"Gott ist Fixpunkt unseres Lebens"
Sept 30, 2008
Der letzte Sitzungstag der Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz wurde heute Morgen mit einer Pontifikal-Messe im Fuldaer Dom vor rund 200 Gläubigen eröffnet. Hauptzelebrant Joachim Kardinal Meisner (Köln) gedachte zunächst in einer Schweigeminute den im vergangenen Jahr verstorbenen Bischöfen Elmar Maria Kredel (Erzbischof, Bamberg) und Wolfgang Rolly (Weihbischof , Mainz).
(Osthessen News) 25.09.08 - FULDA - In seiner Predigt zeichnete der 74-Jährige das Leben des theologisch umstrittenen Heiligen Niklaus von Flüe nach, dessen Gedenktag am heutigen Donnerstag gefeiert wird. "Der heilige Klaus von der Flüe kann uns in seiner Berufung den Blick auf Gott hin freimachen. Denn ohne Gott, ohne diesen Fixpunkt außerhalb unserer selbst verrutscht das ganze Koordinatensystem unseres Lebens", so der Kölner Kardinal.
Hier die heutige Predigt von Joachim Kardinal Meisner IM WORTLAUT:
"Es gibt kaum einen Heiligen, der so viel Unverständnis und Ablehnung hervorruft, wie Bruder Klaus, der Landesvater und der Friedensstifter der Eidgenossenschaft in der Schweiz. Als Fünfzigjähriger – seine 10 Kinder waren schon erwachsen –, verließ er am 16. Oktober 1467 Haus, Hof und Familie, um irgendwo als Einsiedler eine Klause zu suchen und sich ausschließlich Gott hinzuwenden. Übrigens, etwas Ähnliches spielte sich im Leben der hl. Johanna Franziska von Chantal ab. Als junge Mutter von 29 Jahren mit 4 Kindern wird sie im Jahre 1601 Witwe. Mit 38 Jahren verlässt sie die gut versorgte Familie, um Gott in der Gründung des Heimsuchungsordens zu dienen. Und als sich dabei ihr Sohn Celse-Benigne in die Tür legte, um die Mutter in der Familie festzuhalten, schritt sie über ihn hinweg.
Auch das provoziert und rückt die Heilige in die Nähe des Pathologischen. Nur als Mutter Teresa von Kalkutta die Geborgenheit der Gemeinschaft bei den Loretoschwestern verlassen hatte, um Gott in den Armen zu dienen, nimmt niemand Ärgernis. Das passt wohl eher in unsere Vorstellungen von Gott und seinen Erwählten. " Nur wer Gott kennt, kennt den Menschen“, sagt Romano Guardini. Wir können aber auch umgekehrt sagen: Nur wer den Menschen kennt, der kennt auch Gott“. Der Lebensweg dieser ersten beiden großen Heiligen ist ein Hinweis darauf, wer Gott ist. Er ist nicht der gutmütige Großvater, der zu allem, was der Mensch sagt, denkt oder tut, „Ja“ und „Amen“ zu sagen hat, sondern diesen Gott erkennt man an seinen Forderungen. Sicher ist aus der Lebensberufung des hl. Niklaus von der Flüe keine Regel abzuleiten, aber das gibt es: Gott ist absoluter Herr des Himmels und der Erde und natürlich auch Herr des Menschen, sodass er im Einzelfall einen solchen Menschen aus den engsten Familienbanden herauslöst, um mit ihm seine speziellen Ratschlüsse in der Welt zu verwirklichen.
Er ist wirklich, wie der hl. Ignatius von Loyola definiert, der „Deus semper maior“, d. h. der je größere Gott, den wir mit unseren Denkkategorien nicht einfangen können. Ich persönlich habe am Schicksal des hl. Klaus von der Flüe mehr von der Gotteslehre begriffen als später in den theologischen Vorlesungen: Gott ist Herr, der Mensch ist sein Geschöpf, und der Christ ist Kind Gottes und Bruder Jesu Christi. Und wie der Vater im Himmel seinem Sohn vieles zum Heile der Menschen zugemutet hat, so tut der Sohn das mitunter an einem Menschen: „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt“ (Joh 15,9). Und die Liebe Gottes wird oft in seinen Zumutungen an uns Menschen deutlich. Was ist das für ein Gott?
Ist er der Wirkliche oder müssen wir ihn uns erst als solchen erdenken? Ist er der Wahre oder müssen wir die Wahrheit selbst erfinden? Gott ist, das bedeutet: Es gibt die Hoheit der Wahrheit; es gibt die Würde des Rechts über allen Zwecken und über alle Interessen hinaus; es gibt den unantastbaren Wert des irdisch Wertlosen, z. B. den Wert des unheilbar Kranken, die Würde des ungeborenen Kindes; es gibt die Anbetung Gottes selbst, sein Lob, dass den Menschen vor der Diktatur der Zwecke und Zwänge schützt und allein imstande ist, ihn vor der Diktatur der vielen Götzen zu verteidigen. Was entsteht hier für eine Welt? Wahrlich, hier trifft das Herrenwort zu: „Wie im Himmel, so auf Erden“.
Das wird im Leben von Bruder Klaus von der Flüe deutlich. Seine Christusnachfolge wirkt wirklich befreiend. Denn der Grund dazu liegt nicht in den Dingen, die man ihm wegreißen und aus den Händen schlagen kann, sondern er liegt in der innersten Tiefe seines Daseins gegründet, die keine Macht der Welt zu entreißen vermag, nämlich im Dasein Gottes selbst. Jeder äußere Verlust sollte ihm zu einer Hinführung auf dieses Innerste werden und ihn reifer machen für seine missionarische Berufung an seinem Volk. Gottes Dasein ruft den Menschen in seiner Christusnachfolge über sich selbst hinaus. Es befreit ihn aus allen Bindungen an Menschen und Welt und erhebt ihn zu Gottes Größe. Wie wir wissen, geschieht das zugunsten der Menschen.
Der hl. Niklaus von der Flüe wurde auf einen Weg geführt, auf dem er nicht in die Versuchung kam, sich selbst oder die Dinge, die ihm am Herzen lagen, zu vergöttern. Auf einem solchen Weg klinkt der Mensch sich aus all dem aus, was für ihn eigentlich gang und gäbe ist, sich selbst zu bestimmen und zu verwirklichen. Wer heute – wie der hl. Niklaus von der Flüe damals – sagt, es gebe nur den einen und einzigen Gott, der wendet sich gegen die Anbetung der Macht und dagegen, Politik oder Reichtum oder Vergnügen oder Menschen absolut zu setzen. Dort, wo der Mensch sich Gott entzieht, da greifen all diese Dinge wie Götter nach dem Menschen. Aber wer wie Bruder Klaus von der Flüe sich ganz Gott verschreibt, der muss sich nicht mehr auf sich selbst stellen, der muss den Sinn seines Lebens nicht mehr in den Menschen oder Dingen um sich herum suchen, der braucht sich nicht mehr selbst von irgendetwas zu befreien, sondern der kann sich immer nur wieder befreien lassen.
Im hl. Bruder Klaus ist uns Gott so nahe und zugänglich geworden, dass wir ihn erreichen können. Gott ist so ohne Grenzen, dass er sich auf das Maß von Niklaus von der Flüe eingelassen hat. Seine kleine schlichte Klause hatte zwei Fenster. Das eine führte in die angrenzende Kapelle auf das Kreuzesbild über dem Altar, und das andere Fenster führte zu dem kleinen Vorplatz, zu dem permanent Menschen kamen, um in ihrer Not und Ausweglosigkeit seinen Rat zu erbitten. Gott reicht in das Geringste der Menschen hinein, weil nichts zu gering für ihn ist. Das macht er an Niklaus von der Flüe deutlich. Das höchste Wesen verliert sich nicht im Abstrakten. Es ist keine reine Mathematik des Alls, sondern lebendige persönliche Zuwendung. Gott ist nicht nur der „Deus semper maior“, der je größere Gott; er ist auch der „Deus semper minor“, d. h. der je kleinere Gott. Er passt in unsere Maße hinein. Und Niklaus von der Flüe ist in seinen kleinen und eng begrenzten Lebensverhältnissen ein authentischer Dolmetscher der großen Ratschlüsse Gottes für die Menschen und darum gerade für unsere Situation eine lichtvolle Gestalt.
Wem werden denn die Menschen in unserer von Zweifeln und Abfall geprägten Gesellschaft glauben? – Die Antwort kann doch eigentlich für vernünftige Menschen nur lauten: „Gott glauben“, denn er ist der Einzige, der den Glauben des Menschen rechtfertigt und nicht enttäuscht. Und wir glauben Gott nicht, um gut durchs Leben zu kommen, um einen festen Halt zu haben, um moralisch aufgebessert zu werden oder um die Welt zu erklären oder die Gesellschaft zu verbessern.
Nein, unser Gott ist keine Art von Zulieferungsbetrieb von Ersatzteilen für beschädigte menschliche Existenzen. Gott ist nicht Ersatzteil, „Gott ist mein Anteil auf ewig“, wie der Psalmist sagt (Ps 73,26). Dabei erinnert er sich an seinen Ackeranteil, den er bei der Landverteilung durch Auslosung erhalten hat. Von diesem ausgelosten Ackerteil muss er leben. Gott ist mein Lebensunterhalt, mein Lebenselixier. Er fungiert dabei nicht nur für uns als Geber aller guten Gaben, nein, er ist die gute Gabe selbst. Wir glauben Gott – wie Niklaus von der Flüe –, weil wir etwas von ihm erfahren haben, was für uns wahr ist, was uns Freude macht, was uns fasziniert und was wir den anderen einfach weitersagen möchten. Er erhält uns, und er trägt uns. Nicht wir fassen Gott an und halten ihn, sondern Gott fasst uns an und hält uns, und zwar jeden einzelnen Menschen.
„Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat“ (1 Joh 4,10), sagt der Apostel Johannes. Diese Verhältnisbestimmung ist die Mitte allen Glaubens und allen Vertrauens. Vertrauen ist nur ein anderer Name für Glaube. Vertrauen ist nicht zuerst Leistung des Menschen, sondern immer Geschenk Gottes. Der Grund unseres Glaubens liegt außerhalb von uns selbst. Nicht gläubige Gefühle in uns und die mehr oder weniger glaubensfeindliche Welt um uns sind entscheidend für unseren Glauben! Unser Glaube hat seinen Grund außerhalb von uns und unserer Umwelt, nämlich in Gott allein. Aber dieser außer uns liegende Grund steht zu uns in einer festen Beziehung.
Im Kreuz Christi greift Gott in unsere Welt ein und fasst uns buchstäblich unter die Arme. Darum werden wir manchmal gegen unsere eigenen Erfahrungen Gott darin Recht geben müssen, dass wir von ihm geliebt sind. Dafür steht der hl. Niklaus von der Flüe in der Kirche und in der Welt: Als Geschöpft Gottes trägt Niklaus von der Flüe die Spuren Gottes tief verborgen in sich selbst. In seinen Sehnsüchten nach Gott bewegten sie sein Herz, das nun für sein Volk offen stand. „Nur wer Gott kennt, der kennt den Menschen“, und nur wer den Menschen kennt, der kennt Gott. Wir lernen diesen Gott in der Klause im Ranft kennen, in der Niklaus von der Flüe betet und den Menschen beisteht.
