Kardinal Kasper gegen eine Kuschel-Ökumene
Sept 06, 2007
Gegen eine Ökumene „des kleinsten gemeinsamen Nenners“ hat sich der Präsident des Päpstlichen Einheitsrats, Kardinal Walter Kasper, gewandt.
H e r m a n n s t a d t (idea, 5.09.07) – Diese Methode, die sich in der Vergangenheit – etwa bei der Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre – als fruchtbar erwiesen habe, führe im Augenblick nicht mehr weiter, sagte Kasper bei der 3. Europäischen Ökumenischen Versammlung am 5. September in Hermannstadt (Sibiu/Rumänien).
Weil sich Katholiken und Protestanten nicht einig seien über das Verständnis der Kirche und in großen Teilen auch nicht über das Verständnis der Eucharistie, könnten sie nicht gemeinsam Abendmahl feiern. Das sei schmerzlich, aber kein Grund zur Resignation, sagte Kasper. „Eine Kuschel- und Schummel-Ökumene, die nur nett sein möchte, bringt uns nicht weiter“, so Kasper.
Konfessionen können sich gegenseitig bereichern
Stattdessen könne man sich „mit den uns geschenkten Reichtümern“ gegenseitig bereichern. So hätten Katholiken von den Protestanten in den vergangenen Jahren viel über die Bedeutung des Wortes Gottes gelernt. Evangelische lernten momentan von der katholischen Kirche auf dem Gebiet der Liturgie. Und die Orthodoxen hätten einen wachen Sinn für das Geheimnis des Glaubens. „Wir kennen uns noch zu wenig, und deshalb lieben wir uns zu wenig“, erklärte der Kardinal. Auf Dauer gebe es keine Alternative zur Ökumene: „Alles andere würde unserer Verantwortung vor Gott und der Welt widersprechen.“ Aber die Gespräche müssten klar und offen geführt werden. Die innerkirchlichen Spaltungen seien mitschuldig an den Spaltungen in Europa und an der Verweltlichung des Kontinents. Und sie hätten für viele Menschen „das Licht Christi verdunkelt“. Dies müsse alle Christen beunruhigen.
Papst: Gebet ist der Königsweg zur Ökumene
In einem schriftlichen Grußwort wandte sich auch Papst Benedikt XVI. an die Teilnehmer der ökumenischen Versammlung. Die Sorge um die sichtbare Einheit aller Christen sei berechtigt. Ein offener Dialog und die Begegnung im Zeichen der Brüderlichkeit sollten für die Bemühungen um Einheit richtungweisend sein. Den Königsweg zur Ökumene stelle das Gebet für Einheit der Christen dar, so der Papst.