heranwachsen sehen, die mit Gott, den Menschen und sich selbst innerlich und äußerlich eins sind.

4. Die zweite Daseinsweise, die uns Menschen von Gott her geschenkt und eingeprägt ist, nennen wir das Gutsein oder die Güte. Denn Gott ist das höchste Gut, und darum kann sein Werk, der Mensch und die Welt, nicht ungut sein. Maria ist der gute Mensch schlechthin: die gute Mutter ihres Sohnes, die gute Gehilfin ihres Bräutigams, die gute Frau auf der Straße der Welt. Von Jesus heißt es: „Er hat alles gut gemacht“ (Mk 7,37). Er hat im Hause Mariens in Nazareth nichts Schlechtes gesehen und nichts Schlechtes gehört. So dürfen wir auch von Maria sagen, wo immer wir ihr begegnen: Sie hat alles gut gemacht – in Nazareth, in Bethlehem, in Kana, in Ägypten, in Jerusalem. Maria ist nicht des Bösen fähig. Sie kann nicht zum Unguten inspirieren. Von ihr geht man immer besser weg, als man zu ihr hingekommen ist. Die Wallfahrtsorte sind mit ihren vielen Votivgaben ein Beweis dafür: „Maria hat geholfen“, steht meistens darauf. Ihr gutes Herz strahlt in ihrer Güte auf alle Menschen aus, die in ihre Nähe kommen. Mutter Teresa von Kalkutta lebte und handelte und sprach immer mit dem Rosenkranz in der Hand, das heißt in der Nähe Mariens. Darum ging soviel Segen von ihm aus. Manche Kinder sagen ihren Eltern, dass sie immer besonders gut zu ihnen sind, wenn sie von einer Marienwallfahrt nach Hause kommen. Nicht nur, weil sie ihnen dann ein kleines Geschenk mitgebracht haben, sondern sie spüren etwas von der Güte und Menschenfreundlichkeit Mariens, die einfach auf Menschen in ihrer Nähe abfärben.

5. Das Sein in der Welt ist wahr, weil Gott die Wahrheit in Person ist. Der Mensch aber macht oft sein eigenes Dasein unwahr, wenn er das Schöpfungsgedächtnis verliert. Wenn er zum Beispiel meint, dass Mann und Frau nicht aufeinander bezogen sind, damit sie in der Ehe zur Familie werden. Alle so genannten alternativen Modelle des menschlichen sexuellen Zusammenlebens sind aber unwahr und darum für den Menschen im Kern verderblich. Die Menschheit richtet sich hier selbst zugrunde. Maria ist dagegen wahr wie klares Quellwasser. Bei ihr gibt es keine faulen Kompromisse: ihr „Ja“ ist ein „Ja“ – „Mir geschehe, wie du es gesagt hast“ (Lk 1,38). Und ihr „Nein“ ist ein „Nein“ – Das sagt und tut in ihrer Nachfolge die Kirche dann auch. Aber dafür erhält sie Widerspruch von der Welt, aber nicht von Gott.

Es ist in der Christenheit üblich geworden, in den großen Themen der Weltgeschichte mitzureden, aber es rührt sich kaum noch eine Stimme, die sich schützend vor die ungeborenen Kinder stellt und die Abtreibung mit allen Konsequenzen ablehnt, die laut uns stark sagt: „Embryonen sind ungeborene Kinder. Und darum darf man sie nicht als Ersatzteillager für kranke Menschenkörper verbrauchen“. Und die Stimme der Kirche sagt: „Euthanasie ist ein Attentat auf die Heiligkeit Gottes, weil alles menschliche Leben aus der Hand Gottes hervorgeht“. Und sie sagt: „Ehe und Familie sind nicht nur gesellschaftlich-soziologische Größen, sondern sie sind göttliche Realitäten und darum schützenswert und verteidigungswürdig“. Hier steht Maria als Mutter, die weiß, was ein ungeborenes Kind ist. Und sie leidet mit den Müttern, weil mit jeder Abtreibung auch ein Teil der mütterlichen Seele stirbt.

Maria widersteht der großen Versuchung, Jesus vom Kreuz herab zu nehmen, weil sie um den Willen des Vaters im Himmel weiß. Maria verbreitet eine saubere und wahrhaftige Atmosphäre um sich. Die Jünger versammeln sich vor Pfingsten im Abendmahlssaal von Jerusalem um sie. Man weiß bei ihr, woran man ist. Sie verweist immer auf ihren Sohn: „Was er euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5). Der Satan aber ist der Vater der Lüge, Maria die Mutter der Wahrhaftigkeit, die dem Satan den Kopf zertritt. Maria täuscht nicht, sie orientiert, sie will nie etwas für sich, sondern immer für die Ihren. Sie ist darum die Mutter des guten Rates, denn sie wird nicht von Eigeninteressen bewegt, sondern von der Wahrheit, das heißt von Gott, der das Beste für uns Menschen will und tut.

Heute ist uns der Wahrheitsdienst Mariens unentbehrlich. Die Wahrheit wird gebeugt, verletzt oder verwundet, auch manchmal in der Kirche, um so genannter „höherer Werte“ willen auf vielen Gebieten menschlichen Lebens. „Die Wahrheit wird euch befreien“ (Joh 8,32), sagt Christus. Sie hat eine unwiderstehliche Überzeugungskraft. Haben wir keine Angst vor der Wahrheit! In Maria hat sie das liebenswürdige Gesicht der Mutter angenommen. „Sie haben keinen Wein mehr“ (Joh 2,3), sagt sie zu ihrem Sohn. Sie nimmt auch heute die Situation des Menschen wahr und sagt: „Sie haben keine Wahrheit mehr“. Und sie weiß, wo wahre Abhilfe geschaffen wird, indem sie zu Jesus geht, der gesagt hat: „Die Wahrheit wird euch befreien“.

6. Die Wirklichkeit der Welt ist schön, weil sie noch den Schimmer der Schöpfungshände Gottes trägt. Vielleicht ist diese Erkenntnis für uns heute am schwierigsten zu akzeptieren. Gott machte doch aus dem Chaos den Kosmos, das heißt aus dem Tohuwabohu das geordnete Schöne. Es ist nicht von ungefähr, dass die schönsten Menschenbilder der Welt Marienbilder sind. Denken wir nur an die Sixtinische Madonna in Dresden oder an die berühmte Pietà von Michelangelo in Rom oder die Lochner-Madonna im Kölner Dom. Wir singen im Marienlied: „Die Schönste von allen“. Die Schönheit Mariens hat etwas zu tun mit ihrer Sündenlosigkeit. Die Sünde macht immer alt und hässlich. Eine Abtreibung etwa, so sagt man, macht eine Frau älter als ein halbes Dutzend Geburten. Menschliche Schönheit bedeutet, die Schönheit Gottes durch unser Wesen durchscheinen zu lassen. Das ist in Maria durch die Gnade Gottes konkurrenzlos geschehen. Sie gewinnt jeden Schönheitswettbewerb. Damit macht sie uns auf ihre Schönheit Appetit, die darin besteht, die größtmögliche Übereinstimmung unseres Willen mit dem Willen Gottes zu erwirken.

Ich denke oft, wenn im Fernsehen eine Miss Amerika oder Miss Europa vorgestellt wird, ob Gott diesen Preis auch diesen konkreten Personen verleihen würde, oder würde er ihn nicht viel mehr einer Mutter inmitten einer großen Familie oder einer chronisch Kranken auf ihrem Krankenlager verleihen? Denn Schönheit ist nicht nur eine Frage nach der Figur, der Sportlichkeit und des Aussehens, sondern Schönheit ist der Widerschein der menschlichen Würde. Wo der Mensch durchlässig wird für die Wirklichkeit Gottes und damit auch immer für die Schönheit Gottes, wie bei Maria, dort erstrahlt auch der Mensch in der Harmonie der Schöpfung, in der inneren Ordnung des Schöpfers, die wir Schönheit nennen. Bei Maria dringt und strahlt Gottes Schönheit aus ihrem Antlitz, aus ihren Augen, aus ihrem Sprechen und Handeln. „Agere sequitur esse“, sagen die Philosophen – „das Handeln fließt aus dem Sein“. Weil Maria ganz schön im Bilde Gottes ist, schenkt sie und erweckt sie Schönheit dort, wo sie ist und wo sie lebt.

Die Wirklichkeit der Welt und des Menschen ist gleichsam stigmatisiert von dem Wirklichen schlechthin, das heißt von Gott. Er ist der Eine, der Gute, der Wahre und der Schöne. Wenn der Mensch zu sich selbst kommen möchte, um damit glücklich zu werden, dann gehe er zu Maria. Hier findet er ins Menschsein übersetzt, gleichsam in Reinkultur, wozu wir alle bestimmt und berufen sind: Ebenbilder des lebendigen Gottes zu werden, indem wir eins in uns selbst sind, gut, wahr und schön werden: ein wenig wie Maria, aber ganz sicher mit Maria. Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Kardinal wehrt sich gegen Hassprediger-Vergleich
Oct 28, 2007
Der Kölner Kirchenfürst Meisner hat die Triebhaftigkeit des Menschen und alternative Partner-Modelle kritisiert. Darüber ärgert sich der Grünenpolitiker Volker Beck und facht den Streit zwischen seiner Partei und der katholischen Kirche weiter an.

(Welt, 27. Oktober 2007) Nach dem Vorwurf des Grünen-Politikers Volker Beck, der Kölner Kardinal Joachim Meisner sei ein "Hassprediger", prüft das Erzbistum rechtliche Schritte. Das teilte ein Sprecher Meisners in Köln mit. Die Erzdiözese werde die vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" veröffentlichten Vorwürfe Becks genau prüfen. Bereits im Juni hatte das Erzbistum eine Einstweilige Verfügung gegen den Kölner Kabarettisten Jürgen Becker erwirkt, der Meisner ebenfalls als "Hassprediger" bezeichnet hatte.

Beck hatte sich laut "Spiegel" zu einer Predigt Meisners zum angeblichen Sittenverfall in Europa und zum "Triebbündel" Mensch, das sein Schöpfungsgedächtnis verloren habe, geäußert. Im Schweizer Wallfahrtsort Einsiedeln hatte Meisner dem Bericht zufolge Anfang Oktober mit Blick auf die zunehmend legalisierten eheähnlichen Gemeinschaften formuliert: Die "sogenannten alternativen Modelle menschlichen sexuellen Zusammenlebens sind aber unwahr, und darum für den Menschen im Kern verderblich. Die Menschheit richtet sich hier selbst zugrunde".

Beck, der selbst bekennender Homosexueller ist, sagte laut "Spiegel": "Kardinal Meisner betätigt sich einmal mehr als selbstgerechter Hassprediger, denn er spricht ganzen Gruppen von Menschen die Existenzberechtigung ab."

Das Erzbistum erklärt Meisners Predigt

Dazu hieß es aus der erzbischöflichen Pressestelle, Meisner habe mit seiner Predigt niemanden das Existenzrecht abgesprochen. Er habe vielmehr die Bedeutung von Ehe und Familie für die menschliche Gesellschaft unterstrichen. "Dies ist die ureigenste Aufgabe eines katholischen Bischofs. Das Recht dazu lässt er sich von niemandem nehmen", teilte der Sprecher des Kardinals mit.
Beck stellt seine Aussagen klar
Beck wiederum versuchte seine Bemerkung über Meisner im nachhinein richtig zu stellen. Er habe Kardinal Meisner "keineswegs in die Nähe von Terroristen, Islamisten und Selbstmordattentätern" stellen wollen. Er habe vielmehr auf die "grobe" Predigt Meisners im Schweizer Einsiedeln einen "groben Klotz" gesetzt, so Beck, weil sich der Kardinal darin als ein Religionsführer gezeigt habe, der "den rechten Glauben über die Rechte der Menschen" stelle. Der von ihm verwendete Begriff "Hassprediger" ziele somit auf den Inhalt der Predigt des Kölner Erzbischofs.

Erst am Mittwoch hatten sich die Grünen und der Augsburger Bistumssprecher Dirk Voß darauf verständigt, ihren öffentlichen Streit zu beenden. Voß nahm seinen Nazi-Vorwurf gegen die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth zurück. Der Sprecher der Grünen für Kirchenpolitik, Josef Winkler, erklärte daraufhin, es sei Zeit, diese Art der Auseinandersetzung zwischen dem Bistum und den Grünen zu beenden. Roth hatte den Augsburger Bischof Walter Mixa als "durchgeknallten spalterischen Oberfundi" angegriffen.
Voß hatte das mit der Hetze der Nazis gegen die Kirche verglichen und Roth "faschistoide Züge" vorgeworfen. Der Konflikt zwischen Grünen-Politikern und katholischen Würdenträgern findet kein Ende.
German Kardinal macht Nordic Walking
Oct 26, 2007
Der Kardinal macht Frühsport. Noch vor der Messe in der Kapelle des Erzbischöflichen Hauses „übt er sich, den erzbischöflichen kleinen Park mit zwei Stöcken schnellen Schrittes auf- und abwandernd, im Nordic Walking“.

(Kölner Stadt-Anzeiger, 25.10.07) Das Frühstück nach dem Gottesdienst fällt spärlich aus, Kardinal Joachim Meisner begnügt sich mit einem Apfel und einer Tasse Kaffee, sein Geheimsekretär, Kaplan Oliver Boss, lässt sich ein Müsli schmecken. Die Journalistin Gudrun Schmidt sitzt mit am Tisch. Sie hat den Kölner Erzbischof eine Woche lang begleitet - um eine Antwort auf die Frage zu finden: „Was macht eigentlich ein Kardinal den ganzen Tag?“

Was die Autorin in dieser Zeit erlebt hat, schildert sie in dem Buch „7 Tage mit dem Kardinal“, das Robert Boecker, stellvertretender Chefredakteur der Kirchenzeitung, mit hervorragenden Fotos illustriert hat. Schmidt hat den Kölner Oberhirten („Er ist ein christlicher Manager“) als offenen, zugänglichen Menschen erlebt, der „ungeheuer viel arbeitet“ und „sich immer wieder zum Gebet zurückzieht“, um Kraft zu tanken. Post bearbeiten („Der Kardinal will jeden Brief selbst lesen“), Besucher empfangen, Sitzungen abhalten, Predigten schreiben, Besuch beim Gemeindejubiläum, Einweihung einer Ausbildungsstätte für Pflegekräfte - und zwischendurch immer wieder beten. Der Leser erfährt eine Menge Privates: Nicht nur, dass die Schwestern Ingridis und Radegundis, die ihm den Haushalt führen, einen viel gerühmten schlesischen Mohnkuchen backen (Rezept wird mitgeliefert). Er liest auch von der Uhr im Büro, auf der stündlich eine andere Vogelstimme die Uhrzeit verkündet - ein Geschenk des Domkapitels -, vom exzellenten Kaffee, den Kaplan Boss mit seiner Espressomaschine braut, und davon, dass Meisner kaum zum Fernsehen kommt. Und wenn doch, dann interessiert ihn vor allem Historisches.

Wer Schmidts Buch liest, erfährt aber auch eine Menge darüber, wie und was der Kardinal denkt und glaubt. „Was er sagt, sagt er aus innerster Überzeugung“, hat die Autorin festgestellt. „Er misst alles am Wort Gottes und ist nicht nur streng gegenüber anderen, sondern auch gegen sich selbst.“ Die Autorin schreibt mit viel Sympathie für den Erzbischof, handelt kritische Äußerungen etwa in den Medien aber auf eine etwas undifferenzierte Art und Weise ab.

Gudrun Schmidt, 7 Tage mit dem Kardinal, 112 Seiten, 113 Abbildungen, Bachem Verlag, 19,95 Euro.
English Cathedral window shatters peace
Sept 05, 2007
Politicians say that Cardinal Meisner is aggravating tensions with Islam, others say he's trying to stir up an ancient debate.

The Times of London, September 4, 2007
Roger Boyes in Berlin

The Cardinal was not amused. When Gerhard Richter, one of the world’s most expensive living artists, designed an abstract stained glass window for Cologne Cathedral, Cardinal Joachim Meisner could barely conceal his anger.

“It belongs in a mosque or another house of prayer, not this one,” fumed the city’s Catholic Cardinal, who chose to attend an engagement in Poland when the window was unveiled. “If we are going to have a new window, then it should be one that reflects our faith, not just any faith.”

Politicians say that the Cardinal is aggravating tensions with Islam, while other churchmen say he is trying to stir up an ancient debate about how one should depict and visually pay tribute to God. Mr Richter, meanwhile, feels deeply misunderstood. “I would not have been able to work for a mosque,” said the 75-year-old, whose paintings are sold frequently for millions of pounds at auction. For the past three years he has been ranked as one of the top-earning artists in the world by Capital magazine and he has been hailed as “the Picasso of the 21st century”.

Mr Richter, who lives in Cologne, selected the order of the 11,200 individual panes of glass by random computer generation. The intention was to show that what appears to be coincidence is part of a divine design. The window is huge, spanning 110 sq m (1,200 sq ft), and when the sun shines in, the church is dappled with shades of red, blue, green and yellow.

The Cardinal would have preferred a saint or two.

The original window, sponsored by the Hohenzollerns, the Prussian royal family, depicted mediaeval heroes. Cardinal Meisner wanted the window to be replaced with glass paintings of the saints Maximilian Kolbe and Edith Stein - both of whom perished at the hands of the Nazis. But the supervisors of the cathedral settled on Mr Richter’s abstract design.

Islam has a tradition of barring the depiction of living beings in sacred spaces and the Cardinal clearly believes that Mr Richter has gone too far towards the Islamic iconoclasm. The atmosphere is raw in Cologne because of the popular opposition to a new mosque for the city’s 120,000 Muslims. The plans include high minarets that could visually challenge the towers of the cathedral, which reach a height of 157 metres. The Cardinal has gone on record about that too: “It leaves me with an uneasy feeling.”

The new window is garnering widespread praise, from the mayor, Protestant churchmen and art critics. Only the Cardinal, who has to celebrate Mass in the cathedral, has qualms.
German Kardinal warnt vor Anpassung an den Zeitgeist
Jun 10, 2007
Ein schärferes Profil der Christen hat der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner gefordert. In einem ökumenischen Gottesdienst auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag warnte er am 8. Juni vor rund 7.000 Besuchern im Kölner Dom vor einer Anpassung an den Zeitgeist: „Die Welt hat sich vor dem Evangelium zu rechtfertigen und nicht umgekehrt.“

K ö l n (idea, 9.06.07) – Alle Kirchentagsbesucher „müssten ein wenig christusgeschärfter nach Hause fahren, als sie hierher gekommen sind“, so Meisner im Blick auf das biblische Leitwort des Protestantentreffens „Lebendig und kräftig und schärfer“. Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider (Düsseldorf), ermunterte die Christen in seiner Predigt, ihren Glauben zu pflegen und sich Zeit dafür zu nehmen. Es bestehe die Gefahr, dass der Glaube in der Alltagsgeschäftigkeit austrockne. Gottes Wort entfalte auch heute eine „unbändige Kraft“ und schärfe Geist und Sinne. In dem Gottesdienst wirkte auch der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos mit.
German Kardinal Meisner wirft Kirchentag Beliebigkeit vor
Jun 05, 2007
Unmittelbar vor Beginn des 31. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Köln hat Kardinal Joachim Meisner dem Kirchentag Beliebigkeit vorgeworfen.

(dpa, 5. Juni 2007) Köln. „Das Programmbuch mit seinen 600 Seiten erweckt zunächst den Eindruck eines ,Leipziger Allerleis‘“, schreibt der katholische Erzbischof von Köln in einem Grußwort im heutigen „Kölner Stadt-Anzeiger“. Es sei „dringend zu wünschen“, dass aus der Fülle von Themen und Veranstaltungen eine „Kölner Eindeutigkeit“ entsteht, so Meisner weiter. Er zitiert dazu den französischen Schriftsteller und Reformkatholiken Léon Bloy (1846-1917), der den „modernen Predigern“ vorhält, „stundenlang zu salbadern und sich mit vollendeter Geschicklichkeit um das Ja und Nein herumzudrücken“.

Kirchentagspräsident Reinhard Höppner sagte dazu, er könne die Kritik „nicht nachvollziehen“. Das Programm habe „einen klaren roten Faden“. Es gehe darum, „sich im Glauben zu vergewissern und Kraft zu schöpfen, um Verantwortung für die Welt wahrzunehmen“.
German Kardinal pilgerte nach Lautenbach
May 16, 2007
Am Sonntag, dem 90. Jahrestag der ersten Marienerscheinung in Fatima, war Joachim Kardinal Meisner in Lautenbach. Aus seinem Besuch wurde ein kirchliches Happening. 500 Gläubige wohnten dicht gedrängt dem Wallfahrtsgottesdienst in der Kirche Mariä Krönung bei.

(baden-online.de, 15.05.2007) Lautenbach. »Wohl noch nie in seiner 800-jährigen Geschichte als Wallfahrtsort hat Lautenbach den Besuch eines Kardinals bekommen«,  sagte Lautenbachs Pfarrer Benno Gerstner am Sonntag zu Beginn des feierlichen Wallfahrtsgottesdienstes. Erst Joachim Kardinal Meisner habe dieses Ereignis Wirklichkeit werden lassen.
Im November 2005 habe der Kölner Erzbischof mit seinen Studienkollegen eine Führung durch die Wallfahrtskirche genossen. Gerstner fragte ihn, ob er nicht  zu einem Wallfahrtstag kommen wolle. Meisner habe spontan zugesagt – und sein Versprechen gehalten. »Eine meiner Schwächen ist: Ich kann nicht nein sagen«, fügte der Kardinal schmunzelnd an.
Für den Kardinalbesuch hatte sich Lautenbach herausgeputzt. Die Durchfahrtsstraße war mit gelbweißen Kirchenfahnen geschmückt. Obwohl der Gottesdienst erst auf 19 Uhr angesetzt war, kamen die ersten Gläubigen bereits gegen 13 Uhr, um sich in der Kirche einen guten Platz zu sichern. Um 15 Uhr war der benachbarte Schulhof vollgeparkt. Manche holten ein kleines Tischchen und Klappstühlchen aus dem Kofferraum und vesperten zwischendurch. Bald waren die etwa 350 Plätze in der Kirche belegt, sodass Helfer Dutzende von Stühlen aus dem Pfarrsaal und anderswo herbeitrugen. »Ich habe allein 60 Ersatzstühle aufgestellt«, bilanzierte Josef Huber, Mitglied des Pfarrgemeinderates.
Schließlich drängten sich 500 Gottesdienstbesucher in der Kirche. Wie immer mit dabei waren 50 Buswallfahrer aus Malsch, dem früheren Wirkungsort von Pfarrer Gerstner. »Ich war schon etwa 80-mal hier«, resümierte Busfahrer Roland Werner. Der Gottesdienst, dem Beichtgelegenheit bei Pfarrer i. R. Walter Sutterer sowie ein Rosenkranz vorausgingen, erhielt durch den Kirchenchor Lautenbach unter Dirigent Michael Erdrich seinen musikalischen Glanz. Begleitet wurde der Chor durch ein Orchester um Michael Klett und die Solisten Rebecca Ritter, Peter Erdrich und Markus Doll. Aufgeführt wurden eine Schubert-Messe, ein »Ave Maria« und »Ohne Vorbehalt und Sorge« aus eigener Produktion.
Gebet überwindet Mauern
In seiner Predigt rief Kardinal Meisner zu Buße und Gebet auf. Damit könne man, einem Psalm gemäß, über Mauern springen. Zweimal sei er einem Irrtum erlegen, sagte der 73-jährige Kardinal, der 56 Jahre – erst unter Hitler, dann unter dem SED-Regime in der DDR – in Diktaturen gelebt hatte. Er habe geglaubt, dass er den Untergang des Kommunismus nicht mehr erleben werde und, zweiter Irrtum, dass es danach keine Probleme mehr geben werde.
»Der Mauerfall brachte kein goldenes Zeitalter. Die Probleme wurden nur anders«, so Meisner, der auf das Jahr 1917 hinwies. Im selben Jahr, in dem der Kommunismus das Licht ausgeknipst habe, sei von den Marienerscheinungen in Fatima die Verheißung gekommen, dass die Sonne wieder aufgehen werde. Das Gebet sei die stärkste Botschaft der Welt. Es sei wie eine Himmelsleiter, die zu Gott führe. Jesus habe den Menschen am Ende seines Lebens vom Kreuz herab Maria geschenkt. Das Geschehen von Fatima, das sich am Sonntag auf den Tag genau zum 90. Mal jährte, könne man deshalb nicht einfach abhaken.
Europa wolle sich eine Verfassung ohne Gottesbezug geben. Ein ganzer Kontinent sei dabei, sich von Gott abzukoppeln, bedauerte er. Dies sei eine geistige Selbstverstümmelung. Meisner setzte dem die Macht des Gebetes entgegen. Zum Gottesdienst, der mit Applaus der Gläubigen endete, war beim Altar eine blumengeschmückte Statue der Muttergottes von Fatima aufgestellt, zu ihren Füßen ein Bild der Seherkinder. Es folgte eine Lichterprozession um den Wallfahrtsbezirk zur Mariensäule, ehe es wieder zur Kirche ging. Hier erklang noch eine Reihe von Marienliedern.
Abschließend trafen sich der Pfarrgemeinderat und Mitarbeiter der Pfarrei mit Kardinal Meisner zu einem Imbiss im Pfarrsaal. Meisner schaute sofort jovial in die Küche hinein, was es denn Gutes gebe. Es war ein herzhaftes Schwarzwälder Vesper. Auch sonst gab sich der eher konservative Würdenträger volkstümlich und leutselig. Als Pfarrer Gerstner an der Mariensäule zum nächsten Wallfahrtstag im Juni einlud, sprach Meisner ins Mikrofon: »Ich entschuldige mich jetzt schon.«
Zeugnis aus Lautenbach
Aussagekräftig war das Nummernschild an seinem BMW, das neben Köln, dem Amtssitz, und seinen Initialen »JM« auch die Zahl »1962«, das Jahr seiner Priesterweihe, aufwies. Übernachtet hat der erste Kardinal, der Lautenbach besuchte, im Gasthof »Kreuz«. Als Andenken erbat er sich einen historischen Beleg der Wallfahrt. Er sammle diese Zeugnisse von allen Wallfahrtsorten, die er besuche.
German Ökumene hat ihre Grenzen
May 16, 2007
Kardinal Meisner: Kein Abendmahl mit Protestanten.

(koeln.de, 15.5.2007) Auch während des Evangelischen Kirchentages, der vom 6. bis zum 10. Juni in Köln stattfindet, wird es kein gemeinsames Abendmahl von Katholiken und Protestanten geben. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner sprach sich im Vorfeld des Kirchentages gegen eine gemeinsame Abendmahlfeier der Angehörigen beider Konfessionen aus unterstrich mit dem Verbot der Teilnahme am evangelischen Abendmahl seinen schon früher verlauteten Standpunkt.

Grund für Kardinal Meisners erneute Ablehnung des gemeinsamen Abendmahls während des Kirchentages war die Einladung des Präses der evangelischen Landeskirche, Nikolaus Schneider, dass alle getauften Christen am Abendmahl der Protestanten teilnehmen könnten. Trotz unterschiedlicher Ansichten hinsichtlich mancher Fragen der Ökumene lobte Schneider die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche. Viele der Veranstaltungen während des Evangelischen Kirchentages finden in katholischen Kirchen und Einrichtungen statt.
German „Nicht vergessen, dem Papst den Rücken zu stärken“
May 16, 2007
Wir veröffentlichen die Ansprache, die der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner am 16. April zur Eröffnung der Papstausstellung im Kölner Maternushaus gehalten hat.

Verehrte, liebe Mitbrüder,
sehr geehrte, liebe Damen und Herren!

Im Zusammenhang mit der Einweihung der Edith-Stein-Statue am Petersdom in Rom im Oktober des vergangenen Jahres sagte mir nach den Feierlichkeiten ein älterer Herr mit Schweizer Dialekt: „Wenn Jesus 79 Jahre alt geworden wäre, würde er aussehen wie unser Papst.“ Ich erwiderte ihm, dass er vielleicht lange Haare und einen Bart hätte. Daraufhin entgegnete er: „Das kann sein, aber die Augen, die Hände, die Stimme und das Herz wären wie bei unserem Papst.“ Vielleicht hat dieser schlichte Christ das tiefste Geheimnis unseres Heiligen Vaters damit aufgedeckt und formuliert.

Als wir am 30. April 2005 um 18.30 Uhr samstags abends im Kölner Dom den Dankgottesdienst für die Erwählung von Papst Benedikt XVI. gefeiert haben, hatte ich zuvor den Domkapellmeister angerufen und gefragt, ob der Chor nicht eine Mozartmesse zu diesem Anlass singen könnte. Dies tat ich nicht nur, weil Kardinal Ratzinger Mozart liebt, sondern weil er selbst ein Mozart der Theologie ist, weil seine Theologie glasklar und von einer Schönheit ist, dass sie uns einfach das Herz abgewinnt. Zum Beispiel ist mir unvergesslich, wie der damalige Präfekt der Glaubenskongregation bei der Bischofssynode kurz vor der Fertigstellung des Weltkatechismus in der Synodenaula dem Weltgremium der versammelten Bischöfe Rede und Antwort stehen musste. In allen Sprachen hat er glänzend geantwortet. Neben mir saß Kardinal Lustiger und sagte: „So einen Menschen habe ich noch nie erlebt. Man wird gar nicht müde, ihm zuzuhören, so klar und in einer solchen Schönheit stellt er unseren katholischen Glauben dar.“

Jeden Menschen, den Gott ins Dasein ruft, betraut er mit einer einmaligen, nicht wegdelegierbaren Aufgabe. Dazu rüstet er den Menschen mit seinen Charismen, Begabungen und Gaben aus. Das wird in der Person unseres Papstes ganz besonders deutlich. Manchmal meint man, er wäre schon als Professor geboren worden. Papst Benedikt XVI. ist dann durch das Leben zu der Aufgabe geformt worden, die ihm die göttliche Vorsehung im Jahr 2005 im Konklave zugedacht hat. Er ist – wie er nach dem Konklave auf der Loggia des Petersdoms sagte – „ein demütiger und einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn“. Das ist er auch als Papst geblieben.

Seine erste Auslandsreise führte ihn zwar zu uns nach Köln, aber es war eigentlich eine Reise in die Weltkirche. Denn hier vor Ort begegnete er beim XX. Weltjugendtag den jungen Christen, die aus allen Erdteilen nach Köln gepilgert waren, um den Herrn anzubeten. Sicherlich war es eine besondere Fügung, dass die erste Auslandsreise den Heiligen Vater nach Deutschland führte. Das hat es dem Papst wohl auch hier so leicht gemacht. Er kam beispielsweise in mein Haus und sagte: „Ich wohne aber wieder im Prälatenzimmer wie immer“. Ich erwiderte ihm: „Heiliger Vater, ich muss dich wohl daran erinnern, dass du jetzt der Papst bist und nicht mehr einfach machen kannst, was du willst“. Zuvor hatte ich den Sicherheitskräften mitgeteilt, dass Kardinal Ratzinger immer in diesem Gästezimmer gewohnt hatte. Sie entgegneten mir allerdings, dass dies diesmal nicht möglich sei, weil dieses Zimmer zu nahe an der Straße gelegen sei. Also musste der Papst woanders wohnen.

Als wir den Besuch in Köln durchgesprochen haben, hatte ich vergessen zu fragen, ob der Heilige Vater im Dom auch die Krypta der Erzbischöfe besuchen wolle, um an den Gräbern von Kardinal Frings und Kardinal Höffner zu beten. Deshalb rief ich nochmals in Rom an. Der Papst zeigte sich völlig erstaunt und fragte mich, warum ich ihn denn anrufe: Das sei doch selbstverständlich. Schon da musste ich ihn daran erinnern, dass er jetzt Papst sei und nicht mehr einfach machen könne, was er wolle. Gerade über die Sicherheitsmaßnahmen könne er sich nicht einfach hinwegsetzen. „Ach so“, sagte er, „du hast ja Recht“. Er ist dieser ganz schlichte Mensch geblieben, der demütige und einfache Arbeiter im Weinberg des Herrn mit dem guten Herzen und dem genialen Kopf. Sofort kommt mir wieder der Ausspruch des Herrn aus der Schweiz in den Sinn: „Wenn Jesus 79 Jahre alt geworden wäre, würde er aussehen wie unser Papst.“ Ich muss sagen, dass er eigentlich Recht hatte.

Die Bedeutung von Kardinal Ratzinger für Köln liegt eigentlich nicht so sehr darin, dass er in Bonn Professor für Fundamentaltheologie war. Aus dieser Zeit zwischen 1959 und 1963 rührt die Bekanntschaft, ja die Freundschaft zu Kardinal Frings. Und daraus wiederum resultiert dann seine Berufung zum Konzilsberater. Ich sagte gelegentlich dem Heiligen Vater: „Du bist so eine Art Stiefvater des Konzils. Du warst nicht Konzilsvater, aber hast als einflussreicher Theologe ganz wesentlich die Inhalte des Konzils mitgeprägt.“ Darum sind wir ihm in Köln wirklich zu besonderem Dank verpflichtet, und vielleicht war Köln auch die Startbahn für ihn in die weltkirchliche Dimension hinein.

Ich erwähnte schon, dass ich mich bei unserem Domkapellmeister dafür eingesetzt hatte, dass beim Dankgottesdienst zur Erwählung von Papst Benedikt XVI. im Kölner Dom am 30. April 2005 eine Mozartmesse aufgeführt würde. Unser Domkapellmeister hat sofort alle Chöre in der Erzdiözese Köln angeschrieben, die die Krönungsmesse in ihrem Repertoire haben. So hatten sich an diesem Abend etwa 1.000 Sängerinnen und Sänger im südlichen Querhaus unseres Domes eingefunden. Das war ein Gottesdienst, der mir unvergesslich bleibt. In der Predigt habe ich daran erinnert, was der polnische Primas, Kardinal Wyszyński, bei der Abschiedsaudienz der polnischen Pilger von ihrem nun zum neuen Papst erwählten Landsmann, Karol Wojtyła, dem Heiligen Vater sagte: „Heiliger Vater, wenn wir nach Hause kommen, werden wir niederknien und Löcher in die Steine für dich beten.“ In meiner Predigt im Dom fügte ich die Frage an: „Wird unser Papst aus Deutschland sich auf unser Gebet, auf unsere Solidarität, auf unsere Fürbitte verlassen können?“ Alle Gläubigen im Dom erhoben sich von ihren Bänken und applaudierten minutenlang. Das Domradio hat mir eine Aufnahme auf CD von diesem Gottesdienst angefertigt. Ich habe sie dem Papst mitgenommen und gesagt: „Heiliger Vater, wenn du einmal meinst, du müsstest in den Tiber springen, höre dir erst den Gottesdienst im Kölner Dom an, und dann machst du weiter!“

Der Papst ist auch in der jetzigen Verkündigung glasklar. Er lässt die Darstellung des Glaubens in aller Schönheit aufleuchten. Er bringt den „splendor veritatis“, den Glanz der Wahrheit, zum Strahlen. Das beeindruckt die Menschen, und darum ist unser Papst wirklich ein großes Geschenk, nicht nur für unsere Kirche, sondern für die gesamte Christenheit, ja für die ganze Welt.

Am Vorabend der Inauguration des Heiligen Vaters gab der deutsche Botschafter beim Vatikan einen Empfang für den Bundespräsidenten, den Bundeskanzler und für die deutschen Kardinäle und Bischöfe. Der Bundespräsident sagte mir: „Herr Kardinal, durch die Wahl eines Deutschen zum Papst durch das internationalste Kollegium der Welt hat die Welt uns Deutschen unsere letzten Sünden des 20. Jahrhunderts vergeben.“ Ich entgegnete darauf: „Herr Bundespräsident, ich will dies ein wenig anders formulieren. Die Kardinäle haben den Geeignetsten und Würdigsten gewählt. Das er ein Deutscher war, war kein Hindernis für diese Wahl.“

Kardinal Ratzinger wollte mit seinem 75. Geburtstag in den Ruhestand gehen. Dies sollte allerdings kein klassischer Ruhestand sein, sondern er wollte nun endlich einmal die Bücher schreiben, die er noch für dringend notwendig für das Leben der Kirche ansah. Papst Johannes Paul II. sagte mir seinerzeit: „Reden Sie doch einmal mit Kardinal Ratzinger, dass er mir an der Seite bleibt.“ Der Papst sagte wörtlich: „Die theologische Qualität meines Pontifikates habe ich besonders auch Kardinal Ratzinger zu verdanken.“ Ich habe dann mit dem Präfekten der Glaubenskongregation gesprochen, der mir entgegnete: „Ich will doch nicht faulenzen, ich will wichtige Bücher, besonders das mir sehr am Herzen liegende Jesusbuch schreiben.“ Ich entgegnete ihm darauf: „Joseph, dazu hast du dann in deinem Ruhestand Zeit.“ Der Heilige Vater hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis: Als ich nach dem Konklave zum Treueversprechen vortrat, sagte er mir: „Du bist ein schlechter Prophet. Was ist denn jetzt mit meinem Ruhestand? Wann soll ich die Bücher schreiben?“ Ich bin froh, dass ich in dieser Weise ein schlechter Prophet bin. Als ich von der Huldigung zurückkam, weinte mein Nachbar im Konklave, der polnische Primas Kardinal Glemp, und auch mir liefen natürlich die Tränen. Ich sagte zu ihm: „Josef, warum weinst du denn?“ Er erwiderte: „Ist das nicht unglaublich: Ein halbes Jahrtausend hatten wir italienische Päpste gehabt. Der erste Nichtitaliener ist ein Pole, und der zweite ist ein Deutscher. Damit will uns doch die Vorsehung etwas sagen. Deutschland und Polen liegen beide im Herzen Europas. Müsste nicht wieder der europäische Kontinent so etwas werden wie das Noviziat für die Völker in den anderen Erdteilen? Und ich bin davon überzeugt: Der Novizenmeister war Johannes Paul II. und ist jetzt Benedikt XVI.“ Diese Deutung hat mich tief beeindruckt, und ich glaube, er hat weitgehend Recht behalten.

Kardinal Ratzinger habe ich durch unsere Situation in Ostdeutschland erst relativ spät persönlich kennen gelernt. Erst als ich Bischof von Berlin war, durfte ich an der einen oder anderen römischen Veranstaltung teilnehmen. Dort traf ich dann auf Kardinal Ratzinger. Ich kannte ihn natürlich durch seine Bücher schon lange. Seine „Einführung ins Christentum“ ist gleichzeitig meine Einführung in die katholische Theologie gewesen und geblieben. Es war eines der wichtigsten Bücher meines Lebens, und ich habe mich sehr gefreut, als wir dann im Jahr 1987 Kardinal Ratzinger beim berühmten Katholikentreffen in Dresden begrüßen durften. Er hatte sich zu uns aufgemacht und hat vor dem Treffen den versammelten Priester einen sehr schönen Priestertag gehalten. Das blieb uns unvergesslich. Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass der damalige Vorsitzende der Berliner Bischofskonferenz, Kardinal Bengsch, 1977 von der Bischofsweihe Joseph Ratzingers in München zurückkehrte und uns sagte: „Joseph Ratzinger hat das großartig gemacht, wie es nicht anders zu erwarten war.“ Daran musste ich wieder bei seiner Inauguration denken: Er hat es großartig gemacht, wie es eigentlich nicht anders von ihm zu erwarten war.

Ich bin sehr froh, dass unser Erzbistum Köln aus dieser inneren Verbundenheit mit dem Heiligen Vater heraus eine Ausstellung organisiert hat, die dann auch in unsere Diözese und in unser Land hineingehen wird. Ich muss immer daran denken: „Werden denn unsere Kölner ihr Versprechen, das sie am 30. April 2005 im Dom abgegeben haben, nicht vergessen? Sie haben zwar nicht gesagt, dass sie niederknien und Löcher in die Steine beten werden, aber dass sie das Pontifikat dieses Papstes mit ihrem Gebet begleiten werden. Diese Ausstellung soll ein solches Memento sein, dass wir nicht vergessen, dem Papst den Rücken zu stärken. Wie die polnische Nation ganz hinter Johannes Paul II. stand, so sollte das auch ein wenig mit uns sein. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir auch heute noch Grund haben in Deutschland zu sagen: „Wir sind Papst geworden!“ Darum hat auch die katholische Kirche in Deutschland einen neuen Qualitätsstand erreicht. Denn Bischöfe aus aller Welt fragen: „Wie geht ihr denn mit diesem oder jenem Problem im Mutterland des Papstes um?“ Hier können wir wirklich sein Pontifikat unterstützen, indem wir versuchen, seine Intention in unsere kirchliche Praxis umzusetzen. Darum danke ich allen, die sich bemüht haben, diese Ausstellung zusammenzustellen, und ich wünsche ihr eine weite Verbreitung und viel Erfolg. Vielleicht ist sie eine Einladung, einmal selbst nach Rom zu fahren, um den Heiligen Vater zu besuchen und ihm bei einer Generalaudienz zu begegnen. Diese Mittwochsaudienzen sind wirkliche Ereignisse geworden, sodass das römische Fremdenverkehrsamt dem Papst sogar eine besondere Auszeichnung zukommen lassen will, da er wie ein Magnet auf die Pilger aus aller Welt wirkt.

„Wenn ein Glied geehrt wird, freuen sich alle anderen mit ihm“ (1 Kor 12,26), sagt Paulus im 1. Korintherbrief, und das gilt ganz besonders für uns Deutsche. Wir sind wirklich Papst geworden! Dazu heute nochmals: Herzlichen Glückwunsch!

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Kardinal Meisner zollt von der Leyen Respekt und Anerkennung
Apr 16, 2007
Kardinal Joachim Meisner lobt Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Er sei «ganz froh, dass sie nun endlich das Thema Familie in die Öffentlichkeit hineingetragen hat», sagte der Kölner Erzbischof in der ARD-Talksendung «Beckmann» (Ausstrahlung Montag, 22.45 Uhr). Dies sei in dieser Intensität bislang keiner Bundesregierung so gelungen.

Hamburg (ddp, 15.04.2007) - Kardinal Joachim Meisner lobt Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Er sei «ganz froh, dass sie nun endlich das Thema Familie in die Öffentlichkeit hineingetragen hat», sagte der Kölner Erzbischof in der ARD-Talksendung «Beckmann» (Ausstrahlung Montag, 22.45 Uhr). Dies sei in dieser Intensität bislang keiner Bundesregierung so gelungen. «Darin bewundere ich sie, und da bin ich auch sehr dankbar», fügte der Kardinal hinzu.

Der als konservativ geltende Meisner sagte zur Krippenplatzdebatte: «Ich bin gar nicht gegen die Krippenplätze. Aber das neunmonatige vorgeburtliche Leben eines Kindes im Mutterleib braucht nach der menschlichen Erfahrung noch eine Nachbereitung von mindestens drei Jahren.» Der Mutter, die zuhause bleibe, müsste man das Geld geben, was ein Kinderkrippenplatz kostet.

Nach Ansicht Meisners taugen Krippenplätze nur als «Alternative, und nicht als Normalmodell. Es ist keine Wahlmöglichkeit». Wissenschaftler seien sich einig, dass Kinder, die in den ersten Lebensjahren mit der Mutter aufwachsen, «zu Persönlichkeiten heranwachsen, die widerstandsfähig sind, belastungsfähig sind, die wirklich Säulen der Gesellschaft sind».

Für Meisner ist allerdings der Schwerpunkt in der Krippenplatzdebatte verrutscht. Es werde zu wenig über das Wohl der Kinder, und zuviel über die Interessen der Frau diskutiert, sagte er. «In der ganzen Familienpolitik bedauere ich, dass das Kind nicht im Mittelpunkt steht. Sondern nach meinem Empfinden steht die berufstätige Frau im Mittelpunkt: Wie können wir ihre Berufstätigkeit erhalten und dabei die Kinder versorgen?»
German Kardinal Meisner, Mozart und Benedikt
Apr 16, 2007
Zahlreiche Politiker gratulierten dem Oberhaupt der katholischen Kirche zu seinem 80. Geburtstag am heutigen Montag.

(Hamburger Abendblatt, 16. April 2007) Bundeskanzlerin Angela Merkel schrieb: "Ich weiß, dass viele Menschen in Deutschland sich mit Ihnen freuen und dies in zahlreichen Messen in den Diözesen zum Ausdruck bringen werden." Zudem nahm die CDU-Chefin an einem Pontifikalamt zu Ehren des Papstes in Berlin teil. Für das kommende Lebensjahr wünschte Merkel ihm "Gesundheit und Schaffensfreude, Kraft und Gottes Segen".

In der voll besetzten St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin würdigte der Kardinal und Kölner Erzbischof Joachim Meisner den Papst als "Mozart unter den Theologen". "Ihm gelingt es wirklich meisterhaft, die Noten des Evangeliums in hinreißende Musik umzusetzen", sagte der Geistliche, der im Gesicht von Papst Benedikt XVI. das Antlitz Jesu zu erkennen meint. Er schrieb dem Oberhaupt der katholischen Kirche zum Geburtstag: "Heiliger Vater, wenn Jesus 80 Jahre alt geworden wäre, dann würde er aussehen wie Du." Meisner zitierte aus seinem Gratulationsschreiben in der ARD-Sendung "Beckmann", die heute Abend ausgestrahlt wird.

Bundestagspräsident Norbert Lammert würdigte Benedikt als "eine der wenigen unbestrittenen Autoritäten unserer Zeit". Benedikt sei ein besonders eindrucksvoller Zeuge der Strahlkraft und der Nachdenklichkeit der europäischen Zivilisation. "Einfach sind seine Argumente selten, bequem nie", erklärte Lammert. Bundespräsident Horst Köhler hatte dem Papst bereits am Freitag gratuliert. "Als deutscher Bundespräsident war und bin ich stolz, dass Sie dieses unvergleichliche Amt innehaben", schrieb er an Joseph Ratzinger.
German Kardinal Meisner kritisiert Abtreibung und Embryonenforschung
Apr 10, 2007
Osterpredigt im Kölner Domю

Köln (ddp-nrw, 8.4.2007). In seiner Osterpredigt im Kölner Dom hat sich Kardinal Joachim Meisner am Sonntag deutlich gegen Abtreibung und Embryonenforschung ausgesprochen und vor der wachsenden Kinderlosigkeit in der Gesellschaft gewarnt. Menschen würden zunehmend über ihren gesundheitlichen Zustand definiert, beklagte Meisner. Dies zeigten die Praxis von pränataler Diagnostik und Abtreibung und der unbefriedigende Umgang mit unheilbar Kranken. «Das alles ist mehr oder weniger in Europa schreckliche Gegenwart», sagte der Kölner Erzbischof.

«Man versucht heute, ungeborene Kinder, das heißt Embryonen, als Heilmittel zu verarbeiten, um alt und krank gewordenes Leben sanieren zu können», erklärte er. «Ungeborene Kinder müssen sterben, um geborene Menschen zu heilen. Das kann doch nicht sein!»

Auf der anderen Seite wachse die Kinderlosigkeit in der Gesellschaft, klagte Meisner: «Westeuropa scheint sich aus der Geschichte verabschieden zu wollen», sagte er. «Es demontiert seine Zukunft, indem es nicht mehr Zuversicht und Freude vermitteln kann, damit Eltern Kindern das Leben schenken.»

Abtreibungen trügen zu diesem Prozess noch bei, warnte Meisner. «Wenn nur die Hälfte der jährlich abgetriebenen Kinder in unserem Land zur Welt käme, dann wäre damit eine echte Überlebenschance unserer Zivilisation gegeben», sagte er. Erst wenn alle Kinder, die jedes Jahr abgetrieben würden, leben dürften, wäre das Land ein Ort mit Leben, Zukunft und Hoffnung. «Dann wären wir ein österliches Land.»
German Kardinal Meisner kritisiert Familienpolitik der Bundesregierung
Mar 26, 2007
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat die Familienpolitik der Bundesregierung als «Scheckbuchpolitik» kritisiert.

Frankfurt/Main (dpa, 25.03.2007) - Der Kölner Kardinal Joachim Meisner kritisiert die derzeitige Familienpolitik als «Scheckbuchpolitik».
«Alle wichtigen Probleme - so glaubt man - lassen sich mit Geld lösen», schreibt Meisner in der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Der niedrigen Geburtenrate jedoch sei durch finanzielle Mittel nicht beizukommen. Die Gleichung «je mehr Krippen, desto mehr Kinder» sei falsch. So sei das Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren in keiner Gegend Deutschlands so ausgebaut wie in den neuen Ländern, «und nirgendwo ist die Geburtenrate so niedrig wie dort».

Flexible Arbeitszeiten oder Teilzeitbeschäftigung seien für Paare, die daran denken, ein Kind zu bekommen, wichtiger als Betreuungsplätze, sagte Meisner. Der von der Bundesregierung angestrebte Ausbau der Kinderbetreuung erwecke den Eindruck, Kinder seien zwar nötig für die Gesellschaft, aber eine Last für die Eltern. «Unser Land braucht eine Mentalität, die sagt: Kinder sind ein Geschenk und Elternschaft ist ein Ausdruck von Lebensfreude», betonte der Kardinal.
German „Deutschland braucht einen Mentalitätswechsel“
Mar 25, 2007
Kardinal Meisner zur Familienpolitik.

(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24. März 2007)
Der Kölner Erzbischof Joseph Kardinal Meisner hat die Familienpolitik der Bundesregierung als „Scheckbuchpolitik“ kritisiert, die an der demographischen Krise nichts ändern werde. In einem Beitrag für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreibt Meisner: „Alle wichtigen Probleme - so glaubt man - lassen sich mit Geld lösen.“

Der niedrigen Geburtenrate jedoch sei durch finanzielle Mittel nicht beizukommen. Die Gleichung „Je mehr Krippen, desto mehr Kinder“ sei falsch. So sei das Betreuungsangebot für Kinder unter drei Jahren in keiner Gegend Deutschlands so ausgebaut wie in den Ländern der ehemaligen DDR, „und nirgendwo ist die Geburtenrate so niedrig wie dort“. Flexible Arbeitszeiten oder Teilzeitbeschäftigung seien für Paare, die daran denken, ein Kind zu bekommen, wichtiger als Betreuungsplätze.

„Kinder sind ein Geschenk“

Der Kardinal fordert, Deutschland brauche einen Mentalitätswandel. Es herrsche die Einstellung vor, Kinder seien eine „Last“, ein „letzter Luxus, den man sich leistet, wenn alles andere schon erreicht ist“. Die derzeitige Familienpolitik, so Meisner weiter, „unterstützt - ungewollt - diese Mentalität“. Denn insbesondere der Ausbau der Betreuung für die unter Dreijährigen „suggeriert, Kinder seien zwar nötig für die Gesellschaft, aber eine Last für die Eltern. Und damit diese Last möglichst wenig Beschwerden macht, fördert der Staat die elternlose Kinderbetreuung, während die Eltern weiter erwerbstätig bleiben. Bestraft werden - de facto - die Mütter oder Väter, die auf Einkommen verzichten, um sich zu Hause selbst ihren Kindern zu widmen.“

Meisner appelliert an die Deutschen: „Unser Land braucht eine Mentalität, die sagt: Kinder sind ein Geschenk und Elternschaft ist ein Ausdruck von Lebensfreude.“ Die Familienpolitik solle „Maß nehmen am Wohl des Kinder“. Meisner fährt fort: „Ich finde es schlimm, wenn viele Mütter aus finanziellen Gründen sobald wie möglich nach der Geburt eine Erwerbstätigkeit aufnehmen müssen. Manchmal geht es nicht anders, aber dient das dem Wohl des Kindes?“

Kinder bräuchten in den ersten Lebensjahren eine „feste und intensive Beziehung zu ihren Eltern“. Daher müsse es „Eltern, insbesondere Müttern“, ermöglicht werden, in den ersten Lebensjahren beim Kind zu bleiben, etwa durch höhere Kinderfreibeträge. „Seitens der Wirtschaft sollten alle Möglichkeiten von Teilzeitarbeit bis hin zu Heimarbeitsplätzen ausgelotet werden.“ Vor allem müsse es Möglichkeiten geben, nach einer großzügig bemessenen „Babypause“ wieder in den erlernten Beruf einzusteigen. „Und wenn dennoch die volle Berufstätigkeit von Vater und Mutter erforderlich sein sollte“, so der Kardinal, „dann wäre einer Kinderkrippe die Tagesmutter auf jeden Fall vorzuziehen.“
German Die Osterbeichte, radikalste Öffnung für das Licht Christi
Mar 04, 2007
Interview mit dem Erzbischof von Köln.

KÖLN, 3. März 2007 (ZENIT.org).- Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat für ZENIT die tiefe Bedeutung der 40-tägigen Vorbereitungszeit auf Ostern zusammengefasst. Darüber hinaus ermutigte er zu einer guten Osterbeichte sowie zum täglichen Morgen- und Abendgebet. Das abendliche Schlafengehen sei nämlich „ein irdisches Zeichen für unseren Tod, der todsicher auf uns zukommt“, und das Aufstehen am Morgen ein „Realsymbol für die Auferstehung von den Toten“.

ZENIT: Was will uns die Fastenzeit sagen, warum ist sie so wichtig?

-- Kardinal Meisner: Die Fastenzeit oder vorösterliche Bußzeit, wie wir sie heute auch zu nennen pflegen, will den Menschen aus der Zerstreuung in die Konzentration sammeln: Was ist primär in meinem Leben und was muss darum sekundär sein?

Für einen Christen ist deshalb eventuell eine Kurskorrektur nötig, damit Gott absolute Priorität in seinem Dasein bekommt und alles andere, einschließlich sein eigenes Ich, sekundär wird. Dann überfordert er sich nicht selbst, und sein Leben wird groß, weit und wahrhaftig.

ZENIT: Wie begeht man die Fastenzeit im Sinne Christi?

-- Kardinal Meisner: Die Fastenzeit im Sinne Jesu zu begehen, bedeutet zunächst, dabei kein düsteres Gesicht zu machen, dann aber das eigene Leben soweit wie möglich dem Lichte Christi zu öffnen, damit unser Dasein bis in die dunkelsten Ecken unseres Lebens von seinem Licht erhellt, durchleuchtet und geheilt werden kann. Das geschieht am radikalsten in einer guten Osterbeichte.

ZENIT: Wie kann es gelingen, die Auferstehung und das ewige Leben nicht mehr in der Alltäglichkeit des Lebens zu vergessen?

-- Kardinal Meisner: Man muss sich bemühen, die normalen Lebensabläufe, die auf diese Großereignisse hindeuten, bewusst zu rekapitulieren. So ist das abendliche Schlafengehen ein irdisches Zeichen für unseren Tod, der todsicher auf uns zukommt. Darum sollte jeder vor dem Schlafengehen sein Herz so bereiten, dass er im Tod zum ewigen Leben einschlafen könnte. Und das Aufstehen am Morgen ist ein Realsymbol für die Auferstehung von den Toten. Darum sollte uns jeder Morgen – trotz Weckerklingeln und Müdigkeit – froh und tapfer Ja zum Willen Gottes und zum Tagewerk sagen lassen.
German Sehnsucht nach Ökumene
Feb 27, 2007
Präses Nikolaus Schneider und Joachim Kardinal Meisner wollen verstärkt ein Zeichen für die Ökumene setzen. Daher predigte der katholische Erzbischof bei der Passionsandacht in der evangelischen Johanneskirche.

(RP, 26.2.2007) „Ich hatte Manschetten, ob der Tempel voll wird.“ Diese Sorge von Hans-Peter Friedrich war unbegründet. Bereits eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes konnte sich der Dezernent für die Ökumeneabteilung bei der Evangelischen Kirche im Rheinland beruhigt zurücklehnen. Unablässig strömten die rund 300 Gottesdienstbesucher beider Konfessionen in die Johanneskirche. „Es füllt sich“ freute sich Friedrich darüber, dass die Premiere eines gemeinsamen Wortgottesdienstes von Präses Nikolaus Schneider und Kardinal Joachim Meisner in Düsseldorf so großen Zuspruch fand. „Es ist schön, dass man die Idee für diese neue Tradition hatte.“ Zweimal im Jahr - zum Start der Advents- und Passionszeit - gastiert seit 2005 jeweils der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland in einer katholischen Kölner Kirche. Und umgekehrt besucht der Kölner Erzbischof einen evangelischen Gottesdienst in Düsseldorf.

Gemeinsam will man so ein Zeichen ökumenischer Verbundenheit setzen. „Ökumene muss gelebt werden. Der intensive Ort für den gemeinsamen geistlichen Weg ist die Kirche“, sagt Präses Schneider. Und sein katholischer Kollege ergänzt: „Es ist wichtig, gemeinsam zu tun, was geht.“ Dazu zählt auch, dass sich das Erzbistum Köln sehr kooperativ in der Unterstützung des evangelischen Kirchentages im Jahr 2007 in Köln zeigt. „Wir werden einen ökumenischen Gottesdienst im Kölner Dom halten. Und ich freue mich auch besonders auf die gemeinsame Bibelarbeit“, betont Nikolaus Schneider. Bei der Basis beider Konfessionen kommt diese Zusammenarbeit gut an. Ebenso wie der ökumenische Gottesdienst in der Johanneskirche. „Der Kardinal hat zwar kein Wort von Ökumene in seiner Predigt verloren, aber er hat mit seiner Interpretation der drei Lesungen eine geschickte Lösung gefunden“, meint das Ordensschwestern-Trio aus dem Theresienhospital. In ihrem Alltag im Alten- und Krankenheim in der Altstadt erleben die drei älteren Frauen quasi täglich Ökumene. „Katholiken und Protestanten sind viel vertrauter miteinander geworden.“

Berührungsängste mit einem echten Kardinal hat auch ein Autogrammjäger in der Johanneskirche nicht: „Wann hat man als Protestant schon die Möglichkeit, in die Nähe eines Kardinals zu kommen?“ Präses Nikolaus Schneider weiß, dass seine Kirchenmitglieder sich über den gemeinsamen Auftritt beider Kirchenoberen freuen. „Man sehnt sich geradezu nach mehr Ökumene. Wir müssen Geduld haben im Umgang miteinander.“ Oder wie Kardinal Meisner es in seiner Predigt indirekter formuliert: „Der erste Schritt ist der schwierigste.“
German Meisner stellt sich hinter Mixa
Feb 25, 2007
„Krippenplätze sind nötig für den Ernstfall, für den Ausnahmefall.“ „Wir sind verpflichtet, um des Heiles unseres Volkes Willen, so eindeutig in dieser Sprache zu votieren“, sagte Joachim Kardinal Meisner zur Familienpolitikdiskussion in Deutschland.