Alles Machen-können nützt nichts, wenn wir nicht wissen, wozu es dient, wenn wir nicht mehr fragen, wer wir sind und was die Wahrheit der Dinge ist. Wenn nur jenes Wissen zählt, das sich am Ende durch ein Machen-können ausweisen lässt, dann sind wir kurzsichtige Toren, die ihr Leben auf Sand gebaut haben. Nur der inneren Wachsamkeit und der Fühlsamkeit für das Ganze der Welt, nur einer Demut des Denkens, die bereit ist, sich der Majestät der Wahrheit zu beugen, vor der wir nicht Richter, sondern Bettler sind, zeigt sich Gott als Urgrund der Welt. Das erleben wir in der Klause von Sachseln mehr als vielleicht in einem Hörsaal. Wenn schon gilt, dass die großen Ergebnisse der Wissenschaft sich nur langer, wachsamer und geduldiger Arbeit öffnen, die bereit ist, sich immer neu korrigieren und belehren zu lassen, dann versteht sich von selbst, dass die höchsten Wahrheiten eine große Beständigkeit und Demut des Hörens verlangen.
Es geht hier um die Urhaltungen des Menschen überhaupt. Sie sind bei Bruder Klaus von der Flüe zu lernen: Nur dem demütigen Vernehmen, das sich durch keine Verweigerung entmutigen und sich weder durch Beifall noch durch Widerspruch verführen lässt, öffnet sich die Hoheit der Wahrheit und damit der Zugang zur wahren Größe Gottes und des Menschen. Wo wirklich Glaube gelebt wird – wie in der Klause im Ranft –, da geschieht etwas, was die Welt im Innersten berührt und verändert: Sie wird Anwesenheitsort Gottes und Berührungspunkt des Menschen mit Gott selbst. Amen."
Keine Ängste schüren
Sept 21, 2008
Kardinal Meisner kritisiert „Anti-Islamisierungskongress“.
(domradio.de, 19.9.2008) Auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat den für das Wochenende in der Domstadt geplanten „Anti-Islamisierungskongress“ der rechtsgerichteten Organisation „Pro Köln“ kritisiert. „Die Lösung kann nicht darin bestehen, Ängste bewusst auszunutzen oder gezielt zu schüren,“ sagte er der aktuellen Ausgabe der „Kölner Kirchenzeitung“ und dem domradio. Mit Blick auf den Moscheebau betonte er, Religionsfreiheit sei ein hohes Gut. Zugleich erneuerte Meisner seine Forderung nach Religionsfreiheit für Christen in der Türkei, er wolle aber keine „Gegenrechnungen aufmachen“.
Frage: Herr Kardinal, die Stadt Köln hat den großen Moscheebau in Ehrenfeld genehmigt. Was sagen Sie dazu?
Meisner: Ich sage das, was ich die ganze Zeit betont habe: Die Kirche setzt sich in unserem Land ebenso wie überall für Religionsfreiheit ein. Wir haben hier ein hohes Gut in der Hand. Es bedeutet, dass gläubige Menschen Gotteshäuser errichten und sich in diesen zum Beten und Feiern des Gottesdienstes versammeln können. Die muslimischen Mitmenschen in unserem Land dürfen, wenn sie dies wünschen und dazu die nötigen finanziellen und baulichen Voraussetzungen erfüllen, selbstverständlich in Köln oder anderswo Moscheen errichten. Wie und wo diese im Einzelnen entstehen sollen, ist nicht von der Kirche oder vom Kölner Erzbischof zu entscheiden. Dafür - das habe ich immer wieder gesagt - sind die Planer und politischen Entscheider zuständig.
Frage: Sie haben sich auf der anderen Seite mehrfach dafür stark gemacht, dass die Christen in der türkischen Stadt Tarsus, dem Geburtsort des Apostels Paulus, eine eigene Kirche und ein Pilgerzentrum brauchen. Welchen Zusammenhang zwischen Moscheen und Kirchen sehen Sie?
Meisner: Es geht in der Tarsus-Debatte um dasselbe Grundrecht, über das ich eben im Hinblick auf die Moschee gesprochen habe. Die Religionsfreiheit gilt in der Türkei ebenso wie in Deutschland. Es handelt sich um ein Menschenrecht, und jeder Staat, zumal wenn er auf eine Aufnahme in der Europäischen Union setzt, muss dieses Recht international garantieren. Mehr möchten wir Christen von den türkischen Behörden nicht - aber weniger eben auch nicht.
Frage: Die Kölner Moschee ist nun mal beschlossen. Wie weit dagegen sind wir vom Zugang zur Pauluskirche in Tarsus entfernt?
Meisner:Die türkischen Behörden haben den Christen in Tarsus zugestanden, dass sie während des Paulusjahrs, das noch bis zum nächsten Sommer dauert, die alte Kirche am Ort für Gottesdienste nutzen können und dass sie dafür keinen Eintritt bezahlen müssen. Eigentlich betrachtet der Staat das Gebäude aber nicht als Kirche, sondern als Museum, und das ist unter dem Aspekt der rechtlich garantierten Religionsfreiheit einfach zu wenig. Die Christen in der Türkei und insbesondere Tarsus brauchen dauerhaft und über das Paulusjahr hinaus ein festes Gotteshaus und ein Pilgerzentrum. Das ist unser Ziel. Deswegen bleibe ich in dieser Sache zusammen mit meinem katholischen Mitbruder in der Türkei, Bischof Luigi Padovese, hart am Ball, damit wir nicht erst am Ende des vom Papst ausgerufenen Paulusjahres eine Entscheidung seitens der türkischen Behörden bekommen, sondern schnellstens.
Frage: Das Paulusjahr ist inzwischen schon fast drei Monate im Gang, und Sie werden mit einigen deutschen Bischöfen Ende September auf Pilgerfahrt in die Türkei fahren. Werden Sie bis dahin mehr wissen?
Meisner: Das hängt nicht von uns ab, sondern von den türkischen Politikern und Behörden, denn sie sind am Zug. Ich habe schon zweimal dem türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan geschrieben, nachdem er sich laut Pressemitteilungen bei seinem Deutschlandbesuch Anfang das Jahres positiv zu unserem Anliegen geäußert hatte. Eine Antwort habe ich von ihm bisher nicht bekommen. Wir wollen definitiv wissen, mit was die Christen in der Türkei und alle Pilger auf den Spuren des Apostels Paulus rechnen dürfen. Im Moment ist die Rede davon, dass die Christen möglicherweise eine ehemalige Baumwollfabrik im Zentrum von Tarsus für ihre Zwecke nutzen können. Dies hat mir der türkische Kultur- und Tourismusminister Ertugrul Günay vor Wochen geschrieben. Aber auch hier warten wir auf klare Ergebnisse. Es muss endlich vorangehen.
Frage: Und wenn keine Entscheidung kommt oder wenn die Lage der Christen, die ja schon jetzt sehr angespannt ist, noch prekärer wird - was ist dann mit der Moschee in Köln?
Meisner: Mit der Moschee in Köln hat das unmittelbar nichts zu tun. Ich habe vor Monaten schon gesagt: Es gibt da kein Junktim. Sehr wohl erbitte ich jedoch von den hiesigen Muslimen, dass sie Verständnis und Unterstützung zeigen für unsere Wünsche in der Türkei. Die Christen brauchen nicht so viele Kirchen in der Türkei, wie die Muslime hier zu Lande Moscheen wollen. Deswegen ist es auch unsinnig, irgendwelche Gegenrechnungen aufzumachen. Ich weiß nur: Dort, wo Christen wohnen und wo das Christentum schon seit den Anfängen existiert hat wie in Tarsus, müssen sie frei und sicher ihren Glauben leben dürfen. Das ist unser Menschenrecht.
Frage: Gegner des Moschee-Projekts und insbesondere die Organisatoren des so genannten Anti-Islamisierungskongresses in Köln wollen aber stärkeren Druck machen. Wie stehen Sie dazu?
Meisner: Vom Apostel Paulus, den wir in diesem Jahr besonders intensiv betrachten, haben wir das Wort, dass wir allen um der Menschen willen alles sein sollen (vgl. 1 Kor 9,19-23). Zweifellos ein schwieriger Auftrag, aber Paulus hat sich damit als ein durch und durch weltoffener Mensch bekannt und ein bleibendes Beispiel gegeben. Ich weiß, dass Frauen und Männer, die sich als Christinnen und Christen bekennen, es mit diesem Vorbild bisweilen schwer haben. Dabei will ich mich selbst keineswegs ausschließen. Gerade bei der derzeit zu beobachtenden Zunahme großer Moschee-Bauten hier zu Lande zeigt sich aber, dass sich Grundsätze, wie wir sie bei Paulus finden, immer wieder aufs Neue bewähren müssen. Die politischen und kulturellen Herausforderungen sind enorm. Das steht fest. Aber die Lösung kann nicht darin bestehen, Ängste bewusst auszunutzen oder gezielt zu schüren, sondern wir müssen unseren eigenen Glauben zur Geltung bringen und unsere Solidarität deutlich machen, und wir müssen auf Austausch und Dialog setzen, wie es bei Paulus nachzulesen ist.
Frage: Und was würden Sie Menschen sagen, die den heiligen Paulus nicht kennen?
Meisner: Ich würde mir wünschen, wenn wir alle als Christen, Muslime oder Nichtgläubige von dem berühmten Mann aus Tarsus etwas lernten. In dem gegenwärtigen Paulusjahr wird ja neben seiner Theologie auch einiges von seinem globalen Leben, Denken und Schreiben neu ins Bewusstsein gerückt: die vielen Kulturen, in denen er zu Hause war, die Sprachen und Philosophien, die er kannte, seine literarische Vielfalt. Hiervon haben wir alle viel zu gewinnen, glaube ich, und wenn wir auf diesem Weg gerade hier bei uns in Köln auch mit den Gläubigen anderer Religionen ins Gespräch kommen könnten, würden wir daraus sicherlich sehr viel Positives erfahren. Also nicht Konflikt, sondern Dialog ist angesagt.
(Kirchenzeitung EB Köln,kna,dr)
Ein Werk der Barmherzigkeit
Sept 05, 2008
Ein Pontifikalamt zum 155. Todestag von Friedrich Joseph Haass, dem „Heiligen Doktor von Moskau“.
(Kölner Stadt-Anzeiger, 31.08.08) Bad Münstereifel - Hoher Besuch in der Stiftskirche in Bad Münstereifel: Erzbischof Joachim Kardinal Meisner selbst war am Freitagabend gekommen, um ein Pontifikalamt zu feiern. Anlass war der 155. Todestag von Friedrich Joseph Haass, dem „Heiligen Doktor von Moskau“, der in Bad Münstereifel geboren und in der Stiftskirche getauft worden war.
Haass war in Moskau schnell bekannt geworden und arbeitete dort als Kaiserlicher Hofrat. Seine Position nutzte er, um das Los der Gefangenen zu erleichtern und sie medizinisch zu betreuen. So ließ er schwache Gefangene von ihren Ketten befreien, erreichte die Einrichtung eines Spitals für Gefangene und die Befreiung vom „Prut“, einem schweren Eisenstab. Mit eigenen Mitteln sorgte er für die Schulbildung der Kinder von Gefangenen und für die Befreiung von Leibeigenen. Noch heute wird Haass in Moskau wie auch in Bad Münstereifel für sein soziales Engagement verehrt. In der katholischen Kirche läuft derzeit für ihn ein Seligsprechungsverfahren.
Zuversichtlich
In einer fast kämpferisch anmutenden Rede vor einer gut gefüllten Stiftskirche erinnerte Kardinal Meisner an die segensreichen Werke von Haass. Er habe sein Leben lang all seine Möglichkeiten genutzt, für die Armen und Schwachen zu arbeiten. Eine Gegenleistung habe er dafür nicht erwartet. Seine Arbeit sei ein Werk der Barmherzigkeit gewesen. Darin könne er bis heute als Beispiel gelten. „Gerade in der heutigen Zeit ist Barmherzigkeit aktuell und wichtig“, so Meisner, auch wenn sie heute oft belächelt werde. Er äußerte sich zuversichtlich, dass das Seligsprechungsverfahren für Haass bald Fortschritte machen könnte. Anschließend trug er sich in das Goldene Buch der Stadt Bad Münstereifel ein.
