Joseph Cardinal Zen Ze-kiun, S.D.B. Joseph Cardinal Zen Ze-kiun, S.D.B.
Function:
Bishop of Hong Kong [Xianggang]
Title:
Birthdate:
Jan 13, 1932
Country:
Hong Kong
Elevated:
Mar 24, 2006
More information:
[link=http://www.catholic-hierarchy.org/bishop/bzenz.html][www.catholic-hierarchy.org]
Send a text about this cardinal »
View all articles about this cardinal »
German „Wir haben das Recht, offen zu handeln“
Jul 31, 2007
Ein Gespräch mit dem Oberhirten von Hongkong, Joseph Kardinal Zen Ze-Kiun, über die Situation der Katholiken in China nach dem Brief des Papstes.

(DT vom 31.07.2007) Wie ist der Brief des Heiligen Vaters in China rezipiert worden?

Verschiedene Leute haben den Brief verschieden rezipiert. Wir in Hongkong sind begeistert davon, und in Taiwan hatte ich eine Begegnung mit Kardinal Shan und auch er ist begeistert. Wir haben beide sofort sehr positiv reagiert und bewundern die Ausgewogenheit: einerseits die Leidenschaft für die Wahrheit und andererseits die Güte des Heiligen Vaters uns allen gegenüber. Es ist schwierig, die Rezeption des Briefes in China einzuschätzen, aber aufgrund der Kontakte, die wir haben, scheint es, dass der Brief sehr gut angekommen ist. Chinas Katholiken sind glücklich darüber, sowohl in der Untergrundkirche als auch in der offiziellen Kirche. Das bedeutet allerdings nicht, dass es einfach für sie wäre, nun alle Konsequenzen zu ziehen und dem Brief entsprechend zu handeln. Am meisten hat die Reaktion der Regierung überrascht. Der Heilige Vater hat keinen Zweifel daran gelassen, was katholische Prinzipien sind. In diesem Sinne handelt es sich um eine ganz eindeutige Position. Darauf hätte man harte Reaktionen erwarten können. Aber es stellte sich heraus, dass die Reaktion mild ausfiel. Das ist ein ermutigendes Zeichen. Vielleicht hat es der Papst wirklich fertig gebracht, ihnen zu verstehen zu geben, dass das, was er sagt, nichts Persönliches ist, sondern einfach die Lehre der Kirche, von Jesus Christus und den Aposteln bis zum heutigen Tag. Diese Lehre wird von der ganzen Kirche angenommen und weltweit wird das anerkannt. Vielleicht ist dies ein Neuanfang für die Kirche in China.

Wie viele Katholiken in China haben den Brief des Papstes?

Ich bin mir nicht sicher, aber wir wissen, dass es am ersten Tag nach der Veröffentlichung möglich war, den Brief vom Internet herunterzuladen. Und so konnte der Brief in den darauffolgenden Tagen auch weitergeleitet werden. Doch am nächsten Tag mussten die Betreiber der Web-Seiten den Brief wieder entfernen. Ich gehe davon aus, dass zumindest alle Bischöfe und Priester eine Kopie des Briefes haben. In Hongkong haben wir viele Exemplare gedruckt, die Reisende nach China mitbringen können. Im Taschenformat. Sehr praktisch.

Was erwarten Sie als nächsten Schritt in Richtung Normalisierung des Verhältnisses zwischen Peking und Rom?

Der Brief des Papstes ist sehr, sehr wichtig für den Klerus in China. Die Bischöfe können sich nie zu Gesprächen treffen, ohne von der Regierung kontrolliert zu werden. Die sogenannte Bischofskonferenz trifft sich nur, wenn die Regierung sie zu einem Treffen einberuft, das von ihr – der Regierung – geleitet wird. Aber jetzt hat jeder den Brief des Heiligen Vaters, der an sie alle gerichtet ist und sie wissen auch, dass sogar die Regierung eine Kopie dieses Briefes hat. Jeder kennt den Brief. Das ist ein neuer Ausgangspunkt. Der Klerus und vor allem die Bischöfe können auf der Grundlage dieses Briefes versuchen, mit Chinas Führung zu verhandeln. Meines Erachtens ist das größte Problem in China, dass die Stimme unserer Bischöfe nicht zu den wirklichen Führungsgestalten durchdringt. Liu Bai Nian (der Vizepräsident der Katholischen Patriotischen Vereinigung) steht dazwischen. Er spricht im Namen der Kirche, aber er repräsentiert die Kirche nicht. Unsere Bischöfe repräsentieren die Kirche. Aber sie haben keine Stimme und die Führung Chinas hört nur die Stimme von Herrn Liu Bai Nian. Ich hoffe, dass die Bischöfe direkten Zugang zur Führungsspitze Chinas suchen und auf der Basis dieses Briefes verhandeln werden.

