Heiliger Geist erlaubt sich auch außerhalb unserer Kirche zu blasen'
Jun 05, 2007
Kurien-Kardinal Kasper feierte in sein Goldenes Priesterjubiläum: In der Ökumene die Unterschiede klar benennen - Familie für viele junge Menschen das erste und wichtigste Priesterseminar
Vallendar (www.kath.net, 04. Juni 2007) Hohe Repräsentanten aus Kirche, Politik und Gesellschaft sind am vergangenen Wochenende in Vallendar zur Feier des Goldenen Priesterjubiläums von Kurienkardinal Walter Kasper zusammen gekommen. Zu Ehren des Präsidenten des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen hatte die Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar und das nach ihm benannte Institut für Theologie, Ökumene und Spiritualität zu einem Festakt und einem theologischen Fachsymposium eingeladen. Zum Abschluss feierte der 74jährige Kardinal, der Ehrendoktor der Vallendarer Hochschule ist, am Sonntag, 3. Juni, mit Freunden und Weggefährten ein Pontifikalamt in der Pfarrkirche St. Marzellinus und Petrus in Vallendar.
Seine Ansprache bei dem Festakt stellte Kardinal Kasper unter das Leitwort aus dem Korintherbrief: „Wir sind nicht Herren eures Glaubens, sondern Diener eurer Freude“. In dem Vortrag blickte er auf sein 50jähriges Wirken als Priester, Lehrer, Bischof und Förderer der Ökumene zurück. Eine große Bedeutung misst er der Familie bei den Priesterberufungen zu: „Die Familie ist für viele junge Menschen das erste und wichtigste Priesterseminar; sie muss in der Kirche Priorität haben, denn die Krise der Familie ist auch das Epizentrum der gegenwärtigen kulturellen und moralischen Krise der Gesellschaft.“
An die Pfarrgemeinden appellierte er, eine Atmosphäre zu schaffen, wo junge Menschen zum Priestertum ermutigt werden. Weiter ermutigte er, „den Weg des Konzil weiter zu gehen“. Seiner Ansicht nach wird in der Kirche manchmal zu viel von der Kirche gesprochen. Sie sei schließlich eine Gemeinschaft von Menschen, auch von sündigen Menschen. Vielmehr gelte es, auf die Person Jesus Christus zu schauen und die Gottesfrage ins Zentrum zu rücken. „Es muss wieder eine Selbstverständlichkeit werden, von Gott zu reden“, lautete einer seiner Merksätze.
Er erzählte auch von bewegenden Gesprächen in Rom mit Bischöfen aus anderen Kirchen und stellte fest: Der Heilige Geist erlaubt sich auch außerhalb unserer Kirche zu blasen“. Zum Thema Ökumene plädierte er dafür, die Unterschiede klar zu benennen. Man müsse nicht unbedingt von einer „Ökumene der Profile“ sprechen. Es gehe vielmehr „um eine Ökumene des Austauschs, bei der man unheimlich viel voneinander lernen kann“. Die Zuhörer lernten in dem Vortrag auch den Menschen Walter Kasper kennen: „Bei allem Ernst gilt es im Leben das Lächeln, den Humor, das Schmunzeln zu bewahren“, meinte der Kardinal. Ein Lächeln sei „Zeichen der Souveränität christlicher Freiheit: „Gelegentlich lächelt auch Gott über uns, über die Kirche, über manche Eifersüchteleien, Streitereien und Rechthabereien.“ Natürlich gelte auch zu verändern. Kardinal Kasper: „Aber es gilt, das Lächeln, den Humor, das Schmunzeln zu bewahren, Das scheint mir auch ein Ausdruck der Menschenfreundlichkeit und der Humanitas Gottes zu sein. Ich denke, ein solches Lächeln ist auch heute möglich und wirkt befreiend.“