Wo der Apostel Paulus begraben ist
Mar 14, 2007
Sankt Paul vor den Mauern, eine der vier Hauptbasiliken Roms, liegt außerhalb der historischen City an der Via Ostiense, ist aber schnell mit der U-Bahn zu erreichen. In letzter Zeit zieht sie noch mehr Besucher an. Im Innern des Papstaltars wird die Marmorplatte mit der Inschrift „Paulus Apostolo Mart“ aufbewahrt, das Zeugnis dafür, dass die erste Kirche an dieser Stelle im vierten Jahrhundert über dem Grab des frühchristlichen Märtyrerapostels errichtet worden ist.
(Rheinischer Merkur, 15.03.2007) Dieses unvollständige Fundstück ist nicht sichtbar. Eine Kopie in Originalgröße befindet sich in einem Saal des Museums nebenan. Doch gleich unter dem Papstaltar können die Besucher neuerdings ein Stück der Seitenfront jenes Sarkophags in Rohmarmor sehen, der zu der Inschrift gehört. Er wird von Scheinwerfern angestrahlt. Unter einer Glasplatte davor sind auch Mauer- und Fußbodenreste der ersten Basilika sichtbar.
Nie habe ein Zweifel daran bestanden, dass an dieser Stelle der Missionsapostel Paulus begraben wurde, der im Jahre 67 n.Chr. von den Römern mit dem Schwert enthauptet worden sein soll. Das erklärte Andrea Kardinal Cordero Lanza di Montezemolo dieser Tage, als er persönlich eine Besuchergruppe durch das Kirchengebäude führte und das Gitterfenster für Nahaufnahmen vom Sarkophag öffnen ließ.
Der 81-jährige Kardinal war im Juni 2005 im Zuge der Umstrukturierung der Verwaltung der Basilika von Papst Benedikt XVI. zum ersten Erzpriester von Sankt Paul vor den Mauern ernannt worden. 2006 gehörte Montezemolo zu jenen drei kirchlichen Würdenträgern über 80, die wegen ihrer „in beispielhafter Treue und bewundernswerter Hingabe“ geleisteten Dienste zu Kardinälen ernannt wurden.
Das auf die Vergangenheit bezogene Papstlob scheint Kardinal Cordero Lanza di Montezemolo erst recht zu weiterer emsiger Aktivität angeregt zu haben. Er sorgt jetzt dafür, dass außer der Paulusgrabstelle auch weitere Teile der Basilika restauriert und verschönert werden.
Vor dem Bau des Petersdoms war die Kirche mit ihren 8500 Quadratmetern Innenfläche die größte Basilika Roms gewesen. 1823 wurde sie bei einem Brand schwer beschädigt. Bei den Rekonstruierungsarbeiten waren erste bedeutende archäologische Funde aus frühchristlicher Zeit gemacht worden.
Der Erzpriester lässt jetzt auch die Medaillons mit Bildnissen aller Päpste an den oberen Wänden effektvoll anstrahlen. Die Scheiben der Fenster wurden mit Alabaster erneuert, den Ägypten zur Verfügung gestellt hat. Serviceeinrichtungen für Pilger und Touristen ergänzen die Erneuerung.
Bis zum nächsten Jahr wird fast alles fertig gestellt sein. Dann würde, wenn der Papst seine Genehmigung dazu gibt, am 29.Juni 2008 ein internationales 2000-Jahre-Gedenken an den heiligen Paulus beginnen. Benedikt habe den Vorschlag „mit Wohlwollen“ aufgenommen und man befinde sich jetzt in der Studienphase eines solchen Projektes, sagt der Kardinal. Zwischen den Jahren 7 und 10 n.Chr. soll Paulus, der bei Orthodoxen und Lutheranern mehr „Gewicht“ hat als Petrus, in der Stadt Tarsus in der heutigen Türkei geboren sein.