Halten Sie es für möglich, dass die Patriotische Vereinigung abgeschafft wird?

Das ist genau das, was wir erhoffen, denn inzwischen ist klar, dass diese Institution nicht länger tragbar ist. Der Heilige Vater macht das auch in seinem Brief deutlich. Vor allem nach der illegitimen Bischofsweihe im letzten Jahr ist es wirklich undenkbar, eine Einrichtung, die so schlimme Dinge vorantreibt, noch weiter zu tolerieren. Sie arbeitet nicht für das Wohl der Kirche in unserem Land. Zum jetzigen Zeitpunkt ist klar, dass sie nur den status quo zu erhalten versucht und ihre eigenen Interessen verfolgt.

Katholische Hilfsorganisationen, Missionseinrichtungen und Ordensgemeinschaften, die in China tätig sind, sehen sich oft gezwungen, mit der Patriotischen Vereinigung zusammenzuarbeiten. Was ist dabei zu beachten?

Ich habe versucht, den Menschen die Nebenwirkungen dieser Zusammenarbeit klarzumachen. Denn in der Vergangenheit war Kooperation notwendig. Wer etwas zu Wege bringen wollte, musste das durch die Patriotische Vereinigung tun. Für eine gewisse Zeit waren wir uns alle darin einig, diese Tatsache hinnehmen zu müssen. Aber nach so vielen Jahren können wir nun die negativen Folgen sehen. In erster Linie hat es dazu geführt, die Position und Macht von Liu Bai Nian zu stärken. Der Regierung gegenüber hat er jetzt Macht, weil er behaupten kann, dass seine Bedingungen von allen Katholiken akzeptiert werden müssen. Und den Bischöfen gegenüber hat er Macht: Wenn ein Bischof gefügig ist, darf er zu einer Tagung ins Ausland fahren. Wer sich nicht fügt, bekommt nie eine derartige Chance. Inzwischen ist uns also klar geworden, dass es nicht in Ordnung war, mit diesem Mann zu kollaborieren.

Wer finanziert die Patriotische Vereinigung? Hängt die Zukunft der Patriotischen Vereinigung eher von finanziellen als von ideologischen Erwägungen ab?

Sie hat Macht und dadurch auch Geld. Sie kontrolliert die Kirche und auch die Finanzen der Kirche. Die Regierung lässt zu, dass viel Geld ausgegeben wird, um Aktivitäten wie die illegitime Bischofsweihe im letzten Jahr zu unterstützen. Die Patriotische Vereinigung hat den Bischöfen, die an der Weihe teilnahmen, viel Geld gezahlt. Geld spielt dabei eine große Rolle. Aber sie hat es den Leuten auf diese Weise wirklich unmöglich gemacht, zu akzeptieren, dass eine solche Organisation weiter existiert. Denn die Patriotische Vereinigung will nicht nur Kontrolle über die Kirche ausüben, sondern sie geht auch so weit, unsere Bischöfe zu demütigen. Um die Teilnahme an illegitimen Weihen zu erzwingen, hat sie hässliche Methoden angewandt: Betrug, Drohungen und sogar Entführung.

Der Heilige Vater sagt in seinem Brief: „Der Untergrund fällt nicht in die Normalität des Lebens der Kirche“. Wie erklären Sie diesen Satz? Es gibt Kommentatoren, die darin eine Aufforderung an alle Untergrundkatholiken sehen, den Untergrund zu verlassen.