Kardinal Meisner präsentierte sich beim anschließenden Empfang im Josefsheim als umgänglicher Mensch. Er sprach mit Kindern und Bürgern der Stadt ebenso wie mit den angereisten Würdenträgern. Das Büfett eröffnete er mit einem Segensspruch auf den Papst.
Die Fürstin und der Kardinal
Sept 02, 2008
Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat mit Gloria Fürstin von Thurn und Taxis ein Buch geschrieben. Ihr Werk "Gespräch über Glauben und Tradition" stellten sie zuammen in der Sendung „Menschen bei Maischberger“ vor.
(Kölnische Rundschau, 01.09.08) KÖLN - Joachim Kardinal Meisner schmiedet schon Pläne für den Fall, dass der Papst ihn Ende des Jahres vom Erzbischofsposten abberuft: „Ich werde kranke und alte Priester besuchen, ich werde Exerzitien und Einkehrtage halten, und ich werde zwei Bücher schreiben“, sagte er gestern bei der Aufzeichnung der Talkshow „Menschen bei Maischberger“ in Köln. Seine Bücher seien allerdings nicht so wichtig wie jene, die der Heilige Vater schreibe.
Der Kölner Erzbischof vollendet am 25. Dezember sein 75. Lebensjahr - das ist der Zeitpunkt, an dem der Papst über seine Zukunft entscheidet. Meisner rechnet noch vor Weihnachten mit einer Antwort aus dem Vatikan.
Er werde den Papst nach den üblichen Gepflogenheiten über seinen Geburtstag informieren. Allerdings werde er ledigliche eine Note verschicken und nicht das persönliche Gespräch suchen. „Der Papst soll sich nicht durch unsere Freundschaft beeinflussen lassen.“ Kommende Woche erscheint erst mal das Buch „Die Fürstin und der Kardinal - Gespräch über Glauben und Tradition“, das er gemeinsam mit Gloria Fürstin von Thurn und Taxis (48) geschrieben hat.
Auch die Fürstin stellte sich Maischbergers Fragen. Eigentlich halte sie sich für liberal, sagte Gloria. Später äußerte sie: „Die Pille ist eine Form der Abtreibung.“ Sie rate ihren beiden Töchtern, die Pille nicht zu nehmen. Sie selbst habe auch nicht immer schwanger sein wollen und habe auf natürlich Weise verhütet - mit Hilfe des Fieberthermometers. Zudem sprach sie sich deutlich gegen den Einsatz von Kondomen als Schutz vor der Übertragung des HI-Virus aus. „Kondome gegen Aids finde ich falsch.“ Ein treuer Ehemann sei der beste Schutz. Dazu Meisner: „Der Mensch ist ein freies Wesen mit Willen. Der Mensch ist doch kein Triebbündel.“
Die 75-minütige Sendung mit dem Kardinal und der Fürstin strahlt die ARD heute in einer Woche aus.
Kardinal Meisner «ernüchtert» über Katholizismus in Bayern
Jun 19, 2008
Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner hat sich enttäuscht über die Bedeutung der katholischen Kirche in Bayern geäußert. Der Kardinal sagte dem Magazin «Capital»: «Seit ich ein bisschen die Szenerie in Bayern kenne, bin ich ernüchtert. Das barocke Gehäuse täuscht über manche Hohlheit hinweg.»
Köln (ddp-bay, 18. Juni 2008). Der Kölner Erzbischof Joachim Meisner hat sich enttäuscht über die Bedeutung der katholischen Kirche in Bayern geäußert. Der Kardinal sagte dem Magazin «Capital»: «Seit ich ein bisschen die Szenerie in Bayern kenne, bin ich ernüchtert.
Das barocke Gehäuse täuscht über manche Hohlheit hinweg.»
Meisner fügte hinzu, dies gelte «nicht nur für die CSU». Vielmehr habe er sich den Katholizismus im Freistaat «allgemein stärker vorgestellt». Es gebe hier aber beispielsweise «im Durchschnitt nicht mehr Priesteramtskandidaten als bei uns».
Meisner kritisierte den Angaben vom Mittwoch zufolge ferner, die CDU entwurzele sich «bei christlich denkenden Menschen zunehmend selbst». Er fügte hinzu: «Beim derzeitigen Zustand der Parteien gibt es keine, die uns besonders nahe steht.» Meisner sagte mit Blick auf die Stammzellen-Debatte, er nehme das «C» im Firmenschild der Union sehr ernst. Die Wahlentscheidung müsse natürlich jeder Bürger "mit seinem Gewissen vereinbaren».
Kardinal Meisner erneuert Forderung nach Errichtung einer Pilgerstätte in Tarsus (Türkei)
Jun 10, 2008
Ohne Paulus keine Weltkirche, kein christliches Europa, keine Menschenrechte und keine Vereinten Nationen.
KÖLN/ANKARA, 10. Juni 2008 (ZENIT.org).- Um den Apostel Paulus, „den großen Verkünder des Glaubens“, angemessen zu würdigen, sollte aus Anlass des Jubiläumsjahres zur Feier seines 2.000 Geburtstages, dem so genannten Paulus-Jahr (28. Juni 2008 – 29. Juni 2009), an seinem Geburtsort Tarsus in der heutigen Türkei eine entsprechende Pilgerstätte entstehen, fordert Joachim Kardinal Meisner im „Kölner Stadt-Anzeiger“.
In einem heute veröffentlichten Gastkommentar weist der Kölner Erzbischof auf die kaum zu überschätzende Bedeutung des Völkerapostels hin und bekräftigt: „Nach menschlichem Ermessen gäbe es ohne Paulus keine Weltkirche, kein christliches Europa, keine Menschenrechte und damit keine Vereinten Nationen. Aus seiner geschichtlichen Wirksamkeit her versteht es sich von selbst, dass in seinem Geburtsort Tarsus der Christenheit und der Menschheit überhaupt eine Pauluskirche und ein Pilgerzentrum zur Verfügung stehen müssen.“
Paulus habe gewusst, dass die Menschen auf allen Längen- und Breitengraden dieser Welt die natürlichen Verbündeten Gottes seien. „Es gibt in jedem Menschen einen Anknüpfungspunkt für die Verkündigung Gottes. Dabei war Paulus ein überragender Theologe, der einerseits vieles von Gott wusste und andererseits die Menschen und die Welt sehr genau kannte. Es war ihm bewusst, in welchen Verstehenshorizont er das Wort des Evangeliums hinein zu übersetzen hatte.“
Als „Neubekehrter“ habe Paulus zudem „eine innere Ergriffenheit über das Geschenk des Glaubens und seiner Berufung“ mitgebracht. „Das verlieh der gedanklichen Tiefe seiner Verkündigung die überzeugende Kraft. Er war ein von Christus Ergriffener. Und darum konnten über ihn viele Menschen von Christus ergriffen werden.“
Kardinal Meisner, der Tarsus im Herbst mit einer Delegation der Deutschen Bischofskonferenz besuchen wird, richtete sich bereits Mitte Februar schriftlich an den türkischen Ministerpräsidenten Tayyip Erdogan, um ihn zur Unterstützung des Kirchenbau-Projekts zu bewegen.
Erdogan hatte Anfang Februar bei einem Besuch in Köln seine Unterstützung für die Baupläne in Tarsus zugesagt. „Sobald die Kirche mit diesem Wunsch auf mich zukommt, werde ich mich dafür aussprechen – auch gegen meine Opposition“, erklärte er nach Angaben der Pressestelle der Stadt Köln.
Bereits im Juli 2007 hatte Kardinal Meisner im gleichen Sinn den Dialogbeauftragten der Türkisch-Islamischen Union (DITIB), Bekir Alboga, brieflich gebeten, sich als Zeichen des guten Miteinanders gemeinsam für den Bau einer Kirche in Tarsus einzusetzen.
In Rom vermisst er den Dom
Jun 06, 2008
Zum Beten geht Kardinal Meiser nicht immer in den Dom. Lieber ist ihm die Kirche Maria in der Kupfergasse. Nach Köln wollte er eigentlich gar nicht, Berlin hätte er dem Rheinland vorgezogen.
(Kölner Stadt-Anzeiger, 05.06.08) Kardinal Joachim Meisner redet Klartext. Höflichkeit ist seine Sache nicht. Man weiß bei ihm immer, woran man ist. Das war schon 1988 so, als ihn der Papst gegen den massiven Widerstand des Domkapitels zum Erzbischof ernannte. Meisner stellte sich den Kölnern mit den Worten vor, er habe durchaus Gemeinsamkeiten mit ihnen: "Ihr habt mich nicht gewollt, und ich wollte auch nicht zu Euch." Lieber wäre er nämlich in Berlin geblieben. Mit dieser Äußerung schaffte er es bis in die "New York Times".
Lang ist das her, und mittlerweile will Meisner nicht mehr weg aus Köln. Selbst wenn Papst Benedikt XVI. das Rücktrittsgesuch annehmen sollte, das er zu seinem 75. Geburtstag am ersten Weihnachtstag dieses Jahres stellen muss, würde er in der Stadt bleiben. Ja, manchmal denkt er darüber nach, sich in einem leerstehenden Pfarrhaus im Bergischen Land zur Ruhe zu setzen, einen Hund anzuschaffen und nur noch spazieren zu gehen und zu lesen - er liest viel und querbeet, sogar Bücher von Dieter Bohlen und Hape Kerkeling. "Aber ich würde ja doch in so vielen Gremien weiterarbeiten, dass das nicht realistisch wäre", meint er. Also Köln bis zum Schluss.
Der Kardinal und die Kölner - kein einfaches Kapitel. Von Anfang an hat es geheißen, ein so konservativer Gottesmann passe nicht in die rheinische Metropole mit ihrer betont lebensfroh-liberalen Ausprägung des Katholizismus. Der Psychiater und Bestseller-Autor Manfred Lütz diagnostiziert ein "kulturell-mentalitätsmäßiges Missverständnis" zwischen Meisner und den Kölnern: Als Schlesier habe Meisner "einen viel herberen Humor, als wir Rheinländer das gewöhnt sind".
Immerhin: Meisner hat Humor. Als sich ein Fotograf vor ihm hinkniet, um ihn zusammen mit dem gewaltigen Westportal des Doms aufs Bild zu bannen, witzelt er: "Ach ja, früher haben sie alle vor uns gekniet - jetzt nur noch die Fotografen, und auch die nicht länger als fünf Minuten."
Meisner ist nicht nur Schlesier, er ist auch ein Mann aus dem Volk. Der Vater fiel im Krieg, die Mutter und ihre Kinder verschlug es aus Breslau nach Thüringen, ebenso wie einige ausgebombte Kölner, an deren Küchenschrank Meisner zum ersten Mal ein Bild des Doms sah -auf einer mit Heftzwecken befestigten Postkarte. An katholischen Feiertagen verbot die tiefgläubige Mutter den vier Söhnen den Schulbesuch. "Wir hingen dann auf der Straße herum", erinnert sich Meisner.
Es muss am Dreikönigstag 1946 gewesen sein, als ihnen der Schuster Vogel zurief, sie sollten mal herkommen, da spreche der Erzbischof von Köln im Radio. "Noch heute hab ich das helle Stimmchen vom Kardinal Frings im Ohr", erinnert sich Meisner. "Damals hab' ich mir gedacht: Ich muss auch mal in den Dom."
Nun ist er schon seit 19 Jahren nicht nur regelmäßig im Dom, sondern sitzt dort sogar auf dem erzbischöflichen Stuhl unter seinem eigenen Wappen. Im nördlichen Querschiff hängt für jedes Jahr seiner Amtszeit eine Stange an der Wand. "Da ist schon einiges zusammengekommen, aber andererseits ist auch noch Platz."
Mehr zu sich selbst sagt er im Weitergehen: "Der Herr holt sich seine Leute nicht vom Podest, er holt sie von den Melkkübeln." So also sieht er seinen Aufstieg vom schlesischen Flüchtlingsjungen zu einem der mächtigsten Männer der katholischen Kirche in Deutschland: Es ist nicht sein Verdienst, es ist das Werk Gottes. Meisner betrachtet sich als Werkzeug des Herrn. Und das ist wohl einer der Gründe, warum er so viele irritiert.
