Ein neuer Kardinal aus Deutschland
Nov 26, 2007
„Dare il benvenuto“ - Herzlich willkommen, Paul Josef Cordes! VON ANDREAS ENGLISCH.
(Bild-Zeitung, 26. November 2007) Was für ein Tag der Freude für die Deutschen:
Wir bekommen einen weiteren Kardinal! Du bist es, lieber Paul Josef Cordes. Ich werde mich daran gewöhnen müssen, Eminenz zu dir zu sagen, aber ich tue das gern. Papst Benedikt XVI. hat am 17. 0ktober nicht nur einen Mitarbeiter, sondern auch einen Freund dazu berufen, am kommenden 24. November mit der Ehre ausgezeichnet zu werden, ein Kardinal der römisch-katholischen Kirche zu sein.
Insgesamt steigt die Zahl der stimmberechtigten Kardinäle, die eines Tages den Nachfolger von Papst Benedikt XVI. wählen werden, auf 122. Es ist ein Geheimnis, und trotzdem weiß es im Vatikan jeder, dass niemand anders als du mit Papst Benedikt XVI. an seiner ersten Enzyklika Deus Caritas Est geschrieben hast.
Du, der Junge aus Kirchhundem im Sauerland, geboren am 5. September 1934, hast es weit gebracht. Vielleicht kommen wir deswegen gut zusammen aus, weil ich aus dem Westfälischen komme und da, wo du geboren wurdest, rodeln ging.
Deine Verbundenheit mit deiner Heimat habe ich immer bewundert. Du warst schon längst der mächtige Chef des päpstlichen Sozialministeriums „Cor Unum“ und hast trotzdem wie ein einfacher Gemeindepfarrer Vertretungen in Gemeinden im Sauerland absolviert.
Du hast im Auftrag des Papstes viel Elend gesehen auf dieser Welt. Du hast oft darunter gelitten, nicht helfen zu können, denn deine Mittel sind gemessen an den großen Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz sehr begrenzt. Manchmal reichte es nur für den Tropfen auf den heißen Stein.
Aber du warst immer da, wo Menschen unter Hunger und Krieg litten oder Opfer von Naturkatastrophen wurden. All das im Auftrag des Papstes, um zu zeigen, dass der Vatikan den Menschen im Leid nahe ist.
Deswegen freue ich mich heute, gratulieren zu dürfen. Du wirst bald das purpurrote Gewand der Kardinäle tragen, als Zeichen, dass du bereit bist, dein Blut für die katholische Kirche zu vergießen. Ich weiß, in deinem Fall ist das nicht nur eine Floskel.
Ich werde vor dem Tag, an dem der Papst dir den Kardinalhut geben wird, noch einmal ins Sauerland fahren und dir luftgetrocknete Salami besorgen. Ich weiß, dass du sie gern magst. Dann werde ich mich der Reihe der Gratulanten im apostolischen Palast anschließen.