(kath.net,  25. Februar 2007) Köln - Die familienpolitischen Äußerungen des Augsburger Bischofs Walter Mixa sind auch innerkirchlich umstritten. Nach scharfer Kritik von politischer Seite wehren sich nun einzelne Katholische Verbände und die evangelische Kirche gegen die Aussagen des Bischofs zu den Plänen der Regierung, die Zahl der Krippenplätze für Kinder bis drei Jahre zu verdreifachen. Mixa hatte mit seiner Bemerkung, eine solche Politik würde Frauen zu „Gebärmaschinen“ degradieren und vorrangig als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie betrachten, Proteste von allen Seiten ausgelöst. Rückendeckung erhält Mixa dagegen vom Kölner Joachim Kardinal Meisner:

„Das Thema Ehe und Familie ist ein ganz brennendes Thema. Und es hat bis jetzt in der Kirche, solange die Kirche existiert, immer Priorität. Und darum fühlt sich die Kirche auch zu dieser Thematik zuständig. Ehe und Familie gehört zu den Konstanten der Schöpfungsordnung. Und wenn wir dieser Absicht der Schöpfungsordnung gerecht werden wollen, müssen wir klar und eindeutig sagen, dass die Familie der natürliche Raum ist, in dem sich kleine Kinder und Größere entfalten können, so dass sie in ihrem Leben wirkliche Persönlichkeiten sind, die auch den Anforderungen des Lebens positiv entsprechen können.“

Wie zuvor Karl Kardinal Lehmann warnte Meisner mit Blick auf die damalige DDR vor einem zu großen staatlichen Einfluss auf die Kinderbetreuung. Für die Erziehung von Kleinkindern müsse die Familie die erste Wahl bleiben. Eine staatliche Einrichtung als permanente Alternative zur Familie sei eine Fehlentwicklung.

„Ich habe das am eigenen Leib und bitter in der DDR erfahren müssen. Und wir sollten das jetzt nicht nachahmen. Krippenplätze sind nötig für den Ernstfall, für den Ausnahmefall. Und so muss ich auch den Ausführungen von Bischof Mixa Recht geben. Wir sind verpflichtet, um des Heiles unseres Volkes Willen, so eindeutig in dieser Sprache zu votieren.“

Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) und der Katholische Deutsche Frauenbund hingegen wiesen die Äußerungen Mixas als „weit von der Wirklichkeit entfernt“ zurück. Die Kirche selber beschäftige im sozial-karitativen Bereich viele Frauen mit Kindern. Dort seien sie willkommene Arbeitnehmerinnen.
German Meisner geht mit Politikern ins Gericht
Feb 13, 2007
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner sieht Reue als eine Bedingung für eine mögliche Begnadigung früherer RAF-Terroristen wie Christian Klar.

(dpa, 13.02.07) Köln - "Wenn ich zur Beichte gehe, ist Reue wichtig. Dazu gehört der Wunsch, etwas, das geschehen ist, am liebsten ungeschehen zu machen. Weil das nicht möglich ist, muss ich wenigstens sagen können: Es tut mir Leid, und ich will es bei ähnlicher Gelegenheit nicht wieder tun", sagte Meisner der Kölner Zeitung "Express" (Mittwochsausgabe). "Diese Reue ist zwar keine Kategorie des Strafrechts, aber eine Kategorie echter Menschlichkeit. Darum erwarte ich Reue als Bedingung auch für eine Begnadigung im juristischen Sinn."

Bundespräsident Horst Köhler prüft derzeit, ob Klar begnadigt werden kann, bevor seine auf 26 Jahre festgesetzte Mindestverbüßungsdauer Anfang 2009 zu Ende ist.

Meisner äußerte sich auch kritisch zur "Vorbildfunktion" von Politikern. Ein Politiker müsse sich als Person des öffentlichen Lebens gegebenenfalls auch nach seinem persönlichen Lebensstil beurteilen lassen. "Wenn ein Politiker permanent ein Desaster nach dem anderen in seiner Familie erlebt, heißt es bei uns: Blendet das Private aus, in der Politik geht es um etwas ganz anderes", so der Kardinal. "Warum? Haben wir es denn bei ihm mit zwei verschiedenen Menschen zu tun? Oder ist er eine gespaltene Persönlichkeit? Dann ist er schizophren und gehört zum Arzt, aber nicht auf einen Ministersessel."
German Kardinal Meisner hat moralische Vorbehalte gegen Seehofer
Feb 13, 2007
Die katholische Kirche mischt sich in den Machtkampf um die CSU-Spitze ein: Der Kölner Kardinal Meisner ätzt gegen Horst Seehofers Parteichef-Ambitionen. Wer außereheliche Beziehung unterhält, gehöre zum Arzt, aber nicht auf den Ministersessel oder den eines Parteichefs.

(Spiegel, 13.2.2007) Köln - Eine außereheliche Beziehung und der Posten des CSU-Vorsitzenden? Für den Kölner Kardinal Joachim Meisner passt das nicht zusammen. Sollte Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer eine solche Beziehung unterhalten, habe er moralische Vorbehalte gegen eine Wahl von Seehofer zum CSU-Vorsitzenden, sagte Meisner dem Kölner "Express".

"Wie will er denn Vorsitzender einer christlichen Partei werden? Wie weit sind wir eigentlich gekommen?", sagte Meisner. Die Vermittlung von Werten durch die Politik erfordere "vorbildliches persönliches Verhalten" der Politiker, sagte Meisner. Ein Politiker als Person des öffentlichen Lebens müsse sich "gegebenenfalls auch nach seinem persönlichen Lebensstil beurteilen lassen".

Wenn ein Politiker "permanent ein Desaster nach dem anderen in seiner Familie erlebt, heißt es bei uns: Blendet das Private aus, in der Politik geht es um etwas ganz anderes. Warum? Haben wir es denn bei ihm mit zwei verschiedenen Menschen zu tun? Oder ist er eine gespaltene Persönlichkeit? Dann ist er schizophren und gehört zum Arzt, aber nicht auf einen Ministersessel", sagte der Kardinal nach Angaben der Zeitung.

"Wenn wir über Wertevermittlung reden, muss man an das private Leben öffentlicher Personen besondere Ansprüche stellen dürfen. Was soll denn ein mehrfach geschiedener Politiker über eheliche Treue sagen? Da lachen doch alle", sagte Meisner.
German Kardinal Meisner ist jetzt Ehrengardist
Jan 16, 2007
Als Ehrenmitglied ins Corps aufgenommen

(koeln.de, 15.1.07) Kardinal Meisner bewies am Freitag beim Litewka-Abends des Corps á la Suite der Ehrengarde der Stadt Köln einmal mehr seine karnevalistische Ader: Der Kölner Oberhirte wurde als Ehrenmitglied ins Corps aufgenommen. Gleichzeitig wurde er mit dem Ehrenstern mit Brillanten, der höchsten Auszeichnung des Corps á la Suite ausgezeichnet. Natürlich war die Freude im grün-gelben Korps besonders groß, denn schon seit Jahren haben sich zahlreiche Kölner Karnevalsgesellschaften und sogar das Festkomitee vergeblich um den Erzbischof bemüht.

Dass die EhrenGarde nun den "Zuschlag" bekam, begründete Joachim Meisner damit, dass in diesem Korps die drei K (Köln, Kirche, Karneval) besonders intensiv vorgelebt werden. Mit einer launigen Rede bedankte sich der Kardinal bei den Chefs des Corps á la Suite Helmut Schmidt und Heinz Breidenbach sowie bei EhrenGarde-Präsident Frank Remagen für die hohe Ehre nun einer der Grün-Gelben zu sein und bot den Anwesenden direkt an: "Ab jetzt heißt es nicht mehr Eminenz sondern Kamerad Jochen", was mit tosendem Beifall honoriert wurde.

Die Laudatio auf den Geehrten übernahm dessen Bruder Peter Meisner, der eigens aus dem Thüringischen Körner angereist war und seine Rede in der Gesellschaftsjacke der Körnerschen KG hielt, der er seit vielen Jahren angehört, hielt. Von ihm erfuhren die Gäste zahlreiche Anekdoten aus dem Leben Joachim Meisners und nicht zuletzt auch, dass der heutige Kardinal aus einer sehr karnevalsbegeisterten Familie stammt.
German „Die menschliche Person, Herzmitte des Friedens“
Jan 13, 2007
Predigt Kardinal Meisners beim internationalen Soldatengottesdienst in Köln (11. Januar 2007)

KÖLN, 13. Januar 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Predigt, die der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner vor zwei Tagen im Kölner Dom gehalten hat.

Der Kardinal lenkte die Aufmerksamkeit der Soldaten darauf hin, dass die „Ehre Gottes im Himmel die Garantie für den Frieden der Menschen auf Erden“ sei und dass dieser Friede im menschlichen Herzen beginne.

„Es stimmt wohl nicht, dass man zuerst die Zustände verändern muss, um dann den Menschen verändern zu können“, fuhr Kardinal Meisner fort. „Es geht genau umgekehrt: Man muss zuerst den Menschen erneuern, damit man dann auch die Welt erneuern kann.“

* * *

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

1. Der Sinn und der Zweck unserer Bundeswehr bestehen darin, den Frieden in unserem Land und den Frieden in Europa und der Welt sichern zu helfen. Wie aber geht das? Darüber gibt es die verschiedensten Theorien und die sich dann danach richtenden Handlungsmodelle. Papst Benedikt XVI. hat seine Botschaft zum Weltfriedenstag 2007 mit den Worten überschrieben: „Die menschliche Person, Herzmitte des Friedens“.

Der Friede, den wir zu schaffen und zu bewahren haben, hat also etwas mit der menschlichen Person zu tun. Und in der Tat, die Weltgeschichte ist die Geschichte des menschlichen Herzens. Alle guten und alle bösen Geister kommen in die Welt durch die Tür des menschlichen Herzens.

Habsucht, Genusssucht und Ehrsucht fangen im Herzen des Menschen an und bringen Streit, Neid, Krieg, Mord und Tod in die Welt. Die große Gefahr für die Welt ist das – wie der heilige Augustinus sagte – „Cor incurvatum in se“ – „Das in sich selbst verkurvte Herz“. Das Herz kann eine Mördergrube sein, aber auch eine Goldgrube.

Und hier liegt das Einsatzfeld für den Frieden in der Welt: im menschlichen Herzen. Es stimmt wohl nicht, dass man zuerst die Zustände verändern muss, um dann den Menschen verändern zu können. Es geht genau umgekehrt: Man muss zuerst den Menschen erneuern, damit man dann auch die Welt erneuern kann.

2. Der Mensch braucht Himmel, Höhe und Horizont. Als man den Himmel „den Engeln und den Spatzen” überließ, da fielen Welt und Menschen buchstäblich unter die Räuber. Denn wo der Mensch sich nicht mehr nach oben hin übersteigen kann, weil man den Himmel abgeschafft hat, greift er nicht selten zur Droge als einem Mittel der Selbstübersteigung. Letztendlich aber führt die Droge nicht zur Selbstübersteigung, sondern zur Selbstvernichtung.

Ich meine, es ist schon mehr als tragisch, dass der Mensch genau in dem Augenblick zur Droge griff, als man ihm den Glauben an den Himmel als “Opium für das Volk” diffamiert hat. Die Abschaffung des Himmels hatte außerdem zur Folge, dass der Mensch seinen Drang zum Überstieg zum Himmel hin nicht mehr verwirklichen kann, weil – wie erwähnt – der Himmel abgeschafft ist.

Dort drängte ihn aber dann die metaphysische Kraft zur Transzendenz in die horizontale Richtung. Er versuchte nun, seinen Ewigkeitshunger an den Gütern dieser Welt zu stillen. Dabei verzehrte er buchstäblich die Ressourcen der Welt - und wurde davon doch nicht satt. Der Raubbau an der Welt hat seinen Grund im Abbau des Himmels und seiner Reichtümer.

Eine Welt ohne Himmel fällt unter die Räuber. Das ökologische Problem ist ein theologisches. Verlieren wir den Himmel nicht aus den Augen und geben wir unseren Zeitgenossen den Himmel zurück - und damit Höhe und Horizont! Ich frage: Sind denn unsere europäischen Gesellschaften durch Säkularisierung stabiler geworden? Wir werden antworten müssen: Ganz im Gegenteil!

In dem Maße, in dem man Gott zur Privatsache machte, haben unsere Gesellschaften in Europa an wirklicher Lebensqualität, an kulturellem Niveau und an geistiger Substanz verloren. Das kann auch gar nicht anders sein. Wer nicht mehr beten kann “Ehre sei Gott in der Höhe”, wem Gott im Himmel nicht mehr heilig ist, dem kann auch auf Erden nichts mehr heilig sein. Es ist uns als Faustregel in die Hand gegeben: “Wie im Himmel, so auf Erden”.

3. Ohne Gott kein Mensch! Die Wahrheit des Menschen ist Gott. Ich meine, wir haben lange genug vom Menschen geredet: Lasst uns endlich wieder von Gott reden! Denn nicht der Mensch ist menschlich. Wer will denn das am Anfang des 21. Jahrhunderts noch allen Ernstes nach Auschwitz und all den Leiden, die die Welt durchmachen musste, behaupten!

Nur Gott ist menschlich, nämlich gott-menschlich in seinem Sohn Jesus Christus. Der österreichische Literat Franz Grillparzer sagte daher: “Humanität ohne Divinität ergibt Bestialität”. Menschlichkeit ohne Gottesglauben verkommt in Brutalität. Wer von Gott spricht, spricht immer auch vom Menschen. Gott hat uns in seinem Sohn Jesus Christus das Bild vom Menschen gegeben.

Im Grunde hat der Mensch deshalb eigentlich nur eine Alternative: entweder Bruder in Christus zu sein oder Genosse im Antichrist! Ich weiß, was ich damit sage. Der Gottmensch wirkt das göttliche Wunder der Brotvermehrung und der Lebenserhaltung. Der Menschengott dagegen wirkt das dämonische Wunder der Brotverminderung, d.h. der Lebensverminderung. Das ist keine Horrorvision der Zukunft: das ist todernste Gegenwart.

Abtreibung und Euthanasie sind gesetzliche Festlegungen in manchen so genannten zivilisierten europäischen Gesellschaften. Ich sage es noch einmal: Nicht der Mensch ist menschlich, nur Gott ist menschlich. Der heilige Irenäus von Lyon kann deshalb sagen: “Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch”. Lebendig ist der Mensch dort, wo er Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes, Raum in seinem Dasein gibt.

„Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11), sagt das Johannesevangelium zur Geschichte der Ankunft Gottes in der Welt. Christus Einlass und Wohnrecht in unserem Dasein zu gewähren, ist das Gebot der Stunde. Geben wir der Welt wieder Christus, damit sie eine Gesellschaft des Lebens wird.

4. Der Mensch ist als Ebenbild Gottes erschaffen, und darum ist er gottfähig. Das zeigt sich in der Anbetung Gottes durch den Menschen. Den Menschen begründet in seiner unantastbaren Würde, dass er die Fähigkeit besitzt, Gott anzubeten.

Die Anbetung hat ihren Grund allein darin, dass Gott ist. Darum ist Anbetung immer und überall möglich. Sie befreit den Menschen aus dem, was gegen Gott steht. Und das sind zunächst die Götter, heute wie damals. Darum muss man Gott allein anbeten und niemand sonst. „Aber sind die Götter nicht ohnehin längst tot?“, werden wir vielleicht einwenden.

Wer wach in seine Umwelt blickt, muss hier auf eine Gegenfrage antworten: „Gibt es in unserer Wirklichkeit nichts mehr, was angebetet wird neben Gott oder gegen Gott?“ – Worauf vertrauen wir? Woran glauben wir? – Sind nicht Erfolg, Image, soziale Würde, politischer Einfluss und öffentliche Meinung zu Mächten geworden, vor denen sich die Menschen beugen und denen sie wie Göttern dienen?

Würden unsere europäischen Gesellschaften nicht ganz anders aussehen, wenn diese Götter vom Thron gestürzt würden? Gott ist! Das bedeutet, es gibt die Hoheit der Wahrheit. Es gibt die Würde des Rechts über alle Zwecke und über alle Interessen hinaus. Es gibt den unantastbaren Wert des irdisch Wertlosen, z.B. den Wert des unheilbar Kranken, die unantastbare Würde des ungeborenen Kindes.

Es gibt die Anbetung Gottes selbst, die den Menschen vor der Diktatur der Zwecke und der Zwänge schützt und allein imstande ist, ihn vor der Diktatur der Götzen zu schützen. Was entsteht hier für eine Welt? Wahrlich trifft hier das Herrenwort zu: „Wie im Himmel, so auf Erden!“.

5. Was eröffnet sich hier für ein Einübungsfeld für die Angehörigen der Bundeswehr! Sie müssen Spezialisten in Sachen Würde des Menschen sein. Das ist das Ziel aller Friedensbemühungen. Es geht also nicht so sehr um die Umstände der Welt und ihrer Verhältnisse, sondern es geht um den Menschen.

Das ist auch der Inbegriff der Weihnachtsbotschaft, die von den Engeln auf den Fluren von Bethlehem verkündet wurde: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden (vgl. Lk 2,14). Die Ehre Gottes im Himmel ist die Garantie für den Frieden der Menschen auf Erden. Vielleicht ist dieser Gottesdienst im Hohen Dom zu Köln zum Weltfriedenstag 2007 ein größerer Beitrag zum Frieden, als wir ahnen. Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
English Top German Cardinal Starts $9 Million Family Fund in 2007 “Year of Marriage and the Family” in Cologne
Jan 12, 2007
Germany’s leading Cardinal has established a fund of €7 million ($9.1 million) dedicated to supporting marriage and the family.

COLOGNE, Germany, January 11, 2007 (LifeSiteNews.com) - Cardinal Joachim Meisner, Archbishop of Cologne diocese and the most influential Catholic leader in the country, has declared 2007 the “Year of Marriage and the Family” in Cologne, Zenit News Agency reported yesterday.

Pledging increased support for family life, Cardinal Meisner called for greater courage in promoting marriage and the family.

“Fathers, mothers and children need more support and guidance…marriage and the family will be at the center of numerous ecclesial events and projects,” he said upon announcing the archdiocesan focus of 2007.

The fund for marriage and the family will finance parish projects offering support to families and working toward the protection of life. Individual parish communities will be provided with guidelines from the archdiocese on incorporating the new projects into parish life.

“With our annual program we seek to encourage young people to enter into marriage and the new spouses to have children,” said Robert Kleine, director of Family Pastoral Care for the archdiocese.

Strongly pro-life and closely aligned with the Holy Father, Cardinal Meisner is known to be deeply concerned with protecting the family in modern society and an outspoken critic of liberal and dissenting Catholic leaders.
German Auch ein Fass Kölsch auf dem Altar
Jan 05, 2007
Auf großes Echo ist gestern Abend das Angebot an die Karnevalisten gestoßen, den Beginn der Session mit einem Pontifikalamt im Dom zu feiern.

(rundschau-online.de, 04.01.07) Zahlreiche Mitglieder von Karnevalsgesellschaften, Vertreter von insgesamt 38 Erwachsenen- und Kindertanzgruppen, unzählige Standartenträger, aber auch andere Kölner Bürger hatten sich im Dom versammelt, um mit Kardinal Meisner die heilige Messe zu feiern. Auch OB Fritz Schramma folgte der Einladung.

Auf vielfältige Weise wurden die Karnevalisten in das Messgeschehen einbezogen. So übernahm Festkomitee-Chef Markus Ritterbach die Lesung über die „Kinder Gottes“ (1. Johannesbrief), Kollegen sprachen die Fürbitten, darunter das kommende Dreigestirn, wobei Prinz Jacky I. für die Menschen betete, die „in diesem Dom ihren Dienst versehen für die Menschen: Schenke ihnen Freundlichkeit und Geduld und lohne ihnen einst ihr Mühen“.

Selbst die Verwendung der Kollekte bestimmten die Karnevalisten in eigener Regie. Das Geld kommt dem Projekt „Villa Kunterbunt" der Kölner Uniklinik zugute, in dem psychisch erkrankte Kinder behandelt und unterrichtet werden. Schließlich waren auch die Geschenke zur Gabenbereitung durch und durch kölsch: unter anderem eine Festkomitee-Kappe, ein Orden, Muuze als Symbol des kulinarischen Köln und ein Fässchen Dom-Kölsch.

Auf das Kölsch ging auch Kardinal Meisner in seiner Predigt ein. Von seinem Wesen her sei der Karneval mit dem Evangelium Christi gleichsam blutsverwandt, „lebt doch der Humor, der Mutterwitz, von dem Humus, also der Muttererde des Evangeliums“. Muttererde bedeute fruchtbares und fruchtbringendes Erdreich, von dem der Mensch leben kann. Sie gebe es in jedem Menschen, „weil doch jeder Mensch bestimmt ist zum Wachsen, zum Reifen und Fruchttragen“. Zur Fruchtbarkeit gehöre auch etwas Feuchtigkeit dazu, was ursprünglich das Wort Humor bedeute. „Hier muss man nicht gleich ans Kölsch denken.“ Die Frucht des Humors sei die Menschenwürde. „Achtung vor sich selbst und Achtung vor dem anderen ist das Ergebnis unseres Glaubens an die Menschwerdung Christi. Das ist der große Rahmen, in dem sich der Kölner und der rheinische Karneval abspielen sollten.“ Statt mit „Amen“ schloss Meisner mit „Kölle Alaaf!“.
German Mutter muss anerkannter Beruf werden
Jan 05, 2007
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat sich für die Anerkennung von Müttern als Berufstätige ausgesprochen.

Köln (dpa, 4.1.2007) Hier sei die Politik gefragt, sagte der 73-Jährige am Donnerstag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Köln. "Das müsste in der Gesellschaft ein anerkannter Beruf sein, der sich auch in der Alters- und Krankenversicherung niederschlägt. Dann bekommt es auch in der Öffentlichkeit eine ganz andere Akzeptanz, Mutter zu sein." Denkbar sei zum Beispiel eine Rente für Mütter, doch die Einzelheiten könne nicht er ausarbeiten, das sei Sache der Politik.

Leider würden die Leistungen der Mütter in Deutschland nur unzureichend gewürdigt. "Ich mache dieses Theater jetzt zum zweiten Mal mit. In der DDR hat man den Frauen gesagt: "Wenn ihr zu Hause bleibt, verpasst ihr euer Leben."" Ähnliche Töne seien heute auch zu hören, sagte Meisner, der zu DDR-Zeiten Weihbischof von Erfurt und später Bischof von Berlin war. Dabei gibt es seiner Ansicht nach keine größere Form von Selbstverwirklichung, als Kinder zu haben. "Da sieht eine Mutter dann: "Ach, der hat meine Nase." Was gibt es Schöneres?"

Meisner wies darauf hin, dass die katholische Kirche nichts dagegen habe, wenn in einer Familie die Frau arbeiten gehe und der Mann zu Hause bleibe und die Kinder versorge. Nur während der ersten drei Lebensjahre des Kindes sei es besser, wenn die Mutter daheim sei. "Das Kind hat schließlich neun Monate unter dem Herzen der Mutter - und nicht des Vaters - gelebt", sagte Meisner. Dadurch entstehe eine ganz besondere Bindung, die auch von Hirnforschern nachgewiesen sei. Im übrigen wisse auch er, dass es heute oft eine wirtschaftliche Notwendigkeit sei, dass Vater und Mutter arbeiteten: "Die Eltern machen das ja nicht zum Spaß."
German Neuer Programmpunkt im karnevalistischen Kalender
Jan 03, 2007
"Jecker Gottesdienst" im Dom mit Kardinal Meisner

(koeln.de, 2.1.2007)Karneval goes Kölner Dom - so in etwa könnte der neue Programmpunkt im karnevalistischen Kalender lauten. Am Donnerstag, 4. Januar, also am Abend vor der Proklamation des neuen Dreigestirns, gibt es in dieser Session erstmals eine ganz besondere Unterstützung "von oben": Mit einem feierlichen Abendmahl mit Kardinal Meisner im Kölner Dom soll die jecke Zeit kirchlich eingeläutet werden.

Mit dem religionsübergreifenden Gottesdienst soll auch das Sessionsmotto "Mir all sin Kölle" unterstrichen werden. Ob die "jecke Messe" als fester Programmpunkt in der karnevalistischen Kalender aufgenommen wird oder doch eine Ausnahme bleibt, steht allerdings noch aus. Das entscheidet sich wohl erst, wenn die Kölner Jecken bewiesen haben, dass sie nicht nur feiern, sondern auch besinnlich sein können und am Gottesdienst teilnehmen.
German Kritik, aber auch Lob für den Kardinal
Dec 18, 2006
Kardinal Joachim Meisner und sein Generalvikar Dominik Schwaderlapp ernten viel Kritik für das Spar-Konzept „Zukunft heute“. Gleichzeitig gibt es Stimmen, die der Bistumsleitung vorwerfen, ein Klima der Angst zu verbreiten. Doch es gibt auch Verständnis für die notwendigen Maßnahmen.

(Kölnische Rundschau, 17.12.06) Rhein-Erft-Kreis: Kreisdechant Achim Brennecke findet offene Worte: „Ich ärgere mich hin und wieder auch schon einmal“, gibt er zu. Aber das komme ja in anderen Betrieben auch vor. Allerdings sei vor Ort zurzeit die Stimmung nicht die beste. Es gebe unterschiedliche Auffassungen darüber, wo gespart werden müsse.

„Das Konzept ,Zukunft heute löst natürlich sehr viel Unruhe aus“, sagt auch der Sprecher der Dekanatsräte im Rhein-Erft-Kreis, Karl-Heinz Lätzsch. „Nicht zuletzt kämpfen wir um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Es ist nicht schön, wenn Kirchen entweiht, Pfarrsäle geschlossen und Kindergartengruppen aufgelöst werden.“ Mit Kardinal Meisner und Generalvikar Schwaderlapp werde aber ein offener Austausch gepflegt.

Eine gewisse Resignation habe sich schon unter den Priestern breit gemacht, sagt Hoffsümmer. „Meisner nimmt Kritik nicht an und wird sich auch nicht mehr ändern.“

Rheinisch-Bergischer Kreis: Große Unruhe gab es im Seelsorgerbezirk Bergisch Gladbach-West. Dort wurde im November im Anschluss an die Gottesdienste eine Mitteilung von Kardinal Meisner und der erzbischöflichen Personalabteilung verlesen, dass Pfarrer Peter Felten (Pfarreien Paffrath und Hand), der Leiter des Pfarrverbandes, nach einem Gespräch mit Meisner das Pfarreramt „aus persönlichen Gründen“ niedergelegt habe. Der einzige verbliebene Pfarrer, Wolfgang Pollmeyer aus Schildgen, der jetzt die kommissarische Leitung der drei Pfarren übernimmt, steht zwei Jahre vor der Pensionierung. Und mit der Abordnung eines neuen Geistlichen ist nicht vor Sommer 2007 zu rechnen.

Gegenüber der Rundschau gab es vertrauliche Mitteilungen aus dem Klerus, dass Pastor Felten den Zwiespalt zwischen seinen persönlichen Vorstellungen hinsichtlich der Gestaltung des Pfarreramtes (Liturgie, Seelsorge) und den organisatorischen und administrativen Zwängen seines Amtes, verstärkt durch die massiven Sparerfordernisse, einfach nicht mehr überbrücken konnte.

Köln: Die Situation in der Stadt charakterisiert ein Geistlicher im Gespräch mit der Rundschau so: Der Klerus lasse sich in Personen, die „sich ihren Sandkasten erhalten“ wollten und nichts sagten und in Personen, die resigniert hätten und sich sagten: „Aufmucken hat keinen Zweck“. Außerdem gebe es Karrieristen, die dem Kardinal immer zustimmten. Viele in der Kirche seien misstrauisch geworden. Es herrsche ein Geist des Gehorsams. Mut und der Geist der Offenheit fehlten. Einen ordentlich installierten Pfarrer, so der Geistliche weiter, könne man nur versetzen, wenn er sich etwas zuschulden kommen lasse. „Nur: Wenn man den ständig unter Druck setzt, andauernd zum Personalchef einbestellt - wer kann da auf Dauer standhalten?“

Falls es anonyme Beschuldigungen gegen Priester gebe, wanderten diese in der Regel in den Papierkorb und würden vernichtet. Das habe der Priesterrat in seiner Beschwerdeordnung so beschlossen. Es sei denn, der Vorfall sei wirklich sehr gravierend: Dann müsse der betreffende Priester natürlich angehört werden.

Oberbergischer Kreis: Die ländliche Struktur der drei Dekanate sei vom Generalvikariat im Sparkonzept offenbar nicht hinreichend berücksichtigt worden, meinen viele Dekanatsratsmitglieder und Priester. So solle der Seelsorgebereich Gummersbach 350 Quadratmeter an Versammlungsfläche einsparen. Dies würde bedeuten, dass Teile bestehender Pfarrheime vermietet oder veräußert werden müssten, was allein aus architektonischen Gründen gar nicht gehe.

Zu befürchten stünde, dass die zumeist älteren unter den aktiven Gemeindemitgliedern künftig Wege von mehreren Kilometern in Kauf nehmen müssten.

Die Sparpläne hätten auch zu Spannungen zwischen Gemeindemitgliedern geführt. Oft würden die Personen, die Kölner Entscheidungen vor Ort auszuführen hätten, als Sündenböcke betrachtet. Von den insgesamt neun Kindergarten-Gruppen in katholischer Trägerschaft im Seelsorgebereich Gummersbach sollen fünf eingespart werden.

Rhein-Sieg-Kreis: Mit dem Meisner-Schwaderlapp-Kurs kommt man offenbar ganz gut klar. Das Sparprojekt „Zukunft heute“ mit den vielfach gravierenden Einschnittenwird vor Ort in den Kirchengemeinden ohne große Proteste umgesetzt.

Bonn: Bislang wurde das Sparkonzept weitgehend geräuschlos umgesetzt. Von der Kirche aufgegebene Kindergartenplätze haben die Kommunen übernommen. Es sind sogar neue Initiativen (Bürgerstiftung Rheinviertel) entstanden. Für Kritik hat jedoch die Neubesetzung an der Führungsspitze der Katholischen Hochschulgemeinde gesorgt.
German Evangelische Unterstützung für Kardinal Meisner
Dec 09, 2006
Der wegen des Verbots multireligiöser Gottesdienste an katholischen Schulen in die Kritik geratene Kölner Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner, hat Unterstützung aus der evangelischen Kirche und der evangelikalen Bewegung erhalten.

K ö l n / W o l f e n b ü t t e l (idea) – Meisner hatte seine Richtlinie damit begründet, dass das Gottesbild der nichtchristlichen Religionen nicht identisch sei mit dem Gott, „der Vater unseres Herrn Jesus Christus ist“. Daher seien gemeinsame Gottesdienste nicht möglich.

Die Entscheidung Meisners stieß bei Politikern auf Kritik. Die Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU, Ingrid Fischbach, erklärte, das Verbot sei angesichts der interreligiösen Dialogbemühungen „nur schwer nachzuvollziehen“. Die Angst vor einer Religionsvermischung sollte „nicht handlungsleitend sein“. Politiker von Bündnis 90/Die Grünen nannten den Erlass einen „Rückschritt“ und warnten vor einer „katholischen Parallelgesellschaft“. Dagegen hat der Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche in Braunschweig, Friedrich Weber (Wolfenbüttel, Foto), die Weisung Meisners gegen Kritik verteidigt. Der Erlass präzisiere, was bei aller Notwendigkeit multireligiöser Integration in der Schule „um der Wahrung der religiösen Identität willen“ nicht überschritten werden dürfe.

Interreligiöse Gebete sind nicht möglich
Die Richtlinie des Erzbischofs liege auf der „gleichen Linie“ wie die jüngst veröffentlichten Zehn Thesen des Rates der EKD zum Religionsunterricht. Nach evangelischem Verständnis seien zwar gemeinsame religiöse Feiern möglich, nicht aber interreligiöse Gebete. Im Religionsunterricht gehe es mit Blick auf Gott um die Wahrheitsfrage. Sie verlange das „Beziehen einer klaren Position“.

Evangelikale: Religionsvermischung verhindern
Pfarrer Eberhard Troeger (Wiehl bei Köln) vom Arbeitskreis Islam der Deutschen Evangelischen Allianz kann die Empörung über Meisner nicht verstehen: „Er hat etwas ganz Selbstverständliches gesagt.“ Das biblische und das koranische Verständnis von Gott ließen sich nicht harmonisieren. Deshalb könnten Christen und Muslime nicht gemeinsam Gottesdienst feiern. Man müsse alles vermeiden, was nach einer Religionsvermischung aussehe, sagte Troeger auf idea-Anfrage.
German Dialog mit dem Islam muss sein
Dec 01, 2006
Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner besuchte unsere Redaktion. Themenschwerpunkte waren: Das Verhältnis von Religion und Gewalt, die Unmöglichkeit eines gerechten Krieges und das „C“ der Unionsparteien.

Düsseldorf (RP-Online, 01.12.2006). Herr Kardinal, fällt es Ihnen nach dem Dresdner Parteitag etwas leichter, der CDU das „C” zuzubilligen?


Meisner Wenn ich in der Vergangenheit die CDU kritisiert habe, dann doch nur, um ihr zu helfen. Sie muss sich als Volkspartei um große Mehrheiten bemühen. Wenn ihr das mit dem „C” nicht mehr gelingt, dann sollte sie daraus die Konsequenzen ziehen. Für uns als Kirche ist das „C” im Namen nun mal ein Richtmaß, nach dem sich politisches Handeln bewerten lassen muss. Ich hoffe, dass die Union sich auf ihre wesentlichen Grundlagen besinnt, die im christlichen Menschenbild und einer solidarischen Gesellschaft bestehen. Und ich hoffe, dass sie damit auch mehrheitsfähig wird in unserem Land.


In Dresden gab es ein heftiges Flügelschlagen zwischen der eher wirtschaftlich und der stärker sozialpolitisch orientierten Gruppe um Jürgen Rüttgers.


Meisner Die soziale Komponente ist ganz wichtig. Arbeitnehmern ist nicht gedient, wenn der Betrieb zugrunde geht. Zugleich hat ein Unternehmer die große Verantwortung zu tragen, dass er in seinem wirtschaftlichen Handeln der sozialen Dimension des Eigentums gerecht wird.


Rüttgers hat in Dresden ein schlechtes Ergebnis bekommen. Hat die Partei nicht begriffen, worum es geht?


Meisner Darüber kann ich nur spekulieren. Ich kann mir darauf keinen Reim machen.


Das „C” auf Krieg und Frieden übertragen: Hätte die Union beim Kriegseinsatz im Irak nicht an der Seite des Papstes sein müssen statt an der des US-Präsidenten, wie der CSU-Politiker Gauweiler kritisch angemerkt hat?


Meisner Der Protestant Peter Gauweiler hat meines Erachtens hier nicht zum ersten Mal richtiges Gespür bewiesen, und der damalige Papst Johannes Paul II. hat mit seinen Bedenken ebenfalls Recht behalten. Eine C-Partei hätte da also in der Tat auch etwas zurückhaltender sein können. Nun ist die Verteidigung des Friedens ohne Zweifel eine christliche Pflicht. Angesichts der zerstörerischen Waffengewalt, die wir inzwischen zur Verfügung haben, ist die alte Lehre vom gerechten Krieg allerdings heute kaum noch haltbar. Das können Sie in jüngeren Kirchendokumenten wie etwa im Weltkatechismus oder im neuen Kompendium der Soziallehre bestätigt finden.


Präsident Bush ist von dem Gedanken beseelt, dass er in göttlicher Mission handelt.


Meisner Da ist er nicht der einzige in der Weltpolitik, der das von sich annimmt. Als Mensch muss ich mich aber immer wieder korrigieren lassen; das heißt: Ich muss meine Berufung, sei es als US-Präsident oder als Manager oder als Bischof, vor einer höheren Instanz objektiv befragen lassen nach dem Motto: Habe ich das, was ich da vorhabe, vom Heiligen Geist, oder ist das bloß meine eigene Idee?


Was hat Benedikt XVI. den deutschen Bischöfen bei ihrem Rom-Besuch Mitte des Monats ans Herz gelegt?


Meisner Der Papst erkundigte sich eingehend nach der Lage der Jugend und der Familien. Er ist bestens über die Situation in Deutschland informiert und hat ein enormes Gedächtnis für all diese Dinge. Ein großes Anliegen ist ihm, dass die Kirche in Deutschland mit ihren nach wie vor reichhaltigen Mitteln den Mut hat, missionarischer zu sein. Ich glaube, dazu wird er uns sicher noch einiges ins Stammbuch schreiben. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf sein Jesus-Buch, das im kommenden Frühjahr erscheinen soll.


Von der Regensburger Vorlesung des Papstes fühlte sich der Islam brüskiert. Wie konnte das passieren?


Meisner Der Papst hat als Professor gesprochen und hat gewiss gemäß unseren akademischen Gepflogenheiten nicht damit gerechnet, dass ein historisches Zitat mit seiner Meinung gleichgesetzt werden könnte. In der Sache aber stellt sich der Papst der Problematik des 21.Jahrhunderts schlechthin, nämlich der Frage nach Religion und Gewalt, was letztlich ein zentraler Aspekt seines überragenden Themas „Glaube und Vernunft“ ist. Wenn wir da nicht zu einem Konsens kommen, weiß ich nicht, wie das 21. Jahrhundert zu Ende gehen soll.


Das bedeutet...


Meisner Es ist zu hoffen, dass der Islam den Weg zu einer höheren Rationalität des Glaubens mitgehen wird und seine geschichtliche Dimension entdeckt. Dann könnte eine dringend notwendige Textkritik des Koran erfolgen, wie wir Christen sie im Umgang mit unserer Heiligen Schrift lange schon betreiben. Im Islam kann das, was im Koran steht, ja nicht hinterfragt werden. Doch der Koran ist eben auch ein geschichtliches Buch. Darüber muss geredet werden.


Der Dialog ist schwer zu führen.


Meisner Aber wir kommen daran nicht vorbei.


Vorbehalte gegen die Kirche betreffen vielfach die Betonung kirchlicher Gebote und Verbote. Wo bleibt das Positive?


Meisner Wir müssen in der Verkündigung zuallererst über die Schönheit des Glaubens, über die Schönheit Gottes und die Faszination des Evangeliums predigen. Da haben wir einen großen Nachholbedarf.


Wie lassen sich breite Bevölkerungsschichten wieder mehr für die Kirche gewinnen?


Meisner Kirche ist Volkskirche, das heißt: Sie ist für das Volk da. Alles, was die Kirche hat, stammt von einem anderen, nämlich von Jesus Christus, aber sie hat dies alles nicht für sich, sondern für andere. Eine kirchliche Gemeinde verdient darum nur diesen Namen, wenn sie auch missionarische Gemeinde ist.


Manche Priester bei uns erwecken den Eindruck, als seien sie lieber Manager als Menschenfischer. Wo bleiben Letztere?


Meisner Ich habe in der Hinsicht große Hoffnung. 90 Prozent unserer Geistlichen sind schon apostolische Männer. Das gilt für die Priester, aber auch für jene, die sich als Verheiratete als ständige Diakone in Dienst nehmen lassen. Am vergangenen Samstag habe ich wieder sechs Männer zu ständigen Diakonen geweiht: hochbegabte Familienväter, fünf Kinder, sechs Kinder, promovierte Leute, die missionarisch in der Kirche wirken wollen. Das ist nur ein Beispiel.


Wie testen Sie Tüchtigkeit?


Meisner Wenn jemand Priester werden will und zu mir kommt, frage ich immer: Können Sie auf jemanden verweisen, der durch ihr Zeugnis Christ geworden oder in seinem Glauben gestärkt worden ist? Das heißt, ich teste die geistige Reife und Bereitschaft des Kandidaten, seinen Glauben weiterzugeben.


Hat der Weltjugendtag 2005 in Köln wirklich etwas religiös bewegt?


Meisner Er hat, wie es mir jetzt wieder der Papst erzählte, eine Erneuerungsbewegung breiteren Ausmaßes nach sich gezogen, deren Auswirkungen zum Beispiel auch in Kanada oder in der Slowakei zu spüren sind. Aber auch bei uns im Erzbistum Köln gibt es Zeichen dafür, dass etwas positiv in Bewegung gerät. Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, aber da wächst etwas heran.


Verraten Sie uns, wie Sie Weihnachten feiern?


Meisner Mit Glanz und Gloria. Bei mir kommt in der Zeit alles an persönlichen Feiertagen zusammen: Ich habe am 1. Weihnachtstag Geburtstag. Ich wurde am 20. Dezember 1988 zum Erzbischof von Köln ernannt. Am 22. Dezember 1962 bin ich zum Priester geweiht worden und habe am 23. Dezember 1962 Primiz gefeiert. Da man zu Weihnachten eigentlich keine Gäste einladen kann, bitte ich nach alter Tradition am 22. Dezember unser Domkapitel und andere zu einem schlesischen Weihnachts-Abendessen. Da sind wir fast zu 40 Leuten.


Was gibt’s zu essen?


Meisner Traditionell Karpfen, mit einer Soße von dunklem Bier, zum Schluss natürlich Mohnklöße; außerdem gibt’s niederschlesische Kalbfleischwürste und dazu Andechser Doppelbock-Klosterbräu.


Ihr Weihnachts-Pflichtprogramm?


Meisner Am Heiligabend findet die Mitternachtsmesse statt. Dann kommt morgens der Weihnachts-Gottesdienst, anschließend gratulieren mir die Mitglieder der Domchöre zum Geburtstag, dann lade ich noch sechs bis acht Leute, die alleinstehend sind, zum Weihnachtsessen ein, und um drei Uhr nachmittags heißt‘s dann erst mal: Füße hochlegen.


Haben Sie Hobbys?


Meisner Ja, ich sammele alte Gebetbuch-Bilder. Von Kevelaer und aus dem alten Köln habe ich schon jeweils eine ganze Mappe. Am 2. Weihnachtstag ordne ich die Bilder ein, die sich im Laufe des Jahres angesammelt haben. Damit habe ich ein paar Stunden zu tun. Dabei höre ich mir gerne Musik an und lasse einfach mal die Seele baumeln.


Schauen Sie fern?


Meisner Gerne geschichtliche Sendungen, aber ich sehe selten fern. Ich glaube, dass ich auch nicht allzu viel verpasse.


Gehen Sie schon mal ins Kino?


Meisner Den Film „Der Untergang” über Hitlers letzte Tage habe ich im Kino gesehen.


Welche Botschaft haben Sie zum Advent?


Meisner Diejenige meines Bischofs-Wahlspruches: „Spes nostra firma est pro vobis”, zu deutsch: „Unsere Hoffnung für euch steht fest”, aus dem 2. Korintherbrief. Ich erhoffe für unsere Landsleute, dass sie in den adventlichen Tagen - trotz allem - ein wenig in die Tiefe ihres Herzens gelangen, um somit die Oberfläche ihres Lebens ein gutes Stück zu relativieren.
German Grußwort von Joachim Kardinal Meisner zum Ende des Fastenmonats Ramadan 2006
Nov 01, 2006
Wir veröffentlichen das diesjährige Grußwort des Kölner Erzbischofs Joachim Kardinal Meisner zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan.

Köln, im Oktober 2006

Liebe muslimische Schwestern und Brüder!

In diesen Tagen geht für Sie der Fastenmonat Ramadan als eine Zeit des Gebets und der Besinnung auf Gott zu Ende. Zum festlichen Abschluss dieser Wochen sende ich Ihnen meine Grüße, verbunden mit der Hoffnung, dass der Allmächtige uns in unseren Anstrengungen für eine gute Zukunft stärken wird.

In Verantwortung vor Gott und in Respekt voreinander bemühen wir uns auch um den interreligiösen Dialog. Zu diesem Dialog in Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit ermutigt – auch allen anders lautenden Meldungen zum Trotz – der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI., immer wieder. Seine Ansprache beim Treffen mit Muslimen während des Weltjugendtages in Köln hat nach wie vor Gültigkeit: „Der interreligiöse und interkulturelle Dialog zwischen Christen und Muslimen darf nicht auf eine Saisonentscheidung reduziert werden. Tatsächlich ist er eine vitale Notwendigkeit, von der zum großen Teil unsere Zukunft abhängt.”

Sie, liebe Muslime, bitte ich, diese Botschaft des Papstes auch in Ihren Gemeinschaften zu verbreiten.

Gott segne und behüte Sie und Ihre Familien!

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Familienbild muss sich verbessern
Sept 12, 2006
Für Familien muss in Deutschland auch im Bezug auf das herrschende Bild von Ehe und Familie mehr getan werden. Diese Ansicht vertrat der Erzbischof Joachim Kardinal Meisner beim heutigen Journalistenempfang in Köln anlässlich des Welttages der sozialen Kommunikationsmittel.

KÖLN, 7. September 2006 (ZENIT.org).- Die Klage über zu geringe Geburtenzahlen in Deutschland sei zu wenig, wenn nicht gleichzeitig mehr für die inhaltliche Wertschätzung von Ehe und Familie getan werde, bekräftigte der Kardinal vor den Medienvertretern. "Hier lässt sich noch manches verbessern, und ich bitte Sie, sich ein offenes Auge für diese Notwendigkeit zu bewahren."

Wer die Bedeutung der Familien leugne, brauche sich "nicht zu wundern, dass unser Sozialsystem zusammenbricht". Das Erzbistum Köln habe für das kommende Jahr Ehe und Familie zum pastoralen Schwerpunkt gewählt und werde dabei vielfältige Angebote und Impulse geben. So werde dieses Thema beispielsweise sowohl in der Firmvorbereitung als auch an den katholischen Schulen verstärkt aufgegriffen. Kardinal Meisner fügte hinzu, dass nicht zuletzt der Weltjugendtag und die Reaktionen der Teilnehmenden verdeutlichten, dass es unter jungen Menschen ein sehr großes Interesse an Orientierung für Partnerschaft, Ehe und Familie gebe.

"Manche Menschen mögen uns für weltfremd halten, wenn wir – trotz aller gesellschaftlichen Realitäten – am Idealbild von Ehe und Familie festhalten. Glauben Sie mir, ich bin kein idealistischer Träumer, aber wenn wir das Ziel und das Ideal lebendiger Familien aufgeben, dann brauchen wir über ein Ziel wie den Weltfrieden erst gar nicht mehr zu reden."

Dr. Holger Dörnemann, Leiter des Referats Ehe- und Familienpastoral im Erzbistum Köln, erläuterte seinerseits den Planungsstand für das Schwerpunktthema Ehe und Familie, bei dem die verschiedenen Einrichtungen und Ebenen der Jugend- und Erwachsenenseelsorge kooperieren sollen. Darin seien besonders die katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstellen, die Erziehungsberatung und die Einrichtungen der Familienbildung einbezogen. In den Kreis- und Stadtdekanaten gebe es jetzt zehn Referenten für Ehe- und Familienpastoral als ortsnahe Ansprechpartner. Auch die Entwicklung von 85 Kindertagesstätten zu Familienzentren gehöre zu diesem Konzept, ebenso wie die "Woche für das Leben" 2007 und eine Familienwallfahrt der Bistümer Köln, Aachen und Trier am 6. Mai kommenden Jahres.
German Seit dem Weltjugendtag outen sich die Katholiken wieder
Aug 07, 2006
Ein Jahr nach dem Weltjugendtag in Köln sieht Kardinal Joachim Meisner selbstbewusstere Katholiken als früher.

Köln , 4.8.06 (Kipa) Das Grossereignis mit Papst Benedikt XVI. habe das "katholische Selbstbewusstsein und Siegesbewusstsein" wachsen lassen, sagte der Kölner Erzbischof gegenüber Deutschlands Katholischer Nachrichten-Agentur. Gott sei wieder zum Thema geworden. Meisner wörtlich: "Leute outen sich und sagen, ich bin ein katholischer Christ."

Meisner bezeichnete "katholische Minderwertigkeitskomplexe" als "die eigentlichen Sünden unserer Zeit". Der Weltjugendtag habe gerade den Älteren in dieser Hinsicht eine Lektion erteilt. Sie hätten gelernt, dass die Jugend ihnen in Glaubensfragen vorausgehe. Viele Erwachsene seien von deren intensiven Gebeten beeindruckt gewesen. "Dass sich einer so frei vor Gott hinstellt und betet. Und es kamen immer mehr hinzu und haben sich anstecken lassen", betonte Meisner.

Kraft hat in alle Welt ausgestrahlt

Um solche Impulse fortzusetzen, müssten in Zukunft "kleinere Brötchen gebacken" werden, sagte der Erzbischof. Doch im vergangenen Jahr seien schon "viele positive Bewegungen des geistlichen Lebens" entstanden, die nicht an die grosse Glocke gehängt worden seien. Meisner wörtlich: "Man ist erstaunt, welche Kraft vom Weltjugendtag ausgegangen ist, und zwar nicht nur in unserem Land, sondern in aller Welt."
German Jugendliche wollen keine, mit Weihrauch verzuckerte Speise'
Jul 12, 2006
Der Erzbischof von Köln sprach im KATH.NET-Exklusiv-Interview über Aufbrüche in der Kirche, Manoppello, Jugendpastoral und Fußball in Kirchen.

Einsiedeln (www.kath.net, 29. Juni 2006) „Sie suchen Verlässlichkeit, Verantwortlichkeit - und da muss ihnen geholfen werden“, sagte Joachim Kardinal Meisner im KATH-NET Interview bei der „Kirche in Not“-Wallfahrt nach Einsiedeln Mitte Juni, KATH.NET hat berichtet. Stefan Maria Bolli sprach mit dem Kardinal über den Weltjugendtag, Aufbrüche in der Kirche, Jugendpastoral und vieles mehr.

KATH.NET: Eminenz, was verbindet Sie mit Einsiedeln?

Joachim Kardinal Meisner: Natürlich die Muttergottes. Wer in Deutschland an Einsiedeln denkt, denkt an den größten Marienwallfahrtsort in der Schweiz. Und als Erzbischof von Köln denke ich ganz besonders an Einsiedeln, denn wir haben eine „Filiale“ der Muttergottes von Einsiedeln in Düsseldorf: Dort gibt es ein Heiligtum der Schwarzen Madonna von Einsiedeln.

KATH.NET: Die Wallfahrt von Kirche in Not steht unter der Frage „Weltkirche im Aufbruch?“. Wo sehen Sie konkret Aufbrüche in der Weltkirche?

Kardinal Meisner: Das sehe ich zuerst einmal bei mir vor Ort, wo ich sehe, dass Kranke und Sterbende zuversichtlich in den Tod gehen, dass enttäuschte Menschen, deren Liebe verraten wurde, nicht das Handtuch werfen sondern weitermachen. Wenn man einen Blick hat für dieses geistliche Geschehen in der Normalität des Alltages, so wird man feststellen, dass die Welt voller Aufbrüche und Wunder ist.

Im engeren Sinne meinen Sie natürlich etwas anderes: Was uns der Weltjugendtag gebracht hat in Köln – wir waren ja im Zentrum dieses Taifuns – ist schon sehr erstaunlich. Wir haben unter den Jugendlichen Aufbrüche, die ich zuerst gar nicht wahrgenommen habe: Die Vigilfeiern wurden an den verschiedensten Orten und auf verschiedensten Ebenen wiederholt.

Die Junge Union, die Nachfolgeorganisation der CDU von Nordrhein-Westfalen, der größte Landesverband der Bundesrepublik – die Hälfte nicht katholisch, wollten eine Vigilfeier halten. Da habe ich sie eingeladen zur Wallfahrtskirche zur Schwarzen Muttergottes in der Kupfergasse in Köln. Und wir haben es gehalten wie beim Weltjugendtag mit eucharistischer Anbetung und die knieten alle andächtig vor dem Allerheiligsten und haben mir geschrieben, auch die nicht-katholischen Jugendlichen: Wir wissen jetzt, wofür wir einzutreten haben, für welche Werte es sich lohnt in der Politik zu leben: Für die Ideale des „C“ des Christentums.

KATH.NET: Der Weltjugendtag ist für Sie eine besondere Erfahrung des Aufbruchs in der Weltkirche. Was gibt es jetzt konkret für Initiativen?

Kardinal Meisner: Wir haben für das erste Jahr nach dem Weltjugendtag gesagt, dass davon auszugehen ist, dass wir die Hochspannung wie in den Tagen des Weltjugendtages nicht erhalten können. Wir wollen dies einmal der Jugend selber überlassen und nicht schon wieder von „oben herab“ diese oder jene Initiative empfehlen.

Ich habe als Erzbischof von Köln für das Erzbistum die Jugendseelsorger überall erneuert, den Diözesanjugendseelsorger, in den Städten und Kreisen um einen Neuanfang zu setzen. Wir haben in diesem Sinne die Jugendlichen ihre eigenen Initiativen machen lassen. Das Resultat ist ganz erstaunlich.

Wir stellen fest, dass junge Menschen 14-tägig oder monatlich diese Vigilfeiern halten. Zum Beispiel in Bonn das so genannte Nightfever: Da kommen sie zusammen um 19 Uhr an jedem ersten Samstag im Monat, es wird das Allerheiligste ausgesetzt und etwa hundert Jugendliche bleiben in der Kirche zur Anbetung.

Die anderen hundert gehen mit kleinen Kerzen auf die Straße und sprechen Erwachsene und Jugendliche an: „Wir möchten Ihnen diese Kerze schenken, die können Sie direkt in Ihrem Anliegen vor der Monstranz oder dem Marienbild anzünden.“ Und zu 95 Prozent tun die das. Das dauerte dann jeweils von 19 bis 24 Uhr, und es waren dann so etwa 600 bis 1000 Leute da und die Beichtstühle waren alle besetzt.

Und es kamen nicht nur Katholiken, sondern es kommen auch junge Menschen, die angesprochen wurden und sagen: „Wir kommen mit dem Sinn unseres Lebens nicht zu Rande. Jetzt sprechen wir uns einmal aus.“ Daraus hat sich nun bereits eine Gruppe von Katechumenen gebildet, die Jesus, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, gefunden haben.

Oder in Köln haben Jugendliche einige Male schon eine Straßenmission durchgeführt auf eine qualitativ hochstehende Art und Weise. Sie haben ein Zelt in der Nähe aufgerichtet und die Interessierten eingeladen. Dann waren sehr qualifizierte Priester dort, unter anderem auch der Generalvikar, und sie haben halbstündlich Fünf-Minuten-Katechesen gehalten. Es gibt eine ganze Reihe solcher Initiativen.

Wir werden dann im September dieses Jahres mit einem Zweijahreszyklus anfangen zum Thema Ehe und Familie – eines der wichtigsten Themen, die die jungen Leute einfordern. Sie sagen: „Wir haben nur ein einziges Leben. Und Glaube, Leben und Liebe gibt es nicht auf Probe. Da ist sofort Ernstfall.“ Wir möchten gleich zu Beginn das richtige Fundament legen und erklären, wie man das macht.

Es ja heute nicht nur eine schwierige Frage, ob ich zum Priester berufen bin, sondern auch, wo ich die richtige Partnerin, den richtigen Partner finden kann. Und sie suchen Verlässlichkeit, Verantwortlichkeit, und da muss ihnen geholfen werden, damit wir wieder stabile und glückliche Ehen bekommen. Das ist die wichtigste Aufgabe, die die Kirche derzeit zu erfüllen hat, nicht nur für die Kirche selbst, sondern für unser Volk für Europa.

KATH.NET: Losgelöst von diesen Erfahrungen gekoppelt an den Weltjugendtag: Wie soll denn eine vernünftige Jugendpastoral aussehen, damit Jugendliche wieder an die Kirche herangeführt werden?

Kardinal Meisner: Man kann an so vielen Orten ansetzen: Beim Erstkommunionsunterricht, bei der Firmvorbereitung. Da darf man natürlich als Katechet nicht „blabla“ machen, sondern muss den Jugendlichen den Horizont öffnen.

Jeder Mensch, da er ja Ebenbild Gottes ist, will doch über sich selbst hinaus. Und wenn er eine Gesellschaft erlebt, wie Heinrich Heine sagt, wo „der Himmel den Engel und Spatzen übergeben worden ist“, wo also keine Möglichkeit gegeben ist, nach oben zu transzendieren, dann transzendiert er nach links und rechts. Das heißt, er zehrt die Ressourcen der Welt auf, auch seine eigenen (Konsumismus, Sexismus, Alkoholismus). Aber sein Herz wird doch nicht satt, es wird immer unglücklicher.

Und darum haben die jungen Leute es so satt, dauernd – auch kirchlich fromm – mit Weihrauch verzuckerte Speise zu bekommen, die sie auch auf jedem Marktplatz bei McDonalds kaufen können. Wir müssen den Mut haben, unseren Jugendlichen wieder Christus zu geben, was auch der Papst sagt: „Wer ihnen nicht Gott gibt, gibt ihnen zu wenig.“ Die Jugendlichen müssen wissen, ob die Kirche nur ein frommer Verein oder Verband ist oder ob da Gott ins Spiel kommt.

Abends spaziere ich manchmal bei uns ums Quartier. Da kam einmal so eine Gruppe Jugendlicher daher, und bei meinem Anblick sagten sie: „Lasset uns beten.“ Da habe ich sie an die Seite genommen und habe sofort mit ihnen zu beten begonnen: „Herr, Du hast uns hier zusammen geführt und die jungen Menschen möchten, dass sie mit ihrem Erzbischof zusammen beten. Wir wissen, dass wir bei Dir nicht Sprechstunden zu beantragen brauchen, sondern Du bist immer für uns da und das nehmen wir jetzt wahr.“

Dann habe ich mit Ihnen weiter gebetet, habe sie am Schluss gesegnet und gesagt: „Wenn ihr wieder einmal beten wollt, dann wohne ich da und klingelt einfach bei mir.“ Es hat keiner gelacht oder gegrinst. Wir haben zu viele Vorbehalte und Angst. Ich muss als Priester die Botschaft nicht verpacken in allen möglichen Kram, ich muss gleich mit der Tür ins Haus fallen.

KATH.NET: In der Schweiz ist Ökumene ein allgegenwärtiges Faktum. Wie sehen Sie Ökumene? Was sind vorrangige Ziele?

Kardinal Meisner: Ökumene bedeutet für uns einmal nach der Richtschnur von „Dominus Jesus“. Das heißt, wir müssen uns der katholischen Fülle bewusst sein, um uns dann in einer wirklich geschwisterlichen Weise mit den nicht-katholischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften in Kontakt zu treffen. Wir müssen immer unterscheiden zwischen der Ökumene mit den orthodoxen Kirchen und der Ökumene mit den protestantischen Gemeinschaften.

Und ich denke, dass wir noch unter diesem Pontifikat in der Ökumene mit den orthodoxen Christen zu einer großen Annäherung kommen werden. Wir sind ja im Hinblick auf die katholische Dogmatik fast deckungsgleich; da sind einige Dinge, namentlich der Primat des Papstes, aber in den anderen Dingen des kirchlichen Amtes, der Eucharistie und der Sakramente ist das mit den protestantischen Gemeinschaften viel schwieriger.

Aber wir sind auch gehalten und stehen unter dem Wort des Herrn, dass alle eins seien. Wir müssen miteinander leben, aber nicht, dass wir Ökumene machen können. Man kann die Einheit nicht machen. Wir können miteinander beten, arbeiten und dann wird uns die Einheit geschenkt. Ich vergleich das immer wieder mit einem Wagenrad: Da haben sie die Radnabe und den Reifen. Die Nabe und der Reifen werden verbunden durch die Speichen.

Ich vergleich das immer, dass Christus die Nabe ist und der Reifen die Welt, und wir müssen als Christen Christus mit der Welt verbinden. Je näher wir bei Christus stehen, desto enger stehen die Speichen zusammen. Und das meine ich mit Ökumene: Je näher wir bei Christus sind, desto näher sind wir beieinander. Dann muss Er uns das Wunder der Einheit schenken.