Auch Katholiken verfügen heute meist nicht mehr über die unumstößliche Gewissheit im Leben und im Sterben, die für frühere Generationen selbstverständlich war. Anders Meisner. So wie Don Camillo in den alten Schwarz-Weiß-Filmen Zwiesprache mit dem gekreuzigten Jesus an der Wand seiner italienischen Dorfkirche hält, so bittet auch Meisner in schwierigen Situationen ganz selbstverständlich um den Rat des Herrn.
Einmal zum Beispiel, in der Festmesse zum Domjubiläum 1998, schoss ihm beim Anblick der vielen jungen Familien durch den Kopf, dass er die falsche Predigt vorbereitet hatte - zu verkopft, zu theologisch. "Da habe ich mir einfach gedacht, ach, ich vertraue auf den Heiligen Geist." Er fragte einen Jungen, ob er ihm helfen wolle, stellte ihn auf der Kanzel neben sich auf einen Schemel und unterhielt sich mit ihm über Gott und die Welt.
"Der Leitgedanke war, dass man das Wichtigste im Leben nicht sehen kann. Das Fundament der Säulen im Dom zum Beispiel bleibt unsichtbar, und wenn man draußen an den Fenstern des Doms vorbeigeht, erscheinen sie schwarz, die Schönheit der Kirche sieht man erst von innen." Der Junge gab so muntere und kluge Kommentare, dass es eine Sternstunde gewesen sein soll. "Nachher ist dann die Presse zu ihm hingegangen und hat nach seinem Namen gefragt, und da stellte sich heraus, dass es Konstantin Adenauer war, ein Urenkel des Bundeskanzlers. Da hieß es natürlich sofort: "Das war doch ein abgekartetes Spiel, das haben die vorbereitet." War aber nicht so."
Meisners Lieblingsort im Dom ist die Marienkapelle mit dem "Altar der Stadtpatrone" von Stephan Lochner - ein so berühmtes Gemälde, dass Albrecht Dürer einst Eintritt zahlte, um es sehen zu dürfen. Auch die Glocken des Doms haben es Meisner angetan; er ist davon überzeugt, dass kein Geläut schöner ist. "Wenn ich für einen Tag Papst wäre, würde ich als erstes alle Glocken von hier nach Rom holen, denn da scheppert's ja nur."
Wenn er nur beten will, geht Meisner nicht in den Dom. "Ich liebe ihn sehr, aber meine Kirche ist Maria in der Kupfergasse, da setz ich mich einfach in die Bank." Im Umkreis des Doms wird er überall erkannt. Kaum ist er auf der Domplatte, stürmt schon eine Gruppe von italienischen Priestern auf ihn zu und will sich mit ihm fotografieren lassen. Er verständigt sich in gebrochenem Italienisch. "Das hab ich mir selbst beigebracht, autodidaktisch." Als Verständigungshilfe für seine vielen Vatikan-Aufenthalte.
Etwa 15 Mal im Jahr muss er nach Rom. Er mag die Stadt nicht. Der Verkehr, der Lärm, die Hektik. "Wir haben hier wenigstens den Rhein, die Römer haben nichts als den Tiber. Und dann der ganze Marmor, diese Palazzi, das ist nicht meine Welt." Wenn er auch ähnlich konservativ denkt wie der von ihm bewunderte Heilige Vater, so ist er doch ein völlig anderer Mensch als der "Professor Doktor Papst". "Du mit Deinen antirömischen Affekten", sagt der manchmal scherzhaft zu Meisner, der froh ist, wenn er vom Flugzeug aus wieder den Dom erkennen kann: "Ein Pilot hat mich mal mit ins Cockpit gelassen und mir erzählt, dass er sich immer am Dom orientiert. Da hab ich gesagt: "Ach, da haben wir ja was gemeinsam.""
Wenn Meisner durch den Dom geht, wirkt er nicht wie die "Faust des Papstes", als die ihn die Bild-Zeitung einmal bezeichnet hat. Er sucht Kontakt, vor allem zu jungen Familien. "Ich hatte immer schon einen Draht zu Kindern, über Kinder erreicht man die Eltern", sagt er. Wenn er auf Geschwister trifft, werden sofort Erinnerungen an seine eigene Kindheit mit den drei Brüdern in Schlesien wach. "Wer ist bei Euch der Mittlere?", fragt er drei Jungen aus Bayern, die mit ihrer Mutter den Dom besuchen. "Ich war der Zweite, da muss man sich durchboxen." Ein Mann hält ihm seinen dreijährigen Sohn hin: "Bitte, Herr Kardinal, segnen Sie ihn!" Als Meisner kurz vor dem Dreikönigsschrein stehen bleibt, ergreift eine alte Frau mit echter Ehrfurcht seine Hand und küsst den Bischofsring. Manche Szene im Dom wirkt wie aus einer versunkenen Zeit.
Etwas grübelnd steht der Kardinal anschließend vor dem schimmernden Schrein und stellt sich vor, wie schon im Mittelalter die Pilger darunter hergezogen sind. Die ganze Kathedrale ist nur für den Inhalt dieses Sarges errichtet worden. Einer der größten Bauten der Christenheit - für ein paar Knochen. Die Namen derer, zu denen sie einmal gehört haben sollen, werden von der Bibel nicht überliefert. Heiliggesprochen worden sind sie nie. Dass es drei waren, ist reine Spekulation. Könige waren es gewiss nicht. Und doch werden sie von allen nur die Heiligen Drei Könige genannt.
"Ob die Gebeine echt sind, ist für mich zweitrangig", sagt Meisner lakonisch. "Der mittelalterliche Mensch wollte den Himmel schon auf Erden berühren, daher die große Bedeutung der Reliquien." Was heute verehrt werde, sei die Idee, sich auf eine Reise zu Gott einzulassen - so wie es die Heiligen Drei Könige getan haben. Auch Meisner, der aus einer Tradition tiefer Volksfrömmigkeit kommt, ist nicht so streng in der Lehre, dass er alles aus der Bibel wörtlich nimmt. Aber wie sein ehemaliger Kardinalskollege Ratzinger wehrt er sich dagegen, einen immer größeren Teil des Glaubens nur noch als Metapher, als schönes Bild, zu sehen und je nach herrschender Strömung umzuinterpretieren.
Dazu passt, dass ihm das neue Domfenster von Gerhard Richter zu beliebig ist - er hätte sich an der Stelle eher eine explizit christliche Darstellung vorstellen können, beispielsweise Märtyrer des 20. Jahrhunderts oder den "Kampf zwischen den Mächten der Finsternis und des Lichts": "Das hätte ja gar nicht unbedingt gegenständlich sein müssen."
In der Krypta in den Kellergewölben des Doms wird Meisner selbst einmal seine letzte Ruhestätte finden. Munter zeigt er auf einen leeren Fleck an der Wand: "Da komme ich hin, ich mache da unten die Reihe weiter." Auch seinen Kritikern wird vielleicht etwas fehlen, wenn er einmal verstummt ist - wieder einer weniger, der noch zum Widerspruch reizt. In jedem Fall wird es ungewohnt sein. Der Dom und sein Kardinal gehören schon so lange zusammen, dass man sich einen ohne den anderen kaum noch vorstellen kann. (dpa)
Le cardinal Meisner dénonce l'activisme stérile de certains prêtres
May 31, 2008
Le 31 mai 2008 - E.S.M. - A la messe qu'il a célébrée vendredi dernier à la cathédrale de Cologne (D) et au cours de laquelle cinq diacres ont été ordonnés prêtres, le Cardinal Meisner a déclaré, dans son homélie :
"Pas plus que les autres, nous les prêtres ne vivons sur une île déserte, mais en plein milieu du monde. La place du sel est dans la soupe! Mais il ne faudrait pas négliger pour autant le danger d'être contaminé par le mode de pensée du monde: il est ainsi nécessaire de concentrer toutes ses forces et toute son attention sur l'efficacité sociale de la foi. Sinon, notre activité pastorale finirait par n'avoir pour seul objectif que la communauté paroissiale et l'expérience qu'elle a d'elle-même, en repoussant à l'arrière-plan le coeur même de la foi, notre unique médiateur, Jésus-Christ, au lieu de conduire à Lui.
L'idée que la foi peut se construire, l'idée qu'une communauté peut être fabriquée de toutes pièces, l'assurance que la vie religieuse n'est qu'une question d'organisation, est entrée profondément dans nos paroisses: elle y a provoqué beaucoup d'activisme, mais souvent pas davantage. Nous en avons la preuve dans nos propres rangs et dans nos propres communautés : cette prétention à pouvoir susciter une ouverture du coeur à la présence divine au travers d'une accumulation de méthodes et d'analyses diverses, par des expériences de dynamique de groupe, a englouti bien des énergies. Et bien souvent en vain!
Et c'est justement là, après tant d'efforts, que le véritable défi que pose la foi chrétienne devient évident et crève les yeux en nous obligeant à nous recentrer sur l'essentiel. "Ils regarderont vers Celui qu'ils ont transpercé", "Ce n'est pas vous qui m'avez choisi, mais c'est moi qui vous ai choisi" (Jn, 15, 16) "En ceci consiste l'amour: ce n'est pas nous qui avons aimé Dieu, mais c'est lui qui nous a aimés et qui a envoyé son Fils en victime de propitiation pour nos péchés" (1 Jn 4,10).
L'axe principal de notre vocation, que nous ne devons jamais perdre de vue, n'est pas dans le "vous", mais dans le "Je" du Christ. C'est le Christ qui est le premier, c'est le Christ qui met tout en mouvement, c'est Lui qui appelle. Nous-mêmes ne pouvons que recevoir, nous ne pouvons que répondre.
Nul ne pourra réaliser quoi que soit dans le Royaume de Dieu, si au long de sa vie ici-bas il ne s'est pas soumis totalement à l'amour prévenant de Dieu."
Kardinal Meisner nennt Deutsche „geistvergessenes Volk“
May 12, 2008
Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hat einen besseren Schutz der Familie gefordert. In einem Hörfunk-Interview nannte er es „schlimm“, dass die Familie weitgehend unter dem Gesichtspunkt der Ökonomie gesehen werde.
(domradio.de, 11.5.2008) Nicht die Familie müsse sich dem ökonomischen Tun anpassen, sondern umgekehrt, forderte er. Die Familie sei nicht ein gesellschaftlich gewachsenes Gebilde, sondern habe eine theologische Grundlage, sagte Meisner. Sie sei das „Abbild des dreifaltigen Gottes“. Deshalb gebühre ihr „aller Schutz und alle Förderung, die nur denkbar ist, damit auch das gesellschaftliche Leben, das ökonomische Leben und das kulturelle Leben gedeihen kann.“ Wer sich an der Familie vergreife, vergreife sich an der Kultur des Menschen. Zugleich bemängelte Meisner die Haltung vieler Politiker in ethischen Fragen wie Abtreibung und Stammzellforschung. „Ein geistvergessenes Volk, das tötet seine Kinder“, sagte er. Die Bilanz, dass es in Deutschland zu wenig Kinder gebe, müsse „die Politiker nun endlich zum Aufwachen bringen“, forderte der Kardinal.
Ich mache weiter, wenn der Papst mich darum bittet
Apr 18, 2008
Im September wolle er dem Oberhaupt der katholischen Kirche mitteilen: „Es ist so weit, entscheide du, und ich tue, was du willst.“
(express.de, 17.04.2008) Vor 20 Jahren wurde er – trotz Widerstands im Domkapitel – auf Druck von Papst Johannes Paul II. zum Kölner Erzbischof gewählt. Am 25. Dezember wird er 75 Jahre alt.
