Bischof für neuen Umgang mit Homosexuellen
Jul 16, 2012
Der Berliner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki (55) wünscht sich einen unverkrampften Umgang der Kirche mit Homosexuellen und wiederverheirateten Geschiedenen.
Der Berliner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki (55) wünscht sich einen unverkrampften Umgang der Kirche mit Homosexuellen und wiederverheirateten Geschiedenen.
Gleichzeitig äußerte er in einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" Kritik am Umgang mit der "Vatileaks"-Affäre – also der Enthüllung vertraulicher Dokumente des Kirchenstaates – und am Finanzgebahren der Vatikan-Bank.
"Dass die katholische Kirche an Glaubwürdigkeit verliert, geht mir sehr nahe", sagte Woelki, der an diesem Samstag als Mitglied der Kurie erstmals in seiner Titularkirche in Rom die Eucharistie feiern wird.
Die Kirche sollte offener zu geschiedenen Menschen sein, die wieder geheiratet haben. "Vielleicht ist es ein Problem, dass heute in der Kirche immer alles fast überkorrekt gesehen werden muss", sagte Woelki. "Es muss doch auch möglich sein, katholisch zu sein, ohne dass das bis ins Letzte immer überprüft wird."
Als vorbildlich nannte Woelki den Umgang des Papstes mit dem in zweiter Ehe lebenden bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU), dem Benedikt XVI. im Vatikan die Kommunion erteilt hatte.
"Das ist ein gutes Beispiel für das, was ich damit sagen möchte: Wer bin ich, dass ich die "katholischen" Lebensumstände von Horst Seehofer bewerte? Ich bin darüber nicht informiert, es geht mich auch nichts an", sagte der Erzbischof. "Der Papst jedenfalls hat so gehandelt, wie es wohl jeder Seelsorger tut, der keinen zurückweisen will."
Nach katholischer Lehre dürfen Geschiedene, die wieder geheiratet habe, die Sakramente nicht entgegennehmen. Jüngst hatten knapp 200 Geistliche die Kirche aufgefordert, Wiederverheiratete zur Kommunion zuzulassen.
Auch im Umgang mit Homosexuellen wünscht sich Woelki eine positive Haltung. Wenn er den Katechismus ernst nehme, "darf ich in homosexuellen Beziehungen nicht ausschließlich den "Verstoß gegen das natürliche Gesetz" sehen", sagte der Kardinal.
Unter Homosexuellen gebe es viele Menschen, die dauerhaft Verantwortung füreinander übernehmen und sich Treue versprechen. An der Lehre, dass die Kirche für die Ehe von Mann und Frau stehe, hält er unvermindert fest.
Hart ins Gericht geht der Kardinal in dem Interview mit der Affäre um Geldwäsche am Heiligen Stuhl. "Überall, wo Menschen sind, gibt es natürlich Schwäche, leider auch in der Kirche. Was wir sagen, das sollten wir auch versuchen zu leben. Umso ärgerlicher ist es, wenn im Raum der Kirche eine Bank schlecht agiert oder sogar Geldwäsche passiert und finanzielle Unregelmäßigkeiten geschehen. Das darf bei uns keinen Ort haben", sagte er.