KATH.NET: Sie waren bereits in Manoppello. Was verbindet Sie mit dem dortigen Bild über das Antlitz Christi?

Kardinal Meisner: Ich bin der Meinung, das ist eines der frühesten Abbilder unseres Herrn und Erlösers. Und wir müssen immer daran denken, dass wir nach dem Ebenbild Christi, nach dem Ebenbild Gottes erschaffen sind. Das Gesicht nimmt im Leben eines Menschen eine ganz große Rolle ein: Sie haben in Ihrem ganzen Leben noch nie in ihr eigenes Gesicht gesehen, ich auch nicht meins. Wir haben immer nur unser Spiegelbild gesehen.

Und wenn wir früh die Morgentoilette machen, sollten wir nicht nur darauf achten, dass unser Kopf in Ordnung ist, sondern dass das Gesicht in Ordnung ist. Es hat einmal jemand gesagt, dass man mit 40 Jahren langsam die Verantwortung für sein Gesicht übernehmen sollte. Und das Gesicht müsste eigentlich immer so „dekoriert“ werden wie ein Schaufenster, sodass man gerne hineinschaut.

Wir werden bis ins Gesicht dem Gott ähnlich, den wir uns vorstellen. Im Gebet empfange ich gleichsam eine Impression des Antlitzes Gottes. So wie Mose: Als er vom Berg kam, musste er ein Tuch über sein Antlitz legen, weil sein Gesicht so den Glanz Gottes widerstrahlte. Und das müsste auch ein wenig bei uns sein: Dass wir ein Tuch über unser Gesicht legen und man etwas von unserem Gesicht ablesen kann von der Herrlichkeit des Herrn.

Manoppello führt uns wirklich, so meine ich, in die erste Generation der Kirche, ganz an die Quelle, dass wir dem Herrn ins Antlitz schauen – dem österlichen Herrn, wie Er sich in Manoppello zeigt.
Er ist ja konvertibel mit dem Turiner Leichentuch. Sie sehen bei Manoppello noch einige Verwundungen, die von der österlichen Verklärung überstrahlt werden, während sie in Turin „nur“ den leidenden Christus sehen. Und das ist auch eine Bestätigung des Evangeliums, dass der österliche Christus die Wundmale mitgebracht hat.

Wundmale sind in der Christenheit etwas Wichtiges: Wer ein christliches Leben zu führen sucht, der kommt nicht ohne Schrammen, Narben und Wundmale davon. Aber es gehört auch zu uns. Und wenn wir dann österlich verklärt sind im himmlischen Jerusalem: das wird ein Antlitz und eine Freude werden.

KATH.NET: Vor wenigen Tagen gab es in einigen deutschsprachigen Diözesen Aufregung um geplante Fußballspielübertragungen und Fußball-Spielen in Kirchen. Was sagen Sie dazu?

Joachim Kardinal Meisner: Das ist Quatsch! Unsere Kirchen sind nicht dafür da. Wir haben genug Orte für Fernsehübertragungen und Fernsehen. Das würde ich sofort untersagen bei uns. Man muss die Kirche im Dorf lassen, das ist das Haus Gottes. Wo Gotteshäuser entweiht werden, da geht es auch mit den Häusern der Menschen abwärts.

Das habe ich als Bischof im Kommunismus erlebt. Schauen sie sich doch einmal die sozialistischen Großbauten an: Da hat man gesagt: Die Neubaustädte ohne Kirche und dann sind solche Kaninchenställe zustande gekommen wie diese Plattenbauweise – ein völlig inhumanes Leben. Weil man eben Gott ausgegrenzt hat. Und damit richtet sich der Mensch selber zu Grunde.

KATH.NET: Eminenz, Herzlichen Dank für das Interview!
German Katholischer Kardinal Meisner unterstützt Familiensplitting
Jul 03, 2006
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat sich für einen Umbau des Ehegattensplittings zum Familiensplitting ausgesprochen. Der Grund: Ehepaare hätten heutzutage häufig gar keinen Kinderwunsch mehr. Das seien "nach katholischem Eheverständnis gar keine Ehen".

Berlin (rpo, 28.06.06). Meisner stellte klar, dass die Ehe aus christlicher Sicht nicht nur eine dauerhafte Treuebindung darstelle, die Partnern wie Kindern ein "beständiges und liebevolles Zuhause" geben solle, sondern auch ein "Sakrament" sei. Das 1958 eingeführte Ehegattensplitting habe damals Ehe und Familie in einem Sinn gefördert, der dem katholischen Eheverständnis weitgehend entsprochen habe.

Die Realität habe sich aber seitdem "erheblich verändert". Meisner betonte, heute gebe es sehr viele Partnerschaften, die mit der Absicht der Kinderlosigkeit geschlossen worden seien und vom Ehegattensplitting profitieren würden. "Solche Beziehungen sind nach katholischem Eheverständnis gar keine Ehen", erklärte der Kölner Erzbischof.

Familien mit Kindern geschehe heute Unrecht, beklagte der Kardinal. Solche Familien sicherten auch die Zukunft der Kinderlosen, ohne dafür einen gerechten Ausgleich zu erhalten. Die auf Kinder ausgerichtete Ehe werde derzeit nicht privilegiert, sondern benachteiligt. Die Ersetzung des Ehegatten- durch ein Familiensplitting sei eine "mögliche Option", um dies zu ändern, betonte Meisner.

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla hatte sich im Zuge der Diskussion über ein neues Grundsatzprogramm für eine Umwandlung des Ehegattensplittings in ein Familiensplitting ausgesprochen. Insbesondere in Reihen der CSU hatte Pofallas Forderung heftige Kritik ausgelöst.

Ehen ohne Kinderwunsch seien "eigentlich gar keine Ehen" und deshalb auch nicht zu bevorzugen, meint der Kölner Kardinal Meisner. Foto: AP
Bild vergrößernEhen ohne Kinderwunsch seien "eigentlich gar keine Ehen" und deshalb auch nicht zu bevorzugen, meint der Kölner Kardinal Meisner.
German Kardinal Meisner für Ehesplitting-Reform
Jul 03, 2006
Staat soll Familien mit Kindern mehr unterstützen

BERLIN (dpa, 27.06.2006) Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat sich für eine Reform des steuerlichen Ehegattensplittings zu einem Familiensplitting ausgesprochen. "Der Staat muss daran interessiert sein, stabile Verhältnisse für künftige Generationen zu schaffen. Dazu war das Ehegattensplitting früher ein gutes Instrument. Der Wandel der gesellschaftlichen Verhältnisse hat das geändert", so Meisner.

CDU-Generalsekretär Pofalla hatte einen Umbau des Ehegattensplittings vorgeschlagen. Kanzlerin Merkel (CDU) unterstützt dies, CSU-Chef Stoiber (CSU) ist dagegen.

Laut Meisner müsse sich der Staat - auch aus demographischen Gründen - viel mehr als bisher bemühen, Familien mit Kindern zu unterstützen. Dabei dürfe man sich nicht nur auf die Fremdbetreuung der Kinder konzentrieren. "Die Ersetzung des Ehegattensplittings durch ein reguliertes Familiensplitting ist aus meiner Sicht also durchaus eine mögliche Option", schreibt Meisner.

Problematisch sei, dass dadurch ungewollt kinderlose Ehepaare schlechter als bisher gestellt werden: "Ich gehe aber davon aus, dass für Christen und Nichtchristen in unserer Gesellschaft die Lebensfähigkeit kommender Generationen hohes Gewicht hat, hinter dem sie eigene Nachteile zurückzustellen bereit sind. Ohnehin wäre eine Ehe, die nur um des finanziellen Vorteils willen eingegangen würde, nach katholischer Auffassung nichtig."
German Der Kardinal ist informiert
Jun 24, 2006
Kürzlich erklärte das Erzbistum Köln seine Verwicklung in die städtische Straßenprostitution. Das Erzbistum will den Dirnen ein „streßfreies Arbeiten“ ermöglichen, damit sie über eine – hoffentlich noch streßfreiere – Alternative nachdenken.

(kreuz.net, 23. Juni 2006) Ende Mai erkundigte sich eine österreichische Theologiestudentin mit einem privaten Brief beim Erzbistum Köln, was es mit der Tätigkeit des ‘Sozialdienstes katholischer Frauen’ – kurz: SkF – am Kölner Straßenstrich auf sich habe.

Am 16. Juni beantwortete das Generalvikariat Köln die Anfrage im Auftrag des Erzbischofs von Köln, Joachim Kardinal Meisner.

Der Brief ist vom Leiter der Hauptabteilung Seelsorge, Hw. Robert Kleine, verfaßt.

Hw. Kleine erklärt, daß Kardinal Meisner über die Mitwirkung des ‘Sozialdienstes katholischer Frauen’ am Projekt „Straßenstrich in Köln“ informiert sei.

Eine ‘Kommission für ethische Fragen im Diözesancaritasverband Köln’ habe sich sehr intensiv mit der Frage nach einer Beteiligung des ‘Sozialdienstes katholischer Frauen’ an dem Projekt Straßenstrich befaßt.

Zur Frage der ethischen Vertretbarkeit einer Betreuung des Straßenstrichs durch Mitarbeiterinnen des ‘Sozialdienstes katholischer Frauen Köln’ sei ein Votum erarbeitet worden.

Darin komme die Kommission zu dem Ergebnis, daß eine Betreuung der Frauen auf dem Straßenstrich aus christlicher Sicht nicht nur ethisch vertretbar, sondern auch geboten sei.

Damit solle keinesfalls Sünde legitimiert werden. Die Kirche sei in keiner Weise an der Prostitution beteiligt. Sollte durch Presseberichte dieser Eindruck entstanden sein, so sei er falsch.

Pfarrer Kleine nennt auch die Motive für die „Mitwirkung“ des Erzbistums:

Die, wie es im Brief heißt, „Begleitung des Straßenstrichs“
• sei eine geeignete Möglichkeit, um Prostituierte vor Gewaltübergriffen von Freiern zu schützen,
• diene dazu, eine Grundsicherung wider die Verelendung sicherzustellen,
• das Vertrauen in die Ordnungsbehörden zu fördern,
• streßfreies Arbeiten zu ermöglichen, das Raum lasse, um sich mit alternativen Lebensmustern zu beschäftigen und dies in Angriff zu nehmen.

Das Projekt stehe im Hilfeverbund mit der Initiative ‘Mäc-Up-Café’, das eine weitere Resozialisierung fördere.

Das Mädchencafe ‘Mäc-Up’ ist eine vor vier Jahren eröffnete Einrichtung des ‘Sozialdienstes katholischer Frauen’ in Köln. Es umfaßt Räumlichkeiten und einen Bus, in dem Huren einen Gesprächspartner finden, einen Kaffee trinken und Beratung erhalten können.

Die Polizei hat zugestimmt, in der Nähe der Einrichtungen und im Bus keine Kontrollen durchzuführen.

Pfarrer Kleine erklärt abschließend, daß „eindeutig klar ist, daß Prostitution Sünde“ sei.

Das Ziel des ‘Sozialdienstes katholischer Frauen’ sei nicht, Strukturen dieser Sünde zu verfestigen, sondern Frauen eine Möglichkeit zu öffnen, Vertrauen zur katholischen Beratungen zu erwerben und Wege zum Ausstieg zu finden.
German Katholische Minderwertigkeitskomplexe gehören in den Beichtstuhl’
Jun 24, 2006
Christen müssen selbstbewusster werden, wünschte der Kölner Kardinal Meisner bei der „Kirche in Not“-Wallfahrt in Maria Einsiedeln. Ein Bericht von Stefan Maria Bolli.

Einsiedeln (www.kath.net, 21. Juni 2006) Das internationale Hilfswerk „Kirche in Not“ führte letzten Samstag die jährliche Wallfahrt nach Maria Einsiedeln durch. Ehrengast war Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln. „Gott ist wieder ein Thema“, rief der Kardinal und enger Vertrauter des Heiligen Vaters den Teilnehmern zu und spornte alle an, den Glauben mutig zu leben.

Die Wallfahrt stand unter dem Motto „Weltkirche im Aufbruch?“. Eine Podiumsdiskussion und die Heilige Messe in der wunderschönen Rokoko-Basilika der Benediktinerabtei waren die Eckpunkte der Wallfahrt.

In der Predigt ging Meisner auf den Zusammenhang von Jesus Christus, der Muttergottes und der christlichen Gemeinde ein. „Inmitten der Not der Menschen kennt Maria den Weg zur Fülle“, betonte Kardinal Meisner. Maria bewahre uns vor einem Auswahl-Christus, einer Auswahlkirche, welche nichts anderes als eine Sekte wäre. „Katholizität bedeutet Ganzheit des Glaubens“, rief er den Wallfahrern zu.

Es sei eine Existenzfrage für die Katholizität, für die Ganzheit, der Kirche, führte der Kölner Erzbischof aus. Es sei darum wichtig und bedeutete nichts anderes, als dass ein Katholik die Nachfolge Jesu im Lebenskreis der Mutter anstrebe. Dort üben wir, in der trinitarischen Liebe zu leben.

Jesus habe in seinem Leben auf alles verzichtet, nur auf eine Mutter und einen Taufpriester nicht, sagte der Kardinal weiter. „Dort wo Frauen in ihrer tiefsten Berufung als Mütter nicht mehr akzeptiert werden, dort gibt es auch kein Verständnis mehr für das Priestertum Jesu Christi“, sagte er. Dieses demütige und marianische Siegesbewusstsein tue uns heute sehr not.

Die Kirche lebt von den geistlichen Bewegungen

Vor ungefähr 200 Menschen sprach der Kardinal danach über die Aufbrüche in der Weltkirche. Er schilderte zuerst eindrücklich, wie der Weltjugendtag nach Köln kam. Papst Johannes Paul II. bat ihn 1997, den Weltjugendtag in Deutschland durchführen zu können, weil er ein Zeichen für die Deutschen im ausgehenden Jahrhundert setzen wollte. Verschoben durch das Heilige Jahr und den Weltjugendtag in einem anderen Kontinent (Toronto) versicherte ihm Johannes Paul II. noch drei Wochen vorher, dass er kommen werde.

Nur das „Wie“ liege nicht in seiner Kompetenz. Kurz nach der Wahl von Papst Benedikt XVI. brachte Kardinal Meisner nach dem Treueeid dann kein Wort, nur Tränen heraus, woraufhin der Heilige Vater gemeint habe: „Du brauchst nichts zu sagen, ich werde in Köln mit von der Partie sein.“ Und so sei dies „der erste Weltjugendtag mit zwei Päpsten“ gewesen.

Der Tod von Johannes Paul II., die Wahl und Inauguration von Papst Benedikt XVI. und der Weltjugendtag seien ein „annus catholicus“ (katholisches Jahr) gewesen für die Kirche, eben ein Aufbruch. Die Sehnsucht unserer weitgehend „vater- und mutterlosen Gesellschaft“ sei gerade im letzten Jahr deutlich bemerkbar gewesen. Papst heiße „Papa“ – Vater – und das Verlangen nach einer Orientierung könne auch dort gestillt werden.

Wie können wir wieder „stolze“ Katholiken werden?

„Die Kirche Gottes ist keine Institution, sondern eine Expedition“, betonte Kardinal Meisner, als er auf die Neuevangelisierung Europas angesprochen wurde. Er strich heraus, wie groß die Jugendlichen auch heute Sehnsucht haben nach Reinheit, Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit, Treue und Verantwortbarkeit und einen Partner suchen, um den Weg zu Gott gehen zu können. „Sie haben die permissiven Partnerschaftsmodelle unserer Gesellschaft satt bis oben“, sagte Meisner.

Genau so verhalte es sich mit geistlichen Berufungen. Er zitierte Papst Paul VI. mit den Worten: „Predigten belehren, Beispiele aber reißen mit.“ Solche Modelle brauchen die Jugendlichen. Er berichtete von der Initiative „Nightfever“, die Jugendliche in Bonn gestartet haben: Anbetung verbunden mit Straßenmission und Beichte. „Gott ist wieder ein Thema, man kann wieder über die Kirche reden“, ist der Kardinal überzeugt.

Er rief dazu auf, wieder Freude und Mut zu haben am Glauben. Es sei an der Zeit, dass wieder mehr Selbstbewusstsein und Siegesbewusstsein einkehre in die Gläubigen. „Katholische Minderwertigkeitskomplexe gehören in den Beichtstuhl“, rief er.

Charisma und Amt

Ein Aufbruch könne immer nur vom Charisma ausgehen und nicht vom Amt. Das Amt, der Bischof, habe die Aufgabe, die geistliche Bewegung, das Charisma, zu überprüfen und in die Kirche einzubauen. Das Charisma gehe jedoch dem Amt voraus, erklärte Kardinal Meisner. „Das Amt steht im Dienste des Glaubens des Charismas.“ Die Erneuerung komme deshalb von der Jugend, vom Charisma und nicht von den Bischöfen. Und diese geschehe vor allem in der eucharistischen Anbetung, die neu erlernt werden müsse.

Die zweite Quelle für die Erneuerung sei das Bußsakrament. „Am Weltjugendtag haben zwischen 150.000 bis 200.000 Jugendliche gebeichtet“, berichtete er. „Ein Priester, der nicht mehr Beichtvater ist, bei dem verkalkt ein ganzer priesterlicher Lungenflügel.“ Es brauche keine Gags und Sondershows, vielmehr müssten wir unser Christsein „mit Glanz und Gloria leben“.
German ,Eine sitzende Kirche ist nicht vorgesehen’
Jun 18, 2006
Die Grundstruktur des Christentums ist Bewegung und Unterwegssein, sagte Joachim Kardinal Meisner im Interview mit „Kirche in Not“.

Köln (www.kath.net/KiN, 16. Juni 2006) „Das Christentum ist nicht in erster Linie eine Institution, sondern eine Expedition. Eine sitzende Kirche ist im Neuen Testament nicht vorgesehen, sondern eine Kirche im Vormarsch.“ Das sagte Kardinal Joachim Meisner im Interview mit „Kirche in Not“.

Der Erzbischof von Köln leitet am 17. Juni die Wallfahrt von „Kirche in Not“ nach Maria Einsiedeln leiten. KATH.NET hat berichtet. Die Attraktivität von Wallfahrten habe „weniger mit der Mobilität unserer Gesellschaft zu tun als mit der Grundstruktur des Christentums“, erklärte Meisner. „Christen müssen also gut zu Fuss sein.“

Die Kirche müsse sich außerdem in die Gesellschaft einbringen. „Und unter Kirche verstehe ich hier nicht nur Bischöfe und Priester, sondern alle katholischen Christen, die sich bei wichtigen Fragen – auch innerhalb der Politik – lautstark zu Wort melden müssen. Die schweigende Mehrheit in der Kirche ist eigentlich ungehorsam gegenüber dem Wort des heiligen Paulus: ,Verkünde das Wort, sei es gelegen oder ungelegen!’ (2 Tim 4,2). Oft ist unser Wort ungelegen, aber darum für die Gesellschaft umso wichtiger. Als Christen sind wir keine Besserwisser, aber unser Gott weiss alles besser. Und das haben wir glaubwürdig unseren Mitmenschen zu vermitteln.“

Die Kirche in Deutschland leide „nicht so sehr unter Priestermangel als vielmehr unter Christenmangel“, meinte der Kardinal. „In der Erzdiözese Köln kommt auf drei Beerdigungen nur eine Taufe.“ Als grösste Herausforderung der katholischen Kirche in den nächsten Jahren sieht Meisner „die Sünde der Menschen“. Wie diese spezifische Sünde des Menschen in Jahren aussehen wird, wisse er nicht. „Ich weiss nur eines: Wenn der Mensch Gott vergisst, dann verliert er das Bild vom Menschen, und dann wird die Welt zum Chaos.“

Der Weltjugendtag habe gezeigt, „dass unsere Jugend sich nicht mehr mit Wirtschaftswachstum, mit sozialem Prestige und mit Erfolg allein abspeisen lässt. Der Papst sagt: ,Wer der Jugend weniger als Gott gibt, der gibt ihr zu wenig’. Uns dieser Jugend zu verschreiben, ist eine grossartige Perspektive, die vor uns liegt. In der Kirche wird man nie arbeitslos. Hier behält man Arbeit auf Lebenszeit.“
German Zur Sicherheit
May 29, 2006
Kardinal Meisner will mit Taufschein ins Grab

(Spiegel, 24. Mai 2006) Köln - Der Erzbischof von Köln, Kardinal Joachim Meisner, hat sich schon jetzt auf mögliche bürokratische Barrieren im Himmelreich vorbereitet: Die letzte Reise will er mit Taufschein antreten.

Das Dokument solle ihm an der Himmelspforte als "Nachweis" dienen, dass er getauft sei und somit "berechtigt, ins Himmelreich aufgenommen zu werden". Das sagte Meisener dem Kölner Lokal-Fernsehsender "centre.tv".

Vorsichtshalber hat der Kardinal bereits in seinem Testament verfügt, dass er mit dem Schein beerdigt werden möchte. Sein Bischofsring und das Bischofskreuz würden ihm dagegen bei seinem Tod abgenommen, sagte er.
German Live-Ansprache von Kardinal Meisner
May 27, 2006
Am Dienstag, 23.05., besucht der Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, die Redaktion und das Studio von center.tv.

Köln (ots, 21.05.2006) - Der Kardinal wird sich über das neue lokale Fernsehprogramm des Heimatsenders informieren. Der Senderchef und Gründer von center.tv,

Andre Zalbertus, führt ihn durch das Gebäude in der Aachener Straße. Joachim Kardinal Meisner wird live vor laufenden Kameras die Redaktion segnen. Anschließend spricht er im Studio mit Andre Zalbertus und unserem Heimatreporter Michael Schwan über Kirche, Köln und Karneval.

In dem sehr persönlich angelegten Gespräch mit dem Kardinal erfahren unsere Zuschauer Interessantes über seine Vergangenheit, sein Leben und natürlich sein Verhältnis zu Köln und die Zukunft des Erzbistums. Doch auch die Kölner lassen wir zu Wort kommen: wir haben sie zu Joachim Kardinal Meisner befragt, der seit mehr als 15 Jahren das Amt des Kölner Erzbischofs innehat.

Darüber hinaus zeigen wir dem Kardinal ein Interview, das wir mit dem Diakon und Büttenclown Willibert Pauels geführt haben. In dem Interview spricht Willibert Pauels über sein gespaltenes Verhältnis zum Kardinal. Der Höhepunkt seines Besuchs wird die Ansprache sein, mit der sich Kardinal Meisner live im center.tv Studio an die Menschen in seinem Erzbistum wendet.
German "Der Bischof ist in der Nachfolge der Apostel Beauftragter Christi und führt dessen Sendung sichtbar unter den Menschen weiter"
May 17, 2006
Predigt von Joachim Kardinal Meisner zur Bischofsweihe von Prälat Dr. Heiner Koch in Köln (7. Mai 2006)

KÖLN, 10. Mai 2006 (ZENIT.org).- Am Sonntag weihte Joachim Kardinal Meisner den 51-jährigen Domkapitular Prälat Heiner Koch zum Weihbischof für Köln.

Der in Düsseldorf geborene Priester, der im vergangenen Jahr als Generalsekretär des 20. Weltjugendtages maßgeblichen Anteil an der Organisation dieses einzigartigen kirchlichen Großereignisses hatte, tritt die Nachfolge von Weihbischof Norbert Trelle an, der seit Februar Bischof in Hildesheim ist. Als Hauptaufgaben des neuen Weihbischofs nannte der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner die unverfälschte Weitergabe der Lehre Jesu und der Kirche sowie die Stärkung der Einheit.

In seiner Predigt beleuchtete Kardinal Meisner – wie Papst Benedikt XVI. während der Generalaudienz in Rom – die Apostolische Sukzession. In diesem Zusammenhang bekräftigte er: "Der Glaube verträgt keine Teilung, so wie Gott selbst unteilbar ist. Ein geteilter Glaube frustriert. Nur ein ganzer Glaube befreit und inspiriert."

* * *

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Lassen Sie mich beginnen mit einer Episode meiner eigenen Bischofsweihe vor genau 31 Jahren. Bischof Hugo Aufderbeck von Erfurt, der mir die Hände zur Bischofsweihe aufgelegt und dem der Heilige Vater mich als seinen Weihbischof zur Seite gestellt hat, sagte mir am Abend des Tages meiner Bischofsweihe: "Jetzt bist du mit mir unter das gleiche Joch gespannt." Dies sage ich dir, lieber Heiner, heute Nachmittag schon wenige Minuten vor deiner Bischofsweihe: "Du wirst hier und jetzt mit mir und den beiden anderen Weihbischöfen unter das gleiche Joch gespannt." Dieses Joch des Herrn hat die Form des Kreuzes.

Bei aller Freude und Festlichkeit am Tag einer Bischofsweihe dürfen wir nicht vergessen, dass der Bischof hineingeweiht wird in die Dimensionen des Kreuzes Christi, das zum Siegeszeichen über Sünde, Tod und Teufel geworden ist. Der Bischof wird durch die Weihe in die vertikale Dimension der Kirche hineinversetzt, indem er in die Apostolische Sukzession hineingenommen wird. Er wird zum Glied einer Kette, die lückenlos von der Gegenwart über zwei Jahrtausende vertikal zum Ursprung, also zum Apostelkollegium und damit zu Christus zurückführt.

1. Die Aufgabe des Bischofs ist es, den Ursprung der Kirche zu vergegenwärtigen, damit alles ursprünglich, frisch, dynamisch und kreativ bleibt. Darum sagt Bischof Cyprian von Karthago im Jahre 250: "Wo der Bischof ist, dort ist die Kirche." Ohne Bischöfe wäre die Kirche nicht apostolisch. Der Bischof vergegenwärtigt den apostolischen Anfang der Kirche. Er wird selbst geweiht von einem anderen Bischof, der ebenfalls seine Bischofsweihe von einem anderen empfangen hat, und so geht es weiter zurück und nach vorn. In dieser Weise geht der bischöfliche Stammbaum bis auf die Apostel zurück. Darum ist das Bischofsamt ein apostolisches Amt. Das ist nicht die kühne Behauptung eines Bischofs aus dem 21. Jahrhundert, sondern das ist urapostolische Überzeugung.

Schon Clemens von Rom schreibt um das Jahr 90 nach Christus der Gemeinde nach Korinth: "Christus wurde von Gott gesandt und die Apostel von Christus. Die Apostel hatten die Erstlinge ihres Apostolates als Bischöfe und Diakone eingesetzt" (42,1-4). Im Bischofsamt geht also die Sendung Christi weiter. Der Bischof ist in der Nachfolge der Apostel Beauftragter Christi und führt dessen Sendung sichtbar unter den Menschen weiter.

Der Märtyrerbischof Ignatius von Antiochien, der noch ein Schüler des Evangelisten Johannes war, sieht das Verhältnis von Gottvater zu den Aposteln als Beziehungsmodell des Bischofs zu seinen Priestern, und dieses Verhältnis dauert im Bischof und seinem Priesterkollegium fort. Darum findet Ignatius auch so starke Worte, die uns heute nur schwer über die Lippen kommen, wenn er sagt: "Hört auf den Bischof, damit auch Gott auf euch höre!" (Polycarp 6,1). Oder "Wer hinter dem Rücken des Bischofs etwas tut, der dient dem Teufel" (Smyrna 9,1).

2. Der Bischof garantiert also die Einheit von kirchlichem Ursprung und kirchlicher Gegenwart, indem er für die Unversehrtheit der Lehre, für die Einheit des Glaubensbekenntnisses und für die authentische Feier der Eucharistie Sorge trägt. Die Kirche kann nicht aus eigenen Beschlüssen erneuert und revitalisiert werden, sondern immer nur von ihrem Ursprung her, das heißt vom Herrn selbst. Der Bischof hat für die Kontinuität von Mündung und Quelle zu sorgen. Hier ist keine Unterbrechung denkbar. Darum ist in der Kirche wohl Reformation angesagt, aber nie Revolution, auch wenn sie sich als Reformbewegung noch so gut tarnen sollte.

Viele Menschen übernehmen heute aus verschiedenen Gründen nur jene Wahrheiten des Glaubens und der kirchlichen Lebenslehre, die ihnen passen, während sie andere ablehnen. Eine solche Selektion ist unannehmbar. Der Glaube verträgt keine Teilung, so wie Gott selbst unteilbar ist. Ein geteilter Glaube frustriert. Nur ein ganzer Glaube befreit und inspiriert. In einer solchen Verkündigung wird der Bischof – wie die Schrift sagt – "zum Helfer der Freude an der frohen Botschaft unseres Herrn" (vgl. 2 Kor 1,23). Der Bischof hat Verwalter eines Hauses zu sein, das ihm nicht gehört. Er ist nicht Herr, sondern Treuhänder Gottes. Er darf nicht über Dinge verfügen, die allein der Verfügbarkeit Christi vorbehalten sind. Er ist Tradent des Wortes, aber nicht Produzent. Denn das Evangelium ist nicht Menschenwerk. Der Bischof hat zusammen mit seinen Weihbischöfen, Priestern und Diakonen den Glaubensgehorsam gegenüber dem Worte Gottes vorzuleben. Und wir haben darin dem Volke Gottes nicht nur das Zeugnis einer erhofften, sondern einer wirklich gelebten Einheit zu geben. Helft mir und meinen Weihbischöfen, weiterhin Diener der Einheit unseres Erzbistums Köln zu sein!

3. Der Bischof wird aber auch in die horizontale Dimension des Kreuzes Christi hineingeweiht. Von der Kathedra, dem Bischofsstuhl der Domkirche, verkündet der Bischof die Frohe Botschaft im Namen Christi in Gemeinschaft mit allen katholischen Bischöfen der Welt unter der Führung des Heiligen Vaters. Alle Priester des Bistums aber verkünden den Glauben im Auftrag des Bischofs und als seine Mitarbeiter. Der Ambo oder die Kanzel in jeder Kirche der Erzdiözese Köln ist – wenn wir so wollen – ein Ableger der Kanzel des Kölner Domes. Der erste Prediger in jeder Gemeinde ist der Bischof, und die Priester versprechen bei der Priesterweihe dem Bischof in die Hand, in der Verkündigung des Evangeliums und in der Darlegung des katholischen Glaubens den Dienst am Wort Gottes treu und gewissenhaft zu erfüllen. Der Bischof nimmt diese Aufgabe auch direkt wahr, indem er ein- oder zweimal im Jahr seinen Priestern und Diakonen seinen Hirtenbrief, sein bischöfliches Wort, an die Gemeinden übergibt, damit er vollständig den Gemeinden zur Kenntnis gebracht wird. Und in der Kathedrale steht der Altar des Bischofs. Jede Heilige Messe im Erzbistum wird gefeiert in Gemeinschaft mit ihm. Darum wird auch der Name des Bischofs ausdrücklich genannt. Und deshalb sind alle die vielen Altäre des Erzbistums der eine Tisch Christi, an dem wir mit dem geopferten Herrn und untereinander vereinigt werden. Den Priestern gilt darum am Altar das Wort: "Tut dies zu meinem Gedächtnis!" (Lk 22,19) und nicht: "Macht, was ihr wollt!"

Wie der Bischof nur recht verstanden werden kann in seiner Stellung zum Nachfolger Petri und zum apostolischen Kollegium des Gesamtepiskopates, so der Priester nur als Mitglied des Presbyteriums, das den Bischof umgibt. Er ist nicht denkbar als Solist, der individualistisch vor sich hin predigt. Der Priester bleibt nur geistlich gesund in lebendigem Kontakt mit dem Bischof im Kreis seiner priesterlichen Mitbrüder. Deshalb lautet die erste Frage des Bischofs an die Diakone unmittelbar vor der Priesterweihe: "Seid ihr bereit, das Priesteramt als zuverlässige Mitarbeiter des Bischofs auszuüben und so unter der Führung des Heiligen Geistes die Gemeinde des Herrn umsichtig zu leiten?" Papst, Bischof und Priester stehen in ihrer unaufgebbaren geistlichen Zuordnung in einer gemeinsamen dienenden Beziehung zum Heilsauftrag Christi und damit zum Volke Gottes.

Das Erzbistum ist mehr als ein kirchlicher Verwaltungsbezirk, mehr als eine Art Dachorganisation der Pfarrgemeinden. Durch die Einteilung in Bistümer, die durch die Nachfolger der Apostel geleitet werden, zeigt sich die Kirche als apostolisch. Sie ist auf dem Fundament der Apostel erbaut. Darüber hinaus ist der Bischof schließlich auch Garant der Einheit der Teilkirche mit der Universalkirche. Wenn Kirche "Communio" ist, dann hat sie auch mit den anderen Ortsbischöfen in Kommunion zu stehen, besonders mit dem Papst in ihrer Mitte. Das tägliche Memento bei der Eucharistiefeier, bei der immer der Papst und der Ortsbischof namentlich genannt werden, ist in erster Linie nicht ein Fürbittgebet, sondern die Legitimation des Priesters als authentischer Zelebrant vor dem Volke Gottes. Denn der Priester feiert nur dann wirklich authentisch die Eucharistie, wenn er in lebendiger Einheit mit dem Papst und dem Ortsbischof steht. Diese Einheit soll sich auch zeigen in unserer Mit- und Fürsorge um die anderen Ortskirchen, von deren geistlichen Gütern wir nehmen, und denen wir von unseren Gütern geben dürfen.

Katholisch sein heißt: "in Querverbindung stehen". Eine Diözese, deren Blick an den Türmen der Kathedrale endet, verliert ihre Katholizität. Sie sieht sich nur noch selbst und kreist dann nur noch um sich selbst. Sie versinkt schließlich in einem kleinkarierten Provinzialismus und verliert ihre vom Herrn hinterlassene Universalität. Der Kirche ist es doch aufgegeben, engen Nationalismus und anachronistischen Provinzialismus in eine gottgewirkte und völkerverbindende Familiarität zu verwandeln. Müsste die Kirche im europäischen Einigungsprozess aus ihrer universalen Sendung und aus ihrer gesamteuropäischen Vergangenheit heraus nicht der Politik weit voraus sein?

Wir dürfen unserem neuen bischöflichen Mitbruder angesichts dieser Aufgabe an seinem Weihetag sagen: "Hab Mut! Wen Gott belastet, den trägt er auch." Du hast die Aufgabe, in einem großen Bistum, das dir seit langem vertraut ist, neben dem Erzbischof und mit zwei anderen Mitbrüdern als Weihbischöfen das Wort Gottes zu verkünden, die heiligen Geheimnisse zu feiern und die Caritas Christi zu üben. Seien wir darin untereinander und miteinander "ein Herz und eine Seele". "Allen alles zu werden" (1 Kor 9,22), ist das apostolische Ideal, das Paulus für sich und alle Nachfolger im apostolischen Dienst gültig definiert hat. Nur wem Gott ein und alles ist, dem hilft die universale Gnade Gottes, auch allen anderen alles zu werden.

Bischofsweihe bedeutet auch und wesentlich, Abschied zu nehmen. Ein Bischof wird sich von vielen liebgewordenen Kreisen und Bereichen verabschieden müssen, um neu in den Dimensionen bischöflicher Horizontalität ganz unter den Priestern, Diakonen und pastoralen Mitarbeitern zu Hause zu sein, und um somit dem Erzbischof zu helfen, dass unser Presbyterium vital und gesund bleibt oder wieder wird und um damit den Gemeinden zu helfen, die Freude an Gott und der Kirche nicht zu verlieren.

In der Bischofsweihe gibt sich ein Einzelner an den Einen, damit er allen anderen alles werden kann, sodass er Augustinus berühmtes Wort nachsprechen kann: "Für euch bin ich Bischof, mit euch bin ich Christ."

Liebe Schwestern, liebe Brüder, helft unserm neuen Weihbischof Heiner Koch, dass er mit seinen beiden weihbischöflichen Kollegen und mit dem Erzbischof mit euch zusammen Christ und für euch Bischof ist! Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Kardinal Meisner kondolierte zum Tod von Paul Spiegel
May 07, 2006
„Gott vollende dieses Lebenswerk der Versöhnung“, sagte der Kölner Erzbischof. Vor über einem Jahr hatte ihm Paul Spiegel rechtliche Schritte wegen einer Predigt angedroht.

Köln (www.kath.net, 02. Mai 2006) Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat zum Tod von Paul Spiegel den Angehörigen und dem Zentralrat der Juden kondoliert. „Zum Heimgang des Präsidenten des Zentralrats der Juden spreche ich dem Zentralrat und seiner Familie meine aufrichtige Anteilnahme aus“, heißt es im Kondolenzschreiben.

„Paul Spiegel hat sich hoch engagiert für das Judentum in Deutschland eingesetzt. In seiner Begegnung mit Papst Benedikt XVI. in der Kölner Synagoge im August des vergangenen Jahres sah er einen Höhepunkt in den Versöhnungsbemühungen zwischen Juden und Christen. Gott vollende dieses Lebenswerk der Versöhnung.“

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden hatte vor über einem Jahr den Kölner Erzbischof massiv wegen einer Predigt kritisiert. Meisner hatte bei der Dreikönigs-Predigt am 24. Januar 2005 gesagt: „Wo der Mensch sich nicht relativieren und eingrenzen lässt, dort verfehlt er sich immer am Leben: zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen lässt, dann unter anderem Hitler und Stalin, die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit, werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht.“ Paul Spiegel drohte darauf hin dem Kölner Kardinal rechtliche Schritte an.
German Ein neuer Mensch werden, ein "Ostermensch"
May 07, 2006
"Wie im Himmel, so auf Erden. Von hier aus beurteilen wir, was auf Erden passiert". Predigt Joachim Kardinal Meisners zum Osterfest 2006

KÖLN, 28. April 2006 (ZENIT.org).- "Ostern ist der Geburtstag der neuen Schöpfung", erklärte Joachim Kardinal Meisner in seiner diesjährigen Osterpredigt im Kölner Dom, in der er unter anderem zum Aufbau einer "Kultur des Lebens" in Deutschland aufrief.

Der Kardinal wies darauf hin, dass niemand mehr für seine Zukunft tun könne, "als sein Leben im Herrn zu befestigen, an ihn zu glauben, auf ihn zu hoffen und ihn zu lieben. Niemand von uns kann mehr für die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder tun, als sie durch Glaube, Taufe und Eucharistie in Kontakt zu bringen mit dem auferstandenen Herrn."

* * *

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

1. Mag eine österliche Gemeinde klein oder groß sein, mag ihre Osterversammlung, das heißt ihr Gottesdienst, in einer großen Kathedrale wie unserem Dom oder im afrikanischen Busch in einer Bambushütte stattfinden – wo immer Christen sich heute versammeln, da wird verkündet, was am ersten Ostertag in Jerusalem verkündet wurde und was durch die Jahrhunderte hindurch in Antiochien, Damaskus, Korinth, Ephesus, Rom, Moskau, Genf, Krakau verkündet wurde und verkündet wird: Christus ist auferstanden!

Jede Epoche hat ihre eigenen Fragen, Probleme, Hoffnungen, Verständnisse und Missverständnisse. Jede Generation muss sich deshalb bemühen, in der Sprache der Gegenwart das Evangelium von der Auferstehung Jesu zu verkünden und es so auszulegen, dass es Antwort gibt auf die Fragen der Zeit.

Unsere Zeit spricht viel von der Zukunft. "Die Zukunft hat schon begonnen", lautet der Titel eines Buches. Man fragt leidenschaftlich nach dem, was man heute für das Morgen tun kann. Niemand hat mehr für das Morgen der Welt getan als der, der am Kreuz die Schuld der Welt getilgt hat und am dritten Tag von den Toten auferstanden ist. Diese seine Tat begründet eine Hoffnung, die nicht trügt, eine Zukunft, von der das Credo am Ende spricht: "Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt."

Man darf den Zusammenhang zwischen der Auferstehung Jesu und der Auferstehung der Toten nicht sprengen. Ein Christus, der für sich allein den Tod überwindet, ist für den Apostel Paulus ein Unding, wie ein Auferstehungsglaube ohne Christus ebenfalls undenkbar ist. "Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt, ist auch Christus nicht auferweckt worden" (1 Kor 15,13). Der Glaube an Jesu Auferstehung und die Hoffnung auf unsere eigene Auferstehung sind unteilbar.

2. Der Ostermorgen ist mit dem Schöpfungsmorgen in Parallele zu setzen. Am Schöpfungsmorgen hat Gott die Welt gleichsam wie in einem Keim erschaffen, aus dem sich dann das ganze Universum in seiner ganzen Fülle entwickelt und entfaltet hat – wie der Kastanienbaum aus einer einzigen Kastanie. Alles Leben in der Welt, das wir gerade in diesen Frühlingstagen draußen in der Natur wahrnehmen, hat seine Kraft aus diesem ersten Anfang. Der Ostermorgen ist der Anfang einer neuen Schöpfung. Diese beginnt ebenfalls wie in einem Keim, in einem Anfang, der das Alpha ist. Dieses Alpha, dieses Erste, ist kein Mythos, keine Legende, keine Ideologie. Daraus würden sich keine Wirklichkeiten entwickeln. Dieses Erste ist Jesus Christus selbst, der Gekreuzigte und Auferstandene, der nicht nur das Leben hat, sondern der das Leben ist – unerschöpflich und unermesslich.

Dieses neue Leben, das im auferstandenen Christus wie in einem Keim in unerschöpflicher Fülle enthalten ist, entfaltet sich über Räume und Zeiten vom Alpha zum Omega, bis es am Jüngsten Tag in der Auferstehung der Toten und in dem neuen Himmel und der neuen Erde zur Vollendung kommt.

3. Wo immer ein Mensch durch die Taufe in Christus hineingetaucht wird in seinen Tod und in seine Auferstehung, da wird ein neuer Mensch geboren, da empfängt er sein österliches Leben. Von diesem Tage ab ist "sein Leben mit Christus verborgen in Gott" (Kol 3,3). Wo immer ein Mensch sich im Glauben an den auferstandenen Herrn wendet und seinen Namen anruft und in der Feier der Eucharistie sich in das Geheimnis seines Todes und seiner Auferstehung hineinnehmen lässt, da wird er teilhaft der Kraft und der Macht seiner Auferstehung, sodass er alle Not bestehen kann. In ihm kann er alles! "Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt" (Phil 4,13), bekennt Paulus. Wo immer jetzt ein Mensch im Herrn entschläft, da wird er nicht sterben, auch wenn er gestorben ist, sondern er wird leben in Ewigkeit. Unsere Verstorbenen gehen nicht weg von uns, sondern sie gehen uns voraus. Wir werden sie Wiedersehen. Am Ende der Tage aber, "wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit" (Kol 3,4). Er wird dann den Leib unserer Niedrigkeit umwandeln und ihn gleich gestalten der Gestalt seines verherrlichten Leibes (vgl. Phil 3,21). Darum ist uns Ehrfurcht vor unserer Leiblichkeit geboten.

Der Apostel Paulus sagt: "Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt?" (1 Kor 6,19). Und der Heilige Geist ist ein Ostergeist, der zum Leben erweckt, der uns am Leben erhält. Deshalb ist Ehrfurcht vor dem eigenen Leib als eine Konsequenz der Osterbotschaft angesagt. Hier wird der so genannten sexuellen Revolution, die den Menschen entwürdigt, der Boden entzogen. Wenn der österliche Christus mit großer Macht und Herrlichkeit erscheinen wird, dann wird er alles neu machen. Es wird weder Tod, noch Trauer, noch Klage, noch Mühsal sein, so sagt es uns die Apokalypse, das letzte Buch der Bibel ausdrücklich (vgl. Offb 21,3). "Der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen" (Offb 21,1). Und es wird ein neuer Himmel und eine neue Erde sein, eine neue Stadt, eine neue Schöpfung. Darum sind wir eingeladen, ein neuer Mensch zu werden, das heißt ein Ostermensch, ein neues Lied zu singen, das ist das Oster-Halleluja, eine neue Hoffnung zu haben, die über das Grab hinausgeht.

4. Wir feiern Ostern im Jahr 2006. Wir stehen damit in der Zwischenzeit des ersten Ostertages im Jahre 33 und des letzten Ostertages, den wir noch nicht datieren können. Rückschauend auf den Anfang, auf das Alpha, auf den Erstling der Entschlafenen, schöpfen wir Hoffnung und Kraft, die Herausforderungen der Gegenwart zu bestehen. Im Vorwärtsschauen auf die Vollendung, auf das Omega, auf die Auferstehung der Toten, auf das Leben der zukünftigen Welt, ist uns die Möglichkeit der Treue und der ersten Liebe gegeben, die sich von den Abnutzungserscheinungen der Gegenwart nicht berühren lässt. Im Aufwärtsschauen zu dem, der zur Rechten Gottes sitzt, werden wir erfüllt mit heiligem Selbstbewusstsein und demütigem Siegesbewusstsein. Auf ihn hin richten wir unseren Sinn aus, auf alles, was von ihm kommt, was von oben kommt, nicht auf das, was von der Erde kommt. Wie im Himmel, so auf Erden. Von hier aus beurteilen wir, was auf Erden passiert.

Was wir seit den Päpsten Paul VI. und Johannes Paul II. die "Kultur des Todes" nennen, hat ihre Wurzel im Verlust von Ostern, im Schwinden des Himmels. Der größte Mangel bei uns in Deutschland ist der Mangel an Leben, an Menschen, an Kindern. Was nützen alle materiellen und ideellen Erfolge dort, wo es keine Menschen mehr gibt? Was hier Selbstverwirklichungspropheten und –prophetinnen angerichtet haben, kann man fast täglich in den Zeitungen lesen. War dabei unser Zeugnis für das Leben als Christen und Kirche immer eindeutig genug? Wer sein Leben verliert, der gewinnt es (vgl. Mt 16,25), ist das Resultat von Ostern. Heute, am Ostertag, geht es um die Zukunft, um unsere Zukunft und um die Zukunft der Welt. Niemand kann mehr für seine Zukunft tun, als sein Leben im Herrn zu befestigen, an ihn zu glauben, auf ihn zu hoffen und ihn zu lieben. Niemand von uns kann mehr für die Zukunft unserer Kinder und Kindeskindern tun, als sie durch Glaube, Taufe und Eucharistie in Kontakt zu bringen mit dem auferstandenen Herrn. Ostern ist der Geburtstag der neuen Schöpfung. Diesen Tag feiern wir. Der Ostertag kennt keinen Abend, da seine Sonne – Christus, der Auferstandene – nicht mehr untergeht.

Die Kirche betet heute in einem Hymnus: Erschienen ist der herrlich' Tag, daran niemand genug sich freuen mag. Das ist der Tag, der uns den Sieg gebracht und der eine neue Welt geschafft. Darum: Frohe Ostern! Amen.
German Für Benedikt XVI. "den Kopf hinhalten"
Apr 27, 2006
Eucharistiefeier zu Ehren Benedikts XVI. im Kölner Dom

KÖLN, 25. April 2006 (ZENIT.org).- Anlässlich des ersten Jahrestages der Wahl Papst Benedikts XVI. feierte Joachim Kardinal Meisner am Sonntag im Kölner Dom ein Pontifikalamt, in dem er dazu aufrief, den Papst, den er als "großen und einsamen Beter", als großen Gelehrten und frommes Erstkommunionkind beschrieb, zu unterstützen und ihn zu begleiten.

"Der Papst ist gescheit wie zehn Professoren und dabei fromm wie ein Erstkommunionkind. Darin ähnelt er sehr seinem Vorgänger", sagte Kardinal Meisner in seiner Predigt. "Diese Kombination lässt ihn zu einem wahren Jünger Jesu werden, in dessen Tun und Lassen der Meister, der Herr, selbst sichtbar wird."

In seiner Verkündigung lasse Papst Benedikt XVI. nicht nur "die großen Kirchenlehrer und Kirchenväter", sondern auch die Heilige Schrift oft zu Wort kommen und "erklärt sie in einer Tiefe, in einer Weite und Höhe, die den Hörer ermutigt, beschenkt, tröstet und bereichert. Man geht von diesem Papst immer wieder erleuchteter weg, als man zu ihm gekommen ist."

Das gesamte "Denken und Lesen, das Studieren, Beten und Fühlen von Papst Benedikt XVI." drehe sich einzig und allein "um die Person Jesu Christi". Der "große und einsame Beter", fuhr der Kardinal fort, zeige allen Menschen, "dass die Wahrheit eigentlich unwiderstehlich ist. Sie hat nämlich in jedem Menschen eine Entsprechung, und das ist seine Gottebenbildlichkeit, die seinen Personenkern ausmacht. Diese Gottebenbildlichkeit wirkt wie ein starker Magnet. Sie drängt den Menschen als Abbild Gottes selbst über viele Hindernisse hinweg zum Urbild hin, zu Gott. Die Wahrheit ist darum auf Dauer nicht unter der Erde zu halten, wie Ostern beweist und danach die vielen anderen Befreiungstaten der Menschen."

Am Ende seiner Predigt kam Kardinal Meisner auf seine Worte beim Dankgottesdienst für die Papstwahl am 30. April vergangenen Jahres zurück und fragte: "Wird sich der Papst auf unser Gebet, aber darüber hinaus auf unseren Glauben, auf unsere Treue und unsere Opferbereitschaft für ihn und die Kirche verlassen können?" Mehr denn je schaue heute die Weltkirche auf die Kirche in Deutschland. "Empfängt sie von uns Ermutigung für den katholischen Glauben? Dazu sind wir verpflichtet, unserem Papst gleichsam damit den Rücken zu stärken!"

Da dieser Aufruf vor einem Jahr im Hohen Dom zu Köln mit großem Applaus angenommen worden war, hatte Kardinal Meisner Benedikt XVI. eine Tonaufzeichnung der damaligen Eucharistiefeier zukommen lassen und dazu erklärt: "Heiliger Vater, wenn es dir ganz besonders schwer wird, dann höre dir diese CD aus dem Kölner Dom an. Dann erhältst du Mut und Zuversicht, weil das Volk Gottes in der Erzdiözese Köln und in Deutschland hinter dir steht wie eine Mauer, für dich betet und für dich auch seinen Kopf hinhält". Und am Weißen Sonntag fügte Kardinal Meisner noch hinzu: "Hoffentlich habe ich nicht zuviel versprochen!"
German Predigt Joachim Kardinal Meisners zum ersten Todestag Johannes Pauls II.
Apr 24, 2006
"Der Papst war zuhause ganz im Hause Gottes und ganz im Hause der Menschen"

Am 2. April 2006 betonte Joachim Kardinal Meisner im Hohen Dom zu Köln, dass der vor einem Jahr gestorbene Vorgänger Benedikts XVI. ganz auf Gott und ganz auf die Menschen ausgerichtet gewesen sei. Diese Kombination habe aus ihm den Pontifex gemacht, "den Brückenbauer, der Himmel und Erde und die Erde mit dem Himmel verband".

Johannes Paul II. habe gewusst, "dass man den jungen Menschen immer zu wenig gibt, wenn man ihnen nicht Gott gibt. Und weil den Jugendlichen in aller Welt so wenig Gott gegeben wird, inspirierte ihn der Geist Gottes zur Einberufung der Weltjugendtage. Darin hat ihn die Jugend verstanden. Sie sind zu Millionen zu ihm gekommen und haben ihm das gedankt, indem in den Tagen zwischen seinem Tod und seiner Beerdigung circa drei Millionen junger Menschen an seinem Katafalk vorbeigepilgert sind."

Kardinal Meisner ist davon überzeugt, dass Johannes Paul II. auch beim Konklave im April des vergangenen Jahres mitgewirkt habe. "Ich meine, in Papst Benedikt XVI. haben wir einen Zwillingsbruder von Johannes Paul II. erhalten."

* * *

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Genau heute vor einem Jahr wurde unser unvergesslicher Papst Johannes Paul II. von Gott heimgerufen. In der Stunde seines Todes, da sein Herz stillstand, hielt auch die Welt den Atem an. Was über den Apostel Paulus gesagt wurde, kann man sicher auch auf Papst Johannes Paul II. sagen: "Cor Pauli cor mundi" – "Das Herz des Paulus ist das Herz der Welt".

Das Herz von Johannes Paul II. war das Herz der Welt. Als es stillstand, hielt die Welt den Atem an. Sie spürte plötzlich das Vakuum, das in ihrer Mitte entstanden war, als Papst Johannes Paul II. seinen Hirtenstab aus der Hand legte und seine Richtung weisende Stimme verstummte, seine segnenden Hände nicht mehr sichtbar waren. In seinem fast 27-jährigen Pontifikat war Papst Johannes Paul II. die personifizierte Säule der Wahrheit für die Welt geworden, wie der Apostel die Kirche definiert.

Ich habe oft von Papst Johannes Paul II. als einem Intellektuellen gesprochen, der zehn Professoren ersetzt, aber gleichzeitig fromm wie ein Erstkommunionkind war. Diese Kombination, ganz auf Gott ausgerichtet zu sein und ganz auf die Menschen, machte aus ihm den Pontifex, den Brückenbauer, der Himmel und Erde und die Erde mit dem Himmel verband. Schon seine äußere Gestalt, namentlich wenn er im Gebet versunken war, zeigte diese Stabilität eines Zeugen Gottes, der unabhängig ist von Menschenlob und von Menschenbeifall, der in Gott ruht und darum tragfähig war, die Lasten der Welt zu tragen, die der Herr ihm durch seine Erwählung aufgebürdet hatte. Wer Papst Johannes Paul II. begegnet ist, wurde immer auch von einem Hauch der Ewigkeit berührt. Der Papst war zuhause ganz im Hause Gottes und ganz im Hause der Menschen.

In Gesprächen mit ihm hatte man immer den Eindruck, er hört seinem Gegenüber ganz und gar zu mit einem Ohr, und mit dem anderen Ohr ist er ganz am Herzen Gottes, und darum konnte er den Menschen ein guter Ratgeber sein. Er wusste auch nicht immer auf jedes Problem eine Antwort, aber er konnte die Richtung angeben, er konnte auf die Möglichkeiten hinweisen, die eine Lösung von Fragen und Problemen beinhalten. Und immer war der Verweis auf das Gebet verbunden, und zwar nicht als ein billiger Hinweis, sondern als die Kraft, die das Herz Gottes bewegt und damit die Welt.

Der Papst war ein Meister des Betens. Wenn er über das Gebet sprach, schlug gleichsam sein Herz höher. Hier wusste er um die letzte Möglichkeit des Menschen, vom dreifaltigen Gott erstgenommen und angenommen zu werden. Er wies mich lächelnd einmal darauf hin, dass es leichter sei, mit Gott zu sprechen als mit dem Papst. Im Vatikan müsse man sich erst lange anmelden, ehe man einen Termin bekommt. Bei Gott ist das Gespräch ohne Voranmeldung, ohne Wartezeiten, ohne Terminangaben immer und überall möglich. Wenn wir das doch mehr nutzen würden!

Gerade für junge Menschen war Papst Johannes Paul II. der Anker, an dem sie sich festmachen konnten in aller Verwirrung der Zeit. In unseren modernen Gesellschaften, die inzwischen mutterlos und vaterlos geworden sind, fanden sie in ihm den "Papa", den Vater, auf den sie sich verlassen konnten, weil er ihnen nicht nach dem Munde redete, sondern weil er um ihretwillen Gott nach dem Munde redete, was letztlich immer zugunsten der jungen Menschen war. Darum hörten sie ihn an, auch wenn er ihnen unbequeme Dinge sagte. Er wusste, dass man den jungen Menschen immer zu wenig gibt, wenn man ihnen nicht Gott gibt. Und weil den Jugendlichen in aller Welt so wenig Gott gegeben wird, inspirierte ihn der Geist Gottes zur Einberufung der Weltjugendtage. Darin hat ihn die Jugend verstanden. Sie sind zu Millionen zu ihm gekommen und haben ihm das gedankt, indem in den Tagen zwischen seinem Tod und seiner Beerdigung circa drei Millionen junger Menschen an seinem Katafalk vorbeigepilgert sind. Bis heute werden täglich zwischen 15.000 und 20.000 Menschen gezählt, die an seinem Grab in den vatikanischen Grotten innehalten und still werden.

Von diesem Papst ging nicht nur Segen aus, sondern er ist zum Segen für die Welt und für die Menschheit geworden. Ich selbst konnte in den Tagen zwischen dem Tod und der Beerdigung des Papstes jeden Abend an seiner Bahre in St. Peter beten. Es war die Zeit, in der meistens Staatsoberhäupter dem Heiligen Vater ihre Reverenz erwiesen. Es hat mich schon sehr beeindruckt, als drei amerikanische Präsidenten, der jetzige Präsident Bush, sein Vater als ehemaliger Präsident und sein unmittelbarer Vorgänger, Präsident Clinton, gemeinsam vor dem Katafalk niederknieten und im Gebet verharrten. Diesen Jungen aus Wadowice, der seinen Weg suchen musste zwischen nationalsozialistischer Bedrückung und kommunistischer Verfolgung, dem die Familie buchstäblich weggestorben war, hat Gott geführt und erwählt, so dass bei seinem Begräbnis etwa 200 Staatsoberhäupter präsent waren. "Er stürzt die Mächtigen vom Thron" (Lk 1,52): Wo sind die Hitlers, die Stalins, die Chruschtschows, die Mao-Tsetungs geblieben? "Er erhöht die Niedrigen" (Lk 1,52), heißt es weiter im Magnifikat.

Diesen Jungen aus einer kleinbürgerlichen Familie, aus einer unbedeutenden polnischen Stadt macht er zum Symbol seiner Gegenwart in unserer armen, heimgesuchten Welt. Aus seiner Christusmystik, aus dieser Kontemplation seines Lebensstils, wurde er zum großen Menschen der Aktion, der die Welt wohl wie keiner seiner Zeitgenossen verändert hat. Was ihm im Gebet von Gottes Absichten erschlossen wurde, das bemühte er nach Kräften durchzusetzen. Wie schon so oft erwähnt, wäre der Kommunismus nicht untergegangen, und das ohne eine politische Aktion seitens des Papstes.

Er hat seinen Landsleuten und den anderen unterdrückten Völkern nicht zugerufen: Macht euch auf die Barrikaden und vertreibt die Diktatoren aus ihren Regierungspalästen! – Nein, er verkündete die Botschaft Gottes vom Menschen, der von Geburt aus Kind Gottes ist und darum angeborene Rechte hat, die kein anderer Mensch ihm streitig machen darf, nämlich das Recht auf Freiheit und die Pflicht zur Solidarität mit allen Mühseligen und Beladenen. Damit hatte der Papst eigentlich dem Kommunismus den Boden unter den Füßen weggezogen.

Die Menschen haben ihn verstanden, denn er redete nicht aus der Distanz wie die vielen Weltverbesserer, sondern er sprach als Mann der Tat mitten unter dem Volke, der am eigenen Leib die Stigmata der beiden größten Diktaturen des 20. Jahrhunderts trug. Darum war er so ernst zu nehmen. Es wäre keinem Politiker damals eingefallen – wie 60 Jahre vorher Stalin, der auf eine Intervention des Papstes lakonisch antwortete: "Wie viele Divisionen hat denn der Papst?" Aus solchen Fehleinschätzungen sind so katastrophale Fehlentscheidungen erfolgt, die Europa und die Welt in den furchtbaren letzten Weltkrieg gestürzt hatte.

