Der Vatikan wehrt sich
Jun 05, 2006
Als „absolut ungerechtfertigt“ bezeichnete Kurienkardinal Kasper jüdische Kritiken an der epochalen Rede von Papst Benedikt XVI. im Konzentrationslager Oswiecim-Birkenau.
(kreuz.net, 02. Juni 2006) Vatikan - Die Kritiken jüdischer Vereinigungen an der Rede von Papst Benedikt XVI. in Birkenau sind „absolut ungerechtfertigt“.
Mit diesem Worten erteilte der Präfekt der Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen Papstkritikern eine deutliche Absage. Das berichtete das italienische Web-Magazin ‘korazym.org’.
„Ein deutscher Papst, der nach Ausschwitz geht: Das ist ein schwieriger Gang“ – erklärte der Kardinal: „Wer in diesem Augenblick das Gesicht des Papstes gesehen hat, begreift was ich meine.“
„Es war für den Papst sehr schwierig, an diesem Ort eine Rede zu halten. Aber er konnte nicht schweigen.“
Darum ist nach Kardinal Kasper entscheidend, „was der Papst in seiner Rede
Kardinal Walter Kasper:
Die Rede des Papstes bewegte sich auf höchstem Niveau. Sie war außerordentlich.“
gesagt – nicht was er nicht gesagt hat.“
Der Kurienkardinal berichtete auch von einigen US-amerikanischen Rabbinern, die ihn am Mittwoch im Vatikan besuchten. Die Rabbiner hätten die Rede des Papstes begrüßt und sich von Kritiken anderer Rabbiner distanziert.
Auf die Frage, warum der Papst am vergangenen Sonntag nicht von „Antisemitismus“ gesprochen habe, erklärte Kardinal Kasper: „Der Antisemitismus ist eine Sünde und wer den Antisemitismus nicht verurteilt, ist ein Dummkopf.“
Für den Papst sei eine Verurteilung des Antisemitsmus in Auschwitz eine Selbstverständlichkeit gewesen.
Zum Deutschen Volk erklärte der Kardinal, „daß eine kollektive Verantwortung für die Judenvernichtung nach der katholischen Glaubenslehre nicht existiert, genausowenig eine kollektive Absolution.“
„Der Papst hat sich [in Birkenau] nicht wie ein Politiker verhalten, sondern hat Fragen gestellt, die tiefer gehen. Das Schweigen Gottes: Das war die Frage vieler Juden und darüber hat Benedikt XVI. nachgedacht. Das ist eine sehr offene Frage, nachdem die Nationalsozialisten Gott zerstören wollten. Die Rede des Papstes bewegte sich auf höchstem Niveau. Sie war außerordentlich.“
Der Papst habe sich nicht weniger als dreimal als Sohn des Deutschen Volkes bezeichnet und er habe sich selber in die historische Schuld des Deutschen Volkes eingefügt.
„Auch ich bin Deutscher und weiß um das Klima der Angst, das in dieser Zeit herrschte“ – so Kardinal Kasper:
„Der Papst hat gesagt, daß es sich um gewaltige Verbrechen handelt. Aber es gab auch Deutsche, die Opfer des Systems wurden.“