"Es gibt nur eine einzige katholische Kirche"
May 17, 2006
Klarstellung von Kardinal Zen zur Lage der Kirche in China. Reaktion auf eine Erklärung der Pekinger Regierung zur Kritik aus dem Vatikan
HONGKONG, 11. Mai 2006 (ZENIT.org).- "In China gibt es nur eine einzige katholische Kirche, und alle wollen vom Papst geführt werden." Mit diesen Worten reagierte Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, Erzbischof von Hongkong, auf eine Erklärung der Regierung der Volksrepublik China, die nach der scharfen Kritik des Heiligen Stuhls (vgl. ZENIT vom 4. Mai) versucht hatte, die beiden unrechtmäßigen (ohne Zustimmung des Papstes) erfolgten Bischofsweihen am 30. April beziehungsweise am 2. Mai zu rechtfertigen.
Das für religiöse Angelegenheiten zuständige Büro des kommunistischen Pekinger Regimes hatte auf den Vorwurf aus dem Vatikan, mit den unzulässigen Bischofsweihen die Einheit der Kirche, aber auch die Religionsfreiheit zutiefst zu verletzen, erwidert, dass die "eigenständige" Ernennung und Weihe von Bischöfen in China seit 50 Jahren gängige Praxis sei. Dazu stellte der von Papst Benedikt XVI. in den Kardinalsstand erhobene Erzbischof von Hongkong fest: "Sie wollen Bischöfe, aber keine Ernennung und auch keine Approbation durch den Papst. Kann eine solche Kirche dann von sich noch behaupten, dass sie die wahre katholische Kirche sei?"
In einer Erklärung, die am 8. Mai von "AsiaNews", der Nachrichtenagentur des Päpstlichen Instituts für die Missionen im Ausland, veröffentlicht wurde, stellt Kardinal Zen klar, dass sich jene Bischöfe in der Volksrepublik China, die ohne Zustimmung des Heiligen Vaters gewählt worden seien, ihrer schwierigen Situation durchaus bewusst seien – "und in ihrem Herzen herrscht kein wirklicher Friede". Deshalb hätten sie dem Heiligen Stuhl auch ihre Bitten um "Vergebung und Anerkennung" vorgelegt, und der Papst habe diesen Ansuchen nach seinen Möglichkeiten immer auch stattgegeben.
"In den vergangenen 20 Jahren – am Ende dieses 'halben Jahrhunderts' – ist in der offiziellen Kirche nach und nach von allen die Tatsache anerkannt worden, wie wichtig die Ernennung durch den Papst für die Bischöfe ist. Aus diesem Grund schicken alle 'vom Rat der chinesischen Bischöfe gewählten' Bischofsanwärter [dabei handelt es sich um eine Art chinesische Bischofskonferenz, die vom Vatikan nicht anerkannt wird, Anm. d. Red.] ein Gesuch mit der Bitte an den Heiligen Stuhl, vom Papst bestätigt zu werden – und sie wissen, dass das notwendig ist. Erst nachdem sie diese Bestätigung durch den Papst erhalten haben, empfangen sie die Weihe."
Diejenigen, die ohne Zustimmung des Bischofs von Rom geweiht worden seien, befinden sich nach Kardinal Zen "in keiner einfachen Situation: Die Priester lehnen es im Allgemeinen ab, mit ihnen zu konzelebrieren, und die Gläubigen wollen nicht an den Heiligen Messen teilnehmen, die von ihnen gefeiert werden."
Wie Kardinal Zen berichtet, sei diese Entwicklung nicht im Interesse der von der chinesischen Regierung offiziell anerkannten und geförderten "Patriotischen Vereinigung" und jener des Büros für religiöse Angelegenheiten gewesen. Unter anderem habe die kommunistische Regierung deshalb vielen Bischöfen nachdrücklich untersagt, die vom Heiligen Stuhl erhaltene Bestätigung öffentlich bekannt zu machen.
Der Kardinal beklagt, dass die Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und dem Heiligen Stuhl nur in einer "passiven Zusammenarbeit" bestünden, und verleiht seinem Wunsch Ausdruck, dass beide Seiten in naher Zukunft zu einer für alle zufrieden stellenden Einigung gelangen mögen.
"Eine Einigung ist unsere heutige Hoffnung. Aber die Patriotische Vereinigung und das Büro für religiöse Angelegenheiten haben zwei Priester dazu gezwungen, die Bischofsweihe ohne Approbation seitens des Heiligen Stuhls anzunehmen. Wir verstehen nicht, warum dieser Schritt getan wurde, und er ist dafür verantwortlich, dass unsere Hoffnung schwindet. Abschließend: Wer ist derjenige, der den Rückschritt verursacht?"