Józef Cardinal Glemp Józef Cardinal Glemp
Function:
Archbishop of Warszawa, Poland
Title:
Cardinal Priest of S Maria in Trastevere
Birthdate:
Dec 18, 1929
Country:
Poland
Elevated:
Feb 02, 1983
More information:
www.catholic-hierarchy.org
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German Dammbruch: Der Polnische Primas führt die Handkommunion ein
Feb 22, 2005
Schock in Polen: „Ich erlaube, daß die Priester oder Kommunionhelfer ab dem kommenden Hohen Donnerstag, die heilige Hostie auf die Hand der Gläubigen legen dürfen.“ Der Entscheid des Erzbischofs von Warschau löste im Land zum Teil empörte Reaktionen aus. Ein polnischer Parlamentarier im EU-Parlament stellte die Frage, wie die Katholiken ihren Hirten folgen könnten, wenn diese die eigene Kirche profanierten.

kreuz.net, Warschau) Der Primas von Polen und Erzbischof von Warschau, Józef Kardinal Glemp, hat beschlossen, in seiner Erzdiözese die Handkommunion einzuführen. Der Entscheid des Erzbischofs wird ab dem kommenden Hohen Donnerstag rechtskräftig. Der Hohe Donnerstag fällt heuer auf den 24. März. Vorausgehend hat bereits Bischof Alfred Nossol, der Oberhirte der oberschlesischen Diözese Oppeln die Handkommunion eingeführt.

Bis vor kurzem war die traditionelle kniende Mundkommunion im katholischen Polen landesweit die Regel. Der Entscheid des Kardinals hat in der polnischen Kirche und darüber hinaus Unruhe und Besorgnis ausgelöst. Von einem „fatalen Schritt in die falsche Richtung“ sprach ein langjähriger Pfarrer in Warschau.

Ein empörter polnischer EU-Parlamentarier der „Liga für die polnischen Familien“ äußerte in einem Fernseh-Interview seine „Bestürzung“ über den kurzsichtigen Entscheid von Kardinal Glemp. Die Einführung der Handkommunion sei ein Schlag gegen die katholische Tradition Polens. Sie werde zu einer nachhaltigen Schwächung des Glaubens im Land führen. Der Parlamentarier fragte sich, wie die Christen ihren Hirten folgen könnten, wenn diese die eigene Kirche profanierten.

Die Handkommunion tauchte in der Katholischen Kirche erstmals Ende der 60er Jahre auf. Zuerst wurde sie während der Konzilswirren in den deutschsprachigen Ländern ohne Erlaubnis und trotz des heftigen Widerstandes von Papst Paul VI. eingeführt. Behauptungen, wonach die Handkommunion im ersten Jahrhundert die Regel war, konnten historisch nie nachgewiesen werden. Vereinzelte Zeugnisse dafür scheinen eher auf Mißbräuche hinzudeuten.

Im Westen führte die Handkommunion zu einem rapiden Verfall der eucharistischen Frömmigkeit und öffnete anhaltenden schweren Mißbräuchen und Sakrilegien Tür und Tor. Die von Papst Johannes Paul II. kürzlich seliggesprochene Mutter Theresa von Kalkutta antwortet auf die Frage, welches das gegenwärtig drückendste Problem der Katholischen Kirche sei: „die Handkommunion“.

Der Erzbischof von Warschau gab seine umstrittene Entscheidung in einem Hirtenbrief zur diesjährigen Fastenzeit bekannt. Dieser steht unter dem Titel „Daß Christus in uns wachsen möge“ und handelt von der Eucharistie. Die katholische Kirche begeht gegenwärtig weltweit ein „Jahr der Eucharistie“.

In seinem Hirtenbrief formuliert der Kardinal drei Bedingungen, unter denen die Handkommunion zukünftig in seiner Erzdiözese erlaubt ist. Wer die Handkommunion erhalten will, muß gefirmt sein, die richtige Handstellung verwenden und „den Herrn Jesus sehr lieben“.

Die dritte Bedingung sorgt in Polen gegenwärtig für große Verwunderung. Polnische Katholiken fragen sich, ob diese Bedingung impliziere, daß Gläubige, welche die Mundkommunion empfangen, damit ein Defizit in ihrer Christusliebe zum Ausdruck brächten.