Mir persönlich bleibt die Beerdigungsfeier auf dem Petersplatz unvergesslich, wo inmitten der halben Million Mitfeiernden plötzlich die Transparente mit den beiden Worten "Santo subito!" – "Heilig sofort!" –, hochgehalten wurden. Damit ist gemeint: "Sprechen wir ihn jetzt noch bei der Beerdigung selig und heilig!" Selig- und Heiligsprechungsprozesse sind eigentlich nur eine Bestätigung der Selig- und Heiligsprechungen durch das Volk Gottes. Das Volk Gottes hat damals das Signal gegeben, das von seinem Nachfolger Papst Benedikt XVI. aufgenommen wurde, indem er sofort den Seligsprechungsprozess einleiten ließ.

Wir haben Papst Johannes Paul II. nicht verloren. Er ist uns geblieben. Ich wiederhole und bezeuge das, was ich schon mehrmals gesagt habe: Meine letzte Begegnung mit dem Heiligen Vater war drei Wochen vor seinem Sterben in der Gemelli-Klinik, dort fragte er, ob wir noch auf ihn in Köln zum Weltjugendtag warten. Auf meine Antwort: "Wir warten mit innerer Gewissheit, dass Sie auch kommen!" – Und als ich ihn an der Hand fasste und sagte: "Ich lasse Sie erst los, wenn Sie mir versprechen: Ich komme!", lächelte der von Schmerzen gezeichnete Papst und sagte: "Ich komme, aber wie, das bestimmt Gott!" – Und er kam!

Wir hatten den ersten Weltjugendtag mit zwei Päpsten: einer von oben, vom Himmel her, der andere von unten her, von der Erde her. Und ihre Zusammenarbeit war perfekt, und das Ergebnis haben wir alle im August des vergangenen Jahres hier in Köln und in der ganzen Welt erlebt. Ich persönlich bin auch zutiefst überzeugt, dass er uns beigestanden ist im Konklave im April des vergangenen Jahres. Ich meine, in Papst Benedikt XVI. haben wir einen Zwillingsbruder von Johannes Paul II. erhalten.

Heiliger Vater Papst Johannes Paul II., steh vom Himmel her deiner und unserer geliebten Kirche weiterhin bei! Nimm dich besonders unserer Jugendlichen an und stärke deinen Nachfolger durch dein fürbittendes Gebet. Hilf uns, dass wir einmal wie du Krankheit und Sterben bewältigen in der österlichen Überzeugung, dass der Tod nicht Untergang, sondern Hinübergang ist in die unaussprechliche Herrlichkeit Gottes. Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Hoffentlich wird Johannes Paul II. bald heilig gesprochen
Apr 21, 2006
Der Kölner Erzbischof und Kardinal Joachim Meisner hofft auf eine schnelle Heiligsprechung des vor einem Jahr verstorbenen Papstes Johannes Paul II.. Er sei selbst Zeuge in dem Prozess zur Heiligsprechung, sagte Meisner dem «Kölner «Sonntag-Express».

Köln (AP, 02.04.2006) Selig- und Heiligsprechungen nehme aber eigentlich das Volk Gottes vor, das sei in der Urkirche so üblich gewesen. Jeden Tag würden 25.000 Menschen das Papst-Grab in Rom besuchen. «Deswegen sage auch ich: Sancto subito! ('sofort heilig'), wie es die vielen Transparente bei der Beerdigung zeigten», betonte Meisner.

Der Kölner Kardinal lobte Benedikt XVI., der den Kurs seines Vorgängers fortführe. «Wir Kardinäle staunen alle, dass es weitergeht. Und nicht schlechter. Wir sind der Meinung, dass Benedikt XVI. und Johannes Paul II., die 25 Jahre so eng zusammengearbeitet haben, wie Zwillingsbrüder mit anderen Akzenten sind.» Johannes Paul II. sei Philosoph gewesen, Benedikt XVI. durch und durch Theologe. Der jetzige Papst setze ganz auf die Wahrheit wie sein Vorgänger auch.

Zur Situation der katholischen Kirche sage Meisner, es habe noch nie so viele Messen für so wenige Katholiken gegeben. Gemeinden würden nicht nur wegen Priestermangels, sondern auch wegen Christenmangels zusammengelegt, damit ein vitales Gemeindeleben erhalten bleibe. Aber er sei wirklich froh, dass die Priester-Berufungen seit dem Weltjugendtag in Köln im vergangenen Jahr wieder stiegen.
German Kardinal Meisner kritisiert ,Selbstverwirklichungspropheten’
Apr 21, 2006
Der Verlust von Ostern führte zu einer „Kultur des Todes“, in der materielle Erfolge dominieren, sagte der Kölner Erzbischof in seiner Osterpredigt.

Köln (www.kath.net, 19. April 2006) Der Verlust von Ostern hat zur „Kultur des Todes“ geführt. Das sagte der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, in seiner Osterpredigt. Eine Konsequenz der Osterbotschaft sei die „Ehrfurcht vor dem eigenen Leib“, meinte er. „Hier wird der so genannten sexuellen Revolution, die den Menschen entwürdigt, der Boden entzogen.“

Was wir seit den Päpsten Paul VI. und Johannes Paul II. die „Kultur des Todes“ nennen, das habe die Wurzel „im Verlust von Ostern, im Schwinden des Himmels“, sagte der Kardinal. „Der größte Mangel bei uns in Deutschland ist der Mangel an Leben, an Menschen, an Kindern.“

„Was nützen alle materiellen und ideellen Erfolge dort, wo es keine Menschen mehr gibt?“, fragte der Kölner Erzbischof. Er kritisierte in diesem Zusammenhang „Selbstverwirklichungspropheten und –prophetinnen“ und forderte ein eindeutiges „Zeugnis für das Leben als Christen und Kirche“.
Spanish "Ser misionero hoy": entrevista con Su Eminencia el Cardenal Joachim Meisner
Mar 22, 2006
Fides ha encontrado a Su Eminencia el Cardenal Joachim Meisner, Arzobispo de Köln, con ocasión de Su intervención en el Convenio Internacional promovido por la Congregación para la Evangelización de los Pueblos y la Pontificia Universidad Urbaniana por el 40° aniversario del Decreto Conciliar "Ad Gentes", y le ha dirigido algunas preguntas.

(Agencia Fides 15/3/2006) Ciudad del Vaticano - Un cristiano, así ha dicho Vd. en su relación, sólo es auténtico si es misionero. ¿Cuáles considera Vd. que son las prioridades actuales para las Iglesias locales, en relación con esta verdad?

La Iglesia de hoy es la heredera del pueblo de Dios del Antiguo Testamento. Israel siempre ha estado en ventaja respecto a aquellos que todavía no habían sido llamados y la Iglesia, como pueblo de Dios del Nuevo Testamento, está también en ventaja respecto a los no llamados. José fue llamado desde Egipto para salvar a sus once hermanos rechazados, y él mismo es salvado por haber salvado a estos once hermanos. Y esto también vale para la Iglesia: la Iglesia sólo será la Iglesia de Jesús si se sitúa constantemente en el camino de la misión. Todo lo que la Iglesia tiene, lo ha recibido de Jesucristo. ¡No tiene nada por sí misma, sino que tiene todo de Jesucristo! Y todo lo que la Iglesia tiene, no lo tiene para sí misma sino para los otros. Y por tanto, solamente será la Iglesia de Jesucristo, sin con una mano recibe los dones de Jesús y con la otra los distribuye. Esta debe ser la experiencia fundamental de todo cristiano: todo cristiano es enviado, es misionero.

Usted ha tenido Su intervención en la Pontificia Universidad Urbaniana. ¿Cómo considera Vd. que podría esta Universidad, contribuir a una mejor preparación de los futuros misioneros?

He pensado que soy Cardenal desde hace ya tanto tiempo - 23 años - y es la primera vez que vengo a la Urbaniana. Esto, en el fondo, no es un buen signo. He pensado: si no existiera la Urbaniana, no nos daríamos cuenta de que la Iglesia universal es misionera. Por tanto, la presencia de Propaganda Fide y de la Urbaniana es un símbolo que expresa el hecho de que la Iglesia no debe olvidar que está en camino para evangelizar a los pueblos. Este es el primer punto. En segundo lugar quisiera afirmar: es un bien que tengamos una universidad que se dedica expresamente a la misión de llevar el Evangelio a los paganos, a los no creyentes y espero que en esta Universidad, los profesores y toda la universidad, ofrezca a los estudiantes una conciencia de sí mismos y del propio ser católico. A veces, tengo la impresión de que nosotros, cristianos católicos, padecemos una especie de complejo católico de inferioridad, que nos consideramos, por así decir, los últimos mohicanos, un resto de la Edad Media, cuando la verdad es justo todo lo contrario. Nosotros somos los primeros pioneros de un futuro, del que la mayor parte de los hombres de hoy no saben todavía nada. Esto debería provocar en todos los estudiantes una verdadera conciencia católica y una humilde convicción de victoria. Además los estudiantes deben apropiarse, de modo preciso y concreto, de los métodos de una pastoral misionera. Pero esto es tan sólo el instrumento y en este sentido, tiene una importancia secundaria. Lo realmente importante es la alegría que recibimos de Dios que es nuestra fuerza, la conciencia de nuestra fe.

Eminencia, sabemos por Usted mismo, que es un gran devoto de la Virgen y que ha visitado numerosos santuarios, que hay uno que Vd. aprecia particularmente: el santuario de Fátima. ¿Qué impacto tuvo y continua teniendo, a Su parecer, el mensaje de Fátima sobre la conciencia misionera de los cristianos y de la Iglesia?

Efectivamente, la primera misionera es Maria. En su casa de Nazareth recibe a Cristo por la fuerza del Espíritu Santo e inmediatamente se levanta y camina con prisa - no lentamente - por las montañas para acudir a su prima Isabel, para estar a su lado en las horas difíciles. Aquí podemos aprender una cosa importante para la misión. Cuando uno está lleno del Espíritu Santo, no se queda en su propia casa, sino que se pone en camino y corre hacia los otros, sale en ayuda de los otros. Maria ayuda a su prima Isabel y provoca la primera alabanza al Señor del Nuevo Testamento: entra en la casa de Isabel, que canta la primera antífona mariana: "Eres bienaventurada, porque has creído" y Maria comienza inmediatamente a cantar la alabanza más bella que tenemos los cristianos tenemos, el "Magnificat". Este nos dice que el Espíritu Santo es ayuda, el Espíritu Santo es Aquel que desata las lenguas y dona la vida. Maria ayuda a Isabel en el nacimiento de su hijo. Y si digo que Maria es la primera misionera también digo que el Espíritu Santo es el primer misionero. Por tanto, reconocemos en Maria la obra del Espíritu Santo. Nos empuja a ponernos en camino, nos ayuda, dona la vida y desata las lenguas para alabar a Cristo: las dos mujeres cantan, no se quejan y con Maria es una Iglesia que avanza.

A la pregunta sobre la importancia del mensaje mariano de Fátima para la Europa de hoy y para todo el mundo, quisiera responder: yo tuve conocimiento de Fátima solamente de oídas y debo decir que no me impresiono mucho íntimamente, porque llegué a Colonia tan sólo nueve meses antes de la caída del muro y el Santo Padre Juan Pablo II me pidió que presidiera el 13 de mayo de 1990, las celebraciones en Fátima de la primera gran peregrinación después de la caída del comunismo. Me dijo que como Obispo de Berlín me había convertido en Obispo de dos modelos de sociedad, el comunismo y el capitalismo. Me dijo: tú estas cualificado para presidir tal celebración. Tan sólo en ese momento comprendí que era lo específico del mensaje de Fátima para la misión en el mundo moderno. Seis meses antes de que el comunismo apagase la luz - la luz de la fe - en la Europa del este, al otro extremo de esa Europa, es decir, en Portugal, por medio de la aparición de la Virgen, se enciende nuevamente esa luz para toda la Europa. Y Maria no se apareció en la universidad o a profesores, sino que llevó su mensaje en el gris de la normalidad y se apareció a unos niños pobres, pero muy vivos. Y les confió este mensaje sobrecogedor para Europa y para el mundo, esto es, que con la ayuda de Maria el comunismo sería vencido y que Maria encendería nuevamente la luz también en el Este. Esto es lo fascinante del mensaje de Fátima, que ha cambiado la vida política y humana más de lo que cualquier político hubiera podido nunca imaginar.

Una última pregunta breve: Usted conoce al Papa desde hace muchos años. ¿Según su opinión, cual será el impulso que dará a la Iglesia y a la misión?

Creo que el Papa, con su carisma de teólogo, en el estilo de los Padres de la Iglesia, abrirá grandes horizontes a la Iglesia y hará entender que en las sociedades en todas las latitudes y longitudes de este mundo, esta tiene una extraordinaria importancia, porque somos portadores del mensaje de Cristo. Cristo es la solución a todos los problemas del hombre. Soy de la opinión de que con la globalización cada vez nos daremos más cuenta de que sólo existe una solución y es la que nos ofrece el Evangelio. El Papa hará muy plausible este concepto. Ya lo ha demostrado con su primera Encíclica, que en el fondo, es aceptada por todas las denominaciones cristianas y todas las religiones no cristianas e incluso por los no creyentes. Un periódico alemán ha escrito: aparte de la Biblia nunca nadie había escrito en un modo tan bello e íntimamente convincente sobre el amor como Benedicto XVI. Por ello, podemos esperarle en él y en el fondo la elección de un Papa de setenta años no se ha producido sin la ayuda del Espíritu Santo. Estoy seguro de que la Divina Providencia tiene sobre él proyectos específicos y que el mundo se sorprenderá aún más de lo que nos de este Papa.
German "Ehe und Familie – Gottes Geschenk für Kirche und Welt"
Mar 22, 2006
Seinen diesjährigen Fastenhirtenbrief widmet Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, dem Thema von Ehe und Familie.

KÖLN, 7. März 2006 (Zenit.org).- In seinem Schreiben zeigt er auf, dass die Ehe in eine größere Liebe eingebettet ist – nämlich in die Liebe Christi, des Hauptes, zu seinem Leib, der Kirche –, und dass die aus der Ehe erwachsende Familie ein "geschöpfliches Abbild des dreifaltigen Gottes" ist. Eine in Jahren und Jahrzehnten erprobte Liebe unter Eheleuten biete zudem "ein Sinnbild für beständigen Glauben".

Kardinal Meisner ermutigt dazu, Kinder großzuziehen, und stellt fest, dass sich der Embryo immer "als Mensch" und nicht "zum Menschen" entwickle. Deshalb sei er jederzeit zu schützen und zu respektieren.

Besonders dankt der Kardinal allen Eheleuten, "die nicht nur in den guten Tagen, sondern auch in weniger guten ausgeharrt haben. Ihre gelebte und bewährte Treue ist ein unübersehbares Zeugnis der Liebe und Treue Gottes zu den Menschen und eine Ermutigung für alle, die in Versuchung sind, diesen Weg der Treue zu verlassen."

* * *

Liebe Schwestern und Brüder!

1. "Stark wie der Tod ist die Liebe, die Leidenschaft ist hart wie die Unterwelt. Ihre Gluten sind Feuergluten, gewaltige Flammen. Auch mächtige Wasser können die Liebe nicht löschen; auch Ströme schwemmen sie nicht weg. Böte einer für die Liebe den ganzen Reichtum seines Hauses, nur verachten würde man ihn" (Hld 8,6-7).

Welch eine Wertschätzung der Liebe spricht aus diesem Wort des alttestamentlichen Hohenliedes! Der Tod, dem keine Macht der Welt beikommen kann, findet in der Liebe einen ebenbürtigen Widerpart. Elementarmächte können ihr nichts anhaben, den Wert materieller Existenz übertrifft sie bei weitem. Mit diesen gewaltigen Worten wird eine Liebe gepriesen, deren Dauerhaftigkeit und Verbindlichkeit so deutlich im Vordergrund stehen, dass man auch von der Treue zwischen Mann und Frau sprechen könnte.

Der deutsche Begriff "Treue" leitet sich von einem alten Wort her, das "Eiche" bedeutet. Fest wie ein mächtiger, tief verwurzelter Baum soll die Liebe zwischen Mann und Frau stehen, die in Ehe und Familie ihre tiefste Ausdrucksform findet.

2. Die Ehe ruht in allen Kulturen auf Fundamenten, die dem Wechsel politischer und gesellschaftlicher Anschauungen vorgeordnet sind und daher nicht zu deren "Verfügungsmasse" gehören. Tatsächlich entspricht es der Naturordnung und damit dem Willen des Schöpfers, dass der Mensch, das Abbild Gottes, als Mann oder als Frau existiert. Desgleichen ist es nach Gottes Wort "nicht gut, dass der Mensch allein bleibt" (Gen 2,18). Einen ebenbürtigen Partner, der ihm entspricht, findet Adam, der Mann, allein in Eva, der Frau.

Mann und Frau sind schon von der Sinngebung menschlichen Daseins her aufeinander hingeordnet. "Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau, und sie werden ein Fleisch“ (Gen 2,23-24): Diese Worte der Schöpfungsgeschichte bezeugen die geradezu revolutionäre Kraft ehelicher Liebe, welche die familiären Bindungen der Kindheit und Jugend sprengt und eine neue, grundlegende Einheit schafft. "Ein Fleisch" – dieses Wort bezeichnet eine Gemeinschaft von Personen, wie sie in dieser Welt inniger nicht sein kann und wie sie in der leiblichen Intimität der Eheleute in aller Verbindlichkeit ihren Ausdruck findet.

Unser katholischer Glaube weiß, dass nicht nur die Schöpfungsordnung, sondern auch das Erlösungswerk den Sinn der Ehe wesentlich prägt. Schon die alttestamentlichen Propheten sehen in der Liebe zwischen Mann und Frau ein Bild, das den Bund Gottes mit Israel anschaulich macht. Anders als in den großen Religionen des Alten Orients wählt sich der Gott der Bibel keine Göttin zur Gefährtin, sondern tritt in einen Bund mit seinem Volk Israel. Der Apostel Paulus richtet später den Blick auf die Erlösungsordnung und gliedert die Ehe darin ein. Im Brief an die Epheser schreibt er den Männern, sie seien "verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche. Denn wir sind Glieder seines Leibes. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sein." Abschließend fügt Paulus die bedeutungsschweren Worte an: "Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche" (5,28-32).

Die christliche Ehe ist also eingebettet in eine größere Liebe, nämlich in die Liebe Christi, des Hauptes, zu seinem Leib, der Kirche. Verschiedentlich wird im Neuen Testament das Verhältnis Christi zu seiner Kirche als bräutlich charakterisiert. Als Haupt der Kirche ist auch er gewissermaßen "ein Fleisch" mit seinen Gliedern, den Gläubigen. Treffend und schön sagt es im Jahre 2000 die Erklärung "Dominus Iesus": "Wie das Haupt und die Glieder eines lebendigen Leibes zwar nicht identisch sind, aber auch nicht getrennt werden können, dürfen Christus und die Kirche nicht miteinander verwechselt, aber auch nicht voneinander getrennt werden. Sie bilden zusammen den einzigen 'ganzen Christus'. Diese Untrennbarkeit kommt im Neuen Testament auch durch den Vergleich der Kirche als der Braut Christi zum Ausdruck" (16).

Eben weil die Ehegemeinschaft von Mann und Frau hinein genommen wird in diese Gemeinschaft von Christus und Kirche, bekennen wir sie als Sakrament.

3. Die Ehe ist von ihrem Wesen her auf die Familie hin geordnet. Die Kinder, die den Eheleuten geschenkt werden, verleihen deren Liebe Gestalt. So vertraut Gott den Eltern eine wichtige Rolle in seinem Schöpfungswerk an: Wie die Bibel sagt, dass der Schöpfer den Menschen "als sein Abbild, ihm ähnlich" (Gen 1,26) erschafft, so heißt es später fast wortgleich von Adam, dass er einen Sohn zeugte, "der ihm ähnlich war, wie sein Abbild" (Gen 5,3). Wo Ehe zur Familie wird, da gelangen wir sozusagen an die Schnittstelle zwischen der Geschöpflichkeit des Menschen und seiner eigenen Schöpferkraft. Das Zweite Vatikanische Konzil betont daher die Mitwirkung der Eheleute "mit der Liebe des Schöpfers und Erlösers, der durch sie seine eigene Familie immer mehr vergrößert und bereichert. In ihrer Aufgabe, menschliches Leben weiterzugeben und zu erziehen, die als die nur ihnen zukommende Sendung zu betrachten ist, wissen sich die Eheleute als mitwirkend mit der Liebe Gottes, des Schöpfers, und gleichsam als Interpreten dieser Liebe“ (Pastoralkonstitution "Gaudium et spes", 50).

Ein von Herzen kommendes Ja zur Nachkommenschaft ist nach diesen Worten des Konzils mehr als eine Privatangelegenheit zweier Menschen. Es ist Teil ihrer besonderen Sendung als christliche Eheleute. Indem sie mit der Schöpferkraft Gottes zusammenwirken, bauen sie nicht nur die Gesellschaft auf, sondern auch die Kirche Gottes. So gehört die Familie zum unverzichtbaren Bestandteil der bleibenden Sendung der Kirche, das Evangelium zu verbreiten. Machen wir uns vor diesem Hintergrund erneut bewusst: Kinderreichtum ist ein Segen! Die jungen Eheleute ermutige ich daher zu einem hochherzigen Ja zum Kind. Auch die Kirche und die Gesellschaft sind auf dieses Ja angewiesen!

Gott liebt nicht nur; nach den Worten des 1. Johannesbriefes ist er selbst Liebe (4,8.16). Obgleich er der eine und einzige Gott ist, lebt er sein Leben nicht in einsamer, kalter Verschlossenheit, sondern in der lebendigen Gemeinschaft dreier Personen: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Das hat Folgen für das Verständnis der Familie, die ich am Beispiel einer Dreifaltigkeitsikone erläutern möchte: Diese zeigt am oberen Rand des Bildes Gott Vater, direkt unter ihm die Geisttaube und darunter den Mensch gewordenen Sohn Jesus Christus als Knaben. Neben dieser vertikalen Gotteslinie steht "Sanctissima Trinitas increata", dsd heißt die ungeschaffene Heiligste Dreifaltigkeit. Neben Jesus stehen rechts Maria und links der heilige Josef. Unter dieser horizontalen Menschenlinie steht: "Sanctissima Trinitas creata" – die geschaffene Heiligste Dreifaltigkeit.

Diese Ikone setzt ins Bild, was uns der Katechismus der Katholischen Kirche lehrt: "Die christliche Familie ist eine Gemeinschaft von Personen, ein Zeichen und Abbild der Gemeinschaft des Vaters und des Sohnes im Heiligen Geist" (2205).

4. Welche Konsequenzen ergeben sich nun aus der Erkenntnis, dass die aus der Ehe erwachsende Familie ein geschöpfliches Abbild des dreifaltigen Gottes ist?

Wir bekennen den einen Gott als denjenigen, der sich nicht nur in unterschiedlichen Erscheinungs- und Gegenwartsweisen offenbart, sondern tatsächlich in drei Personen existiert. Gott ist Einheit in Vielfalt – und auf ähnliche Weise sollen auch Ehe und Familie sich so darstellen.

Frau und Mann nehmen einander ganz an, aber nicht in Besitz. Sie geben sich einander ganz zu eigen, werden dadurch aber nicht Eigentum des anderen. Wahre Liebe lässt sich also auch am Respekt vor dem Ehepartner und an dem achtungsvollen Umgang mit ihm erkennen!

Vater, Sohn und Heiliger Geist sind drei eigenständige Personen, aber zugleich nur ein Gott. Mann und Frau werden in der Ehe ebenfalls eins, ohne ihre unverwechselbare Eigenart zu verlieren.

Die christliche Ehe zeichnet sich gerade dadurch aus, dass zwei in Leib und Seele grundlegend unterschiedliche Menschen frei ihr Ja zueinander sagen. Der eine Ehepartner geht nicht sozusagen im anderen auf: Mann und Frau sind und bleiben eigenständige Personen mit eigenen Persönlichkeiten.

Dieser Respekt, diese Achtung der Person und Persönlichkeit des anderen, wird für die Liebe zweier Menschen tragfähig und verbindlich, wenn aus dem anfänglichen Verliebtsein eine tiefe Liebe wächst. Wer voraussetzt, dass im alltäglichen Eheleben der Reiz der ersten Wochen und Monate erhalten bleibt, wird unweigerlich Schiffbruch erleiden. Gewohnheit und Alltag werden so zum Prüfstein echter Liebe. In der Geheimen Offenbarung wirft Gott der Gemeinde in Ephesus vor, dass sie ihre erste Liebe verlassen hat (vgl. Offb 2,4). Mit dieser "ersten Liebe" ist gerade nicht eine anfängliche, oberflächliche Faszination gemeint, sondern die reine, starke und ursprüngliche Hinwendung zu Gott, der "uns zuerst geliebt hat" (1 Joh 4,19). Ob eine Gemeinde sich ihre erste Liebe zum unbeirrbar treuen Gott bewahrt, erweist sich weniger in ihren "Flitterwochen" als in Verfolgungen und Prüfungen. In diesem
Sinne bietet uns eine in Jahren und Jahrzehnten erprobte Liebe unter Eheleuten ein Sinnbild für beständigen Glauben.

An dieser Stelle ist es mir ein Anliegen, allen Eheleuten zu danken, die nicht nur in den guten Tagen, sondern auch in weniger guten ausgeharrt haben. Ihre gelebte und bewährte Treue ist ein unübersehbares Zeugnis der Liebe und Treue Gottes zu den Menschen und eine Ermutigung für alle, die in Versuchung sind, diesen Weg der Treue zu verlassen.

5. Anspruch auf Achtung und Respekt vor seiner Persönlichkeit hat aber auch das Kind, durch das die Ehe zur Familie wird. Der Katechismus weist eigens darauf hin, dass alle Familienmitglieder "Personen gleicher Würde" sind (KKK 2203). Auch wenn das Kind zunächst noch ganz von den Eltern abhängt und auf ihre Zuwendung und Fürsorge angewiesen ist, müssen wir in ihm einen eigenständigen Menschen sehen. Das gilt vom Moment der Empfängnis an: Der Embryo entwickelt sich als Mensch, nicht zum Menschen.

So sehr Eltern das Recht und die Pflicht zur Erziehung haben, so sehr müssen sie sich stets vor Augen halten, dass ihr Kind eine von Gott geliebte Person ist. Die Kinder sind Mensch gewordene Liebe Gottes zu den Eltern. Erneut bietet sich hier ein Blick auf die Dreifaltigkeit an: Man bezeichnet den Heiligen Geist gerne als die "Liebe in Person", die Gott Vater und Sohn miteinander verbindet. In einem analogen, entfernten Vergleich könnten wir die Kinder als Mensch gewordene Liebe Gottes und der Eltern bezeichnen.

So tragen sowohl Eltern als auch Kinder zur gegenseitigen Heiligung innerhalb der Familie bei, indem sie die Liebe und Zuwendung Gottes gegenwärtig setzen. Darüber hinaus bestärken sie sich als "Hauskirche" aber auch aktiv, durch Wort und Tat, im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe. In der Familie nimmt die Kirche damit Gestalt an, erhält konkrete Züge und Konturen.

6. "Stark wie der Tod ist die Liebe", sagte das Hohelied. Gläubige, die Christus als den Auferstandenen bekennen, können noch weiter gehen und bezeugen, dass die Liebe sogar stärker ist als der Tod.

Wo Gottes Liebe einbricht in die Welt, wo sie in Ehe und Familie Gestalt annimmt, da hat der Tod nicht mehr das letzte Wort. Menschen, die unverbrüchlich zueinander stehen, schaffen eine Zivilisation der Liebe und bilden so einen Schutzwall gegen die Todesmächte der Vergänglichkeit und des Zerfalls.

Auf dem hier gezeichneten Hintergrund können wir Katholiken Ehe und Familie nicht als rein weltliche Dinge betrachten; wohl aber wollen und müssen sie inmitten unserer Welt gelebt werden. Dies erfordert die konkrete Unterstützung der Gesellschaft, deren Urzelle die Familie ist. Da Ehe und Familie dem Willen, ja dem Wesen Gottes entspringen, genießen sie eine einzigartige Stellung. Sie sind nicht dem Wandel der jeweiligen kulturellen, politischen oder sozialen Großwetterlage unterworfen und lassen sich durch keine andere Form der Partnerschaft ersetzen.

Dieses Wissen muss sich auch in der staatlichen Familienpolitik und Rechtsprechung niederschlagen. Der Staat kann nicht die Familie ersetzen. Die Familie ist aber auf den umfassenden Schutz des Staates sowie auf vielfältige Unterstützung durch die Gesellschaft und ihre verschiedenen Institutionen angewiesen. Dennoch ist das Verhältnis zwischen Familie und Gesellschaft keineswegs einseitig; die Familie hat ihrerseits auch viel zu geben. Staat und Gesellschaft können nicht daran interessiert sein, den Boden, auf dem sie selbst wachsen, zu vernachlässigen oder gar zu vergiften. In diesem Sinne erinnert die Kirche den Staat an seine Verantwortung, sieht jedoch auch sich selbst in die Pflicht genommen.

Das Jahr 2007 wird in unserem Erzbistum das Thema Ehe und Familie zum pastoralen Schwerpunkt haben. Mit den Gremien auf der Ebene des Erzbistums werden wir in diesem Jahr geeignete pastorale Initiativen vorbereiten, die 2007 greifen und Ehe und Familie konkret stärken und fördern sollen. Ebenso bitte ich alle Gruppen und Verbände, vor allem aber auch die Mitbrüder und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Seelsorgebereichen: Stellen Sie sich in Ihren Gremien und Gemeinschaften der Frage: "Was können wir konkret unternehmen, um Ehe und Familie zu stärken und zu fördern?"

Teilen Sie mir bitte Ihre Ideen mit! Für jede Anregung bin ich dankbar, die hilft, dass Ehe und Familie neu in den Herzen der Gläubigen erwachen – nicht zuletzt in denen der Jugendlichen. Gott selbst hat den jungen Menschen die Sehnsucht nach Zuwendung und Liebe, Treue und Verlässlichkeit ins Herz gepflanzt. Im Rückblick auf viele Gespräche während des Kölner Weltjugendtages hoffe ich zuversichtlich, dass diese Sehnsucht sich zunehmend wieder Bahn brechen wird. Das ist doch ein lohnendes Ziel: sich öffentlich zu dem Menschen zu stellen, den man liebt, und die gegenseitige Liebe und Treue in einer christlichen Ehe zu leben!

Auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria und des heiligen Josef segne Sie und Ihre Familien der dreifaltige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Köln, am Mariä Lichtmesstag 2006

Ihr
+Joachim Kard. Meisner
Erzbischof von Köln

[Vom Erzbistum Köln zur Verfügung gestelltes Original]
Italian Vangelo in difficoltà nel Vecchio Continente colpa di «un ateismo a forma di religione»
Mar 17, 2006
È l'Europa «la nuova terra di missione», poiché «mentre la Chiesa cresce in tutto il mondo, in Europa diminuisce».

(Il Tempo, 11 marzo 2006) E non è improbabile che tra un po' di anni in Europa vi saranno missionari africani o sudamericani, e sarà così invertita la prassi che nei secoli passati ha sempre visto missionari europei partire alla «conquista» dei nuovi mondi e mai viceversa.

È quanto ha detto ieri il cardinale arcivescovo di Colonia, Joachim Meisner, intervenendo presso la Pontificia Università Urbaniana al convegno internazionale promosso dalla congregazione per l'evangelizzazione dei popoli, sui quaranta anni del decreto conciliare «Ad gentes» relativo all'attività missionaria della Chiesa. Meisner — che è oggi uno dei porporati coi quali Benedetto XVI si confida maggiormente soprattutto circa le questioni inerenti la crisi della fede che investe oramai in modo preoccupante l'Europa intera — ha voluto parlare senza nascondere le difficoltà che vive l'annuncio del vangelo nel vecchio continente:

«I paesi una volta considerati terra di missione — ha spiegato Meisner parlando di quei paesi nei quali storicamente la Chiesa ha inviato il maggior numero di missionari — si sono trasformati in chiese locali sicure di sé, che da parte loro diventano attivamente missionarie» riuscendo anche a sostenersi a vicenda. «Se il lavoro missionario per secoli è stato una via a senso unico dai popoli europei ad altri popoli — ha detto ancora Meisner — oggi fra le chiese esiste uno scambio sempre maggiore». Ma perché il cattolicesimo arretra in Europa? Perché laddove un tempo esistevano terre ricche di monasteri e conventi, oggi vi sono chiese vuote e ignoranza circa la fede cattolica?

«I paesi dell'Est — ha spiegato Meisner — per molto tempo si sono trovati sotto il dominio comunista e sono in parte ancora sotto tale influsso: qui i cristiani per decenni sono stati oppressi massicciamente e quindi sono nettamente in minoranza». Mentre «gli abitanti delle regioni occidentali — ha proseguito il porporato — godono dal dopoguerra della libertà, ma si trovano esposti ad altri influssi, che in parte non sono meno pericolosi per la vita del cristianesimo». In particolare, secondo il cardinale tedesco che l'estate passata aveva ospitato nella sua diocesi la prima Giornata Mondiale dei Giovani dell'era Ratzinger, la crisi della fede che sta investendo l'Europa e in generale tutto l'Occidente, è dovuta a quello che lui ha definito un «ateismo a forma di religione». Si è persa la fede «nel Dio personale e trinitario» e ognuno dice di credere vagamente in un Dio che però, nella pratica, dista e di parecchio dal Dio cristiano.

E oggi il cardina Martino ha sfumato i toni della sua dichiarazione sull’insegnamentod el Corano nelle scuole. Il Vaticano ricorda che quella era «l’opinione personale di un cardinale, magari condivisibile ma non rappresenta la Santa Sede» e che comunque la questione dell'insegnamento della religione «è di competenza della Chiesa italiana». Alcuni vescovi osservano, invece, che l'ora di religione islamica implica una trattativa tra lo Stato e l'Islam italiano ma che questo finora, come dimostra l'assenza di una Intesa, non ha trovato una espressione rappresentativa di tutte le sue anime. E il cardinal Martino corregge: «La disponibilità all'insegnamento della religione islamica negli ordinamenti scolastici va fatta con quella prudente valutazione che comporta, da parte della comunità islamica, il rispetto e la valorizzazione del cristianesimo e dei valori che, ad esso ispirati, hanno dato forma alla cultura del mondo occidentale».
German Predigt von Kardinal Meisner in Berlin
Mar 12, 2006
Bei einer Messfeier zur Frühjahrs-Vollversammlung der deutschen Bischöfe hat der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, heute mehr Ehrfurcht gefordert.

(Radio Vatikan, 08/03/2006) "Eine Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Bekenntnisse, an Gott Glaubende, Agnostiker und Atheisten zusammenleben, hat nur Bestand, wenn ihre Mitglieder von gegenseitiger Achtung und Respekt vor der Überzeugung und dem Glauben der anderen durchdrungen sind", so Meisner. "Achtung und Respekt aber lassen sich nicht nur per Gesetz erzwingen oder verordnen. Wo sie fehlen, fehlen einer Gesellschaft auch die anderen Grundlagen des Zusammenlebens... Es ist ein Gebot der Stunde für uns in Deutschland, in Westeuropa und in aller Welt, Ehrfurcht zur wichtigsten Haltung zu proklamieren und zu praktizieren."

Wir dokumentieren hier die Predigt Kardinal Meisners im vollen Wortlaut.

"Liebe Mitbrüder!

Das Wort „Ehrfurcht“ ist ein Fremdwort in unserer Gesellschaft geworden. Und wie eine Welt ohne Ehrfurcht aussieht, das haben wir in den letzten Wochen alle erlebt. Ehrfurchtslosigkeit macht aus dem Zusammenleben der Menschen einen Kriegsschauplatz. Wie schon das Wort sagt, bedeutet die Ehrfurcht die innere Aufmerksamkeit des Menschen, den anderen in seiner Würde nicht zu verletzen. Jeder Mensch – und das macht seine Würde aus – trägt in seinem Inneren einen Bereich, ein Heiligtum, an das niemand rühren darf. Ehrfurcht meint etwas Doppeltes: Einmal geht sie davor auf Distanz, sie fürchtet sich, das Licht und den inneren Glanz, das heilige Land im Anderen zu verletzen, und auf der anderen Seite ist sie so fasziniert von diesem Glanz, dass sie seine Nähe sucht. Man kann dieses Phänomen an der Theophanie im brennenden Dornbusch erkennen. Mose ist davon fasziniert, er sucht die Nähe des Feuers. Aber die Stimme Gottes mahnt zur Distanz: „Mose, Mose! Komm nicht näher heran! Leg deine Schuhe ab; denn der Ort, wo du stehst, ist heiliger Boden“ (Ex 3,4–5).
Man kann dasselbe im Leben Jesu in zwei Begegnungen mit Petrus nachvollziehen. Als Jesus den reichen Fischfang verursacht hatte, fällt Petrus vor ihm nieder und sagt: „Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder“ (Lk 5,8). Und als der Meister über das stürmische Meer auf die Jünger im Boot zuläuft und sich zu erkennen gibt, dass er es ist, sagte Petrus: „Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme“ Und der Herr sagt: „Komm!“ (Mt 14,28–29). Hier ist beides für die Ehrfurcht Typische: Distanz und Nähe vor der Macht Gottes in Jesus Christus; das gilt auch vor dem Glanz der Würde des Menschen. Das ist das Herz der Ehrfurcht. Hier tut der Mensch nicht, was er sonst wie selbstverständlich tut: nämlich in Besitz und für die eigenen Zwecke in Gebrauch nehmen. In der Ehrfurcht tritt er zurück und hält Abstand. Damit entsteht ein geistiger Raum, in dem das, was Achtung, Ehrerbietung, eben Ehrfurcht verdient, sich erheben und leuchten kann. In der Ehrfurcht zieht der Mensch die Hände zurück, statt zuzugreifen. Ihr Gegenstand ist die Heiligkeit Gottes und die Würde der Person, ihre Freiheit, ihr Gewissen und ihr Verantwortungsauftrag. Alle wirkliche Kultur beginnt damit, dass der Mensch vor dem Heiligen im anderen zurücktritt, nicht eindringt, nicht an sich reißt, sondern Abstand schafft, damit freier Raum entsteht, worin die Person mit ihrer Würde und Schönheit deutlich werden kann. Ehrfurcht ist nicht gegen die Freiheit aufzuwiegen, sondern die Ehrfurcht ist der Freiheit vorgeordnet und wohnt ihr inne, indem sie alles tut, um die Ehre des anderen zu schützen, zu stärken und zum Leuchten zu bringen.
Die Weihnachtsbotschaft unterstreicht das deutlich: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden“. Wem aber Gott im Himmel nicht mehr heilig ist, was wird dem auf Erden noch heilig sein? Wird ihm Friedensdienst auf Erden dann noch möglich sein? Darum ist es dem religiösen Menschen leichter, die Tugend der Ehrfurcht zu üben, als dem, der um dieses letzte Geheimnis im Menschen nicht weiß, wo er an die Wurzeln seines Daseins gerät.
Auch der ungläubige Mensch kommt nicht aus sich selbst. Und auch der nicht glaubende Mensch hat sich nicht selbst verursacht und ist nicht gefragt worden, ob er ins Dasein treten will oder nicht. Auch er erfährt sich, mit Verantwortung für sich und andere gesegnet zu sein. Es ist ein Gebot der Wahrheit, dass er sich so entgegennimmt, wie er ist und das bejaht, was ihm auf seinem Schöpfungsweg mitgegeben ist. Er trägt für sich vor den Menschen Verantwortung, dass er anderen zum Segen wird, und er hat ein Recht darauf, dass die anderen diese seine Seinsmitte, sein gleichsam profanes Heiligtum akzeptieren und bejahen, und zwar in der Weise der Ehrfurcht. Dabei gibt die Ehrfurcht vor uns selbst uns die Fähigkeit, dem Anderen Ehrfurcht zu erweisen. Dass dies dem Christen leichter fällt, zeigt die Mahnung des Apostels Paulus: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3,16). Der Mensch gehört sich also nicht selbst, sondern er gehört Gott. Er ist ein Tempel Gottes. Den darf man nicht durch Unwahrheit profanieren. Jesus sagt dazu ein wichtiges Wort: „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals im tiefen Meer versenkt würde. Wehe der Welt mit ihrer Verführung. … Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten. Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines himmlischen Vaters“ (Mt 18,6.7.10)
Wir wissen, dass mit den Kleinen nicht nur die Kinder, sondern die Gläubigen genannt sind. Auch wir Bischöfe gehören selbstverständlich selbst mit hoher Mitra dazu. In dem Herrenwort zeigt sich deutlich, dass die Unantastbarkeit und Würde jedes Menschen durch seine direkte Verbindung mit dem heiligen Angesicht Gottes gegeben ist. Für uns Christen ist der Glaube an Gott wesentlicher Bestandteil und Kern der Würde unserer Person. Er findet im Bekenntnis, in der tätigen Nächstenliebe und der gottesdienstlichen Feier einen wahrnehmbaren Ausdruck, aber dieser Glaube ist nicht etwas Äußerliches, das von außen zur Person hinzukommt, sondern gehört wesentlich von innen zu ihr. Wer im Namen der Freiheit verletzt, was Menschen heilig ist und ihn deshalb prägt, verletzt die Würde des Menschen und höhlt die Freiheit aus.
In der Gotteslästerung schneidet der Mensch diese Verbindung des Menschen zu Gott durch und liefert ihn allen anderen Angriffen menschlicher Gemeinheit aus. Gotteslästerung ist immer auch ein Verbrechen gegen den Menschen. Meinungsfreiheit ist ein hohes menschliches Gut, das ebenfalls um des Menschen willen nicht zur Disposition gestellt werden darf. Aber sie hat dort ihre Grenze, wo sie die Unantastbarkeit des Menschen verletzt. Gotteslästerung bedeutet Menschenverachtung. Auch der andere ist ein Tempel Gottes, und was ihm heilig ist, darf ich nicht verletzen oder verhöhnen. Ehrfurchtslosigkeit zerstört den Menschen in seiner tiefsten Verfasstheit. Wir reden heute von Ehrabschneidungen. Sie werden oft – auch von den Gerichten – als rechtens erkannt, wenn sie in einer so genannten künstlerischen Form geschehen. Aber die Kunst ist auch der Wahrheit verpflichtet. Wenn man sie von ihr löst, wird sie zu einem Dämon, der die Ehrfurcht untergehen lässt und die Würde des Menschen niederwalzt. Wo Kunst Mittel zum Zweck wird, dort ist sie schon verdorben.
Aber die verletzte Würde des Menschen ist nicht mit Gewalt zu heilen, da deren Gebrauch nicht nur das zerstört, wogegen sie gerichtet ist, sondern vor allem und am tiefsten immer auf den zurückschlägt, der sich für sie entschieden hat. In diesem Sinne sagt Sokrates: „Glücklicher ist das Opfer des Mordes als sein Mörder … Das Opfer hört auf zu leben, aber der Mörder verdammt sich selbst bis ans Ende seiner Tage zur Gemeinschaft mit dem Mörder in sich selbst“.
Wenn wir „Ehre sei Gott in der Höhe“ beten, dann fügen wir sofort hinzu: „und Friede den Menschen auf Erden“. Die Ehrfurcht unter den Menschen hat ihre Ursache in der Ehrfurcht vor Gott. Soll die Welt menschenwürdig bleiben, dann muss sie wieder gottesfürchtig werden. Dann kann ich sagen: „Fürchte Gott und scheue niemand!“ Dort wird auch der Mensch nicht verletzt, wo Gott gefürchtet wird, und zwar Gottesfurcht in dem Sinne, dass sie alle Sorgfalt darauf aufbringt, sich Gottes Heiligkeit zu nähern und gleichzeitig die Distanz als Geschöpf gegenüber dem Schöpfer zu wahren. Nähe zu suchen und Distanz zu wahren, zu Gott und zu den Menschen, das ist das Geheimnis der Ehrfurcht.
Wir schauen nochmals auf Mose vor dem brennenden Dornbusch in der Wüste. Er steht da mit bloßen Füßen. Denn die Heiligkeit des Ortes ergreift sein Herz und seinen Leib. Und dazu ein Gegenbild: Vor ca. 5 Jahren nutzten ein Mann und eine Frau während der Besichtigungszeiten die hohe Besucherzahl im Kölner Dom aus, um sich obszön gemeinsam nackt auf den Altar zu legen. Zwischen beiden Bildern liegen nicht nur Welten, sondern Abgründe. Eine Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Bekenntnisse, an Gott Glaubende, Agnostiker und Atheisten zusammenleben, hat nur Bestand, wenn ihre Mitglieder von gegenseitiger Achtung und Respekt vor der Überzeugung und dem Glauben der anderen durchdrungen sind. Achtung und Respekt aber lassen sich nicht nur per Gesetz erzwingen oder verordnen. Wo sie fehlen, fehlen einer Gesellschaft auch die anderen Grundlagen des Zusammenlebens. Ehrfurcht will geübt werden. Ehrfurcht ist eine Haltung und Haltungen entstehen durch Handlungen.
Es ist ein Gebot der Stunde für uns in Deutschland, in Westeuropa und in aller Welt, Ehrfurcht zur wichtigsten Haltung zu proklamieren und zu praktizieren. Gehen wir als Jünger Jesu darin mit gutem Beispiel voran. Amen."
German Meinungsfreiheit nicht absolut setzen
Mar 11, 2006
Vor dem Hintergrund des Karikaturenstreits hat der Kölner Kardinal Joachim Meisner eine Verabsolutierung der Meinungsfreiheit zurückgewiesen.

(Kipa, 10.03.2006) Zwar sei sie ein hohes menschliches Gut und dürfe um des Menschen willen nicht zur Disposition gestellt werden. Meinungsfreiheit finde aber dort ihre Grenzen, wo Gott gelästert werde. Meisner weiter: "Wer im Namen der Freiheit verletzt, was Menschen heilig ist, verletzt die Würde des Menschen und höhlt die Freiheit aus."

Gotteslästerung auch ein Verbrechen gegen den Menschen

Gotteslästerung bedeute Menschenverachtung und sei damit immer auch ein Verbrechen gegen den Menschen, so der Kardinal. Nachdrücklich mahnte er zur Ehrfurcht gegenüber Grundhaltungen anderer. "Ehrfurchtlosigkeit macht aus dem Zusammenleben der Menschen einen Kriegsschauplatz", sagte er unter Verweis auf die Ausschreitungen in den vergangenen Wochen.

"Ein Gebot der Stunde"

Es sei in Deutschland und anderen Ländern "ein Gebot der Stunde", Ehrfurcht als wichtigste Haltung zu praktizieren, forderte Meisner. Dabei liessen sich Achtung und Respekt nicht nur per Gesetz verordnen. Vielmehr müssten sie als Grundhaltung eingeübt werden. Der Kardinal warnte, wo grundlegender Respekt ausbleibe, da fehlten auch die anderen Grundlagen des Zusammenlebens.

Achtung vor dem Glauben anderer – auch in der Kunst

Damit Menschen verschiedener religiöser und weltanschaulicher Bekenntnisse – an Gott Glaubende, Agnostiker und Atheisten – auf Dauer zusammenleben könnten, müssten sie von Achtung vor der Überzeugung und dem Glauben der anderen durchdrungen sein.

Meisner bemängelte, heute würden auch Ehrfurchtslosigkeit und Ehrabschneidungen von den Gerichten als rechtens erkannt, wenn sie in einer "so genannten künstlerischen Form geschehen". Auch die Kunst sei aber der Wahrheit verpflichtet. Davon losgelöst werde sie zu einem Dämon, "der die Würde des Menschen niederwalzt".
German Buße ist "Weg der Befreiung zur Wahrheit"
Mar 04, 2006
Die Botschaft der 40-tägigen Bußzeit mit ihrem Aufruf zur Umkehr und zur Befreiung durch die Wahrheit stellte Erzbischof Joachim Kardinal Meisner ins Zentrum seiner Predigt zum "Aschermittwoch der Künstler" am 1. März in der Kölner Kirche Groß St. Martin.

KÖLN, 1. März 2006 (ZENIT.org).- Der 94. Bischof in der Nachfolge des Heiligen Maternus veranschaulichte diese programmatische Aufforderung am Beispiel eines Bildhauers: "Er muss die im Block verborgene Statue, die er in sich trägt, freimachen, indem er die sie umhüllenden Steinmassen entfernt, weghaut und wegmeißelt." Und er fügte hinzu: "Auch bei uns muss Manches, was uns deformiert, entfernt werden."

Das größte Kunstwerk Gottes sei der Mensch. Dieses Kunstwerk von allen Übermalungen und Veränderungen zu befreien, um die von Gott gedachte Ursprungsgestalt wiederherzustellen, sei die Aufgabe der kommenden Wochen. "Diesen Weg der Befreiung zur Wahrheit nennen wir Buße. Darum bedeutet österliche Bußzeit, zu seinem Ursprung zurückzukehren, zur Wahrheit seiner selbst zurückzufinden."

Künstler müssten eigentlich die Not Gottes um den Menschen am ehesten verstehen, weil sie oft darunter litten, dass ihr Werk entstellt, verfälscht und verändert werde. Die Idee des Bildes etwa, die sie in sich getragen und dann mit viel Kraft nach außen hin gestaltet hätten, werde mitunter durch die oberflächliche Korrektur eines anderen verfälscht und verdorben. "Kunst aber muss wahr sein, sonst ist sie Lüge und verliert ihren verpflichtenden Charakter", so der Kardinal. Jeder Künstler müsse sich in der Pflicht sehen, wahrhaftig zu arbeiten und nicht um der allgemeinen Zustimmung willen verkrümmen, was gerade, und das zu verflachen, was tief sein sollte. Kunst dürfe sich nicht instrumentalisieren und verführen lassen "zum Kampf gegen hohe und höchste menschliche Ideale".

Kardinal Meisner stellte in seiner Predigt fest, dass der Künstler "zum Hebammendienst berufen" sei. "Die Welt ist Schöpfung Gottes. Selbst wer das nicht weiß, der sieht, dass unser Dasein geordnet, strukturiert und kosmisch gestaltet ist. Unsere Welt ist nicht nur Vorhandensein, sondern sie ist Dasein. Von ihr geht eine Botschaft aus. Und wer diese Botschaft vernimmt – dafür haben wir Vernunft bekommen – und sich nach dieser Botschaft richtet im Reden, Handeln, Denken und im Tun, der handelt seinsgerecht, wirklichkeitsgerecht und damit immer wahr und gut. Darum beginnt alles künstlerische Tun damit, dass ich auf die Botschaft des Daseins, der Wahrheit, höre und achte." Nur wer dies beherzige, werde fähig, dem Gehörten Gestalt in Wort, Ton, Stein oder Holz zu geben – gewissermaßen als verlängerte Hand des Schöpfers.

Österliche Bußzeit bedeute auch, das eigene Berufsethos zu erneuern und der eigenen Berufung erneut inne zu werden. Selten seien so viele Absichten, Wünsche und Sehnsüchte des Menschen derart verfälscht worden wie heute, so dass er sich mitunter nicht mehr selbst erkenne. "Darum ist das Gebot der Stunde, Rückkehr zu halten zu meinem eigenen Bild, das Gott von Ewigkeit her in seinem Herzen trägt und bejaht, und Rückkehr zu halten zu der Wahrheit der Dinge, denen Gott sein Siegel eingeprägt hat", betonte der Erzbischof.

Aus weiten Teilen Deutschlands waren die Vertreter der unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen zu dieser traditionellen Begegnung am Morgen des Aschermittwochs zusammen gekommen, um mit Kardinal Meisner den Gottesdienst zu feiern und das Aschenkreuz zu empfangen. In jedem Jahr lädt der Kölner Erzbischof stellvertretend für alle Kunstschaffenden aus den Bereichen Architektur, Bildende Kunst, Theater, Musik, Literatur und Medien zu diesem seit Jahrzehnten etablierten Dialog von Kirche und Kunst ein, dem "Aschermittwoch der Künstler".
English German cardinal reflects on Sister Lucia's death
Mar 04, 2006
Speaking on Vatican Radio about the upcoming first anniversary of the death of Sister Lucia, Cardinal Joachim Meisner of Cologne, said the last surviving witness of the apparitions of Our Lady of Fatima was a nun “filled with common sense and trust in God.”

Feb. 15 2006 (CNA/CWNews.com) - Sister Lucia died one year ago at the Carmelite Monastery of Coimbra. Francisco and Jacinta Marto, the other two children who witnessed the apparitions, were beatified by Pope John Paul II (bio - news) in 2000. Cardinal Meisner, who was a personal acquaintance of Sister Lucia, shared his memories of the late nun with Vatican Radio. He remembered her as “a very sober religious; she was the treasurer of the monastery. She was a sister full of good humor, common sense and great trust in God,” he said. Recalling his last visit with her three years ago in Fatima, the cardinal said he brought her a white cassock as a gift from Pope John Paul II “As I gave it to her,” he said, “she took it into her hands and said, ‘It would have been even better if the Pope came with it’.” Sister Lucia died in 2005 at the age of 97. The Church celebrates the feast of Francisco and Jacinta Marto on February 20. This Sunday the body of Sister Lucia will be transferred to the Basilica at Fatima.
German Buße ist "Weg der Befreiung zur Wahrheit"
Mar 04, 2006
Die Botschaft der 40-tägigen Bußzeit mit ihrem Aufruf zur Umkehr und zur Befreiung durch die Wahrheit stellte Erzbischof Joachim Kardinal Meisner ins Zentrum seiner Predigt zum "Aschermittwoch der Künstler" am 1. März in der Kölner Kirche Groß St. Martin.

KÖLN, 1. März 2006 (ZENIT.org).- Der 94. Bischof in der Nachfolge des Heiligen Maternus veranschaulichte diese programmatische Aufforderung am Beispiel eines Bildhauers: "Er muss die im Block verborgene Statue, die er in sich trägt, freimachen, indem er die sie umhüllenden Steinmassen entfernt, weghaut und wegmeißelt." Und er fügte hinzu: "Auch bei uns muss Manches, was uns deformiert, entfernt werden."

Das größte Kunstwerk Gottes sei der Mensch. Dieses Kunstwerk von allen Übermalungen und Veränderungen zu befreien, um die von Gott gedachte Ursprungsgestalt wiederherzustellen, sei die Aufgabe der kommenden Wochen. "Diesen Weg der Befreiung zur Wahrheit nennen wir Buße. Darum bedeutet österliche Bußzeit, zu seinem Ursprung zurückzukehren, zur Wahrheit seiner selbst zurückzufinden."

Künstler müssten eigentlich die Not Gottes um den Menschen am ehesten verstehen, weil sie oft darunter litten, dass ihr Werk entstellt, verfälscht und verändert werde. Die Idee des Bildes etwa, die sie in sich getragen und dann mit viel Kraft nach außen hin gestaltet hätten, werde mitunter durch die oberflächliche Korrektur eines anderen verfälscht und verdorben. "Kunst aber muss wahr sein, sonst ist sie Lüge und verliert ihren verpflichtenden Charakter", so der Kardinal. Jeder Künstler müsse sich in der Pflicht sehen, wahrhaftig zu arbeiten und nicht um der allgemeinen Zustimmung willen verkrümmen, was gerade, und das zu verflachen, was tief sein sollte. Kunst dürfe sich nicht instrumentalisieren und verführen lassen "zum Kampf gegen hohe und höchste menschliche Ideale".

Kardinal Meisner stellte in seiner Predigt fest, dass der Künstler "zum Hebammendienst berufen" sei. "Die Welt ist Schöpfung Gottes. Selbst wer das nicht weiß, der sieht, dass unser Dasein geordnet, strukturiert und kosmisch gestaltet ist. Unsere Welt ist nicht nur Vorhandensein, sondern sie ist Dasein. Von ihr geht eine Botschaft aus. Und wer diese Botschaft vernimmt – dafür haben wir Vernunft bekommen – und sich nach dieser Botschaft richtet im Reden, Handeln, Denken und im Tun, der handelt seinsgerecht, wirklichkeitsgerecht und damit immer wahr und gut. Darum beginnt alles künstlerische Tun damit, dass ich auf die Botschaft des Daseins, der Wahrheit, höre und achte." Nur wer dies beherzige, werde fähig, dem Gehörten Gestalt in Wort, Ton, Stein oder Holz zu geben – gewissermaßen als verlängerte Hand des Schöpfers.

Österliche Bußzeit bedeute auch, das eigene Berufsethos zu erneuern und der eigenen Berufung erneut inne zu werden. Selten seien so viele Absichten, Wünsche und Sehnsüchte des Menschen derart verfälscht worden wie heute, so dass er sich mitunter nicht mehr selbst erkenne. "Darum ist das Gebot der Stunde, Rückkehr zu halten zu meinem eigenen Bild, das Gott von Ewigkeit her in seinem Herzen trägt und bejaht, und Rückkehr zu halten zu der Wahrheit der Dinge, denen Gott sein Siegel eingeprägt hat", betonte der Erzbischof.

Aus weiten Teilen Deutschlands waren die Vertreter der unterschiedlichen künstlerischen Disziplinen zu dieser traditionellen Begegnung am Morgen des Aschermittwochs zusammen gekommen, um mit Kardinal Meisner den Gottesdienst zu feiern und das Aschenkreuz zu empfangen. In jedem Jahr lädt der Kölner Erzbischof stellvertretend für alle Kunstschaffenden aus den Bereichen Architektur, Bildende Kunst, Theater, Musik, Literatur und Medien zu diesem seit Jahrzehnten etablierten Dialog von Kirche und Kunst ein, dem "Aschermittwoch der Künstler".
German Ein richtiger Christ ist immer ,verrückt’
Feb 09, 2006
Der „Speckpater“ müsste unter die „positiven Revolutionäre“ eingereiht werden, sagte der Kölner Erzbischof bei der Gedächtnismesse für P. Werenfried van Straaten.

Köln (www.kath.net, 31. Januar 2006) „Gott möchte uns von unserem Status quo wegrücken in den Status, den er für uns bereitet hat, sodass ein richtiger Christ immer ein Verrückter sein muss.“ Das sagte der Kölner Kardinal Joachim Meisner in seiner Predigt zur Gedächtnismesse für Pater Werenfried van Straaten am Samstag im Hohen Dom zu Köln.

Pater Werenfried, der Gründer von „Kirche in Not / Ostpriesterhilfe“ sei ein solcher Mensch gewesen, den Gott sichtbar weggerückt habe und an eine Stelle gesetzt habe, von der aus er die Welt verändert habe. „Eigentlich müsste Pater Werenfried unter die großen positiven Revolutionäre eingereiht werden, die die Welt zum Besseren verändert haben“, meinte Meisner.