Und dann muss Joachim Kardinal Meisner dem Pontifex maximus, Papst Benedikt XVI., seinen Rücktritt anbieten. Es ist allerdings bisher äußerst selten vorgekommen, dass ein Papst den Rücktritt eines Kardinals bereits im Alter von 75 Jahren akzeptiert hat.
Und Meisner will weitermachen, wenn der Papst ihn lässt. „Wenn der Papst mich darum bittet, ist das gar keine Frage. Dann ist das für mich selbstverständlich“, erklärte er jetzt. Bereits im September will er Papst Benedikt XVI. den Rücktritt einreichen. Er wolle ihm mitteilen: „Es ist so weit, entscheide du, und ich tue, was du willst.“
Ob er sich wünsche, dass Papst Benedikt XVI. ihn zu bleiben bitte, darauf antwortet Meisner: „Ich bin ganz offen. Unabhängig davon, ob man 75 Jahre alt wird oder nicht: Man kann noch zehn Jahre leben oder zehn Tage oder zehn Stunden. Dadurch, dass man immer damit rechnet, von Gott abberufen zu werden, lebt man intensiver.“
In der Regel entlässt der Papst Kardinäle in den Ruhestand, wenn sie 80 Jahre alt geworden sind. Wann auch immer Meisner in Ruhestand geht – er weiß, was er dann tun will: „Ich will zwei Bücher schreiben und ich möchte mich um kranke und einsame Priester kümmern. Das liegt mir am Herzen.“
Kardinal Meisner zum Tode Chiara Lubichs
Mar 14, 2008
Das Interview im Wortlaut.
(domradio.de, 14.3.2008) Chiara Lubich, die Gründerin der Fokolar-Bewegung, starb in der Nacht zum Freitag im Alter von 88 Jahren im Fokolar-Zentrum Mariapoli bei Rom, wie ihre Gemeinschaft mitteilte. Lubich war eine der international prägenden Gestalten des Laienkatholizismus und der Ökumene. Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner erinnert im domradio-Interview an Lubich.
domradio: Herr Kardinal, heute nacht ist Chiara Lubich gestorben, Sie kannten sie.
Kardinal Meisner: Ja, ich kannte Chiara Lubich aus den letzten Jahrzehnten sehr intensiv. Ich bin ihr meistens in Rom begegnet, sie war Mitglied bei einigen Bischofssynoden, so dass wir uns vier Wochen lang gesehen haben und bei den Kaffeepausen auch einander begegnet sind. Und das letzte Mal als ich sie gesehen habe, war sie hier bei uns in Köln, bei mir hier im Haus und machte einen Besuch bei ihrer Fokularfamilie und hat dabei auch den Erzbischof besucht.
domradio: Sie hat eine große Bewegung ins Leben gerufen, wie bewerten Sie die?
Kardinal Meisner: Das fing wie immer bei den großen Erneuerern der Kirche damit an, dass sie aus einer persönlichen Situation Ende des letzten Weltkrieges versucht hat, das Evangelium zu leben in den Bedrängnissen des Krieges. Daraus ist die Fokularbewegung erwachsen, die heute auf der ganzen Welt verbreitet ist. Und namentlich in der kommunistischen Zeit in Mittel- und Osteuropa hat sie vielen Menschen wirklich geholfen ihre schwierige Situation als Christen zu bewältigen.
Wir hatten in Erfurt, als ich noch Weihbischof und Caritasrektor war, am katholischen Krankenhaus eine Gruppe Fokolarini-Ärzte und andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im medizinischen Dienst. Auch in Berlin gab es die, im Elisabeth-Krankenhaus, auch in Leipzig, und das waren so Schwerpunkte und von dort ist es ausgestrahlt in die Gemeinden. Dann auch über die Grenzen der DDR weg nach Tschechien, nach Polen. In Tschechien hat die Fokolarbewegung besonders fruchtbaren Boden gefunden, da die Christenverfolgung dort eigentlich am intensivsten war und die Fokularbewegung mit ihren Methoden auf diese Situation am besten reagieren konnte.
domradio: Der Erzbischof von Köln nimmt Chiara Lubich auch mit ins Gebet?
Kardinal Meisner: Natürlich, sie gehört zu den großen Zeugen des Glaubens im ausgehenden 20. und im Beginn des 21. Jahrhunderts und ihr Werk lebt weiter. Ich kann nur wünschen dass jetzt die Mitglieder und Mitgliederinnen ihres Werkes, der Versuchung widerstehen - es nicht zur inneren Spaltung kommen zu lassen. Denn mit dem Tod eines Gründers einer geistlichen Bewegung ist die Gründerzeit vorbei und da zeigt es sich immer, dass dann der Teufel versucht Gegensätze aufbrechen zu lassen und Spaltungen hervorzurufen. Also ich bitte alle Mitglieder des Fokulars jetzt noch inniger zusammenzuhalten als vorher und Chiara Lubich ist ja nicht von uns weggegangen - sie ist uns nur vorausgegangen. Sie ist, wie ich das immer zu sagen pflege am Grab eines lieben Menschen, sie ist aus der linken Hand Gottes in die rechte Hand Gottes übergewechselt und über das Herz Gottes bleiben wir mit denen die uns vorausgegangen sind in echter Kommunikation.
Kardinal Meisner: Lebensrecht für "embryonale Menschen"
Feb 16, 2008
Nach der Stammzelldebatte im Bundestag hat Kölns Kardinal Joachim Meisner die Abgeordneten aufgerufen, sich für den Lebensschutz einzusetzen.
(domradio.de, 16.2.2008) Kompromisse auf Kosten der Schwächsten - und das seien die embryonalen Menschen - könne und dürfe es nicht geben, schreibt der Erzbischof in einem Beitrag für die Kölnische Rundschau. Denn jeden Kompromiss bezahlten diese Menschen, die ihre Stimme dagegen nicht selbst erheben könnten, mit dem Leben. Meisner betont, dass neueste Forschungen "ethisch unproblematische Alternativen" zu embryonalen Stammzellen hervorgebracht hätten. Dazu gehörten adulte Stammzellen sowie die erst kürzlich entwickelte Reprogrammierung reifer Stammzellen .
Cardenal Meisner a alemanes: "Vivimos en la mentira de creernos inocentes"
Feb 14, 2008
El Arzobispo de Colonia, Cardenal Joachim Meisner, denunció ante los demás miembros de la Conferencia Episcopal Alemana, que se está perdiendo la conciencia del pecado y de la culpa y "vivimos en la mentira de creernos inocentes".
WURZBURGO, 13 Feb. 08 / 01:03 pm (ACI).- "Pecado y culpa hoy sólo aparecen en el diccionario como términos de otra época", explicó el Arzobispo al presidir una Eucaristía con ocasión de la asamblea episcopal y lamentó que "los confesionarios, los lugares del perdón están casi vacíos".
"Donde no hay pecado ni culpa, no hay necesidad de un Reconciliador. Por eso Jesucristo ya no es solicitado como Reconciliador del mundo Uno sólo se interesa por Jesús como reformador de la sociedad. Por eso la Iglesia solo tiene oportunidad de ser un instituto del progreso social", indicó.
Asimismo, llamó a los alemanes a acercarse al sacramento de la reconciliación y explicó que "confesarse significa acercarse un poco más al amor de Dios, es comenzar a creer que Dios nos ama, y descubrir asimismo que hasta ese momento no hemos creído con el ardor suficiente, y por eso hemos de pedir perdón, por no haber creído en una amor que sobre pasa cualquier pecado."
También hizo un paralelo del hombre actual con el hijo pródigo, y recalcó que "ya no queremos ser hijos o hijas en el Hijo".
El hijo pródigo "abandona la casa de Padre porque dejó de creer. Cuando decide volver, tiene el corazón muerte aún. Cree que ya no es amado, cree que ya no es hijo. Pero el Padre lo esperó desde hace mucho. Desde hace mucho no hace más que alegrarse al pensar que el hijo podría regresar. El experimenta un amor tan grande que se ve nuevamente como hijo, vuelve nuevamente a la vida", explicó.
Finalmente, afirmó que "el que perdona poco, ama poco", y recordó la necesidad de compartir la alegría del perdón de Dios con los hermanos, y aprender a acoger uno mismo el perdón de Dios y verse con los ojos del Padre.
„Schlesier mit herbem Humor“
Feb 10, 2008
Interview über Kardinal Joachim Meisner von Köln.
(08.02.08) KÖLNER STADT-ANZEIGER: Herr Lütz, Sie haben schon die ganze katholische Kirche analysiert. Erklären Sie uns doch einmal das Phänomen Kardinal Meisner!
MANFRED LÜTZ: Es gibt bei kaum einer Person des öffentlichen Lebens einen solchen Gegensatz zwischen einem geradezu monströsen öffentlich-medialen Klischee und der Wirklichkeit. Wenn der Kardinal wirklich so wäre, wie er dargestellt wird, wäre er schrecklich - ist er aber nicht.
Was bezeichnen Sie als „monströses Klischee“?
LÜTZ: Was zum Beispiel auf den Leserbriefseiten des „Kölner Stadt-Anzeiger“ über ihn steht. Das würde über keinen anderen Menschen in Deutschland so veröffentlicht: Blanke Verachtung bis hin zum Hass gegen einen angeblich illiberalen, konservativen Hardliner.
Also ist Kardinal Meisner in Wirklichkeit liberal.
LÜTZ: Nehmen Sie die Bioethik: Da steht der Kardinal in vielen Fragen - abgesehen von der Abtreibung - den Grünen am nächsten. Oder die Familienpolitik: Da hat er sich zu einem Familiensplitting bekannt - gegen die CSU. Aber das wird öffentlich kaum wahrgenommen.
Politik ist das eine, Theologie oder Kirchenpolitik das andere.
LÜTZ: Ja, aber auch da sind falsche Bilder im Umlauf. 15 Jahre lang hat dieser Kardinal aufs Engste mit einem Generalvikar - Norbert Feldhoff - zusammengearbeitet, von dem jeder wusste, dass er in vielen Dingen komplett anderer Meinung war. Das zeugt von einer Liberalität, die kein anderer deutscher Bischof aufgebracht hätte. Auch weiß kaum jemand, dass Kardinal Meisner der deutsche Bischof ist, der am meisten für die Aussöhnung mit Polen getan hat. Oder der im Streit um die Schwangerenkonfliktberatung in seinem Erzbistum jahrelang den Schein ausstellen ließ, obwohl jedermann wusste, dass er dagegen war.
Aber da hatte der Papst ja auch noch nicht entschieden.
LÜTZ: Und als er entschieden hatte, sind alle Bischöfe ihm gefolgt - von Kardinal Lehmann angefangen. Also: Was das betrifft, gab es gar keinen Unterschied zu Kardinal Meisner. Doch die öffentliche Wahrnehmung war anders.
Sie schieben jetzt alles auf Klischees. Aber die kölsch-katholische Ansicht, dass der Kardinal „nicht ins Rheinland passt“, die kann doch nur verfangen, wenn es einen Anknüpfungspunkt in der Wirklichkeit gibt. Ein Klischee von Dieter Bohlen als Ausbund verkopfter Intellektualität - das würde einem ja auch kein Mensch abnehmen.
LÜTZ: Das stimmt. Es gibt da sicher ein kulturell-mentalitätsmäßiges Missverständnis. Zum ersten hat Kardinal Meisner als Schlesier einen viel herberen Humor, als wir Rheinländer das gewöhnt sind.
Ein Beispiel?
LÜTZ: Ich habe einmal auf einem Empfang erlebt, wie jemand den Kardinal mit triefenden Lobhudeleien zu seiner Predigt förmlich überschüttete. Seine Reaktion: „Ach wissen Sie, dafür werde ich bezahlt.“ Da war die Luft raus. Sehr witzig gekontert, finde ich, aber ich habe auch eine westfälische Großmutter. Andere Rheinländer würden sagen, ein bisschen zu heftig. Und zweitens ist der Kardinal „completely politically incorrect“. Er passt sich nicht an, er sagt, was er denkt - und das finde ich gut.