Der Einführung der Handkommunion wurde der Weg auf der zweiten Plenarsynode der Polnischen Bischöfe im Oktober 1999 gebahnt. Die Beschlüsse der Synode wurden 2001 vom Vatikan bestätigt. In einem Dokument der Synode zum Thema „Die Liturgie der Kirche nach dem Zweiten Vatikanischen Konzils“ heißt es: „Die Plenarsynode bestätigt und schätzt den üblichen knienden Empfang der heiligen Kommunion ,in den Mund’, ohne andere Formen des Kommunionempfanges auszuschließen, sofern der angebrachte Respekt vor der heiligen Eucharistie gewährleistet ist.“

In seinem Hirtenbrief zur Fastenzeit, der das Datum vom 30. Januar 2005 trägt, spricht Kardinal Glemp zunächst allgemein über die Heilige Kommunion als Quelle unserer Heiligung, die Bedeutung des Sonntags und die geistliche Erneuerung. Er geht auch auf die Frage der schweren Sünde ein, die vom Kommunionempfang ausschließt. Dann behandelt er die Eucharistie als Mahl, Anbetung und Mittel zum Aufbau der Kirche.

Das dritte Kapitel des Hirtenbriefes steht unter dem Titel „Weisen des Empfanges der Heiligen Kommunion“. Kardinal Glemp spricht zuerst von der Anordnung der Gläubigen beim Kommunionempfang: „Wir können die Heilige Kommunion kniend oder stehend empfangen, wie es der Empfangende wünscht.“ Die Gläubigen sollten sich entlang der Kommunionbank aufstellen oder in einer Prozession vor den Priester hintreten.

Da in Polen Kommunionbänke verwendet werden, die den knienden Kommunionempfang erlauben, ist die Aufreihung der Gläubigen entlang der Kommunionbänke die übliche Art des Kommunionempfanges.

Das soll sich nach dem Hirtenbrief von Kardinal Glemp ändern: „Die angemessenste Art des Kommunionempfanges ist die Prozession, wobei die Gläubigen einzeln zum Kommunionspender hintreten.“ Das sei angeblich ein Symbol für die Weise, wie die Gläubigen im täglichen Leben gemeinsam auf dem Weg zu Christus voranschreiten.

Der vom Kardinal gewünschte Kommunionempfang wird die kniende Kommunion besonders für alte und kranke Menschen erschweren oder verunmöglichen.

„Manchmal“ – fährt der Kardinal weiter – „stellt sich die Frage nach der Handkommunion.“ Die Kirche als Hüterin der Eucharistie erlaube heute unter gewissen Umständen den Empfang des „eucharistischen Brotes“ auf die Hand.

Diese Art bezeuge eine „große religiöse Reife“ des Empfangenden und sei ein „Zeugnis dafür, daß Christus sich uns in seiner Güte anvertraue.“ In den Kirchen des Westens oder in Afrika sei diese Form verbreitet. Die Gläubigen, die aus diesen Ländern nach Polen kämen, würden dort ihre Hand ebenfalls zum Empfang der Kommunion ausstrecken.

Die Erlaubnis der Handkommunion liege in der Kompetenz des Diözesanbischofs: „Nach Erwägung des Problems erlaube ich, daß die Priester oder Kommunionspender ab dem kommenden Hohen Donnerstag, die heilige Hostie auf die Hand der Gläubigen legen dürfen, wenn diese die entsprechenden Bedingungen erfüllen.“

Kein Verständnis für die Maßnahme des Kardinals bezeugte eine polnische Mutter, die in Rom verheiratet ist: Statt aus den bitteren Erfahrungen der Kirche im Westen zu lernen, würden die polnischen Bischöfe kopflos in denselben Abgrund reiten.

Verfallserscheinungen sind in der katholischen Kirche in Polen schon länger sichtbar. Bereits am 22. August 2001 bat Kardinal Glemp die Gottesdienstkongregation, Christi Himmelfahrt, das Fest des heiligen Joseph, der Apostel Peter und Paul und der Unbefleckten Empfängnis nicht mehr als gebotene Feiertage zu begehen oder auf einen Sonntag zu verschieben. In den Zeiten der kommunistischen Volksrepublik waren diese Feste stets gehalten worden.

Am 4. März 2003 antwortete die vatikanische Gottesdienstkongregation, daß sie der Abschaffung oder Verschiebung dieser Feste „sehr gerne” zustimme.

Nicht besser ging es dem Freitagsfasten und den polnischen Fastentagen. Sie wurden erst kürzlich – angeblich zum Wohl der Seelen – durch kirchliche Dekrete ebenfalls verwässert.
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