Pater Werenfried sei zunächst nicht der große „Sozialapostel“ gewesen, „sondern er war ein Mann Gottes, den die Wirklichkeit des lebendigen Gottes überfallen und enteignet hat zugunsten der anderen“, sagte der Kölner Erzbischof. „Ihm ging es um die Wahrheit des Evangeliums und nicht zuerst um soziale Veränderung. Letzteres ist nur die Konsequenz des ersteren.“

Pater Werenfried sei es immer zuerst um die Verkündigung des katholischen Glaubens in seiner ganzen Fülle gegangen. „Das hat seinem Werk diese enorme Intensität und Extensität gegeben.“ Das von ihm gegründete Werk „Kirche in Not/Ostpriesterhilfe“ ist nach Ansicht des Kardinals „nicht zuerst unter die großen Hilfswerke der katholischen Kirche in Europa zu zählen, sondern es gehört zu den geistlichen Bewegungen, die in der Kirche nach der Katastrophe des 2. Weltkrieges aufgebrochen sind“.

Pater Werenfried sei der „große Sprecher für die schweigende Kirche“ gewesen, betonte Meisner. „Er war wirklich der Untergrundkämpfer, der auf vielfache Weise versuchte, den Eisernen Vorhang zu unterlaufen, und zwar nie und nimmer durch politische Mittel, sondern immer mit den Gaben der Wahrheit und der Liebe Gottes.“
German Die Enzyklika des Papstes zeigt die ganze Würde des Menschen
Feb 02, 2006
"Die Enzyklika des Papstes sollte Pflichtlektüre jedes Christen sein"

ROM, 27. Januar 2006 (ZENIT.org).- In einer heute, Freitag, veröffentlichten Erklärung betont Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, dass "Deus caritas est" ("Gott ist die Liebe") nicht eine "billige Aussage über Gott" sei, sondern vielmehr "das Göttliche, was man überhaupt über Gott aussprechen kann, und zugleich das Höchste, was über den Menschen gesagt werden kann".

Es sei ein gutes Zeichen, so der Kardinal, "dass die erste Enzyklika von Papst Benedikt XVI. 'Deus caritas est – Gott ist die Liebe' eine so gute Aufnahme gefunden hat. Es erweckt den Anschein, als ob die Menschen auf den Inhalt dieser Enzyklika schon lange gewartet hätten, und in der Tat gibt es keine einfachere und tiefere Botschaft für den Menschen als diese Anfangsworte der Enzyklika, die zugleich ihren Inhalt treffend wiedergeben: Gott ist die Liebe. Das ist keine billige Aussage über Gott, sondern es ist das Göttliche, was man überhaupt über Gott aussprechen kann, und zugleich das Höchste, was über den Menschen gesagt werden kann: dass er von Gott geliebt ist."

In dieser Wahrheit liege "seine ganze Würde und Unantastbarkeit begründet. Dass Gott den Menschen liebt und der Mensch von Gott geliebt wird, ist nicht nur ein rein geistiger Vorgang, sondern umfasst den Menschen in seiner ganzen Leibhaftigkeit, wie der Papst aufzeigt. Die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau ist zum Beispiel eine solche Entsprechung dieser leib-seelischen Liebe."

Die Kirche sei mit dieser Botschaft gesegnet worden, um hinauszugehen in die Welt, fuhr Kardinal Meisner fort. "Sie hat die Wahrheit zu verkünden (Martyria), sie hat das Leben zu spenden (Liturgia) und sie hat die Liebe zu üben (Caritas beziehungsweise Diakonia)." Die Caritasarbeit der Kirche sei nicht "ein soziales Hobby, das sich die Kirche leisten kann, wenn es ihr gut geht, sondern sie gehört wesentlich in ihren Auftrag hinein. Wo der Gottesdienst nicht verbunden wird mit der Caritas, wird er zum bloßen Ritus. Wo die Verkündigung nicht fruchtbar wirkt in der Caritas, wird sie zur Ideologie. Und wo die Caritas nicht eingebunden ist in Verkündigung und Gottesdienst, wird sie zur Sozialhilfe."

Die Enzyklika des Papstes sollte Pflichtlektüre jedes Christen sein, "namentlich der Priester, Diakone und aller im hauptamtlichen Dienst in Pastoral und Caritas stehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aber sie ist auch jedem interessierten Menschen guten Willens zur Lektüre sehr zu empfehlen. Man legt sie bereicherter aus der Hand."
German Verabschiedung von Weihbischof Trelle nach Hildesheim
Jan 30, 2006
"Sich nicht selbst zu gürten, das heißt sich nicht selbst zu organisieren, sondern verfügbar, versetzbar und transferierbar zu sein und zu bleiben, gehört zum Lebensstil eines Jüngers Jesu", erklärte Joachim Kardinal Meisner, als er am 8. Januar 2006 seinen Weihbischof Norbert Trelle (63), den künftigen Bischof von Hildesheim, im Rahmen eines Festgottesdienstes im Kölner Dom verabschiedete.

Der Kardinal, den heute, Mittwoch, Papst Benedikt XVI. zu einer privaten Audienz im Vatikan empfangen hat, betonte in seiner Predigt, dass diese Verfügbarkeit nicht nur für Bischöfe, sondern für jeden Christen gelte. Denn schließlich sei es "eine Binsenweisheit, dass wir hier keine bleibende Stätte haben"

Die Amtseinführung des neuen Bischofs von Hildesheim ist für den 11. Februar geplant. Zur Diözese Hildesheim zählen knapp 658.000 Katholiken in Ostniedersachsen und im Norden Bremens. Die Sedisvakanz war eine der längsten in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Erzbistum Köln war Weihbischof Trelle seit 1992 für den Pastoralbezirk Süd und die Ausländerseelsorge zuständig.

* * *

Lieber Bischof Norbert!
Liebe Schwestern und Brüder!

Am Tauffest unseres Erlösers Jesus Christus verabschieden wir unseren lieben Weihbischof Norbert Trelle nach Hildesheim. Nach dem Evangelisten Markus stellt die Taufe Jesu den Beginn seiner öffentlichen Tätigkeit dar. 30 Jahre hat er im Verborgenen gelebt, um nun drei Jahre das Reich Gottes zu verkünden und seine Verkündigung dann durch seinen Tod und seine Auferstehung zu besiegeln. Die Taufe eines Christen stellt den Anfang seines Lebens mit Gott dar, das mitunter abenteuerliche Dimensionen erreichen kann. Im Leben des heiligen Erzbischofs Norbert von Magdeburg kann unser Bischof Norbert Trelle ein wenig sein Leben vorgeprägt finden. Der heilige Norbert war auch im Rheinland ganz zu Hause und wurde nun gerufen, seine Heimat am Rhein zu verlassen, um an die Elbe zu gehen und das Erzbistum Magdeburg in einer turbulenten Zeit zu übernehmen.

"Die Welt ist meine Pfarrei", sagte der selige Papst Johannes XXIII. Darum ist die Versetzung eines Priesters oder eines Bischofs kein Ausnahmezustand, sondern eigentlich pure Normalität. In früheren Zeiten war es gang und gäbe, dass die Oberhirten einer Diözese meistens von auswärts kamen. Darum spielen Provinzen, Regionen und Landschaften eine untergeordnete Rolle. Da Seelsorge aber nicht ein Geschäft ist, sondern herzliche Begegnung von Mensch zu Mensch, bei der auch Bindungen zwischen Menschen entstehen, ist es immer schmerzlich, wenn solche Bindungen durch eine räumliche Veränderung aufgelöst werden. Und das tut auch immer ein wenig weh. Wir sind und bleiben auch als Priester und Bischöfe Menschen. Ein schmerzlicher Abschied zeugt davon, dass wir eigentlich im Sinne des Herrn gut gearbeitet haben. Der Herr hat um solche Schwierigkeiten gewusst, und darum sagt er uns ein so ernstes Wort: "Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes" (Lk 9,62).

Mitgegangen, mitgehangen! Wer einmal Ja gesagt hat zum Rufe Gottes als Christ in der Taufe und dann Ja gesagt hat zum Ruf des Herrn in Priester- und Bischofsweihe, der muss auch immer in der Bereitschaft zu neuen Aufbrüchen leben. Der Jünger Jesu lebt darum immer in der Hörweite Gottes. Das bedeutet letztlich Gehorsam: offen und erreichbar zu sein für das Wort des Herrn und fähig zu sein zum neuen Aufbruch. Gerade für den, der älter geworden ist, schließt Jesus einen Ortswechsel nicht aus, sondern geradezu ein, indem er dem Petrus sagt: "Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst" (Joh 21,28). Das trifft wirklich ganz auf unseren bisherigen Weihbischof Norbert zu. Sich nicht selbst zu gürten, d.h. sich nicht selbst zu organisieren, sondern verfügbar, versetzbar und transferierbar zu sein und zu bleiben, gehört zum Lebensstil eines Jüngers Jesu. Und es ist eine Binsenweisheit, dass wir hier keine bleibende Stätte haben. Darum muss ein Christ, namentlich ein Bischof, immer mobil bleiben.

Wir können unseren Lebensentwurf nicht in der Weise verändern, dass wir ihn verbreitern oder verlängern, wohl aber in der Weise, dass wir ihn vertiefen. Und das wird bei einem Bischof immer nötig sein! Je höher unser Lebensbaum wächst, umso tiefer muss er sich im Mutterboden verwurzeln, damit ihn der Sturm nicht umweht. Daher wird das Gebet, das heißt die Aktion in die Tiefe im Leben eines Bischofs immer die Priorität haben müssen, damit er ein guter Vertreter des Guten Hirten sein kann.

"Vater, ich falle in deine Hände", darf unser Mitbruder Norbert Trelle beten: "Sie sind weit wie das Meer, weit wie das All. Deine Hände sind mein Zuhause, ein Daheim, das die Mauern nicht kennt. Niemand kann mich verstoßen aus der Heimat deiner Hände." Darum geschieht der Ortswechsel eigentlich immer nur an der Oberfläche unseres Daseins. Der eigentliche Lebensraum bleibt derselbe: Es sind die guten und die tragenden Hände Gottes. Sie bleiben unser gemeinsamer Raum, in dem wir leben, uns bewegen und sind und uns auch immer wieder begegnen können.

An dieser Stelle danken wir unserem bisherigen Weihbischof Norbert Trelle für seinen treuen und zuverlässigen Dienst in unserer Mitte. Er wird uns wirklich fehlen! Sein guter Rat war mir immer sehr wertvoll. Sein Urteil traf die jeweilige Sache. Und sein Glaubensmut wies auch auf eine gangbare Lösung in schwierigen Situationen hin. Weihbischof Norbert erleichterte mir oft die Last der Verantwortung, die der Erzbischof letztlich nicht mehr wegdelegieren kann. Er war mir und ist mir ein wirklicher Bruder im Herrn geworden. Wir wünschen ihm von Herzen, dass ihn nun das Volk Gottes und das Presbyterium in der Diözese Hildesheim annehmen und in ihrer Mitte aufnehmen werden. Letzteres ist für einen Bischof sehr wichtig. Aber selbst, wenn es nicht gegeben wäre, hätte er Grund zur Zuversicht, da er sich nicht selbst geschickt oder gesandt hat, sondern weil Gott ihn auf den neuen Weg stellt. Und das ist das Entscheidende! "Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt" (Joh 15,16).

Die Diözese Hildesheim gehört zu den großen Diasporabistümern unseres Vaterlandes. Es ist eine Diözese der weiten Wege und der kleinen Gemeinden. Und selbst, wenn es nur eine kleine Herde ist, sind ihr die großen Verheißungen Gottes anvertraut. Und umso wichtiger ist ihr Zeugnis für ihre Mitwelt. Dem Bischof ist es – wie dem Petrus – aufgegeben: "Stärke deine Brüder (und Schwestern)!" Aber zuvor sagt der Herr: "Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt" (Lk 22,32). Auf das Gebet des Herrn für uns dürfen wir uns immer und überall verlassen. Diese Zusage des Herrn steht über allem Wandel der Zeit unerschütterlich für uns fest. Daraus findet der Bischof immer wieder die Kraft, die kleinen Gemeinden zu besuchen.

In meiner Zeit als Bischof von Berlin nahm ich einen polnischen Bischof zu einer Firmfeier mit, bei der drei Kinder das Sakrament der Firmung empfingen. Auf dem Rückweg machte mir der polnische Mitbruder den Vorschlag, es wäre doch besser, eine einzige Firmfeier für das ganze Dekanat zu halten, als seine Kräfte zu verzehren, um für drei Kinder einen eigenen Firmgottesdienst zu feiern. Ich antwortete dem Bischof damals: "Sie kommen mir vor wie ein Bauer in einer reichen fruchtbaren Gegend, wo man den Weizen mit dem Mähdrescher erntet. Ich dagegen bin wie ein Bergbauer in den Alpen, der nach einem Weizenhalm Ausschau hält. Wenn er ihn gefunden hat, läuft er zu ihm hin, bückt sich zu ihm nieder und schneidet ihn mit der Sichel ab. Und wenn er dann am Abend ein kleines Bündelchen gesammelt hat, trägt er es glücklich nach Hause." Der polnische Bischof sagte mir: "Machen sie weiter mit dieser Seelsorge der kleinen Wege!"

Der neue Bischof von Hildesheim hat eigentlich bei uns schon ein ganz gutes Noviziat hinter sich, indem er lange Jahre Pfarrer und Stadtdechant in Wuppertal gewesen ist und dort schon eine gute Einübung in den bischöflichen Dienst in der Diasporadiözese Hildesheim machen konnte. Gott tut nichts als Fügen. Wir begleiten den Weg unseres bisherigen Weihbischofs Norbert Trelle in den bischöflichen Dienst in Hildesheim mit unserem Gebet und mit unserer ganzen Sympathie. Unsere Verbundenheit mit ihm, auch über Entfernungen hinweg, wird dadurch deutlich, dass der Erzbischof den von uns scheidenden Bischof zum Ehrendomkapitular an der Hohen Domkirche in Köln ernannt hat, worin die Verbundenheit mit dem Heimatbistum deutlich werden soll. Man behält letztlich immer den Staub an den Schuhen, von dessen Ackerfeld man kommt.

Den Niedersachsen wird es an der Sprache auffallen, dass ihr neuer Bischof ein Rheinländer ist, und – so glaube ich – an vielem anderen auch. Und ich meine, Bischof Norbert Trelle wird frühestens in der Karnevalszeit merken, dass er nun in Niedersachsen lebt. Wir wünschen ihm, dass er nach der apostolischen Regel des heiligen Paulus "allen alles wird" ( vgl. 1 Kor 9,22), den Niedersachsen ein Niedersachse, aber ganz besonders dem Volke Gottes ein zuverlässiger Bischof, der die Menschen auf das Wort Gottes hin orientiert, der ihnen die Sakramente spendet als Stärkung auf ihrem Weg durch die Welt, der die Diözese fest verbindet mit der Gemeinschaft der katholischen Weltkirche, mit dem Heiligen Vater an der Spitze, und dem es letztlich gelingt, die Gemeinden seines Bistums untereinander in eine feste Verbundenheit zu bringen, indem sie einander helfen, stützen und ergänzen.

"Einer trage des anderen Last" (Gal 6,2), gibt uns der Apostel Paulus als Lebensregel mit auf den Weg. So möge sich der neue Bischof getragen wissen vom Volke Gottes im Bistum Hildesheim, und das Volk Gottes möge sich getragen wissen von der Seelsorge ihres neuen Bischofs Norbert! Und schließlich möge er sich auch getragen wissen von unserer gläubigen Verbundenheit. "Alte Liebe rostet nicht!" Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German "Falsches Denken hat falsches Handeln zur Folge"
Jan 21, 2006
30. Internationaler Soldatengottesdienst zum Weltfriedenstag im Kölner Dom.

KÖLN, 19. Januar 2006 (ZENIT.org).- Die Lüge ist der Ursprung der großen Weltkatastrophen, aber auch der kleinen Tragödien. Diese Botschaft Joachim Kardinal Meisners überbrachte der Kölner Weihbischof Manfred Melzer mehr als tausend Soldaten verschiedener Nationen und Angehörigen der Polizei, die am Donnerstagvormittag zum 30. Internationalen Soldatengottesdienst in den Köner Dom gekommen waren.

Die Heilige Messe wurde im Zeichen des Weltfriedenstages gefeiert, den Papst Benedikt XVI. in diesem Jahr unter das Motto "In der Wahrheit liegt der Friede".

Erzbischof Joachim Kardinal Meisner verwies in seiner Predigt, die wegen einer Erkrankung von Weihbischof Manfred Melzer verlesen wurde, auf die verheerenden Folgen der Unwahrheit. "Falsches Denken hat falsches Handeln zur Folge. Es gibt die Wahrheit der Dinge. Wenn der Mensch sein Denken, Sprechen und Tun nach der Wahrheit der Dinge ausrichtet, lebt und handelt, dann handelt er seinsgerecht, wahrheitsgerecht und damit gut." So gehöre auch die Würde des Menschen untrennbar zum Menschsein und sei deshalb unabhängig von Zeitströmungen immer zu respektieren. Scharf verurteilte Kardinal Meisner die Vernichtung von Lebensmitteln aus wirtschaftlichen Gründen: "Das Sein des Getreides ist zur Stillung des Hungers da und nicht zur Vernichtung, um das Preisniveau zu halten. Dieses Handeln ist unwahr, ungerecht und böse."

Mit einem Zitat des Papstes bat Meisner die Soldaten, die sich in den Konfliktherden der Welt für den Frieden einsetzen, "in jeglicher Situation und Umgebung treue Verkünder der Wahrheit des Friedens" zu sein. Wahrheitsdienst sei Friedensdienst, so der Kardinal: "Nehmen wir die ethische, philosophische und theologische Ausbildung unserer Soldaten sehr ernst! Dann ist der Friede bei ihnen in besten Händen." Zur Mitfeier des Gottesdienstes waren auch Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung, Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und der Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma gekommen.
German Werbeträger für den Glauben
Jan 16, 2006
„Die Werbeindustrie beneidet uns wegen unserer Werbeträger und Werbespots“, so beginnt Erzbischof Joachim Kardinal Meisner seine Predigt zum Dreikönigsfest im Kölner Dom.

(Kölner Rundschau, 06.01.06) KÖLN - Das habe der Weltjugendtag gezeigt - und Meisner wäre nicht Meisner, wenn er eine so zugkräftige Botschaft wie die vom Besuch der Weisen aus dem Morgenland nicht weiter nutzen würde. Die Domwallfahrt soll - wieder - Tradition werden: Jedes Jahr um den 27. September herum. Das ist das Kirchweihfest des Doms, und das Datum liegt 100 Tage vor dem Dreikönigstag. Mit der Kölner Wallfahrt beginnt also symbolisch die Vorbereitung auf die Erscheinung des Herrn. Der 6. Januar selbst schied als Termin wegen des Winters aus.

Aber warum lädt der Kardinal eigens ein? Was jeder Dombesucher sieht, schildert Prälat Heiner Koch, der Leiter der Hauptabteilung Seelsorge im Kölner Generalvikariat: „Der Dom ist ständig Ziel von Pilgern.“ Nun aber gehe es darum, die Wallfahrt zu „konzentrieren“. Fünf Tage lang wird es Gottesdienste, Andachten, Orgelkonzerte, „Evening Songs“ geben. Was Konzentration bewirkt, wurde beim Jugendtag spürbar. „Ein Zeugnis für die Nähe Gottes“, sagt Koch. Von Dankbarkeit für diese Nähe spricht das Motto der diesjährigen Wallfahrt: „Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt“ (Matthäus 2,10).

Problem und Lösung sind nicht neu. Während etwa die Aachener Heiligtümer nur alle sieben Jahre gezeigt wurden (und werden) und dann entsprechend große Pilgerzüge auslösten, konnte der Dreikönigenschrein von Anfang an täglich besucht werden. Dieser Besuch war populär, und doch schwand das Bewusstsein dafür, welches Heiligtum die Kölner besaßen. 1397 gestattete Papst Bonifaz IX. eine Domwallfahrt, die alle sieben Jahre gleichzeitig mit der von Aachen stattfand. Bis ins 18. Jahrhundert hinein durften Pilger dann die Schädel der Könige mit Andachtsgegenständen berühren. Darüber hat Werner Schäfke, der Direktor des Kölnischen Stadtmuseums, ausführlich berichtet.

Solche Formen der Verehrung sind heute nicht mehr denkbar, und doch werden die Pilger bei der Wallfahrt den Drei Königen näher kommen als sonst: Sie dürfen unter dem Schrein hindurchziehen. Wie beim Weltjugendtag soll ihr Pilgerweg auch an anderen bedeutenden Schätzen des Doms vorbeiführen, am Dombild etwa und am Gerokreuz.
German Das Feuer des Weltjugendtags neu entfachen
Jan 16, 2006
"Vergessen wir nicht unsere Gebetspflicht gegenüber unserem Heiligen Vater!"

KÖLN, 6. Januar 2006 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Predigt, die Joachim Kardinal Meisner in der Sylvesternacht 2005 im Kölner Dom gehalten hat. Dankbar ließ der Erzbischof das vergangene Jahr Revue passieren und ermutigte alle dazu, den kostbaren Schatz zu bewahren, den "die Jugend aus aller Welt in den Augusttagen hier nach Köln mitgebracht hat (…). Aber Feuer bewahrt man nicht, indem man es vergräbt, sondern indem man ihm neue Nahrung gibt, und das Feuer ruht und rastet nicht eher, bevor alles in Flammen steht."

In Köln habe sich in den Tagen des Weltjugendtages "eine junge Kirche mit einer inneren Vitalität gezeigt, die die Herzen vieler Menschen verwandelt hat. Wir haben allen Grund, an diesem Sylvesterabend 2005 Gott zu danken und zuversichtlich zu bitten, dass wir das Empfangene hochherzig und großzügig weiterleiten."

* * *

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Die Grundkategorien oder die Grunddaten unseres Lebens sind Raum und Zeit. Wir können uns ein Dasein ohne Raum und Zeit gar nicht vorstellen. Darum können wir auch nur schwer ermessen, was im Grunde die Menschwerdung Gottes bedeutet. Die Kirchenväter sagen, die zweite göttliche Person wird Mensch, indem sie ihre Ewigkeit beim Vater hinterlässt und die Grundkategorie Zeit des Menschen annimmt und indem sie ihre Allgegenwart beim Vater hinterlässt und die Grundkategorie Raum des Menschen annimmt. Gott ist also Mensch geworden, indem er in die Grundbefindlichkeiten des Menschen von Raum und Zeit eingestiegen ist.

Was Raum bedeutet, wird für uns leicht erfahrbar, wenn wir eine größere Reise unternehmen. Wir steigen von einem Lebensraum um in einen anderen und kehren eines Tages wieder zurück zu unserem ursprünglichen Lebensraum. Mit der Zeit ist das ein wenig schwieriger. Hier gibt es kein reales Zurück mehr in frühere Zeiten. Da hilft uns eigentlich der Sylvesterabend, wo es gleichsam mit der Zeit auf Messers Schneide steht: im Abschluss eines vergangenen Jahres und im Beginn eines neuen Jahres treffen Vergangenheit und Gegenwart spürbar zusammen, und Beides lässt sich nicht aufhalten oder beschleunigen. Wenn um Mitternacht dann die Glocken läuten, ist man der Meinung, man könne das fassen, was Zeit ist. Der Ablauf von Zeit ist aber kein harmloses Unternehmen.

Der deutsche Dichter Friedrich Rückert schreibt dazu in einem kleinen Gedicht:

"Nie stille steht die Zeit,
der Augenblick entschwebt,
und den du nicht benutzt, den hast du nicht gelebt.
Und auch du stehst nie still,
der Gleiche bist du nimmer,
und wer nicht besser wird, ist schon geworden schlimmer.
Wer einen Tag der Welt nicht nutzt,
hat ihr geschadet,
weil er versäumt, wozu ihn Gott mit Kraft begnadet."

Wir blicken am heutigen Abend zurück auf den Verlauf des letzten Jahres, das für uns in der Erzdiözese Köln, aber auch für die Weltkirche, mit einer großen geistlichen Fruchtbarkeit gesegnet war.

Wenn Gott nimmt, dann nie, um zu nehmen, sondern immer, um noch mehr zu geben. Das ist letztlich die Erfahrung, die wir beim Leiden und Sterben unseres großen und unvergesslichen Papstes Johannes Paul II. machen durften. Mir bleibt die letzte Begegnung mit ihm in dieser Welt, drei Wochen vor seinem Tod, in der Gemelli-Klinik unvergesslich. Man sah, dass der Papst schwere Schmerzen litt. Aber es kam keine Klage aus seinem Mund, sondern nur eine Frage, nämlich im Hinblick auf den Weltjugendtag: "Wartet ihr noch auf mich in Köln?" Dem Papst ist vom Herrn selbst der Auftrag zugeteilt: "Du aber stärke deine Brüder (und Schwestern)!" (Lk 22,32).

Der Heilige Vater spürte wohl sein baldiges Sterben und wollte meine Erwartung stärken, dass er auf jeden Fall beim Weltjugendtag dabei sein werde – wie auch immer. Und als er dann seine guten Augen auf dieser Welt für immer schloss, begann die intensivste Vorbereitung auf den Weltjugendtag, die wir uns gar nicht haben ausdenken können. Der tote Papst setzte Millionen Jugendlicher in allen Erdteilen in Bewegung, und sie kamen nach Rom, um von ihm Abschied zu nehmen, und sie kamen 19 Wochen später nach Köln, um sein Vermächtnis zu erfüllen.

Was sich in diesen drei Tagen der Aufbahrung des toten Papstes vor und in Sankt Peter ereignet hat, das weiß Gott allein. Der tote Papst ist zum Vermächtnis an eine Jugend und an eine Welt geworden, die Heimweh nach Gott, die Sehnsucht nach der göttlichen Vorsehung hat. Im Leben und Sterben dieses großen Papstes wurde den Menschen in allen Erdteilen dazu Inspiration und Orientierung geschenkt. Was hat uns Gott gegeben, als er uns Papst Johannes Paul II. genommen hat!

Dann kam das Konklave, das uns einen Papst geschenkt hat, der nicht nur unser Glaubensgenosse, sondern auch unser Landsmann ist. Er verkörpert die größtmögliche Kontinuität zu seinem großen Vorgänger. Und darum war es selbstverständlich, dass er – wie ein Testamentsvollstrecker – den noch von Papst Johannes Paul II. proklamierten Weltjugendtag in Köln durchgeführt hat. Und wir können nur für dieses unerwartete Geschenk vom 19. April 2005 danken und darüber staunen.

In den letzten Jahren habe ich manchmal bangen Herzens an den gedacht, der die Nachfolge des großen Papstes Johannes Paul II. antreten muss! Aber auch hier gilt: Der Mensch denkt und Gott lenkt. Und wie hat Gott gelenkt! Im Konklave hatte ich meinen Platz neben dem polnischen Primas Josef Glemp. Als wir vom Treueversprechen an unsere Plätze zurückkamen, weinte er vor Freude, dass wir diesen deutschen Bischof nun zum Papst haben, so wie ich beim Begräbnis von Johannes Paul II. weinte, dass wir diesen polnischen Bischof zum Papst hatten. Das ist Katholizität, die über aller Nationalität liegt. Ich hatte in meinem Leben noch nie das Wirken des Heiligen Geistes in so intensiver Weise erlebt, wie in den 2 Tagen des Konklaves. Und nach dem heiligen Augustinus geht der Anfang immer mit. Was wird Gott der Welt mit diesem Papst noch allen geben können!

Die Erzdiözese Köln war sich sehr bewusst, welche Gnade Gott mit dem neuen Papst der Kirche, aber besonders auch unserer Erzdiözese, geschenkt hat. Papst Benedikt XVI. war einige Jahre Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität in Bonn. Er war – wie wir wissen – Berater von Kardinal Frings beim Konzil, und er war regelmäßig aus verschiedenen Anlässen einmal pro Jahr in Köln auf Besuch, noch bis ins letzte Jahr hinein. Darum haben wir in Köln sicher den größten Dankgottesdienst nördlich der Alpen für das Geschenk des neuen Papstes feiern dürfen. Am Samstag, dem 30. April, waren dazu in unserer Domkirche 5.000 Gläubige versammelt mit 1.000 Chormitgliedern, um mit der Krönungsmesse von Mozart den Dankgottesdienst für die erfolgte Papstwahl zu feiern.

Mir wird dieser Gottesdienst unvergesslich bleiben. Bei meiner damaligen Ansprache erinnerte ich daran, dass bei der Wahl Johannes Paul II. 1978 der polnische Primas bei der Abschiedsaudienz dem Papst versprach: "Wenn wir wieder zu Hause in der Heimat sind, werden wir niederknien und für dich, Heiliger Vater, Löcher in die Steine beten." Und meine Frage lautete dann an die Kölner: "Wird denn Papst Benedikt XVI. auch bei uns, seinen Landsleuten, eine solche Gebetssolidarität finden?" Darauf erhoben sich die hier im Dom versammelten Gläubigen und applaudierten minutenlang. Ich habe dem Heiligen Vater eine Tonaufnahme von diesem Gottesdienst mit dem Hinweis übergeben: "Heiliger Vater, wenn es dir sehr schwer wird, dann höre dir diese CD aus Köln an, und du wirst wieder Mut finden, die Probleme der Weltkirche mutig in der Kraft der Gnade Gottes anzugehen." Vergessen wir nicht unsere Gebetspflicht gegenüber unserem Heiligen Vater!

In der langen und ehrwürdigen Geschichte unseres Erzbistums Köln war der Weltjugendtag sicher das größte und herausragendste Ereignis. Papst Johannes Paul II. hat daran gut getan, dass er Köln als Begegnungsort des XX. Weltjugendtages ausgewählt hatte. In der Weltkirche hat Köln einen guten Klang durch die jahrzehntelange materielle effektive Hilfe, gerade an den Orten, wo die Not am größten ist.

Ich selbst habe schon viele Weltjugendtage miterlebt. Manche waren quantitativ größer als der unsrige: Wenn ich etwa an die 5 Millionen Teilnehmer beim Abschlussgottesdienst in Manila denke oder an Rom mit 2 Millionen Teilnehmern. Aber unser Weltjugendtag war sicher mit einer der intensivsten. Auch quantitativ konnte sich Köln sehen lassen: Bei noch keinem Weltjugendtag waren 800 Bischöfe und 10.000 Priester präsent. Hier zeigte sich gleichsam der Genius loci unserer Stadt als eine uralte christliche Pilgerstätte der Weltkirche, in der die ersten Christuspilger der Welt, die Heiligen Drei Könige, ihre letzte irdische Ruhestätte gefunden haben. Vielleicht ist Ruhestätte hier wirklich die falsche Bezeichnung, und vielleicht sollte man hier lieber von einem geistlichen und magnetischen Anziehungspunkt sprechen. Denn eine Million junger Menschen aus aller Welt machten sich auf, um den Spuren dieser drei ersten Christuspilger zu folgen; um mit ihnen Christus zu suchen und zu finden und um zusammen mit ihnen vor ihm niederzufallen und ihn anzubeten.

Diese Kölner Tage im August waren von einer Jugend geprägt, die sich wieder niederknien konnte, um den Herrn anzubeten. Aus dieser Gebetshaltung erwuchs ihnen eine tiefe Glaubensfreude, die unsere Stadt und unser Land für einige Tage verwandelt hat. Hier haben uns erwachsene junge Menschen in einer überaus großen Anzahl weiterhin gezeigt, dass Beichten geht und wie Beichten geht und welche Frucht das Bußsakrament den Menschen gibt, nämlich eine tiefe Glaubensfreude, die vielleicht heute noch ein wenig bei uns in der Luft liegt.

Bei der im Oktober stattgefundenen Weltbischofssynode in Rom war das die einhellige Meinung der Synodenväter, dass es uns Älteren gut ansteht, bisweilen bei unserer Jugend in die Glaubensschule zu gehen, mit ihnen niederzuknien vor dem eucharistischen Herrn und wie sie niederzuknien vor dem Priester als Repräsentant Christi im Bußsakrament, um Vergebung und Gnade zu empfangen. Dann wird es auch uns an Glaubenstiefe und Glaubensfreude nicht fehlen. Junge Menschen sind dem Ursprung ihres Lebens, der Schöpferhand Gottes, noch viel näher verbunden als wir älteren. Und darum wissen sie oft viel ursprünglicher und elementarer, worin die Erfüllung menschlichen Lebens besteht.

Unserer Erzdiözese ist mit diesem Ereignis ein Vermächtnis gegeben, das nicht uns allein gehört, sondern unserem ganzen Vaterland, ja Europa und der Welt. Und wie unsere Domkirche mit dem Dreikönigsschrein das Ziel der Pilger im August dieses Jahres war, so soll auch unsere Solidarität mit den Not leidenden Ortskirchen in der Welt wachsen, und zwar über die materiellen Hilfen hinaus und hinein in die Dimension einer geistlich-spirituellen Verbundenheit. Wenn ich am letzten Abend dieses gesegneten Jahres ein persönliches Zeugnis ablegen darf, dann ist es wie die Bilanz eines Lebens: 43 Jahre als Priester und 31 Jahre als Bischof. Ich habe mir gesagt: "Wenn du jetzt sterben würdest, hätte es sich gelohnt, 72 Jahre über diese Erde gegangen zu sein!"
Uns gilt heute Abend das Wort des Apostels Paulus: "Löscht den Geist nicht aus!" (1 Thess 5,19). Was uns die Jugend aus aller Welt in den Augusttagen hier nach Köln mitgebracht hat, das sollen wir als kostbaren Schatz bewahren. Aber Feuer bewahrt man nicht, indem man es vergräbt, sondern indem man ihm neue Nahrung gibt, und das Feuer ruht und rastet nicht eher, bevor alles in Flammen steht. "Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen" (Lk 12,49). Allen Untergangspropheten in und außerhalb der Kirche zum Trotz, hat sich in Köln eine junge Kirche mit einer inneren Vitalität gezeigt, die die Herzen vieler Menschen verwandelt hat. Wir haben allen Grund, an diesem Sylvesterabend 2005 Gott zu danken und zuversichtlich zu bitten, dass wir das Empfangene hochherzig und großzügig weiterleiten. Wir dürfen somit hoffnungsvoll unserer Zukunft entgegengehen. Und ein jeder von uns darf sich selbst und allen seinen Schwestern und Brüdern sagen: "Gott kennt unser Gestern, schenken wir ihm nun unser Heute. Er sorgt dann für unser Morgen." Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Kardinal würdigt Bischof Trelle
Jan 16, 2006
„Lieber Norbert, alte Liebe rostet nicht“ - für diese herzlichen Worte bei der Verabschiedung von Weihbischof Norbert Trelle gab es für Kardinal Meisner amüsierten Applaus.

(Kölner Stadt Anzeiger, 09.01.06) „Er wird uns wirklich fehlen“, sagte Meisner. Weihbischof Trelle (63) übernimmt zum 11. Februar das Amt des Bischofs von Hildesheim. Meisner bezeichnete die Diözese Hildesheim als eine „Diözese der weiten Wege und der oft kleinen Gemeinden“. In seiner knapp zwanzig-minütigen Predigt lobte der Kardinal den scheidenden Bischof für seinen „treuen und zuverlässigen Dienst“. Trelles Rat sei ihm immer sehr wichtig gewesen. „Er ist mir ein wirklicher Mitbruder im Herrn geworden“, sagte Meisner.

Trelle selber bezeichnete den Wechsel nach Hildesheim als „besondere Zäsur“. Nach 14 Jahren nehme er Abschied vom Bistum Köln, mit einem „tiefen Gefühl der Dankbarkeit gegenüber Gott“.

Trelle war im November zum neuen Hildesheimer Bischof ernannt worden und wird der 70. Bischof im Bistum Hildesheim. Meisner sagte, es sei schmerzlich, wenn herzliche Bindungen zwischen Menschen durch räumliche Veränderungen aufgelöst würden. „Das bedeutet letztlich Gehorsam: offen und erreichbar zu sein für das Wort des Herrn und fähig zu sein zum neuen Aufbruch“, so Meisner. Trelle war bisher als Pfarrer und Stadtdechant in Wuppertal tätig. Seit 1992 war er für den Pastoralbezirk Süd und die Ausländerseelsorge verantwortlich. Der Hildesheimer Bischofsstuhl war seit der Pensionierung von Josef Homeyer (76) im August 2004 verwaist.
German Kardinal kam nicht: Meisner war erkältet
Jan 07, 2006
Die Sinzenicher Pfarrkirche St. Kunibert war festlich geschmückt, und alle Chöre der Gemeinde hatten intensiv für das große Ereignis geprobt. Doch für Joachim Kardinal Meisner konnten die Gemeindechöre gestern nicht singen.

(Kölner Stadt Anzeiger, 27.12.05) Zülpich-Sinzenich - Dechant Siegbert Ising verriet den Grund für die Abwesenheit des Erzbischofs von Köln: „Auch Kardinäle sind halt nur Menschen, die krank werden können.“ Gestern hatte es Kardinal Meisner „erwischt“.

Im vergangenen Jahr war Meisner erstmals von der Tradition abgewichen, den Zweiten Weihnachtstag gemeinsam mit Ordensschwestern zu verbringen. Er beging das „Fest der Heiligen Familie“ in der Sinzenicher Pfarrkirche. Was Meisners Verbundenheit zu einem seiner engsten früheren Mitarbeiter zu verdanken war.

Der Sinzenicher Pfarrer Guido Zimmermann war „erzbischöflischer Kaplan und Geheimsekretär“, bevor er im Juli 2004 auf eigenen Wunsch Seelsorger im Pfarrverbund Zülpich-Süd wurde. Pfarrer Zimmermann: „Im vergangenen Jahr hat ihm die Messe und vor allem die Krippe von Lothar Zeller sehr gut gefallen.“ Der Wunsch des Erzbischofs, auch an diesem Zweiten Weihnachtstag das Hochamt in Sinzenich zu zelebrieren, wurde durch eine schwere Erkältung vereitelt.

„Nur“ wegen des Kardinals waren die Gläubigen aber im vergangenen Jahr nicht in der Kirche erschienen. „St. Kunibert ist am Zweiten Weihnachtstag immer so voll“, so Ortsvorsteher Josef Heinrichs. Auch gestern war das Gotteshaus bis auf den letzten Platz gefüllt. So hatte Dechant Siegbert Ising, der unfreiwillig zum Hauptzelebranten wurde, eine würdige „Kulisse“ für eine seiner letzten Amtshandlungen. Ende Januar geht Ising in den Ruhestand. Ein neuer Dechant für das Dekanat Zülpich wird nicht mehr ernannt.

Zum 1. Januar werden die Dekanate Zülpich, Bad Münstereifel und Euskirchen fusionieren. Die beiden letztgenannten Dekanate haben schon seit einiger Zeit keinen Dechanten mehr. Laut Rendant Norbert Schröder ist Personalmangel einer der Gründe für den Zusammenschluss: „Nach der Fusion sind weniger Gremien nötig.“ Am 18. Januar werden die Geistlichen der fusionierten Dekanate einen neuen gemeinsamen Dechanten wählen. Laut Wunsch des Kardinals soll dieser Priester gleichzeitig Kreisdechant werden. Der amtierende Kreisdechant Bernhard Auel wird als aussichtsreichster Anwärter für diese Doppelfunktion gehandelt.
German 'Was er euch sagt, das tut'
Dec 20, 2005
Die heutige Ansprache von Kardinal Joachim Meisner zum Requiem bei der Beerdigung von Kardinal Scheffczyk in Bregenz (15. Dezember 2005).

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Der Sterbetag ist oftmals wie ein Ausrufezeichen, das auf das Lebenswerk des Heimgerufenen aufmerksam machen will. So starb etwa der große Benediktinertheologe Odo Casel, der sein theologisches Werk dem Ostermysterium gewidmet hatte, während der Feier der heiligen Osternacht. Unser lieber verstorbener Kardinal Leo Scheffczyk wurde am 8. Dezember, dem Hochfest der unbefleckt empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria heimgerufen. Dieser Sterbetag ist ebenfalls ein großes Ausrufezeichen, das auf den Inhalt dieses gesegneten Lebens von Kardinal Scheffczyk hinweist.

Vom Johannesevangelium sagt man, dass es einen marianischen Rahmen hat. Maria tritt nur zweimal im Johannesevangelium auf, und zwar am Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu und am Ende seines irdischen Lebens. Die Mitte ist ganz geprägt vom Christusgeheimnis. So steht Maria am Anfang inmitten des Hochzeitssaales von Kana in Galiläa und wirkt mit, als der Herr aus dem Wasser den Wein werden lässt. Am Ende seines irdischen Lebens steht Maria unter dem Kreuz von Golgotha und wird zur Zeugin, wie aus seiner geöffneten Seite Wasser und Blut herausströmen, das Wasser der Taufe und das Blut der Eucharistie. Vielleicht ist gerade wegen dieses marianischen Rahmens das Christusmysterium im Johannesevangelium so tief erkannt und beschrieben.

Das Leben unseres heimgerufenen Kardinals hatte ebenfalls einen solchen marianischen Rahmen. Von frühester Kindheit an haben seine Eltern das sensible und geistig wache Kind in das kirchliche Leben des oberschlesischen Landes hineingeführt, das tief marianisch geprägt war. Die marianischen Wallfahrtsorte, die berühmten Marienbilder in den Pfarr- und Klosterkirchen, die unzähligen Marienbildstöcke der oberschlesischen Landschaft und die unsterblichen schlesischen Marienlieder haben die Seele des Kindes tief geprägt und sie damit geöffnet für das Geheimnis der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus und sein gottmenschliches Wirken. Maria ist nicht das Wort, das Fleisch geworden ist, nein, das ist – außer Konkurrenz – ihr Sohn Jesus Christus. Aber sie ist das Vorwort, das zum Hauptwort hinführt. Und weil Kardinal Scheffczyk als Kind schon mit allen wachen Sinnen seines Lebens das Vorwort zur Kenntnis nehmen und verstehen lernen konnte, war er dann später als Priester und Theologe so – im wahrsten Sinne des Wortes - präpariert für das Hören und das Erkennen des Wortes, das aus Maria Fleisch geworden ist und das schon im Anfang bei Gott war, ja das Gott selbst war.

Kardinal Scheffczyk war ein großer Theologe, der Theologie nicht nur als Rede über Gott, sondern in besonderer Weise als Rede vor Gott verstanden hat. Deswegen weht zwischen den Zeilen seiner theologischen Werke der Geist der Ehrfurcht, des Staunens, der Bewunderung und der Anbetung. Seine theologischen Arbeiten kommen aus einem Geist, der ganz diesem Worte Gottes verpflichtet ist, der nicht darauf schaut, ob er ankommt oder Schlagzeilen macht. Politische oder gesellschaftliche Rücksichtnahmen haben nie sein theologisches Arbeiten bestimmt, sondern die Ehrfurcht vor dem Geheimnis Gottes, das er den Menschen zu vermitteln suchte. Das Evangelium selbst war ihm Maßstab für sein Denken, Lehren, Schreiben und Handeln. Darum sind seine theologischen Werke geprägt von Glaubensreinheit und Glaubenstiefe, die das Herz des Studenten und Lesers zutiefst berühren.

Der Glaubensgehorsam gegenüber dem sich offenbarenden Gott war ihm wichtiger als menschlicher Beifall. Und deshalb fand und findet seine Theologie so viel Zustimmung und wird – davon bin ich zutiefst überzeugt – die Zeiten überdauern. Die Aufgabe des Theologen, die Offenbarung in den Verstehenshorizont der Menschen einer Zeit zu übersetzen, ist in der theologischen Werkstatt von Leo Scheffczyk nie auf Kosten der Wahrheit geschehen, auch dort nicht, wo sie dem Zeitgeist widersprach. Darum war sie und ist sie so überzeugend und anziehend.

Papst Johannes Paul II. sagte in seinem Apostolischen Schreiben „Novo millennio ineunte“ nach der Feier der Jahrtausendwende, dass es die Aufgabe der Christen in der Zukunft sein werde, eine Pädagogik der Heiligkeit zu entwickeln. Ich bin der Meinung, dass die theologische Arbeit von Leo Kardinal Scheffczyk eine einzige Pädagogik christlicher Heiligkeit darstellt. Sie inspiriert den Gläubigen, der seiner Theologie begegnet, gottfähig und gottähnlich zu werden. Sein theologisches Werk ist eine einzige Einladung in das marianische Wort bei der Hochzeit zu Kana: „Was er (der Herr) euch sagt, das tut!“ (Joh 2,5). Und der Theologe Scheffczyk nimmt gleichsam in dieser Szene die Rolle des Speisemeisters ein, der die Qualität des in Wein verwandelten Wassers gültig definiert: „Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten“ (Joh 2,10). Leo Kardinal Scheffczyk hat den guten Wein theologischer Lehre allezeit ausgeschenkt.

Nicht nur im theologischen Hörsaal und nicht nur am Studiertisch diente Kardinal Scheffczyk den Menschen, sondern er war ein gesuchter und geschätzter Prediger und Zelebrant bei Gottesdiensten, kirchlichen Kongressen, geistlichen Übungen und Einkehrtagen. Er verstand es, den Menschen Geschmack an Gott zu vermitteln, und er wusste, dass dieser Gott immer nach mehr schmeckt und die Menschen darum alle Appetitlosigkeit und Geschmacklosigkeit an Gott und seiner Kirche verlieren werden. Er stellte sich dabei immer ganz zurück, um ganz dem Wort Raum zu geben, das zu verkündigen ihm aufgetragen war. Deshalb freuten sich so viele Menschen mit, als ihn Papst Johannes Paul II. im Jahre 2001 in das Kardinalskollegium berief. Er war damals schon über 80 Jahre alt. Er sah darin nicht nur eine Ehrung der Kirche für sein gesegnetes theologisches Werk, sondern auch einen Auftrag, für Christus und seine Kirche Zeugnis vor aller Welt abzulegen. Darum meldete sich der zurückhaltende Theologe plötzlich als Kardinal öfters zu Wort, wo es darum ging, Klärung und Orientierung in Situationen der Verwirrung und des Irrtums zu geben. Papst Benedikt XVI. sagte mir erst vor kurzem, von den spätberufenen Theologen ins Kardinalskollegium sei Leo Scheffczyk einer der wenigen gewesen, von denen die Kirche noch viel Erleuchtung und Ermutigung erhalten habe.

Nun schließt sich der marianische Rahmen seines Lebens, indem die göttliche Vorsehung den 8. Dezember, den großen marianischen Festtag, zu seinem Sterbetag bestimmt hat. Maria führte die Menschen immer zu den Quellen ihres Lebens. Am Anfang – bei der Hochzeit zu Kana – an die von Christus, ihrem Sohn, gefüllten Weinkrüge und unter dem Kreuz an das geöffnete Herz Jesu, aus dem das Wasser und das Blut der Sakramente fließen.

Leo Scheffczyk hat in der treuen Nachfolge Mariens die Menschen an die Quellen des Glaubens zu Christus geführt. Nun hat ihn Maria gleichsam selbst heimgeleitet zu diesen Quellen des Lebens. Einige Tage vor seinem Sterben sagte er noch, dass er jetzt ganz arm sei. Was er besessen hat, habe er verschenkt, die Gesundheit sei ihm genommen, nun habe er nur noch Jesus Christus. Und das machte seinen ganzen Reichtum aus, der sein Herz erfüllt. Wir glauben und hoffen, dass er nun das schaut, besitzt und genießen darf, was er in der Schule Mariens erhofft, geglaubt und ersehnt hat. Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Kardinal Meisner erwirkt einstweilige Verfügung gegen den „Spiegel“
Dec 16, 2005
Der Kölner Erzbischhof, Joachim Kardinal Meisner, 71, hat sich jetzt gegen eine Berichterstattung des Nachrichten- magazins „Spiegel“ durchgesetzt.

(fairpress.biz, 05 Dezember 2005) Laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ (KStA) vom 5. Dezember 2005 erwirkte Meisner gegen die „Spiegel“-Berichterstattung „Abgeblitzt“ vom 31. Oktober 2005 vor dem Landgericht Köln eine einstweilige Verfügung.

Der „Spiegel“ berichtete in dem umstrittenen Artikel, dass Meisner vergeblich versucht habe, beim Vatikan den Kölner Weihbischhof Rainer Woelki, 49, als seinen Koadjutor einsetzen zu lassen.

In einer Pressemeldung aus dem Erzbistum vom 31. Oktober 2005 hieß es hierzu: „Diese Behauptung ist falsch und frei erfunden. Er habe zu keinem Zeitpunkt im Vatikan die Einsetzung eines Koadjutors zu seiner Nachfolge als Erzbischhof von Köln betrieben“

Gegenüber dem „KStA“ sagte ein Gerichtssprecher, dass Kardinal Meisner durch Vorlage einer eidesstattlichen Versicherung glaubhaft gemacht habe, dass die aufgestellten Behauptungen unzutreffend seien.
German Kardinal Meisner freut sich auf die Predigt von morgen
Dec 16, 2005
Die Audienzen von Papst Benedikt XVI. brechen immer noch alle Rekorde. In den vergangenen Jahren fanden die mittwöchlichen Begegnungen des Papstes mit den Pilgern aus aller Welt immer in der Audienzhalle statt.

(Radio Vatikan, 07/12/2005) Diesmal müssen sie aber auch im Dezember auf dem Petersplatz stattfinden - so viele Menschen würden nie in die Halle hinein passen. Der Kölner Erzbischof, Kardinal Joachim Meisner, war heute auch bei der Generalaudienz mit dabei. Und er sagte nach dem Ereignis, er selbst freue sich sehr, dass so viele Menschen zu den Audienzen und Gottesdiensten des Papstes kämen:

"Er macht eine gute Figur nach dem großen Johannes Paul II. Morgen ganz besonders: Der 40. Jahrestag der Beendigung des II. Vatikanischen Konzils und das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis wird ein sehr wichtiges Datum für den Heiligen Vater und die Gläubigen sein. Ich bin schon gespannt, was er morgen predigen wird! Wir müssen ganz Ohr sein!"

Ganz Ohr, sagt der Gastgeber des Kölner Weltjugendtags, seien aber auch und vor allem die Jugendlichen, die in den Nachfolger Petri ihre Hoffnung setzen:

"Der Heilige Vater hat in Köln beim Weltjugendtag gesagt: Wer der Jugend weniger gibt, als Gott gibt, gibt ihr immer zu wenig. Der Papst ist gleichsam der universale Lehrer - und die Jugend baut auf ihn! Denn er gibt ihr Gott; das ist nämlich der eigentliche Hunger der Menschen, namentlich der jugen Menschen, der Hunger nach Gott. Darum schaut auch die Jugend der Welt hier nach Rom, auf den Papst, dass er ihr weiterhin Wegweisung und Orientierung gibt. Amen."
German ‘kreuz.net’ Bericht bestätigt – Kardinal dementiert
Dec 04, 2005
Das Presseamt der Erzdiözese Köln widersprach Berichten, wonach der Verkauf eines bei Bonn gelegenen Redemptoristenklosters an die Priesterbruderschaft Pius X. am Veto Kardinal Meisners gescheitert sei.

(kreuz.net, 21. November 2005) Der Pressesprecher der Erzdiözese Köln, Dr. Manfred Becker-Huberti, erklärte kürzlich zum jüngsten Verkauf des Redemptoristenklosters Geistingen:

„Das Kloster und die Kirche in Geistingen befinden sich ausschließlich im Besitz der Redemptoristen. Der Erzbischof von Köln war als Diözesanbischof nur mit der Frage befaßt, ob die Kirche profaniert werden darf. An wen die Kirche dann eventuell verkauft wird, ist keine Materie des Erzbischofs. Insofern kann der Erzbischof den Verkauf an bestimmte Interessenten überhaupt nicht verbieten.“

Die von den Lefebvristen mit den Verkaufsverhandlungen beauftragte lokale Immobilien-Firma widersprach der Darstellung des Presseamtes der Erzdiözese mit Nachdruck.

Auf eine Anfrage von ‘kreuz.net’ antwortete der Immobilien-Makler, daß über den Verkauf des Kloster Geistingen – der ehemaligen philosophisch-theologischen Hochschule des Redemptoristenordens in Deutschland – über viele Jahre Gespräche geführt worden seien.

„Die Priesterbruderschaft St. Pius X. zeigte schon Ende der 90er Jahre Interesse an dem Gebäude und an der großartigen Kirche“, erklärte der Makler: Doch die Verhandlungen hätten zu keinem Ziel geführt:

„Im Jahr 2004 wurden wir“ – so der Makler – „informiert, daß die Provinzleitung der Redemptoristen mit Kardinal Meisner Rücksprache gehalten habe.“

Die Immobilienfirma wurde in den Gesprächen mit der Ordensvertretung informiert, daß Kardinal Meisner mit dem Fall befaßt gewesen sei und als Erzbischof sein Veto eingelegt habe.

Darauf erklärten die Redemptoristen, daß man sich gegen den Widerstand des Erzbischofs nicht in der Lage sehe, die Gebäude und die Kirche den Traditionalisten zu verkaufen.

Deshalb habe sich der Orden genötigt gesehen, die Verhandlungen mit der Priesterbruderschaft abzubrechen:

„Ob hier formaljuristisch oder moralisch auf die Provinz der Redemptoristen eingewirkt wurde, entzieht sich unserer Kenntnis.“

Die Immobilienfirma erklärte, daß sie nur die ihr gegenüber gemachten Aussagen wiedergeben könne. In diesem Sinne sei die Stellungnahme des Erzbistums überraschend.

„Vielleicht ist man im erzbischöflichen Presseamt um Schadensbegrenzung bemüht“, erklärte der Makler weiter:

„Die Empörung bei der örtlichen Bevölkerung über die bald stattfindende Umwandlung der Kirche in einen Wellness-Tempel ist groß. Wäre der Verkauf an eine andere religiöse Gemeinschaft nicht gescheitert, dann müßte die Profanisierung des Klosters jetzt nicht bedauert werden.“

Nach Informationen, die ‘kreuz.net’ vorliegen, wurde Papst Benedikt XVI. im September von einem Redemptoristen des Kloster Geistingen persönlich auf den jüngsten Verkauf der Anlage an einen indischen Geschäftsmann und den Umbau der Klosterkirche in eine Badeanlage angesprochen.

Der ehemalige Theologieprofessor Joseph Ratzinger besitzt eine persönliche Beziehung zum Kloster Geistingen, das er in seiner Autobiographie sogar zweimal erwähnt.

Der Pontifex habe sein Bedauern über die Schließung und den Verkauf des Hauses ausgedrückt, aber zugleich festgehalten, daß er dagegen nichts unternehmen könne.
German Der Kardinal ist im Recht
Dec 04, 2005
Unvollständige und deshalb irreführende Medienberichte dürfen gerichtlich verboten werden. Das entschied der Deutsche Bundesgerichtshof in Karlsruhe gestern Dienstag in Bezug auf einen neun Jahre alten Rechtsstreit zwischen dem Erzbischof von Köln und einem Bonner Journalisten.

(kreuz.net, 23. November 2005) Der Journalist hatte einen unsachlichen Bericht mit der Schlagzeile „Fristenlösung auf Kölsch“ verfaßt. Darin beschuldigte er das Erzbistum und den Kardinal, die Abtreibung des Kindes einer damals minderjährigen Mutter, die von einem Priester mißbraucht worden war, aufgrund von Untätigkeit nicht verhindert zu haben. Doch der Journalist unterschlug in seinem Artikel die Information, daß der Name des fehlbaren Priesters sowie die Identität der Kindsmutter dem Kardinal trotz Nachfrage verschwiegen worden war.
German "Ich bin stolz auf die Kölner"
Nov 24, 2005
Vielleicht werden sie ja doch noch Freunde, die Kölner und der Kardinal. Als Josef Kardinal Meisner im Kölner Excelsior Hotel Ernst den Tourismus-Preis "Prix d'Honneurs" verliehen bekam, stellvertretend für die Organisatoren des Weltjugendtages, meinte er gut gelaunt: "Ich bin stolz auf die Kölner. Ich bin stolz auf die Rheinländer. Wie sie gute Gastgeber beim Weltjugend gewesen sind, das ist in der ganzen Welt unvergessen."

(koeln.de, 18.11.2005) Er bekäme waschkörbeweise Post, wo Pilger über ihre Erlebnisse während des Weltjugendtages und des Papstbesuches schrieben. Als es zu Beginn des WJT einige Versorgungsprobleme gab, erzählt Meisner, habe er den Jugendlichen gesagt: "Geht in die Geschäfte, geht in die Bäckereien, kauft euch zu essen, was Ihr benötigt, und schickt mir die Rechnungen." Ganze drei Rechnungen habe er bekommen, aber hundertfache Berichte darüber, wie die Gastgeber und die Geschäftsinhaber die Pilger aus aller Welt ganz selbstverständlich und kostenlos versorgt hätten.

Der Weltjugendtag war ohne Zweifel das touristische Ereignis 2005 in Köln und in Deutschland. Und so war die Vergabe des "Prix d'Honneurs" an die WJT-Macher keine Überraschung.

Verliehen wird der Preis vom Zusammenschluss der Kölner Luxus-Hotels Crowne Plaza, Dom Hotel, Dorint Kongress-Hotel, Dorint Sofitel An der Messe, Dorint Sofitel Mondial am Dom, Excelsior Hotel Ernst, Hilton Cologne, Hyatt Regency, InterContinental, Jolly Hotel MediaPark, Maritim, Radisson SAS und Renaissance Köln Hotel.

Meisner in Anspielung auf den Ort der Ehrung: Es sei ja kein Zufall, dass neben jeder Kirche traditionell auch ein Gasthaus stehe. Sowohl in der Kirche als in Gaststätten oder Hotels gehe es um Gastfreundschaft. Und wenn er im Dom Messen auf lateinisch halte, spreche er sogar immer vom "Excelsior".

Der Preisträger des letzten Jahres, Flughafen-Chef Garvens, hielt eine launige Laudatio. Er und der Kardinal hätten ja vieles gemeinsam: Beide hätten mit dem Himmel zu tun. Der Flughafen-Chef sorge mit dafür, dass die die oben sind, heil runter kämen, beim Kardinal sei es eher umgekehrt ...
German Dankfest für den Kölner Weltjugendtag
Nov 24, 2005
Am Christkönigssonntag wird Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, um 10.30 Uhr im Altenberger Dom mit einem Pontifikalamt ein Dankfest für die engsten Mitarbeiter des Kölner Weltjugendtags eröffnen.

KÖLN, 18. November 2005 (ZENIT.org).- Rund 3000 Jugendliche und 300 geistliche Begleiter hatten sich über zwei Jahre lang vor allem spirituell vorbereitet, um den XX. Weltjugendtag mit Papst Benedikt XVI. im August als freiwillige Helfer zu unterstützen.

Im Anschluss an die Heilige Messe für die so genannten "Kernteamer" des Erzbistums Köln wird Kardinal Meisner ein Stein-Labyrinth segnen, das an den "Tag des Sozialen Engagements" erinnern soll. Die Steine haben Jugendliche aus ganz Deutschland zusammengetragen, um das Andenken an die gemeinsam mit ihren internationalen Weltjugendtagsgästen durchgeführten sozialen Projekte wach zu halten.

Gegen 12.30 Uhr werden die Jugendlichen mit ihrem Erzbischof und Diözesanjugendseelsorger Pfarrer Ulrich Hennes im Festzelt auf den gelungenen Weltjugendtag "anstoßen".