Sie sind ein Fan!
LÜTZ: Kardinal Meisner ist mein Bischof, nicht mein Idol. Aber ich gebe Ihnen ein Beispiel für diese „politische Unkorrektheit“: Zu sagen, das Richter-Fenster im Kölner Dom passe besser in eine Moschee, das war absolut politisch unkorrekt. Korrekt wäre: (fällt in Singsang) „Wie schön ist es doch, dass die moderne Kunst in der Kirche ihren Ort hat“ und so weiter und so weiter. Aber wo kommen wir eigentlich hin, wenn es über moderne Kunst keine kritische Debatte mehr geben darf.
Für die hiesigen Erzbischöfe ist typisch, dass sie den Kölnern in der Erinnerung zunehmend strahlender erscheinen. Was, glauben Sie, werden die Kölner über Kardinal Meisner im Jahr 2033 zum 50. Jahrestag seiner Kardinalserhebung sagen?
LÜTZ: . . . wenn er dann mit seinen knapp 100 Jahren aus dem Bergischen Land herunter nach Köln gerollt kommt (lacht). Hmm, also: Seit der Schlacht von Worringen haben die Kölner mit ihren Erzbischöfen Probleme. Die brauchen das zur Stärkung ihrer gemeinschaftlichen Identität: „Wir da unten gegen die da oben.“ Deshalb glaube ich: Noch in 50 oder 100 Jahren wird es in Köln keinen Personenkult um Kardinal Meisner geben. Was ja auch gut ist - den Starrummel überlassen wir Katholiken anderen. Aber in der von Alexander Mitscherlich prognostizierten „vaterlosen Gesellschaft“ wird Kardinal Meisner als eine von wenigen verbliebenen Vaterfiguren in Erinnerung bleiben - an der man sich reibt, die aber auch Orientierung gibt.
Kardinal Meisner, der Vater der Kölner. Das halten wir fest!
LÜTZ: Ja, und vielleicht ist es zur 50-Jahr-Feier der Kardinalsernennung mit der Erinnerung wie mit der Phase nach der Pubertät: Man kann Dinge gut finden, die der Vater gesagt hat, obwohl sie der Vater gesagt hat.
Das Gespräch führten
Joachim Frank und Matthias Pesch
Kardinalatsjubiläum
Feb 10, 2008
Interview mit dem Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner.
(8.2.2008) domradio.de - Ihm sei "schwarz vor den Augen geworden", bekennt Kardinal Joachim Meisner, als ihn 1988 der Ruf des Papstes erreicht habe, von der Spree an den Rhein zu wechseln. Mehrfach habe er den Heiligen Vater gebeten, von seiner Berufung nach Köln abzusehen. Doch als der Papst bei seiner Entscheidung blieb, sei er ihr "ohne zu zögern" gefolgt, sagt Meisner, der am Sonntag sein Kardinalatsjubiläum feiert. Aus der "Muss-Ehe" zwischen Hirten und Herde wurde dann aus seiner Sicht überraschend schnell eine Liebesheirat. domradio-Redakteur und Diakon Dr. Marc Kerling traf den Erzbischof in der Jubiläumswoche.
Bild
* [Ein Bild aus den ersten Jahren in Köln ] Ein Bild aus den ersten Jahren in Köln
Audio Beitrag
* "Ich hätte das nicht durchgestanden, wenn ich nicht täglich an den Altar hätte treten können." Kardinal Meisner zum Kardinalatsjubiläum (9.2.2008)
* "Wir standen vor São Paulo im Stau": Interview mit Generalvikar Dr. Dominik Schwaderlapp zum Kardinalatsjubiläum (9.2.2008)
domradio: Herr Kardinal, als Bischof von Berlin sind Sie am 2. Februar 1983 von Papst Johannes Paul II. in den Kardinalsrang erhoben worden. Als Kardinal kamen Sie dann von der Spree an den Rhein, von der DDR in den Westen - waren das nicht zwei völlig unterschiedliche Welten damals?
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner: Ich hatte schon ein wenig Noviziatsunterreicht gehabt in Berlin, denn ich war ja Bischof für ganz Berlin, auch den West-Teil. Und im West-Teil wohnten zwei Drittel der Katholiken, ein Drittel im Osten, so dass ich schon ein Einübungsfeld hatte in die westliche Welt, indem ich zehn Tage im Monat nach West-Berlin hinüber fahren konnte. Dieses Quantum habe ich auch immer ausgeschöpft.
domradio: Papst Johannes Paul II. hat den heutigen Kardinal Cordes als jungen Mann von Paderborn nach Rom geholt, am Sonntag reist er zu Ihnen, um in Ihrem Festgottesdienst zu predigen. Sind Sie eng miteinander verbunden?
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner: Erstmal bietet sich es an, dass der amtsjüngste Kardinal im deutschsprachigen Raum dem amtsältesten Kardinal die Predigt hält. Und zweitens: Natürlich bin ich mit Kardinal Cordes sehr verbunden. Ich habe mit ihm den ersten Weltjugendtag ausgerichtet. Er war verantwortlich für das Gesamte. Aber ich hatte mit ihm und mit Pater Manfred Endrich die deutsche Abteilung des Weltjugendtages bewältig damals, 1985. Das ist mir bis heute unvergesslich. Und weil ich als Kardinal oft in Rom zu tun habe, haben wir uns oft getroffen und haben miteinander gesprochen. Er ist wirklich für mich immer ein Vorbild gewesen in der Treue zum Papst und auch im Durchtragen schwieriger Probleme, die manchmal auf einen Bischof zukommen.
domradio: Sie sind fast seit fast 20 Jahren Erzbischof von Köln. Sie sind außerdem Mitglied vieler Kongregationen. Welche Weichenstellungen sind Ihnen ganz aktuell wichtig?
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner: Von einer ungeheuren Wichtigkeit ist der missionarische Impuls. Wenn eine Kirche nicht mehr missioniert, dann demissioniert sie. Und die Kirche ist keine Institution, sondern eine Expedition. Das müssen wir deutlich machen! Ich bin immer der Meinung, ein Christ ist dann erst ein reifer Christ, wenn er seinen Glauben an einen anderen weitergegeben hat, wenn er gleichsam Glaubenerzeugt hat. Ein Mann und eine Frau sind reif, wenn sie fähig sind, auch biologisch Leben weiterzugeben. Und so ist es auch bei einem Christen: Ein Christ ist erst wirklich reif, wenn er Glaubensleben weitergegeben hat. Darauf ist weltweit ein großer Akzent zu legen. Ein weiterer ganz wichtiger Akzent ist auch, dass wir wieder die Quellen des Lebens stärken müssen: Ehe und Familie sind ein so wichtiges Thema, gerade für die westliche Hemisphäre, wenn die Völker sich nicht selber ausrotten wollen.
domradio: Kann man ein Bischofsamt überhaupt ausführen ohne Liebe zur Liturgie und Eucharistie?
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner: Das ist die Voraussetzung, dass man Priester oder Bischof wird. Hier kann man sagen, in der Liturgie, was Paulus sagte: In ihm leben wir, in ihr leben wir, bewegen wir uns und sind wir. Ich bin jetzt im 46. Priesterjahr, im 33. Bischofsjahr, 25 Jahre Kardinal - ich hätte das nicht durchgestanden, wenn ich nicht täglich an den Altar hätte treten können. Und darum ist und bleibt, was Benedikt sagt: Dem Gottesdienst darf nichts vorgezogen werden. Weil es nämlich die Berührung des Menschen mit dem lebendigen Gott ist.
Ende des Streits um den „Hassprediger“
Feb 06, 2008
Zum Ende der Session noch eine letzte sprachliche Anleihe beim Karneval: Am Aschermittwoch ist alles vorbei!
(ksta.de, 05.02.08) Das Kriegsbeil ist begraben, die Gemüter beruhigt, Frieden kehrt ein. Volker Beck, streitbarer Grüner aus Köln, und der Kölner Kardinal Joachim Meisner, ebenfalls streitlustig, beendeten einen monatelangen Händel - außergerichtlich, Meisner zog eine einstweilige Verfügung gegen Beck zurück.
Hintergrund: Beck hatte den Kardinal als „Hassprediger“ tituliert, weil dieser homosexuelle Partnerschaften kritisierte: „Alle sogenannten alternativen Modelle des menschlichen sexuellen Zusammenlebens sind aber unwahr und darum für den Menschen im Kern verderblich. Die Menschheit richtet sich hier selbst zugrunde.“ Der bekennende Homosexuelle Beck benutzte dafür die umstrittene Vokabel. Meisner sprach seinerseits von „persönlichen und beleidigenden Angriffen“ und erwirkte vor dem Kölner Landgericht eine einstweilige Verfügung. Diese wiederum akzeptierte Beck nicht und klagte vor dem Berliner Landgericht. Zwar bekundete er - auch auf Druck von Parteifreunden -, er wolle Meisner nicht mehr als „Hassprediger“ bezeichnen. Es gehe ihm aber um die Meinungsfreiheit.
Generalvikar Dominik Schwaderlapp begründete die Rücknahme der einstweiligen Verfügung offiziell damit, dass Beck nach öffentlicher Kritik erklärt habe, den Erzbischof „nicht in die Nähe von Terroristen oder Selbstmordattentätern“ rücken zu wollen. Vielleicht hatte das Erzbistum aber auch die Eingebung, nach der eine Fortsetzung des juristischen Streits wenig sinnvoll gewesen wäre. Beobachter prognostizierten dem Kardinal eine Niederlage vor Gericht.
Volker Beck feierte gestern einen „1:0-Sieg“ über den Kardinal. Zumal dieser die Anwalts- und Gerichtskosten beider Parteien tragen muss. Mit einem Hauch von Verwunderung weist der Grüne auf dem Umstand hin, dass er sich doch den Maulkorb, den das Erzbistum nun als Anlass für den Vergleich nannte, schon selbst im November umgehängt hatte, als er ankündigte, das H-Wort nicht zu wiederholen. Den folgenden Ärger samt 10 000 Euro hätte sich Meisner also leicht sparen können.
"Ein Wort der Wegweisung"
Feb 06, 2008
Fastenhirtenbrief von Joachim Kardinal Meisner
(6.2.2008) Liebe Schwestern, liebe Brüder! Die diesjährige Österliche Bußzeit beginnt so früh im Jahr wie selten sonst.
Vielleicht ist das auch ein Fingerzeig Gottes. Denn so finde ich sehr früh Gelegenheit, Ihnen mit meinem Hirtenbrief zur Fastenzeit ein Wort der Wegweisung zu geben zu den strukturellen Veränderungen, die in den kommenden Jahren in unserem Erzbistum anstehen. Mit diesen Veränderungen sind wir oft über die Maßen beansprucht - in unserer Zeit, in unseren Überlegungen und Kräften. Dabei werden wir uns schmerzlich bewusst, dass Wesentlicheres zu kurz kommt.
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Mit dem gewählten Leitwort „Wandel gestalten - Glauben entfalten" wollen wir versuchen, wirklich aus der Not eine Tugend zu machen: Es gibt Wichtigeres für jede Gemeinde als ihre Organisationsform! Das Wichtigere ist zugleich auch das Bleibende - unabhängig davon, wie die äußeren Bedingungen des Gemeindelebens aussehen. Wir müssen versuchen, die nötige Gestaltung des Wandels so vorzunehmen, dass diese wichtigeren Inhalte unseres Christseins nicht nur keinen Schaden leiden, sondern sogar deutlicher ins Bewusstsein kommen. Danach zu leben und zu handeln, sollen wir uns bemühen.