Zunächst einmal sollten alle Kommentare auf einer genauen Lektüre des Briefes aufbauen. Der Heilige Vater erklärt die Situation sehr präzise, wenn er feststellt, dass im Untergrund zu sein nicht normal ist. Es ist absolut nicht normal, denn wir haben das Recht, offen zu handeln. Der Heilige Vater erwähnt jedoch auch, dass die Menschen zu dieser Position gezwungen worden sind, um widerrechtliche Kontrolle von außen zu vermeiden. Und wo auch heute noch widerrechtliche Kontrolle von außen ausgeübt wird, gibt es einen Grund, im Untergrund zu bleiben. Also ist es absolut falsch zu sagen, dass der Brief die Untergrundkirche auffordert, öffentlich zu werden. Der Heilige Vater erlaubt lediglich, dass die Bischöfe ihre eigene Entscheidung treffen – und er sagt, dass diese Entscheidung schwierig ist. Das ist keine Einladung. Die ganze Argumentation, die diesem Statement vorausgeht, rät zur Vorsicht. Denn der Brief besagt, dass es zwar im Prinzip in Ordnung ist, von der Regierung anerkannt zu sein, aber in konkreten Fällen, ist es oft – und sogar fast immer – unmöglich, denn die Regierung verlangt von den Menschen, dass sie gegen den Glauben handeln. Hier wird keine Einladung ausgesprochen.

Wie transparent ist die offizielle Kirche? Neunzig Prozent der Bischöfe der offiziellen Kirche die illegitim geweiht wurden, haben sich später mit Rom versöhnt. Halten Sie es für problematisch, wenn solche Bischöfe ihr Verhältnis zu Rom bis heute nicht offen eingestehen?

Ich sehe darin kein großes Problem, denn alle Priester und Gläubigen wissen von ihrem Ortsbischof, ob er mit Rom versöhnt ist oder nicht. Außerhalb der Diözese weiß man vielleicht nicht so genau Bescheid und deswegen wäre es natürlich gut, wenn sich Bischöfe offen bekennen. Anfangs war es verständlich und großzügig vom Heiligen Stuhl, den Bischöfen nicht abzuverlangen, ihre Legitimierung publik zu machen, denn zunächst gab es nur wenige solche Bischöfe. Ein öffentliches Bekenntnis hätte die Gefahr mit sich gebracht, ins Gefängnis gesteckt zu werden. Aber jetzt, da bekannt ist, dass fast alle Bischöfe schon versöhnt sind, scheint mir, dass sie die Treue zu Rom ohne Furcht offen zugeben könnten. Die Regierung würde sicher nicht alle absetzen. Der Heilige Vater fügt noch etwas hinzu. Er sagt, dass diese Bischöfe auch durch Taten ihre neue Haltung bezeugen müssen – und es ist ganz sicher unvereinbar, mit dem Heiligen Stuhl versöhnt zu sein und trotzdem an illegitimen Bischofsweihen teilzunehmen.

Sehen Sie eine Möglichkeit, dass die chinesische Regierung einen Kandidaten aus der

Untergrundkirche als Bischof der offiziellen Kirche zulässt?

Ich halte das nicht für unmöglich. Ein Untergrundpriester müsste bereit sein, den Untergrund zu verlassen und offen zu agieren. Das ist in Ordnung, solange ihn die Regierung anerkennt, ohne ihn dazu zu zwingen, der Patriotischen Vereinigung beizutreten, oder zu erklären, dass er eine (von Rom) unabhängige Kirche leiten werde, oder mit einem illegitimen Bischof zu konzelebrieren. Und das halte ich für sehr schwierig. Es ist nicht unmöglich, aber sehr schwierig.

Wie wird die Geschichte nun weitergehen?

Man kann natürlich nie vorhersagen, was in China geschehen wird. Im Augenblick machen wir uns immer noch Sorgen, denn die erste Reaktion war moderat. Man könnte sogar sagen, es schien gar keine rechte Reaktion zu geben. Vielleicht diskutiert man noch, um zu einem Ergebnis zu kommen. Einige Bischöfe sind schon gewählt worden und haben auch die Approbation des Heiligen Stuhls, warten aber immer noch auf die Bischofsweihe warten. Warum wird das von der Patriotische Vereinigung und dem Religionsbüro hinausgezögert? Wir können nicht allzu optimistisch sein im Augenblick. Wir müssen beten.

