Kardinal Martino hat sein Statement zu Gaza erläutert
Jan 12, 2009
Israel hat ein Recht auf Selbstverteidigung
ROM, 12. Januar 2009 (ZENIT.org).- Kardinal Renato Raffaele Martino will seinen Vergleich des Gaza-Streifens mit einem Konzentrationslager nicht als Verbalattacke auf Israel verstanden wissen. Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden bekräftigte kürzlich in Rom zudem Israels Recht auf Selbstverteidigung.
„In meinen Worten gibt es nichts, was antiisraelisch interpretiert werden könnte", sagte der Kardinal der italienischen Zeitung „La Repubblica" am vergangenen Donnerstag. Martino hatte am Mittwoch in einem Interview mit der Website „ilsussidiario.net" wörtlich gesagt: „Schauen wir uns die Lebensbedingungen im Gaza-Streifen einmal an: Das ähnelt immer mehr einem riesigen Konzentrationslager."
Er habe ebenso deutlich das Verbrennen israelischer Flaggen bei einer Kundgebung in Mailand verurteilt, sagte Kurienkardinal Renato Martino als Klärung auf seine Ausführungen in besagtem Interview mit der Online-Zeitung.
Der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden fügte hinzu, keine der beiden Konfliktparteien berücksichtige die Interessen der anderen, sondern denke nur an das eigene Interesse.Die Folgen dieses „Egoismus" seien „Hass auf den anderen, Armut, Ungerechtigkeit". Leidtragende sei stets die Zivilbevölkerung.
Die Kritik des israelischen Verteidigungsministeriums wies Martino zurück. Das Vokabular von Kardinal Martino sei schockierend und gleiche der Propaganda der radikal-islamischen Hamas, hatte ein Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem gesagt. „Wir sind erstaunt, Worte von einem geistlichen Würdenträger zu hören, die so weit entfernt von der Wahrheit und Würde sind."
„Es geht mir nicht darum, die Hamas zu verteidigen, aber das, was geschieht, ist furchtbar und menschenunwürdig", betonte der Kardinal der römischen Tageszeitung La Repubblica.
Martino erläuterte seine Aussage in „La Repubblica" dahingehend, er wolle auf die Lebensbedingungen der Menschen im Gaza-Streifen hinweisen. Sie existierten „umgeben von einer unüberwindlichen Mauer, unter Bedingungen, die jeder Menschenwürde spotteten".
Der Kurienkardinal bekräftigte nun aber auch Israels Recht auf Selbstverteidigung und erklärte, dass die Hamas die Waffenruhe gebrochen habe. „Die Raketen der Hamas sind gewiss keine Zuckermandeln. Ich verurteile sie", so Martino gegenüber „La Repubblica". Zugleich kritisierte er die Tötung palästinensischer Kinder und die Bombardierung von Schulen durch israelische Truppen. Die israelische Armee verfüge über technische Einrichtungen, die es ihr ermöglichen würden, „sogar eine Ameise auf dem Gelände auszumachen".
Nachdrücklich mahnte Martino zu Verhandlungen unter internationaler Vermittlung. Israel müsse die Hamas als Gesprächspartner akzeptieren. „Sich an einen Tisch setzen heißt schon, sich nicht gegenseitig umzubringen", sagte der Kardinal. Die Hamas müsse ihrerseits ihr Ziel der Zerstörung Israels aufgeben. „Wenn sie einen palästinensischen Staat wollen, müssen sie einsehen, dass der eingeschlagene Weg falsch ist", betonte Martino.