Kardinal warnt vor Selbstverleugnung
Dec 23, 2006
Kreuz verstecken bedeutet kapitulieren
(Allgemeine Zeitung/dpa, 22.12.2006) MÜNCHEN - Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper hat die Europäer vor "einer kulturellen wie religiösen Selbstverleugnung" gewarnt. Das Kreuz abzuhängen, es auf den privaten Raum zu beschränken oder es zu verstecken, komme "einer Kapitulation gleich", schrieb der 73-Jährige im Magazin "Focus". Damit "werden wir nicht Achtung sondern Verachtung der Andersgläubigen ernten". Anlass für die Äußerungen des zweitwichtigsten Deutschen im Vatikan nach Papst Benedikt XVI. sind die jüngsten Auseinandersetzungen um christliche Symbole.
In einer oberbayerischen Schule war dem Bericht zufolge auf Elternprotest hin ein Holz-Kruzifix mit einer Jesus-Figur durch bunte afrikanische Kreuze ersetzt worden. In Mailand hätten aus Rücksicht auf Muslime 40 Prozent der Kindergärten auf Weihnachtskrippen verzichtet. Und in Bozen hätten Kindergärtnerinnen versucht, Weihnachtslieder mit Jesus-Bezug zu verbieten.
"Wir sitzen gegenwärtig einem falschen, um nicht zu sagen: einem schwächlichen und feigen Verständnis von Toleranz auf", kritisierte Kardinal Kasper solche Versuche. Toleranz bedeute "Respekt und Achtung vor der Überzeugung anderer, nicht Verzicht auf die eigene Überzeugung". In seinem "Focus"-Beitrag verteidigte er außerdem die heftig umstrittenen Äußerungen seines Kardinals-Kollegen Meisner zu multireligiösen Feiern.