Ungarn befürchten, in ein entchristlichtes Vereintes Europa einzutreten
Apr 10, 2005
Der Erzbischof von Budapest, Kardinal Peter Erdö, hat am Mittwoch der Befürchtung Ausdruck verliehen, die unter den ungarischen Gläubigen angesichts des Beitritts zur Europäischen Union ihres Landes besteht, an deren Bild sie derzeit “die Verneinung christlicher Werte” festmachen.
MAILAND, 28. November 2003 (ZENIT.org).- Der 51-jährige Kardinal – im letzten Konsistorium kreiert, ist er der jüngste Kardinal der Welt - ist eingeladen worden, am Einführungskurs Theologie an der Università Cattolica von Mailand zu sprechen, und erklärte der Tageszeitung der italienischen Bischofskonferenz Avvenire gegenüber, dass der EU-Beitritt Ungarns nicht gerade ein Prozess ohne Schmerzen sei.
„Um ehrlich zu sein, gibt es unter den Gläubigen starke Befürchtungen, da sie das Bild der EU mit der Verneinung christlicher Werte, der Euthanasie, der Krise der Institution Ehe und so weiter verbinden”.
“Ohne das Christentum fehlt Europa das Herz”, fuhr der ungarische Kardinal fort. Doch müssen wir realistisch sein: die EU ist unsere Bestimmung, wir können nicht draußen vor bleiben. Es gibt Risiken und Chancen”.
“Ich glaube fest an ein Europa des christlichen Humanismus, an ein Europa, das mit beiden Lungenflügeln atmet, wie uns Papst Johannes Paul II. immer wieder in Erinnerung ruft. Und für ein solch kleines Land, wie wir es sind, ist es grundlegend, sich mit anderen Nationen in einem organischen Gesamt zu befinden, in einer Perspektive der wahren Versöhnung”.
Er gilt als einer der Experten Mitteleuropas im Kirchenrecht und war früher Rektor der katholischen Universität Budapest: Kardinal Erdö steht heute für die Hoffnung der katholischen Kirche in Ungarn nach dem Fall des Kommunismus.
Über die Lage der Kirche in seinem seinem sehr säkularisierten Land befragt, gibt er unumwunden den Priestermangel zu: “In ganz Ungarn gibt es nur 2000 Priester für sechseinhalb Millionen Katholiken, die mehr als 60 Prozent der Bevölkerung stellen”.
“Nur dank der Hilfe ausländischer Priester, vor allem polnischer, französischer und italienischer, kann unsere Kirche ihre seelsorglichen Aufgaben wahrnehmen”, sagt Kardinal Erdö.
“Den Weg, den wir beschreiten, ist der eines größeren Einsatzes der Laien, insbesondere der Religionslehrer. Und glücklicherweise gibt es in Ungarn die kirchlichen Bewegungen, die aktiv mit den Pfarreien zusammenarbeiten”, schließt Kardinal Erdö.