Den Papst stärken

"Papst Johannes Paul II. hatte den Weltjugendtag in Deutschland gewollt, damit von diesem Land – nach den beiden Kriegskatastrophen des vergangenen Jahrhunderts – zu Beginn des neuen Jahrtausends ein positiver Impuls der Neuevangelisierung ausgeht", erklärte Kardinal Meisner gegenüber ZENIT. "Die Erfahrungen des Weltjugendtags, die wir erleben durften, geben ihm Recht: Da versammelte sich eine unüberschaubar große, internationale Familie aus allen Nationen um den einen Tisch des Herrn zum eucharistischen Opfermahl, in ihrer Mitte ein Kardinal aus Deutschland als Papst auf dem Stuhl Petri. Hätte das jemand vor fünfzig Jahren vorhergesagt, man hätte ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt."

In Köln habe sich in den Tagen des Weltjugendtages "nicht die letzte Nachhut des Mittelalters" versammelt, "sondern die erste Vorhut einer Zukunft, von der die meisten Zeitgenossen noch gar keine Vorstellung haben. Eine Ahnung davon war aber bis in die Berichterstattung der Medien hinein zu spüren."

Der 71-jährige Kardinal, der als 94. Bischof in der Nachfolge des Heiligen Maternus auf dem Stuhl des Kölner Erzbischofs Platz genommen hat, erkennt, dass speziell in Deutschland die merken, "dass die Welt jetzt ganz besonders auf ihr Land schaut – nicht nur während des Weltjugendtags, sondern auch weil unser Heiliger Vater aus Deutschland stammt. Wir alle wissen noch, wie sehr die Polen das Wirken Johannes Pauls II. durch ihr Gebet mitgetragen haben. In dieser Verantwortung stehen auch wir jetzt gegenüber Papst Benedikt XVI. Der Heilige Vater steht unter dem Wort: Du aber stärke deine Brüder und Schwestern. Aber der Papst ist auch bloß ein Mensch; wer stärkt ihn? Beim Weltjugendtag waren das die jungen Pilger. Jetzt würde ich mir wünschen, dass Papst Benedikt XVI. auch in Deutschland so geliebt und verehrt würde wie in Italien und Polen."
German Türnicher Kirche sahen viele skeptisch
Nov 24, 2005
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner persönlich wird zum Festgottesdienst am Samstag, 19. November, 18.30 Uhr, erwartet. Denn dann feiert die St.-Rochus-Pfarrgemeinde in Türnich und Balkhausen das 50-jährige Bestehen ihrer Kirche.

(Kölner Stadt-Anzeiger, 16.11.05) Kerpen-Türnich - Das moderne Gotteshaus, das am 16. November 1955 eingeweiht worden war, hat in Türnich städtebauliche Akzente gesetzt. Der Glockenturm steht gesondert vom Hauptgebäude und soll so nicht nur den Kirchplatz, sondern auch den auf der anderen Seite der Heerstraße gelegenen Marktplatz beherrschen. Das eigentliche Gotteshaus ist durch eine zeltartige Dachkonstruktion geprägt, die die Wanderschaft der Christenheit symbolisieren soll. Im Innenraum gruppieren sich die Besucher kreisförmig um den Altar herum. Priester und Gemeinde bilden so eine Gemeinschaft.

„Das war damals revolutionär“, weiß die Pfarrgemeinderatsvorsitzende Barbara Renneberg aus Erzählungen älterer Pfarrmitglieder. Die ungewöhnliche Architektur, die von dem Kölner Architekten Karl Band entworfen worden war, habe seinerzeit für Empörung unter den Pfarrmitgliedern gesorgt.

Auch sie selber habe sich erst an das Gotteshaus gewöhnen müssen, als sie vor rund 20 Jahren in die Gemeinde gezogen sei, erzählt Renneberg. Mit der Zeit hätten sich die Vorzüge der Kirche gezeigt. „Das Wir-Gefühl wird durch die extravagante Architektur gefördert.“

Durch den Bergbau war der Neubau vor 50 Jahren nötig geworden: Mehr als 400 Jahre lang stand in Alt-Balkhausen eine dem heiligen Rochus geweihte Kirche, die dann mit dem ganzen Ort abgebaggert wurde. Für die damals rund 4000 Einwohner zählende Gemeinde wurde dann die neue Kirche gebaut. Dabei konnte eine Reihe von Elementen aus der alten Kirche wieder verwendet werden. So zogen etwa das Taufbecken aus weißem Carraramarmor, eine alte Kommunionbank oder die großen Altarbilder aus dem 17. Jahrhundert von der alten in die neue Kirche mit um.

Altar umgebaut

Mehrfach musste das Gotteshaus in den vergangenen 50 Jahren umgebaut werden: Mal gab es Mängel an Heizung und Fenstern, mal fehlte der Wetterhahn. Auch musste der Altar auf Wunsch des Erzbistums wieder umgebaut werden.

Jetzt soll das Jubiläum gefeiert werden: So läuft schon eine Foto-Ausstellung im Pfarrheim zum Bau der Kirche und zur Entwicklung der Gemeinde, die nach Absprache besucht werden kann. Nach der Festmesse am Samstag findet ein Empfang im Pfarrheim statt. Für Sonntag, 20. November, 11 Uhr, lädt die Gemeinde zur Familienmesse mit anschließendem Stehcafé ein. Um 19 Uhr endet die Festwoche mit einer ökumenischen Lichterfeier.
German «Froh in der Gnade Gottes»
Nov 24, 2005
Mit einem Buch erinnert der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner an das Wirken der Heiligen Elisabeth von Thüringen.

(DDP, 21.11.2005) «Elisabeth war eine Heilige aus Fleisch und Blut. Ich liebe sie wirklich», sagte Meisner am Mittwoch bei der Buchpräsentation in Köln. Die Tochter des ungarischen Königs Andreas II. lebte von 1207 bis 1231.

Mit einem Buch erinnert der Kölner Erzbischof Kardinal Joachim Meisner an das Wirken der Heiligen Elisabeth von Thüringen. «Elisabeth war eine Heilige aus Fleisch und Blut. Ich liebe sie wirklich», sagte Meisner am Mittwoch bei der Buchpräsentation in Köln. Die Tochter des ungarischen Königs Andreas II. lebte von 1207 bis 1231. Bereits vier Jahre nach ihrem Tod wurde sie wegen ihres großen sozialen Engagements heilig gesprochen. Sie gilt als Schutzheilige der Caritas.

Elisabeth habe im Mittelalter den «Mühseligen und Beladenen die Präsenz Christi gebracht», hob Meisner hervor. Dies sei ein «hochmodernes Sozialprogramm». Heilige wie Elisabeth «verleihen der Kirche einen unwiderstehlichen Charme».

Der Kardinal betonte seine besondere Beziehung zu der Königstochter: «Nach der Flucht aus Oberschlesien kam meine Familie nach Thüringen, wo Elisabeth traditionell stark verehrt wird - ebenso wie in Ungarn.» Sie sei also eine «europäische Heilige».

Meisner stellte die besondere Bedeutung der Caritas für die katholische Kirche heraus: «Neben jedem Gotteshaus muss man sich ein Krankenhaus oder ein Altenheim vorstellen.»

Zum Sozialprogramm der neuen Bundesregierung wollte sich Meisner nicht äußern: «Natürlich kann Sozialpolitik nie genug sein. Nur wenn man hier etwas kritisiert, muss man natürlich Alternativen anbieten.» Damit tue er sich derzeit etwas schwer, räumte der Kardinal ein.

Das Buch «Froh in der Gnade Gottes - Die Heilige Elisabeth von Thüringen» ist im Kölner J.P. Bachem Verlag erschienen und kostet 12.95 Euro.
German Streit über Nachfolge von Kardinal Meisner
Nov 06, 2005
Papst Benedikt XVI. hat offenbar den Kandidaten abgelehnt, den der Kölner Erzbischof für seine eigene Nachfolge vorgeschlagen hat.

(netzeitung.de, 29. Okt 2005) Zwischen Kardinal Joachim Meisner und dem Vatikan gibt es Unstimmigkeiten über den Nachfolger des Kölner Erzbischofs, wie das Magazin «Spiegel» berichtet.

Demnach hat Meisner Papst Benedikt XVI. vergeblich davon zu überzeugen versucht, den 49-jährigen Weihbischof Rainer Woelki als Koadjutor einzusetzen. Diese Funktion an der Seite eines amtierenden Bischofs beinhaltet das Recht der automatischen Nachfolge. Meisner muss sein Amt in drei Jahren aus Altersgründen aufgeben.

Aus dem Umfeld von Benedikt XVI. im Vatikan verlautete laut «Spiegel», der Papst habe Meisner klar zu verstehen gegeben, dass ein solcher Weg bei der Neubesetzung in Köln nicht in Frage komme.

Da der von Meisner favorisierte Woelki in Köln als unselbstständiger Befehlsempfänger des Erzbischofs gelte, sei das Vorpreschen des Kardinals in Kölner Katholikenkreisen auf Unmut gestoßen, berichtete das Magazin weiter.

Von Priestern des Kölner Priesterrats deswegen zur Rede gestellt, habe Meisner allerdings abgestritten, derartige Pläne zu verfolgen. «Mir ist von einem solchen Vorgang nichts bekannt», wird der Erzbischof zitiert.
German Zum Ende des Fastenmonats Ramadan
Oct 30, 2005
Wir veröffentlichen das Schreiben, das Erzbischof Joachim Kardinal Meisner zum Ende des Fastenmonats Ramadan an die muslimische Bevölkerung in seiner Erzdiözese Köln gerichtet hat.

(Zenit, 27. Oktober 2005) Angesichts der "globalen Herausforderungen der Zukunft" ruft der Kardinal zur Zusammenarbeit auf, weil diese nur so gemeistert werden könnten. "Im Glauben und Vertrauen auf Gott finden Menschen Kraft und Zuversicht für den so bedeutsamen Dialog des Lebens und Handelns."

* * *

Liebe muslimische Schwestern und Brüder!

In diesem Tagen geht für Sie der Fastenmonat Ramadan zu Ende, eine Zeit des Gebets und der Besinnung auf Gott. Zum festlichen Abschluss dieser gesegneten Wochen sende ich Ihnen herzliche Grüße, verbunden mit der Hoffnung, dass der Allmächtige uns in unseren Anstrengungen für eine gute Zukunft stärken wird.

Köln blickt in diesem Jahr auf glückliche Momente zurück: Der Weltjugendtag ließ die Stadt und das Land an einem weltumspannenden Treffen der Jugend teilnehmen, das mit seiner Fröhlichkeit und Friedfertigkeit ein Ausdruck begeisterten Glaubens darstellte. Zeichen des Friedens und der Hoffnung waren auch die Begegnungen von Papst Benedikt XVI. mit Juden und Muslimen in Köln. Sie wollen ermutigen, als Gläubige an den Einen Gott und im gegenseitigen Respekt die Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Wir sehen uns aber auch unermesslichem Leid gegenüber: Krieg und Terror vergegenwärtigen unübersehbar das Böse und Unheilvolle in der Welt; Naturkatastrophen in Afrika, Asien und Amerika haben Zehntausende in den Tod gerissen und die Überlebenden fassungslos zurückgelassen.

Die beglückenden wie die schockierenden Bilder führen uns eindringlich vor Augen, dass die globalen Herausforderungen der Zukunft gemeinschaftlich angenommen werden müssen, weil sie nur so gemeistert werden können. Im Glauben und Vertrauen auf Gott finden Menschen Kraft und Zuversicht für den so bedeutsamen Dialog des Lebens und Handelns.

Der Heilige Vater sagte in seiner Ansprache bei seinem Treffen mit Muslimen während des Weltjugendtages in Köln: "Wir dürfen der Angst und dem Pessimismus keinen Raum geben. Wir müssen vielmehr Optimismus und Hoffnung pflegen. Der interreligiöse und interkulturelle Dialog zwischen Christen und Muslimen darf nicht auf eine Saisonentscheidung reduziert werden. Tatsächlich ist er eine vitale Notwendigkeit, von der zum großen Teil unsere Zukunft abhängt."

Der allmächtige Gott stärke uns in der Hoffnung und lenke unsere Schritte auf den Weg des Friedens!

Gott segne und behüte Sie und Ihre Familien!

Joachim Kardinal Meisner

Erzbischof von Köln
German Hirtenbrief nach dem 20. Weltjugendtag 2005
Sept 28, 2005
"Der Weltjugendtag ist mit der Abreise des Papstes nicht zu Ende gegangen. Vielmehr müssen wir sagen: 'Jetzt geht es erst richtig los', indem wir aus diesem Riesengeschenk Konsequenzen für den Alltag ziehen"

In einem Hirtenbrief, der am Sonntag, den 18. September 2005, in allen Pfarren der Erzdiözese Köln verlesen worden ist, blickt Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, auf den 20. Weltjugendtag zurück und lädt seine Gläubigen dazu ein, "aus diesem Riesengeschenk Konsequenzen für den Alltag" zu ziehen.

* * *

Liebe Schwestern und Brüder in Christus, dem Herrn!

"Wir haben seine Herrlichkeit gesehen" (Joh 1,14), so endet der Prolog des Johannesevangeliums. Das können wir auch als Resümee unter den Weltjugendtag schreiben.

Alle Seiten bestätigen uns, dass nicht die organisatorischen Leistungen das Hervorstechende dieser gesegneten Tage waren, sondern die geistliche und gläubige Tiefe der Begegnungen der Menschen mit Gott und untereinander. Wir sollten uns hier als gastgebende Erzdiözese an das Wort des Psalmisten erinnern: "Seele vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat" (Ps 103,2).

Von so vielen Bischöfen, Priestern und gläubigen Menschen aus aller Welt erhalte ich Dankesbriefe für das geistliche Ereignis Weltjugendtag 2005 in Köln. Gerne gebe ich den Dank weiter an Sie alle, die durch Ihr Gebet, Ihre Gastfreundschaft, Ihre speziellen Dienste und durch Ihr Wohlwollen an diesem gemeinsamen Werk mit beteiligt waren. Vor diesem Hintergrund haben wir alle gemeinsam eine große Konzelebration erlebt, die uns reich und ein wenig glücklich macht.

Als gastgebende Diözese sind wir die am meisten Beschenkten! Welch tiefen und froh machenden Glauben haben uns junge Christen aus aller Welt vorgelebt und unsere Städte gleichsam dynamisiert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den ärmsten Ländern hatten uns die reichsten Glaubenserfahrungen mitgebracht. Wir dürfen uns über unsere Jugend freuen. Manche wollen gar nicht wahrhaben, dass die jungen Menschen wieder von einem echt christlichen Format gekennzeichnet sind, wie eine Tageszeitung in einer ihrer Schlagzeilen zum Weltjugendtag schreibt: "Die Mädchen auf dem Weltjugendtag sehen atemberaubend aus. Sie
wirken wie befreit von der allgemeinen Pornografisierung. Sie sind unter das schützende Dach der Kirche geflüchtet." Dürfen wir nicht auf unsere Kirche stolz sein, die trotz aller sexuellen Revolution das Bild vom reinen Menschen bewahrt und gerettet hat, sodass sie anziehend geblieben ist für junge Menschen aus aller Welt?

Besonders beglückend ist für mich, von den vielen Herbergsgebern zu hören, wie viele gute Kontakte und Freundschaften sich zwischen jungen Christen aus aller Welt und den gastgebenden Familien entwickelt haben. Pannen bei der Versorgung der Pilger, Verzögerungen bei der Abreise vom Marienfeld und andere unvermeidliche Belastungen wurden durch herzliche und großzügige Gastfreundschaft ausgeglichen. Ich bin ganz stolz auf die Rheinländer, die den Weltjugendtag zu ihrem eigenen Anliegen gemacht haben und dort nicht fehlten, wo Hilfe, Ermutigung und Begleitung nötig waren. Ich sage allen ganz herzlichen Dank!

Mein Dank gilt auch den evangelischen und orthodoxen Gemeinden für ihre Hilfe, den Städten und Gemeinden und ihren Einrichtungen und Betrieben, den Hilfswerken und allen Bürgerinnen und Bürgern, die uns bei der Durchführung dieses Weltjugendtags in oft so großartiger Weise geholfen haben. Auch die vielen Freiwilligen, die Langzeitfreiwilligen und die Kurzzeitfreiwilligen, haben dazu beigetragen, dass der Weltjugendtag überhaupt durchgeführt werden konnte. Unsere Kernteams in den Gemeinden waren ebenso unverzichtbar, und ich rechne auch weiter auf diese zuverlässigen Jugendlichen, die nun ihren Ertrag des Weltjugendtages hineintragen in unsere Gemeinschaften, Familien- und Freundeskreise.

Der Weltjugendtag ist mit der Abreise des Papstes nicht zu Ende gegangen. Vielmehr müssen wir sagen: "Jetzt geht es erst richtig los", indem wir aus diesem Riesengeschenk Konsequenzen für den Alltag ziehen.

Was bei den Katechesen, die das Rückgrat des Weltjugendtages bildeten, durchgängig zu Tage trat, war eine große Sehnsucht nach Gott, die sich aber oft kaum artikulieren konnte, weil es vielen Jugendlichen einfach an Glaubenswissen und damit auch an sprachlichen Ausdrucksfähigkeiten fehlt. Ich halte es für ein Geschenk der göttlichen Vorsehung, dass unmittelbar vor dem Weltjugendtag das Kompendium des Katechismus der katholischen Kirche erschienen ist. Es ist gleichsam das letzte Geschenk des großen Papstes Johannes Paul II. an den von ihm noch einberufenen XX. Weltjugendtag in Köln. In diesem Kompendium ist der Weltkatechismus praktikabel aufbereitet in einem Schema von Fragen und Antworten, sodass ein leichterer Zugang zum Mysterium des Glaubens gegeben ist. Ich bitte alle Priester, Diakone, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst der Kirche, alle Ehrenamtlichen, alle Pfarrgemeinderäte und alle Eltern, dieses Katechismuskompendium zu erwerben und dann für die nächsten Jahre Kapitel für Kapitel durchzuarbeiten.

Ganz besonders die Firmvorbereitung sollte auf den entsprechenden Kapiteln des Kompendiums basieren. In einer multireligiösen Umwelt haben die Menschen nur die Chance, die befreiende Botschaft des Evangeliums zu hören, wenn wir Christen auskunftsfähig sind, wenn wir unseren Glauben kennen, der ja nicht Gefühl, Ahnung, Meinung oder irgendeine geistliche Verschwommenheit ist, sondern eine inhaltsreiche Botschaft. "Eine lebendige Katechese" könnte ein wichtiges Ergebnis des Weltjugendtages 2005 in Köln sein.

Das Motto des Weltjugendtages "Wir sind gekommen, um IHN anzubeten" (vgl. Mt 2,2) hat in der eucharistischen Anbetung sein beeindruckendes Echo gefunden. In vielen geistlichen Zentren von Köln, Düsseldorf und Bonn war Tag und Nacht Gelegenheit zur eucharistischen Anbetung, die von Zigtausenden genutzt wurde. Auch hatten wir erstmalig bei einem Weltjugendtag in der Vigilfeier eine eucharistische Prozession mit eucharistischer Anbetung erlebt. Viele hatten davon abgeraten, weil sie meinten, eine so große Millionengemeinde würde nicht die innere Ruhe aufbringen, um dem Herrn im Sakrament zu begegnen. Genau das Gegenteil war der Fall. Die tiefe Stille, die über dem Marienfeld lag, als die Monstranz auf dem Altar stand und der Heilige Vater vor ihr betete, wird mir unvergesslich bleiben. Übrigens sagte mir der Heilige Vater, dass für ihn diese Minuten anbetenden Schweigens vor der Monstranz das tiefste Erlebnis beim Weltjugendtag war. Ein junges Mädchen erzählte mir, sie habe sich inmitten der Millionengemeinde auf den Knien vor dem Herrn im Sakrament ganz persönlich angesprochen gefühlt. Ebenfalls war bei der Eucharistiefeier am Sonntag das Hochgebet der heiligen Messe von anbetendem Schweigen begleitet. Gerade in diesem Augenblick konnte man die geistliche Dichte dieses großen Gottesdienstes erspüren.

Weithin unbemerkt von den Medien bot der Weltjugendtag einen weiteren geistlichen Akzent von beeindruckender Intensität in der Spendung des Bußsakramentes. Bewegt berichteten mir viele Priester von den langen Schlangen vor den Beichtstühlen. Sogar noch auf dem Marienfeld wurde bis tief in die Nacht hinein gebeichtet. Ein Journalist berichtete angesichts vieler auf die Beichte wartender Jugendlicher: "Ich wurde richtig neidisch auf diese Jugendliche und sagte mir: Das möchtest du auch können, einmal dir alles von der Seele reden und dabei wissen, Gott nimmt alles weg, was Schuld und Sünde ist." Ich wünsche uns allen solche Erfahrungen. Entdecken wir das große Geschenk des Bußsakramentes neu, in dem uns Gott mit seiner versöhnenden Barmherzigkeit begegnet.

Ebenfalls zum ersten Mal bei einem Weltjugendtag gab es in St. Pantaleon ein Zentrum für Priesteramtskandidaten aus aller Welt. Dort fand am Freitag eine Begegnung des Heiligen Vaters mit etwa 5000 angemeldeten Seminaristen statt, bei der ein Theologiestudent aus unserer Erzdiözese, ein Pfarrer aus Kasachstan und der Erzbischof von Quebec in Kanada Zeugnis von ihrem inneren Berufungsweg ablegten. Darauf antwortete der Papst in einer sehr bewegenden Homilie über das Priestertum. Junge Menschen des Weltjugendtages wollen nun ihren Altersgenossen in den Priesterseminaren in aller Welt Briefe schreiben, in denen sie die Seminaristen bitten, sich gut durch Studium und Gebet auf das Priestertum vorzubereiten, denn sie werden eines Tages die Katecheten ihrer Kinder und die Priester sein, bei denen sie beichten werden. Als Ermutigung wollen sie ihnen die drei Zeugnisse und die Predigt des Papstes zuschicken. Bei dieser Gelegenheit ist mir auch klar geworden, dass beim nächsten Weltjugendtag in Sydney ein solches Zentrum auch für ernstlich Verliebte und Verlobte eingerichtet werden sollte, um jungen Menschen Begleitung auf ihrem Weg zur Ehe und Familie zu geben.

Das Bedürfnis und die Sehnsucht, eine gute Ehe führen zu können und einmal eine gesegnete Familie haben zu dürfen, sind so groß, dass wir junge Menschen darin nicht allein lassen dürfen. Hier stellt uns der Weltjugendtag Aufgaben vor Augen, die aller Mühe wert sind.

Ich darf noch einmal zusammenfassen, was uns der Weltjugendtag für die nächste Zeit mit auf den Weg gibt: Die Aneignung eines soliden Glaubenswissens, die Wiederentdeckung des Bußsakramentes, die Sorge um eine Atmosphäre in unseren Gemeinden, die geistliche Berufungen ermöglicht, das Erschließen von Vorbereitungswegen für junge Menschen auf Ehe und Familie hin und die weitere Pflege der Gastfreundschaft.

Liebe Schwestern, liebe Brüder, in aller Demut dürfen wir sagen: Unserer Generation im Erzbistum Köln ist mit dem Weltjugendtag ein Ereignis geschenkt worden, das seinesgleichen in der fast 2000-jährigen Geschichte unseres Erzbistums vergeblich sucht. Wir durften Zeuginnen und Zeugen sein, dass buchstäblich die Welt zu den ersten Christuspilgern, den Heiligen Drei Königen, gepilgert ist, um IHN anzubeten, der unser Herr und Gott ist.

Es wäre eine große Gnade, wenn jede und jeder am je eigenen Platz die positiven Erfahrungen weiter vertiefen könnte, die ihm in diesen Tagen geschenkt wurden. Dann wird Köln 2005 zu einem geistlichen Ereignis auch für 2010, 2020, ja bis zum Ende der Tage. Das wünsche ich von ganzem Herzen. Dazu segne euch der allmächtige Gott: der Vater und der Sohn und der Heilige Geist.

Euer
+ Joachim Kardinal Meisner
German Ansprache von Joachim Kardinal Meisner beim Journalistenempfang zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel am 8. September 2005
Sept 28, 2005
"Kann man neutral bleiben angesichts des in Köln Erlebten? Kann man unberührt bleiben von der Vision, die hier sichtbar wurde und die den 'ganz normalen Wahnsinn' unseres Alltags umso krasser kontrastierte?"

KÖLN, 8. September 2005 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache von Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, anlässlich des Journalistenempfangs zum Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, der am heutigen Donnerstag zum 36. Mal begangen wird. In Erinnerung an die unvergesslichen Eindrücke des Kölner Weltjugendtages bittet der 71-jährige Kardinal die Journalisten darum, auch in Zukunft "an einer weltweiten 'Zivilisation der Gerechtigkeit' mitzuarbeiten".

* * *

Sehr geehrte Damen und Herren,

drei Wochen nach dem Weltjugendtag stehen wir noch ganz unter den Eindrücken dieses großen Ereignisses. Die gelöste und heitere Stimmung, die besinnlichen Gottesdienste und Gebetszeiten und natürlich der Besuch unseres Heiligen Vaters Benedikt XVI. mit seinen bemerkenswerten Stationen stehen uns noch lebhaft vor Augen. Der Weltjugendtag in Köln hat eine ganz eigene Faszination ausgestrahlt. Sie hat auch viele Menschen berührt, die nicht unmittelbar dabei sein konnten. Selbst durch die Medien hat sich offenbar diese Strahlkraft vermittelt. Eine Woche lang standen Gebet, Glaube und Kirche in einem bisher nicht gekannten Ausmaß im Zentrum der Berichterstattung. Wie schon der Heimgang unseres verstorbenen Papstes Johannes Paul II., so entfaltete auch der Weltjugendtag mit Papst Benedikt XVI. in der öffentlichen Wahrnehmung eine besondere Wirkung. Er öffnete gleichsam eine Tür zu einem Lebensbereich, der in unserer Gesellschaft gewöhnlich der absoluten Privatsphäre zugerechnet wird: Der Glaube war wieder ein öffentliches Thema. Das ist in unserer Gesellschaft, zumal in den Medien, alles andere als selbstverständlich. Deshalb erwähne ich dies voll Dankbarkeit auch gleich zu Beginn. Und ich freue mich, dass ich heute die Gelegenheit habe, kurz nach dem Weltjugendtag mit Ihnen, den Vertretern der Medien, noch einmal auf dieses Ereignis zurückblicken zu können.

Der Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, den wir heute begehen, hat sein diesjähriges Thema noch von unserem großen verstorbenen Papst Johannes Paul II. erhalten. Es lautet: "Die Kommunikationsmittel im Dienst der Verständigung zwischen den Völkern". Als hätte der verstorbene Heilige Vater geahnt, was wir beim Weltjugendtag erleben durften! In seiner Botschaft zum heutigen Tag schreibt er: "Besonders Bilder haben die Macht, dauerhafte Eindrücke zu vermitteln und Verhalten zu formen." Und welche Bilder haben wir in den letzten Wochen aus Köln gesehen! Junge Menschen aller Sprachen, Hautfarben und Nationen, fröhlich feiernd und andächtig betend, gemeinsam unterwegs auf Pilgerschaft, "gekommen, IHN anzubeten" (Mt 2,2), auf der Suche nach einem tragfähigen Sinn für ihr Leben und für die Zukunft. Ein Fest des Glaubens voll ernsthaftem Tiefsinn und gleichzeitig von geradezu ansteckender Fröhlichkeit.

1. "Das ist nicht normal", so lautete der ungläubige Kommentar vieler erstaunter Beobachter. Und tatsächlich, "normal" ist in unserer Welt ein solches Friedensfest leider nicht. Es ist "nicht normal", dass sich Menschen aus 193 Nationen friedlich treffen. Es ist "nicht normal", dass eine Million Menschen unter freiem Himmel zusammenkommen, um Gottesdienst zu feiern. Es ist "nicht normal", dass Hunderttausende die Mühen der Pilgerschaft geduldig auf sich nehmen. Glaubensfest, Pilgerfahrt, friedliche Feier und Verständigung über Sprachen und Nationen hinweg: all das ist offenbar so ungewöhnlich, dass sich ganz neu die Frage aufdrängt: Was ist denn "normal" in unserer Welt? Haben wir uns nicht schon zu sehr an die "Normalität" von Gewalt und Hass, von Gottes- und Menschenverachtung gewöhnt – bis hin zur Perversion von Terror und Gewalt, "die aus angeblich religiösen Motiven verübt wird", so Bundespräsident Horst Köhler bei der Begrüßung des Heiligen Vaters? Papst Benedikt XVI. legte den Finger in die Wunde, als er auf dem Marienfeld sagte: "Heute gibt es in großen Teilen der Welt eine merkwürdige Gottvergessenheit. Es scheint auch ohne ihn zu gehen. Aber zugleich gibt es auch ein Gefühl der Frustration, der Unzufriedenheit an allem und mit allem: Das kann doch nicht das Leben sein!"

2. Vor drei Wochen hatten wir das Glück, eine Wirklichkeit gewordene Vision erleben zu dürfen. Viele, auch in den Medien, sprachen von einem Wunder. Der Weltjugendtag hat Köln verändert. Die Stadt war wieder Pilgerziel; sie konnte für einige Tage ihren bloßen Zweck als Einkaufsparadies oder Touristenattraktion abstreifen. Einladend standen Tag und Nacht die Kirchen offen und waren immer auch voller Beter. Das "heilige Köln" bekam ein Gesicht, oder besser: Es bekam die Gesichter der hunderttausendköpfigen Pilgerschar. Ihrem sprichwörtlichen "jugendlichen Leichtsinn" musste jede Schwermut weichen. Sogar die traurige Nachricht von der Ermordung von Frère Roger wandelte sich in eine tiefe Dankbarkeit für diesen großen Zeugen des Evangeliums, der unzähligen jungen Menschen so viel bedeutet hatte. Die Innigkeit der Gottesdienste, der Beichtgespräche und des stillen Anbetens strahlte durch die Gesichter der Jugendlichen aus auf alle, die ihnen begegneten. Und selbst die überall geschwenkten Nationalflaggen – sonst Hoheitszeichen und nicht selten demonstrative Machtsymbole – verwandelten sich in den Händen der Pilger zum dankbaren Signal: "Seht, auch wir sind hier, selbst von weit her!" Das Wort vom "pilgernden Gottesvolk", von dem das Zweite Vatikanische Konzil spricht (LG 48), und die alttestamentliche Vision der "Völkerwallfahrt" (vgl. Jes 2, 3f), beides war in Köln erlebbar.

Und die Pilgerschaft hatte ein Ziel: Zunächst den Dreikönigsschrein im Dom, auf den Spuren der ersten Christuspilger; schließlich aber die gemeinsame Eucharistie auf dem Marienfeld, in der sich buchstäblich alle Welt um den Tisch des Herrn versammelte. Köln erlebte einen Ausnahmezustand ganz besonderer Art. Und diese Ausnahme von der Regel zeigte umso krasser, wie unnormal, ja inhuman unser Alltag in der Regel ist.

3. Welche Konsequenzen müssen wir daraus ziehen? Sind die Erfahrungen des Weltjugendtages nichts weiter als eine bald vergessene Hochstimmung, ein Strohfeuer? Papst Benedikt XVI. hat bei seiner Begegnung mit uns deutschen Bischöfen am 21. August gesagt: Der Weltjugendtag "lädt uns ein, unseren Blick in die Zukunft zu richten. Die Jugendlichen sind für die Kirche und insbesondere für die Hirten, die Eltern und Erzieher ein lebendiger Aufruf zum Glauben und zur Hoffnung." Und weiter sagte er: "Das bedeutet, zukunftsoffene Kirche zu sein, als solche reich an Verheißungen für die nachwachsenden Generationen. Die jungen Leute suchen nämlich keine künstlich sich jung gebende Kirche, sondern eine Kirche, die jung ist im Geist, eine Kirche, die Christus, den neuen Menschen, durchscheinen lässt."

Der Papst macht dabei immer wieder deutlich, dass er den Jugendlichen nicht nur viel zumutet, sondern noch mehr zutraut. Er knüpft an seinen großen Vorgänger an, der die jungen Leute "Baumeister einer Zivilisation der Gerechtigkeit" und "die Wächter des Morgens" genannt hat. Damit stößt der Papst bei den jungen Menschen auf große Resonanz, das bedeutet: Er bringt in ihnen etwas zum Klingen. Denn Jugendliche sind der Schöpferhand Gottes immer näher als wir Erwachsenen. Sie sind deshalb auch "radikaler" im Wortsinn: den Wurzeln näher. Von daher kommen auch ihre Begeisterung und ihr Elan im Einsatz für mehr Gerechtigkeit in der Welt. Diese Begeisterung vermittelte sich beim Weltjugendtag auch über die Medien. Sie ergriff scheinbar unwillkürlich auch jene, für die kühle Distanziertheit zum Berufsethos gehört, die Journalisten. Aber kann man neutral bleiben angesichts des in Köln Erlebten? Kann man unberührt bleiben von der Vision, die hier sichtbar wurde und die den "ganz normalen Wahnsinn" unseres Alltags umso krasser kontrastierte?

Vor diesem Hintergrund steht die Bitte des verstorbenen Papstes, "dass die Männer und Frauen in den Medien ihren Teil dazu leisten, die trennenden Mauern der Feindschaft in unserer Welt einzureißen, jene Mauern, die Völker und Nationen voneinander trennen und dabei Missverstehen und Misstrauen nähren." Und an anderer Stelle schreibt Johannes Paul II. in seiner Botschaft zum diesjährigen Welttag der sozialen Kommunikationsmittel: "In der Tat haben die Medien ein großes Potenzial, Frieden und Brückenschläge zwischen den Völkern zu fördern sowie den fatalen Kreislauf von Gewalt, Unterdrückung und erneuter Gewalt, der heute so weit verbreitet ist, zu durchbrechen." Die Erfahrungen des Weltjugendtags machen uns Hoffnung. Ich bitte Sie, auch in Zukunft mit Ihren Möglichkeiten an einer weltweiten "Zivilisation der Gerechtigkeit" mitzuarbeiten.
German Predigt beim Dankgottesdienst mit den Helfern des Weltjugendtages
Sept 28, 2005
Wir veröffentlichen die Predigt, die Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, am Montag anlässlich eines Dankgottesdienstes für die Tausenden Weltjugendtags-Helfer am Tanzbrunnen in Köln-Deutz gehalten hat.

KÖLN, 24. August 2005 (ZENIT.org).- Darin verglich er sie mit den unscheinbaren Säulen, die das Gewölbe des Kölner Doms tragen und sagte: "Ihr wart mit das tragende organisatorische und geistliche Fundament unseres Weltjugendtages. Wenn es stimmt, was ein altes Sprichwort sagt – und es stimmt! –: 'Der hat sein Leben am besten verbracht, der die meisten Menschen hat froh gemacht', dann geht ihr beim WJT nicht leer aus."

Auch in diesen Tagen habe man sehen können, dass Gott sich abhängig mache "von kleinen Menschen. Das wiederholte sich durch die ganze Geschichte der Christenheit. Wir brauchen dabei nur an die großen und die kleinen Heiligen der Welt zu denken, aber auch an viele schlichte Christen in unserer Umwelt, die ohne Ansehen ihrer Person in aller Stille ihren Dienst tun. Das haben wir so überwältigend gerade in den zurückliegenden Tagen erlebt. 28.000 Helferinnen und Helfer, das sind 56.000 Hände, die für andere, im Letzten aber für den Herrn, da waren."

Allen freiwilligen Mitarbeitern überbrachte Kardinal Meisner den ausdrücklichen Dank Benedikts XVI. Abschließend rief er dazu auf, von den gemachten Erfahrungen zu erzählen: "Wenn man von einem großen Fest kommt, muss man den Daheimgebliebenen etwas mitbringen. Bringt ihnen eure Dienst-Erfahrungen, bringt ihnen die ganze Freude an Gott und der Welt mit nach Hause, die ihr gerade als Dienende beim Weltjugendtag empfangen durftet."

* * *

Liebe Schwestern, liebe Brüder im Herrn!

1. "Wir haben seine Herrlichkeit gesehen" (Joh 1,14), so schließt der Prolog des Johannesevangeliums. Vielleicht werden wir das im Rückblick auf die letzte Woche auch sagen dürfen: "Wir haben seine Herrlichkeit gesehen", nämlich die Herrlichkeit des Herrn. Und es ist ein großes Geschenk, dass wir dabei sein durften. Ihr werdet noch euren Kindern und Kindeskindern erzählen können, dass ihr in den Kölner Augusttagen im Jahr 2005 dabei wart, und zwar nicht als Zuschauer, sondern als Mitwirkende, als Mithandelnde, als Mitverantwortliche. Auf den großen Gemälden, die die Reise der Heiligen Drei Könige nach Bethlehem darstellen, sind immer im Gefolge der drei Würdenträger die vielen Helferinnen und Helfer in allen möglichen Konstellationen zu sehen. Sie helfen den drei Sehern auf ihrem Weg nach Bethlehem, indem sie ihre Lasten tragen und ihnen ihre Begleitung nicht versagen.

Unser Weltjugendtag hatte auch seine Helferinnen und Helfer, die gleichsam die Handlanger des lieben Gottes waren und dort bei diesem Großereignis nicht fehlten, wo sie nötig waren. Und das seid ihr! Ohne euch wäre auf dem Weltjugendtag nichts gegangen! Darum habt ihr auf euer unmittelbares Dabeisein als Teilnehmer verzichtet, um euren Schwestern und Brüdern im Glauben aus aller Welt zu dienen, dass ihnen die Wege gewiesen wurden, dass ihnen die Speisen gereicht werden konnten, dass sie ein Dach über dem Kopf hatten und vieles, vieles mehr. Ihr wart gleichsam die dienenden Engel dieser letzten unvergesslichen Tage.

Im Namen des Heiligen Vaters soll ich euch allen seinen persönlichen und großen Dank für euren vorbildlichen Dienst überbringen. Er hat mich speziell für diesen Gottesdienst als seinen Vertreter zu euch geschickt, um mit euch die große Danksagung, die heilige Eucharistie, zu feiern. Als äußeres Zeichen seines Dankes werdet ihr dann nach der heiligen Messe ein kleines Andenken von ihm erhalten.

2. Wer den Kölner Dom besucht, bewundert die das Gewölbe tragenden Säulen, die dem Dom seine Höhe ermöglichen. Aber die Fundamente, welche die Säulen und die Gewölbe tragen, sieht man nicht. Über sie spricht auch kaum jemand. Aber ohne sie gäbe es keinen Dom. Ihr als Helfer hattet solche das Ganze tragende Aufgaben und Funktionen. Wir haben zwar die meisten von euch bei euren vielfältigen Diensten gesehen, aber ihr standet nie in der Mitte, sondern immer am Rand. Doch ohne euch hätte das Ganze gar nicht stattfinden können. Ihr wart mit das tragende organisatorische und geistliche Fundament unseres Weltjugendtages. Wenn es stimmt, was ein altes Sprichwort sagt – und es stimmt! –: "Der hat sein Leben am besten verbracht, der die meisten Menschen hat froh gemacht", dann geht ihr beim WJT nicht leer aus.

Liebe Freunde, die vielen frohen Gesichter der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Weltjugendtages sind sicher für euch der schönste Lohn für euren selbstlosen Einsatz. Gerade diese Verborgenheit eures Einsatzes spielt im Reiche Gottes eine große Rolle. Jesus spricht selbst von dem verborgenen Schatz im Acker. Ihr wart ein solcher verborgener Schatz bei unserem Weltjugendtag. Und der Apostel Paulus spricht von unserem verborgenen Leben mit Christus in Gott (vgl. Kol 3,3). Euer Dienst im Hintergrund legte Zeugnis ab von der verborgenen Gegenwart des Herrn auf den Straßen und Plätzen, in den Kirchen und Sälen des Weltjugendtages. Und der Prophet Jesaja spricht: "Wahrhaftig, du bist ein verborgener Gott. Israels Gott ist der Retter" (Jes 45,15). Vielleicht war diese Gegenwart Gottes in eurem Dienst eines der größten Geschenke, die unsere jugendlichen Besucher aus aller Welt als kostbare Mitgift von Köln wieder nach Hause mitnehmen.

3. Der Herr selbst hat sich eurer in diesen Tagen bedient, so wie damals in der Wüste der kleine Junge bei der wunderbaren Brotvermehrung dem Herrn seine fünf Brote bereitgestellt hat, aus denen der Herr dann die 5.000 hungernden Erwachsenen sättigen konnte. Oder so wie der Apostel Petrus dem Herrn sein Boot zur Verfügung stellte, damit er dann vom Wasser aus zu den vielen Menschen am See Genezareth sprechen konnte. Oder so wie Maria ihm ihre Arme schenkte, auf denen er sich dann von ihr ins Leben und in die Welt hineintragen ließ: Das waren alles "Handlanger Gottes", wichtig für ihn und seine Pläne.

Der große Gott hat sich abhängig gemacht von kleinen Menschen. Das wiederholte sich durch die ganze Geschichte der Christenheit. Wir brauchen dabei nur an die großen und die kleinen Heiligen der Welt zu denken, aber auch an viele schlichte Christen in unserer Umwelt, die ohne Ansehen ihrer Person in aller Stille ihren Dienst tun. Das haben wir so überwältigend gerade in den zurückliegenden Tagen erlebt. 28.000 Helferinnen und Helfer, das sind 56.000 Hände, die für andere, im Letzten aber für den Herrn, da waren. Wie bei den biblischen Gestalten werden wir auch bei euch sagen dürfen: Der Herr hat sich von euch, von eurem Einsatz, von euren Diensten abhängig gemacht. Er meinte, er könne euch vertrauen, so dass seine Brüder und Schwestern aus aller Welt bei euch in guten Händen waren. Und ich bin überzeugt, dass ihr sein Vertrauen nicht enttäuscht habt. Und das – glaube ich – ist die große Auszeichnung eures Dienstes, die euch euer ganzes Leben lang begleiten darf: Ihr wart die großen Vertrauensträger Gottes in diesen gesegneten zurückliegenden Tagen. Ist das nicht wie ein Wunder und eine kostbare Frucht des Weltjugendtages?

Manche Leute sagen: Die Jugend lässt sich nur noch von drei Fragen bestimmen und bewegen, nämlich von der Frage: "Was verdiene ich dabei?", "Was habe ich davon?" und "Was nützt mir das?". Ihr habt in großartiger und selbstverständlicher Weise diese Vorurteile widerlegt, und zwar als das, was sie wirklich sind: nur Vorurteile! Von den Heiligen Drei Königen heißt es: "Da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar" (Mt 2,11). Ihr, liebe Freunde, wart gute Artgenossen dieser ersten Christuspilger. Ihr habt dem Herrn eure Zeit, eure Interessen, euren Verzicht, überall mit dabei sein zu können wie die anderen, geschenkt. Ihr werdet gerade deshalb – wie die Heiligen Drei Könige – auch nicht mit leeren Händen vom Weltjugendtag in euren Alltag wieder zurückkehren.

Gott lässt sich an Großmut von uns nicht übertreffen. Ich kann selbst bestätigen, wie wahr die alte menschliche Erfahrung ist, die sich in der Redensart äußert: "Was wir durch die Tür verschenken, das tragen uns die Engel Gottes wieder durch das Fenster mit Zuschlag zurück."

4. Der Weltjugendtag ist zwar zu Ende, aber den tiefen und kräftigen Impuls, der von ihm ausgeht, haben wir nun in unsere Gemeinden, in unsere Familien, in unsere Gemeinschaften, in unsere Gruppen und Lebensräume hinein zu tragen. Und vielleicht seid ihr gerade die qualifiziertesten Vermittler dieser gnadenreichen Erfahrungen in die Alltagswelt hinein zu unseren Kindern, Eltern und alten Leuten. Wenn man von einem großen Fest kommt, muss man den Daheimgebliebenen etwas mitbringen. Bringt ihnen eure Dienst-Erfahrungen, bringt ihnen die ganze Freude an Gott und der Welt mit nach Hause, die ihr gerade als Dienende beim Weltjugendtag empfangen durftet.

Ich als Erzbischof von Köln bin stolz auf euch und danke euch. Und darum ist diese heilige Messe, die wir nun gemeinsam feiern, der schönste Dank, den die Kirche euch schenken kann. Amen.

+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Ein Kardinal zum Anfassen und Anbeißen
Sept 27, 2005
Munter plaudernd und dabei viele Hände schüttelnd schob sich der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner durch die dicht gedrängt stehenden Gemeindemitglieder und Gäste im Pfarrheim von St. Michael.

(Kölner Rundschau, 25.09.2005) WALDBRÖL. Stets an seiner Seite Pfarrer Klaus-Peter Jansen, dem die Freude über den hohen Besuch anzusehen war. Meisner seinerseits meinte, sich mit den Oberbergern gut stellen zu müssen, wolle er hier doch seinen Ruhestand verleben - ein Besuch unter Freunden also, den Meisner offensichtlich ebenso genoss wie seine Gastgeber.

Die Festwoche zur Erinnerung an 300 Jahre katholische Kirche St. Michael Waldbröl, 200 Jahre Pfarrgemeinde, 125 Jahre Kirchenchor und 40 Jahre Erweiterung der Pfarrkirche eröffnete der Kölner Erzbischof am Samstagabend mit einem Pontifikalamt. Das wurde musikalisch gestaltet von dem Jubiläumschor und dem Orchester der Jugendmusikschule mit der Orgelsolomesse von Mozart.

„Diese Gotteshaus“, so Meisner, „ist ein Heiligtum, allen irdischen Zwecken entzogen. Nur da, wo man sich den Schmuck der Kirche etwas kosten lässt, kommen auch die Menschen nicht zu kurz.“ Kirche, meinte Meisner, sei auch Inbegriff der irdischen Heimat. „Sie bewahrt uns vor dem Verlust unser selbst.“ Und er schloss damit, das Kirchenjubiläum als ein Fest der Zukunft zu feiern.

In seinem Grußwort im Pfarrheim sprach der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Paul Schulz, das „immer noch zarte Pflänzchen der Zusammenarbeit im Seelsorgebereich“ an der Bröl an. Er meinte launig, dass Murren im Gottesvolk bereits aus dem Alten Bund überliefert sei. Schulz würdigte die enge Zusammenarbeit mit den protestantischen Glaubensgeschwistern. Ausdruck dafür sei die Anwesenheit von Supenintendent Jürgen Knabe und den Pfarrern der evangelischen Kirchengemeinde Waldbröl.

Folgerichtig sprach dann auch Pastor Thomas Seibel davon, dass die Protestanten Waldbröls „in Gedanken und im Herzen“ der katholischen Gemeinde eng verbunden seien. Beinahe eine Normalität sei in dieser Stadt die Ökumene, wie sie in jedem Sommer im gemeinsamen Gemeindefest sichtbar würde. Als Zeichen des gemeinsamen Glaubens übergab Seibel Pfarrer Jansen eine Bibel zum Jubiläumsfest. An die gelebte Ökumene erinnerte auch Bürgermeister Christoph Waffenschmidt. „Christus hat den Wert der Einigkeit herausgestellt“, meinte er, „und der Glaube ist die Grundlage der Einigkeit zwischen den Konfessionen“ Er stehe deshalb ausdrücklich dazu, dass der Glaube auch Mittelpunkt in der Stadt sein solle.

Das für Kardinal Meisner bestimmte Geschenk habe er, gestand Waffenschmidt, in der Hektik der Vorbereitungen vergessen. Er lud sich aber zugleich selbst zu einem Privatbesuch im Erzbischöflichen Haus in Köln ein, um Versäumtes nachzuholen. Nicht so vergesslich zeigte sich der Erzbischof. Meisner überreichte Waffenschmidt die höchste zu vergebene Auszeichnung, die Silberne Dommedaille.

Eine Marzipantorte mit dem Bildnis des Erzbischofs hatte die Katholische Frauengemeinschaft gestaltet. Meisner versprach, den Kuchen in Köln mit Gästen zu essen, die „ein Stück vom Kardinal“ abhaben wollen.
German Ansprache vor den italienischen Weltjugendtags-Teilnehmern
Sept 26, 2005
Wir veröffentlichen die Ansprache, die Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, am Mittwoch, dem 17. August 2005, bei seiner Begegnung mit hunderttausenden italienischen Weltjugendtags-Pilgern und ihren Bischöfen im Kölner Stadion gehalten hat.

Bei seinen Gästen aus Italien bedankte er sich für die große Liebe zum neuen deutschen Papst und für die Geschenke, die sie nach Köln mitbrächten: den Glauben an Jesus Christus und die Freude an Gott und der Kirche. "Und wir Deutschen möchten euch ebenfalls unsere Glaubenstreue und unsere Liebesmühe schenken, damit durch den Austausch unseres gegenseitigen Glaubens der Leib Christi auferbaut wird", kündigte Kardinal Meisner an.

Der eigentliche Sinn des Kölner Weltjugendtages bestehe darin, durch die Berührung mit dem Herrn – im Sakrament der Eucharistie, der heiligen Beichte, in der kirchlichen Gemeinschaft – "christoaktiv" zu werden. "Und wer dann mit einem solchen christoaktiven Menschen in Kontakt gerät, der wird ebenfalls christoaktiv." Auf diese Weise mache der Weltjugendtag alle zu "Christusaktive, die dann wieder von Köln in ihre Heimat zurückfahren und dort Christoaktivität ausstrahlen, damit gleichsam eine christoaktive Süd-Nord-Achse in Europa entsteht: von Sizilien bis an die Ost- und Nordsee in Deutschland".

* * *

Liebe Mitbrüder im geistlichen Amt,
liebe Jugendliche aus dem schönen Italien.

Ich sage euch heute nochmals ein ganz herzliches "Willkommen!". Es ist gut, dass ihr hier seid, denn sonst würde es eine erhebliche Lücke beim Weltjugendtag in Köln geben, wenn die katholischen gläubigen Jugendlichen aus Italien nicht dabei wären. Ich fahre fast jeden Monat ein-, manchmal sogar zweimal nach Italien, das heißt nach Rom. Und da wird es wirklich höchste Zeit, dass ihr mit euren Bischöfen bei uns in Köln einen Gegenbesuch macht. Ich hoffe, dass ihr euch hier in Köln wie zu Hause fühlt. Köln war kurz nach der Zeit Christi schon eine römische Stadt und trug den Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensium. Den katholischen Glauben nach Köln haben nicht Missionare gebracht, sondern gläubige italienische Soldaten, Handwerker, Kaufleute und Bürger, die sich hier bei uns niedergelassen haben. Sie brachten ihren katholischen Glauben mit, und der ging einfach auf die anderen Menschen hier in der Gegend über.

Unser Glaube ist nie weitergegeben worden durch Propaganda oder Reklame, sondern gleichsam durch Ansteckung. Ich möchte euch ein negatives Beispiel aus der Physik erzählen: Wer mit radioaktiver Materie in Kontakt kommt, der wird selbst radioaktiv. Und wer dann mit einem solchen Menschen in Kontakt kommt, der wird ebenfalls radioaktiv angesteckt. Das ist ein großes Unglück. Aber jetzt wenden wir mal dieses Negativbeispiel ins Positive um: Wer mit Jesus Christus in Kontakt kommt, wird christoaktiv. Und wer dann mit einem solchen christoaktiven Menschen in Kontakt gerät, der wird ebenfalls christoaktiv. Das ist eigentlich der Sinn und das Geschenk des Weltjugendtages in Köln.

Wir sind den ersten Christuspilgern, den Heiligen Drei Königen, auf die Spur gekommen, und sie führt uns zu Christus. Der Herr wird für uns berührbar: im Sakrament der Eucharistie, der heiligen Beichte, in der kirchlichen Gemeinschaft, sodass wir gleichsam alle Christoaktive sind, die dann wieder von Köln in ihre Heimat zurückfahren und dort Christoaktivität ausstrahlen, damit gleichsam eine christoaktive Süd-Nord-Achse in Europa entsteht: von Sizilien bis an die Ost- und Nordsee in Deutschland.

Der Heilige Geist hat uns im Konklave im April dieses Jahres nach dem unvergesslichen großen Papst Johannes Paul II. einen neuen Papst geschenkt, Benedikt XVI., der aus Deutschland kommt. Ich möchte euch italienischen Bischöfen und Jugendlichen ausdrücklich dafür danken, dass ihr nicht nur den neuen Papst im Glauben annehmt, weil es eben der Papst ist, auch wenn er nicht aus Italien kommt, sondern dass ihr ihn – gerade in Italien – mit so viel Freude, Sympathie und Solidarität angenommen und aufgenommen habt. Darin seid ihr katholischen Christen Italiens uns deutschen Christen ein großes Vorbild.

Von den Heiligen Drei Königen heißt es, dass sie vor dem Kinde niederfielen, es anbeteten und ihm ihre Geschenke überreichten. Ihr, liebe italienische Freunde, seid auch nicht mit leeren Händen zu uns gekommen. Ihr habt uns als eure Geschenke euren Glauben an Jesus Christus mitgebracht, eure Freude an Gott und der Kirche. Und wir Deutschen möchten euch ebenfalls unsere Glaubenstreue und unsere Liebesmühe schenken, damit durch den Austausch unseres gegenseitigen Glaubens der Leib Christi auferbaut wird, der die Kirche ist.

Wir bedauern es alle sehr, dass in die Präambel der europäischen Verfassung nicht Gott, der Geber aller guten Gaben, als Garantie für ein humanes Europa eingeschrieben worden ist. Dort, wo man Gott nicht Gott sein lässt, macht sich der Mensch zum Gott. Und das ist in der neuen europäischen Verfassung schon sichtbar, die über 500 Seiten stark ist, weil die vielen Menschengötter gar nicht genug Platz finden, um all ihre Rechte und Ansprüche und all ihre Forderungen niederzuschreiben. Hier schaut keiner mehr durch. Im Grunde ist eine solche Verfassung wie ein Chaos.

Als Gott der ganzen Menschheit seine Verfassung gegeben hat, da genügten zwei Seiten für die Zehn Gebote. Das ist durchschaubar. Das ist praktikabel. Daraus entsteht ein Kosmos, eine Ordnung zwischen den einzelnen Menschen und Völkern. Aber vor den 10 Regeln steht der Satz: "Ich bin Jahwe, dein Gott" (Dtn 5,6). Wo Gott Raum im Leben der Völker, der Familien und der Einzelnen gegeben wird, dort entsteht eine neue Welt, eine Welt, indem der Mensch menschlich leben kann.

Liebe Freunde aus Italien, ich wünsche von ganzem Herzen, dass ihr von Köln aus ein wenig glücklicher, das heißt, gottinniger wieder nach Hause fahrt, als ihr hierher gekommen seid, und dass ihr uns Kölner ein wenig gottinniger zurücklasst, als wir euch empfangen haben. Gott segne euch! Amen.
German "Gott macht den Menschen wach, lebendig und frei"
Sept 03, 2005
Predigt von Joachim Kardinal Meisner nach der 1. Katechese am 17. August 2005 während des Weltjugendtages in Köln.

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

1. Die Heiligen Drei Könige sind die ersten Christuspilger, und für uns sind sie gleichsam die großen Schrittmacher auf unserer Suche nach Jesus Christus. Aber noch nicht genug damit! Sie sind auch die großen Vorbeter der Christenheit geworden. In ihrem Leben wird deutlich: "Wenn Gott naht, ruft er in die Entscheidung." Die drei Gottessucher brechen auf und folgen dem Stern und suchen ihn, bis sie ihn gefunden haben. So gewaltig Gottes Nähe auch auf den Menschen wirkt, Gott aber lähmt ihn nicht! Im Gegenteil: Gott macht den Menschen wach, lebendig und frei. Das sehen wir bei Maria in Nazareth bei der Verkündigung: Wie ist sie als junger Mensch von 16 Jahren gegenüber dieser dramatischen Situation gleichsam über sich selbst hinaus gewachsen! Sie ist nicht verwirrt und zerbrochen. Sie denkt nach, und sie fragt nach. Und sie antwortet staunenswert. Sie entscheidet damit das Heil der Welt. Nie ist ein Wort aus Menschenmund gekommen, das größer an Wirkung war. Und dieses entscheidende Wort hat Gott von einem jungen Menschen erwartet.

Gott lässt den jungen Menschen auf seiner Lebensbahn um nichts Geringeres laufen, als um sich selbst, als um das höchste Gut. Es geht dabei für den Menschen um alles. Wer wirklich darum weiß, der holt weit aus. So wird der Mensch gerade vor Gott ermächtigt zu Entscheidungen, zu denen er sonst unfähig ist. Die drei Weisen aus dem Morgenland verlassen ihre Vergangenheit und brechen auf in die große Zukunft Gottes, indem sie dann vor dem Herrn niederknien, um ihn anzubeten und ihre Geschenke darzubringen.

2. Liebe junge Freunde, Gott will keine Geschobenen. Im Leben – zumal wo es um das wahre Leben geht – kommt es nach Gott auf den Einzelnen an, nicht auf die Trends, nicht auf das, was gerade "in" ist, nicht darauf, was alle sagen, denken und tun. Es kommt auf den Willen des Einzelnen an, der ihn niederknien lässt vor dem Angesicht des lebendigen Gottes. Dieser Wille des Menschen ist dann sein ganzes Glück. Hier gilt im wahrsten Sinne des Wortes: "Des Menschen Wille ist sein Himmelreich."

3. Man soll – wie uns die Heiligen Drei Könige zeigen – miteinander anbeten. Die höchste Form der Anbetung ist das Singen. Sie ist gleichsam die potenzierte Form der Anbetung. Darum ist wohl auch der gemeinsame Gesang ein Gebot der Stunde. Das Singen gehört zur Anbetung wie die Luft zum Vogel. Durch den Gesang der Engel von Bethlehem wurde den Hirten kundgetan, dass sich soeben etwas Unerhörtes zugetragen hat. Diesen Gesang hat sich die Christenheit zu Eigen gemacht und von Jahrhunderten zu Jahrhunderten wiederholt: "Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade" (vgl. Lk 2,14). Darum hat sich ja das Vorbereitungskomitee bemüht, einen die Herzen der Jugendlichen mit Gott und untereinander verbindenden Song zum Weltjugendtag zu finden. Beim "Gloria in excelsis Deo" muss ich immer an jene Frau denken, die uns diesen herrlichen Gesang übermittelt hat.

Wieso wissen wir eigentlich, dass die Geburt des Herrn mit diesen Worten begrüßt wurde? Nicht die Hirten haben es den Evangelisten berichtet, denn sie kamen nie mit ihnen zusammen. Auch der heilige Josef war es nicht, denn er war schon gestorben, als der Herr seine Apostel erwählte. Wie all das Wunderbare, das uns der Evangelist Lukas von den Geschehnissen in Bethlehem berichtet, waren auch diese Worte im Herzen der Gottesmutter Maria aufbewahrt: "Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach" (Lk 21,19). Das Gloria war der Gesang der Engel und der heimliche Gesang Mariens, ehe es unser Gesang wurde. Von ihnen und von ihr können wir die Freude an Gott und seiner Herrlichkeit empfangen.