Auf eine wesentliche Eigenart des christlichen Gemeindelebens möchte ich in diesem Hirtenbrief hinweisen: Es ist die missionarische Ausrichtung. Die pilgernde Kirche ist ihrem Wesen nach missionarisch, da sie selbst ihren Ursprung aus der Sendung des Sohnes und der Sendung des Heiligen Geistes herleitet. Sie ist von Gott zu allen Völkern gesandt. Darum nennt das Konzil sie das „allumfassende Sakrament des Heiles" (Lumen gentium 48). An dieser universalen Heilssendung nimmt jede noch so kleine Gemeinde und Gemeinschaft teil. So soll auch jeder Seelsorgebereich gleichsam wie ein Baum seine Zweige ausstrecken, um vielen Menschen Schatten vor der glühenden Sonne zu schenken. Die Kirche und damit auch unsere Seelsorgebereiche leben nicht aus sich selbst und haben nichts für sich selbst. Was sie haben, haben sie vom Heiligen Geist, und was ihnen gegeben wurde, wurde ihnen gegeben zur Weitergabe.
Was uns zur Weitergabe gegeben ist, zeigt sich in fünf pastoralen Schwerpunkten, die das Leben einer Gemeinde zu jeder Zeit kennzeichnen und deshalb auch bei unserem Erneuerungsprozess in keinem Seelsorgebereich fehlen dürfen: eine lebendige Feier der Liturgie, eine solide Glaubensverkündigung, eine besondere Sorge für unsere Jugend und Familien und das caritative Handeln. Weil uns das alles gegeben ist, um es weiterzugeben, folgt als Konsequenz: die missionarische Ausstrahlung als fünfter Schwerpunkt. Denn - um ein Wort von Jean Danielou SJ aufzugreifen -: „Der Geist der Mission ist der Geist des Christentums schlechthin". "Wandel gestalten - Glauben entfalten", dazu möchte ich Ihnen drei Gedanken ans Herz legen:
1. Die Priester
Die zwölf Apostel, die Jesus um sich gesammelt hat, sind die Eckpfeiler der Sendung der Kirche. Die Gemeinschaft der Priester eines Bistums, die in einer Stadt, einem Dekanat oder einem Seelsorgebereich ihren Dienst tun, sind heute auch solche Eckpfeiler. Es besteht keine Hoffnung auf Verwirklichung einer missionarischen Kirche, wenn nicht zuerst die Seelsorger vom missionarischen Geist und von der Energie des Heiligen Geistes tief durchdrungen sind. Entscheidend ist das Selbstverständnis des Priesters, ob er sich nur als Kultdiener, Stubengelehrter oder Bürokrat betrachtet oder aber als Gesandter, als Missionar, als Apostel, als Prophet. Die Frage, die wir Priester uns immer wieder stellen müssen, heißt:
„Lebt in uns die Weite und die heilige Unruhe des Missionars?". Wenn wir unsere universale Heilssendung ernst nehmen, werden wir eine Neuordnung der Rahmenbedingungen unserer Seelsorge bedenken müssen. Und das tun wir zurzeit.
Wenn derjenige, der dem Presbyterium eines
Seelsorgebereiches vorsteht, im herzlichen Einvernehmen jedem Mitbruder entsprechend seinen Fähigkeiten zu seinem Platz verhilft, hat er eine wichtige Dimension seines Dienstes verstanden. Denn es geht darum, dass alle pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemäß ihrem jeweiligen Charisma und entsprechend der Ordnung der Kirche das Evangelium durch Wort und Tat verkünden. So dienen die vielfältigen Begabungen und Dienste dazu, Christus für die Menschen unserer Zeit berührbar zu machen.
2. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Berater
Paulus hat um sich eine Gruppe von Mitarbeitern geschart: Die Schwester Phoebe, die ihm und vielen geholfen hat; Aquila und Priska, denen alle Heidengemeinden Dank schulden; Maria in der römischen Gemeinde, die sich viel Mühe für andere gegeben hat. Jene Mitarbeiter, also die Laienchristen, nehmen in ihrer Weise an der Sendung der Kirche wesentlich teil. Sie dürfen in der gegenwärtigen Situation der Kirche nie und nimmer fehlen. Wie spontan und fruchtbar dieses Wirken in der Frühzeit der Kirche war, zeigt klar die Heilige Schrift selbst, insbesondere in der Apostelgeschichte sowie in den Apostelbriefen. Das Presbyterium eines Gebietes oder der Presbyter einer Gemeinde hatte um sich eine größere oder kleinere Zahl von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, denen besonders der Weltdienst anvertraut war. Das ist heute nicht anders. Dazu kommen heute noch Gremien, die eine wichtige Funktion im Leben eines Seelsorgebereiches haben, z.B. der Kirchenvorstand, der Pfarrgemeinderat und andere Gruppierungen und Verbände, die das Leben unserer Gemeinden mitprägen. Mit pastoralen Gremien alleine ist es aber nicht getan, wenn dort nicht der missionarische Geist lebendig ist. Um es sehr deutlich zu sagen: Wo dieser Geist fehlt, schaden sie mehr, als dass sie nützen, sie bremsen dann mehr, als sie voranbringen. Auch von den Mitarbeiterinnen, den Mitarbeitern und Beratern erwarten wir Weitblick, durch persönliches Glaubenszeugnis, durch Initiative und Verantwortlichkeit. Wer etwa im Pfarrgemeinderat mit über Gottesdienstzeiten berät, aber selbst den Sonntagsgottesdienst nicht besucht, macht seine Mitarbeit unglaubwürdig und unwirksam. Wir brauchen heute in unseren Seelsorgebereichen mehr denn je die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die von der Liebe Christi gedrängt werden, sich für die Schwestern und Brüder in der Gemeinde und darüber hinaus einzusetzen. Ich danke allen, die das schon jahrelang tun und ohne deren Mitwirken wir schon längst Schiffbruch erlitten hätten. Ich bitte Sie inständig, sich durch ein tiefes Gebetsleben für Ihren weitflächigen apostolischen Einsatz die nötige Kraft zu erbitten. Als Anregung und Hilfe füge ich dem Hirtenbrief ein Gebetsbildchen bei, das sich für das persönliche Gebet und auch als Eröffnungsgebet vor Sitzungen der Gremien und Verbände eignet, ein Gebet, das von der Gemeinde nach den Gottesdiensten abwechselnd gesprochen werden kann. Wir haben viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Seelsorgebereichen, die sich das Leben der Gemeinden zu einem Herzensanliegen machen. Wie der Apostel Paulus habe auch ich als Bischof allen Grund, vielen zu danken und ein „Vergelt's Gott" für diesen selbstlosen Einsatz zu sagen.
3. Wir schauen schließlich auf unsere Seelsorgebereiche und Pfarrgemeinden
Wie stellt sich nun das missionarische Bemühen in unseren Gemeinden konkret dar? Dazu gehören zunächst einmal die Beter und die so genannten Stillen unter uns. Als die Jünger den Herrn fragten, warum sie den Dämon von dem kranken Knaben nicht austreiben konnten, antwortete er: „Diese Art kann nur durch Gebet ausgetrieben werden" (Mk 9,29). Das inständige und anhaltende Gebet hat eine große Kraft. „Allein den Betern kann es noch gelingen…", schreibt Reinhold Schneider in einer ausweglosen Situation. Die Seelsorger, aber auch die Gläubigen werden es oft ganz nebenbei erfahren, dass es in unseren Pfarreien Beter gibt, die viel für das Volk beten und sich ganz Gott hinopfern um der Brüder und Schwestern willen. Es gehört sicher zu den großen Erlebnissen in geistlichen Gesprächen, wenn Gott uns in das Herz solcher Menschen schauen lässt. Zu dieser Gruppe gehören die Stillen im Land, die in allen Ständen und Altersgruppen zu finden sind. Ohne Auftrag und Wissen irgendeiner kirchenamtlichen Stelle tun sie Gutes in dem Haus, in dem sie wohnen, an der Arbeitsstelle, wo sie arbeiten, von Mensch zu Mensch, ganz still und selbstverständlich, spontan, angeregt vom Heiligen Geist. Von diesem verborgenen Kern geht eine große Kraft in die Gemeinde aus.
Dann haben wir die so genannte „Sonntagsgemeinde". Die versammelte Gemeinde am Sonntag darf kein Ofen sein, der sich selbst wärmt. Es kann dabei auch nicht nur um ein Mahl gehen, in dem man sich nur an der Gemeinschaft untereinander erfreut. Die Gläubigen sind Heilsträger für alle. Wie geschieht das? Wir sollen nicht nur Hörer des Wortes sein, sondern auch Handelnde und Vollbringer. Das Zeugnis im Alltag, das die Frucht der sonntäglichen Verkündigung ist, wird zu einer wirksamen Form der Evangelisierung unserer Umwelt. In den Fürbitten sprechen die Gläubigen ihre Sendung aus und vertreten beim gütigen Gott die Sache des ganzen Menschengeschlechtes. In der Feier der Eucharistie wird das Werk der Erlösung für unser Heil und das der ganzen Welt vollzogen. Wir werden dann innerlich am Opfer Jesu teilnehmen, wenn wir uns mit ihm für die Schwestern und Brüder hingeben. Von hier aus könnte die sonntägliche Eucharistiefeier neue Impulse bekommen und die Pflicht zur Teilnahme an der Sonntagsmesse neu begründet werden.
Die Gemeinschaft der Gläubigen ist auch zu denjenigen gesandt, die kaum oder gar nicht in die Kirche gehen, die womöglich sogar den Kirchenaustritt erklärt haben, ja sogar zu solchen, die nie katholisch waren und mit der Kirche gar nichts zu tun haben. Es mag vielleicht überraschen, dass es unter diesen Gruppen Menschen gibt, die auf ihre Weise missionarisch tätig sind. Das ist eine Erkenntnis aus der Erfahrung. In irgendeinem Punkt vertreten sie manchmal in ihrer Umwelt die Sache Christi und treten für die Kirche ein. Die Gründe dafür sind vielfältig. Manchen ist zu irgendeiner Zeit ein Glaubenszusammenhang aufgegangen, und sie haben sich das auch über einen Kirchenaustritt hinaus bewahrt. Andere haben erfahren, dass der Pfarrer und die Gemeinde sie nicht abgeschrieben haben, sondern sie noch immer dazurechnen. Nichts wäre fataler, als wenn ein falscher Eifer in solchen Mitchristen den glimmenden Docht auslöschen würde. Mit einem glimmenden Docht kann auch ein großes Osterfeuer entzündet werden. Ein gutes Wort an der Tankstelle, im Kaufhaus, auf der Straße, kann einer glimmenden Lampe neues Öl zuführen.
Das Zweite Vatikanische Konzil betont, dass die ganze Kirche missionarisch ist, und dass die Evangelisierung eine Grundpflicht des Volkes Gottes ist. Ob unsere Gemeinden missionarisch sind, wird davon abhängen, ob es Personen und Gruppen in den Gemeinden gibt, in denen der missionarische Geist lebendig wird. „Wandel gestalten - Glauben entfalten", das ist eine ganz realistische Aufgabe, die vor uns steht. Es geht uns dabei nicht in erster Linie um den Umbau der Strukturen, sondern darum, das Evangelium, das wir allen Menschen schulden, in die Welt hineinzutragen. Dafür aber müssen wir unsere Strukturen so gestalten, dass sie uns dabei eine Hilfe sind und nicht ein Hindernis.
Ich bitte Sie alle um Ihr Verständnis und um Ihre Mithilfe! Als Erzbischof habe ich das Projekt nicht aus irgendeiner Laune heraus auf den Weg gebracht. Ich habe mich mit den mir dafür gegebenen Gremien gründlich darüber beraten und es auch persönlich lange durchbetet. Helfen Sie mit! Ich bitte Sie - um Gottes und der Menschen willen - um Ihr Mitdenken, Ihr Mithandeln und Ihr Mitverantworten! Dazu segne Sie alle der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Köln, am Fest der Darstellung des Herrn 2008
+ Joachim Card. Meisner
Erzbischof von Köln
Kardinal Meisner würdigt Gründer von „Kirche in Not“, an dem jeder Maß nehmen kann
Jan 25, 2008
Der Gläubige sollte für die anderen ein „Helfer zu Glaube, Hoffnung und Liebe“ sein.
