Kardinal Martino fordert weltweite Abschaffung der Todesstrafe
Jun 09, 2009
Gemeinschaft Sant'Egidio veranstaltete in Rom internationale Justizminister-Tagung
Rom, 29.05.2009 (KAP) Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden ("Iustitia et Pax"), Kardinal Renato Raffaele Martino, hat die weltweite Abschaffung der Todesstrafe gefordert. Man könne "kein Verbrechen mit einem anderen Verbrechen bestrafen", sagte der Kardinal bei einem von der Gemeinschaft Sant'Egidio veranstalteten internationalen Kongress von Justizministern in Rom. Die Todesstrafe sei "ein Zeichen mangelnder Zivilisation", so Martino weiter. Es gelte, die USA und China zu "bekehren, damit sie die Todesstrafe abschaffen". Der Kardinal wörtlich: "Diese beiden Großstaaten spielen in diesem Bereich eine ausschlaggebende Rolle auf internationaler Ebene".
An dem Kongress auf dem Kapitol nahmen 15 Justizminister und zahlreiche Parlamentarier und Höchstrichter aus insgesamt 25 Ländern teil. Seit dem letzten derartigen Kongress im Vorjahr ist die Todesstrafe in Togo, Burundi, Ruanda, Gabon, Usbekistan und im US-Bundesstaat New Mexico abgeschafft worden.
Martino legte bei dem Kongress ein persönliches Bekenntnis ab: "Wo immer über die Abschaffung der Todesstrafe diskutiert wird, bin ich dabei". Er sei 16 Jahre Ständiger Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in New York gewesen und habe "Tag und Nacht" an den Initiativen zur Abschaffung der Todesstrafe mitgearbeitet.
Die Initiative der Gemeinschaft Sant'Egidio sei sehr wichtig, weil sie einer "Kultur des Todes" die "Kultur des Lebens" entgegenstelle, betonte der Kardinal. Die Abschaffung der Todesstrafe in mehreren Ländern seit dem letzten Justizminister-Kongress sei ein bedeutender Fortschritt, aber es gebe noch immer zu viele Länder, "die dieses Verbrechen benutzen".
Der südafrikanische Justizminister Jeffery Th. Radede berichtete, dass die Abschaffung der Todesstrafe im neuen Südafrika nach dem Ende des Apartheid-Regimes ein wichtiger Schritt der Versöhnung gewesen sei. Dies beweise, dass es auch in einer "zutiefst verwundeten Gesellschaft" möglich sei, die Voraussetzungen für ein harmonisches Zusammenleben zu schaffen.
Mario Marazziti, der Sprecher von Sant'Egidio, betonte, dass seit dem Dezember 2007, als die Vollversammlung der Vereinten Nationen alle "Todesstrafen-Länder" einlud, auf die Vollstreckung von Todesurteilen zu verzichten, große Fortschritte erzielt worden seien. Heute gebe es bereits 120 Staaten, in denen die Todesstrafe de jure oder de facto abgeschafft sei.