Von den Heiligen Drei Königen sagt das Evangelium: "Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter, da fielen sie nieder und huldigten ihm" (Mt 2,11). Das heißt doch, wir finden uns in der Anbetung Christi neben der jugendlichen Maria als Mitanbeterin und als Vorsängerin wieder. Singende Menschen sind immer glaubende Menschen. Wir müssen dafür sorgen, dass unsere Gemeinschaften wieder singende Gemeinschaften werden und dadurch glaubende und deshalb anbetende. In der singenden Anbetung erfährt der Mensch, dass Friede auf Erden nur dann geschenkt wird, wenn Gott zuerst die Ehre in der Höhe erwiesen wird. Der Friede unter den Menschen wird aus der Ehre Gottes geboren, die man ihm zusingt. Die Ehre Gottes ist der Friede der Menschen.

4. Wenn wir uns in diesen Tagen des Weltjugendtreffens gemeinsam vor dem Herrn niederknien, der einer von uns geworden ist, dann ist dies der unmittelbarste und tiefste Ausdruck der Geschwisterlichkeit unter uns Menschen. Die Anbetung lässt mich erkennen, dass Gott mich ganz persönlich meint, als ob ich nur allein auf dieser Welt wäre. Die Globalisierung lässt im Menschen das Bewusstsein der Masse wachsen, in der er sich nur als Stäubchen in einer unübersehbaren Massenexistenz erfährt. Das Rettende in dieser Mentalität steckt in dem kleinen Wort "Du", zumal wenn damit jenes große "Du" gemeint ist, das wir Gott nennen und vor dem wir niederknien, um es anzubeten. So ist es ja oft: Das Größte steckt im Kleinsten; die große Sprengkraft im kleinsten Atom; der große Gottmensch, Jesus Christus, in der kleinen Hostie; die große Rettung der Welt in dem kleinen Wort "Du bist mein vielgeliebtes Kind, an dem ich mein Wohlgefallen habe". Dieses "Du" dürfen wir in der Anbetung zu Gott sagen, seit die Jungfrau von Nazareth bei ihm Gnade gefunden hat. Sie führt uns heran an Gott über uns und an die Einzelperson neben uns, also zum "Du" und zum "Ich". Gott schlug selbst den Vorhang zurück, der die Welt von ihm trennte, und er tritt höchstpersönlich in unseren Raum und in unsere Zeit hinein.

5. Er ging damals in der Verkündigung durch den Engel auf das erschreckte Mädchen von Nazareth zu. Und jetzt wird deutlich, dass er damit uns Menschen meint und gewinnt. Seitdem wagen wir in der Anbetung zu sprechen: "Du". Dieses einmalige "Du" zu ihm. Was seine Geburtsstunde in der Allerheiligen Dreifaltigkeit ausgemacht hat, nämlich dass sich der Vater in seinem "Du", das heißt in seinem Sohn, ausgesprochen hat, dieses "Du" darf nun auf Erden ertönen, seitdem er einer von uns geworden ist und in der Anbetung unser "Du" zu seinem "Du" an den Vater werden lässt.

6. Es könnte uns für den Weltjugendtag kein besseres Leitwort vom Heiligen Vater Johannes Paul II. gegeben worden sein als: "Wir sind gekommen, um IHN anzubeten." Wie damals die heiligen Drei aus dem Dunkel der Zeit in das Licht von Bethlehem getreten sind, so sind nun viele junge Menschen aus 193 Ländern dieser Erde mit all ihren Licht- und Schattenseiten zur Epiphanie des Herrn nach Köln gekommen. Und sie werden in wenigen Tagen von hier aus – und darum bete ich seit vielen Jahren – größer, glücklicher und begnadeter, wie damals die Heiligen Drei Könige, in ihre Heimatländer zurückkehren. Der Mensch ist nie größer als dort, wo er niederkniet in der Anbetung, weil er nirgends Gott ähnlicher ist als dort, wo er niederkniet und anbetet. Der Mensch ist nie weiter als dort, wo er niederkniet in der Anbetung, weil ihn dabei der Atem Gottes trifft und bewegt. Und der Mensch ist nirgends erdnaher als dort, wo er niederkniet und anbetet, weil Gott nicht nur den Menschen will, sondern auch die Erde, die nicht im Chaos enden soll, sondern im Kosmos seiner Herrlichkeit. "Gott will die Erde", sagt die große Theresia, "also sei kein Feigling unter euch!" Amen.
English "Our Hearts Are Troubled Until They Rest in Thee"
Sept 03, 2005
Bishops and cardinals at World Youth Day began their sessions of catechesis for the participants at the event. Below is a translation of the catechesis given by Cardinal Joachim Meisner, archbishop of Cologne, in the Neuss ice arena, on the topic "Seeking the Truth as the Deeper Meaning of Human Existence." COLOGNE, Germany, August 17, 2005.

Where is the newborn king of the Jews? We saw his star at its rising (Matthew 2:2).

Dear Young People!

1. The catecheses serve as a kind of framework for World Youth Day. Here, both you and the catechists will be confronted with the themes of World Youth Day. God is the Word. "In the beginning was the Word, and the Word was with God, and the Word was God" (John 1:1) -- so says the prologue to the Gospel of St. John. That means that God can be spoken and heard. And that is what happens in the catecheses. God lets himself be spoken, and he lets himself be heard.

Let us not forget the Rule of St. Benedict! It is one of the fundamental documents of the Western World, and it begins with the words: "Listen, O my son!" The Apostle Paul says: Faith comes from what is heard (see Romans 10:17). In the beginning is the Word and not the image. That is the reason that the creator gave us two ears and only one mouth -- so that we will listen twice as much as we speak. Now Satan, the enemy of human beings, set out from the very beginning to rob people of their hearing. When a person stops hearing, he or she no longer knows who he belongs to or where he belongs. And then he will be at the mercy of every social rat-catcher.

Every totalitarian system has begun by robbing the people of their hearing. I can still remember my childhood and youth very well: a childhood under the Nazi regime. On Sundays, the SA and the SS held huge marches with Nazi marching music. And under Communism, loudspeakers blasted out Socialist slogans and Socialist battle songs all day long on Saturdays and Sundays. That was even worse than the factory sirens on workdays. Therefore, the catechesis needs to be a place of inner silence, where we are able to hear the Word of God, and then to follow it.

2. In a non-biblical source, Christ gives us this advice: "Anyone who wants to be close to God requires 10 things. Nine parts silence and one part solitude." Silence is indispensable in order to avoid confusing God's word with your own. At his prayers in the desert or on top of a mountain or in other lonely places, the praying Christ does not give a lecture to God. Rather, he is silent and waits until he hears God speak. Nine parts silence -- that means, we then begin once more to understand our words as ripe fruits, just as Jesus does when he says that our words are like thistles or like grapes.

Grapes need to ripen for a long time before they can be savored. In the same way, in the silence of the catecheses at World Youth Day, we can allow those words to ripen which we will then need to repeat to others when we come home. Jesus was silent for thirty years before preaching for three. Here, we can say, in the words of Friedrich Nietzsche: "He who wants to speak a word listens long to himself in silence. He who wants to ignite a bolt of lightning must first remain long a cloud."

3. We are all messengers of the Word, just as we are all carriers of our faith. But my faith is not my faith -- rather, my faith is your faith. And the Word of God in me is not my Word of God -- rather, it is your Word of God. If we do not address our mutual faith to each other, do not pray to each other, do not love each other, then we will dismantle each other's faith, or we will become the thieves of each other's faith. The word that will help me further cannot be spoken by me -- it must be spoken to me by others.

Nor can I, as a bishop, make confession to myself and speak the words of absolution to myself -- rather, another priest must grant my pardon. The word of my forgiveness is carried to me by another -- I do not carry it myself. However, I carry it in myself for others. Thus, we meet one another with the often unspoken request: "Speak just one word and my soul will be healed." But first of all, I must hear the word. "Listen, O my son! Listen, O my daughter!" -- so begins the Rule of St. Benedict.

4. Satan is called the "Diabolos," the "creator of confusion," the "noise-maker," one whose goal is to rob us of our hearing. His business consists of constantly feeding people with information, to the point that they become nearly deaf and are incapable of receiving any real directions -- particularly not the Word of life itself. The counter-image to Satan -- who scattered the frightened apostles to the far corners after the ascension of Christ -- is Mary, who gathers the apostles together after they have been scattered. She leads them back to one another: under the same roof, in the same house, at the same table -- namely the table of the Last Supper in Jerusalem. There, she becomes the leader of the first Pentecost novena, at the end of which the miracle of Pentecost takes place. Mary gathers those who have been scattered. Thus, she is "Symbola" -- that is, the "gatherer" -- who appears in opposition to the Diabolos, the creator of confusion. We pray to Mary now in this hour of catechesis.

It is said of the Magi that: "On entering the house they saw the child with Mary his mother. They prostrated themselves and did him homage" (Matthew 2:11). Today, as well, Mary offers us the child Christ, the center of our lives. Therefore, let us observe the rules for true Christian listening:

1. Sit down silently!
2. Fold your hands -- in other words, gather them together out of the confusion!
3. Close your eyes!
4. Bow your head -- and
5. Guide your understanding from your head into your heart!

At the miracle of the loaves, when 5,000 grown men followed our Lord into the desert and have nothing with them to eat, a crisis is at hand. The people are about to starve. And Jesus says to his apostles: "Tell the people to sit down!" Then Jesus would perform the great miracle of the loaves. But the 5,000 people don't even know what Jesus is capable of.

But at the word of the Lord: "Tell the people to sit down!" they actually sit down on the grass. To sit down on the grass in the desert with a growling stomach and empty pockets sounds like suicide. But they believe the words of Jesus, that he can satisfy their hunger. Here, even before the miraculous multiplication of the loaves, an even greater miracle occurs, namely the miracle of the people's faithful obedience: They sit down, hungry, in the grass, in the hope that he can feed them. And as we know from this story, all of them are fed, and the pieces that are left over would fill 12 large baskets. That is the Miracle of the Desert. That miracle is now the first catechesis: "Tell the people to sit down!" -- "And speak just one word and my soul will be healed."

I am fully convinced that during these days, God will give you the Word which perhaps you need in order to redirect your lives. You cannot yet know what that Word is -- then you would tell it to yourselves in your imagination. Rather, you must truly live in these next few days with the inner prayer: "Lord, speak just one word and my soul will be healed!"

5. In silence, we begin our journey inward. What were our guidelines for meditation: "Sit down silently! Fold your hands! Close your eyes! Bow your head! Guide your understanding from your head to your heart!" We must return to the point which is the core of our being. And that is my self as a mirror image of God. I can find this in the longings of the deepest part of my life. These longings need to be laid bare. Let me illustrate this with a few examples:

Decades ago, I met an intelligent man who was completely without faith. And he admitted to me freely and openly that he could not understand how I, to whom he also attributed some intellectual abilities, could believe in God. I tried to help him get in touch with his unique self by asking him two questions. The first question was this: "Do you want to be bad? So bad that other people say, he's not worth a grain of salt. He is truly abysmally evil."

He answered, "Of course I don't want that." Then I asked him: "But every effect has to have a cause. You don't want to be bad. What is the reason for this?" He had never thought about that before, was his answer, and he didn't know why it was so. And he answered my question with a question: Did I know why that is? I said, "I know."

And when he asked if I could share my knowledge with him, I said, "Of course I can! We are not originals, prototypes, we are copies. Our original is God himself. We are images of him. And since God, my prototype, is the greatest good, I as his image cannot want to be bad. Even if I sometimes am. It is like a candle trying to stand on its head. The flame will not go along with doing the headstand. It keeps on burning and shining its light upward. I can twist it and turn it any way I want, but the flame will never shine downward, it will always shine upward.

"It's the same way with people. A person is not capable of wanting to be bad, even if he sometimes is, because his prototype, the innermost core of his being, is the image of God. And this God is the greatest good. And if, sometimes, we are not good, and we are caught not being good, then it as if a defiled image of God rises up inside us. It becomes physically visible when we start to sweat or turn red. Since our deepest self as the image of God remains linked to the prototype of God, and this God is the greatest good, I cannot want to be anything other than good. I would have to strip off my own skin."

And the second question is in the same vein, namely: "Would you like to be unloved?" To this question, the atheist answered: "That would be hell." That is, precisely, the theological definition of hell. But how does an atheist, who has had no schooling in faith and no religious instruction, know the definition of the nature of hell? What is the cause for this effect in the life of every human being: "I don't want to be unloved"? -- It lies, in turn, in our status as mirror images of God. Because God, as my foundation, as my prototype, is the personification of Love.

The one who says: "With age-old love I have loved you" (Jeremiah 31:3) cannot wish for his mirror image to be unloved. It is not possible. We must take ourselves from the surface into the deepest part of our lives. It is the same way with a river. If you want to taste the quality of the water in the Rhine, you shouldn't do so here in the Rhineland -- here the Rhine doesn't taste good anymore. You have to make a pilgrimage up the Rhine -- in other words, swim against the current -- to the source. There you can acquire a taste for Rhine water. But -- as everyone knows -- dead fish can only swim with the current. Only living, healthy fish can swim against the current.

We have to go back to our place of origin, to our prototype, to God, who is Love. Who do I meet at the source of my life? God, the living one, who is the creator of billions of galaxies. He says to his people in Israel: "With age-old love I have loved you; so I have kept my mercy toward you." This is not only true for the people of Israel, this is true for me personally! And again and again, Israel cannot believe that God loves this very race of people who have traditionally had more enemies than they number themselves -- just like the people of God today. They often have more enemies than friends. And God has chosen these people and said: "It is only you that I want." In the end, God wants only love. We can see this illustrated in the Gospel of St. John as well: As a continuation of the creation through the Word, the Word -- namely Jesus Christ -- becomes man, it becomes flesh, it lives as a word-become-man among us people, in order to love us tangibly, in person.

The Fathers of the Church had the courage to say, "God, the eternal Word, becomes a person so that people can become like God." The creation is greatness, beauty and truth. And Love is devotion come to life. How much devotion does a human child need in order to become an adult? And now we can be told: God's love explodes all perceptions. It is simply beyond measure, as the Universe is beyond number. The secret of all things is Love, in the way that God means it.

In John 21, Jesus asks Peter, "Do you love me?" And Peter answers: "Yes, Lord, you know everything; you also know that I love you even though I am the one who betrayed you, the one who did not have the strength to stand up and be faithful to you at the moment I was challenged." Peter's love remains unbroken. That is very important. Jesus accepts the love of the unfaithful disciple, just as he accepts the love of the sinful woman, Mary Magdalene. The disciple's love for Jesus is a poor love, but it is a love that can break through despite unfaithfulness and which seeks its meaning, its place and its source. And Jesus accepts it. Thus, the "you" goes both ways, and it means Love.

Ultimately, everyone meets God alone. In the same way, everyone lives alone, one day dies alone and takes responsibility for him or herself alone. Other people, even my nearest and dearest, can only come along, they can only support me. But God loves every single person. He became human for each and every one of us. He is closer to every person than that person is close to him or herself. If God, the creator of billions of solar systems, is so infinitely great, then every single person may conclude that an unfathomably great portion of God's love belongs only to him or her. And this connects us to one another. Thus Peter says, "You are a chosen race, a royal priesthood" (1 Peter 2:9). What we have in common with the Magi is not only our quest, but also our origins. Like them, we are of royal origin and royal dignity. We cannot think highly enough of ourselves.

6. The Magi, too, were driven by this inner restlessness -- by the longings that had their origin in the core of their being -- to the observation towers to search the heavens for signs of God's love. And then they found the star. And their great adventure began. They set forth on their way, they followed the star. And when it disappeared from their sight, they looked, they asked, they searched the skies again until they once again spotted their guiding star and came to their destination.

The World Youth Day in Cologne is, first of all, an invitation to hearken back to my origins, to the place where the mirror image of God molded my being, the place where all longing, restlessness and homesickness for that which is holy, good and beautiful -- ultimately for God -- begins. And you, as young people, are not as far removed from the hand of God the Creator as we older people are. This closer proximity to the hand of the Creator makes this longing for that which is pure, good and beautiful -- that is, for God -- much stronger than it is in us older people.

And when we go home again, our experience will be like that of the Magi. We will go out among the multitudes. It is then our duty to strive at home for that direction which we received here in Cologne. I know with the certainty of my faith that for each one of our lives, God has a specific, unique plan which cannot be delegated away. The success of our lives depends upon our ability to recognize and accomplish that plan.

Each of us has only one life. Life, faith and love are not like learning to drive, where you have a responsibility-free period while you are in driving school. No, in life, faith and love, you are a fully responsible driver from the very beginning. There is no such thing as a practice period for life, faith and love. It's serious from the very beginning.

How can I find out what God wants from me? Here, I strongly advise every one of you to make a good confession during these days -- perhaps a confession of your whole life. This happens very often at World Youth Days. We have to cleanse our souls, our hearts from all the sins, all the dirt and debris that has collected within us so that we can once again find a clear perspective on ourselves. God wants to make every person's calling clear to him or her at the World Youth Day in Cologne, so that the world doesn't have to wait so long for the next Mother Teresas, for the already-chosen Edith Steins in your midst, for the Maximilian Kolbes, and all the others.

But let me look for a few other paths from the surface of our lives to the depths of our being, to the source, where the image of God is tangible. It is a part of our nature that we cannot satisfy our inner hunger for eternity, for everlastingness. In my life, it has always been like this: When I strived for something -- perhaps wanted to own a beautiful picture -- and then, with greater or lesser effort achieved it, it fascinated me for a period of two to four weeks, and then it became ordinary again. Then my desires refocused themselves on some other object. And when I found the other thing, the same process repeated itself: It became ordinary, and my longings were not fulfilled.

Our longings cannot be fulfilled here on this Earth. They drive us from one goal to the next. As the great Augustine said: "Our hearts are troubled until they rest in Thee." Then we do not have something -- rather, we have HIM, he who is everything to us.

Or, in the same way, the law of the limitedness of our existence shows us that the template for our person is God, and not a human being. This becomes clear to me, for example, every time I listen to a familiar piece of music: I look forward to a very special passage, and then it escapes me again immediately. I want to hold onto it, but it cannot be held. It made me happy, and at the same time I was painfully moved. I want to keep it in the present, but it is not possible. It keeps moving forward. This is an example of the limitedness of our earthly existence, against which the longings of our hearts are constantly fighting. The music is very intense, but very fleeting. A picture, on the other hand, is very lasting -- it hangs in front of me all the time -- but it is less intense.

If a person travels across all of Italy, for example, in two weeks, he or she will gather a wide range of experiences, but the content of his or her experience will be very small. If, on the other hand, the person remains only in the Italian city of Florence for two weeks, he or she will have a smaller range of experiences, but the content of his or her experience will be much greater. The larger the range of one's experience, the smaller the content of that experience will always be. You cannot have both of these things in this world. And this is what my longing for eternity struggles against. This is proof that we have been created according to different measurements than the dimensions of a human being or the dimensions of the world. As measurements for people, the world and human beings will always be too small.

"Our hearts are troubled until they rest in God." -- Why have you come to Cologne? The answer is in the motto for this year's World Youth Day: "We have come to worship him." Our inner longing for a great, fulfilled and successful life has led us onto the roads, like the Magi, to seek and to find the one who is both the source and the destination of our lives: God, who is our all in all; God, who makes my life great.

If a high jumper wants to get over a bar, he needs to count on something higher than himself. A person who has faith is counting on something higher than him or herself -- namely, on God. And when he has jumped over the bar, the best praise he can hear is: "You've outdone yourself!" A person who has faith outdoes him or herself. This is what we are called upon to do, just like Mary, who says in the Magnificat: "The Mighty One has done great things for me" (Luke 1:49). The Mighty One will do great things for all of you.

Joachim Cardinal Meisner
Archbishop of Cologne
German "Der erste Weltjugendtag mit zwei Päpsten"
Aug 21, 2005
Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner über den Besuch von Benedikt XVI., die Begegnungen mit jungen Menschen, den Glauben in der Gesellschaft, die Ökumene und die Sparpläne der Erzdiözese

(Bonner General Anzeiger, 8.8.05) Köln. Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner setzt große Erwartungen in den Weltjugendtag, der kommende Woche beginnt. "Die Jugend ist wie eine Herde ohne Hirt und ich muss sie an die Quellen führen", zitiert er im Interview des General-Anzeigers den verstorbenen Papst Johannes Paul II.

General-Anzeiger: Noch acht Tage bis zum Weltjugendtag. Welche Erwartungen haben Sie persönlich an den Weltjugendtag?

Joachim Kardinal Meisner: Ich wünsche mir und bete seit Jahren darum, dass alle, die nach Köln, Bonn oder Düsseldorf kommen, glücklicher zurückkehren, als sie gekommen sind, und uns glücklicher zurücklassen, als wir sie empfangen haben.

General-Anzeiger: Was meinen Sie mit glücklicher?

Joachim Kardinal Meisner: Sie sollen in diesen Tagen Gott inniger werden. Das überstrahlt dann unser ganzes Leben.

General-Anzeiger: Fiebern Sie dem Weltjugendtag entgegen?

Joachim Kardinal Meisner: Ich habe lange genug darauf gewartet und bin voller Gelassenheit. Ich habe beschlossen, den Weltjugendtag zu genießen und nicht zu erleiden.

General-Anzeiger: Lange genug gewartet?

Joachim Kardinal Meisner: Der Papst hat mich 1997 in Paris zum ersten Mal gefragt: Können wir 1999 nach Köln kommen? Ich habe tief durchgeatmet und gesagt: Heiliger Vater, kommen Sie. Dann wollte man jedoch lieber bis zur Jahrtausendwende warten, den Weltjugendtag 2000 in Rom feiern, aber 2002 zu uns kommen. Da man aber nicht schon wieder nach Europa gehen wollte, fand das Treffen in Toronto statt. Und im vorigen Jahr wollte ich nicht, weil der Weltjugendtag mit den Olympischen Spielen in Athen kollidiert hätte. Ich bin also schon acht Jahre in der Vorbereitung und habe viel gebetet und beten lassen, dass Gott den Menschen begegnet.

General-Anzeiger: Wird der Weltjugendtag denn mehr als ein Happening?

Joachim Kardinal Meisner: Ich bin seit 1984 auf vielen Weltjugendtagen gewesen und habe festgestellt, dass das geistliche Rückgrat die Katechesen am Vormittag sind. Nach der Einführung durch Bischöfe stehen junge Leute auf und geben Zeugnis, was sie mit ihrem Glauben im Leben schon erfahren haben. Das dauert eine gute Stunde, danach ist Messe und anschließend Beichtgelegenheit. Es wird an keinem Ort oder zu keiner Zeit so viel gebeichtet wie bei den Weltjugendtagen.

General-Anzeiger: Erwarten Sie denn auch kritische Stimmen gegenüber der Kirche?

Joachim Kardinal Meisner: Sie müssen wissen, es ist kein Seniorentreffen, sondern ein Jugendtreffen. Da braucht man die Drewermanns und Küngs und die von vorgestern nicht. Für die ist hier nichts vorgesehen, weil keinen Jugendlichen der alte Schmarrn interessiert, den die dauernd verzapfen. Aber es geht viel kritischer zu, nämlich in der Beichte. Und da bin ich kritisch mir gegenüber, nicht anderen gegenüber.

General-Anzeiger: Es ist also durchaus erwünscht, dass Jugendliche Kritik äußern?

Joachim Kardinal Meisner: Natürlich und zwar vor Gott über sich selbst, über ihren Lebensstil.

General-Anzeiger: Ist das nicht ein bisschen lebensfremd?

Joachim Kardinal Meisner: Ich mache immer wieder die interessante Erfahrung, dass viele junge Leute die Sehnsucht haben, über sich selbst hinauszukommen. Weil sie es nicht in Elternhaus oder Schule gelernt haben, versuchen sie diesen Überstieg mit Ersatzmitteln wie Sexus, Alkohol oder Drogen zu schaffen. Und dann empfinden sich diese jungen Leute als metaphysische Asylanten oder Obdachlose. Sie wollen endlich Boden unter den Füßen haben, und darin liegt der ungeheuere Aufbruch der Jugend zu Gott hin begründet. Der alte Papst hat das gut erkannt. Er hat gesagt: Die Jugend ist wie eine Herde ohne Hirt und ich muss sie an die Quellen führen, damit sie von den Zisternen wegkommen.

General-Anzeiger: Aber es ist doch Fakt, dass sich viele junge Menschen vom Glauben entfernen.

Joachim Kardinal Meisner: Die ältere Generation stellt diese Jugend unter einen Generalverdacht nach dem Motto, die Mädchen haben alle ihre Pillendöschen dabei und die Jungen ihre Kondome. Damit will man den eigenen verluderten Lebensstil rechtfertigen. Die Jugend ist besser als wir. Daher sagt der neue Papst: Wer der Jugend weniger als Gott gibt, gibt ihr zu wenig. Das ist es, was die Anziehungskraft des Weltjugendtages ausmacht. Da bekommen die jungen Menschen nicht weniger.

General-Anzeiger: Glauben Sie nicht, dass Sie mit Ihren Vorstellungen zum Beispiel zur Sexualmoral auf Widerspruch bei den jungen Leuten stoßen?

Joachim Kardinal Meisner: Ganz im Gegenteil. Sie sagen, hier sagt uns endlich mal einer, wie es anders geht. Das ist mehr verbreitet, als Sie das ahnen. Ich glaube, es wird von Köln aus ein positiver Ruck durch unsere Gesellschaft gehen, nicht nur in Deutschland und Europa sondern in der ganzen Welt.

General-Anzeiger: Was bedeutet es, dass Benedikt XVI. statt Johannes Paul II. kommt? Wird das den Weltjugendtag verändern?

Joachim Kardinal Meisner: Der neue Papst garantiert einen Weltjugendtag ganz im Sinne seines Vorgängers.

General-Anzeiger: Sie haben einmal gesagt, sie wären sehr traurig gewesen, dass Johannes Paul nicht mehr kommen würde.

Joachim Kardinal Meisner: Bei der Aufbahrung des alten Papstes in Rom hat mich das heulende Elend gepackt und ich sagte zu ihm: Heiliger Vater, Du machst Dich davon und mich armen Hund lässt Du mit der ganzen Last des Weltjugendtags zurück. Wie soll das weitergehen? Da bekam ich eine Erleuchtung, und er sagte zu mir: Du musst es doch wissen. Wenn ein Heiliger im Himmel ist, dann geht's doch erst richtig los. Ich mach Euch einen Weltjugendtag, wie es ihn noch nie gegeben hat.

General-Anzeiger:Wird der neue Papst auch neue Impulse geben?

Joachim Kardinal Meisner: Es werden nicht viele neue Akzente kommen, aber er kommt als Benedikt XVI. mit seinem eigenen Charisma. Er wird die Jugend genau dort treffen, wo sie auf ein Wort des Lebens wartet. Er hat jüngst sehr beeindruckend die geistliche Einführung zur Missa Solemnis im Kölner Dom gehalten. Er hat auch gesagt, dass er beim Weltjugendtag gern bei einem Treffen mit Priesteramtskandidaten dabei wäre. Da habe ich bemerkt, das wird etwas Großes werden. Wir haben den ersten Weltjugendtag mit zwei Päpsten. Der eine von oben, der andere von unten. Das gibt mir auch die innere Sicherheit, dass jetzt nichts mehr schiefgehen kann.

General-Anzeiger: Wäre es nicht möglich gewesen, dass Benedikt sich mehr Zeit für die Bonner hätte nehmen können?

Joachim Kardinal Meisner: Das ist kein Deutschland-Besuch. Der Papst ist der Hauptveranstalter. Er kommt zur gesamten Jugend der Welt, junge Leute aus 193 Ländern, so vielen wie nie zuvor. Deshalb ist das Protokoll das schmalste, das es gibt. Und weil der Bundespräsident zum Flughafen kommt, muss der Papst einen kurzen Gegenbesuch machen - in Bonn. Nach Düsseldorf kommt er gar nicht.

General-Anzeiger: Viele, vor allem junge Christen in der Erzdiözese Köln, engagieren sich in der Vorbereitung, etwa 3 500 in den so genannten Kernteams. Wie kann die Begeisterungsfähigkeit für den Glauben erhalten bleiben?

Joachim Kardinal Meisner: Der Weltjugendtag muss weitergehen. Wir planen für nächstes Jahr in Bonn, Köln, Wuppertal und Düsseldorf Straßenmission mit jungen Leuten. Außerdem gibt es durch die Kernteamer, denen wir zugetraut haben, dass sie die Organisation in den Gemeinden übernehmen, überall wieder funktionierende Jugendgruppen.

General-Anzeiger: Der Weltjugendtag hat das Motto \"Wir sind gekommen, um ihn anzubeten\". Was bedeutet das?

Joachim Kardinal Meisner: Wenn der Mensch auf den Knien vor Gott ist, dann zeigt er, dass er ein Gefühl für Maß hat und wo er hingehört in dieser Welt. Wenn man sich vor Gott nicht niederkniet, will man sich vor sich selber niederknien, und dann verbiegt man sich. Der Mensch fängt erst an, Mensch zu werden, wenn er vor Gott niederkniet. Dann wird er auch die Herrlichkeit Gottes sehen. Ich hoffe sehr, dass die Katecheten das rüberbringen.

General-Anzeiger: Der Weltjugendtag kostet viel Geld. Die deutschen Bistümer zahlen 26 Millionen Euro. Steht es den Bischöfen gut zu Gesicht, dass sie einerseits von ihren Pfarreien verlangen, den Gürtel enger zu schnallen, andererseits aber Millionen für den Weltjugendtag ausgeben?

Joachim Kardinal Meisner: Ich bin überzeugt, dass das Geld bestens investiert ist und wir uns das etwas kosten lassen müssen. Ich bin auch zutiefst davon überzeugt, dass die Mutter Teresa von übermorgen und ähnliche Typen hier in Köln ihr Charisma und ihre Berufung erhalten. Mein polnischer Fahrer war am Samstag auf einer polnisch-italienischen Hochzeit. Das ist die Frucht des Weltjugendtages von Toronto.

General-Anzeiger: Können Sie denn nachvollziehen, wenn junge Eltern sagen, mein Kindergarten wird geschlossen, aber für den Weltjugendtag haben sie Geld?

Joachim Kardinal Meisner: Natürlich, aber ich muss auch sagen, dass jedes katholische Kind im Erzbistum Köln garantiert einen Platz im katholischen Kindergarten bekommt - jedenfalls numerisch. Wir haben uns das mit dem Sparen gut überlegt, über ein Jahr lang alle Gremien mit einbezogen.

General-Anzeiger: Zieht sich die Kirche nicht zu sehr aus der gesellschaftspolitischen Verantwortung zurück?

Joachim Kardinal Meisner: Nein. Wir haben in den letzten 30 Jahren 200 000 Gläubige verloren, weil wir immer weniger Kinder haben. Wir können nicht mehr alle kirchlichen Institutionen halten. Wir sind auch jetzt noch der stärkste Kindergartenträger in Nordrhein-Westfalen, aber wir müssen mit Augenmaß zurückfahren.

General-Anzeiger: Sparen Sie zu viel?

Joachim Kardinal Meisner: Wir könnten noch fünf Jahre so weitermachen wie bisher, aber dann wäre Schluss. Wir arbeiten nicht mit dem Rücken an der Wand, wir haben noch Variationsmöglichkeiten. Überhaupt nicht sparen wollen wir an den Beträgen für die Dritte Welt und bei der Schwangerenberatung. Bei der Caritas sind es fünf statt 20 Prozent, dafür beim Generalvikariat 25 statt 20. Uns geht es noch besser als jeder anderen Diözese. Das sagen auch die Pfarrer. Wir haben keinen Grund zu klagen.

General-Anzeiger: Sollte Kardinal Lehmann bei der nächsten Wahl nicht mehr für das Amt des Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz kandidieren, könnten Sie sich vorstellen, sein Nachfolger zu werden?

Joachim Kardinal Meisner: Selbst wenn ich einstimmig gewählt würde, ich würde die Wahl nicht annehmen. Ich bin fast 72 Jahre alt, habe die größte Diözese Deutschlands, sitze in fünf Gremien im Vatikan und habe viele weltkirchliche Verpflichtungen. Als Kardinal Lehmann Ende der 80er Jahre gewählt wurde, hat man gesagt, wir wollen einen Vorsitzenden haben, der nicht Kardinal ist und keine so große Diözese hat, damit er mehr Kraft zur Verfügung hat für das Amt des Vorsitzenden. Da wäre es lächerlich, wenn ich es jetzt machen würde.

General-Anzeiger: Wann ist die Zeit reif für ein gemeinsames Abendmahl mit den evangelischen Christen?

Joachim Kardinal Meisner: Dafür muss die Kirche eins sein. Für uns ist ein evangelischer Geistlicher ein Prediger, aber kein Priester. Jesus hat die Eucharistie an die zwölf Jünger gebunden, also an die Priester. Und die Weitergabe des Priesteramtes in der so genannten Succession ist von Luther unterbrochen worden. Wenn also nicht die Frage des Amtes in den Kirchen geklärt ist, ist auch eine Kommuniongemeinschaft nicht möglich. Die Kommunion ist nicht das Reisebrot hin zur Einheit, sondern die Besiegelung der Einheit. Darin sind sich drei Viertel der Christen einig, nämlich die Katholiken und die Orthodoxen. Und das muss mit den Evangelischen Kirchen aufgearbeitet werden.

General-Anzeiger: Das ist für die Evangelische Kirche schwer nachzuvollziehen.

Joachim Kardinal Meisner: Erst dieser Respekt macht uns ökumenefähig. Papst Benedikt XVI. spricht von einer geistlichen Ökumene, das heißt von einer Gebetsbewegung für die Einheit der Christenheit. Ich bin der Überzeugung, dass wir die Einheit der Kirche nicht selbst machen können. Sie kann uns nur geschenkt werden und Gott kennt Wege dahin, die wir nicht kennen.
German "Ich würde die Wahl nicht annehmen"
Aug 21, 2005
Im September wird ein neuer Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz gewählt. In konservativen Kirchenkreisen hätte man gerne den Kölner Erzbischof Kardinal Meisner auf diesem Posten. Doch der lehnt ab.

(wdr.de, 07.08.2005) "Selbst wenn ich einstimmig gewählt würde, ich würde die Wahl nicht annehmen", sagte Josef Kardinal Meisner in einem am Sonntag (07.08.05) vorab veröffentlichten Interview des Bonner "General-Anzeiger". Er sei fast 72 Jahre alt, habe die größte Diözese Deutschlands, sitze in fünf Gremien im Vatikan und habe viele weltkirchliche Verpflichtungen, begründete Meisner sein Nein. Als der Mainzer Bischof Karl Lehmann zum Vorsitzenden gewählt worden sei, sei das auch damit begründet worden, dass Lehmann damals kein Kardinal war, keine so große Diözese hatte und deshalb mehr Kraft in das Amt des Vorsitzenden investieren konnte. "Da wäre es lächerlich, wenn ich es jetzt machen würde", sagte der Kölner Kardinal.

"Ein evangelischer Geistlicher ist ein Prediger, aber keine Priester"

In dem Interview bekräftigte Meisner auch erneut seine konservative Haltung. Der Idee eines gemeinsamen Abendmahls mit evangelischen Christen erteilte er eine Absage. "Für uns ist ein evangelischer Geistlicher ein Prediger, aber kein Priester".

Scharf urteilte er auch erneut über die Kirchenkritiker Eugen Drewermann und Hans Küng. Sie seien beim Weltjugendtag in Köln nicht erwünscht, "weil keinen Jugendlichen der alte Schmarrn interessiert, den die dauernd verzapfen."

Meisner gilt als einer der konservativsten Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland. In die Kritik geraten war er unter anderem mit Äußerungen zu Homosexualität und einem Vergleich zwischen Abtreibungen und dem Verbrechen im Dritten Reich. Für diesen Vergleich entschuldigte Meisner sich später.
German "Es müssen mehr junge Leute zu Wort kommen"
Aug 21, 2005
Joachim Kardinal Meisner, Gastgeber des 20. katholischen Weltjugendtages in Köln, über Papst Benedikt, die Jugend und die deutsche Bischofskonferenz

(Die Welt, 14. August 2005) Kardinal Joachim Meisner ist zurück von einem dreiwöchigen Urlaub in Bayern. Er scheint bestens vorbereitet auf eines der wichtigsten Ereignisse seiner kirchlichen Laufbahn, den Weltjugendtag in seiner Erzdiözese. Daß der deutsche Papst auf seiner ersten Auslandsreise zu ihm nach Köln kommt, ist eine besondere Genugtuung für Meisner, der in Deutschland den Ruf des katholischen Hardliners hat. Im Empfangsraum des Erzbischöflichen Hauses unweit des Kölner Doms nimmt sich der kämpferische Gottesmann Zeit für ein Gespräch.

Welt am Sonntag: Ein deutscher Papst kommt nach Köln, ins deutsche Rom, und Sie, Vertrauter von Papst Benedikt, sind der Gastgeber. Was geht in Ihnen vor, so kurz vor dem Großereignis?

Kardinal Joachim Meisner: Ich bin ganz ruhig, kann gut schlafen und wundere mich sehr darüber. Ich habe vor dem Konklave etwas humorig gesagt, ich würde nur einen katholischen Mann zum Papst wählen - und einen, der nach Köln kommt.

Joseph Ratzinger war von vornherein Ihr Idealkandidat?

Kardinal Meisner: Natürlich! Ich war im Konklave die Nummer 16 und der erste Deutsche, der zum Homagium, also zur Huldigung des Gewählten kam. Ich hatte mir fest vorgenommen, Papst Benedikt zum Weltjugendtag einzuladen. Als ich dann aber vor ihm kniete, war ich so bewegt, daß ich gar nichts herausbrachte. Der Heilige Vater sagte dann aber sofort: "Du kannst mit mir rechnen. Ich bin in Köln dabei."

Machen Sie sich angesichts der Ereignisse in London Sorgen wegen der Sicherheitslage?

Kardinal Meisner: Ich werde den Weltjugendtag genießen und mich nicht von Angst bestimmen lassen. Letztlich ist ja der Herr selbst der Veranstalter, und deshalb sollte sich sein Bodenpersonal nicht allzu wichtig nehmen. Dieser Weltjugendtag ist im übrigen der erste, an dem zwei Päpste teilnehmen. Der eine von oben und der andere von unten. Das ist mir klar geworden, als ich vor der Bahre von Johannes Paul II. betete. Ich kam mir damals deprimiert und verlassen vor und sagte: "Heiliger Vater, nun läßt du mich allein zurück, du, der das Ganze in Bewegung gesetzt hat." Er antwortete mir, so fühlte ich: "Wenn Heilige im Himmel sind, dann haben sie Möglichkeiten, die sie vorher nicht hatten. Du wirst dich wundern, was wir für einen Weltjugendtag in Köln zustande bringen werden." Deshalb bin ich ganz gelassen.

Ein anderes Bodenpersonal, das vom "Spiegel", hat sich im Vorfeld des Weltjugendtages über Sie erregt und den Kölner Erzbischof als "Gotteskrieger vom Rhein" und "Fundamentalist" beschimpft. Wie sehr ärgert Sie das?

Kardinal Meisner: Wissen Sie, ich habe nach diesem "Spiegel"-Bericht viele Briefe bekommen, in denen mir die Leute gratulierten, welche großartige Evangelisierung der "Spiegel" damit betrieben hat. Ich habe 40 Jahre im Kommunismus gewirkt und bin die ganze Zeit von keiner Zeitung gelobt worden. Da wäre ich ja erschrocken und hätte Gewissensforschung betreiben müssen, ob ich etwas verkehrt gemacht habe. So geht es mir auch beim "Spiegel". Dort will ich gar nichts Positives über mich lesen.

Das muß aber Kardinal Lehmann, den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, beunruhigen. Der wird öfter im "Spiegel" belobigt.

Kardinal Meisner: Darüber muß Kardinal Lehmann sich selbst Gedanken machen.

Schon jetzt scheint festzustehen, daß zum Weltjugendtag in Köln deutlich weniger Jugendliche kommen werden als im Jahr 2000 nach Rom. Hat das etwas mit dem Charisma des Vorgänger-Papstes Johannes Paul II. zu tun?

Kardinal Meisner: Sie dürfen das jetzt anstehende Kölner Ereignis nicht mit dem Weltjugendtag der Jahrtausendwende in Rom vergleichen. Aber unsere Zahlen sind nicht schlecht: Wir haben aus 193 Ländern bisher rund 400 000 angemeldete Dauerteilnehmer - das hat es vorher noch nie gegeben!

Sie haben mehrfach kritisiert, daß Kirchentagsorganisatoren immer wieder Zugeständnisse an den Zeitgeist machen. Befürchten Sie ähnliches auch für Köln?

Kardinal Meisner: Es darf ruhig jugendgemäß sein. Man muß nur darauf achten, daß geistliche Bewegungen sich nicht zum Ganzen der Kirche aufblähen, sondern im Ganzen der Kirche aufgehen.

Sie gelten als ein Bischof, der die Grenzen des Glaubens sehr eindeutig zieht. Wie tolerant empfinden Sie sich?

Kardinal Meisner: Ich bin sicher einer der Bischöfe in Deutschland, der den geistlichen Gemeinschaften die größte Narrenfreiheit läßt. Wir haben 60 geistliche Gemeinschaften in der Diözese, und ich halte immer meinen Rücken für sie hin und sage: Habt doch ein bißchen Geduld mit ihnen. Ich war jetzt einen Tag bei der Wallfahrt mit dem Weltjugendtagskreuz dabei, auf der Jugendliche 40 Tage lang das Kreuz von Dresden nach Köln trugen. Die geistliche Leitung hatte die charismatische Gemeinschaft, junge, engagierte Leute, die mit hoher geistlicher Kompetenz das Ganze organisierten und begleiteten. Ich brauchte nicht vorzubeten, nicht voranzugehen, ich habe mich einfach mitten unter die Teilnehmer begeben und wurde von den jungen Leuten kompetent in die Begegnung mit Gott geleitet. Das hat mich fasziniert.

Hat sich der Umgang junger Katholiken mit Spiritualität in den vergangenen Jahren verändert?

Kardinal Meisner: Ja. Es wird nicht diskutiert, was zu machen ist, sondern die jungen Leute geben etwas vor, das freudig angenommen wird. Ich bin ja öfter bei unseren Bruderschaften mit dabei, die Wallfahrten durchführen. Da läuft das genauso ab, vom Tischgebet bis zur Prozessionsordnung. Das finde ich großartig! Solch kompetente junge Leute müßten wir viel mehr in unseren Gemeinden zu Wort kommen lassen.

Erwarten Sie auch nichtkatholische Jugendliche?

Kardinal Meisner: Es war schon immer so, daß auch Nichtkatholiken teilgenommen haben. Allerdings werden wir klarmachen, daß bei den Meßfeiern nur Katholiken zur Heiligen Kommunion gehen können. Aber zum Empfang eines besonderen Segens kann jeder mit einem entsprechenden Handzeichen zum Kommunionsspender mitgehen.

Kommt die Ökumene nicht zu kurz bei diesem Weltjugendtreffen? Es hat bei der evangelischen Kirche Irritationen darüber gegeben, ob es überhaupt zu ökumenischen Begegnungen kommt. Bischof Huber fühlte sich persönlich übergangen.

Kardinal Meisner: Diese Verärgerung verstehe ich überhaupt nicht. Die Protestanten waren die ersten, die ich über das Programm informiert habe. Ich habe aber auch gesagt, das sei keine Veranstaltung des Erzbistums Köln, sondern eine des Papstes. Für den Weltjugendtag gibt es feste Regeln, an die wir uns halten müssen. Der Erzbischof hat diese Regeln umzusetzen. Es wird natürlich eine Begegnung des Papstes mit Vertretern der Ökumene geben, obwohl es sich nicht um einen Deutschland-Besuch des Papstes handelt. Der Heilige Vater kommt zur Jugend der Welt. So dürfen Einladungen nur ausgesprochen werden, wenn das Programm des Papstes offiziell veröffentlicht ist - und das haben wir danach sofort getan.

Welche Botschaft wird der Papst an die Jugend richten?

Kardinal Meisner: Ich bin mir ganz sicher, daß er genau das trifft, was die Jugend braucht. Papst Benedikt hat unlängst in einer Ansprache gesagt, wer der Jugend weniger gibt als Gott, gibt ihr zu wenig. Was mich immer wieder erstaunt, ist die Tatsache, daß die ältere Generation die Jugend unter Generalverdacht stellt, um sich selber zu rechtfertigen. Man meint, die Jugendlichen hätten immer das Pillendöschen in der Tasche und die Jungs die Kondome. Die hören, so heißt es, jetzt zwar auf den Papst, aber das ist nur eine Masche. Hinterher sind die so wie wir. In Wirklichkeit wissen die Jugendlichen ganz genau, daß Drogen, Sex und Alkohol nur Auswege und Ersatzangebote sind. Ihre natürliche Sehnsucht nach dem Unendlichen, das Bedürfnis nach Religion, nach Rückbindung an etwas den Menschen Übergreifendes, an Gott, wird so nicht gestillt.

Eine letzte, persönliche Frage: Werden Sie der nächste Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz?

Kardinal Meisner: Auch wenn man mich einstimmig wählte, würde ich das Amt nicht annehmen. Ich bin jetzt 72 Jahre alt und habe so viele weltkirchliche Verpflichtungen und das größte Bistum. Außerdem bin ich in fünf römischen Dikasterien tätig, so daß es unverantwortlich wäre, diese Aufgabe zusätzlich auf mich zu nehmen.
German Kardinal ganz selig
Aug 21, 2005
Der Kardinal ist sichtlich gut gelaunt. 6.577 Medienvertreter haben sich bislang zum Weltjugendtag anmeldet. "Wenn das mal keine Schlagzeile wert ist", ruft Joachim Meisner aus.

(taz, 12.8.2005) KÖLN - Der Kölner Erzbischof ist persönlich erschienen, um das Pressezentrum für den Weltjugendtag in den Hallen der Kölnmesse einzuweihen. "Segne dieses Pressezentrum", betet er und bespritzt die anwesenden Journalisten mit Weihwasser. "Amen", antworten einige, die offenbar katholisch sind. Dann gibt Meisner noch allen mit auf den Weg, was er von den Medien erwartet: Die "Freude des Glaubens" sollen sie in die ganze Welt hinaustragen.

Die katholische Kirche hat die Bedeutung der Medien für ihre Mission längst erkannt. Tägliche Pressekonferenzen, Plakate, TV-Spots, zum Start am 16. August eine neu gestaltete Homepage - die Veranstalter ziehen alle Register, um den Weltjugendtag und damit die von Meisner herbeigesehnte "Neuevangelisierung Europas" zu promoten. Als so genannter Host Broadcaster schickt der WDR Live-Bilder und -Töne in die ganze Welt. In der ARD werden zum Beispiel die Rhein-Fahrt des Papstes, sein Synagogen-Besuch und natürlich der Abschlussgottesdienst zu sehen sein. WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn moderiert, ständiger Studiogast ist der Leiter des deutschen Programms von Radio Vatikan, Pater Eberhard von Gemmingen - kein Unparteiischer also.

Vor Ort, in Köln, stimmen die Medien die Bevölkerung seit Wochen mit prominenten Beiträgen auf das Großereignis ein. Nicht für sich oder seine Kirche, sondern: "Für die Kölner ist Benedikt XVI. vier Tage auf Achse", titelte der Express schon am 21. Juli. "Warum wir Benedikt so lieben", erfuhren die Leser des Boulevardblattes fünf Tage später. Inzwischen geht es täglich zur Sache. "Papamobil schon da", verkündete der Express am 6. August. Zwei Tage später wurde Köln mal wieder zum "deutschen Rom" erklärt. "Der erste Pilger ist da", hieß es am 10. August. Und dann war da natürlich noch die News überhaupt: "Papst erlässt Sündern die Buße".

Täglich in allen lokalen Medien zu finden sind außerdem zahlreiche kleine Berichte, die sich hauptsächlich um die Vorbereitungen drehen: Welche Sicherheitsmaßnahmen werden getroffen, wo kommt es zu Straßensperrungen, wie kann man einen Pilger bei sich aufnehmen? Das Weltjugendtagsbüro bemüht sich nach Kräften, die Medien mit solchen Themen zu füttern. Da stellt dann Kardinal Meisner die Bischofsmützen der Kardinäle und Bischöfe vor, die die örtliche Kreissparkasse gesponsert hat. Oder die Presse wird zu einem Ortstermin ins Kloster Vinnenberg in der Diözese Münster eingeladen. Dort backen Jugendliche tausende von Hostien. Solche Angebote nimmt die örtliche Presse gerne an.

Die Bemühungen zahlen sich aus. Beim Weltjugendtag in Toronto seien 8.000 Artikel gezählt worden, sagt WJT-Pressesprecher Matthias Kopp. Das habe der Kölner Weltjugendtag mit 12.000 Artikeln schon jetzt übertroffen. Grund genug für Kardinal Meisner, sich bei den lokalen Medien für die Berichterstattung gesondert zu bedanken.
German Espresso für den Papst in Köln
Aug 21, 2005
Der Papst wäre mit dem Prälatenzimmer zufrieden gewesen. Doch Kölns Erzbischof Meisner bietet gleich seine ganze Wohnung an. Auf dem Weltjugendtag will Meisner «Obermessdiener» Benedikts sein.

(Netzeitung, 11. Aug 2005) Für den Papst-Besuch zum Weltjugendtag in Deutschland hat der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner extra einen italienischen Kaffeeautomaten angemietet. «Meine Schwestern können - so glaube ich - keinen klassischen Espresso machen. Also, wenn der Papst einen Espresso oder Cappuccino möchte, dann kann er ihn haben», sagte Meisner dem Kölner «Express».

Das Kirchenoberhaupt wohne und esse bei ihm, sagte der Kardinal weiter. «Wir bekommen unser Essen aus dem Priesterseminar. Der Papst meinte, er sei mit dem Prälatenzimmer in meinem Haus zufrieden. Ich sagte ihm: Heiliger Vater, du ja, aber nicht wir. Er bekommt jetzt meine ganze Wohnung.»

«Der Mozart unter den Theologen»

Beim Weltjugendtag, dem Höhepunkt während seiner 30 Jahre als Bischof, sei er als «eine Art Obermessdiener» dabei, sagte Meisner. «Im Zentrum steht Christus. Die Hauptrollen spielen der Papst und die Jugend.»

Den neuen Papst Benedikt XVI. möge und bewundere er, sagte Meisner. Er spreche fast druckreif und sei «der Mozart unter den Theologen». Was er sage, sei glasklar, großartig und wunderschön. «Uns verbindet die gleiche theologische Wellenlänge. Das Einzige, was uns gelegentlich trennt, ist, dass ihm nicht alles schmeckt, was mir schmeckt zum Beispiel trinkt er nicht so gerne wie ich ein Glas Bier.»

Bei der ersten Privataudienz nach seiner Wahl habe ihm der Papst das Du angeboten, sagte der Kardinal. «Gut, sagte ich, aber wenn ich dich begrüße, dann mach ich den Kniefall und küsse den Fischerring. Da antwortete er: 'Das kannst du auch sein lassen.' Nein, sagte ich: Du bist der Papst und ich der Erzbischof von Köln, und das muss auch sichtbar bleiben.»
German Hirtenwort zum bevorstehenden Weltjugendtag 2005 in Köln
Jul 23, 2005
Wir veröffentlichen das Hirtenwort, das Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln, im Oktober 2002 verfasste, um zur geistigen Vorbereitung auf den 20. Weltjugendtag in Köln (11.-21. August 2005) aufzurufen.

Tief erfüllt von den großartigen Erlebnissen beim Weltjugendtag in Toronto (Kanada) und von den Worten des damaligen Papstes, Johannes Pauls II., lädt der Kardinal die Einheimischen dazu ein, sich "jeden Morgen zwei Minuten Zeit zu einem kurzen Gebet" zu nehmen und so "den vor uns liegenden Tag mit all seinen Aufgaben und Begegnungen in die Hände des Herrn" zu legen. Auf diese Weise "nehmen wir unsere Arbeit mit in unser Gebet und unser Gebet mit in unsere Arbeit. Das christliche Leben ist unkompliziert!"

Alle Gäste bittet er, ihren "Christusglauben" nach Köln mitzubringen.

* * *

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Wahrscheinlich haben Sie alle über die Medien gehört, dass Papst Johannes Paul II. beim Schlussgottesdienst des Weltjugendtages, am 28. Juli 2002 in Toronto, die Jugend der Welt für das Jahr 2005 nach Köln eingeladen hat. Er hat es mit folgenden Worten getan: "Ich möchte feierlich verkünden, dass der nächste Weltjugendtag im Jahr 2005 in Köln, Deutschland, stattfinden wird. In der großartigen Kathedrale zu Köln werden die Reliquien der Heiligen Drei Könige verehrt, der Weisen aus dem Morgenland, die dem Stern folgten, welcher sie zu Christus geführt hat. Als Pilger beginnt heute eure spirituelle Reise nach Köln. Christus erwartet euch dort zum 20. Weltjugendtag! Möge die Jungfrau Maria, unsere Mutter auf unserer Pilgerreise des Glaubens, mit uns unterwegs sein.“

Die Jugendlichen treffen sich vom 15. bis zum 21. August 2005 in Köln. Vorher werden sie in den einzelnen deutschen Diözesen mit jungen und älteren Christen zusammenkommen, um ihre Glaubenserfahrung auszutauschen. Von dort werden sie gemeinsam nach Köln pilgern.

Der Papst selbst lädt ein. Er ist der eigentliche Veranstalter dieses großen Ereignisses, zu dem er immer selbst kommt. Die nähere Vorbereitung hat er dem päpstlichen Rat für die Laien anvertraut, einer wichtigen Institution an der römischen Kurie. Hauptverantwortlicher im Land ist der Bischof der gastgebenden Diözese. Dabei arbeitet dieser mit den Mitbrüdern im bischöflichen Dienst aus der jeweiligen Bischofskonferenz zusammen. Uns in Köln kommt also die Aufgabe zu, gute Gastgeber zu sein. Ich glaube, die Rheinländerinnen und Rheinländer sind das von Natur aus, sodass wir den Erwartungen der katholischen Jugend aus aller Welt entsprechen werden.

Neben den äußeren, organisatorischen Aufgaben wie die Unterbringung so vieler Jugendlicher oder die Bereitstellung von Kirchen und Räumen für die geistlichen Veranstaltungen haben wir als besondere Aufgabe, den geistlichen Raum zu eröffnen, in dem Begegnung mit Jesus Christus möglich wird. Beim Weltjugendtag im Heiligen Jahr 2000 in Rom fragte der Papst die zwei Millionen versammelten Jugendlichen: "Wen sucht ihr hier in Rom?“ Und sie antworteten ganz spontan: "Jesus Christus.“ Auch in Köln werden die Jugendlichen Jesus Christus suchen und finden wollen.

Die Heiligen Drei Könige, die der Heilige Vater eigens in seiner Einladung erwähnt, sind uns dafür gute Wegbereiter. Sie folgten dem Stern, der sie zu Jesus Christus geführt hat. Die Zeit bis 2005 ist noch lange, aber wir können gar nicht früh genug mit der geistlichen Vorbereitung beginnen. Der Papst sagte den jungen Menschen in Toronto am 28. Juli 2002: "Als Pilger beginnt heute eure spirituelle Reise nach Köln.“ Mit diesem Wort des Heiligen Vaters begann für uns als Gastgebende die geistliche Vorbereitung auf das große Ereignis der Jugendlichen in Köln.

Wie können wir uns als Erzdiözese Köln auf diese Gastgeberrolle vorbereiten? Ich erinnere daran: Die Jugend sucht Jesus Christus und möchte ihn in Köln finden. Der Papst sagte in Toronto den jungen Leuten: "An euch liegt es ganz besonders, im Blick auf das Treffen in Köln im Jahr 2005 den Geist des Weltjugendtages lebendig zu halten! Baut mit an einer Zivilisation der Liebe und Gerechtigkeit! Seid selbst ein leuchtendes Vorbild, das viele andere zum Reich Christi hinführt, zum Reich der Wahrheit, der Gerechtigkeit und des Friedens.“

Der Herr schickt seine Jünger immer zu zweit aus, damit sie in dieser Weggemeinschaft das in der Tat bezeugen können, was der eine oder andere von ihnen mit Worten verkündet. Unser Wort muss durch unser Leben abgedeckt werden. "Seht, wie sie einander lieben!“, haben die Menschen von den ersten Christen gesagt. Und Jesus sagt weiter: "Wo zwei oder drei in
meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20). Diese Gegenwart des Herrn ist das Gastgeschenk, das die Jugend der Welt in der Erzdiözese Köln erwartet. Wir sollten uns in unseren Gemeinden, Gruppen, Gemeinschaften, Verbänden, Familien und Ordenshäusern darum bemühen, dass wir immer so beieinander sind, miteinander arbeiten und zueinander sprechen, dass Jesus als Dritter dabei sein kann. Das wird nur gehen, wenn sich jede und jeder Einzelne täglich im Gebet dazu die Kraft holt.

Als Ihr Bischof gebe ich Ihnen dafür einen kleinen Hinweis. Nehmen wir uns jeden Morgen zwei Minuten Zeit zu einem kurzen Gebet. Dazu benötigen wir nur zwei Dinge: den Terminkalender und das Gebetbuch. Der Blick auf den Terminkalender des jeweiligen Tages zeigt uns, welche Aufgaben wir an diesem Tag zu bewältigen haben, mit welchen Menschen wir zusammentreffen werden. Danach schauen wir in das Gebetbuch und legen den vor uns liegenden Tag mit all seinen Aufgaben und Begegnungen in die Hände des Herrn, indem wir ein Gebet sprechen, das uns besonders lieb und teuer ist, oder wie mit einem guten Freund zu Gott sprechen und ihm mit eigenen Worten sagen, was uns auf dem Herzen liegt. So nehmen wir unsere Arbeit mit in unser Gebet und unser Gebet mit in unsere Arbeit. Das christliche Leben ist unkompliziert!

Ich wiederhole: Frühmorgens beten wir unser Tagewerk und dann arbeiten wir den Tag über unser Gebet. Das wird uns untereinander in einer Art und Weise verbinden, dass Christus dabei immer gegenwärtig ist, und dann bekommt unser Leben, unser Tun und Lassen eine andere Qualität. Für den Nachmittag und Abend empfehlen sich auch andere Formen des Gebetes. In seinem jüngsten Apostolischen Schreiben über den Rosenkranz empfiehlt der Papst dieses Gebet sehr eindringlich, in dem der Beter das Leben des Herrn mit dem Herzen "derjenigen schauen darf, die ihm am nächsten stand“, nämlich mit dem Herzen Mariens. "So werden sich ihm die unergründlichen Reichtümer dieser Geheimnisse erschließen“ (12).