KÖNIGSTEIN, 24. Januar 2008 (ZENIT.org).- Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner hat den Gründer des internationalen katholischen Hilfswerks Kirche in Not, Pater Werenfried van Straaten, als „Institution mit Passion“ bezeichnet.
Während der Heiligen Messe zur Feier des fünften Todestages des Prämonstratensers, der am 31. Januar 2003 im Alter von 90 Jahren gestorben war, erklärte Kardinal Meisner am Samstag, dass Pater Werenfried so intensiv von Gott gesprochen habe, dass er „von vielen gehört und erhört worden“ sei. Er habe „in göttlicher Vollmacht“ gesprochen, so dass ihn „auch die Kirche des Schweigens hinter Mauern und Stacheldraht vernehmen konnte“. An der Eucharistiefeier im gut gefüllten Kölner Dom nahmen unter anderem der Internationale Präsident des Hilfswerkes, Hans-Peter Röthlin, und der neue Generalsekretär aus Frankreich, Pierre-Marie Morel, teil. Erzbischof Luis Sako von Kirkuk (Nordirak) konzelebrierte.
„Unser Glaube kann und darf nicht unsichtbar bleiben“, bekräftigte Kardinal Meisner mit Blick auf Pater Werenfried. „Er nahm das Lob der Menschen über seine geniale Lebensleistung kaum zur Kenntnis und reichte alles im Lobpreis an den zurück, von dem alles Gute in die Welt hineinströmt. Wir wissen, ,Eigenlob stinkt', Gotteslob aber inspiriert und hebt den Menschen über sich selbst hinaus. Darum ging man wohl von Pater Werenfried immer etwas besser weg, als man zu ihm hinkam.“
Der Gründer von „Kirche in Not“ habe seinen Glauben „überlaut vor aller Welt verkündet“. Darum sei ihm „ein so unwahrscheinliches Werk der Nächstenliebe zugewachsen, so dass wir heute staunend und dankbar davor stehen“. Pater Werenfried habe sich seines Glaubens nie geschämt, sondern er hatte „einen unverschämten Glauben, so dass er viele durch seine Glaubenskraft überzeugte und sie mit elementarer Kraft in sein Werk hineinzog“. Er habe „ein großes Herz“ und „einen großen Mund“ gehabt, so der Kardinal.
Der heilige Paulus habe in seinem ersten Brief an die Thessalonicher den Glauben der Christen als „Werk ihrer Hände“ definiert (vgl. 1 Thess 1,3). Pater Werenfried sei „gleichsam unser Handwerksmeister gewesen“, fuhr Kardinal Meisner fort, der Priester und Laien gleichermaßen dazu aufforderte, „nicht Landräte und Verwaltungsorgane des lieben Gottes in seiner Weltregierung“ zu sein, sondern „Helfer zu Glaube, Hoffnung und Liebe“ - für alle Menschen. Pater Werenfried habe es darin „zu einer wirklichen Meisterschaft gebracht“. Es lohne sich, „als Priester und Bischof seine eigene Glaubenspraxis an Pater Werenfried zu orientieren“.
Der am 17. Januar 1913 in Mijdrecht bei Amsterdam (Niederlande) geborene „Speckpater“ habe seinen Mitmenschen gezeigt, „dass der Unglaube der Gläubigen darin besteht, dass sie zu wenig an die Kraft des Senfkorns glauben“. Die Welt wisse nicht, „was unsere wirkliche Kraft ist und wo sie liegt. Wir sind mit der Gnade Gottes einem solchen Giganten des Reiches Gottes in Pater Werenfried auf die Spur gekommen“.
„Kirche in Not“, ein Hilfswerk päpstlichen Rechtes, untersteht direkt dem Heiligen Stuhl und unterhält Niederlassungen in 17 Ländern in Europa, den USA, Kanada, Australien und Lateinamerika. Jährlich unterstützt die 1947 gegründete Hilfsorganisation mehr als 5.000 pastorale Projekte in fast 140 Ländern.
Cardenal Meisner: La alegría en el Señor es nuestra fortaleza
Jan 11, 2008
El Arzobispo de Colonia, Cardenal Joachim Meisner, destacó en una reciente homilía que los cristianos deben aprender de los Reyes Magos y tener, como ellos, los ojos abiertos y la disposición para ponerse en camino, de manera que el Señor irrumpa en sus vidas para entregarle sus dones y descubrir que "la alegría en el Señor es nuestra fortaleza".
COLONIA, 11 Ene. 08 / 01:03 am (ACI).- "Ser hombres nuevos: ese es el profundo mensaje que da el Niño Dios a nosotros los cristianos de ahora" agregó y que quien ve en Belén la Luz de su vida, regresa por otro camino, ya no se acercará al camino del mal, sino que seguirá a Cristo, explicó el Purpurado.
Tras comentar la importancia que todos los cristianos en el mundo anuncien el mensaje liberador que trae el Niño Dios, el Cardenal resaltó que ante el Niño en el pesebre "existen principalmente para los seres humanos dos posibilidades que muestra el evangelista (San Mateo): ponerse de lado de Herodes o de lado de los Magos" y exhortó a analizar la postura que cada uno tiene ante el Niño Dios.
Luego dijo que Herodes es el prototipo del hombre terco que "no quiere abrirse ante la nueva luz de Dios", que rechaza la Buena Nueva del Niño y que incluso se asusta ante la noticia del nacimiento del Mesías, ya que aquél busca proteger su poder e influencia, y recordó que hoy en día "sombras oscuras de Herodes se encuentran sobre nuestro pueblo." Asimismo señaló que "quien se queda ensimismado, encerrado en sus cuarto paredes, no va a poder ver la Luz".
Seguidamente aseveró que la postura contraria a Herodes, es la que sostienen los Reyes Magos ante el Niño en Belén, que al ver la estrella se llenaron de alegría y al llegar a la casa lo adoraron. "En Belén encuentran los Magos la luz de sus vidas, al adorar al Niño" Resaltó la importancia de la adoración a Jesucristo desde los inicios de la Iglesia católica hasta el día de hoy y recordó que quien reza está en el lugar correcto, dado que "es ahí donde el mundo regresa al orden en que Dios lo creó".
En la Catedral de Colonia se encuentran los restos de los Tres Reyes Magos, que son visitados todos los años por miles de fieles. El Cardenal Meisner recordó también el testimonio de un millón de jóvenes del mundo entero, que en la Jornada Mundial de la Juventud del 2005 en Colonia siguieron el camino de los Magos de Oriente.
Der Erzbischof und der Ruhestand
Dec 21, 2007
Manchmal kokettiert sogar ein Kardinal. «Für die Diplomatie wäre ich ganz sicher nicht geeignet», bekannte der Kölner Erzbischof Joachim Meisner unlängst in einem Interview. Am ersten Weihnachtstag feiert das umstrittene Oberhaupt der Kölner Katholiken seinen 74. Geburtstag. Nächstes Jahr muss Meisner laut Kirchenrecht dem Papst seinen Rücktritt anbieten.
Köln (ddp-nrw, 20. Dezember 2007). Manchmal kokettiert sogar ein Kardinal. «Für die Diplomatie wäre ich ganz sicher nicht geeignet», bekannte der Kölner Erzbischof Joachim Meisner unlängst in einem Interview.
Am ersten Weihnachtstag feiert das umstrittene Oberhaupt der Kölner Katholiken seinen 74. Geburtstag. Nächstes Jahr muss Meisner laut Kirchenrecht dem Papst seinen Rücktritt anbieten. Ob Benedikt XVI. ihn dann mit dem 75. Lebensjahr in den Ruhestand schickt oder für weitere Jahre auf dem einflussreichen Bischofsstuhl der Domstadt belässt, ist zumindest offiziell noch offen.
»Wenn ich muss, dann bleibe ich«, sagte Meisner mit bemerkenswert wenig Enthusiasmus. Wenn der Papst sage, «Du kannst mich jetzt nicht allein lassen», dann gehorche er. Seine beiden Bischofsstationen Berlin und Köln seien jedoch »alles andere als Schonposten« gewesen.
Allerdings sorgte Meisner auch im vergangenen Jahr dafür, dass es im Schatten des Doms nicht allzu beschaulich wurde. So kommentierte er die Bewerbung von Horst Seehofer um den CSU-Vorsitz angesichts dessen außerehelicher Affäre mit der Bemerkung: »Wie will er denn Vorsitzender einer christlichen Partei werden? Wie weit sind wir eigentlich gekommen?»
Am meisten Aufsehen verursachte der Kölner Kirchenmann allerdings mit seinen Äußerungen zur Kultur. So hielt er das viel beachtete, vom weltberühmten Künstler Gerhard Richter entworfene neue Fenster des Kölner Doms eher für eine Moschee geeignet. «Wenn wir schon ein neues Fenster bekommen, dann soll es auch deutlich unseren Glauben widerspiegeln. Und nicht irgendeinen», kritisierte Meisner.
Dem Festgottesdienst zur Einweihung der mehr als 110 Quadratmeter großen Fensterfläche war der Kardinal demonstrativ fern geblieben. Er hätte sich figürliche Darstellungen wie Heilige oder Märtyrer des 20. Jahrhunderts für die Glasfenster gewünscht, konnte sich damit aber beim Domkapitel nicht durchsetzen, hieß es aus Meisners Umfeld. Inzwischen entschuldigten sich die geistlichen Hausherren des Doms beim Kardinal für ihren Alleingang.
Tagelang in den Schlagzeilen blieb Meisner wegen seiner Rede zur Einweihung des Kölner Diözesanmuseums Kolumba: «Dort, wo die Kultur von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet. Sie verliert ihre Mitte», sagte der Kardinal.
Seine Anlehnung an den von den Nationalsozialisten verwendeten Begriff «Entartete Kunst» löste eine Welle der Entrüstung aus. Der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, bezeichnete Meisner als einen «notorischen geistigen Brandstifter». Tatsächlich hatte dieser bereits zuvor die Abtreibungspille mit dem Giftgas in den NS-Vernichtungslagern und Abtreibungen mit den Massenmorden von Hitler und Stalin verglichen.
Gegen den Grünen-Politiker Volker Beck und den Kölner Kabarettisten Jürgen Becker, die Meisner vor diesem Hintergrund als «Hass-Prediger» bezeichnet hatten, war das Erzbistum erfolgreich juristisch vorgegangen.
Zu den Feiertagen werde es der Kardinal nun etwas ruhiger angehen lassen, hieß es. Im Ruhestand wolle er dann ins Bergische Land ziehen, wo er wandern und sich einen Hund Halten könne. Auch könne er dann seine Buchpläne weiter verfolgen.
Erfreulicher Befund und Anruf: Kardinal Meisner zu den Ergebnissen des „Religionsmonitors“
Dec 21, 2007
„Ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung ist aufnahmebereit für die Antworten des Glaubens“.
KÖLN, 20. Dezember 2007 (ZENIT.org).- „Hochreligiöse“ Menschen in Deutschland sind nach den Ergebnissen des unlängst vorgestellten „Religionsmonitors“ der Bertelsmann-Stiftung „alles andere als eine kleine Minderheit“. Das bekräftigte jetzt der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner. Die Studie passe „genau in diese Zeit“, weil sie „die überwiegende Mehrheit der Menschen“ als „religiös erwartungsvoll“ zeige.
„Der Advent ist die Zeit der Erwartung, und so zeigt die neue Studie, dass die überwiegende Mehrheit der Menschen in diesem Land nach wie vor religiös erwartungsvolle Menschen sind. 70 Prozent der Bevölkerung stufen si