„Steh zu deiner Überzeugung“
Jan 19, 2007
Kardinal Kasper predigt vor über 1200 Gläubigen in Wigratzbad.
(Der Westallgäuer, 08.01.2007) Wigratzbad - „Wir feiern mit den Brüdern und Schwestern im Osten nochmals Weihnachten“, machte Seine Eminenz Walter Kardinal Kasper auf die doppelte Bedeutung des Dreikönigstages aufmerksam. Der Kardinal, einst Bischof von Rottenburg-Stuttgart, feierte an diesem Feiertag in der Sühnekirche „Herz Jesu und Mariä“ in Wigratzbad die heilige Messe mit über 1200 Gläubigen.
In den Ostkirchen ist Dreikönig das Hochfest der Epiphanie (Erscheinung) und hat dort die Bedeutung, die Weihnachten für uns hat. Als Präsident des päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen war es dem Kardinal in seiner Predigt ein Anliegen, die Gläubigen darauf hinzuweisen.
Dekan Monsignore Ortwin Gebauer verlas das Evangelium, in dem vom Besuch der Weisen beim neugeborenen Jesus berichtet wird. In der Bibel sei nicht die Rede von Königen, sondern von Magiern im Sinne von Gelehrten, erinnerte Kasper. Und die hätten sich nicht mit dem zufrieden gegeben, „was ‘man’ so denkt, glaubt oder wie ‘man’ sich benimmt.“ Sie hätten etwas riskiert, seien mutig ihren Weg gegangen.
Den Gebrauch des eigenen Verstandes, Augen und Ohren offen zu halten, legte Kasper jedem Christen ans Herz: „Trau nicht dem, was ,man‘ so sagt, steh zu deinen Überzeugungen, folge deinem Gewissen und dem Zeichen, das Gott dir gibt.“ Solche Christen seien heute nötig, die nicht dem Druck der Öffentlichkeit nachgäben. Jesus sei der wahre Orientierungspunkt in unserer Orientierungslosigkeit. Gott erscheine uns nicht im Spektakulären sondern im Alltag.
Und so wie die Weisen vor einem Kind und nicht vor einem König (Herodes) auf die Knie gefallen seien, so sollten die Christen auch heute nicht vor Mächtigen oder gar falschen Idolen knien. Einzig vor Gott sollten wir auf die Knie fallen, „da fällt uns kein Zacken aus der Krone“. Am Ende der Messe gab es sogar herzlichen Applaus für den sympathischen Kardinal, der noch am gleichen Tag zurück nach Rom reisen musste. Die „offene oberschwäbische“ Art zu predigen, so Thomas Maria Rimmel, der Direktor der Gebetsstätte, sei mit ein Grund, warum er sich so auf den Besuch Walter Kaspers gefreut habe, schmunzelte er in seiner Begrüßung. Er hatte den Kardinal in seine Kirche eingeladen, als er ihn im vergangenen März in Rom „auf der Straße getroffen“ hatte.
Und der war, da er zum Jahreswechsel einige Tage Urlaub in Wangen verbrachte, wo er noch Familie hat, ist Kasper der Einladung gern gefolgt. Zumal er nicht zum ersten Mal in Wigratzbad predigte. Unter anderem hat er im vergangenen Sommer den Jugendtag besucht. Auf die Frage Rimmels am Ende des Gottesdienstes, wer aus des Kardinals früherer Diözese komme, hob eine große Zahl Kirchenbesucher die Hand. Und auch die Kennzeichen der vielen Autos im vollgeparkten kleinen Dörfchen zeigten, dass der Kardinal, der im April sein goldenes Priesterjubiläum feiern kann, weit herum große Wertschätzung genießt.