Der Papst fragt die Jugendlichen: "Wen sucht ihr?“, und sie antworteten ihm: "Jesus Christus“. Ich möchte jede Einzelne und jeden Einzelnen bitten, täglich darum zu beten, dass wir in der Erzdiözese Köln den Erwartungen der Jugendlichen aus aller Welt entsprechen können. Wenn ich im Ausland bin, dann höre ich von Kardinälen, Bischöfen, Priestern und Jugendlichen, mit welch großen Erwartungen sie sich schon auf Köln im Jahre 2005 freuen. Ich sage dann: "Wir wollen euch in Köln mit offenen Armen und Herzen aufnehmen, aber bringt uns auch euren Christusglauben mit. Das erwarten wir von euch Besuchern bei uns in Köln, damit dann durch den gegenseitigen Austausch unseres Glaubens, des eurigen und des unsrigen, auferbaut werde der Leib Christi, der die Kirche ist.“

Der Heilige Vater steht unter dem Wort des Herrn: Du aber stärke deine Brüder und Schwestern! (vgl. Lk 22,32). Wie sehr der Papst diesem Auftrag nachkommt, habe ich bisher bei meiner Anwesenheit bei den Weltjugendtagen immer wieder erlebt. So sagte er den Jugendlichen noch in Toronto: "Ihr seid die Männer und Frauen von Morgen. Die Zukunft liegt in euren Herzen und in euren Händen. Gott vertraut euch die Aufgabe an, gleichzeitig schwierig und erbauend, mit
ihm an der Errichtung der Kultur der Liebe zu arbeiten.“ Aber der Papst empfängt auch gerade von der Jugend eine große Stärkung im Glauben. Das wird auch uns allen im Erzbistum Köln geschenkt werden. Auf unseren Glauben werden wir eine Glaubensantwort von jungen Menschen aus aller Welt empfangen, die uns Kraft und Freude gibt, dem Herrn in unserer Zeit nachzufolgen.

Gott gebe, dass uns am Weltjugendtag 2005 ein neues Pfingstfest geschenkt wird. Damit wären alle Erwartungen des Heiligen Vaters und eigentlich die Erwartungen aller Christen erfüllt. Ich werde Ihnen von Zeit zu Zeit über unsere Vorbereitungsarbeit berichten und bitte Sie, uns auf den verschiedenen Ebenen unserer Diözese bei den vielfältig notwendigen Vorbereitungen durch Ihr Gebet zu unterstützen. Ich bitte Sie freundlich darum, dass Sie den Weltjugendtag 2005 auch zu Ihrem persönlichen Anliegen machen und grüße Sie in herzlicher Verbundenheit,

Ihr
+ Joachim Kardinal Meisner
Erzbischof von Köln
German Kardinal kriegt neuen Baum
Jul 09, 2005
Fast zehn Jahre ist das „Pastoralgespräch“ vorüber, in dem Laien und Bistumsleitung über Inhalte der Kirche im 3. Jahrtausend sprachen und die Ergebnisse in „Voten“ festhielten.

(Kölnische Rundschau, 04.07.2005) So sollte der Erzbischof einen ständigen Rat von Frauen einrichten, der unter anderem den Erzbischof „in allen, auch nicht frauenspezifischen Belangen beraten“ würde. Diese „Frauenkommission“ gibt es seit acht Jahren; Vorsitzende Hannelore Bartscherer - sie schied jetzt turnusmäßig aus - zog ein gemischtes Fazit.

Zum einen lobte sie den Kardinal als sehr aufmerksamen, interessierten Zuhörer. Das Thema Gleichberechtigung von Mann und Frau, damals als ein Kriterium für die Glaubwürdigkeit der Kirche betont, sei ungebrochen aktuell. Bartscherer bedauerte zum einen, dass die Frauenkommission von der Basis kaum wahrgenommen werde (im Medienzeitalter sei wünschenswert, dass von den Internetseiten des Bistums ein Hinweis auf die Kommission erfolge). Die Kommission habe auch Alibifunktion in der Diskussion um Gleichberechtigung. Bartscherer bedauerte, dass die Begeisterung aus dem Pastoralgespräch ziemlich versandet sei.

Vor acht Jahren hatte die Kommission, in die der Diözesanpastoralrat, katholische Frauenverbände und -orden und geistliche Gemeinschaften acht Mitglieder entsenden und der Erzbischof drei beruft, dem Kardinal ein Apfelbäumchen geschenkt als Zeichen, „dass das Pastoralgespräch fruchtbar“ werde. Meisner pflanzte es in seinen Garten und versprach: „Die ersten Äpfel bekommt der Frauenrat.“ Ohne Absprache mit ihm, erklärte er jetzt, habe sein Gärtner den Baum ausgerissen. Bartscherer will dem Kardinal jetzt einen neuen Apfelbaum spendieren.
German Kardinal Meisner nennt Ratzinger-Wahl ein Wunder
Jul 09, 2005
Für den Kölner Kardinal Joachim Meisner war die Wahl von Joseph Ratzinger zum Papst Benedikt XVI. "ein Wunder", an dem der gestorbene Johannes Paul II. seinen Anteil habe. Durch seine Fürsprache bei Gott habe er die Wahl beim Konklave beeinfluß, sagte Meisner gegenüber Journalisten.

(Die Welt, 4. Juli 2005) Köln - "Wenn ein Heiliger im Himmel ist, dann ist sein Wirkungsradius viel größer als vorher." Mit Ratzinger als Papst sei "die Kontinuität am vollkommensten".

Er werde dieses Wunder aber nicht der Kongregation für den Seligsprechungsprozeß von Johannes Paul II. melden, sagte Meisner: "Das ist natürlich in einem Seligsprechungsverfahren nicht verifizierbar, aber für mich steht es felsenfest."

Der Seligsprechungsprozeß für Johannes Paul II. hatte schon knapp drei Monate nach dessen Tod begonnen. Anders als bei Märtyrern ist für die Seligsprechung ein Wunder nötig, das er nach seinem Tod bewirkt hat. "Wenn es darum geht, ein Wunder festzustellen, sollte man kritisch sein", sagte Meisner. Es würden nun Beispiele für mögliche Gebetserhörungen gesammelt. Am häufigsten gäben medizinisch nicht erklärbare Heilungen den Ausschlag.
German Johannes Paul wollte Weltjugendtag in Deutschland
Jul 04, 2005
Dem früheren Papst Johannes Paul II. war nach Aussage des Kölner Erzbischofs Joachim Meisner sehr an einem Weltjugendtag in Deutschland gelegen.

Köln - (dpa, 30.06.05). «Als mir Papst Johannes Paul II. sein Anliegen vortrug, in Deutschland einen Weltjugendtag durchzuführen, sagte er mir unter anderem als Begründung: Im 20. Jahrhundert sind von Deutschland zwei große Weltkatastrophen ausgegangen - der Erste und der Zweite Weltkrieg.

Er möchte, dass im 21. Jahrhundert von Deutschland eine große Positivbewegung nach Europa und in die Welt hinaus gehe. Darum soll der Weltjugendtag in Köln stattfinden», sagte Kardinal Meisner in einem dpa-Gespräch.

Meisner erinnerte daran, dass Johannes Paul II. als junger Mann in Polen die Unterdrückung durch die selbst ernannten deutschen «Herrenmenschen» hautnah und schmerzlich erfahren habe. «Und ausgerechnet er als jemand aus der Gruppe der damaligen "Untermenschen" möchte, dass von Deutschland im 21. Jahrhundert eine Positivbewegung ausgeht. Das nennt man nach dem Neuen Testament "Feindesliebe"», sagte Meisner.

Der Kölner Erzbischof hofft, dass die jungen Pilger vom Weltjugendtag im August auch ein positives Bild Deutschlands mit nach Hause nehmen: «Ich wünsche mir, dass die Jugendlichen aus aller Welt in uns Deutschen Menschen begegnen, die offene, gebende Hände und gefaltete, betende Hände haben.»
German Unionsparteien sollten das C streichen
Jun 13, 2005
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat die Unionsparteien aufgefordert, das C für Christlich aus ihren Parteinamen zu streichen.

Düsseldorf/Köln (epd 5.6.05). "Was christlich ist, kann nicht die CDU definieren, das machen wir", sagte der für seine polarisierenden konservativen Positionen bekannte katholische Erzbischof in einem Interview der in Düsseldorf erscheinenden "Westdeutschen Zeitung" (Samstag-Ausgabe). Eine christliche Volkspartei erreiche "in unserer gesellschaftlichen Säkularisation" keine Mehrheiten mehr. Der Buchstabe C im Parteikürzel von CDU und CSU steht für das Wort Christlich.

Meisner bekräftigte den absoluten Wahrheitsanspruch der katholischen Kirche und seine umstrittenen Haltungen in Fragen von Moral und Ökumene. Reformen der katholischen Kirche lehnte Meisner in dem Interview ab. So werde nie eine Frau katholische Priesterin werden.

Ökumenische Fortschritte erwartet der Kölner Erzbischof nur zwischen der römisch-katholischen und der orthodoxen Kirche, aber nicht zwischen Katholiken und Protestanten. "Mit den reformatorischen Kirchen ist es ein langer, mühsamer Weg", sagte Meisner. "Wir sollten uns keine Dinge vormachen, die nicht einzulösen sind."
German Kölscher Song begeisterte Kardinal nicht
May 31, 2005
„Ich bin zum ersten Mal in Eurem schönen Gotteshaus“, gestand Joachim Kardinal Meisner nach dem Pontifikalamt in Liebfrauen Warth. Dabei wurde schon vor 100 Jahren der Grundstein gelegt für die Landmarke an der Frankfurter Straße.

(Kölner Stadt-Anzeiger, 23.05.05) Hennef - Genau das war der Anlass für den hohen Besuch, der angetan war von den Besuchern des Gottesdienstes: „Ihr könnt Euch mit Eurem Glauben hören und sehen lassen.“

Über die Tücken der Begriffe Menschlichkeit, Solidarität und des gesellschaftlichen Wertekonsenses hatte der Kardinal gepredigt. „Humanität ohne Divinität ergibt Bestialität“, zitierte er Franz Grillparzer, um vor den Folgen von Gottlosigkeit zu warnen. Dann würden Kirchen zu Montagehallen. Friedrich Nietzsche nannte er „den Ehrlichsten der Gottlosen“.

Die Herkunft, auf der diese Zukunft gründe, ist der neoromanische Kirchenbau, der 350 Gläubigen Platz bietet.

Pfarrhaus statt Turm

Am 21. Mai 1905 gab es die Grundsteinlegung, bereits 15 Monate später, am 26. August 1906, wurde die Pfarrkirche Liebfrauen Hennef-Warth eingeweiht. Einen Turm gab und gibt es nicht, dafür wurde parallel zum Gottes- das Pfarrhaus errichtet.

Vorläufer von Liebfrauen war eine Kapelle, die nur wenige Meter entfernt vor der Poststation Warth lag. Posthalter und Schultheiß von Geistingen, Werner von Warth, ließ sie 1690 errichten und dem heiligen Nepomuk weihen. Bis 1907 stand sie dort, wo der heutige Denkmalplatz ist, Pflasterungen zeigen den Grundriss. Die Seelsorger hielten es immer lange in der Gemeinde aus. Seit dem ersten Geistlichen, Joseph Bomans, von 1901 bis 1904 tätig, hat es erst sechs Pfarrer gegeben. Den Vorgänger des derzeitigen Amtsinhabers begrüßten die Gottesdienstbesucher gestern mit rauschendem Beifall. Heinz Büsching führte die Gemeinde von 1976 bis 2003. Er bedankte sich: „Ich liebe Euch noch alle. Maat et joot.“

Ein ganz besonderes Geburtstagsgeschenk gab es für Margot Lindlar. Papst Johannes Paul II. hatte ihr noch den Silvesterorden verliehen, eine der höchsten kirchlichen Auszeichnungen für Laien, die der Kardinal ihr anhängte. Noch ein Geschenk machte der aktuelle Pfarrer, Christoph Jansen, seiner Gemeinde. Auf die Melodie des Bläck Fööss-Titels „Do bes die Stadt“ hatte er gedichtet „Do bes die Kirch, op die mir all hä stonn“. Meisner hielt sich, nicht wirklich begeistert, während des Liedes im Hintergrund, bevor er beim anschließenden Pfarrfest ein Bad in der Menge nahm.
French L’émotion des journées du conclave
May 20, 2005
Le cardinal Joachim Meisner, électeur lors du récent conclave, a voulu partager - tout en respectant le serment du secret - les émotions et les expériences qu’il a vécu au cours du mois d’avril au Vatican.

ROME, Mardi 17 mai 2005 (ZENIT.org) - « Je connais le pape depuis 35 ans (il est intelligent comme douze professeurs et dévot comme un premier communiant) et nous sommes amis » a expliqué à son tour le cardinal Meisner dans une interview donnée mercredi 4 mai au quotidien espagnol « La Razon ».

« Quand j’ai vu qu’à 78 ans, un âge ou d’autres sont à la retraite, le cardinal Ratzinger acceptait avec tant de grâce et d’intelligence une mission si importante, j’ai été très ému et j’ai éclaté en sanglots. Je suis un homme et pas une machine. Et un homme qui a un cœur peut pleurer » a souligné le cardinal Meisner.

En tant qu’archevêque de Cologne, le cardinal Meisner sera le grand amphitryon de la XXème Journée mondiale de la Jeunesse, à laquelle Benoît XVI participera. Le cardinal Meisner voulait, dit-il, profiter du moment où les cardinaux félicitaient le pape, pour l’inviter à l’événement, mais l’émotion l’en a empêché.

« J’ai été le premier cardinal allemand à faire vœu de fidélité au pape, poursuit le cardinal dans son entretien au quotidien espagnol. Je voulais lui dire : « Saint-Père, soyez le bienvenu à Cologne » mais l’émotion a été plus forte, et c’est le pape lui-même qui m’a dit : ‘Je vais à Cologne et je suis heureux d’y aller’. Je n’ai pas eu besoin de l’inviter . Il s’est auto-invité, et cela est juste ainsi ! »

« De retour à la résidence sainte Marthe (où les électeurs logeaient pendant le conclave) après l’élection, les sœurs et le personnel de service de la maison applaudissaient comme si nous avions gagné quelque chose » se souvient Mgr Meisner.
Spanish Küng “confunde sus propios pajaritos con el Espíritu Santo”
May 15, 2005
En declaraciones al diario La Razón, el Arzobispo de Colonia, Cardenal Joachim Meisner, desestimó las críticas del teólogo Hans Küng contra el Papa Benedicto XVI porque “confunde sus propios pajaritos con el Espíritu Santo”.

MADRID, 12 May. 05 (ACI).- “Küng ha dicho cosas como teólogo católico que no son católicas. Atacó al Papa. Y el cardenal Ratzinger le aconsejó y le dio argumentos teológicos en contra. Y el Santo Padre debe seguir haciéndolo. Pero para nuestra Iglesia, el ‘caso Küng’ ya está cerrado. Hay gente que confunde sus propios pajaritos con el Espíritu Santo, y esto es el caso de Küng”, declaró.

Sin embargo, el Purpurado no descartó definitivamente una eventual reconciliación del teólogo con la Iglesia. “Lo espero. Pero Küng se ha convertido en una figura muy marginal”, aclaró.
German „Dieser Papst steht für Klarheit“
May 06, 2005
Benedikt XVI. ist eine Herausforderung für Deutschland, sagt Joachim Kardinal Meisner in einem Interview mit dem Rheinischen-Merkur: “Ich plädiere dafür: dass in der Kurie nicht die Diplomatie gegenüber dem Glauben das letzte Wort hat.”

Rheinischer Merkur, 05.05.2005) Die katholische Welt blickt jetzt genauer auf unser Land, vermutet der Kölner Erzbischof. Es sollte bei der Neuevangelisierung in Europa vorangehen.

RHEINISCHER MERKUR: Haben Sie mit diesem Ergebnis bei der Papstwahl gerechnet, Herr Kardinal?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Gewünscht hatte ich mir das, und manchmal gehen ja Wünsche in Erfüllung. Mich hat noch nie eine Verantwortung in der Kirche so gedrückt und so in Atem gehalten wie das Konklave. Das ganze Konklave mit seinen Regeln ist ja so angelegt, als ob die Papstwahl von jedem Kardinal allein abhängt. Und es hat mich noch nie etwas innerlich so aufgerieben wie das Ringen und Beten im Konklave. Jeder Einzelne ist mit dem Wahlzettel vor den Altar getreten. Dort, vor dem Gericht Michelangelos, hat er ihn hochgehalten und mit erhobener Stimme gesagt: „Ich rufe jetzt Christus, der mich richten wird, als meinen Zeugen an. Ich habe den zum Papst gewählt, den ich vor meinem Gewissen für den Geeignetsten halte.“ Da vergehen einem alle Strategien. Aus der Papstgeschichte wissen wir, wie wichtig es ist, den Richtigen zu finden. Viele haben uns deutschen Kardinälen nach der Wahl gratuliert, doch die Nation spielte dabei überhaupt keine Rolle, nur die Person. Doch auch die Person fällt nicht vom Himmel, sondern wächst uns von der Erde zu. Wir haben das Glück, dass mit Joseph Ratzinger ein solcher Mensch zur Verfügung stand.

RHEINISCHER MERKUR: Bis auf ganz wenige Kardinäle waren die meisten zum ersten Mal bei einem Konklave, alle aber kannten Kardinal Ratzinger. Spielte das eine Rolle?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Das weiß ich nicht, man kann aber schlicht sagen, es ist keiner so bekannt gewesen wie er. Entscheidend war, dass wir den wählten, den wir persönlich für den Geeignetsten halten. Für mich persönlich ist die Entscheidung gefallen beim Requiem für den Papst, das er als Kardinaldekan gehalten hat. Da ist mir klar geworden: Der Papst im Sarkophag vor dem Altar und der Kardinaldekan hinter dem Altar, das war eine solche Symbiose, da findet ein Übergang ohne Bruch zum vorigen Pontifikat statt. Natürlich bringt der neue Papst sein eigenes Kolorit mit, aber in den Grundzielen wird das Pontifikat Johannes Pauls II. fortgesetzt. Er hat mir des Öfteren gesagt: Falls sich Kardinal Ratzinger mit 75 Jahren emeritieren lassen will, um endlich wieder mehr Theologie betreiben zu können und noch ein paar wichtige Bücher zu schreiben, so reden Sie mit ihm, dass er weiter seinen Dienst tut. Denn die theologische Qualität meines Pontifikates hängt wesentlich auch von Kardinal Ratzinger ab. So dachten wohl die meisten Kardinäle: Joseph Ratzinger garantiert uns Wahrheit und Klarheit.

RHEINISCHER MERKUR: Spielte seine Predigt in der Messe vor dem Konklave, in der er den Relativismus verurteilt hat, dabei eine Rolle?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Er hat mit analytischer Schärfe gesagt, wo heute die Negativpunkte festzumachen sind. Und jeder hat gesagt, das war keine Regierungserklärung eines künftigen Papstes, sondern da sieht einer die Dinge, wie sie sind. Natürlich haben mir viele Kardinäle nach dem Requiem gesagt: Der ist einfach genial.

RHEINISCHER MERKUR. Hat der große Theologe auch eine spirituelle Seite?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Er ist ein durch und durch spiritueller Mann. Ein Intellektueller mit großer Tiefe. Er hat es selbst auf den Punkt gebracht, dass er keine sitzende, sondern eine kniende Theologie betreibt. Er ist gescheit wie ein Dutzend Professoren und fromm wie ein Erstkommunionkind. Er kennt nicht nur intellektuell die gesamte kirchliche Tradition, die Kirchenväter und alle Auseinandersetzungen von der Scholastik bis zur Gegenwart. Die Dimension der Schönheit spielt bei ihm eine ganz große Rolle. Gott ist nicht nur der Wahre und der Gute, er ist auch der Schöne. Ich habe Kardinal Ratzinger immer den „Mozart der Theologie“ genannt. Er ist ein Freund der Künste, der sich gerne ein schönes Bild anschaut, gute Musik hört und selbst perfekt Klavier spielt. Auch seine Bücher sind von einer theologischen Tiefe und Schönheit, die den Leser inspiriert.

RHEINISCHER MERKUR: Wie kommt es, dass die Menschen so überrascht waren von der Offenheit seiner ersten Auftritte als Papst?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Joseph Ratzinger hat sich nicht verändert, er hat sich nur gezeigt, wie er wirklich ist. Er hat gesagt, er sei nur ein einfacher und demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn. Das war keine Redensart. Er hatte eine ganz andere Lebensplanung. Ich bin übrigens ganz schön erstaunt, wer mir jetzt alles geschrieben hat und wieder in die Kirche eintritt, nachdem alles, was sich in Rom getan hat, mitzuerleben war in den Medien.

RHEINISCHER MERKUR: Ist es für Sie erstaunlich, dass sich sein Bild in den Medien in diesen Tagen derart gewandelt hat?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Die Medien können das Bild eines Menschen völlig verzerren. Erstaunlicherweise hat selbst der „Spiegel“ jetzt eine Konversion gemacht und geschrieben, dass die Deutschen den Papst bekommen haben, den sie am nötigsten brauchen. Aber auch die alten Spalter und Nörgler finden ein Forum. Sind die Medien so einfallslos? Auf keinem anderen Gebiet würde respektiert werden, dass sie immer wieder diese falschen Propheten aufmarschieren lassen. Das war die reinste Leichenfledderei, wie diese Leute über den verstorbenen Papst hergefallen sind. Über solche Charakterlosigkeit kann man sich nur schämen.

RHEINISCHER MERKUR: Es gibt erste Vermutungen, welche Akzente der neue Papst setzen wird. Er hat die Einheit der Christen als Ziel ganz groß herausgestellt. Welche Schwerpunkte sehen Sie noch?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Dass er sich ganz bewusst unter den Auftrag Christi stellt: Lass alle eins sein, das steht außer Zweifel. Er wird das anpacken, aber nicht mit Tricks, sondern in Wahrheit und Klarheit. Und wenn gewisse Dinge nicht möglich sind, dann wird er das auch klar definieren. Eines der wichtigsten Dokumente des letzten Pontifikats stammt von ihm. Es ist „Dominus Iesus“. Hier wird eine der größten Gefahren beschrieben, in der die Kirche steht: der interreligiöse Utopismus und eine undifferenzierte christliche Ökumene. Der Papst ist in diesen Fragen sehr präzise und spricht eben von Kirche und kirchlichen Gemeinschaften. Am Montag gab er eine Audienz für die Vertreter der verschiedensten christlichen Kirchen, der verschiedenen Religionen. Diese Audienz verlief so herzlich und intensiv, dass sie eine halbe Stunde länger dauerte.

Also, das interreligiöse Gespräch und die Ökumene werden sicher Felder sein, auf denen er sehr wirksam sein wird. Aber ich sage es noch mal: in Wahrheit und Klarheit. Das hilft beiden Seiten. Manche meinen, als Papst würde er mehr auf das Brückenbauen achten, während er als Präfekt der Glaubenskongregation den Akzent mehr auf die Glaubenswahrheit gelegt habe. Das aber ist absurd: Das Bauen von Brücken hat nur Sinn, wenn die Fundamente auf beiden Ufern tragfähig sind. Deshalb ist der Papst nicht vom Präfekten der Glaubenskongregation zu abstrahieren. Bis nach dem Konzil war übrigens der Papst immer selbst der Präfekt der Glaubenskongregation.

RHEINISCHER MERKUR: Benedikt XVI. hat in seiner ersten Rede die „kollegiale Gemeinschaft“ zwischen Bischöfen und Papst betont. Manche Beobachter leiten daraus ab, dass es künftig mehr Mitsprache der Ortskirchen in Rom geben könnte . . .

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Das ist reine Ideologie. Der so genannte römische Zentralismus liegt an der Feigheit und der Schwäche der Ortsbischöfe. Wir können das meiste selber entscheiden, aber wenn wir es nicht entscheiden, geht es natürlich nach Rom. Und dann beschwert man sich über den römischen Zentralismus. Wenn wir machen, wozu wir als Bischöfe beauftragt sind, dann hat Rom herzlich wenig zu tun.

RHEINISCHER MERKUR: Kardinal Ratzinger hat selbst einmal geschrieben, dass er sich ein bischöfliches Beratungsgremium vorstellen könnte, das enger an den Papst angebunden ist bei wichtigen Entscheidungen, die dieser zu treffen hat. Könnte es so ein regelmäßig zusammentretendes Gremium geben?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Das haben wir ja im Kardinalskollegium. Wir sind zu 98 Prozent Bischöfe. Wir sind die Hirten unserer Ortskirchen. Die Kurie ist international. Ich bin Mitglied in fünf Kongregationen und jeden Monat ein paar Tage in Rom. Wir müssen eher ein bisschen von diesen römischen Verpflichtungen wegkommen, weil es zu Hause genug Arbeit gibt.

RHEINISCHER MERKUR: Wird sich bei den Bischofssynoden etwas verändern?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Bei den Bischofssynoden in Rom sind 200 Bischöfe vier Wochen verpflichtet, von früh bis abends dort zu sitzen und zu arbeiten. Die ersten 14 Tage hören sie sich nur Interventionen an, dann setzen die Diskussionen in den Sprachzirkeln ein – mit echtem Pro und Contra. In der Vollversammlung kommt es darüber aber zu keinem Dialog. Hier müsste eine neue Form gefunden werden. Etwas anderes waren die Versammlungen der Kardinäle vor dem Konklave. Jeder hat da kurz berichtet über die Situation in seinem Land, seiner Diözese. Dadurch ist dann ein Panorama entstanden über die geistige und geistliche Situation der Kirche insgesamt. So sind wir in das Konklave gegangen und haben gefragt, wer von uns am besten in dieses Panorama passt. Eine solche Form der Beratung ist wirksamer als die Bischofssynoden.

RHEINISCHER MERKUR: Plädieren Sie für eine innere Reform der Kurie, um sie effizienter für ihren Dienst zu machen?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Solange es die Kurie gibt, wird über die Kurienreform gesprochen. Ich plädiere für eine ganz andere Sache: dass in der Kurie nicht die Diplomatie gegenüber dem Glauben das letzte Wort hat. Der neue Papst kennt die Kurie durch und durch, sodass er hier die Weichen bestimmt richtig stellen wird.

RHEINISCHER MERKUR: Was bedeutet Papst Benedikt für die katholische Kirche in Deutschland?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Ich wünschte mir, dass die ganze Kirche in Deutschland dem Papst in seinem Pontifikat den Rücken stärkt, wie es die Polen gemacht haben mit Johannes Paul II. Kardinal Wyszynski sagte damals nach der Papstwahl 1978, in der Audienzaula: „Heiliger Vater, wenn wir jetzt heimkommen, knien wir nieder und beten Löcher in die Steine für dich.“ Die katholische Welt wird jetzt mehr auf uns Deutsche schauen als vorher. Das ist eine besondere Herausforderung. Wir müssen uns eindeutig gegen den Zeitgeist stellen. Das heißt: Schluss mit der endlosen Diskussion über Frauenpriestertum und Abschaffung des Zölibates. Das sind Themen, die längst abgehakt sind. Heute geht es um die Neuevangelisierung Europas, nicht mit Ach und Krach, sondern mit Glanz und Gloria. Diese Freude an unserem katholischen Glauben ist es, was Not tut.

RHEINISCHER MERKUR: Kardinal Ratzinger hat sich mehrfach besorgt über den Zustand der deutschen Kirche geäußert. Was bedeutet diese Wahl für den inneren Zusammenhalt?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Ich kann mir nicht denken, dass jetzt jemand dem Papst Knüppel zwischen die Beine werfen will. Er hat ja gebeten, ihm in seinem Amt zu helfen. Das gilt für die Bischöfe ebenso wie für die Laien. Es ist ja zum Beispiel nicht Sache des Laienkatholizismus, alles zu kommentieren, was aus Rom kommt, und dafür dann gewissermaßen das Plazet zu geben.

RHEINISCHER MERKUR: Der Weltjugendtag in Köln steht vor der Tür. Die Begegnung mit der Jugend war eines der ganz großen Anliegen Johannes Pauls II. Wird der neue Papst hier seinem Vorgänger folgen?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Keine halbe Stunde nach seiner Wahl hat Benedikt XVI. gesagt: Ich komme natürlich nach Köln. Ich hatte die Einladung noch gar nicht aussprechen können. Und in seiner Ansprache am Mittwoch in der Sixtina hat er die Jugend, die für seinen Vorgänger ein unverzichtbarer Gesprächspartner war, umarmt. Er wird den Dialog mit der Jugend fortsetzen. Und dazu wird er in Köln Gelegenheit haben, wo die Jugend der Welt versammelt ist und sich auf ihn freut. Auch bei unserer Audienz am Montag nach seiner Amtseinführung sprach er das Thema an und hat sehr deutlich gesagt: Die Gesellschaft hält die Jugend für bequem; sie hätte keine Ideale mehr. Doch das stimme nicht und treffe eher auf die älteren Leute zu. Die Jugend aber will hoch hinaus. Sie sucht die Werte und lässt sich das etwas kosten. Sie ist gegen Ungerechtigkeit und für den Frieden. Und das möchte er stärken.

RHEINISCHER MERKUR: Der Schwung eines Weltjugendtages ist das eine, was aber wird davon im Alltag bleiben? Werden die Jugendlichen wieder mehr in die Kirche gehen und dort mitarbeiten?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Ja, aber nicht um der Kirche willen, sondern um ihrer selbst willen. Das war ja gerade die große Faszination, aus der heraus die Jugend dem alten Papst gefolgt ist. Der wollte nichts für sich, er dachte nur an die Jugend. Und indem er das tat, ist die Kirche für die Jugend so attraktiv. Ich kenne die Jugendlichen, die ringen um das, was der Papst sagt. Auch wenn er Dinge sagt, die sie zunächst nicht verstehen, die er ihnen aber vom Gewissen der Kirche aus sagen muss. Indem er sie fordert und nicht bestätigt, vor allem im Zeitgeist, bindet er sie in das Leben der Kirche ein.

RHEINISCHER MERKUR: Wie soll das große Ereignis in Köln in der Jugendseelsorge, in den Gemeinden, in der Gesellschaft Wirkung zeigen?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Mir sagen viele Pfarrer, der Weltjugendtag hätte sich auch gelohnt, wenn er jetzt ausfiele. Warum? Weil wir in allen Gemeinden die so genannten Kernteams haben, dreieinhalbtausend junge Christen. Die wurden zwei Jahre vorbereitet und haben ein Jahr fast nur Katechese erfahren. Denn ich will keine Manager haben. Davon haben wir so viele in unseren Institutionen und Verbänden, die aber dafür vom katholischen Glauben manchmal wenig Ahnung haben, geschweige denn, dass sie ihn praktizieren. Wir brauchen Zeugen. Sie müssen Beter sein. Wir haben die Jugendlichen aus den Kernteams ausgesandt als Verantwortliche in die Pfarreien. Dort sollen sie für neuen Schwung sorgen. Als ich diese Idee vor zwei Jahren dem Priesterrat vorgetragen habe, hat man mich ausgelacht: Das können wir doch nicht Jugendlichen überlassen, das müssen schon wir machen! Nein, habe ich gesagt, ihr nicht. Wenn ihr jungen Leuten nichts mehr zutraut, dann tun die auch nichts. Ich übertrage das bewusst den Jugendlichen und nicht euch. Es war die richtige Entscheidung.

RHEINISCHER MERKUR: Die Kirche muss der Jugend also mehr zutrauen, auch, dass sie Schwung in die Gemeinden bringt?

JOACHIM KARDINAL MEISNER: Das ist es. Der Papst traut den jungen Leuten etwas zu, wir müssen es auch. Und ihnen klar machen, dass sie die Energie dafür in den Sakramenten, in der Verkündung finden. Ich stelle mir vor, dass wir im nächsten Jahr im Erzbistum Köln Straßenmissionen machen. Die Missionsstrategie muss darin bestehen, den Menschen das Antlitz Christi zu zeigen. Deshalb möchte ich im Juni kommenden Jahres ein wissenschaftliches Symposium über das Turiner Grabtuch veranstalten. Und dann auf die Straße gehen, um den Menschen das Antlitz Christi zu zeigen, indem wir ihnen unser Gesicht zeigen. Da wird einiges passieren.
German Er sagte: Du, ich komm nach Köln"
Apr 24, 2005
Für ein deutliches Wort ist der Kölner Kardinal bekannt. Ein Kirchenmann der unmissverständlichen Sprache, wie auch der Vorsitzende des Eichsfelder Vereins in Köln, Georg Nolte, weiß.

Eichsfeld/Rom. (tlz.de, 22.04.2005) Dass Kardinal Meisner es auf den Punkt bringt - davon haben sich die Eichsfelder schon bei einigen Gelegenheiten - Wallfahrten, in Hundeshagen und im Klüschen Hagis - überzeugen können.

Doch nach der Wahl Ratzingers zum neuen Papst wurde er, der 1963 bis 1965 in Heiligenstadt Kaplan war, für einen Moment sprachlos. Überwältigt von der Freude, dass ein deutscher Kardinalskollege in die Nachfolge des Fischers berufen wurde. Meisner war der 16. Kardinal, der Joseph Ratzinger nach seiner Wahl gratulierte, der erste aus der Reihe der Deutschen, berichtete Radio Vatikan.

"Und jetzt lag´s an mir. Und ich muss Ihnen sagen, ich hab´ kein Wort rausgebracht. Es hat mich so erschüttert, und dann hat der Papst zu mir gesagt: ,Du, ich komm nach Köln´", sagte Meisner dem päpstlichen Rundfunksender.

Nach dem "Habemus papam" hatte der Papst die Kardinäle zum gemeinsamen Abendessen eingeladen. Im Gästehaus "Sanctae Marthae" gab es einfache Küche an diesem Abend, Salat und Bohnensuppe, erzählte Meisner. Doch zum Abschluss noch ungeplant einen Nachtisch und ein Glas Sekt.

Das angebliche Meisner-Wort, es habe eine "Bombenstimmung" geherrscht, gibt Radio Vatikan nicht wieder. Aber die "Stimme des Papstes" zitiert Meisner so: "Wir waren richtig ausgelassen. Wir hatten eine Stimmung, wie fröhliche Kinder, die mit ihrem Vater zusammen sind."

Die deutschen Kardinäle wünschten Benedikt XVI., "dass er die Ruhe, die innere Klarheit bewahren kann und dass er es physisch auch schafft, was er bisher für die Glaubenskongregation gemacht hat, dass er das jetzt auch im neuen Amt tun kann", wie es Georg Kardinal Sterzinsky, der in Heiligenstadt von 1964 bis 1966 in "St. Marien" war, ausdrückte.

Zum Weltjugendtag

Morgen werden Meisner und Sterzinsky wie die anderen deutschen Kardinäle im Kardinalskollegium bei der Amtseinführung von Papst Benedikt XVI. sein. "Und viele Eichsfelder werden diesen Augenblick bestimmt am Fernseher voll Freude mit erleben", ist sich Kaplan Dominik Trost aus dem Team zur Vorbereitung der Weltjugendtagswoche im Eichsfeld sicher.

Trost will aus Niederorschel mit mindestens 15 jungen Leuten, darunter Helga Beykirch mit einer Pfadfinderschar, zum Weltjugendtag vom 17. bis 22. August nach Köln fahren. Die Freude sei schon jetzt groß, dort den neuen Papst zu sehen und sein Wort zu hören, sagt Trost. Für ihn ist wichtig, dass der neue Oberhirte der katholischen Kirche "umreißt, was die Botschaft Christi heute bedeutet". "Ich hoffe, dass unser Papst noch mehr als sein Vorgänger auch auf das innerkirchliche Tun schauen wird", so Trost.

Auf die Begegnung mit Benedikt XVI. freuen sich auch die Teammitglieder der "Villa Lampe", die beim Weltjugendtag in Köln mit Infoständen mitmischen. Pater Elmar Koch aus dem Heiligenstädter Salesianerkonvent ist mit von der Partie. Er koordiniert die Aktivitäten der norddeutschen Salesianerprovinz beim Weltjugendtag, u.a. mit einem speziellen Tag in der Niederlassung Köln- Mühlheim.

Vielleicht hat dieser oder jener Jugendliche aus dem Eichsfeld sogar die Chance, mit Papst Benedikt XVI. persönlich zu sprechen. Denn das Programm des Weltjugendtages in Köln soll für den neuen Papst ausgeweitet werden. Ausgewählte Jugendliche sollen dabei die Gelegenheit zu Gesprächsrunden mit dem Pontifex haben, sagte der Generalsekretär des Weltjugendtags, Prälat Koch, nach Angaben der Berliner Morgenpost.
German "Wir haben gejubelt"
Apr 24, 2005
"Das ist schon ein Wunder", sagt der Kölner Kardinal Joachim Meisner über die Wahl des neuen Papstes im Vatikan. "In zwei Tagen ohne Wahlkämpfe sind wird zu einer solch einmütigen Wahl gekommen."

(oe1.ORF.at, 22.04.2005) Einzelheiten aus dem Konklave dürfen die Kardinäle zwar nicht verraten, aber immerhin lässt sich der deutsche Geistliche ein paar Details entlocken.

Wie in einer Jugendgruppe

So etwa, dass die 115 Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle Ratzinger nach seiner Wahl spontan Beifall gespendet hätten. "Wie in einer Jugendgruppe, so froh waren wir, den Richtigen aus unser Mitte gefunden zu haben". Es war himmlischer Wille, sagt Meisner. Kardinäle machen keine Päpste. Sie sind nur das Instrument des heiligen Geistes, betont Meisner.

"Konnte nicht alles verstehen"

Und auch, dass Ratzinger eine Erklärung für die Namenswahl Benedikt XVI. abgegeben hat. "Er will sich damit an Benedikt XV. orientieren, der viel für den Friedensprozess zwischen den Völkern getan hat", zitiert Sterzinsky den Heiligen Vater. "Und dann hat er, glaube ich, noch Abraham erwähnt, aber ich konnte das im allgemeinen Getümmel nicht richtig verstehen," meint Meisner.

Stimme versagt

Und Meisner erzählt gleich noch eine Anekdote: Als er Ratzinger fragen wollte, ob er im August zum Weltjugendtag nach Köln kommt, habe ihm vor lauter Aufregung die Stimme versagt. Benedikt XVI. darauf: "Du, ich komm dann."
Spanish Ratzinger obtuvo más votos de necesarios
Apr 24, 2005
Joseph Ratzinger obtuvo más votos de los necesarios para ser elegido Papa y al conocerse el resultado de la votación, los purpurados le dedicaron una ovación, según declaró el cardenal alemán y arzobispo de Colonia, Joachim Meisner.

(Terra Actualidad - EFE, 20-04-2005) Aunque sin romper el juramento de secreto que los purpurados formularon previo al cónclave, Meisner relató algunas interioridades de la votación en un encuentro de 45 minutos con la prensa alemana, que recoge la versión 'online' del semanario 'Der Spiegel'.

Ratzinger obtuvo en cuarta votación 'más votos de los dos tercios necesarios' afirmó el cardenal Meisner tras el cónclave, en el que no hubo según sus palabras campaña electoral ni propaganda.

El arzobispo de Colonia, ciudad que el nuevo Papa visitará en agosto, reveló que nada más conocerse la elección de Ratzinger hubo aplausos y que a él se le saltaron las lágrimas.

De camino a la ceremonia en la que recibiría las vestiduras papales, Ratzinger 'parecía perdido', prosiguió el religioso.

Pero ya como nuevo Papa y semblante más papal y mirada un tanto más centrada, Benedicto XVI invitó a cenar a los cardenales.

'Para comer había sopa de alubias, entremeses variados, ensalada y fruta', relató Meisner, que justificó tan pobre menú en la falta de tiempo que tuvieron las monjas que se ocupan de la intendencia.

'Las monjas que preparan la comida no tuvieron tiempo para planificar un menú especial', explicó el arzobispo para añadir luego que, pese a todo, se sirvieron dos 'exquisiteces' para celebrar el día: helado y vino espumoso.

Otra de las anécdotas que recoge la prensa alemana de la jornada se refiere a los problemas que hubo con la 'fumata', que hasta pasados unos minutos no se sabía si era blanca o negra.

Según el cardenal holandés Adrianus Simonis, que calificó el ritual de 'romántico', fueron necesarios dos intentos de crear 'fumata' blanca, pues la chimenea no tiraba.

'Hubo un momento en el que toda la capilla se llenó de humo', dijo Simonis para quien la elección de Ratzinger sí fue una sorpresa, pues 'la verdad, no lo esperaba', declaró.
German Betet für die Kardinäle und den neuen Papst
Apr 06, 2005
Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hält sich bereits in der "Ewigen Stadt" auf und ist überzeugt, dass der Weltjugendtag vom 15.-21.August in Köln ein vielleicht nie dagewesener Erfolg sein könne. Die Organistoren dieser Tage ermutigt er, und er bittet sie um ihr besonderes Gebet für die Kardinäle, die den neuen Papst wählen sollen.

ROM, 5. April 2005 (ZENIT.org).- ZENIT dokumentiert die Erklärung der Kardinals, die das Pressebüro des Weltjugentagbüros diesen Dienstag veröffentlichte.

Ich möchte von der Bahre des Heiligen Vaters, der jetzt in der Petersbasilika in Rom aufgebahrt liegt, dem Weltjugendtagsbüro meine herzlichen Grüße und Segenswünsche übermitteln.

Als ich noch gestern eine Stunde in der Capella Clementina im Apostolischen Palast vor dem aufgebahrten Heiligen Vater beten konnte, kam mir der Gedanke: Der Heilige Vater hat die Jugend der Welt nach Köln eingeladen, jetzt ist er in den Himmel gegangen und hat den Erzbischof und die Jugendlichen allein zurück gelassen.

Wenn die Heiligen erst im Himmel sind, dann erweitert sich ihr Aktionsradius und ihre Intensität um das Vielfache. Deshalb war ich ganz getröstet und gelassen, und dachte, der Papst wird vom Himmel aus in Köln für einen Weltjugendtag sorgen, der seinesgleichen sucht.

Als wir dann den Heiligen Vater in einer großen Prozession unter der Anwesenheit von hunderttausenden von Leuten überführt hatten, sagten mir am Schluss viele Kardinäle: "Wir werden jetzt mit mehr unserer Jugendlichen nach Köln kommen, als der Papst noch lebte. Denn wie jetzt gerade die Gläubigen mit den Füßen abstimmen in aller Welt, indem sie in die Kirchen gehen und für den Papst beten, so werden auch die jungen Leute das Vermächtnis des Papstes erfüllen und übererfüllen, indem sie nach Köln kommen."

Ich glaube ganz bestimmt, dass der neue Heilige Vater, die großartige Chance nutzen wird, die erste Auslandsreise nach Köln zu unternehmen. Es gibt eigentlich keinen schöneren Einstieg eines neuen Papstes in die weltkirchliche, pastorale Dimension, als wenn er der Jugend der Welt begegnet, wo immer auch der Weltjugendtag stattfindet.

Ich möchte alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Weltjugendtagsbüro herzlich bitten, für die Kardinäle zu beten, dass wir mit Hilfe des Heiligen Geistes den herausfinden, den Gott für das Petrusamt für die nächste Zeit bestimmt hat.
German “Eucharistie ist kostbarster Schatz”
Apr 05, 2005
„Auch für das ökumenische Gespräch ist es nicht dienlich, diese unsere Glaubensüberzeugung zurücktreten zu lassen, weil unsere evangelischen Schwestern und Brüder in der Feier des sogenannten Abendmahles diesen Opfercharakter zumeist nicht bejahen.“ Köln, am Fest der Erscheinung des Herrn 2002.

Liebe Mitbrüder im geistlichen Amt, liebe Schwestern und Brüder in der gemeinsamen Sorge um das Heil der uns Anvertrauten!

Heute kommt nicht das für Ende Januar / Anfang Februar 2002 bei der letzten Sitzung des Priesterrates angekündigte Schreiben über die Schwerpunkte unserer seelsorglichen Arbeit. Mit Datum von Epiphanie 2002 sende ich Ihnen einen Brief, den ich ein wenig mit meinem Herzblut geschrieben habe. Er bildet den theologisch-spirituellen Rahmen für den noch folgenden - oben erwähnten - Brief.

1. Keinen kostbareren Schatz hat unser Herr seiner Kirche anvertraut als das Vermächtnis der Eucharistie, sie „enthält das Heilsgut der Kirche in seiner ganzen Fülle: Christus selbst, unser Osterlamm und das lebendige Brot“ (II. Vat. Konzil, „Presbyterorum ordinis“ 5). Mit dem Geheimnis der Eucharistie „stehen die übrigen Sakramente im Zusammenhang; auf die Eucharistie sind sie hingeordnet; das gilt auch für die anderen kirchlichen Dienste“ (ebd.). Namentlich die Verkündigung des Evangeliums nimmt in der Eucharistie ihren Anfang und findet darin ihre Vollendung, so lehrt das Konzil, denn jeder pastorale Dienst der Kirche „schöpft seine ganze Kraft aus dem Opfer Christi“ (ebd. 2). Bekennen wir doch in der Mitte der Eucharistiefeier das „Geheimnis des Glaubens“.

Aus dem festen und starken Glauben gerade an dieses zentrale Geheimnis erwächst jene Frucht des Geistes, die Paulus im Galaterbrief (5,22) unter anderen aufzählt, nämlich die Freude (vgl. Thomas von Aquin, Theologische Summe, II-II, 8, 8c und ad 3). Sollte es sein, dass der Grund einer gewissen Verdrossenheit, mancher Nörgelei und Unzufriedenheit, kurzum ein Mangel an Freude im Raum der Kirche nichts weiter als einen Glaubensschwund offen legt?

In der Tat muss ich mit wachsender Sorge wahrnehmen, dass das Wichtigste unseres Christ- und Kircheseins im Verständnis vieler Gläubiger zunehmend unklar wird: ich meine das Geheimnis der heiligen Eucharistie. Als Bischof sehe ich mich daher gedrängt und verpflichtet, ein klares Wort an Sie zu richten, damit in unserem Verkündigungsdienst und in der sakramentalen Praxis deutlich bleibt, was das „Geheimnis des Glaubens“ für das rechte Verständnis und den richtigen Mitvollzug bedeutet.

2. Aus vielen Gründen ist in den vergangenen Jahrzehnten, der sogenannten nachkonziliaren Zeit, zuweilen vergessen worden, was die Kirche unter der Leitung des Heiligen Geistes, der sie in alle Wahrheit einführt (vgl. Joh 16, 13), an tiefer Erkenntnis über das Sakrament der Eucharistie gewonnen hat. Zwei besonders gefährdete Inhalte unseres Glaubensverständnisses möchte ich herausgreifen: den Opfercharakter der heiligen Messe und die wirkliche Gegenwart unseres Herrn unter den Gestalten von Brot und Wein.

3. In der Kirchenkonstitution bezeichnet das II. Vatikanische Konzil als „Quelle und Höhepunkt christlichen Lebens“ das eucharistische Opfer („Lumen gentium“ 11). Im Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe wird betont, dass „beim Vollzug des Werkes der Heiligung die Pfarrer dafür sorgen sollen, dass die Feier des eucharistischen Opfers Mitte und Höhepunkt des ganzen Lebens der christlichen Gemeinde ist“ („Christus Dominus“ 30). Durch eine oft einseitige Betonung der Mahlgestalt besteht die Gefahr, den Opfergehalt des Sakramentes zurücktreten zu lassen. Schon Paulus mahnt die Korinther bezüglich offensichtlich eingerissener Missverständnisse und Missbräuche des eucharistischen Mahles: „Könnt ihr nicht zu Hause essen und trinken? Oder verachtet ihr die Kirche Gottes?“ (1 Kor 11,22).

In seinem Bericht über die Einsetzung des Herrenmahles betont Paulus ausdrücklich auch dessen Opfercharakter, wenn er schreibt: „Sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt“ (1 Kor 11, 26). Bis zu seiner glorreichen Wiederkunft wird der Opfertod Christi in der Feier der heiligen Eucharistie gegenwärtig. Die Worte des Apostels Paulus sind wie ein Echo jener gewaltigen Worte, mit denen Christus die Eucharistie eingesetzt hat: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird... Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird“ (Lk 22, 19-20). In dem „für euch hingegeben“ und „für euch vergossen“ kommt deutlich zum Ausdruck, dass die Opferhingabe des Herrn in der heiligen Messe gegenwärtig wird.

Auch für das ökumenische Gespräch ist es nicht dienlich, diese unsere Glaubensüberzeugung zurücktreten zu lassen, weil unsere evangelischen Schwestern und Brüder in der Feier des sogenannten Abendmahles diesen Opfercharakter zumeist nicht bejahen. Aber es gehört ins Zentrum unseres katholischen Glaubens, dass „unser Erlöser das eucharistische Opfer seines Leibes und Blutes eingesetzt hat, um dadurch das Opfer des Kreuzes durch die Zeiten hindurch bis zu seiner Wiederkunft fortdauern zu lassen“ („Sacrosanctum concilium“ 47).

Gewiss ist zu allen Zeiten die nähere Bestimmung des Opfercharakters der heiligen Messe und sein Bezug zum Kreuzesopfer Jesu Christi nicht einfach zu vermitteln gewesen. In neuerer Zeit kommt hinzu, dass man kaum mehr Verständnis hat für das Wesen eines Opfers. Die Lösung einer solchen Schwierigkeit kann jedoch nicht darin liegen, auf Wort und Inhalt des Begriffes zu verzichten, sondern zu verdeutlichen, dass in der gesamten Offenbarung Opfer eine unersetzliche Bedeutung haben, ja, dass der tiefste Sinn des Opfers im Licht des Neuen Testaments die liebende Selbsthingabe des Menschen an Gott und damit zentraler Ausdruck rechter Religion ist. Christus selbst übernimmt mit seinem Eintritt in die Welt diese moralische Verpflichtung stellvertretend für uns (vgl. Hebr 10,5-7), weil wir - zumal als Sünder - von uns aus gar nicht in der Lage sind, Gott ein würdiges Opfer dazubringen.

4. Ein kleiner Hinweis kann vielleicht helfen, das Opfer des Gottesknechtes, der sich für uns hingegeben hat (vgl. Ps 22; Jes 42,1-9; 49,6-9; 50,4-9), deutlich zu machen: Franz Gajownicek, für den der heilige Maximilian Maria Kolbe sein Leben geopfert hat, hat geäußert, dass in den Tagen, da sein Retter im Hungerbunker dem Tod entgegen ging, für ihn das Verständnis ganz deutlich geworden sei, was es heiße, Christus hat für uns sein Leben geopfert. Gibt es nicht auch heute genug Beispiele opferbereiter Hingabe? Ist stellvertretende Hingabe nicht das Wesen echter schenkender Liebe? Wir dürfen nicht versuchen, das Kreuzesgeschehen zu erklären und seine eucharistische Vergegenwärtigung zu vollziehen, ohne die Lehre vom Opfer des menschgewordenen Gottessohnes deutlich herauszustellen. Gerade in einer Welt, die „bis auf den heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt“ (Röm 8,22), die von Angst vor Krieg und Gewalt geplagt wird, ist es ein Trost zu wissen, dass, „sooft das Gedächtnis (die Vergegenwärtigung) dieses Opfers gefeiert wird, sich das Werk unserer Erlösung vollzieht“ (Gebet zur Gabenbereitung am Abend des Gründonnerstags).

Weil die Messfeier keine bloße Erinnerung an das Kreuzesgeschehen ist, sondern in ihr das Kreuzesopfer Christi geheimnisvoll vergegenwärtigt wird, bedarf es im eucharistischen Geschehen der sichtbaren Repräsentanz Christi im geweihten Priester, denn „derselbe bringt das Opfer jetzt durch den Dienst der Priester dar, der sich selbst einst am Kreuz dargebracht hat“. So hat es das II. Vatikanische Konzil („Sacrosanctum concilium“ 7) ausgedrückt mit den Worten, die schon im Trienter Konzil festgelegt wurden (siehe auch Katechismus der Katholischen Kirche, 1088). Deshalb ist das Weihesakrament die unabdingbare Voraussetzung zur gültigen Feier der Eucharistie. Denn nur durch die Weihe „besitzt (der Priester) die Vollmacht, in der Kraft und anstelle der Person Christi selbst zu handeln“ (Pius XII., Enzyklika „Mediator Dei“, Katechismus der Katholischen Kirche, 1548). Dass aber das Weihesakrament die Apostolische Sukzession der Weihenden, d.h. der Bischöfe, voraussetzt, ist in unserer Kirche nie bestritten worden, vielmehr gilt die Feststellung des Weltkatechismus (Nr. 1087): „Diese 'apostolische Sukzession' durchformt das ganze liturgische Leben der Kirche“.

Am Kreuz hat sich Christus für das Heil der Welt geopfert. In jeder Osternacht singt die Kirche voll Jubel: „Er hat für uns beim ewigen Vater Adams Schuld bezahlt und den Schuldbrief ausgelöscht mit seinem Blut, das er aus Liebe vergossen hat“ (Exultet). In jeder Eucharistie wird dieses österliche Geheimnis gegenwärtig: die stellvertretende Hingabe des Herrn, sein österlicher Sieg über Sünde, Tod und Teufel. Deshalb ist die Eucharistie ein Sühnopfer, das der ganzen Welt Segen und Heil bringt.

Die Feier der Eucharistie, liebe Mitbrüder im Priesteramt, ist unser wichtigster Dienst für Kirche und Welt. Sie ist die beste Stütze gegen Mutlosigkeit und Resignation, die eigentliche Kraftquelle apostolischen Wirkens, die größte Gnade für die Lebenden und die Verstorbenen. Der hl. Pfarrer von Ars bringt dies auf den Punkt, wenn er schreibt: „Alle guten Werke zusammen erreichen nicht den Wert eines einzigen Messopfers, denn sie sind die Werke des Menschen; die Messe aber ist Gottes Werk“. Ich bitte euch deshalb inständig, jeden Tag das Messopfer zu feiern, auch wenn wenige Gläubige anwesend sind. Das eucharistische Opfer ist die Mitte unseres priesterlichen Alltags; es kann durch nichts ersetzt werden.

5. Die zweite Feststellung betrifft das Schwinden des Glaubens an die Realpräsenz, die wirkliche Gegenwart Christi unter den eucharistischen Gestalten von Brot und Wein. Christus hat bei der Einsetzung der Eucharistie nicht gesagt: „Dieses Brot bedeutet mein Leib“ oder „Dieses Brot ist ein Symbol für meinen Leib, sondern schlicht und einfach: „Das ist mein Leib... das ist mein Blut“. In der Rede in der Synagoge von Kafarnaum lehrt er unmissverständlich: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabkommt. Wer von diesem Brot ist, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch (ich gebe es hin) für das Leben der Welt... Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag. Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut wirklich ein Trank“ (Joh 6, 51.54-55). Die Kirche hat stets den Glauben an die Wesensverwandlung von Brot und Wein in Fleisch und Blut Christi kraft der Wandlungsworte des Priesters festgehalten. Das Zweite Konzil von Lyon prägte dafür im Jahre 1215 den Begriff „Transsubstantiation“, den das Konzil von Florenz im Dekret für die Armenier 1442 ausdrücklich bestätigte und der seither in allen Konzilien und Äußerungen des Lehramtes wiederkehrt. Das Konzil von Trient hat 1551 den Begriff zudem im Dekret über die heilige Eucharistie, Canon 2, für besonders treffend erklärt, um dieses zentrale Glaubensgeheimnis zum Ausdruck zu bringen (vgl. Denz 802; 1352; 1636; 1652).

Mit den Worten des hl. Thomas von Aquin singen wir: „Gottheit tief verborgen, betend nah ich dir. Unter diesen Zeichen bist du wahrhaft hier. Sieh, mit ganzem Herzen schenk ich dir mich hin, weil vor solchem Wunder ich nur Armut bin. Augen, Mund und Hände täuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir. Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an; er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann.“ (Gotteslob Nr. 546). Und eine Strophe eines anderen Hymnus aus dem Dichterkreis um den hl. Bernhard von Clairvaux lässt sich unschwer anfügen: „Du tröstest den, der Buße tut, gibst dem, der bittet, neuen Mut; dich suchen nimmt von uns das Leid, dich finden, welche Seligkeit.“ (Gotteslob Nr. 550,3). Mit ausdrücklichem Bezug auf Christus, gegenwärtig unter den eucharistischen Gestalten, lehrt das II. Vatikanische Konzil: „Durch sein Fleisch, das durch den Heiligen Geist lebt und Leben schafft, spendet er den Menschen das Leben“ („Presbyterorum ordinis“ 5). Nur scheinbar wird der Glaube erleichtert, wenn man abgeschwächte Formen der Vergegenwärtigung Christi den Menschen nahe bringen will. Demgegenüber müsste von der Vorbereitung zur Erstkommunion angefangen unser ganzes Bemühen darauf gerichtet sein, nicht dem Verdikt zu verfallen, das der heilige Paulus im 1. Korintherbrief - der wohl ältesten Stelle der Abendmahlsverkündigung ! - aufgewiesen hat: „den Leib des Herrn nicht zu unterscheiden“ (vgl. 1 Kor 11,29). Gerade bei diesem Teil unserer Verkündigung kommt es sehr auf die richtige Wortwahl an. „Heiliges Brot“ führt eher in die Irre, als dass es zum rechten Verständnis dieser kostbarsten Gabe Christi an seine Gläubigen hilft.

Es ist sehr wichtig, dass wir einen rechten Umgang mit den konsekrierten Gestalten einer Gottesdienstgemeinde vor Augen führen. Die notwendige Ehrfurcht bedarf der sichtbaren Gesten und Handlungen. Dazu gehört die Sauberkeit der Altarwäsche, die Gediegenheit der Gefäße und der angemessene Schmuck ebenso wie die Kniebeuge, das Knien überhaupt und schließlich das ehrfurchtsvolle Schweigen im Kirchenraum. Wenn in einer Kirche die Atmosphäre einer Markthalle herrscht, so lässt dies wohl kaum die wirkliche Gegenwart des Herrn im Tabernakel erahnen.

Die Realpräsenz in den unscheinbaren Gestalten von Brot und Wein übersteigt bei weitem das Fassungsvermögen unseres Verstandes. Deshalb müssen wir unserem Verstand immer wieder „Gedächtnisstützen“ bauen, die ihm helfen, das Geheimnis der Eucharistie wenigstens zu erahnen. Eucharistische Anbetung hat über den Sinn der Gottesbegegnung hinaus auch diese wichtige Funktion. Sie schützt die Eucharistie vor Banalisierung und erinnert uns an die Größe dieses Geschenkes des Herrn an uns. Daher muss es unsere Sorge sein, dass die Tabernakelfrömmigkeit sich auch wirklich entfalten kann; bei verschlossenen Kirchen ist dies wohl kaum möglich!

Papst Paul VI. hat einmal geschrieben: „Der Besuch des Allerheiligsten ist ein Beweis von Dankbarkeit, ein Zeichen von Liebe und eine Erfüllung der Pflicht, Christus unseren Herrn anzubeten“ (Enzyklika „Mysterium fidei“). Die Anbetung des Allerheiligsten sollte uns allen am Herzen liegen. Könnte ein Grund für den schmerzlichen Mangel an geistlichen Berufungen nicht auch darin liegen, dass wir in unseren Pfarrgemeinden zu wenig eine Atmosphäre schaffen, in der junge Menschen den Ruf Gottes hören können? Gemeinschaften, in denen die Anbetung gepflegt wird, haben jedenfalls Berufungen. Sollte uns dies nicht zu denken geben? Ich möchte deshalb alle Pfarrgemeinden dazu einladen, wöchentlich wenigstens eine Stunde vor dem Allerheiligsten Anbetung zu halten. Dadurch wird unser Glaube an die wirkliche Gegenwart Christi gestärkt, geben wir dem Herrn die Ehre, die ihm gebührt, tragen wir die Sorgen und Nöte der Menschen zum Erlöser und schaffen wir den geistlichen Raum für neue Berufungen.