Wie kann sichergestellt werden, dass durch finanzielle Hilfe aus dem Ausland die Kirche in China und nicht die Patriotische Vereinigung bestärkt wird?

Da gibt es keine einfache Lösung. Es gab den Versuch einer gewissen Hilfsorganisation der offiziellen Kirche, als „Caritas China“ anerkannt zu werden. Ich war dagegen, denn auf der ganzen Welt untersteht die Caritas den Bischöfen – auf Diözesanebene dem Ortsbischof und auf nationaler Ebene der Bischofskonferenz. Diese Organisation untersteht jedoch nicht dem Bischof. Deshalb kann sie nicht die „Caritas China“ sein. Was die Hilfe aus dem Westen betrifft: Man kann es sich zu leicht machen und einen einfachen Weg suchen, Geld zu geben, um das Gefühl zu haben, etwas Gutes getan zu haben. Ich würde denen, die finanzielle Hilfe leisten wollen empfehlen, mit ihrem Geld nach China zu gehen und sic darum zu kümmern, wo das Geld hingeht. Dann können sie eher sicher sein, dass das Geld wirklich die Armen erreicht. Und sie können sich informieren, wie zum Beispiel beim Holy Spirit Centre in Hongkong. Dort wird man gut beraten, wohin man spenden soll. Im Zentrum liegen Daten vor und die Mitarbeiter kennen die Situation. Es ist auf jeden Fall so, dass die Untergrundkirche mehr Hilfe braucht. Auch deshalb, weil es schwieriger ist, ihnen Geld zu schicken. Ich würde mir mehr Hilfe für die Untergrundkirche wünschen. Ich weiß, es ist schwieriger, aber sie brauchen es. Sie sind in größerer Not.

Kardinal Zen, Sie werden manchmal als der Anwalt der Untergrundkirche in China dargestellt. Ist das korrekt und was ist Ihr Verhältnis zur „offiziellen“ Kirche?

Meines Erachtens ist das nicht korrekt. Denn ich habe so viele Freunde in der „offiziellen“ Kirche. Und ich bin überzeugt, dass ich dazu beigetragen habe, dass der Heilige Stuhl in den Jahren (1989–1996), in denen ich an chinesischen Priesterseminaren unterrichtet habe, ein besseres Verständnis für die „offizielle“ Kirche entwickelt hat. In dieser Zeit habe ich viele Berichte geschrieben und ich denke, ich konnte das Bild des Heiligen Stuhls von der offiziellen Kirche verändern. Denn zunächst hatten wir alle sehr starre Kategorien: Die „Guten“ gegen die „Bösen“. Aber das war falsch. Sie sind alle gut, mit ganz wenigen Ausnahmen. Ich bin mir sicher, dass die Gläubigen der offiziellen Kirche meine Freunde sind. Zweifellos.

Ein chinesischer Bischof der offiziellen Kirche sagte kürzlich, er könne nicht so frei sprechen wie Sie, denn er müsse seine Diözese schützen. Was können Bischöfe in China tun und sagen?

Wir leben in einer schwierigen Situation, denn das eine Land hat zwei Systeme. Wir (in Hongkong) stehen nicht unter der Kontrolle der Patriotischen Vereinigung oder des Religionsbüros. Wir können offen reden. In China ist das nicht möglich, denn die Regierung kann die Wahrheit nicht akzeptieren. Doch jetzt, wo jeder den Brief des Papstes kennt, glaube ich, dass selbst in China die Bischöfe in der Lage sein werden der Regierung zu sagen, was im Brief des Heiligen Vaters steht.

Kardinal Zen, stellen Sie eine Bedrohung für die chinesische Regierung dar, etwa wie Papst Johannes Paul II. für das kommunistische Regime Polens?

Ich fühle mich sehr geehrt, aber das ist absurd, denn die Situationen sind ganz unterschiedlich: Polen ist eine katholische Nation und in China sind wir eine kleine Minderheit. Und ich bin kein Papst!
30 READERS ONLINE
INDEX
back to the first page
printer-friendly
CARDINALS
in alphabetical order
by country
Roman Curia
under 80
over 80
deceased
ARTICLES
last postings
most read articles
all articles
CONTACT
send us relevant texts
SEARCH